Krebs: Gemeinsam sind wir stark -  - E-Book

Krebs: Gemeinsam sind wir stark E-Book

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Beschreibung

Wer für die Bewältigung einer Krebserkrankung nach bewährten ganzheitlichen Therapien oder gesundheitsfördernden Methoden und Mitteln als unterstützende oder ergänzende Maßnahme zur konventionellen Medizin sucht, soll in diesem Buch ein breites Spektrum an Informationen finden. In persönlichen Erfahrungsberichten, die hier im Sinne eines Handbuches von A bis Z (Achtsamkeitstraining bis Komplementäre Zahnmedizin) gegliedert sind, beschreiben Fachleute aus unterschiedlichen Gesundheits- und Heilberufen ihre Arbeit mit Krebspatienten, in unterschiedlichen Gesundheits-, Beratungs-, Begleit- und Betreuungseinrichtungen aus ganzheitlicher Sicht. Es geht dabei um Bewältigungsstrategien für Körper, Geist und Seele. Durch ein Miteinander von Schulmedizin und Komplementär- und Erfahrungsmedizin entstehen neue Perspektiven für eine integrative Medizin, die das Beste aus beiden Welten zum Wohl des Kranken vereint. Dies fördert eine positive Mitarbeit, aktiviert die Selbstheilungskräfte und stärkt vor allem das Immunsystem als Wächter der Gesundheit. Wer sich wohlüberlegt und selbst bestimmt für ein individuell passendes Maß an medizinischen Therapien entscheiden will, kann anhand dieses umfangreichen Informationspaketes gezielter Fragen stellen oder Antworten finden. Umfassendes Wissen beruhigt alle Beteiligten, schafft Vertrauen und Zuversicht in die eigenen Ressourcen und Fähigkeiten und lässt mutig die Herausforderungen angehen, die zu bewältigen sind. Im Anhang des Buches finden Sie eine Link- und Adressenliste für wichtige Kontakte im deutschsprachigen Raum.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 506

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

Christel Schoen:

Aller guten Dinge sind drei

GELEITWORT

Dr. György Irmey:

Die Menschen in ihrem Kranksein ganzheitlich begreifen und behandeln

Von A bis Z, persönliche Erfahrungsberichte von Fachleuten aus unterschiedlichen Gesundheits- und Heilberufen, die ihre Arbeit mit Krebspatienten, in unterschiedlichen Gesundheits-, Beratungs-, Begleit- und Betreuungseinrichtungen aus ganzheitlicher Sicht beschreiben.

ACHTSAMKEITSTRAINING

Dr. Nils Altner:

Moment mal …

Natur und Achtsamkeit als Ressourcen für Gesundheit und Glück

ATEMTHERAPIE

Stefan Klatt:

Die Heilkraft im Atem

Grundlegende Zusammenhänge über das lebenswichtige Bindeglied zwischen Körper, Geist und Seele

BACHBLÜTENTHERAPIE

Mechthild Scheffer:

„Kraft für einen neuen Anfang“

Bachblüten zur Krebsnachsorge für Betroffene

BEGLEITUNG

Elvira Engelhardt:

Wenn das Leben nach der Krebsdiagnose aus der Bahn gerät

Die bunte Vielfalt der psychoonkologischen Begleitung

Gudrun Eleonora Haera:

Ich weiß, wie es ist, Krebs zu haben

Mit meinen Erfahrungen andere Betroffene unterstützen

Ramona Sommer:

Viel Wirbel um die Säule

Psychosoziale Begleitung einer Krebskranken

BERATUNG

Claudia Reuthlinger:

Perspektiven für ein Leben mit und nach einer Krebserkrankung

Ambulante psychosoziale Krebsberatung

Kerstin Steingrüber:

Immer wieder neu: Hinwendung zum Lebendigsein

Die psycho-onkologische Beratung

ERNÄHRUNG

Dr. Susanne Bihlmaier:

Krebsdiät & Superfood?

Eine ganzheitsmedizinische Genussreise von Ernährungsweisheit bis Ernährungswissenschaft

Dr. Ludwig M. Jacob/Dr. Susanne Bihlmaier:

Prostata und Porsche

Medizin-Tipps, wie Mann nicht nur den Porsche, sondern auch die Prostata tunen kann

Anke Komorowski:

Futter für die Mitochondrien

Über die „Kraftwerke“ in unseren Zellen und die richtige Ernährung

FAMILIENHILFE

Waltraud Wagner:

Eine Feuerwehr der besonderen Art

Hauswirtschaftlicher Fachservice (HWF) – Unterstützung für Familien in Stadt und Land

GESUNDHEITSTRAINING

Prof. Dr. Gerhart Unterberger:

Krebszellen lieben Ängste und Dauerstress

Wie selbsthypnotische Interventionen den Körper schützen

HEILSCHLAF

Dr. Ludwig M. Jacob:

Kann man seinen Krebs einfach verschlafen?

Melatonin – das Geheimnis des Heilschlafs

HOMÖOPATHIE

Petra Weiß:

Homöopathie fördert Lebensqualität

Interview mit Dr. med. Jens Wurster, Arzt und Homöopath

Dr. Heinz Gärber:

Krebs, eine Volkskrankheit

Homöopathie bei Krebserkrankungen – Ergänzung oder Alternative?

HOSPIZ

Kathrin Putzbach-Timm:

Liebe und Vertrauen

Ehrenamtliche ambulante Hospizarbeit

Sindy Büchl/ Isabelle Röhr/ Kathrin Schurig: Das Leben im Hospiz Schloss Bernstorf

Ein Refugium für die letzte Lebensreise von unheilbar erkrankten Menschen

KOMPLEMENTÄRMEDIZIN

Dr. Axel Eustachi:

Naturheilkunde und Komplementärmedizin

Eine sinnvolle Ergänzung bei Krebs

KNEIPP-GESUNDHEITSKONZEPT

Christoph Kreitmeir:

Das ganzheitliche Kneipp-Gesundheitskonzept – aktueller denn je

Seine einfach durchführbaren, naturheilkundlichen Behandlungsmethoden

KRANKENBESUCHSDIENST

Gertrud Schmotz:

„Ich war krank und ihr habt mich besucht.“ (Mt. 25,36)

Eine Bildungswegbeschreibung für ehrenamtliche Krankenbesuchsdienste

Ursula Strehlau:

Mein Wunsch, etwas Gutes zu tun

Warum ich eine „Grüne Dame“ wurde.

LYMPHDRAINAGE

Rainer H. Kraus:

Alles wieder zum Fließen bringen

Lymphödem nach Krebs

MAMMA-CARE-NURSE

Petra Weißbach:

Ich sehe dich! Siehst du mich?

Ein Einblick in das Erleben einer Krebserkrankung aus zwei Perspektiven

MASSAGE

Mathias Elsner-Heyden/Dr. Christina Koller:

Endlich einmal wieder wohl fühlen und nur sein dürfen

Die Peter Hess®-Klangmassage-Therapie mit Krebspatienten

Sylvia Kali von Kalckreuth/Frank B. Leder:

Die TouchLife Massage

Wie kann Massage krebskranken Menschen helfen?

MUSIK

Dr. Annette Kerckhoff:

Musik tut gut. Musik macht Mut.

Ein Reisebericht: Von der Entdeckung einer inneren Ressource

NÄHRSTOFFE

Dr. Volker Schmiedel:

Krebs und Nährstoffe

Über eine individualisierte Nährstofftherapie bei Krebs

NATUR

Armin Bihlmaier:

Krebs mag keinen Wald

Heilsame Kräfte der Natur nützen

NATURHEILPRAXIS

Angelika Szymczak:

Ein Glücksfall?

Die Krankheit zeigt einen anderen Weg auf

Monique Thill:

Wieso gerade jetzt?

Die Herausforderung annehmen und sich auf den Weg der Heilung von Körper, Geist und Seele machen

Renate Wiedenbauer:

Hoffnung als Weg

Aufbruch in eine neue Zukunft

PHILOSOPHIE

Dr. Celina von Bezold:

Dem Drachen die Hand reichen?

Ideen zum Umgang mit dem Schweren und unserer Angst

Claudia Cardinal:

Leben auf Pump

Eine lebensbedrohliche Diagnose, ihre Folgen und die Möglichkeiten, den eigenen Mut zu trainieren

PSYCHOLOGIE

Margit Kobold:

Die tragende Hand

Über den Einfluss von Gedanken und Einstellungen zum Heilungsprozess

Jaya Herbst:

Weil ich mich mag, setze ich Grenzen!

Grenzen kennzeichnen menschliches Miteinander

PALLIATIV-VERSORGUNG

Manuela Bößel:

Am Ende Silberglitzer

Erfahrungen einer Lernschwester

Christian Halbauer:

Zu Hause bleiben können

Vorstellung der spezialisierten ambulanten Palliativ-Versorgung (SAPV) am Beispiel der SAPV der Region 10 GmbH

Dr. Michael Ried:

Veronika beschließt zu leben

Erfahrungen auf einer Palliativstation

QI GONG

Ulrike Röth:

Herzmutmacher Qi Gong

Guolin Qi Gong von Herz zu Herz weitergeben

Heike Herrle:

Qi Gong ist Pflege des Lebens und des Wesens

Einfache und wirkungsvolle Qi Gong Übungen für den Alltag von Krebsbetroffenen

SALUTOGENESE

Theodor D. Petzold:

Autonomie

Die Melodie des eigenen Lebens finden

Dorothee König:

„Was mich ausmacht – mache ich!“

Meine Haltung – Mein Leben

SHIATSU

Ursula Eva Pellio:

Shiatsu

Begleitung von Menschen in Krisen und Veränderungszeiten

SPIRITUALITÄT

Jürgen Bogenreuther:

Das Gebet als Quelle der Kraft

Ökumenische Andacht zur Auftaktveranstaltung der Woche

„Leben mit Krebs“ in Neuburg/Donau, Bürgerhaus Ostend, November 2018

Dr. Bernd Hein:

„… sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben…“

Das Sakrament der Krankensalbung als Zeichen der Hoffnung

SPRACHE

Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf:

Die heilsame Kraft der Sprache erkennen und achtsam nutzen

Das LINGVA ETERNA-Sprach- und Kommunikationskonzept in der Therapiebegleitung

STERBEBEGLEITUNG

Dorothea Mihm:

Natürlich sterben

Im künstlichen Koma durch terminale Sedierung?

Dr. Kristin Peters:

Leben mit dem Tod

Naturheilkundliche Pflege und Sterbebegleitung

STRAHLENTHERAPIE

Prof. Dr. Andreas Schuck:

Heilung durch Licht

Was Sie über Strahlentherapie wissen sollten

TANZTHERAPIE

Elana G. Mannheim:

Gemeinsam bewegt

Sich in einer Gemeinschaft Gleichbetroffener tanzend erleben schafft neue Lebenskraft

TIERGESTÜTZTE THERAPIE

Dr. Susanne Bihlmaier:

Auf den Hund gekommen

Ein Co-Therapeut auf vier Pfoten

TRAUMARBEIT

Sonja Hübner:

Träume und Krebs

Geschichte einer Heilung

TRAUERBEGLEITUNG

Eva Vogt:

Wir sind auf uns selbst zurückgeworfen

Die heilende Kraft der Trauer

YOGA

Gaby Kammler:

Yoga und Krebs

Wege zu neuer Kraft und innerer Ruhe

Karin Kleindorfer:

Yoga – ein wertvolles Werkzeug zur Selbsthilfe

Mit Übungsbeispielen

KOMPLEMENTÄRE ZAHNMEDIZIN

Dr. Edith Nadj-Papp:

„Gesund beginnt im Mund“

Komplementäre ganzheitliche Zahnmedizin bei einer Krebserkrankung

Schlusswort:

Danke, Danke, Danke

Anhang

Link- und Adressenliste für wichtige Kontakte und Informationen im deutschsprachigen Raum

Liste der Benefizbücher der GfBK e. V. und der Ebo-Rau-Stiftung

Kurzbiographie

Christel Schoen

Einleitung: Aller guten Dinge sind drei

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

mit dem Titel „Krebs: Gemeinsam sind wir stark; Ärzte, Therapeuten und Betroffene berichten“, halten Sie nun den dritten Band aus dem Projekt „Mutmach-Buch“ in Ihren Händen. Dieses Buch ist, wie die beiden Vorgänger, eine Fundgrube für alle Krebspatienten und ihre Angehörigen, interessierte Ärzte und Therapeuten, für alle Menschen, die zum Thema Krebs bzw. für die Bewältigung einer Krebserkrankung nach Informationen über bewährte ganzheitliche Therapien, gesundheitsfördernde Methoden und Mittel als unterstützende oder ergänzende Maßnahme zur konventionellen Medizin suchen.

In den beiden erfolgreichen Anthologien „Krebs: Alles ist möglich – auch das Unmögliche; Persönliche Berichte von Krebsbetroffenen“ (2011/2015) und „Krebs: Wege aus der lauten Stille des Schweigens; Persönliche Berichte von Krebsbetroffenen und ihnen nahestehenden Menschen“ (2016) haben die Autorinnen und Autoren eindrucksvoll über ihre eigene Krebserkrankung und ihre Kraft gebenden und Mut machenden Bewältigungsstrategien geschrieben. Sie haben gezeigt, dass sich schulmedizinische Behandlungen und natürliche Heilverfahren dabei nicht ausschließen müssen, sondern ergänzen und verstärken können, um mit vereinten Kräften für den Patienten bestmögliche Ergebnisse zu erreichen. Auch dieses neue Buch zeigt: Eine individuelle Kombination aus konventionellen und komplementärmedizinischen Maßnahmen oder Angeboten fördert die positive Mitarbeit des Patienten, aktiviert die Selbstheilungskräfte, stärkt vor allem das Immunsystem als Wächter der Gesundheit.

Selbstheilungskräfte sind in der Natur normal. Bei kleinen Wunden sehen wir beispielsweise, dass der menschliche Körper nahezu mit allem ausgestattet ist, was zum Heilen der Verletzung benötigt wird. Bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung wie Krebs ist das Selbstheilungssystem aber überfordert und braucht umfangreiche medizinische Unterstützung für Körper, Geist und Seele. Durch ein Miteinander von Komplementär- und Schulmedizin entstehen neue Perspektiven für eine integrative Medizin, die das Beste aus beiden Welten zum Wohl des Patienten vereint.

In diesem dritten Mut-mach-Buch zeigen die Autorinnen und Autoren – Ärzte und Therapeuten aus unterschiedlichen Gesundheitsbereichen und Betroffene – anhand ihrer persönlichen Erfahrungsberichte vielfältige Mittel und Wege auf, vielleicht auch Auswege, bei der ganzheitlichen Bewältigung einer Krebserkrankung. Als eine Art nachhaltigen Routenplaner und/oder Wegbegleiter bieten sie Ihnen für Ihre Entscheidungsfindung zielführende Informationen und praxisrelevante Impulse, die Sie inspirieren, sensibilisieren und befähigen, das Gesundwerden mit passender fachlicher und menschlicher Unterstützung, selbstbestimmt, vertrauensvoll und mutig anzugehen.

Die schulmedizinischen Methoden der Behandlung einer Krebserkrankung sind weithin bekannt. Leserinnen und Leser finden deshalb in diesem Buch wichtige Informationen über ein breites Spektrum an bewährten alternativen und ergänzenden, ganzheitlichen Therapien und therapeutischen Ansätzen, Methoden und Mitteln zum Thema Krebs.

Im Sinne eines Handbuches geht es in den Beiträgen, gegliedert von A bis Z, um bedeutsame Bewältigungsstrategien bei einer Krebserkrankung. Einige Beispiele: Achtsamkeitstraining, aktive Bewegung, kompetente psychoonkologische und sozial-rechtliche Beratung, gesundheitsfördernde Ernährung, die Heilkraft der Natur und Sprache, Philosophie, Psychologie, Spiritualität, komplementäre Zahnmedizin. Ebenso werden Aufgaben und Angebote unterschiedlicher Beratungs-, Begleit- und Betreuungseinrichtungen vorgestellt, die Sie bei der Entscheidungsfindung, bei wichtigen psychologischen Themen oder sozialrechtlichen Fragen unterstützen – wenn es beispielsweise um Ansprüche auf eine Haushaltshilfe, eine Reha, einen Schwerbehindertenausweis oder um den weiteren beruflichen Weg bzw. die Berentung wegen einer Erwerbsminderung geht.

Liebe Leserinnen und Leser, nutzen Sie die Impulse der hier vorgestellten Unterstützungs- und Begleitangebote, um eine neue Normalität zu finden, neue Prioritäten zu setzen, sich auf neue Dinge einzulassen, die begeistern und Spaß machen. In den Beiträgen finden Sie deshalb auch einiges über sinnstiftendes kreativ-künstlerisches Gestalten, wie beispielsweise über Musik, Tanz oder ehrenamtliches Engagement u.v.a.

Weiterführende Infos und Literatur zum jeweiligen Thema finden Sie über den Link zur Homepage der Autorin/des Autors oder über die entsprechende E-Mail-Adresse unter den Beiträgen.

Im Anhang dieses Buches finden Sie ebenfalls eine Link- und Adressenliste mit wichtigen Kontakten und Informationen im deutschsprachigen Raum, einschließlich sozialversicherungsrechtlicher Beratungsmöglichkeiten.

Bitte lesen Sie die Beiträge mit einer gesunden Portion Neugier und Skepsis zugleich. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, alles anwenden zu müssen. Es muss für Sie stimmig sein: Jeder Tumor ist anders, jeder Mensch, der an einem Tumor erkrankt ist, hat seine eigene Lebens- und Krankheitsgeschichte. So vielfältig wie die Krebsarten, deren Ursachen und Krankheitsverläufe sind, sind auch die Wege der Krankheitsbewältigung. Jede Variante kann richtig sein. Das rechte Maß für ähnliche Diagnosen kann aber völlig unterschiedlich sein. Ein Patentrezept und eine Garantie gibt es nicht.

Die Idee zum Projekt „Mut-mach-Buch“ entwickelte ich 2008 während meiner eigenen Erkrankung (Fibromatöser Pleuratumor). Im Laufe der konventionellen medizinischen Maßnahmen (Chemo- und Strahlentherapie, OP), die meinen anfangs inoperablen Tumor verkleinern sollten, suchte ich nach weiteren Informationen über alternative und ergänzende Behandlungsmöglichkeiten, Unterstützungs- und Beratungsangebote. Bei der Recherche lernte ich unter anderem, dass eine Krebserkrankung ein sehr vielschichtiges Geschehen ist, dass alle Ebenen unseres Menschseins – Körper, Geist und Seele – sowie unser näheres Umfeld betroffen sind und dass diese Ebenen, sowohl beim Krankwerden wie auch im Genesungsprozess, zusammenwirken.

Vor allem die positiven Botschaften im Austausch mit anderen Krebsbetroffenen bestätigten meine Erfahrungen und halfen mir, nach und nach einen konstruktiven, zuversichtlichen und mutigen Umgang mit meiner Krebserkrankung zu finden. Ende 2010 startete ich das Projekt „Mut-mach-Buch“, um dem gesellschaftlichen Tabuthema Krebs den Schrecken zu nehmen. Mit möglichst vielen positiven persönlichen Geschichten von Krebsbetroffenen und ihnen nahestehenden Menschen wollte ich dem Trend negativer Statistiken und gesellschaftlicher Vorstellungen, wonach eine Krebs-Diagnose einem Todesurteil gleichkommt, einen starken Gegenpol setzen. Die große Beteiligung von Autorinnen und Autoren aus dem gesamten deutschsprachigen Raum hat mich sehr überrascht und bestärkt.

Durch die vielen Kontakte und Begegnungen mit anderen Krebsbetroffenen wurde das Buchprojekt im Laufe der Zeit zu einem segensreichen Stützpfeiler auf meinem eigenen Genesungsweg. Die vielen anerkennenden Rückmeldungen auf die beiden „Mut-Mach-Bücher“ und meine eigenen guten Erfahrungen motivierten mich, Beiträge von Fachleuten aus unterschiedlichen Gesundheits- und Heilberufen zu sammeln, die ihre Arbeit mit Krebsbetroffenen und das Thema Krebs aus ganzheitlicher Sicht beleuchten.

Aus eigener Betroffenheit weiß ich, wie schwierig es ist, nach der Diagnose „Krebs“ noch im Schock-Zustand die Pilotin oder der Pilot im eigenen Leben zu bleiben und nicht einem Autopiloten das Ruder zu überlassen. Trotz „medizinischen“ Drucks der anlaufenden „Maschinerie“, keine „wertvolle Zeit“ zu verlieren, ist es für jeden Patienten wichtig, dass er umfassend informiert ist. Denn nur so kann er sich wohlüberlegt für ein individuell passendes Maß an medizinischen Therapien frei entscheiden und in sie einwilligen. Dazu kann auch das Einholen einer Zweit- oder sogar einer Drittmeinung ratsam sein. Für manche Entscheidungen braucht es verschiedene Blickwinkel oder sogar einen Perspektivwechsel. Um den eigenen inneren Heilungsprozess zu wecken, kann evtl. bei den Beteiligten ein Umdenken und Loslassen gewohnter therapeutischer Schemata erforderlich werden.

Unwissenheit erzeugt Ungewissheit, und diese schafft vermehrt Ängste. Angst aber ist ein schlechter Berater. Wissen hingegen beruhigt, schafft Vertrauen und Zuversicht in die eigenen Ressourcen und Fähigkeiten und lässt mutig den eigenen Genesungsweg finden und gehen.

Die innere Zustimmung des Patienten zur Therapie ist wichtig, weil dadurch nicht nur die Ängste, sondern auch Therapie-Nebenwirkungen erheblich reduziert werden. Die Schmerzkontrolle und die Fähigkeit, mit dem Leidensdruck besser klar zu kommen, werden gestärkt. Damit steigen die Chancen für eine gelingende Bewältigung der Krebserkrankung und für eine zufriedenstellende Lebensqualität im Alltag mit und nach dem Krebs.

Nehmen Sie sich die notwendige, für Sie wertvolle Zeit, um herauszufinden, was Sie wann und wie selbst für Ihr Gesundwerden tun können. Suchen Sie nach Antworten auf Fragen wie: Was kann mir selbst auf meinem Genesungsweg weiterhelfen? Wo bekomme ich die Hilfen und die Unterstützung her, die ich brauche?

Meine eigenen Erfahrungen bestätigen die wertvollen Möglichkeiten einer professionellen psychologischen Beratung und Begleitung während der medizinischen Maßnahmen und vor allem in der Nachsorge. Diese bieten unter anderem Psychosoziale Krebsberatungsstellen, Psychoonkologie, Psychotherapie usw. Bei der Reflexion der Bedeutung von Beziehungen, Gefühlen, von Lebenssinn und Lebenswillen geht es um eine ganzheitliche Sicht auf Ihre Situation, um Umstände wahrzunehmen, die neu gestaltet werden sollten. Ressourcen stärkende Maßnahmen können so, auch im Sinne von Salutogenese, die Psyche, das Selbstvertrauen, das Selbstmanagement des Krebsbetroffenen unterstützen, d. h. die eigenen Fähigkeiten und Energiequellen können gezielt fürs Gesundwerden gefördert und genutzt werden. Wenn Sie erst einmal erfahren haben, dass Sie den Herausforderungen gewachsen sind und sie bewältigen können, wenn Ihr Leben wieder einen (starken) Sinn hat und Sie zuversichtlich nach vorne blicken können, dann lässt sich das Gesundwerden kraftvoll gestalten.

Eine wertschätzende Kommunikation zwischen allen Beteiligten und die Heilkraft der Sprache sind ebenfalls von zentraler Bedeutung für den gesamten Krankheits- und Genesungsprozess. Wörter können Menschen schwach und krank machen oder wohltun wie heilsame Medizin. Eine zeitlich ausreichende, sachliche und trotzdem einfühlsame Kommunikation zwischen Ärzten, Therapeuten und Krebspatienten ist deshalb entscheidend dafür, ob sich der Kranke als mündig und eigenverantwortlich ernstgenommen fühlt und sich ein vertrauensvolles Verhältnis für die Zusammenarbeit entwickeln kann. Eine umfassende Aufklärung bezieht sich dabei sowohl auf die Diagnose als auch auf den Verlauf der Erkrankung mit oder ohne Behandlung. Wird der Krebspatient ausführlich über die Risiken und die Nebenwirkungen der Behandlungsmaßnahmen informiert, führt das zu weniger Ängsten, selbst wenn die Befunde ungünstig sind. Für ihn selbst kann es entscheidend sein, die eigenen körperlichen und emotionalen Bedürfnisse und Wünsche klar zu formulieren, Grenzen zu setzen und einzuhalten.

Einige Beiträge wollen den Mut der Leserinnen und Leser wecken, sich mit den negativen Gefühlen wie Ohnmacht, Wut, Angst, Schuld, Verzweiflung und Trauer über den Verlust der körperlichen Unversehrtheit oder körperlicher Funktionen auseinanderzusetzen. Sie wenden sich spirituellen Themen zu, mit dem Bewusstsein von Endlichkeit, Sterben und Tod. Mit sich eins zu werden, mit der Welt ins Reine zu kommen, Frieden schließen zu können mit sich, den Menschen um sich und bei manchen auch mit Gott, ist für Krebsbetroffene hilfreich und anstrengend zugleich. Chancen und Risiken liegen bei diesen Herausforderungen oft nah beieinander. In einigen Beiträgen werden Sie über die segensreichen Möglichkeiten einer Palliativen Medizin in der Sterbebegleitung, beispielsweise zu Hause durch eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV), auf einer Palliativ-Station im Krankenhaus, in einem Hospiz oder durch ehrenamtliche Hospizhelferinnen und -helfer gut informiert. Für die Angehörigen kann eine professionelle Trauerbegleitung sehr hilfreich sein. Der Glaube kann eine starke gesundheitsfördernde Kraft sein, und Gebete können den Verlauf von Erkrankungen positiv beeinflussen, deshalb ist die Krankensalbung Thema eines Beitrags.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich, dass

sich für sie beim Lesen der unterschiedlichen Beiträge der Nebel um ihre Krebserkrankung langsam lichtet, sie wieder Boden unter die Füße bekommen und ihren Genesungsweg immer klarer vor sich sehen können.

sie ihre Entscheidungen für ihr individuelles Genesungspaket so treffen können, dass alles zu ihren eigenen Überzeugungen und Entwicklungen passt.

sie die passenden medizinischen Experten und Menschen in ihrem Umfeld finden bzw. haben, die mit Kompetenz und Professionalität, Offenheit und Zuversicht ihr Vertrauen in die gemeinsame Arbeit bestärken und so ein „heilsames Feld“ schaffen.

sie ihrem „inneren Heiler“, dem besten Arzt, der in jedem Menschen wohnt, vertrauen und seine Kräfte zur Selbstregulation bzw. Selbstheilung mit hoffungsvollen Gedanken und zuversichtlichen Einstellungen unterstützen können.

sie sich neben den medizinischen Profis auch psycho-onkologische Unterstützung von außen suchen und annehmen, damit sie ihre Erkrankung als Weckruf, Lernprozess und/oder Reifungsprozess verstehen können, über das eigene Leben tiefgreifend nachzudenken, die Lebensweise und Lebenswelt evtl. zu verändern und zu neuer Stärke heranzuwachsen.

sie und alle an ihrem Genesungsprozess Beteiligten mit dem Herzen sehen, mit der Seele hören und mit Liebe dabei sein können.

sie aus möglichst vielen Gedanken – ein „Danke“ machen können.

Herzlichst

Ihre

Christel Schoen

Projektinitiatorin und Herausgeberin

Kontakt und Infos

[email protected]

www.projekt-mut-mach-buch.de

György Irmey

Geleitwort: Die Menschen in ihrem Kranksein ganzheitlich begreifen und behandeln

Christel Schoen hat in dem nun vorliegenden Buch eine Vielzahl von Schätzen und Anregungen zusammengeführt. Erstmals sprechen hier nicht nur von der Krankheit „Krebs“ Betroffene, sondern es kommen Therapeuten zu Wort, die besondere Wege für und mit ihren Patientinnen und Patienten bei der Bewältigung der Krebserkrankung gehen. Viele hilfreiche Impulse geben anderen betroffenen Menschen Motivation und Hoffnung im Umgang mit ihrer Erkrankung.

Ganzheitlich tätigen Therapeuten muss es ein Anliegen sein, bei Menschen nicht nur Krankheiten zu behandeln, sondern diese Menschen in ihrem Kranksein zu begreifen. Die Basis dafür ist das therapeutische Gespräch, in dem ein objektiver Krankheitsbefund in seiner Auswirkung auf den einzelnen kranken Menschen zu erfassen gesucht wird.

Wenn Ärztinnen und Ärzte beispielsweise dabei nicht strikt gemäß den Leitlinien der Medizin handeln, begeben sie sich auf ein unsicheres Terrain. Das braucht noch gar nicht zu heißen, dass sie diese Leitlinien prinzipiell ablehnen. Allein wenn sie auf berechtigten Wunsch mancher Krebspatienten nur Teile davon gutheißen und Methoden anwenden, die in den Leitlinien nicht verankert sind, handeln sie mutig. Eigene Wege zu gehen verlangt nicht nur vom Kranken, sondern auch von manch einem Behandler viel Mut und Rückgrat. Dennoch darf sich keine Patientin oder kein Patient der Tatsache verschließen, dass alle Ärztinnen und Ärzte auf Grund ihrer persönlichen Erfahrung und auch ihres persönlichen Weltbildes handeln. Auch der Schulmediziner wägt im Idealfall seine professionelle Distanz und Empathie mit den objektiven Erkenntnissen und dem aktuellen Stand der Wissenschaft ab. Dabei lässt sich weder die persönliche Erfahrung noch irgendeine Statistik eins zu eins auf den einzelnen Menschen, der in eine Klinik oder Praxis kommt, übertragen.

Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit

Beide Eigenschaften und Fähigkeiten sind für mich im Laufe der Jahre zu wichtigen Schlüsselbegriffen in der Auseinandersetzung mit einer Krebserkrankung geworden. Denn niemand darf, ob in der naturwissenschaftlich oft einseitig orientierten, universitären Medizin, noch in einer biologisch ausgerichteten ganzheitlichen Heilkunde, die Verantwortung vollständig an den Behandler abgeben. Natürlich ist jeder Therapeut für sein Handeln verantwortlich, auch wenn er ein Ergebnis nicht garantieren kann. Falls ich mich als Patient beispielsweise für die geeignete Behandlung meines Krebsgeschehens einem geplanten chirurgischen Eingriff unterziehen muss, dann übergebe ich natürlich dem Operateur die Verantwortung. Und wenn ich als Betroffener den Entschluss gut mittragen kann, wird die Operation viel eher zu dem Erfolg führen, den ich mir wünsche.

Der immense Zeitdruck, der in der naturwissenschaftlich orientierten Medizin im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung aufgebaut wird, ist meist völlig kontraproduktiv. Der Befund einer Krebserkrankung darf nicht verharmlost werden, und dennoch dürfen sich Menschen Zeit lassen, zu den für sie richtigen persönlichen Entscheidungen kommen zu können.

Achtsamkeit

Dies ist ein weiteres Schlüsselwort. Achtsamkeit auf Augenhöhe ist ein entscheidender Kern in der Begegnung mit dem kranken Menschen. Nie waren die Möglichkeiten so groß, nicht nur positive, verheißungsvolle Nachrichten, sondern bewusste Falschmeldungen, wie ein um sich greifendes Strohfeuer, in rapider Zeit zu verbreiten. Eine sogenannte Magic-Bullet (= Zaubermittel) gegen Krebs, wie wir es uns innerhalb oder außerhalb der Medizin wünschen, wird es auf absehbare Zeit nicht geben.

Dennoch haben wir heute in unseren Wohlstandsländern, in allen Bereichen der Medizin und auch jenseits von ihr, Zugang zu einem großen Potenzial an Heilungsmöglichkeiten, welches viel umfassender ist, als es die heutige Medizin den Menschen suggerieren mag.

Jeder einzelne Mensch kann viel Wesentliches zu seinem persönlichen Heilprozess beitragen. Viele von mir beratene Menschen empfinden, dass die naturwissenschaftlich orientierte Medizin sich in immer noch mehr Details verbeißt – dabei sollten vielmehr ein Raum und eine Atmosphäre geschaffen werden, in der Heilung möglich werden kann. Menschen brauchen Impulse, um im Leben zu bleiben und nicht nur am Leben gehalten zu werden. Die Aufmerksamkeit darf nicht nur der Vielzahl der Maßnahmen und des Tuns gelten, sondern es gilt achtsam zu schauen, mit welchem Bewusstsein und mit welcher Einstellung wir etwas tun, unabhängig davon, ob bei einem biologisch naturheilkundlich, einem mehr konventionell orientierten Vorgehen oder einer persönlichen Mischung aus beiden.

Lassen Sie sich Zeit beim Lesen des Buches, spüren Sie nach, welche Texte Sie besonders ansprechen, reflektieren Sie das Gesagte mit wohlwollender Skepsis und wägen Sie ab, was Sie für sich persönlich an Anregungen aus den wunderbaren Beiträgen gewinnen können.

Vertrauen ist eine Oase, die von der Karawane des Denkens nie erreicht wird, sagte der Sufi-Weise Khalil Gibran.

Dieses Vertrauen wünsche ich allen Leserinnen und Lesern für ihren persönlichen Heilprozess, wenn sie selbst von der Krankheit betroffen sind, und ebenso für Ihre Begleiter.

Heidelberg, im März 2019

Dr. med. György Irmey

Ärztlicher Direktor

Gesellschaft für biologische Krebsabwehr e.V.

(GfBK) Voßstr. 3, 69115 Heidelberg

Kontakt und Infos:

www.biokrebs.de

Achtsamkeitstraining: Moment mal …

Natur und Achtsamkeit als Ressourcen für Gesundheit und Glück

Nils Altner

Unser Leben erhalten wir ungefragt als ein Geschenk. Wir nehmen es als gegeben hin, genauso wie auch die Natur und die Luft, die uns umgeben. Und für die meisten von uns entfaltet sich dieses Geschenk in den ersten zwei, drei Jahrzehnten mit einer robusten Ausstattung an Lebenskraft, Selbstregulation und der Fähigkeit zur Selbstheilung. Was brauchen unser Körper und Geist, damit diese Fähigkeiten ein Leben lang gestärkt und erhalten bleiben? Die Erkenntnisse aus über 100 Jahren naturheilkundlicher Praxis und Forschung lassen sich mit einem Wort zusammenfassen: Natur.

Über Hunderttausende von Jahren sind wir Menschen als Naturwesen durch die Auseinandersetzung mit Naturgegebenheiten geprägt worden. Über Millionen von Jahren sind auf unserem blauen Planeten Erde unbeschreiblich komplexe und aufeinander abgestimmte Naturprozesse entstanden. Seit etwa 100 Jahren beeinflussen und stören wir diese zunehmend durch unsere Lebensweise. Das wirkt sich bekanntlich nach außen hin auf das Klima und die Ökosysteme aus, aber natürlich auch nach innen auf unser menschliches Sein in der Welt und auf unsere Gesundheit.

Wir Menschen sind nicht ohne unsere natürliche Umgebung denkbar. Sie nährt uns, und wir sind ein Teil der Natur, indem unser biologisches Leben nach ihren Rhythmen und Gesetzen verläuft. Mit jedem Atemzug tauschen wir Moleküle aus mit der Welt, in der wir leben.

Viele Aspekte der Natur, die uns in unserer Evolution geformt haben, treten in polaren Entsprechungen und im Verlauf eines Jahreskreislaufes auf: Tag und Nacht, Hitze und Kälte, Überfluss an Nahrung und Mangel daran, Bewegung und Ruhe sowie die Auseinandersetzung mit Mikroorganismen, Parasiten und anderen Herausforderungen. Im Verlauf des Lebens erwachsen aus der Bewältigung dieser natürlichen Herausforderungen die Kompetenzen unseres Organismus, z.B. die Immunabwehr, die Regulation der Körpertemperatur, Beweglichkeit, Ausdauer usw.

Ein Motor unserer Kulturentwicklung war der Wunsch, uns die Bedrohungen, Beschwerlichkeiten und Unannehmlichkeiten der Natur zunehmend vom Leibe zu halten. Deshalb verfügen wir heute über ein dauerhaftes Überangebot an industriell hergestellten Nahrungsmitteln und anderen Gütern. Wir haben uns in unseren Gebäuden mittels elektrischen Lichts, Heizungs- und Klimaanlagen weitgehend unabhängig vom Hell-Dunkel, Warm-Kalt, Tages- und Jahresrhythmus eingerichtet. Unsere Ruhephasen sind nicht mehr durch naturgegebene, rhythmisch wiederkehrende Erscheinungen wie Dunkelheit oder Winter vorgegeben. Bedrohungen durch wilde Tiere oder aggressive Nachbarn sind auf ein Minimum geschrumpft. Hygienische Standards und die Verfügbarkeit von Antibiotika halten uns Parasiten sowie bedrohliche, aber auch nützliche Mikroorganismen vom Leibe. Körperliche Arbeit in Landwirtschaft, Wald, am Wasser, im Handwerk und in der Industrie verrichten nur noch wenige Menschen, die hauptsächlich Maschinen bedienen. Entfernungen überbrücken wir mit Kommunikationstechnik oder legen sie sitzend mittels Transportmaschinen zurück.

Familiäre und soziale Rollen und Bezüge sind sehr frei gestaltbar. Und es ist uns heute sogar weitestgehend möglich, auch ohne sie zu leben. Virtuelle Kooperation, Gemeinschaften und Realitäten treten zunehmend an die Stelle real-leibhaftiger Beziehungen und der Auseinandersetzung mit anderen Menschen und mit unserer natürlichen Lebenswelt.

Unsere Kulturentwicklung ist also geprägt von einer zunehmenden Befreiung oder Loslösung von naturgegebenen Abhängigkeiten und Herausforderungen. Doch mit der wachsenden Unabhängigkeit entsteht auch ein zunehmendes Unverbunden-Sein mit der Natur und untereinander. Dadurch sind wir, wie gesagt, weniger herausgefordert bzw. angeregt, viele der in uns angelegten Fähigkeiten zu entwickeln. Das betrifft z.B. folgende Fähigkeiten des Organismus:

Kälte und Wärme auszugleichen

mit Nahrungsmangel durch Optimierung von Energiegewinnung und Energieverbrauch umzugehen

ein optimales Gewicht zu erhalten

Muskelkraft und Beweglichkeit zu erhalten

Parasiten und Mikroorganismen immunologisch zu regulieren bzw. optimal zu nutzen

rhythmisches Wechseln zwischen Anspannung und Entspannung

Nahrungsmittel, Kleidung, Energie und Alltagsgegenstände in lokalen Kreisläufen herzustellen und zu recyceln

Das Empfinden und Gestalten unserer Verbundenheit oder auch Untrennbarkeit von natürlichen und sozialen Bezügen.

In jungen Jahren zehren wir dabei vom Vorschuss an Vitalität und Regenerationsfähigkeit in uns, den uns die Natur zum Lebensanfang schenkt. Doch die Natur selbst leidet zunehmend unter Beschädigungen, die wir ihr zufügen. Am besten tun wir daran, wenn wir erlernen, gut für die Natur in uns und um uns zu sorgen, solange der Vorrat an gesundheitsfördernder Regulationsfähigkeit innen und außen noch nicht aufgebraucht ist.

Unsere Kulturentwicklung weg von der Natur haben wir zu weit getrieben. Inzwischen leben so viele Menschen entfremdet von ihr, dass wir vom „Natur-Defizit-Syndrom“ sprechen. Vor allem Kinder und Jugendliche versuchen wir gezielt zurückzuführen zum Erleben der Natur. Doch auch für erwachsene Menschen ist dieser Bezug eine wichtige Quelle für Gesundheit und Lebensqualität. Erleben Sie das auch so? Erinnern Sie sich an einen Moment draußen in der Natur, in dem Sie mit allen Sinnen bewusst achtsam eingestimmt waren auf die Welt um Sie herum:

Was haben Sie gesehen, gehört, gespürt, empfunden?

Wie hat sich Ihr Körper angefühlt?

In welcher Stimmung waren Sie?

Was klingt jetzt noch in Ihnen nach?

Wenn Natur für den Erhalt und die Wiederherstellung unserer Gesundheit so wichtig ist, gilt es, das Bewusstsein und die Achtsamkeit für sie bei möglichst vielen Menschen zu stärken.

Wann haben Sie zum letzten Mal das Gefühl gehabt, in einem Moment zu verweilen und von Herzen seine Schönheit und das Wunder des Lebens zu empfinden? In diesen Momenten breitet unsere Seele ihre Flügel aus und verbindet sich ruhig und kraftvoll mit dem lebendigen Universum. Doch dies wahrzunehmen und bewusst zu erleben ist eine Herausforderung im scheinbar immer schneller werdenden Lebenstakt. Viel öfter empfinden wir uns wie in einem Hamsterrad, dessen Bewegungen viel zu schnell für uns sind und das sich dennoch nicht von der Stelle zu bewegen scheint. Dieses kollektive Gefühl, gefangen zu sein in einer sinnlosen Beschleunigung, ist sicher ein wichtiger Grund für das wachsende Interesse an Achtsamkeit, Meditation und Kontemplation.

Fakt ist, dass unser Geist und unser Körper Schaden nehmen, wenn wir dauernd unter Anspannung stehen. Wir sind Naturwesen und brauchen daher rhythmische Wechsel von Aktivität und Ruhe, von nach außen gerichtetem TUN und von eher nach innen orientiertem, empfangenden SEIN. Wenn dieser Wechsel im Alltag auf Dauer fehlt, treiben wir Raubbau an unseren Ressourcen für Gesundheit, Gesundung und Glücklich-Sein. Es ist der mind-body-medizinischen Forschung und Praxis (= Geist-Körper-Medizin) zu verdanken, dass achtsamkeitsbasierte Interventionen wie Meditation, Yoga oder Qi Gong ihren Weg in die Regelmedizin finden, so z.B. auch in die Behandlungsleitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mamma-Karzinoms (1).

Beginnen wir am besten mit uns selbst. Wenn Sie wollen, probieren Sie die folgenden drei Schritte aus:

1. Verweile doch, du bist so schön!

Erlauben Sie sich, den nächstbesten Moment in diesem Sinne zu begrüßen. Stoppen Sie ihre Agenda für eine Weile und lassen Sie sich jetzt zur Be-Sinnung nieder. Nehmen Sie wahr, was sich Ihren Sinnen darbietet. Schauen, riechen, fühlen, horchen, schmecken Sie den Moment in seiner prallen Fülle. Lassen Sie Ihre Brust sich mit einem genüsslichen tiefen Atemzug weiten. Vielleicht mögen Sie eine Hand auf Ihr Herz legen und sich dem Wunder öffnen, dafür, dass Sie jetzt hier, an diesem Ort, warm, lebendig und bewusst gegenwärtig sind.

2. Was ist mir wichtig?

Bleiben Sie mit einem Teil Ihrer Aufmerksamkeit beim Spüren des Körpers, wenn Sie sich nun fragen, was Ihnen bezogen auf Ihr Sein mit und in der Natur wichtig ist. Bemerken Sie dabei, wenn Ihr Körper sich beim Suchen nach Antworten zu der Frage verändert, z.B. sich bewegt, der Atem tiefer oder schneller wird usw.

3. Den Kreis weiten!

Nachdem Sie diese Frage und die möglichen Antworten verkörpert, durchfühlt und durchdacht haben, kehren Sie zur Ausgangssituation zurück. Nehmen Sie wieder wahr, wie Sie in diesem Moment sitzen oder stehen. Spüren Sie den sicheren Boden unter Ihnen, Ihr Aufgerichtet-Sein, das Würde und Kraft ausdrückt, den Raum, den Ihr Körper einnimmt, die feinen Bewegungen Ihres Körpers und den Atem, der ihn durchfließt und belebt. Verweilen Sie für ein paar Atemzüge ganz präsent in Ihrem Körper und weiten Sie dann Ihren Aufmerksamkeitsraum vom Innern her nach außen, in die Welt, die Sie umgibt. Nehmen Sie das Zimmer, das Gebäude, den Ort, die Landschaft mit all ihren unbelebten und belebten Anteilen wahr. Und spüren Sie sich, so lange Sie möchten, umgeben, eingebunden, untrennbar von all dem. Dann beenden Sie diese bewusste Zeit mit sich selbst in Ihrer Lebenswelt, so, wie es für Sie passt.

Wenn Ihnen das guttut, dann gönnen Sie sich solche achtsamen Momente des bewussten Verbundenseins immer wieder. Und nähren Sie damit sich selbst und Ihr Engagement in der Welt. Eine vom Autor gesprochene Anleitung zu einer vertiefenden Achtsamkeitsübung, dem Body-Scan, finden Sie am Ende des Beitrags (2).

Das leibhaftig empfundene achtsame Verweilen im Moment wird meist als sehr entlastend, beruhigend und auch beglückend erlebt. Und wissenschaftliche Meta-Analysen zeigen, dass mehrwöchige Achtsamkeitsprogramme wie MBSR (Mindfulness-Based-Stress-Reduction) mittelstark lindernd auf psychische Symptome von Angst, Depressivität und Stress wirken. Bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, bei Krebs, HIV, Herz- und Suchterkrankungen lassen sich ebensolche Symptom- Verringerungen nachweisen. Auch nehmen Empathie, Krankheitsbewältigung, Schlaf- und Lebensqualität zu (3).

Eine aktuelle Analyse der Wirkeffekte von achtsamkeitsbasierten Interventionen für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren fand ähnliche Ergebnisse (4).

Selbstachtsamkeit als protektiver (= erleichternder) Faktor

Im Rahmen einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Auftrag gegebenen Studie zum Einfluss des demografischen Wandels auf Kreativität und Leistungsfähigkeit von Forschern und EntwicklerInnen haben wir untersucht, ob und welche protektiven Wirkungen Achtsamkeit auf psychische Belastung, Gesundheit und Arbeitsfähigkeit hat (5). 62 Prozent der dazu befragten 398 Beschäftigten aller Altersgruppen aus Forschung und Entwicklung klagten über Symptome mittlerer und starker Erschöpfung, Schlafstörungen, fühlten sich ausgelaugt und lustlos, schnell irritierbar sowie generell erschöpft, müde und ausgebrannt.

Unsere Datenanalyse legt nahe, dass eine ausgeprägte Selbstachtsamkeit als eine zentrale Gesundheitsressource vor Überschätzung der eigenen Kraftreserven, vor Überforderung und einer nachfolgenden vitalen Erschöpfung schützt. Die Personen in unserer Studie, die hohe Werte für einen bewussten und freundlich achtsamen Selbstbezug aufwiesen, die sich beispielsweise für ihre eigenen Fehler und Schwierigkeiten nicht verurteilen, die sich selbst freundlich behandeln, die mit Humor wahrnehmen können, wenn Dinge im Leben schief gehen, oder wie sie sich manchmal das Leben schwer machen, die auf die Motive ihrer Handlungen achten, zeigten geringe Anzeichen für eine vitale Erschöpfung.

Mit der Achtsamkeitspraxis finden wir inmitten einer außer sich geratenen Welt Mittel und Wege, mit denen es gelingt, im Moment achtsam zu verweilen und uns an seiner Schönheit zu freuen. Dabei können wir darauf bauen, dass wir alle zutiefst wissen, wie gut sich eine präsente, geistesgegenwärtige Haltung anfühlt, da wir als kleine Kinder oft in ihr gegenwärtig waren. Und es ist wunderbar und heilsam, wenn wir nicht nur unseren Kindern die Kultivierung dieser zutiefst menschlichen achtsamen Haltung ermöglichen, indem wir darauf basierte Erziehungs- und Bildungsformen etablieren, sondern sie selbst als gestresste Erwachsene nutzen (6).

Gelebte Nachhaltigkeit

Weder wir Menschen noch die Erde halten dem Wachstums- und Beschleunigungswahnsinn weiter stand. Es ist so deutlich absehbar, dass die Ressourcen in uns und in der Natur sich bald verschleißen, wenn wir uns jetzt nicht besinnen und auf Regeneration umschalten. Halten wir inne und lassen ein Zeitalter wirklicher Nachhaltigkeit beginnen.

Der erste Schritt ist ganz leicht. Erlauben Sie sich, den nächstbesten Moment mit einem „Verweile doch, du bist so schön“ zu begrüßen. Stoppen Sie immer wieder im Alltag ihre Agenda für eine Weile und lassen Sie sich in diesem Moment zur Be-Sinnung nieder. Nehmen Sie wahr, was sich Ihren Sinnen darbietet. Schauen, riechen, fühlen, horchen, schmecken Sie den Moment in seiner prallen Fülle. Lassen Sie Ihre Brust sich mit einem genüsslichen, tiefen Atemzug weiten. Vielleicht mögen Sie eine Hand auf Ihr Herz legen und sich dem Wunder öff nen, dafür, dass Sie jetzt hier, an diesem Ort warm, lebendig und bewusst gegenwärtig sind. Wenn Ihnen das guttut, dann gönnen Sie sich solche achtsamen Momente immer wieder.

Zum Autor

Dr. phil. Nils Altner, AG Gesundheit & Prävention, Klinik & Lehrstuhl für Naturheilkunde & Integrative Medizin, Kliniken Essen-Mitte/Universität Duisburg-Essen

Kontakttakt und Infos

www.achtsamkeit.com – Regional sortierte Liste der AchtsamkeitslehrerInnen:

http://www.institut-fuer-achtsamkeit.de/mbsr-lehrerinnen-nach-plz

http://www.mbsr-verband.de/kurse-kompaktkurse.html

MulitplikatorInnen-Schulungen zu „Gesundheit, Achtsamkeit und Mitgefühl in der menschenbezogenen Arbeit – GAMMA“ am Lehrstuhl für Naturheilkunde und Integrative Medizin der Universität Duisburg-Essen – https://www.nhkfortbildungen.deGAMMA.html

Weiterführende Literatur

(1) interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mamma-Karzinoms (2012). Langversion 3.0, AWMF-Register-Nummer: 032 – 045OL, S. 283

(2) http://www.achtsamkeit.com/audio.htm hier ist als Download verfügbar, eine vom Autor gesprochene Anleitung zu einer vertiefenden Achtsamkeitsübung, dem Body Scan.

(3) de Vibe Michael, Bjørndal A, Tipton E, Hammerstrøm KT, Kowalski K.: Mind- fulness based stress reduction (MBSR) for improving health, quality of life and social functioning in adults. Campbell Systematic Reviews 2012:3, DOI: 10.4073/csr.2012.3.

(4) Zoogman, S., Goldberg, S. B., Hoyt, W. T., & Miller, L. (2014). Mindfulness interventions with youth: A meta-analysis. Mindfulness, July, 2014

(5) www.kreare.de;

(6) Altner, Nils: Achtsam mit Kindern leben. Wie wir uns die Freude am Lernen erhalten. München, Kösel 2009; Altner, Nils (2012) Achtsamkeit im Kindergarten. Weinheim: Beltz

Atemtherapie: Die Heilkraft im Atem

Grundlegende Zusammenhänge über das lebenswichtige Bindeglied zwischen Körper, Geist und Seele

Stefan Klatt

Als Atemlehrer werde ich seit vielen Jahren in die von Dr. med. Ebo Rau gegründete Selbsthilfegruppe Krebs in Amberg eingeladen. Anhand von praktischen Übungen informiere ich in Vorträgen und Gesprächen über meine Atemarbeit und Yoga. In den ersten Jahren des Bestehens dieser Gruppe, damals von Dr. Rau noch selbst geleitet, erlebte ich immer wieder, wie sich Mitglieder mit der einen oder anderen erfolgversprechenden Therapie an Dr. Rau wandten, um sowohl seinen medizinischen, vor allem aber seinen liebevollen menschlichen Rat einzuholen. Sehr geschickt entzog er sich meist der Rolle des Ratgebers und gab die Verantwortung immer wieder in die Hände des Hilfesuchenden zurück, mit der Bekräftigung, dasjenige auszuprobieren, von dem man selbst überzeugt sei, ohne dass dabei der Geldbeutel zu sehr strapaziert werde.

Inwieweit ich Ihnen mit meinen Erfahrungen und dem Wissen über den Atem helfen kann, entscheiden Sie selber. Probieren Sie es aus, denn eines ist sicher: Bewusstes Atmen ist das einfachste Heilmittel und steht uns zu jeder Zeit im Überfluss zu Verfügung, und das alles kostenfrei.

Ich kam im Alter von 22 Jahren als junger Erwachsener zum ersten Mal mit der Tiefenatmung nach Leonard Orr in Berührung, die nachhaltig mein Leben veränderte und zu meinem Beruf geworden ist. An mir und vielen Klienten, die ich seither begleiten konnte, haben sich mir Zusammenhänge erschlossen, dass der Atem tatsächlich das Bindeglied zwischen Körper, Geist und Seele darstellt. Meistens sind wir uns dieser lebenswichtigen Verbindung nicht bewusst, denn das Atmen ist ja selbstverständlich, scheinbar etwas Einfaches, das nicht extra erwähnt werden muss.

Atem ist Leben – ohne Atmung versiegen innerhalb von drei bis fünf Minuten die Lebenskräfte.

So habe ich selbst, von ein paar grundlegenden physiologischen Zusammenhängen abgesehen (Sauerstoff beim Einatmen und Kohlendioxid beim Aus atmen), weder während meiner Schul- und Ausbildungszeit noch im Studium etwas über die existenzielle Lebensversorgung und damit auch Heilungsmöglichkeit erfahren, die bewusstes Atmen bewirken kann.

Sollten Sie Wunderübungen erwarten, muss ich Sie sogleich enttäuschen, denn es gibt sie nicht. Ich werde in diesem Artikel den Schwerpunkt auf die Bewusstwerdung Ihrer Atmung lenken – so verstanden ist jede Übung wunderbar und bringt uns uns selbst ein Stück näher.

Nehmen Sie doch sogleich beim Lesen der folgenden inspirierenden Heilgedanken Ihren Atem wahr:

Atem ist Leben – alles, was lebt, atmet – ich atme – im Atem bin ich verbunden mit der Kraft meines Lebens – das Leben ist jeden Augenblick neu – der Atem führt mich in den gegenwärtigen Augenblick – Heilung ist in jedem Moment möglich – bewusstes Atmen ist das einfachste, mir immer zur Verfügung stehende Heilmittel: kostenfrei und unbezahlbar zugleich.

Jeder Mensch ist einzigartig. So sind auch die Heilungsgeschichten, die wir in den ersten „Mut-mach-Büchern“ gelesen haben, so verschieden, dass uns schon längst klar ist: Keine Krankheitsgeschichte lässt sich mit einer anderen vergleichen. Jeder geht seinen eigenen Weg. Ungeachtet der verschiedenen persönlichen Lebenswege und Therapiemöglichkeiten möchte ich auf eine Gemeinsamkeit hinweisen, die wir mit allen Lesern und allen Lebewesen der Erde teilen: Wir atmen. Obwohl ich mich über drei Jahrzehnte mit der Atemarbeit beschäftige, ist diese Erkenntnis immer noch das Interessanteste, was mir mein Leben zu bieten hat, denn am seidenen Faden des Atems hängt das gesamte Leben, meine Heilung und alles, was dazu gehört. Die Höhen und Tiefen meines Lebens spiegeln sich im Atem. Geht es mir gut, atme ich frei, unbeschwert und tief. Geht es mir nicht ganz so gut oder habe ich körperliche und seelische Schmerzen, stockt der Atem und verändert seinen natürlichen Lauf.

Der Atem ist immer da – ein ständiger Begleiter, der zum besten Freund und Therapeuten werden kann. Wie ein eingebautes Navigationssystem steht er vom ersten Atemzug an zur Verfügung und vermag immer den besten Rat zu geben. So können äußerliche Wege, Therapien und Medikamente zwar äußerst wirksam sein, zeigen aber nur dann den vollen Effekt, wenn durch diese Impulse die Lebenskraft wieder entfacht wird. So möchte ich mit diesen Zeilen, zusätzlich zu all den therapeutischen Wegen, die Sie bereits gehen und von deren Heilkraft Sie überzeugt sind, Ihre Bewusstheit für den Atem wecken. Durch bewusstes Atmen wird ein sehr mächtiger Lebensimpuls angeregt.

Die Lösung kann in einem einzigen Atemzug liegen – jeder Atemzug versorgt mich mit Kraft und Energie – jedes Mal, wenn ich ausatme, entspanne ich mich und lasse los – im Loslassen finde ich Lösungen – im Loslassen erfahre ich Erlösung und Heilung – so wie ich an einer Tankstelle mein Auto mit Kraftstoff befülle, tanke ich Lebenskraft mit jedem Atemzug.

Diese Zeilen mögen Ihnen Mut und Vertrauen geben, dass die Kraft des Lebens auch jetzt gerade ungebrochen durch Ihren Körper fließt und Sie bestmöglich versorgt. Und so sind wir einst auf die Welt gekommen – auch wenn sich seitdem vieles verändert hat, sind die wesentlichen Dinge des Lebens doch immer noch die gleichen: Ich werde von einer Lebenskraft gespeist, die haben möchte, dass ich da bin.

Auch wenn wir im Laufe des Lebens viel erfahren, durchlebt und gelernt haben mögen, ist das Prinzip des Lebens, das selbst in sämtlichen Laboratorien der Welt noch nicht entschlüsselt werden konnte, trotz seiner Komplexität einfach und leicht. Diese Einfachheit zeigt sich meiner Meinung nach in der Leichtigkeit der Atmung von Neugeborenen. Wie ein unbeschriebenes Blatt wird ein Kind geboren und ist dennoch von Beginn an mit dem Wichtigsten, dem natürlichen, zusammenhängenden Atmen, ausgestattet. Gerade von Babys können wir das natürliche Atmen, die Leichtigkeit des Seins, wieder entdecken. Sie strahlen diese Einfachheit aus, die uns Erwachsenen oft verlorengegangen ist. Sie bringen eine Dimension der Gegenwärtigkeit in unser Leben, bei der die Sorge um den morgigen Tag nicht den Augenblick dominiert. Im Babyalter sowie später, überwiegend während der Nacht, im Tiefschlaf, fließt der Atem noch natürlich. Einund Ausatmung gehen fließend und entspannend ineinander über. Durchschnittlich gesehen ist diese Babyphase stärker als alle folgenden von vermehrter Gesundheit, Wachstum und Vertrauen ins Leben geprägt.

Ich bin der festen Überzeugung, dass zu dieser Zeit der Atem noch richtig fließt. Natürlich ist vieles Weitere nötig, wie die materielle und emotionale Versorgung und Pflege, und sollte in ihrer Bedeutung in keiner Weise unterschätzt oder vernachlässigt werden. Nur möchte ich Ihnen besonders nahe bringen, dass die Lebenskraft als solche vom ersten bis zum letzten Atemzug da ist und unsere Lebendigkeit und damit auch einen Großteil unserer Gesundheit ausmacht.

Es ist immer Zeit für einen bewussten Atemzug – weiteratmen ist besser als die Luft anhalten – jeder Atemzug stärkt meine Lebensgeister – Energie durchströmt meinen Körper, bis in jede Zelle – ich werde geatmet, von einer Kraft, die größer ist, als ich es mir vorstellen kann – bewusstes Atmen beflügelt meine Seele.

Unsere Kultur, die seit Jahrtausenden christlich geprägt ist, bietet einen Zugang zu echten Lebensweisheiten und -orientierungen, einen Schatz von Heilungsgedanken, den wir zu jeder Zeit nützen können. Jesus verbrachte sein Leben lang damit, dies mit einfachen Worten und Gleichnissen zu vermitteln. Wenn er auf Fülle, Heilung und Lebenskraft zu sprechen kam, sagte er auch, dass sich uns diese erschließen könnten, wenn wir so wie die Kinder würden und dem Leben vertrauten.

Was mag darunter zu verstehen sein? Eine unübersehbare Tatsache ist, dass wir älter werden und die Lebensjahre mit den damit verbundenen Erfahrungen an Bedeutung gewinnen. Vielleicht meint Jesus das kindliche Vertrauen zum Leben, das in den leuchtenden Kinderaugen auch Erwachsene berührt und verzaubert.

Die Verbindung von der Geburt bis zum Heute sehe ich im Atem. Er fließt in den ersten Wochen und Monaten noch sehr natürlich und verändert sich langsam bis zum dritten Lebensjahr. Während zu Beginn des Lebens der Tag von den augenblicklichen Befindlichkeiten geprägt war, entwickelt sich durch bewegende Eindrücke des Lebens, wie Schul- und Lehrzeit, Krisen und Krankheiten, unser auf Erfahrung beruhendes Denken und Verhalten mit jedem Jahr. Mit Entwicklung der Sprache können wir Erlebtes benennen und es als solches anschließend im Gehirn abspeichern und wieder erinnern. Je älter wir werden, desto stärker beeinflusst dies auch den Alltag. Dass sich die Atmung linear zu dieser Entwicklung ebenfalls verändert, scheint noch nicht wissenschaftlich untersucht worden zu sein. Doch wir benennen es, wenn wir beispielsweise sagen: Luft anhalten und durchstarten, oder in brenzligen Situationen verschlägt es einem den Atem. Wir kennen Momente, in denen wir von seelischem Kummer und körperlichen Schmerzen gebeutelt, die Luft anhalten, weil dieser reflexartige Impuls uns scheinbar weniger empfindlich, verletzbar macht. Dann stellt sich nicht selten das Gefühl ein, von der Lebenskraft abgeschnitten zu sein. Diese unbewussten Überlebensstrategien gehen mit Veränderungen der Atmung einher, die früher oder später den körperlichen Energiezufluss reduzieren und damit unsere Lebendigkeit beschneiden. So kann es sein, dass der Atem nur noch des Nachts in der Tiefschlafphase frei fließen kann und tagsüber unterbrochen und häufig mit unbewussten Pausen erfolgt. Wir spüren tatsächlich die körperliche Auswirkung, mit weniger Kraft versorgt zu sein. Es gilt diese Zusammenhänge von Lebensprägung und Atmung zu erkennen und aufzulösen. Der Körper verliert durch die Unterbrechung des natürlichen Atemflusses immer mehr an Kraft, was zu einem Voranschreiten der körperlichen und seelischen Dysbalance führt und sich in Form von Krankheiten niederschlagen kann.

Diese unbewussten Verhaltensweisen, die möglicherweise bereits bei Menschen in der Steinzeit aktiv waren, bestehen auch heute noch. Wir nehmen kaum wahr, dass wir den Atem anhalten, wenn wir körperlichen Spannungen, Schmerzen oder Unwohlsein ausgesetzt sind. Es geht damals wie heute in bedrohlichen Situationen um Kampf oder Flucht. Stellt sich beispielsweise ein Gefühl von Bedrohung ein, wegen Platzmangels in der Einkaufsschlange im Supermarkt, an der Arbeitsstelle im Großraumbüro, oder ein Gefühl von Trauer und Wut – dann können diese Momente sofort durch unbewusstes Luftanhalten kontrolliert werden. Diese Entscheidung läuft im Gehirn in Bruchteilen von Sekunden ab. Der Blutdruck erhöht sich, und Adrenalin wird vermehrt ausgeschüttet.

Mag es in unserem heutigen Alltag sehr selten lebensbedrohliche Zustände geben, so reagiert der Körper trotzdem bei negativen Gedanken, Gefühlen und Stress mit Atemanhalten, diesem Überbleibsel an steinzeitlicher Konditionierung. Ein weiteres Beispiel: Beobachten Sie Ihr Atmen beim Ansehen der Fernsehnachrichten. Kaum tauchen negative Meldungen mit den dazugehörigen Bildern auf, stockt die Atmung. Da wir allerdings an den Krisen der Welt in diesem Moment nichts verändern können, halten wir als Lösung des Dilemmas die Luft an. Durch diese unbewusste Drosselung des lebendigen Atems scheinen die negativen Eindrücke erträglicher zu sein.

Von der biblischen Weisheit, so wie die Kinder zu werden (sie atmen ja noch natürlich), entferne ich mich unter diesen Gesichtspunkten immer weiter. Und dennoch fällt der Körper jede Nacht im Tiefschlaf in diesen natürlichen Baby-Atemrhythmus zurück, um sich körperlich und seelisch zu erholen. Diesen Regenerationsprozess kann ich durch bewusstes Atmen nutzen.

Bewusstes Atmen ist ein „Ja“ zu meinem Leben – bewusstes Atmen – weil es frei und glücklich macht – beim Ausatmen lasse ich los – ich löse mich von allem, was mir zu viel ist, und schaffe Platz für ein neues Leben – jeder bewusste Atemzug verbindet mich mit der Kraft meines Lebens – nur der Augenblick zählt, und der ist jetzt – das Leben wird mir in jedem Moment neu geschenkt.

„Die Lösung all unserer Sorgen und Schwierigkeiten kann in einem bewussten Atemzug gefunden werden“ – eine Aussage, die ich in meiner Arbeit in Yoga- und Atemkursen immer wieder durch Gespräche und Übungen erläutern muss. Sich als lebendiges Wesen bewusst zu sein, impliziert für mich die Anerkennung des Lebensprinzips, das seit Anbeginn der Welt existiert und auch im heutigen Menschen des 21. Jahrhunderts, nach einer Evolutionsgeschichte von rund 3,5 Milliarden Jahren, immer noch wirkt. Dieses Schöpfungsprinzip ist geprägt von Wandel und Veränderung, von Anpassung und Entfaltung und kann durch bewusstes Atmen und auch durch Meditation erfahrbar gemacht werden. Voraussetzung dafür scheint mir zu sein, ganz im gegenwärtigen Augenblick anzukommen, um aus den Konditionierungen des Verstandes, der stark an Vergangenheit und Zukunft orientiert ist, herauszutreten. Es handelt sich gewissermaßen um eine Erweiterung unseres Bewusstseins, das mit seinen lösungsbringenden Möglichkeiten weit über das alltägliche Gedankengut hinausreicht und damit auch so manchen Heilgedanken freisetzen kann.

Der nächste logische Schritt ist nun, ganz im gegenwärtigen Sein, im „Jetzt“ anzukommen, um die darin enthaltene Lebenskraft zu 100 Prozent nutzen zu können. Auf diesem Weg ist das Bewusstwerden der Atmung und der darin befindlichen Lebenskraft eine wunderbare Hilfe. Indem ich die Momente meines Lebens wieder entspannter erlebe, lösen sich bereits auf der gedanklichen Ebene viele Probleme.

Bewusstes Atmen wirkt sich vor allem auf die Gehirnfunktionen aus, denn das Gehirn ist das Organ, das permanent den meisten Sauerstoff benötigt. Durch eine bessere Sauerstoffversorgung des Gehirns werden bereits nach zehn Minuten bewussten Atmens vermehrt stimmungsaufhellende und schmerzlindernde Hormone freigesetzt. Dies begünstigt weitere positive Stoffwechselreaktionen, von denen der gesamte Organismus profitiert. Körper wie auch Psyche fühlen sich kräftiger an, belastende Dinge erscheinen weniger dramatisch. Die Umsetzung von gesundheitsfördernden Ideen und Vorsätzen lassen sich in diesem Zustand leichter verwirklichen.

Sich der Präsenz der Gegenwart bewusst zu sein bedeutet, aus dem Nachdenken auszusteigen. Berühmte Naturwissenschaftler hatten aufgrund dieses Phänomens, in Augenblicken der Entspannung, in denen sie ihrer natürlichen Atmung sehr nahe waren, z. B. bei Spaziergängen in der Natur, Inspirationen für wichtige Entdeckungen. Ebenso liegt bei Situationen, die scheinbar unabänderlich und nicht als lösbar eingestuft werden, die Lösung in deren echter Annahme. Der Atem lügt nicht und ist ein Spiegelbild der momentanen Lebenssituation. So spiegelt sich das Annehmen einer Situation ganz deutlich in der Einatmen- Phase, in der man den Sauerstoff und die darin gebundene Lebensenergie (Prana, Chi) aufnimmt. Beim Ausatmen zeigt der Körper, in welchem Maße man bereit ist, loszulassen und dem Lebensprozess aufs Neue zu vertrauen. Nach dem Motto „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“ neigt der Mensch leider eher dazu, an bekannten Sicherheiten festzuhalten. Diese Haltung auf die Atmung übertragen, hat verheerende Folgen: Im Festhalten werden die Giftstoffe, die der Körper eigentlich ausscheiden möchte, zurückgehalten und verursachen körperliche Spannungszustände auf muskulärer und zellulärer Ebene. Auf der psychischen Ebene treten dadurch vermehrt Konzentrationsstörungen und seelische Probleme auf.

Auch wenn es manchmal schwierig erscheint, die Lösung ist so einfach: „Durchatmen und sich frei atmen“. Vielleicht hat Jesus, wie alle Yogis des Altertums, das Geheimnis des bewussten Atmens gekannt, als er diese Lebensweisheit darlegte: „Wer das Leben festhält, wird es verlieren, und wer es loslässt, wird es finden.“

Ich wünsche Ihnen, dass Sie über bewusstes Atmen sich selbst und Ihr Leben besser verstehen und annehmen können. Auf der ganzen Welt gibt es niemanden, der genauso ist, wie Sie es sind, ein jeder ist einmalig und wunderbar. Nehmen Sie Ihr Geburtsrecht, atmen zu dürfen, intensiv wahr. Ihre einzigartigen Fähigkeiten und Talente können sich somit entfalten, das Wunder der Heilung kann beginnen – denn Atem ist Leben.

Zum Autor

Stefan Klatt (geb. 1960) lebt in Kastl/Oberpfalz. Er ist Yoga- und Atemlehrer.

Kontakt und Infos:

www.gesundheitspraxis-kastl.de

Weiterführende Literaturempfehlungen

Paramahansa, Yoganada: Autobiographie eines Yogi; Self-Realization Fellowship 1998

Griebl Günter: Die Schwingen der Freiheit; Rowohlt TB-V, Rnb. 1993

Für die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V. in Heidelberg hat er mit Dr. Ebo Rau einige „Immerwährende Kalendarien“ zum Thema veröffentlicht, mit einfachen, alltäglich praktizierbaren Atem- und Yogaübungen, täglichen Affirmationen u.v.m.

Näheres siehe Anhang oder unter www.biokrebs.de

Bachblütentherapie: „Kraft für einen neuen Anfang“

Bachblüten zur Krebs-Nachsorge für Betroffene

Mechthild Scheffer

Gerade nach einer Krebs-Operation geht es um eine konsequente, oft radikale Neuorientierung, um ein Wiederfinden der eigenen wahren Persönlichkeit und des „eigenen Lebensplans“. Mehr noch: Wiederhergestellt werden muss das gute Verhältnis zur eigenen inneren Führung, der Verbindungsinstanz zu unserem eigenen unsterblichen, göttlichen Wesenskern. Denn hier liegt die Quelle jeder dauerhaften Heilung, die ja letzten Endes immer Selbstheilung ist. „Heile dich selbst“ ist auch die Kernbotschaft der „Original Bachblütentherapie“.

Der englische Arzt Dr. Edward Bach beschrieb 38 grundlegende negative Verhaltensmuster wie zum Beispiel Angst haben, eifersüchtig reagieren, resignieren, übertriebene Kompromissbereitschaft zeigen, sich minderwertig fühlen etc. Gleichzeitig entwickelte er 38 sanft wirkende, homöopathieähnliche Blütenessenzen, welche diese destruktiven Verhaltensmuster gezielt auflösen.

Durch den Einsatz der Bachblüten wird die Verbindung zur inneren Führung oder inneren Stimme wiederhergestellt. Dies stärkt den eigenen Wesenskern, und man findet wieder Anschluss an seine seelischen Selbstheilungskräfte. So wird ein echter Neuanfang im Leben möglich.

Nach meiner Erfahrung lassen sich im Umgang mit der Krebserkrankung auf seelischer Ebene drei deutliche Phasen beobachten:

Phase I

Schockverarbeitung (kann 3 Monate und mehr dauern)

Phase II

individuelle Selbstauseinandersetzung

Phase III

Neuorientierung

Phase I – Schockverarbeitung (kann 3 Monate und mehr dauern)

Weil die Wissenschaft zu lange nicht genug über die Entstehung einer Krebserkrankung wusste und der Verlauf oft tödlich war, löst die Diagnose „Krebs“ auch heute noch meistens ein schweres Trauma aus, begleitet von vielen irrationalen Ängsten. Bis dieser Schock einigermaßen bewältigt ist, können erfahrungsgemäß mindestens drei Monate vergehen. Die folgenden Bachblüten haben sich in dieser Phase sehr bewährt:

Star of Bethlehem, die Trostblüte

Denk-und Gefühlsmuster:

„Ich kann es nicht fassen, ich bin wie versteinert.“

Führt im Bewusstseinsprozess: von Schock ... zur Reorientierung

Aspen, die Ahnungsblüte

Denk- und Gefühlsmuster:

„Was kommt jetzt alles Grauenhaftes auf mich zu? Wie geht es weiter?“

Führt im Bewusstseinsprozess:

von dunkler Vorahnung ... zu bewusster sensibler Wahrnehmung

Willow, die Schicksalsblüte

Denk- und Gefühlsmuster:

„Warum muss das gerade mir passieren?“

Führt im Bewusstseinsprozess:

vom Schicksalsgroll ... zur Selbstverantwortung.

Phase II – individuelle Auseinandersetzung

Erst wenn der Schock abgeklungen ist, wird sich der oder die Betroffene meist der vollen Tragweite der persönlichen Situation bewusst und kann sich innerlich damit auseinandersetzen. Die Bewältigungsstrategien reichen vom „Nicht-Wahrhaben-Wollen“ über Gefühlsunterdrückung bis zur Entscheidung, die vorgeschlagenen Therapien mitzumachen und durchzuhalten. Später werden auch unbewusstere Verhaltensmuster bewusst und können bearbeitet und transformiert werden.

Sweet Chestnut, die Erlösungsblüte

Denk- und Gefühlsmuster:

„Nie in meinem Leben war ich hoffnungsloser und verzweifelter.

Es gibt keine Steigerung mehr.“

Führt im Bewusstseinsprozess: durch die Nacht ... zum Licht.

Agrimony, die Ehrlichkeitsblüte

Denk- und Gefühlsmuster:

„Ich möchte meine Umwelt nicht mit meinen Ängsten belasten.“

„Ich tue einfach so, als ob gar nicht viel wäre.“

„Gedanken an den Tod verdränge ich.“

Führt im Bewusstseinsprozess:

von der Scheinharmonie ... zum inneren Frieden

Cherry Plum: die Gelassenheitsblüte

Denk- und Gefühlsmuster:

„Ich muss mich jetzt zusammenreißen.“

„Ich muss meine Gefühle unter Kontrolle behalten“.

Führt im Bewusstseinsprozess:

von der Überspannung zur Entspannung

Oak, die Ausdauerblüte

Denk- und Gefühlsmuster:

„Ich muss das jetzt alles durchhalten.“

„Ich verbrauche viel Kraft, um immer tapfer zu sein.“

Führt im Bewusstseinsprozess:

vom Müssen … zum Wollen.

Centaury, die Blüte des Dienens

Denk- und Gefühlsmuster:

„Es fällt mir schwer, ‚Nein‘ zu sagen, wenn mir etwas zu viel ist.“

„Wenn andere etwas von mir erwarten,

neige ich dazu, das zu tun, auch wenn ich es selbst gar nicht möchte.“

„Ich muss jetzt meinen Willen stärken.“

Führt im Bewusstseinsprozess:

vom willenlosen Dienen ... zum bewussten Handeln.

Holly, die Herzöffnungsblüte

Denk- und Gefühlsmuster:

„Ich fühle mich in meinen Gefühlen missverstanden, das kränkt mich“

„Das Mitgefühl der anderen macht mich misstrauisch, da mache ich zu.“

Führt im Bewusstseinsprozess:

vom verschlossenen Herzen … zur Großherzigkeit.

Clematis, die Realitätsblüte

Denk- und Gefühlsmuster:

„Ich bin mit meinen Gedanken immer woanders.“

„Ich möchte mich aus dieser Welt zurückziehen, einfach nicht da sein.“

Führt im Bewusstseinsprozess:

von der Realitätsflucht … zur Realitätsgestaltung.

Pine, die Blüte der Selbstakzeptanz

Denk- und Gefühlsmuster:

„Wer weiß, womit ich diese Krankheit verdient habe.“

„Vielleicht steht es mir gar nicht zu, gesund und glücklich zu leben.“

Führt im Bewusstseinsprozess:

von der Selbstentwertung … zum Selbstrespekt.

Ein oft völlig unbewusstes und daher besonders destruktiv wirkendes Muster ist der blockierte Zustand der folgenden Blüte:

Wild Rose, die Blüte der Lebenslust

Denk- und Gefühlsmuster:

„Damit habe ich mich innerlich abgefunden.“

„Im Grunde habe ich keine Motivation mehr.“

Führt im Bewusstseinsprozess:

vom mutlosen Aufgeben … zur Aktivierung der Lebenslust.

Phase III – Neuorientierung

Jetzt ist der entscheidende Schritt getan, es erfolgt die Wiedergeburt in das wirklich eigene Leben, für das man selbst verantwortlich ist. Man weiß, dass es nie mehr so sein wird, wie es früher war, sondern anders, reicher und tiefer. Jetzt heißt es vor allem stabilisieren und konsolidieren. Hier sind zwei Bachblüten besonders wichtig:

Walnut, die Verwirklichungsblüte

Denk- und Gefühlsmuster:

„Für mich beginnt eine neue Lebensphase,

in der ich standhaft sein und mir selbst treu bleiben muss.“

Führt im Bewusstseinsprozess:

von der Beeinflussbarkeit … zur inneren Festigkeit.

Trotzdem kommt es in der Neuorientierungsphase regelmäßig zu Rückschlägen und Entmutigungen. Diese gilt es dann immer wieder zu transformieren, zu überwinden.

Gentian, die Glaubensblüte

Denk- und Gefühlsmuster:

„Wenn eine Kleinigkeit schief geht,

zweifle ich gleich am Erfolg der ganzen Sache.“

„Das hat mich umgehauen, ich bin entsetzt und deprimiert.“

Führt im Bewusstseinsprozess: vom Zweifel … zum Vertrauen.

Abschlussbetrachtung

Mit dieser Übersicht hoffe ich, einige wertvolle Hinweise gegeben zu haben, die dazu motivieren sollen, die Bachblütentherapie in der Krebsnachsorge einzusetzen. Natürlich ist jeder Patient ein Individuum. Daher können je nach seiner Bewusstseinsentwicklung im Verlauf der Therapie auch noch andere Bachblüten für ihn wichtig werden. Entscheidend ist letzten Endes die seelische Begleitung der jeweils aktuellen Situation mit den entsprechenden Bachblüten.

Nutzen Sie dieses wunderbare Werkzeug zur Wiedergeburt in ein neues authentisches Leben.

Zur Autorin

Mechthild Scheffer lebt als internationale Fachexpertin der „Original Bachblütentherapie“ in Wien. Sie führte das Werk von Dr. Edward Bach 1981 im deutschen Sprachraum ein, fungierte jahrzehntelang als Repräsentantin des englischen Bach Centre in den deutschsprachigen Ländern, gründete die Institute für Bachblütentherapie Forschung und Lehre in Hamburg, Wien und Zürich. Sie entwickelte das erste Ausbildungsprogramm der Original Bachblütentherapie. Einige ihrer Bücher gelten als Grundlagenwerke der Original Bachblütentherapie und wurden in viele Sprachen übersetzt.

Kontakt und Infos

[email protected]

www.bach-bluetentherapie.com

Weiterführende Literatur

Scheffer Mechthild: Die Original Bachblütentherapie für Einsteiger

Scheffer Mechthild: Das Standardwerk: Die Original Bach-Blütentherapie, Das gesamte theoretische und praktische Bachblüten-Wissen

Scheffer Mechthild: Kartenset, Bachblüten als Wegbegleiter (alle erschienen im Irisiana-Verlag)

Begleitung: Wenn das Leben nach der Krebsdiagnose aus der Bahn gerät

Die bunte Vielfalt der psychoonkologischen Begleitung

Elvira Engelhardt

Gerade sitze ich vor meinem noch leeren Blatt und weiß nicht so recht, wie ich beginnen soll.

Sechs Jahre sind inzwischen vergangen, als Christel und ich uns bei der Ausbildung zur Gesundheitstrainerin für das Bochumer Gesundheitstraining kennenlernten. Ihr erstes Mut-mach-Buch hatte sie auch im Gepäck. Das Werk hat mich so begeistert, dass ich in den von mir geleiteten Selbsthilfegruppen für krebsbetroffene Menschen häufig einen Beitrag daraus vorlese. Die Reaktionen bestätigen, welch wertvolle Arbeit mit diesem Buch und jedem einzelnen Erfahrungsbericht geleistet wurde.

Vor einigen Monaten schrieb mir Christel, dass nun ihr drittes Buchprojekt in Arbeit sei und es doch schön wäre, wenn ich in einem Beitrag über meine psychoonkologische Begleitung der Klinikpatienten berichten würde.

In der onkologischen Praxis, in der ich tätig bin, gab es bis vor gut zwei Jahren ein solches Angebot noch nicht, und wir waren gespannt, wie es sich entwickeln würde. Bereits im ersten Jahr wurde es von den Patienten so gut angenommen, dass es inzwischen erweitert werden konnte.

Wenn ein Patient erstmals zu mir kommt, hat er meist kurz vorher die Diagnose einer Krebserkrankung bekommen. Plötzlich ist sein Leben von einer Sekunde auf die andere völlig aus der Bahn geraten, traumatisch, haltlos. In dieser Phase ist ein Patient häufig verzweifelt, hilflos, wütend, ängstlich, schwankt zwischen Hoffen und Bangen und kann kaum etwas annehmen. Hier wende ich eine Krisenintervention an (zusätzliche Ausbildung siehe Autorin), das heißt, der Patient wird so aufgefangen, wie es für ihn gerade notwendig ist, und dies kann von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein.

Beim zweiten Termin hat der Patient häufig viele Fragen, die sich meist erst nach und nach einstellen. Was den medizinischen Bereich betrifft, verweise ich an den zuständigen Arzt. Wenn der Patient es wünscht, vereinbaren die Arzthelferinnen gleich einen Arzttermin, bei dem der Patient dann seine Fragen beantwortet bekommt. In Bezug auf organisatorische Dinge und vieles andere können die Patienten von mir Rat und Tipps bekommen bzw. verweise ich an entsprechende Stellen.

Von Patient zu Patient kann es dann sehr unterschiedlich weitergehen. Da gibt es zum Beispiel solche, die ich eher zufällig wiedersehe, wobei wir da nur ein paar Worte wechseln. Andere Patienten wiederum, die je nach Rhythmus ihrer Chemotherapie in die Praxis kommen, bitten schon im Voraus um einen Termin, der dann zeitgleich mit dieser Behandlung stattfindet. Oder es werden regelmäßige wöchentliche Termine vom Patienten vereinbart, die dann in separaten Besprechungszimmern stattfinden können. Familienangehörige dürfen ebenfalls dazukommen oder das Angebot auch für sich selbst nutzen.

Bei den regelmäßigen Einzelterminen begleite ich den jeweiligen Patienten ganz individuell und auf ihn abgestimmt. Beispielsweise bringe ich ihm eine Entspannungstechnik bei, die für ihn passt, oder rege ihn dazu an, bei sich vor Ort ein Schnuppertraining zu besuchen, um eine geeignete Entspannungsmöglichkeit zu finden. Wenn der Patient nicht durch die Chemotherapie belastet ist und es wünscht, arbeiten wir auch therapeutisch im Gespräch oder mit einer Imaginationstherapie (mehrjährige Ausbildung in KIP: Katathym-Imaginative Psychotherapie). Die Visualisierungsmethode hat der Arzt und Psychoanalytiker Hans Carl Leuner entwickelt, und sie wurde 1955 als wissenschaftlich fundiertes Verfahren in die Psychotherapie eingeführt.

Innere Entwicklungsprozesse können bewusst gemacht, gefördert und integriert werden. Dies geschieht auf der Ebene der Imagination (Vorstellung), die die innere Situation verdeutlicht, sowie auch auf der Gesprächsebene. Es wird die Tatsache genutzt, dass jeder Mensch bei seinen Gedanken- und Erlebnisprozessen unentwegt seine inneren Bilder als assoziatives Mittel nutzt. Je nach Zustand des Patienten ergänze ich auch abwechselnd mit passenden Phantasiereisen, speziellen Vorstellungsübungen oder einem ganzheitlichen Gesundheitstraining (Bochumer Gesundheitstraining), welches dazu beitragen kann, die Selbstheilungskräfte anzuregen.

Bei der Zusammenarbeit mit Patienten wollen ganz vielfältige Situationen besprochen und bewältigt werden. Hier zwei Praxisbeispiele: