Kommissar Jopetho ermittelt -  - E-Book

Kommissar Jopetho ermittelt E-Book

0,0

Beschreibung

Kommissar Jopetho gerät nach einer Mordserie an jungen Frauen selbst in Verdacht. Er vermutet, dass Insider aus der Polizei ihm die Morde anhängen wollen. Die hübsche Anjia, die dem Fall zugezogen wird, soll ihm helfen...sie gerät in Lebensgefahr!

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 92

Veröffentlichungsjahr: 2022

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 1:

Es verging seitdem kein Tag mehr, an dem er nicht an den Abend im Herbst denken musste. Die Bilder würden wohl nie aus seinem Kopf verschwinden, hineingebrannt in die Festplatte seiner Erinnerungen. Schweißgebadet in der Nacht oder mitten in einer der sinnlosen Besprechungen, die es in seinem Job zahlreich gibt, sind sie immer da. Er vermutet sogar, dass sie sich im Laufe der Zeit intensivieren würden. Und mit den Bildern kommt auch das Gefühl der Ohnmacht von damals wieder hoch. Eigentlich hatte er gehofft, dass nach einigen Monaten alles leichter werden würde für ihn. Aber Mord blieb Mord... auch nach 4 Monaten.

Ihre Haare lagen wie von einem Frisör gestylt am Boden und klebten mit dem angetrockneten Blut am Asphalt. Der Blick war starr, nicht vor Furcht, sondern eher verwundert. Er hatte sofort gewusst, dass sie tot war. Noch bevor er das Blut wahrgenommen hatte. Ihre Finger lagen gespreizt, passend zur Frisur, wie ein Fächer am Boden und schienen wie fixiert. Die Beine überkreuzt aber ausgestreckt. Schön war sie. Jedenfalls früher, als sie noch lebte. Und so wie sie dalag, erinnerte sie an ein Modell für ein Kunstwerk eines Pop-Art Künstlers.

Er war angerufen worden, in der Nacht. Er sollte zum Parkplatz am Rande der Stadt kommen, oben am Aussichtspunkt. Sofort. Und er, obwohl schon nach Dienstschluss, machte sich auf zum Parkplatz. Ein Kommissar ist eben immer im Dienst. Und es war ja auch ein Kollege – zumindest behauptete der Anrufer dies.

Es ging um einen wichtigen vertraulichen Hinweis, der Rest würde vor Ort folgen.

Das war Unsinn... aber das wusste er erst jetzt. Kein Kollege wurde je gefunden der ihn angerufen hatte, sondern vermutlich ein Zeuge der die Leiche gefunden hatte und sicher sein wollte das jemand kommt. Aber woher hatte der seine Handynummer? Oder vielleicht hatte der Mörder selbst angerufen? Seit damals hat er keine Spur gefunden die ihn irgendwie weitergebracht hätte.

Es gab nur den Anruf – dessen Nummer nicht zurückverfolgt werden konnte – und die inszenierte Art wie die Erschlagene da lag. Wer sie war konnte bis jetzt nicht herausgefunden werden. Trotz internationaler Vergleiche der Vermisstenmeldungen. Sie ging niemandem ab. Sie war circa 25 bis 30 Jahre alt, schlank, brünett und sportlich muskulös. Ein Tattoo an der Wade mit „Freedom“ wurde noch an zahlreiche Tätowier-Studios Europas geschickt, in der Hoffnung Hinweise auf die Identität zu bekommen.

Der Tod war vermutlich mit einem einzigen Hammerschlag herbeigeführt worden. Dann wurde sie zum Parkplatz gebracht, abgelegt und hergerichtet. Kommissar Jopetho surfte im Netz um ähnliche „Kunstwerke“ zu finden.

Und dann fand er das Album der Wiener Band „Beastfinder“, deren Cover zur CD aus 2016 sehr ähnlich war…zu ähnlich für einen Zufall! Endlich eine erste Spur?

Kapitel 2:

Eine rote Korkenzieherlocke hing ihr ins Gesicht. Ihre Haare waren mehr als widerspenstig, nie blieben sie so, wie sie es wollte. Da konnte sie bürsten und kämmen und waschen und föhnen, am Ende standen sie doch wieder in alle Richtungen und fielen ihr wild und unbändig in dicken Strähnen über die Schulter. Und jetzt, wo sie es so eilig hatte, war es fast ein Wunder, dass nur eine Strähne vor ihrem Blickfeld auf und ab hüpfte. Ihre lange lederne Umhängetasche baumelte an ihrer Seite herab und drohte bei jedem Schritt von der Schulter zu rutschen. Sie hetzte weiter den langen schlichten Gang entlang. Die Wände waren kahl, nur vor jeder Tür hingen Namensschilder mit den darin beheimateten Mitarbeitern. Das Licht wirkte unnatürlich kalt und steril und verlieh den weißen Wänden ein kühles und wenig einladendes Aussehen.

Kurz vor dem Ende des Ganges geriet sie ins Straucheln und beinahe hätte sie den Aktenstapel fallen lassen. Zum Glück nur fast. Schon ihre Mutter hatte sie immer mit einem geringschätzigen Blick bedacht, wenn sie wieder einmal gestolpert war oder etwas fallen gelassen hatte „Du bist ein Trampel. Wie soll je eine Dame aus dir werden, wenn du dich so ungeschickt anstellst?“ „Vielleicht will ich gar keine Dame sein“

hat sie dann immer gerufen und ist manchmal wütend, manchmal weinend in ihrem Zimmer verschwunden.

Nachdem sie ihr Gleichgewicht wiedergefunden hatte, hetzte sie weiter bis zu der Tür am Ende des Ganges. „Seminarraum“ stand auf dem kleinen Schild rechts von der Tür. Sie blieb stehen, versuchte alle Akten in einem Arm zu halten und sich mit der anderen ihre leicht zerknitterte Bluse und die ausgewaschene Jeans zurecht zu zupfen. Dann holte sie noch einmal tief Luft und öffnete die Türe.

In dem geräumigen Raum stand ein großer rechteckiger Tisch in der Mitte. Rundherum standen insgesamt zwanzig Stühle, vom Typ schwarzer unbequemer Wippstuhl. In der Mitte des Tisches standen ein paar Wasserflaschen sowie leere Gläser. Am linken sowie am rechten Ende des Tisches standen jeweils ein Teller mit etwas Plundergebäck. In der rechten Ecke an der gegenüberliegenden Wand stand ein kleiner Beistelltisch, auf der die Filterkaffeemaschine stand. Zu ihrer insgeheimen Freude war der Kaffee scheinbar gerade erst frisch aufgebrüht worden. Wobei, so nervös wie sie gerade war, sollte sie vielleicht auf einen Kaffee verzichten. Generell wurde ihr bereits mehr als einmal gesagt, ob von ihrer Mutter oder von ihrer Schwester, dass sie viel zu viel Kaffee trinken würde. Aber ein Laster musste man doch noch haben dürfen.

Eine Topfpflanze mit großen grünen Blättern, welche ihre besten Tage schon hinter sich hatte, stand in der linken Ecke. Ansonsten war der Raum abgesehen von dem Beamer, welcher sein Bild an die Wand neben der Türe warf, und einem Whiteboard an einer weiteren Wand, leer.

Es waren bereits drei ihrer Kollegen anwesend. „Guten Morgen“ grüßte sie kurz, dann versuchte sie sich so unauffällig wie möglich zu einem der Stühle an den Tisch zu begeben und legte die bereits schwer werdenden Akten behutsam ab. Dann huschte sie zur Kaffeemaschine und schenke sich eine Tasse ein. Milch oder Zucker nahm sie nie. Sie ging zurück zu ihrem Stuhl und setzte sich hin, sich wohl bewusst, dass ihre Kollegen sie genau beobachteten.

Sie war es gewohnt, von ihren männlichen Kollegen angestarrt und gemustert zu werden. Sie war schlank, fast schon dürr, hatte grüne stechende Augen mit kleinen grauen Sprenkeln um die Pupille und Unmengen an Sommersprossen um ihre kleine Nase. Ihre roten Korkenzieherlocken rahmten ihr rundliches Gesicht ein und reichten ihr bis unter die Schulterblätter. Ihre überaus helle Haut war einzig und allein dazu gedacht, sich bei jedem Sonnenstrahl sofort rot zu verfärben. Sie konnte nie einschätzten, ob sie den Männern gefiel oder sie sie eher als sonderbar empfanden, vermutete aber eher Letzteres. Was die Männer aber fast immer in die Flucht schlug, war ihr Verstand. Als forensische Analystin konnte sie sich durchaus als klug bezeichnen. Es war wohl so ziemlich das einzige, worin sie wirklich gut war. Und worauf sie stolz war.

Sie wurde ganz plötzlich aus ihren Gedanken gerissen, als die Tür zum Seminarraum aufging und eine Gruppe von fünf Männern und zwei Frauen den Raum betraten.

Sie stieß an ihrer Kaffeetasse an und verschüttete ein paar Tropfen der lauwarmen braunschwarzen Flüssigkeit über den Tisch. Dabei traf ein Tropfen auch die Ecke der obenliegenden Akte. Sie fluchte innerlich.

Kommissar Jopetho schloss hinter sich die Tür und schritt ans obere Kopfende des Tisches. Bei den restlichen vier Männern handelte es sich um die Detektive Maurer und Lehmann, sowie den Gerichtsmediziner Dr. Stohlberg und seinen Assistenten Thomas. Thomas mochte sie gerne. Er war sehr schüchtern und auch ein wenig schusselig. Vielleicht mochte sie ihn deshalb.

Und weil er sie immer freundlich behandelte und keine Angst vor ihrer Intelligenz hatte. Eigentlich waren sie Freunde seit sie sich kennen gelernt hatten.

Bei den Frauen handelte es sich um Officer Rohleder, Mikitsch. Die drei Männer, welche bereits vor ihr im Raum waren, hießen Officer Klein, Novak und Siemens.

Als schließlich alle am Tisch Platz genommen hatten trat Stille ein und ihre Blicke ruhten gespannt auf Kommissar Jopetho.

Kapitel 3:

Kommissar Jopetho war Situationen, in denen er die volle Aufmerksamkeit im Raum hatte, gewöhnt. Er genoss es sogar. Er zögerte den Moment noch etwas in die Länge in dem sich die Anwesenden Gedanken machten, was nun folgen würde. Beim Blick in die Runde vernahm er die angespannten Gesichtsausdrücke der Besprechungsteilnehmer. Seine Augen stoppten bei einer Frau mit fast unnatürlich auffälligen roten Locken und einem scheinbar noch nicht von ihr entdeckten Kaffeefleck am Kragen ihrer weißen Bluse. Dann wanderte sein Blick hinab zu den vor ihr liegenden Akten…

„Frau…“ ihr Name war ihm entfallen… „Manicova. Ich bin die zuständige Forensikerin in dem Fall“ sagte sie mit einem ihn überraschenden russischen Akzent. „Frau Manicova, wären Sie so nett und stellen Sie uns gleich zu Beginn die von Ihnen festgestellten Ergebnisse der Untersuchung vor, weswegen Sie um diesen Termin gebeten haben?“. Fr. Manicova hatte ihn am Vortag per Mail um einen dringenden Termin bezüglich neuer Erkenntnisse im Fall Beastfinder gebeten. Sie wollte unbedingt, dass alle dabei sind. Er mochte diese in seinen Augen überhebliche und hektische Vorgehensweise von ihr nicht. Nicht zuletzt, weil er diese großen sinnlosen Besprechungen nicht leiden konnte, bei denen die Hälfte der Teilnehmer gedanklich schon im nächsten Termin oder im Streit mit dem Ehepartner waren. „Offensichtlich nutzt sie jede Gelegenheit, um aus ihrem Labor rauszukommen und zur Abwechslung mal die Aufmerksamkeit von noch lebenden Menschen zu genießen“, dachte er sich gehässig.

Von der Situation überrumpelt sprang Fr. Manicova auf und fing an die Aktenkopien an die Besprechungsteilnehmer zu verteilen. Dabei ähnelte ihr Gang eher einem vor sich hin stolpernden Kleinkind als der, der überheblichen Russin, für die er sie zu Beginn hielt, als ihre Mail ihn am Vortag erreicht hatte. Mit leicht zittriger Stimme begann sie, noch bevor alle Akten verteilt waren, zu sprechen: „Für alle die mich noch nicht kennen, mein Name ist Anija Manicova, ich bin vor einem Monat von Russland nach London gekommen und untersuche den Fall Beastfinder. Ich gehe davon aus, dass Sie alle mit den Eckdaten des Falls vertraut sind?“