Kulturmarxismus - Eine Idee vergiftet die Welt - Heiko Schrang - E-Book

Kulturmarxismus - Eine Idee vergiftet die Welt E-Book

Heiko Schrang

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19,99 €

Beschreibung

Die westliche Welt befindet sich im freien Fall. „Bunt, offen und tolerant“ sind Schlagworte einer neuen Gesellschaft, die aus dem Untergang der alten entstehen sollte. Immer mehr Menschen empfinden die jetzige Zeit als verroht, seelenlos und dekadent. Genderwahn, Massenmigration und sexuelle Übergriffe scheinen das Mantra der neuen Zeit zu sein. Nur wenige wissen, dass aber ein geheimer, teuflischer Plan dahinter steckt, der seinen Ursprung bereits vor über hundert Jahren hatte und mittlerweile fast die ganze Welt umspannt. Dieser ganze Wahnsinn lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Kulturmarxismus. Benjamin Kaiser deckt in diesem wegweisenden Buch die dahinter stehenden Strukturen auf und entzaubert die Strippenzieher.

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BENJAMIN KAISER & HEIKO SCHRANG

Über den Autor:

Benjamin Kaiser, geboren 1973, studierte Germanistik, Publizistik und Geschichte an der Freien Universität Berlin. Er ist Unternehmer, Vater von fünf Kindern und lebt in Großbritannien.

Über den Herausgeber:

Heiko Schrang ist einer der bekanntesten Publizisten der freien Medien. Neben seiner Autorentätigkeit ist er auch Inhaber des erfolgreichen Schrang-Verlages. Dort erschienen u.a. sein erstes Buch „Die Jahrhundertlüge, die nur Insider kennen“, welches sofort zum Besteller wurde. Außerdem wurde in seinem Verlag „Deutschland außer Rand und Band“ von Petra Pausen veröffentlicht. Dieses Buch schaffte auf Anhieb den Sprung in die Spiegel-Bestsellerliste.

Breite Bekanntheit erlangte Heiko Schrang jedoch mit seinem Format Schrang-TV, das mittlerweile zu den größten Youtube-Kanälen im Bereich der Alternativmedien gehört. Heiko Schrang ist bekennender Buddhist und lebt nördlich von Berlin.

… und es ist kennzeichnend für alles Dämonische, daß es zwar ungeheures Aufhebens macht und viel Bewegungen schafft, niemals aber noch irgendwem irgendwas danach in der Hand gelassen hat.

Heimito von Doderer

An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

Matthäus 7,16

Hinweis

Alle Links in diesem Buch wurden zuletzt im August 2018 geprüft.

Sollten Sie, liebe Leserin und lieber Leser, Fehler entdecken würden wir uns freuen, wenn Sie uns dies unter [email protected] mitteilen, damit wir dies in der nächsten Auflage beheben können.

Alle Rechte vorbehalten

© Macht-steuert-Wissen Verlag, Mühlenbecker Land, 2019

Überarbeitete und erweiterte Ausgabe des Buches: “Kulturmarxismus”, erschienen 2018 bei Seuse Verlag, Mühlenbecker Land.

1. Auflage

ISBN: 978-3-945780-63-3

Weitere Informationen zum Buch finden Sie unter: www.macht-steuert-wissen.de

Coverlayout: Freie Vektoren erstellt von freepik, Gesamtmontage Amadeus Holey,

Birkenweg 4, 74579 Fichtenau, Mail: [email protected]

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2019

Besuchen Sie uns im Internet unter: www.macht-steuert-wissen.de

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.

MSW – Macht steuert Wissen ist eine beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragene und geschützte Marke.

Inhalt

Cover

Titel

Über den Autor

Über den Herausgeber

Impressum

Vorwort von Heiko Schrang

Was ist Kulturmarxismus?

Bunt, offen und vielfältig

Das Paradies auf Erden

Feinde der Menschlichkeit

Das große Finale

Kommunismus, Nationalsozialismus und am Ende Kulturmarxismus?

Marxismus und Konsumkultur

Der Sonderweg des westlichen Kommunismus

Die Frankfurter Schule

Aufbruch zu neuen Ufern

Exil in den USA und Siegeszug in Deutschland

Vom »normalen Bürger« zum »neuen Bewusstsein«

Der »lange Marsch« und seine Folgen

Selbstglorifizierung einer Generation

Konsumrebellen

Vom Klassenkampf zur sexuellen Revolution

»Vögeln gegen Faschismus«

Die Macht der Medien

»Wir amüsieren uns zu Tode«

Das Rechts-links-Schema

Die neue Toleranz

Das böse Rechts

»Kampf gegen rechts« – die verkürzte Argumentationskette

Der neue Totalitarismus

Feindbild Familie

Im bunten Todeskarussell

Die Geburtsstunde des Genderwahns

Der Staat als neue Familie

»Willkommenskultur« als revolutionärer Akt

Gefühle ohne Grenzen

Regimewechsel in Syrien

Auflösung Europas

Islamisten im Ponyhof

Sexuelle Übergriffe

Staatsversagen

Islam

Kulturkampf durch globale Eliten?

Kulturmarxistische Finanzeliten?

Der Weltstaat

Grün-linke Gesinnungspolizei in leeren Kirchen

New Age Islam

Jesus als »erster Bolschewik«

Die zwei Schwerter

Die Ekstase der Selbstmörder

Die andere Option des Menschen

Die große Show: Nachtrag aus dem Jahr 2019

Die inszenierte Demokratie

Warum uns der »Rechtspopulismus« nicht retten wird

Klimarettung als Lebenssinn für die neue Weltordnung

Vegane Zwangsernährung

Untergang des Abendlandes?

Weitere Bücher

Anmerkungen

Anmerkungen zum Kapitel »Die große Show: Nachtrag aus dem Jahr 2019«

Vorwort von Heiko Schrang

Täglich bekommen wir unzählige Buchmanuskripte zugeschickt. Ein Buch zog mich sofort in den Bann, da es so gründlich recherchiert war, wie kein anderes, das ich bislang zu dieser Thematik las. Dies hat mich dazu bewogen, ein Vorwort für dieses - aus meiner Sicht sehr wichtige Werk - zu schreiben.

Es befasst sich mit der Wahrnehmung vieler Menschen, dass sich unsere westliche Welt im freien Fall befindet. Werteverfall, Verrohung, Gewalt und Dekadenz gehören mittlerweile in unseren Städten zur Tagesordnung. Gleichzeitig wird mit aller Macht eine neue Gesellschaft propagiert, die „bunt, offen und tolerant“ sein soll.

Mehr noch: Genderwahn, Massenmigration und sexuelle Übergriffe scheinen das Mantra der neuen Zeit zu sein.

Die Kehrseite der angestrebten und scheinbar erreichten Vielfalt ist, dass die Freiheitsrechte des Einzelnen im Zuge dieses Prozesses massiv eingeschränkt werden. Diejenigen, die an Familie, Zusammenhalt und Tradition festhalten, werden mehr und mehr als Nazis und Rechtspopulisten stigmatisiert und gesellschaftlich geächtet.

Nur die Wenigsten wissen, dass sich dahinter ein geheimer, teuflischer Plan verbirgt. Der Grundstein zu diesem wurde bereits vor über hundert Jahren gelegt und umspannt mittlerweile fast die ganze Welt. Benjamin Kaiser deckt auf einzigartige Weise die komplexen Zusammenhänge auf und gibt dem Wahnsinn einen Namen:

„Kulturmarxismus“.

Was ist Kulturmarxismus?

Der Glaube an eine größere und bessere Zukunft ist einer der mächtigsten Feinde gegenwärtiger Freiheit.

Aldous Huxley

1968 begann eine neue Ära. Voller Hoffnung brach die damals junge Generation auf, ihren Traum einer besseren Welt zu verwirklichen. Während Bob Dylan und die Rolling Stones gegen den »Mief« der Nachkriegsjahre ansangen, begannen Akademiker, diese Utopie hinter den Kulissen umzusetzen. Was in kleinen Schritten vor sich ging und große Rückschläge erlebte, ist heute Wirklichkeit.

Europa, wie wir es kannten, gibt es nicht mehr. Wir leben in einer multikulturellen und »vielfältigen« Gesellschaft. Kinder müssen, nachdem sie zu Schuljahresbeginn eine Woche lang über die nationalsozialistischen Verbrechen aufgeklärt wurden, eine »Buntheits- und Toleranzwoche« durchlaufen. »Bunt« und »vielfältig« zu sein, gilt heute als ein allgemein zu akzeptierender Standard. Die »offene« Gesellschaft, von der die 68er träumten, ist auf ihre Weise Wirklichkeit geworden.

Um dies zu erreichen, galt es, die tragenden Säulen der westlichen Welt: Familie, Glaube und Nation einzureißen. Die Mittel, derer man sich bediente, waren vielfältig. Neben der subtilen Lenkung durch Fernsehen, Kino und Musikindustrie, boten Konzepte wie »multikulturelle Gesellschaft« oder »sexuelle Revolution« den nötigen Sprengstoff.

Darüber hinaus kam eine neue Strategie zum Einsatz: der »lange Marsch durch die Institutionen«. Junge Hochschulabsolventen eroberten Schritt für Schritt Macht und Einfluss in den Institutionen, um ihre Vorstellung einer besseren Gesellschaft umzusetzen. Dieser »lange Marsch« ist aus heutiger Sicht erfolgreich abgeschlossen. Die 68er beziehungsweise ihre ideologischen Nachfolger geben in den Massenmedien, Universitäten und Kirchen den Ton an.

Mit der Macht in den Institutionen wurde auch die kulturelle Hegemonie errungen. Das heißt, es wurde die Möglichkeit geschaffen, vorzugeben, welche Werte in der Gesellschaft gelten und welche nicht. Das auf diesem Weg neu installierte Wertesystem wird gemeinhin als »politische Korrektheit« bezeichnet.

Hinter all dieser absichtlich herbeigeführten Veränderung steht ein Traum. Der Traum einer besseren, vereinigten, grenzenlosen Welt, in der alle Menschen gleich sind. Man möchte über den ganzen Erdball hinweg die schöne neue Welt errichten. »Diskriminierung und Ausgrenzung« sollen endgültig der Vergangenheit angehören.

Bunt, offen und vielfältig

Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen:

»Ich bin der Faschismus«.

Nein, er wird sagen: »Ich bin der Antifaschismus«.

Ignazio Silone

Und insbesondere im Marxismus ist das religiöse Element nicht zu übersehen.

Karl Popper

Um diesen Traum zu verstehen, müssen wir uns auf eine Reise in die Vergangenheit begeben: freizügige Mädchen, Palmenstrand und blaues Meer …

Mehrfach reiste der Maler Paul Gauguin in die Südsee. Als er sich 1895 dort endgültig niederließ, waren seine Berichte schon Legende. Er hatte in Frankreich die Sehnsucht nach einem Paradies auf Erden befeuert. So schrieb er enthusiastisch, die Bewohner »in Ozeanien kennen vom Leben nichts anderes als seine Süße. Für sie heißt Leben Singen und Lieben«.

Weiter berichtete er der Pariser Leserschaft, im »›Dschungel im Inneren der Insel‹ sei er auf ein Volk von edlen Wilden gestoßen, das unschuldig und sorgenfrei nur dem Gesang, dem Tanz und der freien Liebe lebe«. Besonders beglückend für den unter notorischen Geldsorgen leidenden Maler war, »daß es dort möglich sei, ohne Geld zu existieren«.

Paul Gauguin hatte also nichts Geringes entdeckt. Was er in Tahiti vorfand, war seinen Berichten zufolge das real existierende Paradies auf Erden. Er verweilte dort bis zu seinem Tod unter »edlen Wilden«, die im Naturzustand, friedfertig und unverdorben unter Palmen im Einklang mit sich selbst, ihren Mitmenschen und der Umwelt lebten.

Wir stellen uns den Maler Paul Gauguin entsprechend vor: Ein Leben ohne Geldsorgen, Lebensmittel schenkt die Natur in Hülle und Fülle, man muss nur die Hand ausstrecken, um sich mit Kokosnüssen, Bananen und Fischen zu sättigen. Abends tanzen spärlich bekleidete Südseemädchen bei entspannter Musik um ein Lagerfeuer. Die »edlen Wilden« sind in sich ruhende, erfüllte Menschen, sexuell experimentell und kennen keine Konflikte. Sie teilen solidarisch, was die Natur ihnen schenkt, sie sind gegenüber Fremden offen und tolerant.

Wie wir wissen, sah die Wirklichkeit radikal anders aus, als Gauguin sie dem Pariser Publikum schilderte. Weder konnte er jagen und fischen, noch war er in der Lage, »in den Bergen Bananen zu pflücken«. Er musste bei einem chinesischen Händler teure Importkonserven kaufen, die aus Europa bis in die Südsee verschifft wurden. Die »edlen Wilden« führten einen harten Existenzkampf, und als die erwarteten Zahlungen aus Frankreich ausblieben, lebte der Künstler nur noch von Wasser und Reis. Von »solidarischer Hilfe« der »edlen Wilden« war wenig zu spüren.

Finanziell schlug noch ein anderer Notstand schwer zu Buche: An die angeblich »sexuell freizügigen Eingeborenen-Mädchen« kam er nur schwer heran. Er musste sich Prostituierte halten. So lebte er lange Zeit mit dem käuflichen Mädchen Titi zusammen, das er auch malte, und selbst das natürlich gegen Bezahlung. Dabei fiel ihm Titi noch mit ihrem Geschwätz auf die Nerven.

Mit den Jahren wurde das vermeintliche Südseeparadies dem an Syphilis erkrankten Künstler zum Verhängnis. Als er kurz vor seinem Tod den Wunsch äußerte, nach Frankreich zurückzukehren, riet man ihm davon ab. Seine Rückkehr würde das Bild zerstören, das er in Europa geschaffen hatte und dem Verkauf seiner Gemälde schaden. Schließlich starb Gauguin in seiner Not unter Palmen, ohne die Heimat je wiedergesehen zu haben.

Wir mögen heute vielleicht über Gauguins Naivität lächeln, dürfen jedoch nicht übersehen, der große Künstler legte in der Südsee nicht nur einen wesentlichen Grundstein zur Moderne in der Malerei. Mit seiner Eskapade brachte er den Traum der modernen Menschheit selbst zum Ausdruck. Er war aufgebrochen, die seit Aufklärung und Französischer Revolution verbreitete Utopie einer besseren Welt auf Erden zu leben. Das hieß konkret, sich nicht mehr auf ein fernes Jenseits vertrösten zu lassen, sondern tatsächlich hier und jetzt das Paradies zu suchen und zu verwirklichen.

Dieser Traum des modernen Menschen hat bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Er tritt in immer neuen Varianten auf, derzeit in der westlichen Welt als das Ideal einer neuen Gesellschaft, in der die freie Selbstverwirklichung des Einzelnen mit der globalen Solidarität aller Menschen Hand in Hand geht. In Deutschland wird diese neue Gesellschaft zum Beispiel mit den Worten »offen«, »bunt« und »anders« beworben. Weitere in diesem Kontext stehende Wörter sind »tolerant«, »vielfältig« und »Willkommenskultur«.

Das Paradies auf Erden

Mit Aufklärung und Französischer Revolution begann nicht nur die Befreiung des Menschen »aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit«, es nahm der Traum der modernen Menschheit seinen Anfang: Die Erde sollte zu einer Heimstatt des Friedens und der Gleichheit aller werden, Kriege und Ungleichheit für immer ein Ende finden und die gerechte Verteilung der materiellen Güter sichergestellt sein. Diese Utopie ist aktueller denn je und ihre Umsetzung besitzt für diejenigen, die diesen Traum hegen, eine ungeheure Dringlichkeit: »Lasst uns wenigstens den Weltuntergang verhindern. Es ist fünf vor zwölf, und wir haben nicht mehr viel Zeit.« So der ehemalige US-Präsident Barack Obama.

Im Rahmen dieser Dringlichkeit geht es sowohl um Gerechtigkeit, die Gleichstellung aller Menschen, als auch den Kampf gegen »Unterdrückung, Rassismus, Homophobie und Nationalismus«.

Die Antworten zur Umsetzung dieser Ziele kennen zahlreiche Facetten, ein wesentlicher Aspekt ist, dass die schöne, neue Welt nicht nur im kollektiven Sinne besser als der jetzige Zustand der Welt sein wird, sondern dem Einzelnen Erfüllung, Selbstverwirklichung sowie ein Leben in Freiheit und Wohlstand ermöglichen soll.

Wesentliche Voraussetzung für das Funktionieren dieser Utopie ist die Theorie, der Mensch wäre von Natur aus gut, man müsse ihn nur von seinen zivilisatorischen und überkommenen moralischen Fesseln befreien. Man muss sogar sagen, die Vorstellung davon, dass der Mensch gut sei und sein Gutsein nur unter einer Kruste gesellschaftlicher Deformierungen wiederentdeckt werden müsse, ist elementare Grundlage für die Erschaffung der neuen, globalen Gesellschaft.

Diese Theorie ging prägend von Jean-Jacques Rousseau aus, der postulierte, der Mensch wäre erst durch Zivilisation, bürgerliche Gesellschaft und christliche Moralvorstellungen verdorben worden. Als Beweis für diese Theorie führte Rousseau an, irgendwo auf der Erde gäbe es immer noch »edle Wilde«. Genauer genommen existierten diese in Nordamerika und der Südsee, wo sie unberührt von bürgerlich-familiärer Enge wie im Paradies im Einklang mit ihren Mitmenschen und der Natur lebten.

Diese »edlen Wilden« benötigen, wie später Gauguin zu beweisen suchte, kein Geld, sind sanftmütig und könnten nicht anders, als einander zu lieben. Weder würden sie lügen, noch gäbe es bei ihnen Könige und Gerichtsverfahren. Selbstverständlich ist der »edle Wilde«, wie wir gesehen haben, nackt und sexuell freizügig.

Dieses Ideal sollte ein Jahrhundert später in die Vision des befreiten, sich in Harmonie mit der neuen Gesellschaft selbst verwirklichenden Menschen münden: »An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft […] tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.«

Was Marx und Engels hier programmatisch formulierten, war für viele bis dahin eine Unvorstellbarkeit. Es war die grandiose Hoffnung auf Aufhebung des jahrtausendealten Gegensatzes zwischen individuellem Streben und gesellschaftlichen Verpflichtungen. Es war die Hoffnung auf eine Welt, in der sich der Einzelne und die Gesellschaft harmonisch zu einem Ganzen zusammenfinden, sich ergänzen und gegenseitig beglücken. Die Selbstverwirklichung des Einzelnen würde den solidarischen Zielen der Gesellschaft dienen und die Gesellschaft wiederum solidarisch den Einzelnen bei seiner Selbstverwirklichung unterstützen.

Auch der Zusammenbruch des Sowjetkommunismus hat diesem Traum keinen Abbruch getan. In Westeuropa und Nordamerika, der ehemaligen sogenannten »freien Welt«, erlebt die westliche Sonderform des Marxismus eine unerwartete Renaissance. Der Ruf nach Verwirklichung einer neuen Gesellschaft erschallt hier lauter denn je.

Ein Gründungsmythos für diese postmodern-westliche Variante des modernen Menschheitstraums war erneut eine Südseereise. 1925 brach die junge Ethnologin Margaret Mead zu der Südseeinsel Samoa auf. Zwar konnte sie weder die Sprache der dortigen indigenen Völker, noch war sie sonst in irgendeiner Weise besonders auf ihre Reise vorbereitet. Aber sie glaubte bedingungslos an das Gute im Menschen. Dies war der entscheidende Faktor.

Ihr Südsee-Bericht sollte zu einem wichtigen Manifest der 68er-Generation werden. Antiautoritäre Erziehung, sexuelle Vielfalt, friedliche Koexistenz aller Menschen: Die ganze Agenda der nach dem Zweiten Weltkrieg angetretenen jungen Akademikergeneration wurde prägend von Meads Bericht beeinflusst.

Mead fand in Samoa einen fast paradiesisch anmutenden Gegenentwurf zur sexualfeindlichen und gewalttätigen westlichen Gesellschaft. Im Zustand der Verzückung schilderte sie, wie die Jugend Samoas frei und ohne Zwänge heranwuchs, wie sie spielerisch und ohne verklemmte Moralvorstellungen sexuelle Erfahrungen sammelte und somit keine, für die westliche Welt so typischen Neurosen entwickelte.

Weiterhin beobachtete sie nicht nur das Fehlen von Rivalität, Ehrgeiz und Gewalt, sie konstatierte das Fehlen von Vergewaltigungen, Mord und Selbstmord. Die Ureinwohner Samoas schilderte sie als sanfte und lockere Menschen und lag mit der von ihr gezeichneten Südsee-Idylle ganz im Trend der nach dem Ersten Weltkrieg sehr populären Lebensreform-Bewegungen, der »Rohköstler und Nacktturner«.

Als einige Jahre später der Ethnologe Derek Freeman ebenfalls nach Samoa aufbrach, um die Forschungsergebnisse Margaret Meads zu überprüfen, war er besser vorbereitet als seine Vorgängerin. Er beherrschte die Sprache der dortigen Ureinwohner und hatte so die Möglichkeit, direkt in das Leben der Menschen einzutauchen. Seine Ergebnisse standen in solcher Diskrepanz zu den Beobachtungen Meads, dass er sich entschloss, seine Forschungsergebnisse aus Respekt vor ihr erst 1982, also vier Jahre nach ihrem Tod zu veröffentlichen.

Was er beschrieb, rückte das von Mead stilisierte Südseeparadies in ein ganz anderes Licht. Nicht nur lebten die Ureinwohner Samoas keinen friedlichen und glücklichen Gegenentwurf zu den westlichen Gesellschaften. Wie er statistisch erheben konnte, lag die Zahl der Vergewaltigungen, Morde und Selbstmorde im Vergleich zur Bevölkerungszahl deutlich höher als in den USA. Gleichzeitig konnte er eine Vielzahl an Neurosen und psychischen Störungen unter den Eingeborenen beobachten. Auch waren die Erziehungsmethoden der indigenen Bevölkerung keinesfalls sanftmütig und freizügig, sondern von geradezu drakonischer Strenge. Dazu war es mit der von Margaret Mead beschriebenen »freien Liebe« unter den Südseebewohnern nicht weit her. Kein katholischer Bergbauer hätte eifersüchtiger über die Jungfräulichkeit der Töchter wachen können, als die Samoaner.

Aber noch heute gilt Margaret Mead als Ikone, wird sie als »Mutter der sexuellen Revolution« verehrt, wird sie als Kronzeugin für die tatsächliche Realisierbarkeit bunter, diverser und toleranter Gesellschaften angeführt.

Feinde der Menschlichkeit

Wesentlich für alle Facetten des modernen Menschheitstraumes ist die gezielt gesteuerte Wahrnehmung, dass es unter den Menschen nicht nur Befürworter, sondern auch Gegner einer neuen, humanitären Weltordnung gibt. Diesen »Feinden der Menschlichkeit« ist bis heute ausdrücklich der Kampf angesagt.

Dieser Kampf ist nicht neu. Der Traum der modernen Menschheit war schon immer durch die Auseinandersetzung mit »fortschrittsfeindlichen, konservativen und rückständigen« Kräften geprägt, von denen die Gesellschaft »gesäubert« werden müsse. Man sprach von »Reaktionären«, von »Ungeziefer« oder von einem »Pack«, das sich der Revolution entgegenstelle, um aus egoistischen Motiven die neue Gesellschaft zu verhindern.

Zwar kamen die »Säuberungen« mit der Zeit aus der Mode und man bediente sich zunehmend subtilerer Methoden, die neue Gesellschaft zu errichten und die Menschheit von ihren vermeintlichen Fesseln zu befreien. Die Stichwörter sind hier in Folge: »lenken«, »öffnen«, »Erziehung zu sexueller Vielfalt«, »Fake News und Hass-Sprache bekämpfen« oder »Mit Vielfalt gegen Populismus«. Doch das Ziel des neuen, befreiten Menschen blieb das gleiche: Von Natur aus wäre er wieder gut, friedfertig, sexuell freizügig, mit der Befähigung, sich harmonisch in die neue Gesellschaft einzufügen. Dieser neue Mensch bildet die Grundlage der neuen Gesellschaft. Wer sich gegen diese Umerziehung stemmt, wird als »abgehängt und zurückgeblieben« gebrandmarkt.

Um diese »Feinde der Menschlichkeit« zu bekämpfen, musste und muss bis heute hart durchgegriffen werden. Der kommunistische Schriftsteller Bertolt Brecht formulierte dies nicht ohne Ironie in der Dreigroschenoper:

Der Mensch ist gar nicht gut

drum hau ihn auf den Hut.

Hast du ihn auf den Hut gehaut

Dann wird er vielleicht gut.

Das Erstaunliche ist: Trotz allem »auf den Hut gehaut«, also trotz stalinistischer »Säuberungen«, Pol Pot und der Kulturrevolution in China mit über 100 Millionen Opfern, ist dieser Traum immer noch aktuell. Weswegen wird also unbedacht aller Rückschläge weiter an der kollektiven Menschheitsbeglückung gearbeitet? Ist der Mensch nicht lernfähig? Ja, es hat sogar den Anschein, als nähere sich das große Menschheitsbeglückungsprogramm langsam aber sicher seinem Finale …

Wie in einer Wagner-Oper häufen sich die Crescendi, Pauken schlagen, Trompeten schmettern. Wäre der Begriff nicht anderweitig besetzt, müsste man von einem »Endkampf« sprechen, in dem die Guten gegen die Bösen zu einer letzten Schlacht antreten. Das große Finale nähert sich seinem Höhepunkt und findet spätestens seit dem Spätsommer 2015 in einer zunehmend gespaltenen Gesellschaft seinen Ausdruck.

»Bunt statt Braun«, steht auf Transparenten, welche die Mitglieder großer Institutionen wie Gewerkschaften, Kirchen und Solidarverbände bei Großveranstaltungen durch die Straßen tragen. Die Welt – oder eigentlich die westliche Welt – nähert sich der Entscheidung: Wird der Traum von der bunten, offenen und vielfältigen Weltgesellschaft Wirklichkeit? Gelingt es, die neue Weltordnung zu errichten?

Ein wichtiges Symptom für das nahende Finale ist die Zuspitzung der Lage: Der offene Kampf gegen die »Feinde der Menschlichkeit« hat begonnen und gewinnt zunehmend an Dramatik.

Das große Finale

Die Auswirkungen dieses Kampfes werfen einige Fragen auf. Warum wird er geführt und wer sind die Nutznießer der zunehmenden Polarisierung? Schaut man in Westeuropa oder Nordamerika in die Medien, ist der Frontverlauf klar: Auf der einen Seite finden sich die Kräfte der »bunten und vielfältigen Gesellschaft«, während auf der anderen Seite »Feinde der Gleichheit und der Menschlichkeit« »diffuse Ängste schüren«, um damit bei »verunsicherten Bürgern« auf Stimmenfang zu gehen.

In Deutschland manifestiert sich diese Art der Berichterstattung seit der Jahrtausendwende beispielsweise bei den Themenfeldern: Einwanderung, Islam, Europäische Union, Gemeinschaftswährung Euro, Energiewende, Bargeldabschaffung und Umsetzung des Programms »sexuelle Vielfalt« in Kindergarten und Schulunterricht. Graustufen in der Berichterstattung sind in den Leitmedien zu diesen Fragen kaum noch zu erwarten. Es wird ohne Warnruf scharf geschossen, Kritikern wird jede Möglichkeit der Rehabilitierung zurück ins gesellschaftliche und berufliche Leben verweigert.

Um diese enorme gesellschaftliche Spaltung zu verstehen, müssen wir einen Blick in die jüngere Geschichte nehmen. Wurde der Zustand, in dem sich die westlichen Gesellschaften befinden, durch eine langfristig angelegte politisch-kulturelle Anstrengung absichtlich herbeigeführt? Auf der einen Seite »offen« und auf der anderen Seite »Rassismus und Homophobie«?

Dass in einer Demokratie mit angeblicher Meinungspluralität diese einfache Freund-Feind-Formel gesellschaftlich eine solche Popularität erlangen konnte, sollte misstrauisch stimmen.

Zwei Fragestellungen können helfen, diesen Tatbestand weiter zu verdeutlichen:

Warum befinden sich »Jugendliche« seit Ende des Zweiten Weltkriegs in einer permanenten Rebellion gegen die Eltern, die sie im Sinne von »Spießern« abwerten? Weswegen wurde das Ideal der Familie durch die sogenannte »sexuelle Vielfalt« ersetzt?

Woher stammt das »Recht auf grenzenlose Einwanderung«, das insbesondere in Ländern wie Deutschland und Schweden zu ungeahnten gesellschaftlichen Umwälzungen führt?

In den großen Medien der westlichen Welt herrscht zu diesen Fragen ein Meinungsklima der Alternativlosigkeit. Die Umsetzung der »sexuellen Vielfalt« und Abkehr von »veralteten Lebensformen« wie der Familie wird genauso als definitiv verpflichtend propagiert, wie die Auflösung der Nationalstaaten, als Konstitutionsfaktor demokratischer Selbstbestimmung der Völker. Der Bürger hat zu dieser radikalen Umgestaltung seiner Lebenswelt selbstverständlich die Zustimmung zu geben.

Hieraus erwachsen weitere Fragen:

Inwieweit sind die Werte, an die wir heute glauben, Ergebnis einer großen Umerziehung?

Sind die gesellschaftlichen Konflikte, die wir derzeit erleben, planvoll durch eine kleine Minderheit herbeigeführt worden, der es gelang, die kulturelle Hegemonie zu erringen?

Denn in der europäischen Geschichte gehören weder die Dualismen der »sexuellen Vielfalt« versus »Spießerfamilie« noch das »Recht auf grenzenlose Einwanderung« versus »Rassismus und Nationalismus« zum traditionell-kulturellen Erfahrungshintergrund der Menschen. Sie sind vielmehr geschichtlich äußerst jung, sie sind singulär und lassen sich in ihrem Entwicklungsprozess bis hin zu ihrer jetzigen kulturellen Dominanz sehr genau lokalisieren und verfolgen.

Kommunismus, Nationalsozialismus und am Ende Kulturmarxismus?

»Mögest du in historisch interessanten Zeiten leben!« lautet ein alter chinesischer Fluch. Die Beschleunigung der geschichtlich relevanten Prozesse in Richtung einer neuen Gesellschaftsordnung ruft danach, in irgendeiner Weise benannt und bezeichnet zu werden. Für die ideologischen Grundlagen dieser absichtsvollen Bewegung – ja, man muss sagen, der kompletten Umgestaltung der westlichen Gesellschaften – hat sich im angelsächsischen Sprachraum die Bezeichnung Kulturmarxismus (cultural marxism) durchgesetzt.

Dieser Begriff ist nicht unproblematisch, lässt er sich doch im ideologisch gewollten Dualismus des »Rechts-links-Schemas« verorten. Auch sind die historischen Ursachen in den USA oder Großbritannien für das Aufkommen des Kulturmarxismus teilweise andere als in Deutschland. Dennoch erscheint die Übertragung dieses Begriffs auch für Deutschland hilfreich und gerechtfertigt zu sein.

Einmal ist die Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg mehr als alle anderen westeuropäischen Staaten durch US-amerikanische Kultur geprägt worden. Zweitens nahm die aus dem Nationalsozialismus resultierende 68er-Revolution in allen westlichen Gesellschaften vergleichbare Züge an. Drittens ist gerade die Konsumkultur, also Musik, Film und Unterhaltungsliteratur hier weitestgehend uniform, sodass dieser prägende Einfluss zu einem vergleichbaren Ergebnis führen konnte und musste.

Als weitere Gemeinsamkeit ist das zu untersuchende Phänomen des Kulturmarxismus mit der Vorstellung einer »kollektiven Schuld« verbunden. Diese Schuld gibt vor, in allen westlichen Gesellschaften aus der Geschichte erwachsen zu sein und macht die Diskussion des Phänomens vordergründig schwierig. Denn aus dieser Schuld erwächst die scheinbare Verpflichtung, das Programm des Kulturmarxismus zwingend umzusetzen und jegliche Diskussion darüber zu unterbinden.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass diese Schuld keinesfalls ein deutsches Phänomen ist. Es handelt sich also um keine spezifisch »deutsche Schuld«, obwohl die zu bezeichnende Schuld nicht nur in Deutschland wesentlich das Merkmal »Hitler« oder »Nationalsozialismus« trägt. Das gleiche Schuldkonzept findet sich vielmehr auch in Ländern wie Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien. Dort liegt die propagierte Ursache für das: »Wir sind schuld!« im Kolonialismus des »weißen, heterosexuellen Mannes«.

Überraschend ist, dass sich dieses Schuldkonzept darüber hinaus in Ländern wie Schweden und Dänemark findet, Länder also, die weder Kolonialmächte waren noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts faschistische oder nationalsozialistische Diktaturen hervorbrachten.

Trotzdem ist es gerade die Ära der nationalsozialistischen und faschistischen Regime, die dem Kulturmarxismus entscheidend zum Erfolg verhalfen. Wir können sogar sagen, der Kulturmarxismus ist durchaus ein Kind des Nationalsozialismus. Oder um es prägnant, in einen einfachen, jedoch historisch offensichtlichen Satz zu bringen: Seine Mutter war der Kommunismus, sein Vater der Faschismus.

Kulturmarxismus ist in Folge untrennbar mit einem weiteren ideologischen Konstrukt verbunden: Dem des absolut Bösen im Sinne einer imaginierten, beständig drohenden Wiederkehr des Faschismus, was sich wie bereits erwähnt, in dem Verbot äußert, Kritik an der Utopie eines »bunten, globalen Weltstaates«, in dem »alle Menschen Brüder und Schwestern sind«, nur zu denken.

Aus diesem Zusammenhang stammt das seither in fast allen westlichen Kulturen installierte, mehr oder minder offizielle »Wächteramt«, mit welchem jedes erneute Aufflackern nationalsozialistischer oder faschistischer Regungen im Keim erstickt werden soll. »Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch« ist der Mahnruf dieser Wächter.

Das Problem ist: So berechtigt dieses »Wächteramt« in seiner aufrichtigen Form auch sein mag, führte es doch als Ganzes nicht nur mit dazu, in den westlichen Kulturen über Schweden, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden all das zu ersticken, was einst in ihnen männlich, aufrichtig und echt war. Es führte zur Sterilisation des Weiblichen, Schönen und Mütterlichen in diesen Kulturen und wurde damit zur Mitursache für den kulturellen Niedergang.

Vor allem wurde das zum »Kampf gegen rechts« verkommene »Wächteramt«, indem es zur ideologischen Waffe gegen Rechtsstaat, Familie und Christentum zweckentfremdet wurde, zum Mittel einer drohenden neuen Diktatur. Einer Diktatur, deren ideologische Grundlage der Kulturmarxismus bildet.

Marxismus und Konsumkultur

Die Programmpunkte des Kulturmarxismus sind nicht wirklich neu: die Geringschätzung der Familie als »veraltetes Lebensmodell«, die Demontage des Christentums oder der Frontalangriff gegen den Nationalstaat. All diese tragenden Säulen der westlichen Kultur galten schon Marx und Engels als Hindernisse auf dem Weg in die kommunistische Gesellschaft. Nicht anders stand es in den 1920ern bei vielen Vertretern der »Kritischen Theorie«, jener Neuformulierung des Marxismus durch die Frankfurter Schule. Es galt, die tragenden Säulen der europäischen Kultur zu unterminieren und einzureißen.

Zum Erfolg gelangte dieses Projekt im Westen jedoch erst seit den 1960ern mit dem »langen Marsch durch die Institutionen«. Es kam zu einem beispiellosen Siegeszug, der in die Eroberung der kulturellen Hegemonie in fast allen westlichen Gesellschaften mündete. Aufgrund des langen Weges, den der Marxismus dabei in den westlichen Gesellschaften zurücklegen musste, erfuhr er einige Mutationen. Denn trotz seiner engen Verwandtschaft mit dem von Karl Marx und Friedrich Engels propagierten Kommunismus, ist der Kulturmarxismus auf seine Weise ein recht originelles Phänomen.

Diese Wandlung vom Kommunismus zum Kulturmarxismus war bedingt durch die revolutionären Mittel, mit denen die »bessere Gesellschaft« errichtet werden sollte. Schon in den 1920ern war schnell absehbar, dass in den westlichen Gesellschaften kein Volksaufstand zur Errichtung kommunistischer Räterepubliken zustande kommen würde. Also wurde der Weg der kulturellen Hegemonie, der Marsch durch die Institutionen eingeschlagen.

Unter kultureller Hegemonie war von Anfang an der Anspruch verstanden worden, prägend die öffentliche Meinung so umzugestalten, dass dies zwangsläufig zur freiwilligen Errichtung einer neuen Gesellschaft führen würde. In Deutschland betrifft dies nicht nur die Besetzung der leitenden Redaktionen in allen großen Leitmedien, von der FAZ über den Spiegel bis hin zu ARD und ZDF.

Weite Teile der Funktionselite innerhalb der politischen Parteien wurden im Rahmen des Marsches durch die Institutionen ebenfalls durch Kulturmarxisten ersetzt. Daher findet man heute, ganz gleich in welches Parteiprogramm wir in Deutschland und Westeuropa schauen, selbst teilweise bei den sogenannten »Rechtspopulisten« im Wesentlichen die gleiche Agenda. Das betrifft in Deutschland das ganze politische Spektrum von den Grünen über die SPD, die FDP, bis hin zur CDU/CSU sowie Funktionseliten der AfD und der Linken.

Der Marsch durch die Institutionen betraf gerade in Deutschland auch die beiden großen Kirchen. Sowohl die evangelische, als auch die katholische Kirche sind heute, gerade was den hohen Klerus anbelangt, weitestgehend kulturmarxistisch ausgerichtet. Allenfalls an den Rändern sind noch kleine Zellen dessen vorhanden, was einstmals die Kirche ausmachte, nämlich die Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi.

Ein wichtiger Schwerpunkt des Marsches durch die Institutionen bildeten die Schulen und Universitäten, da man hierdurch den Schlüssel zur Indoktrinierung der nachfolgenden Generationen in die Hand bekam. Daneben standen viele Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen im Fokus, deren leitende Posten zunehmend kulturmarxistisch besetzt sind.

Man darf bei alledem nicht übersehen, dass all diese Institutionen in einem jahrzehntelangen, persönlich geführten Kleinkrieg erobert wurden. Gerade dieser Kleinkrieg, ein zähes und individuell geführtes Ringen um gesellschaftlich relevante Posten, war ein wesentlicher Aspekt zur Ausbildung des Kulturmarxismus in seiner heute typischen Form.

Nach dem Zweiten Weltkrieg trat eine idealistische, akademische Jugend an, den »Muff von tausend Jahren« zu überwinden und die Vision einer besseren Gesellschaft umzusetzen. Während sich das »Althergebrachte«, zum Beispiel Moral und Tugenden der Elterngeneration, als gar nicht so stabil erwies wie befürchtet, wurde einer der anfänglichen »Hauptgegner« in seiner erstaunlichen Wandlungsfähigkeit komplett unterschätzt.

Wir sprechen von gewissen Erscheinungsformen des Kapitalismus, die sehr schnell zu ausschlaggebenden Verbündeten im Kulturkampf mutierten. Denn mit dem wachsenden Wohlstand seit Ende des Zweiten Weltkriegs entstand eine neue Form der Konsumkultur, das heißt einer bedingungslosen Konsumhaltung des Einzelnen, die zur Ausbildung neuer Charakterstrukturen führte.

Dies bedingte, dass sich durch das Vermischen marxistischer Ideale und zunehmender Konsumorientierung die ursprüngliche Intention der Kulturrevolutionäre wandelte. Heute gibt es die Ideologie der Politischen Korrektheit, des Gender Mainstreaming und die »Willkommenskultur«. All dies sind Aspekte einer ideologischen Verselbstständigung, hinter der nichts anderes steht, als ein auf seine Weise originelles Konglomerat aus Marxismus und totaler Konsumorientierung. Was bedeutet das?

Kapitalismuskritik war intellektuelles Glanzstück des orthodoxen Marxismus. War im klassischen Marxismus die Zerschlagung zum Beispiel von Ehe und Familie nicht mehr als ein Mittel, um die Produktionsmittel in die Hände der Arbeiterklasse zu bringen, ist im Kulturmarxismus die Stoßrichtung umgekehrt. Falls es überhaupt noch um Kapitalismuskritik geht, dann ist diese Kritik allenfalls noch Mittel zum Zweck in genau umgekehrter Richtung.

Der Kulturmarxismus ist zwar aus dem Marxismus hervorgegangen, unterscheidet sich jedoch in seiner Mutation vielfach von diesem und späteren Entwicklungsstufen wie beispielsweise der Kritischen Theorie. Dies zeigt sich vor allem in seiner Konformität gegenüber den Interessen multinationaler Großkonzerne, der Verflechtung mit Persönlichkeiten der Hochfinanz wie George Soros, seiner Fixierung auf Wohlstandsprobleme, seiner intellektuellen Anspruchslosigkeit, einer eher gefühlsbetonten »Argumentation« und vor allem seiner Konsumorientierung.

Diese Wandlung mag erstaunen. Wesentlich ist die genannte, in der Menschheitsgeschichte einmalige wirtschaftliche Prosperität der westlichen Gesellschaften nach dem Krieg, verbunden mit einem wachsendem Wohlstand der breiten Bevölkerung bis in die 1990er-Jahre hinein.

»Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt«, ist eine kluge Analyse dieses Umstands durch Karl Marx. Selbstverständlich prägten zunehmender Wohlstand und Konsumorientierung die marxistische Ideologie in Westeuropa und Nordamerika entscheidend. »Das Sein bestimmt das Bewusstsein«, ist die populäre, vulgärmarxistische Übersetzung des obigen Zitats.

Um dies einmal überspitzt und klischeehaft-parodistisch zu skizzieren: Der »typische Kulturmarxist« ist ganz sicher keine »Arbeiter«-Familie mit drei Kindern in einer ländlich »abgehängten« Region; der Vater Mitarbeiter in einem Logistikzentrum, die Mutter Kassiererin bei einem Discounter in Teilzeit. Nach Abzug von Steuern, Sozialabgaben und der Kosten für die Energiewende, lebt diese Familie unter dem Existenzminimum. Der »typische Kulturmarxist« gehört dem Stand der wirtschaftlich bessergestellten, in der Regel akademisch gebildeten urbanen Eliten an: Kulturmarxismus ist ein Oberschichtenphänomen.

Dabei versteckt der »typische Kulturmarxist« seinen hedonistischen Lebensstil und seine materialistische Weltsicht hinter sogenannten »ethischen« Konsumentscheidungen. Hierzu gehören beispielsweise der Kauf von Lebensmitteln im Biosupermarkt, das Buchen »nachhaltiger« Individualreisen in ferne Regionen der Erde, der jährliche Kauf des neuesten Smartphones, Tablets und PCs, ein Zweitwohnsitz auf den Kanaren oder der konsumbedingte Verzicht auf eigene Kinder unter dem Vorwand einer »menschengemachten Klimakatastrophe«.

Waren anfängliche Formen des Marxismus also sehr oft durch eine gewisse Form der Askese zum Wohle der Allgemeinheit gekennzeichnet und war es zum Beispiel üblich, dass Mitglieder kommunistischer und sozialistischer Parteien keinen Alkohol tranken, ist der heute im Westen vorherrschende Kulturmarxismus durch den konsumorientierten Lebensstil seiner Vertreter geprägt. Aus diesem Grund wird vielfach auch von »Konsumkommunismus« gesprochen.

Aufgrund seiner Konsumorientierung tut sich der Kulturmarxismus jedoch sehr schwer damit, sich selbst zu reflektieren. Einesteils steht man ideologisch aufseiten der »Ausgebeuteten und Opfer«, andernteils ist die Diskrepanz zwischen dem eigenen Lebensstil und der propagierten »Solidarität« mehr als offensichtlich. Die Folge sind zahlreiche Verdrängungsprozesse und Ersatzhandlungen. Der Kulturmarxismus ist entsprechend auf einfache Ergebnisse aus und sucht in allen Situationen den »Wohlfühlfaktor«, wie zum Beispiel durch die Verklärung der illegalen Masseneinwanderung nach Europa im Rahmen der sogenannten »Willkommenskultur«. Man möchte unter keinen Umständen mit der Realität in Berührung kommen.

Im Prozess der demokratischen Meinungsbildung ist der Kulturmarxismus »kurz angebunden« und vermeidet die Diskussion. Vielmehr wird mittels der Massenmedien der politische Gegner zielgerichtet diskreditiert. Durch die verkürzte Argumentationskette: »rechts, rechtspopulistisch, rassistisch, homophob, islamophob usw.« wird er öffentlich gebrandmarkt und zunehmend juristisch sanktioniert. Verweise auf eine Realität außerhalb der kulturmarxistischen Ideologie sind untersagt, denn sie sind geeignet, die eigene Komfortzone zu stören und die gelebte Diskrepanz aufzudecken.

Hieraus ergibt sich ein weiteres spannendes Phänomen. Zwar wurde schon dem klassischen Marxismus eine pseudoreligiöse Ausrichtung nachgesagt. Aufgrund der mangelnden intellektuellen Reflexion tritt diese Entwicklung beim Kulturmarxismus in eine neue Phase. Zwar gibt er sich vordergründig religionskritisch und tritt für einen »offenen Dialog der Religionen« ein, ist sich jedoch seines eigenen pseudoreligiösen Charakters nicht bewusst: Er fungiert in seiner Absurdität als antireligiöser »Erlösungsglaube«.

Dass die schöne neue Welt der offenen Grenzen beispielsweise in Zukunft tatsächlich für die Europäer eine positive Erfahrung sein wird, steht für die »gläubigen« Kulturmarxisten unumstößlich fest. Man glaubt strikt daran, dass trotz muslimischer Masseneinwanderung alles gut wird und blendet jegliche Kritik als Tabuverletzung aus. Kritik an der Utopie eines offenen, bunten Europas ist nicht gestattet.

Diese pseudoreligiöse Fixierung kommt mit einer tiefen Fortschrittsgläubigkeit daher. Die Vision der »One World« ist der feste Mittelpunkt dieses Glaubens. Sie ist neben dem nicht zu unterschätzenden hedonistischen Moment eine wesentliche Stütze kulturmarxistischen Denkens und Handelns und entscheidender Motor für das Ineinandergreifen kulturmarxistischer Netzwerke weltweit.

Erlösendes Nirwana dieses Glaubens ist das Einreißen aller Grenzen zwischen den Menschen. Dies ist übrigens immerhin eine wesentliche Gemeinsamkeit mit dem klassischen Marxismus, der ebenfalls eine globale kommunistische Weltregierung als Endpunkt der geschichtlichen Entwicklung des Menschen anstrebte.

Anders als in den großen Weltreligionen richtet sich der »Glauben« der Kulturmarxisten auf ein diesseitiges Ziel. Sinn und Erfüllung findet der Kulturmarxist nicht in der Spiritualität, sondern im eigenen Wohlbefinden in der materiellen Welt. Trotz verschiedener »esoterisch-spiritistischer« Begleitphänomene zielt der Kulturmarxismus auf eine Gesellschaft, in der alle Menschen den materiellen, westlich-hedonistischen Lebensstil leben.

Hier trifft der Kulturmarxismus ideologisch mit den ökonomischen Interessen multinationaler Großkonzerne zusammen. Eindrücklich zeigt dies der deutsche Katalog des Möbelhauses IKEA aus dem Jahr 2016. Die typisch deutsche oder schwedische Familie aus Vater, Mutter und Kindern, hellhäutig und hellhaarig wird man dort vergeblich suchen. Solche Familien sind ideologisch nicht erwünscht. Ihre Darstellung wird als rassistisch und homophob bewertet. Stattdessen findet man verschiedenethnische homosexuelle Paare mit exotischen Adoptivkindern sowie alleinstehende Migranten aus Afrika und dem Nahen Osten.

Aus dieser globalen Ausrichtung und Verzahnung auf verschiedenen Ebenen ergibt sich die relative Homogenität der kulturmarxistischen Agenda in den westlichen Gesellschaften. Sie lässt sich in folgender Übersicht zusammenstellen:

Zerschlagung der Nationalstaaten

ethnische und kulturelle Durchmischung bisher homogen besiedelter Lebensräume

Auflösung »traditioneller Geschlechterrollen«

Zerschlagung von Ehe und Familie

staatliche Erziehung vom Säuglingsalter an

zentrale Lenkung der öffentlichen Meinung durch Kontrolle der Medien

Vereinheitlichung aller Religionen hin zu einer Einheitsreligion mit eschatologischer Ausrichtung auf die »bunte, offene Weltgesellschaft«

Verbreitung einer materialistisch-hedonistischen Weltsicht

Zersetzung und Auflösung der christlichen Kirchen

Islam ist scheinbar natürlicher Verbündeter im »Kampf gegen rechts«

Allgemeines Recht auf Abtreibung, insbesondere unter dem Kriterium ökonomischer Effizienz

»Sterbehilfe« zum Beispiel für Senioren und Menschen mit Behinderungen

Förderung multinationaler Großkonzerne bei gleichzeitiger Einschränkung der Freiheiten kleiner, kleinster und mittlerer Betriebe

Zunehmende staatliche Regulierung aller Lebensbereiche

Massive Belastung kleiner und mittlerer Einkommen durch Steuern und Abgaben

Fortschreitender Ausbau des Sozialstaates, der dadurch mitnichten »sozialer« wird, sondern nur zunehmend regulierend in das Privatleben der Menschen eingreift, indem er zum Beispiel dem Recht auf freie Berufswahl Grenzen setzt

Abschaffung des Bargeldes in Ländern wie Deutschland und Schweden

Zunehmende Verschuldung der öffentlichen Hand zugunsten der Hochfinanz

Privatisierung aller dem Bürger dienlichen Betriebe wie Krankenhäuser, Universitäten, Schulen, Energieversorger und Wasserwerke

Digitalisierung und elektronische Vernetzung mit zunehmenden Überwachungsmöglichkeiten

Stärkung supranationaler Institutionen wie UN und EU unter Ausschaltung demokratischer Strukturen innerhalb der Nationalstaaten, ohne dass auf supranationaler Ebene vergleichbare Strukturen demokratischer Mitbestimmung entstünden

Es folgt die Einschränkung der Meinungsfreiheit durch Begriffe wie »Hatespeach« (Hass-Sprache) und »Fake News« (Falschmeldungen) und die Einführung der Narrenkappe »Rechtspopulist« für Kritiker des Kulturmarxismus

Der Sonderweg des westlichen Kommunismus

»Sklaven müssen gleich sein: ohne Despotismus hat es noch nie …

Gleichheit gegeben, in einer Herde aber muß Gleichheit herrschen …

wir verbreiten Trunksucht, Klatsch, Anzeigerei; wir verbreiten unerhörte Demoralisation; jedes Genie wird schon in der Kindheit ausgelöscht. Alles wird auf einen Nenner gebracht, um der vollständigen Gleichheit willen.«

Fjodor M. Dostojewski in seinem Roman Die Dämonen

Der Kulturmarxismus begann in den 1960er-Jahren seinen Siegeszug und wurde in Westeuropa und Nordamerika seit der Jahrtausendwende zur herrschenden Ideologie. Er bildete in vieler Hinsicht ein spezifisch westliches Pendant zum zentralistisch organisierten Marxismus der Sowjetunion, Chinas, Nordkoreas und vieler anderer Staaten, verzichtete jedoch von Anfang an auf die dort übliche hierarchische Organisationsstruktur.

Seine kleinste Funktionseinheit bildete nicht der Arbeiter, wie im klassischen Kommunismus, sondern der politisch engagierte Student. Dieser fand sich in losen Netzwerken zusammen, um später als Beamter, Lehrer, Hochschuldozent oder Journalist in Verbundenheit mit anderen »Gleichgesinnten« die »gemeinsamen Ziele der Bewegung« umzusetzen und zu verbreiten. Prägend war von Anfang an ein Gefühl der Gemeinschaft, resultierend aus dem kollektiven Traum, eine bessere Welt zu errichten. Aus diesem Gefühl einer informell-freiwilligen Verbundenheit, die den einzelnen Akteur in den Mittelpunkt rückte, entwickelte der Kulturmarxismus seine eigentliche Schlagkraft und sein revolutionäres Potenzial.

Treffend brachte John Lennon dieses Lebensgefühl der jungen Akademikergeneration in seinem Lied »Imagine« zum Ausdruck:

Stell dir vor, es gibt keine Länder mehr,

Das ist nicht so schwer.

Nichts, wofür es sich zu töten oder sterben lohnte

Und auch keine Religion mehr.

Stell dir vor, alle Menschen

lebten ihr Leben in Frieden.

[…]

Ich hoffe, eines Tages wirst du auch einer von uns sein,

Und die ganze Welt wird eins sein.

(Imagine there’s no countries

It isn’t hard to do

Nothing to kill or die for

And no religion too

Imagine all the people

Living life in peace…

[…]

I hope someday you’ll join us

And the world will be as one)

Verbunden mit einer gefühlvollen Melodie wurde hier der politische Traum propagiert, Staaten und Religionen abzuschaffen, um die befriedete »Eine Welt« zu errichten. Dieser Traum war ausdrücklich materialistisch. John Lennon bringt das in seinem Lied gleich in den ersten beiden Zeilen zum Ausdruck:

Stell dir vor, es gibt keinen Himmel,

das ist ganz einfach, wenn du es nur versuchst

(Imagine there’s no heaven

It’s easy if you try)