Kroatische Märchen -  - E-Book

Kroatische Märchen E-Book

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Beschreibung

Die Historie der Kroaten, die auf verschiedene Staaten verteilt und den Wechselfällen zahlreicher Kriege ausgesetzt waren, erschwerte zwar die Aufzeichnung von Volksmärchen, gleichzeitig entsprangen aus den panonischen, dinarischen und mediterranen Einflüssen aber besonders facettenreiche Märchen von Hexen, Tieren, und dem Teufel, von Königen, Soldaten sowie Müttern und Töchtern. Die schönsten 60 sind in diesem Band versammelt.

Die Diederichs-Reihe »Märchen der Weltliteratur« ist die umfassendste Sammlung ursprünglicher Erzählliteratur aller Völker und Zeiten. Sie versammelt das Schönste, was sich die Menschen je erzählt haben: Mythen und Legenden, Göttersagen und Dämonengeschichten, Feen- und Zaubermärchen, gewitzte Tierfabeln und herrliche Schwänke. Wer die Eigenart anderer Völker verstehen will, wird hier Wege abseits des Mainstreams finden. Eine moderne Märchenbibliothek für eBook-Leser.

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Seitenzahl: 412

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Inhaltsverzeichnis

1. Das Ferkel Bilka2. Der Grafensohn träumte, daß ihm sein Vater Wasser zum Waschen gab3. Šingala – Mingala4. Aschenbrödel – Aschentrödel5. Ćoso auf dem Hasen6. Der Teufel und sein Schüler7. Wie ein Armer gerechte Gevattern suchte8. Smrtko9. Die Hundsköpfe10. Das Kind und die Hexe11. Weiß, so weiß wie Schnee und rot wie Blut12. Der Schlangenbräutigam13. Er bezahlte die Schulden des Toten14. Der Vielfraß15. Von der Königstochter, die nicht lachen wollte16. Seit wann der Kater Mäuse frißt17. Die Vilen weiden ihre Pferde in der Hirse18. Aschenbrödel19. Wie der Schmied Koren alle Teufel erschreckte20. Der Fleischer und der Schuster21. Mit Gottes Hilfe, alles in den Sack22. Eine Rinde Brot23. Der Beg und das Kind24. Wie ein Armer sein Glück fand25. Stiefmutter und Stieftochter26. Das Mädchen ohne Hände27. Gott hat mich erschaffen, ein Mann hat mich geboren28. Von dem Grafen und seiner bösen Mutter29. Die zwölf Brüder und die Schwester30. Die drei Glücksäpfel31. Die treulose Mutter32. Der Graf und das Mädchen33. Pfefferaga34. Gespräch mit hohlen Dingen35. Der Diener des Pfarrers hält Wache am Grab36. Wie die Grafentochter die Soldaten auffraß37. Der Musikant und der Geist38. Gott und die drei Brüder39. Der Soldat, Gott und der heilige Petrus40. Der Gastwirt, der in einen Esel verwandelt wurde41. Die kleinen Brüder in Dubrovnik42. Miho Pracat43. Der Schäfer und die Fragen Napoleons44. Zar Trojan hat Ziegenohren, eine Schweineschnauze und einen Hundeschwanz45. Sterner mit einem Auge mitten auf der Stirn46. Der Räuber als Freier47. Der Arme vor Gericht48. Der Soldat und der Zar49. Der Diener zahlt seinem Herrn den Lohn50. Fünf Münzen51. Der Dieb52. Ich habe den Hammel nicht gestohlen53. Lüge ohne Wahrheit54. Die Mutter übergab ihre Tochter dem Teufel55. Der Teufel und die Tante56. Das Weib und der Teufel in der Höhle57. Wie der Soldat den Teufel rasierte58. Der Mann, der Hase, der Fuchs und der Bär59. Der Hahn und die Henne60. Der Fuchs und der Kater61. Der Kater und seine Gesellen62. Die Erzählung vom Wolf und vom Fuchs63. Das WidderchenCopyright

1. Das Ferkel Bilka

Es waren einmal ein alter Mann und eine alte Frau, die waren ungefähr fünfzig Jahre alt. Eines Tages sagt die Alte zu ihrem Mann: »Was sollen wir beide machen, Alter, wir sind alt geworden. Gebe Gott, daß ich wenigstens ein Ferkel werfe und zur Welt bringe, damit wir eigene Nachkommen haben.«

Eines Tages stand der Alte auf und ging zu der Alten, die in einem anderen Zimmer schlief; da hört er dort ein Ferkel quieken.

»Alte, Alte, was ist das da bei dir?«

»O weh, Alter, ich habe ein Ferkel geboren.«

Und sie fütterten das Ferkel im Zimmer und hielten es bei sich im Hause.

Da sagt die Alte zu dem Alten: »Alter, weißt du, was ich mir gedacht habe? Unser Nachbar, der Bursche Jozo, hütet Schweine; wie wäre es, wenn wir ihm auch unser Ferkel zum Hüten geben und ihm etwas dafür bezahlen würden.«

Der Alte ging zu dem Nachbarn und sagte: »Gelobt sei Jesus Christus, Nachbar, ich bin zu euch gekommen, um zu fragen, ob euer Jozo nicht auch unser Ferkel hüten könnte?«

»Nun, wenn er es will, ich verbiete es ihm nicht. Hör mal, Jozo, willst du das Ferkel des Nachbarn hüten?«

»Ja«, sagt er, »aber wird es denn mit unseren Schweinen mitgehen?«

Da kommt auch die Alte.

»Jozo, mein Söhnchen, ich gebe dir ein Stückchen Brot und komme am ersten Tag mit dir, und du gibst dann dem Ferkel immer ein kleines Stückchen Brot, damit es sich daran gewöhnt, mit dir zu gehen.«

So hütete der Bursche das Ferkel einige Jahre, und es wurde ein großes Schwein. Aber dieses Schwein mischte sich nie unter die anderen Schweine und suhlte sich nie mit ihnen zusammen. Es trank Wasser aus dem Trog und suchte sich dann ein abgesondertes Gebüsch, um dort allein zu schlafen. Der Schweinehirt aber hatte sein Lager zwischen den übrigen Schweinen und diesem; dort ruhte er sich immer über Mittag aus. Das Schwein der Alten hieß Bilka. Gewöhnlich hatte der Schweinehirt, wenn er schlief, sein Gesicht Bilka zugewandt.

Eines Tages, als er ausgeschlafen hat, öffnet er die Augen und sieht in dem Gebüsch – ein Mädchen; das hat goldene Haare und kämmt sich mit einem goldenen Kamm. Er hebt die rechte Hand, um sich die Augen zu reiben und zu sehen, ob ihn seine Augen nicht täuschen. Aber kaum bewegte er seine Hand, da verschwindet das Mädchen. Er stürzt zu dem Gebüsch, um zu sehen, ob er geträumt hat, oder ob es Wirklichkeit ist, was er gesehen hat. Als er aber zu dem Gebüsch kam, grunzte Bilka ihn an wie eine Sau. Er erzählte niemandem etwas von dem, was er gesehen hatte, denn er wußte nicht, ob er es geträumt oder wirklich gesehen hatte. Am nächsten Tag kommt er wieder mit den Schweinen auf den Weideplatz, geht am Mittag zu seinem Lager und legt sich an derselben Stelle nieder, wo er auch tags zuvor gelegen hat; er wendet sich zu Bilka hin und tut so, als ob er schlafe, und schnarcht etwas – wie diese Alte hier –. Durch die Wimpern aber schaute er zu Bilka hinüber und sah, wie sich das Mädchen mit dem goldenen Haar mit einem goldenen Kamm kämmte, wie beim ersten Mal. Aber er wollte niemandem erzählen, was er bei Bilka gesehen hatte.

Eines Tages sagt die Mutter zu ihrem Sohn: »Jozo, mein Söhnchen, ich bin alt und kann nicht mehr arbeiten; du sollst jetzt heiraten, damit wir Hilfe im Hause haben. Ich habe schon ein Mädchen für dich gefunden.«

»Welches denn, Mama?«

»Die Reiche da«, sagt sie, »Škiljas Tochter Mara.«

»Die will ich nicht, Mama, ich werde schon heiraten, aber wen ich nehme, das werde ich bestimmen; sonst will ich überhaupt nicht heiraten. Ich will die Bilka der Alten heiraten.«

»Geh, Söhnchen, bist du verrückt geworden, eine Sau zu heiraten?«

»Eine andere aber will ich nicht, Mutter.«

Am nächsten Tag drängt die Mutter ihren Sohn wieder zu heiraten; er aber will keine andere als die Bilka der Alten. Was soll die Mutter da machen? Sie geht zum Pfarrer, um sich bei ihm zu beklagen, daß ihr Sohn keine andere zur Frau nehmen wolle als die Sau Bilka von ihrer Nachbarin, der alten Frau. Als der Pfarrer die Messe beendet hat, kommt er zu ihnen nach Hause und will hören, was er sich da ausgedacht hat. Der Pfarrer fragt: »Wie hast du dir das gedacht, eine Sau zu heiraten; die ist doch nicht getauft.«

Er aber antwortet: »Laß nur, eine andere will ich nicht.«

»Was sollen wir da machen, Alte, wenn es so ist, muß ich es dem Bischof melden, der Bischof dem Erzbischof, der Erzbischof dem Heiligen Stuhl, und wir werden sehen, was man dort entscheidet.«

Als der Pfarrer nach einiger Zeit vom Heiligen Stuhl Bescheid erhielt, ging er in Jozos Haus und sagte zu seinem Vater und zu seiner Mutter: »Wenn er keine andere will, soll er mit der Sau zum Aufgebot kommen.«

Es wurde Sonnabend; da ging Jozo zu der Alten, und er sagte: »Großmutter, ich habe die Sau liebgewonnen und um sie gefreit; heute gehe ich mit ihr zum Aufgebot.«

»Alles Gute, mein Söhnchen.«

Als er am Nachmittag wegen des Aufgebots zum Pfarrer ging, sprach sich das im Dorf herum; die alten Weiber erzählen sich, daß der Pfarrer eine Sau zum Aufgebot eintragen will.

Als sie zum Pfarrer kamen, sagten sie: »Gelobt sei Jesus Christus, Hochwürden.«

»In Ewigkeit, Söhnchen Jozo; du kommst also mit der Sau zu mir zum Aufgebot!«

»Ja, Hochwürden, eine andere will ich nicht heiraten.«

Der Pfarrer trug sein Geburtsjahr ein und fragte, wann sie, die Sau, geboren wurde: »Weißt du, Jozo, wann sie geworfen wurde?«

»Ich weiß es, Herr!«

Als er das Jahr, in dem sie geworfen worden war, eingetragen hat, fragt er die Sau: »Bilka, weißt du, daß du in diesem Jahre geworfen worden bist?«

Sie aber antwortet ihm: »Hrr, hrr, hrr!« – dreimal.

Und sie gehen vom Pfarrer fort und nach Hause. Nach drei Wochen versammelten sich bei Jozo die Hochzeitsgäste. Das ganze Dorf war zur Hochzeit eingeladen, und auch die Verwandtschaft war gekommen. Die Leute aus dem Dorf aber kamen aus Neugier, um zu sehen, wie man die Sau und Jozo trauen würde. Es kam der Tag der Trauung, und die Hochzeitsgäste versammelten sich vor dem Frühstück, um den Trauzeugen und den Hochzeitsältesten abzuholen. Die Hochzeitsfrauen stellten das Frühstück auf den Tisch. Nachdem die Hochzeitsgäste gefrühstückt hatten, sagte der Trauzeuge zu dem Brautführer: »Komm, Brautführer, leg das Handtuch um den Hals und laß uns zu der alten Frau in den Schweinestall gehen und die Braut abholen. Und ihr Musikanten, spielt lustig auf, auch wenn die Braut eine Sau ist!«

Die Hochzeitsgäste kommen zu der Alten, die sich wie eine junge Braut gekleidet hat, und auch der Alte ist festlich angezogen. Fröhlich empfingen die Alte und der Alte ihren Schwiegersohn. Der Trauzeuge sagt zum Alten und zur Alten: »Laßt uns sofort die Braut holen, gleich ist Mittag, sie soll noch vorher getraut werden.«

Da gehen die Hochzeitsgäste alle zum Schweinestall. Bilka hat ihren eigenen Stall und ist so sauber, als hätte sie sich mit Seife gewaschen. Als die Hochzeitsgäste kamen, trat der Brautführer als erster in den Verschlag.

»Komm her, junge Braut, hier ist das Tuch.«

Er steckt ihr das Tuch in den Mund, und sie packt es mit den Zähnen und geht neben ihm her zur Trauung in die Kirche. Der Pfarrer trat vor den Altar und empfing die Hochzeitsgäste. Er sagt: »Kniet nieder, Brautleute.«

Der Bursche kniet nieder, die Sau aber setzt sich auf den Hintern. Der Pfarrer fragt ihn, ob er die Braut liebe, und erzählt ihm alles, wie es der Hochzeitsbrauch verlangt, und der Bursche antwortet auf alles. Als er die Sau fragte, ob sie den Bräutigam liebe, macht sie: »Hrr, hrr, hrr!«

Und was er auch fragt, auf alles antwortet sie so dreimal. Dann nimmt der Pfarrer die Ringe und steckt ihm den seinen an die rechte Hand; ihr aber kann er den Ring nicht auf die Klaue stecken; da streckt sie die Zunge heraus, und er steckt ihr den Ring auf die Zunge. Als sie getraut waren, gingen sie von der Kirche geradewegs nach Hause. Die Hochzeitsfrauen hatten sie schon erwartet und stellten das Essen auf den Tisch. Da sagt der Trauzeuge: »Brautführer, setz du dich zwei Stühle weiter von mir, zwischen uns aber soll die Braut Bilka sitzen.«

Und zu den Hochzeitsgästen sagt er: »Niemand darf sich etwas vom Essen nehmen, bevor ich nicht der jungen Braut etwas gegeben habe.«

Er nahm von der ersten Speise und sagt: »Hochzeitsgäste, nehmt nichts, bevor das Essen der Braut nicht abgekühlt ist. Trinkt etwas und singt.«

Als sich das Essen der Braut abgekühlt hatte, sagt der Trauzeuge : »Nehmt jetzt auch ihr alle, Hochzeitsgäste, jetzt können auch wir essen.«

Und zu der Braut sagt er: »Nun iß, junge Braut.«

Da sagt der Hochzeitsälteste: »Trauzeuge, wir alle trinken Schnaps, vielleicht möchte auch die Braut etwas trinken.«

Der Trauzeuge nimmt ein Glas und eine Flasche mit Schnaps und füllt das Glas voll.

»Braut, mach den Mund auf, dann werde ich dir Schnaps geben.«

Die Braut macht den Mund auf, und der Trauzeuge schüttet ein Glas Schnaps in Bilkas Schnauze.

»Braut Bilka, möchtest du noch ein Glas Schnaps?«

Sie aber klappert immer nur mit den Zähnen, bewegt die Ohren hin und her und schlägt sie sich vor die Augen zum Zeichen, daß sie keinen Schnaps mehr trinken will. Nachdem man zu Abend gegessen hatte, vergnügten sich die Hochzeitsgäste bis Mitternacht. Da sagt der Trauzeuge zu den Hochzeitsgästen: »Jetzt haben die Brautleute genug Hochzeit gefeiert; sie müssen schlafen gehen; es ist schon Mitternacht.«

Die Hochzeitsgäste begleiten die Brautleute in das Zimmerchen, wo sie schlafen sollen, und gehen dann wieder hinaus und vergnügen sich weiter.

Als es ungefähr vier Uhr morgens geworden war, wurde es sehr kalt. Die Mutter des Bräutigams denkt, daß es den Kindern kalt sei, und geht, den Ofen anzuheizen. Sie tritt in das Zimmer des Bräutigams, um nachzusehen, ob es im Zimmer noch etwas warm sei. Da erblickt sie auf der Bank neben dem Bett eine Schweinehaut. Sie nimmt die Haut, trägt sie hinaus und wirft sie in den Ofen; denn man heizte den Ofen von der Küche aus. Als die Haut anfing zu brennen, stank das ganze Haus. Die Hochzeitsgäste schreien: »Der Speck brennt, das Fett brennt!«

Da sagt die Mutter des Bräutigams: »Fürchtet euch nicht; es brennt nichts. Ich habe nur etwas Haut in den Ofen geworfen.«

Sie geht zum Ofen, um nachzusehen, ob die Haut verbrannt ist, als sie im Zimmer Geschrei hört. Sie geht hinein.

»Was ist, Kinder, was ist?«

»Mutter, du hast mein Kleid verbrannt!«

Die Braut hat sich ganz in das Bettuch gewickelt, damit die Mutter sie nicht sehe, denn sie ist völlig nackt, wie eben geboren.

Da bringt die Mutter der Braut Kleider.

Als die Braut zu den Hochzeitsgästen ins Zimmer trat, fielen alle auf die Knie und sprachen das Morgengebet, denn sie glaubten, die Muttergottes zu sehen und nicht jene Braut, die die Sau Bilka gewesen war.

Als der Glöckner am Morgen um vier Uhr die Glocke läutete, ging einer von den Hochzeitsgästen nach Hause.

»Bist du, Gevatter, einer der Hochzeitsgäste?« fragt ihn der Glöckner.

»Ja, Glöckner, ich bin einer von ihnen. Oh, wenn der Pfarrer die Braut sehen würde! So eine gibt es in unserem Königreich nicht noch einmal!«

Als der Pfarrer vom Glöckner hörte, was aus der Braut geworden war, machte er sich schnell fertig und lief zu den Hochzeitsgästen. Als er aber die Braut erblickte, konnte er sich nicht mehr von der Stelle rühren. Es wurde sechs Uhr und Zeit für ihn, die Messe zu lesen, aber er kann sich noch immer nicht von der Stelle rühren, sitzt nur da und schaut auf die Braut. Und alle Hochzeitsgäste, die gehen konnten, gingen weg.

Und der Pfarrer gab ihnen später den Segen, und damit ist die Geschichte aus.

Auch ich war auf der Hochzeit dort, habe gegessen und getrunken, und wieder läuft mir jetzt das Wasser im Munde zusammen.

2. Der Grafensohn träumte, daß ihm sein Vater Wasser zum Waschen gab

Es war einmal ein Graf, der hatte drei Söhne. Einmal sagte er zu ihnen: »Geht jetzt schlafen, meine Söhne, und erzählt mir morgen, was ein jeder von euch geträumt hat.«

Als sie am nächsten Tag aufwachten, erzählten sie dem Vater der Reihe nach, was sie geträumt hatten. Der Älteste sagte: »Mir träumte, daß ich Weizen gewogen habe.«

Der Mittlere sagte: »Mir träumte, daß ich Geld gezählt habe.« Und der Jüngste sagte: »Mir träumte, daß Ihr mir Wasser über die Hände gegossen habt, und daß ich mich damit gewaschen habe.« Der alte Graf fürchtete sich vor diesem dritten Traum. Deshalb rief er einen Diener herbei, der den jüngsten Sohn in den Wald führen sollte. Er gab ihm noch ein seidenes Tuch und sagte zu ihm: »Hier hast du ein seidenes Tuch, zerschneide es in zwei Hälften; mit der einen Hälfte verbinde meinem Sohn die Augen und schneide ihm dann die Zunge ab; und in der anderen Hälfte bring mir seine Zunge her!«

Der Diener ging mit dem jüngsten Grafensohn in den Wald. Er hatte ein Hündchen bei sich, und diesem Hündchen schnitt er die Zunge ab, den Grafensohn aber ließ er gesund davongehen ; und dem Grafen brachte er die Zunge dieses Hündchens in einer Hälfte des Tuches. Der Grafensohn ging weiter durch den Wald und fand einen Teufel, der dort schlief. Der Teufel war schön gekleidet wie ein Herr, und der Grafensohn glaubte auch, daß er ein Herr sei. Er weckt ihn und sagt zu ihm: »Herr, Herr, wie könnt ihr nur hier im Walde einschlafen? Hier kann doch leicht ein Wolf kommen!«

Der Teufel wachte auf und war dem Burschen sehr dankbar, daß er ihn geweckt hatte, und er fragt ihn: »Was möchtest du dafür haben, daß du mich geweckt und vor Bösem bewahrt hast?« Der Bursche antwortet: »Was schon? Nichts? Was könnt ihr mir schon geben?«

Darauf sagt der Teufel zu ihm: »Was ich dir geben kann? Ich kann dir alles geben, was du dir nur wünschst!«

Da sagt der Bursche zu ihm: »Wenn es so ist, Herr, dann möchte ich gern ein Gewehr und eine Geige haben, und zwar ein Gewehr, das alles tötet, auf was ich schieße; und eine Geige, nach der alles tanzt, wenn ich darauf spiele: jedes Geschöpf und Busch und Strauch!«

Der Teufel gab ihm ein solches Gewehr und eine solche Geige. Und so gingen die beiden auseinander.

Der Bursche ging weiter seines Weges und begegnete einem Pfarrer. Der Pfarrer fragt ihn: »Wohin gehst du mit dem Gewehr?«

Er antwortet ihm: »Ich gehe auf die Jagd!«

Da sagt der Pfarrer zu ihm: »Was willst du denn fangen?«

Und der Bursche antwortet ihm: »Na, vielleicht irgendeinen Hasen oder einen Vogel!«

Darauf sagt der Pfarrer wieder zu ihm: »Ha, was du auch tötest, das werde ich nackt aus dem Dorngesträuch holen.«

Und da war auch gerade in der Nähe ein Dornbusch voller Spatzen, und der Bursche schoß auf die Spatzen, und es fielen alle bis auf den letzten tot in den Dornbusch hinein. Da mußte der Pfarrer nackt die Spatzen herausholen. Er ging in den Dornbusch hinein, der Bursche aber begann auf der Geige zu spielen, und der Pfarrer nackt im Dornbusch zu tanzen. Der Bursche geigte und geigte und ließ den Pfarrer solange im Dornbusch tanzen, bis er im Dornbusch tanzend starb.

Darauf ging der Bursche mit seinem Gewehr und seiner Geige weiter und ging und ging durch einen großen Wald, bis er schließlich ein Haus fand. Dieses Haus gehörte einem Elfenkönig. Der Bursche trat sofort ein. In dem Haus aber saß der alte Elfenkönig und trank Milch. Der Elfenkönig war blind; der Bursche merkte das, setzte sich zu ihm und trank mit ihm Milch. Der Alte trank den Topf Milch aus und war noch nicht einmal halb satt; da sprach er bei sich: »Ach, mein Gott, wie kommt es, daß ich heute nicht einmal halb satt geworden bin, ich habe doch einen ganzen Topf voll Milch getrunken. An den anderen Tagen hatte ich immer genug und mehr als genug, wenn ich einen ganzen Topf voll Milch getrunken hatte.«

Darauf nimmt der Elfenkönig noch einen Topf Milch und trinkt langsam aus diesem zweiten Topf, der Bursche aber hilft ihm dabei. Als sie auch diesen Topf ausgetrunken haben, sagt der Alte wieder: »Ach, Gott, mein Gott, was ist das heute nur? Ich habe schon zwei Töpfe Milch getrunken und bin noch immer nicht satt!« Darauf meldete sich der Bursche: »Alter, was wundert ihr euch so sehr? Ich sitze hier neben euch und trinke mit euch Milch.« Da sagt der Elfenkönig zornig: »Was bist du denn für einer, daß du es wagst, in mein Haus zu kommen und mit mir Milch zu trinken?« Da erzählte ihm der Bursche alles, was er erlebt hatte; daß er ein Grafensohn sei und wie ihn der Vater vernichten wollte, und wie er durch die Welt gezogen und zu ihm gekommen sei. Der Alte beruhigte sich ein wenig und holte noch einen halben Topf Milch; den tranken sie beide zusammen aus, und schließlich fragte der Alte den Burschen: »Söhnchen, willst du bei mir dienen und meine Schafe auf die Weide treiben? Treibe sie überall hin, nur nicht ins gläserne Gebirge!«

Darauf antwortet er ihm: »Warum sollte ich nicht dienen? Warum sollte ich nutzlos durch die Welt streifen, ich will mir lieber einen Kreuzer verdienen! Aber warum sollte ich die Schafe nicht auch ins gläserne Gebirge treiben und dort weiden lassen?«

Er sagt zu ihm: »Dort sind die Vilen, Söhnchen, die mir meine Augen genommen haben, und sie würden sie auch dir nehmen!«

Der Alte wußte nicht, was der Bursche bei sich hatte, und er erlaubte ihm auf keinen Fall, die Schafe dorthin zu treiben; er hatte immer große Angst, daß er dorthin gehen würde.

Einmal trieb der Bursche die Schafe doch ins gläserne Gebirge zur Weide. Da kommen die Vilen zu ihm, um ihm die Augen zu nehmen; der Bursche aber begann auf seiner Geige zu spielen, und die Vilen begannen zu tanzen und tanzten so sehr, daß sie zur Erde fielen und schließlich anfingen zu schreien: »Hör auf, Bursche, hör auf zu geigen, wir werden dir deine Augen nicht nehmen!« Darauf sagte er zu ihnen: »Ich werde nicht eher aufhören, bis ihr mir versprochen habt, mir die Augen des Alten zu geben!« Das versprachen sie ihm, und er hörte auf zu geigen. Darauf gingen sie, die Augen des Alten zu suchen. Sie hatten drei Laken voller Augen, und sie wühlten in diesen Augen herum, und in dem dritten Laken fanden sie ganz unten die Augen des Alten. Und so gaben sie Ihm die Augen und wiesen ihn noch an, jedes Auge zuerst in ein Glas zu legen und anzufeuchten; dann solle sich der Alte die Augen hineindrücken, und sie würden ihm so passen wie zuvor, und er würde auch sehen wie zuvor.

Und so ging der Bursche mit den Augen nach Hause, und als er nach Hause kam, gab er sie dem Alten und sagte ihm, er solle sie zuerst in einem Glas anfeuchten und dann an ihre Stelle setzen. Das alles tat der Alte und setzte sie an ihre Stelle, und sie paßten ihm wie zuvor, und er konnte auch wieder sehen wie zuvor, und er sagte zu dem Burschen: »Ich gehe in die Messe, Söhnchen, weil ich wieder sehen kann, du aber bleibe zu Hause!«

Nachdem der Alte weggegangen ist, denkt der Bursche bei sich und sagt: »Lieber Gott, ich bin schon überall gewesen, nur in jenem Stall war ich noch nicht, weiß Gott, was darin ist?« Da spricht zu ihm von drinnen das Elfenpferd: »Hier unter der Schwelle wirst du einen Schlüssel finden, öffne damit die Tür und du wirst sehen, was in dem Stall ist!«

Und er fand den Schlüssel, öffnete die Tür und sah das Pferd. Das war ein wunderschönes Pferd, es glänzte ganz wie Gold. Das Pferd sagt zu dem Burschen: »Gott sei Dank, daß ich wieder einmal ein lebendes Wesen sehe! Der Alte hält mich immer in diesem Stall eingesperrt, aber jetzt, wo du mir geöffnet hast, können wir beide ihm entfliehen. Wenn du nicht willst, werde ich es allein tun, aber du mußt wissen, wenn der Alte sieht, daß du mir geöffnet hast und ich entflohen bin, wird er dich ganz und gar vernichten.«

Der Bursche dachte etwas nach, es tat ihm leid, den Alten zu verlassen, aber schließlich willigt er ein, mit dem Pferd zu fliehen. Darauf sagt das Pferd zu ihm: »Dort auf dem Dachbalken findest du einen Kamm, eine Bürste und Staub, nimm das mit dir, wir werden es brauchen, wenn der Alte hinter uns herkommt.«

Sie brachen auf, das Pferd lief so schnell wie eine Vila, und der Bursche ritt auf ihm. Aber der Alte merkte, daß sein Pferd aus dem Stall fortgelaufen war, und lief und lief hinter ihm her, und schon war er so nahe an sie herangekommen, daß er beinahe das Pferd am Schwanz gepackt hätte. Als das Pferd das sah, sagte es zu dem Burschen: »Wirf schnell den Staub hinter dich!«

Der Bursche warf den Staub hinter sich, und vor dem Alten entstand lauter Wasser, sie aber hatten weiterhin einen freien Weg. So kamen sie sehr weit voran, ehe der Alte aus dem Wasser herauskam. Der Alte begann wieder zu laufen, lief und lief, und war schon wieder so nahe herangekommen, daß er beinahe das Pferd am Schwanz gepackt hätte. Als das Pferd das sah, sagte es zu dem Burschen: »Wirf schnell den Kamm hinter dich!«

Der Bursche warf den Kamm hinter sich, und vor dem Alten entstand eine Schlucht und ein Berg, sie aber hatten weiterhin einen freien Weg. So kamen sie wieder sehr weit voran, ehe der Alte über die Schlucht und den Berg hinüberkam. Danach begann der Alte wieder zu laufen, lief und lief, und war schon wieder so nahe herangekommen, daß er beinahe das Pferd am Schwanz gepackt hätte. Als das Pferd das sah, sagte es zu dem Burschen: »Wirf schnell die Bürste hinter dich! Noch ein wenig, dann sind wir über die Grenze!«

Der Bursche warf die Bürste hinter sich, und vor dem Alten entstand lauter Wald, Gestrüpp und Dornengebüsch, sie aber hatten weiterhin einen freien Weg. Als sie schon über die Grenze hinweg waren, und der Alte ihnen nichts mehr anhaben konnte, begann der Alte zu rufen und schrie dem Burschen zu: »Warte, ich will dir einen Rat geben!«

Und die beiden, das Pferd und der Diener, blieben stehen. Als der Alte herankam, sagte er zu dem Burschen: »Es ist nicht gerade schön von dir, daß du geflohen bist und mir mein Pferd entführt hast, aber ich bin dir trotzdem sehr dankbar, weil du mir meine Augen zurückgegeben hast; deshalb wünsche ich dir Glück und will dir einen Rat geben. Etwas weiter von hier ist eine Grafenburg, und der alte Graf dieser Burg hat in der ganzen Gegend verkünden lassen, daß er seine Tochter demjenigen zur Frau geben werde, der mit seinem Pferd einen großen Graben überspringen kann. Du wirst mit deinem Pferd leicht da hinüberspringen. Aber geh nicht dorthin, um mit einem Pferd wie dem deinen hinüberzuspringen, es könnte dir jemand schaden; du wirst stattdessen hier ganz in deiner Nähe Zigeuner finden, kaufe von ihnen eine Pferdehaut und zieh sie deinem Pferd über. Dann erst geh hin, um hinüberzuspringen, aber als letzter, nach allen anderen!«

Er machte sich auf den Weg, kaufte von den Zigeunern eine Pferdehaut und zog seinem Pferd diese Haut von den Zigeunern über. So kam er zu der Grafenburg. Da waren schon vielerlei Herren, die versuchten, über den Graben zu springen, aber nicht einer konnte hinüberspringen. Als schon alle versucht hatten hinüberzuspringen, und keiner es geschafft hatte, trat er vor die Herren und fragte sie: »Ist es erlaubt, daß auch ich versuche hinüberzuspringen?«

Da sagen die Herren zu ihm: »Es ist erlaubt, es ist jedem erlaubt, aber wie willst du mit deinem Zigeunerpferd da hinüberspringen?«

Er machte sich zum Springen bereit und sprang dreimal hin und her. Als der Graf das sah, begann er zu weinen: »Soll ich meine Tochter denn einem Zigeuner geben!« Aber sein Weinen half ihm nichts, er mußte dem Burschen seine Tochter geben.

Am Abend schickte der Graf die beiden mit dem Pferd in den Stall zum Schlafen. Nach kurzer Zeit ließ er seinen Diener nachsehen, was sie machten. Der Diener kommt zurück und sagt zu dem Grafen: »Herr, so etwas Schönes habe ich noch nicht gesehen! In unserem Stall glänzt alles wie pures Gold!« Da sagt der Graf zu ihm: »Geh, geh, du Narr, was sollte schon im Stall glänzen? Geh noch einmal nachsehen, aber sieh etwas besser hin!«

Der Diener ging noch einmal, aber es erschien ihm noch schöner, und er kommt zurück und berichtet dem Grafen wieder: »Herr, da ist so etwas Schönes, daß es nicht schöner sein kann! Jetzt ist es noch zweimal schöner als zuvor und schöner als irgend etwas an Eurem Hof!«

Da ging der Graf selbst nachzusehen, und auch ihm selbst gefiel es sehr. Der Bursche hatte dem Pferd die Zigeunerhaut abgenommen und weggeworfen, und sein Pferd glänzte wie pures Gold. Der Graf war darüber sehr erfreut und fragte seine Tochter: »Wie gefällt es dir, mein Töchterchen, bei diesem Zigeuner?«

Sie antwortet ihm: »Wie es mir gefällt? Es gefällt mir gut, sehr gut!«

Der Bursche kannte den Grafen und seine Tochter sehr gut, denn es war kein anderer als sein eigener Vater und seine eigene Schwester. Sie aber erkannten ihn nicht, und er sagte zu seinem Vater: »Ach, Vater, kennt Ihr mich denn gar nicht? Ich bin Euer eigener Sohn, den Ihr mit dem Diener in den Wald geschickt habt, damit er mir die Zunge abschneide, weil ich Euch erzählt habe, ich hätte geträumt, daß Ihr mir Wasser über die Hände gegossen habt und daß ich mich damit gewaschen habe. Hier ist auch die andere Hälfte des Tuches, das Ihr dem Diener gegeben habt, damit er es zerschneide und mit der einen Hälfte meine Augen verbinde und in der anderen Euch meine Zunge bringe!«

Da freute sich der Alte sehr und weinte vor Freude, daß ihm sein Sohn soviel Ehre gemacht hatte, und er holte Wasser, goß es ihm über die Hände, und der Sohn wusch sich damit. Und so hatte sich der Traum des Burschen erfüllt.

3. Šingala – Mingala

Es war einmal ein Bauer, der war der Pate des Fleischers in der Stadt. Er wohnte aber nicht weit, in der Vorstadt, und so ging er jeden Tag zu ihm und half ihm etwas bei der Arbeit. Und der Fleischer gab ihm dafür Fleisch, das er seiner Familie mit nach Hause nahm. Eines Tages aber war er zornig und konnte ihn nicht mehr ertragen. Na, der Pate wartet, daß er ihm etwas Fleisch geben würde, aber er gibt ihm einfach nichts. Er aber sagt: »Pate, willst du mir nichts geben?«

Da wird er böse auf ihn, schneidet ihm ein Stück Fleisch ab und sagt: »Hier, trag es zum Teufel!«

Nun, er kommt nach Hause, kommt böse zu seiner Frau, gibt ihr aber kein Fleisch zum Kochen.

Die Frau sagt: »Was ist das heute morgen, Mann«, sagt sie, »jeden Tag bist du gekommen und hast Fleisch mitgebracht und hast es mir zum Kochen gegeben, und heute morgen hast du nichts?«

»Hm, wenn du wüßtest, was los ist!«

»Was denn?«

»Nun«, sagt er, »ich bitte den Paten um Fleisch, und er schneidet mir dieses Stück hier ab und sagt, daß ich es zum Teufel tragen soll. Und jetzt kann ich es dir nicht geben, ich werde es«, sagt er, »zum Teufel tragen.«

»Und wo willst du den Teufel finden?«

Nun, mein Lieber, er macht sich auf den Weg und geht los, und jeden, dem er unterwegs begegnet, fragt er, wo der Teufel sein könne. Niemand kann es ihm sagen, und wer könnte auch schon sagen, wo sich der Teufel aufhält. Da trifft er eine Alte.

»Guten Tag, Großmutter.«

»Sei gegrüßt, Söhnchen. Was suchst du, Söhnchen?«

»Sieh, Großmutter«, sagt er, »jeden habe ich gefragt, aber ich kann es einfach nicht herauskriegen, aber, bei Gott, vielleicht kannst du mir jetzt zum Glück verhelfen?«

»Was denn?«

»Sieh«, sagt er, »mein Pate, der Fleischer, hat mir Fleisch gegeben und gesagt, daß ich es zum Teufel tragen soll; ich weiß aber nicht, wo der Teufel sich aufhält.«

»Nun, Söhnchen, ich werde es dir sagen.«

Die Alte weiß das schon.

»Wo denn, Großmutter, bei deinem Leben?«

Sie sagt: »Geh hier schön an diesem Fluß entlang, geh und geh und geh«, sagt sie, »bis du eine Fähre findest. Dort auf der Fähre ist ein Fährmann, aber paß auf, Söhnchen, daß er dich nicht hereinlegt.«

»Wie sollte er denn, Großmutter?«

»Paß auf, daß er dich nicht überrumpelt«, sagt sie, »er wird hier gefangengehalten und kann nicht von hier fort. Aber paß auf, daß er dich nicht hereinlegt und dann dich als Fährmann zurückläßt und wegläuft. Geh einfach dorthin und bitte ihn, er soll dich über den Fluß setzen und dir sagen, wo der Teufel wohnt.«

Nun, er geht los und geht und geht und geht und geht, kommt zu der Fähre, findet den Fährmann und sagt zu ihm:

»Ich bitte Euch«, sagt er, »würdet Ihr mich hinüberfahren?«

»Und wohin willst du?« fragt er.

»Ich gehe zum Teufel und bringe ihm Fleisch.«

»Oh, bravo«, sagt er, »das ist mir nur recht.«

»Und warum ist es dir recht?«

»Sieh«, sagt er, »ich bemühe mich ständig, hier abgelöst zu werden, aber umsonst. Wenn du aber zu ihm hingehst, so frage ihn, wie ich hier abgelöst werden kann.«

»Gut, das will ich tun«, sagt er.

»Aber weißt du was?« sagt er.

»Was?«

»Was willst du für das Fleisch von ihm verlangen?«

»Ach«, sagt er, »nichts will ich.«

»Verlange nur etwas, er wird es dir geben! Er soll dir jene schwarze Henne geben, die Dukaten scheißt, und wenn du Geld haben willst, dann nimm sie unter den Arm und drücke sie so – und lauter Dukaten fallen aus ihr heraus.«

Gut. Er geht dorthin, kommt an und findet ihn.

»Hier, ich habe Euch Fleisch gebracht!«

»Und was willst du für dieses Fleisch haben?«

Er sagt: »Du sollst mir die schwarze Henne geben, die Dukaten scheißt.«

»Gut.«

Und bei Gott, er gibt ihm die Henne, und er trägt die Henne nach Hause. Aber er hatte vergessen, nach dem Fährmann zu fragen. Er kam zu der Fähre, die Fähre fuhr los, und der Fährmann fragt ihn: »Hast du nach mir gefragt?«

Er sagt: »Ja.«

»Und was hat er gesagt?«

»Wenn ich die Fähre verlasse, werde ich es dir sagen.«

Als er die Fähre verließ, fragt er: »Was hat er gesagt?«

»Ich habe gar nicht gefragt, ich habe es vergessen.«

Der Fährmann sagt: »Du wirst wieder zu mir kommen.«

Er geht nach Hause, aber der Weg nach Hause ist weit, und er findet ein Gasthaus. Er geht in das Gasthaus hinein und bittet um ein Abendessen. Und es fällt ihm leicht, zu bezahlen, wo er doch Geld hat, soviel er will. Er bittet also um ein Abendessen, mein Lieber, und man gibt es ihm. Er hatte aber das Geld schon unterwegs vorbereitet. Der Teufel aber läßt ihm wieder keine Ruhe, und er fragt nach einem Zimmer, wo er schlafen könne, und geht in dieses Zimmer.

Der Gastwirt aber war ein Schurke, er schaut durch das Schlüsselloch, um zu sehen, was er macht, – er aber, um Gottes willen, nimmt die Henne, und lauter Dukaten fallen heraus. Als er fest eingeschlafen ist, kommt der Gastwirt, öffnet die Tür, nimmt ihm die Henne weg und gibt ihm eine andere Henne. Er aber bemerkt nichts. Am nächsten Morgen nimmt er die Henne, geht weg und trägt sie nach Hause. Unterwegs sieht er nach, die Henne aber will keine Dukaten legen. Er glaubt, daß sie sicher hungrig geworden ist und deshalb nicht will. Und als er nach Hause kam, mein Lieber, sagt er zu seiner Frau: »Oh, Frau, ich habe das Fleisch verkauft, sieh nur, lauter Dukaten habe ich!«

Er fängt an die Henne zu bearbeiten, aber die Henne will nicht. Es gibt keinen einzigen Dukaten.

»O weh«, sagt er, »er hat mich hereingelegt. Jetzt gehe ich noch einmal hin. Er soll uns für diese Henne irgend etwas anderes geben. Ich sehe, daß er mir eine falsche Henne gegeben hat.«

Er geht nun wieder dorthin, kommt zu der Fähre, und der Fährmann sagt: »Aha, du bist also gekommen. Habe ich dir nicht gesagt, daß du wiederkommen wirst? Nun, was ist jetzt?«

»Die Henne hier taugt gar nichts«, antwortet er.

»Und was soll jetzt werden?«

»Ich weiß es nicht.«

»Geh zu ihm«, sagt er, »und bitte ihn um das Tischtuch; das soll er dir für die Henne geben; aber vergiß nicht zu fragen, wie ich hier abgelöst werden kann, verstehst du.«

»Ich werde es nicht vergessen«, sagt er. »Aber was soll ich mit dem Tischtuch?«

»Nun«, sagt er, »wenn du irgend etwas brauchst, dann stelle einen Tisch auf und lege das Tischtuch darauf, und dann kommt alles, was du dir nur wünschst, aus ihm heraus: Getränke, Speisen, was du nur willst.«

»Gut.«

»Aber paß auf, vergiß es nicht.«

»Ich werde es nicht vergessen«, sagt er.

Er kam dorthin. »Was ist?«

»Die Henne taugt nichts.«

Er sagt: »Und was willst du dann?«

Er antwortet: »Ihr sollt mir das Tischtuch geben.«

Er gibt ihm das Tischtuch, und er geht damit fort. Und wieder hatte er vergessen, nach dem Fährmann zu fragen. Er kam zu dem Fährmann: »Komm, fahr mich hinüber.«

Er sagt: »Hast du gefragt?«

»Ja.«

»Dann sag es mir.«

»Nein, wenn ich drüben bin, werde ich es dir sagen.«

Als er über den Fluß gekommen war, stieg er aus.

»Nun, was ist?«

»Ich habe es wieder vergessen«, sagt er.

»Ah, du wirst wieder zu mir kommen.«

Er geht wieder zu dem Gastwirt. Er kommt hin, ißt bei ihm zu Abend und geht in das Zimmer zum Schlafen. Der Gastwirt aber geht wieder nachsehen: in dem Zimmer ist ein Tisch, er breitet das Tischtuch aus, und sofort sind auf dem Tisch Getränke, Speisen, soviel du nur willst, mein Gott, nun iß und trink. Als er wieder fest eingeschlafen ist, tauscht der Gastwirt wieder das Tischtuch aus und gibt ihm ein anderes. Er aber bemerkt nichts und geht wieder nach Hause.

Er kommt nach Hause, mein Lieber, und sagt zu seiner Frau: »Hab keine Angst jetzt«, sagt er, »wir brauchen jetzt nichts mehr. Wir legen das Tischtuch auf den Tisch, und was wir nur brauchen, das ist darauf, alles, was du willst.«

»Komm, laß sehen!«

Er legt das Tischtuch auf und – nichts.

»Da siehst du, Dummkopf«, sagt sie, »was du gemacht hast.«

»Ich gehe noch einmal hin«, sagt er, »er wird mich betrogen haben, ich gehe noch einmal.«

Er kommt zu der Fähre, und der Fährmann sagt: »Aha, du bist also wiedergekommen.«

»Ja«, sagt er.

»Ich habe es dir ja gesagt. So wird es dir immer gehen«, sagt

er, »wenn du vergißt zu fragen, was aus mir wird.«

»Bei Gott, diesmal werde ich es nicht vergessen.«

Und er geht los und kommt wieder zum Teufel.

»Was ist?«

»Das Tischtuch taugt nichts.«

»Was willst du dann?«

Der Fährmann aber hatte ihm wieder gesagt: »Verlange den Mantel mit den neun Taschen!«

»Was soll ich mit einem Mantel mit neun Taschen?«

»Immer wenn du auf eine Tasche schlägst, kommen neun Soldaten aus ihr heraus. Und wenn du nun«, sagt er, »neunmal auf die neun Taschen schlägst, und in jeder neun Soldaten sind, dann hast du Soldaten, soviel du willst. Schlag nur, aber hol sie wieder zurück, dann hast du, soviel du willst, um dein Haus herum. – Aber vergiß nicht«, sagt er, »nach mir zu fragen.«

»Nein, ich werde es nicht vergessen.«

Er kam also dorthin.

»Was ist?«

»Das Tischtuch taugt nichts.«

»Was willst du dann?«

»Ha«, sagt er, »gebt mir den Mantel mit den neun Taschen.«

Nun gut, er gibt ihm den Mantel mit den neun Taschen. »Was wird mit dem Fährmann geschehen, der auf der Fähre ist, wie kann er sich von dort retten?«

»Ha«, sagt er, »er kann sich nur dann retten«, sagt er, »wenn jemand auf die Fähre kommt, und er ›Šingala – Mingala‹ sagt und von der Fähre springt; dann muß jener dort bleiben und Fährmann sein.«

Gut. Er kommt zu der Fähre, und der Fährmann fragt ihn sofort: »Hast du nach mir gefragt?«

»Ja«.

»Was hat er gesagt?«

»Das werde ich dir sagen, wenn ich die Fähre verlasse«, sagt er, denn er fürchtet schon, daß er von der Fähre herunterspringen könnte und ihn als Fährmann zurücklassen würde. Nun gut. Er sagt also zu ihm: »Das werde ich dir sagen, wenn ich die Fähre verlasse.«

Die Fähre kam ans Ufer, und er stieg aus.

»Nun, was hat er gesagt?«

»Höre«, sagt er, »wenn einmal jemand auf die Fähre kommt, dann tu weiter nichts, sondern fahre ihn hinüber; wenn du aber ans Ufer kommst, dann sage: ›Šingala – Mingala‹, und spring herunter, dann muß er zurückbleiben und Fährmann sein.«

»Bravo«, sagt er, »das hast du gut gesagt. Jetzt werde ich dir alle deine Fehler sagen.«

»Was denn?«

»Als du bei dem Gastwirt warst, hat er deine Henne umgetauscht und dir eine andere dafür gegeben. Und so hat er auch dann das Tischtuch umgetauscht. Wenn du jetzt dorthin kommst«, sagt er, »dann schlage auf die Taschen und umzingle mit den Soldaten das ganze Haus; aber laß nicht eher von ihm ab, bis er dir nicht das Tischtuch und die Henne – aber die richtige – zurückgegeben hat.«

»Gut, dann auf Wiedersehen!«

»Auf Wiedersehen, Freund!«

Er geht weg und kommt zu dem Gastwirt.

»Guten Abend.«

»Sei gegrüßt.«

»Hört zu, Gastwirt«, sagt er, »Ihr habt meine Henne umgetauscht, als ich hier übernachtet habe.«

»Was! Bist du verrückt, was für eine Henne?«

»Doch, doch, die Henne und das Tischtuch!«

»Aber nein, Bruder, was denn«, sagt der Gastwirt, und, weil er sich im eigenen Haus sicher fühlt, wird wütend, will ihn schlagen und noch mehr.

Er aber sagt: »Schweig!«

Er schlägt auf eine Tasche – schon sind neun Soldaten da, auf die zweite, auf die dritte, und ein ganzes Heer steht um das Haus herum.

»Gib sie heraus, und du bist frei!«

Da sieht der Gastwirt, daß er, bei Gott, in Gefahr ist. Er gibt ihm das Tischtuch und die Henne.

Er aber macht die Probe: die Dukaten fallen heraus, und auf dem Tischtuch gibt es alles mögliche. So geht er nach Hause. Er kommt nach Hause und sagt: »Frau«, sagt er, »diesmal ist es nicht umsonst. Jetzt wirst du gute Sachen sehen. Da hast du eine Henne, die Dukaten scheißt, soviel Dukaten, wie du willst. Und das Tischtuch hier«, sagt er, »verlange nur, was dein Herz begehrt, und es ist darin. Und das Heer hier werden wir um unser Haus herum aufstellen, damit es uns bewacht.«

»Schweig doch«, sagt die Frau, »schweig doch, Mann, du bist doch nicht verrückt.«

»Du wirst schon sehen.«

Er setzt die Henne hin, und lauter Dukaten fallen heraus. Er legt das Tischtuch auf, schon stehen Getränke und Speisen da, was du nur willst. Und das Heer? er schlägt auf die Taschen, und das ganze Heer steht um das Haus herum, hat alles umzingelt.

Nun gut. Er läßt den Fleischer, seinen Paten, kommen.

»Was ist los?«

Er sagt: »Komm zu mir zum Feiern! Ich bin jetzt reicher als du.«

Der Pate geht hin. Man braucht keinen Sparherd, man braucht nicht zu kochen, man braucht nichts. Der Pate kommt an. Er aber legt das Tischtuch auf, komm, iß und trink, alles ist schon da, ein voller Tisch, bei Gott. Die Henne gibt Dukaten, und er stellt Wachen um das Haus.

»Sieh nur, Pate, bei Gott, das alles habe ich für das Fleisch bekommen, das du mir gegeben hast.«

»Wie das?«

»Als du böse auf mich warst und mir jenes Stück Fleisch gegeben und gesagt hast, ›trag es zum Teufel!‹, da bin ich losgegangen, um den Teufel zu suchen, und sieh nur, was er mir gegeben hat: die Henne hat er mir gegeben, den Mantel und das Tischtuch; jetzt habe ich an allem genug.«

Was kommt dem Paten, dem Fleischer, da in den Sinn? Er sagt sich: wenn er ihm das für zwei Kilo gegeben hat, was wird er mir dann erst geben, wenn ich ihm einen ganzen Schenkel bringe. Aber er schweigt und sagt dem Paten nichts davon.

Der Pate Fleischer geht nach Hause in seine Fleischerei, nimmt eine Ochsenkeule, lädt sie sich auf die Schulter und geht los, um den Fährmann zu fragen, wohin er gehen soll und wie. Er geht also los, mein Lieber, kommt zu dem Fährmann und besteigt die Fähre. Und als der zum Ufer kommt, sagt er: »Šingala – Mingala!«, und springt, hopp, hinaus.

Und der Pate bleibt als Fährmann dort zurück.

4. Aschenbrödel – Aschentrödel

Es war einmal ein König, der lebte sehr schön mit seiner Frau. Dann aber wurde seine Frau sehr krank, und als sie sah, daß man ihr nicht mehr helfen konnte und sie bald sterben müsse, rief sie ihren Mann zu sich und sagte zu ihm: »Mein lieber Mann, ich werde sterben, dessen bin ich sicher; du aber bist noch jung und sollst wieder heiraten. Da hast du meinen Ring, den nimm an dich, aber ich sage dir: Verflucht seist du, wenn du eine andere zur Frau nimmst als die, der dieser Ring paßt.«

Und die Königin starb. Als die Trauerzeit zu Ende war, ließ der König alle Mädchen aus der Stadt zu sich rufen, um zu sehen, welcher der Ring richtig passen würde; aber der Ring paßte keiner richtig.

Jetzt ließ er in seinem ganzen Königreich verkünden, daß man ein Mädchen suchen solle, dem dieser Ring passen würde; aber nirgends fand man solch ein Mädchen.

Jetzt blieb nur noch die Königstochter übrig, die den Ring noch nicht anprobiert hatte. Und, mein Gott, man ging auch zu ihr, damit sie den Ring anprobiere. Und, sieh da, ihr paßte der Ring am besten. Jetzt ging es nicht anders, er mußte seine Tochter heiraten. Die Tochter versuchte auf jede Weise, der Heirat zu entgegen, aber als sie sah, daß nichts half, sagte sie zu ihrem Vater, daß sie erst dann heiraten würde, wenn er ihr Sonnenkleider bringen würde. Der König, ihr Vater, stimmt zu. Er macht sich auf, die Sonnenkleider zu suchen, und bringt sie ihr.

Jetzt sagt die Tochter zu ihm, er solle ihr Mondkleider kaufen. Da macht sich der König wieder auf, um die Mondkleider zu suchen, und bringt sie ihr.

»Ihr müßt mir noch die Sternenkleider bringen«, sagt die Tochter zu ihrem Vater, »und dann werden wir heiraten.«

Der König macht sich auf und bringt ihr auch die Sternenkleider. Was soll die Tochter jetzt machen? Was sie auch ihrem Vater sagt, das macht er für sie und bringt es ihr. Sie sieht, daß sie es nicht mehr hinauszögern kann; aber den Vater wollte sie auf gar keinen Fall heiraten.

Jetzt kommt die Sonne zu ihr und sagt, sie solle alle Kleider, die Sonnen-, Mond- und Sternenkleider, in eine kleine Schachtel packen; dann solle sie eine Ente kaufen, sie ins Wasser setzen und in ihrer Kammer einschließen; sie selbst aber solle an dem Morgen, an dem sie heiraten müsse, fliehen.

Die Tochter gehorcht der Sonne, packt die Kleider ein, kauft eine Ente, setzt sie ins Wasser und schließt sie in ihrer Kammer ein. Und sie geht davon.

An diesem Morgen war alles schon für das Hochzeitsfest vorbereitet; alle sind schon angekleidet und warten nur noch auf die Braut. Sie gehen zu ihrer Kammer und horchen, und wie die Ente im Wasser planschte, dachten sie, daß sich die Braut wasche und ankleide. Es war aber, bei Gott, schon spät und sie hatten schon genug gewartet, und so gingen sie in die Kammer hinein. Und als sie die Ente im Wasser erblickten, wußten sie sofort, was los war. Sie begannen sie zu suchen, aber wer konnte wissen, wo sie inzwischen war!

Nach einiger Zeit kommt die Königstochter als Bettlerin gekleidet vor einen Königshof – in einem anderen Königreich  – und bittet, man solle ihr ein Nachtlager geben, und wenn man eine Magd brauchte, so würde sie ihnen dienen. Und man nimmt sie am Hofe mehr aus Barmherzigkeit als wegen ihrer Dienste auf und gibt ihr einen Platz in der Ecke mitten in der Asche.

Einmal kommt der Königssohn zur Feuerstelle, um sich eine Zigarre anzuzünden. Sie aber ist nicht faul und bietet ihm aus ihrer Ecke Feuer an. Da nimmt er eine Schaufel, schlägt ihr damit auf die Hände und sagt: »Willst du mir etwa, Aschenbrödel – Aschentrödel, so schmutzig und dreckig Feuer geben?«

Und, nachdem er die Zigarre angezündet hat, geht er fort.

Am Abend gab der Königssohn einen Ball und ein großes Fest. Davon hört auch Aschenbrödel und bittet ihre Herrschaft, man möge auch sie ein wenig zum Ball gehen lassen, damit sie sehe, wie es dort sei. Und wirklich, man läßt sie auch hingehen. Sie zieht sich heimlich die Sonnenkleider an, die sie in der kleinen Schachtel mit sich genommen hat, und geht zum Ball. Als der Königssohn sie erblickt, fängt er Feuer, wird ganz rot und wünscht sie sich sofort zur Frau. Er sagt nichts, geht nur zu ihr und bittet sie, mit ihm zu tanzen. Und sie geht mit ihm tanzen. Als der Tanz zu Ende geht, fragt er sie, woher sie sei, und sie antwortet ihm, daß sie von der Schaufelburg sei. Und im Nu ist sie auch schon verschwunden. Der Königssohn schaut herum, dreht sich um, aber sie ist nirgends zu sehen. Er ist traurig, daß sie fortgegangen ist, will mit niemandem mehr reden, und so geht er traurig nach Hause.

Am nächsten Tag geht er in Gedanken versunken wieder zur Feuerstelle, um sich eine Zigarre anzuzünden, und Aschenbrödel bietet ihm wieder Feuer an.

»Du Aschenbrödel – Aschentrödel, wie kannst du mir so schmutzig, wie du bist, Feuer anbieten?« sagt er, – nimmt den Schürhaken, schlägt ihr damit auf die Finger und geht fort.

Am Abend gab es wieder einen Ball und ein Fest. Wieder bittet Aschenbrödel, man möge sie auf den Ball lassen, damit sie sehe, wie es dort sei. Die Herrschaft sagt, sie solle nur gehen, wenn sie gut zurückkomme und sich dort so ruhig verhalte, als sei sie gar nicht da. Jetzt zieht sie sich die Mondkleider an und geht in den Saal, und alles um sie erglänzt, und sie ist schön, wie sie schöner nicht sein kann! Wieder bittet sie der Königssohn, mit ihm zu tanzen. Der Tanz geht zu Ende, und er fragt sie, woher sie sei.

»Ich bin, wenn Ihr es wissen wollt, von der Schürhakenburg.«

Er wendet sich ein wenig zur Seite und schon läuft sie nach Hause, zieht die Kleider aus und ihre Bettelkleider an. Der Königssohn ist wieder sehr traurig, daß ihm das Mädchen entflohen ist, will mit niemandem reden und geht sofort schlafen.

Am nächsten Tag kommt er wieder ganz traurig, um sich eine Zigarre anzuzünden. Aschenbrödel bietet ihm wieder Feuer an.

»He, Aschenbrödel – Aschentrödel«, sagt er, »ich habe dir schon so oft gesagt, daß du mir kein Feuer geben sollst!«

Er nimmt die Zange und schlägt ihr damit auf die Finger.