Verlag: FISCHER E-Books Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2019

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E-Book-Beschreibung Kurt - Sarah Kuttner

Von der Suche nach Familie, der Sehnsucht nach dem richtigen Ort und darüber, dass nichts davon planbar ist »Ich bin mit zwei Kurts zusammengezogen. Einem ganzen Kurt und einem Halbtagskurt. Jana und Kurt haben sich entschieden, dass sie ihr Sorgerecht teilen, vor allem wenn Kurt schon extra aufs Land zieht. Und so pendelt das Kind nun wochenweise zwischen seinen beiden Oranienburger Zuhauses hin und her: zwei Häuser, zwei Kinderzimmer, unterschiedliche Regeln und alle Menschen, die er liebt. Und dann bin da noch ich.« Lena hat mit ihrem Freund Kurt ein Haus gekauft. Es scheint, als wäre ihre größte Herausforderung, sich an die neuen Familienverhältnisse zu gewöhnen, daran, dass Brandenburg nun Zuhause sein soll. Doch als der kleine Kurt bei einem Sturz stirbt, bleiben drei Erwachsene zurück, deren Zentrum in Trauer implodiert. Sarah Kuttner erzählt von einer ganz normalen komplizierten Familie, davon, was sie zusammenhält, wenn das Schlimmste passiert. Sie erzählt von dieser Tragödie direkt und leicht und zugleich mit einer tiefen Ernsthaftigkeit, so einfach und kompliziert, wie nur Sarah Kuttner das kann.

Meinungen über das E-Book Kurt - Sarah Kuttner

E-Book-Leseprobe Kurt - Sarah Kuttner

Sarah Kuttner

Kurt

Roman

FISCHER E-Books

Inhalt

[Widmung][Motti]I KURTKurt hat winzige Augen. [...]Janas Volvo ruft bei [...]Ach, verdammte Scheiße!«, flucht [...]Es ist so viel [...]Kurt wurde statt Sonntag [...]II KURTUnd dann fällt Kurt [...]Die verschiedenen Bundesländer haben [...]Der Frühling kommt erst, [...]Konntest du schlafen?« Laura [...]Annes Zimmer ist karg. [...]Meine Leidenschaft für Baumärkte [...]Lass uns eine Hollywoodschaukel [...]Ich träume von Lärm. [...]Der Flieder ist fast [...]Ich lege mich kurz [...]Der Hundestrand ist für [...]Es gibt gute Nachrichten [...]Ein paar Häuser weiter [...]Die beste Zeit, um [...]III KURTKurt ist unzufrieden mit [...]

für Jakob

 

und Miri

und Marc

und Roger

Nicht nichts

ohne dich

aber nicht dasselbe

 

Nicht nichts

ohne dich

aber vielleicht weniger

 

Nicht nichts

aber weniger

und weniger

 

Vielleicht nicht nichts

ohne dich

aber nicht mehr viel

 

(Erich Fried)

 

 

And oh, my love, my love

And oh, my love, my love

We both go down together

 

(The Decemberists)

IKURT

Kurt hat winzige Augen. Ganz zugeschwollen vom Schlaf und einem schönen Veilchen. Veilchen sollte man vielleicht gar nicht schön finden, zumindest nicht an kleinen Kindern, aber Kurt steht sein Veilchen, es passt zu dem Mund voller wackeliger Milchzähne und der winzigen Boxernase und lässt ihn viel verwegener wirken, als er eigentlich ist. Die Boxernase hat er vom großen Kurt. Ich liege in einem Bett voller Kurts, kleine und große, alle haben Boxernasen und Schlafaugen. Während der große Kurt eine leichte Schnapsfahne zu mir rüberwehen lässt, liegt der kleine Kurt auf mir. Wie ein Seestern ausgebreitet, bedeckt der für sein Alter etwas zu kleine Körper meinen gesamten Oberkörper. In der rechten Hand hat er ein oranges Matchboxauto, wobei ich nicht sicher bin, ob man heutzutage noch Matchboxauto sagt, es hat jedenfalls kleine weiße Gummiflügel und fährt auf dem Kissen neben meinem Gesicht hoch und runter. Den Kopf hat Kurt auf meiner Brust abgelegt, er muss ihn weit in den Nacken strecken, damit er mich durch seine verquollenen Augen anstarren kann. In der Werbung liegen Kinder attraktiver, vor allem aber gemütlicher auf ihren Eltern. Dieses hier liegt weder gemütlich noch auf einem Elternteil, also sage ich: »Kurti, willste nicht lieber auf deinem Vater rumliegen?«

»Nee.«

»Aber weißte, ich kann kaum atmen.«

Kurts Veilchenauge ist noch ein bisschen kleiner als das veilchenlose und, wie es sich für ein richtiges Veilchen gehört, auch etwas blutunterlaufen.

»Papa stinkt aber.«

Ich muss lachen und schüttle die zwanzig Kilo Kurt auf meiner Brust ein bisschen durch.

»Ihr stinkt selber. Alle beide!«, murmelt der große Kurt von meiner rechten Seite, und weil kleine Kinder nicht genug von stinken reden können und auch selten wissen, wann humoristisch der Peak überschritten ist, antwortet der kleine Kurt kichernd, mich aber weiterhin in beeindruckender Genickstarre fixierend: »Du stinkst aber am meisten! Nach Pups!«

Wäre ich nun Kurts Mutter, fände ich das wahrscheinlich immer noch ziemlich witzig oder wenigstens sehr niedlich, aber ich bin es eben nicht und vielleicht auch etwas zu streng, was Humor angeht, also lasse ich die beiden Kurts weiterkichern und drehe mich zur Seite, so dass der kleine Kurt auf den großen rollt, was beide noch viel lustiger finden und mir die Gelegenheit gibt aufzustehen. Der große Kurt versucht nach meinem Arm zu greifen, erwischt aber nur meinen nackten Hintern, der mir erst in diesem Moment unangenehm bewusst wird. Nicht der Hintern per se, der ist vollkommen o.k. für sein Alter, aber ich finde, ich sollte nicht nackt im Bett mit zwei Kurts liegen, von denen nur einer meiner ist.

»Bleib hier, du alte Stinke!«, kräht der Kurt, der nicht meiner ist, und sieht seinen Vater durch anderthalb Augen nach Bestätigung gierend an.

»Ja! Hierbleiben sollse, die alte Stinke!«, wird er bestätigt, und plötzlich fühle ich mich, als würde ich nicht dazugehören. Als würde ich die Kurt-Party stören.

»Ich muss aufs Klo«, murmle ich und versuche die Bettdecke mit mir auf die Toilette zu ziehen, was ausschließlich in amerikanischen Filmen funktioniert, weil die eben keine fetten Daunendecken haben und auch nicht zwei Kurts, die man mit der Decke aus dem Bett ziehen würde. Also bedecke ich einfach wie ein Teenager mit den Händen meinen Hintern, während ich aus dem Schlafzimmer schleiche.

 

Die Bodenfliesen sind nicht nur hässlich, sondern auch unangenehm kühl. Dass die Idee, gerade hierher zu flüchten, eher dumm war, wird mir vollends klar, als ich frierend auf dem kleinen, klammen Badewannenvorleger wie auf einer Insel inmitten von Achtzigerjahrefliesen rumstehe, als würde ich Reise nach Jerusalem mit mir selbst spielen. Ich muss gar nicht aufs Klo. Ich musste nur kurz raus aus dem Nest voller warmer Körper und Schnapsdunst. Aber ich bin ja nicht nur hinten nackt, sondern auch vorne, und wie soll ich denn bitte zurück ins Schlafzimmer gehen, ohne dem kleinen Kurt nun auch Brüste und Schamhaare aufzudrängen? Ich sehe mich in dem traurigen kleinen Raum um. Er strahlt keinerlei Gemütlichkeit aus, und wir haben ihm auch nicht geholfen, die beste Version seiner selbst zu sein. Hygieneartikel eignen sich nicht zur Dekoration, Kurts Badewannenspielzeug ist zwar farbenfroh und niedlich, aber eben nur Spielzeug, und Badetextilien haben wir einfach irgendwie vergessen. Es ist nicht so, dass wir keine besitzen, wir haben ein schönes Potpourri aus zusammengewürfelten Handtüchern unserer Vergangenheit, nur dass sie immer noch in einem Umzugskarton in Kurts Kinderzimmer stehen. Hier im Bad befinden sich nur Kurts Feuerwehrmann-Sam-Bademantel und ein einzelnes kleines Handtuch, das eben für Hände und nicht einen ganzen Körper gedacht ist. Ich ärgere mich über unsere Verpeiltheit. Seit Wochen fluchen wir immer abwechselnd, wenn wir aus der Dusche steigen und nur diesen winzigen Lappen zum Abtrocknen haben. Seit Wochen vergessen wir, seine großen Brüder einmal gesammelt zu waschen und zur Benutzung freizugeben. Spätestens heute werde ich daran denken. Ich erkaufe mir wertvolle Zeit, indem ich mir, fröstelnd und weiterhin nackt, die Zähne putze.

 

Als ich sieben Jahre alt war, nannte mich ein anderes Kind mal »Nacktschwein« mit Ausrufungszeichen. Ich lag am See meiner Kindheit und spielte Karten mit meiner kleinen Schwester Laura. Bis zu diesem Tag hatte ich über das Nacktsein gar nicht nachgedacht. Wir waren es einfach, es schien Sinn zu ergeben, wenn man eh permanent im Wasser war, um andere Kinder von der Luftmatratze zu schmeißen oder sich von oben bis unten mit dunklem Seeschlamm einzureiben. Ein Badeanzug hätte da nur gestört. Meine Eltern waren auch oft nackt, nicht an diesem Tag an diesem See, schließlich waren sie erwachsen, und schon damals schienen für Erwachsene andere Regeln zu gelten. Aber in der moralischen Sicherheit von Oma Inges Garten waren wir, zumindest im Hochsommer, oft alle unbekleidet. Mein Vater las irgendwas in einer abgelegenen Ecke des Gartens, meine Mutter spielte im Schatten der Terrasse mit meiner Tante Rommé, Oma Inge stand wahlweise in der Küche oder fummelte irgendwas in den Beeten herum. Alle halbnackt oder nackt. Ich fand das nicht besonders aufregend, manchmal allerdings lustig. Wenn mein Vater beim Lesen auf der Seite lag und sein Penis wie eine träge Schlange auf die Seite fiel zum Beispiel. Meine Schwester und ich lachten darüber, meine Mutter lachte mit, und manchmal klemmte mein Vater seinen Penis zwischen die Beine, so dass er aussah wie eine Frau, und lachte auch. Es gibt diverse pixelige Fotos meiner Kindheit, in der wir alle glücklich und hautfarben in Oma Inges Garten in der Schorfheide rumlungern. Das »Nacktschwein« mit Ausrufungszeichen hatte, soweit ich mich erinnere, nur kurz für Scham gesorgt. Ich begann erst dann am Strand Badekleidung zu tragen, als meine Brüste ihren ersten zaghaften Auftritt hatten, wobei sich eine ziemlich verspätete, was etwas ungünstig aussah und für mich der Hauptgrund war, sie zu bedecken.

Nacktheit ist also kein Problem. Eigentlich. Dass ich jetzt so blöde rumeiere, hat mit Kurt zu tun. Dem kleinen, nicht dem großen. Mit dem großen Kurt arbeite ich gerade nackt besonders gut zusammen. Der kleine hingegen kennt meinen unbekleideten Körper nicht. Er wurde nicht an meinem Schamhaar vorbei in den kalten Kreißsaal gestoßen und ernährte sich nicht monatelang von meinen Brüsten. Ich weiß nicht, wie die Regeln sind für Nacktheit zwischen Erwachsenen und Kindern, die nicht ihre eigenen sind.

Kurts Feuerwehrmann-Sam-Bademantel endet verlässlich über meiner Poritze, was den Fakt, dass ich ihn trage, noch lächerlicher macht, aber Entspannung und Coolness habe ich augenscheinlich im Bett gelassen, also schleiche ich so schnell, wie man eben schleichen kann, über den kurzen Flur in Kurts Kinderzimmer, um mir ein ungewaschenes, aber großes Handtuch zu holen.

»Ich kann deinen Po sehen! Papa, ich kann Lenas Po sehen!«, kreischt Kurt, von einem Bein aufs andere hopsend, eine Choreographie aus Aufregung und wahrscheinlich voller Blase, aus dem Schlafzimmer.

»Und? Wie sieht er aus? Ziemlich super, oder?«, fragt der große Kurt träge und mit gedämpfter Stimme. Vermutlich liegt sein stark verkaterter Kopf unter der Bettdecke und atmet Schnaps ein und aus.

»Er ist riiiieeeesig!«, kichert sein Sohn und verschwindet zappelig auf dem Klo. Er möchte gern noch bleiben und weiter Quatsch erzählen, aber sein kleiner Körper kann die Dringlichkeit der Blase nicht mehr ignorieren, und so ergibt sich endlich eine Gelegenheit, meinen Körper vernünftig zu bedecken. Ich drehe um zum Schlafzimmer und ziehe hektisch die Jeans von gestern Abend über den blanken Hintern.

 

»Trägst du Kurts Bademantel?«, fragt Kurt unter der Bettdecke hervor. Ich ignoriere ihn und suche mein Shirt. Es liegt unter dem Bett.

»Lena. Du trägst einen winzigen Bademantel!« Ich rolle laut mit den Augen und verfange mich in den Löchern meines T-Shirts.

»Nicht anziehen! Komm noch mal ins Bett!«, jammert Kurt und zieht mich an der Gürtelschlaufe rückwärts in die Kissen. Ich verliere das Gleichgewicht, und wir knallen mit den Köpfen aneinander.

»Aua! Mann, Kurt!«

Kurt hält sich die Stirn, kichert und äfft seinen Sohn nach: »Ich kann Lenas Po sehen! Er ist riiiieeesig!«

»Wie alt bist du? Fünf?«, frage ich und wälze mich aus dem Bett. »Ich mach Frühstück. Steh mal auf, die Pflanzentypen kommen jetzt irgendwann«, sage ich, weil es stimmt, aber auch, weil ich nicht mehr über meinen Po reden möchte.

»Pflanzentypen Schmanzenschmüpen«, murmelt Kurt und zieht sich die Decke wieder über den Kopf. Während ich die Fichtenholztreppe runter in die Küche gehe, höre ich, wie er ruft: »Kurt! Biste ins Klo gefallen? Zieh dich mal an, Lena sagt, die Schmanzenschmüpen kommen!«

»SCHMANZENSCHMÜPEN!«, höre ich Kurt nur noch aus der Entfernung echoen, und bin plötzlich froh, dass beide wahrscheinlich noch eine ganze Weile brauchen werden, um in der Küche zu erscheinen, so dass ich ein wenig Zeit habe, mich zu entmuffeln. Bevor ich Kurts über einer Stuhllehne hängenden Seefahrerpullover überwerfe, ziehe ich mein in der Eile falsch herum angezogenes T-Shirt schnell wieder aus und drehe es auf rechts. Dann mache ich das Radio an und starre ein bisschen aus dem Fenster in den grauen Garten. Dass die Pflanzen heute geliefert werden, ist blöd, es ist vermutlich zu kalt, um sie einzupflanzen. Aber vor drei Wochen, als ich sie online bestellt habe, war Ende März laut Internet ein guter Zeitpunkt. Jetzt allerdings liegen noch kleine harte Schneereste in den Ecken unseres Gartens. Ich hätte einfach zu Pflanzen-Kölle in Hohen Neuendorf fahren sollen. Oder in irgendeine lokale Baumschule. Aber das Angebot online war einfach größer und günstiger und ohne Menschen, die einen mit riesigen Einkaufswagen voller Teich-Deko umfahren und – ach. Jetzt kommen die Pflanzen eben heute, und da müssen dann jetzt alle durch.

 

Ich liebe Brandenburg. Ich habe alle Sommer meiner Kindheit dort verbracht, auch heute tausche ich sehr regelmäßig die Stadt, zumindest für Spaziergänge oder Romantikausflüge, gegen die schöne Piefigkeit der Uckermark, des Oberhavellandes, des Spreewaldes oder der Schorfheide. Ich wollte nie ans Meer, in die Berge, ins Ausland. Immer und am liebsten in die weiten Felder und Wälder vor dem nördlichen Berlin. Ich habe alles zu lieben gelernt. Die riesigen Windräder, gegen deren Lärm sich Einwohner zur Wehr setzen. Das stinkende Chemiewerk, das mich auf der A 10 immer daran erinnert, gleich am Dreieck Pankow wieder die Abfahrt auf die A 114 Richtung Berlin zu nehmen. Die trostlosen und oft öde geradlinig verlaufenden Hauptstraßen durch Basdorf, Liebenwalde, Summt oder Zerpenschleuse. Die runtergekommenen, grauen Dorfhäuser, die durch eine radikale und oft kreischende Fassadensanierung der frühen zweitausender Jahre nur noch schlimmer und trauriger wurden. Die neonfarbenen Pappschilder, die einem, an Bäume genagelt, je nach Saison Pfifferlinge, Spargel, Erdbeeren oder Kürbisse versprechen. Die oft bereits verwitterten Holzkreuze unfalltoter Jugendlicher an den Bäumen der zahlreichen Alleen. Die ungelenken Graffitiherzen, die Mandy bitten, Maik zu heiraten. All das berührt mich sehr. All das liebe ich mit heißer Leidenschaft.

Hier plötzlich zu leben, ist allerdings etwas anderes.

 

Kurt riecht jetzt nach Schnaps und Zahnpasta, während er mir den Nacken küsst und »Wasn los mit dir?« hineinmurmelt.

»Nichts«, sage ich.

Ich hatte nicht genug Zeit, um mich vernünftig zu entmuffeln, daher winde ich mich etwas ungelenk aus Kurts Umarmung und mache Kaffee.

»Lena.«

»Alles gut. Wirklich. Ich bin nur ein bisschen verkatert.«

Das stimmt so nicht, ich habe gestern Abend bedeutend weniger als Kurt getrunken.

»Ist es, weil wir über deinen Po geredet haben? Du weißt, ich bin der Fanclubleiter für deinen Po!«

»Kurt, lass es doch jetzt einfach mal sein.«

Kurt lässt es aber nicht sein und hakt nach: »Es ist doch vollkommen o.k., wenn er dich nackt sieht! Er sieht doch auch mich oder Jana nackt. Ist doch überhaupt kein Problem.«

»Nur mit dem Unterschied, dass ihr seine Eltern seid. Mein Hintern gehört nicht zur Familie.«

Wir müssen jetzt beide lachen, weil es so blöd klingt, aber ein Teil von mir weiß, dass da das Problem liegt: Wie viel meines Hinterns gehört zur Familie?

Von der Treppe ist leises Rumpeln zu hören, Kurt brüllt ins Obergeschoss hoch: »Ey Boxer, findste nicht, dass Lenas Hintern auch zur Familie gehört?« und verlässt die Küche, um die Zeitung zu holen. Ich trete nach ihm und will gerade irgendwas Egales die Treppe hochrufen, um Kurt abzulenken, weil ich keine Lust habe, dass wir hier in der Küche gleich alle drei weitermachen mit Po und Co., da sehe ich, dass Kurt ganz langsam, aber gewaltig weinend die Treppe runterstakst. Er trägt nur einen rührenden, winzigen Kleine-Jungs-Schlüpfer und den Feuerwehrmann-Sam-Bademantel, dessen Taschen nun mit Plastikautos vollgestopft sind. Er hält etwas in seiner kleinen Hand.

»O je, was ist denn los?«, frage ich und bin froh über die unverhoffte Wärme, die plötzlich durch meinen muffeligen, kalten Körper strömt.

»Noch ein Zahn!«, schluchzt Kurt und kann vor lauter Wasser in den Augen vermutlich gar nichts sehen. Vorsichtig, wie um ihn nicht aufzuwecken, streckt er mir seinen bereits zweiten ausgefallenen Milchzahn in der winzigen Hand entgegen. »Mausepeter, das macht doch aber gar nichts!«, sage ich, wohlwissend, dass ich ihn damit nicht tröste. Im Gegensatz zu anderen Kindern weiß Kurt den Verlust von Milchzähnen nicht zu schätzen. Seit ihm irgendein Arschlochkind damals im Kindergarten erzählt hat, dass nach den Milchzähnen keine neuen Zähne mehr kommen und er für den Rest seines Lebens Suppe wird essen müssen, hat Kurt große Angst vor ausfallenden Zähnen. Natürlich haben wir ihm sehr detailliert und sogar anatomisch korrekt versucht zu beweisen, dass nach Milchzähnen immerimmerimmer richtige, noch viel coolere Zähne kommen, welche, die sogar richtig scharf sind, mit denen man allerhand harten Kram knacken und sogar Metall verbiegen kann, aber ein gewisser Restzweifel ist seitdem geblieben und gräbt jetzt seine spitzen Klauen durch diesen zarten Jungen nach draußen.

»Das ist doch ein Problem!«, insistiert Kurt, sieht mich aber durch das ablaufende Wasser seiner Augen direkt an (so direkt es geht, das Veilchen ist inzwischen recht zugeschwollen, das andere Auge versucht sich aber zu konzentrieren) und erwartet weitere Überzeugungsmaßnahmen. Ich greife Kurt unter die Arme und hebe ihn auf meine Hüfte. Wie ein Faultier klammert er sich mit allen verfügbaren Extremitäten sofort an mir fest und legt den Kopf auf meiner Schulter ab. »Ich will keine Suppe essen«, fiept er, und ich kann in der Spiegelung der Glasschränke neben uns sehen, dass er sich hinter meinem Rücken den Milchzahn in seiner Hand skeptisch, aber genau ansieht. Da Kurt von alleine an mir hängt, habe ich zwei Hände frei, um Butter und Wurst aus dem Kühlschrank zu holen.

»Du musst keine Suppe essen, Kurt. Ich schwöre, da werden schon ganz bald superscharfe neue Erwachsenenzähne nachwachsen, ich wette, man kann sie sogar schon fühlen!«

Kurt lässt ein Viertel seines Klammergriffes los, um einen Finger in den Mund zu stecken.

»Da ist gar nix scharf«, murmelt er, den Finger noch im Mund.

»Wir gucken nachher mal richtig. Mit einem Spiegel und allem. Ich wette, das Loch sieht außerdem ziemlich lässig aus mit all dem Blut. Vielleicht hängt da sogar noch blutiger Schleim dran!«, sage ich aufmunternd, als Kurt von draußen zurück in die Küche kommt.

»Boah, es ist scheißekalt draußen. Gauger sagt aber, dass man trotzdem schon pflanzen kann. Zumindest die Thuja. Den Rest können wir ja erst mal im Haus lassen und wässern, bis es ein bisschen wärmer wird!«

»Papa! Lena sagt, vielleicht können wir sogar blutigen Schleim sehen!«, ruft Kurt und streckt euphorisch beide Hände in die Luft, so dass er sich nur noch mit den Beinen an mir festklammert und ich mich in Sekundenschnelle entscheiden muss, entweder eine Rolle Harzer oder Kurt fallen zu lassen. Wie schnell diese Kinder kaputtgehen können!

»Na, das ist doch super! Blutigen Schleim will doch jeder gerne sehen!«, sagt Kurt im Brustton der Überzeugung und sieht mich fragend an.

»Wir hatten ein weiteres Zahndilemma«, sage ich und setze Kurt ab, um den Tisch weiter zu decken. Mit einem unauffälligen Blick versichere ich mich, dass die Stimmung nicht von »Yay, blutiger Schleim!« zurück zu »Ich will keine Suppe essen müssen« kippt.

»Wow! Noch ein Zahn?«, fragt Kurt und hockt sich hin, um die blutigen Überreste des kindlichen Gebisses zu bestaunen.

Der kleine Kurt kann sich jetzt nicht so recht zwischen Stolz und Vorfreude auf blutigen Schleim und Sorge um seine zukünftige dentale Beschaffenheit entscheiden und wählt daher vor Schreck einen Mittelweg, indem er wieder anfängt zu weinen und fragt: »Können wir jetzt den blutigen Schleim sehen?«

»Klar, Mann!«, erwidert sein Vater, und die beiden verschwinden nach oben, um im Bad ausgiebig in Kurts Mund rumzupulen.

 

»Sind Sie ditt? Mitte Pflanzn?«

Der Spediteur der Online-Baumschule meiner Wahl hatte augenscheinlich schon schönere Samstage, ganz kaputt und gebückt steht er neben seinem kompliziert rückwärts in unsere etwas zu schmale und ungepflasterte Straße gefahrenen Lieferwagen. Obwohl er noch etwa zehn Meter vom Gartentor entfernt ist, kann ich sehen, dass er riecht. Ich nehme ihm das nicht übel, man darf, ja soll gefälligst, ordentlich riechen, wenn man den ganzen Tag Thuja-Solitärpflanzen durch Brandenburg trägt.

»Hallo!? Ob Sie ditt sind mitte Pflanzen, haick jefragt!«

Kurt hat den schweren Lieferwagen vor uns gehört und rennt zum Tor vor, wobei er äußerst vergnügt »SCHMANZENSCHMÜPEN!« brüllt.

»Kurt!«, zische ich ihm warnend hinterher, was leider etwas in seinem Gejauchze verhallt. Insgeheim freue ich mich, dass die zahnlose Minka mit dem tränen-, blut- und marmeladeverschmierten Gesicht augenscheinlich vergessen hat, dass sie vielleicht für den Rest ihres Lebens Suppe essen muss und stattdessen das Flügelauto durch die Luft fahren lässt. Also zische ich nicht weiter, sondern laufe nur zügiger zum alten Jägerzauntor, auch, um den offensichtlichen Groll des Spediteurs und die Neugierde der Nachbarn, soweit es geht, in Zaum zu halten.

»Jaja, wir sind das. Rieß/Horstmann. Mit Schrägstrich, nicht Bindestrich«, füge ich etwas atem-, weil konditionslos hinzu.

Das verständnislose Gesicht des bei geringerer Entfernung tatsächlich nach Arbeit riechenden Mannes macht klar, dass ihm unsere private Verbindung vollkommen egal ist. Er blickt auf den unter der Nase und in den Mundwinkeln langsam etwas krustig werdenden Kurt hinunter, der inzwischen auch ganz beeindruckt und still ist, aber auch damit beschäftigt, sich in den Rauten des Jägerzaunes festzuklemmen, damit er etwas größer ist. Der Mann blickt auf sein Clipboard: »Eine Thuja Solitär Höhe einsfünfundsiebzichbiszweimeter, eine Salix Ba…babül…na ’ne Korkenzieherweide und Jasmin einsfuffzichbiseinsfünfundsiebzich Höhe, dit is so richtich?«

Weil der Mann so irre schlechtgelaunt ist, selbst für einen Brandenburger, bin ich etwas eingeschüchtert und nicke einfach, obwohl ich gar nicht sicher bin, ob es das ist, was ich vor drei Wochen bestellt habe.

»Und wo soll ditt jetze hin?«, fragt er so, dass es klingt wie eine gutgeölte Backpfeife. Ich bin kurz davor anzubieten, die schweineschweren Pflanzen selber aus dem Laster zu tragen, so sehr möchte ich von dem Mann nicht gehasst werden, dann fällt mir aber ein, dass ich 45 Euro für die Spedition bezahlt habe, und erwidere daher tapfer: »Also dahinten, wo das Loch ist, wäre schön!«, und zeige, ohne ihn aus den Augen zu lassen, in die grobe Richtung, wo im Herbst eine Tanne umgefallen ist und diverse Büsche mit in den Tod gerissen hat. Der rostige Maschendrahtzaun der Nachbarn zu unserer Linken hingegen wurde nur ausgebeult und ist nun in seiner ganzen Hässlichkeit sichtbar.

»Nee. Machenwa nich. Wir liefern nur bis zur Bordsteinkante. Ditt ist im Vertrag so verankert.«

Gerade als ich ihn über rhetorische Fragen aufklären will, fragt Kurt: »Was ist eine Bordsteintante?«

»Kante. Bordsteinkante«, sage ich geistesabwesend. »Das ist diese Stufe, die es vom Bürgersteig runter auf die Straße geht, wo man immer stehen bleiben muss, weißte?« Kurt denkt nach, sieht sich um und sagt: »Hier ist aber gar keine Bordsteinkante.«

Er sagt es ganz enttäuscht. Als würde ihm, schon wieder, etwas vorenthalten. Ich bin plötzlich sehr stolz auf Kurt, rücke näher an das Tor und ihn heran und lege ihm den Arm um die Schultern.

»Nee, hier ist gar keine Bordsteinkante«, sage ich und sehe dem Spediteur, so fest ich kann, in die Augen. Fest kann ich allerdings nur etwa 1,5 Sekunden lang, und genau in dem Moment, in dem der Mann mich vielleicht umbringen möchte, kommt der große Kurt aus dem Haus und ruft mit tiefer Stimme: »Morgn! Scheißwetter, wa? Wollnse ’n Kaffe?«

Der Bann zwischen Spediteur und mir wird gebrochen, der kleine Kurt windet seine Gummibeine aus dem Gartentor und rennt auf seinen Vater zu: »Hier gibt es keine Bordsteintante! Wo soll der Mann jetzt die Blumen hinmachen?«

Er scheint ehrlich besorgt, und schon wieder bin ich ganz verknallt. Sollten Kurt tatsächlich aus irgendeinem blöden Grund keine Erwachsenenzähne nachwachsen, baue ich ihm das coolste Gebiss der Welt. Aus lauter scharfen Goldzähnen, so dass er wie der allerdopeste Rapper der Welt aussieht und das kleine Lügenarschlochkind aus dem Kindergarten einfach zerfetzen kann.

»Macht do’ nüscht!«, berlin-brandenburgt Kurt weiter Richtung Spediteur und klopft seinem Sohn nebenbei beruhigend den Kopf, und jetzt will ich auch dem großen Kurt irgendwas Schönes aus Gold bauen, denn das hier ist gerade seine Version von Ritter in glänzender Rüstung.

»Holnse einfa’ allet raus aussa Karre, ick schlepp dit selber rinn!«, grinst er den Mann breit und ehrlich an und fragt noch mal: »Kaffe? Und watt is mit Ihrem Kollegen, der ooch?«

Der Spediteur ist auch nur ein Mann mit einem Herzen und errötet jetzt leicht vor so viel unerwarteter Zuneigung.

»Neenee, lassma, wir müssn ja no’ weita. Wennde ne Sackkarre hast, denn stellick euch ditt ooch in Garten rinn!«

Man wechselt unverhofft zum Du. Es ist wie eine Dokumentation über Verhaltensforschung. Der kleine Kurt hat den Finger tief in einem Nasenloch vergraben und kichert bei dem Wort Sackkarre. Danach wiederholt er es leise und ehrfürchtig.

»Haick!«, sagt sein Vater und zwinkert Popel-Kurt zu: »Komm, wir holen mal die Sackkarre, Kurt. Und Finger aus der Nase, Männer brauchen beide Hände für die Arbeit!«

Wieder kichert der kleine Kurt, und beide gehen geschäftig zum Schuppen, um die – na ja. Der Spediteur hingegen sagt: »Juti, denn hol ick ma den Kram ausm Auto«, und dreht sich von mir weg. Ich habe jetzt gar keinen Job mehr, also stehe ich erst ein bisschen rum und öffne dann zumindest das Tor, damit die Männer Pflanzenübergabe machen können. Als Kurt stolz und ein bisschen schnaufend die Sackkarre hinter sich herziehend wieder am Tor angekommen ist, blickt der Spediteur, den für seine angeblichen einsfuffzichbiseinsfünfundsiebzich recht mickrigen Jasmin in einem beeindruckend großen Topf schleppend, auf Kurt hinunter und sagt: »Na, da hatta aba orntlich wat abjekricht, der Kleene, wa? Ditt isn amtlichet Veilchen, würdick ma sagn«, und er sagt es tatsächlich mit Respekt.

»Du musst erst mal den anderen sägen!«, kräht Kurt, blickt stolz zu mir und streckt gleichzeitig das Veilchenauge näher an den Mann heran, nur falls er es noch nicht so richtigrichtig gesehen haben sollte.

»Sehen, Kurt, sehen!«, sagt der große Kurt ihm von hinten leise ins Ohr. Plötzlich bin ich froh, dass wir uns beim gemeinsamen Einstudieren dieses kleinen Kunststückes doch noch in letzter Sekunde gegen die Variante »Ich habe zehn Nazis verprügelt« entschieden haben. Das hätte ja doch auf diversen Ebenen schiefgehen können.

Der Spediteur lacht und sagt: »Na, ditt gloobick aba!«

Das ist eben auch das Tolle an Brandenburg. Hier bekommt man für ein hart erspieltes blaues Auge noch ehrlichen Respekt und keinen zweifelnden Blick, der von »Sie müssen wirklich besser auf Ihr Kind aufpassen« bis »Müssen wir uns wegen häuslicher Gewalt Sorgen machen?« alles bedeuten kann.

»Und Sie wollen wirklich keinen Kaffee?«, frage ich, aber nur weil ich nicht weiß, was ich sonst so sagen soll und weil ich hoffe, auch etwas Brandenburgliebe abzubekommen.

»Nee, is schon jut. Ick muss no weita. Sobald die ersten Sonnenstrahlen rauskieken, wollnse plötzlich alle ihre Pflanzn ham. Am besten jestern schon. Hier ist die Rechnung, bezahlt issja schon allet, Sie quittieren nur den Empfang.«

Ich quittiere und sehe zu, wie Kurt dem Mann einen Zehner in die Hand drückt und sich mit der anderen Hand kumpelhaft verabschiedet.

»Tschüssi!«, ruft auch der kleine Kurt und schiebt hinterher, »und du musst mal den anderen sehen!«

Humor und Timing sitzen noch nicht ganz.

Janas Volvo ruft bei Kurt weniger Begeisterung hervor als der Lieferwagen der Schmanzenschmüpen, was mich kindischerweise etwas stolz macht. Er sieht von dem winzigen Loch, das er mit einer kleinen rosa geblümten Schippe gegraben hat, nur kurz auf und stellt fest: »Mama ist da.« Ich nicke und sage: »Na, dann hol mal deinen Kram, die will bestimmt schnell weiter wegen Joni.« Kurt seufzt theatralisch und sagt dann so abfällig, wie es in seinem Alter eben geht: »Joni.«

Grundsätzlich kann Kurt seine Schwester ganz gut leiden, aber die ist eben noch ein Baby, und es weiß ja wohl jeder, was von Babys bitteschön zu halten ist.

Ich erwidere nichts, zum einen, weil ich nicht weiß, was da jetzt pädagogisch richtig wäre, und zum anderen, weil ich es selber schade finde, dass Jana schon da ist. Kurt wollte wenigstens eine Pflanze ganz alleine eingraben, auch wenn das mit der winzigen Schippe, die meine Mutter mir ironisch zum Umzug geschenkt hat, noch bis zu seinem Abitur gedauert hätte. Weil ich nichts mehr sage, sagt Kurt auch nichts und gräbt einfach weiter.

»He Spatz, kommst du?«, fragt Jana, als sie das Tor hinter sich geschlossen hat.

»Ich muss noch Lenas Blume eingraben!«, erwidert Kurt und gräbt schneller.

»Hi«, sage ich und zucke entschuldigend mit den Schultern.

»Sorry, Lena! Wir müssen schnell weiter wegen Joni. Die wartet im Auto.«

»Warum ist die denn im Auto? Hol die doch raus, und dann könnt ihr mit Papa fernsehkucken, bis ich die Blume eingegraben habe!«, schlägt Kurt vor.

Geil bestechende Logik, finde ich, denn solange Jana nicht konkreter als »wegen Joni« wird, spricht nichts dagegen, das Kind aus seinem teuren Kindersitz zu holen und im Haus eine Weile die Samstagswiederholungen von Shopping Queen zu sehen.

»Och Kurt! Jetzt hol einfach deine Sachen, ja?«, sagt Jana und blickt hilfesuchend zum Haus.

Ich bleibe stumm. Ich finde, dass man Kurt zumindest schuldig ist, ihm zu erklären, was es mit der Eile auf sich hat, und ihn nicht mit so einem geschwisterhassfördernden »wegen Joni« abzuwimmeln, aber wieder fürchte ich, dass ich hier meine Kompetenzen überschreiten könnte, also halte ich die Klappe und ärgere mich über mich selbst. Weil ich immer dann, wenn Jana da ist, in solche Scheinwerfer-Reh-Situationen gerate, die meinem Selbstwertgefühl schaden und Kurt irgendwie auch. Er verdient es, dass ich was sage. Glaube ich. Ich werde später mal seinen Vater fragen.

 

Als ich beide Kurts ganz frisch kennengelernt hatte, war einer von beiden gerade dabei, den Absprung von der Windel zum Topf zu schaffen. Kurt wollte mir Kurt schon sehr früh in unserer Beziehung vorstellen; wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich vorher gern öfter als nur eine Handvoll Male mit ihm geschlafen, aber so saß ich damals nach nur ein paar Wochen in Janas Berliner Altbauküche und sah beeindruckt zu, wie der zweieinhalbjährige Kurt, nur im T-Shirt, an der Glastür zum Balkon stand, hinaussah, und beherzt auf den Schieferboden kackte.