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"Übelst langweilig und altmodisch." Auf dem Lehrplan stand das Thema Novelle und die Stimmung in Davids Schulklasse war von Begeisterung weit entfernt. "Kleider machen Leute" spielt in den 1830er Jahren, was eine moderne Handlung zweifellos ausschließt. Die Aussage an sich, dass Kleider Leute machen, ist jedoch heutzutage aktueller denn je. Während einer Diskussion mit meinem Sohn über das Für und Wider von Literatur sowie der Notwendigkeit des Deutschunterrichtes in Deutschland, entstand die Idee zu dieser Novelle reloaded – frei nach Gottfried Keller. Ali Günay, arbeitsloser Imbissverkäufer aus Offenbach wird durch einen Zufall für einen Sternekoch gehalten, erhält Zugang zu den besseren Kreisen in Frankfurt und verliebt sich ausgerechnet in die Tochter des Bürgermeisters. Kann das auf Dauer gutgehen?
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Seitenzahl: 32
Veröffentlichungsjahr: 2015
In einem Intercity zwischen Köln und Frankfurt entstand die Idee zu diesem Buch. Nach den Vorstellungen ihres Sohnes David brachte Britta Heinrichs die modernisierte Handlung einer alten Novelle zu Papier.
Ali Günay, arbeitsloser Imbissverkäufer aus Offenbach, wird durch einen Zufall für einen Sternekoch gehalten, erhält Zugang zu den besseren Kreisen in Frankfurt und verliebt sich ausgerechnet in die Tochter des Bürgermeisters. Kann das auf Dauer gutgehen?
Britta Heinrichs hat bereits mehrere Bücher und Kurzgeschichten veröffentlicht. Dies ist das erste Werk, welches in Zusammenarbeit mit ihrem Sohn David Heinrichs entstanden ist.
Anregungen von Dilara Kanat, einer Mitschülerin, sind ebenfalls mit eingeflossen – hierfür vielen Dank.
Ein weiteres Dankeschön geht an Yeşım Newiadomsky für den Einblick in ihre Muttersprache.
Kirsten Schwarz danke ich fürs Korrekturlesen.
„Das Menschenleben ist eine ständige Schule.“
Gottfried Keller
Auf der Straße
Im Hotel „Hessischer Hof“
Das Festessen
In besseren Kreisen
Maike, die Tochter des Bürgermeisters
Frankfurt am Main
Ein schönes Paar
Im Stadion
Blamage
Alis Flucht
Die Aussprache
Maike und Ali
Happy End
Wörterbuch
An einem regnerischen und kalten Novembertag wanderte ein türkischer Imbissverkäufer einige Kilometer von Offenbach in Richtung Frankfurt; der großen Stadt, welche als die europäische Bankenmetropole gilt. Der Imbissverkäufer trug in der Reisetasche neben seinen persönlichen Sachen, Kleidung und Papieren ein kleines, silberfarbenes Döschen mit einer orientalischen Gewürzmischung. Dies war sein ganzer Besitz. Denn er hatte aufgrund der Insolvenz eines Offenbacher Imbissbudenbesitzers seinen Job und deshalb auch seine Wohnung verloren. Nun wollte er nach Frankfurt gehen, und sich beim dortigen Jobcenter melden, um neue Arbeit zu finden.
Ali war inzwischen hungrig, denn außer einen Hamburger bei McDonalds, bezahlt mit seinem letzten Euro, hatte er noch nichts gegessen. Er wollte gar nicht darüber nachdenken, wie er an eine vernünftige Mahlzeit kommen sollte. Betteln ging gar nicht, weil er über seinem schwarzen Dolce & Gabbana-Hemd eine warme, dunkelgraue Hilfiger-Daunenjacke mit echtem Fell an der Kapuze trug, die ihn cool und stylisch aussehen ließ. Sein kurzer, schwarzer Undercut und sein schmales Bärtchen waren sorgfältig gepflegt. Dazu erfreute er sich gebräunter, markanter Gesichtszüge.
Seine hochwertige Kleidung und das Styling waren ihm sehr wichtig, auch wenn er nur ein einfacher Arbeiter ohne richtige Ausbildung war. Ali hatte immer gerne im Dönerimbiss gearbeitet. Doch lieber wäre er verhungert, als sich von seiner Designer-Jacke und dem dazu passenden, weichen Kaschmirschal zu trennen, die ihm so gut standen.
Sein Weg führte ihn nun nach Frankfurt, wo die Leute so weltmännisch auftraten, und er hoffte, dort in einer der zahlreichen Imbissbuden oder Schnellrestaurants einen Job zu finden und nochmal ganz neu anzufangen. Wenn ihm unterwegs jemand begegnete und ihn interessiert ansah, senkte er schüchtern den Blick. Sein Magen knurrte und Ali zweifelte bereits, ob es wohl die richtige Entscheidung gewesen war, einfach alles hinter sich zu lassen.
Er zog die Kapuze seiner Jacke tiefer ins Gesicht, denn der Regen kam inzwischen von allen Seiten.
Erschöpft und mutlos bog Ali Günay in die Hanauer Landstraße ein, als neben ihm ein weißer BMW 114i hielt mit der markanten Aufschrift: „Spiegel TV - Ein Sternekoch reist durch Deutschland“. Der Fahrer ließ das Fenster herab, beugte sich über den Beifahrersitz und winkte ihn zu sich.
„Hey, Bruder, soll ich dich mitnehmen? Du siehst fix und fertig aus.“ Gerade mischte sich in den Regen auch noch eisiger Hagel. Der Imbissverkäufer nickte müde.
„Danke, mein Freund, das wäre nett. Ich will nach Frankfurt rein. Seit Stunden bin ich zu Fuß unterwegs.“ Der türkische Chauffeur nickte.
„Setz dich nach hinten, arkadaṣ. Ich fahre zum Hessischen Hof, da kann ich dich rauslassen.“ Der Fahrer hatte mit einem Blick gesehen, dass ein Landsmann seine Hilfe gut gebrauchen konnte. „Adın ne?“
„Mein Name ist Ali.“
„Benim adım
