Beschreibung

Das große Vermächtnis eines genialen Humoristen und Geschichtenerzählers

In Douglas Adams letztem – unvollendetem – Roman lässt der Autor einmal mehr Privatdetektiv Dirk Gently im Dunkeln tappen. Gently wird von jemandem angeheuert, den er nie trifft, um einen Job auszuführen, der nicht spezifiziert wird.
Das Buch wird ergänzt von einer eindrucksvollen Werkschau seiner wichtigsten – vielfach unveröffentlichten – Artikel, Kolumnen, Kurzgeschichten und Interviews.

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Seitenzahl: 458


Zum Buch

In Douglas Adams letztem – unvollendetem – Roman lässt der Autor einmal mehr Privatdetektiv Dirk Gently im Dunkeln tappen. Gently wird von jemandem angeheuert, den er nie trifft, um einen Job auszuführen, der nicht spezifiziert wird.

Das Buch wird ergänzt von einer eindrucksvollen Werkschau seiner wichtigsten – vielfach unveröffentlichten – Artikel, Kolumnen, Kurzgeschichten und Interviews.

Zum Autor

Douglas Adams schuf die verschiedensten Manifestationen von »Per Anhalter durch die Galaxis«: die Radiosendungen, Romane, eine TV-Serie, Computerspiele, Theaterstücke, Comicbücher und Badetücher. Dazu schrieb er die Dirk-Gently-Romane und diverse Sachbücher. Weltweit hielt er Vorträge und war aktives Mitglied des Dian Fossey Gorilla Fund und von Save the Rhino International. Douglas Adams wurde in Cambridge geboren, mit seiner Frau und Tochter lebte er in Islington bei London, bevor er ins kalifornische Santa Barbara, übersiedelte, wo er 2001 überraschend starb. Nach Douglas Adams’ Tod kam 2005 endlich die Kinoversion von »Per Anhalter durch die Galaxis« auf die große Leinwand.

Lieferbare Titel

Der Elektrische Mönch

Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele

Die letzten ihrer Art

DOUGLAS ADAMS

LACHS

imZweifel

Zum letzten Mal per Anhalter durch die Galaxis

Aus dem Englischen von Benjamin Schwarz

WILHELM HEYNE VERLAG MÜNCHEN

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Die Originalausgabe THE SALMON OF DOUBT erschien bei Macmillan, London

Great acknowledgement is made to the following for permission to reprint previously published material: American Atheist Press:»Interview with Douglas Adams« American Atheist, vol 40, no. 1 (Winter 2001–2002). Reprinted by permission of the American Atheist Press. Byron Press Visual Publications:»Introduction« from The Hitchhikers Guide to the Galaxy (CollectedEdition) DC Comics, volume 1 (May 1997).Reprinted by permission of Byron Press Visual Publications. Daily Nexus: »Interview with Daily Nexus« by Brendan Buhler, of the University of California Santa Barbara Daily Nexus, Artsweek, (April 5, 2001).Reprinted by permission of Daily Nexus. Richard Dawkins:»A Lament for Douglas Adams« by Richard Dawkins, The Guardian (may 14, 2001). Reprinted by permission of the author. Matt Newsome:»Douglas Adams Interview« by Matt Newsome. Copyright © 1998, 2002 by Matt Newsome. Reprinted by permission of the author. The Onion A. V. Club:»Douglas Adams Interview« by Keith Phipps, from The Onion A. V Club (January 1998). Reprinted by permission of The Onion A.V. Club. Pan Macmillan: Excerpts from the Original Hitchhiker Radio Scripts by Douglas Adams & G. Perkins (ed.) Copyright © 1995 by Serious Productions Ltd. Reprinted by permission of Pan Books, an imprint of Pan Macmillan. Robson Books: »Maggie and Trudie« from Animal Passions edited by Alan Coven. Reprinted by permisson of Robson Books. Virgin Net Limited:»InterviewwithVirgin.net, Ltd.« Conducted by Claire Smith (September 22, 1999). Reprinted by permission of Virgin Net Limited. Nicholas Wroe: »The Biography of Douglas Adams« by Nicholas Wroe, The Guardian (June 3, 2000). Reprinted by permission of the author.

Copyright © Completely Unexpected Productions, LTD. 2002

Introduction Copyright © Stephen Fry 2002

Copyright © dieser Ausgabe 2018 by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München

Umschlaggestaltung: © Nele Schütz Design, München

Umschlagabbildung: © Hendrik Dorgathen

Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling

ISBN: 978-3-641-23248-1V001

www.heyne.de

Für Polly

Vorbemerkung des Herausgebers

Kennengelernt habe ich Douglas Adams 1990. Ich war gerade bei Harmony Books sein Lektor geworden und nach London geflogen, um ihm wegen seines lange überfälligen fünften Anhalter-Romans, Einmal Rupert und zurück, ein bisschen auf die Füße zu treten. Kaum hatte mich der Türsummer in Adams’ Haus in Islington eingelassen, kam auch schon ein hünenhafter, überschwänglicher Mann die lange Treppe heruntergestürmt, begrüßte mich freundlich und drückte mir eine Handvoll Seiten in die Hand. »Schauen Sie mal, was Sie davon halten«, sagte er über die Schulter, während er die Treppe wieder nach oben stürmte. Eine Stunde später kam er wieder, neue Seiten in der Hand, und wollte dringend meine Meinung über den ersten Stapel hören. Und so verging der Nachmittag, indem sich lange Lektürestrecken mit erneutem Herunterstürmen und weiteren Gesprächen über Neugeschriebenes abwechselten. Es stellte sich heraus, dass Douglas so am liebsten arbeitete.

Im September 2001, vier Monate nach Douglas’ tragischem, unerwartetem Tod, rief mich sein Agent Ed Victor an. Ein guter Freund habe die Festplatten von Douglas’ vielen geliebten Macintosh-Computern gesichert; ob ich Interesse hätte, die Dateien mal durchzusehen und festzustellen, ob sie das Material zu einem Buch enthielten. Wenige Tage später kam ein Paket, und ich riss es voller Neugier auf.

Mein erster Gedanke war, Douglas’ Freund Chris Ogle müsse eine wahre Herkulesarbeit geleistet haben – was, wie sich herausstellte, den Tatsachen entsprach. Die CD-ROM, auf die Douglas’ schriftstellerisches Werk gespeichert war, enthielt 2.579 Posten: angefangen bei großen Dateien, die den kompletten Text von Douglas’ Büchern enthielten, bis hin zu Briefen im Namen von »Save the Rhino«, einer seiner Lieblings-Schutzorganisationen. Außerdem boten sie faszinierende Einblicke in Dutzende halbfertige Ideen zu Büchern, Filmen und Fernsehsendungen, von denen manche nicht mehr als einen oder zwei Sätze, andere bis zu einem halbem Dutzend Seiten umfassten. Daneben fanden sich Entwürfe zu Vorträgen, Texte, die Douglas für seine Website geschrieben hatte, Einleitungen und Einführungen zu verschiedenen Büchern und Anlässen und Gedanken zu Themen, die Douglas am Herzen lagen: Musik, Technik, Wissenschaft, bedrohte Tierarten, Reisen und Single-Malt Whisky (um nur einige zu nennen). Schließlich fand ich Dutzende Fassungen des neuen Romans, mit dem sich Douglas fast die ganzen letzten zehn Jahre herumgeschlagen hatte. Sie zu sichten und zu ordnen, um zu dem work in progress zu gelangen, das Sie im dritten Teil dieses Buches finden, erwies sich als größte Herausforderung für mich, obwohl das jetzt so klingt, als wäre es schwierig gewesen. Was nicht stimmt. Sobald Fragen aufkamen, beantworteten sie sich wie von selbst.

Douglas’ im Entstehen begriffener Roman, der als dritter Dirk-Gently-Roman geplant war, begann seine Existenz als A Spoon Too Short (Ein zu kurzer Löffel) und wurde in seinen Computerdateien bis August 1993 so genannt. Von dem Zeitpunkt an heißt der Roman in den Ordnern The Salmon of Doubt (Lachs im Zweifel), und sie gehören drei Kategorien an. Von den ältesten bis zu den letzten sind dies: »The Old Salmon« (Der alte Lachs), »The Salmon of Doubt« und »LA/Rhino/Ranting Manor« (Ranting Manor könnte man als »Schloss Protz« übersetzen). Bei der Lektüre dieser verschiedenen Fassungen kam ich zu dem Entschluss, dass Douglas am besten gedient wäre, wenn ich das stärkste Material aneinanderreihte, ohne Rücksicht darauf, wann er es geschrieben hatte, so wie ich es wohl auch vorgeschlagen hätte, wenn er noch am Leben wäre. Und so stellte ich aus »The Old Salmon« das Kapitel her, das jetzt Kapitel eins ist, nämlich das über DaveLand. Die folgenden sechs Kapitel wurden komplett der zweiten und längsten zusammenhängenden Version von »The Salmon of Doubt« entnommen. Um den Gang der Handlung einigermaßen plausibel zu erhalten, fügte ich dann zwei seiner drei neuesten Kapitel aus »LA/Rhino/Ranting Manor« an (sie wurden die Kapitel acht und neun). Für das Kapitel zehn griff ich auf das letzte Kapitel aus »The Salmon of Doubt« zurück, und endete dann mit dem Schlusskapitel aus Douglas’ jüngster Arbeit, »LA/Rhino/Ranting Manor«. Um dem Leser ein Gefühl davon zu geben, was Douglas im Rest des Romans vorhatte, habe ich dem Ganzen ein Fax vorangestellt, das Douglas seiner Londoner Lektorin Sue Freestone geschickt hat, die von Anfang an eng mit ihm an seinen Büchern zusammenarbeitete.

Von der Lektüre dieser Adams-Schätze auf der CD-ROM beflügelt, sicherte ich mir die überaus wertvolle Hilfe von Douglas’ persönlicher Assistentin Sophie Astin, um das Netz noch weiter auszuwerfen. Gab es noch andere Schätze, die wir in ein Buch aufnehmen könnten, das Douglas’ Leben gewidmet war? Wie sich herausstellte, hatte Douglas in ruhigen Zeiten zwischen Büchern oder Multimedia-Megaprojekten Artikel für Zeitungen und Zeitschriften geschrieben. Zusammen mit dem Inhalt der CD-ROM bilden sie den grandiosen Fundus von Texten, der diesem Buch zum Leben verhalf.

Der nächste Schritt war, eine Auswahl herzustellen, die keinerlei Anspruch auf Objektivität erheben sollte. Sophie Astin, Ed Victor und Douglas’ Ehefrau Jane Belson schlugen ihre Lieblingstexte vor; zusätzlich suchte ich einfach Artikel aus, die mir am besten gefielen. Als Douglas’ Freund und Geschäftspartner Robbie Stamp vorschlug, das Buch solle doch dem Aufbau von Douglas’ Website folgen (»Das Leben, das Universum und der ganze Rest«), fügte sich alles von allein zusammen. Zu meiner Freude schlugen die hier versammelten Werke einen Bogen, der die unverwechselbare Flugbahn von Douglas Adams’ viel zu kurzem, aber bemerkenswert reichem, schöpferischem Leben nachzeichnete.

Das letzte Mal besuchte ich Douglas in Kalifornien, und unser nachmittäglicher Spaziergang über den winterlichen Strand von Santa Barbara wurde immer wieder durch kleine Wettläufe mit seiner damals sechsjährigen Tochter Polly unterbrochen. Nie habe ich Douglas so glücklich erlebt, und ich hatte keine Ahnung, dass dieses Miteinander unser letztes sein sollte. Seit seinem Tod habe ich oft an Douglas denken müssen, was vielen ihm nahestehenden Menschen offenbar ebenso geht. Fast ein Jahr nach seinem Tod ist seine Gegenwart noch immer außerordentlich spürbar, und ich habe irgendwie das Gefühl, dass er bei der erstaunlichen Leichtigkeit, mit der dieses Buch zustande kam, seine Hand im Spiel hatte. Ich weiß, wie lebhaft er sich gewünscht hätte, dass Sie Spaß daran haben, und das hoffe ich auch.

PETER GUZZARDI

Chapel Hill, North Carolina 12. Februar 2002

Prolog

Nicholas Wroe in: The Guardian

Samstag, den 3. Juni 2000

Bald nach Erscheinen von The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy (Per Anhalter durch die Galaxis) im Jahr 1979, wurde Douglas Adams eingeladen, in einer kleinen Science-Fiction-Buchhandlung in Soho Exemplare zu signieren. Auf seinem Weg dorthin hinderte ihn eine Demonstration oder etwas Ähnliches am Vorankommen. »Es gab einen Stau, und überall sah man riesige Menschenmengen«, erinnert er sich. Erst als er sich durch sie hindurchgezwängt hatte, wurde ihm klar, dass die Leute seinetwegen gekommen waren. Am nächsten Tag rief ihn sein Verleger an und teilte ihm mit, dass er auf der Bestsellerliste der Londoner Sunday Times die Nummer eins sei, und sein Leben veränderte sich für immer. »Es war, als würde man mit dem Hubschrauber auf dem Mount Everest abgesetzt«, sagt er, »oder als hätte man einen Orgasmus ohne das Vorspiel.«

Der Hitchhiker war schon als Radiosendung Kult und wurde daraufhin fürs Fernsehen und zu einer Bühnenfassung verarbeitet. Ihm folgten vier Fortsetzungsbände, die weltweit über 14 Millionen Mal verkauft wurden. Es gab Schallplatten und Computerspiele, und jetzt, nach zwanzig Jahren der Ausflüchte in Hollywood, ist er kurz davor, ein Kinofilm zu werden.

Die Handlung beginnt auf der Erde, wo der freundliche Vorstädter Arthur Dent den Gemeinderat davon abzuhalten versucht, sein Haus abzureißen, um eine Umgehungsstraße zu bauen. Sie verlagert sich in den Weltraum, als sein Freund Ford Prefect – manche sahen in ihm den Vergil für den Dante Dent – sich als Abgesandter eines Planeten in der Nähe des Beteigeuze zu erkennen gibt und ihm mitteilt, dass die Erde selber in Kürze zerstört werden wird, um Platz für eine Hyperraum-Expressroute zu schaffen. Sie werden von einem Vogonen-Raumschiff mitgenommen und verlassen sich fortan auf den Reiseführer Per Anhalter durch die Galaxis– eine in der Regel verlässliche Quelle des gesamten Wissens über das Leben, das Universum und den ganzen Rest.

Adams’ Kreativität und ureigener intergalaktischer Humor sollten einen durchschlagenden kulturellen Einfluss haben. Der Ausdruck »hitchhiker’s guide to …« ging rasch in den allgemeinen Sprachgebrauch über, und es gab zahlreiche platt nachgeahmte komische Science-Fiction-Bücher und -Fernsehserien. Sein Babelfisch – ein kleiner Fisch, den man sich ins Ohr stecken kann, um sich von ihm alle Gespräche in die eigene Sprache übersetzen zu lassen – wurde als Name für eine Übersetzungsvorrichtung in einer Internet-Suchmaschine übernommen. Er setzte seinen Erfolg mit mehreren weiteren Romanen, einer Fernsehsendung sowie einem Buch und einer CD-ROM über gefährdete Tierarten fort. Er hat eine Internetfirma namens H2G2 gegründet, die seit Kurzem über das Handy einen Dienst mit echten Informationen über das Leben, das Universum und den ganzen Rest anbietet und somit die Idee des Reiseführers wieder an ihren Ausgangspunkt zurückführt.

Große Teile seines vielen Geldes hat er offenbar darauf verwandt, seiner Leidenschaft für Technik zu frönen, aber der versponnene Science-Fiction-Freak war er eigentlich nie. Er ist ein lockerer, kontaktfreudiger und massiv gebauter Zwei-Meter-Mann. Er hat im Grunde eher die Ausstrahlung eines dieser englischen Schuljungen, die in den 70er Jahren zu Rockstars wurden; und einmal hat er auch tatsächlich mit seinen Kumpels von Pink Floyd auf der Bühne im Earls Court Gitarre gespielt. Statt ein kleines Foto seiner Tochter aus der Brieftasche zu ziehen, klappt er freundlich-großkotzig seinen beeindruckend leistungsstarken Laptop auf, auf dessen Bildschirm nach ein bisschen Herumgefummele die fünfjährige Polly Adams in der Parodie eines Popvideos zu sehen ist, in der ein anderer Freund, John Cleese, einen kurzen Auftritt hat.

Das ist also aus seinem Leben geworden: Geld, prominente Freunde und hübsche Spielsachen. Sieht man sich die nackten Tatsachen seines Lebenslaufs an – Internat, die Studentenbühne »Cambridge Footlights« und die BBC –, erscheint es auf den ersten Blick nicht überraschend. Aber sein Weg verlief nicht schnurgerade über die ausgefahrenen Gleise des Establishments.

Douglas Noel Adams wurde 1952 in Cambridge geboren. Einer seiner vielen Standardgags lautet, dass er bereits neun Monate, bevor Crick und Watson ihre Entdeckung machten, DNA in Cambridge war. Seine Mutter Janet war Krankenschwester im Addenbrooke’s Hospital, und sein Vater Christopher unterrichtete zunächst als Lehrer, studierte danach Theologie, arbeitete als Bewährungshelfer und schließlich als Unternehmensberater, was »ein sehr, sehr sonderbarer Schritt war«, meint Adams. »Jeder, der meinen Vater kannte, wird Ihnen sagen, dass er von Unternehmen nun wirklich nicht sehr viel verstand.«

Die Familie war »ziemlich knapp bei Kasse«, verließ Cambridge sechs Monate nach Douglas’ Geburt und wohnte an verschiedenen Orten am östlichen Stadtrand von London. Als Adams fünf war, ließen sich seine Eltern scheiden. »Es ist verblüffend, in welchem Maße Kinder ihr Leben für normal halten«, sagt er. »Aber natürlich war es schwierig. Meine Eltern trennten sich, als es noch nicht so üblich war wie heute, und um ehrlich zu sein, kann ich mich kaum an etwas vor meinem fünften Lebensjahr erinnern. Ich glaube nicht, dass es eine tolle Zeit war, so oder so.«

Nach der Scheidung zogen Douglas und seine jüngere Schwester mit der Mutter nach Brentwood in Essex, wo sie ein Heim für kranke Tiere leitete. Douglas sah seinen inzwischen vergleichsweise wohlhabenden Vater an den Wochenenden, und diese Besuche führten zu Irritationen und Spannungen. Um alles noch komplizierter zu machen, kamen mehrere Stiefgeschwister auf die Welt, als seine Eltern neue Partner heirateten. Adams sagt, er habe das alles zwar in gewisser Weise als normal akzeptiert, aber »die Folge war, dass ich mich ziemlich merkwürdig benahm«. Er selbst hat sich als ein nervöses und etwas seltsames Kind in Erinnerung. Eine Zeit lang hielten ihn seine Lehrer für lernbehindert, aber als er auf die staatlich subventionierte Brentwood Prep School kam, hielt man ihn für extrem intelligent.

Die Schule hat eine beeindruckend bunte Mischung an Nachkriegsschülern aufzuweisen: Der Modeschöpfer Hardy Amies, der abscheuliche Historiker David Irving, der Fernsehmoderator Noel Edmonds, der Innenminister Jack Straw und der Redakteur der Londoner Times Peter Strothard waren allesamt vor Adams da, wogegen die Schauspieler Griff Rhys Jones und Keith Allen ein paar Jahre nach ihm kamen. Vier ehemalige Schüler – zwei von der Labour Party und zwei von den Konservativen – sind zurzeit Mitglieder des Unterhauses. In einer Umgebung, die mit Keith Allens toughem Image heute kaum noch in Einklang zu bringen ist, war es Adams, der dem siebenjährigen Allen bei seinen Klavierübungen zur Seite stand.

Als Adams dreizehn war, heiratete seine Mutter wieder und zog nach Dorset, und Adams, bisher als Externer an der Schule, zog ins Internat ein. Das scheint eine durch und durch angenehme Erfahrung gewesen zu sein. »Wenn ich nachmittags um vier das Schulgebäude verließ, sah ich mir ziemlich sehnsüchtig an, was die Internen gerade taten«, sagt er. »Offenbar amüsierten sie sich prächtig, und wirklich hat auch mir das Internatsleben riesigen Spaß gemacht. Ein Teil von mir mag anscheinend die Vorstellung, ich hätte einen außenseiterhaften, rebellischen Charakter. Genauer gesagt kommt mir eine nette, gemütliche Institution sehr entgegen, an der ich mich ein bisschen reiben kann. Es gibt nichts Schöneres als ein paar Beschränkungen, gegen die du mit Wollust meutern kannst.«

Adams schreibt die Qualität seiner Ausbildung dem Unterricht von ein paar »sehr guten, engagierten, besessenen und charismatischen Leuten« zu. Kürzlich hielt er auf einer Party in London Jack Straw die offensichtliche Abneigung von New Labour gegen die staatlich subventionierte Schule vor – schließlich hätte sie keinem von beiden groß geschadet.

Frank Halford war Lehrer an der Schule und erinnert sich, dass Adams »sehr groß war, auch damals schon, und sehr beliebt. Er schrieb ein Theaterstück zum Schuljahrsabschluss, als im Fernsehen gerade Doctor Who startete. Er nannte es ›Doctor Which‹.« Viele Jahre später schrieb Adams dann tatsächlich Drehbücher für Doctor Who. Er schildert Halford als einen anregenden Lehrer, der ihm noch immer eine Stütze ist. »Einmal gab er mir für eine Geschichte zehn von zehn möglichen Punkten, was er in seinem langen Schulleben nur dies eine Mal tat. Und noch heute, wenn ich als Schriftsteller eine schwierige Phase durchlebe und denke, ich kriege das nicht mehr hin, dann richte ich mich nicht daran auf, dass ich Bestseller geschrieben oder riesige Vorschüsse erhalten habe, sondern daran, dass Frank Halford mir einmal zehn von zehn möglichen Punkten gegeben hat und dass ich irgendwie grundsätzlich in der Lage sein muss, die Sache zu deichseln.«

Anscheinend besaß Adams von Anfang an eine leichte Hand dafür, seine Texte in Geld zu verwandeln. Ein paar kurze Geschichten, »beinahe von Haiku-Länge«, verkaufte er für zehn Shilling an die Jungenzeitschrift Eagle. »Damals konnte man sich für zehn Shilling fast eine Jacht kaufen«, lacht er. Aber sein wahres Interesse galt der Musik. Er lernte Gitarre spielen, indem er Note für Note die komplizierten Zupfvorlagen auf einem frühen Paul-Simon-Album nachspielte. Inzwischen besitzt er eine riesige Sammlung linkshändiger Elektrogitarren, räumt aber ein, er sei »im Herzen eigentlich ein Folkie. Selbst mit Pink Floyd auf der Bühne habe ich nur eine sehr simple Gitarrenfigur aus ›Brain Damage‹ gespielt, die man zupfen konnte.«

Adams wuchs in den Sechzigerjahren auf, und die Beatles »pflanzten mir ein Samenkorn in den Kopf, das ihn zum Explodieren brachte. Alle neun Monate kam ein neues Album heraus, das eine welterschütternde Weiterentwicklung von dem darstellte, wo sie vorher gestanden hatten. Wir waren so besessen von ihnen, dass, als ›Penny Lane‹ rauskam und wir es noch nicht im Radio gehört hatten, wir einen Jungen, der es gehört hatte, so lange vermöbelten, bis er uns die Melodie vorsummte. Heute fragen sich Leute, ob Oasis so gut wie die Beatles sind. Ich glaube, sie sind nicht mal so gut wie die Rutles.«

Der andere wichtigste Einfluss war der von Monty Python. Nach dem gängigen britischen Radioulk der Fünfzigerjahre beschreibt er es als einen »epiphanischen« Augenblick, als er entdeckte, dass sich intelligente Menschen auf komische Art ausdrücken konnten – »und gleichzeitig sehr, sehr albern waren«.

Der logische nächste Schritt war, auf die Universität in Cambridge zu gehen, »weil ich bei Footlights mitmachen wollte«, sagt er. »Ich wollte eine Kombination aus Autor und Schauspieler wie die Pythons sein. Genauer gesagt wollte ich John Cleese sein, und ich brauchte einige Zeit, bis ich kapierte, dass diese Stelle schon besetzt war.«

An der Universität gab er die Schauspielerei rasch auf – »ich war einfach nicht glaubwürdig« – und begann Sketche zu schreiben, die unverhohlen die Pythons nachahmten. Er erinnert sich an einen Sketch über einen Eisenbahner, der gemaßregelt wird, weil er in der südlichen Region alle Weichen auf Durchfahrt gestellt hat, um ein Kernproblem des Existentialismus unter Beweis zu stellen; und an einen anderen über die Schwierigkeiten, die jährliche Hauptversammlung des Paranoikervereins von Crawley durchzuführen.

Die Kulturbeauftragte Mary Allen, früher beim Arts Council und der Royal Opera, war Adams’ Kommilitonin in Cambridge und ist seitdem mit ihm befreundet. Sie trat in seinen Sketchen auf und erinnert sich, dass er »immer auffiel, selbst in einer sehr talentierten Gruppe. Douglas’ Texte waren sehr schrullig und eigen. Man musste zu ihnen passen, und sie mussten zu einem passen. Selbst in kurzen Sketchen schuf er eine total verrückte Welt.«

Adams sagt: »Ich hatte beinahe ein schlechtes Gewissen, weil ich Englisch belegt hatte. Ich meinte, ich müsste was Nützliches und Schwieriges tun. Aber obwohl ich jammerte, genoss ich auch die Gelegenheit, nicht sehr viel zu tun.« Selbst seine Referate steckten voller Witze. »Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, hätte ich Biologie oder Zoologie studiert. Damals hatte ich keine Ahnung, dass das ein interessantes Thema sein könnte, doch heute halte ich es für das interessanteste Thema auf der Welt.«

Ein anderer Kommilitone war der Anwalt und Fernsehmoderator Clive Anderson. Der Kultusminister Chris Smith war Präsident des Studentenausschusses. Adams schrieb als Fingerübungen kleine Debattenbeiträge, aber ganz und gar nicht aus politischem Interesse: »Ich suchte einfach überall nach Möglichkeiten, Gags unterzubringen. Es ist sehr merkwürdig, wenn man heute all diese Leute in der Öffentlichkeit verstreut sieht. Meine Kommilitonen bekommen allmählich Preise für ihre Lebensleistung verliehen, was einen natürlich ganz schön nervös macht.«

Nach der Universität bekam Adams die Chance, mit einem seiner Helden zusammenzuarbeiten. Das Python-Mitglied Graham Chapman war von einigen Footlights-Sketchen beeindruckt gewesen und hatte Kontakt zu ihm aufgenommen. Als Adams ihn aufsuchte, wurde er zu seiner großen Freude gebeten, bei einem Drehbuch mitzuhelfen, das Chapman noch am gleichen Nachmittag fertigstellen musste. »Schließlich arbeiteten wir fast ein Jahr miteinander. Hauptsächlich an einer geplanten Fernsehserie, die nie über den Pilotfilm hinauskam.« Zu der Zeit »soff Chapman jeden Tag zwei Flaschen Gin, was natürlich ein bisschen hinderlich ist«. Aber Adams glaubt, dass er enorm begabt war. »Er war von Natur aus Teil eines Teams und hatte die Disziplin anderer Menschen nötig, damit seine Genialität zur Wirkung kam. Seine Intensität brachte etwas in die Mischung ein, was sie total auf den Kopf stellte.«

Nach der Trennung von Chapman kam Adams’ Laufbahn kräftig ins Trudeln. Er schrieb auch weiterhin Sketche, konnte sich damit aber nicht über Wasser halten. »Es stellte sich heraus, dass ich gar nicht so wahnsinnig gut war im Schreiben von Sketchen. Ich konnte nie auf Bestellung schreiben, und mit aktuellen Themen kam ich nicht zu Rande. Aber gelegentlich gelang mir völlig unerwartet irgendwas Tolles.«

Geoffrey Perkins, der Chef der Unterhaltungsabteilung beim BBC-Fernsehen, war der Produzent der Hörspielversion von Anhalter. Er weiß noch, dass er Adams kennenlernte, als er Regie bei einer Footlights-Show führte. »Er wurde gerade von einem Ensemblemitglied gepiesackt, und danach ließ er sich in einen Sessel fallen. Das nächste Mal traf ich ihn, als er Sketche für die Rundfunksendung Weekending zu schreiben versuchte, die damals als die große Spielwiese für Autoren galt. Douglas gehörte zu denen, die ehrenhaft daran scheiterten, mit Weekending irgendetwas zu erreichen. Dort wurde großer Wert auf Leute gelegt, die dreißig Sekunden lange Sachen schreiben konnten, aber Douglas war außerstande, einen einzigen Satz zu Papier zu bringen, den man in weniger als dreißig Sekunden vorlesen konnte.«

Als Adams’ Schriftstellerträume zerstoben, nahm er eine Reihe bizarrer Jobs an, darunter den als Ausmister von Hühnerställen und als Bodyguard der Herrscherfamilie von Katar. »Die Sicherheitsfirma muss wohl völlig verzweifelt gewesen sein. Ich bekam den Job auf eine Annonce im Evening Standard hin.« Eine Zeit lang machte Griff Rhys Jones auf Adams’ Empfehlung hin denselben Job. Adams erinnert sich, dass er immer deprimierter wurde, je länger er nächtelang vor Hotelschlafzimmern herumsaß: »Ich dachte ständig, so habe ich mir das nicht vorgestellt.« Weihnachten fuhr er seine Mutter besuchen und blieb dann ein ganzes Jahr bei ihr.

Er erinnert sich an viele Familienkräche darüber, was er eigentlich werden wolle. Zwar schickte er immer noch gelegentlich Sketche für Rundfunksendungen ein, doch sein Selbstvertrauen war, wie er einräumt, schwer angekratzt. Trotz seines späteren Erfolges und Reichtums hat sich dieser Hang zu mangelndem Selbstvertrauen erhalten. »Ich mache schreckliche Phasen durch, in denen mir jedes Selbstvertrauen abgeht«, erklärt er. »Ich glaube einfach nicht, dass ich es schaffe, und kein Beweis des Gegenteils bringt mich dann von dieser Haltung ab. Ich habe mich kurze Zeit einer Therapie unterzogen, aber nach einer Weile wurde mir klar, dass es mir geht wie dem Bauern, der über das Wetter klagt. Man kann das Wetter nicht manipulieren – man muss einfach damit zurechtkommen.« Und hat ihm diese Einstellung geholfen? »Nicht unbedingt«, sagt er achselzuckend.

Der Hitchhiker war der letzte Wurf, mit dem er alles auf eine Karte setzte, aber im nachhinein war das Timing absolut richtig. Durch Star Wars war Science-Fiction in Mode gekommen, und Monty Python hatten zur Folge, dass eine Sketchsendung zwar nicht infrage kam, es aber genug Spielraum gab, dieselbe komische Ader anzusprechen.

Terry Jones von Monty Python hörte die Bänder vor der Sendung und war, wie er sich erinnert, hingerissen von Adams’ »intellektueller Art, an die Dinge heranzugehen, und seinen starken abstrakten Ideen. Man hat das Gefühl, was er schreibt, entstammt einer Kritik am Leben, wie Matthew Arnold gesagt haben könnte. Es hat eine moralische und eine kritische Basis mit einem energischen Verstand dahinter. Auch John Cleese hat beispielsweise einen starken Verstand, aber er ist eher logisch und analytisch. Douglas ist eher kauzig und analytisch.« Dem stimmt Geoffrey Perkins zu, erinnert aber daran, dass hinter dem Projekt keine große Planung stand.

»Douglas machte sich mit einer Riesenmenge Ideen an die Arbeit, hatte aber kaum eine Vorstellung, wie sich die Geschichte entwickeln sollte. Er schrieb an ihr fast wie Dickens, in wöchentlichen Teillieferungen, ohne recht zu wissen, wie sie enden würde.«

Als die Serie 1978 gesendet wurde, hatte er, erzählt Adams, ungefähr neun Monate harte Arbeit reingesteckt und dafür tausend Pfund erhalten. »Es würde, schien es, noch lange dauern, bis ich kostendeckend arbeiten könnte«, und so nahm er einen Produzentenjob bei der BBC an, gab ihn aber sechs Monate später wieder auf, als er feststellte, dass er gleichzeitig an einer zweiten Hörspielserie, dem Roman, der Fernsehserie und Episoden für Doctor Who schrieb. Trotz dieses bemerkenswerten Arbeitspensums bastelte er bereits an seinem legendären Ruf, überhaupt nicht zu schreiben. »Ich liebe Abgabetermine«, hat er mal gesagt. »Ich liebe das zischende Geräusch, das sie machen, wenn sie verstreichen.«

Der Erfolg steigerte nur noch seine Fähigkeit, sich Ausflüchte auszudenken. Seine Verlagslektorin, Sue Freestone, kam schnell dahinter, dass er das Schreiben als Performance ansah, und schlug ihr Büro in seinem Esszimmer auf. »Er hat ständig Publikum nötig, um Sachen loszuwerden, aber manchmal kann das furchtbar ins Auge gehen.

In einem Buch gab es ganz am Anfang eine Szene, in der er was von ein paar Tellern erzählte, auf denen ganz eindeutig jeweils eine Banane lag. Das hatte offensichtlich was zu bedeuten, und ich bat ihn, es mir zu erklären. Aber er foppte sein Publikum gern und sagte, er würde es mir später erzählen. Schließlich kamen wir zum Ende des Buches, und ich fragte ihn noch mal: ›Okay, Douglas, was hat’s mit den Bananen auf sich?‹ Er sah mich völlig verständnislos an. Er hatte total vergessen, worum es bei den Bananen ging. Ich frage ihn gelegentlich immer noch mal, ob es ihm wieder eingefallen ist, aber offensichtlich ist es das nicht.«

Der Autor und Produzent John Lloyd ist ein Freund und Mitarbeiter von Adams noch aus Zeiten vor dem Anhalter. Er erinnert sich an die »Qualen der Entschlusslosigkeit und Panik«, die Adams beim Schreiben durchlitt. »Wir waren mit drei Freunden auf Korfu im Urlaub, als er ein Buch fertig schrieb, und es endete damit, dass er das ganze Haus in Beschlag nahm. Er hatte ein Zimmer zum Schreiben, ein Zimmer zum Schlafen, ein Zimmer, in dem er sich aufhielt, wenn er nicht schlafen konnte und so weiter. Es kam ihm gar nicht in den Sinn, dass auch andere Leute das Bedürfnis haben könnten, gut zu schlafen. Er geht durchs Leben mit einem Gehirn von der Größe eines Planeten und scheint oft auf einem ganz anderen Stern zu leben. Er ist absolut kein bösartiger Mensch, aber wenn ihn Panik und Schrecken packen und er ein Buch nicht zu Ende bringt, verblasst alles andere zur Bedeutungslosigkeit.«

Aber wie sehr sich auch die Arbeit in die Länge zog, die Bücher wurden ungeheuer populär. Alle wurden Bestseller, und Adams erhielt von seinem amerikanischen Verlag einen Vorschuss von über 2 Millionen Dollar. Mit John Lloyd schrieb er die komische Parodie eines Wörterbuchs, The Meaning of Liff(Der Sinn des Labenz), in dem leicht erkennbare Begriffe, wie z.B. das Gefühl, das einen nachmittags um vier ereilt, wenn man meint, nicht genug gearbeitet zu haben, die Namen von Städten erhielten – wobei Farnham die perfekte Bezeichnung für diese leichte Niedergeschlagenheit war. Ende der Achtzigerjahre schrieb er zwei Krimiparodien mit Dirk Gently als Hauptperson.

Bei allem leichten Umgang mit dem Humor, sagt Freestone, habe sie berührt, wie tief Adams’ Werk manche Leser ergriffen hat. »Um nicht in Gefahr zu geraten, muss man im Anhalter nur immer sein Handtuch bei sich haben«, erklärt sie. »Und dann hörte ich von einer Frau, die in einer Klinik im Sterben lag, aber das Gefühl hatte, es ginge alles in Ordnung, weil sie ihr Handtuch bei sich hatte. Sie hatte Douglas’ Universum einfach ihrem eigenen Universum einverleibt. Es machte Douglas entsetzlich verlegen, als er davon hörte. Aber für sie war es buchstäblich ein Symbol der Sicherheit, als sie die Reise ins Unbekannte antrat.«

Es gibt ernste Themen in seinen Büchern. Den zweiten Dirk-Gently-Roman kann man ohne Weiteres so lesen, als handelte er von Wohnungslosen, Vertriebenen und denen, die sich der Gesellschaft entfremdet haben. »Seine Fantasie reicht viel tiefer, als es reine Raffinesse vermag«, sagt Freestone. »Die Gesellschaftskritik liegt normalerweise unter Komik verborgen, aber sie ist da, wenn man sie nur finden will.«

Nachdem er derart magere Zeiten durchgemacht hatte, arbeitete Adams beharrlich bis Mitte der Neunzigerjahre, als er ganz bewusst auf die Bremse trat. »Ich war mitten in einem Roman total steckengeblieben, und auch wenn es sich undankbar anhören mag, aber endlose Buchsignierstunden würden mich in fürchterliche Depressionen treiben.«

Er sagt, er halte sich noch immer für einen Drehbuchautor und sei nur aus Versehen Romanschriftsteller geworden. »Es klingt absurd, aber ein bisschen fühlte ich mich betrogen, und es war mir auch, als hätte ich betrogen. Und dann ist da der Geldkreislauf. Man wird reichlich bezahlt und ist nicht glücklich, also was macht man als erstes? Man kauft sich Sachen, die man weder will noch benötigt – für die man aber noch mehr Geld braucht.«

Seine finanziellen Verhältnisse gerieten in den Achtzigerjahren in Unordnung, sagt er. Über Einzelheiten möchte er nicht reden, sagt aber, die Folgewirkungen seien beträchtlich gewesen, sodass alle annahmen, er sei viel reicher, als er in Wirklichkeit war. Es ist sogar möglich, die Veränderungen in Adams’ Leben zwischen der ersten und der zweiten Hörspielserie nachzuvollziehen. In der ersten gab es jede Menge Witze über Kneipen und dass man keinen Pfennig Geld hat. In der zweiten Serie gab es mehr Witze über teure Restaurants und Steuerberater.

»Ich fühlte mich wie eine Maus im Laufrad«, sagt er. »In dem ganzen Kreislauf kam nie Spaß mit ins Spiel. Wenn man mit ungefähr fünfundzwanzig sein erstes Buch schreibt, besitzt man fünfundzwanzig Jahre Erfahrung, wenngleich überwiegend Jugenderfahrungen. Das zweite Buch erscheint, nachdem man ein weiteres Jahr in Buchhandlungen herumgesessen hat. Ziemlich bald geht einem dann der Sprit aus.«

Seine Reaktion auf den Spritmangel war, es mit einem »kreativen Fruchtwechsel« zu versuchen. Besonders sein Interesse an der Technik erfuhr eine enorme Steigerung, genau wie seine Leidenschaft für Umweltfragen. 1990 schrieb er Last Chance to See (Die Letzten ihrer Art). »Wie’s bei diesen Dingen so ist, war es mein am wenigsten erfolgreiches Buch, aber das, auf das ich noch immer am stolzesten bin.«

Er begann mit dem Buch, als er von einer Zeitschrift nach Madagaskar geschickt wurde, um eine seltene Lemurenart zu finden. Er hielt das für eine ziemlich interessante Sache, die aber zu einer regelrechten Offenbarung wurde. Seine Begeisterung für die Ökologie führte zum Interesse an der Evolution. »Mir war ein Faden in die Hand gegeben worden, und als ich dieser Spur folgte, gingen mir allmählich Probleme auf, die mich schließlich ungeheuer faszinierten.« Inzwischen dirigiert ein Link unten auf seinen E-Mails die Leute zum Dian Fossey Trust, der sich dem Schutz der Gorillas verschrieben hat, und zu Save the Rhino. Adams war außerdem Mitunterzeichner des Great Ape Project, das für eine Veränderung des ethischen Status der großen Menschenaffen eintritt, indem er ihr Recht auf »Leben in Freiheit und ohne Qualen« fordert.

Er war Gründungsmitglied der Gruppe, die die Wohltätigkeitsorganisation Comic Relief ins Leben rief, aber so was wie ein fanatischer Aktivist war er nie. Auf den Partys, die er in seinem Haus in Islington gab, stand Musik verschiedener legendärer Rockstars im Mittelpunkt – Gary Brooker von Procul Harum sang einmal das ganze »A Whiter Shade of Pale« einschließlich aller weggelassener Verse –, und dort tummelten sich die Medienaristokratie und High-Tech-Milliardäre. Etwas weniger orthodox – für einen begeisterten, geradezu gläubigen Atheisten – präsentierte er zu Weihnachten stets die Weihnachtsliedergottesdienste.

»Als Kind war ich aktiver Christ. Ich mochte den Schulchor sehr und weiß noch, dass mich der Weihnachtsliedergottesdienst immer wahnsinnig ergriffen hat.« In sein Pantheon einflussreicher Persönlichkeiten reiht er neben den Beatles und den Pythons Johann Sebastian Bach ein, aber wie passt das mit seinem glühenden Atheismus zusammen? »Das Leben ist voller Dinge, die einen so oder so bewegen oder beeinflussen«, erklärt er. »Dass ich glaube, Bach wurde verkannt, ändert nichts daran, dass ich die h-Moll-Messe für einen der bedeutendsten Höhepunkte im Schaffen der Menschheit halte. Wenn ich sie höre, rührt sie mich noch immer absolut zu Tränen. Ich finde alles, was mit Religion zusammenhängt, äußerst interessant. Aber es irritiert mich, dass ansonsten intelligente Leute sie so ernst nehmen.«

Zu diesem Festhalten an traditionellen Strukturen, wenn nicht traditionellen Überzeugungen, passt die Tatsache, dass seine 1994 geborene Tochter Polly vier Nicht-Paten hat. Mary Allen ist eine davon, und sie war es auch, die Adams mit seiner späteren Frau, der Anwältin Jane Belson, bekannt machte. Allen erzählt: »Anfang der Achtzigerjahre machte Douglas einige Schreibkrisen durch und rief mich jeden Tag an. Schließlich fragte ich ihn, ob er einsam sei. Es hatte nämlich den Anschein, und wir kamen überein, dass er jemanden brauche, der seine riesige Wohnung mit ihm teile. Jane zog ein.« Nach mehreren Fehlstarts heirateten sie 1991 und wohnten bis zum vergangenen Jahr in Islington. Dann zog die Familie nach Santa Barbara.

Adams sagt, der Umzug sei anstrengender gewesen als erwartet. »Erst kürzlich habe ich erfahren, wie sehr meine Frau gegen den Umzug war.« Heute meint er, er würde jedem empfehlen, »in der Mitte des Lebens einfach die Kurve zu kratzen und woandershin zu ziehen. Man erfindet sein Leben neu und fängt noch mal von vorn an. Das ist belebend.«

Seine Rolle in seiner Internetfirma passt zu diesem belebenden Gefühl. Er hat die Position eines Cheffantasierers. »Ich habe mich nie in der Rolle eines prophetischen Science-Fiction-Autors gesehen, ich wollte nie ein neuer Arthur C. Clarke sein. Der Anhalter war ein Erzählprojekt, das all jene Ideen in sich aufnehmen sollte, die das Schwungrad in Gang setzen, aber er erwies sich dann als sehr gute Idee. Aber es ist noch zu früh«, warnt er. »Wir sitzen noch immer in einem Swimmingpool, und da draußen liegt ein ganzer Ozean.«

Andere neue Unternehmungen sind ein Roman – mit bisher acht Jahren Verspätung –, Gespräche über einen Dirk-Gently-Film, die Website H2G2 und ein Internetroman. »Seit eh und je rede ich darüber, dass es elektronische Bücher geben wird und wie wichtig sie sein werden, und urplötzlich veröffentlicht Stephen King eins. Ich komme mir vor wie ein Vollidiot, denn eigentlich hätte ich das machen müssen.«

Das Filmprojekt ist eine »zwanzig Jahre alte Verstopfung«, und er vergleicht die Entscheidungsprozesse in Hollywood »mit dem Versuch, ein Steak zu grillen, indem man Leute nacheinander ins Zimmer treten und auf das Steak hauchen lässt«. Er ist von dieser offenbar antiken Kunstform erstaunlich begeistert.

»Bei neuen, noch nicht ausgereiften Techniken besteht die Gefahr, über all die Möglichkeiten in Verzückung zu geraten, wie man sie einsetzen kann, aber auf Kosten dessen, was man sagen möchte. Es lohnt daher, in einem Medium zu arbeiten, in dem man nicht all diese Probleme zu lösen hat, weil es ein ausgereiftes Medium ist.«

Doch nach einer so langen Durststrecke merkt er klugerweise an, dass viele dieser neuen Projekte und Ideen auf der Strecke bleiben werden. »Aber ich bin jetzt schon mehrere Jahre aus dem Mainstream des Romaneschreibens ausgeschert, und diese Pause hatte ich wirklich nötig. Ich habe intensiv und kreativ über jede Menge Dinge nachgedacht, die nichts mit Romaneschreiben zu tun haben. Statt an Spritmangel zu leiden, habe ich heute das Gefühl, der Tank ist wieder voll.«

DAS LEBEN AUF EINEN BLICK: Douglas Noel Adams.

GEBOREN: 11. März 1952 in Cambridge.

BILDUNGSGANG: Schule in Brentwood, Essex; St. John’s College in Cambridge.

HEIRAT: 1991 mit Jane Belson (eine Tochter, Polly, geboren 1994).

BERUFLICHER WERDEGANG: 1974-78 Funk- und Fernsehautor; 1978 Rundfunkproduzent bei der BBC.

EINIGE HÖRSPIEL- UND DREHBÜCHER: The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy, 1978 und 1980 (Rundfunk; deutsch: Per Anhalter ins All), 1981 (Fernsehen; deutsch: Per Anhalter durch die Galaxis).

SPIELE: The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy, 1984; Bureaucracy, 1987; Starship Titanic, 1997 (deutsch: Raumschiff Titanic).

BÜCHER: The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy, 1979 (deutsch: Per Anhalter durch die Galaxis); The Restaurant at the End of the Universe, 1980 (deutsch: Das Restaurant am Ende des Universums); Life, the Universe and Everything, 1982 (deutsch: Das Leben, das Universum und der ganze Rest); The Meaning of Liff (zusammen mit John Lloyd), 1983 (deutsch: Der Sinn des Labenz); So Long, and Thanks for all the Fish, 1984 (deutsch: Macht’s gut, und danke für den Fisch); Dirk Gently’s Holistic Detective Agency, 1987 (deutsch: Der elektrische Mönch – Dirk Gently’s Holistische Detektei); The Long Dark Tea-Time of the Soul, 1988 (deutsch: Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele); Last Chance to See, 1990 (deutsch: Die Letzten ihrer Art); The Deeper Meaning of Liff (zusammen mit John Lloyd), 1990 (deutsch: Der tiefere Sinn des Labenz); Mostly Harmless, 1992 (deutsch: Einmal Rupert und zurück).

Einleitung

Dies ist ein sehr douglassiger Augenblick für mich. Douglassige Augenblicke beinhalten höchstwahrscheinlich:

Apple-Macintosh-ComputerNicht einzuhaltende AbgabetermineEd Victor, Douglas’ AgentGefährdete TierartenUngeheuer teure Fünfsternehotels

Ich tippe auf einem (Macintosh-)Computer, während ich gegen einen Abgabetermin ankämpfe, den mir Ed Victor aufgezwungen hat. Ob ich nicht bitte mal eben bis zum nächsten Dienstag ein Vorwort zu Lachs im Zweifel liefern könne?

Ich befinde mich gerade im luxuriösesten Hotel Perus, dem Miraflores Park Hotel in Lima, und betrachte genüsslich die in Cellophan eingehüllten Obstschalen und den Louis Roederer, während ich mich darauf vorbereite, ins Landesinnere zu reisen, um nach Brillenbären zu suchen, eines der unbekanntesten und bedrohtesten Säugetiere auf dem Planeten.

Da es ein teures Hotel ist, stehen einem in jedem Zimmer Breitband-Internetverbindungen zur Verfügung, und ich habe mir gerade auf meinem Computer einen zweistündigen Film angesehen, in dem sich Steve Jobs, der Chef von Apple, in einer Grundsatzrede an die Macintosh Expo in San Francisco wendet. Der Kaiser von Computer Cool hat gerade den neuen iMac enthüllt, und ich habe Douglas nicht anrufen oder ihm eine E-Mail schicken können, um mit ihm darüber zu reden. Ein neues, revolutionäres Stück sexy und außergewöhnlicher Apple-Hardware ist da, und Douglas bekommt’s nicht zu sehen. Er würde niemals mit dem iPod herumspielen oder in iPhoto herumfummeln. Für jeden, der Douglas gekannt hat, und ich schließe hier seine Millionen von Lesern mit ein, ist die Trübsal und Enttäuschung darüber erschreckend offensichtlich. Es ist schrecklich für ihn, weil er »New Stuff« verpasst hat, und es ist schrecklich für uns, weil der anerkannte Dichter des New Stuff nun nie wieder den New Stuff feiern wird.

Verstehen Sie, ich möchte wissen, was ich davon halten soll. Ich möchte wissen, wie die neuen Geräte aussehen: Klar kann ich meine eigenen Augen und meine eigene Sensibilität dafür einsetzen, aber ich bin an die höheren Einsichten von Douglas gewöhnt. Er hätte das genaue Attribut, die perfekte Metapher, das krönende Gleichnis geliefert. Natürlich nicht bloß zum Thema New Stuff. Er hätte eine Möglichkeit gefunden, das liebenswert sonderbare Verhalten und Wesen von Brillenbären sowohl mit vertrauten menschlichen Erfahrungen als auch abstrakten wissenschaftlichen Gedanken zu verknüpfen. Große Teile der Welt, in der wir uns bewegen, werden heute mit Douglas’ Augen gesehen und sind verständlicher geworden. Anders gesagt, das ganze Durcheinander und der absurde Mangel an Klarheit in unserer Welt ist deutlicher geworden. Wir haben nie so recht gewusst, wie widersprüchlich und verrückt das Universum oder wie grotesk und schwachsinnig die Menschheit sein kann, bis Douglas es uns auf seine einzigartig freundliche, paradoxe und ungezwungene Art erklärt hat, die seine Größe ausmacht. Ich bin gerade im Bad gewesen und habe bemerkt, dass die Seife, die dort liegt (in dieses absurderweise nicht zu öffnende runde Stück unzerstörbarer Plastikfolie fest eingesiegelt und von den Hotels zur Bequemlichkeit ihrer Gäste offeriert), gar nicht Seife heißt: Es handelt sich vielmehr um ein Mandelöl-Gesichtswaschstück. Das wäre sofort eine E-Mail an Douglas wert gewesen, und die Antwort-E-Mail, die nun niemals kommen wird, hätte mich eine halbe Stunde lang kichern und in meinem Hotelzimmer herumtanzen lassen.

Alle haben wir in den traurigen Wochen nach seinem erschreckenden und unverdienten Tod vernommen, was für ein großer Humorist Douglas gewesen ist, wie weitgefächert seine Interessen waren und wie breit seine Wirkung. Und dieses Buch hier zeigt, was für ein guter Lehrer er war. So wie Sonnenuntergänge nie wieder die gleichen Farben oder Formen hatten, seit Turner sie betrachtete, so werden ein Lemur und eine Tasse Tee nie wieder dieselben sein, weil Douglas seinen scharfen, spöttischen Blick auf sie gerichtet hat.

Es ist ausgesprochen unfair, um eine Einleitung für ein Buch gebeten zu werden, das eine absolut brillante Einleitung über eben das Thema Einleitungen zu Büchern enthält. Es ist aber noch unfairer, um eine Einleitung zum nachgelassenen Werk eines der großen Humoristen unserer Zeit gebeten zu werden, wenn das Buch, das man einleitet, die beste Einleitung zum nachgelassenen Werk des besten Humoristen aller Zeiten enthält: Douglas’ Vorwort zu P.G. Wodehouses Sunset at Blandings kann, wie Ed Victor im Trauergottesdienst für Douglas in London dargelegt hat, als erstaunlich präzise Schilderung von Douglas’ eigenen Talenten angesehen werden. Woran Douglas natürlich keine Sekunde lang gedacht hat, als er es schrieb.

Douglas war keiner dieser grässlich bescheidenen Engländer, was wiederum nicht heißen soll, dass er eitel oder großspurig war. Seine Leidenschaft, seine Ideen und Begeisterungen mitzuteilen, konnte einen aber ohne Weiteres am Telefon, an einem Esstisch oder in einem Badezimmer an den Platz bannen, und dann spielten alle anderen Gäste oder Rücksichten keine Rolle mehr. So gesehen, und ich glaube nicht, dass ich jetzt respektlos bin, konnte eine Unterhaltung mit Douglas mano à mano, tête à tête für Menschen erschöpfend und verwirrend sein, die mit seinem leidenschaftlichen Gehüpfe von einem Gedanken zum nächsten nicht Schritt halten konnten. Aber er konnte ebenso wenig verwirrend schreiben wie er eine perfekte Pirouette drehen konnte, und glauben Sie mir, nur wenige Menschen hatten weniger Talent, Pirouetten zu drehen, ohne dabei Möbel kaputt zu machen und unschuldigen Zuschauern alle Hoffnung auf körperliche Unversehrtheit zu nehmen, als Douglas Noel Adams.

Er war ein Schriftsteller. Es gibt solche, die hin und wieder schreiben und das gut machen, und es gibt Schriftsteller. Douglas, und es ist zwecklos, hier eine Begründung oder eine minutiöse Analyse zu versuchen, wurde als Schriftsteller geboren, wuchs als einer auf und blieb einer bis zu seinem viel zu frühen Tod. Etwa die letzten zehn Jahre seines Lebens gab er zwar das Romaneschreiben auf, hörte aber keine Sekunde auf, Schriftsteller zu sein, und es ist dieser glückliche Umstand, den Lachs im Zweifel feiert. Weder in der Vorbereitung von Vorträgen, der Durchführung gelegentlicher journalistischer Arbeiten noch in Aufsätzen für spezialisierte wissenschaftliche oder technische Publikationen hat ihn jemals seine angeborene Fähigkeit verlassen, ein Wort ans andere zu reihen, um aufzuklären, Fröhlichkeit zu verbreiten, zu irritieren, zu bestätigen, zu informieren oder den Geist des Lesers zu amüsieren. Er bediente sich eines selbstlosen Stils, in dem jeder Kunstgriff und jeder der Schriftstellerei zur Verfügung stehende Trick angewandt wird, wenn sie, und nur wenn sie den Zwecken des Textes dienen. Ich glaube, wenn Sie dieses Buch lesen, wird Sie die offenkundige (und vollkommen irreführende) Einfachheit seines Stils erstaunen. Man hat das Gefühl, er spricht mit einem, beinahe aus dem Stegreif. Doch damit sein schöpferischer Motor reibungslos lief, war wie bei Wodehouse jede Menge Feinabstimmung und Drehen an Muttern und Dichtungsringen erforderlich.

Wie nur wenige andere Künstler (Wodehouse wieder eingeschlossen) hat Douglas die Fähigkeit, dem Zuhörer das Gefühl zu geben, dass er sich an ihn und ganz allein an ihn wendet: Ich denke, das erklärt zum Teil die unerhörte Stärke und Leidenschaftlichkeit seiner ›Fangemeinde‹, wenn ich einen so scheußlichen Ausdruck verwenden darf. Wenn Sie sich Velazques anschauen, Mozart hören, Dickens lesen oder über Billy Connolly lachen, um vier beliebige Namen herauszupicken (es kostet immer viel Zeit und Nachdenken, um zum Zweck der Beweisführung vier beliebige Namen herauszupicken), dann wird einem stets bewusst, dass sie das, was sie tun, für die ganze Welt tun, und die Ergebnisse sind natürlich großartig. Wenn man sich Blake anschaut, Bach hört, Douglas Adams liest oder eine Sendung von Eddie Izzard sieht, hat man das Gefühl, vielleicht der einzige Mensch auf der ganzen Welt zu sein, der sie richtig versteht. Fast alle anderen bewundern sie natürlich, aber keiner tritt wirklich so mit diesen Leuten in Kontakt wie man selber. Ich stelle das mal so als Theorie hin. Douglas’ Werk gleicht nicht der hohen Kunst Bachs oder dem ausdrucksstarken persönlichen Kosmos Blakes, das versteht sich von selbst, aber dennoch halte ich meine Behauptung für begründet. Es ist, wie wenn man sich verliebt. Wenn einem eine besonders tolle Adams-Wendung oder -Formulierung ins Auge fällt und ins Gehirn dringt, möchte man am liebsten dem nächstbesten Fremden auf die Schulter tippen und sie ihm mitteilen. Der Fremde lacht dann vielleicht und scheint Spaß an dem Text zu haben, aber insgeheim klammert man sich an den Gedanken, dass er dessen Gehalt und Qualität nicht ganz so verstanden hat wie man selbst – genauso wie deine Freunde (dem Himmel sei Dank) sich auch nicht in den Menschen verlieben, von dem du ihnen unentwegt was vorschwärmst.

Sie, liebe Leser, stehen kurz davor, die weise, provozierende, menschenfreundliche, groteske und süchtig machende Welt von Douglas Adams zu betreten. Verschlingen Sie sie nicht in einem Stück – wie bei Douglas’ geliebten japanischen Speisen ist das, was leicht und einfach verdaulich erscheint, bei Weitem subtiler und nahrhafter, als es auf den ersten Blick aussehen mag.

Die Geheimschublade jüngst verstorbener Schriftsteller bleibt oftmals am besten fest verschlossen und verriegelt: In Douglas’ Fall, da werden Sie mir sicher zustimmen, hat es sich wirklich gelohnt, die Geheimschublade (oder in seinem Fall die gespeicherten Dateien seiner Festplatte) aufzubrechen. Chris Ogle, Peter Guzzardi, Douglas’ Ehefrau Jane und seine Assistentin Sophie Astin haben hervorragende Arbeit geleistet. Eine douglaslose Welt ist sehr viel weniger erfreulich als eine douglasvolle Welt, aber die Luftsprünge von Lachs im Zweifel helfen, die ganze Traurigkeit über seinen plötzlichen Weggang ein wenig hinauszuschieben.

STEPHEN FRY

Peru

Januar 2002

Das Leben

Lieber Eagle,

Schweiß tropfte mir über das Gesicht und in den Schoß und machte meine Kleider ganz nass und klebrig. Ich saß da, lief hin und her, guckte. Ich zitterte fürchterlich, während ich so dasaß, auf den kleinen Schlitz blickte und wartete – immerzu wartete. Meine Fingernägel bohrten sich mir ins Fleisch, wenn ich die Hände zu Fäusten ballte. Ich fuhr mir mit dem Arm über das heiße, nasse Gesicht, über das der Schweiß rann. Die Spannung war unerträglich. Ich biss mir auf die Lippe, um das fürchterliche bange Zittern abzustellen. Plötzlich öffnete sich der Schlitz, und die Post fiel rein. Ich packte meinen Eagle und riss die Umhüllung auf.

Meine Qual war für diese Woche vorbei!

D. N. ADAMS (12)

Brentwood, Essex 23. Januar 1965

Eagle and Boys’ World Magazine

(Anmerkung des Herausgebers: In den Sechzigerjahren war der Eagle ein äußerst beliebtes englisches Science-Fiction-Magazin. Dieser Brief ist die erste Veröffentlichung des damals zwölfjährigen Douglas Adams, von der man weiß.)

Yesterday: Die Stimmen all unserer gestrigen Tage

Ich erinnere mich nur diffus an meine Schulzeit. Sie verstrich irgendwie im Hintergrund, während ich versuchte, den Beatles zu lauschen.

Als »Can’t Buy Me Love« rauskam, war ich zwölf. Während der Frühstückspause stahl ich mich aus der Schule, kaufte mir die Platte und drang in das Zimmer der Hausmutter ein, weil sie einen Plattenspieler hatte. Dann spielte ich den Song, nicht so laut, dass man mich hätte erwischen können, nur laut genug, um mit dem Ohr dicht am Lautsprecher zuhören zu können. Dann spielte ich den Song noch mal fürs andere Ohr. Dann drehte ich die Platte um und machte das gleiche mit »You Can’t Do That.« In dem Moment fand mich der Housemaster und ließ mich nachsitzen, genau wie ich es erwartet hatte. Das schien mir ein niedriger Preis für etwas, das, wie mir heute klar ist, Kunst war.

Natürlich wusste ich damals nicht, dass es Kunst war. Ich wusste bloß, dass die Beatles das Aufregendste im Universum waren. Mit dieser Einstellung ließ es sich nicht immer leicht leben. Einerseits musstest du dich mit den Fans der Rolling Stones rumschlagen, und das war schwierig, weil die mit schmutzigen Tricks kämpften und hartgesottener waren. Und dann musstest du dich auch noch mit Erwachsenen, Eltern und Lehrern rumschlagen, die meinten, dass du deine Zeit und dein Taschengeld für Schrott verschwendetest, den du eine Woche später wieder vergessen würdest.

Ich verstand nicht recht, warum sie mir das sagten. Ich sang im Schulchor und kannte mich in Harmonie und Kontrapunkt aus, und mir war klar, dass die Beatles was außerordentlich Raffiniertes waren. Mich verblüffte, dass es kein anderer hörte: unglaubliche Harmonien und ein mehrstimmiger Gesang, wie man sie in Popsongs noch nie gehört hatte. Die Beatles machten all das offenbar nur zu ihrem eigenen heimlichen Vergnügen, und ich fand es toll, dass man auf solche Weise Spaß haben konnte.

Toll auch, dass ich ihnen immer wieder nicht ganz folgen konnte. Wenn sie ein neues Album rausbrachten, ließ es mich die ersten paar Male beim Hören kalt und ratlos. Danach entwirrte es sich ganz allmählich in meinem Kopf. Ich begriff, dass der Grund für meine Verwirrung darin lag, dass ich etwas hörte, was einfach anders war als alles, was je zuvor irgendwer gespielt hatte. »Another Girl«, »Good Day Sunshine« und das seltsame »Drive My Car.« Diese Songs sind mir heute so vertraut, dass ich mich nur mit großer Willensanstrengung daran erinnern kann, wie fremd sie mir anfangs vorkamen. Die Beatles haben nicht nur Songs geschrieben, sie haben das ganze Genre erfunden, in dem sie arbeiteten.

Ich habe sie nie live erlebt. Schwer zu glauben, ich weiß. Ich war am Leben, als die Beatles auftraten, und habe sie nicht ein einziges Mal zu Gesicht gekriegt. Darüber lasse ich mich ziemlich oft aus. Fahren Sie bloß nicht mit mir nach San Francisco, sonst werde ich Ihnen unermüdlich immer wieder den Candlestick Park zeigen und darüber jammern, dass die Beatles dort 1966 ihr letztes Konzert gegeben haben – kurz bevor mir aufging, dass man auch auf Rockkonzerte gehen kann, wenn man aus Brentwood in Essex kommt.

Ein Schulfreund von mir hatte mal Eintrittskarten zu einem Fernsehstudio, in dem die Show von David Frost aufgezeichnet wurde, aber schließlich sind wir doch nicht hingegangen. Am Abend sah ich die Sendung, und die Beatles waren drin und spielten »Hey Jude.« Danach war ich ungefähr ein Jahr lang krank. An einem anderen Tag, an dem ich zufällig nicht nach London gefahren bin, gaben die Beatles ihr Konzert auf dem Dach an der Savile Row. Ich spreche nicht darüber. Nie.

Nun ja, die Jahre vergingen, und die Beatles auch. Aber Paul McCartney machte immer weiter. Vor ein paar Monaten rief mich der Gitarrist Robbie McIntosh an und sagte: »In ein paar Tagen spielen wir im Mean Fiddler. Hast du Lust zu kommen?«

Das war eine der blödesten Fragen, die mir je gestellt wurde, und ich brauchte ein bisschen Zeit, um mir klar zu werden, was er überhaupt gemeint hatte. Der Mean Fiddler – für alle, die es nicht wissen – ist eine Kneipe in einer reizlosen Gegend im Nordwesten Londons, mit einem Hinterzimmer, in dem Bands auftreten. Etwa zweihundert Leute passen da rein.

Es war das Wort wir, das mich vorübergehend verwirrte, weil ich wusste, dass die Band, in der Robbie spielte, Paul McCartneys Band war, und ich mir nicht vorstellen konnte, dass Paul McCartney in Kneipen auftrat. Falls aber Paul McCartney doch in Kneipen auftrat, wäre der Gedanke verrückt gewesen, dass ich nicht alles auf den Kopf stellen würde, um hinzugehen. Also ging ich hin.

Vor zweihundert Leuten stand Paul McCartney in einer Kneipe und spielte Songs, die er meines Wissens noch nie in der Öffentlichkeit gespielt hatte. »Here, There and Everywhere« und »Blackbird«, um nur zwei zu nennen. Ich selber hatte »Blackbird« in Kneipen gespielt, verdammt noch mal. Statt mich aufs Abitur vorzubereiten, hatte ich wochenlang die Gitarrenstimme geübt. Es kam mir fast so vor, als würde ich halluzinieren.

Es gab zwei absolut überwältigende Augenblicke. Einer war die letzte Zugabe, eine makellose, krachende Darbietung von – glauben Sie’s oder glauben Sie’s nicht – »Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band.« (Noch mal: Das fand in einer Kneipe statt!) Und der andere war einer der fantastischsten Rock’n’-Roll-Songs der Welt – »Can’t Buy Me Love« – eben jener, den ich das erste Mal gehört hatte, als ich im Zimmer der Hausmutter mit dem Ohr dicht am Dansette-Plattenspieler hockte.

Es gibt ein beliebtes Spiel, bei dem man gefragt wird: »Wann hättest du am liebsten gelebt und warum?« In der italienischen Renaissance? In Mozarts Wien? In Shakespeares England? Ich persönlich hätte gern zu Zeiten Bachs gelebt. Aber ich habe mit dem Spiel echte Schwierigkeiten, weil das Leben zu jeder anderen Zeit bedeuten würde, die Beatles zu verpassen, und das kann ich mir ehrlich nicht vorstellen. Mozart, Bach und Shakespeare werden uns immer bleiben, aber ich bin mit den Beatles aufgewachsen und mir nicht sicher, ob mich etwas anderes dermaßen beeinflusst hat.

Paul McCartney wird morgen fünfzig. Herzlichen Glückwunsch, Paul. Ich hätte es um nichts in der Welt verpassen mögen.

The Sunday Times London, 17. Juni 1992

Brentwood School

Ich war zwölf volle Jahre auf der Schule in Brentwood. Im Großen und Ganzen waren das – mit allen Aufs und Abs – recht gute Jahre: einigermaßen glücklich, ziemlich oft im Grünen, ein bisschen sportlicher, als es mir damals recht war, aber voll gutem (und teilweise sehr exzentrischem) Unterricht. Tatsächlich ist mir erst später ganz allmählich aufgegangen, wie gut ich in Brentwood unterrichtet worden bin – besonders in Englisch und ganz besonders in Physik. (Seltsamerweise.) Aber die ganze zwölfjährige Erfahrung wird für mich von der Erinnerung an ein schreckliches traumatisches Erlebnis überschattet. Ich meine die Hosen-Episode. Die trug sich folgendermaßen zu: