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Zwölf Uhr mittags und brütende Hitze an Etzels Hof im Hunnenland. Zwei Männer am Tor, Gunter und Hagen, die darauf warten eingelassen zu werden. Auf der anderen Seite steht Kriemhild, die vermeintliche Gastgeberin, und zaudert. Soll sie sich wirklich an den Männern rächen, die ihren geliebten Mann Siegfried ermordet haben? Oder wiegt die Erinnerung an eine glückliche Kindheit mit ihrem Bruder Gunter schwerer? Unterdessen tragen auch Gunter und Hagen Kämpfe untereinander aus, die sich seit langem angestaut haben. Das Duell bleibt in der Schwebe, die Tore vorerst verschlossen. Vor dem Blutvergießen steht die Erkenntnis, wie es so weit kommen konnte und die Frage nach einer Möglichkeit, das Unglück abzuwenden. Aber hat es diese Möglichkeit je gegeben? Oder sind die Figuren, die sich allesamt mit Schuld beladen haben, zu sehr in ihrem Fatalismus gefangen, ist die Geschichte zu groß für eine Umkehr aus eigenem Willen geworden? LAST EXIT: HUNNENLAND wurde mit dem 1. Preis des Autorenwettbewerb der Nibelungen-Festspiele ausgezeichnet.
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Seitenzahl: 32
Veröffentlichungsjahr: 2018
Maximilan Lang
Last Exit: Hunnenland
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1 D | 2 H
PERSONEN
HAGEN
GUNTER
Mittag. Vor Etzels Hof.
Die Sonne brennt. Gleißendes Licht.Kriemhild steht am Fenster. Hagen kommt, stützt sich auf seinen Schild, blickt sich um.
Im Hintergrund eine Reihe von Soldaten.
HAGEN
Dass wir auch wirklich
hergekommen sind.(Blick in die Richtung, aus der er gekommen ist:)Was macht der.
(Blick auf die Soldaten:)So freundlich schauen die drein.Als würden sie uns gleich den Tee
servieren.
Und den Kuchen.
Wasser wäre gut.Nach der Fahrt.Wo bleibt der.
Die ganze Fahrt lang:„Endlich, endlich wird
alles gut.Du wirst schon sehen, Hagen.Wirst sehen.“
(Kopfschüttelnd, leise:)
Na, Kriemhild.So viele Jahre her.Wir sind gekommen.Wie du es wolltest.Jetzt sind wir da.Und warten.
(Wieder in jene Richtung:)Gunter!Kann wohl vor lauter Freude
den Weg nicht finden.„Wird alles gut, mein Lieber.Alles. Mach dir keine Sorgen.
Du und deine ständigen Sorgen.Sei mal locker, Hagen.Entspann dich.Wird alles gut.“Ach.
(Blick zu den Soldaten:)Die stehen unbeweglich, als hätte man sie
angeklebt.
Ein riesiger Haufen.„Wie lange braucht es noch?Sind wir schon da?Fahrt schneller!“Mein Gott.„Sie hat doch längst alles
vergessen, ist doch lange her,
Schwamm drüber,
da ist so viel
Moos drüber gewachsen.“(Sarkastisch) Jaja.Viele Jahre.Viel Zeit zum Denken, Planen.Viel Zeit für die perfekte
Rache.
(Gunter kommt, erträgt einen Stapel Geschenke vor sich her:)
HAGEN
Na endlich.
GUNTER
Schwester, wo soll ich die Geschenke hintun?Kriiiemhild!Wo bist du, liebe Schwester?Niemand da?(Zu den Soldaten:) Ihr da, sagt mir, wo ich meine Schwester finde,
die Königin, hört ihr nicht?Wisst ihr, wer wir sind?Holt sie, ich befehle es!Ihr seid die Untertanen meiner Schwester,
also auch meine, Marsch, holt sie her!
KRIEMHILD
Gunter.
GUNTER
Ja ist denn das die -
Himmel Herrgott, Kriemhild!Verstehst ihr mich denn nicht?Woher soll ich denn eure Sprache sprechen,
ihr Kerle ihr!Schwester. Königin. Eine Krone.Ein Zepter. Kö-ni-gin!Versteht Ihr das denn nicht!
(Die Soldaten machen einen Schritt nach vorn.)
KRIEMHILD
Sie rücken vor.
GUNTER
Was macht ihr denn da!
HAGEN
Der dumme Mann.
GUNTER
Was fällt euch ein, Ihr!Sind extra den ganzen Weg
hierher und dann sowas!Bringt mir wenigstens was zu trinken, hört Ihr!Durst! Trinken!Ich habe Du-r-s-t!Kein Verständnis.Dumme Leute.
HAGEN
Versuchs nur weiter, alter Mann.
KRIEMHILD
Hat auf Hagen
nicht gehört, zum Glück.
HAGEN
Geht herum
wie ein verwirrter Hund.
GUNTER
Also dann stell ich die Sachen
eben hierher.
Wie heiß es ist.Hat wohl grad zu tun, die liebe Kriemhild.Hagen!
HAGEN
Hab immer alles gesehen, gehört, gefühlt,
im Voraus, wie bei dieser Reise.
Die Vorzeichen waren schlimm.
Alles war schlimm.
Dann nennt mich irgendjemand einen Feigling.
Und ich geh mit!
Wider jede Vernunft.
Wider jeden Geist,
obwohl, ich habe mich ja -
GUNTER
Hallo, Kriemhild!
HAGEN
Dem Dummkopf da verschrieben
und muss ihn jetzt beschützen.
GUNTER
Na gut.Andere Länder, andere Sitten.
Ist wohl üblich so hier.Ihr seid die Hitze gewöhnt!Wir nicht.Aber gut, ich kann warten.Meine Schwester ist wahrscheinlich aufgeregt,
macht sich zurecht, um ihren Bruder
nach sieben Jahren zu empfangen.
KRIEMHILD
Wie kühl es ist.
HAGEN
Diese Hitze.
KRIEMHILD
Wie von den Zehenspitzen
bis zur Nase alles kalt ist.
HAGEN
Und jetzt, Kriemhild?
