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lautstark E-Book

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Beschreibung

Marie hört Hip-Hop. Hannes steht auf heftigen Rock. Tobi mag Popmusik. Und Pia liebt romantische Singer-Songwriter. Musik drückt Lebensgefühl aus. Musik bewegt, begeistert, berührt. Musik definiert die Lebenswelt von Jugendlichen. Und Musik steckt auch voller Inhalt - genau da setzt "lautstark" an. In "lautstark" sind die Autoren einzelnen Liedern auf den Grund gegangen. Herausgekommen sind 53 Songandachten - zum selbst Lesen, Vorlesen oder als Vorlage für eigene Andachten. Eine Einteilung in die verschiedenen Musikstile sowie eine praktische Themenzuordnung helfen dabei, für Marie, Hannes, Pia und Tobi die passende Andacht zu finden.

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Seitenzahl: 144

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Impressum

© 1. Auflage 2012  buch+musik, ejw-service gmbh Stuttgart

ISBN (ePub) 978-3-86687-074-1

ISBN (mobi) 978-3-86687-075-8

Gestaltung und Satz: buch+musik, Fred Peper

eBook Erstellung: Stefan Böhringer, eWort (www.ewort.de)

Inhalt

Vorwort (Gottfried Heinzmann)

Herzlichen Dank (Katja Heimann und Nicole Hauser)

Praktische Tipps – Wie halte ich am besten die Liedandacht?

Die Songandachten

Ich+Ich: Universum 

Freiheit; Nähe; Geborgenheit

Udo Lindenberg feat. Jan Delay: Ganz anders

Identität

Curse: Freiheit 

Freiheit; Zuhause

Train: Marry me 

Mut; Entscheidungen; Beziehung zu Jesus

Jessie J: Price tag 

Liebe Gottes; Selbstwert

Laith Al-Deen: Sicher sein

Sicherheit; Vertrauen; Zukunft

Kings of Leon: Use somebody 

Vorbilder; Anerkennung

Ich+Ich: Pflaster 

Wunde Punkte; Heilung

Andreas Bourani: Nur in meinem Kopf 

Positives Denken; Negatives Denken; Neustart

Unheilig: Geboren, um zu leben

Leben; Veränderung

Lenny Kravitz: If you want it 

Leben; Freiheit

Bushido: Wärst du immer noch hier?

Liebe; Treue; Anerkennung

Curse: Und was jetzt?

Beziehung; Trennung; Vergebung; Liebe

Philipp Poisel: Froh, dabei zu sein

Tod; Sterben; Hoffnung

Blumentopf: Mehr

Unzufriedenheit; Veränderung

Greenday: Boulevard of broken dreams

Lebensweg; Sinn des Lebens

Laith Al-Deen: Alles an dir 

Freiheit; Selbstbestimmung; Fremdbestimmung

Jupiter Jones: Still 

Vermissen; Zweifel

Clueso: Zu schnell vorbei

Zeit; Veränderung

Tim Bendzko: Nur noch kurz die Welt retten 

Jesus; Nachfolge

Revolverheld: Spinner 

Berufung; Begleitung; Beziehung

Die Toten Hosen: Ich bin die Sehnsucht in dir

Angst; Rettung; Sehnsucht

Die Ärzte: Lasse reden 

Ansehen; Lästern; Selbstwert

Revolverheld: Halt dich an mir fest 

Einsamkeit; Sorgen; Begleitung

Snow patrol: Open your eyes

Glaube; Orientierung; Realität Gottes

Stromae: Alors on danse 

Probleme; Sorgen; Beziehung zu Jesus

Bruno Mars: Just the way you are 

Selbstwert

Joan Osborne: One of us

Nähe Gottes; Zugehörigkeit

Madsen: Mein Herz bleibt hier 

Herz; Offenheit anderen gegenüber

U2: With or without you 

Zerrissenheit; Entscheidungen

Sido: Danke

Nachfolge

Sportfreunde Stiller: Kompliment

Selbstwert; Gottesbild; Identität

Clueso: Mitnehm´

Begleitung; Lebensweg

Coldplay: Fix you  

Tiefen; Füreinander da sein

The Killers: Human 

Lebensweg; Entscheidungen

Hurts: Wonderful life 

Grenzen; Engel

Bosse: Wartesaal

Glück; Sehnsucht

Extreme: More than words 

Wort und Tat; Liebe

Coldplay: Viva la vida

Lebensträume

Kid Rock feat. Mary J. Blige and T.I.: Care 

Leid der Welt; Mitgefühl

Nelly Furtado: In god’s hands 

Beziehungen; Freundschaft

Aloe Blacc: You make me smile 

Gottesbild; Humor; Lachen

Silbermond: Krieger des Lichts

Kraft Gottes; Kämpfen

Gary Go: Wonderful

Selbstwert; Identität; Gaben

Samy Deluxe: Musik, um durch den Tag zu kommen

Lebensweg; Entscheidungen

Miley Cyrus: When I look at you

Rettung; Trost

Die Fantastischen Vier: Geboren

Sinn des Lebens; Ewiges Leben

Bushido feat. Karel Gott: Für immer jung 

Vergänglichkeit; Ewiges Leben

Kettcar: Hauptsache glauben 

Glaube; Vertrauen

Ben Howard: The wolves

Krisen; Einsamkeit; Halt

Unheilig: Unter deiner Flagge

Wertschätzung; Auftrag

Adele: Hometown glory

Heimat

Peter Fox: Alles neu

Veränderung; Neustart

Frida Gold: Wovon sollen wir träumen 

Gute Vorsätze; Schwächen; Nähe Gottes

Der Anhang

Genre-Übersicht

Künstler-Verzeichnis

Autoren-Verzeichnis 

Vorwort

Laut und stark kann Musik sein, aber auch leise und sanft. Schnell und belebend, aber auch langsam und beruhigend. Jugendliche wissen um diese verschiedenen Aspekte und Wirkweisen der Musik und nutzen sie für sich. Sie wählen aus einem breiten Spektrum unterschiedlichster Musikrichtungen und Musikstile die Musik, die ihnen gefällt. In diesem Buch sind 53 Andachten zu Liedern aus dem Spektrum der Popularmusik gesammelt. Das ist eine sehr begrenzte Auswahl angesichts der unüberschaubaren Anzahl von Songs und Hits und der ganz unterschiedlichen Interessenlage Jugendlicher. Wie kann es da gelingen, dass die Songandachten so verwendet werden, dass eine stimmige Gesamtsituation entsteht? 

Lieblingslieder sind etwas sehr Persönliches

Ein entscheidender Zugang liegt darin, dass Lieblingslieder immer etwas sehr Persönliches in sich tragen. Wer schon einmal versucht hat, jemand anderem zu erklären, warum ihm gerade dieses Lied besonders gut gefällt, hat vermutlich auch festgestellt, dass das gar nicht so einfach ist. Und wenn man anfängt, davon zu erzählen, gibt man auch Persönliches preis. Die Autorinnen und Autoren haben für ihre Song-

andachten Lieder ausgewählt, die ihnen etwas bedeuten, die sie berühren und die bei ihnen etwas in Schwingung versetzen. 

Wer diese Andachten vor einer Gruppe Jugendlicher hält, sollte den-selben Zugang wählen und sich fragen:

Welches Lied spricht mich an? 

Welche Gefühle und Gedanken werden bei mir in Schwingung versetzt? 

Wie kann ich meine Erfahrungen und Überlegungen in die Andacht einfließen lassen? 

Natürlich gibt es auch andere Zugänge. Man kann Text, Melodie und Arrangement analysieren und kritisch beleuchten. Doch eine solche Herangehensweise passt besser in eine Unterrichtssituation als in ein Setting der Jugendarbeit. Vermutlich wird eine kritische Analyse auf Widerstand stoßen, weil sich Jugendliche ihre Musik und ihre Lieder nicht zerreden lassen wollen. 

Eine kritische Auseinandersetzung anstoßen

Für pädagogisch und theologisch Verantwortliche stellt sich hier die Frage, ob die Aussagen von Liedtexten, die Bildsprache von Videoclips und die ausufernde Kommerzialisierung nicht auch kritisch beleuchtet werden müssen: Muss man alles gut finden, nur weil es irgendjemandem gefällt? Diese Frage möchte ich mit einer Gegenfrage beantworten: Müssen sich ein persönlich-emotionaler Zugang und eine kritisch-intellektuelle Auseinandersetzung ausschließen? Oder bedingen sie sich 

nicht gegenseitig? Ein Grundsatz der Jugendarbeit lautet, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich in Verkündigungssituationen das Recht erwerben müssen, gehört zu werden. Wer sich persönlich öffnet und zeigt was er liebt, der erwirbt sich bei vielen Jugendlichen dieses Recht. Er kann dann auch zum Ausdruck bringen, woran er leidet und dadurch eine kritische Auseinandersetzung anstoßen. 

Der Rahmen einer Andacht bietet sicherlich nicht ausreichend Raum, um differenziert und ausgewogen auf ein Lied einzugehen. Und natürlich kann bei den Liedern, die für die Songandachten in der evangelischen Jugendarbeit ausgewählt wurden, davon ausgegangen werden, dass sie Anknüpfungspunkte für das Evangelium von Jesus Christus bieten. Doch diese Anknüpfung muss immer auch im Widerspruch erfolgen. Sonst wird sie dem Evangelium nicht gerecht. 

Durch Lieder zeigen, was wir lieben und wovon wir leben 

Schon allein die begrenzte Auswahl von 53 Liedandachten zeigt, dass Ergänzung notwendig ist. Ich freue mich, wenn die hier veröffentlichten Songandachten ergänzt werden. Indem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Andachten zu ihren eigenen Lieblingsliedern gestalten. Indem Jugendliche ihre Lieblingslieder mitbringen und erzählen, warum diese Lieder für ihren Glauben wichtig sind. 

Ich wünsche mir, dass „Lautstark” junge Menschen dazu anregt, durch Lieder das zu zeigen, was sie lieben und was sie bewegt. 

Gottfried Heinzmann 

Leiter des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg 

Herzlichen Dank

Zu Beginn unserer Arbeit an „Lautstark” konnten wir kaum glauben, wie schnell dieses Projekt auf die Beine kam. Von der ersten Spinnerei am Telefon, über konkrete Gespräche bei „buch+musik” bis hin zu dem Tag, an dem die erste fertige Andacht eintrudelte: Es lief gut.

Während dieses Prozesses, der nicht einmal ein Jahr dauerte, waren wir immer wieder überwältigt, wie viele Menschen Anteil genommen haben. Wir wurden ermutigt, bestärkt, beraten und kritisch hinter-fragt. 

Unser Dank gilt allen, die uns auf diesem Weg begleitet und unterstützt haben. Das sind zum einen die vielen Mitautoren, die sich in diesem Buch mit ihren Liedern und Gedanken dazu einbringen. Zum anderen sind es unsere Freunde und Kollegen, die uns mit ihrem Rat und viel Kreativität zur Seite gestanden haben! Ein ganz besonderer Dank geht an Jens Scheilke-Hekermans, der den Stein ins Rollen brachte und Danny Müller, dem beim Frühstück ein Geistesblitz kam: die Titelidee „Lautstark”. Wir danken auch Martina Mühleisen und Fred Peper für die gute und innovative Zusammenarbeit und für das große Vorschussvertrauen!

Wir freuen uns, wenn dieses Buch für viele zum Segen wird und Menschen von der alles tragenden Kraft unseres Gottes erfahren. Laut und stark.

Katja Heimann

Nicole Hauser

Praktische Tipps

Wie halte ich am besten die Liedandacht?

Vor der Andacht

Die Liedandachten in diesem Buch wurden so entwickelt, dass du sie so wie sie sind vorlesen und verwenden kannst. 

Über den Andachten sind die Themen aufgeführt, die zeigen, um was es in der Andacht geht. Es lohnt sich, wenn du dir vorher überlegst, welches Thema für deine Gruppe passend ist. Vielleicht gibt es etwas, das euch sowieso gerade beschäftigt. Lies dir darum die Andacht durch, bevor du sie hältst. 

Da die Andachten Bezug auf die jeweiligen Lieder nehmen, ist es gut, wenn du das dazugehörige Lied vor der Andacht abspielst. 

Bitte mach das auf legalem Weg! Am besten ist es, wenn du das Lied entweder schon selbst als Original besitzt oder es dir bei itunes oder einem anderen Anbieter kaufst und herunter lädst. 

Du kannst die Andacht entweder vorlesen oder sie ein Stück weit zu deiner Andacht machen, indem du sie frei vorträgst. Freies Vortragen kommt aber nur gut, wenn man es vorher ein- bis zweimal laut vor sich gesprochen hat.

Nach der Andacht

Wenn du möchtest, kannst du die Andacht mit einem Gebet abschließen. Nimm noch einmal das Thema der Andacht im Gebet auf.

Freiheit

Nähe

Geborgenheit 

Ich+Ich

Universum

Freiheit! Die Koffer packen und los geht’s. Niemand, der dir sagt, was du zu tun und zu lassen hast. Niemand, der dir vorschreibt, wohin du als nächstes gehen und wann du dort sein sollst: Die Welt sehen, verrückte Dinge tun, keine Pflichten haben und einfach du selbst sein. Toll, oder?

Wenn das nur so einfach wäre! Schließlich bedeutet einfach weg zu gehen auch, deine Familie, deine Freunde und vielleicht deinen Partner hinter dir zu lassen und sogar zu riskieren, dass die eine oder andere Freundschaft in die Brüche geht. Auch die Rolle der Daheimgebliebenen ist nicht einfach. Wenn man jemanden gerne hat, fällt es schwer, denjenigen seinen Weg gehen zu lassen und ihm seine Freiheit zu gönnen. Am einfachsten und am schönsten ist es, wenn die Menschen, die wir lieben, möglichst nahe bei uns sind. Regelmäßiger Kontakt, gegenseitiges Verständnis und Unterstützung sind nicht leicht, wenn jeder in seiner ganz eigenen Welt lebt. 

Und was ist, wenn die Freiheit zu viel wird? Wenn der Reiz des Neuen verblasst und du dich nach Gewohntem und Vertrautem sehnst? Was, wenn du dringend jemanden brauchst, der dir zuhört und dich tröstet ohne dir Vorwürfe zu machen, weil du dich lange nicht gemeldet hast?

Es ist nicht einfach, eine Balance zwischen Freiheit und Nähe zu finden. Wie schön, dass Gott in seiner Beziehung zu dir eine ganz klare Ansage macht: „Fühl‘ dich frei.” Er kennt dich und deinen freiheitsliebenden Sturkopf wie kein Anderer. Er möchte, dass es dir gut geht und du dich nicht eingeengt fühlst. Gott schenkt dir Freiheit!

In deiner Beziehung zu Gott musst du keine Postkarte schreiben oder lange Telefonate führen, um sie aufrecht zu erhalten. Trotzdem möchte er deine Erlebnisse mit dir teilen. Er sagt dir zu, dass er immer und überall bei dir ist und so deine Freiheit nie zu Einsamkeit wird. Wenn Gott in deinem Herzen dabei sein darf, freut er sich an den Abenteuern deines Lebens. Er passt außerdem auf dich auf und möchte nicht, dass du im Übermut Dinge tust, die dich und ihn verletzen.

Gott ist dein Zuhause. Wenn dir die Freiheit über den Kopf wächst und du dich ziellos fühlst, gibt er dir Geborgenheit. Er weiß, was in dir vorgeht und ein Gebet mit ihm ist wie ein Ort der Ruhe im Trubel des Abenteuers. Er hilft dir, deine Gedanken zu ordnen und dich auszuruhen. Gott zeigt dir Wegweiser, die dir in deiner Freiheit eine Hilfe sein können.

König David betet in Psalm 139: „Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. (…) Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde mich doch deine Hand daselbst führen und deine Rechte mich halten.” (Psalm 139,1–3,9–10)

Frei zu sein fühlt sich gut an. Besonders, wenn wir uns trotzdem geborgen, geliebt und geführt fühlen dürfen. Gute Reise! 

Katharina Heubach Psychologie-Studentin, ehrenamtliche Mitarbeiterin im ejw Schorndorf

Identität

Udo Lindenberg feat. Jan Delay

Ganz anders

Tim kann es nicht mehr hören. Ständig liegen ihm seine Eltern in den Ohren. „Du solltest endlich mal wissen, wie es nach der Schule weitergeht. Warum hängst du so oft in dieser Clique rum?” Die Schule ödet ihn an. Warum hat er wieder diesen blöden Lehrer in Mathe. Letzte Woche mussten seine Eltern zum Lehrergespräch. In der Clique läuft auch nicht alles so toll. Klar, da ist Philipp, sein bester Freunde seit Grundschulzeiten. Aber mit den anderen versteht er sich nicht so gut. Irgendwann wird das ständige rumhängen langweilig. Und dann dieses blöde Alk-Zeugs. Eigentlich will er sich ja zurückhalten. Aber die anderen bringen immer was mit, da will er auch nicht das Weichei sein. 

Ab und zu lässt er sich mal beim Ex-Ko blicken, einem Nachkonfirmandentreff, den die Kirchengemeinde anbietet. Naja, eigentlich geht er da nur hin, wenn er weiß, dass Anna auch da ist. Wenn er sie sieht, fangen die Schmetterlinge in seinem Bauch an zu toben. In ihrem Bauch scheint sich aber nichts zu regen. Das wär schon was. Er und Anna. Was soll’s. 

Am liebsten zieht er sich in sein Zimmer zurück, steckt seine Ohrstöpsel rein und hört Musik von seinem I-Pod. Im Radio hat er vor kurzem ein Lied von Jan Delay und Udo Lindenberg gehört. Das hat er sich gleich heruntergeladen. Lindenberg ist wohl eher die Opa-Generation. Aber trotzdem. Das Lied fand er cool. Vor allem, weil er den Text verstanden hat. Und der hat ihn gepackt. „Eigentlich bin ich ganz anders, ich komm‘ nur viel zu selten dazu.” 

Wenn das die anderen doch auch sehen würden. Er weiß ja selber nicht immer, wer er eigentlich ist und was er will. Ganz schön schwierig manchmal. „Ich bin gar nicht der Typ, den jeder in mir sieht und das werd‘ ich euch bei Zeiten auch alles noch beweisen.” Das wär schon was. Dass die anderen sehen, wie er wirklich ist. Nach was er sich sehnt. Was er wirklich denkt und fühlt. 

Im Konfiunterricht haben sie sich mal mit Dietrich Bonhoeffer beschäftigt, einem Theologen, der in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs von den Nazis umgebracht worden ist. Im Gefängnis hat er viele Texte geschrieben. Bei einem ging es Tim so wie bei dem Lied von Udo Lindenberg. Die Pfarrerin hat jedem ein Kärtchen gegeben. Das liegt jetzt neben seinem Bett. Die Worte fallen ihm ein, wenn er das Lied hört: „Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer? Bin ich beides zugleich? Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!” Der Bonhoeffer war ja ein berühmter Mann. Und trotzdem trieben ihn diese Fragen um. 

Die Pfarrerin hat dann noch gesagt, dass wir vor Gott so sein dürfen, wie wir sind, dass wir ihm nichts vormachen brauchen. Das hat Tim beeindruckt. Klar, von Gott hat Tim schon viel gehört. Manchmal wünscht er sich dieses Vertrauen, das er bei Bonhoeffer spürt. Wenn Tim daran denkt, dann wird es ruhiger in ihm. Eigentlich ist er ganz anders, aber egal, wie und wer er ist, er ist in Gottes Hand. 

Martin Burger Landesjugendreferent im Evangelischen Jugendwerk in Württemberg

Freiheit 

Zuhause 

Curse

Freiheit

Alex lebt zuhause bei Papa. Zusammen unter einem Dach. Sieben Tage die Woche. Anstrengend. Papa schreibt vor, gibt Aufgaben, engt ein. Alex hat die Nase voll. Der Beschluss ist klar: Weg von hier. Raus. 

Alex geht zu seinem Vater: Ich gehe. Ich will weg von hier. Ich muss die große Welt sehen. Ich will meine Freiheit! Der Vater schluckt. Und Alex legt nach: Damit ich mein Leben in der Freiheit leben kann, brauch ich Geld. Gib mir mein Erbe. Gib mir, was mir zusteht wenn du stirbst. Und der Vater? Er ist skeptisch. Er warnt ihn. Aber dann: „Ja, du darfst gehen.” Alex zieht los. Das Haus am Horizont. Die Stimme des Vaters verstummt. Frei. 

Was für ein Gefühl. Alex ist sein eigener Herr. Mit Geld in der Hand lebt es sich unbeschwert. Das Programm der nächsten Wochen: Fröhlich Freiheit feiern. Freiheit ist etwas Großes. Freiheit ist absolute Weltklasse. 

Doch dann: Geld alle. In aller Freiheit ausgegeben. Und es kommt noch dicker: Wirtschaftskrise. Einfaches Essen? Unbezahlbar. Die Freiheit? Unbezahlbar. Die Feier-Freunde sind weg. Alex wollte frei sein. Alex ist allein. Er wollte keine Antworten mehr geben. Jetzt muss er Verantwortung übernehmen. Er braucht Geld. Er braucht einen Job. Und es gibt nichts. Er hat Hunger. Dann: ein Job. Aufgabe: Schweine hüten. 

Alex ist ganz unten angekommen. Schweine sind nicht nett und rosa und sauber. Schweine sind dreckig. Sie stinken. Schweine stehen in ihrer Scheiße. Und Alex mittendrin. Er ist ganz unten angelangt. Er ist dreckig. Er stinkt. Alex steckt in der Scheiße.

Er merkt: Freiheit ist nicht nur Weltklasse. Er muss sich Gedanken machen wie er mit seiner Freiheit umgeht. „Freiheit heißt für mich Fehler machen wie’n Kind. Und wenn’s sein muss, fall´ ich halt hin.” Freiheit heißt auch hinfallen. Freiheit heißt Fehler machen und die Verantwortung dafür übernehmen. Freiheit bedeutet Verantwortung.

Alex sitzt bei den Schweinen in der Scheiße. Jetzt im sauberen Zuhause sein ... Aber er hat bereits das Erbe kassiert, seinen Vater für tot erklärt. Er sieht den Dreck. Er spürt den Hunger. Er riecht die Scheiße. Egal was war. Der Beschluss ist klar: Weg von hier. Freiheit heißt, hin und wieder sich die Freiheit zu nehmen die Meinung zu wechseln. Er muss heim.