Verlag: PULP MASTER Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

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Sicherung: Wasserzeichen

E-Book-Beschreibung Krumme Type, krumme Type - Tom Franklin

Als die neunzehnjährige Tina Rutherford verschwindet, ist jedem in Chabot, Mississippi klar, wer dafür verantwortlich ist. Denn 25 Jahre zuvor war schon die junge Cindy Walker nach einem Date mit dem Nachbarssohn Larry Ott spurlos verschwunden. Für das Verbrechen konnte Larry aus Mangel an Beweisen nie verurteilt werden, wurde aber fortan gemieden und lebte in ritualisierter Einsamkeit. Erneut unter Verdacht, ist sein Haus vermehrt Ziel betrunkener Rednecks; er wird angeschossen und der junge schwarze Constable Silas Jones mit den lästigen Ermittlungen betraut – eine gemeinsame Vergangenheit und ein dunkles Geheimnis verbinden ihn mit Larry. Schon Faulkner wusste, dass sich die Vergangenheit nicht beerdigen lässt, und in Franklins Südstaaten-Roman um Freundschaft, Verrat und Alltagsrassismus brechen alte Wunden auf und offenbaren, dass man, getrieben von Furcht und Feigheit, schlimme Fehler begehen kann.

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Tom Franklin
Krumme Type, krumme Type
Für Jeff Franklin
und
in liebevollem Gedenken
an
Julie Fennelly Trudo
M – i – Schlangen-s – Schlangen-s – i – Schlangen-s – Schlangen-s – i – hartes b – hartes b - i.
Wie man Kindern in den Südstaaten beibringt, Mississippi zu buchstabieren
1
Die kleine Rutherford wurde seit acht Tagen vermisst, als Larry Ott bei seiner Rückkehr nach Hause feststellte, dass ihn dort ein Monster erwartete.
In der Nacht zuvor hatte es über weiten Teilen des Süd­ostens gestürmt: in den Nachrichten Sturzfluten, abgeknickte Bäume und Bilder von zerlegten Wohn­­wagen. Larry, einundvierzig und ledig, lebte allein im ländlichen Mississippi, im Haus seiner Eltern, das jetzt sein Haus war, obwohl er es nicht über sich brachte, es so zu sehen. Er benahm sich eher wie ein Kurator, hielt die Zimmer sauber, beantwortete die Post und bezahlte Rechnungen, schaltete abends zu den richtigen Zeiten den Fernseher ein, lächelte mit der Lachkonserve, aß zu dem, was die Sender ihm präsentierten, sein McDonald’s oder Kentucky Fried Chicken und saß dann auf seiner vorderen Veranda, während der Tag sich aus den Bäumen über das Feld verströmte und die Nacht herabsank, immer anders, immer gleich.
Es war Anfang September. In der Hand einen Becher Kaffee, hatte er an jenem Morgen auf der Veranda ge­standen und schon leicht geschwitzt, während er den gleißenden Vorplatz betrachtete, die schlammige Zu­fahrt, den Stacheldrahtzaun, die aufgeweichte, grüne Wiese dahinter, die auf der anderen Seite, wo der Wald begann, von Disteln, Goldrute, Salbei und Geißblatt über­wuchert war. Bis zu seinem nächsten Nachbarn waren es fast zwei Kilometer und zwei weitere bis zum Laden an der Kreuzung, der schon vor Jahren dichtgemacht hatte.
Am Rand der Veranda hingen mehrere Farnwedel aus der Traufe, in einem hatte sich das Windspiel seiner Mutter verheddert wie eine achtlos weggeworfene Ma­rionette. Er stellte seinen Kaffee auf dem Geländer ab und löste die schlanken Röhren von den Blättern.
Hinterm Haus schob er die beiden Flügel des Scheunentors zur Seite, an deren Unterkante je ein Rasenmäherrad angebracht war. Er nahm die schwarz verbrannte Sardinendose vom Auspuff des Traktors, hängte sie an ihren Nagel an der Wand und stieg auf das Fahrzeug. Auf der Metallschale sitzend, trat er mit einem Fuß die Kupplung und mit dem anderen die Bremse, ruckte den Schalthebel des alten Ford in den Leerlauf und drehte den Zündschlüssel. Der Traktor hatte wie alles andere seinem Vater gehört, ein 8N, Kotflügel und gerundete Haube grau lackiert, Motor und Karosserie jedoch feuerwehrrot. Dieser rote Motor sprang nun an, und Larry ließ ihn ein paarmal aufheulen, sodass sich die Luft um seinen Kopf von Abgasschwaden bläute, deren Geruch er angenehm fand. Er stieß rückwärts hinaus, fuhr das Hebewerk hoch und federte auf dem Sitz, während die großen, mit je siebzig Liter Wasser beschwerten Räder des Traktors über das Land rollten. Der Ford walzte durch Unkraut und Wildblumen und ließ Hummeln aufstieben, Schmetterlinge, nasse Gras­­­hüpfer und Libellen, die seine Mutter Teufelsnadel genannt hatte. Der Traktor warf seinen langen Schatten in Richtung des hinteren Zauns, und Larry bog ab und umrundete die Wiese; entlang des Stacheldrahts war der Liguster zurückgeschnitten, die Bäume standen hoch und üppig, das noch im Schatten liegende Südende war taubedeckt und kühl. Von März bis Juli mähte er zweimal im Monat, doch wenn die Herbst-Wildblumen kamen, ließ er sie wachsen. Im September zogen Kolibris durch, umschwirrten den Salbei, den sie offenbar liebten, und verjagten einander von den Blüten.
Beim Hühnergehege legte er den Rückwärtsgang ein, stieß zurück und senkte dabei die Anhängerkupplung ab. Er warf einen prüfenden Blick in den Himmel und schüttelte den Kopf. Weiter weg drängten sich Wolken über die Bäume, und Regen lag in der Luft. In der Sattelkammer füllte er Futtermittel und Mais in einen Plastikmilchkrug mit verbreiterter Öffnung; von den braunen Pellets und staubigen gelben Körnern stieg ein leicht erdiger Geruch auf. Er fügte noch ein wenig Grieß hinzu, zerkleinerte Kiesel, die den Hühnern beim Verdauen halfen. Das ursprüngliche Gehege, das sein Vater nach Larrys ferner Erinnerung irgendwann als Muttertagsgeschenk gebaut hatte, war knapp sieben Meter breit gewesen und hatte sich die ganze Länge der linken Scheunenwand entlanggezogen, verbunden mit einem Raum im Innern, der zum Stall umfunktioniert worden war. Das neue Gehege war anders. Larry hatte immer gestört, dass die Hühner ihr Leben auf ein und demselben Fleck zubrachten – Staub bei trockenem, Matsch bei nassem Wetter –, zumal die fast fünf Morgen große Wiese um sein Haus nichts als Unkraut hervorbrachte und Ungeziefer anlockte: Wie schade, dass die Hühner nichts davon hatten. Versuchsweise hatte er ein paar frei laufen lassen, in der Hoffnung, dass sie in der Nähe bleiben und die Scheune als Schlafplatz nutzen würden, aber das erste Huhn steuerte den Wald an, schlüpfte unterm Zaun hindurch und ward nie mehr gesehen, und das nächste wurde umgehend Opfer eines Rotluchses. Er ließ sich die Sache durch den Kopf gehen und dachte sich etwas aus. An einem Sommerwochenende baute er einen mannshohen, verschiebbaren Käfig mit offenem Boden und brachte an dessen hinterem Ende einen Satz Rasenmäherräder an. Er baute das Ge­­hege seines Vaters ab und setzte in seines einen Durch­lass, der vor die Außentür des Stalls passte, sodass die Hühner, wenn sie herauskamen, in seinem Käfig landeten. Jeden Morgen verschloss er den Durchlass und zog, sofern das Wetter es zuließ, den Käfig mit dem Traktor auf die Wiese, jedes Mal an eine andere Stelle, sodass die Hühner frisches Futter – Insekten, Pflanzen – bekamen und ihre Exkremente das Gras nicht verdarben, sondern düngten. Den Hühnern jedenfalls gefiel es, und die Dotter ihrer Eier waren inzwischen sehr viel gelber als zuvor und schmeck­ten doppelt so gut.
Er trat mit dem Futter ins Freie. Über den Bäumen ganz im Norden türmten sich Gewitterwolken wie ein sich blähender Berg, und der Wind frischte bereits so stark auf, dass das Windspiel auf der Veranda sang. Ich lass sie lieber drin, dachte Larry, ging wieder hinein, hob den Holzriegel und betrat den Stall mit seinem Geruch nach Exkrementen und warmem Staub. Er schloss die Tür hinter sich, zu seinen Füßen schwebten Flaumfedern herab. Heute saßen vier von den braunen Hennen mit wachsamem Blick in ihren Sperrholzkisten, tief in Kiefernadelstreu.
»Guten Morgen, Ladys«, sagte er, drehte den Wasserhahn über dem alten Reifen auf, der längs durchgeschnitten war wie ein halbierter Donut, und schob sich, während Wasser in die Gummirinne einlief, geduckt durch den Durchlass in den Käfig, wie in einem Sog gefolgt von den nicht brütenden Hennen. Vor dem Gehege tuckerte der Traktor im Leerlauf. Larry streute das Futter aus und sah einen Moment lang zu, wie sie es mit roboterhaftem Rucken aufpickten, gackerten, scharrten und zwischen den gefleckten Exkrementen und nassen Federn die Köpfe auf- und ab bewegten. Er kehrte in den Stall zurück, scheuchte die brütenden Hennen aus den Kisten, sammelte die kotbesprenkelten Eier ein und legte sie in einen Korb. »Angenehmen Tag, Ladys«, sagte er im Hinausgehen, drehte den Wasserhahn zu, verriegelte die Tür, hängte den Krug an seinen Nagel. »Wir sehen zu, dass wir morgen rauskommen.«
Wieder im Haus, schnäuzte er sich die Nase, wusch sich die Hände und rasierte sich vor dem Spiegel des vom Flur abgehenden Badezimmers. Er klopfte den Rasierer am Waschbeckenrand aus; die um den Ausguss verteilten Stoppeln waren eher grau als schwarz, und er wusste, wenn er sich nicht mehr rasieren würde, wäre sein Bart so grau wie der, den sich sein Vater vor dreißig, fünfunddreißig Jahren jedes Mal zur Jagdzeit hatte stehen lassen. Als Kind war Larry pummelig gewesen, doch inzwischen war sein Gesicht hager, sein braunes Haar kurz, aber ungleichmäßig, weil er es selbst schnitt, und das, schon bevor seine Mutter ins River Acres gekommen war, ein Altersheim fernab jedes Flusses, wo man, was Pflegepersonal wie Pflegebedürftige anging, fast nur Schwarze sah. Etwas Besseres wäre ihm lieber gewesen, aber mehr konnte er sich nicht leisten. Er spritzte sich warmes Wasser ins Gesicht und wischte mit einem Waschlappen über sein Konterfei in dem beschlagenen Spiegel.
Da war er. Ein Mechaniker, aber nur in der Theorie. Er betrieb eine Werkstatt mit zwei Montageplätzen am Highway 11 North, das heruntergekommene weiße Hohlblockgebäude mit grünen Faschen. Er fuhr den roten Ford Pick-up seines Vaters, ein Modell von Anfang der Siebzigerjahre mit einer Laderaumwanne aus Holz, über dreißig Jahre alt, mit nur neunzigtausend Kilometern auf dem Tacho, dem Ori­­gi­­nal-Sechszylindermotor und, von ein paar Windschutzscheiben und Scheinwerfern ab­­gesehen, noch fast allen Teilen, mit denen es aus der Fabrik gekommen war. Der Wagen hatte Trittbretter, und auf der Ladefläche befand sich ein Werkzeugkasten mit Larrys Ratschen, Steck- und Schraubenschlüsseln, falls er zu einer Panne gerufen wurde. Vor der Heckscheibe war ein Ge­wehrständer angebracht, auf dem sein Regenschirm lag – seit 9/11 durfte man Schusswaffen nicht mehr offen transportieren. Doch wegen seiner Vergangenheit hatte Larry schon davor keine Waffe besitzen dürfen.
In seinem Schlafzimmer, in dem sich Taschenbücher stapelten, setzte er die zu seiner Arbeitskluft gehörende Mütze auf, dann schlüpfte er in die grüne Khakihose und in ein dazu passendes Baumwollhemd — zu dieser Jahreszeit kurzärmelig — mit dem Schriftzug LARRY in einem Oval auf der Brusttasche. Er trug schwarze Ar­beitsschuhe mit Stahlkappen, eine Gewohnheit seines Vaters, der ebenfalls Mechaniker gewesen war. Er briet ein halbes Pfund Schinkenspeck, verrührte im Fett die vorhin eingesammelten Eier, öffnete eine Cola und schaute beim Essen die Nachrichten. Die kleine Rutherford wurde immer noch vermisst. Elf Jungs in Bagdad gefallen. Highschool-Footballergebnisse.
Er trennte sein Handy vom Ladegerät – keine Anrufe­, steckte es in die Hosentasche, griff sich den Roman, den er gerade las, schloss die Tür hinter sich ab, stieg vorsichtig die nassen Stufen hinunter und ging raschelnd durch das Gras zu seinem Wagen. Er stieg ein, ließ den Motor an, wendete und fuhr los, während bereits Regentropfen auf seiner Windschutzscheibe zerplatzten. Am Ende seiner langen Zufahrt hielt er an seinem Briefkasten, einem ramponierten schwarzen Gehäuse, das schief auf seinem Pfosten saß und dessen Klappe und rotes Fähnchen schon vor langer Zeit abgerissen worden waren. Er kurbelte das Fenster herunter und griff hinein. Ein Päckchen. Er zog es heraus: von einem seiner Buchclubs. Mehrere Kataloge. Die Telefonrechnung. Er legte die Post neben sich auf den Beifahrersitz, schaltete auf Drive und bog auf den Highway ein. Bald würde er bei seiner Werkstatt sein, das Tor hochkurbeln, den Mülleimer hinausbringen, die großen Hintertüren öffnen und den Ventilator so aufstellen, dass die Luft zirkulierte. Einen Moment lang würde er vorn bei den Zapfsäulen stehen, nach Autos Ausschau halten und hoffen, dass vielleicht einer der Mexikaner von dem Motel gegenüber seine Bremsen oder sonst was nachsehen lassen wollte. Dann würde er ins Büro gehen, einen Keil unter die Tür schieben, damit sie offen blieb, das GESCHLOSSEN-Schild auf OFFEN drehen, sich aus dem Automaten in der Ecke eine Cola holen und am Flaschenöffner den Deckel abhebeln. Er würde sich hinter seinen Schreibtisch setzen, von wo er durchs Fenster die Straße – ein oder zwei Autos alle halbe Stunde – sehen konnte. Er würde die unterste Schublade auf der linken Seite herausziehen, die Füße darauf stützen, das Päckchen aufreißen und nachsehen, welche Bücher des Monats man ihm geschickt hatte.
Doch zwei Stunden später war er auf dem Weg zurück nach Hause. Er hatte einen Anruf auf dem Handy be­kommen. Ihr gehe es gut, hatte seine Mutter zu ihm gesagt, und ob er ihr wohl Mittagessen bringen könne.
»Ja, Ma’am«, hatte er gesagt.
Außer dem Mittagessen wollte er auch noch ein Fotoalbum holen – eine der Pflegerinnen, die nette, hatte ihm gesagt, das helfe dem Gedächtnis seiner Mutter auf die Sprünge, und sie sei dann öfter und länger, bei sich. Wenn er sich beeilte, konnte er das Album holen, beim Kentucky Fried Chicken vorbeifahren und vor Mittag dort sein.
Er fuhr schnell, was unklug von ihm war. Die örtliche Polizei kannte seinen Wagen und behielt ihn, Larry, ge­nau im Auge, stand häufig in der Nähe der Eisenbahngleise, wo er täglich vorbeikam. Er bekam nur wenig Besuch, sah man von den Teenagern ab, die mitten in der Nacht eine lärmende Runde vor seinem Haus drehten, johlten und Bierflaschen oder Böller warfen. Und natürlich Wallace Stringfellow, der sein einziger Freund war. Was ihm aber jedes Mal, so wie gestern, an die Nieren ging, waren die gelegentlichen Besuche von Roy French, dem Chefermittler des Gerald County, wenn er mit einem Durchsuchungsbefehl kam. »Sie verstehen das sicher«, sagte French jedes Mal und tippte ihm mit dem Papier gegen die Brust. »Ich muss jede Möglichkeit untersuchen. Sie sind nun mal eine Person von Interesse, wie wir das nennen.« Dann nickte Larry, trat zur Seite, ohne den Durchsuchungsbefehl zu lesen, ließ French herein und setzte sich auf die vordere Veranda, während French die Schubladen in den Zimmern, die Wäschekammer neben der Küche, Schränke und den Dachboden durchwühlte, auf Händen und Knien mit der Taschen­lampe unters Haus leuchtete, sich in der Scheune umsah und die Hühner erschreckte. »Sie verstehen das sicher«, wiederholte French normalerweise, wenn er ging.
Und Larry verstand es durchaus. Wenn er seine Tochter vermissen würde, käme er auch hierher. Er würde überall hingehen. Das Schlimmste musste das Warten sein, ohne dass man etwas tun konnte, während die Kleine im Wald umherirrte oder gefesselt in irgendeinem Wandschrank steckte, mit ihrem eigenen roten BH an der Stange aufgehängt.
Klar verstand er das.
Er hielt vor der Veranda, stieg aus und ließ die Wagentür offen. Er schnallte sich nie an; seine Leute hatten das auch nie getan. Er eilte die Stufen hinauf, öffnete das Fliegengitter und hielt es mit dem Fuß offen, während er seinen Schlüssel hervorkramte, aufschloss, ins Zimmer trat und eine offene Schuhschachtel auf dem Tisch be­merkte.
Ihm wurde kalt um die Brust. Er drehte sich um und sah das Gesicht des Monsters, erkannte es sofort als die Maske, die er seit seiner Kindheit besaß und die seine Mutter gehasst und sein Vater lächerlich gemacht hatte, einen grauen Zombie mit blutigen Scharten, struppigen Haarbüscheln und einem Plastikauge, das an roten Fäden baumelte. Im Gegensatz zu der Person, die sie jetzt trug, hatte French die in Larrys Schrank versteckte Maske nie gefunden.
Larry sagte: »Was – «
Der Mann mit der Maske fiel ihm mit hoher Stimme ins Wort. »Jeder weiß, was du getan hast.« Er hob einen Revolver.
Larry streckte die Hände zur Seite, während der Mann hinter dem Revolver auf ihn zukam. »Moment«, sagte er.
Aber er kam gar nicht dazu abzustreiten, dass er vergangene Woche die kleine Rutherford oder vor fünfundzwanzig Jahren Cindy Walker entführt hatte, weil der Mann näher trat und ihm den Lauf in die Brust rammte, sodass Larry einen Moment lang Menschenaugen im Gesicht des Monsters sah, etwas Vertrautes darin er­kannte. Dann hörte er den Schuss.
Als er die Augen öffnete, lag er auf dem Boden und schaute zur Zimmerdecke. Ihm dröhnten die Ohren. Unter dem Hemd zitterte sein Bauch, und er hatte sich auf die Lippe gebissen. Er drehte den Kopf, und das Monster, das jetzt kleiner aussah als vorhin, lehnte, nach Atem ringend, an der Wand neben der Tür. Es trug weiße Gartenhandschuhe aus Baumwolle, und beide Hände zitterten, sowohl die mit dem Revolver als auch die andere.
»Krepier«, krächzte es.
Larry spürte keine Schmerzen, nur Blut, das Herz, das so schnell schlug, dass es immer mehr herauspresste, hellrotes Lungenblut, das er riechen konnte. Irgendetwas brannte. Er konnte den linken Arm nicht bewegen, fasste sich daher mit der rechten Hand an die Brust, die sich hob und senkte, während ihm Blut zwischen den Fingern hindurchquoll und unter dem Hemd an den Rippen hinunterlief. Er schmeckte Kupfer auf der Zun­ge. Er fror, war müde und hatte großen Durst. Er dachte an seine Mutter. Seinen Vater. An Cindy Walker, wie sie im Wald stand.
Der Mann an der Wand war in die Hocke gegangen und beobachtete ihn durch die Maske, in deren Augenlöchern Augen schimmerten, und Larry empfand eine seltsame Nachsicht mit ihm, weil alle Monster missverstanden wurden. Der Mann nahm den Revolver von der linken in die rechte Hand, berührte die Maske, als hätte er vergessen, dass er sie trug, und hinterließ einen neuen roten Fleck, etwas Echtes im Aufgemalten, auf der grauen Wange. Er trug alte, an den Knien zerfranste Bluejeans und über die Schuhe umgeschlagene Socken, und auf seinem Hemdsärmel war ein hellroter Blutspritzer zu sehen.
Larrys Kopf und Gesicht waren erfüllt von einem lauten Klapperschlangenrasseln, und er hörte sich etwas flüstern, was wie Still klang.
2
Er hieß Silas Jones, aber die Leute nannten ihn 32, nach der Nummer seines Baseballtrikots, oder Constable, seinem Beruf. Er war der einzige Gesetzeshüter von Chabot, Mississippi, Einwohnerzahl plus minus fünfhundert, Fahrer des gemeindeeigenen, museumsreifen Jeeps mit selbsthaftender Blinkleuchte, berechtigter Träger der ebenfalls gemeindeeigenen drei Schusswaffen plus Taser sowie Besitzer einer Dienstmarke, die er normalerweise an einer Schnur um den Hals trug. Heute, am Dienstag, lag sie neben ihm auf dem Beifahrersitz, während er auf dem Weg zurück von seiner Nachmittagsstreife war. Auf einer Nebenstrecke, einer Abkürzung in Richtung Stadt, sah er bei einem Blick aus dem Fenster, wie viele Geier mittlerweile am östlichen Himmel kreisten. Es waren Dutzende, dunkle Flecken vor noch dunkleren Wolken, wie Detonationswolken von Flak-Granaten zwischen Bombern auf Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg, die er gesehen hatte.
Er bremste, schaltete herunter, wendete und bog auf einen schmalen, unbefestigten Fahrweg ein. Er hielt nach einem Hund oder Hirsch Ausschau, der von einem Auto oder Quad angefahren worden war, sah aber nur eine Dosenschildkröte, die wie ein nasser Helm auf der Straße lag. Möglicherweise war es irgendwas am Fluss, knapp zwei Kilometer den Hügel hinunter, versteckt zwischen den Bäumen. Er schaltete in den ersten, lenkte den Jeep in den Modder, rutschte und schlidderte über den Fahrweg und fand schließlich die darin eingeschnittenen Furchen. Er überließ die Lenkung sich selbst, bis der Weg im Wald eine Kurve beschrieb, woraufhin er langsam abzubremsen begann. Schließlich hielt er vor einem Aluminiumgatter, an dem ein gelbes Schild mit der Aufschrift ACHTUNG: JAGEN VERBOTEN und der Unterschrift Rutherford Lumber Company befestigt war. In diesem Teil des Countys (und im nächsten) sah man diese Schilder überall – der reichen Familie Rut­herford gehörten das Sägewerk in Chabot sowie Tausende von Morgen Nutzwald. Manchmal durften hohe Tiere, stets Weiße, auf ausgesuchten Flächen Weißwedelhirsche oder Truthähne jagen, aber hier draußen standen hauptsächlich schlagreife Weihrauchkiefern, manche Stämme waren mit orangefarbenen Strichen gekennzeichnet, an andere waren rote Fähnchen getackert.
Silas stieg aus, und seine Sonnenbrille beschlug. Er nahm sie ab, hakte sie in den Halsausschnitt seines Hemdes, streckte sich, roch die noch regenfeuchte Hitze und lauschte dem Kreischen der Blauhäher, allein am Rand einer Mauer aus Wald, kilometerweit weg von allem. Wenn er wollte, könnte er seine .45er abfeuern und außer ein paar Hirschen und Waschbären würde nichts und niemand auf der Welt etwas hören. Am allerwenigs­ten Tina Rutherford, die neunzehnjährige Studentin, eine Weiße, die er unter der Wolke von Geiern zu finden und zugleich nicht zu finden hoffte. Sie war die Tochter des Sägewerkbesitzers und am Ende des Sommers von zu Hause weggefahren, zurück in den Norden nach Ox­ford, an die Ole Miss, wo sie im ersten Jahr eingeschrieben war. Zwei Tage waren vergangen, ehe ihre Mutter sich Sorgen gemacht und angerufen hatte. Als Tinas Mitbewohnerinnen bestätigten, dass sie nie angekommen war, wurde eine Vermisstenmeldung herausgegeben. Inzwischen hielt jeder Cop im Staat die Augen offen, besonders die in dieser Gegend: Vergesst alles andere und findet das Mädchen.
An einem Schlüsselbund suchte Silas den Schlüssel mit dem grünen Schildchen heraus, schloss das Gatter auf, öffnete es, fuhr auf die andere Seite, hielt an, machte das Gatter hinter sich zu und schloss ab.
In den Jeep zurückgekehrt, kurbelte er das Fenster herunter und glitt zwischen immer gleichen Kiefern hindurch, während das hohe Traubenkraut in der Fahrwegmitte über die Haube wischte wie die Bürsten in einer Waschanlage. Wo das Gelände abfiel, hatten die Bäume ihre Stämme entsprechend ausgerichtet, anmutig wie angewinkelte Arme. Während er dahinholperte und -rutschte, hoffte er beinahe, stecken zu bleiben. Da sich viel von seiner Arbeit in seinem ländlichen Zuständigkeitsbereich auf unbefestigten Straßen abspielte, lag er dem Gemeinderat von Chabot ständig mit der Forderung nach einem neuen Bronco in den Ohren. Bekam keinen und musste sich stattdessen mit dieser Schrottkiste begnügen, die in ihrem früheren Leben ein Postauto gewesen war – an der kleinen Heckklappe konnte man immer noch ein verblasstes US POSTAL erkennen.
Sein Funkgerät knisterte. »Kommst du, 32?«
Voncille. Wenn Silas die Polizei von Chabot war, dann war sie die Stadtverwaltung.
»Geht nicht, Miss Voncille«, sagte er. »Will hier erst noch was überprüfen.«
 Sie seufzte. Wenn er nicht da war, musste sie sich die orange Warnweste anziehen und beim Schichtwechsel den Verkehr an der Einfahrt zum Sägewerk regeln.
»Dafür schuldest du mir was««, sagte sie. »Ich habe mir gerade die Haare machen lassen.«
Er beendete das Gespräch, klippte sich das Funkgerät an den Gürtel und schüttelte den Kopf beim Gedanken daran, was er seinen guten Lederstiefeln gleich zumuten würde.
Er verlangsamte auf weniger als zehn Stundenkilometer. Als der Weg am Fuß des Hügels endete, bremste Silas, doch der Wagen bewegte sich weiter, Silas’ ganz persönliche Schlammrutsche. Der Jeep drehte sich von selbst, Silas drehte sich mit und hatte den Wagen bald zum Stehen gebracht. Er nahm seinen Cowboyhut vom Beifahrersitz, stieg aus, schlug die Tür zu, trat zwischen die Bäume und stieg den Hügel hinunter, stemmte die Absätze in den nassen Laubteppich, glitt einmal aus und hielt sich an einer Ranke fest, die einen ganzen Eimer Wasser auf ihn regnen ließ. Schöneres Land hier unten und, weil zum Abholzen zu steil, auch andere Bäume als Kiefern. Die Stämme waren dunkler vom Regen, einige trugen vorspringende Bänder aus Pilzen oder waren in Moosschichten gehüllt. Die Luft wurde kühler, je weiter hinunter er kam, und unten angelangt, wischte er sich über die Schultern und leerte seine Hutkrempe aus, der tropische Hügel lag hinter ihm, sein Duft nach Regen und Würmern, triefende Bäume, die Luft aufgeladen, als hätte gerade der Blitz eingeschlagen, Eichhörnchen, die sich durch Flecken von Himmel katapultierten, und ein Stück weiter der Trommelwirbel eines Spechts, der Schrei einer Rohrdommel.
Begleitet vom Quarren der Ochsenfrösche im Röhricht, suchte er sich einen Weg entlang des Ufers. Der Cane Creek ist eher so was wie eine Suhle, dachte er. Das brombeerdunkle Wasser rührte sich kaum, bewegt nur von Fröschen, Bläschen vom Flussgrund oder den Geräuschen von Fischen. Zwischen treibenden Blättern und dunklen schwarzen Ästen hatten sich in Einbuchtungen und Biegungen Schnapsflaschen und verblasste Bierdosen samt ihren Spiegelbildern gesammelt, und er fragte sich, wer zum Teufel den ganzen Weg hierherkam, um alles zu vermüllen. Wieder fächelte er sich das Ge­sicht, wie Spielzeugflieger surrten Insekten zwischen den hohen Ästen umher. Ist vielleicht bloß ein Rotluchs, dachte er. Der zum Sterben zum Fluss gekommen ist. Dieser alte Instinkt: Was sich verletzt hat, strebt zum Wasser.
Er dachte an seine Mutter, die vor acht Jahren gestorben war. An die Zeit, als sie beide in einer Jagdhütte gewohnt hatten, auf Land, das einem Weißen gehörte. Kein fließendes Wasser, kein Strom, kein Gas. Sie hatten sich noch keine Woche dort niedergelassen, als kurz nach Einbruch der Dunkelheit ein Kater mit nur einem Ohr auf der Veranda erschien, sein Skrotum so groß wie eine Walnuss. Sie scheuchten ihn weg, doch am nächsten Morgen lag er auf der Treppe, eine zuckende Maus im Maul. Mein Gott, sagte seine Mutter, der Kater bewirbt sich um ’nen Job. Sie nahmen ihn auf, und er schmeichelte sich bis ins Bett seiner Mutter, wo er ihr, wie sie sagte, die Füße wärmte. Ein paar Monate später zogen sie aus der Hütte aus, und der Kater kam mit. Er lebte noch jahrelang bei ihnen, doch dann, kurz bevor Silas zu seinem Abschlussjahr nach Oxford ging, verschwand der Kater. Als es Silas auffiel, war der Kater laut seiner Mutter schon fast einen Monat fort.
»Aber wohin?«
»Einfach weg, Baby«, sagte sie.
»Weg?«
Sie war gerade dabei, im Spülbecken Wäsche zu waschen, trug noch ihr Haarnetz von der Arbeit. »Zum Sterben, Silas«, sagte sie. »Wenn es für ein Tier so weit ist, geht es weg, um zu sterben.«
Das Unterholz lichtete sich, die Luft wurde heißer und stickiger, und plötzlich hatten die Bäume die Arme auseinandergerissen, sodass ein hoher, weißer Himmel sichtbar wurde, jäh aufschimmernde gefällte Stämme, Ansammlungen dampfender Giftpilze, Mückenwolken, nasse, wie Spiegel funkelnde Blätter und die glühenden Fäden eines Spinnennetzes. Ein Moskito wimmerte an seinem Ohr vorbei, und er klatschte sich auf Arme und Hals, ging, die Stiefel mit feuchten Blättern verklebt, schneller und nahm eine Schärfe in der Luft wahr, dann einen süßlichen Fäulnisgeruch.
Fünfzig Meter vor ihm begann etwas auf ihn zuzutaumeln. Er blieb stehen und löste den Sicherungsriemen seines Holsters, als sich auch andere Dinge in Bewegung setzten, der Erdboden zum Leben erwachte. Aber das Ding schwenkte ab, flatterte träge in die Luft, bloß ein Geier mit hängenden Füßen, und dann schwangen andere ihre zottigen Leiber übers Wasser oder watschelten die Uferböschung hinauf.
Der Geruch wurde schlimmer, während er sich der Stelle näherte, wo das feste Land dem Sumpf wich. Weiter unten säumten noch mehr von den Vögeln das Ufer wie Krähen auf Steroiden, ungefiederte Hälse und Köpfe, manche mit roten Gesichtern und Kopfhautlappen wie Hähne, manche von einer schuppigen Klaue auf die andere tretend, manche mit offenem Schnabel.
Er hoffte, keinen erschießen zu müssen, ging mit quatschendem Geräusch weiter und fächelte sich mit der Hand Luft zu. Er war nun schon zwei Jahre Gesetzeshüter von Chabot und hatte seine Pistole noch nie abgefeuert, außer auf Zielscheiben. Auf dem Schießstand. Nie auf ein lebendes Ziel. Nicht einmal auf eine Schildkröte auf einem gefällten Baumstamm.
Wieder hob sich einer der unansehnlichen Vögel schwerfällig vom Ufer, zerstörte, als er die Wasseroberfläche streifte, sein eigenes Spiegelbild und flatterte zu dem knorrigen, niedrigen Ast auf, wo er sich, Halt suchend, hin- und herwiegte. Silas erinnerte sich, wie ihm irgendwer – Larry Ott – erzählt hatte, dass ein Baum, den sich ein Schwarm Truthahngeier als Schlafplatz aussuche, zu sterben beginne. Er duckte sich unter einer niedrigen Ranke hindurch, auf der Hut vor Schlangen. Wassermokassins, hatte seine Mutter sie genannt. Fiese Biester, pflegte sie zu sagen. Dick und glänzend wie der Arm eines schwarzen Mannes und ein Maul, so weiß wie die Baumwolle, die er pflückt.
Silas nahm seinen Hut ab. Weiter weg lagen drei, vier in karierte Stofffetzen gehüllte Klumpen im Wasser, umgeben von einem Panorama aus Zypressen, Kniewurzeln, einer Versammlung schwarzer Truthahngeier und sämtlichen Fliegen, die eine Welt nur brauchen konnte. Ein großer Schatten strich über ihn hinweg und im Aufblicken sah er, teils ganz niedrig, noch mehr Geier kreisen, die, ohne zu kollidieren, durch einander hindurchzufliegen schienen, die Flügel- und Schwanzfedern an den Spitzen von der Sonne versilbert. Sein Mund war trocken.
Diese frühen Vögel waren schon eine ganze Weile bei der Arbeit, und die Hitze hatte ein Übriges getan. Aus dieser Entfernung und bei diesem Grad von Zersetzung hätte eine Identifizierung eigentlich unmöglich sein müssen. Aber Silas schüttelte den Kopf. Drückte die Taste seines Funkgeräts.
Es war der karierte Stoff, sollte er später zu French sagen.
Ein paar Tage zuvor hatte man Silas zu einer abgelegenen Stelle hinter einem erntereifen Baumwollfeld in der Nähe der Dump Road gerufen. Dort brannte ein alter Chevy Impala. Der Fahrer eines vorbeikommenden Müll­wagens hatte Rauch gesehen und es über Funk ge­meldet.
Silas erkannte den Wagen an den verkohlten Wunschkennzeichen: M&M, Morton Morisettes Spitzname. In der Highschool hatte er neben Silas, dem Shortstop, auf der zweiten Base gespielt. Nach dem Schulabschluss hatte M&M ein Dutzend Jahre im Sägewerk gearbeitet, bis er sich am Rücken verletzte; inzwischen bezog er eine kleine Invalidenrente und verkaufte angeblich ne­benher Gras. Weil er gewieft und vorsichtig war und weil er harte Drogen mied, hatte die Polizei ihn bislang in Ruhe gelassen. Beobachtet, ja: French und der Rauschgiftermittler des Countys schafften es, sämtliche bekannten und mutmaßlichen Dealer im County im Auge zu behalten, aber solange er nicht gewalttätig wurde oder sich jemand über ihn beschwerte oder ihn verpfiff, konnten sie ihm nichts anhaben, und M&M hatte sein Marihuana seit Anfang der Neunziger an vertrauenswürdige schwarze wie weiße Ortsansässige vertickt.
Was den brennenden Wagen anging, hatte Silas den Chefermittler angerufen – bei allem, was über einfache Körperverletzung hinausging, musste er French verständigen. French war rasch vor Ort, übernahm und hatte binnen vierundzwanzig Stunden eine ältere Frau aufgetrieben, die einen Mann, auf den die Beschreibung eines bekannten Cracksüchtigen passte, mit M&M im Wagen gesehen hatte. French und der Rauschgiftermittler beobachteten diesen Mann – Charles Deacon – schon eine ganze Weile und nutzten die Gelegenheit, um einen Haftbefehl zu erwirken. Doch bis jetzt hatten sie ihn noch nicht gefunden. Genauso wenig wie M&M. Wäh­rend Silas seine Streifenfahrten wieder aufnahm, auf Rutherford-Land nach unbefugten Eindringlingen such­te, Strafzettel ausstellte, den Verkehr regelte und totgefahrene Tiere beseitigte, hatte French M&Ms Haus ­durchsucht und dabei festgestellt, dass dort jemand – vermutlich M&M – angeschossen und dann weggeschafft worden war. Alles war sorgfältig abgewischt worden, aber man hatte dennoch ein paar Blutspritzer gefunden und eine .22er Kugel aus der Wand gestochert, ein Geschoss, das vom Einschlag so stark verformt war, dass man wahrscheinlich nichts damit würde anfangen können. Die dazugehörige Waffe wurde nicht ausfindig gemacht. Was Drogen anging, fand man nichts als ein Päckchen Top-Zigarettenpapier, nicht einmal irgendwelche Krümel. Ein paar Tage später hatte man M&Ms karierten Filzhut ge­funden, der kilometerweit weg, in Dentonville, an einem Flussufer im Wurzelwerk eines Baums hängengeblieben war. Aber seit dem Verschwinden der kleinen Rutherford hatten alle Deacon erst einmal zurückgestellt und M&M so gut wie vergessen.
Silas saß auf einem umgestürzten Baumstamm in Windrichtung der Leiche. Sogar von hier aus, am Rand des Sumpfes, konnte er erkennen, wie stark M&Ms Gesicht geschwollen war – groß wie ein Kissen, schwärzer als zu Lebzeiten und grotesk und rosa, wo die Haut aufgeplatzt war, Augen und Zunge weggefressen, das Fleisch von den Geiern großenteils zerrissen, im Wasser ein langes, träges Geschlängel von Eingeweiden.
Silas meinte, Zigarettenrauch zu riechen, und wollte sich gerade umdrehen, als ihm jemand auf den Rücken klopfte.
»Scheiße«, sagte er und fiel fast vom Stamm.
Hinter ihm stand French und stellte seinen Tatortkoffer ab. »Buh«, sagte er.
»Das ist nicht witzig, Chief.«
French, ein ehemaliger Wildhüter und Vietnamveteran, lachte und zeigte dabei seine kleinen, scharfen Zähne. Er war Ende fünfzig, groß und dünn, mit blass­grünen Augen hinter der Sonnenbrille, kurz geschnittenem rotem Haar und dazu passendem Schnurrbart. Er hatte ein scharfes Kinn und abstehende Ohren, die er unabhängig voneinander bewegen konnte. Behauptete, sein Spitzname in Vietnam sei Doe, Hirschkuh, gewesen. Er trug Bluejeans und ein in den Hosenbund gestecktes Flecktarn-T-Shirt, das eine auf den Betrachter zielende 9mm-Glock in einer fleischigen Hand zeigte. SIE HA­BEN DAS RECHT ZU SCHWEIGEN, stand auf seiner Brust, UND ZWAR FÜR IMMER. Die Pistole an seinem Gürtel entsprach haargenau der auf seiner Brust.
»M&M?«, sagte er.
Silas wedelte mit der Hand in Richtung der Leiche. »Was die Geier und die Katzenfische von ihm übrig gelassen haben.«
»Hast du ihn dir angeguckt?«
»Ich bin doch nicht verrückt.«
»Gut.«
Wenn der Chefermittler eines hasste, dann waren es Leute, die ihm seine Tatorte durcheinanderbrachten. Er beugte sich vor, um Silas’ Gesicht zu sehen, und grinste. »Wenn du da drüben ins Wasser kotzt, fressen’s die Katzenfische.«
Silas ignorierte die Bemerkung und blickte zum Himmel auf, soweit er zwischen den Bäumen und kreisenden Geiern zu sehen war. Er dachte an M&M und wie er in ihrer Kindheit jedes Mal, wenn man sich in der Pause eine Süßigkeit kaufte, zur Stelle gewesen war und um ein Stück gebettelt hatte. Ohne den Mittagstisch in der Schule wären er und seine rotäugigen Schwestern verhungert.
Mit einer Camel im Mundwinkel setzte sich French hin, streifte sich die Stiefel von den Füßen, stellte sie nebeneinander auf den Baumstamm, stieg in eine Wat­hose und passte die Hosenträger an.
»Achten Sie auf Alligatoren«, sagte Silas.
French drückte seine Zigarette am Baumstamm aus, steckte den Stummel in die Brusttasche und zog ein Paar Latexhandschuhe an.
»Ich komme wieder«, sagte er, stand auf und ging los wie ein Angler, hielt nicht einmal am Übergang in den Sumpf inne, sondern latschte hinein und sank, als stiege er eine Treppe hinunter, mit jedem Schritt tiefer, wäh­rend sein Kielwasser hinter ihm sanft verwirbelte.
Droben kreisten auch Krähen, erzählten sich krächzend, was immer Krähen sich erzählten, ein Geräusch, das Silas schon eine ganze Weile hörte.
Bis zur Taille im Wasser, beugte sich der Chief über die Leiche, von dem Geruch und dem Anblick anscheinend unbeeindruckt. Er fischte seine Digitalkamera aus der Tasche und begann herumzustapfen, um Fotos aus allen möglichen Winkeln zu machen. Dann stand er lange Zeit nur da und schaute. Vom Game and Fish De­partment war er zum Büro des Sheriffs gekommen und hatte sich zu seiner derzeitigen Position emporgearbeitet. Es ging das Gerücht, dass er für das Amt des Sheriffs kandidieren würde, wenn der aktuelle Amtsinhaber sich nächstes Jahr zur Ruhe setzte.
Nach einer Weile kam er zurück, setzte sich auf den Baumstamm, schob die Hosenträger herunter, streifte die Wathose ab und streckte die Füße.
»Wie tief ist es da draußen?«, fragte Silas.
Ächzend zog sich French seine Stiefel an. »Tief genug, um eine Leiche zu versenken, hat jemand gedacht. Der ganze Regen hat ihn hochkommen lassen.«
»Glauben Sie, sein Hut ist bis nach Dentonville getrieben?«
»Stromaufwärts?«
»Also versucht jemand, Sie irrezuführen.«
»Genau mein Gedanke, Honcho. Ich würde sagen, wir haben es mit überdurchschnittlicher krimineller Intelligenz zu tun.«
»Damit scheidet Deacon aus.«
»Vielleicht.«
French stand auf, machte vom Ufer aus weitere Fotos, klopfte eine neue Camel aus dem Päckchen.
Bald wurden die Vögel wieder unruhig, und zwischen den Bäumen kamen zwei Rettungssanitäter und der Coroner hervorgestolpert, fluchend und sich auf die Arme klatschend. Einer der Rettungssanitäter war Angie, ein hübsches, hellhäutiges Mädchen, zierlich, mit leicht einwärtsgerichteten Füßen, mit dem Silas seit einigen Monaten zusammen war, eine Beziehung, die mit jeder Woche fester wurde. Am besten an ihr gefiel ihm ihr Mund, wie die Lippen seitlich stets leicht gespitzt und in Bewegung waren, als trinke sie von einem unsichtbaren Milchshake. Außerdem schniefte sie wegen chronisch entzündeter Nebenhöhlen, und so komisch es war, auch das fand er süß.
Tab Johnson, ihr Fahrer, ein älterer Weißer, der ständig den Kopf zu schütteln schien, tat dies auch jetzt und kaute dabei seinen Nikotinkaugummi.
Angie trat hinter Silas, berührte mit der Schulter seinen Rücken, und er lehnte sich gegen sie und dachte an die Nacht zuvor, sie auf ihm, ihr Gesicht in seiner Halsbeuge vergraben, ihre langsam kreisenden Hüften, ihr Atem in seinem Ohr. Jetzt strich ihre Hand an seiner Wirbelsäule nach oben. Sie roch wie ihre Bettwäsche, und plötzlich beulte sein »Dingeldongel«, wie sie das nannte, seine Hose. Sie schniefte, und er schaute über die Schulter auf sie hinab.
»Kommst du heute Abend?«, fragte sie.
»Ich versuch’s.«
Sie bewegte die Hand. Dann kam der Coroner, ein junger, dicklicher Weißer in einem hinten aus der Hose hängenden Jeanshemd, die Brille auf die Stirn geschoben. Hatte den Job seit ein paar Jahren. Er war mit Angie und ihrem Kollegen hergefahren, ging nun mit seiner Tasche zwischen den beiden hindurch, trat bis an den Rand des Sumpfes und beschattete sich mit der Hand die Augen.
»Ich erkläre ihn für tot«, sagte er. »Ihr könnt weitermachen.«
»Igitt«, sagte Angie und blickte zu Silas auf. »Hättest du das nicht in der zweiten Schicht finden können?« Sie streckte die Zunge heraus, ging die Uferböschung hinunter, streifte sich dabei Gummihandschuhe über und legte einen Mundschutz an.
Jetzt kamen die Reporterin, die für die Polizeiberichte zuständig war, und ein paar Deputys den Hügel herunter, und Silas ergriff die Gelegenheit, noch ein bisschen he­rumzulaufen, in der Hoffnung, vielleicht einen im Wasser treibenden Zigarettenstummel oder einen an einem Spinnennetz hängen gebliebenen Faden zu finden. Und nicht mitansehen zu müssen, wie sie die Stücke in den Leichensack packten.
Ein paar Stunden später saß er, ins Büro zurückgekehrt, brütend an seinem Schreibtisch. Er und M&M hatten sich aus den Augen verloren, als er von der Highschool abgegangen war, und nun wünschte er, er hätte engeren Kontakt gehalten. Vielleicht hätte er dann etwas tun können. Aber er brauchte sich nichts vorzumachen. Mit einem Constable hätte M&M ohnehin nichts zu tun ha­ben wollen. Er wäre höflich gewesen, mehr nicht. Keine Freundschaftsbesuche. Keine Angelausflüge.
Silas saß an seinem Computer und löschte E-Mails, doch bei einer hielt er inne. Sie kam von Shannon Knight, der Polizeireporterin, und der Betreff lautete »Anschluss­frage«. Er öffnete die Mail und tippte eine Antwort. Zwar hatte er die Leiche gefunden, aber er wuss­te, Shannon würde auch French befragen, und French war derjenige, der in der Zeitung zitiert werden würde.
Silas lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. Er teilte sich das aus einem Raum bestehende Gebäude der Town Hall von Chabot mit Voncille, der Verwaltungsangestellten, deren Tisch links an dem Fenster mit Blick auf die Bäume stand. Die schöne Aussicht, sagte sie, stehe ihr zu, weil sie schon länger da sei als er und der Bürgermeister zusammen und außerdem keiner von ihnen je an seinem Schreibtisch sitze. Silas war es recht. Außer wenn er vergaß, in der gemeinsam genutzten Toilette den Klodeckel zu schließen, kamen er und Miss Voncille prima miteinander aus. Sie waren die einzigen Vollzeitangestellten von Chabot, ihr Gehalt zahlte das Sägewerk. Morris Sheffield, der Bürgermeister in Teilzeit, hatte seinen Schreibtisch an der hinteren Wand; er war Immobilienmakler, mit einem Büro auf der anderen Seite des Parkplatzes. Ein-, zweimal am Tag schneite er mit seinem BlackBerry, gelockerter Krawatte, in Slippern und ohne Socken bei der Stadtverwaltung herein. Er und Silas waren bei der Freiwilligen Feuerwehr und sahen einander nur bei den monatlichen Besprechungen und wenn es irgendwo brannte.
»Alles in Ordnung, Schätzchen?«, fragte Voncille und rollte auf ihrem Stuhl nach hinten. Ihr Schreibtisch stand hinter einem Raumteiler, den sie sich selbst gekauft hatte. Sie hatte blaue Augen und ein hübsches, rundes Gesicht und sah Silas über ihre Lesebrille hinweg an. Sie war eine Weiße Anfang fünfzig, mehrfach geschieden. Das morgendliche Regeln des Verkehrs hatte der steifen Haube ihrer roten Haare offenbar nichts anhaben können.
»Ja, Ma’am«, sagte er. »Wird schon wieder.«
»Armer alter M&M«, sagte sie. »Habt ihr nicht zusammen Baseball gespielt?«
»Ja, damals gab’s kaum zwei Jungs, die das Double Play so gut draufhatten wie wir.«
»Habt ihr noch miteinander geredet? Davor, meine ich.«
»Eigentlich nicht.«
Sie zog die Schultern hoch, eine Geste, die zugleich Verständnis und Missbilligung ausdrückte. Aber wen traf er denn außer anderen Cops und den Leuten, die er festnahm? Bloß Angie. Wen sonst brauchte er?
Voncille hatte sich wieder ihrer Arbeit zugewandt, und Silas beugte sich vor. Das mittels einer alten Stephen-King-Ausgabe etwas hoch geschobene Fenster vor seinem Schreibtisch bot einen Ausblick auf die anderen Gebäude von Chabot: Die Immobilienfirma von Mayor Mo, dem Bürgermeister, die Post, eine Bank – eher so etwas wie eine Kreditgenossenschaft für die Sägemühle —, einen Diner/Gemischtwarenladen namens The Hub, ein IGA-Lebensmittelgeschäft und einen Drugstore, die we­gen des Walmarts in Fulsom beide den Bach runtergingen. Der drittletzte Betrieb, der Chabot Bus, war ein auf Zementhohlblöcken aufgebockter alter gelber Schulbus, der zu einer Bar umfunktioniert worden war, mit einem Tresen im hinteren Ende, ein paar Tischen und Stühlen aus Plastik drinnen und ein paar zusätzlichen draußen. Dort traf sich Silas ein paarmal die Woche auf ein paar Drinks mit Angie, später am Abend, wenn die Sägewerkarbeiter nach Hause gegangen waren. Als sie einander – zufällig – dort kennengelernt hatten, waren sie die letzten Gäste gewesen und hatten dann in seinem Jeep herumgemacht, bis sie den Schalthebel versehentlich in den Leerlauf ruckten und in der Rinne gelandet wären, wenn er nicht die Handbremse angezogen hätte. Beim Blick aus den Busfenstern sah man die beiden letzten Gebäude, leere Büros mit vernagelten Fenstern. Silas überprüfte sie jeden Abend auf Obdachlose und Crack­süchtige. Außerdem sah man, dass Chabot am Rand einer tiefen Rinne erbaut worden war, die sich mit Kudzu gefüllt hatte, dem tückischen grünen Kraut, das nicht totzukriegen war. Irgendwer warf immer wieder Müll in die Rinne, der Waschbären und Wildkatzen an­lockte, nachts tintenschwarz durchs Laub streichende Schemen, flink wie Geister.
In Chabot gab es keinen Geldautomaten; der nächste war fast zwanzig Kilometer entfernt, in Fulsom. Handys funktionierten in Chabot manchmal, manchmal nicht. Weil das Gerald County (liberal) zwischen zwei Countys mit strengen Alkoholgesetzen lag, waren Fälle von Trunkenheit am Steuer häufig. Fulsom war der Verwaltungssitz des Countys und mit seinem Walmart im Vergleich zu Chabots kleinem Angebot von Läden geradezu ein Einkaufsparadies. Chabots einziger Friseur war gestorben, und sein Sohn war gekommen, hatte das Gebäude Stück für Stück abgebaut und in seinem Pick-up weggefahren. Nun stand das Grundstück leer und war von Wildblumen und Unkraut überwuchert, und wenn man einen Haarschnitt wollte, fuhr man nach Fulsom oder machte es selbst.
Wegen der Rinne lagen sämtliche Gebäude von Chabot mit der Vorderseite nach Osten, wie ein kleines Auditorium oder letztes Aufgebot: Durch die vorderen Fenster der Town Hall sah man auf der anderen Straßenseite, hinter Reihen von Güterwaggons und Tanklastern, die gewaltige, lärmende Anlage der Rutherford Lumber Mill aufragen. Sie verdeckte die Bäume und schwärzte den Himmel mit Rauch, ein riesiger Metallschuppen nach dem anderen, Schornsteine mit roten, piependen Lichtern, darunter Förderbänder und Lastenaufzüge, LKWs, Frontlader und Holzschlepper, die hupend zu­rückstießen oder knirschend über Sägemehl fuhren und frisches Grünholz aus ihrem Zangengriff fallen ließen, das umgehend zu Brettern zersägt und grundiert oder zu Pfosten verarbeitet und mit Kreosot imprägniert wurde. Sechzehn Stunden am Tag, sechs Tage die Woche stieß das Sägewerk dröhnend, knirschend und kreischend Bretter, Funken, Staub und Dämpfe aus. Zwei Achtstundenschichten und eine sechsstündige Wartungsschicht. Die Geschäftsräume waren in einem zweistöckigen Holzgebäude hundert Meter vom Sägewerk entfernt untergebracht; dort arbeiteten zwei Dutzend Leute: Buchhalter, Vertreter, Sekretärinnen, Verwaltungsangestellte. Manche hatten sogar Firmenwagen, große, grüne Ford F-250s mit Vierradantrieb.
Nicht so Silas. Er war streng genommen kein Angestellter des Sägewerks, also bekam er, was Chabot sich leisten konnte. Sein Jeep, erstanden bei einer Auktion, war über dreißig Jahre alt. Die Klimaanlage litt unter einem Em­physem, der Hauptzylinder war undicht und der Wagen war süchtig nach Freon und Bremsflüssigkeit. Von Öl ganz zu schweigen. Der Kilometerzähler war bei 230 411 stehen geblieben. Als Silas sich darüber beschwerte, dass es sich um einen alten Postwagen handelte, sagte Voncille: »Sei dankbar für das, was du hast, 32. Kannst froh sein, dass das Lenkrad auf der rechten Seite ist, und da­mit meine ich die linke.«
Gegen eins rief French an und sagte, er sei im Hub auf der anderen Seite des Parkplatzes. Ob er Silas etwas mitbringen solle? »Bloß nicht«, sagte er, und der Chief lachte und legte auf.
Ein paar Minuten später kam er mit einer fettigen braunen Tüte und einer Cola zur Tür herein, setzte sich an Mayor Mos Schreibtisch, öffnete die Tüte und entnahm ihr ein Austernsandwich.
»Wo ist Seine Hoheit?«
Silas hob das Kinn. »Unterwegs, Land kaufen.«
»Roy«, sagte Voncille und schaute hinter ihrer Trennwand hervor, die über und über mit Bildern ihrer Kinder bepflastert war. »Ich kapiere einfach nicht, wie du jeden Tag Zeugs aus demselben Laden essen kannst.«
»Was soll ich denn machen?«, sagte er kauend. »Ich hab schon in jedem gottverdammten Laden im County mal irgendwen hopsgenommen. Bedienungen, Tellerwäscher, Kellnerinnen, Pfannenschwenker, Besitzer, stille Teilhaber. Marla« – die Köchin im Hub – »kriegt von mir einen Freifahrschein für alles bis einschließlich vorsätzlichen Mordes, solange sie dafür sorgt, dass ich was in den Magen kriege. Ich muss schließlich essen.«
»Was ist mit Linda?«
Er kaute. »Sowie sie von der Arbeit kommt, macht sie nichts anderes mehr, als vor der Glotze zu sitzen und Reality zu gucken.«
Als er mit dem letzten Bissen fertig war, zerknüllte er die Tüte zu einer Kugel und warf sie in den Abfallkorb neben Silas’ Schreibtisch. Er schlürfte den Rest seiner Cola, holte seine Camels hervor und klopfte eine aus dem Päckchen.
»Untersteh dich, die anzuzünden«, rief Voncille.
French zündete sie trotzdem an, grinste über Voncilles Seufzer, ihr energischeres Tackern.
»Zu deiner Information«, sagte er zu Silas. »Neulich habe ich Norman Bates einen Besuch abgestattet.«
Silas schaute zu ihm hinüber. »Wem?«
»Aus Psycho«, sagte Voncille. »Er meint Larry Ott.«
French stieß Rauch aus. »Mach ich bei Vermisstenfällen immer so, besonders wenn’s um ein Mädchen geht. Du weißt schon. Die üblichen Verdächtigen.«
Silas runzelte die Stirn. »Sie glauben, Larry hat was mit der kleinen Rutherford zu tun?«
»Larry?«
Silas bereute, dass er es gesagt hatte. »Ich war mit ihm in der Schule, das ist alles. Hab ihn damals flüchtig ge­kannt.«
»Aber Baseball hat er nicht gespielt, oder?«, fragte Voncille.
»Nein. Bloß Bücher gelesen.«
»Horrorschinken«, sagte French. »Sein Haus ist voll davon.«
»Irgendwelche verstümmelten Leichen gefunden?«
»Nein. Später schau ich mal bei seiner Werkstatt vorbei. Mal sehen, ob ich ihn noch ein bisschen erschrecken kann. War heute schon mal da, aber da hatte er noch nicht offen.«
»Wann war das?«, fragte Silas.
French überlegte. »Vor zwanzig Minuten.«
»Und die Werkstatt hatte nicht offen?«
Der Chief schüttelte den Kopf.
Silas lehnte sich knarrend auf seinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme. »Haben Sie schon mal erlebt, dass er während der Geschäftszeiten nicht geöffnet hat­te?«
»Na und? Er hat seit Gott weiß wann keinen Kunden mehr gehabt. Ist doch egal, ob er da ist oder nicht.«
»Ja, aber das hat ihn nie davon abgehalten, da zu sein, genau das meine ich doch. Montag bis Samstag, so akkurat wie ein Uhrwerk. Macht normalerweise nicht mal Mittagspause.«
»Wer spielt denn hier auf einmal Detektiv?«, fragte French und lehnte sich auf dem Stuhl des Bürgermeis­ters zurück. Er streckte die Beine aus und rückte mit einem Fuß sein Knöchelholster zurecht. »Hast du mal diesen anderen Film von Alfred Hitchcock gesehen, Voncille?«
»Welchen?«
»Die Vögel?«
»Ist schon lange her.«
»Die ganzen Geier und Krähen heute Morgen haben mich dran erinnert. Haben ihn im Drive-in gesehen, als wir noch jung waren. Als er vorbei war, sagt mein kleiner Bruder: ›Weißt du was? Ich fänd’s toll, wenn das wirklich passieren würde. Mit solchen Vögeln. Die einfach verrückt werden. Wir könnten uns Footballhelme besorgen, ein paar Knarren und Munition, und dann könnten wir auf die Straße gehen und einfach Vögel killen und die Leute retten.‹«
Silas hörte gar nicht richtig zu. Er musste daran denken, wie Larry Ott ihn kurz nach seiner Rückkehr in den Süden von Mississippi auf seinem Privatanschluss angerufen und eine Nachricht hinterlassen hatte.
»Miss Voncille«, sagte er. »Sie waren doch auf der Fulsom High, oder? Haben Sie Larry Ott gekannt?«
»Eigentlich nicht«, sagte sie. »Bloß von ihm gehört. Er war ein paar Klassen hinter mir.«
Der Chief zwinkerte Silas zu. »Bist du mal mit ihm ausgegangen, Voncille?«
»Nur das eine Mal«, sagte sie. »Danach hat man nie wieder was von mir gehört.«
French schnaubte. »Wenn’s bloß so wär.«
Silas fuhr schon zehn Minuten auf dem Highway 11 in Richtung Norden, als ihm klar wurde, dass er Larry Otts Werkstatt ansteuerte. Es war früh am Nachmittag, der Regen hatte endlich aufgehört, auf der Straße dampften Pfützen, und ein klatschnasser Hund von undefinierbarer Rasse schüttelte sich Wasser aus dem Fell. Eigentlich müsste er drüben auf der 7 sein, nach Rasern Ausschau halten, seine Quote für diese Woche erfüllen und der Stadtkasse ein bisschen Bares einbringen, aber irgendetwas nagte an ihm.
Larrys erster Anruf war vor fast zwei Jahren erfolgt. Silas benutzte seinen Festanschluss nicht groß und hatte erst nach ein paar Tagen bemerkt, dass der Anrufbeantworter blinkte.
»Hallo?«, sagte die Stimme, als er den Knopf drückte. »Hallo? Ich hoffe, ich habe die richtige Nummer. Ich bin auf der Suche nach Silas Jones. Wenn ich die falsche Nummer habe, bitte ich um Entschuldigung.«
Er hatte das Telefon angestarrt. Kein Mensch nannte ihn mehr Silas. Seit dem Tod seiner Mutter nicht mehr.
»Silas?«, fuhr die Stimme vom Band fort. »Ich weiß nicht, ob du dich an mich erinnerst, aber hier spricht Larry. Larry Ott? Entschuldige, dass ich dich störe, aber ich wollte einfach, äh, reden. Meine Nummer ist 633-2046.« Silas machte keine Anstalten, sie zu notieren, während Larry sich räusperte. »Ich hab gesehen, dass du wieder da bist«, fuhr er fort. »Danke, Silas. Gute Nacht.«
Er hatte Larrys Anruf nie erwidert – wenn Larry ihn in der Town Hall angerufen hätte, hätte er gemusst.
Aber anstatt es zu kapieren, hatte Larry es noch einmal probiert. Halb neun an einem Freitagabend, ein paar Wochen später, hatte Silas zu Hause vorbeigeschaut, um sich vor dem Essengehen umzuziehen, einem Date mit irgendeinem Mädchen. Vor Angie. Als das Telefon klingelte, nahm er ab. »Ja?«
»Hallo? Äh, Silas?«
»Ja.«
»Hey.«
»Wer spricht da?«
»Larry. Larry Ott. Entschuldige, wenn ich dich störe.«
»Ja, ich bin gerade auf dem Sprung.« Schweiß rann ihm über die Brust. »Was gibt’s denn?«
Larry zögerte. »Ich wollte einfach nur, du weißt schon, willkommen zurück sagen. In Mississippi.«
»Ich muss los«, sagte Silas und legte auf. Mit am Rücken klebendem Hemd hatte er eine halbe Stunde auf dem Bett gesessen und sich an sie beide als Jungs erinnert, daran, was er getan, was Larry gesagt und wie er Larry deswegen verprügelt hatte.
Jetzt, beim Fahren, war ihm unwohl. Dass Larry ausgegrenzt wurde, hatte er schon seit seinem Weggang aus Süd-Mississippi gewusst, aber was genau vorgefallen war, hatte er erst nach seiner Rückkehr erfahren.
Er fuhr dicht auf einen Holzlaster auf und bremste ab, vor ihm flatterte der an den längsten Stamm getackerte rote Lappen. Rücklichter funktionierten, der Lappen war in Ordnung. Silas scherte auf die Gegenfahrbahn aus, trat das Gaspedal bis zum Anschlag durch, und der Jeep hatte eine Fehlzündung. Scheißkarre. Er hupte, als er unter hässlichen schwarzen Abgaswolken den Laster überholte, und der Fahrer erwiderte das Hupen.
French hatte recht damit, dass Ottomotive Repair keinen einheimischen – oder eigentlich überhaupt keinen – Kunden mehr gehabt hatte, seit Larrys Vater gestorben war und Larry die Werkstatt übernommen hatte. Silas konnte es bezeugen: So oft er auf dem Weg nach Fulsom schon vorbeigefahren war, er hatte dort noch nie jemanden gesehen, der sein Auto hatte reparieren lassen. Niemand außer Larry war da, er und dieser rote Ford. Trotzdem, Larry erschien jeden Tag zur Arbeit, wartete da­rauf, dass jemand auf dem Weg nach irgendwo, jemand, der seinen, Larrys, Ruf nicht kannte, anhielt und sich die Zündung einstellen oder die Bremsen nachsehen ließ, die Werkstatttür stets hochgezogen, wartend wie ein offenes Maul.
Larry war mittlerweile größer und dünner. Silas hatte ihn nicht aus der Nähe gesehen, aber sein Gesicht wirkte hager, die Lippen verkniffen. Früher stand sein Mund ständig offen, was den Eindruck vermittelte, er wäre schwer von Begriff. Aber das war er nicht. Er war schlau. Wusste den abgefahrensten Scheiß. Erzählte Silas mal, eine Königskobra könne über fünf Meter lang werden und zwei bis drei Meter davon in die Luft heben. Stell dir das mal vor, hatte er gesagt. Wie eine riesige, sich wiegende, schuppige Pflanze aus einer anderen Zeit, die auf dich runterschaut, kurz bevor du stirbst.
Silas passierte den Walmart, dann den Pfeilwegweiser zum Geschäftsviertel von Fulsom. Bald verengte sich die Straße auf zwei Spuren, und die Geschäfte wurden rar, die Bürgersteige zeigten Risse, in denen Unkraut wuchs; Gebäude waren aufgegeben, Fenster und Türen mit Brettern vernagelt. Er kam an einem früheren Postamt vorbei. Er kam an einem Bekleidungsgeschäft vorbei, das schon so lange keine Kunden mehr hatte, dass es kurzzeitig ein Geschäft für Vintage-Mode geworden war, ohne sein Sortiment zu ändern. Das Gebäude rechts von ihm war ein ehemaliges Radio Shack, die Fenster eingeworfen oder kaputtgeschossen, das Dach komplett eingestürzt, sodass Schindeln den Boden bedeckten und die Wände am Durchsacken und Zusammenbrechen waren. Die einzigen Geschäfte, die es an diesem Ende noch gab, waren ein billiges Motel, das als Stundenhotel und als Unterkunft für mexikanische Tagelöhner diente, und die Werkstatt, der er sich nun näherte und auf deren Wand in verblassten grünen Buchstaben OTTOMOTIVE REPAIR gemalt war.
Wie French gesagt hatte, stand Larrys Pick-up nicht an der üblichen Stelle, und die Werkstatttür war geschlossen. Silas bremste ab. Er setzte den Blinker, fuhr auf das Werkstattgelände und hielt neben den Zapfsäulen an, als wollte er auftanken. So nahe war er dem Laden nicht mehr gekommen, seit ... ehrlich gesagt war er dem La­den noch nie so nahe gekommen. Die zwei antiken Zapfsäulen waren allerdings schon seit Jahren nicht mehr in Betrieb und sahen aus wie zwei Roboter bei einem Date. Ein Zählwerk gab in erhabenen weißen Buchstaben die Preise bei der letzten Benutzung an: .32 Normal und .41 Äthyl.
Silas schaltete den Motor aus, sein Blick richtete sich auf das Rechteck aus totem Gras neben der Werkstatt, wo Larry seit dem Abgang von der Highschool jeden Tag geparkt hatte, außer während seiner Dienstzeit bei der Army. Immer denselben Pick-up. Mit dem er immer dieselbe Strecke zwischen hier und demselben Haus fuhr. Mit denselben Stoppschildern und Ampeln. Und man sah davon nichts als totes Gras.
In der Werkstatt gab es, wie er wusste, einen roten Werkzeugkasten und einen Wagenheber, an der Wand lehnten Montagerollbretter, von der Decke hingen Ar­beits­leuchten. Manchmal hatte Silas im Vorbeifahren Larry gesehen, wie er, auf seinen Besen gestützt, Autos nachsah. Dann hatte Silas den Blick geradeaus gerichtet, als hätte er etwas Wichtiges vor. An anderen Tagen hatte Larry seinen Werkzeugkasten ins Freie gerollt, damit er den Verkehr beobachten konnte, während er mit einem Lappen seine Schraub- und Steckschlüssel abwischte. Manchmal winkte er dann.
Niemand winkte je zurück. Jedenfalls kein Einheimischer. Aber mal angenommen, man kam von außerhalb, war auf der Durchreise und die Bremsen quietschten, vielleicht gab auch ein Lager Geräusche von sich oder die Stoßdämpfer hatten einen mitgekriegt. Mal angenommen, man machte sich Sorgen, dass man liegenblieb, und dann sah man plötzlich diesen Laden aus weißen Zementhohlblöcken mit den kuriosen Faschen aus abblätternder grüner Farbe, während das Gebäude selbst die Farbe von Waschpulver hatte, und vielleicht bremste man dann und bog ab. Man sah die Zapfsäulen und lächelte (oder runzelte die Stirn) über die Preise. Man sah keine anderen Kunden und schätzte sich glücklich, denn inzwischen kam schon Larry — sein Name stand auf seinem Hemd — heraus und zog dabei einen Lappen aus der Tasche. Kurze braune Haare, die Mütze zu tief über die Ohren gezogen.
Schwein gehabt.
Aber seinen Ruf, den kannte man nicht. Man wusste nicht, dass in der Highschool ein Mädchen, das ganz in der Nähe von Larry wohnte, mit ihm ins Drive-in-Kino gefahren war und kein Mensch sie je wiedergesehen hatte. Die Sache hatte für Schlagzeilen gesorgt, jedenfalls in der Gegend. Ihr Stiefvater hatte darauf gedrungen, Larry zu verhaften, aber man fand keine Leiche, und Larry gestand nicht.
Silas sah auf seine Uhr, dann saß er noch einen Mo­ment lang da. Er hatte Cindy Walker auch gekannt. Das vermisste Mädchen. In gewisser Weise hatte Larry ihn mit ihr bekannt gemacht.
Er schaute die Straße entlang.
Wo zum Teufel steckte Larry? Saß wahrscheinlich zu Hause und las Stephen King. Vielleicht hatte er sich ja endlich mal einen freien Tag gegönnt. Oder aufgegeben.
Aber das Nagen blieb. Was, wenn sich irgendein Verwandter des aktuell vermissten Mädchens, Tina Rutherford, eingehender mit Larrys Ruf beschäftigt und entschieden hatte, ihm einen Besuch abzustatten?
Nun guck dich an, 32 Jones, sagte er. Da hast du das arme Schwein die ganze Zeit ignoriert, und jetzt kümmert’s dich auf einmal?
»32?« Das Funkgerät.
»Ja, Miss Voncille?«
»Du musst rüber zur Fourteenth, Ecke West. Da hat jemand eine Klapperschlange in seinem Briefkasten.«
»Wie war das?«
»Klapperschlange«, wiederholte sie. »Briefkasten.«
»War das Fähnchen oben?«
»Haha. Die Briefträgerin hat es gemeldet. Dass das Biest im Kasten liegt, verstehst du? Damit wird es zu einer Straftat nach Bundesrecht.«
»Woher wissen Sie das?«
»32«, sagte sie. »Du steckst erst seit zwei Jahren in dieser Uniform. Weißt du, wie lange ich schon auf diesem Stuhl sitze?«
»Es ist also schon mal passiert?«
»Das willst du gar nicht wissen. Ich rufe Shannon an.«
Er meldete sich ab, froh darüber, dass Voncille die Polizeireporterin verständigte. Jedes Mal, wenn sein Bild oder sein Name in der Zeitung erschien, hob das seinen Status, was bei einer Leistungsbeurteilung zu einer Er­höhung seines Gehalts führen könnte. Genug gute PR, und er könnte ein schwarzer Buford Pusser werden und in zehn Jahren vielleicht selbst für das Amt des Sheriffs kandidieren.
Zu Larry rüberfahren konnte er auch später, dachte er, während er den Jeep anließ. Aber dann hatte er eine bessere Idee und klappte sein Handy auf.
»32«, sagte Angie. »Du hast doch nicht etwa noch eine verwesende Leiche, oder?«
»Ich hoffe nicht«, sagte er. »Was läuft denn so?«
Nicht viel, berichtete sie. Sie würden gerade mit einem Wildunfall auf der 5 fertig, keine Verletzten bis auf den toten Hirsch. Der State Trooper sei schon wieder weggefahren. Tab und der Typ, der den Hirsch angefahren habe, nähmen ihn gerade aus und hätten vor, sich das Fleisch zu teilen. »Tab fragt, ob du ein Filet willst?«
»Angie«, sagte er. »Kennst du Larry Ott?«
Ihr Telefon knisterte. »Scary Larry?«
»Ja. Hast du Lust, einer Ahnung zu folgen?«
»Vielleicht, Baby. Erzähl mir mehr.«
»Ihr müsstet mal zu ihm rausfahren, wenn ihr kurz Zeit habt. Schmaler Fahrweg in Chabot, geht von der Campground Cemetery Road ab.«
»Ich weiß, wo er wohnt. Und wieso?«
»Nur, wenn ihr mal kurz Zeit habt. Seht nach, ob dort alles in Ordnung ist. Es ist nicht weit von da, wo ihr gerade seid.«
»Bleib dran«, sagte sie.