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Kriegserlebnisse an der Ostfront. Durch die Schilderungen im Tagebuch dieses jungen Soldaten wird man mit hinein genommen, wie die deutsche Wehrmacht in die grenzenlosen Weiten Russlands vor stößt. Dabei nicht nur mit dem militärischen Gegner, sondern auch mit Staub, Schlamm, Kälte, Schnee zu kämpfen hat. Man spürt dem Tagebuch ab, wie die anfängliche Begeisterung über den zunächst erfolgreichen Kriegsverlauf bereits wenige Monate später einer Ernüchterung Platz macht. Kameraden, Vorgesetzte kommen von einem Kampfeinsatz nicht mehr zurück. Für den jungen Soldaten kommt das wahre Gesicht des Krieges mehr und mehr zum Vorschein. Er ahnt, dass der "große Führer" die deutsche Wehrmacht für seine wahnwitzigen Eroberungspläne missbraucht und damit entsetzliches Leid über die Menschen in Deutschland, Europa und der ganze Welt hereinbricht. Die fesselnden Aufzeichnungen in dem Tagebuch gehen einem unter die Haut.
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Seitenzahl: 87
Veröffentlichungsjahr: 2019
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„Die Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen, oder der Krieg setzt der Menschheit ein Ende.“
John F. Kennedy
Vorwort
Das Kriegstagebuch von Wilhelm Schweizer
01. Juni 1941
02. Juni 1941
03. Juni 1941
04. Juni 1941
05. Juni 1941
06. Juni 1941
07. Juni 1941
08. Juni 1941
09. Juni 1941
10. Juni 1941
11. Juni 1941
12. Juni 1941
15. Juni 1941
19. Juni 1941
20. Juni 1941
21. Juni 1941
22. Juni 1941
23. Juni 1941
24. Juni 1941
25. Juni 1941
26. Juni 1941
27. Juni 1941
28. Juni 1941
29. Juni 1941
30. Juni 1941
1. Juli 1941
2. Juli 1941
3. Juli 1941
4. Juli 1941
5. Juli 1941
6. Juli 1941
7. Juli 1941
8. Juli 1941
9. Juli 1941
10. Juli 1941
11. Juli 1941
12. Juli 1941
13. Juli 1941
14. Juli 1941
15. Juli 1941
16. Juli 1941
17. Juli 1941
18. Juli 1941
19. Juli 1941
20. Juli 1941
21. Juli 1941
22. Juli 1941
23. Juli 1941
24. Juli 1941
25. Juli 1941
26. Juli 1941
27. Juli 1941
29. Juli 1941
30. Juli 1941
31. Juli 1941
01. - 04. August 1941
05. August 1941
06. August 1941
07. August 1941
08. August 1941
09. August 1941
10. August 1941
11. August 1941
12. August 1941
13. August 1941
14. August - 11. September 1941
12. September 1941
13. September 1941
14. September 1941
15. September 1941
16. September 1941
17. September 1941
18. September 1941
19. September 1941
20. September 1941
21. September 1941
22. - 27. September 1941
28. September 1941
29. September 1941
30. September 1941
1. Oktober 1941
2. Oktober 1941
3. Oktober 1941
4. Oktober 1941
5. Oktober 1941
6. Oktober 1941
7. Oktober 1941
8. Oktober 1941
9. Oktober 1941
10. Oktober 1941
11. Oktober - 14. November 1941
15. November 1941
16. November 1941
17. November 1941
18. November 1941
19. November - 11. Dezember 1941
12. Dezember 1941
13. Dezember 1941
14. Dezember 1941
15. Dezember 1941
16. Dezember 1941
17. Dezember 1941
18. Dezember 1941
19. Dezember 1941
20. - 24. Dezember 1941
25. Dezember 1941
26. Dezember 1941
27. Dezember 1941
31. Dezember 1941
1. Januar 1942
2. Januar 1942
3. Januar 1942
4. Januar 1942
5. Januar 1942
6. Januar 1942
7. - 10. Januar 1942
11. Januar 1942
12. Januar 1942
13. Januar 1942
14. + 15. Januar 1942
16. Januar 1942
17. Januar 1942
18. Januar 1942
19. Januar 1942
20. Januar 1942
21. + 22. Januar 1942
23. Januar 1942
24. Januar 1942
25. Januar 1942
26. Januar - 4. Februar 1942
5. Februar 1942
Anhang
Im Kriege mitgemachte Gefechte und Schlachten
Verwundungen und ernsthafte Krankheiten
Wilhelm Schweizer wurde am 10. September 1918 als 5tes Kind von Katharina und Karl Schweizer in Filderstadt-Harthausen geboren. Er erlernte den Beruf eines Schriftsetzers. Eines seiner Hobbies war fotografieren. Ab 28. August 1939 war er im Arbeitsdienst im Operationsgebiet Ausbau West eingesetzt. Sein aktiver Wehrdienst begann am 6. März 1940.
Vereidigung vor der Barabarakirche in Kuttenberg
Ab Mitte 1940 dann beim Stab/Nachrichtenzentrale (NZ) als Funker eingesetzt an der Ostfront. Laut seinem Wehrpass ausgezeichnet mit dem EK II (Eisernes Kreuz II Klasse), der Ostmedaille, am 31.03.1942 zum Obergefreiten und am 1. Juni1943 zum Unteroffizier befördert. Nach dem Eintrag meiner Großmutter in ihrer Bibel ist Wilhelm am 23. Juli 1943 auf dem Rückmarsch bei OREL gefallen.
In dem Gebiet um OREL hat vom 4. - 13. Juli 1943 die entscheidende Panzerschlacht des Russlandfeldzuges stattgefunden. Zeitweise waren allein auf deutscher Seite bis zu 1000 Panzer im Einsatz. Dennoch gelang der geplante Durchbruch Richtung Kursk nicht. Der Vormarsch der deutschen Armee wurde durch heftige Gegenangriffe der roten Armee zum Stillstand gebracht, die deutschen Truppen in die Defensive gedrängt und im weiteren Verlauf von den zahlenmäßig stärkeren Truppen der roten Armee zum Rückzug gezwungen. Wilhelms Kriegskamerad Wellhöfer hat bei einem Heimaturlaub davon berichtet und dass ein Volltreffer auf den Unterstand, in dem Wilhelm sich aufgehalten hat, seinem Leben ein Ende gesetzt hat.
Der bereits geplante Hochzeitsurlaub nahm so ein tragisches Ende. Wilhelm kam nicht, wie erwartet, mit dem Soldatenzug in Heilbronn an und seine beiden Schwestern Anna und Hilde, die ihn abholen wollten, mussten unverrichteter Dinge nach Hause zurückkehren. Wenige Tage später wurde es dann zur traurigen Gewissheit, dass Wilhelm gefallen war, als die offizielle Todesnachricht zuhause eintraf. Dies war für die Eltern Katharina und Karl Schweizer bereits der zweite schmerzhafte Verlust, der zweite Sohn den sie, wie es damals hieß, im „Kampf für Volk und Vaterland“ verloren hatten. Wilhelms Bruder Hermann war bereits am 10. Dezember 1942 gefallen und auf dem Heldenfriedhof in RYTSCHOV beigesetzt.
Wilhelm mit seiner Braut
Wilhelm Schweizer
Wilhelms Braut, Paula Buck aus Mönchberg, traf die Todesnachricht zutiefst ins Herz. Sie hatte sich so darauf gefreut, mit ihrem Wilhelm Hochzeit zu feiern. Alles war vorbereitet. Die Wohnung eingerichtet. Das Brautkleid genäht. Diese schreckliche Nachricht, der Verlust, der Tod ihres geliebten Wilhelm hat das Leben dieser fröhlichen, blühenden jungen Frau so verändert, dass sie über Nacht graue Haare bekam. Auch später hat sie nie mehr geheiratet. Als sie viele Jahre nach diesem tragischen Erleben einmal gefragt wurde, wieso sie nicht mehr geheiratet habe, antwortete sie - und diese Worte sind mir bis heute in Erinnerung - „Möglichkeiten gab es schon, aber es war kein Wilhelm dabei!“
Dieses Tagebuch ist als ein Zeitzeugnis eines jungen Soldaten zu sehen, der, in Erfüllung seiner Pflicht für das Vaterland, uns teilhaben lässt an seinem Erleben. Wir werden mit hineingenommen, wie die deutsche Wehrmacht in die grenzenlosen Weiten Russlands vorstößt und dort nicht nur mit dem militärischen Gegner, sondern auch mit äußerst widrigen Wettersituationen (Schlamm, Kälte, Schnee, usw.) zu kämpfen hat.
Man spürt dem Tagebuch an, dass die anfängliche Begeisterung und die Freude über den zunächst erfolgreichen Kriegsverlauf bereits wenige Monate später einer Ernüchterung Platz macht, als für die jungen Soldaten das wahre Gesicht des Krieges mehr und mehr zum Vorschein kommt und sie wohl ahnen, es aber nicht sagen können, dass der große „Führer“ die deutsche Wehrmacht für seine wahnwitzigen Eroberungspläne missbraucht und damit entsetzliches Leid über die Menschen in Deutschland, Europa und der ganzen Welt hereinbricht.
Möchte dieses Vorwort nicht abschließen ohne Dank zu sagen an meine Mutter Anna Welsch, geb. Schweizer, meinen Onkel Alfred Schweizer und meine Patentante Hilde Schweizer, die das in Sütterlinschrift geschriebene Tagebuch handschriftlich, in lateinische Schreibweise übertragen haben.
24. August 2019 Horst Welsch
Pfingsten 1941. Schon um 7 Uhr ruft der U. v. D. (Unteroffizier vom Dienst) mit lautem Organ: Aufstehen! Das ist uns am heiligen Pfingstfeiertag doch etwas zu früh. Aber es hilft nichts, denn Langschläfer müssen die Unteroffizierstube sauber machen. Also raus, gewaschen und Kaffee getrunken. Um 8 Uhr erinnert uns der U. v. D., daß wir unsere Waffen reinigen sollen. Das gefällt uns auch nicht so ganz - aber Befehl ist Befehl. Zwei Stunden lang Waffen reinigen am schönen Pfingstmorgen!
Der restliche Morgen wird dann noch ausgefüllt mit Briefe schreiben. Der Koch hat sich für diesen Tag ganz besonders angestrengt: Es gibt einen richtigen Festtagsbraten, dazu Kartoffeln, grüne Bohnen, grünen Salat und zum Nachtisch noch Pudding mit Himbeersoße – oh, wie das schmeckt.
Pfingsten 1941 muß ich also in einem kleinen Dorf in Polen, in KSIAZ WIELKI verbringen. Aber in zwei Jahren fern von der Heimat habe ich gelernt, schöne Sonn- und Feiertage alleine oder mit den Kameraden zu feiern. Zu zweit gehen wir hinaus auf einen Hügel, wo kein Mensch hinkommt, ziehen unsere dicken Soldatenkleider aus und lassen uns von der warmen Frühlingssonne bräunen. Oh wie schön ist es doch, so ganz abseits mit sich selber allein zu sein. Da denke ich an mein liebes Mädel in der Heimat, an die Pfingsttage 1939 und 1940, an mein liebes Mütterlein, das sich so viel Sorgen macht um uns, an meinen Vater, an meine beiden kleineren Geschwister und an meine Brüder, die auch irgendwo in der Welt draußen stehen und Pfingsten genau so feiern wie ich. Nach einigen Stunden Sonnenbad brachen wir auf, gehen noch zum Teich und plätschern im köstlichen Nass. Bald darauf geht es heim, denn um 19 Uhr steigt ein Fußballspiel Stab NZ (Nachrichten-Zentrale) gegen die 2. Kompanie. Also wir stärken uns und hinauf geht´s in den Schloßgarten von KIAZ WIELKI, wo wir die tapfere Mannschaft vom Stab NZ anfeuern. Aber auch die andere Mannschaft hält sich tapfer und nach hartem Kampf gewinnt schließlich die 2. Kompanie mit 2 : 3! Abends gibt´s natürlich Bier. Unsere Stube wurde manchmal zu einer kleinen Wirtschaft. Auch nach diesem heißen Tag ist viel Betrieb. So gegen 23.30 Uhr, als das Faß leer war, geht´s ins Bett.
Am Pfingstmontag geht´s wieder um 7 Uhr aus den Federn. Um 8 Uhr müssen wir draußen auf dem Flur unsere Waffen zur Durchsicht auflegen. Und dann geht`s aber gleich hinaus an den Teich. Ein Bad wird genommen, dann in die Sonne gelegt. Schließlich treibt mich der Hunger heim. Und auch heute hat sich der Koch angestrengt, es gibt Rhabarber. Wie gut das ist! Wie selten kommt uns Soldaten ein solcher Leckerbissen zugute. Nach dem Essen geht es wieder hinaus an´s Wasser, denn wer weiß wie lange wir so was noch haben. Erst als es kühl wird ziehen wir uns an und gehen nach Hause. Nun sind die Pfingstfeiertage vorbei und sie waren sehr schön.
Es ist verlautet, daß unsere Tage in KSIAZ WIELKI gezählt sind. Dienstplan für heute: Fertigmachen der Fahrzeuge. Ich mache in dem Kleinfunkwagen dem ich zugeteilt bin, was da zu tun ist. Um 16 Uhr ist „Offiziersuntericht“ angesetzt.
