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'Kuhland' ist in einer Allgäuer Kleinstadt und ihrer ländlichen Umgebung angesiedelt und lebt auch von einem starken Bezug auf das Land in dem er spielt. Der Roman handelt von dem Wunsch nach Glück durch die Wiederkehr des immer Gleichen; und natürlich auch um die Hindernisse dabei, durch gesellschaftliche Einflüsse und durch Befindlichkeiten und Begehrlichkeiten der Menschen. Mittelpunkt der Erzählung sind Benni, Kioskbesitzer, der sich lieber mit den Kühen unterhält als Bücher zu lesen. Der Roman schildert die Episode eines Sommers auf dem Land, Menschen, die aufeinander treffen und wieder auseinandergehen; alle getrieben vom Wunsch nach dem Glück im Immergleichen, die, die das Glück zu haben glauben, wollen es behalten, andere möchten mit Gewalt, dass es wieder so wird wie es einmal war. Ein Hühnerstall fliegt in die Luft und zwei Personen verschwinden. Und die Leiterin der Polizeidienststelle steht vor einem Rätsel. Die Geschichte hat keinen Plot, auf den sie sich hinbewegt, auch kein Ende, aber trotzdem wird sich doch am Ende des Sommers für einige der Personen das Leben verändert haben.
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Seitenzahl: 252
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Toma Behlsum
Kuhland
ein Heimatroman
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Inhaltsangabe
Hinweis
Prolog
1
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Prolog 2
51
52
53
54
Dank
Noch ein Hinweis hierzu:
Impressum neobooks
Prolog 1
1
Auf dem Land ist es oft laut
2
Benni steht früh auf, weil die Natur zu laut zum Schlafen ist, und wird deshalb von den Zwillingen verspottet
3
Er geht zur Arbeit, Benni betreibt einen Kiosk am Stadtplatz
4
Jan und Trisch haben Umzugspläne, wollen vorher aber in einem Café noch etwas bestellen
5
Ruth, zu erfolgreiche Ermittlerin, wird in die Kleinstadt strafversetzt
6
Brigitte will zu Hause bleiben
7
Ihr Mann Karl-Heinz will aber gerne in Urlaub fahren
8
Franz kann Teneriffa nicht leiden
9
Franz bekommt den Auftrag für eine Skulptur für die Westallgäuer Käsestraße, ein Grund zur Verzweiflung
10
Karla, eine frühere Freundin von Franz, besucht ihn überraschend
11
Brigitte verlässt Karl-Heinz und zieht zu Franz
12
Brigitte besucht Trisch in ihrem neuen Zuhause
13
Franz geht in die Kneipe und verlässt sie dann doch wider heimlich, als Karl-Heinz auftaucht
14
Ruth muss jetzt, statt zu ermitteln, die Sicherheit bei Nazifilmvorführungen gewährleisten
15
Benni trifft Trisch beim Discounter Norma
16
Trisch fährt Sonntagnachmittag in Urlaub nach Bregenz
17
Oskar, Bauunternehmer, muss für die Stadtverwaltung einen neuen Investor treffen, es ist Jan
18
Benni trifft auch Jan, auf einem Mountainbike in seinem Kräutergarten
19
Benni und Trisch fangen Mäuse und färben deren Schwänze grün
20
Bennis Haus am Hang rutscht ab, Benni muss vorübergehend ausziehen
21
Er zieht, vermittelt von Oskar, in die Neubausiedlung am Stadtrand
22
Er bringt seine Hühner im Garten unter, was auf Missbilligung der Nachbarn stößt
23
Brigitte schläft schlecht
24
Benni schläft auch schlecht und schaut nach seinem schiefen Haus und besucht dabei eher zufällig Brigitte
25
Brigitte und Benni unterhalten sich über Füchse, dann geht Brigitte wie jeden Tag laufen
26
Karla kommt aus dem Haus und unterhält sich mit Benni
27
Trisch Brigitte und Benni wandern auf das Gottesackerplateau
28
Der temporäre Hühnerstall fliegt in die Luft
29
Ruth kommt zu Benni wegen des Hühnerstalls
30
Benni bringt die toten Hühner zu seinem Freund Klaus in die Wirtschaft für Hühnerfrikassee
31
Benni und Trisch schauen fernsehen
32
Oskar und Jan treffen sich im Club zu Investorengesprächen
33
Benni geht ins Kino
34
Brigitte und Karla machen einen Sonntagsspaziergang durch Lindenberg, dann schläft Brigitte ein
35
Ruth verhaut Karl-Heinz, dann verhaftet sie ihn, lässt ihn aber später wieder frei
36
Die Skulptur zur Käsestraße wird eingeweiht
37
Ruth verhört Benni nochmals, weniger wegen dem Hühnerstall, mehr wegen möglicher Verbindungen zu Jan
38
Benni trifft Jan bei sich zu Hause, Jan ist aber tot.
39
Walt, der Ehemann von Karla, besucht Benni mit einer Pistole
40
Trisch kommt an und dann fliegen Jan und Walt durch die geschlossene Wintergartenverglasung davon.
41
Benni unterhält sich mit Ruth, die das alles beobachtet, aber nicht eingegriffen hat.
42
Karl-Heinz hat auch alles beobachtet und wird daher wieder einmal verhaftet.
43
Die beteiligten Personen gehen ihrer Wege
44
Klaus und seine Frau Maria besuchen den Herbstmarkt und sehen Jan und Walt vorbeifliegen
45
Bennis Haus ist wundersamer Weise gerade jetzt wieder begradigt und Benni geht nach Hause.
46
Karla, jetzt Witwe, und Brigitte, deren Mann verhaftet wurde,unterhalten sich
47
Trisch, jetzt Witwe, zieht wieder nach München und übernimmt die Geschäfte ihres Mannes
48
Benni ist wieder in seinem Kiosk am Stadtplatz wie früher auch
49
Oskar bringt die Tickets für Arkansas vorbei
50
Franz und Benni fliegen nach Arkansas, Brigitte und Karla besuchen
Prolog 2
51
Sie stehen auf dem Parkplatz in Brasil und werden von Christina in einem roten Pickup abgeholt.
52
Sie verbringen einige Zeit in Arkansas
53
Ruth erklärt ihren Vorgesetzten die Vorgänge und wird wieder als Ermittlerin eingesetzt
54
Benni unterhält sich mit den Kühen
Der Roman spielt in und um einen Ort genannt Lindenberg im Allgäu.
Ein Lindenberg im Allgäu gibt es übrigens wirklich, der Lindenberg im Allgäu genannte Ort im Roman allerdings ist frei erfunden, es gibt im echten Lindenberg keinen Kiosk am Stadtplatz und meines Wissens auch keinen Klub, und über die realen Fähigkeiten der Bürgermeister kann ich kein Urteil abgeben. Ebenso sind leider auch alle Figuren und Handlungen frei erfunden und wurden nicht von realen Figuren und Vorkommnissen der Vergangenheit oder Gegenwart abgeleitet.
Darauf hingewiesen sei hierbei aber auch noch, dass in Romanen nicht selten Versatzstücke aus dem wirklichen Leben des Autors enthalten sind, jedoch ohne dass damit vom fiktiven Leben Rückschlüsse auf das wirkliche Leben gezogen werden können.
Ein Beispiel:
Der Autor kennt eine rothaarige Frau, mit der er sogar befreundet ist, und die eine kunstvoll drapierte Frisur auf dem Kopf trägt. Will er nun eine seiner Romanfiguren für den Leser durch ein besonderes Aussehen wiedererkennbarer und prägnanter machen, entscheidet er sich für kunstvoll drapierte rote Haare, die kennt er, die braucht er nur noch aus dem Gedächtnis zu beschreiben. Leider aber hat er gerade diese Romanfigur als unsympathische, berechnende Rivalin der liebreizenden blonden Protagonistin gezeichnet. Die echte Rothaarige liest natürlich sein Buch, schließlich sind sie befreundet, erkennt sich anhand der Frisur darin wieder und schickt ihm eine SMS, dass er sich fortan bei ihr nicht mehr blicken zu lassen brauche, wenn er so von ihr dächte.
Ein völlig falsches Verhalten, aber leider nicht auszuschließen, es nützt mitunter nicht einmal, die Merkmale verschiedener Bekannten zu mischen, das hat schon Goethe erfahren, der im Werther die blauen Augen von Charlotte Buff / Kestner mit den schwarzen Augen von Charlotte von La Roche / Brentano vertauscht hat, was ihm und dann noch nach Jahrhunderten Thomas Mann in Lotte von Weimar große Probleme eingebracht hat.
Nicht in Ordnung ist es allerdings, wenn echte Figuren einfach ausgeschlachtet werden, wie Arnold Schönberg in Thomas Manns Doktor Faustus als Adrian Leverkühn, Erfinder der Zwölftonmusik, der im Roman Syphilis hat und verrückt wird. Arnold Schönberg, der – zeitgenössische und mit Mann bekannte – echte Erfinder der Zwölftonmusik, der keine Syphilis hatte und nicht verrückt wurde, hat sich zu Recht sehr darüber geärgert, ja gegrämt, wie seine Tochter noch heute verbittert berichtet.
Sollte sich aber bei Kuhland tatsächlich jemand wiedererkennen, so liegt das einzig an dessen Selbstüberschätzung.
Bis vor 3 Jahren und 3 Monaten war Benni im erst Bonner, dann Berliner Innenministerium zuständig für die Rückführung umstrittener Kulturgegenstände, was bedeutet, dass Sammlungen oder Einzelstücke, die sich als Beutekunst irgendwo im Ausland in Privathand befanden, oder die von der Bundesrepublik als geeignet dafür angesehen wurden, das nationale Ansehen zu heben, von dem Land, in dem sich die Objekte zwar im offiziellen oder auch inoffiziellen Handel befanden, jedoch mit einem Ausfuhrverbot belegt worden waren, von der Bundesrepublik über Mittelsmänner mittellegal angekauft wurden. Danach wurde es still um die Stücke, bis nach einer angemessenen Zeit Gras über die Sache gewachsen war und sie als Ankauf einer Kulturstiftung wieder auftauchten und als Dauerleihgabe an ein Museum gegeben wurden.
Das Amt, das Benni leitete, bestand aus ihm selbst, einer Sekretärin und einem älteren Herren, der gleichzeitig als stellvertretender Dienststellenleiter, Dolmetscher für 6 Sprachen, Kunsthistoriker und Bürobote fungierte. Da es das Amt aber gar nicht gab, tauchte es auch nirgendwo in Tätigkeitsberichten oder Rechnungsberichten auf. Benni hat sich auch nie die Mühe gemacht herauszufinden, ob denn wenigstens das Außenministerium Bescheid wusste.
Da nicht existente Stellen immer in der Chefetage direkt neben der Geheimdienstkoordinierung angesiedelt sind, um normale Mitarbeiter fern zu halten, begegneten sich Benni und der Kanzleramtsminister mehrmals täglich. Am Morgen des Tagen, an dem er unfreiwillig zum zukünftigen Kioskbetreiber werden sollte, wurde er vom Kanzleramtsminister, der Benni in der Regel nicht oder bestenfalls mit einem kaum erkennbaren Kopfnicken zur Kenntnis nahm, herzlich begrüßt, als sie sich auf dem Gang begegneten, gerade als er zwei Minuten nach 9 Uhr aus dem Lift kam, für den man einen eigenen Schlüssel braucht. Benni wusste, dass das irgend etwas eher weniger Gutes bedeutet, vergaß die Sache dann aber wieder.
Um 11 Uhr 15 rief dann die Sekretärin des für ihn zuständigen Staatssekretärs seine Sekretärin an und übermittelte ihm einen Besprechungstermin für 14 Uhr. Die Mitteilung erreichte ihn allerdings erst um 13 Uhr 55, da er von 11 Uhr bis 11 Uhr 45 eine Unterredung mit einem seiner Kontaktleute hatte und danach in die Kantine gegangen war und lustlos, aber wegen der Unkenntnis des bevorstehenden Termins entspannt Rehmedallions mit Kartoffelkroketten sowie Bayerische Creme mit Himbeermark gegessen hatte. Außer dem Fleisch, das strohtrocken war, schmeckte alles wie aus Halbfertigmischungen zusammengerührt, was es schließlich auch war. Danach hatte er im Park hinter dem Ministerium in der Süddeutschen Zeitung die Berichte über die Innenpolitik gelesen, um sich auf dem Laufenden zu halten. Für Mitte Juni war es recht kalt, und wenn er nicht ohne Jackett losgegangen wäre, wäre er noch später wieder ins Büro zurückgekommen.Als er dort von dem Termin erfuhr, begab er sich unverzüglich zum Büro des Staatssekretärs, das auf der gleichen Etage, jedoch in einem anderen Flügel liegt, von wo er von dessen Sekretärin in den Besprechungsraum geführt wurde, in dem ein Dutzend hässliche und grobschlächtige Stühle an einem dazu passenden Tisch stehen, kein Telefon, keine Bilder. Dort wartete er nun.
Nach 20 Minuten hatte Benni keine Hoffnung mehr auf einen für ihn befriedigenden Ausgang des Tages. Der Staatssekretär, ein mit seinen Stühlen vergleichbar hässlicher, grobschlächtiger Mann, traf weitere 17 Minuten später ein und bat den seit nunmehr 37 Minuten allein auf einem der 12 hässlichen Stühle sitzenden Benni, Platz zu nehmen. Benni konnte nun nichts mehr überraschen. Und so erschien es ihm in Anbetracht der vorhergegangenen Merkwürdigkeiten nur konsequent, dass der hässliche Staatssekretär ihm eröffnete, dass auf Grund bestimmter Konstellationen, die mit dem EU-Assoziierungsabkommenverschiedener osteuropäischer Staaten zusammenhängen und den sich daraus abgeleiteten politischen Konsequenzen, seine Stelle aufgelöst werden wird.
‚Sie meinen, dass für irgend jemanden ein politisches Opfer fällig wird.’
Der Staatssekretär, der keine Lust hatte, Benni wissen zu lassen, dass er selber nur Anweisung befolgt, ging nicht darauf ein.
‚Wir sorgen selbstverständlich weiter für unsere Leute, sagte er großzügig. ‚Ihrem Stellvertretenden Dienststellenleiter haben wir eine attraktive Vorruhestandsregelung ausgearbeitet, und auch für Fräulein Hildegard werden wir etwas Passendes finden.’ 'Fräulein Hildegard’ war Bennis Sekretärin. Von Benni selbst hinsichtlich ‚was Passendes’ war nicht die Rede.
Er dankte dem Staatssekretär trotzdem und fragte nach seiner Abfindung, was zunächst heftigen Widerspruch hervorrief. Man einigte sich schließlich auf etwa die Hälfte, was Benni zeigte, dass der hässliche Staatssekretär bereits vorab mit entsprechenden Vollmachten ausgestattet worden war. Benni bestand darauf, die Abfindung sofort und in bar ausbezahlt zu bekommen, was keinerlei organisatorische Probleme aufwarf.
Benni, der wichtige Unterlagen, Adressen und Dokumente immer schon bei sich zu Hause, keinesfalls im Ministerium aufbewahrte, wo er nie wissen konnte, wer darin rumschnüffelte, packte noch am selben Tag seine wenigen persönlichen Sachen sowie das Geld in eine Aktentasche, verabschiedete sich von seinem stellvertretenden Dienststellenleiter und seiner Sekretärin und verließ das Ministerium für immer.
Danach fuhr er zu seinem Appartement und packte auch dort seine Habseligkeiten zusammen, die hier weniger als einen halben Koffer füllten. Er war ohnehin wegen seiner häufigen Reisen kaum 90 Tage im Jahr in Berlin gewesen. Daher hatte er es möbliert gemietet und sich nie die Mühe gemacht, dem Appartement eine persönliche Note zu geben, ebenso wie er darauf verzichtet hatte, sich wegen eventuell drohender Einsamkeit mit einer möblierten Dame in ähnlicher Lage anzufreunden.
Zuletzt stellte er die Aktentasche und den halbleeren Koffer im Flur ab, inspizierte nochmals gründlich die Wohnung und brachte den Müll hinunter. Danach rief er die Frau seines Staatssekretärs an, die im Gegensatz zu ihrem Mann so schön ist, dass das Gerücht umgeht, er müsse irgend etwas gegen sie in der Hand haben, und die ihm bei seinem letzten Pflichtcocktailempfang ihr Leid über ihren Mann geklagt hatte. Er teilte ihr mit, dass er gerade ausgezogen sei, die Miete für das Appartement noch für über 3 Monate bezahlt sei und es ihr zur Verfügung stünde. Die Frau des Staatssekretärs bedankte sich so überschwänglich, dass es ihm fast peinlich war. Trotzdem empfand er auch ein wenig Genugtuung.
Dann fuhr er mit dem ICE nach München zu seiner ehemaligen Freundin, die in eine Schlosserei im Hof eines düsteren Gründerzeitblockes gezogen war, das freigeworden war, als der 92 jährige Schlosser 1997 seinen Betrieb aufgegeben hatte und zu seiner 62 jährigen Tochter nach Bielefeld gezogen war, und die ihn mehrfach eingeladen hatte, ‚mal vorbeizukommen’ wenn er in München wäre.
Dort angekommen stellte er die Aktentasche und den halbleeren Koffer vor der Türe ab und teilte seiner ehemaligen Freundin mit, dass er eine Weile hier wohnen würde, was sie kommentarlos entgegennahm, woraufhin er Koffer und Tasche nach drinnen trug. Ein Überblick über seine finanzielle Lage ergab, dass er sich keine aktuellen Sorgen machen musste und er darüber hinaus im Besitz von einem großen alten Haus im Allgäu ist, das seit dem Tod seines Vater vor 16 Jahren leer steht.
Woher das Geld im Koffer ist, daran kann er sich jetzt nicht mehr erinnern, auch als seine ehemalige Freundin ihn fragte, was geschehen sei, antwortete er, das wisse er nicht.
Viele Menschen denken, auf dem Land, tausend Meter Luftlinie weg von der nächsten asphaltierten Straße und 500 Meter Luftlinie vom nächsten Haus, da ist es ruhig. ‚Ach, ist es hier schön ruhig’! sagen sie dann, als sie ankommen, nur weil sie fest daran glauben. Zu viele Menschen wohnen an stark befahrenen Straßen, deshalb wirbt der Fremdenverkehrverband ja auch mit der himmlischen Ruhe in freier Natur. Das aber ist gelogen. Das Gegenteil ist der Fall, auf dem Land ist es laut, wie die Touristen dann auch alsbald merken. Die Vögel, die Grillen, der Bach, die Kuhglocken, die Kirchenglocken. Die Kühe und die Frösche. Viele Dezibel kommen da zusammen. Vogelgezwitscher geht gerade noch, aber nur, wenn es keine Rabenvögel wie Raben, Krähen, Eichelhäher und Elstern sind. Auch Frösche und Kirchenglocken sind der Ruhe nicht förderlich.
Die Touristen fühlen sich um die versprochene Stille betrogen und beschweren sich dann beim Fremdenverkehrsamt, reden von ordinärem Gequake und dringen auf die Entfernung der Frösche als nicht endemisch im näheren Umkreis von Frühstückspensionen, und auf Stilllegung der Kirchenglocken, da sowieso niemand mehr in die Kirche gehe. Das Fremdenverkehrsamt schickt sie dann zur Entspannung in ein Motel an der Autobahn, oder rät zu einer Zugfahrt, immerhin können auch die Stöße der Eisenbahnschienen beruhigen, wenn man dabei an Piroschka oder an Lieselotte Pulver denkt, und alle sind wieder zufrieden.
Die Nacht über war die laute Natur draußen noch vom Regen übertönt worden, aber als der Regen aufhört wacht Benni auf und kann nicht mehr einschlafen. Er steht auf, schließt das Fenster, es ist feucht im Zimmer, aber nicht unangenehm. Er geht ins Bad, prüft sein Gesicht im Spiegel, es sagt ihm nichts, er wäscht es, danach schaut es noch genau so aus, geht in die Küche, die sich in einer Ecke des Wohnzimmers befindet, das den ganzen vorderen Teil des Erdgeschosses einnimmt, und will Kaffee kochen, das heißt, er will die Espressomaschine anmachen.
In seiner Küche sitzen schon zwei große dünne Mädchen, die Zwillinge Anne und Ulla, nur welche nun Anne und welche Ulla ist weiß er nicht. Ob sie schon auf sind oder gar nicht schlafen waren ist nicht ersichtlich, die Zwillinge kommen immer unangemeldet, wenn sie zu Hause ‚Stress haben’, wie sie sagen. Benni hat es ihnen erlaubt, das Haus ist groß genug, nur müssen sie alles so hinterlassen wie sie gekommen sind. Wie im Klo im Zug. Worin ‚der Stress’ besteht sagen sie nie, sie sind nicht der Meinung, dass die dann drohenden guten Ratschläge eines in ihrer Wahrnehmung bereits älteren Mannes relevant sind, und Benni fragt daher auch gar nicht erst. Warum sie hier sind und nicht in der Schule, es ist ein Freitag Mitte Juni, fragt er lieber auch nicht. ‚Keine Schule heute, weil Ferien’, würden sie doch nur antworten.
Dafür fragen ihn jetzt die Zwillinge, warum er schon auf ist.
‚Draußen ist es mir zu laut’, beschwert er sich, ‚da konnte ich nicht mehr schlafen.’
‚Unfug’, sagt die eine.
‚Was hast du denn da draußen Böses gehört’? fragt die andere.
‚Alles Mögliche. Singvögel und Krächzvögel, Flugzeuge, Hornissen und andere Brummtiere, Traktoren, Unterhaltungen von frühen Mountainbikern, Bäche, Grillen, Kuhglocken, Marder . . ‘ zählt Benni auf.
‚Unfug’, sagt jetzt auch die andere.
‚Wenn das gleichmäßige Rauschen des Regens weg ist’, erklärt er ihnen, ‚hört man all die anderen Geräusche, und der Wind in den Bäumen und das Rauschen des Baches kann den Regen da nur ungenügend ersetzen. Irgendwo in der Hecke vor dem Haus hustet ein Marder, Raben, die sich mit einem Bussard streiten, sind deutlich zu hören, und kaum hat sich die Sache geklärt, kommen die Krähen und streiten weiter, und die Kuhglocken läuten unentwegt, weil die Kühe immer nur kurz schlafen, meistens fressen sie entweder oder sie käuen wieder, und dabei bewegen sie ihren Kopf und damit auch den Hals, und dann läuten eben die Kuhglocken. Oder, was noch schlimmer ist, sie wollen nach Hause und brüllen wie Tiger. Das Ohr zerlegt dann die einzelnen Geräusche, die eben noch hinter dem Rauschen des Klangteppichs Regen verschwunden waren, und halten einen wach.’
‚Was du alles hörst haben wir jetzt. Aber was riechst du hier?’ wechselt die erste das Thema.
‚Kaffee?’
‚Und draußen?
‚Heu? Bschütte*?’
Sie fragen ihn, ob er einen Espresso möchte. Benni nickt. Der Espresso ist undurchsichtig und stark.
‚Was schmeckst Du?’
‚Kaffee’? wiederholt Benni.
‚Was fühlst du?’
‚Eine gewisse Taubheit?’ Alles mit Fragezeichen versehen, Benni weiß nicht, worauf sie hinaus will.
‚Das sagt ihm alles nichts‘, sagt nun die eine zur anderen resigniert.
‚Was bitte ‚sagt mir nichts’?’ hakt Benni nach.
‚Das ist doch ganz einfach. Der Samurai lehrt uns: Lerne, alle 5 Sinne sinnvoll zu gebrauchen, dann erst bekommt man einen sechsten Sinn, den Sinn, mit dem man vor und hinter die Dinge sieht. Also bitte jammer hier nicht rum, es ist zu laut, sondern gebrauche deine Sinne’.
‚Der Samurai sagt weiter, dass erst der sechste Sinn es ermöglicht, seinen größten Widersacher, nämlich sich selbst, zu überwinden’ ergänzt ihre Schwester.
‚Sind halt Oberschüler’, denkt Benni, der es nicht so mit in die Zukunft gerichteten Vorstellungen hat, mit Ereignissen, die irgendwann mal eintreten könnten, wenn diese oder jede Voraussetzung erfüllt sind.
Beide kommen zu ihm und schnuppern ihm im Gesicht herum. Benni weicht zurück.
‚Was soll das jetzt wieder?’ fragt er.
‚Wusstest du nicht, dass die Eskimos sich bei der Begrüßung anschnüffeln? Dann wissen Sie gleich, was los ist, und Lügen sind völlig zwecklos, der Geruch verrät ihnen alles. Der Samurai sagt: Lerne, alle 5 Sinne zu gebrauchen’, wiederholt sie.
‚Wohnt seit Jahren unterhalb von einem blinden Bauer und hat nichts dazugelernt’, sagt kopfschüttelnd die andere. Benni hat aber selbst auch etwas in den Gesichtern der Zwillinge gerochen, nämlich kalten Rauch.
Die Zwillinge ziehen sich in eines der Gästezimmer zurück, und Benni isst ein Honigbrot und schreibt während des Frühstücks einen Brief an die Heimatzeitung, weil im Kornhaus, einem zum Gemeindesaal umgebauten alten Stadel im nächsten Dorf, ein Film von Veit Harlan gezeigt werden soll. Er findet das ungehörig.
Danach schaut er noch eine Weile aus dem Fenster. Auf den Wiesen im Tal beiderseits des Baches liegt eine leichte Nebelschicht, trotz des Hochsommers. Die ganze Welt ist jetzt noch ohne Farbe, weiß-silbern. Die Wolken sind weitergezogen, und dann geht auf einmal über dem Hang gegenüber durch die Bäume die Sonne auf und die Welt wird zuerst golden und dann bunt. Benni stellt fest, dass er zufrieden ist. Er fragt sich, ob er angesichts der Schönheit, die ihn umgibt, aber auch glücklich ist, und wenn ja, warum er dann Leserbriefe schreibt.
Dann macht er sich zu Fuß auf in die vier Kilometer entfernte Kleinstadt. Er besitzt kein Auto, und Fahrradfahren mag Benni nicht, weil er Radfahrer nicht mag, sie sind nicht nett. Fahrradfahrer können sich nie entscheiden, ob sie jetzt ein Opfer der Gesellschaft sind, weil sie nicht mit 6 Zylindern herumfahren oder ob sie der Gesellschaft Opfer bringen, da sie ja auch mit 6 Zylindern fahren und die Umwelt belasten könnten. Ein vernünftiger Umgang mit Ihnen ist also keinesfalls möglich und daher will er auch nicht werden wie sie.
Unterwegs unterhält er sich kurz mit den Kühen, die es schon gewöhnt sind, dass er vorbeikommt und die ihn ein Stück begleiten, so lange eben, bis das eingezäunte Feld zu Ende ist.
*Bschütte, allgäuerisch für Odel oder Gülle
Benni ist 40 Jahre alt und froh, wenigstens in einer Phase seines Lebens sich nicht ständig fragen zu müssen, was er als nächstes tun soll, sich nicht ständig wichtig zu nehmen. Zeit haben, frei verfügbare Zeit. Selbst über die Zeit bestimmen. Also doch irgendwie Glück.
Er hat seit einigen Monaten den halben Anteil am Tabak- und Zeitschriftenkiosk am Stadtplatz gepachtet, von Lydia, der die Arbeit allein zu viel geworden ist. Benni hatte Bedenken, ob das gut geht, Lydia ist eine Institution, die wie ein Fels aus Fleisch in einem unförmigen grünen Kleid den nicht wirklich kleinen Kiosk ausfüllt, und auch die Älteren unter den Lindenbergern können sich nicht daran erinnern, dass es einmal eine Zeit vor Lydia gegeben hat. Aber es geht gut.
Die Aufteilung geht so: Benni jeden Tag, und Lydia nur dann, wenn Benni krank oder verhindert ist. Beide finden das gerecht. Den Kiosk kann er öffnen und schließen wann es ihm gerade passt, Kioske haben keine festen Öffnungszeiten, sonst wären sie Läden, und wenn er wie heute um halb sieben aufmacht und es kommt niemand, liest er den Westallgäuer und die Süddeutsche. Der Westallgäuer ist die Regionalausgabe der Augsburger Allgemeine Zeitung, die es zwar nicht im Umfang, aber in der journalistischen Qualität sehr wohl mit sz und faz aufnehmen kann. Allerdings hat die AZ eine Besonderheit, die wohl ihrer ländlichen Klientel geschuldet ist, sie lässt es zu, dass die Leserbriefseiten überschwemmt werden von fundamentalistischen Trollen, die jeder kritischen Berichterstattung über die katholische Kirche oder der Berichterstattung über Kritik von Dritten an der katholischen Kirche stets mit dem immergleichen Totschlagargument begegnen, was wäre wohl, wenn es sich hierbei um kritische Äußerungen zum Islam handeln würde. Benni sieht großzügig darüber weg.
Vorher war er in der Bar beschäftigt gewesen, dort hat er dann gekündigt, als ihm der halbe Kiosk angeboten wurde. Nicht, dass die Arbeit in der Bar an sich ihm nicht gefallen hätte, ‚3 Bier bitte, für mich einen dunklen Weizen, 2 Cola mit Schuss, Espresso bitte, he Chef, zahlen’, alles ok, auch der Bierdunst und die hässliche Musik von anno dazumal, Status Quo und so, die dicke verräucherte Luft damals noch, kein Problem, das Problem war vielmehr, Benni kann die Menschen an sich nicht leiden. Er musste ständig Leute begrüßen und dann auch noch um sich haben, die er nicht kennt und auch nicht kennen lernen will. Nur selten kamen solche, die er da haben wollte, Franz zum Beispiel, ohne die anderen Idioten, mit denen er immer rumhängt, oder die Zwillinge Anne und Ulla, die gelegentlich aushalfen, anstatt sich auf das Abitur vorzubereiten und zeitig schlafen zu gehen, und ein paar wenige mehr. Die anderen wollte er dann doch lieber weg haben.
In persönlichen Selbstversuchen hat er festgestellt, dass für ihn ‚die Menschen’ bei mehr als fünf am Stück beginnen. Bis fünf ist noch alles in Ordnung, sechs sind schon zu viel, fünfzig bis sechzig an einem Abend in der Kneipe da erst recht, ganz zu schweigen von den restlichen 7 Milliarden sonst noch wo. Benni wird sich diesbezüglich auch nicht mehr ändern.
In seinem Kioskhäuschen ist er noch behüteter als früher hinter der Theke, quasi im Mittelpunkt der Welt und doch nicht darin. Er sieht auf die Welt durch vier Fenster, auf jeder Seite eines, und es sind auch nie mehr als 5 Personen, die vor dem gerade geöffneten Fenster stehen und etwas von ihm wollen, einen Westallgäuer, eine Marlboro light, ein Nuts. Klingt ähnlich wie in der Kneipe, ist es aber nicht, denn wenn sie alles haben gehen sie wieder weg und lungern nicht noch stundenlang vor der Theke herum. Welches Fenster geöffnet ist hängt vom Wetter ab, von der Sonne oder dem Schlagregen, oder den Straßenmusikanten, ob erträglich oder unerträglich. Die anderen drei Fenster sind immer geschlossen, damit ihm nicht die Schulkinder aus dem Fenster im Osten Schokoriegel rausklauen, während er an dem im Westen gerade eine Illustrierte verkauft.
Der Lehrer Roth kommt vorbei und beschwert sich über die Zwillinge, die Schuld daran hätten, dass seine Frau und die Kinder jetzt ausgezogen sind.
‚Wie denn das’? fragt Benni uninteressiert.
‚Ich war Dienstagnachmittag auf der Lehrerkonferenz. Als ich nach Hause kam, ging ich in die Küche und stahl meinem Sohn, der gerade am telefonieren war, sein Leberwurstbrot. Auf dem Leberwurstbrot lag, wie ich erfreut feststellte, eine halbe Gurke, in Finger geschnitten und aufgefächert, wie es bereits seit 1962 nicht mehr üblich war.’
‚Und was hat das mit den Zwillingen zu tun’, fragt Benni, um dem Lehrer einen Gefallen zu tun, aber der Lehrer hat es eilig.
‚Das erzähle ich ein andermal’, sagt er im Gehen, ‚der Unterricht beginnt gleich.’ Kaum hat er ‚Unterricht’ gesagt, fängt es auch schon wieder an zu regnen. Der Wind kommt von Westen, also schließt Benni das Fenster im Westen und öffnet das im Osten. Als der Regen immer stärker wird macht er nach einer Stunde den Kiosk schon wieder zu und geht nach Hause. Er möchte unterwegs noch die Kühe fragen nach dem Zusammenhang, oder dem Gegensatz, von zufrieden und glücklich
‚Ich sollte vielleicht mal für eine Weile hier verschwinden’, sagt Jan. ‚Und mich dann komplett neu orientieren.’
‚Warum ziehen wir nicht ins Allgäu, dort ist es so schön, dass wir nie wieder weggehen werden. Dort wohnen wir dann mit vielen wilden Tieren, und mit Kühen. Der Himmel wird nachts dunkel sein und der Mond scheint hell, und die laute Natur wird die böse Welt draußen übertönen’, ruft Trisch, seine Frau.
‚Das klingt ja ganz schön’, sagt ihre Freundin, ‚aber genau dort ist die Mitte von nirgendwo.’
‚Mir doch egal’, sagt Trisch. Das sei außerdem eine dumme Übertragung aus dem Amerikanischen, in the middle of nowhere, ergänzt sie nach einer ganzen Weile, die beide damit zugebracht haben zu versuchen, eine Bestellung aufzugeben.
‚Da ist doch nichts‘, insistiert ihre Freundin, und ergänzt, dass von der Landschaft vor der Türe man schlecht einen Kulturkampf betreiben könne und nur in urbanen Lebensumfeldern herrsche Kampf, und nur so entwickle sich die Gesellschaft. Im Kuhland dagegen herrsche die idyllische Einfalt.
Trisch fragt in die Runde, vor wie vielen Generationen jeder einzelne denn dem Kuhstall auf Wiedersehen gesagt habe und erntet betretenes Schweigen.
Trisch und Jan und der Fox der Beiden sind mit einem befreundeten Ehepaar im Theatercafé, und nicht nur Trisch und ihre Freundin versuchen verzweifelt, eine Bestellung aufzugeben.
‚So würde es zum Beispiel niemals einem Landbewohner gelingen, auch nur eine Bestellung in einem Szenecafé aufzugeben, geschweige denn dort auch was zu bekommen. Ohne Kenntnis von sun tzu*, die Kunst des Krieges, um das strategische Vorgehen beim Bestellen von Speisen und Getränken unter unterschiedlichen erschwerten Bedingungen zu studieren, täte sich da nichts’, fährt die Freundin von Trisch fort.
‚Das kann doch nicht so schwer sein’, sagt Trisch und hebt zum hundertsten Mal die Hand, um die Bedienung auf sich aufmerksam zu machen. Die Bedienung aber schaut durch ihre Hand einfach hindurch.
‚Es gibt nämlich in städtischen Gebieten fünf Arten von Bedienung, was bei der Bestellung zu berücksichtigen ist’ führt die Freundin weiter aus, ‚erstens echte professionelle Bedienungen, wobei es natürlich wie in allen Berufen gute und schlechte Bedienungen gibt, was aber keine Rolle spielt, und zweitens Inhaber und Service eines Cafés in Personalunion.
‚So weit so gut’, sagt Trisch, ‚aber beides kommt auch in Kuhland vor.’
‚Ja, aber dann gibt es noch Bedienungen, die eigentlich gar keine sind, aber welche spielen, vorzufinden beispielsweise in Grand Hotels, Beatniks, die Bedienungen so verkörpern, ganz so wie sie es in einem Off-Broadway Stück spielen würden. Das sind dann die Besten überhaupt. Weit verbreitet sind allerdings auch solche, die ängstlich vermeiden, dass sie jemand für Bedienungen hält. Sie bringen nur deswegen den bestellten Kaffee und das Bier, weil sie durch widrige Umstände in ihrer Biografie in die Verlegenheit gebracht wurden, Dinge zu tun, die ihnen zutiefst zuwider sind, wie etwa Kaffee oder Bier zu bringen.’
‚Und was sind dann das hier für welche?’
‚Letztendlich gibt es neuerdings Bedienungen, und diese hier zählen dazu, die auf die Frage, ‚Sind Sie hier die Bedienung’? antworten würden, das wüssten sie auch nicht, die Frage habe sich ihnen irgendwie nie gestellt. Der worst case.’
Trisch murmelt jetzt wieder was von Amerikanismen, die Freundin fährt aber ungerührt fort:
‚Davon haben die vom Land ja keine Ahnung. Deshalb fahren die Bewohner von Kleinstädten auch immer mit einem kundigen Reiseleiter im Omnibus als Gruppenreise in die Großstadt.’
Auch die Freundin von Trisch hat während ihres Vortrages ununterbrochen versucht, die Aufmerksamkeit der Bedienung zu bekommen, einer blonden jungen Frau mit wachsblonden Haaren, die zu einem dicken Zopf geflochten sind, und die dadurch aussieht wie die Madonna, die Madonna in katholischen Kirchen, nicht die Sängerin.
Der Foxterrier von Trisch hat sich derweil an den Nachbartisch gesetzt.
‚Auf dem Land heißt es immer nur, Kollege kommt sofort, oder: ich sag’s dem Kollegen oder der Kellner ruft gleich: Kollege’ sagt der Mann der Freundin, um auch etwas gesagt zu haben.
Trisch überlegt, ihrem Hund zu folgen. Jan steht auf und flüstert der Madonna etwas ins Ohr und bereits 20 Minuten später hat Jan einen Martini Cocktail und die anderen alle Kaffee und Kuchen, einmal Nusskirsch, einmal Engadiner Nuss und einmal Zitronentarte. Der Kuchen ist ganz ökologisch und schmeckt hervorragend, da oft die Qualität von etwas steigt, je schwerer es zu erlangen ist.
