La Veritas e il Leone - Alyssa McNamara - E-Book

La Veritas e il Leone E-Book

Alyssa McNamara

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Beschreibung


TEMPERAMENTVOLL. SEXY. SMART.


Das ist Angelina Cattaneo.

Sie hat sich ein Leben aufgebaut, fernab ihrer Vergangenheit.

Bis zu jenem Abend war alles in bester Ordnung.

Zumindest dachte sie das … als sie in seine Arme lief.

Antonio ‚Il Leone‘ Calderone.

Ein Mann, der eine hypnotische, verruchte Anziehungskraft besitzt und dazu noch verdammt sexy und düster wirkt.

Sie kennt ihn. Sie weiß, wer er ist.

Nur was bedeutet das für sie? Kann sie ihn auf Abstand halten?

Oder holt sie ihre Vergangenheit wieder ein?

Der Start eines gefährlichen und verführerischen Spiels beginnt!

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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ISBN: 978-375-92899-4-0

© sconfinato, 2. Auflage © Alyssa McNamara

© Leone Books Edition, Ebenfurth 2022

Covermaterial: Bilder unter Lizenzierung von Freepik.com genutzt

Alle Rechte vorbehalten

Kein Teil des Werks darf in irgendeiner Form ohne schriftliche

Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung

elektonischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Medieninhaber, Verleger und Herausgeber:

Sconfinato

Neubaugasse 4

2490 Ebenfurth

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Epilog

Italienische Ausdrücke

 

Kapitel 1

 

 

Angelina

 

 

 

»Komm doch mit, das wird bestimmt spaßig.« Seit geschlagenen fünfzehn Minuten nervte mich meine beste Freundin Charlie.

»Ich kann nicht«, sagte ich bereits zum gefühlt hundertsten Mal an diesem Abend. »Du weißt ganz genau, dass morgen mein erster Tag in der Praxis ist.« Wir drehten uns nur noch im Kreis und keiner von uns beiden wollte nachgeben. So gern ich mitgehen wollte, wusste ich doch, dass morgen ein anstrengender Tag auf mich wartete. Das erste Mal in meinem Leben begann ich in einer Gemeinschaftspraxis als Ärztin zu arbeiten. Keine stundenlangen Nachtschichten mehr, keine Notfälle, einfach nur normaler Kram. Ich freute mich riesig darauf. Deshalb wollte ich ausgeruht sein und mir nicht die Nacht um die Ohren schlagen. Nur verstand Charlie das nicht.

»Jetzt sei keine Spielverderberin. Du musst einfach in die neue Bar mitgehen, auch wenn es nur für eine Stunde oder so ist«, quengelte sie weiter.

Na klar, nur eine Stunde. Als ob das je so gewesen wäre. Ein Schmunzeln huschte über meine Lippen. Sie war so leicht zu durchschauen. Wenn ihr nichts weiter einfiel, hieß es gleich ›sei keine Spielverderberin‹.

Ich rührte mit dem Löffel in meinem Kaffee und hörte ihr gespannt zu, während sie weiter dahin plapperte und mir all die supertollen Vorteile aufzählte, die mich um meinen wertvollen Schlaf bringen sollten.

Ich kannte Charlie, die eigentlich Carlotta Rosario hieß, verdammt gut. Sie war die klassische Schönheit: groß, blond, sechsundzwanzig Jahre alt und ihr konnte kaum ein männliches Wesen widerstehen. Vor fünf Jahren kam sie wie ein Wirbelwind in mein Leben und seitdem war sie meine beste Freundin. Und zu meinem Leidwesen, wusste sie in jeder Hinsicht, wie sie mich um den Finger wickeln konnte. Dieses kleine Luder!

»Okay, ich gebe auf. Wann und wo willst du dich treffen?«, lenkte ich schmunzelnd ein. Sie quietschte vollkommen losgelöst in das Handy, sodass ich es von meinem Ohr kilometerweit – und selbst das war noch zu wenig – weghalten musste.

»Was heißt wann und wo? Ich bin in zehn Minuten bei dir und dann gehen wir los.«

Ich verschluckte mich fast an meinem Kaffee. »WAS?«, rief ich schockiert. »Bist du irre? Ich bin noch nicht einmal hergerichtet, geschweige denn angezogen.« Gut angezogen war ich, wenn man eine superbequeme Jogginghose und ein ausgewaschenes Shirt als ›angezogen‹ betrachten konnte. Aber von ausgehfertig war ich meilenweit entfernt. Wie ich sie ab und zu hasste.

»Na auf was wartest du dann? Hopp hopp!«, sagte sie schnell und legte auf.

Ich starrte das Handy in meiner Hand fassungslos an und hoffte, dass das soeben ein Scherz war.

Mit einem Seufzen trank ich genüsslich den letzten Rest meines Kaffees. Ich ließ mir massig Zeit. Sie konnte froh sein, dass ich überhaupt mitkam. Innerlich sträubte ich mich, da ich null – aber auch so gar nicht – motiviert war, mich herzurichten und in diese sogenannte grandiose Bar zu gehen. Was machte ich nicht alles für sie.

Frustriert schlurfte ich zu meinem überfüllten, begehbaren Kleiderschrank und suchte ein paar elegante Sachen heraus, die für eine Bar zwar reichten, jedoch nicht allzu aufreizend waren. Schließlich wollte ich meine Ruhe und war sicher nicht darauf aus, abgeschleppt zu werden. Ich seufzte tief.

Keine fünf Minuten später schrillte die Klingel. Wie nicht anders zu erwarten, stand Charlie vor mir und sah mich regelrecht entsetzt an.

»Wie siehst du aus? Wieso bist du denn noch nicht angezogen?«, gab sie entrüstet von sich.

War das gerade ihr Ernst? Was erwartete sie denn?

Sie schob sich an der Tür vorbei und steuerte zielgerichtet mein Ankleidezimmer an.

Niedergeschlagen schloss ich die Tür, murmelte ein »Magnifico«, begab mich zu ihr und lehnte mich gegen die Wand neben dem Schrank, während sie in meiner Kleidersammlung versank. »Charlie, was erwartest du? Du hast mich vor sage und schreibe zehn Minuten überredet in eine Bar mitzugehen, auf die ich ehrlich gesagt überhaupt keine Lust habe.«

Sie blickte aus den Tiefen meines Schrankes hervor, murmelte ein verachtendes »Bitte«, verdrehte die Augen, schnaubte etwas und sah mich absolut entrüstet an, bevor sie sich wieder auf meine Sachen stürzte und darin weiterwühlte.

»Angie, ehrlich, wann warst du das letzte Mal so richtig aus, seitdem Tom dich abserviert hat?«, tönte ihre Stimme dumpf aus dem Schrank.

Das hatte sie gerade nicht ernsthaft gesagt! Ich schluckte. Meine Lust ihr in diesem Moment den Hals umzudrehen, wurde größer als je zuvor. Kurz schloss ich die Augen, um mein Temperament zu zügeln. Wenn ich mich nicht beruhigte, würde ich etwas tun, das ich auf alle Fälle bereuen würde. Ich knirschte mit den Zähnen und fauchte: »Nochmal, zum tausendsten Mal,

Ich.

Habe.

Ihn.

Abserviert,

nachdem was er sich geleistet hat.« Dass mein Herz noch immer blutete, verschwieg ich besser.

Ich hatte diesen Arsch namens Tomaso geliebt, doch anscheinend beruhte das nicht auf Gegenseitigkeit. Nachdem ich ihn mit der kleinen Schlampe aus seinem Büro in seinem Apartment erwischt hatte, sind bei mir einige Sicherungen durchgebrannt. Klar, ich wusste, da er gut aussah, dass die Frauenwelt ihn nicht verachtete. Nur hatte ich ihm alles von mir gegeben. – Meine Liebe. Mein Herz. Meinen Respekt. Das Letzte hatte er sich regelrecht verspielt. Scheißkerl.

Genug war genug. Mein Bedarf an Männern war gedeckt. Sie waren zu nichts zu gebrauchen. Wenn man sich auf einen Kerl verließ, war man verlassen. – Leider!

Tomaso sollte froh sein, dass er niemals hinter mein Geheimnis kam, denn sonst … Darüber wollte und konnte ich nicht nachdenken.

Ich nahm an, da wir zwei Jahre zusammen waren, dass wir vielleicht eine Chance hätten. Oder besser gesagt, gehofft, eine Chance auf ein ›normales‹ Leben zu bekommen. Dem war nicht so. Die Erinnerungen an unsere Trennung waren keine angenehmen. Mein Temperament war völlig mit mir durchgegangen, indem ein paar Sachen kaputt gingen.

Irgendwie lief meine Männerwahl meistens schief. Ich schüttelte den Kopf. Wenn ich nicht immer auf heiße Kerle stehen würde. Verdammt. Wieso lernte ich nicht ein einziges Mal einen netten, anständigen Typen kennen?

»Das oder das andere?« Charlie sah mich stirnrunzelnd an und riss mich aus den Gedanken.

»Hä, was?« Ich hatte ehrlich gesagt gar nicht mitbekommen, dass sie mit mir redete. Interessant!

»Ehrlich Angie, hörst du überhaupt zu? Ich fragte dich, ob du dieses oder das andere Kleid anziehen möchtest?« Sie hielt mir zwei kurze Kleider hin. Das eine war blau mit feinen Ornamenten bestickt und das andere war ein klassisches Schwarzes, jedoch um einiges kürzer als das Blaue. Super! Was hatte sie bloß vor?

»Das ist nicht dein Ernst? Ich ziehe doch kein Kleid an, wenn ich nur für ein oder zwei Drinks mit in die Bar komme.« Sie hatte eindeutig nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Charlie wirkte bereits leicht wütend, als sie die Stirn krauszog, ihre Lippen zu einem Strich zusammenpresste und die Augen verdrehte. Sie überging gekonnt meine Aussage und nahm das schwarze, kurze Kleid sowie meine schwarzen Louboutins und hielt sie mir fordernd hin. »Das ist jetzt ein Scherz von dir, ja?«

»Geh schon. Nimm die Sachen, die ich dir gegeben habe und zieh dich um. Wir haben nicht den ganzen Abend Zeit.«

Ich tat es ihr gleich und verdrehte die Augen. Das was sie konnte, schaffte ich mit links. Resigniert riss ich ihr die Sachen aus der Hand und ging ins Bad, um mich herzurichten. Für heute gab ich mich geschlagen. Als ich die Badezimmertür hinter mir schloss, pfefferte ich meine Sachen in eine Ecke, schaute in den Spiegel und schüttelte über meine eigene Blödheit den Kopf. Wieso hatte ich mich überreden lassen? Nun gut, mein Spiegelbild würde mir sicherlich keine brauchbare Antwort liefern können.

Ich wollte gerade mit dem Schminken beginnen, da ertönte Charlies Stimme.

»Jetzt beeile dich doch endlich«, schrie sie durch die geschlossene Zimmertür.

Mit meinem Mascara in der Hand rief ich etwas lauter zurück: »Charlie, dir ist schon klar, dass ich gerade seit zwei Minuten im Bad bin. Was bist du denn so hektisch?«

Wie nicht anders zu erwarten, bekam ich keine Antwort. Wäre auch zu viel des Guten gewesen.

Manchmal war sie wirklich anstrengend. Sie war zwar drei Jahre jünger als ich, aber manches Mal führte sie sich auf wie ein kleiner General. Und wehe, wenn man nicht folgte. Gar nicht auszumalen, was dann passieren würde.

Mit einem Stöhnen ergab ich mich meinem Schicksal und machte mich ausgehfertig. Nachdem ich mich geschminkt, mein Kleid und meine Louboutins angezogen hatte, trat ich nach zwanzig Minuten aus dem Badezimmer und begab mich zu dem kleinen Quälgeist, der schon ungeduldig und zappelig auf meiner Couch saß.

»So fertig. Bist du nun zufrieden?« Die Arme ausgestreckt drehte und präsentierte ich mich ihr.

Charlie beäugte mich kritisch. Geduldig wartete ich ab, was sie an mir auszusetzen hatte.

»Na ja, hätte etwas besser werden können, allerdings sind wir sowieso schon spät dran.« Sie seufzte, sprang regelrecht von der Couch und drängte mich zur Tür.

Was? Zu spät? Wofür? Da stimmte doch irgendetwas nicht. Ich wand mich aus ihrem Griff und stellte mich mit verschränkten Armen vor sie hin. »Okay, Moment mal. Was führst du im Schilde?«

»Was? Wer? Ich? N-Nichts«, stammelte sie und verweigerte mir den Blickkontakt.

Erst jetzt fiel mir auf, dass sie aufs Äußerste aufgedonnert war. Kurzes Minikleid, das kaum ihren Hintern bedeckte, hochtoupierte Haare, übermäßiges Make-up und High Heels, die locker fünfzehn Zentimeter Absatz besaßen. »Charlieeee?«, rief ich explosiv. Was um Himmels Willen hatte sie angestellt. Hoffentlich hatte sie nicht irgendeinen Verkupplungsversuch mit mir vor, denn das konnte ich bei aller Liebe nicht gebrauchen.

»Schon gut. Wenn du es unbedingt wissen willst … Da kommt heute ein echt süßer Typ hin und den muss ich unbedingt wiedersehen und ihn näher kennenlernen und …«, brabbelte sie los.

Ich verdrehte die Augen. »Nicht schon wieder Charlie. Der wievielte von einer langen Liste von Typen, die du schon gedatet hast, ist das?«

»Nein, nicht was du denkst. Den habe ich schon vor einer Weile kennengelernt und ihn leider aus den Augen verloren. Durch Zufall habe ich ihn heute wiedergetroffen. Er ist so anders als alle anderen Männer, die ich bisher kennenlernen durfte. Er ist sehr charmant und zuvorkommend, bringt mich zum Lachen. Ach, es ist so vieles mehr und Tada, er hat uns heute auf die Gästeliste gesetzt. Also bitte, bitte, bitte komm mit«, sprudelte es wie ein Wasserfall aus ihr heraus.

Von da wehte also der Wind her. Jetzt wurde mir einiges klar. Von wegen ›so anders als alle anderen‹, den Spruch kannte ich längst. Na, das konnte ein heiterer Abend werden.

»Außerdem date ich gar nicht so viele Kerle, wie du wieder denkst«, fügte sie schmollend hinzu.

A ja, sie spielte die Dramaqueen.

»Also gut, ich gehe mit. Dafür schuldest du mir etwas.« Ich war ziemlich gespannt, auf was ich mich da einließ. Jedoch auch auf diesen geheimnisvollen Kerl, der meiner Freundin komplett den Kopf verdreht hatte.

Ihre Augen glühten voller Vorfreude. Sie hüpfte ein paar Mal auf und ab und sagte »einverstanden«. So schnell machte man Charlie glücklich.

Ich nahm meine schwarze Clutch und wir traten den Weg aus meiner Wohnung an. Zusammen gingen wir hinunter zu ihrem Auto und fuhren in die Innenstadt von Milano. Auf diese Bar war ich mehr als gespannt.

 

***

 

Nach gut dreißig Minuten und etlichen Runden Parkplatz suchen, standen wir vor der neuen Bar im Bezirk Porta Tenaglia. Obwohl diese Bar eher wie ein Club aussah. »Charlie, ist das dein Ernst? Das ist ein verdammter Club und keine Bar«, rief ich und schaute sie entsetzt an.

Ihr entkam nur ein »Ups«, nahm mich an die Hand, zog mich auf die andere Straßenseite und sagte noch: »Na komm schon, das wird lustig.«

Ha ha, ich konnte nur lachen, und zwar im Keller. Ich wusste, dass da ein Haken war. Wieso hatte ich nicht meiner Intuition vertraut? Den Schlaf konnte ich getrost vergessen. Widerwillig ließ ich mich von Charlie zum Eingang hinziehen.

Der neue Club mit dem Namen Staccato strahlte eine undefinierbare Eleganz aus. Das musste ich zugeben. Die ganze Atmosphäre verschlug mir die Sprache. Nicht nur das Design, das in schwarz-weiß gehalten wurde oder die leuchtenden Buchstaben, die den Namen des Clubs im Abendlicht hell erleuchteten; es war so viel mehr.

Als wir näherkamen, sah ich bereits die Menschentraube, die dicht aneinander gedrängt auf Einlass wartete. Na super!

Ein wenig fröstelte es mich. Der Herbst war schon weit fortgeschritten und ein kühler Wind wehte.

Mein Blick glitt über die wartenden Menschen und mir kam es vor, als ob wir heute nicht mehr hineinkommen würden. »Bist du sicher, dass wir reinkommen? Sieh dir die vielen Leute an«, brachte ich skeptisch hervor.

Charlie schmunzelte schelmisch. »Ach komm schon. Ich zeige dir wie das geht.«Sie nahm erneut meine Hand und zog mich an den eingereihten Leuten vorbei, hin zu dem grimmig aussehenden Türsteher, der vor dem abgesperrten Eingang stand.

Er musterte uns überheblich von oben bis unten. »Hier kommen nur geladene Gäste rein, also verschwindet.« Er knurrte übellaunig und machte eine Handbewegung, als würde er Fliegen verscheuchen.

Was dachte sich der Kerl wer er war? Durfte ich ihm irgendetwas brechen? Lust hätte ich alle mal dazu.

Ich wollte mich umdrehen und abwenden, als Charlie meine Hand fester hielt und mit ihrem einnehmendsten Lächeln diesem schroffen, muskelbepackten Türsteher – der sicher nur Anabolika zu sich nahm – deutlich machte, dass wir auf der Gästeliste stehen und ihm unsere Namen nannte.

Verblüfft schaute er auf seinen Block, schnaufte etwas, sah offenbar unsere Namen, öffnete die Absperrung und winkte uns angepisst durch.

Mit einem Schmunzeln gingen wir hinein.

Kapitel 2

 

 

Antonio

 

 

Ich starrte aus dem Fenster der fünfunddreißigsten Etage meines Firmenkomplexes und betrachtete die Skyline von Milano. Der Bauboom fing jetzt erst so richtig an. Die Stadt hatte sich in den letzten Jahren neu erschaffen, davor wurde alles flächenmäßig verbaut. Seit geraumer Zeit wurden einige Gebäude sogar in die Höhe erbaut; was ein ganz neues Bild ergab. Schließlich war ich nicht ganz unbeteiligt, denn meine Firma suchte immer wieder nach neuen Architekten, die Visionen hatten. Visionen von einer fortschrittlicheren Stadt und ich hatte das Geld, um ihnen die Gelegenheit zu bieten, ihre Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen.

Wenn ich mir Milano ansah, meine Stadt, dann hinkten wir einige Jahrzehnte hinter den großen Städten her. Zu meinem Bedauern. Das würde sich bald ändern. Ich arbeitete seit zwei Jahren an meinem Vorhaben, dass sich hier etwas tat. Meine Firma war flexibel, denn ich hatte mich neben Tief- und Hochbau auch auf andere Gebiete spezialisiert. Mit anderen Worten investierte ich in jedes Geschäft, das ich wollte. Schließlich sollte Milano einzigartig werden und nicht nur berühmt wegen der alten, geschichtsträchtigen Gebäude. Ich wollte so viel mehr.

Für einen kurzen Moment schloss ich die Augen und massierte meine Schläfen. Bereits den ganzen Nachmittag musste ich mir diesen Schwachsinn in meinem Büro geben. ›Nein Boss‹, ›Ja Boss‹, ›Wir versuchen es, Boss‹. Ich konnte das Geschwafel nicht mehr hören. Ab und zu glaubte ich wirklich von Schwachköpfen umgeben zu sein. Meine Faust knallte auf den Tisch und ich befahl. »So wird es gemacht und ich will keine Ausreden hören.« Ich stand auf, riss die Tür vom Konferenzsaal beinahe aus den Scharnieren und ging den langen Flur entlang. Als ich bei meiner Assistentin vorbeiging, sagte diese irgendetwas, jedoch interessierte mich das nicht und lief weiter zu den Liften.

Natürlich folgte sie mir auf den Fuß. »Signore Calderone, Sie haben noch einige Termine. Wollen Sie sie jetzt haben oder …«

Ich drehte mich um und ehrlich, ich hatte für den ganzen Mist einfach keine Nerven mehr. »Rufen Sie Signore Ferrara an und geben Sie sie ihm durch«, sagte ich ruhig und ziemlich erschöpft. Diese Sitzung hatte mir soeben den letzten Nerv geraubt.

Vin würde das schon regeln, für was hatte ich sonst meine rechte Hand. Zum Glück öffnete sich der Lift. Ich wünschte meiner Assistentin einen schönen Tag, drückte den Knopf zur Lobby und fuhr hinunter. Mein Kopf dröhnte nach diesem Gespräch oder besser gesagt, nach dem Gewinsel dieser elendigen Dummköpfe. Ich ging aus der Firma, in der meine legalen und zeitweise illegalen Geschäfte – so wie eben – zustande kamen, zu meinem Fahrer Nino. Er hielt mir die Tür auf und ich ließ mich in die hinteren Ledersitze fallen. Ein wahrer Genuss.

»Haben wir einen anderen Weg oder soll es nach Hause gehen, Boss?«

»Fahr nach Hause«, antwortete ich ihm. Nino war schon lange für meine Familie tätig und ich war jeden einzelnen Tag dankbar ihn an meiner Seite zu wissen, denn er war äußerst loyal. Das war das Wichtigste in meinem Leben. Die einzige Konstante. Er lenkte den Wagen gekonnt auf die Straße und fuhr, ohne ein weiteres Wort zu sagen, wofür ich ihm sehr verbunden war, weiter. Ich schloss meine Augen.

Wenige Minuten später standen wir auf meinem Anwesen, ich stieg aus und ging im Haus direkt Richtung Bar. Ich nahm ein Glas und schenkte mir meinen heißgeliebten Whiskey ein. Vom untersten Regal nahm ich eine Kopfschmerztablette und spülte sie mit dem Whiskey hinunter. Vielleicht würde die Tablette helfen, ich war jedoch nicht wirklich überzeugt davon. Mit dem Whiskey eilte ich die Treppen hinauf, alle zwei Stufen auf einmal nehmend, in mein Schlafzimmer. Hoffentlich hörte mich niemand, denn ich zog im Moment meine Ruhe vor. Leise öffnete ich die Tür und schloss sie genauso hinter mir. Ich stellte das Whiskeyglas auf dem Tisch ab und machte es mir auf dem Bett bequem, indem ich meine Krawatte löste und die ersten zwei Knöpfe meines Hemdes öffnete. Für einen Moment erlaubte ich mir, meine Augen zu schließen und genoss die absolute Stille, bis es an der Tür klopfte.

Ich öffnete die Lider und starrte an die Decke. Die einzige Frage, die in meinen Gedanken kreiste, war: Wieso? Mir war klar, dass ich keinen einzigen Augenblick in diesem gottverdammten Haus für mich haben würde. Glatt könnte ich denjenigen abknallen, der mich störte, aber ich wusste bereits, wer es war, der mich nervte. Heute war kein guter Tag.

Vin öffnete die Tür und lächelte grenzdebil.

»Was ist?«, knurrte ich.

»So prächtig lief es also? Oder ist dir sonst noch irgendetwas über die Leber gelaufen?«, fragte er frech grinsend.

Ich blickte ihn finster an und ihm wurde klar, dass jetzt kein guter Zeitpunkt war, um mich blöd anzumachen. Wenn ich diesen Auftrag nicht durchführen konnte, dann wäre mein Geschäft mit den Politikern Geschichte und dann hätte ich ein ernsthaftes Problem, von zweierlei Seiten. Im Moment wollte ich einfach nicht daran denken. »Ist irgendetwas, weshalb du mich störst?«, entgegnete ich genervt.

»Nein, schon gut. Nichts, was nicht warten könnte.« Er wollte gerade gehen, bevor er sich noch einmal umdrehte und von sich gab: »Mach dich dann fertig. Wir sollten in zwei Stunden los.«

Ich starrte an die Decke und versuchte angestrengt nachzudenken, was heute noch auf dem Plan stand, doch es wollte mir beim besten Willen nicht einfallen. Schließlich setzte ich mich auf und fragte Vin, bevor er die Tür zuzog: »Was? Wohin soll es denn bitte gehen? Habe ich irgendwas verpasst?«

Er hielt inne und drehte sich genervt um. »Antonio, jetzt sag bitte nicht, dass du das Event vergessen hast.«

Ich zog meine Augenbraue hoch und schaute ihn skeptisch an, da ich keinen blassen Schimmer hatte, wovon zum Teufel er redete.

Er seufzte. »Heute ist die Eröffnung deines Clubs? Das kannst du doch nicht vergessen! Du musst heute vor Ort sein. Das ist unabdingbar.«

Fuck? Das hatte mir noch gefehlt. Wie konnte ich das vergessen? Eigentlich freute ich mich, dass mein Club, nach einigen Verzögerungen, fertig war. Wenn ich jedoch daran dachte, wer alles zu dieser Eröffnung eingeladen war, wurden meine pochenden Kopfschmerzen mit einem Schlag intensiver. Tja, mit anderen Worten graute es mir davor. Konnte dieser Tag noch schlimmer werden?

»Muss ich heute wirklich dorthin? Kann ich mich nicht an einem anderen Tag dort blicken lassen?« Bekanntlich starb die Hoffnung zum Schluss. Zumindest war dies ein letzter Versuch, mich aus der Verantwortung zu ziehen. Dass ich wie ein Weichei klang, war mir augenblicklich egal.

»Nein und das weißt du. Wir haben darüber gesprochen und die Gästeliste steht. Du weißt, dass das für deine Geschäfte wichtig ist, wenn du weiter die Nummer eins bleiben willst. Oder willst du nicht mehr die Nummer eins sein?«

»Doch«, knurrte ich düster. Natürlich wollte ich die Nummer eins bleiben, das wusste Vin zu gut.

Mein Kiefer mahlte bei dem Gedanken, wer meinen Platz einnehmen würde, wenn ich mich nicht weiter anstrengte. Nun, er wollte meine Position, allerdings war ich mir sicher, dass das den anderen Bossen nicht gefiel. Ich seufzte. »Okay, wir sehen uns in zwei Stunden. Könntest du mich bitte alleine lassen, wenn es nicht zu viele Umstände macht?« Er verschwand.

Nachdem Vincenzo die Tür hinter sich zugezogen hatte, stand ich auf und nahm mein Whiskeyglas, das auf dem kleinen Tisch stand und trat auf die Terrasse. Zu viele Gedanken schwirrten in meinem Kopf umher, aber der richtige Zeitpunkt war noch nicht gekommen. Vin und ich hatten einige gute Pläne entwickelt, wie wir die Umstrukturierung meiner Organisation in eine legale Richtung gestalten könnten. Nur mussten wir vorsichtig sein. Meine Feinde würden sich auf das kleinste Stückchen stürzen, sollte mir ein Fehler unterlaufen. Deshalb zog ich nur Vin in mein Vorhaben hinzu. Schließlich würde ihm nichts anderes übrigbleiben, wenn er weiterhin mein Consigliere bleiben wollte.

Mit einem Zug trank ich den Whiskey leer, stellte das Glas ab und ging in das angrenzende Bad, um mich für die Eröffnung herzurichten. Meine Sachen schmiss ich in die Ecke und begab mich unter die Dusche. Das heiße Wasser hinterließ ein herrlich prickelndes Gefühl auf meiner Haut. Ich stützte mich mit einer Hand an der Wand ab und ließ das Wasser über meinen Rücken laufen. Die einzelnen Wassertropfen perlten an meinem Körper ab und entspannten meine Muskulatur nach diesem anstrengenden Tag.

Nach zwanzig Minuten trat ich aus der Dusche, trocknete mich ab, wickelte das Badetuch um meine Hüften und ging zum Schrank. Ich entschloss mich eine schwarze Jeans und ein weißes Hemd anzuziehen, wobei ich zwei Knöpfe offenließ. Mein schwarzes Armani-Sakko zog ich an sowie meine Lederschuhe. Zusammen ergab es einen lässigen Look. Als ich fertig angezogen war, holte ich aus meiner Schublade meine silberne Rado heraus. Ich liebte diese Uhr, auch wenn sie schon etwas älter war. Sie gab meinem Outfit den richtigen Schliff. Sie erinnerte mich an … längst vergangene Zeiten.

Eine leichte Melancholie bemächtigte sich meiner Gedanken. Schnell verwischte ich die trübsinnigen Hirngespinste und warf einen kurzen Blick in den Spiegel. Verdammt, ich sah heute Abend wirklich gut aus.

Ich trat aus dem Schlafzimmer und ging die Treppen hinunter in den großen Eingangsbereich. Vincenzo wartete bereits.

»Also.« Lässig kam ich die Stufen hinunter. »Was wird mich heute Abend erwarten?«

Vin erklärte mir den Ablauf des Abendprogramms, auch dass ich eine kleine Rede halten musste. Anscheinend hatte er alle eingeladen, die wichtig waren: Politiker, Promis – die ganze verdammte High Society! Na, wie ich mich freute. Soweit ich mitbekam, standen auch einige Führungspersönlichkeiten auf der Liste, die sehr gut in meine Pläne passten. Wenn ich mich einigermaßen geschickt anstellte, hätte ich am Ende des Abends einen Fuß in der Tür. Zum Glück war mein Ruf noch nicht so ramponiert, da viele nicht wussten, was ich in Wirklichkeit tat.

Dadurch, dass ich erst vor zwei Jahren das Familiengeschäft übernommen hatte, nachdem Don Calderone gestorben war, hatte ich es tunlichst vermieden, mich in die Öffentlichkeit zu drängen. Mein Geschäftssinn war sehr ausgeprägt, sodass viele nur das Offensichtlichste wahrnahmen. Vielleicht wollten die Leute das Inoffizielle im Grunde auch gar nicht wahrhaben. Für mich war dies vollkommen in Ordnung. Schließlich war nur bekannt, dass wenn man von unserer Organisation sprach, der Capo dei Capi »Il Leone« genannt wurde. Dahinter konnte sich ein jeder verbergen.

Was konnte ich anderes tun? Wenn man in diese Welt hineingeboren wurde, blieb einem selten etwas anderes übrig, als in die Fußstapfen zu treten – oder zu sterben.

Einige von meinen Leuten warteten bereits bei den Autos und erfüllten ihre Aufgabe gewissenhaft, indem sie patrouillierten. Wir gesellten uns dazu.

Ich stieg in die Limousine ein und wir fuhren zu meinem Club. Auf dem Weg dorthin erläuterte mir Vin noch einige Punkte, die ich zu beachten hatte. Mit wem ich mich unterhalten sollte, wo Vorsicht geboten war und diverse andere Angelegenheiten. Das würde ein interessanter Abend werden.

Als wir beim Club ankamen, strebten wir den Seiteneingang an und gingen hinein. Meine Leute nahmen ihre Stellung in dem Club ein. Sie sollten mich beschützen und die Leute, die heute anwesend waren, im Auge behalten. Ich kam mir beinahe wie in Fort Knox vor.

Vincenzo geleitete mich mit Luca und Giorgio in den ersten Stock und zeigte mir meine Räumlichkeiten. Keiner würde hier Zutritt haben, außer er hätte einen Termin bei mir. Ansonsten sorgten Luca und Giorgio für meinen Schutz, meine zwei besten Männer, dass keiner zu mir vordringen konnte.

Vin öffnete die Tür und schaltete die Spots an.

Ich trat in ein sehr geschmackvolles Büro ein, das komplett nach meinen Wünschen eingerichtet worden war. In der Mitte meines Büros thronte ein großer Arbeitstisch aus feinstem Mahagoni – natürlich eine Spezialanfertigung – mit zwei bequemen Sesseln davor. Dahinter stand ein schwarzer Ledersessel mit einer hohen Rückenlehne. Auf der linken Seite der Wand war eine kleine Bar eingelassen. Natürlich fiel mir sofort der Whiskey ins Auge. Wäre auch schade gewesen, wenn ich hier auf dem Trockenen säße. Der Boden bestand aus schwarzem Marmor und bordeauxrote Vorhänge schmückten die Seiten meiner sogenannten Aussichtsgalerie. Ich blickte über den ganzen Club und keiner konnte mich sehen, da die Fensterfront verspiegelt war.

Was für ein geiles Feeling!

Von meiner jetzigen Position aus blickte ich hinunter in den Club und sah, wie meine Gäste sich aneinanderreihten, um einen kleinen Blick auf meine Schöpfung zu erhaschen, die komplett in Schwarz-weiß gehalten war.

Die meisten von ihnen kannte ich nur flüchtig. Vin hatte Recht. Sie waren fast alle da. Politiker, Promis, die ganzen High Society Tussis, die sich nicht einkriegen konnten, wenn sie mich sahen.

Sie alle kamen, wie die Motten zum Licht. So wie ich es wollte. Im Grunde gefiel mir das Gefühl, die Macht in Händen zu halten und dass sie alle sprangen, wenn ich rief. Ein Lächeln breitete sich auf meinen Lippen aus.

Vin unterbrach meine stummen Gedanken. »Wenn du anschließend hinunter möchtest, habe ich für dich eine VIP-Lounge reserviert. Nur für den Fall, dass dir hier oben zu langweilig wird. Ach ja, bevor ich es vergesse; hier ist die Liste der Leute, mit denen du noch einen Termin hast, bevor du deine Rede hältst.«

»Gut, vielleicht mache ich das«, murmelte ich leicht abwesend. Er reichte mir die Liste. Ich las die einzelnen Namen und meine Miene verhärtete sich. Es waren wichtige Gesprächspartner, aber verdammt, das war eine Party. Eine Eröffnung. Das war eindeutig der größte Witz des heutigen Abends. Ich strich sechs von zehn Namen durch und gab sie Vin retour.

»Was soll das? Du kannst doch nicht einfach die Liste kürzen«, entrüstete er sich.

»Ich kann und habe es soeben getan. Das siehst du doch.« Mir entkam ein boshaftes Grinsen. »Hier existieren meine Regeln und danach wird gespielt.«

Vin klappte kurz den Mund auf und wollte etwas erwidern, besann sich aber eines Besseren, als ich streng eine Augenbraue hochzog, die keinen Widerspruch duldete.

»Luca und Giorgio bewachen die Tür damit keiner unangemeldet zu dir hereinschneit. Ich muss noch kurz hinunter und mit dem Personal einiges besprechen. Falls du mich brauchst, sag einem der beiden Bescheid.« Er drehte sich um und ging murrend hinaus.

Ich schmunzelte. Mein Blick glitt hinunter zu der Menschenansammlung, die sich bereits in meinem Club befand. Viele kamen aus Gründen des Prestiges; frei nach dem Motto ›gesehen und gesehen werden‹, wenn etwas Neues aufmachte. Wie mich das anekelte. Die Musik, die zu mir leise herauf klang, war vielversprechend. Der DJ, den wir engagiert hatten, mixte seine eigene Version aus aktuellen Liedern. Ich war mir ziemlich sicher, dass er bald eine große Zukunft vor sich hatte.

Sachte klopfte es an der Tür und Luca steckte seinen Kopf herein. »Boss, ich würde dich nicht stören, allerdings …«, sagte er zögernd und wurde rot. Luca und rot werden? Das war ungewöhnlich, eindeutig. »Sieh selbst.« Er öffnete die Tür.

Herein kam eine junge, ziemlich aufreizende Kellnerin. Ich musterte sie von oben bis unten. Sie war schlank mit kurzen blonden Haaren und besaß ein hübsches Gesicht. Anscheinend hatte sie auch einiges an sich machen lassen. Mir war schnell klar, dass ich das Vin zu verdanken hatte. Typisch! Sie trug ein verdammt enges Top, das ihre Brüste fast zerquetschte, kurze Shorts und High Heels. Eine Schönheit durch und durch und sie stöckelte geradewegs auf mich zu. Natürlich wurde ich richtig scharf, schließlich hatte ich schon lange keine Frau mehr unter mir liegen gehabt. Ich war schließlich auch nur ein Mann!

Sie wirkte etwas künstlich; damit konnte ich eigentlich nichts anfangen, aber für einen schnellen Fick wäre es annehmbar.

Ich stellte mir gerade vor, wie ich sie über den Bürotisch warf und sie mit schnellen Stößen fickte, als sie den Mund aufmachte. Ihre piepsige Stimme kam zum Vorschein. In mir fiel alles zusammen. Aber vielleicht wäre ein Knebel angebracht, dachte ich schmunzelnd.

»Buonasera Signore Calderone. Ich habe mir die Mühe gemacht Ihren Drink für Sie zu mixen und wenn Sie etwas brauchen, rufen Sie einfach.« Sie säuselte verlegen, was einem stöhnenden Eichhörnchen gleichkam. Nicht, dass ich wusste, wie so ein Tier klang, aber wie zum Teufel schaffte man es verlegen zu säuseln? Das wollte mir partout nicht ins Hirn. »Egal was.«

Gut, das war eine Ansage, jedoch ihre Blödheit übertraf alles. Wie zum Henker mixte man einen Whiskey? Ehrlich, das war mir eindeutig zu hoch.

Sie beugte sich etwas zu tief hinunter, sodass ich auf ihr Dekolleté, das einiges zu bieten hatte, blicken konnte.

»Grazie.« Dass war das Einzige, was ich in diesem Moment zustande brachte. Sie drehte sich auf dem Absatz um und stolzierte hüftschwingend aus meinem Büro.

Hübsches Ding, dachte ich. Wenn sie den Mund halten könnte, würde ich sie nicht von der Bettkante stoßen.

Gedanklich machte ich mir eine Notiz, dass ich mit Vin ein ernstes Gespräch führen würde. Was dachte er sich nur dabei, solch junge, halbnackte Dinger bei mir auftauchen zu lassen? Bei so etwas konnte ich kaum bei klarem Verstand bleiben. Klar, für den Club waren sie perfekt, aber in meiner Nähe waren sie alle nicht sicher. Ich wusste nur zu gut, dass er mir diese heiße Kellnerin absichtlich geschickt hatte. Schließlich befand sich hier in meinem privaten Bereich eine eigene Bar mit meinem Whiskey. Er überraschte mich immer wieder.

Ich rief Luca zu mir, der vor der Tür stand und befahl ihm, den ersten Geschäftspartner zu mir hereinzulassen. Es dauerte keine zehn Minuten, bis es an der Tür klopfte. Ich war zwar genervt, doch die Besprechung musste leider sein.

»Herein«, rief ich und der Senator trat ein. Mögen die Spiele beginnen …

 

***

 

Nachdem ich alle Gespräche beendet hatte, ging ich zu der Fensterfront, nippte ein paar Mal an dem Drink und ließ meinen Blick durch den Club schweifen. Heute waren viele hübsche Frauen anwesend. Die meisten waren in Begleitung ihrer Männer oder besser gesagt ihrer Geldsäcke unterwegs. Gott, wie ich solche Frauen verachtete. Wahrscheinlich war dies auch der Grund, warum ich noch immer ungebunden war. Vielleicht war es auch die Tatsache, dass ich kaum eine näher an mich heranließ. Ich wollte keine ins Unglück stürzen. Wenn sie wüssten, wer ich wirklich war. Es gab nur eine einzige Frau, die ich … Nein, ich verbot mir diesen Gedanken. Denn sie war schon lange nicht mehr am Leben.

Seufzend nahm ich einen weiteren Schluck meines Whiskeys und rieb mir die Augen. Die Müdigkeit übermannte mich und ich wollte am liebsten nur noch in mein Bett und die Stille genießen. Nach all den Anstrengungen der Woche, hätte es mir vergönnt sein sollen. Trotzdem wusste ich, dass von mir heute noch einiges abverlangt werden würde, wie diese blöde Rede. Ich konnte nur hoffen, dass Vin irgendetwas Gutes verfasst hatte.

Ich wollte mich gerade auf den Weg nach unten begeben, als ich sie sah.

Wie erstarrt blieb ich an der verspiegelten Empore stehen und blickte hinab. Nein, das konnte nicht sein. Dort unten, mitten im Club stand sie; neben all den anderen aufgetakelten Weibern und fühlte sich offensichtlich nicht wohl in ihrer Haut. Zumindest schien es so, wie man an ihrem unsteten Blick und dem Hände ringen erkannte. Allerdings faszinierte mich etwas anderes an ihr. Sie erinnerte mich an … Emilia?! Nein, das war unmöglich. Die Müdigkeit spielte mir gewiss einen Streich.

Mein Herz versetzte mir einen intensiven Stich und pochte heftig.

Verflucht!

Ich musste sie kennenlernen, so schnell wie möglich.

Das war heute Abend meine einzige Priorität!

Kapitel 3

 

 

Antonio

 

 

 

Ich eilte, nein lief beinahe, aus dem Büro, an meinen Leuten vorbei, die einen gewissen Abstand zu mir hielten, hinunter in die Lounge. Diese Frau ging mir vollkommen unter die Haut, was auch immer der unsägliche Grund dafür war. Was mich jedoch am meisten wurmte: Ich hatte keine Ahnung, wer zum Teufel sie war. Obwohl das so nicht stimmte, denn sie sah aus wie meine Emilia. Doch das war unmöglich. Emilia starb vor über zehn Jahren. Wie konnte das sein? Ich musste dieses faszinierende Wesen um jeden Preis kennenlernen; dafür würde ich Sorge tragen.

Als ich in der Lounge ankam, gesellte sich Vin zu mir und setzte sein dämliches Lächeln auf. »Na, hast du deine Geschäfte schon beendet oder war dir oben langweilig?«

Ab und an könnte ich ihm wirklich die Fresse polieren, doch ich sagte nichts. Ich ließ ihn stehen und ging zu einer der Säulen, die massenhaft im Club standen, lehnte mich mit einem Arm daran und beobachtete sie.

»Darf man fragen, was dich beschäftigt oder ist das ein Staatsgeheimnis?«, setzte Vin wieder an. Was war sein verfluchtes Problem? Augenscheinlich war er in seinem Element mich zu nerven.

»Hm? Was ist los mit dir? Zuerst die Kellnerin und jetztklebst du mir am Arsch wie eine Warze.«

Er schmunzelte breit. »Hat dir die Kleine denn nicht gefallen? Ich dachte, dass du dich etwas mit ihr vergnügen wolltest. Aber das war offenbar ein Irrtum. Was für eine Verschwendung«, seufzte er theatralisch.

War das gerade sein verfickter Ernst? »Du weißt ganz genau, dass ich nichts mit Angestellten anfange. Schon vergessen? Außerdem braucht es etwas mehr als ein schönes Aussehen.«

Egal ob es stimmte oder nicht. Ich wollte heute keine Diskussion mehr vom Zaun brechen. »Kennst du die Frau dort?«

»Welche meinst du? Es sind schließlich viele hübsche Damen anwesend«, grinste er noch breiter als zuvor.

Verarschte er mich gerade?

»Ich meine die, die dort neben der Blonden steht. Gleich neben der Bar. Die in dem kleinen Schwarzen.«

Er schaute mich verwirrt an, zuckte mit den Achseln, blätterte in seiner Liste und grübelte.

»Was ist?«, herrschte ich ihn an. Dieser Gesichtsausdruck gefiel mir nicht. »Vin, mach mich nicht irre. Weißt du, wer sie ist oder nicht?« So schwer konnte es doch nicht sein. Schließlich kannte er fast alle, die heute zugegen waren.

»Na ja, ich bin mir nicht sicher …«

Ich unterbrach ihn und riss ihm die Liste aus der Hand. »Lass mich mal sehen.«

Die Liste war elendig lang und ich studierte sie eingehend. Er hatte alle eingeladen, die in Milano zu finden waren. Als ich zum Ende der Liste angelangte, sah ich zwei Namen, die nachträglich hinzugefügt wurden. Das mussten sie sein, aber die Schrift … Ich war mir nicht sicher, aber gehörte die nicht Raffaello?

»Vin, schick Raffaello zu mir. Ich habe ihn vorhin irgendwo in der Nähe der Bar gesehen«, sagte ich nachdenklich. Ich runzelte die Stirn und starrte weiterhin auf das Blatt Papier.

»Wieso?«, fragte Vin und schielte auf die Liste.

»Vin, bring ihn einfach her«, schnauzte ich ihn lauter an, als es angebracht war. Was war sein verficktes Problem?

Ich ertrug es nicht, wenn man mich oder meine Befehle in Frage stellte. Er machte sich an die Arbeit und trommelte einige von unseren Leuten zusammen, damit sie Raffaello di Angelo zu mir brachten. Er sollte mir Rede und Antwort stehen.

Nach ein paar Minuten fanden sie ihn. Er gesellte sich neben mich, während ich weiterhin nach ihr sah. Ich musste zugeben, dass sie mich fesselte. Wahnsinn!

»Boss, habe ich irgendetwas getan oder warum willst du mich sehen?«, fragte Raffaello zögerlich.

Ich verstand ihn gut. Ich rief selten jemanden zu mir und wenn, dann nicht ohne einen triftigen Grund.

»Also«, begann ich, »wie ich sehe, hast du zwei Namen auf der Liste hinzugefügt. Mich würde interessieren wieso?« Ich wandte mich ihm zu.

Er strahlte aus jeder Pore Unruhe aus. Röte schoss ihm in die Wangen und Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn.

Interessant, ich hatte bloß eine ganz normale Frage gestellt. Ich fixierte ihn genauer und er wurde … verlegen?! Okay, das war neu. Verlegenheit passte eindeutig nicht zu einem hartgesottenen Kerl, wie er einer war.

Ich seufzte. »Was ist los?«

»Boss, ich schwöre dir, ich werde nie wieder hinter deinem Rücken eine Entscheidung treffen. Doch da musste ich handeln. Das kommt nie wieder vor, versprochen«, schwafelte er.

Innerlich schmunzelte ich. Ich ahnte bereits, was er getan hatte. Trotzdem wollte ich die Geschichte von ihm hören. »Na dann erzähl einmal. Was hast du denn getan?«Mit angespanntem Kiefer sah ich ihn auffordernd an.

»Ich habe zwei hübsche Ladys auf die Gästeliste gesetzt, die eigentlich nicht eingeladen waren«, antwortete er vorsichtig.

»Und warum hast du das getan?«

»Weil ich vielleicht Interesse an einer der Ladys habe?«, fragte er noch viel vorsichtiger.

Ich konnte mein Schmunzeln kaum verbergen. Die ganze Situation war schon etwas komisch. »Gut, dann zeig mir dein Date.«

Er zeigte zu einer großgewachsenen, blonden Schönheit, die neben der Frau stand, die mein Herz mehrere Takte höherschlagen ließ. Ich lächelte und mit einem Schlag fiel eine tonnenschwere Last von meinen Schultern, denn ich würde nicht in seinem Revier jagen. Sie war frei … für mich. Meine Beute. Perfekt!

Ich überlegte, wie ich am besten vorgehen sollte, um sie kennenzulernen. Diese Frau machte mich nervös. Sie fühlte sich nicht wohl, dass zeigte ihr unruhiger Blick, den sie durch die Menge schweifen ließ, obwohl sie grandios in dem kleinen Schwarzen aussah. Eine undefinierbare Aura umgab sie. Sie war das Licht und ich die verdammte Motte. So etwas hatte ich noch nie erlebt außer ein einziges Mal. Bei Emilia! Alles in mir schrie danach, zu ihr zu gehen und sie zu erobern. Was danach passieren würde … ich hatte keinen Schimmer und soweit wollte ich nicht vorausplanen. Noch nicht.

»Boss, bitte verzeih mir, dass ich sie eingeladen habe. Ich wollte halt nur …«, stammelte Raffaello und riss mich aus meinen Gedanken. Ich unterbrach ihn, indem ich die Hand hob. »Schon gut, allerdings könntest du mir einen Gefallen erweisen.«

»Alles, du weißt, du kannst alles von mir verlangen. Sag einfach, was du willst.«

Bildete ich es mir ein oder klang Raffaello noch nervöser als vorher? Ich zog eine Augenbraue in die Höhe, fuhr aber unbeirrt fort. »Nimm dir den heutigen Abend frei und lerne sie kennen. Vielleicht ist sie die Richtige für dich.«

»E-ernsthaft Boss?« Sein ungläubiger Blick sprach Bände.

War ich denn wirklich so schrecklich bösartig? Ich wollte immer nur das Beste für meine Leute. Ich seufzte schwer. »Schau zu, dass du zu der Kleinen kommst, oder ich überlege es mir anders.«

Und schon war er auf dem Weg zu ihr.

»Also nochmal zum Mitschreiben.

---ENDE DER LESEPROBE---