Leave Me Behind - K M Moronova - E-Book
SONDERANGEBOT

Leave Me Behind E-Book

K. M. Moronova

0,0
14,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 14,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Düster, tödlich, unwiderstehlich – die gehypte Dark-Military-Romance von BookTok-Sensation K.M. Moronova endlich auf Deutsch!

Nachdem ihr letzter Einsatz in einer Tragödie endete, soll Scharfschützin Nell Gallows in die Spezialeinheit Malum versetzt werden. Die Soldaten dieser Truppe sind bekannt dafür, nur die gefährlichsten Einsätze zu übernehmen – und Neuzugängen das Leben zur Hölle zu machen. Was also tun, wenn bald die Qual beginnt? Eine letzte Nacht der Freiheit! Doch der Unbekannte, mit dem Nell sie verbringt, ist ausgerechnet der Mann, den sie am meisten fürchten sollte: Bradshaw, ihr künftiger Vorgesetzter. Bradshaw ist grausam und gnadenlos – und dennoch ist da etwas, das die beiden magnetisch zueinander zieht.

Enemies to Lovers trifft auf Forced Proximity – die gehypte Dark-Military-Romance Reihe endlich auf Deutsch!

Bei diesem Buch handelt es sich um Dark Romance mit einer Leseempfehlung ab 18 Jahren. Im Buch sind Triggerwarnungen enthalten.

Books that make you – blush.
Du suchst Liebesgeschichten mit reichlich Spice, mitreißenden Tropes oder morally grey book boyfriends? Dann entdecke weitere Bücher von Blush!

Enthaltene Tropes: Dark Romance, Bully Romance, Enemies to Lovers, Forced Proximity
Spice-Level: 5 von 5

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 528

Veröffentlichungsjahr: 2025

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Buch

Nachdem ihr letzter Einsatz in einer Tragödie endete, soll Scharfschützin Nell Gallows in die Spezialeinheit Malum versetzt werden. Die Soldaten dieser Truppe sind bekannt dafür, nur die gefährlichsten Einsätze zu übernehmen – und Neuzugängen das Leben zur Hölle zu machen. Was also tun, wenn bald die Qual beginnt? Eine letzte Nacht der Freiheit! Doch der Unbekannte, mit dem Nell sie verbringt, ist ausgerechnet der Mann, den sie am meisten fürchten sollte: Bradshaw, ihr künftiger Vorgesetzter. Bradshaw ist grausam und gnadenlos – und dennoch ist da etwas, das die beiden magnetisch zueinander zieht.

Autorin

K. M. Moronova ist eine erfolgreiche Dark-Romance-Autorin mit einer Vorliebe für missverstandene Antihelden und süchtig machende spicy Szenen. Ihre Romane erobern die Herzen von Tausenden Leser*innen weltweit und zählen zu den Lieblingen der BookTok-Community. Die USA-Today-Bestsellerautorin lebt in Montana, USA.

Weitere Informationen unter: www.kmmoronova.com

www.instagram.com/k.m.moronova

www.tiktok.com/@k.m.moronova

K. M. Moronova

Leave Me Behind

Roman

Deutsch von Birte Mirbach

Die Originalausgabe erschien 2024 unter dem Titel »Leave Me Behind«, selfpublished.

Der Verlag behält sich die Verwertung des urheberrechtlich geschützten Inhalts dieses Werkes für Zwecke des Text- und Data-Mining nach § 44b UrhG ausdrücklich vor. Jegliche unbefugte Nutzung ist hiermit ausgeschlossen.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Copyright der Originalausgabe © 2024 by K. M. Moronova

Published by Arrangement with TRIADAUS, INC., Sewickley, PA 15143 USA

Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30161 Hannover.

Copyright der deutschsprachigen Ausgabe © 2025 by blush. Blanvalet in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München

[email protected]

(Vorstehende Angaben sind zugleich Pflichtinformationen nach GPSR.)

Redaktion: Ulrike Gerstner

Umschlaggestaltung: bürosüd nach einer Vorlage von Nicole Lecht/Sourcebooks

Umschlagillustration: © K.M Moronova

Vignetten: © Adobe Stock/Illustrator 66soloria_

DK · Herstellung: DiMo

Satz: Vornehm Mediengestaltung GmbH, München

ISBN 978-3-641-33938-8V003

Liebe Leser*innen,

dieses Buch enthält potenziell triggernde Inhalte. Deshalb findet sich hier eine Triggerwarnung.

Achtung:

Diese enthält Spoiler für das gesamte Buch.

Wir wünschen allen das bestmögliche Leseerlebnis.

K. M. Moronova und der Blush Verlag

Für diejenigen, die sich nach einer heftigen Liebesgeschichte sehnen.

Playlist

Jerk – Oliver Tree

Light Em Up – Fall Out Boy

Can’t Hold Us – Macklemore & Ryan Lewis

Waste – kxllswxtch

Enemy – Tommee Profitt

Ava – Famy

Brother – Kodaline

Hate Myself – NF

Fill the Void – The Weeknd, Lily Rose Depp & Ramsey

Tourniquet – Zach Bryan

Older – Isabel LaRosa

Pretty Toxic Revolver – MGK

I Hate U, I Love U – Gnash

Black Dahlia – Hollywood Undead

Bloody Valentine – MGK

I Think I’m OKAY – MGK

To Die For – Sam Smith

I Am the Antichrist to You – Kishi Bashi

Animals – Maroon 5

Prolog

Bones

Patagonien – vor zwei Jahren

Abrahms Augen sind von dunklem Blut getrübt. Ich versuche, mit meinem Ärmel die roten Ströme von seinen Wangen abzuwischen, aber es fließt unaufhörlich aus dem Loch in seinem Kopf. Seine braunblonden Haare, die immer so geleuchtet haben, sind jetzt burgunderrot und vom Lockruf des Todes durchzogen. Erde und Steine haften an der klebrigen Masse auf seiner Haut. Panik flackert in mir auf; nur dank reiner Willenskraft bleibt mein Gesicht ausdruckslos und unbewegt.

»B-Bones.«

Mir wird das Herz schwer, als ich höre, wie schwach seine wimmernden Atemzüge sind. Wie seine Finger zittern, während er nach mir greift. Seine schwarzen Handschuhe sind blutdurchtränkt. Ich beiße mir auf die Unterlippe, um den heftigen Schmerz zu unterdrücken, der in mir aufsteigt.

»Ich bin hier, Abrahm.« Ich schließe die Augen, um die Verzweiflung abzuwehren.

»Ich …« Er keucht und besprenkelt meine Maske mit Blut. Ich verziehe keine Miene. »Ha-hab Angst.« Seine grünen Augen sind jetzt blutunterlaufen und haben einen trüben Gelbton angenommen; das Licht in ihnen schwindet, während der Tod nach ihm greift. Zitternd ziehe ich meine Handschuhe aus und drücke meine kalte Handfläche an seine Wange.

Scheiße. Wir hätten nicht hier sein sollen, nicht so. Die Riøt Squad hätte uns am Kontrollpunkt treffen sollen. Wo zum Teufel waren sie? Ich ducke mich, während Kugeln in das trockene Gelände einschlagen und um uns herum Staub aufwirbeln.

In Abrahms Brust klafft ein Loch gleich neben seinem Herzen, und sein Körper erkaltet schnell. Verdammte Scheiße. Ich hebe den Kopf und suche durch den Rauch hindurch nach dem Rest unserer Truppe. Nur drei Feinde liegen leblos auf der Lichtung. Ich habe sie gnadenlos und grausam umgebracht, so, wie man es mir beigebracht hat, aber sie sind nicht diejenigen, die meinen Stellvertreter erschossen haben. Sie sind nicht dafür verantwortlich, dass das Leben aus ihm schwindet. Die Kugel hat seine Weste direkt durchschlagen, muss also ein größeres Kaliber haben.

Ich balle die Hände zu Fäusten. Warum ist er nicht zurückgeblieben, wie ich es ihm gesagt hatte? Verdammt noch mal.

Der Rest meiner Einheit erwidert das Feuer und sichert das Gebiet, aber es ist zu spät. Ich habe schon viele Männer sterben sehen. Ich weiß es, wenn die Verletzungen zu schlimm sind. Abrahm wird es nicht schaffen, und ich bin unfähig, ihm von der Seite zu weichen. Es gibt Protokolle, die ich einhalten muss, und die Mission ist noch nicht erfüllt, aber das hat für mich keine so große Bedeutung mehr wie früher. Nicht jetzt, wo er im Sterben liegt. Ich schließe die Augen und nehme mit zittrigen Händen langsam meine Maske ab.

Ein Gesicht, das niemand kennen soll. Ich will, dass er es kennt.

Ich öffne die Augen und sehe auf ihn hinunter.

Abrahm hat seine weit aufgerissen, die Stirn vor Sorge leicht gerunzelt. »Bones, du solltest nicht …« Er versucht, die Hand auszustrecken, um damit mein Gesicht zu bedecken, aber er schafft es nicht einmal mehr, den Arm zu heben. Ich fange seine Hand auf, als sie heruntersackt.

»Bradshaw.«

Seine trüben Augen fallen langsam zu, aber über seine spröden Lippen zieht sich ein kleines Grinsen.

»Ich heiße Bradshaw.« Meine Stimme ist kaum lauter als ein Flüstern, doch ich weiß, dass er mich hört.

Abrahm nimmt seinen letzten Atemzug, und es klingt wie ein Seufzer der Erleichterung. Es klingt überhaupt nicht wie der letzte Ton, den er je von sich geben wird.

Sein jetzt verschleierter Blick ist immer noch auf mich gerichtet, doch er sieht direkt durch mich hindurch.

Das Licht daraus ist verschwunden.

Und mein Herz dürstet nach Rache.

Kapitel 1

Nell

Ich bin jetzt einer Einheit von Teufeln zugewiesen worden. Nein, nicht wortwörtlich. Nur Männer, die dem verdammt nahekommen.

Die gesamte Riøt Squad wurde vor zwei Jahren während eines Einsatzes der Stufe Rot in Patagonien getötet. Alle außer mir. Und was hat mein Überleben mir eingebracht außer einem heftigen Trauma? Ich bin der schlimmstmöglichen Einheit zugeteilt worden: Malum.

Ich stoße einen langen Seufzer aus und werfe zum hundertsten Mal einen Blick auf meine Armbanduhr. Ungeduldig wippe ich mit dem Fuß, während ich darauf warte, dass die Schlange von Passagieren vor mir ihre Sachen aus den Gepäckfächern oben herausholt, damit ich das Flugzeug verlassen und zu meinem nächsten Terminal gelangen kann.

Während ich durch den Flughafen zu meinem Anschlussflug renne, versuche ich mich verzweifelt davon zu überzeugen, dass Blut und Schweiß reichen werden, um mir den Respekt meiner neuen Einheit zu verdienen. Hoffen wir nur, dass sie nicht genauso rücksichtslos sind wie Riøt, als ich zu ihnen stieß.

Als ich an Bord gehe, ist der Fensterplatz in meiner Reihe bereits belegt. Ich ziehe mein Ticket heraus, um meine Platznummer noch einmal zu überprüfen. Das Arschloch sitzt auf meinem Platz. Verärgert stoße ich den Atem aus. Die Reihe hat drei Sitze, und die Plätze an den beiden Enden sind von zwei Männern besetzt, sodass für mich der mittlere Platz bleibt. Derjenige, der am Gang sitzt, hat sich die Kapuze über den Kopf gezogen und versteckt sein Gesicht.

Der andere Kerl ist ebenfalls schwarz angezogen und mit der Kapuze über dem Kopf, aber er starrt zum Fenster hinaus. Er scheint sich überhaupt keine Sorgen um sein Umfeld zu machen. Ich stehe hier, verärgert, aber die Menschen hinter mir werden bereits ungeduldig, also gebe ich mich mit dem mittleren Platz zufrieden. Himmel, ich hasse es, zu fliegen. Alle sind wütend und müde und so unglaublich unhöflich.

Der Gangplatz-Kerl macht sich nicht die Mühe, seine Beine zu bewegen oder den Kopf zu heben, also schlucke ich die Flüche hinunter, die mir auf der Zunge liegen, und versuche, um ihn herum zu lavieren. Ich bereue bereits, heute Morgen die dünnen schwarzen Leggings angezogen zu haben, als meine Oberschenkel seine Knie streifen. Hätte ich mir doch besser eine Jogginghose angezogen.

Während ich um ihn herumgehe, bleibt mein Fuß an seinem hängen, und ich stürze vorwärts. Mein Rucksack fällt dem Fensterplatz-Kerl in den Schoß, und der Gangplatz-Kerl fängt mich mit einer starken Hand halb auf, die er über meinen Bauch spreizt; die andere liegt um die Innenseite meines Oberschenkels herum.

Instinktiv reiße ich mich aus seinem Griff los und werfe ihm einen vernichtenden Blick zu. Doch der ist nur von kurzer Dauer. Denn jetzt, wo er zu mir hochsieht, kann ich sein hinreißendes Gesicht sehen. Seine blassblauen Augen strahlen etwas Frostiges aus. Sein kantiger Kiefer und seine ausdruckslose Miene verleihen seinem Auftreten auch keine Wärme. Eine schmale, etwa zweieinhalb Zentimeter lange Narbe unter seinem linken Auge lässt ihn müde wirken. Eine zweite Narbe zieht sich über seinen Nasenrücken, und zwei weitere kleine durchschneiden seine Unterlippe auf der rechten Seite und sehen wie Piercings aus. Die Muskeln seiner Wangen definieren die Knochenstruktur. Er ist mit Abstand der schönste Mann, den ich je gesehen habe.

Dann kehre ich wieder in die Gegenwart zurück; mein geschultes, automatisches Profiling wird bei Zivilisten sicherlich keine Begeisterungsstürme hervorrufen.

Ich hole tief Luft und stoße sie langsam wieder aus.

»Danke«, sage ich so lässig wie möglich, bevor ich mich auf den mittleren Platz setze. Er antwortet nicht und lehnt sich mit dem Kopf an die Rückenlehne. Daraufhin werfe ich ihm einen Blick zu und sehe einen geräuschunterdrückenden Kopfhörer unter seiner Kapuze hervorlugen. Ich denke kein zweites Mal über den kleinen Zusammenstoß nach. Ich will einfach nur diesen letzten Flug hinter mich bringen, damit ich schlafen kann, bevor morgen der Albtraum beginnt. Der Fensterplatz-Kerl schenkt mir ein kurzes Lächeln und reicht mir meinen Rucksack. »Tut mir leid«, murmele ich, wobei ich meinen Blick nicht höher als bis zu seinen Lippen wandern lasse.

Dann ziehe ich meinen eigenen geräuschunterdrückenden Kopfhörer heraus und schiebe meinen Rucksack unter den Sitz, bevor ich es mir bequem mache. Nun ja, so bequem man es sich in einem Flugzeug eben machen kann. Ich habe Fliegen schon immer gehasst, und das wird auch immer so bleiben. Früher pulsierte die Angst in meinen Adern, wenn ich ein Flugzeug betrat, aber das wurde mir gründlich ausgetrieben.

Der Flug nach Kalifornien dauert sechs Stunden. Irgendwann schlafe ich ein, bis ich von einer Turbulenz aufgeschreckt werde.

Sofort bin ich wach und fokussiert, bevor ich mich wieder daran erinnere, dass ich mich nicht in einem Hubschrauber befinde. Jegliche Strömungen in der Luft machen mich nervös. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, nicht allzu tief zu schlafen. Ich reiße den Kopf hoch und sehe mich rasch um, wobei ich den Kopfhörer herunterziehe, bis er an meinem Hals hängt, während ich mir die Benommenheit von meinem Nickerchen wegblinzele. Alle anderen Passagiere lesen entweder leise, sehen sich einen Film an oder schlafen.

Erleichtert werfe ich einen Blick auf den Fensterplatz-Passagier neben mir. Er mustert mich neugierig, und ich reiße erstaunt die Augen auf. Das Licht ist gedimmt, aber selbst in völliger Dunkelheit würde ich erkennen, dass er attraktiv ist, und, halt … Ich hätte schwören können, dass er auf dem Platz am Gang gesessen hat, bevor ich eingeschlafen bin. Schwarze Haare lugen unter dem Saum seiner grauschwarzen Mütze heraus, die zu seinen dunklen Brauen passen. Seine Augen haben einen dunkleren, sanfteren Blauton als vorhin angenommen.

Aber er hat weder eine Narbe unter dem linken Auge noch auf seinem Nasenrücken oder an seiner Unterlippe.

»Entschuldigung, haben Sie vorhin nicht am Gang gesessen?«, frage ich ihn zögernd. Er sieht nicht wie der netteste Kerl aus. Deshalb bin ich überrascht, als er sein analytisches Starren einstellt und mich kurz angrinst.

»Nö. Das ist mein Zwillingsbruder«, sagt er ruhig. Seine Stimme ist kräftig und angenehm. Nicht zu hoch, nicht zu tief, sondern genau richtig.

Sein Charme macht mich sprachlos; ich brauche einen Moment, um meine Gedanken zu sortieren. »Oh«, erwidere ich stirnrunzelnd, was ihn zu amüsieren scheint. Zwillinge? Sein Blick huscht zu meinen Lippen und dann wieder hoch zu meinen Augen. Ist er ein Model? Er könnte auf jeden Fall eins sein. Ich bin begierig darauf, ihm Fragen zu stellen, die ich normalerweise nicht stellen würde. Sein schiefes Grinsen hat etwas Einladendes an sich, das mich reizt. Es erinnert mich an Sergeant Jenkins. Rasch schiebe ich den Gedanken beiseite – an Jenkins zu denken, ruft bei mir nur großen Schmerz hervor.

»Ja, im Gegensatz zu mir spricht er nicht viel.« Er zwinkert. »Aber diese Turbulenz hat Sie erschreckt, nicht wahr? Sie haben tief und fest mit dem Kopf an meiner Schulter geschlafen.« Er lacht leise, und mir wird etwas leichter ums Herz.

Halt, warte – ich habe was?

Hitze schießt mir in die Wangen, und ich rücke so weit von ihm ab wie möglich, die Nähe wird mir viel zu groß, und es ist mir peinlich. Aber es gibt kein Entkommen, unsere Oberschenkel berühren einander buchstäblich.

»Es tut mir so leid«, erwidere ich beschämt.

Er lacht leise und zuckt die Schultern. »Kein Problem; ich hatte es einfach nur nicht erwartet. Sie müssen müde von der Reise sein. Was ist Ihre finale Destination?« Mein Herz flattert beim Anblick seines jungenhaften Grinsens. Seine Wimpern sind lang und dicht, wodurch seine Ozeanaugen nur noch unwiderstehlicher werden. Vermutlich ist er Ende zwanzig.

»Ich glaube nicht, dass man in einem Flugzeug finale Destination sagen kann. Das erinnert zu sehr an den Horrorfilm.« Ich erwidere seinen Charme und lache leise. »Coronado, Kalifornien. Und Sie?«

Er dreht sich noch weiter zu mir um, ein teuflisches Grinsen auf den Lippen bei meinem Kommentar.

»Da will ich auch hin. Ich bin beruflich häufig unterwegs, deshalb bin ich an lange Flüge gewöhnt.«

Ich nicke, erwähne aber nicht, dass es mir genauso geht.

Offenbar interpretiert er mein kurzes Schweigen so, dass ich nicht antworten will, also murmelt er: »Eren.«

»Hmm?« Ich sehe wieder zu ihm zurück, und er lächelt wieder sanft.

»Ich heiße Eren.«

»Oh. Es ist schön, Sie kennenzulernen, Eren. Ich bin Nellie.« Statt des Namens, der in meinem Ausweis steht, benutze ich meinen Spitznamen. Verlegen reiche ich ihm die Hand. Schütteln die Menschen sich immer noch die Hände? Ich bin ans Salutieren gewöhnt. Hier auf der zivilen Seite fühlt sich alles surreal an.

Es ist ja nicht so, als hätte ich Zeit gehabt, mir gesellschaftliche Umgangsformen anzueignen. Ich habe der Welt mein wahres Ich gezeigt, als ich mit fünfzehn zum Waisenkind wurde. Das war der Moment, in dem ich in die Hände der militärischen Untergrundkommandos geriet. Seitdem sind zehn Jahre vergangen.

Und so gelangt man eben in die Gesellschaft von Elitekillermaschinen. Die Dark Forces – die dunklen Einsatzkommandos – nehmen Menschen wie mich, die etwas Unaussprechliches getan haben, und setzen uns ein, statt uns ins Gefängnis zu stecken. Wir existieren nicht, zumindest nicht offiziell. Von den Menschen, die uns mal kannten, sind wir schon lange vergessen worden.

Ich bin nur eine Waffe. Ein tollwütiger Hund, der vor dem unvermeidlichen Todesschuss davonläuft.

Das ist das vielleicht dunkelste Geheimnis der Regierung, die Schattenseite der Sondereinsatzkommandos, die ihnen all die Schmutzarbeit abnehmen, mit der sie sich nicht die Hände besudeln wollen. Terrorismusbekämpfung, Kampfeinsätze im Ausland, Razzien gegen Schwarzmarktwaffen. Wir werden ausgeschickt, um all dem Einhalt zu gebieten, und bekommen keinerlei Anerkennung dafür.

Letzten Endes sind wir nichts als Selbstmordkommandos. Die Generäle wollen nur sichergehen, dass wir die Missionen ausführen. Wir selbst sind ihnen scheißegal.

Eren ergreift meine Hand und schüttelt sie leicht. »Ganz meinerseits«, erwidert er.

Er lehnt den Kopf wieder am Sitz an und mustert mich. Sein Blick ist so unnachgiebig, er durchbohrt mich und fordert mich dazu heraus, wegzuschauen. Ich gehöre zu der Art von Mensch, die nur für wenige Sekunden Augenkontakt halten kann, aber bei ihm verspüre ich nicht den Drang, mich abzuwenden. Er sucht in meinen Augen nach irgendetwas, studiert mich genau.

»Nette Tätowierungen am Hals«, sagt er mit einem Lächeln.

Ich fasse mir dorthin. »Danke, es hat höllisch wehgetan, als sie mir gestochen wurden.«

»Darauf wette ich, aber sie sehen großartig aus. Wartet irgendjemand in Kalifornien auf Sie?«, erkundigt er sich kühn.

Ich schüttele den Kopf. Sicherlich sieht er, wie ich erröte. »Nein, nur Arbeit. Niemand Besonderes dort.«

Oder irgendwo.

Eren zieht eine Augenbraue hoch und legt den Kopf schief. »Sie sind zu attraktiv, um ohne einen besonderen Jemand zu sein.« Das Kind, das hinter mir sitzt, tritt gegen meinen Sitz, und ich blinzele bei seinen Worten wie eine Idiotin.

Er hält mich für attraktiv? Im Militär bekomme ich von den Männern nur Kommentare zu hören wie: »Hübscher Arsch«, »Dich kann man vögeln«, »Ich liebe diese langen dunklen Haare, an denen ich dich festhalten kann« oder »Deine Lippen sind zum Schwanzlutschen wie gemacht«. Aber dann gab es da Jenkins, und auch wenn er mir nie gesagt hat, dass ich schön wäre, hat er mit seinen verstohlenen Blicken und berauschenden Küssen doch dafür gesorgt, dass ich das wusste.

Aber wenn ich an Sergeant Jenkins denke, erinnere ich mich nur an das Blut, in dem er in jener letzten Nacht schwamm. Nachdem ich ihn so in Patagonien gesehen hatte, fällt es mir schwer, mich wieder an sein wunderschönes blondes Haar zu erinnern und sein seltenes Lächeln, das er nur für mich reservierte.

Ich blinzele die Flammen weg, die an meinen Erinnerungen lecken.

»Und wie sieht es bei Ihnen aus?«, frage ich. Ich bin mir sicher, dass Eren eine Familie hat oder zumindest eine Ehefrau. Bei dem Gedanken huscht mein Blick zu seiner Hand. Kein Ring.

»Nope. Ich habe es nicht so mit Beziehungen.«

Das weckt mein Interesse. Gehört er zum Militär? Mein neugieriger Blick muss ihm aufgefallen sein, und er lächelt.

»Ich bin in der Armee«, gibt er zu. Offenbar will er nicht weiter darüber reden, also hake ich nicht nach. Ich erwähne nicht, dass ich ebenfalls eine ausgebildete Killerin bin. Es wird von mir erwartet, dass ich Diskretion bezüglich der Einheit walten lasse, der ich mich anschließen werde, also spreche ich nicht darüber. Aber der Gedanke daran erinnert mich an die Hölle, die auf mich zukommt. Malum Squad. Das Team der Dark Forces, das sie losschicken, wenn sie keines der anderen Selbstmordkommandos entsenden können. Malum, die Einheit, die Riøt im Stich gelassen hat, als sie nicht am Kontrollpunkt auftauchte, bevor die Kacke in Patagonien zu dampfen anfing.

»Vielen Dank für Ihren Einsatz, Sir«, sage ich listig. Seine Augen weiten sich mit einem Anflug von Interesse, das an seinen Lippen zupft. Er ist doch nicht etwa jemand, dem ich am Stützpunkt über den Weg laufen werde, oder? Ich bezweifele es doch sehr. Normalerweise würde ich nicht mit anderen Soldaten flirten, weil es immer ein böses Ende nimmt, aber die Kerle, mit denen ich üblicherweise zusammenarbeite, sind nicht gerade vorbildlich. Sie sind verkommen und mörderisch, so wie ich.

Ich glaube, er ist sauber. Abgesehen davon kann er unmöglich bei den Dark Forces sein. Er hat nicht diese Härte an sich.

Eren lacht darüber und schüttelt den Kopf. »Ich bin nur ein Offizier niederen Ranges. Oh, hey, Bradshaw ist wach«, murmelt er und sieht an mir vorbei. Ich folge seinem Blick und sehe den Mann auf meiner anderen Seite an, den anderen Oberschenkel, der sich gegen meinen drückt. Wieder bin ich mit diesen eisblauen Augen konfrontiert und der einschüchternden Narbe. Die Verfärbung befindet sich direkt unter seinem unteren linken Augenlid, aber es scheint ihn überhaupt nicht zu beeinträchtigen. Er hat verdammtes Glück gehabt, dass er einer Klinge ausweichen konnte, die ihm so nah gekommen war.

Jenkins hatte dieses Glück nicht. Bei der Erinnerung an das Blut, das aus seinem Brustkorb herausströmte, schaudert es mich. Ich balle die Hände auf meinen Oberschenkeln zu Fäusten und versuche, die letzten Bilder von ihm in meinem Kopf wegzublinzeln. Ich sollte mich an ihn als den Soldaten erinnern, der er gewesen war, und nicht daran, wie er aussah, als ich ihn auf dem Schlachtfeld liegen ließ. Er hatte mir gesagt, ich solle ihn zurücklassen, und das tat ich. Ich folgte seinem letzten Befehl.

Das ist es, was mich am meisten verfolgt, die Erkenntnis in seinen Augen, dass ich ihn dort zurücklassen würde, so, wie er es mir befohlen hatte. Er hatte schicksalsergeben die Zähne zusammengebissen und gelächelt.

Der Schmerz wird niemals verblassen, nur wachsen.

Ich zwinge meine Finger dazu, sich wieder zu strecken.

Bradshaw sieht mich ruhig an, seine Ausstrahlung immer noch kalt. Das Desinteresse, das dieser Kerl verströmt, ist unwirklich. Sie sind zweifellos Zwillinge, aber jetzt, wo ich sie beide aus der Nähe sehe, erkenne ich die unterschiedlichen Blauschattierungen ihrer Augen, und ihre Persönlichkeiten könnten nicht gegensätzlicher sein. Wie Feuer und Eis.

»Nellie.« Ich reiche ihm die Hand, so wie Eren, aber Bradshaw starrt mich nur weiterhin kaltschnäuzig an. Er scheint nicht einmal in Versuchung zu sein, sie zu schütteln. Himmel, was ist nur los mit diesem Kerl?

Eren stupst mich mit der Schulter an. »Er benimmt sich allen gegenüber wie ein Arschloch, nehmen Sie es also bitte nicht persönlich.« Bradshaw antwortet nicht, scheint aber auch nicht beleidigt zu sein. Er setzt sich einfach nur wieder den Kopfhörer auf und schließt die Augen. Seine Wimpern sind lang und streifen seine bleiche Haut. Ich starre ihn einen Moment länger an, als ich sollte. Bewundere seine ätherischen Gesichtszüge, bevor ich meine Aufmerksamkeit wieder Eren zuwende. Er grinst. »Wollen Sie heute Abend etwas mit uns trinken gehen? Oder haben Sie schon etwas anderes vor?«

Er lädt mich ein? Ein Flattern macht sich in meiner Brust breit. Tatsächlich gibt es nur eine Person, der ich ungern vor morgen begegnen möchte. Sie nennen ihn Bones. Gerüchten zufolge ist er der grausamste Mann bei den Dark Forces. Anscheinend hackt er den Menschen gerne den Brustkorb auf und reißt ihnen buchstäblich das Herz heraus. Manchmal auch die Knochen. Daher sein verstörender Deckname.

Unglücklicherweise ist er mein Partner bei Malum, und ich weiß nicht, wie ich das überleben soll.

Aber Eren ist nicht er. Dessen bin ich mir sicher. Und wenn es mir den nächsten Monat lang schon beschissen geht, warum soll ich mir dann nicht jetzt noch ein bisschen Spaß gönnen?

Ich erwidere sein Lächeln.

»Gerne. Es darf nur nicht zu spät werden. Habe morgen frühzeitige Verpflichtungen«, sage ich so lässig wie möglich. Bei dem Gedanken daran, an meinem letzten freien Abend auszugehen, füllen sich meine Adern mit Adrenalin. Hoffentlich kriege ich Eren für einen One-Night-Stand mit an Bord.

Sein Grinsen ist mörderisch. »Es würde mir nicht einmal im Traum einfallen, es bei jemand so Bezauberndem wie dir zu spät werden zu lassen.«

Die Bar entpuppt sich als ausgewachsener Nachtclub. Nicht so ein schäbiges Kleinstadtlokal, sondern die Art, bei der die Rausschmeißer an der Tür Reservierungen und Listen überprüfen.

Ich bezahle den Uber-Fahrer und starre das Gebäude an. Die Musik dröhnt so laut, dass es sogar schwierig ist, die Gespräche draußen zu verstehen. Sollte ich einfach ins Hotel zurückkehren? Ich ziehe es in Erwägung, aber Eren wartet auf mich und ruft meinen Namen.

Die Leggings und das weiche, körperbetonte T-Shirt aus dem Flugzeug schienen mir für eine Bar angemessen zu sein, aber jetzt habe ich das Gefühl, als würde ich unter den jüngeren Frauen mit ihren bauchfreien Tops und superknappen Shorts total herausstechen. Nicht, dass ich überhaupt so etwas in der Art besäße. Ich reise mit leichtem Gepäck; mehr als drei Sätze Straßenkleidung besitze ich nicht. Diese Reise ermöglicht es mir, den Stützpunkt zum ersten Mal seit Monaten zu verlassen. Die Dark Forces sind nicht gerade freie Individuen. Wir liegen irgendwo zwischen Kriminellen und Militärhunden.

Eren nimmt mich an der Bordsteinkante in Empfang. »Da ist sie ja. Ich dachte mir, dass du garantiert abhauen würdest, wenn ich nicht hier wäre, um dich einzufangen.« Er zwinkert, und ich muss einfach verlegen lächeln.

»Der Gedanke ist mir durchaus gekommen.«

Er lacht leise und führt mich direkt zu den Türen. Ich werfe einen Blick auf die Schlange gereizter Menschen, die darauf warten, hineingelassen zu werden, ihre Ungeduld und Wut sind mit Händen greifbar. Auch ich hasse es, wenn sich Menschen vordrängeln. Der Rausschmeißer sieht mich unwirsch an, aber Eren nickt ihm zu, und er lässt mich ohne Probleme hindurchschlüpfen.

Ich hätte Eren von seinem Aussehen her nicht direkt als jemanden eingeschätzt, der öfter in den Club geht.

»Bist du schon mal hier gewesen?«, fragt er ruhig, wobei er den Arm um meine Schultern legt. Ein Schauder fährt mir über das Rückgrat, und mein Herz schlägt schneller. Ich schüttele den Kopf, und er grinst. »Mach dich auf eine teuflisch gute Nacht gefasst.«

Wir betreten die Hauptebene des Clubs. Hier ist es dunkel und schwierig, die Gesichter der Menschen zu erkennen. Blaue und lila Lichter blitzen zur Musik auf, die durch den Raum dröhnt, und Aufregung pulsiert durch meine Adern. Rauch kräuselt sich in der Luft, während die Lichter durch die Schatten schneiden und der ausgeprägte Geruch von Alkohol über mir zusammenschlägt.

Ich bin nicht mehr an solch einem Ort gewesen, seit ich zweiundzwanzig war, aber dieser hier ist viel, viel schicker.

Eren lächelt zu mir hinunter, offensichtlich zufrieden mit sich, weil ich so beeindruckt bin. »Ich hole uns etwas zu trinken«, sagt er laut.

»Für mich bitte eine ungeöffnete Dose«, schreie ich über die Musik hinweg. Ein schelmischer Ausdruck huscht über sein Gesicht.

»Kluges Mädchen.« Er zwinkert und verschwindet in der Menge, die sich um den Tresen drängt.

Ich lache und schüttele den Kopf, wobei ich mich frage, wie sich der heutige Abend wohl entwickeln wird. Ein One-Night-Stand wäre nicht das Schlechteste, um mich vor dem Grauen zu entspannen, das morgen auf mich zukommt. Eren macht auf mich den Eindruck, als könnte er gut mit Affären zurechtkommen. In unserem Beruf ist das kein schlechter Charakterzug. Unsere Leben sind bestenfalls flüchtig, und wir sind immer unterwegs. Aber ich bin obendrein im Untergrund; ich könnte keine Beziehung führen, selbst wenn ich das wollte.

Wie es aussieht, wird Eren wohl eine Weile wegbleiben. Ich verenge die Augen, während ich zusehe, wie er versucht, die Aufmerksamkeit des Barkeepers zu erregen, aber dort stehen so viele Menschen, die rufen und mit ihren Karten winken, dass ich nur geringes Vertrauen habe, dass er bald wieder zurückkehren wird. Ich lasse den Blick über das Meer von Menschen schweifen, die auf der Tanzfläche zur Musik hüpfen und zappeln. Sie befindet sich in der Mitte des Clubs, und am äußeren Rand gibt es Sitzgelegenheiten, damit die Menschen eine Pause machen und etwas trinken können. Jeder Beat dröhnt so laut, dass er in meinen Knochen widerhallt. Ich lächele in mich hinein und schiebe mich in die Wärme der betrunkenen, verschwitzten Leiber. Wo garantiert niemand sehen wird, wie ich hier richtig Spaß habe.

Es fühlt sich völlig anders an, an einem Ort zu sein, wo dich niemand kennt. Wo niemand ein Urteil über dich fällt, wenn du dich gehen lässt.

Ich tanze seit mehr als zehn Minuten mit zwanglosen Bewegungen, als ein Clubremix von »Hey Mama« von David Guetta ertönt und alle begeistert aufschreien. Das Gefühl ist berauschend, und mein Herz pocht leicht in meiner Brust. Ich lasse mich von ihrer Begeisterung anstecken und bewege mich im Einklang mit dem Bass, wiege meine Hüften zum Rhythmus des Liedes.

Meine Augenlider sind schwer, ich habe das Kinn in die Höhe gereckt und blicke zufälligerweise auf die Wand am anderen Ende des Clubs. Daran gelehnt entdecke ich Bradshaw. Er hat die Arme fest verschränkt, und er ist ganz in Schwarz gekleidet, die Kapuze immer noch auf dem Kopf. Für einen Moment fällt ein lila Lichtstrahl auf ihn, beleuchtet diese kalten Augen und zeigt mir, dass sie nur auf mich fokussiert sind, als hätte er mir die ganze Zeit zugesehen, wie ich die Hüften schwinge. Vorhin habe ich keinen guten Blick auf seine Halstätowierungen bekommen, aber jetzt, wo ihn das Licht trifft, ist es unübersehbar, wie die Tinte die perfekte Kontur seines Kiefers nachzieht und unterstreicht.

Es liegt etwas in der Art, wie er mich anstarrt, wie ein verhungernder Mann, der eine ruchlose Tat in Betracht zieht. Man braucht mir nicht zu sagen, dass es nicht einen guten Gedanken in seinem Kopf gibt.

Dieser Kerl ist ein einziges riesiges Warnsignal. Aber ich kann den Blick nicht abwenden. Er fasziniert mich, erschreckt mich sogar, und dabei kann ich einen Mann in fünf Sekunden umbringen.

Unter seinem forschenden Blick gefriert mir das Blut in den Adern, aber ich höre nicht zu tanzen auf. Ein paar Sekunden lang halte ich den Blickkontakt aufrecht, um ihm mitzuteilen, dass ich mich nicht von ihm einschüchtern lasse, bevor ich mich dazu zwinge, lässig in eine andere Richtung zu schauen, als würde ich ihn nicht hypnotisierend finden.

Wie konnte ich nur den Psychozwilling vergessen?, tadele ich mich und verdrehe die Augen. Ich weigere mich, ihn merken zu lassen, dass es mich berührt, wie er mich so eingehend beobachtet. Meine Mutter hat immer gesagt, dass ich eine Schwäche für die bösen Kerle hätte. Ich bezweifele, dass sie wusste, dass ich eine Schwäche für diejenigen entwickeln würde, die offensichtlich psychische Probleme hatten. Diejenigen, von denen du Gott nichts erzählst, wenn du in der Kirche betest, damit dir deine Sünden vergeben werden – diejenigen mit dunklen Vorgeschichten und Ballast.

Neugierig und vielleicht auch ein bisschen aufreizend blicke ich mit einem langsamen Augenaufschlag in seine Richtung und bemerke, dass er mich immer noch unverwandt anstarrt. Hitze durchströmt mich bei seiner Unverfrorenheit. Es kümmert ihn nicht, dass ich ihn direkt anschaue. Er wirkt nicht das kleinste bisschen verunsichert, während ich unbeeindruckt von ihm weitertanze, die Hüften schwinge und die Hände in die Luft strecke, so wie alle anderen, aber ich bemerke, dass seine Finger sich in seinen Arm pressen und seine Unterlippe unter seinen Zähnen flach gedrückt wird.

Oh. Seine Mauern sind also doch nicht so undurchdringlich.

Während ich weitertanze, tritt jemand hinter mich und zieht seine Fingerspitzen in einer stummen Anfrage sanft über meine Hüften. Ich lächele und antworte, indem ich mich zurücklehne und meinen Hintern gegen eine Erektion drücke.

Ja, es ist schon eine Weile her, dass ich in solch einem Club gewesen bin. Wo die Luft schwer ist vor Lust und Alkohol. Wo Fremde deinen Körper berühren in der Hoffnung, dass du es ihnen erlaubst.

Mein neuer Tanzpartner reagiert sofort, indem er sich im Rhythmus meiner Hüften bewegt. Er bohrt seine Fingerspitzen in meine Taille, während wir uns wiegen; mit jedem Takt der Musik wird seine Atmung schwerer. Für einen Augenblick vergesse ich mich selbst, lasse meinen Rücken gegen harte Muskeln fallen und genieße den Hauch von Aftershave, der mir in die Nase steigt.

Ich werfe einen Blick zurück zu der Stelle, wo Bradshaw steht, aber er ist verschwunden. Die Erektion, die an meinem Hintern reibt, macht mir keine größeren Sorgen, doch ich brauche mich nicht allzu lange zu fragen, wo Bradshaw hingegangen ist.

»Hey, was machst du da?«, ruft der Mann hinter mir wütend. Schnell löst sich sein Körper von meinem, und die kalte Luft macht mich sofort sauer.

Die Musik ist laut, lässt mein Herz an diesem Zeitpunkt für mich schlagen. Ich drehe mich um und sehe, wie Bradshaw den Kerl, mit dem ich gerade noch getanzt habe, zur Seite schubst. Er sieht so aus, als würde er Bradshaw gerne seinerseits schubsen, aber ein Blick auf diesen einschüchternden Körperbau reicht, und er flucht stattdessen und verschwindet in der Menge.

Mit finsterem Blick schreie ich: »Was hast du für ein Problem?«

Bradshaw richtet seine Aufmerksamkeit mit der üblichen Kälte wieder auf mich, aber jetzt erkenne ich einen Anflug von Interesse. »Du bist mit uns hier.« Er spricht zum ersten Mal, und für eine Sekunde ist alles andere stumm. Seine Stimme tönt laut in meinem Kopf, auch wenn er nicht gebrüllt hat. Ich will sie erneut hören.

Ich schlucke und beschließe, es einfach darauf beruhen zu lassen, unsicher, was genau er beabsichtigt.

Das nächste Lied ertönt, ein Remix von Lana Del Reys »Summertime Sadness«. Während ich wieder zu tanzen beginne, halte ich den Augenkontakt zu Bradshaw. Sein eisiger Blick flackert im Blitzlicht. Seine Nasenflügel beben, und sein Kiefer zuckt.

Ich drehe mich um, um seinem intensiven Starren auszuweichen, lasse meinen Körper wieder in den Rhythmus verfallen. Himmel, ich hoffe, Eren beeilt sich mit den Getränken.

Schwielige Hände gleiten über meine Hüften. Ohne mich umzudrehen, weiß ich, dass sie Bradshaw gehören. Sie sind hart und fordernd, genauso steif, wie er wirkt, und dennoch sinnlicher als alle, die ich je erlebt habe. Vielleicht ist das die Bosheit hinter ihnen. Die Intensität seines Griffs. Hitze erfüllt meinen gesamten Körper, während er seine Finger in meine Haut gräbt.

Mein verräterischer Körper schmilzt instinktiv an seinem harten Brustkorb. Ich bin angenehm überrascht von den Muskeln, die ich unter seinem Kapuzenpullover spüre. Ist er beim Militär wie sein Bruder? Ich reibe meinen Hintern an ihm und grinse, als ich seine Erektion bemerke.

Er lässt eine Hand an meinen kreisenden Hüften ruhen, während er mit einem Finger unter mein Shirt taucht, die Haut über meinem Bauch streift, als würde er mich um Erlaubnis fragen. Ich muss so sehr über diesen Austausch lächeln, dass es allmählich wehtut. Ich lasse meine Hand zu seiner hinuntergleiten und schiebe sie ein Stück höher, damit er weiß, ich bin einverstanden damit, dass er meinen Körper erkundet.

Bradshaw lacht dunkel, gerade laut genug, dass ich es hören kann. Das Geräusch ist so unendlich hungrig, dass ich meine Oberschenkel zusammenpressen muss, um dieses dringliche Gefühl im Griff zu behalten.

Heilige Scheiße. Wer ist dieser Kerl nur?

Kapitel 2

Nell

Ich verliere mich in diesen kurzen Momenten mit ihm. Tanze mit ihm, als würden unsere Körper einander schon seit Jahren kennen. Sein Geruch hüllt mich ein, und ich inhaliere ihn. Er riecht wie ein frischer Wald – morgens, bevor sich der Nebel legt.

Sein Mund berührt meine Schulter, und ich beiße mir auf die Lippen, um die Gedanken zurückzudrängen, die mir durch den Kopf schießen. Vögel ihn, es ist für Gott weiß wie lang dein letzter Abend.

Als das nächste Lied beginnt, kehrt Eren mit zwei Getränken in der Hand zurück. Beim Anblick von uns beiden grinst er spitzbübisch. Es überrascht mich, dass er amüsiert wirkt, weil wir zusammen tanzen, und nicht eifersüchtig. Ich halte inne, und Verlegenheit macht sich in meinem Gesicht breit.

Eren reicht mir die Dose Weinschorle, wie versprochen ungeöffnet, und nimmt einen langen Schluck von seinem Getränk, bevor er schreit: »Du hast Bradshaw dazu gebracht, hier mit dir zu tanzen? Verdammt, hast du ihn am Schwanz gepackt, oder was hast du getan?« Bradshaw lacht nicht. Ich ebenso wenig. Dafür lacht Eren in unserem Namen über seinen eigenen Scherz.

»Ist es für dich in Ordnung, dass wir beiden zusammen tanzen? Ich war irgendwie …«

»Alle Karten auf den Tisch«, unterbricht mich Eren. »Ich hatte gehofft, dass ihr beide heute Abend zusammenfinden würdet.« Er schenkt mir ein schlitzohriges Grinsen. Warum fühle ich mich dadurch benutzt? Ich hätte diejenige sein sollen, die ihn benutzt. Er runzelt die Stirn, als er sieht, wie Sorge meinen Blick umwölkt. »Er hat echt Probleme mit Frauen … weil er ein Arschloch ist, weißt du? Ich dachte, ihr beiden würdet euch vielleicht vertragen.« Er sagt das so unschuldig, dass ich einfach nicht verärgert sein kann. Nicht, wo sie beide das gleiche bezaubernde Gesicht haben. Warum sollte es mich kümmern, was darunterliegt?

»Ohne Scheiß. Er sollte echt versuchen, nicht so ein Widerling zu sein«, schieße ich zurück. Bei dem Kommentar bohrt Bradshaw seine Finger in meine Hüften. Ich blicke ihn über meine Schulter hinweg an. Er sieht mir kurz in die Augen, seine Absichten nicht lesbar, bevor er wieder seinen Bruder anschaut.

Ursprünglich war ich hinter Eren her, aber ich müsste lügen, wenn ich behauptete, dass Bradshaw mich nicht mehr interessiert. Er hat Geheimnisse und Dämonen, die sich hinter seinem seelenlosen Gesichtsausdruck verbergen. Etwas Verletztes und Zerbrochenes, das er vor Blicken versteckt.

Ich stoße einen Seufzer aus, als ich meine Weinschorle öffne und sie hinunterstürze. Bradshaw tritt neben seinen Bruder, während sie ein paar Worte miteinander wechseln. Über die dröhnende Musik hinweg kann ich allerdings nicht verstehen, was sie sagen. Dann schauen sie fassungslos auf die leere Dose, die ich in den Händen zerdrücke.

»Was? Hattet ihr etwa erwartet, dass ich daran nippe?« Ich weigere mich, mich wegen meiner Trinkfähigkeiten zu schämen.

Eren lacht und klopft dann seinem Bruder auf den Rücken. »Ihr beiden geht schon mal vor und verschwindet von hier. Ich bin mir sicher, dass ich bald nachkommen werde.« Er zwinkert uns zu. Das Blut rauscht laut in meinen Ohren, während ich Bradshaw in die Augen schaue.

»Von hier verschwinden?«, frage ich niemanden im Besonderen. Was den gewünschten One-Night-Stand angeht, sieht es vielversprechend aus, nur eben mit dem Psychobruder statt mit dem Kerl, an den ich gedacht hatte.

Bradshaw nickt seinem Bruder zu, und Eren drückt mir einen Kuss auf die Stirn, bevor er uns zum Abschied winkt. Warte. Bradshaw führt mich zum Clubausgang, wo die Musik nicht ganz so laut ist, bevor ich den Schritt verlangsame.

Fragend blickt er auf mich hinab. Die Kälte in seinen Augen ist verschwunden; ob das wohl daran liegt, dass wir beide wissen, wo der heutige Abend hinführen wird?

»Lass uns in mein Hotel gehen«, sage ich kühn. Ich werde auch dafür sorgen, dass er sich mit mir an der Rezeption anmeldet, bevor wir nach oben gehen. Man kann nie vorsichtig genug sein. Ich habe so viele True-Crime-Formate gesehen, um einen geistig gesunden Menschen paranoid zu machen, auch wenn ich darin ausgebildet bin, einen Mann auf mehr Arten zu töten, als irgendjemand wissen darf. Bradshaw gehört zu den wenigen, die mich nervös machen.

Er lächelt zum ersten Mal, und es ist ein unvergesslicher Anblick. Und irgendwie macht es ihn gleichzeitig noch geheimnisvoller.

»Sicher«, sagt Bradshaw und schenkt mir wieder dieses träge Grinsen. Heiliger Strohsack. Er ist die Art von Kerl, für den ich einen dreitägigen Urlaub nehmen würde, nur um zweiundsiebzig Stunden am Stück durchzuvögeln.

Meine Wangen werden heiß, als er mich bei der Hand nimmt und uns aus dem Club hinausführt. Er lotst mich auf den dunklen Parkplatz, bevor er ein Bike besteigt. Ein Lächeln zupft an meinen Mundwinkeln, doch ich lasse nicht zu, dass es allzu breit wird. Er steckt wirklich voller Überraschungen. Bradshaw reicht mir seinen Helm, und ich sehe ihn mit hochgezogener Augenbraue an.

»Du setzt ihn auf«, sagt er scharf, fast schon verärgert, dass ich mir überhaupt Sorgen um ihn mache, weil er keinen trägt.

Arschloch. Ich ziehe den Helm auf und setze mich hinter ihn, lege meine Arme um seinen breiten Oberkörper und verschränke die Hände. Es ist nicht das erste Mal, dass ich auf einem Motorrad mitfahre, aber jetzt, wo Bradshaw mich fährt, verspüre ich genau das gleiche Flattern in meiner Brust. Er rast in einem gefährlichen Tempo los, vielleicht, weil er mir Angst einjagen will, aber ich lächele einfach und lasse meinen Kopf an seinem Rücken ruhen.

Gut möglich, dass ich mich heute zum letzten Mal dem Luxus des Vergnügens hingeben kann, und dieses Wissen lässt Furcht in mir aufsteigen. Aber ich werde verdammt noch mal dafür sorgen, dass es denkwürdig sein wird. So aufgeregt habe ich mich nicht mehr gefühlt, seit Sergeant Jenkins mich gegen die Wand einer Duschkabine gedrängt hat, als ich zu Riøt versetzt wurde.

Wir melden uns beim Rezeptionisten an und gehen ohne irgendwelches Geplauder zu meinem Zimmer hoch. Seine mangelnde Gesprächsbereitschaft lässt mir die Haare im Nacken zu Berge stehen. Ich bin mir der Hitze seines Blickes sehr deutlich bewusst, während ich mit der Schlüsselkarte die Tür zu meinem Zimmer öffne.

Ich lege meine Brieftasche auf dem Tisch im Eingangsbereich ab, wobei mir flüchtig der Gedanke kommt, wie dumm das sein könnte. Zugegeben, ich habe noch nie mit einem Fremden gevögelt. Aber seine Hände gleiten über meinen Bauch und vertreiben jeglichen Zweifel, während er mich wieder an seine breite Brust zieht. Ich reiße die Augen auf. Er hat bereits seinen Kapuzenpullover ausgezogen, und seine Bauchmuskeln werden nur noch von einem dünnen T-Shirt versteckt. Er senkt den Kopf und drückt seine Lippen zart auf mein Schlüsselbein. Sein Atem fühlt sich warm auf meiner Haut an.

Er dreht mich zu sich um und senkt den Kopf, um mich zu küssen. Ich öffne den Mund, um etwas zu sagen, statt direkt loszulegen, aber er stößt einen Seufzer aus und wirft mir einen strengen Blick zu. Aus dieser Nähe sind seine Narben deutlich erkennbar, stärker definiert und rot. Frisch. Vielleicht ein Jahr alt. Maximal zwei.

»Ich bin nicht hier, um dich kennenzulernen.« Seine Stimme klingt streng. Abweisend.

»Oh … Entschuldigung. Ich mache so etwas nicht so oft …« Ich verstumme und blicke zu Boden. Die Verlegenheit lässt Hitze durch meine Adern schießen. Er ist absolut brutal.

Bradshaw neigt den Kopf und zieht mein Kinn hoch, starrt mir kalt in die Augen, als wäre ich eine Mahlzeit, die er verschlingen will, und fertig. Mein Blick wandert zu seinen Ohren, in denen jeweils zwei schwarze Ohrklemmen in der Mitte stecken. »Ich führe«, sagt er gelassen und verschließt meinen Mund mit seinem.

Im Gegensatz zu seiner Persönlichkeit sind seine Lippen die weichsten, die ich je geküsst habe. Sein Geruch nach frischem Wald hüllt mich ein, und ich werde sofort in diesen Moment mit ihm hineingesaugt.

Es ist kein romantischer Kuss, von dem die Menschen träumen. Er ist glühend und ausgehungert. Bradshaw geleitet mich zum Bett und lässt mich auf das Laken sinken. Er vertieft seine unbarmherzige Jagd, und unsere Zungen treffen aggressiv aufeinander. Seine Zähne folgen gleich dahinter. Ich stöhne auf, als er mir in die Unterlippe beißt.

Er unterbricht unsere Verbindung und richtet sich auf, zieht sich sein T-Shirt aus und wirft es zu Boden. Ich beobachte ihn durch verschleierte Augen und bewundere, wie definiert sein Körper ist. Ich sehe zahlreiche Narben, die seine Haut zieren und mir die Gewissheit verschaffen, dass er ebenfalls in der Armee ist. Die langen Furchen sehen so aus, als wären sie durch KA-BAR-Messer entstanden. Schusswunden haben Sterne auf seiner Haut hinterlassen. Ich will ihn danach fragen. Ich will seine Geschichten hören. Aber er will eindeutig nicht reden, und wahrscheinlich ist das so am besten. Morgen werde ich ohnehin abreisen. Also bewundere ich ihn schweigend und lasse meine Gedanken durch seine Bewegungen vertreiben.

Bradshaw sieht mir in die Augen, als er langsam seine Hose auszieht. Ich greife nach meinem Hosenbund, aber er hält mich davon ab.

»Das mache ich gerne«, gesteht er mir mit einem finsteren Grinsen.

Ich schlucke und versuche, ruhig zu bleiben, während mein Körper alles andere als das ist. Das pulsierende Bedürfnis in meiner Mitte bringt mich fast dazu, mich vor Lust zu winden, aber mir gefällt das langsame Tempo, das er vorgibt. Er hat gerne die Kontrolle, und irgendetwas Verdorbenes in mir findet das offensichtlich erotisch.

Er befreit seinen Schwanz und wirft ein Kondom auf das Laken für den Moment, wenn wir dafür bereit sind.

Mein Blick verweilt auf seinem schieren Umfang. Ehrlich gesagt hatte ich nichts weniger erwartet. Aus irgendeinem Grund sind solche Arschlöcher immer gut bestückt.

Jetzt wendet Bradshaw mir seine Aufmerksamkeit zu, schiebt langsam mein T-Shirt hoch und hinterlässt eine Spur von Küssen von meinem Bauch bis hoch zu meiner Brust. Er öffnet meinen BH und zieht ihn mir zusammen mit meinem Shirt über den Kopf. Mit Leichtigkeit streift er danach meine Leggings und die Unterwäsche herunter. Meine Nippel versteifen sich in der kühlen Luft. Er senkt seine Lippen auf eine Brustspitze, die andere bedeckt er sanft mit der Hand.

Ich winde mich unter ihm, während er über meine Brust streicht und seine Zunge gnadenlos einsetzt. Er reibt mit seinem Schaft durch meine Nässe, verführt und neckt meine Mitte, bis ich die Nägel in die weiche Haut auf seinem Rücken bohre. Ein tiefes Brummen vibriert in seiner Brust, als er die Hand senkt und mit zwei Fingern meinen Kitzler umkreist. Ich biege den Rücken durch, und er zieht mich enger an seine Brust, sein Atem geht schwer, und er bedeckt meinen Hals mit Küssen.

Sanft stößt er mit den Hüften, reibt seinen Schwanz an meinem Bauch und befeuchtet meine Haut. Herr im Himmel. Er greift hinter mich und schnappt sich das Kondom, nimmt es zwischen seine schimmernden Zähne und reißt die Verpackung langsam auf, wobei er mir ungerührt in die Augen starrt.

Und mit einem Mal sind Kondome sexy geworden.

Bradshaw streift es sich über den zuckenden Schwanz und grinst mich an, während er zwei Finger in mich hineinstößt. Ich stöhne, als er mich ausfüllt, meinen G-Punkt reizt und lächelt, als ich ihn anflehe, nicht aufzuhören. Bevor sich mein Orgasmus weiter aufbauen kann, zieht er seine Finger heraus und zeigt mir den Beweis für meine Erregung.

»Siehst du, wie feucht du für einen Fremden bist? Was für ein braves Mädchen. Wirst du auch für mich schreien? Das würde mir gefallen«, flüstert er, aber seine Stimme ist nicht beruhigend. Sie ist sexy und furchterregend. Dominant.

Wer zum Teufel ist dieser Mann?, frage ich mich erneut.

Er bringt seinen Schwanz vor meiner Vagina in Stellung und fängt an, mich zu necken, schiebt nur die Spitze hinein, bevor er sich wieder herauszieht. Ich kann spüren, wie er mich dehnt, mit jedem Stoß tiefer eintaucht und immer nur ein kleines Stück von mir penetriert.

Ich stöhne auf, und das Geräusch lenkt seine Aufmerksamkeit wieder auf meine Lippen. Er beugt sich über mich und flüstert an meinen Lippen: »Ich mag es hart.« Er hat vor Konzentration die Stirn gerunzelt, und seine Stöße sind so schmerzhaft langsam, dass sich meine Hüften aus eigenem Antrieb bewegen und versuchen, ihn dazu zu bringen, sich noch tiefer in mir zu versenken.

Mein Inneres pocht bei seinen Worten, und ich nicke, trunken vor Lust.

Ich spüre sein Grinsen über meinen Lippen und stoße ein Keuchen aus, als er mich auf die Seite rollt. Immer noch kniend lässt er sich zwischen meinen Oberschenkeln nieder. Mit seinem Brustkorb drückt er mein rechtes Bein in die Höhe. Glücklicherweise bin ich gelenkig, sonst wäre das jetzt schmerzhaft. Sein grausames Lächeln verrät mir, dass er genau den gleichen Gedanken hat.

»Verdammt, dein Körper ist perfekt.«

Er legt seine Hand um meinen Oberschenkel und umfasst mit der anderen meine Taille. Dann stößt er erbarmungslos in mich hinein. Sofort schreie ich auf und muss mir die Hand auf den Mund pressen, um das Geräusch zu dämpfen. Mein Stöhnen ist allerdings auch nicht leiser. Bradshaw gibt nur leise, kehlige Geräusche von sich, während er mich härter vögelt, als ich es je zuvor erlebt habe. Seine Muskeln sind angespannt und arbeiten so mühelos. Er ist ein Gott in Menschengestalt.

Diese gnadenlosen Augen starren schamlos auf mich hinunter und genießen es, wie mein Gesichtsausdruck zwischen Lust und Schmerz hin und her wechselt. Für eine Sekunde hält er inne und dreht mich auf den Bauch, dringt dann wieder in mich ein, bevor er seine Hand über meinen Arm gleiten lässt und mit den Fingern mein Handgelenk umklammert. Ich stöhne, als er seine Hüften bewegt und sein Schwanz meine Pussy anheizt. Er füllt mich bis zum Anschlag aus, bis in die tiefsten Bereiche meines Unterleibs, und es fühlt sich so verdammt gut an.

So gut, dass ich kaum bemerke, wie er mir den Arm hoch über den Kopf zieht und das Handgelenk auf dem Bett fixiert, während er seine andere Hand um meinen Hals legt. Ich keuche auf, vorübergehend erschrocken, weil er mich komplett dominiert, aber seine Hüften pumpen, und mein Atem verwandelt sich schnell in einen Lustschrei.

Er treibt sich tiefer in mich, bis wir eins sind und seine Stöße langsamer werden, er sich ganz herauszieht, bevor er sich wieder bis zum Anschlag in mir versenkt, und das jedes Mal mit genug Kraft, um mich zum Schreien zu bringen, immer und immer wieder, bis mir die Augen im Kopf zurückrollen. Er bringt mich zum Stöhnen und Aufschreien, als würde ich gerade zum ersten Mal gevögelt werden.

»O mein Gott!«, stoße ich aus, während meine Hüften zittern und ich auf seinem Schwanz komme. Er lässt nicht nach. Mein nächster Orgasmus baut sich bereits auf. Ich bin mir nicht sicher, wie viel mehr ich noch vertragen kann.

Bradshaw schiebt seine Hand meine Kehle hoch und bis zu meinem Mund, stößt mir gewaltsam zwei Finger zwischen die Lippen und atmet mir ins Ohr. »Welcher Gott? Heute Abend schreist und stöhnst du nur für mich. Kein Gott wird bezeugen, was ich mit dir mache.« Bei seinen Worten schließen sich meine Lider mit einem Flattern, und ich sauge an seinen Fingern.

Er lacht leise und stößt fester in mich hinein. Wieder schreie ich auf, kralle die Finger ins Laken und beiße ihm auf die Finger. Er stöhnt und zieht sie aus meinem Mund heraus, lässt sie an meinem Kiefer hinuntergleiten, um meinen Kopf so zu drehen, dass er mich küssen kann. Er schiebt seine Zunge tief in meinen Mund und verschlingt mich. Unser heißer Atem vermischt sich. Seine Stöße werden schneller und seine Atmung unregelmäßiger. Mein gesamter Körper pulsiert mit der Erlösung, die wie ein Feuer durch mich hindurchschießt.

Ich kralle mich ins Laken, als er ein paar Sekunden nach mir kommt, seine Hüften fester gegen meine presst und seine Arme um meine Brust legt, während sein geschwollener Schwanz in mir pocht. Er steckt ganz tief in mir und pulsiert mit jedem seiner Stöße. Ich bin noch nie so erfüllt und gesättigt gewesen. Er knirscht mit den Zähnen und stöhnt noch mal auf, bevor sein Körper auf mir erschlafft.

Unser Atem beruhigt sich, und er rollt uns auf die Seite. Er hält mich eng an seine Brust gedrückt, sein Schwanz immer noch tief in mir drin. Es würde mich nicht wundern, wenn das Kondom während dieses heftigen Nahkampfes geplatzt wäre. Ich habe es nicht so mit zärtlichen Umarmungen – Jenkins war der Einzige, der mich halten durfte –, aber da ich mir diese letzte Nacht voller Spaß gönne, schließe ich die Augen und genieße es einfach.

Bradshaw streicht mit dem Daumen ein paarmal lang und träge über meine Seite, bevor er mich auf die Schulter küsst. Langsam lässt er seinen Schwanz herausgleiten, und ich bleibe leer zurück. Ich will mit ihm sprechen und ihn kennenlernen, und sei es auch nur ein bisschen. Aber ein Blick in seine kalte Miene reicht, damit ich den Mund halte. Wieder hat er diesen abweisenden Ausdruck an sich, als hätte er einen Schalter umgelegt.

Wir haben das getan, weswegen wir hergekommen sind. Das steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Richtig. Ich bringe mein Gehirn auf den gleichen Stand.

Während ich aufstehe, um an ihm vorbei ins Badezimmer zu gehen, schenke ich ihm ein ernsthaftes Lächeln. »Das war ein guter Fick. Du findest selbst hinaus«, sage ich so entschieden wie möglich. Mir ist es lieber, wenn ich diejenige bin, die sich kaltschnäuzig von ihm trennt, als andersherum.

Erstaunlicherweise kann ich mich davon abhalten, mich noch ein letztes Mal zu ihm umzudrehen. Diese kalten Augen und dieses atemberaubende Gesicht werde ich niemals vergessen. Die Narben, die eine Million Fragen und Geschichten enthalten, die ich nie erfahren werde.

Ich schließe die Badezimmertür hinter mir und drehe die Dusche auf. Als ich sehe, wie Dampfschwaden durch die Luft wabern, schlüpfe ich unter den Wasserstrahl.

Es war ein netter Abend. Morgen werde ich wieder eine Killerin sein. Dann werde ich den Schafspelz ablegen und wieder ich selbst sein. Aber heute Abend war schön, denke ich, während ich mich einseife. Egal wie unverdient ich es finde, mich selbst mit Dingen zu verwöhnen, die mir Freude machen. Meine toten Kameraden würden mich sicher dazu ermutigen, mir noch ein letztes Mal etwas zu gönnen, bevor ich wieder in Blut und Schlamm zurückgeworfen werde.

Die Tür knarrt, als ich mir die Haare einshampooniere. Ich spüle mir das Gesicht ab und wische mir die Augen, bevor ich sie öffne. Ein Flattern macht sich in meinem Bauch breit, und ich keuche leise auf.

Bradshaw steht neben mir unter der Dusche und beobachtet mich mit undurchschaubarem Gesichtsausdruck.

»Warum bist du immer noch hier?«, frage ich, wobei ich nicht so grausam klinge, wie ich wollte.

Sein Mundwinkel wandert nach oben, und er stützt eine Hand an der Wand hinter mir ab. »Noch nie zuvor hat mich jemand rausgeworfen, und es gefällt mir nicht.«

Ich stoße den Atem aus und verdrehe die Augen. Sein Grinsen wird nur noch breiter.

»Ich muss morgen früh raus, also …«

Er bricht in Lachen aus, und das schockiert mich. Ich hätte echt nicht gedacht, dass dieser Mann lachen kann. Bei der Wärme, die sich nur durch den Klang seines rauen Lachens in meinem Herzen ausbreitet, balle ich die Hände zu Fäusten. Vielleicht liegt es daran, dass ich merke, wie selten er lacht, auch wenn er ein Fremder für mich ist. Sein Lachen klingt ungeübt.

»Da haben wir es wieder. Es fühlt sich nicht gut an.«

Ich will mich von ihm abwenden, aber er erwischt mein Kinn und zieht mich für einen harten Kuss an seine Lippen. Als er mich loslässt, sind seine Augen voller Neugier, und er mustert mein Gesicht intensiv.

»Ich dachte, du wärst nicht hier, um mich kennenzulernen«, sage ich unwirsch.

Er beugt sich hinunter und fährt mit der Zunge von meinem Kehlkopf hoch zu meinen Lippen und küsst mich ein paarmal, bevor er murmelt: »Frag mich etwas.«

Erneut breitet sich Hitze zwischen meinen Oberschenkeln aus. Ich lasse mich von ihm zur Wand führen, während er mit seiner Zunge über mein Schlüsselbein fährt, meine nasse Haut kostet und jeden Zentimeter meines Körpers mit seinen Händen befühlt.

Ich unterdrücke ein Stöhnen und sage: »Tatsächlich war ich irgendwie hungrig und wollte mich waschen, bevor ich zu diesem Diner einen Block weiter laufe, an dem wir vorbeigekommen sind.«

Bradshaw zieht sich zurück und mustert mich, verengt die Augen, als könnte er mich nicht so richtig durchschauen. Aber er lächelt.

»Verdammt. Erneut zurückgewiesen«, murmelt er und zieht eine Augenbraue hoch. »Willst du Gesellschaft?«

Ich knicke ein.

»Gern.«

Kapitel 3

Nell

Bradshaw passt in die nächtliche Atmosphäre eines Diners, der rund um die Uhr geöffnet hat. Seine schwarze Kleidung ist finster, und seine Kapuze sitzt wieder fest auf seinem Kopf, wo sie hingehört.

Ich bedanke mich bei der Kellnerin, als sie mir eine Tasse Kaffee und Eier Benedict bringt. Bradshaw hat einen Becher Orangensaft und einen Frühstücks-Burrito bestellt.

Es ist jetzt ein Uhr morgens. So viel zum Thema früh ins Bett gehen. Aber es macht mir nichts aus, morgen müde zu sein. Dieser Abend ist viel, viel besser, als ich hätte hoffen können. So etwas wie das hier habe ich seit zwei Jahren nicht mehr verspürt. Und ich bin noch nicht dazu bereit, die Sehnsucht danach aufzugeben, etwas für jemanden zu empfinden. Ich werde seine Gegenwart genießen, solange ich kann.

Seit unserer Ankunft im Diner haben wir noch nicht ein Wort miteinander gewechselt. Er starrt mich nur die ganze Zeit an, als versuchte er, aus mir schlau zu werden. Zumindest blickt er mich nicht mehr finster an.

Ich gebe zwei Zuckerwürfel und drei von den kleinen Päckchen mit Milchersatz in meinen Kaffee, die sie in einer weißen Schüssel auf jedem Tisch stehen haben. Bradshaw nimmt einen Bissen von seinem Burrito und schließt die Augen.

»So gut?«, necke ich ihn, versenke das Messer in meinen Eiern und folge der Klinge begierig auf den Weg in die Glückseligkeit des Essens.

Er nickt. »Der beste Ein-Uhr-morgens-Burrito, den ich je gegessen habe.«

Ich lache. »Wie viele hast du denn schon gegessen?«

Er zuckt die Schultern. »Ich schätze mal, das hier ist der erste.«

»Du bist noch nie spätabends irgendwo essen gegangen?«

Er schüttelt den Kopf, wobei der leere Ausdruck langsam in seine Augen zurückkehrt. »Als Kind durfte ich das Haus abends nicht verlassen. Und ich bin früh zum Militär gegangen«, fasst er sich kurz.

Mein Kehlkopf hüpft. Ich wusste es. Vermeide es, über die Arbeit zu sprechen.

»Warum? Waren deine Eltern superstreng mit dir und Eren?«, frage ich, bevor ich mir einen Bissen in den Mund stopfe. Ich schließe die Augen, während die Sauce Hollandaise meine Geschmacksknospen überfällt. So gut.

Er sieht zu mir hoch und grinst süffisant.

»Wir sind früh verwaist. Unsere Pflegeeltern haben Eren tun lassen, was er wollte. Sie haben nur mich eingesperrt, weil sie glaubten, dass ich Menschen verletzen würde, wenn ich die Gelegenheit dazu hätte.«

Meine Gabel verharrt auf meinem Teller.

»Hättest du das?«

Bradshaw mustert mich neugierig, bis er schließlich antwortet. »Vielleicht. Ich war irgendwie immer ein verdorbenes Kind.«

Ich auch, will ich ihm gestehen, aber die Worte sterben mir auf der Zunge.

»Hmm, das ist seltsam«, bemerkt er, und Dunkelheit legt sich über seine eisigen Augen.

»Was?«

»Dies ist die Stelle, an der du eigentlich Angst vor mir bekommen solltest.«

Ich nehme einen Schluck von meinem Kaffee, bevor ich mich im leeren Diner umschaue. Mein Blick wandert wieder zu ihm zurück. »Du machst mir keine Angst.« Tut er doch, wenn auch nur ein kleines bisschen.

Ein unheimlicher Ausdruck macht sich in seinem attraktiven Gesicht breit und jagt mir Schauer über den Rücken.

»Tatsächlich?« Er hebt sein Glas und nimmt ein paar Schlucke. Sein Adamsapfel hüpft ein paarmal auf und ab, und ich hasse es, wie aufmerksam ich ihn beobachte. Er stellt das Glas wieder ab und leckt sich die Lippen. »Wovor hat eine Frau wie du dann Angst?«

Ich denke darüber nach, was mir Angst einjagt.

Ich hatte Angst davor, Jenkins und meine Einheit zu verlieren, aber das ist bereits passiert.

»Der Ozean.« Ich lächele spitzbübisch.

Er grinst sarkastisch. »Meinst du das ernst?«

Ich lache. »Natürlich! Jede Menge Menschen haben Angst vor dem Ozean. Er ist verdammt riesig, und da draußen in den Weiten des Gewässers verliert man so schnell die Kontrolle über alles.« Mich schaudert schon, während ich nur darüber rede.

Bradshaw beugt sich vor, die Ellbogen auf dem Tisch und das Kinn in seiner Handfläche aufgestützt. Ein paar schwarze Strähnen hängen ihm über die Stirn und machen ihn nur umso bezaubernder. Er zwinkert mir zu, als wären meine Worte interessant, und Zufriedenheit zupft an seinem Lächeln.

»Was guckst du so?«, frage ich verärgert.

»Ich sehe mir die Frau an, die Angst vor dem Ozean hat, aber nicht vor mir«, spöttelt er.

Ich verdrehe die Augen. »Nun, wovor hat ein Kerl wie du Angst?« Spielerisch stupse ich mit dem Fuß gegen seinen Schuh. Ich könnte mich gerade in einem nostalgischen Film befinden und mit dem Mann meiner Träume flirten. Ich sinniere darüber nach, während ich zusehe, wie er mit seiner Antwort zögert. »Und?«

»Ich habe vor nichts Angst.«

»Das ist Bullshit.« Statt ihn anzustupsen, trete ich ihn jetzt.

Er wirft mir einen finsteren Blick zu, bevor er nachgibt und den Kopf schüttelt, wobei er wieder beschwichtigend lacht.

»Okay, schön. Wenn ich eine Sache aufzählen muss, dann wäre es wohl, dass ich meinen Zwillingsbruder überlebe.«

Ich nicke. »Er ist der einzige Mensch, der dir wichtig ist?«

Seine Augen flackern. »Er ist der Einzige, der übrig geblieben ist.«

Also hat es andere Menschen gegeben, aber sie sind nicht mehr da. Ich lehne mich zurück und verschränke die Arme. Verlust ist mir nicht fremd. »Es tut mir leid, das zu hören.«

Bradshaw zieht eine Schulter hoch. »So ist das Leben.« Er schweigt für einen Moment, bevor er das Thema wechselt. »Und was macht jemand wie du hier in Coronado?« Er gibt der Kellnerin ein Zeichen, dass wir mit unserem Essen fertig sind.

»Ich probiere einfach neue Orte aus. Mal sehen, was zu mir passt«, lüge ich. Die Kellnerin kommt mit der Rechnung herübergetrottet, und meine Wangen werden warm, als er ihr Geld reicht, bevor ich etwas dagegen einwenden kann.

»Danke«, sage ich, während die Kellnerin sich entfernt.

Erwartungsvoll streckt er seine Hand nach meiner aus. Ich lasse meine Finger über seine gleiten.

»Es ist lange her, dass ich abgesehen von Eren jemanden getroffen habe, mit dem ich mich gerne unterhalte.« Mit dem Daumen streift er über meine Fingerspitzen, bevor er meine Hand loslässt und mit einem Nicken auf den Ausgang zeigt.

»Geht mir genauso. Nur offensichtlich ohne Eren«, murmele ich. Bradshaw verzieht das Gesicht und schüttelt mit einem süffisanten Grinsen den Kopf.

»Siehst du? Du hast gerade etwas Verrücktes gesagt.«

»Du ebenfalls.«

»Vielleicht ist das der Grund, warum ich nichts gegen dich habe.«

Ich warte, dass er mir vorausgeht, bevor ich vor mich hinlächele. Er klang gerade genauso wie Jenkins. Ich habe nichts gegen dich.