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Dieses Buch ist kein psychologischer Ratgeber. Dieses Buch ist die Dokumentation eines Selbstversuchs. Es beschreibt den Weg vom durch die Werbung manipulierten Konsumenten hin zum mündigen Verbraucher. Es beschreibt die Reduktion von Dingen, von sich selbst, um dem Leben ein wenig mehr Ordnung und Struktur zu geben und dadurch wertvolle Zeit zu gewinnen. Das Buch beschreibt ein Lebensgefühl – halbsoviel ist DOPPELTSOWENIG.
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Seitenzahl: 132
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Dieses Buch ist kein psychologischer Ratgeber.
Dieses Buch ist die Dokumentation eines Selbstversuchs.
Es beschreibt den Weg vom durch die Werbung manipulierten Konsumenten hin zum mündigen Verbraucher.
Es beschreibt die Reduktion von Dingen, von sich selbst, um dem Leben ein wenig mehr Ordnung und Struktur zu geben und dadurch wertvolle Zeit zu gewinnen.
Das Buch beschreibt ein Lebensgefühl – halbsoviel ist DOPPELTSOWENIG.
Nach ihrem Erfolg mit der Dokumentation „Konsumdiät“ hat Britta Heinrichs erneut einen Selbstversuch gestartet. Sich selbst in allen Lebensbereichen zu reduzieren war harter Tobak für eine bis dahin eher inkonsequente und nicht sehr disziplinierte Frau. Humorvoll berichtet sie von ihren Erfahrungen, die zum Nachahmen einladen.
Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Leverkusen.
„Wenn du die Absicht hast, dich zu erneuern, tu es jeden Tag.“
Konfuzius
Ich widme dieses Buch einer Kämpferin
„Vesna, für dich!“
und bedanke mich bei Holger für die Wortschöpfung
„Doppeltsowenig“.
Einleitung
Chaos
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Ich brauche einen Plan
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Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub
Organisatorisches
Joker
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Hilfeplankonferenz
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Früher war alles besser
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Volle Kraft voraus
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In eigener Sache
Haushalt
Hausfrauenkram
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Große Wäsche
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Der Putzschrank
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Vorratshaltung
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Bügeln
Ernährung und Genuss
Herdprämie
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Zuviel
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Die Qual der Wahl
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„Gestatten: Brot“
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Chemiecocktail
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Ich schäme mich
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Separatorenfleisch
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Fleisch zum Zweiten
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Partyalarm
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Kein Alkohol ist auch keine Lösung
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Guten Hunger
Sport und Gesundheit
Leistungssportler
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Alarm
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Bittere Pillen
Unterhaltung und Elektronik
Elektronische Freizeitgestaltung
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Wer hat an der Uhr gedreht?
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Tonträger
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Eine Seuche namens Pou
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Dropbox
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Streicheleinheiten
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Kabelsalat
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Fernsehen
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Mach mal Urlaub
Schönheit und Pflege
Rapunzel
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Zornesfalte
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Regenbogen
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Grauzonen
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Comeback des Jahres
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Leichtmetall
Kleidung
Assimilation
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Black Friday
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Der perfekte Kleiderschrank
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Ausgemustert
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Die Hosenmarotte
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Übersicht
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Schuhe sind Rudeltiere
Accessoires
Gesucht und gefunden
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Portemonnaie
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Duftwässerchen
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Pretiosen
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Tücher und Schals
Netzwerke
Wer wen kennt…
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Aus gegebenem Anlass
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Nettes Netzwerk
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Schall und Rauch
Lesen
Zeitschriften
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Bücherregal
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Das Lesegerät
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Büchertausch
Haus und Hof
Schlafzimmer
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Gästezimmer
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Keller
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Küche
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Das Bad
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Wohnzimmer
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Idylle
Krempel
Müllentsorgung
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Buntes zur WM
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Sperrmüll
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Momox
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Jäger und Sammler
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Fotos
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Papierkram
Seele und Wohlbefinden
Kurzes Wort mit langer Wirkung
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Ich zähle täglich meine Sorgen
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Rundungen
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Haustiere
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Taktgefühl
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Treueschwur
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Von guten Mächten
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Methusalem
Worte zum Schluss
Links und Hinweise
Interessante Webseiten
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Putzplan
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Spielregeln für soziale Netzwerke
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Testergebnis: Deos ohne Aluminium
„Wie sieht es denn hier aus?”
„Als wäre eine Bombe eingeschlagen.“
(Mit diesen Worten begann seltsamerweise auch mein letztes Buch.)
Zwei Wochen Badeurlaub liegen hinter – zwei große Koffer voller Schmutzwäsche vor mir. Unser drittes Großraumgepäckstück enthält wie in jedem Jahr ausschließlich Souvenirs sowie Dinge, die wir ungetragen und unbenutzt wieder nach Deutschland eingeführt haben.
„Nächstes Mal nehmen wir weniger mit!“ Wo habe ich das bloß schon mal gehört?
Im oberen Stockwerk sieht es aus wie nach einer Hausdurchsuchung. Die Bügelwäsche liegt, nach ihren Eigentümern vorsortiert, in kleinen Haufen herum, da ich vor unserer Abreise nur schnell die Teile gebügelt habe, die wir auch mitgenommen haben. Chaos wohin das Auge blickt.
Würde heute jemand vom Jugendamt vorbeischauen, wäre unser Familienleben akut gefährdet. In der Küche stehen noch zwei Mülltüten, die wir vor der Abreise wohl dort vergessen haben. Jedenfalls sind sie fest zugebunden und somit geruchsneutral. Der Kühlschrank ist leer. Auf der Küchentheke stehen zwei Bierflaschen, die wir gestern nach unserer Rückkehr, in Ermangelung anderer Erfrischungsgetränke, geleert haben. Die Tageszeitungen und die Post von zwei Wochen stapeln sich auf der freien Hälfte des Esszimmertischs; die andere ist grundsätzlich mit diversen Gebrauchsgegenständen belegt. Hier muss dringend etwas passieren.
Es soll ja Leute geben, die vor ihrem Urlaub die Wohnung noch tipptopp in Schuss bringen und den Einbrechern einen kleinen Geldbetrag hinlegen, damit sie nicht suchen müssen und dabei die Bude verwüsten. Unsere Einbrecher wären wahrscheinlich direkt wieder abgehauen, weil die Kollegen offensichtlich schon vorher da waren.
Trotz allem kann es so nicht weitergehen. Die kleinen Koffer eines Städtetrips von vor vier Wochen stehen noch herum. Davids Schulsachen liegen seit Ferienbeginn im Weg und überall fällt man über Handtaschen, die von meiner Entscheidungsfreude zeugen, welche wohl für eine Flugreise als Handgepäck am besten geeignet sei. Die neuen Handtaschen aus der Türkei kann ich direkt in das Gesamtbild integrieren. Die bunten Designerschals drapiere ich dekorativ über die Stuhllehnen, damit sie nicht knittern. Die Sommerschläppchen, die nicht in die engere Wahl für den Urlaub kamen, liegen verstreut im Flur und sämtliche CDs, die kurz vor der Abreise unbedingt noch schnell auf die diversen iPods gepackt werden mussten, türmen sich vor dem entsprechenden Regal. Wieso hätte man sie auch direkt hineinräumen sollen?
Vierundzwanzig Stunden nach Urlaubsende befindet sich in unserer gesamten Wohnung keine freie Ablagefläche.
Ab morgen weht hier ein anderer Wind. Leider zunächst nur symbolisch, denn das afrikanische Hoch mit dem exotischen Namen Achim verhält sich kontraproduktiv. Es sorgt für Temperaturen, die das Wetter in Antalya alt aussehen lassen – und mich nicht weniger. Die Luft steht und ich lege mich erst einmal hin. Ich kann nicht mehr.
Meine Erschöpfung soll sich bereits einen halben Tag später mit einem Virus erklären, der offenbar meinen Darm besiedelt hat und diesen nun veranlasst, sich mehrmals stündlich zu verkrampfen.
Doch vorher bleiben mir noch ein paar ruhige Stunden, die ich relativ planlos verbringe. Ersten Koffer auspacken – Wäsche sortieren – frühstücken – Zeitung lesen – Kaffee trinken – Mitbringsel anschauen – zweiten Koffer auspacken – eine summende Fliege jagen – duschen – Zeitungen der vergangenen Wochen durchblättern – dritten Koffer auspacken – Kaffee trinken – ausruhen – Sachen von links nach rechts räumen – Fliege erneut jagen – Kaffee (inzwischen kalt) trinken – leere Plastiktüten einsammeln – Fliege endlich fangen – Frühstück fürs Kind machen – leere Koffer wegräumen – – – verzweifeln ob der Tatsache, dass sich am Gesamterscheinungsbild der Wohnung nicht wirklich etwas verändert hat.
„I have a cunning plan.”
(O-Ton Baldrick in ‚Blackadder‘)
Während ich stündlich das Gefühl habe, dass meine Eingeweide in Streifen gerissen werden, habe ich zwangsläufig reichlich Bedenkzeit. Mein Chef hat Mitleid und gewährt mir unbürokratisch einen Tag Aufschub.
Ich ziehe mich mit Tee und Zwieback ins Schlafzimmer zurück und lasse unseren schönen Urlaub im Geiste Revue passieren.
In den letzten beiden Wochen verliefen meine Tage tatsächlich mehr nach Plan als sonst zuhause. Feste Essens- und Ruhezeiten, Animationsprogramm, Davids Trainingsplan, gebuchte Ausflüge mit unseren (im Nachbarhotel wohnenden) Freunden, Shoppingverabredungen, Friseurtermin und unser rituelles, abendliches Kartenspielen. Der Urlaub hatte Struktur. In Ermangelung voller Schränke hatten wir jeweils nur die Sachen zur Verfügung, die in einen Koffer passen.
Dieser Zustand ließe sich doch sicher irgendwie auf meinen häuslichen und beruflichen Alltag übertragen, der zugegebenermaßen in weiten Teilen recht unorganisiert abläuft. Es gibt bei mir einige Baustellen, die ich gerne in Angriff nehmen möchte. An erster Stelle den Haushalt, aber auch Sport, Hobbies und vielleicht eine Diät. Das sollte mit ein bisschen Planung doch zu schaffen sein.
Die durch meine „Konsumdiät – vom Selbstversuch, ein Jahr lang nichts Unnötiges zu kaufen“ vor zwei Jahren erlangte Grundordnung ist lediglich noch partiell vorhanden, was dazu führt, dass unangemeldete Besucher derzeit nicht wirklich willkommen sind. Hier herrscht akuter Handlungsbedarf.
„Nirgends strapaziert sich der Mensch so sehr, wie bei der Jagd nach Erholung.“
Laurence Sterne
Es ist August und mit dem Beginn meines Vorhabens auf das neue Jahr zu warten, halte ich für unklug. Dann könnte ich 2014 meine Aktion gleich komplett von einem Privatsender erledigen lassen. „Einsatzin-vier-Wänden-Messie-Spezial“ mit mir ganz einsam in der Hauptrolle. Natürlich in Ermangelung meines Ehemannes (bis dahin geflohen) und meines Sohnes (siehe Bemerkung zu Jugendamt). Nein, der Selbstversuch kann im Groben so definiert werden, dass ich von jetzt an für einen noch zu festzulegenden Zeitraum rigoros nach Plan leben will. Besser: nach Plänen. Der in allen Bereichen vorhandene Überfluss muss sich doch irgendwie aushebeln lassen! Eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit könnte hier sinnvoll sein. Frei nach dem Motto: „Früher war alles besser.“ Ich werde im Internet nach einem Fluxkompensator suchen. Doch dazu später mehr.
Wenn man sich so umblickt, dann läuft doch vieles um uns herum planmäßig. Angefangen bei Naturereignissen wie Mondphasen, Ebbe und Flut, über den menschlichen Körper – beim weiblichen besonders nachweislich – bis zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, die nach Plan fahren (zumindest theoretisch), den Schülern, die nach Stundenplänen unterrichtet werden (ebenfalls theoretisch), bis hin zur Müllabfuhr, Steuerfälligkeiten… alles unterliegt einer gewissen Ordnung. Unser Kalender ist das Paradebeispiel für Planung.
Ich persönlich symbolisiere kalendertechnisch eindeutig den Monat April – der macht, was er will. Wieso läuft alles um mich herum nach Plan, nur ich nicht? Wieso bin ich so chaotisch? Wieso wird mir alles zu viel?
Wenn die Behauptung stimmt, dass jedes Kind Regeln lernen kann, trifft das auch auf mich zu. Hoffentlich auch auf meinen inneren Schweinehund. Der Arme wird gar nicht wissen, wie ihm geschieht. Nach meinem damaligen shoppingfreien Jahr hatte er eine recht zügellose Phase, die ich ihm jedoch schnell wieder ausgetrieben habe. Man darf gespannt sein auf die Größe der Steine, die er mir dieses Mal in den Weg legt – wenn er nicht gleich eine ganze Mauer hochzieht. Ich möchte gar nicht daran denken.
Obwohl: Es ist verdammt leicht, die Schuld an der eigenen Undiszipliniertheit auf so ein rätselhaftes Vieh abzuwälzen. Das ist wie Wasser predigen und Wein trinken. Mein innerer Schweinehund und ich stoßen also mit einer Schorle an und lassen uns auf dieses Experiment ein. Keine Ausreden!
„Warum denn so ernst?“
Joker in Batman/The Dark Knights
Meinen Chef informiere ich zuerst und ihm scheint die Idee zu gefallen. In seinem Betreuungsbüro arbeite ich an zwei Tagen, dienstags und donnerstags, was schon mal eine bestehende Planung ist. Mit Ausnahme meiner aktuellen Unpässlichkeit. Da haben wir es: Wie gehe ich mit unvorhergesehenen Ereignissen um? Was ist mit Spontanität? In jedem Fall muss ich vorab meine Ziele genau definieren und meine männlichen Mitbewohner informieren. Deren Reaktionen kann ich mir lebhaft vorstellen.
Der Vorschlag meines Chefs, bei Bedarf auch mal einen Joker ziehen zu dürfen, ist genial. Aber meine allgemeine Disziplinlosigkeit könnte dafür sorgen, dass ich den Titel des geplanten Buches in „Meine Joker und ich“ umbenennen müsste. Im Rückblick auf unsere Rommé-Abende im Türkei-Urlaub wären drei Joker pro Monat nicht übertrieben. Ich könnte welche aus einem alten Kartenspiel nehmen und in meinen Kalender legen. Apropos: Ich brauche noch ein geeignetes Medium für meine Pläne. Will ich mit Kalendern, Karteikarten, Listen oder elektronischen Hilfsmitteln arbeiten? Mitten im laufenden Jahr an einen aktuellen Kalender zu kommen, erweist sich übrigens als gar nicht so einfach. Mein kleiner Filofax bietet lediglich Platz für die laufenden Termine. Es gab doch mal diese PDAs; hat man so etwas noch?
Eines schönen Tages bin ich in der Kölner Innenstadt unterwegs und springe spontan in einen großen Fachmarkt für Unterhaltungselektronik. Dort suche ich mir einen nett aussehenden, jungen Verkäufer und verwirre ihn mit meiner Frage nach einem sogenannten PDA. Die Abkürzung steht für Personal Digital Assistent und genau so etwas brauche ich. Einen persönlichen Assistenten, den ich – einmal entlohnt – unbegrenzt ausnutzen kann. Der junge Mann verweist mich an einen älteren Kollegen, da er, wie er zugibt, von so etwas noch nie gehört hat.
Das freundliche Lächeln des älteren Kollegen stirbt augenblicklich nach Ankunft meiner Frage und es scheint, als würde er nach Luft ringen. Ich warte kurz, bis er sich gefasst hat und dann lacht er mich allen Ernstes aus! Ist ja gut, es war nur eine Frage! Er empfiehlt mir, die Funktionen meines Smartphones zu studieren oder alternativ einen Taschenkalender zu benutzen, welcher nicht weniger modern wäre als ein PDA. Soviel zu diesem Thema.
(Einige Wochen später soll ich in den Besitz eines Tablets kommen, der von da ab die Organisation meiner Termine übernehmen wird.)
Herr Mähler rät mir darüber hinaus zu einer sogenannten Hilfeplankonferenz und schickt mir dazu auch gleich einen entsprechenden Formularentwurf per Mail. Diese Maßnahme wird von sozialen Trägern durchgeführt, um eine Wiedereingliederung und tagesstrukturierende Maßnahmen zu dokumentieren und zu begleiten. Es geht darin um zu erreichende Wünsche und Ziele der Betroffenen und deren Umsetzung nebst Hilfestellungen. Wenn ich eine solche Konferenz in regelmäßigen Abständen abhalte, kann ich auf Verbesserungsvorschläge eingehen, Abläufe optimieren und die Planungen möglichst den jeweiligen Gegebenheiten anpassen. Eine monatliche Abstimmung der in unserer Familie anstehenden Termine ist sicher eine gute Idee.
Die Hilfeplan-Formulare sind als Tabellen aufgegliedert.
1. Formular „Planung“ mit folgenden Spalten:
Was soll zukünftig konkret erreicht werden?
Bis wann?
Was soll getan werden, um die Ziele zu erreichen?
Wer soll das tun?
Wo soll das gemacht werden?
2. Formular „Zielüberprüfung“ mit folgenden Spalten:
Was sollte zuletzt konkret erreicht werden?
Das Ziel wurde erreicht
teilweise erreicht
nicht erreicht
Wie kam es zu diesem Ergebnis?
Die Idee ist gut, denn ohne eine ausführliche Aufstellung über meine groben Ziele brauche ich gar nicht erst anzufangen. Daraus leite ich dann die Feinheiten ab und entwerfe dazu die entsprechenden Listen. Zu aufwendig darf es natürlich auch nicht werden, sonst komme ich vor lauter Planungsarbeit nicht mehr zur Umsetzung.
Beim Aufräumen neige ich nämlich dazu, mich zu verzetteln. Ich kann ohne weiteres am CD-Regal hängenbleiben und dessen immensen Inhalt hingebungsvoll nach Alphabet sortieren. Das ist zwar abendfüllend, hat aber wenig bis keinen Einfluss auf den Gesamteindruck der Wohnung. Gerne vertiefe ich mich beim Ausmisten des Zeitungskorbes in die ungelesenen Frauenzeitschriften, was der Grundordnung des Raumes insofern nicht förderlich ist, dass zu dem ganzen Kürmel noch die rausgerissenen Seiten mit Rezepten, Frisuren- und Modetipps dazukommen. Ich brauche also einfache und übersichtliche Strukturen mit konkreten Anweisungen.
Außerdem muss ich geschickt um meine Familie herum planen, weil es
a) mein Projekt ist und
b) in erster Linie unser Familienleben bereichern und nicht beeinträchtigen soll.
Das mag sein. Aber wann war denn eigentlich „früher“? Vor 1989, wenn man einigen Zeitgenossen glauben darf, die aus den neuen Bundesländern stammen. Vor 2011, wenn man meinen Sohn fragt, der noch immer wehmütig seine frühere Klassenlehrerin vermisst.
Das reicht mir nicht.
Um meinem neuen Projekt einen tieferen Sinn zu geben, erscheint mir der Zeitraum von 30 Jahren ideal. Ich war damals jugendliche sechzehn Jahre alt und erinnere mich gerne an diese unbeschwerte Zeit. Ob dieser Selbstversuch für mich ebenso unbeschwert werden wird? Nach meinen Erfahrungen mit der Konsumdiät sicher nicht. Ich werde jedoch ganz ernsthaft versuchen, meinen Alltag durch „weniger ist mehr“ zu vereinfachen.
Ich hätte es in meinem Leben einfach gerne etwas übersichtlicher.
Halbe Kraft drückt es besser aus. Die fehlenden Hauptmahlzeiten in Verbindung mit auslaugenden Viren haben sich zwar durchaus positiv auf mein viel zu hohes Gewicht ausgewirkt (Baustelle), aber leider auch äußerst negativ auf meine Belastbarkeit. Im Hinblick auf die drei vollen Wäschesäcke, die zwar ordentlich aufgereiht aber eindeutig am falschen Platz – nämlich in der Küche – stehen, bricht mir der Schweiß aus. Frei nach dem Motto „Aus dem Auge, aus dem Sinn“ bringe ich sie erst mal in den Keller. Dort fallen sie zwischen all den Körben mit Bügelwäsche fast nicht auf. Auch im Keller befinden sich noch diverse Kleidungsstücke in der Warteschleife. Hatte ich total verdrängt. Das schreit nach Struktur und vor allem nach Reduktion.
Die Waschmaschine rotiert inzwischen und jetzt wäre ein guter Zeitpunkt mit einer fundierten Hausarbeitsplanung zu beginnen. Doch mein Sohn hat mir gestern den Besuch seiner „Zocker“-Clique für heute angekündigt. Alle stehen nach den Ferien in gewisser Weise unter Entzug
