Laras Chaos - Verena Herkules - E-Book

Laras Chaos E-Book

Verena Herkules

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Beschreibung

Lara, erfolgreiche Rundfunkmoderatorin bei Radio 57, wird eines Tages von ihrem Chef erklärt, dass ihre Sendung nicht mehr so ankommt. Darauf wird Lara in ihre Geburtsstadt zurückgeschickt, damit sie dem Polizeichef Victor Zlatko vier Wochen begleitet, den sie schon letztes Jahr kennengelernt. Aber das weiß sie noch nicht. Ihr Kollege wird ihr als Fotograf zur Seite gestellt, damit er Aufnahmen für die Webseite des Senders machen kann. Und es kommt, wie es kommen muss, ein Chaos jagt das nächste, wobei sich Lara und Victor der knisternden Stimmung nicht entziehen können.

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Seitenzahl: 229

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Anmerkung zur Autorin, Verena Herkules wohnt in Bremen. Sie hat ihren Beruf an den Nagel gehängt, damit sie ihrem Hobby, dem Schreiben, nachkommen kann.

Für meine Kinder Lisa und Roman, Benedikt und Monique und meiner süßen Enkelin Lillie

Laras Chaos

Meine Leser und Leserinnen werden sich freuen, wenn sie beim Lesen feststellen, dass Lara genauso chaotisch ist, wie ihre Schwester Sophia, die sie aus meinem Buch Katastrophe um Katstrophe kennen.

Mutter

Emma

Vater

Richard

Ich

Lara

Schwester

Sophia

Mann von Schwester

Axel

Bruder

Lars

Freundin Bruder

Katharina

Cousine

Juliana

Freund Cousine

Matthias

Hund

Marvin

Dohle

Alvin

Hausperle

Clara

Mann Hausperle

Erwin

Kind von Hausperle

Bianca

Verwalter

Ernst

Mutter von Axel

Christa

Ensemble

Maria, Ralf und Mathilde

Eltern Mathilde Ex-Schwiegereltern

Gudrun und Wilfried

Sophia

Rosi und Eckert

Chef

Konrad

Bundeskriminalamt

Victor Zlatko

Eltern Victor

Isabel und Ivan

Chef Spusi

Clemens

Verlobte

Anna von der Heiden

Kollegen

Bernd, Dieter und Rainer

Frau Bernd

Julia

Küchenbulle

Walter

Pförtner Polizei Fotograf und

Daniel, Markus und Karin

Freund Radio 57

Renee

Heute ist nicht mein Tag. Ich soll um fünfzehn Uhr bei meinem Chef antanzen. Ich arbeite bei einem freien Sender in Hannover. Ich moderiere hier die Sendung von zehn Uhr vormittags bis vierzehn Uhr.

Ich habe meinen festen Sendeplatz bekommen, als ich an einem Giftmüllskandal aus meinem Heimatstädtchen Göttingen gearbeitet und recherchiert habe und den ich auch mit Hilfe einiger netter Leute erfolgreich aufgelöst habe. Meine Schwester und ich hätten fast mit unserem Leben bezahlt.

Um fünfzehn Uhr klopfe ich an die Bürotür von meinem Chef. „Lara komm doch rein.“ „Was hast du denn auf dem Herzen, Konrad.“

„Deine Vormittagssendung müssen wir bearbeiten. Deine Einschaltquoten sind mir zu gering. Sie sind rückläufig.“ „Willst du mich feuern oder was schwebt dir vor.“

„Wir haben einen neuen Polizeipräsidenten. Ich habe mit ihm gesprochen, und nachgefragt, ob es vielleicht möglich ist, dass du drei Monate den Leiter für Einbruch und Diebstahl an die Seite gestellt wirst.“ „Das ist ja alles schön und gut, aber wie soll ich denn dann meine Sendung moderieren?“ „Gar nicht. Du bist komplett freigestellt und Ulli wird dich vertreten. Du bekommst Renee an deine Seite gestellt, für den Fall, dass du Aufnahmen benötigst, die wir dann ins Netz stellen werden. Wir peppen deine Sendung mit Bildern auf. Das wird der Knaller.

Es wird dir sehr entgegenkommen, da der ermittelnde Beamte in deiner Heimatgegend tätig sein wird.“ Nicht schon wieder, denke ich mir.

„Du weißt dann sicherlich, dass ich wieder hilflos meiner Familie ausgesetzt bin. Und das wollte ich verhindern.“

Meine Familie ist sehr liebenswert. Nur meine Mutter ist eine bekannte Theaterschauspielerin und lebt das leider auch privat aus.

„Konrad, das geht auf keinen Fall, dann sehe ich fast täglich Mathilde und das halten meine Nerven wirklich nicht aus.“ „Wer ist denn Mathilde, deine Oma oder was?“ „Mathilde spielt im Ensemble meiner Mutter und diese Frau ist unmöglich, um nicht zu sagen, die ganze Familie ist unmöglich.“ „So schlimm kann es ja nicht sein, immerhin hast du deine Kindheit ohne sichtbare Spuren überlebt.“

Es ist wie bei meiner Mutter. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, kann man nicht dagegen anstinken. Ich gebe mich geschlagen und frage stattdessen „wann geht’s los?“ „Montag sollst du dich im dortigen Polizeipräsidium um acht Uhr morgens einfinden. Du hast also ein langes Wochenende.“

Ich verabschiede mich und rufe Renee an, um ihm zu sagen, dass wir uns in Mariengarten treffen. Danach rufe ich meine Eltern an, damit sie mir das hintere Haus von Clara, das ist unsere Hausperle, richten lassen.

Zu Hause packe ich meine Klamotten und düse direkt nach Mariengarten, dort habe ich meine Kindheit verbracht. Es ist ein altes Klostergut, bestehend aus dem Gutshaus, direkt dahinter befindet sich das alte Gesindehaus, welches von mir und meinen Geschwistern genutzt wird, wenn wir zu Besuch sind. Sowie drei weitere Häuser, die als Gästehäuser abvermietet oder für Besuch hergerichtet werden. Weiter befindet sich das alte Kloster auf dem Grundstück. Der Gutsverwalter hat sein eigenes Haus, was nicht vom Anwesen eingesehen werden kann, ebenso das von Clara und Erwin. Dann besitzen wir einen Kuhstall, um den sich Erwin kümmert. Erwin ist der Mann von unserer Haushälterin Clara. Sowie einen Pferdestall, der auch weiter weg ist. Unser Anwesen besteht aus mehreren Hektar Land. Welches auch Videoüberwacht wird, da letztes Jahr vermehrt eingebrochen wurde.

Nach über einer Stunde komme ich auch endlich mal an. Es herrscht wie immer bei uns reges Treiben. Da meine Mutter Schauspielerin ist, wird auch oft bei uns zu Hause geprobt.

Im Wechsel wird auch wieder im Gemeindehaus von Rosdorf geprobt. Da sie mit dem Pastor einen Deal vor gut einem Jahr ausgemacht hat. Mittlerweile ist der Pastor mein Schwager, denn er hat durch einen Auffahrunfall, den meine Schwester verursacht hat, sie kennen und lieben gelernt.

Axel ist der beste Schwager, den man sich wünschen kann. Ob ich jemals die Liebe meines Lebens begegnen werde, steht in den Sternen. Meine Schwester dachte bei meinen letzten Ermittlungen, dass ich mit ihrem Kollegen, den Herbert, durchbrennen werde. Aber Herbert ist nur ein guter Freund geworden.

Das gesamte Ensemble meiner Mutter ist anwesend. Ich sehe gleich eine Person, sie ist eher unscheinbar, aber durch ihre Klamotten total auffällig. Die Freundin von meinem Bruder Lars ist felsenfest davon überzeugt, dass sie Altkleidercontainer aufbricht. Ich pflichte ihr stumm bei. Das Ensemblemitglied heißt Mathilde. Ihr Erscheinungsbild im ganzem sieht heute so aus. Lila Trampelschuhe Größe dreiundvierzig, gelbe Strumpfhose, blauer Faltenrock züchtig eine Handbreit übers Knie rotes Sweatshirt. Mathilde stammt aus einer sehr großen Familie, sie hat noch dreizehn oder vierzehn Geschwister. Ich habe sie mal gefragt, hab es aber gleich wieder vergessen. Die ganze Familie ist der Kirche verfallen, außer der große Bruder Samuel, sind alle voll gläubig. Sam hat gleich mit Volljährigkeit seine Familie verlassen. Wo er abgeblieben ist, weiß keiner. Nur so viel, das er Com Tec gegründet hat und dass er groß in der Computerbranche ein Vermögen gemacht hat. Die scheinheilige Kuh Mathilde ist mit Sophias Exfreund, von Sophia und unserer Cousine Juliana in flagranti erwischt worden. Schade das ich nicht dabei war, war bestimmt ein Bild für die Götter. Lutz ist auch nur so ein Spargel wie Mathilde, nur mit kleinen Füßen. Obwohl er doch recht groß ist. Das ist quasi so eine Schwesternmacke. Sophia und ich stehen auf große Männer, weil wir gerne High Heels anziehen.

Wir sind beide gleich groß und deswegen fängt ein Mann erst bei einem Meter fünfundneunzig an. Das hat es damit auf sich, dass wir dann immer noch einen Kopf kleiner als der Mann sind. Axel ist über zwei Meter groß und optisch ein Traum. Dann kommen noch seine inneren Werte dazu. Ich beneide meine Schwester um ihn.

Nachdem ich mich von dem Anblick erholt habe, gehe ich gleich zum hinteren Haus durch und Clara legt noch den letzten Schliff an. Clara und Erwin sind schon immer da gewesen. Sie drückt mich an ihre mütterliche Brust „Kind, schön, dass du wieder zu Hause bist.“ „Du hast mir auch gefehlt.“ Man muss dazu sagen, dass Clara die Seele des Anwesens ist. Was habe ich mich immer gerne als Kind in ihrer Nähe und in der Küche bei ihr aufgehalten. Clara ist eine warmherzige Frau und hatte immer ein offenes Ohr für uns Kinder.

Unsere Mutter hat uns dagegen immer nur halb zugehört. „Wie geht’s denn Bianca.“ „Lutz baggert sie an.“ „Wann ist das denn passiert.“ „Rosi lädt Bianca für jeden Samstag zum Kaffee ein. Lutz bringt ihr immer noch seine Dreckwäsche. Dabei muss es irgendwie passiert sein.“ „Das freut mich, dann muss sich Rosi nicht mit Mathilde rumschlagen.“ „Des einen Glück und Freud, des anderen Leid.“ Man muss dazu sagen, dass Lutz schon ein schräger Vogel ist, er muss immer alles analysieren. Auf Dauer kann einem das auf den Geist gehen. Aber es passt nun mal auf jeden Topf ein Deckel. Aber im Herzen ist er nicht verkehrt.

Ich schlendere mit Clara rüber ins Haupthaus und werde von meiner Mutter abgeschlabbert, als ob sie mich vor fast dreißig Jahren im Krankenhaus vergessen hat und mich nun endlich dort abgeholt hat. „Mein Schatz, ich freue mich ja so, dass du wieder zu Hause bist.“ „Sind Lars und Sophia noch nicht da.“ „Axel kann heute nicht, da er morgen ganz früh zu seinen Knastbrüdern nach Lippoldsberg fahren muss.“

Ich muss dazu anmerken, dass er ehemalige Strafauffällige ohne Wohnung in einem Heim besucht und sich deren Sorgen anhört und dort hilft, wo er kann. „Mama das sind keine Knastbrüder.“ „Es reicht vollkommen, wenn du Emma sagst. Ist ja auch egal, er kümmert sich um diese armen Menschen.“

Meine Mutter fühlt sich steinalt, wenn wir zu ihr Mama sagen.

Emma reicht vollkommen.

„Lars hat morgen einen wichtigen Termin, den er auf alle Fälle nicht verpassen darf. Auch Matthias, der hat heute Abend noch ein Meeting. Somit kommen nur Sophia, Juliana und Katharina noch dazu. Der Rest ist ja schon da.“

Ich freue mich, dann ist unser Lästerschwesterverein wieder vereint.

Die drei kommen fast gleichzeitig auf den Hof gerauscht. Wir fallen uns um den Hals und ich meine zu den dreien „schaut euch bloß nicht Mathilde an.“ Und schon ist die Neugier geweckt. „Was treibt dich denn hier her,“ will meine Schwester wissen.

„Konrad hat eine tolle Idee, er will meine Sendung ein bisschen greller gestalten. Ich soll für drei Monate einem Polizisten an der Seite kleben.“ „Das ist ja aufregend.“ „Ehrlich gesagt, mir reicht noch der Brandesfall. Renee trifft Sonntagabend ein. Er wird bei mir hinten schlafen, dann ist er nicht so verloren. Er kennt hier ja niemanden.“ „Was soll er denn hier machen?“ „Du weißt ja, er ist unser Fotograf und er soll bei Bedarf Fotos für unsere Website schießen.“ „Ich freue mich ihn wiederzusehen,“ dröhnt Juliana.

Da Katharina ihn nicht kennt, erklärt Juliana jede Faser von Renee. Eigentlich müssten seine Ohren klingeln.

Wir betreten die heilige Halle, die meine Mutter zum Proben nimmt. Das Stück ist sehr lebhaft, aber ich finde es nicht so toll.

Am Ende der Probe lädt Emma grundsätzlich auf einen Umtrunk ein. Mathilde fährt in ihrem tollen Outfit mit ihrem alten Klapprad nach Hause. Sie verträgt ja nichts.

Besser sie fährt allein und wird nicht von ihren Eltern abgeholt.

Man muss dazu anmerken, dass Mathilde neunundzwanzig Jahre alt ist und noch zu Hause wohnt.

Es ist sehr schön, Christa, Axels Mutter, ist ebenfalls da. Sie war mir eine sehr große Hilfe, als ich am Brandesfall dran war. Sophia hat eine tolle Schwiegermutter zu ihrem Mann dazu bekommen. So was gibt es auch. Sie hatte ja bei Lutz schon so ein Glück mit Rosi und Eckert. Meine Schwiegermutter wird bestimmt ein Drachen sein. Soviel Glück kann man bekanntlich nicht haben.

Ich gehe zu meinem Dad. Er ist ganz alleine. „Mein Schatz, erzähl doch mal genau, was du hier machen sollst.“ „Das weiß ich selber nicht. Ich weiß nur, dass ich Montag um acht Uhr auf dem Polizeirevier sein soll. Da erfahre ich dann weiteres.“ Ich teile meinem Vater noch mit, dass mein Kollege am Sonntagnachmittag bei uns eintreffen wird. Mein Dad erkundigt sich nach Renee und freut sich, ihn wiederzusehen.

Ich liebe meinen Vater.

Sonntagnachmittag kommt Renee angebrettert. Renee fährt einen rosafarbenen Mini Baujahr neunzehnhundertachtundsechzig. Schon bei seinem Jack, so heißt der Wagen, vermutet man, dass er vielleicht schwul sein kann. Überzeugt davon ist man, wenn er aus diesem Wagen aussteigt. Renee ist wie Mathilde nur in klassisch. Heute trägt er eine rosa Jeans, T-Shirt gleicher Farbe und silbernes Sakko. Seine Schuhe sind silberne Lackhalbschuhe, passend zum Sakko.

„Darling Schatz, wie froh ich bin, mal wieder hier zu sein.“ Dann folgt eine Kussorgie auf meinen beiden Wangen. Ich liebe Renee.

„Richte dich erstmal ein und dann gehen wir zu meinen Eltern.“ Vor der Darbietung ziehe ich jetzt schon den Hut. Renee hätte vielleicht doch lieber Schauspieler statt Fotograf werden sollen.

Bei meinen Eltern angekommen, wird Renee von meiner Mutter abgeküsst, als ob sie ihn bei ihrem letzten Urlaub ausversehen in Maui auf Hawaii vergessen hätte. Renee fühlt sich pudelwohl und er schildert seine Trennung von Detlef. Der Schweinehund hat ihn mit einem älteren betrogen und wäre dann auf und davon.

Ich höre nicht zu, weil ich die Story inn- und auswendig kenne. Wie viele Abende habe ich bei Renee den Seelentröster gespielt, weil er gefühlt mindestens eintausend Taschentücher verheult hat. Ich frage mich nur, wie mein Dad dieses Drama aushält.

Am nächsten Morgen verabschiede ich mich von Renee, da ich ja zum Revier fahren muss. Mulmig ist mir schon ein bisschen, da ich nicht weiß, was mich erwartet.

Im Revier angekommen, gebe ich an der Rezeption meinen Namen preis. Der diensthabende Polizist telefoniert und meint zu mir, dass ich abgeholt werde. Im Warteraum versuche ich eine Zeitung mit Klatsch und Tratsch zu finden, finde aber nur Auto- und Computerzeitungen vor. Es gibt auch Frauen, die warten müssen, denke ich mir.

Nach gefühlten zehn Stunden werde ich von einem Beamten abgeholt, der mich zu meinem Polizisten bringt.

Leider achte ich nicht drauf, was für ein Namensschild an der Bürotür klebt. Deswegen falle ich auch fast ins Koma, als ich Victor Zlatko gegenüberstehe. Im Brandesfall hatten wir zwar unsere Telefonnummern ausgetauscht. Doch nach Ende des Falls haben wir noch ein paar Mal telefoniert und der Kontakt ist dann eingeschlafen.

„Hallo Victor, was machen sie denn hier? Ich dachte sie wären beim Bundeskriminalamt.“ „Nach dem Brandesfall habe ich um Versetzung in den normalen Polizeidienst gebeten. Schlimmer als sie hätte es mich jetzt nicht treffen können. Immerhin waren sie der Grund für meine Versetzung.“

Nie im Leben habe ich damit gerechnet, dass ich ihn wiedersehe. Ich bin enttäuscht, dass er mich nicht mag und so ablehnend ist. Mein Motto: man kann ja nichts erzwingen.

Victor fängt auch gleich an, mich zu belehren. „Wir werden jetzt erstmal ein paar Dinge klar festlegen. Sie werden nur in Absprache mit mir Sachen bekannt geben. Es werden zum Beispiel keine Angaben gemacht, wenn es die leitenden Ermittlungen gefährdet.“ Ich wusste, dass er mir wieder mit den leitenden Ermittlungen kommt. Das hat er wahrscheinlich mit der Muttermilch verabreicht bekommen. „Weiter begleiten sie mich nur, wenn keine Gefahr besteht, dass ihnen etwas zustoßen könnte. Dann bleiben sie auf dem Revier und machen, was weiß ich was. Ihr Dienst richtet sich nach meinem. Ich fange morgens um acht Uhr an und in der Regel ist um siebzehn Uhr Schluss. Soweit verstanden.“ „Ja.“ „Heute werden sie mit einem Ausweis ausgestattet, damit sie, falls sie vor mir da sind, nicht auf mich warten müssen. Daniel, dass ist der Pförtner, den sie eben schon kennengelernt haben, lässt sie dann ins Gebäude.“ Ich bin ein bisschen von seiner Stimme eingeschüchtert. Das können ja lustige drei Monate werden.

Nachdem alles erledigt ist, meint Victor, dass mein heutiger Arbeitstag vorbei ist und ich morgen früh um acht da sein soll. „Machen sie auch einmal Spätschicht,“ will ich wissen. „Das ist der Vorteil, wenn man Chef ist. Da kann man sich seine Sahneschnitten aussuchen. Wenn ich nachts natürlich wegen einem Einbruch oder Mord angerufen werde, fahre ich da natürlich hin. In letzter Zeit ist das leider häufiger geworden, da wir eine Einbruchsserie zu lösen haben.“

„Da wir ja jetzt Kollegen auf Zeit sind, könnten sie an den Proben meiner Mutter teilnehmen. Die sind immer sehr unterhaltsam. Im Brandesfall wollten sie ja keinen privaten Kontakt.“ „Lara, wir sind keine Kollegen auf Zeit. Ich bin ihr Kindermädchen.“ Ich schmolle. Kindermädchen, ich glaube wohl ich spinne. „Ich bin erwachsen.“

„Da habe ich letztes Jahr wohl anders in Erinnerung.“

Himmel nochmal, ist der Mann nachtragend. Nur weil ich im Brandesfall nicht gleich zu ihm gerannt bin. Leider musste ich deswegen auch für kurze Zeit von der Bildfläche verschwinden, da ich polizeilich gesucht wurde.

„Ich lasse es mir durch den Kopf gehen. Ich habe ihre Mutter in Frankfurt am Theater bewundert. Sie ist grandios.“ „Sehen sie und bei ihren Proben können sie sie ganz umsonst bewundern. Denn dafür wird kein Eintritt verlangt.“ „Wann und wo wird denn geprobt.“ Bingo, denke ich mir, ich habe ihn im Sack. „Im Wechsel. Einmal auf unserem Anwesen und die Woche darauf im Gemeindehaus in Rosdorf.“ Ich kläre ihn kurz über diesen Deal mit Axel auf.

Victor schmunzelt. Warte erstmal, wenn du Mathilde siehst. Aber er denkt bestimmt an Sophia.

Ich schreibe ihm noch schnell die Zeiten auf und wo die Probe stattfindet. „Wenn Emmas Stück im Theater aufgeführt wird, bekommen alle VIP – Karten umsonst.“ Das wird seine Unschlüssigkeit schnell zu einem Schluss bringen.

Heute Abend findet wieder eine Probe statt. Geprobt wird immer Montag, Mittwoch und Freitag. Es sei denn, Emma setzt noch andere Proben zwischendurch an. Heute ist Montag und ich bin nachher in Rosdorf im Gemeindehaus.

Da für mich vormittags der Dienst zu Ende ist, nutze ich die Möglichkeit, Juliana zu besuchen. Juliana hat einen sehr erfolgreichen Catering Service und ist über die Grenzen von Göttingen hinaus bekannt.

„Schön, dass du für drei Monate wieder zu Hause bist.“ „Ich freue mich auch.“ „Wie ist denn der Bulle, dem du zugeteilt bist.“ „Du wirst es nicht glauben, es ist Victor.“ „Ist der nicht beim Bundeskriminalamt?“ „Meinetwegen, meint er, hat er um Versetzung in den normalen Polizeidienst gebeten.“

„Das kann ja heiter werden.“ Ich erzähle ihr, dass ich ihn zu Emmas Proben eingeladen habe. „Pass auf, Emma kriegt ihn schon hin,“ und sie zwinkert mir zu.

Juliana kann bei der heutigen Probe nicht dabei sein, weil sie sich Gedanken um ein Essen, was für irgendeinen Politiker ist, machen muss. Er hat zweihundert Gäste privat eingeladen.

Ich schaffe es noch rechtzeitig zur Probe, da ich in der Stadt ein bisschen shoppen war. Allerdings habe ich nichts Schönes gefunden und bin ohne Beute abgezogen. Axel und Sophia sind schon da. „Na wie ist der Bulle, an dessen Seite du arbeiten sollst.“ „Es ist Victor.“ „Na das ist ja toll. Ich freue mich für dich, immerhin kennst du ihn.“ „Er hat gleich Regeln festgelegt mit blablabla Ermittlungen und so.“ „Ich fand schon letztes Jahr, dass ihr ein tolles Paar abgebt.“ „Sophia sei nicht immer so verträumt. Er sieht gut aus aber er hat einen eigenwilligen Charakter.“ Leider erspähe ich Mathilde zuerst. Im Geiste denke ich mir, dass ich mir dieses Mädchen dreimal die Woche für drei Monate ansehen muss.

Sie ist für ihre Verhältnisse recht schlicht gekleidet. Heute hat sie einen grünen Overall an. Die Schuhe von Freitag, die ja lila sind. Ein geblümtes Kopftuch ziert ihren Kopf.

Unser flotter Otto ist heute auch da. Er war zu Kindheitstagen in Juliana verknallt. Ich schlendere auf ihn zu. Von den Klamotten her würde er zu Mathilde passen aber Otto hat ein sonniges Gemüt. „Hallo Otto, wie geht es dir.“ „Hi Lara, soweit ganz gut.“ „Warum nur soweit?“ „Mathilde macht mir schöne Augen. Ich komme da nicht drauf klar.“ „Die ist ganz schlimm, weißt du eigentlich, dass sie Lutz gebumst hat.“ „Wie? Ich dachte sie wäre noch Jungfrau. Das würde sie ja noch interessant machen.“ „Weit gefehlt. Lass bloß die Finger von ihr. Nicht, dass sie dir noch ein Balg unterjubelt und du sie heiraten musst.“

Emma betritt den Raum und alles ist schlagartig still.

Von der Probe bekomme ich so gut wie nichts mit, da ich in Gedanken bei meinem Dienst bei der Polizei bin. Ich habe überhaupt keine Vorstellung, wie das alles laufen soll.

Nach der Vorstellung sammelt sich alles um Emma. Renee lechzt meine Mutter an und die beiden unterhalten sich lebhaft. Soll sie ihn doch in ihre Proben integrieren, dann käme er auf andere Gedanken. Nach der Probe lädt Emma zum Umtrunk ein.

Als der ganze Zirkus vorbei ist, fahren ich mit meinem Roadrunner nach Hause. Hinten im Haus fragt mich Renee, ob wir vielleicht einen Liebesfilm ansehen wollen. Danach steht mir zwar nicht der Kopf aber wir können uns auf etwas Lustiges einigen. Wir sehen uns den rosaroten Panther mit Peter Sellers und Capucine an.

Ich stehe vorsichtshalber um halb sechs auf, da ich auf keinen Fall zu spät kommen möchte.

Für den ungewollten Einstand bei der Polizei habe ich mir überlegt, ob ich Schnittchen oder so etwas mache. Auf dem Weg halte ich beim Bäcker in Dramfeld an und kaufe dort Brötchen. Beim Schlachter muss ich hinten klingeln, da er sein Geschäft noch nicht geöffnet hat. Dort decke ich mich mit Thüringer Mett, Salami und weiteren Wurstsorten ein. Da haben dann die Vegetarier leider Pech, ich kann es nicht ändern.

Um halb acht treffe ich beim Revier ein. Ich begrüße Daniel und der verlangt doch allen Ernstes, dass ich meinen Ausweis zeigen soll. Kann der Mann sich denn nicht an mich erinnern? Als das geschehen ist, lässt er mich passieren.

Ich warte oben im Flur, da die Tür zu Victors Büro abgeschlossen ist. Ein Kollege sieht mich voll beladen da warten und bietet mir an, doch bei ihm im Büro Platz zu nehmen, bis Victor da ist. „Ich bin der Rainer. Habe ja schon eine ganze Menge von ihnen gehört.“ „Ich hoffe nur nettes.“ „Schleppen sie immer so viel zur Arbeit mit?“ „Ich wollte mit dem hier meinen Einstand geben.“

„Das ist eine nette Geste. Kommen sie mit zu unserem

Aufenthaltsraum, dann kann ich ihnen beim Auftischen helfen.“ Ich bin über so viel Freundlichkeit gerührt.

Dass ich meinen Einstand gebe, macht sofort die Runde und der Raum ist überfüllt. Alles freundliche Menschen, bis auf Victor. Als er um halb neun den Raum betritt, erfüllt sofort Schweigen den Raum.

„Was ist denn hier los, haben sie nichts weiter zu tun, als hier Kaffee zu trinken.“ Rainer erklärt ihm die Situation. „Frau von Lichtenberg, kommen sie sofort in mein Büro.“ Von den Kollegen werde ich mittleidig angeschaut, aber Dienst ist Dienst und ich werde bestimmt nicht noch mehr schlechte Laune auf mich übertragen lassen.

„In Nikolausberg wurde eine ältere Dame ausgeraubt. Sie können mich begleiten, wenn sie wollen.“ Ich will. Und keine fünf Minuten später sind wir auf dem Weg in die Tiefgarage, um zur alten Dame zu fahren. „Ich würde an ihrer Stelle ihr Schuhwerk überprüfen. Sie sind hier nicht auf dem Laufstieg. Eins soll ihnen gesagt sein, wenn sie nicht schnell genug an meinem Dienstwagen sind, fahre ich in Zukunft ohne sie ab.“ Versnobter Mistkerl, denke ich mir. Ich habe keine flachen Schuhe. „Ich überlege mir das mit den Schuhen. Allerdings muss ich mir extra welche kaufen.“ „Sie werden ja wohl ein Paar Turnschuhe oder so etwas in der Art haben.“ Ich grinse ihn an und verneine. Victor schüttelt nur den Kopf. Was soll das denn wieder heißen.

Eine halbe Stunde später sind wir bei der genannten Adresse.

Uns wird die Tür von einem Butler geöffnet und wir werden in das Wohnzimmer geführt, wo auch die Frau im Sessel auf uns wartet. „Ich habe gedacht, sie würden gleich mit voller Besatzung erscheinen,“ begrüßt sie uns. „Da mir ihr Angestellter mitgeteilt hat, dass hier eingebrochen wurde, aber nichts angerührt wurde, wollte ich als erster sie befragen. Die Spurensicherung ist schon auf dem Weg hier her.

Ihr Angestellter versicherte mir, dass nichts angerührt wird.“ „Der gute alte Adam, treu wie immer.“

Victor stellt fest, dass nur hochwertige Antiquitäten gestohlen wurden. Unter anderem Werke von Salvatore Dali.

Victor spricht mit der alten Dame, die eine Gräfin ist und den Titel Gräfin von Reinhausen trägt. Sie beantwortet Victor seine Fragen. Es klingelt und die Spurensicherung ist eingetroffen. Das allerdings scheint für die Gräfin ein bisschen zu viel Aufregung und sie fängt an zu zittern und zu weinen. Die Arme tut mir leid und ich gehe zu ihr, da sie ein wenig verloren wirkt. Victor unterhält sich mit einem von der Spurensicherung.

Ich frage sie, ob sie einen Tee trinken möchte, der beruhigt in der Regel. Ich sitze bei ihr und tröste die gute Frau. Ich halte ihre zarten gebrechlichen Finger und rede ganz ruhig auf sie ein. Dabei scheint sie sich zu beruhigen.

Eine Stunde später sind wir wieder auf dem Weg zum Revier. Die Spurensicherung bleibt noch da.

„Wer tut so etwas einer alten netten Dame nur an.“ „Vor allem scheint es sich um einen Serientäter zu handeln. Keine Einbruchspuren vorhanden und es werden gezielt nur Gemälde entwendet.“ „Der wievielte Einbruch war das denn jetzt.“ „Der Täter schlägt unregelmäßig zu. Circa einmal im Monat. Und nicht nur in Göttingen, sondern auch in der großflächigen Umgebung.

Ich habe mich mit den Kollegen schon ausgetauscht. Bei Abgleichungen haben wir festgestellt, dass es höchstwahrscheinlich der gleiche Täter ist.“

Auf dem Revier angekommen, erledigt Victor den Papierkram. Mein Handy klingelt. Scheiße, ich werde böse von ihm angeschaut. „Ich muss leider rangehen. Es ist meine Mutter.“ Zum Telefonieren gehe ich aus dem Zimmer.

„War es wichtig.“ „Bei meiner Mutter ist immer alles wichtig. Sie wollte mir nur sagen, dass sie eine zusätzliche Probe für heute angesetzt hat, da sich ein neues Mitglied in ihrem Ensemble vorstellen wird.

Wenn sie Lust haben, sind sie herzlich eingeladen.“ „Schauen wir mal, welche Uhrzeit.“ „achtzehndreißig.“ Er grummelt irgendwas vor sich hin, ich verstehe kein einziges Wort.

Der Tag ist bis Dienstende nicht mehr ereignisreich. Es passiert gar nichts mehr. Nach Feierabend fahre ich in die Stadt, um mir ein Paar flache Schuhe zu kaufen. Ich endscheide mich für Stiefelletten mit einem breiten fünf Zentimeter hohen Absatz. Die werden ja wohl flach genug sein.

Ich schaffe es gerade rechtzeitig. Renee unterhält sich mit meinem Dad. Plötzlich geht die Tür auf und Victor füllt den Raum. Damit hätte ich nie im Leben gerechnet. Renee erblickt ihn zeitgleich und stürmt auf mich zu. „Wer ist denn dieser gutaussehende Riese.“ „Das ist Victor Zlatko, du weißt schon, der Polizist.“ „Das ist ja eine echte Augenweide.“ Ich verdrehe die Augen. Armer Victor. Ich gehe zu ihm und stelle ihn als erstes meiner Mutter vor.

Emma reißt den armen Mann sofort an ihre Brust und schreit „das ist schön, dass sie gekommen sind. Lara hat mir nichts davon gesagt.“ Ich verdrehe die Augen. Der Ärmste wird abgeknutscht, als wäre er ein verschollenes Mitglied der Familie. Gleich läuft er weg. Das hält kein Mensch aus. Dann stelle ich ihm Dad und Renee vor. Renee hat heute eine himmelblaue Hose und ein goldenes T-Shirt an. Seine Schuhe sind goldene Westernstiefel. Außerdem verhält sich Renee, wie aus einem Film. Ich meine, ich kenne viele Schwule, aber man merkt es ihnen nicht an. Anders ist es bei Renee. Seine Darbietung ist Oskar reif. Sophia und Axel kennt er. Die muss ich nicht vorstellen.

Ich bin von der Situation so gefangen, dass ich Mathilde erst jetzt erblicke. Was ich lieber nicht getan hätte. Heute trägt sie ein Wollkleid in rot. Ihr Füße, ich weiß nicht, ob ich lieber Mauken oder Quanten sagen soll, sehen noch größer aus, als sonst. Das sieht lustig aus, da Mathilde höchsten ein Meter fünfundfünfzig groß ist. Naja, die Füße werden von Holzschuhen verhüllt und zwar so welche, wie es Frau Antje in der Werbung für Butter trägt. Quasi holländische Holzschuhe. Mathildes Figur ist nicht schlank, sondern eher dürre. So zu sagen ein Brett als Figur.

Das neue Mitglied heißt Christiane und wirkt sehr freundlich. Emma kreischt alle Schauspieler an, dabei hält sie Marvin, ihren Mops, auf den einen Arm, in der anderen Hand hält sie eine Zigarette und fuchtelt wild durch die Luft, um Anweisungen zu geben. Zum Glück steht keiner in ihrer Nähe.

Aus den Augen beobachte ich Victor und stelle fest, dass er sich amüsiert. Renee himmelt ihn an und der Sabber läuft ihm aus seinem Mund. Och man, Renee. Er ist doch heterosexuell.