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Priester und König sind zwei markante Figuren der Christologie im Neuen Testament, die aber in der Gegenwart viele Fragen auslösen. Umso wichtiger ist die Suche nach ursprünglichen und gegenwärtigen Bedeutungen der Motive. Aus unterschiedlichen Blickrichtungen zeigt der Band, dass Jesus als Priester und König gesehen wird, weil er durch sein Wirken und seine Hingabe Gott zu den Menschen und die Menschen zu Gott bringt. Die Festschrift zum 65. Geburtstag von Claus-Peter März würdigt sein Werk und klärt im Gespräch einen zentralen Aspekt des urchristlichen Bekenntnisses
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Seitenzahl: 529
Veröffentlichungsjahr: 2012
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Martina Bär
Markus-Liborius Hermann
Thomas Söding
Herausgeber
König und Priester
im Auftrag
der Katholisch-Theologischen Fakultät
der Universität Erfurt
herausgegeben
von Josef Römelt und Josef Pilvousek
BAND 44
Martina Bär
Markus-Liborius Hermann
Thomas Söding
Herausgeber
König und Priester
Facetten neutestamentlicher Christologie
Festschrift für Claus-Peter März zum 65. Geburtstag
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
1. Auflage 2012
© 2012 Echter Verlag, Würzburg
Druck und Bindung
Difo-Druck, Bamberg
ISBN 978-3-429-03591-4 (Print)
ISBN 978-3-429-04695-8 (PDF)
ISBN 978-3-429-06094-7 (ePub)
www.echter-verlag.de
Vorwort
Grußwort Dr. Joachim Wanke
Grußwort Joachim Reinelt
Grußwort Prof. Dr. Michael Gabel
1. Grundsatzfragen
Georg Hentschel
Die Laisierung des Königs im Alten Testament
Rainer Kampling
„… Dann wohnt er schon in unserer Welt“.
Das Gloria als Inthronisationsgesang
Hubert Frankemölle
Wie hoch darf die „hohe“ Christologie sein?
Hermeneutische Reflexionen zu biblischen und päpstlichen Konzepten im christlich-jüdischen Dialog
2. Die Evangelien
Gerd Theißen
Das Geheimnis des Gottessohnes.
Monotheismus und Christologie im Markusevangelium
Detlev Dormeyer
Davidssohn und Herrscherideologie im Markusevangelium
Thomas Söding
Der König am Kreuz.
Politik und Religion in der Passionsgeschichte
Ingo Broer
Die Erscheinungen des Auferstandenen als innerpsychische und von Gott gewirkte Tatsachen.
Zur historischen Rückfrage nach der Auferstehung Jesu
Knut Backhaus
Christologia Viatorum.
Die Emmaus-Episode als christologisches Programm der Apostelgeschichte
Silvia Pellegrini
Das Verständnis vom Königtum Jesu im Johannesevangelium
3. Die Briefe und die Johannesoffenbarung
Markus Tiwald
Setzt der Glaube an Christus die Tora außer Kraft?
Ein neuer Blick auf die „Werke des Gesetzes“ in Röm 3,20–31
Rudolf Hoppe
Herrschaft Gottes in nachpaulinischer Rezeption
Hermut Löhr
Factum ex muliere (Gal 4,4–5).
Zu einer These Daniel Boyarins und zur Frage einer adoptianischen Christologie bei Paulus
Markus-Liborius Hermann
Der Priesterkönig Melchisedek und der Hohepriester Jesus Christus.
Die Christologie des Hebräerbriefs in Nachbarschaft, Differenzierung und Konkurrenz zur Synagoge im 1. Jh. n. Chr
Mireia Ryšková
Die königliche Priesterschaft in 1 Petr 2,1–10
Stefan Schreiber
Könige und Priester.
Die Demokratisierung der Christologie in der Offenbarung des Johannes
Martina Bär
„… und sie werden herrschen als Könige auf der Erde“ (Offb 5,10).
Der kosmische Messiaskönig und sein Königtum in der Offenbarung des Johannes
4. Anhang
Curriculum Vitae Claus-Peter März
Bibliographie Claus-Peter März
Autorinnen und Autoren
Claus-Peter März
„Siehe, dein König kommt zu dir …“ – Der Titel seiner Dissertation (1981) ist eine theologische Visitenkarte geworden, die Claus-Peter März jederzeit vorzeigen konnte – und bald nicht mehr vorzuzeigen brauchte, weil die Studie ihn in der Zunft und darüber hinaus schnell bekannt gemacht hat. Die Arbeit ist in Erfurt angefertigt und in Rom an der Gregoriana angenommen worden. Das spiegelt die Situation, in der Claus-Peter März den Weg zur Bibelwissenschaft eingeschlagen hat: in der DDR, aus der pastoralen Arbeit mit Jugendlichen und Studierenden, in der Nachfolge von Heinz Schürmann und Joachim Wanke am Philosophisch-Theologischen Studium in Erfurt, mit dem Wissen, neue Fragen, Methoden und Ergebnisse, einen neuen Stil der neutestamentlichen Exegese entwickeln zu müssen.
Die Dissertation hat nicht nur seine nachhaltige Beschäftigung mit der synoptischen Frage begründet, ein starkes Engagement in der Q-Forschung und ein Beharren auf dem philologischen Kerngeschäft der Exegese, sondern auch die Neugier auf eine schriftgemäße Christologie. Dass die Festschrift diese Fährte aufnimmt und ihrerseits dem „König“ Tribut leistet, ist eine Reverenz gegenüber der Dissertation und all den weiteren Forschungen im Bereich der Evangelien, die Claus-Peter März angestellt und angestoßen hat.
Wer noch weiter zurückgeht in der wissenschaftlichen Vita, stößt auf die Lizenziatsarbeit über die Theologie des Wortes Gottes bei Lukas (1974). Nicht dass Claus-Peter März auf seine akademischen Anfänge reduziert werden sollte: Wurzeln sind sie geblieben. Ein zweiter Schwerpunkt seiner Arbeit, der ihn in Deutschland und darüber hinaus bekannt gemacht hat, ist die Exegese des Hebräerbriefes, gebündelt im Kommentar der Neuen Echter-Bibel (21990) und in den gesammelten Studien (2005). Der Hebräerbrief hat eine fulminante Theologie des Wortes Gottes – und eine beeindruckende Christologie, die den Priester Jesus ins Zentrum rückt. Das wird im zweiten Stichwort des Festschrifttitels aufgenommen. Es verweist auf die zahlreichen Studien zu den neutestamentlichen Briefen, ihrer Christologie, Soteriologie und Ekklesiologie, die Claus-Peter März als Autor und Lehrer verantwortet hat.
Wer „König“ und „Priester“ sagt, muss erklären, warum der „Prophet“ fehlt. Dass Jesus ein Prophet war – wer wollte das bestreiten? Aber dass er König und Priester war, harrt der Erklärung. Die Festschrift will thematische Akzente setzen. Sie baut einen Spannungsbogen auf. Claus-Peter März ist jemand, der nicht zu gern auf festem Grund lebt; es muss sich immer etwas bewegen oder wanken, zumindest unterscheiden. Glatte und vorgeprägte Aussagen erscheinen ihm verdächtig. Das soll die Festschrift widerspiegeln.
Claus-Peter März ist ein Vollblutwissenschaftler. Er hat geholfen, dass die Erfurter Theologenhochburg Teil der Universität geworden ist. Es war ihm aber immer auch ein Anliegen, die pastorale Ausrichtung des Neuen Testaments deutlich zu machen: durch seine Gemeindedienste, durch sein langjähriges ökumenisches Engagement, durch seine Beratung der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz, des Katholischen Bibelwerks und des Würzburger Fernkurses Theologie, aber auch durch seine Mitgliedschaft in der Hochschulstrukturkommission des Landes Thüringen in turbulenter Zeit.
Die Festschrift versammelt exegetische Beiträge zur Christologie des Neuen Testaments im Spannungsbogen zwischen dem König und dem Priester, ohne den Propheten zu leugnen. Für alle, die mitgeschrieben haben, war es eine Ehrensache, ein Freundschaftsdienst, eine kollegiale Anerkennung, ein Ausdruck des wissenschaftlichen Interesses an den Themen, mit denen Claus-Peter März sich befasst hat. Die Festschrift nimmt aber auch Grußworte auf, die ein kurzes Schlaglicht auf einige derjenigen Felder werfen, auf denen sich Claus-Peter März über die wissenschaftliche Auslegung des Neuen Testaments hinaus betätigt hat.
Die Festschrift wäre nicht möglich gewesen ohne namhafte Zuschüsse der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt, der Bistümer Erfurt und Dresden-Meißen sowie der Deutschen Bischofskonferenz. Die Herausgeber sagen dafür herzlichen Dank, zumal sie zu schätzen wissen, dass die Unterstützung ihrerseits ein Dank an Claus-Peter März sein soll.
Jede Festschrift ist Anerkennung für ein Werk; diese soll auch Ansporn sein, weiterzugehen auf dem Königsweg des Priesters Jesus, mit guter Exegese.
Ad multos annos!
Erfurt – Bochum, 12.12.2012
Martina Bär – Markus-Liborius Hermann – Thomas Söding
Lieber Claus-Peter,
anlässlich Deines 65. Geburtstages, der gemäß universitärer Gepflogenheiten das Ende Deiner akademischen Lehrtätigkeit mit sich bringt, wird Dir von Kollegen und Freunden diese Festschrift als Zeichen des Dankes und der Hochachtung für Deine langjährige Tätigkeit als Hochschullehrer überreicht. Gern reihe ich mich in die Schar der Gratulanten ein und verbinde damit meinen herzlichen Dank für Dein vielseitiges Wirken hier in Erfurt und darüber hinaus.
Verbunden durch die guten Erfahrungen unserer gemeinsamen Lehrjahre bei Heinz Schürmann durfte ich aus nächster Nähe Deine Tätigkeit als Lehrstuhlinhaber für neutestamentliche Exegese begleiten, anfänglich noch am Philosophisch-Theologischen Studium Erfurt und nun die letzten Jahre an der Katholisch-Theologischen Fakultät der hiesigen Universität.
Du gehörst zu der Generation der Erfurter Hochschullehrer, die den Übergang der Theologenausbildung aus dem alten politischen System in die freiheitlichen Verhältnisse des nun geeinten Deutschland gestalten konnten. Es ging darum – um den Titel eines von Dir gleich nach der politischen Revolution 1989/90 herausgegebenen Sammelbandes zu zitieren –, „in der ganz alltäglichen Freiheit“ den Horizont des theologischen Nachdenkens auf die veränderten gesellschaftliche Verhältnisse hin zu weiten.
So gehören zu Deinem bisherigen Lebenswerk eben nicht nur Deine Beiträge zur wissenschaftlichen Bibelexegese im engeren Sinne, die besonders auch in dieser Festschrift gewürdigt werden, sondern eben auch die „Umsetzung“ der biblischen Impulse in die so radikal veränderte Lebenswelt der Menschen hinein. In Vorträgen, Werkwochen und zahlreichen Veröffentlichungen für ein breiteres Publikum hast Du vielen geholfen, die „Zeichen der Zeit“ vom Glauben her zu deuten und daraus Impulse zu empfangen, sich in Kirche und Gesellschaft mit Mut und Zuversicht einzubringen. Nicht vergessen sei in diesem Zusammenhang Dein regelmäßiger Dienst als sonntäglicher Zelebrant und Prediger im Erfurter Mariendom. Gerade als Erfurter Bischof darf ich diese Seite Deines Wirkens einmal hervorheben, wobei der Raum Deiner Tätigkeit sich immer wieder auch auf andere Diözesen hin, nicht zuletzt auch auf Dein Heimatbistum Dresden-Meißen hin, geöffnet hat.
Unsere Ortskirchen im ehemaligen Osten Deutschlands verdanken Dir viel. Die Hinführung junger Theologen zum Verstehen der biblischen Texte lag Dir ebenso am Herzen wie das Weitergeben biblischer Impulse in die Öffentlichkeit unserer Gemeinden und des hiesigen säkularen Umfeldes. Deine vielseitigen Begabungen hast Du über Lehre und Forschung hinaus in das ortskirchliche Leben eingebracht. Nicht vielen Exegeten ist es beispielsweise gelungen, mit eigenen Liedtexten in das katholische Gesang- und Gebetbuch der deutschen Diözesen zu kommen.
Immer wieder durfte ich mit besonderen Bitten an Dich herantreten, denen Du Dich nicht verweigert hast. Ich nenne beispielsweise Deinen langjährigen Einsatz bei der Begleitung der Kurse im Theologischen Fernstudium oder jüngst Deine Bereitschaft, bei der anstehenden Revision der Einheitsübersetzung mitzuwirken. Für alles möchte ich Dir sehr herzlich danken.
Mir ist bewusst, dass eine akademische Emeritierung keinen Schlusspunkt für eine Tätigkeit als Lehrer und Seelsorger bildet. So wünsche ich Dir gute gesundheitliche Kräfte, vielfältige Inspirationen und mancherlei Gelegenheiten, Dein Wissen und Deine Gaben auch in den kommenden Jahren in das Leben unserer Kirche einzubringen. Dazu begleite Dich Gottes reicher Segen.
In bleibender Verbundenheit grüßt Dich
Dein
+ Joachim Wanke
Bischof em. von Erfurt
Der Herr zeigt sich in den Evangelien und in den apostolischen Schriften, seiner unermesslichen Vielfalt entsprechend, sehr unterschiedlich. Es gehört zur Kunst des Exegeten und zu dem, der die Hl. Schrift zugänglich macht, das Rationale zu überhöhen in das „Erkennen“ im Licht des Geistes Gottes.
Prof. Dr. Claus-Peter März ist das gelungen, das bezeugen seine Schriften und seine Hörer. Dafür danken wir ihm. Besonders sei ihm gedankt für die jahrelange Hinführung unserer Seminaristen zum Wort des lebendigen Gottes.
Jesus Christus – König und Priester für alle –, er wurde den Menschen Bruder und Knecht, damit wir alle eingeordnet würden in sein königliches, prophetisches und priesterliches Gottesvolk, damit wir mit ihm Sohn, Kind Gottes seien.
Der Herr möge mit dieser hohen Würde den beschenken, der das zum Thema seines Forschens und Lehrens gemacht hat: unseren Mitbruder Claus-Peter März.
Dresden, am 8. Mai 2012
Bischof em. von Dresden-Meißen
Der Eintritt in den Ruhestand ist für einen Wissenschaftler beileibe kein Stillstand. Er verabschiedet sich lediglich aus dem Alltag des wissenschaftlichen Lehrbetriebs und der akademischen Selbstverwaltung. Soweit es seine Kräfte erlauben, gewinnt er Zeit für Forschungen, deren Dringlichkeit ihm im Lauf seiner bisherigen Lehr- und Forschungstätigkeit aufgegangen ist. Mit dem Ende des Sommersemesters 2012 ist Professor Dr. Claus-Peter März in den Ruhestand getreten. Die Katholisch-Theologische-Fakultät der Universität Erfurt verabschiedet einen hoch geschätzten, wissenschaftlich anerkannten Theologen und Kollegen. 1947 in Leipzig geboren, hat er die ideologische Dominanz des dialektischen Materialismus und des kommunistischen Gesellschaftssystems hautnah erlebt. Als katholischer Christ wurde er zugleich von klein auf durch Diasporaerfahrungen geprägt. Zu diesen Erfahrungen gehörte die Herausforderung, sich jederzeit für den gelebten christlichen Glauben verantworten zu müssen. So reifte in ihm früh das Bewusstsein für eine verständnisvolle und kritische Durchdringung der Heiligen Schrift als Quelle des christlichen Glaubens. Getragen von einer Gymnasialausbildung im altsprachlichen Zweig studierte Claus-Peter März von 1965 bis 1969 am Philosophisch-Theologischen Studium in Erfurt Theologie. 1971 wurde er in Dresden zum Priester geweiht und arbeitete in den Jahren 1971 bis 1974 als Kaplan in Meißen und in der Leipziger Propsteigemeinde. 1974 setzte Claus-Peter März seine theologischen Studien fort und erwarb das Lizenziat der Theologie mit einer Arbeit zum Thema „Das Wort Gottes bei Lukas“. 1978 wurde er mit der Dissertation „‚Siehe, dein König kommt zu dir …‘. Zur Traditionsgeschichte der Einzugsperikope“ zum Doktor der Theologie gemäß der Promotionsordnung der päpstlichen Universität Gregoriana promoviert. Sein Lehrer in diesen Jahren war der weltbekannte Neutestamentler Professor Dr. Heinz Schürmann. Von 1978 bis 1980 war Dr. Claus-Peter März wieder als Kaplan in Gera tätig und nahm zugleich Lehraufträge für neutestamentliche Exegese am Philosophisch-Theologischen Studium in Erfurt wahr. Von 1981 an lehrte Dr. Claus-Peter März am Lehrstuhl für Exegese des Neuen Testaments in Erfurt. 1989 wurde er mit der Habilitationsschrift „‚Lasst eure Lampen brennen …‘. Zur Q-Vorlage von Lk 12,35–14,24“ zum ordentlichen Professor für Exegese des Neuen Testaments berufen. Kurz zuvor konnte er ein Studienjahr in Rom wahrnehmen und war für diese Zeit in das Collegio Teutonico di S. Maria dell' Anima inkorporiert. Schwerpunkte seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit sind die synoptischen Evangelien und der Hebräerbrief. Bemerkenswert ist seine Fähigkeit, zentrale wissenschaftliche Fragestellungen der Exegese auch einem breiteren Publikum nahezubringen. Ebenso zeichnet ihn die Bereitschaft aus, die biblischen Texte im Blick auf das kirchliche Leben und den Lebensalltag der Menschen zu erschließen. In einer religiös ungebildeten Umwelt kommt solcher Vermittlungstätigkeit hohe Bedeutung zu.
Professor Dr. Claus-Peter März ist im Laufe seiner Lehrtätigkeit in wichtige nationale und internationale wissenschaftliche Gremien und Arbeitsgemeinschaften berufen worden. Seit 1981 ist er Mitglied der Arbeitsgemeinschaft katholischer deutschsprachiger Neutestamentler. 1987 wurde er in die „Studiorum Novi Testamenti Societas“ aufgenommen. Mit der Wiedererlangung der deutschen Einheit wurden die internationalen Kontakte noch wichtiger. 1991 wurde Claus-Peter März Mitglied der Europäischen Gesellschaft für katholische Theologie. Von 1990 bis 2000 gehörte er dem wissenschaftlichen Beirat des Katholischen Bibelwerks in Stuttgart an. Von 1992 bis 1993 lehrte er als Gastprofessor an der Technischen Universität Dresden. 1997 nahm er eine Gastprofessur am Studienjahr der Dormition Abbey in Jerusalem wahr. Die Deutsche Bischofskonferenz berief ihn 1997 zum Mitglied ihrer Glaubenskommission. Claus-Peter März zeichnet ein waches ökumenisches Bewusstsein in den Fragen der wissenschaftlichen Kooperationen wie im Verhältnis der Kirchen untereinander aus. Der Ökumenisch-Theologische Arbeitskreis in der DDR wurde wesentlich durch ihn geprägt. Später wurde er Mitglied des Deutschen Ökumenischen Studienausschusses DÖSTA. Seit 1999 gehört er zu den Herausgebern der Ökumenischen Rundschau.
Professor Dr. Claus-Peter März hat bei der Gestaltung der theologischen Studiengänge in Erfurt Innovationskraft und als Rektor bei der Leitung des Philosophisch-Theologischen Studiums große Übersicht und Entschlusskraft bewiesen. In den Jahren der Neuordnung der theologischen Studiengänge und der Integration der Lehramtsstudiengänge nach 1990 war Claus-Peter März Rektor der kirchlichen Hochschule und prägte die Thüringer Hochschullandschaft als Mitglied der Hochschulstrukturkommission des Landes Thüringen von 1991 bis 1992 mit. Seine Erfahrung und sein Rat in Fragen der akademischen Selbstverwaltung sind bis heute hoch geschätzt. Unbedingt zu erwähnen ist der seelsorgerische Enthusiasmus von Claus-Peter März. Seit Jahrzehnten ist er als Prediger auf dem Erfurter Domberg begehrt und geschätzt. Das gilt besonders für seine Katechesen mit Kindern. Legendär sind seine Faschingspredigten. Dass die Mitte des Glaubens mehr ist als ein System von Sätzen, nämlich Gottes Selbstmitteilung in seinem Sohn, hat Claus-Peter März poetologisch erschlossen als Dichter von Liedern, die weit über Deutschland hinaus bekannt geworden sind.
Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Erfurt dankt Professor Dr. Claus-Peter März für sein engagiertes Wirken in Forschung und Lehre in der Exegese und Theologie des Neuen Testamentes. Er hat die Tradition dieses Faches ungebrochen fortgesetzt und die Bedeutung der Erfurter Theologie in der Fachwelt und weit darüber hinaus hochgehalten. Die Fakultät dankt ihm für seine Impulse zu ihrer wissenschaftlichen und wissenschaftsorganisatorischen Ausrichtung. Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeiter, Studierende und Angestellte der Fakultät schätzen seine offene und freundliche Art des menschlichen Miteinanders und freuen sich auf bleibende Verbundenheit im Kreis der Emeriti. Die Fakultät wünscht Professor Claus-Peter März für den Ruhestand Muße für all die Vorhaben und Unternehmungen, die er sich für die kommenden Jahre vorgenommen hat. Vor allem möge Claus-Peter März Gesundheit sowie Zeit und Möglichkeit haben, die Früchte eines großen Wirkens als Wissenschaftler und Priester genießen zu können. Die Fakultät wünscht ihm Gottes gutes Geleit und Segen für den weiteren Lebensweg.
Im September 2012
Prof. Dr. Michael Gabel
Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät
Georg Hentschel
Im Neuen Testament sieht man in Christus einerseits den kommenden König, andererseits aber auch den Hohenpriester. Claus-Peter März, dem dieser Beitrag gewidmet ist, hat sich mit beiden Facetten der Christologie intensiv befasst.1 Die neutestamentlichen Texte scheinen kein Problem darin zu sehen, die Rolle des Königs und des Priesters in der Gestalt des Melchisedek miteinander zu verbinden (Hebr 7,1). So stützen sie sich z. B. gern auf Ps 110, in dem der königliche Herrscher zugleich als ewiger Priester nach der Ordnung des Melchisedek bezeichnet wird. Innerhalb des Alten Testaments lässt sich sicher eine Linie nachzeichnen, in der die Rolle des Königs und des Priesters einander nahestehen oder miteinander verschmelzen. Aber es zeigt sich auch, dass die Nachkommen Davids mehr und mehr ihre kultische Kompetenz verlieren und zu Laien werden, die den Tempel und seinen Gottesdienst ganz und gar den Priestern überlassen müssen.
Sieben Tage nach seiner Salbung (1 Sam 10,1) wird der erste König Israels bereits wieder verworfen. Was hat er denn Schlimmes getan? Er hat in Gilgal sieben Tage geduldig auf Samuel gewartet (13,7b.8a), so wie es ihm geboten worden war (1 Sam 10,8). Als Samuel aber ausblieb und das Kriegsvolk schon davonlief, hat er damit begonnen, das Brand- und Heilsopfer darzubringen (13,9). Nachdem Samuel verspätet eingetroffen war, stellte er Saul zur Rede. Dieser rechtfertigte sich mit der Verspätung Sauls und der drohenden Gefahr seitens der Philister (13,11.12). Samuel aber sprach ihm das Urteil: Saul hat danach nicht nur töricht gehandelt, sondern einen Befehl Gottes übertreten. Die Herrschaft soll darum einem Mann gegeben werden, den sich JHWH nach seinem Herzen gesucht hat (13,13–14).
Auch der schlichteste Bibelleser ahnt, dass mit dem neuen Herrscher David gemeint ist, der tatsächlich bald danach im Kreis seiner Brüder von Samuel gesalbt wird (16,1–3). Ist aber David wirklich der bessere? Wenn Saul in seiner Rolle als erwählter und gesalbter König kein Opfer darbringen durfte, dann müsste sich David erst recht davor hüten, selbst ein Opfer darzubringen. Das Bild, das in den Samuelbüchern von David entworfen wird, sieht aber völlig anders aus: David opferte bei der Übertragung der Lade jeweils nach sechs Schritten einen Stier und ein Mastkalb (2 Sam 6,13). Er trug bei der Überführung der Lade das leinene Efod (2 Sam 6,14), das für die Priester charakteristisch war (vgl. 1 Sam 2,18). David hat den ersten Altar auf dem späteren Tempelberg errichtet und auf ihm Brand- und Heilsopfer dargebracht (2 Sam 24,25). Sein Sohn und Nachfolger Salomo legte tausend Brandopfer auf den Altar von Gibeon (1 Kön 3,4). Auch nach der Rückkehr Salomos nach Jerusalem trat Salomo vor die Bundeslade und brachte Brand- und Heilsopfer dar (1 Kön 3,15). „Vorexilisch fungiert der Davidide grundsätzlich und auch praktisch als höchster Priester“2. Salomo hat einen Tempel geschaffen, der zunächst und vor allem ein königliches Heiligtum war. Die Priester werden zumindest unter David und Salomo zu den königlichen Beamten gezählt (2 Kön 8,17; 20,25; 1 Kön 4,2). Die Könige Judas haben denn auch die oberste Verfügungsgewalt über den kultischen Bereich. Nachdem Joasch von Juda die regelmäßige Renovierung des Tempels finanziell geordnet hat (2 Kön 12,5–17), ließ Ahas einen Altar nach dem Muster des fremden Altars in Damaskus erbauen (2 Kön 16,10–16) und opferte auch selbst darauf (16,12.13). Hiskija hat u. a. die von Mose geschaffene Kupferschlange entfernt (2 Kön 18,4). Joschija hat eine noch bedeutendere Kultreform in die Wege geleitet (2 Kön 23,4–15). Schließlich wurden alle Könige Israels und Judas daran gemessen, ob sie den wahren Kult gefördert haben oder nicht.
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