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Diese Serie von der Erfolgsschriftstellerin Viola Maybach knüpft an die bereits erschienenen Dr. Laurin-Romane von Patricia Vandenberg an. Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt. Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen. Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert. »Nächste Woche kann ich mich auf gar keinen Fall operieren lassen, Herr Dr. Laurin, es geht erst danach. Ich muss doch mit Kuno zur Bundesrammlerschau, die wollen wir schließlich gewinnen! Außerdem findet sie dieses Jahr in München statt, wir müssen also nicht einmal reisen, Kuno und ich. Besser gehts doch gar nicht!« Leon Laurin, Leiter der Kayser-Klinik, Chirurg und Gynäkologe, verzog keine Miene. Er wusste schließlich, dass sein Patient Klaus-Günther Nelling begeisterter Kaninchenzüchter war und jedes Jahr mehrere Preise mit seinen Züchtungen einheimste. Und da der alte Herr gern über sein Hobby sprach, waren Leon nicht gerade alltägliche Begriffe wie ›Bundesrammlerschau‹ bestens vertraut. Und selbstverständlich wusste er auch, dass Kuno ein Zwergkaninchen mit wunderbar dichtem Fell war. Ein sogenannter Farbenzwerg. Ja, er hatte in Bezug auf Kaninchen schon viel gelernt, und das war eindeutig seinem Patienten zu verdanken. »Gut, dann setze ich Ihnen Ihre neue Hüfte eine Woche nach dem Wettbewerb ein, es ist Ihre Entscheidung, Herr Nelling«, erwiderte er gelassen. »Ich erinnere Sie nur daran, dass Sie über starke Schmerzen beim Laufen geklagt haben, als Sie zu mir gekommen sind. Vermutlich hätten Sie den Eingriff schon vor Wochen, wenn nicht Monaten vornehmen lassen sollen. Ich denke, Sie sind mit Ihren Problemen viel zu spät zu mir gekommen.« »Ich wollte ja früher kommen, aber immer, wenn ich mich entschieden hatte, waren die Schmerzen plötzlich weg. Oder zumindest beinahe. Da habe ich den Besuch bei Ihnen eben immer wieder aufgeschoben«, gab sein Patient zu.
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Seitenzahl: 114
Veröffentlichungsjahr: 2022
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»Nächste Woche kann ich mich auf gar keinen Fall operieren lassen, Herr Dr. Laurin, es geht erst danach. Ich muss doch mit Kuno zur Bundesrammlerschau, die wollen wir schließlich gewinnen! Außerdem findet sie dieses Jahr in München statt, wir müssen also nicht einmal reisen, Kuno und ich. Besser gehts doch gar nicht!«
Leon Laurin, Leiter der Kayser-Klinik, Chirurg und Gynäkologe, verzog keine Miene. Er wusste schließlich, dass sein Patient Klaus-Günther Nelling begeisterter Kaninchenzüchter war und jedes Jahr mehrere Preise mit seinen Züchtungen einheimste. Und da der alte Herr gern über sein Hobby sprach, waren Leon nicht gerade alltägliche Begriffe wie ›Bundesrammlerschau‹ bestens vertraut. Und selbstverständlich wusste er auch, dass Kuno ein Zwergkaninchen mit wunderbar dichtem Fell war. Ein sogenannter Farbenzwerg. Ja, er hatte in Bezug auf Kaninchen schon viel gelernt, und das war eindeutig seinem Patienten zu verdanken.
»Gut, dann setze ich Ihnen Ihre neue Hüfte eine Woche nach dem Wettbewerb ein, es ist Ihre Entscheidung, Herr Nelling«, erwiderte er gelassen. »Ich erinnere Sie nur daran, dass Sie über starke Schmerzen beim Laufen geklagt haben, als Sie zu mir gekommen sind. Vermutlich hätten Sie den Eingriff schon vor Wochen, wenn nicht Monaten vornehmen lassen sollen. Ich denke, Sie sind mit Ihren Problemen viel zu spät zu mir gekommen.«
»Ich wollte ja früher kommen, aber immer, wenn ich mich entschieden hatte, waren die Schmerzen plötzlich weg. Oder zumindest beinahe. Da habe ich den Besuch bei Ihnen eben immer wieder aufgeschoben«, gab sein Patient zu. »Aber Herr Doktor, auf die eine Woche mehr oder weniger kommt es doch jetzt auch nicht mehr an, oder?«
»Das weiß ich nicht«, erwiderte Leon. »Aber was ich weiß: Länger aufschieben sollten wir den Eingriff nicht. Sie haben sich bereits eine Schonhaltung angewöhnt, eigentlich müssten Sie außer Ihren Hüftproblemen auch längst Rückenschmerzen haben.«
Klaus-Günther Nelling sah wie ein ertappter Schuljunge aus. »Die habe ich auch«, gestand er, »aber ich wollte sie nicht erwähnen, weil ich mir ja denken konnte, was Sie dazu zu sagen haben.«
»Immerhin geben Sie es endlich zu«, sagte Leon und kam noch einmal auf Kuno zu sprechen, um seinen Patienten wieder aufzumuntern. »Sie denken also, Kuno könnte gewinnen?«
Da strahlte der alte Herr schon wieder. »Auf jeden Fall!«, rief er. »Ich weiß ja, gegen wen er antritt. Keiner kann ihm das Wasser reichen, glauben Sie mir. Kuno ist einmalig.«
»Sie pflegen Ihre Kaninchen ja auch gut.«
»Allerdings, bei mir bekommen sie nur bestes Biogemüse, alles frisch gezogen.« Ein wenig mühsam stemmte sich Klaus-Günther Nelling in die Höhe, kurz verzog er sein Gesicht.
Er hatte sich gut gehalten für seine fünfundsiebzig Jahre, dachte Leon wieder einmal. Wäre sein mühsamer Gang nicht gewesen, er hätte noch jünger gewirkt: ein drahtiger, nicht sehr großer Mann. Ihm war anzusehen, dass er sich häufig im Freien aufhielt, das hatte ihm die frische Gesichtsfarbe verliehen, und er war, anders als viele gleichaltrige Männer, schlank geblieben – nicht einmal einen Bauchansatz hatte er. Sein graues Haar war noch voll, er trug einen kurzen, ebenfalls grauen Bart und war immer sportlich gekleidet, was den Eindruck von Jugendlichkeit noch verstärkte. Er hatte freundliche Falten um die blitzblauen Augen, einen sehr breiten Mund und eine überraschend kleine Nase. Was sofort für ihn einnahm, war vor allem sein ansteckendes Lachen.
Einmal hatte er Leon anvertraut, wie sehr er als junger Mann unter seiner relativ geringen Körpergröße gelitten hatte.
»Einszweiundsiebzig, das ist ja nicht viel für einen Mann. Ich habe immer davon geträumt, mindestens einsachtzig zu sein. Aber was soll ich Ihnen sagen? Die Frauen fanden mich trotzdem attraktiv, damals, bevor ich meine Monika kennengelernt habe. Ich kann ja froh sein, dass ich damals jung war. Heute ist ein Mann von einszweiundsiebzig beinahe ein Zwerg, die jungen Leute werden ja immer größer. Meine Enkelin überragt mich um einen Kopf, stellen Sie sich das mal vor!«
Er war schon lange Kaninchenzüchter, aber seit dem Tod seiner Frau widmete er dem Hobby mehr Zeit als früher. Er hatte auch nette Nachbarn, mit denen er sich regelmäßig traf, und die Familie seines Sohnes wohnte in der Nähe, der Kontakt war eng. Dass sein Patient vereinsamen könnte, musste Leon also nicht befürchten.
»Sie kommen bitte am Morgen vor der Operation, damit wir noch einige Untersuchungen durchführen können, Herr Nelling. Und keine weiteren Ausflüchte, bitte! Den Termin haben Sie notiert?«
»Ich werde da sein«, versprach der alte Herr. »Mein Sohn und meine Schwiegertochter werden froh sein, dass sie noch in den Bergen bleiben können. Sie bestehen darauf, zu meiner OP zurückkommen, was ja völliger Unsinn ist. Schließlich bin ich in Ihrer Klinik gut aufgehoben, das wissen sie auch. Aber sie bilden sich ein, dass ich schneller gesund werde, wenn sie in der Nähe sind.« Er lächelte vergnügt bei diesen Worten. »Ich lasse ihnen diesen Glauben, es ist ja schön, dass sie sich so um mich sorgen.«
Höchst zufrieden verabschiedete er sich wenig später von Leon, der nicht ganz so zufrieden war. Auch wenn der Gesamtzustand seines Patienten sehr gut war, so hätte er den Eingriff lieber früher vorgenommen. Das Geständnis von Klaus-Günther Nelling, schon lange vor seinem ersten Besuch in der Kayser-Klinik Schmerzen beim Laufen gehabt zu haben, hatte Leon ihm erst heute entlocken können. Bislang hatte der alte Herr sich um eine klare Antwort auf die diesbezüglichen Fragen seines Arztes regelmäßig gedrückt. Dabei sprach ja schon seine Körperhaltung Bände – je eher das kaputte Gelenk ausgetauscht wurde, desto besser.
Es klopfte kurz, gleich darauf erschien Eckart Sternbergs Kopf im Türspalt. »Zeit für einen Kaffee?«, fragte er.
»Gern, komm rein.«
»War das dein Hüftpatient, den ich gerade habe herauskommen sehen?«
»Ja, Herr Nelling. Die OP ist erst in zwei Wochen, er muss mit seinem Zwergrammler erst noch einen Bundeswettbewerb gewinnen.«
»Zwergrammler?« Eckart sah aus, als könne er nicht glauben, was er gerade gehört hatte.
»Die heißen so. Männliche Kaninchen heißen Rammler, wusstest du das nicht?«
»Ich … äh … ich kenne mich mit Kaninchen nicht so aus. Ich hielt Rammler eher für eine Art Schimpfwort.«
Sie lachten beide, dann sagte Leon: »Nun weißt du es besser. Der Rammler heißt Kuno und ist ein besonderes Prachtexemplar, weshalb er sich Hoffnung auf den Sieg machen kann. Für Herrn Nelling ist das sehr wichtig, und da ein gut gelaunter Patient gelassener ist als jemand, der das Gefühl hat, eine lebenswichtige Chance zu versäumen, habe ich der Verschiebung zugestimmt. Nicht gern, wie ich zugeben muss.«
»Er geht mühsam.«
»Er hinkt, um es deutlich zu sagen. Ich habe ihn schon öfter gefragt, wie lange er schon starke Schmerzen hat, aber er wollte nicht richtig mit der Sprache herausrücken. Seit heute weiß ich immerhin: schon länger. Kurzum, ich wäre froh, wir hätten ihm die neue Hüfte schon eingesetzt. Bleibt es dabei, dass wir beide das machen?«
»Auf jeden Fall, ich sehe dem Chef immer gerne zu, wenn er operiert«, grinste Eckart. »Und du weißt ja: Es tut jedem Arzt gut, gelegentlich die Perspektive zu wechseln. Wenn ich dir assistiere, fallen mir andere Dinge auf, als wenn ich selbst der Operateur bin – und das ist beim Umgang mit dem Nachwuchs oft sehr hilfreich.«
Eckart selbst war Chefarzt der Chirurgie. Leon, als Klinikleiter mit vielfältigen Aufgaben, operierte selbstverständlich seltener, aber er achtete darauf, dass er oft genug operierte, um den Anschluss nicht zu verlieren. Seine beiden medizinischen Fachgebiete waren ihm wichtig, er hielt auch noch regelmäßig seine gynäkologische Sprechstunde.
»Mach dich nur über mich lustig«, sagte er, während er zwei Becher mit Kaffee füllte.
»Ich mache mich nicht über dich lustig«, beteuerte Eckart. »Ich sehe dir wirklich gerne zu, du gehst anders an eine Operation heran als ich, ich lerne jedes Mal etwas. Und was ich über den Wechsel der Perspektive gesagt habe, meine ich so. Wir müssen ab und zu heraus aus unseren Rollen, damit wir nicht vergessen, dass unser Blickwinkel nicht der einzige ist.«
»Wahr gesprochen«, sagte Leon. »Mir geht es ja umgekehrt auch so, wenn ich zum Beispiel Linda assistiere.«
»Ich weiß, die Neurochirurgie reizt dich.«
»Sie interessiert mich, aber ich werde kein drittes Fachstudium anhängen, keine Sorge.« Leon trank einen Schluck und wechselte dann das Thema. »Wie sieht es heute Mittag aus?«
Eckart und er verbrachten ihre Mittagspause, falls sie sich überhaupt eine leisten konnten, gerne zusammen mit Timo Felsenstein, dem Leiter der Notaufnahme. Ein gemeinsames Essen bot oft eine willkommene Gelegenheit, wichtige Probleme oder auch neue Erkenntnisse, die sich bei der Arbeit ergeben hatten, zu diskutieren. Es gab aber auch Zusammenkünfte, bei denen sie die Arbeit mit keinem Wort streiften, dann standen private Themen im Vordergrund.
»Ich habe voraussichtlich Zeit«, antwortete Eckart, »Timo auch, den habe ich schon gefragt. Es könnte natürlich sein, dass sich in den nächsten Stunden noch Schreckliches ereignet, mit dessen Folgen die Notaufnahme dann für den Rest des Tages beschäftigt sein wird. Dann musst du mit mir vorliebnehmen.«
»Zur Not würde ich es aushalten.«
»Wie gehts Antonia und den Kindern?«
»Keine besonderen Vorkommnisse, zum Glück. Du weißt, das ist bei vier Teenagern schon außergewöhnlich. Wir ziehen manchmal den Kopf ein und fragen uns, wie lange der Frieden anhält.«
»Na ja, ihr hattet in den letzten Jahren ja auch schon genug Aufregung. Mir fällt da auf Anhieb einiges ein …«
Leon hob abwehrend eine Hand. »Erinnere mich nicht, bitte. Wie gesagt, ich bin froh, dass gerade alles ziemlich ruhig läuft. Abgesehen von halb toten Tieren, die Kyra uns regelmäßig anschleppt, damit Antonia und ich sie verarzten, und ein paar kleineren Streitereien liegt jedenfalls nichts Dramatisches an.«
»Und dein Schwiegervater ist mit seiner Archivarbeit immer noch zufrieden, wie es scheint. Ich war nämlich kürzlich mal wieder bei ihm im Keller.«
Professor Joachim Kayser, Antonias Vater, hatte die Kayser-Klinik gegründet und die Leitung schließlich an seinen Schwiegersohn übergeben. Joachim Kayser war früh Witwer geworden und hatte erst sehr viel später wieder geheiratet. Seine zweite Frau war ausgerechnet Leons Pflegemutter Teresa geworden, die Joachims Jugendliebe gewesen war. So hatte es schon unsichtbare Beziehungsfäden zwischen Antonia und Leon gegeben, lange bevor sie einander begegnet waren.
Joachim jedenfalls hatte große Mühe gehabt, sich in einem Leben ohne Arbeit einzurichten, zumal Teresa ihm gestanden hatte, dass sie gern noch einmal ein Geschäft für elegante Damenmode eröffnen würde – was sie auch getan hatte und womit sie ungemein erfolgreich war. Das hatte Joachims Frust freilich nur vergrößert, aber schließlich war er auf die Idee gekommen, ein digitales Patientenarchiv für die Klinik einzurichten, und darum kümmerte er sich seitdem mit großem Engagement.
Leon hatte dieses Projekt von Anfang an unterstützt, und so saß der Professor nun jede Woche für etliche Stunden in einem gemütlichen Büro im Keller der Klinik. Es war erstklassig ausgestattet, unter anderem mit einer blitzenden italienischen Kaffeemaschine, und ihm Haus hieß es, dass diese Maschine wesentlich dazu beitrug, dass der Seniorchef sich über mangelnden Besuch in seinem neuen Kellerreich nicht beklagen konnte. Auch Leon ließ sich gelegentlich dort blicken und stellte dann jedes Mal fest, dass sein Schwiegervater die selbst auferlegte Arbeit ernstnahm und offenbar auch weiterhin daran festhalten wollte.
»Und? Irgendwelche neuen Erkenntnisse?«, fragte er.
»Nein, wir haben nur nett geplaudert. Dein Schwiegervater ist ja eine Quelle von Anekdoten über die Klinik. Ich habe ihn gefragt, ob er nicht auch einmal die Geschichte der Kayser-Klinik schreiben will, aber das hat er abgelehnt. Er meinte, das wäre eitel, weil er sie ja selbst gegründet hat, das müsste deshalb jemand anderes übernehmen.«
»Interessante Idee«, sagte Leon. »Also, ich werde die Geschichte auch nicht schreiben.«
»Vielleicht eine Journalistin oder ein Journalist. Die Klinik ist immerhin ein wichtiger Teil des Münchner Südwestens, und das mittlerweile schon ziemlich lange.« Eckart leerte seinen Kaffeebecher und stand auf. »Ich muss los, wir sehen uns hoffentlich später.«
Als er gegangen war, nahm Leon wieder an seinem Schreibtisch Platz. Heute war er weniger Arzt als Klinikleiter. Auf ihn warteten mehrere Aktenordner und ein ganzer Stapel Post. Letzteren nahm er zuerst in Angriff.
*
»Ihr könnt auf jeden Fall noch bleiben«, sagte Carolin Nelling, als sie mit ihrer Mutter telefonierte. »Opas OP findet erst nach dem Wettbewerb statt. Ich hab’s euch doch gleich gesagt, dass das vorher nichts wird.«
Alice Nelling seufzte. »Uns ist es natürlich recht, das kannst du dir ja denken, aber wir wären auch froh, wenn es ihm endlich wieder besser ginge. Man bekommt ja fast selbst Schmerzen, wenn man ihn laufen sieht. Aber er ist und bleibt ein alter Sturkopf.«
»Den wir alle sehr lieben.«
Alice lachte. »Da hast du recht. Es ist so schön in den Bergen, Caro, überleg doch noch mal, ob du nicht wenigstens für ein Wochenende zu uns kommst. Wir fühlen uns so erholt, als wären wir schon wochenlang hier, dabei sind es erst ein paar Tage.«
»Ich würde ja gern, aber ich muss sehen, dass ich einen Job finde, das ist jetzt wichtiger, Mama!«
Carolin hatte eine Ausbildung zur Grafik-Designerin gemacht. Später würde sie sich selbstständig machen, das stand schon fest, aber zuerst musste sie Berufserfahrung sammeln, und so schickte sie Bewerbungen herum. Bis jetzt hatte sie nur Absagen kassiert, sie war jedoch kein Mensch, der sich leicht entmutigen ließ. Sie hatte Talent und Ideen, sie würde schon etwas Passendes finden.
»Ja, natürlich, das stimmt schon«, gab ihre Mutter zu. »Außerdem ist es für uns eine Beruhigung zu wissen, dass dein Opa nicht ganz allein ist – für den Fall, dass er doch mal Hilfe brauchen sollte.«
Carolin lachte. »Opa und Hilfe brauchen? Du kennst ihn doch, Mama! Er kommt wirklich bestens zurecht, und manchmal habe ich das Gefühl, dass er mehr unterwegs ist als ich, trotz seiner kaputten Hüfte.«
»Ja, ich wünsche mir immer, dass wir auch noch so fit sind, wenn wir in sein Alter kommen.«
»Klar seid ihr das. Ihr seid die fittesten Eltern, die ich kenne, weißt du doch.«
