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Keine Zeit? Kein Problem! Zwanzig schaurige Leckerbissen für den kleinen Lesehunger zwischendurch. Die machen schnell satt und bescheren süße Träume. Da wären z.B. Timo und Lars, die eines Nachts auf einem einsamen Schrottplatz nach einem Außenspiegel für ihr Auto stöbern und dabei eine verhängnisvolle Entdeckung machen. Oder Walter, der von seiner Frau ein nettes Geschenk erhält, das plötzlich ein seltsames Eigenleben entwickelt. Eine Tatsache, die ihm überhaupt nicht gefällt. Diese und achtzehn weitere ungewöhnliche Leckerbissen warten darauf, von dir verspeist zu werden.
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Seitenzahl: 134
Veröffentlichungsjahr: 2018
Stefan Friedmann
© 2018 Stefan Friedmann
Umschlag, Illustration: mb design
Verlag und Druck: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7469-0853-3
Hardcover:
978-3-7469-0854-0
e-Book:
978-3-7469-0855-7
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Bedanken möchte ich mich bei Stefanie und Ivonne für ihre knallharte und dringend nötige Fehlerkorrektur. Und natürlich bei Ariane, die mich mit ihrem unermüdlichen Einsatz an allen Fronten tatkräftig unterstützt. Ein weiteres Dankeschön geht an mb design, die wieder einmal das Cover gestaltet haben. Es ist sensationell geworden! Doch das größte Dankeschön geht an meine Frau. Oft musst du Rücksicht nehmen oder den Alltag mit den Kindern ohne mich bewältigen, weil ich in die Welt des Schreibens abgetaucht bin. Halte bitte weiter durch!
Bisher ist vom Autor in diesem Verlag erschienen: „Das Teufelshaus“
ISBN
Paperback:
978-3-7345-5533-6
Hardcover:
978-3-7345-5534-3
e-Book:
978-3-7345-5535-0
Besucht mich auf meiner Homepage:
www.stefanfriedmann.de
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Als erstes möchte ich mich bei Ihnen für den Kauf dieses Buches bedanken. Diese zwanzig Kurzgeschichten liegen mir sehr am Herzen, da die Ideen dafür tatsächlich aus alltäglichen Situationen stammen. Die reale Vorlage für meine erste Geschichte in diesem Sammelband existiert tatsächlich. Ich hatte den Schuppen während eines Aufenthalts bei Freunden meiner Schwiegermutter entdeckt. Und ratzfatz war die Idee zu „Das ewige Haus“ geboren.
Vielleicht ist die eine oder andere Geschichte dabei, die Ihnen aus Ihrem eigenen Umfeld bekannt vorkommt. Ich meine damit nicht, dass ich Sie in die Situationen wünsche, die meine Protagonisten durchleben müssen. Aber eventuell gibt es bei Teilen der Stories kleine Parallelen zu Ihrem Leben. Wahrscheinlich haben Sie noch nicht die Bekanntschaft mit Monstern oder anderen merkwürdigen Gestalten gemacht … aber man weiß ja nie, was noch kommt. Das Leben hält so manche Überraschung bereit.
Viele Einfälle kommen aus dem Nichts und plötzlich sind sie da. Einige verschwinden recht schnell wieder, aber andere machen es sich hartnäckig auf der Festplatte gemütlich. Man muss sie dann nur noch in schmucke Worte fassen und auf Papier bannen. Das ist dann der einfache Teil. Den Ansatz für eine Geschichte mit Protagonisten zu bestücken und auszubauen, das ist der schwierigere Teil. Trotzdem bereiten mir beide gleichermaßen viel Freude.
Das Schreiben bietet einem die Möglichkeit, die stabilen Grenzen der Realität zu sprengen und in Universen vorzudringen, in denen sich noch keiner zuvor aufgehalten hat. Folgen Sie mir einfach und ich werde Ihnen mein Universum zeigen.
Herzlichst, Ihr Stefan Friedmann
Barenburg, Februar 2018
Für Susanne.
Auch wenn du nicht mehr bei uns bist,
bist du überall, wo wir sind.
Wir vermissen dich.
Sandra hatte es zuerst entdeckt. Es lag gut versteckt zwischen hochgewachsenen Büschen und dunklen Tannen, beinahe unsichtbar für das menschliche Auge. Und wenn sie nicht den eigentlichen Wanderpfad verlassen hätten, um nach Pilzen zu suchen, wären sie vorbeigelaufen.
„Was ist das?“, fragte Sandra, der man die Überraschung deutlich anhörte.
„Ein Schuppen, würde ich sagen. Was soll das sonst sein?“, antwortete Marc.
„Hier draußen, mitten im Wald? Hier führt ja nicht einmal ein Weg hin.“
„Da hast du Recht“, sagte Marc, drückte dabei lästige Zweige zur Seite, schob sich ächzend an einen Busch vorbei und stellte sich direkt vor das verwitterte Gebäude aus schlecht zusammengezimmerten Brettern und einem Wellblechdach.
„Aber es ist eindeutig ein Schuppen.“
Sandra stellte sich neben ihm. Ihr war beim Anblick des baufälligen Gebäudes Unwohl. Sie hatte eine schreckliche Vorahnung, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zuging.
„Lass uns gehen“, sagte sie und zerrte an Marcs Arm. Sie wandte sich ab und wollte zum eigentlichen Weg zurück, der etwa hundert Meter weiter, hinter dichtem Gestrüpp, parallel am Schuppen vorbeiführte. Doch Marc hielt sie zurück.
„Warte. Sieh dir mal das Holz an. Da steht was geschrieben: Das ewige Haus. Was soll das denn sein? Und da ist eine Klingel aufgemalt. Was wohl passiert, wenn ich die drücke?“
„Ist mir doch Schnuppe. Ich will nur weg hier“, forderte Sandra.
„Gleich, ich möchte wenigstens noch einmal klingeln“, sagte Marc und berührte das Holz mit dem aufgemalten Druckknopf. Sandra stutzte.
„Hast du das gehört?“, fragte sie. „Ich glaube, es hat dort drinnen tatsächlich geläutet.“
„Ach was, ich habe nichts gehört“, sagte Marc. „Die Klingel ist aufgemalt, die kann nicht funktionieren.“
„Wir sollten jetzt wirklich gehen“, sagte Sandra sichtlich nervös. Dann öffnete sich die Tür wie von Geisterhand. Sie schwang geräuschlos nach außen auf.
„Das gibt´s doch nicht“, sagte sie und wollte gerade zurückweichen, als sie von drinnen eine Stimme hörten: „Tritt ein, bring Glück herein!“
Sandra und Marc blickten sich fragend an, dann öffnete Marc die Tür ganz.
„Nicht“, schrie Sandra, doch Marc war schon eingetreten. Sandra blickte sich noch einmal hilfesuchend um, dann folgte sie ihrem Freund.
Der Raum, den sie betraten, war viel größer als es von außen her den Anschein hatte. In der Mitte stand ein großer Holztisch, auf der sich eine Schale mit Obst befand, um das sich Fliegen balgten. Auf der gegenüberliegenden Seite gab es eine Nische, die mit einem blauen Vorhang verschlossen war. Rechts von ihnen brannte ein schwaches Feuer, über dem ein Topf aus Metall hing. Auf der linken Raumseite stand ein wuchtiger Eichenschrank, der mit Töpfen, Pfannen, Geschirr und vertrocknetem Brot vollgestellt war. Daneben gab es eine Spüle, in der schmutziges Geschirr stand. Der ganze Raum roch nach ranzigem Fett.
Marcs Blick wanderte nochmals zur Nische mit dem blauen Vorhang, neben dem es eine Tür gab, in die man ein Herz geschnitten hatte. Er vermutete dort eine Toilette. Dann blieb sein Blick an der alten Frau hängen, die neben dem Kamin in einem Schaukelstuhl saß und an einem langem, bunten Schal strickte.
„Hallo, ihr zwei“, sagte sie ohne das Stricken einzustellen. Sie lächelte die beiden freundlich an, während die Nadeln klickend ihrer Arbeit nachgingen. „Ich habe schon sehr lange auf euch gewartet.“
„Was…“, stotterte Sandra, „…Sie haben auf uns gewartet? Aber wir kennen Sie überhaupt nicht.“
Immer noch lächelnd antwortete die alte Frau: „Nun ja, ehrlich gesagt habe ich nicht direkt auf euch gewartet, sondern überhaupt auf irgendjemanden.“
„Das verstehe ich nicht.“
„Das wirst du sehr bald verstehen, junges Fräulein. Das verspreche ich … sehr bald“, sagte die Frau, legte ihr Strickzeug zur Seite und erhob sich mühsam aus dem Stuhl. Ihr Lächeln wirkte nun nicht mehr freundlich, sondern zynisch. Sie kam um den Tisch herum auf die beiden zu und streckte ihnen eine verschrumpelte und ausgedörrte Hand entgegen.
„Ich bin Elizabeth“, sagte sie.
„Sandra“, sagte Sandra, schüttelte hastig die Hand und wich gleich darauf einen Schritt zurück. Marc, der bis dato keinen weiteren Ton herausgebracht und die Einrichtung des Raumes gemustert hatte, stellte sich ebenfalls vor.
„Ich bin wirklich froh euch zu sehen. Es ist sehr einsam hier; vor allem seitdem mein geliebter Mann verstorben ist. Ich verbringe viel Zeit mit Stricken. Das bereitet mir nach all den Jahren immer noch Freude. Aber nun setzt euch doch, ihr braucht nicht zu stehen. Fühlt euch wie zu Hause.“
„Nein, danke“, sagte Marc, „wir werden nicht lange bleiben. Wir sind nur durch Zufall hierher geraten.“
„So?“, sagte die Frau, während sie sich am Herd zu schaffen machte. Ihr Blick drückte jetzt etwas Mitleidiges aus, das er nicht einordnen konnte.
„Ich mache euch erst mal einen Tee. Dann muss ich für einen kleinen Moment verschwinden“, sagte sie und schlurfte daraufhin zu der Tür mit dem Herz, hinter der sie ohne ein weiteres Wort verschwand.
Nachdem man hören konnte, wie von innen die Tür verriegelt wurde, schauten sich Marc und Sandra an. Marc zuckte mit den Achseln.
„Irgendwie ist das hier unheimlich. Der Raum wirkt von innen viel größer als von außen. Außerdem stinkt es hier fürchterlich“, sagte Sandra.
„Kein Wunder“, antwortete Marc, „hier gibt es ja nicht mal Fenster zum Lüften. Was ist das denn für ein Schildbürgerstreich? Haus ohne Fenster, mitten im Wald.“
„Und es ist hier drinnen alles so alt, als stammt es aus dem 19. Jahrhundert. Es gibt keinen elektrischen Strom, nur Kerzen“, bemerkte Sandra.
Marc bewegte sich durch den Raum, dann stutzte er. „Ich bin mir sicher, dass bei unserer Ankunft hier drinnen alles viel dreckiger war. Die Spinnenweben und der Staub sind verschwunden.“
„Ja, das stimmt und das verdorrte Obst in der Schale sieht jetzt auch frischer aus.“
Marc schritt um den Tisch herum zum Vorhang.
„Ich glaube, das hier ist eine Schlafbucht“, sagte er zu Sandra.
Als er den Vorhang zur Seite schob, konnte er gerade noch einen Schrei unterdrücken. Benommen taumelte er Rückwärts. Sandra kam angerannt und blickte erschrocken auf das Skelett, das lang auf dem Bett lag. An ihm war kein einziger Fleischfetzen mehr vorhanden. Als hätte es jemand akribisch abgenagt.
„Das ist mein lieber Mann gewesen. Ist vor drei Monaten verstorben“, sagte die alte Frau. Sie stand hinter ihnen an der Eingangstür. Beide fuhren erschrocken herum.
„Sie haben ihn umgebracht“, sagte Sandra fassungslos.
Die Frau lächelte müde, als sie sagte: „Nicht ich habe ihn umgebracht, sondern das Haus. Das ewige Haus. Wisst ihr, ich bin seit fünfzehn Jahren hier drinnen gefangen und als ich es betreten habe, war ich sechsundzwanzig gewesen, nun sehe ich aus wie neunzig. Das Haus versorgt einen mit Lebensmitteln; man verhungert nicht. Dafür saugt es einem die Lebensenergie aus. Davon nährt es sich wie ein Vampir.“
Marcs Mund stand sperrangelweit offen. Er verstand gar nichts.
„Nun, da ich Nachfolger gefunden habe, kann ich es endlich verlassen. Leider ohne meinen Mann. Es tut mir Leid für euch, aber es geht nicht anders. So will es das Haus. Lebt wohl…“, sagte die Alte, öffnete die Tür und verschwand. „Warte“, schrie Marc und stürmte ihr hinterher. Aber zu seinem Erstaunen war der Ausgang verschwunden. Es gab keine Tür mehr; nur stabile Bretter. Kurz darauf pfiff der Kessel auf dem Herd. Der Tee war fertig.
Harald spülte die große Portion Chips mit einem kräftigen Schluck Cola herunter, um sich im Anschluss das glänzende Fett genüsslich von den Wurstfingern zu lecken. Im Fernsehen lief eine der Talkshows, die er sich jeden Tag ansah.
Dann kam der Schmerz. Während sich der Klumpen die Speiseröhre hinunterquälte, schien seine Brust zu explodieren. Harald schrie und schloss die Augen, als könnte dies den Schmerz vertreiben. Als er sie wieder öffnete, blendete ihn helles Licht.
Harald zwinkerte und senkte den Blick. Das Licht wurde schwächer und dunkle Punkte tanzten vor seinen Augen. Die Punkte verblassten, während eine schrille Stimme kreischte: „Begrüßen wir unseren neuen Gast mit einem donnernden Applaus.“ Ohrenbetäubendes Johlen, Klatschen und Fußgetrampel erfüllte den Raum.
„Ja, so ist es richtig“, jubilierte die Stimme. Harald, der sich mit den Fingern über die Augen gewischt hatte, blickte sich verwirrt um. Er sah dutzende graue Kabel, die auf der Erde lagen, Kameras auf mobilen Stativen, die von Leuten mit Kopfhörern bedient wurden und ein Publikum, das ihn erwartungsvoll anstarrte. Erst jetzt erkannte er, dass er sich in einem Fernsehstudio befand. Die Stimme gehörte zu dem Moderator, der ihm gegenüber an einem niedrigen Tischchen saß. Er trug Frack, Zylinder, weiße Handschuhe und lächelte Harald mit strahlend weißen Zähnen über seine Moderationskarten hinweg an.
„Harald, schön Sie bei uns zu haben. Wie geht es Ihnen?“, fragte er.
„Wo zur Hölle bin ich?“, stammelte Harald und schob seine 150 Kilo in dem unbequemen Stuhl zurecht. Sein kariertes Hemd war klatschnass geschwitzt. Dennoch gewann er langsam seine Fassung zurück. „Sie sind in der Sendung 'Die letzte Entscheidung'“, sagte der Moderator und das Publikum klatschte frenetisch.
„Was soll das…?“, empörte sich Harald. Er schaute sich verdutzt um und entdeckte hinter dem Moderator eine große Leinwand, auf der er sich selbst auf dem Sofa liegen sah. Chips hatten sich auf seinem gewaltigen Bauch verteilt. Ein Arm hing schlapp herunter und eine Cola-Pfütze überschwemmte den Tisch.
„Wie Sie sehen, haben wir eine Liveschaltung in ihr Wohnzimmer“, sagte der Moderator. Das Publikum verfiel wie auf Knopfdruck in ekstatischen Applaus. Haralds Gesichtsausdruck zerfloss zu einer entsetzlichen Grimasse.
„Wir suchen unsere Kandidaten gewählt aus. Sie müssen bestimmte Bedingungen erfüllen. Man könnte sagen, sie haben in ihrem Leben gewisse Charaktereigenschaften an den Tag gelegt, die sie berechtigen, bei uns teilzunehmen“, erklärte der Moderator immer noch lächelnd.
„Ich verstehe nicht…“, begann Harald, dann versagte ihm seine Stimme den Dienst. Er starrte mit offenem Mund zum Publikum, danach wieder kopfschüttelnd auf die Leinwand. Sein Körper auf dem Sofa hatte sich seitdem nicht bewegt.
Der Moderator griff unter den kleinen Tisch und holte zu Haralds Erstaunen eine rote Spardose hervor. Sie hatte die Form eines Pferdes, das den Geldschlitz auf dem Rücken trug. Er stellte es vor sich ab. Harald schluckte, sein Kiefer klappte nach unten.
„Ah, ich sehe, Sie erkennen es wieder. Es ist schon etwas her, fünfunddreißig Jahre, um genau zu sein. Wissen Sie, wem die gehörte?“, fragte der Moderator.
„Meiner Schwester“, antwortete Harald mit bebender Stimme.
„Richtig“, brüllte der Moderator und das Publikum klatschte. In Haralds Ohren klang es wie Donner und er zuckte zusammen. Der Mann im Frack öffnete seine rechte Hand, in der nun eine silberne Münze lag und steckte sie in den Schlitz auf dem Pferderücken, wo sie klimpernd verschwand.
„Für jede richtige Antwort eine Münze“, sagte der Moderator und zeigte auf die Spardose. Dann stellte er eine zweite auf den Tisch. Es war ein Totenschädel mit einem Schlitz auf dem Kopf. Dem Grinsen fehlten einige Zähne.
„Für jede Falsche eine Münze in den Schädel. Mal sehen, wieviel wir zusammen bekommen. Die nächste Frage lautet: Wie oft haben Sie aus dieser Spardose gestohlen?“
„Ich habe sie überhaupt nicht bestohlen“, sagte Harald empört.
„Das ist leider gelogen. Die richtige Antwort wäre gewesen: Zweiundzwanzig Mal. Also eine Münze in den Schädel. Das Gemeine daran war, dass Ihre Schwester für das fehlende Geld ständig von ihrer Mutter verprügelt wurde. Was Sie gefreut hat. Also, noch eine Münze in den Schädel. Die nächste Frage: Wie haben Sie die Nachbarskatze umgebracht?“
Harald fuhr aus seinem Stuhl hoch. „Ich habe sie nicht umgebracht. Das ist ja unerhört. Was ist das denn hier für ein Scheiß?“
Der Moderator lächelte milde. „Das ist falsch. Sie hatten damals Giftköder in der Siedlung verteilt. Daran ist ebenfalls ein streunender Hund qualvoll verendet. An seinem eigenen Blut erstickt.“
Kling, kling. Zwei Münzen in den Schädel. „Das können Sie doch nicht …“, sagte Harald und verstummte als zwei Personen ins Bild auf die Leinwand traten. Das Bild ruckte, als hätte es eine Störung, doch kurz darauf war es wieder klar und Harald erkannte seine Frau und seine nun sechzehnjährige Tochter, die seinen reglosen Körper anschauten. Seine Frau fühlte am Hals nach dem Puls und begann tonlos zu schreien. Sie sagte etwas zu ihrer Tochter, die daraufhin mit einstimmte. Die ältere Frau begann auf den Brustkorb zu drücken, dann schlug sie auf ihn ein.
„Mein Gott, bin ich etwa tot?“, fragte Harald. „Mausetot“, sagte der Moderator grinsend. „Mausetot“, echote das Publikum. Harald starrte wieder die Leinwand an. Er hatte bis eben noch geglaubt, seine Familie würde um ihn weinen und seine Frau würde versuchen ihn wiederzubeleben. Doch jetzt sah er, dass sie lachten und wie von Sinnen auf ihn einprügelten. Sie zerrten ihn am Arm vom Sofa, schütteten Chips über ihn aus und kippten die restliche Cola in sein Gesicht. Dann klatschten sie sich lachend ab und lagen sich in den Armen. Der Moderator schaute wieder auf seine Kärtchen.
„Frage Nummer drei: Wie alt war Ihre Tochter, als Sie sie zum ersten Mal vergewaltigt haben?“
„Was…?“, stammelte Harald. Rote, hektische Flecken bildeten sich auf seinen aufgedunsenen Wangen. Seine Unterlippe bebte.
„Gar nicht“, brüllte er. „Ihr seid ja vollkommen wahnsinnig. Ich mache diesen Scheiß nicht mehr länger mit. Wer seid Ihr Typen überhaupt?“
