Lasst unsere Kinder spielen! - André Frank Zimpel - E-Book

Lasst unsere Kinder spielen! E-Book

André Frank Zimpel

4,8

Beschreibung

The study of neurobiological cognition has proved the importance of playing on human brain development. But what does this mean for the education of our children? How does playing affect the learning process and the attention of children? Is it possible to draw conclusions for their next developmental stage from the way children play? And how is playing related to reasoning and perception?André Frank Zimpel devotes himself to such central problems. He not only demonstrates the way children develop the ability to imagine things, he also provides instructions to effectively support this development. All imagined playing situations form heralds for developing mind capacities, which are necessary to survive in modern society.

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FRÜHE BILDUNGUND ERZIEHUNG

Vandenhoeck & Ruprecht

André Frank Zimpel

Lasst unsere Kinder spielen!Der Schlüssel zum Erfolg

Mit 9 Abbildungen und einer Tabelle

4. Auflage

Vandenhoeck & Ruprecht

Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in derDeutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sindim Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-647-99618-9

© 2016, 2011, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Theaterstraße 13, D-37073 GöttingenVandenhoeck & Ruprecht LLC, Bristol, CT, U.S.A.www.v-r.de

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlichgeschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällenbedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages.

Satz: SchwabScantechnik, GöttingenEPUB-Erstellung: Lumina Datamatics, Griesheim

Inhalt

Vorwort

Einleitung

Teil I: Spiel befreit das Denken von der Wahrnehmung

Ein Garten für Kinder

Die Entdeckung des Spiels als Bildungswert

Ein Platz zum Spielen · Erziehen und Gärtnern · Traumatische Erziehungserfahrungen · Wissenschaft in Windeln

Erziehung ohne Grenzen

Die Macht der Rückmeldung

Klassische Konditionierung · Operante Konditionierung · Grenzen der Verstärkung · Computerspiele

Wenn Spiel ernst ist

Geistige Nahrung für das Gehirn

Selbstständigkeit · Spielen, Lernen und Arbeiten · Ernstspiel · Sensible Phasen · Polarisation der Aufmerksamkeit

Luftschlösser und Traumwelten

Welchen Wert hat das Spiel als Ersatzhandlung?

Senso- und Mnemomotorik · Die Macht des Irrealen · Aufforderungscharaktere · Sättigung · Ersatzwert als Abstraktion

Teil II: Spiel zeigt die nächste Entwicklungsstufe

Ich-zentrierte Kinder

Die Balance zwischen Wunsch und Erfahrung

Egozentrismus · Entwicklungsstufen als Äquilibration · Spiel als Assimilation · Nachahmung als Akkommodation

An sich, für andere, für mich

Die Zone der nächsten Entwicklung

Warum Kinder gar nicht so egozentrisch sind · An und für sich · Spiel als Zone der nächsten Entwicklung · Ungleiche Zwillinge · Wünsche als Vorboten wachsender Fähigkeiten

Teil III: Spiel und das Optimum der Aufmerksamkeit

Der Fantasie Flügel verleihen

Objekt-, Sujet- und Rollenspiele

Das kooperative Gehirn von Säuglingen · Vorsprachliche Objektspiele · Zeigegesten und Gebärdensprache · Von Menschenaffen und Menschenkindern · Sujet- und Rollenspiele

Trotzig oder selbstbewusst?

Spielstufen und Übergänge

Beziehungskommunikation · Trotzreaktionen und Spiel · Vom Körperselbst zum Ich-Gefühl · Sensorische Integration im Rollenspiel · Spielstufendiagnostik

Nichts weggenommen – nichts hinzugetan

Wiederholung, Aufmerksamkeit und Auffälligkeit

Was Vorschulkindern richtig schwer fällt · Worin Vorschulkinder unschlagbar sind · Geistige Entwicklung im spieltheoretischen Modell · Metakompetenzen für bildungshungrige Kinder

Nachwort

Anmerkungen

Personenverzeichnis

Stichwortverzeichnis

Vorwort

Wenn Kinder nicht mehr frei und unbekümmert spielen können, so ist das ein untrügliches Anzeichen einer schweren Störung. Zu suchen ist diese Störung allerdings nicht bei den Kindern, sondern bei denjenigen Personen, die den Kindern ihre angeborene Lust am freien, unbekümmerten Spiel geraubt haben.

Es wird noch einige Zeit dauern, bis diese Erkenntnis bei allen Eltern und Frühpädagogen angekommen ist. Zu tief und zu fest hat sich die Überzeugung in die Hirnwindungen der meisten Erwachsenen eingefressen, dass Kinder so früh wie möglich und so effizient wie möglich auf die Anforderungen unserer gegenwärtigen Leistungsgesellschaft vorbereitet werden müssen. Aber Kinder funktionieren nicht wie Maschinen. Und das kindliche Gehirn ist auch kein Computer, den es möglichst effizient zu programmieren gilt, oder gar so etwas wie ein leeres Fass, das mit möglichst viel Wissen abzufüllen ist. Wer das glaubt und den Kindern deshalb immer früher und immer intensiver all das beizubringen versucht, worauf es seiner Meinung nach heutzutage ankommt, hat sich einen fatalen Knoten in seine Gehirnwindungen gebaut. Nicht absichtlich, sondern aus Sorge und Angst um die zukünftige Entwicklung seiner eigenen oder der ihm anvertrauten Kinder. Angesichts des wachsenden Leistungsdrucks und des immer früher einsetzenden Wettbewerbs um gute Zensuren und Abschlüsse ist diese Angst verständlich: Aber wer Angst hat, kann nicht mehr klar denken, der wird anfällig für alle möglichen Angebote und Versprechungen, der sieht nicht mehr das jeweilige Kind mit seinen Bedürfnissen und all dem, was es an Begabungen in sich trägt. Der sieht allzu leicht nur noch das, was es noch nicht kann und was ihm deshalb noch beigebracht werden muss. Und der versorgt dann sein Kind so gut wie möglich mit allem, was an Lernförderungsgeräten, -kursen und -programmen angepriesen wird, bis das Kinderzimmer voll gepackt ist mit all diesen Gerätschaften und der Tagesablauf ausgefüllt ist mit all diesen Kursen und Programmen.

Aber wie soll aus Kindern, die auf diese Weise abgefüllt werden, jemals etwas Eigenes herauskommen? Wann finden solche Kinder noch Gelegenheit, sich selbst etwas auszudenken, etwas selbstständig zu entdecken oder aus sich selbst heraus etwas zu gestalten?

Der Erfahrungsraum, in dem all das möglich wäre, wo sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen können, wo sie sich und ihre Möglichkeiten erkunden, ihre eigenen Fähigkeiten erproben, ihrer Entdeckerfreude und Gestaltungslust unbekümmert und absichtslos nachgehen können, ist das freie Spiel. Nur dort, wo Kinder frei und unbekümmert spielen können, haben sie Gelegenheit, die in ihnen angelegten Potenziale zu entfalten. Aus sich selbst heraus und mit der damit einhergehenden Begeisterung über sich selbst.

Es hat lange gedauert, bis die Entwicklungspsychologen und Verhaltensforscher diese besondere Bedeutung des Spiels verstanden haben. Sie besteht nicht darin, später im Leben benötigte Fähigkeiten und Fertigkeiten einzuüben und zu trainieren, wie man das bisher geglaubt hatte. Die Bedeutung des freien Spiels dient bei kleinen Kätzchen, bei jungen Hunden, bei Affenkindern und allen anderen lernfähigen Tieren darin, das Spektrum der eigenen Möglichkeiten zu erkunden und zu erproben, also kennenzulernen, was alles geht und was alles möglich ist. Im freien, unbekümmerten und nicht von Erwachsenen gelenkten Spiel lernen all diese Tierjungen und natürlich erst recht unsere Kinder sich selbst im eigenen Handeln und im gemeinsamen Handeln mit anderen kennen. Wer Kindern diese Erfahrungen vorenthält, behindert sie an der Entfaltung der in ihnen angelegten Potenziale.

Es ist höchste Zeit, dass sich diese Erkenntnis unter Eltern und Pädagogen ausbreitet. Deshalb bin ich sehr froh, dass André Frank Zimpel dieses Buch geschrieben hat. Ich kann nur hoffen, dass es möglichst viele Leser findet.

Göttingen, Februar 2011

Gerald Hüther

Einleitung

Kinderspiele gab es schon zu allen Zeiten: Wurf- und Kieselspiele, Puppenwagen und Tiere mit Rädern sowie Würfel- und Ballspiele sind immer wieder Funde in archäologischen Ausgrabungen. Schon aus der Antike sind bildliche Darstellungen von Blindekuh, Huckepack, Ringelreihen und Verstecken überliefert.

Neben universellen Spielzeugen gibt es jedoch auch Spielzeug, das vom jeweiligen Zeitgeist abhängt. So wie sich die Informationsgesellschaft als Spielzeugcomputer und -telefon im Kinderzimmer wiederfindet, so spiegeln mechanische Tiere zum Aufziehen das 18. Jahrhundert als Zeitalter der Uhrwerke und die Spielzeuglok das 19. Jahrhundert als Zeitalter der Dampfmaschinen wider.

Im Prinzip hat sich am psychologischen Charakter des Spiels in den vergangenen Jahrhunderten nichts Wesentliches geändert. Neu ist jedoch, dass neurobiologische Erkenntnisse die Bedeutung dieser psychologischen Wirkung des Spiels auf die Entwicklung des Gehirns belegen. Von diesen Erkenntnissen und ihrer Bedeutung für die Bildung und Erziehung soll dieses Handbuch handeln.

Die folgenden Thesen gliedern den Text in drei Teile:

1. Spiel befreit das Denken von der Wahrnehmung.

2. Spiele zeigen die nächste Entwicklungsstufe an.

3. Spielen optimiert das Verhältnis von Aufmerksamkeit und Lernen.

Warum ist es gerade jetzt so wichtig, sich dieses Themas anzunehmen? Der Grund sind zwei aktuelle Tendenzen, die uns nachdenklich stimmen sollten: erstens die Entdeckung der Kinder als Konsumenten − nicht nur durch die Spielzeugindustrie − und zweitens die übersteigerten Bildungsansprüche vieler Eltern, die eine kindgemäße Entwicklung verhindern.

Viele Kinderzimmer sind mit zu viel Spielzeug vollgestopft. Den Kindern fällt es immer schwerer, sich in ein Spiel zu vertiefen. Kaum nehmen sie ein Spielzeug in die Hand, schon lenkt sie das nächste wieder ab. Das viele Spielzeug in Kinderzimmern hat einen beständigen Aufforderungscharakter. In vielen Kindergärten führt man deshalb schon spielzeugfreie Tage ein.

Schlimmer noch ist der durch Werbung forcierte Gruppendruck auf den Erwerb von Trendspielzeugen. Wie Markenkleidung werden sie zu Statussymbolen stilisiert. Dieser Druck wird dann von den Kindern an die Eltern weitergegeben. Geben diese nicht nach, kann es passieren, dass sie erleben müssen, wie ihr Kind von anderen Kindern ausgegrenzt wird.

Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite nehmen Bildungsangebote für Kinder zu: Englisch und Chinesisch im Kindergarten, Klavier- und Ballettstunden in der Grundschule. Wer sich diese Angebote nicht leisten kann, läuft Gefahr, ein schlechtes Gewissen zu entwickeln. Eltern vergessen dabei, dass Lernen nur fruchtbar sein kann, wenn es in kindgemäße Spiele einfließt.

Sowohl die Tendenz, die Bedeutung des Spiels über Konsumterror zu überhöhen, als auch die Gegentendenz, das Spiel durch verfrühte Bildung zu verdrängen, wirft eine dringende Frage auf: Worin besteht der eigentliche, unverfälschte Sinn des Spiels und ist Spielen in der Wissens- und Informationsgesellschaft überhaupt noch zeitgemäß?

Die Antwort, die das Buch gibt, ist einfach, aber folgenreich: Der Sinn des Spiels besteht darin, die Fantasie zu entwickeln. Kinderspielsachen sind eigentlich Gedächtnisstützen. Wenn zu viel Spielzeug da ist, ist die Fantasie nicht mehr gefordert. Die Reizüberflutung führt dazu, dass der eigentliche Effekt des Spielens ausbleibt.

Ziel des Buches ist es, zu zeigen, wie Kinder beim Spiel die Fähigkeit entwickeln, sich Dinge gedanklich auszumalen, und wie man sie dabei effektiv unterstützen kann. Kinder erfüllen sich in eingebildeten Situationen ihre Wünsche. Diese Wünsche sind wichtige Vorboten sich entwickelnder geistiger Fähigkeiten, ohne die ein Leben in unserer Gesellschaft nicht denkbar wäre.

Teil I: Spiel befreit das Denken von der Wahrnehmung

Ein Garten für Kinder

Die Entdeckung des Spiels als Bildungswert

Ein Platz zum Spielen

Glückliche Kinder spielen. Bei genauer Betrachtung erweist sich ihr Spiel jedoch als ein ziemlich wunderliches Verhalten. Selbstvergessen bewegen sie sich in einem Kokon aus Hirngespinsten: Mit Kreide gezeichnete Linien gelten ihnen als unüberwindbare Mauern, Äste dienen ihnen als Laserschwerte, Sand kredenzen sie als leckere Speise, Blumenkränze tragen sie wie die diadembesetzte Krone einer verwunschenen Feenprinzessin und Steine steuern sie über den Boden im Sandkasten, als handele es sich um Unterseeboote, die sich ihren Weg durch bizarre Korallenriffe bahnen.

Zwar stehen die Kinder mit einem Bein in einer weltfremden Fantasiewelt, in der sie als Fernsehansager, Indianerhäuptling, Detektiv oder Zauberer agieren können, ihr anderes Standbein bleibt jedoch die nüchterne Einschätzung der gegebenen Bedingungen ihres Handelns. Fragt man sie danach, zeigt sich, dass ihnen vollkommen klar ist, dass der Sandkasten kein Korallenriff und die gespielte Feenprinzessin nicht wirklich verwunschen ist.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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