Kolumnen - Sarah Kuttner - E-Book
Beschreibung

In ihren erfolgreichen Kolumnen für die Süddeutsche Zeitung und den Musikexpress kommentiert Sarah Kuttner mit einer Geschwindigkeit von 1000 words-per-Minute Ereignisse, die die Welt bewegen, und beantwortet Fragen, die man sich bis eben noch gar nicht gestellt hat. Wussten Sie, dass eine Sonnenbrille auf den Augen mehr bringt als eine in den Haaren? Dass Bettwäsche nicht gemustert sein sollte, weil man sonst vom Schlafen abgelenkt wird? Ist Grillen Breitensport oder Brauchtum? Ist Skispringen wirklich ein grausamer und zynischer Sport, nur weil so viele Springer in den Bäumen stecken bleiben? Das E-Book versammelt alle Kolumnen, die in den beiden Taschenbüchern »Das oblatendünne Eis des halben Zweidrittelwissens« und »Die anstrengende Daueranwesenheit der Gegenwart« erschienen sind.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:270


Sarah Kuttner

Kolumnen

Fischer e-books

»Das oblatendünne Eis des halben Zweidrittelwissens«

 

»Die anstrengende Daueranwesenheit der Gegenwart«

Die SZ-Kolumnen

Warum spielt Hugh Grant nicht mal einen trunksüchtigen Fernfahrer?

Oder: Warum Bridget Jones, Ulrich Wickert, Colin Farell und Kölner Taxifahrer nicht lässig frieren können

Die klassische Einstiegsfrage: Soll man bei kaltem Wetter eine Mütze aufsetzen oder lässig sein und frieren?

Man kann nicht lässig frieren. Ebenso wenig wie man sexy was aus der Nase hängen haben oder im Dienste des Friedens Länder bombardieren kann. Insofern würde ich mich jederzeit behelmen, wenn es draußen kühlt. Überhaupt ist der Jahreszeit unangemessene Kleidung niemals cool – bestenfalls stur. Ich denke, nicht einmal Carl Barat, der komplett durchgecoolte Sänger der Libertines, kann lässig frieren. Obwohl ich es gerne einmal sähe.

Was sagst du zu Bridget Jones?

Die Kunstfigur an sich? Oder die Verkörperung durch Renée Zellweger? Beides grundsätzlich sympathisch. Habe den zweiten Film noch nicht gesehen, glaube aber nicht, dass die Welt noch einen weiteren Film braucht, in dem Hugh Grant in einem fort seine Stirn in kecke Falten legt und seinen »Ui, das ist aber mal ’ne unangenehme Situation«-Gesichtsausdruck überstülpt. Umso lieber sähen Milliarden begeisterter Kinogänger sicherlich Hugh Grant mal als trunksüchtigen Fernfahrer, sadistischen Kindertagesstättenleiter oder als Synchronstimme einer Kartoffel in einem Pixar-Film.

Wichtigste Frage vor Weihnachten: Glühwein – ja oder nein?

Bin konsequenter Nichttrinker. Insofern: nein. Andererseits finde ich allein schon den Anblick sich an Weihnachtsmarktverschlägen wärmender Glühweinkonsumenten leicht illuminierend. In der Redaktion habe ich allerdings erst mal Glühweintrinkerei, Duftkerzenabfackelei, Rentierreiten und andere vorweihnachtliche Eskapismen unter schwere Sanktionen gestellt. Wer’s doch tut, kriegt dafür von mir als Strafe zu Weihnachten die DVD-Box mit Hugh Grants Lebenswerk geschenkt.

Ein Tipp für Uli Wickert?

Einfach mal aufstehen.

Colin Farell …

… dem wiederum würde eine klassische Hugh-Grant-Rolle ganz gut bekommen: Ein verwirrter Bibliothekar, ein schusseliger Auto-Motor-Sport-Journalist, der lernen muss, Verantwortung zu übernehmen. Auch gern sähe ich ihn als Nachrichtensprecher, der es eines Tages satt hat und urplötzlich einfach aufsteht.

Was wird besser?

Werden Sachen tatsächlich besser, oder gewöhnt man sich nur an sie, wird also selbst schlechter? Knifflig. Fahren die Kölner Taxifahrer in letzter Zeit wirklich uneruptiver, oder hat sich nur mein Magen dem rheinischen Fahrfrohsinn angepasst? Besser man hält sich an Gutes, das konstant noch besser wird: David, meine Lieblingsfigur aus der TV-Serie »Six Feet Under« zum Beispiel. Der macht alles immer richtiger. Wir sollten alle ein bisschen mehr David sein.

Wo ein Bett steht, wird auch geschlafen

Sarah Kuttner über Folter bei der Bundeswehr, »Ocean’s Twelve« und Neues von Adam Green

Muss man für »Ocean’s Twelve« ins Kino?

Hier ein Handlungsabriss: George Clooney und Brad Pitt versuchen, ihre alte Tanzband Ocean’s Twelve für einen Reunion-Auftritt bei einer Musiksenderfusionsfeier zusammenzutrommeln. Das Ganze stellt sich schwieriger dar, als zunächst angenommen – denn der ehemalige Sopransaxophonist (dargestellt von Julia Roberts in ihrer ersten männlichen Rolle) hat sein Sopransaxophon an den Nagel gehängt, weiß aber nicht mehr an welchen. Eine ebenso actionreiche wie charmante Loser-Komödie, die gekonnt mit Elementen des norwegischen Langweilerkinos spielt.

Angela Merkel und die cdu?

Kein guter Bandname. Dann doch lieber Dick Brave & The Backbeats. Oder Chris de Burgh und sein Umfeld. Hinzu kommt, dass die CDU momentan keine sonderlich verlässliche Backing-Band abzugeben scheint.

Winterpause?

Da gruselt’s mir vor, da sich bei langen Pausen schnell eine heftige Langeweile meiner bemächtigt. Zum Glück ist die Pause ja mit Zwangsfeierlichkeiten vollgestopft, die zu ausgedehnten Vollstopfereien einladen. Meine Studioband nimmt über die Feiertage am 3. großen Charity-Plastiktüten-Rodeln in Val Thorens teil. Als Favoriten gelten jedoch die Teams Ocean’s Eleven und Angela Merkel.

Bei der Bundeswehr wird gefoltert …

Wundert mich nicht, dass man da auf dumme Ideen kommt. Wenn an Orten Obrigkeitskult waltet und Strukturen der Schinderei und Drangsalierung herrschen, sollte man sich nicht wundern, wenn jemand ausrastet. Wenn man irgendwo ein Bett aufbaut, sollte man schließlich auch damit rechnen, dass sich da jemand zum Pennen reinlegt.

Beste Best-of-cd, die man an Weihnachten verschenken kann?

Gerade weil jetzt noch mal alles von Tina Turner und anderen zusammengekratzt wird, sollte man auf solcherlei allzu träge Geschenkjoker verzichten. Vielleicht eine selbst zusammengestellte CD: »2004 – ein Jahr in Music According to the Kuttner-Redaktion.« Eine flinke Umfrage führte zu folgendem Tracklisting: Mia »Hungriges Herz«, Keane »Everybody’s Changing«, Moneybrother »Stormy Weather«, The Libertines »Last Post On The Bugle«, The Streets »Dry Your Eyes«, Virginia Jetzt! »Ein ganzer Sommer«, Ron Sexsmith »Whatever It Takes« – und dazwischen lesen Funny van Dannen und Horst Evers aus ihrem Werk.

Was wird besser?

Das im kommenden Jahr erscheinende neue Album meines akuten Lieblingssongwriters Adam Green, das schon jetzt akustisch mein Auto durchflutet. Zugegebenermaßen musste ich auf Erpressung und Einschüchterung zurückgreifen, um dieses Privileg genießen zu dürfen, aber, hey, es geht um Adam Green.

Allerdings: Die Platte hat nicht mehr ganz die federleichte Abgründigkeit von »Friends of Mine«, sondern klingt forcierter. Aber sie wird besser, ständig.

Getränkerecht ist Ländersache

Plörre, Politik und Pupillen voller Amore

Yvonne Catterfeld und Wayne Carpendale sind das neue Traumpaar der Klatschpresse.

Ja, ich hörte davon. Und tatsächlich sehen die bestimmt auch super aus, wenn sie in ihren winterlichen Cashmere-Rollis zusammen den Weihnachtsbaum schmücken. Auch im Sommer dürften die Paar-technisch was hermachen, wenn sie stundenlang einen Kirschbaum umkreisend Fangen spielen; Verliebte machen so was ja.

Irgendwann sagt Wayne dann: »Boah, Yvonne, lass mal Pause machen mit dem Baumumkreisen, mir ist schon total heiß.« Und darauf sie, die Pupillen voller Amore: »Ist auch kein Wunder: Du Idiot hast ja immer noch deinen Weihnachts-Cashmere-Rolli an!«

Was machst du am 23. 12.: Harald Schmidt gucken?

Ich würde ja gerne behaupten, dass ich an diesem Abend zu einem total interessanten Nacktlesemarathon in der Volksbühne gehe, wo unglaublich interessante Off-Künstler Weihnachtsgedichte von noch interessanteren Off-Künstlern vorlesen. Aber … klar werde ich Schmidt gucken.

In Hamburg trinken gerade alle angesagten Menschen in allen angesagten Clubs Bionade. Muss das sein?

Komisch, in Köln trinken das nur unangesagte Leute in unangesagten Clubs. In Berlin wiederum ist die Plörre, glaub ich, verboten worden. Getränkerecht ist ja Ländersache. Ich bin eh wieder auf Alkohol, mir kann’s wurscht sein.

Gehst du Skifahren?

Generell gehöre ich nicht zu jenen Menschen, bei denen sich im Fett verbrennenden oder Muskeln aufbauenden Zustand enorme Glücksgefühle einstellen. Bin eher begeisterter Sitzer. Auch machen Skilifte und Menschen mit albernen Mützen und klumpigen Schuhen nichts Aphrodisierendes mit mir.

»Hartz IV« ist zum Wort des Jahres gewählt worden.

Ich weiß nicht. »Hartz IV« ist ja noch nicht mal ein richtiges Wort. Ich persönlich hätte ja lieber »Brustmuskelablösung« gehabt. Oder »Bionade«.

Soll die Türkei der eu beitreten dürfen?

Ja. Zumindest – und darum geht’s ja erst mal – sollte da schnell drüber gesprochen werden. Keine Ahnung, was in Brüssel von den Experten für Kriterien angelegt werden. Wahrscheinlich rechnet man Bruttoinlandsprodukt plus Länderspieltore geteilt durch Sehenswürdigkeiten minus Minderheitendrangsalierung.

Was wird besser?

Meine Seitenstrangangina, für die ich schon glaubte, als künftigem festen Lebensbestandteil Weihnachtsgeschenke kaufen zu müssen.

Auf der Abschussrampe für gute Vorsätze

Sarah Kuttner blickt voraus: auf Silvester und ein spannendes neues Jahr

Silvester schon geplant?

Wird wohl in Köln stattfinden. Ich glaube, dort huldigt man dem ulkigen Brauch, verkleidet und mit riesigen Pappwagen durch die Stadt zu fahren und den Leuten Bonbons an die Rübe zu werfen. Oder war das Erntedank? Ich verkleide mich jedenfalls als das Jahr 2005.

Gute Vorsätze für 2005 oder alles wie bisher?

Grundsätzlich verfolge ich den Plan, 2005 möglichst 2006esk anzugehen. Davon abgesehen halte ich den am schwersten zu gestaltenden Tag des Jahres aber für äußerst ungeeignet, um ihn als Abschussrampe für gute Vorsätze zu nutzen. Lieber kurzfristig denken und einigermaßen würdevoll durch den Abend kommen.

Dein Lieblingsminister in Berlin?

Ganz klar: Struck. Mir gefällt dieses unglaublich Stumpfe. Scharping hatte das ja auch schon. Aber bei Struck kommt noch diese Keinen-Bock-auf-Mucken-Attitüde dazu. In Zeiten, wo sich selbst Politiker für Stand-up-Comedians halten, finde ich so etwas sehr angenehm. Ich glaube, Verteidigungsminister werden in aufwendigen Seminaren im Hunsrück gezielt abgestumpft, das ist ’ne ganz professionelle Angelegenheit.

Die Vierschanzentournee beginnt. Was muss man übers Skispringen wissen?

Dass man hier nach Sexyness vergeblich Ausschau hält. Da können unsere tapferen Skispringer sich noch so steil in den Himmel erigieren – das lüsterne Auge wird hier nicht zum freudigen Tränen gebracht. Nein, Skispringen löst bei mir einen sofortigen Umschaltimpuls aus. Es deprimiert mich noch mehr als medizinische Fachformate, die über Hirnoperationen berichten, oder die Vorstellung, mit Struck und Scharping Silvester zu feiern. Ich gucke lieber Springreiten oder sonst was Versautes.

Im Kino geht es um Zombies (»Shaun of the Dead«) und Marionetten (»Team America«). Hingehen?

»Shaun Of The Dead« soll ja gut sein. Aber Zombies hatte ich letztes Jahr schon genug im Kino (siehe alles mit Tom Hanks). Und im realen Leben laufen die ja auch reichlich rum (siehe Teile des SPD-Kabinetts). Der Jahreswechsel eignet sich darüber hinaus auch ohnehin besser dazu, im Verlauf des Jahres versäumte Filme nachzuholen.

Beste Musik für den Jahreswechsel?

Silvesterpartymusik ist Funktionsmucke, das muss man ganz klar so sehen. Viele Menschen kommen mit liebevoll selbst gebrannten CDs zu Silvesterpartys gelatscht und sind dann enttäuscht, wenn ihre Compilation namens »Die besten Knatsch- und Heul-Songs 2004« nicht so recht den Tanzboden zu rocken vermag. Trotzdem: Wenn irgendwo was von Moneybrother läuft, werde ich dazu gerne enthusiastisch meine Faust emporrecken.

Was wird besser?

2005. Ist mir so zugesichert worden, ich glaub das.

Eine Frisur wie eine Raumsonde

Warum Schnappi per öffentlichem, Personennahverkehr auf fremde Planeten geschickt werden muss

Die europäische Weltraumagentur hat die Sonde Huygens auf den Saturn geschickt. Interessierst du dich für so was?

Sehr. Sieht man ja schon an meiner Frisur, die eindeutig der Sonde Huygens nachempfunden ist. Ansonsten finde ich aber, dass es eine Menge Sachen gibt, die wesentlich dringender auf fremde Planeten geschickt werden sollten. Schnappi, das kleine Krokodil, zum Beispiel.

Schuhe ausziehen bei Freunden?

Sofern es mir die eigene Kommodität nicht gebietet, ziehe ich bei Freunden erst mal gar nichts aus. Nennt der Freund jedoch einen Perserteppich sein Eigen, würde ich mich zwar kurz fragen, warum in aller Welt ich Freunde mit Perserteppich habe und warum sie den Perserteppich »sein Eigen« nennen und nicht einfach »Perserteppich«, danach aber demutsvoll die Schuhe ausziehen.

Die Grünen werden 25.

Ein kleines Übel feiert, da kann man schon gratulieren. Wer 25 Jahre lang unter lautem Zähneknirschen das Wort »Kompromiss« hat buchstabieren lernen müssen, dem gönne ich eine zünftige Feier mit fair gehandeltem Knabbergebäck und BAP auf der Festtagsbühne.

In welcher Stadt gibt es den schönsten Öffentlichen Personennahverkehr?

Schöner Personennahverkehr? Ich weiß nur, wo es die schönsten Menschen im Öffentlichen Personennahverkehr gibt: in Rom. Allerdings sitzen die in ziemlich schäbigen orangefarbenen Bussen rum.

Kannst du ein Konzert empfehlen?

Mit Konzerten verhält es sich bei mir ähnlich wie mit öffentlichem Personennahverkehr: Ich bin dort eher selten anzutreffen. Musik ist mir durchaus wichtig und stellt in vielen Lebenssituationen eine tolle emotionale Gelenkschmiere dar. Allerdings muss ich deswegen nicht Musikern anderthalb Stunden beim Verrichten ihrer Arbeit zugucken, mir wird da einfach schnell langweilig. Da sitze ich lieber bei Freunden auf dem Perserteppich und lasse mich dort beschallen.

Was wird besser?

Schwierig in Zeiten, in denen es vor medialer Widerwärtigkeit mal wieder nur so aus dem Fernseher schleimt. Oder anders gesagt: Die derzeitige Berichterstattung über die Flutkatastrophe verstellt in ihrer penetrant-widerlichen Kotzbeuteligkeit den Blick auf einiges, was sich vielleicht gerade bessern mag. Braucht ein hanebüchener RTL-Bericht über die Ausmaße der Katastrophe tatsächlich Zeitlupen und unterlegte Synthie-Streicher? Muss eine frisch in den Big-Brother-Container eingelieferte Dumpfnudel, die sich zum Unglückszeitpunkt vor Ort aufhielt, tatsächlich einen weiteren sinnlosen Augenzeugenbericht abliefern? Ich glaube, in einer Welt, in der die Anteilnahme von Menschen noch durch Zeitlupen und Synthie-Geigen potenziert werden muss, wird gerade nicht allzu viel besser.

Das baldige Wiedersehen mit Christian Ulmen

Die Woche mit George W. Bush im Vorprogramm und Lukas Hilbert hinter einer Wand

In Köln beginnt die internationale Möbelmesse. Worauf sitzt du am liebsten?

Bin der festen Überzeugung, dass bestimmte Dinge im Sitzen einfach anmutiger wirken. Den Trend, klassische Sitzverrichtungen ins Stehen zu verlegen (Kaffeetrinken, Essen … äh … Sitzfußball) kritisiere ich hiermit scharf. Auch gibt es Menschen, die im Sitzen einfach besser aussehen, zum Beispiel Lukas Hilbert. Vor allem, wenn eine Betonwand die Sicht auf den sitzenden Herrn Hilbert verstellt. Was Stühle anbelangt, bin ich leidenschaftslos, rückenlehnenlose Möbel sind mir allerdings suspekt.

Hier Möbel-, dort Landwirtschaftsmesse? Ist das typisch für Köln und Berlin?

Typisch für Köln wäre wohl eher eine Karnevalsmesse, auf der die irren Kostüme der kommenden Saison vorgestellt werden. Vielleicht mit einer Extra-Halle für homosexuellen Karnevalsbedarf: Elton-John-Perücken und so. Die Landwirtschaftsmesse ist schon typisch für Berlin, stellt sie doch nach der etwas mauen letztjährigen Popkomm und der eingestellten Loveparade den letzten großen hedonistischen Powerevent für glamoursüchtiges Partyvolk dar.

Am 20. 1. wird George W. Bush vereidigt.

Und darf noch eine Legislaturperiode lang das Vorprogramm für Hillary Clinton bestreiten.

Sollte man eine Bierflasche mit einem Feuerzeug öffnen können?

Nein, ich halte das für überbewertet. Wenn einer eine Bierflasche mit dem Auge aufkriegt, dann ist das sicherlich ein Hingucker, trägt einen aber auch nicht lange durch die Nacht. Ich fände es begrüßenswert, wenn Jungs und Mädchen, anstatt zu Hause auf ihren von Mama und Papa für sie teuer erstandenen Jugend-Möbeln das Öffnen von Bierflaschen zu üben, lieber für das Latinum der Liebe büffeln würden. Sie könnten sich auch auf der Landwirtschaftsmesse an einem Traktor festketten, um gegen Lukas Hilbert oder doofe Möbel zu protestieren.

Was wird das Unwort des Jahres?

Da haben meine putzige Redaktion und ich letztes Jahr schon eine Sendung drüber gemacht. Wir konnten uns damals nicht ganz zwischen Brustmuskelablösung, Beherrschungsvertrag und Deutschquote entscheiden. Ich bin dringend dafür, künftig auch Un-Phrasen zu brandmarken. Hier ein paar Vorschläge: »Der/die/das kann was«, »Schlagmichtot/Schießmichtot/Hastenichtgesehn«.

Bestes Fastfood-Essen für »auf die Hand«?

Siehe die Sitzmöbelfrage. Der Wahn, alles »to go« haben zu wollen, ist ja längst auch auf den Kaffee- und den Printmarkt übergeschwappt. Es mehren sich allerdings die Stimmen warnender Verkehrsexperten, die prognostizieren, dass bei anhaltendem to go- und Auf-die-Hand-Wahn immer mehr Fußgänger auf Staatskosten von Laternenmasten abgekratzt werden müssen.

Was wird besser?

Nachdem bei »Mein dicker peinlicher Verlobter« eine hübsche TV-Idee komplett auf Ballermann-Niveau vergeigt wurde, wollte ich an dieser Stelle eigentlich dem begnadet unerschrockenen Christian Ulmen zu seiner wesentlich mutigeren Variante »Mein neuer Freund« gratulieren. Es war eine Wonne, ihn nach längerer Abstinenz wieder zu sehen. Aber Pro Sieben setzte die Sendung vergangene Woche ab. Wegen der Quote. Es ist also mal wieder so ’ne Sache mit der Besserwerderei. Hoffe trotzdem dringend auf ein baldiges Wiedersehen mit Christian Ulmen.

Vorteilhaftes Nachttischlampenlicht

Bei Harald Schmidt und Anke Engelke in der Besucherritze

Rudolf Moshammer ist ermordet worden. Zu diesem Thema ist alles gesagt, oder?

Ja.

Paul Newman wird diese Woche 80.

Paul Newman ist eine Fahrt auf einem Fahrrad. Wer jemals gesehen hat, wie Paul Newman in »Butch Cassidy & The Sundance Kid« versucht, zu den Klängen von Burt Bacharachs »Raindrops Keep Falling On My Head« Katherine Ross mit Fahrradkunststücken zu beeindrucken, weiß, was ich meine. Toller Typ, herzlichen Glückwunsch!

Was hörst du zur Zeit: Tocotronic, Bright Eyes oder Adam Green?

Ich genieße derzeit das Privileg, schon anderthalb Monate vor Erscheinen die neue Moneybrother-Platte hören zu dürfen. Klingt wie Weihnachten im Grand Canyon und sollte von allen netten Menschen mindestens zweimal besessen werden. Von den Genannten höre ich Adam Green. Bei Tocotronic gefällt mir der Ansatz, verstärkt auf Unvernunft und Gefährlichkeit zu setzen, und ihr Mut, an jeder Weggabelung die anstrengende Route zu wählen. Musikalisch ist mir die Platte auf den ersten Eindruck etwas zu brockig. Brockig, nicht rockig.

Rock oder Hose?

Warum sollte hier eine Grundsatzentscheidung gefällt werden? Beides vermag den Körper elegant zu umschmeicheln. Verzichtet werden sollte allerdings auf blödsinnige Quatschvarianten beider Kleidungsstücke. Zum Beispiel gehören Miss-Sixty-Hosen ohne Taschen am Hintern eher in den Hintern, als dass sie diesen bedecken sollten.

Am 26. Januar wird der Jahreswirtschaftsbericht vorgestellt. Interessiert dich, wie es der Wirtschaft geht?

Ja, wobei hier wohl nicht mit einer funkensprühenden Überraschungsrevue zu rechnen sein wird. Der Jahresbericht wird von ähnlicher Finsternis geprägt sein, wie das Innere meiner Hosentasche, woraufhin wieder das zuletzt etwas verstummte Jammern hereinbrechen wird. Aber – noch schlimmer: Es werden sich auch wieder Menschen vor TV-Mikrophonen versammeln, die in selbige wieder und wieder die letztjährige Nerv-Phrase Nummer 1 hineinnölen werden: »Hierzulande wird auf sehr hohem Niveau gejammert.«

In Berlin kommt jetzt wieder die so genannte Nacht der Museen. Das gibt es auch in anderen Städten. Muss man sich das antun: nachts ins Museum?

Na ja, die Nacht ummantelt ja bekanntlich alles mit einer Aura des Geheimnisvollen. Selbst vertraute Bettgefährten sehen im fahlen Licht plötzlich enorm charismatisch aus, zumindest, wenn man die Nachttischlampe in eine vorteilhafte Position dreht. Generell sollte man bestimmte, eigentlich dem Tage vorbehaltene Aktivitäten ruhig mal nachts verrichten: etwa einfach mal um vier Uhr früh seine Eltern anrufen und sagen, dass alles okay ist. Oder man macht eine schöne Nachtwanderung entlang der Mosel. Die Museumsnummer ist aber, da ich auch am Tage selten in Museen anzutreffen bin, für mich eher uninteressant. Ist mir auch entschieden zu eventig.

In der neuen Helmut-Dietl-Komödie »Vom Suchen und Finden der Liebe« spielen nicht nur Moritz Bleibtreu und Alexandra Maria Lara mit. Auch Harald Schmidt und Anke Engelke sind dabei.

Nein, in diesem Film wird man mich nicht antreffen. Dann schon eher nachts im Museum, mit einem Schnaps in der Hand, asiatische Glasbläsereien bestaunend. Irgendwie riecht das schon wieder nach dem üblichen deutschen Großfilmproduktionsproblem: Alles und jeder wird rangekarrt und in ein überironisches Schaulaufen gequetscht. Und eine Bettszene zwischen Anke Engelke und Harald Schmidt mufft – bei aller Sympathie für die beiden Bettlägerigen – nach ausgedachtester Injoke-Geilheit.

Was wird besser?

Inmitten aller präsidialen Amtseinführungen, Iran-Eroberungsplänen, Hartz-IV-Massenumzügen etc. kommt man sich einigermaßen zynisch vor, wenn man Kleinstverbesserungen beklatscht. Leichter ist es zu sagen, was dringend besser werden sollte. Dazu beim nächsten Mal mehr.

Glaub an deinen eigenen Umhang

Tipps fürs Lachen, Läuten, Lustigsein

Jetzt nachgefragt: Was soll besser werden?

97 Prozent der deutschen Lustigkeitsschaffenden, allgemein auch Comedians geheißen. Können Helge Schneider, Horst Evers und Studio Braun nicht Humor-Seminare anbieten? Nein, können sie natürlich nicht, und genau deswegen knallen eben jene Genannten ja auch aus der allgemeinen Pointen-Bräsigkeit raus. Am schlimmsten sind hiesige Comedians ja, wenn sie als Gast in irgendwelchen Shows rumsitzen und als Antwort auf eine Frage hemmungslos auswendig gelernte Parts aus ihrem aktuellen Programm abspulen. Bitte sein lassen!

Was sollte jeder für sich tun, damit es besser wird?

An sich glauben. Die netten Leute zumindest. Und wenn man dann noch die doofen Leute überredet kriegt, auch an die netten Leute zu glauben, müsste es ja einigermaßen hinkommen. Da die doofen Leute aber zu diesem Schritt nie bereit sein werden, muss man zu anderen Mitteln greifen, um die Doofen davon abzuhalten, ebenfalls an sich zu glauben. Vielleicht eine Anastacia-Platte auflegen, das lenkt die Doofen ab.

Dein Lieblingsbrauch zur närrischen Zeit?

Verreisen. Alle anderen Bräuche erschließen sich mir nicht. Feiern zu grotesker volkstümlicher Musik, unverlangtes Kussverteilen, Leuten Bonbons an die Birne werfen, als Wurstbrot verkleidet rumlaufen – nö.

Ein Buchtipp für diese Woche?

Komme mit Neuveröffentlichungen gerade nicht nach, huldige aber immer noch Heinz Strunks großartigem autobiographischem Roman »Fleisch ist mein Gemüse«. Verspreche mir ansonsten viel von »Du und wie viele von deinen Freunden« von Astrid Vits – eine Interviewsammlung mit (fast) allen hiesigen Bands, die aus Fan-Perspektive einen sehr guten Überblick über deutsche Bands der letzten 10 Jahre liefern soll.

Welcher Klingelton erklingt, wenn man an deinem Handy anruft?

Keiner. Es quakt ein relativ dezenter Frosch aus dem Nokia-Repertoire. Man sollte sowieso davon absehen, sein Persönlichkeitsprofil über einen Klingelton zu demonstrieren und lieber auf, sagen wir, originell geschnittene Umhänge mit persönlichem Wappen hinten drauf setzen. Und wenn man schon den persönlichen Klingelton als Ausgangspunkt nehmen möchte: Viel schöner wäre es, wenn jeder Mensch eine eigene Musik, einen eigenen Jingle hätte, der immer dann ertönte, wenn er oder sie den Raum betritt. Vielleicht schafft das ja auch Arbeitsplätze für Individual-Jingle-Komponisten.

Nach Fasching beginnt die Fastenzeit. Wer oder was sollte mal fasten?

Nur zu gerne würde ich Claudia Roth von den Grünen mal zum Verbalfasten schicken. Und Franz Josef Wagner von der Bild möchte ich einen dringenden Schreibmaschinenverzicht von mindestens 247 Jahren nahe legen.

Was wird besser?

Der Humor der Grünen. Trotz Claudia Roth. Bislang erschöpfte sich der Unterhaltungswert von Fischer, Trittin etc. ja vor allem in massiver Gesichtszerknautschung (Fischer) und Behaarungsexperimenten (Trittin). Diese Woche aber ist ihnen eine hübsche Formulierung gelungen. Anlässlich der FDP-These, in Deutschland würden zu wenige Akademikerinnen Kinder bekommen, bezeichneten die Grünen die FDP als »Die Partei der Bessergebärenden«. Das ist zwar humoristisch gesehen nur ein Anfang, aber er ist gemacht.

Das bestgelaunte Volk der Welt

Sarah Kuttner weiß: Von den Dänen lernen heißt Tina Turner kennen lernen

Seit 1. Februar gibt es die neue Führerscheinklasse S. Mit ihr können bereits 16-Jährige so genannte Leichtkraftfahrzeuge steuern. Muss das sein?

Nein. Ich glaube, wer sich mit einem solchen Leichtkraftfahrzeug auf die Verkehrsboulevards traut, gilt in Freundeskreisen bald als armer Horst.

Am Faschingsdienstag wird in Dänemark gewählt.

Na ja, das kann man entspannt sehen. Umgekehrt wär’s anstrengender: wenn in Dänemark fröhlich dem alkoholisierten Extrem-Brauchtum gehuldigt würde und hier am Dienstag Wahl wäre. Dann würde die CDU vermutlich wegen unzureichender Mannschaftsaufstellung disqualifiziert. Und zwar vom bösen bösen Arschloch-Schiedsrichter (»Deutschlands meistgehasster Mann«, wie die Bunte schrieb).

Was muss man über Dänemark wissen?

Erst letzte Woche las ich, die Dänen seien das glücklichste Volk der Welt. Das sei ihnen von Herzen gegönnt. Warum das so ist, weiß ich nicht mehr. Vielleicht weil die Dänen den ganzen Tag Dogma-Filme drehen und dort kathartisch alle finsteren Gedanken und Befindlichkeiten ausleben. Vielleicht sollten wir alle mehr Dogma-Filme drehen, dann wäre unser Leben im Ausgleich besser geschnitten und mit Musik unterlegt.

Am Aschermittwoch wird der Fernsehpreis »Die Goldene Kamera« verliehen. Im Fernsehen ist das Ganze am Sonntag zu sehen. Angucken?

Preisverleihungen haben ja eine vollkommen eigene Logik, auf die es sich einzulassen gilt. Vor allem deutsche Verleihungen, da hier Preise an internationale Künstler nur vergeben werden, weil sie sowieso gerade in der Gegend sind (»Hey, Leute, wir könnten David Hasselhoff kriegen, der macht im Februar Promo für ein vegetarisches Kochbuch, wär’ der nicht was für die Kategorie Lebenswerk?«). Dieses Jahr bekommt beispielsweise Tina Turner eine Trophäe in der Kategorie »Pop international«. Eine unkonventionelle Entscheidung, die von Mut und Weitsicht der Jury kündet, zumal Chris de Burgh und Joe Cocker nicht konnten. Lohnend ist die Show aber auch allein aufgrund der Kategorie »Bestgelauntes Volk der Welt«. Gewinner sind die bereits erwähnten Dänen, die den Preis kollektiv abholen. Das wird für ordentlich Remmidemmi im Backstagebereich (»Frau Turner, darf ich vorstellen: die Dänen; verehrte Dänen: Frau Turner«) und ein tolles Schlussbild auf der Bühne sorgen. Also: angucken.

Was ist besser – im Fernsehen angucken oder live dabei sein?

Man sollte als TV-Zuschauer keinen Neid hinsichtlich der im Publikum sitzenden Veranstaltungsbeiwohner entwickeln. Preisverleihungen sind eine noch härtere Belastungsprobe fürs Gesäß als ein Filmfestival »Best of Danish Cinema« im Programmkino Ihres Vertrauens. Vor allem, wenn das Management von Tina Turner beschließt, dass der soeben dargebotene Auftritt der beliebten Rockröhre sicherlich beim zweiten Durchlauf noch besser werden wird.

Diese Woche startet auch wieder die Berlinale. Was bedeutet das?

Das bedeutet, dass ich nach dem Kölner Karneval jetzt den Berliner Event-Karneval ausbaden darf. Zahllose ukrainische Filmregisseure werden mir die Parkplätze vor der Nase wegschnappen. Allerdings wird meine fünfstündige Rede bei der Diskussion zum Thema »Dänisches Kino und amerikanische Rockröhren« sicherlich ein voller Erfolg werden. Danach spielt Chris de Burgh.

Diese Woche werden alle Medien über Kourou berichten. Das ist ein Ort in Französisch-Guyana, wo am Freitag eine Ariane-Träger-Rakete ins All startet.

Täusche ich mich – oder wird gerade wieder allerhand Krempel ins All geschossen? Soll’n die aber ruhig machen. Vielleicht finden sich da oben tolle Austragungsorte für Preisverleihungen. Ansonsten wünsche ich den Einwohnern von Kourou, dass der Abschuss ihnen einen nachhaltigen Tourismus-Boom beschert.

Harry und Stiller

Und warum Mensa-Essen doch erträglich sein kann

Es ist Valentinstag. Ein Wort zur Liebe.

Weiterarbeiten!

In Schleswig-Holstein wird gewählt. Wer soll gewinnen: Heide Simonis oder Peter-Harry Carstensen?

Schwierig. Sie hat enorme Erfahrungen im Schuldenauftürmen, was im Vorfeld der Bundesschuldenauftürm-Meisterschaften natürlich für Respekt sorgen dürfte. Er wiederum hat einen Vornamen, mit dem man aus jedem Wettbewerb zum Thema »Eigenartige Vornamens-Kombinationen« siegreich hervorgehen müsste.

Kantinen- und Mensa-Essen ist unerträglich. Oder?

Sicherlich streift manches dann und wann den Bereich des Psychedelisch-Grotesken, auch ich bin kein Freund von Experimental-Gerichten wie Muskelfleisch an kalten Riesenkartoffeln mit was Drittem, das man nicht erkennt. Pauschalisierungen liegen mir hier aber fern. Kürzlich sah ich eine packende Doku über eine Kölner Kantine, wo rechtschaffen gerührt und geschnippelt wurde.

Diese Woche startet »Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich«. Soll man sich den Familienfilm mit Ben Stiller und Robert De Niro anschauen?

Ich war erst vorgestern in dem Berliner Hochhaus-Schocker »Meine Maske, die Stifte, ihr Radiergummi, mein Block und ich«. Guter Film, auch wenn der Anfang am Ende sehr vorhersehbar ist. Zum Stiller-Film: Ich finde Komödien schwierig, weil ich mir blöd vorkomme, wenn ich ohne eine Miene zu verziehen im Kino sitze, während sich um mich herum Menschen vor lauter Lachen in ihrem eigenen Urin wälzen. Von allen US-Filmkomikern ist Ben Stiller aber mit Abstand der beste.

Ebay führt ab dem 18. Februar eine neue Gebührenstruktur ein. Interessiert dich das? Versteigerst du selbst im Internet?

Ich ersteigere dann und wann. Zuletzt erhielt ich für nur 15 Euro den Zuschlag für ein Mensaessen aus Duisburg, in dem man angeblich die Silhouette von Heide Simonis erkennen kann. Vielleicht ist beim Transport etwas kaputtgegangen, beim Auspacken stellte sich das Ganze als schnöder Erbseneintopf heraus, in dem man bestenfalls die Silhouette von den zusammengeschlagenen Klitschko-Brüdern erkennen konnte.

Kuckuck zum Abi

Der Trend geht zur Umhängeuhr

George W. Bush kommt in dieser Woche nach Deutschland.

Wie man hört, möchte George W. Bush nach längerer SMS-Stille ja wieder an vergangene Kuschelzeiten anknüpfen – sehr schön. Schön wäre es auch, wenn sich bei den (absolut sinnvollen) Gegendemonstrationen stumpfe Pauschal-Anti-Amerikanismen in Grenzen halten würden. Auch das haben wir Herrn Bushs demagogischem Alter Ego Michael Moore zu verdanken: die Ablehnung gegenüber George Bush wird immer unorigineller und einfallsloser. Ich persönlich werde mich vermutlich eine halbe Stunde lang an einem Starbucks-Frappuccino festketten; danach werde ich allerdings sogleich zur nächsten Buchhandlung reiten, um dort einen Michael-Moore-Pappaufsteller anzuspucken.

Wofür braucht man noch eine Armbanduhr? Handys sagen doch die Zeit.

Ich selbst habe keine Armbanduhr. Trotzdem: Der sich der Zeit versichernde Blick aufs Handy ist unsexy, wohingegen der Blick auf die Armbanduhr bei einem Herrn in den besten Jahren schon begeistern kann, vor allem, wenn dem Blick jene lässige, die Jacke hochschüttelnde Armbewegung vorausgeht. Ich glaube aber, dass der Trend in Richtung Umhängeuhren geht (gerne auch mit Kuckuck vorne rauscoming).

Am Sonntag ist die Oscar-Verleihung. Wie heißen deine Favoriten?

Der Oscar ist ein fragwürdiger Indikator für Qualität (s. auch Grammy, Echo, ADAC Motorwelt Jahrescharts etc. pp.). Insofern lässt es mich kalt, wer am Sonntag mit Statuen vollgeworfen wird. Ich hoffe einfach mal, dass der soeben von mir gesehene, 7-fach nominierte Johnny-Depp-Langweiler »Wenn Träume fliegen lernen« nicht zu reich belohnt wird. Der Film ist nämlich ein ziemlich ärgerlicher Widerspruch in sich, da er von der Wichtigkeit von Phantasie, Träumerei handeln will, dabei aber durch und durch piefig und einfallslos ist.

Die Schwarzwald-Klinik kommt wieder ins Fernsehen. Muss das sein?

Na ja. Wenn ein Grundbedürfnis nach im Wald angesiedelten Chirurgen-Soaps besteht, sollte dieses auch befriedigt werden dürfen. Gespannt darf man sein, ob inhaltliche Verjüngungen oder andere Ranschmeißereien an den Zeitgeist auszumachen sein werden: SMS-süchtige Zivis, rappende Ärzte usw. Wenn die Schwarzwaldklinik aber tatsächlich die erste wiedervereinigte TV-Serie ist, hat das Ganze zumindest historischen Wert.

In dieser Woche ist Champions-League. Bayern München spielt gegen Arsenal London. Welche Stadt gefällt dir besser?

München nicht zu mögen ist ja in etwa so originell wie mit einem »George Bush – go into the Schwarzwaldklinik, bitte«-Transparent vor der amerikanischen Botschaft zu demonstrieren. Außerdem kommen mindestens zwei gute Freunde von mir aus der Kante, insofern werde ich mich nicht zu einem simplen Bashing hinreißen lassen. – Aber natürlich tendiere ich eher zu London, wo ich immerhin mal ein komplettes Jahr meines Daseins fristen durfte. Wobei zu bedenken ist, dass sich viele britische Originalitätsfetischisten und Hauptstadt-Abgrenzungssüchtige eher freiwillig in die Hände des Schwarzwälder Anästhesie-Teams begeben würden, als in die verhasste Hauptstadt zu ziehen.

Und sportlich?

… bin ich raus.

Welches Motto würdest du wählen, wenn du in diesem Jahr Abi machen würdest?

»Abi 2005 – 6 Jahre zu spät, aber immerhin.« Oder: »Abi 2005 – ich konnt’ nicht früher.«

»Das Lama aus Yokohama«

Warum es keine peinlichen Lieblingslieder geben sollte

Du hast deine Lieblingsbands nach Berlin eingeladen. Wie reagieren Adam Green oder Mando Diao, wenn man ihnen sagt: »Ihr seid meine Lieblingsband«?

Adam Green meinte: »Actually, I’m not a band, but if I can say the word ›vagina‹, everything’s alright with me.« Er sagte dann noch was davon, dass er meine Platten auch ganz okay fände, vor allem die letzte: Sarah Kuttner Sings Songs Containing the Word ›vagina‹ or at least ›crackwhore‹.

Und wenn du selbst eingeladen bist? Viele halten es für schick, bei Partys erst möglichst spät zu erscheinen. Wann kreuzt du normalerweise auf?

Ich neige zum Gar-nicht-Aufkreuzen, da mir der Muff meiner Wohnung angenehmer ist als das Trockeneis-geschwängerte Odeur hipper Rumstehclubs. Wenn, dann komme ich eher früh, um eine Rechtfertigung zu haben, mich bald wieder verabschieden zu dürfen.

Das Handy von Paris Hilton ist angeblich gehackt worden? Welche Fotos und andere private Informationen würde man auf deinem Handy finden?

Hübsches Material, aber nichts, was Sarah Kuttner, die Moderatorin, Stabhochspringerin und Chansonsängerin, in einem gänzlich neuen Licht zeigen würde. Es finden sich dort zum Beispiel Bilder, auf denen ich die ganze Visage mit Zahnreinigungsstäbchen voll hängen habe oder krankheitsbedingt meine Nase auf die doppelte Größe meines gesamten Kopfes angeschwollen ist. Aber auch für diese Sub-Bereiche des Fetisch-Sex wird es sicher Interessenten geben.

Hast du die Handy-Nummer von Adam Green?

Ja. Die von Axel Schulz auch.

Wie planst du deine Termine: mit einem Papier-Kalender oder mit einem Handheld-Computer?

Ersteres.

Was ist die beste Art, unterwegs Musik zu hören? mp3-Player? iPod? Handy? Autoradio?

Sosehr ich mich privat an meinem iPod erfreue, wirkt es ungleich stilvoller, sich älterer, weniger hipper Geräte zu bedienen. Apple hat dieses Bedürfnis erkannt und bietet aus diesem Grund ab Sommer eine altertümliche Holzverkleidung für den iPod an, da werde ich dann vermutlich zuschlagen.

Für welches Lied auf deinem iPod schämst du dich am meisten?

Diese Diskussion habe ich noch nie verstanden, das peinlichste Lieblingslied und so weiter. Ich mach’s mir da lieber einfach: Entweder ich mag einen Song oder eben nicht. Alles andere ist unentspannter Szene-höriger Quatsch, auf den sich heute bestenfalls noch 15-jährige Minimal-Elektronik-Hörer einlassen können, ohne wie kindische Abgrenzungsfetischisten zu wirken. Wenn zum Beispiel ein Mensch seine innere Ausgeglichenheit aus der Freude bezieht, die ihm nach wie vor »Schni-Schna-Schnappi«, »Das Lama aus Yokohama« oder »Der Affe in der Karaffe« bereitet, dann ist das gut und in keinster Weise arrogant abwatschenswert.

Deadpan-Technik

Sarah mag Bill Murray

Am Wochenende war die Kuttner-on-Ice-Show in Berlin. Wie vermeidet man nach einem solchen Fest einen Kater?

Nicht trinken! Klingt verrückt, aber es hilft tatsächlich. Ansonsten hilft es auch, wenn man es unterlässt, sich harte Gegenstände gegen den Kopf zu hauen und – sofern man es im Rahmen eines gelungenen Events für unerlässlich hält, sich harte Gegenstände gegen den Kopf zu hauen – vorher einen Helm anlegt. Die Typen von Mando Diao beispielsweise haben backstage alle Helme getragen.

Typisch für die neue Generation aufstrebender Gitarrenrocker: auf der Bühne voll den Larry raushängen lassen, aber hinter der Bühne behelmt rumlaufen.

Warum haben wir eigentlich noch gar nicht über Joschka Fischer und seine Visa-Probleme gesprochen?

Haben wir doch letztens. Ihr meintet: »Sarah, was sagste eigentlich zu Joschka Fischer?« Darauf ich: »Finde es auch unfair, dass man Fischer aufgrund eines abgelaufenen Visums nicht mehr aus dem Toscana-Urlaub zurück ins Land einreisen lässt.« Darauf meintet ihr irgendwas von wegen, ich hätte wohl nicht ganz verstanden, worum es hier geht. – Das Problem bei der Fischer-Debatte ist, dass ich eigentlich eine Wir-wollen-doch-mal-alles-nicht-so-verkniffen-sehn-Attitüde durch die Welt schleppe, die bei politischen Debatten aber selten geschätzt wird. Da springt einem dann immer sofort irgendein Auskenner auskennerisch ins Gesicht und brüllt mit Schaum vorm Gesicht irgendwas von »Verantwortungslosigkeit«, »Wenn das alle machen würden«, »Skandal« usw. Mir fehlt in solchen Fällen eindeutig die Leidenschaft zur Empörung.

Bill Murray kommt am Donnerstag als Tiefseetaucher Steve Zissou ins Kino. Angucken?