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Neue Texte und Fotografien von: Markus Bundi | Margrit Brunner | Hedy Brusa | Sabina Costede | Nikolaus Cybinski | Peter Frömmig | Zsuzsanna Gahse | Leonor Gnos | Irena Habalik | Markus Manfred Jung | Ingeborg Kaiser | Brigitta Klaas Meilier | Gianni Kuhn | Ana Lang | Romie Lie | Gabriele Loges | Elsbeth Maag | Gertrud Maria Macher | Doris Mauthe | Nana Pernod | Albrecht Rasche | Jürgen Rebmann | Dominik Riedo | Peter Salomon | Elmar Schenkel | Jürgen Stelling | Elisabeth J. Stirnimann | Rainer Stöckli | Inge Straub.
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Seitenzahl: 83
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Der Mensch, der seine Verbindung mit den Göttern verloren hat, weiß keinen andern Ausweg mehr, die Vereinzelung aufzuheben, the last exit: poetry. (Wolfgang Rohner-Radegast)
POESIE
Gertrud Maria Macher,
Frage
Markus Bundi,
Zuckerwatte und Lebkuchenherz
Ana Lang,
Nomade sein
Ingeborg Kaiser,
altersruh
romie lie,
neue poesie
Zsuzsanna Gahse,
Großkörper
Irena Habalik,
Wenn Tausende ertrinken
Doris Mauthe,
Notate zum Tage
Nana Pernod,
Wasserfallnacht
Gabriele Loges,
Gefunden
Leonor Gnos,
Tagestöne
Nikolaus Cybinski,
Einige Aphorismen aus einem alten Kopf
Peter Salomon,
Aus meinem Stundenbuch
Gianni Kuhn,
Amplifikationen
Elsbeth Maag,
Neue Gedichte
Margrit Brunner,
kein satz ohne sehnsucht
Brigitta Klaas Meilier,
Fundsachen
Hedy Brusa & Elisabeth J. Stirnimann,
herbeigeträumt
Markus Manfred Jung,
Alemannische und hochdeutsche Gedichte
Peter Frömmig,
Schnellbahn
Jürgen Stelling,
Die Schlieren der Dämmerung
Elmar Schenkel,
In der Hand
Kevin-Rick Doß,
Fremde
FOTOGRAFIE
Jürgen Rebmann,
Industrie-Impressionen
Sabina Costede,
Fotografische Fundstücke
Inge Straub,
Die Poesie der Kombinationen
ESSAY
Albrecht Rasche,
Einige Gedanken zum Thema »Fotografie und Text«
Rainer Stöckli
, »Wer ist du?« – »Ich ist ein Anderer!«
Übers Abbilden seiner selbst in Malerei, Graphik, Photographie seit 1900
25 Fragen zur Poesie, zur Zeit, zur Person: Dominik Riedo
was tun rosen
in der badewanne
sie machen sich frisch
für dich
*
nicht dass er sich schämt
zum durchschnitt
zu gehören
der haftet an ihm
seit seiner kindheit
*
sommers
unter dem regen
verstreut die wandrose
ihr letztes lächeln
und niemand
zählt die blätter
milchglanzmorgen –
du sagst das erste wort
ich ringe nach einem satz
unsere uns vertrauten gestalten
sind die umgebende welt
immer noch
*
kleinlaut –
mein volk aus wörtern
rudert durch trübe tage
gleich flüchtlingen
sind sie da
ungewollt
*
sehe
die verschwindende sonne
am Ilmpark
höre
Goethe
ist noch da
allumfänglich
noch träumt mir
von sommers glut
vom buch
mit unserer schrift
wohlgeordnet
nein –
ich schlage ein tuch
über feuer und sprachspiel
ein papierenes schloss
brennt leicht nieder
*
wenn er den seidenen schal ablegt
riecht es anders um mich
als sässe der duft
auf fingerspitzen
und macht verlegen
*
herzhaft
tanzt laub
im herbstwind
willst es anhalten
wie ein jüngling seine geliebte
was verweht
der wind –
weniger als nichts –
bewegte schattenmuster
am haus
drinnen
schreibt es jemand auf
*
mit uns
schlüpft die zeit
in herzritzen
wir atmen
bücherstaub
für den hunger
gegen den durst
*
strassen
die mit sich
alleine sind
verbinden
wo sonst
kämen wir hin
freund
gräbst
du dich
in asche
für mich
brennst du
immer
*
jage im herbstwind
den blättern nach –
jemand ruft:
kindskopf
*
schatten
sammelt sich
im verwesenden laub
wind streift
blasse wangen
von einem
der von letzten dingen spricht
gegen das ziehende licht
im weiss
am unteren rand
steckt ein wort
allzu höflich
kein satz
heute nacht
kümmert sich meiner
am unteren rand
*
tauperlen im gras
und weite im blick
erheiterndes
bleib
ein schattenriss
gräbt mir
die sprache der halme
zu früh ins dunkle
I.
Ich habe etwas im Kopf, von dem ich nicht weiß woher es kommt, etwas, das mich bewegt, mich antreibt, doch ich weiß nicht, wohin und wozu ohne Zweifel habe ich etwas im Kopf, das sich bewegt und mir keine Ruhe lässt, was es auch immer ist, es hält mich auf Trab, womöglich ist es Zeit, denn es streunert, treibt sein Unwesen in meinem Kopf, etwas zeitigt sich, ha! Habe gehört, dass es vergeht, dass sie vergeht, die Zeit etwas ist, das sich nicht aufhalten lässt, weil sie ist, etwas ist, das zugleich nicht ist, sich im Verstreichen erst bemerkbar macht, stets entwischend ein Scheibenwischer, der seinen Dienst tut, ohne dass ich einen Knopf gedrückt hätte, wie ich auch nichts für den Regen kann; er fällt oder fällt nicht das ist Augenwischerei! – Wirkt das Klima, hat die Zeit längst eingesetzt, behauptet sich als unumgänglich, immerzu die Fortsetzung des Augenblicks, uneinholbar. – Das ist es doch, was ich im Kopf hatte und noch immer habe, den Schein und die Notwendigkeit …
II.
… einer Fortsetzung, weil daran das Leben hängt, was aber doch wieder auf dasselbe hinausläuft, auf dieses Etwas, das ich habe, über das ich mich in Worten und Fetzen erschöpfe, die alle mit Warum beginnen, obzwar es doch nicht ich war, der diese Fragen stellte jedoch von allem Anfang an deren Träger bin habe mich womöglich auf dem falschen Fuß erwischen lassen, als das Denken einsetzte oder der aufrechte Gang, gleichviel, doch das glaube ich nicht, sage ich jetzt, einerlei, denn es gibt keine Schuld, keine Verantwortung, dafür hätte ich die Möglichkeit haben müssen, nichts zu denken. Schwöre also: Ich habe etwas im Kopf wofür ich nichts kann, es denkt sich fort und manifestiert Zeit; dieses Etwas führt von vorneweg das Vergehen im Gepäck, ist das Vergehen und ist das Gepäck, und ich möchte gern wissen wer diesen Rucksack für mich packte, denn ich war’s nicht, weiß ich, sage ich jetzt, auch auf die Gefahr hin, dass …
III.
… mein Gedächtnis nicht ausreicht, ich diesen Makel eingestehen muss, nein nur mir gegenüber zugestehen müsste, andernfalls bitte ich, meiner Unzulänglichkeit überführt zu werden, mir aufzuzeigen, wann oder wo ich mich zu wenig achtete, sodass mir dies Wasauchimmer zwischen die Ohren drang. Was ich rieche oder schmecke, was ich sehe und zu begreifen versuche, ist immer etwas anderes, ist nicht das, was den Schädel zu sprengen droht; hege den Verdacht gar nie angefangen worden, ein versehentlich in die Welt gesetzter Irrläufer zu sein, und wenn dem so wäre, hätte sich dieses Etwas in mir verirrt, wäre gefangen jetzt, verzweifelt um sich schlagend … macht aber nichts, aller Wahrscheinlichkeit nach geht es nicht um mich, ich bin der willkürliche Träger von etwas, eines Etwas, daran scheinbar kein Gedanke vorbeiführt. – Was aber soll’s? Werde mich halt weiter fragen, wie mit einem Geschenk umzugehen ist, dessen Inhalt ein Rätsel bleibt und von dem ich den Geber nicht kenne.
die streifen
am himmel
ein menetekel
über der wiese
im einheitsgrün
dem dorf
zeichen
erscheinen
verwischen
und nicht mehr
zu entziffern
es sei denn
wir lernten
zu lesen
werden
wird gewesen sein
*
nomade sein
zwischen
den sätzen
durchs wortland streifen
gesammelte fragen
im mund
*
nur
einen magenta-roten
ausschnitt vom bild
will ich mir nehmen
und in deinen tag setzen
*
lesen
die augen
wandern lassen
ahnen
was ist
zwischen
wort und wort
*
morgens
um sechs
vor dem spiegel
im bad
blickst du dir entgegen
prüfst die zahnreihen
bis ein frisches wort
entweicht
dich zum lachen bringt
und mit dir
zur arbeit will
zurückgeworfen
beginnt sie zu
kritzeln nachrichten
ans leben das
sie verlor
*
vielleicht morgen
sagt die
hoffnung möchte
es glauben
zu erhoffen sei
nichts sagt
der wille
*
schwer der
zwölfmonatskelch
daraus zu trinken
tag um tag
in nächten ohne
schlaf kommen
deine worte bringen
den traum
*
suche suche nach
einer antwort
bei den dichtern
treffe suchende
*
spät geworden
nichts mehr zu
erhoffen bis
auf den traum
*
entschwinden ist wenn
du nicht mehr den
regeln folgst nichts
mehr erhoffst
erwartest entschwinden
ist freundlich und
klaglos ein
stilles fliehen
Die Formensprache der Industriearchitektur wird hier reduziert auf einfachste Strukturen (Linien – vertikal, horizontal, quer – Rundungen) und die Farbwerte Schwarz und Weiß. Durch diese Reduktion entsteht eine Poetisierung des Gesehenen. Fabrikanlagen werden – aus ihrem Kontext herausgelöst – zu fotografischen Kunst objekten, in die sich das Auge des Betrachters gerne hineinziehen läßt.
nach
der doppelstämmigen buche
und dem grenzstein
hinauf
ins land der vögel
die hundert namen des schnees
zu lernen
bei der eibe
zweigt der weg ab
führt steil
zu den ersten buchstaben
des geheimnisses
aus jeder richtung
necken mich die raben
meine sinne verwirren sich
ich lache
und stehe wieder beim grenzstein
der doppelstämmigen buche
kreist noch
der atem des schnees
in meinen gliedern
wildpferdchen versteckt
im inselland der hundert hügel
schaumspur durch lichtspindeln
du schöner mond über pupnat
dem dorf mit räuberblut
die lindenallee von blato
bin ich gegangen
doch erst in deinem schaumwurf
trinke ich
von deiner salzsprühenden weite
wir brauchen ewigkeit
das alte licht der sterne
hier wächst efeu mit pfiff. der dackel fifi ist kein weihnachtsgeschenk und kein osterhase. frau kocher teilt diese ansicht. und der mann – im bahnabteil gegenüber – scheint zuzustimmen. ausser wir wollten jetzt mit tintenblauen stöckelschuhen in die unvereinigten emirate auswandern. heiss soll es dort sein, viel sand und wenig wasser. der bahnhof ist kein meisterwerk. der mann nickt. sein hut rutscht ihm tiefer in die stirn. das unterlassen wir, und dem efeu schauen wir nicht länger zu. schliesslich betrachten wir den horizont von einer anderen seite. mit vorteil.
der schatten wurde mir vor die füsse gespült. ich konnte nichts dagegen tun, wurde nicht gefragt. spirit to go. je grösser der unrat, umso heller die perlen. nur was gut verwurzelt ist, kann wachsen. schöne sätze. vielleicht helfen sie, und ich komme bedenkenlos auf besagten gipfel.
zu kämpfen brauche ich nicht. nur zustreben. das genüge, wird mir versichert. zumal niemand um rat gebeten hat. die maus und das meer, sozusagen, wenn sie aufeinanderprallen. und über eine lebbare zukunft verhandeln müssen. weder meine, noch deine.
steht keiner zur verfügung.25
