Last Exit: Poetry # 2 -  - E-Book

Last Exit: Poetry # 2 E-Book

0,0

Beschreibung

Neue Texte und Fotografien von: Markus Bundi | Margrit Brunner | Hedy Brusa | Sabina Costede | Nikolaus Cybinski | Peter Frömmig | Zsuzsanna Gahse | Leonor Gnos | Irena Habalik | Markus Manfred Jung | Ingeborg Kaiser | Brigitta Klaas Meilier | Gianni Kuhn | Ana Lang | Romie Lie | Gabriele Loges | Elsbeth Maag | Gertrud Maria Macher | Doris Mauthe | Nana Pernod | Albrecht Rasche | Jürgen Rebmann | Dominik Riedo | Peter Salomon | Elmar Schenkel | Jürgen Stelling | Elisabeth J. Stirnimann | Rainer Stöckli | Inge Straub.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 83

Veröffentlichungsjahr: 2018

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Der Mensch, der seine Verbindung mit den Göttern verloren hat, weiß keinen andern Ausweg mehr, die Vereinzelung aufzuheben, the last exit: poetry. (Wolfgang Rohner-Radegast)

Inhalt

POESIE

Gertrud Maria Macher,

Frage

Markus Bundi,

Zuckerwatte und Lebkuchenherz

Ana Lang,

Nomade sein

Ingeborg Kaiser,

altersruh

romie lie,

neue poesie

Zsuzsanna Gahse,

Großkörper

Irena Habalik,

Wenn Tausende ertrinken

Doris Mauthe,

Notate zum Tage

Nana Pernod,

Wasserfallnacht

Gabriele Loges,

Gefunden

Leonor Gnos,

Tagestöne

Nikolaus Cybinski,

Einige Aphorismen aus einem alten Kopf

Peter Salomon,

Aus meinem Stundenbuch

Gianni Kuhn,

Amplifikationen

Elsbeth Maag,

Neue Gedichte

Margrit Brunner,

kein satz ohne sehnsucht

Brigitta Klaas Meilier,

Fundsachen

Hedy Brusa & Elisabeth J. Stirnimann,

herbeigeträumt

Markus Manfred Jung,

Alemannische und hochdeutsche Gedichte

Peter Frömmig,

Schnellbahn

Jürgen Stelling,

Die Schlieren der Dämmerung

Elmar Schenkel,

In der Hand

Kevin-Rick Doß,

Fremde

FOTOGRAFIE

Jürgen Rebmann,

Industrie-Impressionen

Sabina Costede,

Fotografische Fundstücke

Inge Straub,

Die Poesie der Kombinationen

ESSAY

Albrecht Rasche,

Einige Gedanken zum Thema »Fotografie und Text«

Rainer Stöckli

, »Wer ist du?« – »Ich ist ein Anderer!«

Übers Abbilden seiner selbst in Malerei, Graphik, Photographie seit 1900

25 Fragen zur Poesie, zur Zeit, zur Person: Dominik Riedo

Gertrud Maria Macher

Frage

was tun rosen

in der badewanne

sie machen sich frisch

für dich

*

Prägend

nicht dass er sich schämt

zum durchschnitt

zu gehören

der haftet an ihm

seit seiner kindheit

*

Ohne Aufsehen

sommers

unter dem regen

verstreut die wandrose

ihr letztes lächeln

und niemand

zählt die blätter

Am Tisch

milchglanzmorgen –

du sagst das erste wort

ich ringe nach einem satz

unsere uns vertrauten gestalten

sind die umgebende welt

immer noch

*

Als wärs ein Gedicht

kleinlaut –

mein volk aus wörtern

rudert durch trübe tage

gleich flüchtlingen

sind sie da

ungewollt

*

Weimar

sehe

die verschwindende sonne

am Ilmpark

höre

Goethe

ist noch da

allumfänglich

Taumelspuk

noch träumt mir

von sommers glut

vom buch

mit unserer schrift

wohlgeordnet

nein –

ich schlage ein tuch

über feuer und sprachspiel

ein papierenes schloss

brennt leicht nieder

*

Verlegen

wenn er den seidenen schal ablegt

riecht es anders um mich

als sässe der duft

auf fingerspitzen

und macht verlegen

*

herzhaft

tanzt laub

im herbstwind

willst es anhalten

wie ein jüngling seine geliebte

was verweht

der wind –

weniger als nichts –

bewegte schattenmuster

am haus

drinnen

schreibt es jemand auf

*

mit uns

schlüpft die zeit

in herzritzen

wir atmen

bücherstaub

für den hunger

gegen den durst

*

strassen

die mit sich

alleine sind

verbinden

wo sonst

kämen wir hin

freund

gräbst

du dich

in asche

für mich

brennst du

immer

*

jage im herbstwind

den blättern nach –

jemand ruft:

kindskopf

*

schatten

sammelt sich

im verwesenden laub

wind streift

blasse wangen

von einem

der von letzten dingen spricht

gegen das ziehende licht

im weiss

am unteren rand

steckt ein wort

allzu höflich

kein satz

heute nacht

kümmert sich meiner

am unteren rand

*

tauperlen im gras

und weite im blick

erheiterndes

bleib

ein schattenriss

gräbt mir

die sprache der halme

zu früh ins dunkle

Markus Bundi

Zuckerwatte und Lebkuchenherz

I.

Ich habe etwas im Kopf, von dem ich nicht weiß woher es kommt, etwas, das mich bewegt, mich antreibt, doch ich weiß nicht, wohin und wozu ohne Zweifel habe ich etwas im Kopf, das sich bewegt und mir keine Ruhe lässt, was es auch immer ist, es hält mich auf Trab, womöglich ist es Zeit, denn es streunert, treibt sein Unwesen in meinem Kopf, etwas zeitigt sich, ha! Habe gehört, dass es vergeht, dass sie vergeht, die Zeit etwas ist, das sich nicht aufhalten lässt, weil sie ist, etwas ist, das zugleich nicht ist, sich im Verstreichen erst bemerkbar macht, stets entwischend ein Scheibenwischer, der seinen Dienst tut, ohne dass ich einen Knopf gedrückt hätte, wie ich auch nichts für den Regen kann; er fällt oder fällt nicht das ist Augenwischerei! – Wirkt das Klima, hat die Zeit längst eingesetzt, behauptet sich als unumgänglich, immerzu die Fortsetzung des Augenblicks, uneinholbar. – Das ist es doch, was ich im Kopf hatte und noch immer habe, den Schein und die Notwendigkeit …

II.

… einer Fortsetzung, weil daran das Leben hängt, was aber doch wieder auf dasselbe hinausläuft, auf dieses Etwas, das ich habe, über das ich mich in Worten und Fetzen erschöpfe, die alle mit Warum beginnen, obzwar es doch nicht ich war, der diese Fragen stellte jedoch von allem Anfang an deren Träger bin habe mich womöglich auf dem falschen Fuß erwischen lassen, als das Denken einsetzte oder der aufrechte Gang, gleichviel, doch das glaube ich nicht, sage ich jetzt, einerlei, denn es gibt keine Schuld, keine Verantwortung, dafür hätte ich die Möglichkeit haben müssen, nichts zu denken. Schwöre also: Ich habe etwas im Kopf wofür ich nichts kann, es denkt sich fort und manifestiert Zeit; dieses Etwas führt von vorneweg das Vergehen im Gepäck, ist das Vergehen und ist das Gepäck, und ich möchte gern wissen wer diesen Rucksack für mich packte, denn ich war’s nicht, weiß ich, sage ich jetzt, auch auf die Gefahr hin, dass …

III.

… mein Gedächtnis nicht ausreicht, ich diesen Makel eingestehen muss, nein nur mir gegenüber zugestehen müsste, andernfalls bitte ich, meiner Unzulänglichkeit überführt zu werden, mir aufzuzeigen, wann oder wo ich mich zu wenig achtete, sodass mir dies Wasauchimmer zwischen die Ohren drang. Was ich rieche oder schmecke, was ich sehe und zu begreifen versuche, ist immer etwas anderes, ist nicht das, was den Schädel zu sprengen droht; hege den Verdacht gar nie angefangen worden, ein versehentlich in die Welt gesetzter Irrläufer zu sein, und wenn dem so wäre, hätte sich dieses Etwas in mir verirrt, wäre gefangen jetzt, verzweifelt um sich schlagend … macht aber nichts, aller Wahrscheinlichkeit nach geht es nicht um mich, ich bin der willkürliche Träger von etwas, eines Etwas, daran scheinbar kein Gedanke vorbeiführt. – Was aber soll’s? Werde mich halt weiter fragen, wie mit einem Geschenk umzugehen ist, dessen Inhalt ein Rätsel bleibt und von dem ich den Geber nicht kenne.

Ana Lang

Nomade sein

die streifen

am himmel

ein menetekel

über der wiese

im einheitsgrün

dem dorf

zeichen

erscheinen

verwischen

und nicht mehr

zu entziffern

es sei denn

wir lernten

zu lesen

werden

wird gewesen sein

*

nomade sein

zwischen

den sätzen

durchs wortland streifen

gesammelte fragen

im mund

*

nur

einen magenta-roten

ausschnitt vom bild

will ich mir nehmen

und in deinen tag setzen

*

lesen

die augen

wandern lassen

ahnen

was ist

zwischen

wort und wort

*

morgens

um sechs

vor dem spiegel

im bad

blickst du dir entgegen

prüfst die zahnreihen

bis ein frisches wort

entweicht

dich zum lachen bringt

und mit dir

zur arbeit will

Ingeborg Kaiser

altersruh

zurückgeworfen

beginnt sie zu

kritzeln nachrichten

ans leben das

sie verlor

*

vielleicht morgen

sagt die

hoffnung möchte

es glauben

zu erhoffen sei

nichts sagt

der wille

*

schwer der

zwölfmonatskelch

daraus zu trinken

tag um tag

in nächten ohne

schlaf kommen

deine worte bringen

den traum

*

suche suche nach

einer antwort

bei den dichtern

treffe suchende

*

spät geworden

nichts mehr zu

erhoffen bis

auf den traum

*

entschwinden ist wenn

du nicht mehr den

regeln folgst nichts

mehr erhoffst

erwartest entschwinden

ist freundlich und

klaglos ein

stilles fliehen

Jürgen Rebmann

Industrie-Impressionen

Die Formensprache der Industriearchitektur wird hier reduziert auf einfachste Strukturen (Linien – vertikal, horizontal, quer – Rundungen) und die Farbwerte Schwarz und Weiß. Durch diese Reduktion entsteht eine Poetisierung des Gesehenen. Fabrikanlagen werden – aus ihrem Kontext herausgelöst – zu fotografischen Kunst objekten, in die sich das Auge des Betrachters gerne hineinziehen läßt.

romie lie

neue poesie

nach

der doppelstämmigen buche

und dem grenzstein

hinauf

ins land der vögel

die hundert namen des schnees

zu lernen

bei der eibe

zweigt der weg ab

führt steil

zu den ersten buchstaben

des geheimnisses

aus jeder richtung

necken mich die raben

meine sinne verwirren sich

ich lache

und stehe wieder beim grenzstein

der doppelstämmigen buche

kreist noch

der atem des schnees

in meinen gliedern

wildpferdchen versteckt

im inselland der hundert hügel

schaumspur durch lichtspindeln

du schöner mond über pupnat

dem dorf mit räuberblut

die lindenallee von blato

bin ich gegangen

doch erst in deinem schaumwurf

trinke ich

von deiner salzsprühenden weite

wir brauchen ewigkeit

das alte licht der sterne

Pastiche

hier wächst efeu mit pfiff. der dackel fifi ist kein weihnachtsgeschenk und kein osterhase. frau kocher teilt diese ansicht. und der mann – im bahnabteil gegenüber – scheint zuzustimmen. ausser wir wollten jetzt mit tintenblauen stöckelschuhen in die unvereinigten emirate auswandern. heiss soll es dort sein, viel sand und wenig wasser. der bahnhof ist kein meisterwerk. der mann nickt. sein hut rutscht ihm tiefer in die stirn. das unterlassen wir, und dem efeu schauen wir nicht länger zu. schliesslich betrachten wir den horizont von einer anderen seite. mit vorteil.

Nachgesang 1

der schatten wurde mir vor die füsse gespült. ich konnte nichts dagegen tun, wurde nicht gefragt. spirit to go. je grösser der unrat, umso heller die perlen. nur was gut verwurzelt ist, kann wachsen. schöne sätze. vielleicht helfen sie, und ich komme bedenkenlos auf besagten gipfel.

Nachgesang 2

zu kämpfen brauche ich nicht. nur zustreben. das genüge, wird mir versichert. zumal niemand um rat gebeten hat. die maus und das meer, sozusagen, wenn sie aufeinanderprallen. und über eine lebbare zukunft verhandeln müssen. weder meine, noch deine.

Nachgesang 3

steht keiner zur verfügung.25

Beresniki