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Als Lara eines Abends wie aus dem Nichts an Jans Tür in Stockholm klopft, ist aus dem Mädchen von einst eine bezaubernde Frau geworden. Doch es gibt gute Gründe, sich nicht in Lara zu verlieben, denn sie ist nicht nur zwanzig Jahre jünger, sondern auch die Tochter seiner Ex. Und dann ist da ein dritter Grund, der sich wie eine düstere Wolke über Laras Besuch schiebt ... Während sich Lara ihrer Gefühle für Jan mit jedem Tag sicherer wird, wird Jan hineingezogen in das Drama von drei Frauen, die sich lieben und trotzdem aneinander zu zerbrechen drohen. “Ein Buch, von dem der Leser nicht los kommt, das unter die Haut geht.” - Garmisch-Partenkirchner Tagblatt
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Veröffentlichungsjahr: 2020
Über das Buch
Über die Autorin
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Als Lara eines Abends wie aus dem Nichts an Jans Tür in Stockholm klopft, ist aus dem Mädchen von einst eine bezaubernde Frau geworden. Doch es gibt gute Gründe, sich nicht in Lara zu verlieben, denn sie ist nicht nur zwanzig Jahre jünger, sondern auch noch die Tochter seiner Ex. Und dann ist da ein dritter Grund, der sich wie eine düstere Wolke über Laras Besuch und zwischen sie und Jan schiebt …
Während sich Lara ihrer Gefühle für Jan mit jedem Tag sicherer wird, wird Jan hineingezogen in das Drama von drei Frauen, die sich lieben und trotzdem aneinander zu zerbrechen drohen.
Karen Nieberg hat in Deutschland, Norwegen und Schweden gelebt und ist die Verfasserin mehrerer erfolgreicher, preisgekrönter Romane. Obwohl in verschiedenen Genres zuhause, greifen all ihre Romane Themen von Konflikt und Liebe in Familien auf.
Karen Nieberg ist ein Pseudonym von Birgit Jaeckel, unter dem die Autorin ihre Skandinavien-Romane veröffentlicht, so den Krimi „Ins Eis“.
© 2020 Karen Nieberg (ein Pseudonym von Birgit Jaeckel, Am Bärnbichl 1, 82494 Krün)
Buchcoverdesign: Sarah Buhr – www.covermanufaktur.de unter Verwendung von Bildmaterial von Jne Valokuvaus/Shutterstock.com
eBook-Erstellung: buchseitendesign by ira wundram, www.buchseiten-design.de
Verhaltenes Klopfen an der Wohnungstür riss Jan aus der Betrachtung des hochgeschlossenen Kostüms der Nachrichtensprecherin. Er stellte den Fernseher auf lautlos, schleuderte die Fernbedienung zwischen die Sofakissen und angelte nach seinen Socken unter dem Tisch. Im Fernseher wechselte das Bild vom Amerikakorrespondenten zurück zur Moderatorin. Jan glaubte, unter dem ungewöhnlich hohen Kragen einen Striemen zu erkennen. Wenn er sich nicht irrte, zog sie die eine Schulter einen Hauchbreit höher als die andere. Der Anblick bereitete Jan vages Unbehagen. Nachrichtensprecherinnen schienen stets makellos.
Das Klopfen an der Tür wiederholte sich. Die universellen drei Mal. Lauter.
Auf dem Weg zur Tür verfingen sich Jans Zehen in den Riemen seiner Notebook-Tasche und rissen diese um. Der dumpfe Knall erinnerte ihn daran, dass er sich seit zwei Jahren einen Teppich für den Flur kaufen wollte. Der Besucher hatte mittlerweile die Klingel entdeckt. Ein heller Glockenschlag hallte durch den Gang und endete abrupt. Jan öffnete die Tür.
»Hejsan, Jan!« Gesungen im Klang von vertrauten Reimen wie Bauklötze, aus denen sich Kinder ihre Welt erbauten. Das Lächeln eines Tieres, das nicht wusste, ob es willkommen war, blitzte Jan entgegen.
Dieser war so perplex, dass er gar nicht erst auf die Idee kam, die Begrüßung zu erwidern.
Das Mädchen auf der anderen Seite der orange gestrichenen Schwelle verwandelte sich in eine ältere Version seiner selbst, hörte auf, nervös von einem Fuß auf den anderen zu treten und alte Begrüßungsformeln zu singen. Sie hob die Lider, um Jans Blick zu begegnen. Ihre Stimme klang kehliger, erwachsener, als er sie in Erinnerung hatte. »Erkennst du mich noch?«
Sie trug einen Trekkingrucksack und drückte einen kleineren gegen die Brust, welcher ebenfalls schwer wiegen musste, denn ihre Arme bebten unter der Anspannung. Jans Gast, jedenfalls, hätte sofort alles auf physische Anstrengung geschoben, hätte er sie gefragt. Zumal Nervosität Jan gegenüber etwas Neues, Unbekanntes war, und sie sich nur allzu gerne hinter der Schwere des Gepäcks versteckte.
Jan blinzelte, als wäre er gerade aufgewacht.
»Mein Gott, Kleines, wo kommst du denn her?« Er unterbrach sich. Die Anrede, die wie selbstverständlich auf seine Zunge hüpfte, schien es nicht zu treffen, nach sechs – oder waren es sieben? – Jahren, in denen sich Gesichtszüge aus der Teenager-Weichheit herausgeschält, Körper und Ausstrahlung an Fraulichkeit und Substanz gewonnen hatten.
»Lara«, verbesserte er sich, »Lara, meine Güte! Wie bist du ins Haus gekommen?«
»Die Haustür stand offen. Zum Glück, sonst stünde ich immer noch davor. Die Schweden und ihre Türcodes mit den Klingeln auf der Innenseite, einfach idiotisch! Außerdem war dein Handy ausgeschaltet. Jedenfalls wollte ich dich eigentlich nicht so überfallen. Tut mir leid.« Sie verstummte. Jan starrte sie immer noch an. »Komme ich ungelegen?«
»Was? Nein, absolut nicht. Komm rein!« Begeisterung breitete sich auf seinem Gesicht aus. »Verdammt, Lara! Als ich dich das letzte Mal gesehen habe, warst du noch so!« Er malte eine vage Größenangabe vor seinen Bauch, die langsam in die Höhe wuchs, weil er feststellte, dass er maßlos übertrieb. Eine Sekunde später legte er seine Hand auf ihre Wange und beugte sich vor, um sie über den Rucksack hinweg an sich zu ziehen. »Was machst du hier?«
Lara neigte den Kopf unter Jans Umarmung, spürte seine Lippen auf ihrem Scheitel. Früher hatte ein solcher Kuss Schlafenszeit bedeutet, Licht ausschalten, fort mit dem Buch. Seltsam, schoss es ihr durch den Kopf, es fühlte sich genauso an wie früher. Laras Mutter hatte solch elterliche Reflexe schon lange abgestreift, Berührungen, Tonfall, Sätze hatten sich dem Alter ihrer Töchter angepasst. Einzig bei Familienfeiern, wenn sich das Alte-Tanten-Syndrom der weniger frequentierten Verwandtschaft über Lara und ihrer Schwester entlud, zeigte die Bevormundung ihr faltiges Gesicht und ließ selbst ihre Mutter die Augen verdrehen.
Jetzt, bei Jans gedankenloser Begrüßung, roch nichts nach ewiger Kindheitsverdammnis, sondern nach etwas Älterem: Heimat. Geborgenheit. Urvertrauen. Welch antiquierte, große Wörter. Lara spürte, wie sich Tränen in ihren Augen sammelten.
Inzwischen hatte Jan Lara von ihrem Gepäck befreit, ohne deren verstohlenes Augenwischen zu bemerken. Mit dem Trekkingrucksack lief er voraus ins Wohnzimmer. Lara folgte ihm. Im Vorbeigehen bückte sie sich und lehnte die Notebook-Tasche zurück an die Wand.
Jan entledigte sich des Rucksacks, indem er ihn auf seinen Fernsehsessel fallenließ, dann drehte er sich zu Lara um. Er legte zwei Fingerspitzen unter ihr Kinn, um es sacht anzuheben. »Lass dich anschauen, Mädchen. Toll siehst du aus!«
Lara war sich sicher, dass sie fürchterlich aussah: ungeduscht, verschwitzt, mit einem verlaufenen Kajalstrich um von Müdigkeit umschattete Augen. Wärme breitete sich von Jans Fingern über ihr Gesicht aus.
Lara sah beiseite, ihre Finger spielten mit einer Rucksackschlaufe. »Genau wie ich es erinnere«, murmelte sie.
»Was meinst du?«
»Das hast du früher immer gesagt: »›Toll siehst du aus! Vad fin du är!‹« Ihre Zunge holperte durch das Schwedisch, aber die überkippende Art, wie sie das fin in die Länge zog, brachte Jan zum Lachen.
»Habe ich das? Mmh, pädagogisch nicht besonders wertvoll, aber es hat immer gestimmt.« Er ließ ihr Kinn los.
»Kommst du gerade aus der Kletterhalle?« Sie deutete auf Jans T-Shirt, in dessen Mikrofaser-Schwarz Spuren von Magnesium klebten. Jan senkte das Kinn bis zur Brust, zog den Stoff am Saum in die Länge und rubbelte mit dem Daumen über die wolkigen Flecken. Hinter ihm auf dem Bildschirm flogen Tennisbälle mit einhundertachtzig Stundenkilometern über ein Netz.
»Aus der Boulderhalle«, korrigierte er, das Rubbeln aufgebend. »Ohne Sicherung, mit Matten. Erinnerst du dich? Wir haben das an deinem Geburtstag mal gemacht. Ich glaube, da warst du zwölf.« Er legte den Kopf schief und kniff die Augen zusammen. »Vor zehn Jahren.«
»Fast. Jedenfalls ist es eine Ewigkeit her.«
»Ewigkeiten relativieren sich mit dem Alter.« Er musterte sie abermals lächelnd, die Arme mit den vom Klettern geweiteten Adern und Sehnen locker vor der Brust verschränkt. »Möchtest du etwas trinken?«
»Kann ich hierbleiben?«
Der Schuss traf ihn unvorbereitet. »Was? Äh, ja. Ja, klar!« Er sah sich etwas ratlos um, wie wenn er überlegte, ob er jetzt sofort das Sofa ausziehen sollte. Dann drehte er nochmals den Kopf zu ihr, die Frage von eben auf den Lippen: Was hat dich hierhergebracht?
Lara kam ihm hastig zuvor. Vertrauen, hätte sie antworten können, aber das klang albern nach jahrelanger Entfremdung. Oder: Ich musste weg und ich wusste nicht, wohin. Stattdessen sagte sie nur: »Ich hatte nicht vor, dich so zu überfallen. Also wenn es dir nicht passt oder du was vorhast, suche ich mir eine andere Bleibe. Die Jugendherberge in Stockholm soll cool sein.«
»Ich kann absagen, kein Problem.«
»Nicht meinetwegen Ich tauche einfach so auf …«
»Nein, kein Thema. Das geht schon klar.«
»Deine Freundin?«
»Ja, aber macht nichts, das versteht sie. Sie ist entspannt.« Jan fischte in den Tiefen der Notebook-Tasche nach seinem Telefon und schaltete es an. Das Handy begrüßte ihn mit Happy Birthday.
»Du hast doch im Januar Geburtstag«, bemerkte Lara. »Am 16.«
»Ist mir noch gar nicht aufgefallen.« Er zwinkerte ihr zu und wählte eine Nummer. Immerhin schrieb er nicht nur eine Kurznachricht als Absage, das gefiel Lara.
Jans Stimme veränderte sich. »Åsa, hej! Du, förlåt mig, jag har fått oväntat besök – min ex-exflickväns dotter.«
Ex-exflickväns dotter – die Tochter der Ex-Exfreundin. Jans Worte zeichneten das Abbild von Lara als Vierzehnjähriger, als er und ihre Mutter sich getrennt hatten. Lara versuchte, Jans schwedischer Unterhaltung zu folgen. Auf eine Frage erwiderte er, dass er es nicht wüsste. Entweder bezog er sich darauf, was Lara hier suchte, oder auf die Dauer von ihrem geplanten Aufenthalt in Stockholm. Beides gute Fragen.
Lara sah sich in der Wohnung um. Die Tür zur Küche stand offen; eine angeschnittene Zimtschnecke lag auf der Küchenplatte neben der Spüle. Hinter der Schlafzimmertür herrschte Dunkelheit, draußen noch der helle skandinavische Sommernachtabend.
»Jag ringer dig på måndag.« Montag würde er sie wieder anrufen. Lara war ein bisschen stolz darauf, wie viel sie verstand. Dann lachte Jan tief auf – ein Lachen, das früher Laras Mutter vorbehalten war. Lara fühlte sich wie damals, als sie und Marie spät nachts an der Schlafzimmertür ihrer Mutter gelauscht hatten. Zumindest bis ihr Kichern zu Jan und Marina vorgedrungen war. Da hatte es Ärger gegeben.
Lara schlüpfte aus den Straßenschuhen. Jan hatte unterdessen sein Handy weggelegt. »Gib her!« Er nahm ihr die Schuhe aus den Händen und trug sie den Gang entlang.
»Das kann ich selber machen!«, rief Lara hinter ihm her, während er die Turnschuhe, die nach der langen Reise bestimmt schlimmer muffelten als ein Elch, in seinen Schuhschrank verfrachtete.
»Was, selber aufräumen? Nun, das ist was Neues.« Es dauerte einen Moment, bis Lara kapierte, dass er sie mit der Unordnung ihrer Kindheit aufzog. Vornehm streckte sie ihm die Zunge heraus.
Jan schenkte Lara ein Glas Wasser ein und ließ sich neben ihr auf das Sofa sinken. Dann erinnerte er sich abermals an ihr aktuelles Alter, denn er fragte: »Oder wolltest du Bier? Ich habe nur Lättöl hier. Leichtbier. Oder vielleicht ein Glas Wein?«
»Wasser ist perfekt, danke.«
Er wandte sich ihr zu, einen Arm locker über die Lehne gelegt, ein Bein angewinkelt, das andere ausgestreckt. Im Fernseher begann die Eröffnungssequenz von Sex and the City.
»War sie böse?«
»Wer?«
Lara verdrehte die Augen. »Deine Freundin.«
»Überhaupt nicht. Åsa ist unkompliziert. Sie war auch gar nicht traurig, weil ich abgesagt habe. Sie hat noch Arbeit zu erledigen.«
»Was macht sie?«
»Sie ist Geografin.«
»Ist Åsa ein finnischer Name?«
»Nein. Wie kommst du darauf?«
»Mama sagte mal, du wärest mit einer Finnin zusammen.«
Jan warf einen Blick auf den Fernseher, der weiterhin im Stummmodus lief, und verzog die Mundwinkel, als er sah, welche Folge lief. Lara kannte Sex and the City nicht gut genug, um seine Erheiterung nachzuvollziehen, ganz im Gegensatz zu ihrer Mutter, bei der die gesamte Serie auf DVD aufgereiht neben Meyers Universallexikon im Wohnzimmer thronte.
»Wie geht es deiner Schwester?«, wechselte Jan das Thema.
»Marie ist in Oxford. Sie hat dort einen Studienplatz für Kunstgeschichte ergattert.«
»Ist das wahr?« Wenn er sich richtig entsann, hatte Marie in der Schule nie viel Enthusiasmus an den Tag gelegt, aber sie hatte immer gerne gezeichnet.
»Ja, voll die Streberin.« Lara umklammerte ihre Knie mit den Händen. »Ich wollte sie besuchen, aber dann … Es gefällt ihr dort ganz gut.«
»Kommt sie mit Englisch zurecht?«
»Marie war in der Elften ein halbes Jahr auf Schüleraustausch in Schottland.«
»Stimmt, da war was. Deine Mutter hatte mir in einer Weihnachtskarte davon erzählt. Ich habe mich noch gewundert; Marie war immer der anhängliche Typ.«
Das war früher, hätte Lara sagen können, als du noch mit uns lebtest. Stattdessen fragte sie: »Schreibt ihr euch immer noch? Du und Mama?«
»Das haben wir vor zwei Jahren aufgegeben. Was ist mit dir? Mein letzter Stand war, du wolltest Medizin studieren? Wie weit bist du?«
Laras Schultern unter ihrem blassblauen Shirt zuckten in übertriebener Gleichgültigkeit, wie er fand. Sie schwieg.
Jan hakte nach: »Du bist doch noch in Erlangen, oder?«
»War.«
»Das heißt?«
»Ich habe das Studium geschmissen.«
»Wieso das denn?«
Lara sah am Fernseher vorbei aus dem Fenster, wo ein paar Schleierwolken Dunst in den Himmel malten. Zuhause würde jetzt die Sonne untergehen, doch in Stockholm schien die Nacht weit entfernt.
»Vielleicht wechsele ich die Uni oder gehe ins Ausland. Vielleicht studiere ich auch gar nicht. Keine Ahnung.«
Jan öffnete den Mund, um zu fragen, was sie denn dann bitte zu machen gedachte, und schloss ihn wieder. Als ob er ihr Leben in drei Fragen erfassen und Lara vorrechnen könnte, was sie besser tun und lassen sollte. In diesem Moment gönnte er sich die Erleichterung, nicht Laras Vater zu sein, das Thema Studium und Karriere auf sich beruhen zu lassen, davon auszugehen, dass Lara schon ein Konzept ihres Lebens im Hinterkopf hatte, das sich wie ein Phönix aus der Asche erheben würde, sobald sie erst drei Monate älter wurde. Da saß kein Kind vor ihm und schon gar nicht seines.
Er musterte ihr Profil. Er hatte eben zwei Sekunden gebraucht, bis er die älteste Tochter seiner Exfreundin in der jungen Frau an der Tür erkannte. Wie viel schmaler Lara gewesen war, als er sie zuletzt gesehen hatte, die werdende Frau mehr Ahnung denn Wirklichkeit. Das war im Sommer nach seiner und Marinas Trennung gewesen, ein Besuch, der so unbehaglich verlief, wie es zu erwarten gewesen war. Unbehaglich für ihn, weil er plötzlich ein Fremder war in einer Familie, die einst – beinahe – seine gewesen war.
Danach hatte Marina ihren Weihnachtskarten noch eine Zeitlang Fotos von Lara und Marie beigelegt, oder die beiden Mädchen hatten Jan selbst geschrieben und Schnappschüsse in ihre Briefe geklebt: beim Hineinbeißen in einen Granatsplitter, beim Faschingsumzug, zwei Kusshände werfende, auf Kleopatra geschminkte Gesichter mit schwarzen Perücken, in denen Glitzer tobte. Irgendwann hatte auch das geendet: Abonnement gekündigt; die Leben trennten sich endgültig. Jan machte ihnen deshalb keinen Vorwurf; er hatte sich genauso verhalten. Er war Geologe, er wusste, wie es lief: Die Zeit erodierte früher oder später jedes Gebirge und Expartner schneller als alles andere. Gestern der Fels in der Brandung, morgen der Sand im Getriebe.
»Wie geht es deiner Mutter?«
Lara stand auf und trat ans Fenster. »Ihre Heilpraxis läuft gut; die letzten drei Jahre hat sie Vollzeit gearbeitet. Manche Kunden fahren über fünfzig Kilometer, nur um sich von Mama irgendwelche Tees abzuholen. Warme-Füße-Tee oder Ich-werde-feucht-Tee, du weißt schon. Sie und Papa haben wieder geheiratet.«
»Ist nicht wahr!«
Von Jans Fenster aus sah Lara das Wasser. Ein paar vereinzelte Segelboote kreuzten in lauer Brise, die Segel blütenweiß vor dem Blau des Meers. Oder des Sees? Lara musste nachdenken, ihre Ausflüge nach Stockholm lagen lange zurück. Blickte sie auf die Ostsee oder auf Mälaren, das Süßwassergewässer, das Stockholms westliche Hälfte prägte? Die Wellen auf dem Wasser verrieten nichts. Doch, es musste sich um die Meerseite Stockholms handeln, entschied sie, denn die Altstadt lag zu ihrer Linken.
»Glaub es nur, Jan, es ist wahr. Mama und Papa haben vor eineinhalb Jahren wieder geheiratet.«
Jan rechnete zurück und stellte fest, dass er um diese Zeit die letzte Weihnachtskarte von Marina erhalten hatte. Damals hatte er selbst vorgehabt, vielleicht, doch, wahrscheinlich zu heiraten. Er hatte ebenfalls nicht mehr geschrieben.
»Diesmal ohne schwangeren Ausflug nach Las Vegas, dafür mit Ehevertrag«, schob Lara nach, weil Jan nichts sagte und sie die Stille nicht ertrug.
Er lachte. »Nimm das als Beispiel für die Entwicklungsgeschichte romantischer Beziehungen.«
Sie hatte eine andere Reaktion erwartet. Nicht unbedingt Entsetzen, aber milde Überraschung angesichts Marinas zweiter Heirat mit Paul schien Lara zu wenig. Da war Jans Staunen, sie vor seiner Tür vorzufinden, größer gewesen.
Lara und Marie hatten anders reagiert, als sie erfuhren, dass ihre Eltern erneut heiraten wollten. Auf einen Moment des Versteinerns war zu laute Freude gefolgt. Aber wie hätten sie ihre Reaktionen messen sollen, wo niemand in ihrem Umfeld Eltern vorzuweisen hatte, die heirateten, sich trennten und dann wieder heirateten – Vergleichsgrößen, an denen Lara hätte ablesen können, ob sie und Marie normal waren.
Unterhalb von Jans Wohnung schlenderte eine Gruppe deutscher Touristen vorbei. Das Fenster war nur gekippt, weshalb ihre Beschwerden über die Innenstadtmaut Stockholms bis an Laras Ohren trugen.
Jan verschwand in der Küche und kehrte wenige Minuten später mit Käse, Trauben und Crackern zurück. Lara stand noch immer am Fenster. Ihre Jeans, hatte er den Eindruck, hing ein wenig lose an ihrer Gestalt.
»Sie ist schwanger«, sagte Lara.
»Wer ist schwanger? Marie?«
»Mama.«
Jan entglitt eine Traube, die auf halbem Weg zum Mund gewesen war. Der Ausreißer fiel zu Boden und rollte unter die Couch. Lara verzog die Mundwinkel, als sie Jans leises »Fan!« hörte, der vertraute schwedische Fluch, von dem er früher immer behauptet hatte, er bedeute das Gleiche wie Mist. Sie und Marie hatten es geglaubt und jeden Kompost der Nachbarschaft mit »Fan-Haufen« betitelt, bis sie älter wurden und nicht länger »Ich liebe dich« in verschiedenen Sprachen herunterleiern konnten, sondern »Fuck«.
Unterdessen rechnete Jan zurück. Marina war ein Jahr älter als er, also dreiundvierzig. Er hatte immer gedacht, sie wollte keine weiteren Kinder.
Der Trupp deutscher Touristen verschwand um eine Ecke. Lara lauschte, wie Jan nach der verlorenen Traube tastete und dabei mit dem Kopf gegen den Couchtisch stieß.
»Papa behauptet, Mamas biologisches Alter sei viel geringer als was in ihrem Pass steht.«
»Ach ja?« Jans Stimme klang etwas gedämpft. »Wollte sie das Kind? Ich meine, war es geplant?«
»Das habe ich sie nicht gefragt.«
Jan kam wieder hoch, die Traube triumphierend zwischen Daumen und Zeigefinger. Lara stützte sich auf den Heizkörper unter dem Fenster. Ihre Stirn berührte das Glas.
Jan warf einen Blick auf Sarah Jessica Parker im Fernseher, die Mr. Big dabei zusah, wie er im Auto davonfuhr, und widmete sich dann wieder Laras Anblick am Fenster. Sie hatte ihm den Rücken zugewandt, die Schultern hochgezogen. Aus irgendeinem Grund erinnerte ihn der Anblick an die Nachrichtensprecherin von eben. Da war etwas Fremdes an ihr, fand er, Lara nicht länger die kleine Beinahe-Tochter von einst.
»Wann ist der Geburtstermin?«
»In zwei Wochen.«
»Deine Mutter bekommt in zwei Wochen ihr drittes Kind, nach neunzehn Jahren, und du setzt dich nach Schweden ab?«
»Ich bin sicher, sie schafft das ohne mich.« Lara hörte selbst, wie flach ihre Stimme klang.
»Das wohl schon, aber willst du nicht dabei sein? Ich meine, immerhin ist das dein –« Jan unterbrach sich. »Was wird es überhaupt?«
»Ein Mädchen.« Laras Kopf ruckte zur Seite, sodass Jan nur ihren Hinterkopf sah. Ihr Pferdeschwanz pendelte im Echo der Bewegung.
»Papa hat’s nicht so mit den Y-Spermien«, sagte sie immer noch gepresst, doch lauter als zuvor, und die Scheibe beschlug sich im Zwiegespräch mit ihrem Atem. »Die Spermientricks der Männer. Wie funktioniert das noch mal? Weibliche Spermien überleben länger? Das heißt, ein paar Tage vor dem Eisprung und die Chance auf ein Mädchen steigt?«
Das war nicht die Sorte Unterhaltung, mit der sich ihre Wege damals getrennt hatten. Was sieben Jahre ausmachten, um vom Kind zum Erwachsenen zu gleiten. Dagegen hatten dieselbe Zeitspanne in Jans Leben entwicklungstechnisches Ödland gebracht. Mit Kindern werde es nie langweilig, hatte Marina ihm am Beginn ihrer Beziehung gewarnt. In diesem Moment verstand Jan die Wahrheit jenes verlorenen Versprechens.
Er verteilte Käse auf die Salzcracker und garnierte alle mit einer Traube. Dann erinnerte er sich an den Lachs im Kühlschrank, den Lara als Kind zwar nicht gemocht hatte, doch er wollte nicht ausschließen, dass sich sogar das geändert hatte.
»Wie denkt deine Schwester darüber, dass sie nicht länger das Nesthäkchen ist?«, fragte er aus der Küche, während er die Lachsverpackung aufschlitzte und den angebissenen Teil der Zimtschnecke mit demselben Messer abschnitt.
»Weil es ein Mädchen ist?«
»Was hat das mit dem Geschlecht zu tun?«
Eine gute Frage und so schwedisch in ihrer Gleichberechtigung. Lara kreuzte die Arme vor dem Körper und spannte die Muskeln, bis sie fest gegen die Rippen drückten. Sie blieb still. Still, wie es die Telefonleitung geblieben war, als sie und ihre Mutter gemeinsam Marie die Botschaft überbracht hatten: »Du wirst die große Schwester von einem Mädchen, Marie.« Die Leere auf der anderen Seite des Freizeichens, Verbindung abgebrochen. Ihre Mutter hatte auf marode britische Telefonleitungen geschimpft, aber Lara wusste es besser. Sie wusste, weshalb Maries Schweigen einen anderen Grund als eine gekappte Verbindung hatte. Marie hatte sich einen Bruder gewünscht.
»Es ist schön, dass Marina und dein Vater wieder glücklich sind«, sagte Jan. »Im zweiten Anlauf.«
Lara löste sich vom Fenster. Sie griff sich einen Cracker plus die restliche Zimtschnecke und versank mit beidem in den Sofakissen. »Du meinst das ehrlich, nicht wahr, Jan?«
»Weil sie meine Ex ist?« Er schnaubte. »Wir haben uns nicht im Stellungskrieg getrennt, das weißt du. Da gab es nicht einmal eine Schlacht.«
»Ja, ich glaube, ich weiß es.« Crackerstückchen bröselten auf die Couch, als sie abbiss. Lara versuchte, sie aufzufangen, trotzdem verteilte sich die Hälfte auf ihrer Kleidung und dem Sofabezug. Eilig kehrte sie die Krümel mit den Fingern zusammen.
Sex and the City endete. Es folgte Werbung, deren Darsteller bei abgestelltem Ton wie Fische wirkten, die ihre Münder bewegten. Jan beugte sich an Lara vorbei, um seine Hand unter die Kissen in ihrem Rücken zu schieben. Sein Oberkörper verdeckte den Blick auf Fernseher und Fenster, seine plötzliche Nähe eine Flut, an der tausend Tage Kindheit klebten. Jan fand die Fernbedienung zwischen den Kissen und richtete sich wieder auf, seinen vertrauten Duft mit sich nehmend. Benutzte er in Schweden dasselbe Waschmittel wie ihre Mutter vor Jahren in Deutschland? Und selbst wenn, weshalb roch ihr Vater dann nicht ebenso? Lara überlegte, ob sie Jan danach fragen sollte.
Es klackte, als der Fernseher erstarb. Jan fragte, ob sie mit dem Flugzeug gekommen sei. Doch Lara hatte Interrail genutzt. Eine schlaflose Nacht lang hatte sie im Zug gesessen und war in Malmö beim Dösen auf einer Parkbank von Touristen für eine Obdachlose gehalten worden.
»Was hättest du gemacht, wenn ich nicht hier gewesen wäre?«
»Unter den Brücken von Slussen geschlafen.«
Slussen und die Hafenanlagen in Hamburg standen für die Horrororte aus Laras Kindheit. Dreimal waren sie mit Jan in den Sommerferien nach Schweden gefahren. Einmal hatten sie die Strecke von Nürnberg in den Norden nachts zurückgelegt. Lara, die nicht schlafen konnte, hatte durch die Fenster des Kombis die gewaltigen Stahlmonster der Elbstadt betrachtet, Lindwürmer mit scharfen Kanten und Krallen, behaftet mit kalten Lichteraugen – eine Szenerie, die sie ihr ganzes Leben lang mit der Düsternis und dem drohenden Weltuntergang eines Blade Runners vergleichen würde. Im Elbtunnel war Laras geflüsterte Frage, wann sie denn endlich die andere Seite erreichen würden, im von den Wänden widerhallenden Lärm der Fahrzeuge untergegangen. Ihr Flüstern hatte von der Angst gezeugt, ein zu lautes Wort würde den Stein und Beton um sie zum Einsturz bringen, der Elbe die Tore öffnen, bis sich das Wasser von oben auf sie stürzte, ein tosender Strudel aus Gischt und Finsternis. Dann tauchte das Auto aus dem Elbtunnel wieder auf, Marie schnarchte in ihrem Sitz und vor ihr langte ihre Mutter hinüber, um Jan den Nacken zu massieren. Lara atmete auf und vergaß ihre Monster – bis sie fünf Tage später in Stockholm bei Slussen ihre Familie verlor.
Slussen, der zentrale Knotenpunkt in Stockholms Innenstadt, wo Meer und See aufeinandertrafen, ein Gewirr aus halbdunklen Gängen und U-Bahntunneln. Eingehüllt in das Brausen von Autos, Motorrädern und eine Sprache, derer sie nur ein wenig Nachmittags-zum-Spaß fähig war, irrte Lara die Unendlichkeit einer Zehnjährigen in diesem zwischen zwei Gewässern eingequetschten Labyrinth umher. Erneut war die Angst vor überfluteten Tunneln über sie hereingebrochen. Was würde mit ihr geschehen, wenn die Schleusen brachen und sich der See ins Meer ergoss oder umgekehrt? In Panik war Lara losgerannt. Eine Spritze war unter ihren Füßen zerbrochen, das hatte sie etwas beruhigt, denn wo Ärzte waren, konnte es nicht allzu schlimm sein, oder? Voller Zorn auf ihre Mutter, Jan und Marie, die nicht auf sie gewartet hatten, hatte Lara Rotz und Tränen über ihre Ärmel verteilt, bis Jan sie endlich fest an der Hüfte ergriffen und begleitet vom Hupen eines Autos in den Schutz seiner Arme gezogen hatte.
Das nächste Mal, als sie sich durch Slussen zur U-Bahn bewegten, hatte sich Lara von Jan huckepack tragen lassen. Sie hatten beide so getan, als wäre es ein Spiel von Ross und Reiter und nicht dieses schrecklichste Schaukelpferd kindlicher Apokalypse: Verlorenheit.
Jan und Lara prosteten sich zu, während sie die Geschichte rekapitulierten. Lara überlegte, vielleicht war sie deswegen nach Stockholm, zu Jan, gefahren: Erinnerungen an unkomplizierte Zeiten, in denen eine Umarmung Monster noch besiegte.
Lara legte einen Ellenbogen auf die Rückenlehne der Couch und stützte ihren Kopf gegen die Faust, während sie auf Jans Frage, was sie gemacht hätte, wäre er nicht zuhause gewesen, zurückkam. »Ich habe aus Malmö in deinem Institut angerufen. Du warst in einer Vorlesung, daher wusste ich, dass du in der Stadt bist. Sonst wäre ich in Malmö geblieben. Eine Schulfreundin studiert dort.« Lara unterdrückte ein Gähnen.
»Bist du müde?«
»Ich habe in letzter Zeit nicht so viel geschlafen.«
Jan gab ihr einen Klaps auf den Oberschenkel und richtete sich auf. »Lass mich die Couch ausziehen, dann kannst du schlafen. Bleibst du über das Wochenende?«
»Wenn es dir recht ist?«
»Natürlich! Ich würde mich freuen. Wir könnten morgen in die Schären rausfahren. Wie klingt das?«
»Fantastisch!«
»Na dann machen wir dir mal ein Bett, Kleines!«
Lara wachte mitten in der Nacht auf. Sie war von einer Sekunde zur anderen hellwach, ohne dass sie ein bestimmtes Geräusch aus dem Schlaf gerissen hätte. Blaulicht rauschte unter Jans Wohnzimmer vorbei, warf wabernde Lichtspiele an die Wohnzimmerdecke. Die Luft im Zimmer war stickig. Lara stand auf und kippte das Fenster. Ein zweites Blaulicht näherte sich, Polizei. Sie sah dem Fahrzeug nach, wie es dem Straßenverlauf folgte und außer Sicht verschwand. Der Baum vor Jans Gebäude bewegte sich im Wind. Sein Rauschen klang in der Stille der schlafenden Stadt wie ein Ozean. Lara machte sich in der Küche auf die Suche nach einem Glas. Jans Schlafzimmertür war geschlossen, daher knipste sie das Licht an.
Die Spüle war aufgeräumt, eine Topfpflanze mit Petersilie stand neben dem Fenster, ein weiterer Topf mit Thymian auf einem Regal. Ein englischer Thriller lag auf dem Küchentisch, daneben eine ausgelesene Zeitung. Lara angelte sich ein Glas aus dem Schrank; Wasserflecken zierten seinen Rand. Aus einer Laune heraus streckte sie sich, um die Weingläser weiter oben im Küchenschrank zu begutachten. Alle trugen sie Wasserflecken. Lara lächelte ihr dunkles Spiegelbild im Küchenfenster an. Ihre Mutter hasste Wasserflecken; Jan dagegen hatte die Gläser immer lufttrocknen lassen. Einmal hatten er und Laras Mutter sogar deswegen gestritten. Lara war damals zwölf und selbstverständlich auf Jans Seite gewesen, ebenso Marie. Wen kümmerten schon ein paar Flecken, das Glas war doch sauber!
Einige Jahre später hatten beide Mädchen ihre Einstellung zu Flecken geändert. Lara, weil sie die Dinge schön haben wollte, und Marie … Marie hatte begonnen, Licht zu meiden, schwarz zu tragen und davon zu reden, dass Laras Haut so viel glatter und reiner sei als ihre.
Zurück im Wohnzimmer sank Lara im Schneidersitz auf das improvisierte Bett, zog ihren Tagesrucksack an sich und kramte nach dem Handy. Sie schaltete den Flugmodus aus und bedeckte es mit dem Kissen, während ihre Nachrichten luden. Erst als Stille herrschte, befreite Lara das Telefon von seinem Schalldämpfer. Das Display verwies auf zwei SMS sowie zwei entgangene Anrufe ihrer Mutter. Von Marie: nichts.
Lara legte ihren Rucksack beiseite, ging in die Küche und machte das Licht aus. Zurück unter ihrer Decke drückte sie den Ausschaltknopf des Handys. Das Gerät schaltete sich ab. Sie hatte keine einzige Nachricht gelesen.
Lara hatte den Platz am Bug der Fähre ergattert, dort, wo die Reling einen spitzen Winkel bildete und unter ihr der Kiel das Wasser schäumend teilte. Ein paar Kinder hingen wie Meerkatzen an den Streben neben ihr, von Zeit zu Zeit stieß ein Ellbogen oder Knie gegen Laras Hüfte. Sie lauschte dem Geschnatter und spürte vagen Triumph, wann immer sie einen vollen Satz verstand. Jan hatte früher, nachdem Marina in ihren Schränken Platz für seine Sachen geschaffen hatte, jeden Tag mit Lara und Marie ein wenig Schwedisch gesprochen. Einen Satz beim Frühstück hier, die Zeile eines Lieds dort, eine Gute-Nacht-Geschichte im Urlaub. Ja, nej, tack, god morgon, mjölk, vatten, bröd med ost och skinka. Det var inte jag! Das war ich nicht! Und das wichtigste, das Zauberwort: Schau!
»Titta!« Wie ein Echo erklang das Wort aus rauchiger Frauenkehle in Laras Rücken. Lara wandte sich um und beobachtete, wie die Augen zweier in oberschenkelkurze Röcke gekleideten Mütter Jan einem Screening unterzogen, sich unbemerkt glaubten hinter ihren Sonnenbrillen, die jedoch an den Seiten einen verräterischen Spalt freiließen. Jans Sonnenbrille saß quer über seinem Scheitel. Drei Zentimeter langes, von Silber durchzogenes schwarzes Haar umspielte die Gläser, in denen sich der Himmel spiegelte und deren Ränder die ausgeprägte Linie seiner Wangenknochen betonten.
Sie würde Marie davon erzählen müssen, überlegte Lara. Marie war die Künstlerin, die in allem mehr sah als andere. Die Geschichten zu erzählen wusste von Einhörnern, Drachen und Fischen in den Wolken, wundersame Geschichten, die sie vielleicht einmal ihrer neuen Schwester erzählen würde, der Unerwarteten. Ja, grübelte Lara, bestimmt würde Marie das tun. Womöglich würde sie die Sagenwesen und Wolkenhelden vom Himmel auf Papier bannen, damit die Kleine sie besser erkennen konnte. Sie würde eine Märchenschwester für die kleine Schwester sein. Lara hingegeben bliebe dann nur die Rolle der vernünftigen Schwester – ebenfalls eine Art von Verdammnis.
Wo kommt der denn her?, fragte eine der beiden Mütter. Die andere stieß sie warnend mit dem Ellbogen an, da Lara direkt neben ihnen stand und Jan sich an den übrigen Fahrgästen vorbei in Hörweite manövrierte.
»Bitteschön! Eiskonfekt hatten sie leider nicht.« Jan reichte Lara eine Eistüte, irgendetwas mit Nuss laut Verpackung. Beim Klang der deutschen Sprache starrten die Kinder der beiden Frauen ihn an.
»Så synt!« Schade, seufzte die eine Mutter ins Ohr ihrer Freundin, die mit den Achseln zuckte und den Kopf in den Nacken legte, um die Sonne über die Unterseite ihres Kinns streichen zu lassen. Sie zuckte nicht einmal, als eines der Kinder auf ihren Fuß trampelte.
»Von welchem Stamm war deine Großmutter nochmals?«, erkundigte sich Lara, während sie das Eis auspackte. Dabei kannte sie die Antwort.
»Algonquin. Sie ist in Quebec geboren.« Jan war zu drei Vierteln schwedischer Abstammung und zu einem Viertel Indianer. Sein Großvater hatte sich als Auswanderer in Kanada niedergelassen, eine Algonquin-Frau geschwängert, die bei der Geburt des gemeinsamen Kindes gestorben war. Daraufhin hatte sich der Großvater schnellstmöglich eine neue schwedischstämmige Braut organisiert, worüber in Jans Familie die Geschichte kursierte, dass er sie auf eine Zeitungsanzeige hin aus einem amerikanischen Kaff nach Kanada importiert hatte. Ein Jahr später war er mit ihr, dem gemeinsamen sowie dem unehelichen Sohn – welcher nach Ansicht der Familie seiner indianischen Mutter erfreulicherweise nicht allzu ähnlich sah – zurück nach Schweden gezogen. Dort hatte ihm sein Onkel einen Job bei Volvo verpasst, womit sich eine bis dahin aufregende Wildwestgeschichte im gesellschaftlichen Durchschnitt verlor. Der Rest von Jans Familiengeschichte gestaltete sich eher gewöhnlich: Eine blauäugige Schwedin, ein Schwede mit nachtschwarzer Iris und Bronzeton zeugten ein Kind. Die blauen Augen pflanzten sich fort, andere Merkmale purzelten weiter fröhlich durcheinander. Insofern war Jan ein Ergebnis aus dem Lehrbuch für Genetik mit schwarzen Haaren, hohen Wangenknochen auf leicht getönter Haut, Augen von der Farbe der klaren Gewässer Skandinaviens und mit dem Drang, festen Wänden immer wieder zu entkommen. Mendel, dachte Lara, wäre zufrieden mit dieser Erbse gewesen.
»Mama ist mit Keanu Reeves zusammen«, hatte Marie ihren Schulfreundinnen gegenüber behauptet, eine Woche nachdem ›Speed‹ im Fernsehen gelaufen war. Von ihrer älteren Schwester hatte ihr das einen Schubs eingetragen.
»Keanu Reeves sieht ganz anders aus«, hatte Lara getönt, die sich dank des Altersvorsprungs mit Männern einschlägig auskannte. »Er hat dunkle Augen, nicht blaue, außerdem ist er alt.«
»Was hat Papa eigentlich für Augen?«, hatte Marie gefragt. Nach einigen Diskussionen hatten die beiden Schwestern die Frage aufgegeben. Es war erstaunlich schwer, sich an die Feinheiten seiner Erscheinung zu erinnern, solange ihr Vater in China lebte und sie ihn nur zweimal im Jahr für wenige Wochen sahen.
Das Motorengeräusch veränderte sich, während das Boot beidrehte und mit dem Heck voran eine Pier ansteuerte. Das Wendemanöver rückte das Markenzeichen der kleinen Stadt in Laras Blickfeld: eine wuchtige Inselfestung, der die Poesie von Ruinen fehlte. Rund die Hälfte der Ausflügler packten Rucksäcke zusammen, steckten Kinder in Buggys und drängten schwatzend die Gangway hinunter an Land.
»Vaxholm«, erklärte Jan. »Wir bleiben bis Grinda an Bord.«
Lara fing mit der Zungenspitze ein herabtropfendes Stück Vanilleeis auf. Sie hatte den Eindruck, dass die beiden Mütter, die mit ihrem lebhaften Nachwuchs ebenfalls an Bord blieben, sie beobachteten. Doch da sie ihre Gesichter Lara jetzt direkt zuwandten, konnte sie ihre Augen hinter den getönten Brillengläsern nicht länger erkennen.
»Wenn du es einsamer bevorzugst, können wir auch weiter hinausfahren«, fuhr Jan fort. Laras Zunge formte das Eis unterdessen genüsslich zu einem spitzen Turm. »Grinda ist für Stockholmer das, was für Deutsche der Baggersee ist, also ziemlich überlaufen. Skärgården mag über zwanzigtausend Inseln haben, aber der Stockholmer tummelt sich bevorzugt mit allen anderen auf einer einzigen.«
Die Fähre legte ab. Sie fuhren weiter zwischen den Schären hindurch, vorbei an Häusern, deren einstiger rustikaler Holzhüttencharme frischgestrichenen Villen gewichen war. Eingebettet in eine Landschaft aus glitzerblauem Wasser, im Wind grünschillernden Bäumen und malerisch platzierten Felsen, erweckten sie den Eindruck, als hätte sich Gott an Photoshop ausgetobt.
Sie erreichten Grinda am fortgeschrittenen Vormittag. Lara wollte sich sofort an die Fersen der mit Körben, Bastmatten und Badetüchern behängten vielbeinigen Echse heften, die sich vom Bootssteg entlang durch den Wald schlängelte, doch Jan hielt sie zurück. »Die andere Seite der Insel ist ruhiger.«
Er führte sie auf einem schmaleren Weg nach rechts fort vom sommerlichen Pilgerstrom. Eine Familie mit drei Kindern und einem Dackel sowie zwei Pärchen folgten ihnen.
Sie schlugen ihr Lager bei zwei flachen Felsen auf. Eine Fichte spendete spärlichen Schatten. Schwimmer, Segelboote, Motorboote, Fähren und Kajaks bevölkerten die Wasserstraße zwischen den Inseln, durch die der Schiffsverkehr an Grinda vorbeizog. Wellen brachen sich von Zeit zu Zeit am Ufer im Nachklang größerer vorbeirauschender Boote.
Lara atmete tief ein. »Fühlt sich wie Ferien an«, murmelte sie.
Jan fand, sie klang überrascht. Er wusste immer noch nicht, was Lara eigentlich vor seine Tür geweht hatte. Männerprobleme? Studiumskrise? Jedenfalls sah sie so aus, als könnte sie Ferien gebrauchen. Wenn sie sich unbeobachtet wähnte, stahl sich eine gedankenverhangene Erschöpfung in ihre Züge und zeichnete sie älter – zumindest bis sie lachte und sich zwei Grübchen neben ihren Mundwinkeln formten.
Nun, vielleicht konnte er zumindest das für sie tun. Er hatte die Mädchen immer gerne zum Lachen gebracht. Sie hatten so hemmungslos gelacht.
Jan zog sein T-Shirt über den Kopf, löste die Klettverschlüsse seiner Sandalen und hüpfte zur Seite, da er prompt auf Nadeln trat. Unter der wadenlangen Hose trug er bereits seine Badehose. »Kommst du mit?«, fragte er, in Richtung Ostsee gestikulierend, die selbst hier draußen nicht die Bezeichnung ›Meer‹ verdiente.
»Ich komme gleich nach.« Lara genierte sich, vor Jan Top und Jeans ausziehen, daher wartete sie, bis er ihr den Rücken zuwandte und über die Felsen zum Wasser tänzelte. Er hatte nach wie vor den Körper eines Kletterers, stellte sie fest.
Im Alter von zwölf Jahren hatte Lara erstmals der Gedanke durchblitzt, dass Jan und ihre Mutter ein schönes Paar waren. Die Erkenntnis hatte bei einem Elternabend zugeschlagen, als sie die Eltern ihrer Mitschülerinnen mit ihrer Mutter und Jan verglich. Die schwarzen Haare und leuchtend blauen Augen, diese Ein-Viertel-Indianer-Exotik mit einem Hauch fremdländischen Akzent, ließ die Lehrerinnen die Köpfe zusammenstecken. Laras Klassenleiterin hatte gefragt, ob der Lebensabschnittsgefährte – mit Betonung auf dem mittleren Wort, was Laras Misstrauen erweckt hatte –, ob der Lebensabschnittsgefährte ihrer Mutter aus dem Elsass käme; die Direktorin wollte wissen, welche Sprache sie daheim sprächen.
Zur selben Zeit hatten Laras Schulfreundinnen zu kichern begonnen, wann immer Jan sie mit ein paar locker hingeworfenen Worten unterhielt oder in voller Exkursionsmontur mit dem Geologenhammer an der Seite zur Tür hereinspazierte und Laras Mutter im Vorbeigehen einen Kuss gab. Einmal hatte er Marina sogar in den Nacken gebissen, während diese vor der Spüle kauerte, den Arm tief in das hinterste Küchenfach versenkt. Marina hatte halbherzig nach seiner Wade geschlagen, doch Lara erinnerte sich vor allem an Jans Raubtiergrinsen, mit dem er Laras Freundinnen über Marinas Hintern hinweg zugezwinkert hatte.
Er war jetzt zweiundvierzig, rechnete Lara nach. Und womöglich attraktiver denn je, falls sie das richtig beurteilte.
Jan kraulte bereits fünfzig Meter vom Ufer entfernt, bis Lara vorsichtig einen Zeh ins Wasser streckte. »Jetzt sei kein Frosch!«, hallte es herüber. Ein Stück links von ihr platschte es, als der Dackel ihrer Felsnachbarn ins Wasser sprang. Ihre ersten Armzüge erinnerten Lara an ihre Oma: steif hochgereckter Hals, kurze abgehackte Bewegungen, hörbares Schnaufen, bis sich ihr Körper der niedrigeren Wassertemperatur ergab. Sie tauchte bis zum Scheitel unter. Der Dackel bellte wie verrückt einen Wasservogel an.
»Na, wie ist es?« Jans Kopf tauchte neben ihr aus der Tiefe.
Lara leckte sich die Lippen, schmeckte fades Salz. »Kein Baggersee.« Sie drehte eine Seehundrolle im Wasser. Jans tretende Füße waren verschwommene Schemen schräg unter ihr.
»Waren wir als Kinder auch mal hier?«
»Erinnerst du dich nicht mehr?«
Laras Kopfschütteln ließ Wasser in ihr Gesicht schwappen. Sie wischte sich über die Augen und war froh, dass sie keine Wimperntusche aufgelegt hatte, nur einen Hauch von Kajal, sonst würde sie jetzt aussehen wie eine verheulte Krähe.
»Du müsstest damals acht gewesen sein. Wir haben in Skärgården gezeltet, zehn Tage lang.«
Ein Zupfen in den Tiefen von Laras Langzeitgedächtnisses förderte zwei, drei Bilder hervor. »Das war der Astrid-Lindgren-Sommer, nicht wahr?«
»Ja«, grinste Jan, »die war auch mit dabei.«
Lara drehte sich auf den Rücken. Ein paar Wolkenfetzen trieben über ihr dahin, doch die Sonne gleißte zu stark, um lange in den Himmel zu blicken. Ihre Strahlen glänzten auf Tropfen in Jans Wimpern.
»Das war mein erster langer Urlaub mit euch Kindern«, fuhr Jan fort und drehte sich ebenfalls auf den Rücken. »Drei Wochen am Stück, ohne Möglichkeit, mich zwischendurch zurückzuziehen. Meine Mutter meinte, das würde niemals gutgehen. Aber das hat sie ab der ersten Minute, als ich ihr von Marina erzählte, behauptet.«
»Du hast dich trefflich geschlagen.« Lara steuerte die Felsen an. Jan folgte ihr. Er hätte Lara einen Vortrag halten können, wie nahe er damals daran gewesen war, sie und Marie auf einer Insel auszusetzen. Nach zehn Tagen mit ständigem Geschrei wegen lebensbedrohlicher Spinnennetze, Essensgezicke, Nicht-Einschlafen-Wollen, aufgeschlagener Knie und Dauergezanke war der Ruf der Freiheit manchmal überwältigend geworden. Einfach alles stehen und liegen lassen und sich eine Freundin ohne Kinder suchen. Aber es hatte eben auch andere Momente gegeben, voller … Einheit.
Jetzt, im Nachhinein, wusste Jan, Lara und Marie waren einfache Mädchen gewesen. Die meisten seiner Freunde, die eine Beziehung mit einer alleinerziehenden Mutter anfingen, ernteten zu Beginn deutlich mehr Ablehnung als er damals.
»Haben wir dich abgelehnt? Daran kann ich mich überhaupt nicht erinnern.« Sie kletterten zurück ans Ufer. Jan reichte Lara ein Handtuch.
»Nein, nicht abgelehnt. Aber ihr hättet lieber euren Vater zurückgehabt, das ist doch natürlich. Im Übrigen hat es auch seine Vorteile, eine andere Rolle einzunehmen als die des großen Erziehers.« Jan pumpte die Lungen auf und trommelte sich mit den Fäusten auf die Brust.
Spielerisch schlug Lara mit dem Handtuch nach ihm. »Ich fand es immer beeindruckend, wenn du zornig warst. Richtig zornig, mit Brüllen und allem. Du wärst ein guter echter Vater gewesen.« Den letzten Satz murmelte sie nur noch, die Heiterkeit verebbte. Lara wandte sich ab. Sie und Marie hatten Jan nie als Vater betrachtet. Sie wusste nur nicht, ob sie traurig darüber sein sollte oder erleichtert.
»Interessant, dass du das am Brüllen festmachst.« Jan wuschelte sich durch die Haare, bis Tropfen spritzten. Die Feuchtigkeit gab seinen silberdurchwirkten Haaren für einen Augenblick ihre Jungenhaftigkeit zurück. Lara hätte gerne gewusst, welche Vermutungen die beiden Mütter von eben über sie angestellt hatten. Vater und Tochter waren sie ja eindeutig nicht. Ob sie über den Altersunterschied gelästert hatten? – Mit Sicherheit.
»Wieso hast du eigentlich keine Kinder?«, fragte sie und wunderte sich ein bisschen über ihre Forschheit. »Was war mit dieser Finnin, von der Mama erzählt hat? Das klang schon recht nach Hochzeit und allem Drum und Dran.«
»Wir haben es Anfang letzten Jahres beendet.«
»Aber wolltet ihr heiraten?«
»Das war mein Plan mit 40.«
»Warum habt ihr es nicht getan?«
»Wir hatten einfach unterschiedliche Lebensvorstellungen.« Er ließ sich auf sein Handtuch fallen.
»Ist das nicht ein bisschen abgedroschen? Ich habe dich für romantischer gehalten.«
Jan schaute sie lange an. Es war ein neuer, anderer Blick als zuvor, intensiver und von dunklerem Blau. Als ob er sie plötzlich als eine Person wahrnähme, die andere Antworten forderte. Verunsichert senkte Lara die Lider. Stille wechselte zwischen ihnen hin und her. Dann folgte Jan ihr über die Grenze, die sie gerade überschritten hatte.
»Eine Heirat ist ein Versprechen, mit dem anderen zusammen sein zu wollen, und ein Vertrag. Für mich allein brauche ich den nicht, für meine Partnerin, die selbst gut verdient, nicht versorgt werden muss und klar macht, dass sie absolut keine Kinder will, auch nicht. Sie sah das anders.«
Lara kniete sich neben ihn auf sein Handtuch. Sie war sich nicht sicher, ob sie ein Recht auf diese Fragen hatte, aber sie stellte sie trotzdem. »Habt ihr euch deshalb getrennt? Weil sie keine Kinder wollte?«
»Sagen wir, es war der Anfang der Einsicht, dass wir in vielerlei Hinsicht unterschiedliche Pläne, Träume, Vorstellungen von unserem Leben hatten.«
»Weil du Kinder wolltest und sie nicht.«
»Da kam mehr zusammen. Sie wollte ein Projekt annehmen, für das sie ein Jahr nach Südamerika hätte gehen müssen. Für mich machte es keinen Sinn, vor einer so langen Trennung zu heiraten, nur um es zu formalisieren.« Jan beäugte misstrauisch eine Ameise, die sich anschickte, sein Handtuch zu erkunden. »Plus et cetera, et cetera.«
Nähe ohne Nähe, hätte er sagen können, aber er tat es nicht.
»Ich verstehe.«
Jan bezweifelte dies. Im Nachhinein war es leicht, Dinge so zu erklären, dass jeder sie verstand. Sogar er. Damals hatte es für ihn dagegen keine Gewissheiten gegeben, nur Fragezeichen, den Zwang zu Entscheidungen und das Kunststück, sich weder etwas einreden zu lassen noch sich selbst etwas einzureden.
Er schnippte ein Rindenstückchen gegen Laras Wade. »So, jetzt hast du mich genug ausgequetscht. Jetzt bist du dran.«
Lara hatte ihn nach seiner neuen Freundin fragen wollen. Wie hieß sie noch gleich? Åsa. War es etwas Ernstes? Falls Jan überhaupt zwischen Ernstem und Unernstem unterschied, was wusste Lara denn schon über ihn, wie er so tickte als Mann? Dieser Jan, dem sie jetzt gegenübersaß, erschien ihr wie Neuland in einem Ozean an Vertrautem. Abgesehen davon hatte sie überhaupt keine Lust, über sich selbst zu sprechen.
Lara stand auf und begann sich abzutrocknen. Jan ließ sie nicht aus den Augen. »Also Mylady, Zeit für ernste Fragen: Was hat dich nach Stockholm verschlagen? Lauert da ein Skandal?«
»Mein Leben ist nicht so abwechslungsreich wie deins«, lenkte sie ab.
»Deshalb schmeißt du ja auch dein Studium.
---ENDE DER LESEPROBE---
