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Impfstoffe sind das neue Lebenselixier, die Türöffner zu einem Lebensalltag, wie wir ihn früher kannten. Dahinter lauert das mobile Hoffnungsmantra der Gegenwart: Wer geimpft ist, lebt länger, ist mobil, befreit und entfesselt. Zurück in die Spur! Biontech, Sputnik oder Moderna als die neuen Bewegungssanitäter im COVID-SOS. Bitte eintauchen in den sattsam bekannten Medienbrei. HALT! Kurswechsel. Das Kursbuch blickt tiefer, breiter und weiter. Impfstoffe sind eine systemische Metapher, wie man auf das Unerwartete, Plötzliche und Unscharfe vorbereitet wird. Wie impft man die Demokratie vor möglichen Gegnern? Kann man Verhaltensänderungen impfen? Ist Künstliche Intelligenz wirklich ein Beschleuniger für mehr Effizienz und Kompetenz? Hilft Bildung gegen das Elixier der Dummheit und ideologischer Verbohrtheit? Und wie funktionieren eigentlich Viren bei Tieren? Essays mit Substanz, verimpft von Armin Nassehi, Josef Reichholf, Käte Meyer-Drawe, Michael Leitl und Juliane Junge-Hoffmeister. Außerdem gehen bekannte Publizisten, Wissenschaftler und Kulturschaffende in kleinen Intermezzi der Frage nach, wogegen sie so richtig immun sind. Von Kurt Kister bis Birte Förster, von Udo di Fabio bis Petra Bahr. In dieser Ausgabe finden Leser und Leserinnen erstmals auch eine Arbeit des Infografik-Künstlers Jan Schwochow sowie eine Spotreportage rund um Impfzentren in Deutschland von Heike Littger. Und FLXX sucht zu guter Letzt Impfstoffreste in der früheren Politikwelt von Angela Merkel. Dieses Kursbuch ist ein Impfstoff mit garantierten Nebenwirkungen in Form von Sinngerinnseln im Gehirn.
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Seitenzahl: 213
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Inhalt
Armin NassehiEditorial
Immun gegen WurfsendungenHermann Unterstöger
Jan SchwochowEINE QUELLE, ZWEI GRAFIKEN
Martina King Dämonen, Heilige und HeldenEin Gespräch mit Peter Felixberger und Armin Nassehi
Immun gegen Pandemiemetaphern Petra Bahr
Philipp OstenPockengiftGeschichten aus der Berliner Impfbibliothek
Josef ReichholfDie SoftwarespezialistenWarum Viren das Überleben aller Lebewesen ermöglichen
Immun gegen Kriegsmetaphern Barbara Prainsack
Armin NassehiIm Land des EigensinnsMöglichkeiten und Grenzen gesellschaftlicher Immunsysteme
Immun gegen SelbstdarstellungLily Lillemor
Juliane Junge-HoffmeisterAuffrischimpfungEin Diskurs über das Impfen gegen psychische Beschwerden
Immun gegen HassUdo Di Fabio
Käte Meyer-DraweDie Widersetzlichkeit der WeltPlädoyer für ein nicht geimpftes Anderssein
Immun gegen KitschphobieBirte Förster
Michael LeitlImpfen gegen IgnoranzWie wir Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll nutzen
Immun gegen jede AhnungKurt Kister
Heike LittgerLagerfeuerMitten durch die Prärie von Impftrends
Immun gegen nichtsStephan Rammler
FLXXSchlussleuchten von und mit Peter Felixberger
Die Autorinnen und Autoren
Impressum
Armin NassehiEditorial
Die Impfung ist die Hoffnung. Die Impfung ist nachgerade eschatologisch aufgeladen. Wird sie uns das Ende der Pandemie bescheren? Wir hoffen es, aber zugegebenermaßen wissen wir es nicht. Das Virus entzieht sich durch Mutation, der Impfstoff durch Bestellungs- und Produktionsprobleme, und die Organisation des Impfens hätte auch effizienter beginnen können. Das Impfen ist eine Technik, die einen Organismus widerständiger macht, resilienter. Ein geimpfter Organismus kann bedrohliche Informationen entschlüsseln und dagegen vorgehen. Immunsysteme können nur gegen Bedrohungen vorgehen, die sie kennen, andere Bedrohungen registrieren sie gar nicht – Impfungen sind Informationsbeschaffungsmaßnahmen, sie klären einen Organismus auf, was kommen könnte, und regen die Ausbildung von Antikörpern an.
In diesem Kursbuch geht es um solche Impfstoffe – aber nicht nur um Impfstoffe im klassisch immunologischen Sinne, sondern auch um andere Immunreaktionen und um die Frage, ob es dafür Impfstoffe unterschiedlicher Gestalt geben kann. Im Interview mit der Germanistin und Medizinhistorikerin Martina King und im Beitrag von Philipp Osten geht es um die Geschichte des Impfens als einer Geschichte der Akzeptanz und des Zweifels. Josef Reichholf klärt über die biologische Struktur von Viren auf. Sie seien keine Lebewesen, weder lebendig noch tot und doch organisches Material, ohne das es kein Leben geben könne – womöglich hätten sie sogar mit dem Ursprung des Lebens zu tun. Viren haben etwas mit der Umweltanpassung von Organismen zu tun, aber auch mit der Koexistenz von Arten, auch zwischen Tieren und Menschen. Die vielleicht eindrücklichste Information: Wir kennen bislang nur einen Bruchteil aller Viren.
Immunsysteme wirken an der Schnittstelle zwischen Arten, zwischen Mensch und Tier, zwischen Gattung und Einzelwesen. Mit Schnittstellen anderer »Natur« beschäftigen sich die Beiträge der Psychologin Juliane Junge-Hoffmeister und der Bildungsforscherin Käte Meyer-Drawe. Sie gehen der Frage nach, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um psychische Gesundheit zu ermöglichen, beziehungsweise welche Art von Bildung das Verhältnis des zu bildenden Individuums und seiner sozialen Umwelt so gestaltet, dass Autonomie und Sozialbezüge in ein ausgeglichenes Verhältnis gesetzt werden können. Beide zeigen, dass es keine eindeutigen »Impfstoffe« gibt, aber schon so etwas wie Sensibilisierungen zur Abwehr von schädlichen Einflüssen.
Überhaupt fällt auf, wie sehr der Topos begrifflich und metaphorisch stets ins Militärische, ins Kämpferische gerät – zumal es ja tatsächlich um aktives Abwehrverhalten geht. Oder ins Informatische. Michael Leitl zeigt, dass auch KI-Systeme Immunisierungen und Abwehrstrategien nur in dem möglichen Informationsspektrum verarbeiten können, für das sie programmiert sind beziehungsweise das in Datensätzen detektiert werden kann. Mein eigener Beitrag fragt nach gesellschaftlichen Immunsystemen.
Für die Intermezzi haben wir diesmal acht Autorinnen und Autoren die Frage gestellt: »Wogegen sind Sie immun?« Die acht Beiträge von Petra Bahr, Udo Di Fabio, Birte Förster, Kurt Kister, Lily Lillemor, Barbara Prainsack, Stephan Rammler und Hermann Unterstöger geben hier sehr unterschiedliche Antworten.
Heike Littgers Spotreportage beginnt und endet im Münchner Impfzentrum auf dem Messegelände in München-Riem. Die Stationen dazwischen führen sie in den Münchner Gasteig, in die Elbmarsch, nach Frankfurt am Main, Chemnitz, Erlangen und wieder zurück nach München – mit kurzen Reportagen über Stationen, die gerade alle gar nicht immun sind gegen das, was geschieht. Jan Schwochow schließlich führt grafisch vor, wie Informationen entstehen. Übers Impfen, vor allem, wie sehr die Information von der Darstellungsform abhängig ist. Es ist die erste Folge seiner neuen Kolumne.
Peter Felixbergers FLXX-Kolumne führt uns zu guter Letzt nach Berlin in das Jahr 2060. Nur so viel sei verraten: Der Rosenthaler Platz wird dann BioNTech-Kreisel heißen. Ist nicht weit weg von der Charité.
Immun gegen WurfsendungenHermann Unterstöger
Um meine Immunität gegen Wurfsendungen auf die Probe zu stellen, habe ich mich eine halbe Stunde lang dem »Erreger« ausgesetzt: dem Konvolut von Werbeprospekten, das jeden Samstag im Briefkasten liegt. Nicht, dass dort nur Mist angeboten würde. Das LED-Solar-Erdmännchen von Norma (9,99 €) ist so wenig zu verachten wie die Akku-Kettensäge von Lidl (59,99 €) oder der Kohlrabi von Netto (0,55 €). Es ist nur so, dass bei mir keine Infektion stattfindet. Kohlrabi, Kettensägen und Erdmännchen kaufe ich, wenn mir der Sinn danach steht; aufgrund von Wurfsendungen nie.
Ich habe dieser Immunität Opfer gebracht, indem ich Backformen, die ich aktuell für 6,99 € bekommen könnte, aus einer Aufwallung heraus einst im Fachhandel für 14,95 € gekauft habe. Freunde legen mir das hin und wieder als Angeberei aus. Einer unterstellte mir einmal sogar, ich würde ihn dafür verachten, dass er Samstag für Samstag das Konvolut durcharbeitet und dann zu Edeka fährt, um Bayerischen Paprikabauch (100 g 1,89 €) zu kaufen.
Dabei war mir diese Immunität nicht an der Wiege gesungen. Als ich 14 war, kam ein Spielkamerad eines Tages mit einem Bumerang gelaufen. Ich hielt mit meinen Zweifeln, dessen Funktionieren betreffend, nicht hinterm Berg, wollte sie auch im Experiment belegen. Ich warf, und der Bumerang traf mich nach korrekter Schleife voll an der Stirn. Es mag medizinischer Unsinn sein, aber ich führe meine Wurfsendungen-Immunität darauf zurück.
Jan SchwochowEINE QUELLE, ZWEI GRAFIKEN
Beim Umgang mit Daten und Quellen müssen Informationsgrafiker sehr vorsichtig sein. Insbesondere bei den Zahlen zu den verabreichten Impfdosen in jedem Land vergleichen wir Äpfel mit Birnen. Je nachdem, welche Daten und welche Darstellungsform wir wählen, erhalten wir sehr unterschiedliche Aussagen, wie die beiden folgenden Grafiken anschaulich belegen. Dieser Effekt wird durch eine tendenziöse Headline zudem noch verstärkt.
Die erste Grafik zeigt einen Zeitverlauf seit Ende letzten Jahres, während die zweite Grafik einen Tageswert darstellt. Obwohl hier jeweils die Zahlen auf 100 Einwohner je Land umgerechnet werden, lassen sich alle Länder nur schwer vergleichen. Auffallend in beiden Grafiken ist, dass Länder mit einer kleinen Einwohnerzahl logischerweise eher positiv dastehen, da sie mit wenigen Impfdosen recht schnell die Mehrzahl der Bevölkerung durchgeimpft haben. Israel mit nur rund neun Millionen Einwohnern war daher sehr schnell. Große Länder wie China und Indien gehen in diesen Grafiken unter.
Deutschland mit rund 83 Millionen Einwohnern hat bis zum 1. Mai über 20 Millionen Impfdosen verabreicht. Knapp ein Viertel der Bevölkerung hat bereits eine Erstimpfung erhalten. Nach Ostern wurde verstärkt begonnen, auch in den Arztpraxen zu impfen. Die Zahlen wurden von da an sehr schnell besser, und Deutschland steht heute besser da, als es uns durch einige Medien suggeriert wurde.
Am Ende kann nur das verimpft werden, was von den Impfstoffherstellern geliefert wurde. Liefermengen und Lieferzeiträume sind in diesen Grafiken nicht sichtbar. Die USA und das Vereinigte Königreich haben sich ausreichend und schneller mit Impfstoff versorgt als die EU. Dieses Geschehen wird in der oberen Grafik sichtbar. Die Pandemie ist aber ein globales Ereignis. Während die reichen und kleinen Länder im Laufe des Jahres durchgeimpft sein werden, müssen auch die ärmeren Länder nachziehen und mit Impfstoff versorgt werden. In Afrika ist bisher gerade mal ein Prozent der Bevölkerung geimpft.
Dämonen, Heilige und HeldenÜber Medizingeschichte und Literarisierung des Impfens
Ein Gespräch mit der Germanistin und Medizinhistorikerin Martina King
Von Peter Felixberger und Armin Nassehi
Kursbuch: Frau King, Sie sind Kinderärztin und Germanistin. Wie kamen Sie zu dieser Doppelausbildung? Was hat Sie angetrieben?
King: Nach meiner fachärztlichen Ausbildung war ich unzufrieden, habe deshalb noch Germanistik studiert und promoviert, parallel zur ärztlichen Tätigkeit. Dann stellte sich die Frage der Habilitation, wodurch ich den Verbindungslinien zwischen Medizin und Literatur ein weiteres Stück näherkam. Die Folge war eine Schrift über die Kulturgeschichte der Bakteriologie. Bei den Medizinhistoriker*innen war das Thema brandheiß und eigentlich sehr gut erschlossen. Überhaupt nicht beleuchtet war, dass Mikroben am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert nicht nur in die Ritzen der Alltagskultur sickerten, sondern daraus hervorquollen. Die illustrierte Massenpresse, Zeitschriften wie Die Gartenlaube oder Über Land und Meer sind voll von Bakteriengeschichten und Bakterienbildern. Jeder sucht sie im eigenen Badezimmer; man hat diese Mikrobenfixierung als epidemic entertainment bezeichnet. Da gibt es zur COVID-Pandemie erstaunliche Parallelen. Sich auf das Unsichtbare als infektiöses Agens zu konzentrieren, ist damals und heute ein großartiges Schauspiel, was mit vielen bunten Bildern, heute mit bunten Kugeln, damals mit kleinen anthropomorphen Männlein einhergeht. Auch um 1900, als die Menschen begriffen, dass sie von einer Welt kleiner, unsichtbarer Widersacher umgeben sind, war es ein riesiges Medien-, Literatur- und Kulturspektakel, was sich bis zu Kandinsky und den Dadaisten erstreckt hat. Nach der Habilitation über Das Mikrobielle in der Literatur und Kultur der Moderne, die Ende dieses Jahres unter diesem Titel als Buch erscheinen wird, habe ich mich noch intensiver der Kulturgeschichte zwischen Medizin und Literatur verschrieben. Es geht in meiner Forschung vor allem um Textualität, Poetizität und Medialität – und zwar von literarischen und medizinischen Texten. Jemand wie ich, mit einer Doppelausbildung, findet hier gut Platz. Ich wurde sowohl in Germanistik als auch in Medizingeschichte habilitiert, sodass ich an meinem Lehrstuhl hier in Fribourg ein gemischtes Team aus Medizinhistoriker*innen und Germanist*innen habe. Wir blicken sozusagen von zwei Seiten auf unsere Forschungsthemen.
Kursbuch: Gehen wir in medias res. Lässt sich eine beiderseitige Geschichtsschreibung im Umgang mit Impfstoffen erkennen und rekonstruieren?
King: Die Medizinhistoriker*innen haben das fabelhaft erschlossen. Es gibt sehr grundlegende Arbeiten über den Impfwiderstand im frühen 19. Jahrhundert. Oder über die Geschichte der Durchsetzung der Vakzination. Auch über die Durchsetzung der Pockenschutzimpfung rund um das Preußische Impfgesetz; ferner Arbeiten bis in die jüngste Vergangenheit, etwa mit der Durchsetzung der Masernimpfung in der DDR. Kulturhistorisch hingegen ist dieses Thema keineswegs gut untersucht.
Kursbuch: Was müsste man hinzufügen, um dieses Defizit auszugleichen?
King: Die kulturellen Dimensionen. Denn um 1800 gibt es noch keine institutionelle bzw. professionalisierte Medizin, sondern eine Gelehrtenmedizin; und insofern ist das Impfen automatisch auch ein kulturelles Thema. Medizinische Fragen werden unter anderem in philosophischen, gelehrten Zirkeln verhandelt; sie sind ein Thema der aufklärerischen Anthropologie. Lassen Sie uns über die Anfänge der Pockenschutzimpfung reden, genau genommen über den Entwicklungsprozess von einer hochriskanten Technik, der Variolation oder des »Blatternbelzens«, hin zur Vakzination. Das ist ein Vorgang von höchster kultureller Tragweite. Bis hin zu Goethe und Kant äußerten sich zahlreiche privilegierte Sprecher aus den gebildeten Schichten dazu. Die dazugehörigen Darstellungen, Grafiken, literarischen Texte und Medien waren äußerst populär.
Kursbuch: Es ging bei der Pockenimpfung natürlich um die Durchsetzung von Dingen, gegen die es Widerstand gab oder die sich nicht von selbst verstehen ließen.
King: Die erste Form des Pockenschutzes, die Variolation, ist die gezielte Inokulation mit dem Eiter einer Person, die nur leicht an Pocken erkrankt ist. Diese volksmedizinische Praxis stammt ursprünglich aus der Türkei, Griechenland und dem Orient. Die Frau des britischen Botschafters in Konstantinopel, Lady Mary Montagu hat das 1717 bei ihrem eigenen Sohn praktiziert und in ihren aristokratischen Kreisen durchzusetzen versucht. Im Orient konnte man beobachten, dass dort, wo in großem Maßstab inokuliert wurde, die Kindersterblichkeit abnahm. Der Diskurs war jedoch ausschließlich den Gelehrten und der Aristokratie vorbehalten, er verband sich mit dem grundsätzlichen aufklärerischen Erziehungsprojekt. Im Volk hingegen hatte sich unterdessen sehr starker Widerstand gebildet. Ein Kind bewusst dem Einspritzen von Eiter unter die Haut auszusetzen und dann zuzuschauen, wie das Kind Pocken bekommt, war kontraintuitiv. Es bildete sich folglich eine Trennlinie zwischen Aufklärung, finanzieller Kaufkraft und den weitgehend illiteraten Arbeiterschichten, die sich dagegen wehrten. Als etwas später dann Edward Jenner kam, eigentlich mit einer viel weniger gefährlichen Impftechnik, der Kuhpockeninokulation oder »Vakzination«, blieb die Durchsetzung schwierig, das Thema war und blieb kontrovers: Einerseits gehörte der Pockenschutz zur aufkeimenden öffentlichen Gesundheitsfürsorge und zur aufklärerischen Selbstsorge. Andererseits gab es auch Aufklärer, die die Einheit und Ganzheit des humanen Subjekts durch die »Brutalimpfung«, also das Einspritzen von tierischem Eiter, bedroht sahen, allen voran der anthropologische Arzt Marcus Herz; auch sein Lehrer Immanuel Kant war dieser Meinung. In gewisser Weise waren das also Stimmen der intellektuellen Machthaber, die zunächst das neue bessere Verfahren torpedierten.
Kursbuch: Wir kennen die Impfskepsis in den gebildeten Ständen heute auch noch. Wie ist das zu erklären?
King: Es ist in der longue durée der Zusammenhang zwischen einem gebildeten Bürgertum und einer medikalen Dissidenz, die in der Naturheilkunde und in zahlreichen weiteren esoterischen Strömungen um 1900 ihren ersten großen Aufschwung erlebte; es scheint eine Entwicklungslinie von Bildung und Irrationalismus zu geben: Lieber teuer und vegan essen, als sich impfen zu lassen. Die Impfskepsis um 1800 wiederum hängt an anderen Dingen: zunächst am aufklärerischen Subjektbegriff und am Glauben an eine traditionelle, philosophisch-deduktive Medizin, die man nicht der blinden Empirie überlassen möchte. Der Arzt müsse vielmehr den Gesetzen der Vernunft gehorchen. Und das bedeutet, dem Menschen kein tierisches Material zu injizieren, noch dazu von einem Rindvieh, das in der Scala Naturae viel weiter unten steht. Wenn man Jauche vom Rindvieh einimpfe, entstünden – in der Sprache der zeitgenössischen Ärzte – »Stockungen« und »Schärfen« bis hin zum Tod. Die Integrität des aufklärerischen Subjekts habe kein Kontinuum zum Tier. Diese Ängste setzten sich in die einfachen Bevölkerungsschichten hinein fort und wurden durch Karikaturen in frühen Unterhaltungsmedien und durch polemische Antiimpfschriften auch immer weiter befördert.
Kursbuch: Mit Edward Jenner scheint sich aber in der Frage der Brutalimpfung ein Fortschritt abzuzeichnen?
King: Jenner ist Landarzt. Ihm geht es um die Durchsetzung einer pastoral-ländlichen Medizinpraxis. Also gegen eine philosophische Medizin, die antiempirisch verfährt. Er argumentiert genau gegenteilig, dass es ein Kontinuum zwischen menschlichen und tierischen Krankheiten gebe. Deshalb könne man die Kuhkrankheit einsetzen, um den Menschen vor seiner Krankheit zu schützen.
Kursbuch: Was genau ändert sich dadurch in der Folge?
King: Zunächst kommt es in Deutschland zu einer Erstarkung der Medizinstatistik. Wissenschaftler widmen sich zunehmend der Pockenstatistik. Das ist der Beginn einer epidemiologischen Evidenzerzeugung, die es vorher so nicht gab. Pockensterblichkeit wird nach Regionen dokumentiert. Mit dem Ergebnis: Wo man vakziniert, kommt es zu einer überwältigenden Senkung der Mortalität. Was bedeutet, dass sich mit diesem Instrument der Staatskörper, die Untertanen und Soldaten gesund erhalten lassen. Die Napoleonischen Kriege spielen deshalb für die Impfdurchsetzung eine sehr große Rolle. In den süddeutschen Staaten kommt es sehr schnell zur Impfpflicht. Bayern zum Beispiel mit einem Impfgesetz schon 1807. Gleichzeitig kommt es zu einer richtig großen publizistischen Propagandawelle.
Kursbuch: Interessant ist, dass zur gleichen Zeit Hygieneplanung in Städten, ja eigentlich Stadtplanung insgesamt, entsteht. Damit einhergeht eine neue Bildungs- und Militärplanung und Architektur. Beobachten sich Gesellschaften fortan selbst ganz anders?
King: Hier beginnen eigentlich die Medikalisierung der Gesellschaft und eine gewisse Mathematisierung der Medizin. Hygiene- und Stadtplanung kommen allerdings erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts richtig in Schwung. Die Statistik entwickelt sich zwischenzeitlich deutlich weiter, insbesondere nach der ersten Cholerawelle 1832. Das Empirische setzt sich allgemein durch. Vielleicht mit kleinen Rückschlägen in die Spekulation, etwa die sogenannte »naturhistorische Schule«, ein später Ausläufer der romantischen Medizin.
Kursbuch: Wie haben sich die Impfstoffe in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weiterentwickelt?
King: Bis 1885 gibt es nur eine Impfung auf der Welt, die Pockenimpfung. Die Kuhpockenimpfung findet mit einer Lanzette am Oberarm statt. Einige Tropfen gelbliches Sekret aus einer Pockenpustel am Euter einer Kuh werden mit dieser Lanzette eingeritzt. Später hat man das Impfmaterial direkt aus der Pocke des menschlichen Körpers genommen, was zu einem standardisierten Verfahren, aber mit schrecklichen Folgen, führte. Denn es wurden häufig noch andere Krankheitserreger mit übertragen; Sepsisbakterien oder auch Syphiliserreger. Deshalb ging man vom humanen Kuhpockenmaterial wieder zurück zur Kuh. Auch weil die Syphilisskandale den Impfwiderstand im Volk erheblich befördert hatten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt Pasteur bekanntermaßen die erste antivirale Impfung, wobei der Impfmechanismus noch unverstanden blieb. Jedenfalls war das eine Pioniertat gegen die Tollwut.
Kursbuch: Was passiert Anfang des 20. Jahrhunderts?
King: Ganz interessant. Obwohl sich im Laufe des 19. Jahrhunderts die Pockenimpfung als gut und wirksam erweist und die letzte große Pockenepidemie während des Deutsch-Französischen Kriegs 1871 ausbricht, kommt es zu immer mehr Widerstand gegen die Impfung. Die Impfgegnerbewegung entwickelt sich sogar zur größten medizinkritischen Bewegung aller Zeiten in Deutschland: Vereine, Dachvereine, Zeitschriften, Polemiken, Leute, die besonders im Kontext des preußischen Impfgesetzes von 1874 auf die Barrikaden gehen. Hier liegt eindeutig ein Ausgangspunkt der medizinischen Dissidenz bürgerlicher Bildungsschichten. Es kommt zu einer ersten groß angelegten Abkehr von der Schulmedizin, mit teilweise unglaublichen Methoden: Grauenhafte Fallbeschreibungen von Impfschäden zirkulieren, die oftmals erfunden, mit schlecht gemachten Illustrationen unterlegt oder sehr unzureichend dokumentiert waren – eine frühe Form der Fake News. Insofern gibt es hier klare Parallelen zu der Scheinwissenschaftlichkeit, mit der Coronaskeptiker heute in ihren medialen Milieus aktiv sind. Dieser Impfwiderstand ist eigentlich nur mit dem Aufstieg grün-alternativer Medizinströmungen und Lebensformen zu erklären. Es ist die frühe Zeit der Frauenbewegung und der Emanzipation: Lou Andreas-Salomé, die Schülerin Nietzsches, einigt sich mit Rainer Maria Rilke darauf, dass man eigentlich nur barfuß laufen sollte.
Kursbuch: Stellt sich nach dieser Erörterung des Diskontinuierlichen trotzdem noch mal die Frage nach der Kontinuität. Die richtig Gebildeten wollen ja gar keine Empirie, sondern eher traditionsreiche Sätze bestätigen.
King: Die Kontinuität besteht eher im Publizistischen. So mischen sich Literatur und Gebrauchskunst auf ausgesprochen propagandistische Weise in den Impfdiskurs des 19. Jahrhunderts ein – und zwar mit einer zutiefst ambivalenten Grundstruktur, die sich bis heute hält: Die Vakzination wird janusköpfig, man dämonisiert oder man sakralisiert sie, man inszeniert sie als Heil und Hölle, weiße oder schwarze Magie. In der Folge kann man gar nicht mehr rational übers Impfen reden, und das zieht sich meiner Meinung nach bis in die Gegenwart. Wie fängt das an? Von Jenner ausgehend entwickelt sich in England eine Form der Auftragsdichtung, die den hohen, lyrischen Ton und gehobene Gattungen wie Oden oder Hymnen für ein medizinisches Praxisverfahren bemüht; die vielen Kitschgedichte »an Jenner«, später auch die überaus populären Impfdramen folgen generell zwei Grundmustern: Bukolik und Sakralität; so wird Jenner zum ländlichen Heiligen und das Landleben zur heiligen Idylle stilisiert. Diese Muster wiederholen sich auch in zeitgenössischer Gebrauchskunst, wo die Impfszene dem Modell der Heiligen Familie folgt; Jenner beziehungsweise der Impfarzt rückt in die Position des heiligen Joseph. Diese unterhaltungskulturellen Tendenzen breiten sich nach Frankreich aus, wo man beispielsweise 1836 ein propagandistisches Impfdrama für die einfachen Leute in 33 ländlichen Distrikten verteilt hat. Die Literarisierung der Vakzination zum Heil und zur Heiligkeit wird rasch zur Tradition, setzt sich in ganz Europa fort und ist eine bisher kaum erforschte Propagandawelle. Der junge Gustave Flaubert hat sich darüber so geärgert, dass er sich zu einem satirischen Drama hat hinreißen lassen: La Découverte de la Vaccine; es nimmt die Heiligung Jenners durch den Literaturbetrieb aufs Korn. Das Stück ist unvollendet und unpubliziert geblieben und niemand kennt es heute mehr; dennoch sagt Flauberts Ärger sehr viel über das Engagement des Literaturbetriebs in Sachen Impfpropaganda aus. Es gibt aber auch die Gegenseite, die dunkle Seite der janusköpfigen Präventionspraxis, etwa die vielen impfskeptischen Karikaturen aus England und Frankreich. Da werden beispielsweise Menschen dargestellt, denen nach der Impfung Kuhköpfe aus dem Körper wachsen (eine Übersetzung der Propf-Metapher ins Bild), oder die Impfung wird zum kinderfressenden Monster mit Kuhhörnern und Krokodilsrachen allegorisiert. Fazit: Wir haben es mit einer immens reichen Kulturgeschichte der Irrationalität zu tun. Eine longue durée der ästhetischen Stilisierung zum Heiligen und Dämonischen gleichermaßen. Diese Muster sehe ich heute wiederkommen. Die Impf-»Stoffe« und Impfnarrative sind jedoch bereits im 19. Jahrhundert angelegt, formatiert und medialisiert. Im 20. Jahrhundert ist die weitere kulturhistorische Entwicklung noch nicht erforscht. Diesem Desiderat versuche ich in meiner interdisziplinären Forschungsarbeit nachzugehen.
Kursbuch: Letzte Frage zur Aktualität der Ereignisse. Wenn Sie mit Ihren medizinhistorischen Kenntnissen heute auf das Impfen gegen COVID-19 blicken, was fällt am deutlichsten auf?
King: Wir sehen heute eine Deprofessionalisierung im ärztlichen Bereich, die sich auf das Verhältnis zwischen Arzt und Patient auswirkt. Auf der einen Seite ist da ein gewisser Autoritätsverlust der Ärzte, auf der anderen Seite die akademische Aufwertung anderer medizinischer Berufe. Wir erleben eine funktionale Differenzierung im medizinischen System, die überhaupt nicht funktioniert, weil Ärzte und pflegende Berufe auf gleicher Höhe angesiedelt werden. Alle müssen auf einer Ebene agieren, was aufgrund der unterschiedlichen Ausbildungen und rechtlichen Zuständigkeiten gar nicht möglich ist. Hinzu kommt das neue Autonomiebedürfnis des Patienten. Als Arzt oder Ärztin hat man heute ein mitgeliefertes Identitätsproblem, was massiv in die Arzt-Patienten-Kommunikation hineinspielt. Die Kontingenz dieser Kommunikation ist extrem hoch und führt zu diesem Chaos zwischen Impfbegeisterung und Impfskepsis. Ich sehe da die alten Muster einer Janusköpfigkeit, die bei der Pockenimpfung ihren Ausgang nimmt. Zu dieser Komplexität müssen wir jedoch einen Soziologen wie Armin Nassehi befragen.
Armin Nassehi: Dieser Satz gilt ja fast für jedes Problem (alle lachen) …
Das Gespräch fand am 9. April 2021 per Zoom statt. Martina King in Bern, Armin Nassehi in München und Peter Felixberger in Erding.
Immun gegen Pandemiemetaphern Petra Bahr
Ich bin immun gegen Pandemiemetaphern. Wann die Antikörper den Vollschutz ausgeprägt haben werden, weiß ich nicht. Spätestens, als jüngst das Syntagma von den »seelischen Inzidenzen« aufkam, schaltete mein Sprachimmunsystem auf Abwehr. Im Feuilleton und im politischen Kommentar ging ziemlich lange durch, was in der Predigt unerträglich wäre. Auch von »Ansteckung« mag ich nichts mehr hören. Vor einem Jahr hätte die Infektanalogie der Affekte mich nicht mal aufmerken lassen. Jetzt kann ich von ansteckender Freude oder viral gehendem Hass nichts mehr hören, auch wenn mir dann und wann immer noch eins dieser notorischen Infektionsbilder durchgeht, es ist ja auch zu verlockend, sich der körperlichen Bedrohung durch metaphorische Verschiebung zu entledigen.
Krankheit als Metapher ist nur dann poetisch oder witzig oder tiefgründig, wenn der Bildgehalt auf eine bloß entfernte Buchstäblichkeit verweist. Schweben nicht nur Assoziationen, sondern Aerosole durch die Zimmer, Seminarräume und Kirchen, verliert der Übertragungsraum seinen Reiz. Aber halt, habe ich gerade Übertragung gesagt? Ganz so immun bin ich offenbar doch nicht. Der alte Hans Blumenberg hätte milde die Augenbraue gehoben. Sprache ist nun mal sedimentierte Metaphorik. Trotzdem wehrt sich etwas mehr und mehr gegen die virologisch-medizinisch inspirierte Bilderlust. Die Konversionsappelle an die »moribunde Gesellschaft« und die Gesundungsempfehlungen mit ihrem vitalistischen Hintergrundsound hätten mich vor ein paar Monaten vermutlich nicht mal irritiert. Krank, müde, einsam – viele Diagnosen mit Bestsellerqualität machten auch vorher aus der Gesellschaft ein Wartezimmer mit diffusen oder präzisen Beschwerden.
Auch das intellektuelle Spiel mit der Maske und dem vormodernen Persona-Begriff konnte zu Anfang der Pandemie noch virtuos erscheinen, ein sprachliches Feuerwerk gegen die Ohnmacht in der Katastrophe, irgendwo zwischen Twitter-Kalauer und essayistischem Tiefsinn. Jetzt hängen die Dinger fein nummeriert an ehemaligen Adventskalendern oder Garderobenhaken und haben ihren philosophischen Resonanzraum eingebüßt. Die Krankheitsmetaphern kommen mit buchstäblicher Bedeutung zurück. Dagegen bin ich leider noch nicht geimpft.
Philipp OstenPockengiftGeschichten aus der Berliner Impfbibliothek
Bibliotheken und Archive sind derzeit nur eingeschränkt nutzbar. Der ungünstigste Zeitpunkt, so scheint es, nach Recherchemöglichkeiten in einem der Öffentlichkeit ohnehin nicht zugänglichen Bestand zu fragen. Ich hatte von der Berliner Impfbibliothek gehört, einer vor circa 60 Jahren in die Ostberliner Stadtbibliothek gelangten Sammlung. Wissenschaftliche Literatur sei darunter, und Impfgegnerschriften. Auf die war ich besonders neugierig. Die Antwort aus der Berliner Zentral- und Landesbibliothek kam postwendend. Volker Scharnefsky, der Betreuer der Historischen Sammlung, schrieb, einen Katalog gebe es nicht, aber er freue sich, ich sei seit Langem der erste Nutzer.
Eine Woche später saß ich in Berlin zwischen den Regalen und konnte mein Glück kaum fassen, in einer Zeit der geschlossenen Archive zwischen 4000 Sonderdrucken, Zeitungsausschnitten, Flugblättern, Doktorarbeiten und Büchern auf Französisch, Latein, Englisch und Deutsch. Das älteste Buch ist aus dem Jahr 1500, das jüngste von 1940. Der größte Teil stammt aus der Zeit zwischen 1721 und 1921. 1721 wurde zum ersten Mal vor der Royal Society über die Variolation mit Menschenpocken diskutiert, 1921 starb in Weimar der Leiter einer staatlichen »Lymph-Erzeugungsanstalt«. Seine Aufgabe war es, Kühe mit Kuhpocken zu infizieren, um wirksamen Impfstoff zu gewinnen. Auf diesen Arzt, Ludwig Pfeiffer, geht der größte Teil der Sammlung zurück. Nach seinem Tod gelangte sie zusammen mit Beständen anderer staatlicher Impfanstalten nach Halle und von dort nach Ostberlin.
Die Bibliothek repräsentiert die ersten 200 von 300 Jahren europäischer Impfgeschichte. Sie gibt nicht nur den ärztlichen Blick wieder. Die Impfbibliothek bezeugt wissenschaftlichen Streit, politische Debatten und eine unübersehbare Zahl von Irrwegen, Lösungsansätzen und Problemstellungen. Dabei geht es nur um die Pocken. Eine Krankheit, die bei der Eroberung Amerikas 20 Prozent der dortigen Bewohner und in Europa etwa alle fünf Jahre ebenfalls etwa 20 Prozent der nach der jeweils vorangegangenen Epidemie geborenen Kinder tötete. Da ausschließlich Menschen sie bekamen und kein Tier, spekulierte Franz Anton Mesmer, der Entdecker des animalischen Magnetismus, der Ursprung der Pocken sei »anderswo zu suchen, als in der Natur«.1
In einer geschlossenen Bibliothek mitten im leeren Berlin zwischen zweiter und dritter Welle der COVID-19-Pandemie wirken einige der damaligen Debatten frappierend aktuell. Das erhöht die Versuchung, die Quellen aus der Perspektive der Gegenwart zu lesen. Das massive Medieninteresse an Seuchen der Vergangenheit ist ein Charakteristikum dieser Monate. Ein wenig scheint es von dem Wunsch getragen zu sein, auch diese Pandemie rasch zu den erledigten Plagen zählen zu dürfen. Das »Ende der Pandemie« bestimmt die Narration seit ihrem Beginn. »Diese letzte Strecke der Pandemie«, so wird die dritte Welle in politischen Osteransprachen genannt. Wie der brave Soldat Schwejk auf ein Wiedersehen nach dem Krieg »um sechs beim Kelch« hoffen viele auf die Zeit danach. »Stimmung! Es lebe die Nachkriegszeit! Denn bald wird sie wieder zur Vorkriegszeit …«, sangen Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller über die 1920er-Jahre. Einige ahnen: Eine Pandemie endet nicht abrupt mit dem Verschwinden eines neuen Erregers. Er wird sehr langsam variantenreich und endemisch.
