Krankenhausmanagement -  - E-Book

Krankenhausmanagement E-Book

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Beschreibung

Der Gesundheitsbereich unterliegt seit Jahren vielfältigen Veränderungsprozessen, die Auswirkungen haben auf Ziele, Strukturen und Führung. Die Spannweite der unterschiedlichen Begrifflichkeiten und Modelltheorien sind dabei differenziert zu betrachten, abzugrenzen und anwendungsorientiert auf die Praxis zu gestalten. Das vorliegende Werk ergänzt die sach-rationale Perspektive der Krankenhausmanagementlehre um die sozio-emotionale Dimension des Organisatorischen Wandels und Leadership - denn ein erfolgreiches Management bedarf des Leadership. Die Beiträge umfassen die Bereiche Gesundheitsökonomie, Krankenhausmanagement, Interessengruppen, Strukturen, Funktionen, Professionen und den Leistungserstellungsprozess und wurden von zahlreichen namhaften Autoren verfasst. Sie widmen als Wegbegleiter, Kollegen, Freunde und Schüler das vorliegende Werk Frau Professorin Barbara Schmidt-Rettig, die im Sommer 2014 nach 28 Jahren die Hochschule Osnabrück verließ.

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Seitenzahl: 574

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Winfried Zapp (Hrsg.)

Krankenhausmanagement

Organisatorischer Wandel und Leadership

Verlag W. Kohlhammer

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen und sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.

Es konnten nicht alle Rechtsinhaber von Abbildungen ermittelt werden. Sollte dem Verlag gegenüber der Nachweis der Rechtsinhaberschaft geführt werden, wird das branchenübliche Honorar nachträglich gezahlt.

 

 

1. Auflage 2015

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-023944-9

E-Book-Formate:

pdf:       ISBN 978-3-17-024129-9

epub:    ISBN 978-3-17-024130-5

mobi:    ISBN 978-3-17-024131-2

Für den Inhalt abgedruckter oder verlinkter Websites ist ausschließlich der jeweilige Betreiber verantwortlich. Die W. Kohlhammer GmbH hat keinen Einfluss auf die verknüpften Seiten und übernimmt hierfür keinerlei Haftung.

Herausgeber und Autoren widmen dieses Buch Barbara Schmidt-Rettig.

Vorwort des Herausgebers

 

 

Im Sommer 2014 verließ Professorin Barbara Schmidt-Rettig nach 28 Jahren die Hochschule Osnabrück. Aus diesem Anlass widmen ihr ihre Wegbegleiter, Kollegen, Freunde und Schüler1 das vorliegende Werk:

»Krankenhausmanagement – Organisatorischer Wandel und Leadership«.

Dieses Buch greift die Managementkonzepte für Krankenhäuser auf, denen Barbara Schmidt-Rettig so zahlreiche Impulse gegeben und für welche sie entscheidende Akzente gesetzt hat.

Barbara Schmidt-Rettig legte 1975 nach ihrem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen die Diplomprüfung ab. Die Promotion erfolgte 1986 an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Konstanz.

1987 wurde sie als erste Professorin für Betriebswirtschaftslehre in Niedersachsen und als erste Professorin am Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Osnabrück berufen auf die Professur Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Rechnungswesen. Diese Denomination wurde 2006 geändert in: Professur für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Krankenhausfinanzierung und Krankenhausmanagement.

Ihr beruflicher Werdegang begann mit ihrem Einstieg als Assistentin des Verwaltungsdirektors und Ärztliche Betriebsberaterin an der Universitätsklinik Gießen. Als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Krankenhaus Institut e.V. in Düsseldorf war sie anschließend in enger Assistenz zu Professor Siegfried Eichhorn über sieben Jahre in der Forschung, der Lehre und der Beratung tätig.

Ihr Wirken als Hochschullehrerin verdient besondere Anerkennung: Zunächst berufen für die Fächer Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Rechnungswesen, etablierte sie die Schwerpunkte Krankenhausmanagement, Krankenhausfinanzierung und Krankenhauscontrolling sowie Personalmanagement im Krankenhaus am Fachbereich Wirtschaft und legte so mit ihren Vorlesungen, Veröffentlichungen und Vorträgen die Grundlagen für eine stärkere Krankenhausmanagement-orientierte Ausrichtung der Studiengänge im Gesundheitswesen.

Wesentlichen Anteil hat Barbara Schmidt-Rettig aber auch an dem Auf- und Ausbau des Studiengangs Betriebswirtschaft im Gesundheitswesen (BIG) sowie Krankenpflegemanagement (KPM) und Pflege- und Gesundheitsmanagement (PGM). Dabei war es ihr ein großes Anliegen zum einen, in Abstimmung mit den betriebswirtschaftlichen Studiengängen, die Ansätze der Betriebswirtschaftslehre auf das Krankenhaus zu übertragen und weiterzuentwickeln. Zum anderen warb sie sowohl fachbereichsintern als auch in der Zusammenarbeit mit der Praxis dafür, die unterschiedliche Sichtweise von Ökonomie auf der einen und Pflege und Medizin auf der anderen Seite auf das Unternehmen Krankenhaus zu harmonisieren und alle Beteiligten zu einem gemeinsamen Handeln zu motivieren.

Diesen Grundsatz übertrug sie auch auf den Weiterbildungsstudiengang des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) der Akademie für Krankenhausmanagement (AKM), den sie als Vorstands- und Kuratoriumsmitglied (1996–2009) maßgeblich mit prägte.

Insgesamt haben über 2.000 Studierende ihre Veranstaltungen gehört, und eine Vielzahl von Abschlussarbeiten wurde von ihr betreut.

Neben ihrer langjährigen akademischen Lehrtätigkeit hat Barbara Schmidt-Rettig sich mit großem Engagement den Konzepten zu Strukturen, Prozessen und Verhaltensweisen im Krankenhaus sowie in Einrichtungen des Gesundheitswesens gewidmet. Eines ihrer Anliegen lag stets darin, Theorie-Praxis-Theorie zu verzahnen, d. h. entsprechend dem Grundsatz »Wissenschaft lernt von der Praxis, die Praxis lernt von der Wissenschaft« die Lehre an den Erfordernissen der Praxis auszurichten und andererseits die Praxis theoriegestützt zu beraten. Diesem Grundsatz der Verzahnung folgend wirkte sie darauf hin, dass der Studiengang BIG in enger Abstimmung mit den Kooperationspartnern gestaltet wurde und die Erwartungen und Erfahrungen der Praxis passgenau in ein praxistaugliches Studium/Curriculum eingebracht werden konnten.

Gleichzeitig setzte sie sich dafür ein, die Strukturen und Inhalte des Weiterbildungsstudiengangs (VKD) der Akademie für Krankenhausmanagement (AKM) theoriefundiert und entsprechend den Anforderungen aus Sicht einer Hochschule zu gestalten.

Mit ihren Publikationen und ihrem sachkundigen Rat und Wirken in verschiedenen Gremien ist ihr Name weit über die Hochschule hinaus bekannt geworden. Die Ergebnisse ihrer Arbeiten fanden ihren Niederschlag in zahlreichen Veröffentlichungen, Vorträgen und Seminaren. Besonders hervorzuheben sind die Veröffentlichungen gemeinsam mit Siegfried Eichhorn, die Managementseminare mit und für das Deutsche Krankenhausinstitut e.V., Düsseldorf, sowie verschiedene Stellungnahmen und Publikationen zu den Themenschwerpunkten: Krankenhausplanung und Krankenhausfinanzierung, Organisation und Leitungsstrukturen, Personalmanagement und Motivation im Krankenhaus, sowie Controlling und Proficenter-Strukturen.

Die Gestaltung von Unternehmensgrundsätzen, -werten und -strategien verbunden mit entsprechenden Leitungsstrukturen und gelebter Führungsverantwortung bildet die Voraussetzung jeglichen Managementhandelns. Daher bestimmen Managementkompetenz und -verantwortung von Krankenhauseigentümern aus ihrer Sicht maßgeblich den nachhaltigen Unternehmenserfolg. Ihren beiden akademischen Lehrern Knut Bleicher und Siegfried Eichhorn folgend vertrat sie daher einen integrierten Managementansatz auch für die Krankenhauspraxis.

Der Überzeugung folgend, dass sowohl alle Managementtheorie als auch die Managementpraxis »grau« sei, wenn die Sorge für Ordnung und Beständigkeit in komplexen Großunternehmen nicht ergänzt wird um die Führung im eigentlichen Sinne verbunden mit dem Gedanken des Wandels, legte sie die Schwerpunkte in den letzten Jahren auf Organisation und Leadership in Ergänzung zu ihrem integrativen Managementansatz. Denn: Leadership schlägt Management!

In Anerkennung und Würdigung ihrer Leistungen erscheint daher das vorliegende Werk »Krankenhausmanagement – Organisatorischer Wandel und Leadership«.

Dabei lag es in der Absicht des Herausgebers und der Autorinnen und Autoren mit einer Vielfalt an Beiträgen und entlang der Struktur des Grundlagenwerks Krankenhaus-Managementlehre: Theorie und Praxis eines integrierten Konzepts (Barbara Schmidt-Rettig und Siegfried Eichhorn, Kohlhammer Verlag 2008) dieses um die Aspekte der Organisation und des Leaderships zu ergänzen und fortzuentwickeln.

Die vielen Autorinnen und Autoren die in fachlicher und persönlicher Verbundenheit mit Barbara Schmidt-Rettig an diesem Werk mitgewirkt haben, repräsentieren einen Kreis von Experten/Expertinnen aus Wissenschaft und Praxis, mit denen Barbara Schmidt-Rettig gemeinsam nach neuen Wegen suchte, diese Probleme anzugehen.

Die Honorare für dieses Buch werden von den Autorinnen und Autoren freundlicherweise für die jährliche Auslobung eines StudyUp-Award zur Verfügung gestellt. Dieser Award ist ihrem Mentor Siegfried Eichhorn gewidmet. Gewürdigt werden sollen Abschlussarbeiten des Studiengangs Betriebswirtschaft im Gesundheitswesen (BIG) B.A., die wissenschaftlich-orientierte und theoretisch-fundierte Konzeptionen und anwendungsorientierte Konzepte für den Werte- und Strukturwandel von Krankenhäusern zum Gegenstand haben.

Der Herausgeber dankt vor allem und insbesondere Herrn Dr. Ruprecht Poensgen, Verlagsleitung vom W. Kohlhammer Verlag, der dieses Buchprojekt bereits in seinen Anfängen engagiert begleitet hat und uns immer wieder den Blick auf das wesentliche geschärft hat. Herr Dominik Rose, Lektorat Medizin/Krankenhaus im W. Kohlhammer Verlag, hat seine Erfahrungen mit eingebracht. Er wusste nicht nur unsere Probleme, bevor wir sie thematisieren konnten, sondern hatte immer schon Lösungen parat.

Und last but not least sind drei Studentinnen zu nennen, die von den ersten Entwürfen an mit charmanten Hinweisen und qualifizierten Ausführungen dazu beigetragen haben, dass dieses Buch in dieser Form erschienen ist: Victoria Hinz, Melina Jürgensen und Jeanne Zimmer haben trotz der Endphase Ihres Bachelorstudiums sich engagiert und professionell eingebracht – ganz herzlichen Dank dafür.

Dem Team des Kohlhammer Verlags danken wir für diese kooperative Zusammenarbeit ganz herzlich. Den zahlreichen Autoren und Autorinnen danken wir für die oft schnelle und unkomplizierte Zusammenstellung der Artikel:

Boris Augurzky, Georg Baum, Sabine Bendig, Hendrike Berger, Burghardt Bessai, Jacob Bijkerk, Matthias Bracht, Manfred Brümmer, Holger Bunzemeier, Wilfried von Eiff, Matthias Ernst, Martin Eversmeyer, Andreas Greulich, Manfred Haubrock, Kathrin Heier, Helmut Hildebrandt, Karsten Honsel, Alex Hoppe, Christian Jaeger, Gabriele Kirchner, Wolfgang Klitzsch, Sr. Basina Kloos, Heinz Kölking, Julia Elena König, Wulf-Dietrich Leber, Heinz Lohmann, Markus Lüngen, Martin Moers, Julia Oswald, Michael Philippi, Wolfgang Plücker, Herbert Rebscher, Anneke Riehl, Enrico Sass, Jens Schick, Doris Schiemann, Herbert Schirmer, André A. Sonnentag, Peter Steiner, Siegmar Streckel, Holger Strehlau, Andreas Tecklenburg, Julian Terbeck, Angelika Volk, Dieter Wagner, Michael Wermker, Fritz Westhelle, Klaus Westphely(†), Christoph Winter, Winfried Zapp.

Winfried Zapp

Osnabrück, im Herbst 2014

1     aus Gründen der Lesbarkeit wird die männliche Form gewählt

Inhalt

 

 

Vorwort des Herausgebers

1

Gesundheitsökonomische Rahmenbedingungen des Krankenhausmanagements

1.1 Gesundheitsökonomie und Gesundheitspolitik im Wandel

Manfred Haubrock

1.2 Gesundheitsökonomische Entwicklungen im internationalen Vergleich

Hendrike Berger und Markus Lüngen

1.3 Versorgungsforschung in Deutschland

Herbert Rebscher

1.4 Versorgungskonzepte der Zukunft: Regionale Gesundheitsversorgungsunternehmen international in der Entwicklung

Helmut Hildebrandt

2

Krankenhausmanagement – Organisatorischer Wandel und Leadership

2.1 Die Konzeption eines normativ orientierten Krankenhausmanagements als Ausgangspunkt

Anneke Riehl

2.2 Die Spannweite der Begriffe Organisatorischer Wandel und Leadership

Dieter Wagner und Enrico Sass

2.3 Anforderungen an Leadership und organisatorischen Wandel aus der Perspektive der Organisationspsychologie

Alex Hoppe

2.4 Anforderungen an Leadership und organisatorischen Wandel aus der Perspektive der Soziologie

Wolfgang Klitzsch

3

Leadership und organisatorischer Wandel aus der Perspektive unterschiedlicher Interessengruppen

3.1 Gesetzliche Krankenkassen

Wulf-Dietrich Leber

3.2 Krankenhaus

Georg Baum

3.3 Verbandspolitik

Heinz Kölking und Gabriele Kirchner

3.4 Banken

Fritz Westhelle

3.5 Hochschulen

Hendrike Berger und Markus Lüngen

3.6 Gesundheitswirtschaft

Heinz Lohmann

4

Leadership und organisatorischer Wandel aus der Perspektive von Strukturen

4.1 Trägerkonstellationen und Rechtsformen

4.1.1 Private Träger

Michael Philippi und Julia Elena König

4.1.2 Kommunale Träger

Matthias Bracht

4.1.3 Freigemeinnützige Träger

Sr. M. Basina Kloos

4.1.4 Universitätskliniken

Andreas Tecklenburg

4.2 Leitungsstrukturen

Jacob A. Bijkerk

4.3 Prozessorganisation

Kathrin Heier, Julian Terbeck und Winfried Zapp

4.4 Langfristige Veränderungspotenziale

4.4.1 Statistische Veränderungsgrößen der letzten Jahre

Boris Augurzky

4.4.2 Strategische Herausforderungen

Holger Strehlau

4.4.3 Besonderheiten kleiner Krankenhäuser

André A. Sonnentag

4.4.4 Organisationsentwicklung

Andreas Greulich

5

Leadership und organisatorischer Wandel im Rahmen der Leistungserstellung in den Professionen

5.1 Diagnostik und Therapie

Matthias Ernst

5.2 Pflege

5.2.1 Leistungs- und Qualifikationspotenziale der Pflege

Martin Moers

5.2.2 Qualitätsentwicklung in der Pflege auf der Basis evidenzbasierter Expertenstandards

Doris Schiemann

5.3 Management: Administration und Versorgung

Jens Schick

5.4 Qualitätsmanagement in Zeiten des Fachkräftemangels

Christoph Winter

6

Funktionale Sichtweise von Leadership und Organisation

6.1 Personalmanagement

6.1.1 Personalwirtschaft

Wolfgang Plücker

6.1.2 Personalbedarf

Wolfgang Plücker

6.1.3 Besonderheiten von Chefarztverträgen

Manfred Brümmer

6.2 Marketing

6.2.1 Pressearbeit für Krankenhäuser

Angelika Volk

6.2.2 Marketing und Markenmanagement

Wilfried von Eiff

6.3 Finanzmanagement

6.3.1 Das DRG-System mit seinen Implikationen

Peter Steiner und Christian Jaeger

6.3.2 Finanzwirtschaft: Der Businessplan

Karsten Honsel

6.3.3 Rechnungswesen

Julia Oswald

6.3.4 Investitionsfinanzierung

Martin Eversmeyer

6.4 Controlling

6.4.1 Veränderungen von Controllingkonzeptionen

Herbert Schirmer

6.4.2 Steuerung abteilungsorientierter Center

Holger Bunzemeier

6.5 Krankenhausbau, Logistik und Facility Management

Michael Wermker

7

Nachgefasst: Eine kleine Geschichte der Krankenhausbetriebslehre

Burghardt Bessai, Siegmar Streckel, Klaus Westphely und Sabine Bendig

Autorenverzeichnis

Stichwortverzeichnis

1         Gesundheitsökonomische Rahmenbedingungen des Krankenhausmanagements

1.1        Gesundheitsökonomie und Gesundheitspolitik im Wandel

Manfred Haubrock

Vom Gesundheitssystem zur Gesundheitswirtschaft

Der russische Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Kondratieff (Kontratjew; 1892–1938) fand im Rahmen von wissenschaftlichen Untersuchungen über die Dauer von Konjunkturzyklen heraus, dass es drei Arten von Zyklen gibt: Der kurze Zyklus dauert bis zu drei Jahre, der mittlere bis zu elf Jahre und die lange Konjunkturwelle hat eine Dauer von 40 bis 60 Jahren, wobei die langen Wellen die mittleren und die kurzen überlagern. Nach Kondratieffs Tod griff Joseph A. Schumpeter dessen Erkenntnisse auf und entwickelte sie weiter. Schumpeter prägte 1939 den Namen »Kondratieff-Zyklus«. Er kam zu der Erkenntnis, dass grundlegende technische Innovationen, die die Produktionsabläufe und Organisationsstrukturen fundamental verändern, die Basis für den Beginn einer neuen langen Welle darstellen. Für diese Innovationen prägte Schumpeter den Begriff »Basisinnovationen«. In den 1970er- und 1980er-Jahren haben in Deutschland im Wesentlichen die Forschungsarbeiten von Leo A. Nefiodow die Kenntnisse über den 5. und den 6. Kondratieff-Zyklus nachhaltig beeinflusst. Seiner Auffassung zufolge befinden wir uns derzeit am Ende des 5. Kondratieff-Zyklus. Anders als in den ersten vier Zyklen haben im 5. Zyklus nicht mehr die materiellen Basisinnovationen die nächsten Wachstumsphasen eingeleitet, sondern seit 1990 die Gewinnung, Verarbeitung und Bereitstellung von Informationen. Somit bestimmen erstmals immaterielle Basisinnovationen das wirtschaftliche Wachstum. Nach Nefiodow befinden wir gegenwärtig in der Übergangsphase vom 5. zum 6. Kondratieff-Zyklus. Ihm zufolge basiert der 6. Kondratieff-Zyklus auf der steigenden Nachfrage nach psychosozialen Gesundheitsleistungen, sodass der Gesundheitsmarkt zukünftig weltweit die Rolle eines Wachstums- und Beschäftigungsmotors übernehmen wird (Nefiodow 2011).

Dieser »neue« Gesundheitsmarkt ist jedoch nicht zu vergleichen mit dem traditionellen Gesundheitssystem, es ist vielmehr die Gesundheitswirtschaft. In Deutschland setzte der Paradigmenwechsel vom Gesundheitssystem zur Gesundheitswirtschaft vor ca. zehn Jahren ein. 2004 wurden seitens der Bundesregierung die sogenannten Branchenkonferenzen eingerichtet, um den neuen Bundesländern die Möglichkeit zu geben, jene Wirtschaftszweige zu fördern, die für die jeweilige Entwicklung der Bundesländer relevant sind. Vor diesem Hintergrund hat die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern 2004 die Gesundheitswirtschaft zu einem Entwicklungsschwerpunkt des Landes erklärt und in Kooperation mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, dem Bundesministerium für Gesundheit und dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Jahre 2005 die erste Branchenkonferenz »Gesundheitswirtschaft« durchgeführt. Die Teilnehmer verständigten sich auf Empfehlungen, um die Branche »Gesundheitswirtschaft« zukünftig weiterzuentwickeln (Projektbüro Gesundheitswirtschaft 2006). Aus diesen Empfehlungen lässt sich ableiten, dass die bislang überwiegend sozialpolitisch geprägten Steuerungsansätze des Gesundheitswesens um wettbewerbspolitische Aspekte ergänzt werden sollen. Aufgrund des aufgezeigten Paradigmenwechsels werden z. B. die bereitgestellten Gelder für die Finanzierung der Gesundheitsgüter nunmehr als »Treibstoff« für den Innovationsmotor Gesundheitswirtschaft und als Basis einer »Jobmaschine« gesehen. Zukünftig wird u. a. die Gesundheitsbranche sowohl durch staatliche Sicherungs- bzw. Versorgungsaufträge als auch von wettbewerblichen Instrumenten gesteuert. Dieser Paradigmenwechsel, der durch einen steigenden Bedarf an gesundheitsbezogenen Sachgütern und Dienstleistungen auf der einen Seite und einer finanziellen Engpasssituation der Sozialversicherungen und der öffentlichen Kassen auf der anderen Seite ausgelöst worden ist, verdeutlicht den Wandel vom Gesundheitswesen zur Gesundheitswirtschaft, der auch Auswirkungen auf die Berufsbilder in den Gesundheitsmärkten haben wird.

Die Gesundheitswirtschaft gliedert sich in zwei Gesundheitsmärkte mit jeweils unterschiedlichen Akteuren. Der primäre Gesundheitsmarkt ist der klassische Gesundheitsversorgungskern. Dieses traditionelle Gesundheitssystem umfasst alle Organisationen und Personen, Einrichtungen, Regelungen und Prozesse, deren Aufgabe es ist, die Förderung und Erhaltung der Gesundheit sowie die Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten und die Wiedereingliederung in die soziale Teilhabe zu ermöglichen. Somit baut dieses Gesundheitssystem, auch als Gesundheitswesen bezeichnet, auf die staatlichen und nicht staatlichen Institutionen sowie auf die relevanten Berufsgruppen auf, die für die Gesundheit der Bevölkerung ein Geflecht von gesundheitsbezogenen Dienstleistungen und Sachgütern bereitstellen und finanzieren. In diesem Gesundheitssystem dominieren die Sozialversicherungen, die auf dem Sozialstaatsprinzip des Grundgesetzes basieren und solidarisch organisiert sind, zur Finanzierung von Gesundheitsleistungen. Im Sinne eines Umlageverfahrens zwischen den Versicherten wird der größte Teil der benötigten Finanzmittel zur Verfügung gestellt. Seit einigen Jahren kommen Steuerzuschüsse des Bundes und Selbstbeteiligungsanteile der Versicherten hinzu.

Der sekundäre Gesundheitsmarkt ist privatwirtschaftlich geprägt und beinhaltet die Gesamtheit von privat finanzierten Gesundheitsgütern, wie z. B. individuelle Gesundheitsleistungen, Fitness und Wellness, Gesundheitstourismus sowie Sport, Ernährung und Wohnen. Die Gesundheit gewinnt in allen Lebensbereichen an Bedeutung, sodass sich durch die steigende Nachfrage neue gesundheitsbezogene Teilmärkte und Geschäftsmodelle entwickeln. Dies wiederum hat auch Auswirkungen auf die beteiligten Berufsgruppen. Dieser zweite Markt ist ein Wettbewerbsmarkt, in dem die Steuerung der Gesundheitsversorgung durch den Preiswettbewerb erfolgen wird. Beide Märkte sind miteinander verbunden, es bestehen somit Wechselwirkungen, die sich z. B. in der Existenz von Gesundheitsregionen, die durch ihr integratives Prinzip auf Vernetzung und Kooperation abzielen, zeigen (Hensen 2011). Dieser zukünftige Megamarkt Gesundheit wird folglich nicht nur solidarisch finanziert werden, zusätzlich hat sich ein »Selbstzahlermarkt« etabliert. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der neue Gesundheitsmarkt die Regenerationsplattform der Menschen und damit die Basis für die wirtschaftliche Existenz einer Informationsgesellschaft sein wird. Folglich werden Leistungen des Gesundheitsmarktes die Wertschöpfungsfaktoren für das wirtschaftliche Wachstum sein. Trotz der Kritik an diesem Paradigmenwechsel stellt das Konzept der langen Wellen die Argumentationsgrundlage von gesundheitsökonomischen und -politischen Verlautbarungen dar. Eine Aussage von Ulf Fink in einem Interview mit der Ärztezeitung belegt dies: »Vor zehn Jahren stand das Thema Kostendämpfung im Mittelpunkt. Wir haben damals das Thema Gesundheitswirtschaft in die Debatte eingeführt und gesagt: Das Gesundheitswesen ist nicht ein Kostenfaktor, sondern ein Wirtschaftszweig mit großen Wachstums- und Beschäftigungschancen … Immer deutlicher wird doch, dass die Menschen bereit sind, auch außerhalb des Kollektivsystems etwas für ihre Gesundheit zu tun. Der zweite Gesundheitsmarkt wächst und erreicht ein Volumen von über 60 Milliarden Euro« (Fink 2008).

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