Leben im Hier und Jetzt - Kurt Tepperwein - E-Book
  • Herausgeber: mvg
  • Kategorie: Ratgeber
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2007
Beschreibung

ngste, Begrenzungen, Manipulation durch andere, Schuldgefühle und falsche Identifikationen: Der renommierte Lebenslehrer Kurt Tepperwein hilft mit vielen erprobten und praktischen Methoden, sich davon frei zu machen und ein authentisches Leben im Hier und Jetzt zu führen.

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Seitenzahl:384

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Sammlungen



Kurt Tepperwein

Leben im Hier und Jetzt

 

So lassen Sie seelischen Ballast los

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.

 

Für Fragen und Anregungen:

kurttepperwein@mvg-verlag.de

 

7. Auflage 2011

 

© 2007 by mvg Verlag, ein Imprint der FinanzBuch Verlag GmbH

Nymphenburger Straße 86

D-80636 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

 

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

 

Umschlaggestaltung: Vierthaler & Braun Grafikdesign, München

Umschlagabbildung: © photodisc

 

ISBN 978-3-86415-235-1

 

Weitere Infos zum Thema

 

www.mvg-verlag.de

Gerne übersenden wir Ihnen unser aktuelles Verlagsprogramm.

Inhaltsverzeichnis

Willkommen im Club der Losgelösten

Loslassen bietet viele Vorteile

Raum für die Fülle schaffen

Leben ist Wandel und Loslassen

Vom Papagei zum Adler

 

Was sollten Sie konkret loslassen?

Abhängigkeit

Ändernwollen anderer

Armut und Angst vor Armut

Begrenzungen

Bewertungen

Demütigungen

Film- und Fernsehkonsum, der unnötig ist

Hoffnungen und Hoffnungslosigkeit

Identifikationen

Krankheit und Kränkungen

Leiden und die Angst vor Leiden

Manipulation

Projektionen

Schuldgefühle

Selbstbild (negatives)

Selbstbestrafung

Skripten

Traumata

Überreaktionen auf Kritik

Überreaktionen auf das Verhalten anderer

Verstand und Identifikation mit diesem

Weitere Dinge, die Sie loslassen sollten

 

Loslassen in Beziehungen

Machen Sie die Liebe nicht zur Fessel

Trennungsaggressionen wahrnehmen, sich erlauben und loslassen

Wut und Zorn in Beziehungen

Trennungsängste formulieren

Wann sollten Sie eine Trennung auf Zeit in Erwägung ziehen?

Freiwilliges Ja, freiwilliges Nein

Keine Beziehung dauert ewig

Wie Sie eine dauerhafte Trennung „überleben“

Identität und Selbstwert

Eine Trennung nicht persönlich nehmen

Zwölf goldene Regeln für den Fall einer Trennung

Intim und zugleich losgelöst leben

Praktische Übungen, um Verstrickungen loszulassen

Die „magische Acht“

 

Praktische Hilfen zum Loslassen von A-Z

Asoziieren – dissoziieren

Bezugsrahmen verändern

Drei-Schritte-Technik

Einfühlsames Zuhören

Ganzheitliches Empfinden – wie Tiere Traumata heilen

Herzensintelligenz nutzen

Hören, was der Körper zu sagen hat

Hurra-Technik – negative Gedanken loslassen durch Karikatur

Ja-Meditation

JA – das gesündeste Wort der Welt

Schrumpfen

Verwerfen

Vier-Schritte-Technik

Zerschnipseln

 

Blockaden ausdrücken, in reine Energie verwandeln und loslassen

„Gute“ und „schlechte“ Energien los- und durchlassen

Den Aggregatzustand von Energie verändern

Blockaden durchlichten (Schnellmethode)

 

Wie Sie Belastungen einfach wegklopfen

Das Geheimnis der Klopfakupunktur

Gleichnis: Jetzt

Das abschließende Dankgebet

Wie Sie sich positive Qualitäten einklopfen

Sich ändern in einem Augenblick (Schnellmethode)

Mit dem Körperunterbewusstsein sprechen

 

Loslassen mithilfe des höheren Selbst

Kontaktaufnahme mit dem höheren Selbst

Sich bewusst machen, was wirklich loszulassen ist

Der Zaubersatz „Ich lasse los!“

Der Sinn von Loslass-Sätzen

Positives annehmen

Loslassen und die Wurzeln der Vergangenheit

 

Die Welt als Spiegel betrachten – und loslassen

Das Gesetz des Spiegels

Das 10-Schritte-Programm zu Glück und Lebensfreude

 

Urvertrauen und Unschuld

Das Geheimnis des Urvertrauens

Die Transformationskraft der Unschuld

Losgelöst leben mithilfe der Energie der Unschuld

Die Energie der Unschuld in Beziehungen

Feindseligkeiten und Schuldgefühlen begegnen durch die Energie der Unschuld

Angekommen leben

Ihr Leben ist die Antwort

 

Anmerkungen und Literaturverzeichnis

 

Stichwortverzeichnis

 

Über den Autor

Willkommen im Club der Losgelösten

Das Leben ist zu schade, um es einfach abzusitzen.

FRANZ A. KOCH

Loslassen bietet viele Vorteile

Loslassen ist der natürlichste Vorgang der Welt: Wir nehmen Nahrung auf, verarbeiten sie und lassen sie los. Die Natur erblüht in schönster Farbenpracht und lässt sie im Winter wieder los.

Die Chinesen wissen schon seit Tausenden von Jahren, dass Loslassen mehr Stärke erfordert als Festhalten. So gilt in der Traditionellen Chinesischen Medizin das „losgelöst fließende Wasser“ als das stärkste und das harte Metall als das schwächste aller Zeichen. Auch in der Biologie zeigen sich Härte und Starre als Zeichen des Todes, denken wir nur an den Altersstarrsinn und die „Verkalkung“. Das Weiche, Losgelöste und Flexible gilt dagegen als das Zeichen des Lebens. Beispielsweise lehrt das Hatha-Yoga, die Jugendlichkeit des Menschen sei proportional zur Flexibilität seiner Wirbelsäule.

Alles, was wir festhalten, hält uns auch fest. Es gibt schöne Beispiele, die dies verdeutlichen:

In Afrika werden Affen mit folgendem Trick gefangen: Man legt eine Kokosnuss in einen Behälter mit einer relativ engen Öffnung. Der Affe möchte die Nuss herausholen, bekommt aber die geschlossene Hand nicht mehr aus dem Behälter heraus. Die Nuss loszulassen ist er nicht bereit, also ist er gefangen.

In Pompeji fand man Skelette in der Nähe des Vulkans, die Goldmünzen in der Hand hielten. Sie waren so versessen darauf, ihre Schätze zu sichern, dass sie nicht rechtzeitig fortliefen – lieber starben sie, als ihre Reichtümer loszulassen.

Muhammad Ali, einer der größten Boxer aller Zeiten, konnte seinen Titel nicht loslassen, bevor es zu spät war. Er absolvierte noch in einem viel zu hohen Alter einen Kampf nach dem anderen, statt abzudanken. Für den Rest seines Lebens leidet er bedauerlicherweise unter den Schlägen, die er in seinen letzten Kämpfen einstecken musste.

Wenn wir festhalten, ...

fühlen wir uns emotional und seelisch belastet.

hängen wir an der Vergangenheit.

leben wir nicht mehr zeitgemäß.

machen wir die Vergangenheit verantwortlich für unsere Zukunft.

nehmen wir uns selbst aus dem Leben.

nehmen wir unserem Leben die Lebendigkeit.

rechtfertigen wir den „Käse“ von gestern.

sind wir von gestern.

vergraulen wir unseren Partner (er kann sich nicht frei bewegen).

verhalten wir uns wie unreife Kinder.

verkrampfen wir uns.

müllen wir uns innerlich und äußerlich zu.

versuchen wir alten Wein in neue Schläuche zu gießen.

züchten wir Angst vor Veränderung.

In Bayern sagt man „Tritt fest auf, mach’s Maul auf, hör bald auf“, und meint damit: Erkennen Sie, wann die Zeit für einen Wechsel gekommen ist. Durch Loslassen schaffen wir Raum für Neues. Wann immer wir etwas Neues haben wollen, müssen wir zuerst etwas Altes, das diesen Platz im Außen oder in unserer Psyche besetzt hält, loslassen. Wenn wir loslassen, …

aktivieren wir unsere Lebendigkeit.

entlassen wir andere aus unseren Projektionen.

erlauben wir uns, vom Leben berührbar zu sein.

fördern wir unsere Kreativität.

geben wir der Vergangenheit losgelöst die Ehre.

leben wir im Hier und Jetzt.

sind wir frei von den Projektionen anderer.

sind wir offen für das Neue.

vitalisieren wir uns.

entdecken wir unsere Unschuld wieder.

Loslassen im Sinne dieses Buches ist in erster Linie ein inneres Loslassen. Aber Sie können damit auch im Außen beginnen. Denn alles, was Sie im Außen festhalten, symbolisiert eine Sache, die Sie im Innen festhalten. Wenn Ihre Wohnung voller Gerümpel ist, kann das darauf hinweisen, dass Sie viel Gedankenmüll mit sich herumschleppen. Wenn Sie sich durch überholte Beziehungen schleppen, zeigt dies, dass Ihre Beziehung zu Ihnen selbst einer Erneuerung bedarf: Entweder Sie recyceln Ihre äußeren Beziehungen durch Liebe, Aufmerksamkeit und aufrichtiges Bemühen (Blumen wirken manchmal Wunder) oder Sie lassen sie los. Da es in diesem Buch vor allem um seelisches Loslassen geht, als Tipp eine nette Lesehilfe zum äußeren Loslassen – mein Buch „Loslassen, was nicht glücklich macht!“.

Unsere Zeit hat eine noch nie da gewesene Schnelllebigkeit entwickelt. Statistiken besagen, dass der Bereich, der gerade am schnellsten wächst, nicht der der Computerisierung, sondern der der menschlichen Psyche ist. Auch wenn sie dabei ewigen Gesetzmäßigkeiten gehorcht, so erleben wir doch an einem einzigen Tag mehr als unsere Vorfahren in einem ganzen Leben. Unzählige Sinneseindrücke stürzen auf uns ein. Unser eigenes Leben ist wesentlich abwechslungsreicher und bunter geworden. Und wenn wir nicht aufpassen, werden wir dabei an allen Ecken und Enden mit Müll vollgestopft, innerlich wie äußerlich. Vielleicht kommt unsere Psyche deshalb mit der Verarbeitung dessen, was wir erfahren haben, oft nicht nach.

Eine neue Sucht wird immer stärker, das Ansammeln all dessen, was man in die Finger bekommt („Messie-Syndrom“). Betroffene, die sogenannten Messies, sind den Statuten der „anonymen Messies zufolge Menschen, die an einem Vermüllungssyndrom leiden, auf Deutsch gesagt: Sie können nichts mehr loslassen. Schlimmer aber noch als das physische Messie-Syndrom ist das seelische, denn dieser Mensch hängt an längst vergangenen Erlebnissen, Traumata etc. und verpasst dadurch das Wunder des Augenblicks. Dieses Buch soll Ihnen helfen, alten Seelenmüll loszulassen, sodass Sie frei werden für das Jetzt! Dafür werden Sie nach und nach mittels zahlreicher Techniken und Hilfsmittel zu neuen Qualitäten geführt, die Ihnen ein von Seelenmüll losgelöstes Leben erlauben: zu Urvertrauen, der Energie der Unschuld und der Gabe, das Leben und seine Weisheit als den größten aller Lehrer anzunehmen und mit ihm zu kooperieren.

 

Übung 1: Welche Vorteile würde es Ihnen bringen, wenn Sie ... loslassen könnten?

 

Übung 2: Woran halten Sie noch fest und welche Nachteile nehmen Sie dafür in Kauf?

 

Übung 3: Notieren Sie, was Sie im Außen loslassen möchten. Versteigern Sie unnötige Wertgegenstände zum Beispiel bei Ebay, bringen Sie Sperrmüll auf den Wertstoffhof und recyceln Sie Ihre Beziehungen usw.

Raum für die Fülle schaffen

Loslassen führt zu ökologischer und ökonomischer

Zielerreichung und hat nichts mit Gleichgültigkeit

und Desinteresse zu tun. Loslassen ist die grundlegende

Haltung des Vertrauens.

PETER BEUTLER, NEW THINK GROUP

Das Buch „Momo“ erzählt eine Geschichte von Zeitdieben, die als graue Herren dafür sorgen, dass die Menschen so sehr beschäftigt sind, dass sie keine Zeit mehr füreinander haben. Doch wer sind diese geheimnisvollen grauen Herren, die uns die Zeit und die Lebensenergie stehlen? Es sind unsere veralteten Gedanken und Gedankenmuster, schließlich gilt Grau seit alters als Farbe der Gedanken („graue Zellen“). Momo lehrt uns nicht, das Denken loszulassen, sondern das unbewusste Festhalten an alten Gedanken, Gedankenmustern, Anhaftungen, die uns nicht mehr gerecht werden, sondern uns einfach nur das Wertvollste stehlen, das wir neben der Gesundheit haben: die Zeit für uns selbst, die Zeit für das Jetzt!

Eigentlich ist ja Zeit das gerechteste Prinzip der Welt: Jeder bekommt jeden Tag 24 Stunden. Viele Menschen verfügen sogar über das, was sie „Freizeit“ nennen, das heißt Zeit, die sie selbst nutzen könnten, wären da nicht jene grauen Herren, die auch mit verantwortlich sind für den ganzen Freizeitstress – denn im Hier und Jetzt gibt es keinen Stress. Kaum einer verfügt über „Gedankenfreizeit“, also Zeit, in der er seine Gedanken und Einstellungen frei wählen kann, in der er seine eigene Ursprünglichkeit im Hier und Jetzt leben und erleben kann.

Wir erkennen dies spätestens dann, wenn es darum geht, jemand anderem aufmerksam zuzuhören. Wir haben zwar die Zeit, stundenlang fernzusehen oder im Internet zu surfen, aber wir haben kaum noch Zeit füreinander. Und wenn wir miteinander reden, dann reden wir meistens aneinander vorbei, da jeder in seinem Gedankenfilm gefangen ist, den er dem anderen vor die Füße wirft. Wirkliche Begegnung kann aber nur im Hier und Jetzt stattfinden, nicht indem man einander mit Meinungen, Rechthabereien, Vorurteilen, Erwartungen, Projektionen und gedanklichen „Trips“ zumüllt, sondern indem man einander Zeit und Raum schenkt. Eigentlich ist das so einfach und bringt so viel Liebe, Nähe, Freundschaft in unsere Beziehungen – wären wir nicht so sehr eingemüllt mit uns selbst, dass wir uns eigentlich vor jeder Begegnung erst einmal entsorgen müssten, um dem anderen ein Geschenk – und keine Zumutung zu sein.

Da Zeit und Raum gemäß Einstein einander entsprechen, können wir auch sagen: Wir haben kaum noch Raum füreinander. Nicht nur der Lebensraum auf diesem Planeten wird immer enger, sondern auch unser seelischer Innenraum wird immer mehr vollgestopft. Es ist deshalb ein richtiger Segen, einmal einem Menschen begegnen zu können, der Raum für uns hat, dem wir beispielsweise sagen können, was wir auf dem Herzen haben, ohne dass wir innerhalb weniger Minuten unterbrochen oder für das Gesagte verurteilt werden.

Untersuchungen weisen darauf hin, dass hinter vielen Einzelpersonen oder Völkergruppen, die gewalttätig wurden, Menschen stehen, die nie richtig gehört, das heißt angenommen wurden.1 Damit soll nicht internationaler Terrorismus gebilligt, sehr wohl aber ein Lösungsweg angedeutet werden: Wenn wir lernen einander zuzuhören und Raum zu geben für unsere tiefsten Bedürfnisse, wenn wir den Terror in uns loslassen und unserem Selbst zu lauschen beginnen, bewegen wir uns individuell und kollektiv immer mehr in ein Klima hinein, in dem wir innerem und äußerem Terror in uns immer weniger Resonanzraum bieten.

„Ein Freund“, so sagte einmal jemand nachdenklich, „ist jemand, bei dem man reden kann, ohne zu denken, und der einen danach noch ebenso liebt wie zuvor“. Doch diesen Raum geben wir einander fast nie. So viele Beziehungsprobleme könnten gelöst und in Liebe überführt werden, würden die Partner Raum füreinander schaffen, einander zuhören, den inneren Raum für den anderen öffnen. Wenn Menschen beispielsweise fremdgehen, liegt dies oftmals gar nicht so sehr am äußeren Reiz, sondern an dem Bedürfnis, gehört und verstanden zu werden, zu erleben, dass jemand seinen inneren Raum für uns öffnet.

Thadäus Golas schreibt in seinem Buch „Der Erleuchtung ist es egal, wie du sie erreichst“: „Liebe bedeutet die Fähigkeit, mit einer andersartigen Energie im gleichen Raum zu sein!“ Damit wir den anderen mit seinen Eigenarten und dem, was er anschleppt, ertragen, ja vielleicht sogar genießen können, benötigen wir Leere, Urteilsfreiheit, Losgelöstheit, letztendlich auch die „Energie der Unschuld“ – eben all die guten Eigenschaften, die uns das Loslassen bringen kann.

Wer voll ist von sich selbst, hat diesen Raum nicht und ist letztendlich damit auch nicht beziehungsfähig, selbst wenn er sich noch so viel Mühe geben mag, einen anderen Menschen bei der Stange zu halten. Er versucht das, was er an Bildern und Idealen in sich trägt, der Beziehung überzustülpen, etwa als Idee, wie der Partner sein, welche Kleidung und welchen Haarschnitt er tragen sollte, wie der Tag gestaltet werden sollte, wann der Partner nach Hause kommen sollte und so weiter. Besonders kritisch wird es, wenn es um den Bereich der Überzeugungen und Gefühle geht.

Dem Partner macht es Angst, sich mit dem anderen und seinen Vorstellungen zu konfrontieren. Er verstummt dann in „innerer Kündigung“ und „Weitblick nach draußen“.

„Innere Kündigung“ stellt sich als Reaktion ein, wenn man darin resigniert hat, sich dem Partner verständlich machen zu wollen, wenn man durch die Vorstellungen, den Seelenmüll, den der andere in sich trägt, nicht hindurchkommt.

Wer weiß, dass es Ärger geben wird, wenn er in der Beziehung das sagt, was er fühlt und denkt, ballt lieber die Faust in der Tasche, kündigt aber innerlich die Beziehung. Er macht gewissermaßen Dienst nach Vorschrift, vor allem dann, wenn er sich aus bestimmten Gründen (gemeinsamer Besitz, Ehe, Kinder, Angst vor Einsamkeit usw.) nicht traut, die Beziehung aufzukündigen. Aber der Blick geht sehnsüchtig in die Ferne, man sehnt sich nach einem anderen Leben, einem anderen Partner.

Beispiel – Papstbesuch: Partner A ist dogmatisch katholisch erzogen worden. Vielleicht hat er von seinen Eltern gehört, er sei ein armer Sünder, müsse permanent zur Beichte gehen usw. Daher hat er eine Aversion gegen die katholische Kirche und findet sein Heil in einer freigeistigen Lebensanschauung. Partner B ist da ganz anders: Er ist tief berührt vom neuen Papst und möchte gern anlässlich des Papstbesuches zur Messe nach München gehen. Partner A macht ihm deswegen eine Szene, beschimpft ihn als konservativen Biedermann und droht, die Beziehung zerbrechen zu lassen, wenn der andere zum Papstbesuch geht. Partner B tut das nun heimlich, ist nach wie vor stark berührt, geht sonntags heimlich in die Kirche und sehnt sich nach einem Partner, der seine Glaubensrichtung toleriert (Weitblick nach draußen). Hätte Partner A seinen Seelenmüll entsorgt, würde er prima damit leben können, dass Partner B den Papst toll findet und er nicht – beide könnten sich offen ihre unterschiedlichen innerseelischen Regungen mitteilen.

Beispiel – Kleiderwahl: Partner A ist sehr stark schamorientiert. Er achtet darauf, stets die beste Kleidung zu tragen, frisch gewaschen und möglichst Designerware, weil er auf keinen Fall riskieren möchte, dass über ihn gespottet wird. Partner B ist eher ein lässiger Typ. Er hat in der Kindheit gute Kleidung, besonders Krawatte und Anzug, im Zusammenhang mit strenger Erziehung, Steifheit und Rigidität erlebt und kleidet sich jetzt deshalb gern lässig. Solange beide Partner ihren Seelenmüll nicht entsorgt haben, werden sie einander den andersartigen Kleidungsstil vorwerfen. Partner A wird sagen, dass er sich an der Seite des schlampig gekleideten anderen schämt. Partner B wird erklären, dass er sich an der Seite von A steif vorkommt. Erst wenn beide ihre Hintergrundthemen (also den Seelenmüll), aufgrund derer sie ihre Überzeugungen so heftig verteidigen, gelöst haben, können sie sich entspannen. Auf einer freiwilligen Basis können sich jetzt beide Partner im Kleidungsstil einander annähern und bekunden, dass sie den anderen so sehr lieben, dass diese Unterschiede nahezu bedeutungslos sind.

Wer seinen Seelenmüll nicht entsorgt hat, ist so mit sich selbst belastet, dass er gar nicht in der Lage ist, Anteil zu nehmen an dem, was seinen Nächsten bewegt, und es erst recht nicht verarbeiten kann. Das Leiden, das ein anderer ihm mitteilen möchte, klickt dabei so stark eigene Themen, Erlebnisse, Traumata an, dass er den anderen ganz schnell abwehren muss, weil alles ihn an eigenes Verdrängtes erinnert. Doch dadurch bleibt man einander auch irgendwo fremd. Viele Menschen verspüren in sich eine starke Sehnsucht nach Verbundenheit und wären auch bereit, einiges dafür zu tun. Doch diese Verbundenheit, nach der wir uns sehnen, können wir weder kaufen noch erschmeicheln, indem wir dem anderen Komplimente machen. Verbundenheit erfahren wir nur, wenn wir dem anderen den Raum geben, sich zu zeigen, sich zu offenbaren, wie er ist, wenn wir unsere eigenen Abwehrstrategien ein wenig zur Seite schieben können, sodass der andere spürt, dass er sich in unserer Nähe offenbaren darf, ohne dafür bewertet oder gar gemaßregelt zu werden. Aus diesem Grund ist das Entsorgen des eigenen Seelenmülls der beste Beitrag, den wir zu einer Beziehung leisten können.

Wie schön ist es, jemandem zu begegnen, der über einen weiten inneren Raum verfügt, dessen Geist nicht mit eckigem, kantigem oder manchmal gar stacheligem Sperrmüll vollgestellt ist und durch dessen Psyche die „Winde des Himmels“ tanzen. Mit so jemandem zusammen zu sein kann wahrlich entlasten.

Victor Hugo schrieb einmal: „Mir ist auf der Straße ein sehr armer junger Mann begegnet, der verliebt war. Sein Hut war alt, sein Mantel abgetragen, Wasser rann durch seine Schuhe. Aber Sterne zogen durch seine Seele.“ Begegnet uns so ein Mensch im Beruf, wirkt er vertrauenswürdig (des Vertrauens würdig). Wir sind bereit, von ihm zu kaufen oder mit ihm Geschäfte zu machen. Begegnet uns so jemand im Privatleben, sind wir geneigt, uns in ihn zu verlieben, zumindest aber seine Freundschaft zu suchen. In der Gegenwart eines Losgelösten, der über inneren Raum verfügt, fühlen wir: „Hier bin ich Mensch, hier kann ich’s sein!“

Die ZEN-Meister sagen: „In eine volle Tasse kann man nichts hineingießen!“ Und so ist in der ZEN-Tradition die Fülle in der Leere zu finden, in der Losgelöstheit, in einem weiten inneren Raum, frei von seelischem und äußerem Müll.

Auch Sie können so jemand sein, der über innere Weite verfügt. Es ist genau dieser weite innere Raum, der die Fülle verursacht, die Sie suchen, so wie der weite Sternenhimmel Millionen von leuchtenden Sternen in sich birgt.

Für unseren äußeren Abfall haben wir mittlerweile ausgeklügelte Entsorgungssysteme entwickelt. Dieses Buch mit seinen Übungen und Erkenntnissen bietet Ihnen nun ein ausgeklügeltes seelisches Entsorgungssystem an und einen „inneren Wertstoffhof“, den Sie zur Entsorgung Ihres Seelenmülls nutzen können. Damit schaffen Sie sich eine gute Grundlage für die Fülle an Raum, die Sie sich und anderen bieten können. Dabei wünsche ich Ihnen viel Freude

 

Ihr Kurt Tepperwein

 

Übung: Betrachten Sie sich einmal losgelöst von Ihrer jetzigen Situation. Stellen Sie sich vor, Sie könnten sich und Ihre Lebensumstände völlig neu erfinden.

 

Wie würde Fülle in Ihrem Leben aussehen?

Welche Art von Beziehungen würden Sie führen und welchen Lebensstil hätten Sie?

Werd ich zum Augenblicke sagen,

Verweile doch! Du bist so schön!

Dann magst du mich in Fesseln schlagen,

dann will ich gern zu Grunde gehen!

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE, FAUST I

Leben ist Wandel und Loslassen

Freiheit und Glück bestehen im Loslassen,

nicht im Sammeln und Bewahren.

WOLFGANG JOOP, MODEDESIGNER

Leben ist Wandel. Gelebt zu haben bedeutet, sich gewandelt zu haben. Alles verändert sich – und dies ist gut so, denn sonst würde es langweilig werden. Die Veränderungen des Lebens haben ihre eigene Zeit. Dem, der im Krankenhaus liegt, vergeht die Zeit viel zu langsam. Er würde gern seinen Krankenhausaufenthalt „loslassen“, doch die Zeit scheint stillzustehen, die Minuten schleichen nur dahin. Und je mehr der Betreffende sich wünscht, dass die „schlechte Zeit“ vorübergeht, umso zäher klebt der Augenblick an ihm. Wir kennen dies auch von ungeliebter Arbeit:

Der Verkäufer im Geschäft langweilt sich, weil keine Kunden kommen, und wünscht sich den Feierabend herbei, doch die Minuten schleichen.

Der Verliebte, der auf seine Geliebte wartet, sehnt den Augenblick herbei, an dem sie endlich da ist. Jedes Mal, wenn er auf die Uhr schaut, haben sich die Zeiger offenbar nur geringfügig weiterbewegt.

Wie anders ergeht es hingegen dem Liebespärchen, das eine Woche Urlaub auf Ibiza gebucht hat. Kaum ist es angekommen, steht auch schon die Abreise bevor, auch wenn es am liebsten ewig im „Honeymoon“ verweilen möchte.

Der Grund, warum die Zeit des Leidens und des Zuwartens uns länger vorkommt als die Zeit der Freude, liegt in unserem Widerstand: Je mehr wir vor einer Situation flüchten wollen, umso mehr klebt sie an uns. Erst wenn wir bereit sind, in dem, was ist, voll aufzugehen, kommen wir innerlich wieder in Fluss. Wir lassen los und die Zeit verliert ihre Klebrigkeit – sie beginnt wieder zu fließen, lässt uns los.

Sobald wir gegen das, was ist, keinen Widerstand mehr leisten, erleben wir das Wunder der Wandlung. Hier ist das Leben gut für Überraschungen. Der Verstand meint zwar ganz klar zu wissen, was passiert, wenn er loslässt – seine Meinung bezieht er aus gespeicherten Bildern der Vergangenheit –, doch nur wenn wir uns hingeben und innerlich und äußerlich loslassen, erfahren wir, was wirklich geschieht.

In unserem Kulturkreis können wir das große Geschenk, das Loslassen, in der Natur Jahr für Jahr beobachten. Vivaldi hat diesen Wandel in seinen „Vier Jahreszeiten“ in eine musikalische Form gebracht, die uns stets aufs Neue berühren kann. Ein Baum treibt aus und entwickelt Knospen. Daraus werden Blüten, später Früchte. Sie fallen zu Boden, „lassen los“, um mit ihrem Samen die Saat für das nächste Frühjahr zu legen. Würden die Früchte nicht loslassen, gäbe es auch keine neuen Bäume.

Sie können die Zeit nicht festhalten, aber Sie können mit ihr kooperieren. Indem Sie loslassen, sind Sie eingebunden in den Lauf der Schöpfung, in das Leben mit seinem großen Loslassen und seinen Neuanfängen. Loslassen bedeutet, am Ganzen teilzunehmen und sich selbst als Verwalter Ihrer Besitztümer, Ihres Umfeldes, Ihrer Position zu erleben, wissend, dass nichts von alldem, was Sie Ihr Eigen nennen, letztendlich Ihnen gehört.

Loslassen müssen Sie am Ende alles, sogar Ihr Leben. Sie kommen nackt auf die Welt und müssen nackt wieder gehen. Wenn ein Besitz zu Ihnen (Ihrem Selbst) gehören würde, dürften Sie ihn in den Tod mitnehmen, doch das ist nicht der Fall.

In alten Gräbern entdeckte man die Schätze des Königs oder Pharaos, die mit ihm beerdigt wurden. Wir erkennen heute die Sinnlosigkeit dessen. Aber noch immer setzen wir den Körper eines Menschen mit seinem Selbst gleich. Wir glauben, dass sich im Grab das Wesen des Menschen befindet, den wir einmal geliebt haben. Niemand käme auf die Idee, seinen alten Wintermantel zu begraben und einen Stein daraufzulegen, auf dem steht „Hier ruht mein alter Wintermantel“. Damit will ich nicht der Grabpflege den Sinn absprechen. Sehr wohl können wir am Grab eines Menschen mit seiner Seele geistig Kontakt aufnehmen. Doch es gilt zu erkennen: Sie sind nicht der Körper, den Sie tragen.

Wenn Sie in einen Spiegel schauen, sehen Sie zwar einen Körper, mit dem Sie sich identifizieren. Doch der Körper kann nicht sprechen, sondern da ist jemand, der diesen Körper besitzt. Dies zeigt sich auch ganz richtig in der Aussage: „Das ist mein Körper!“ Also ist da ein Besitzer. Spätestens mit dem Tod müssen Sie auch Ihren Körper loslassen.

Das Einzige, was Sie mitnehmen können, sind Ihre Erkenntnisse, Fähigkeiten, insbesondere Ihre Weisheit und Liebe. Wenn Sie am Ende des Lebens sagen können: „Ich habe geliebt“, ist dies der Passierschein für alle Himmelstüren. Jesus sagt in dem Zusammenhang: „Sammelt nicht Schätze auf Erden, wo Motten und Rost sie zunichte machen und wo Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt vielmehr Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie zunichte machen und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn da, wo dein Schatz ist, wird auch dein Herz sein.“ (Matth. 6, 19-21).

Das Leben ist wie eine Reise in einem Zug: So wie scheinbar die Landschaften an dem Zug vorüberziehen, so zieht auch Ihr Leben vorüber. Ob Sie die Fahrt im Zug genießen oder nicht, steht Ihnen frei.

Vom Papagei zum Adler

In den Traditionen der Urvölker gilt der Adler nicht nur als der Vogel der Lüfte, sondern auch als das Krafttier, das dem Menschen hilft, sich über Niederlagen hinwegzuheben und sich erneut auf die Erfolgspur zu begeben. Der Papagei hingegen gehört zu den Vögeln, die zwar viel reden, vielleicht auch bunte Federn tragen, aber sich nicht in große Höhen aufzuschwingen vermögen. Er erinnert eher an den Papageno in Mozarts „Zauberflöte“.

Matt Galan Abend hat den Vorgang des Loslassens sehr schön mit den folgenden Worten beschrieben: „Die wahre Natur des Menschen ist die eines Adlers, ohne Grenzen zwischen Himmel und Erde, schwebend, die Fülle der Schöpfung zu seinen Füßen. Aber die meisten Menschen sind zu Papageien geworden. Sie sitzen flugunfähig in ihren Käfigen und plappern nach, was man sie gelehrt hat, damit sie gemocht und gefüttert werden. Das Problem besteht darin, den Papageien bewusst zu machen, dass sie Adler sind und ihren Käfig verlassen können. Selbst wenn wir den Käfig öffnen, werden sie darin verharren. Sie wissen es nicht anders. Sie sind so konditioniert. Sie bleiben in der Umgebung, in der sie ihr Auskommen haben, und scheuen die unbekannte Außenwelt. Wenn sie sich trotzdem erheben und fliegen wollen, sehen wir, dass ein langer Schwanz von Müll und Gerümpel aller Art an ihnen hängt, der sie sofort wieder herunterzieht. Solange sie dieses Gerümpel nicht loswerden, werden sie nicht fliegen können. Auch wenn sie tausendmal zuschauen, wie andere fliegen, und versuchen, es ihnen nachzumachen.“2

 

Übung: Begeben Sie sich auf Ihren Lieblingsplatz und stellen Sie sicher, dass Sie in den nächsten fünfzehn Minuten nicht gestört werden. Stellen Sie sich vor, Sie seien ein Papagei. Sie haben ein farbiges Gefieder, plappern das eine oder andere und leben in Ihrer Welt. Auf einmal bemerken Sie, dass dort, wo vorher nichts war, wie aus dem Nebel Stäbe auftauchen. Sie fragen sich, was dies wohl für Stäbe sein mögen, bis Sie erkennen, dass dies die Begrenzungen Ihrer bisherigen Welt waren, Ihres Gedankenkäfigs, in dem Sie bisher gelebt haben. Irgendwo nehmen Sie eine Tür wahr. Sie fragen sich, ob diese Türe offen sein mag – sie ist offen. Sie erkennen allerdings, dass Sie durch diese Tür nicht gehen können, Sie müssen hindurch fliegen. Sie spüren in sich hinein, und während Sie in sich gehen, fühlen Sie, wie Sie sich verändern: Sie lassen Ihre bisherigen farbigen Federn los. Und Sie erkennen plötzlich, dass Ihnen Adlerfedern wachsen. Ihre Schwingen werden immer weiter, immer mächtiger. Nehmen Sie einmal bewusst wahr: Wie weit sind Ihre Schwingen? Und welche Farbe haben sie? Fühlen Sie Ihr Gefieder. Erleben Sie mit allen Sinnen, wie Sie zum Adler werden. Und dann, wenn Sie sich ganz als Adler erfahren, erheben Sie sich und fliegen nach oben. Betrachten Sie mit den klugen und scharfen Augen des Adlers aus der Vogelperspektive sich selbst und Ihre gesamten Lebensumstände. Welcher Lebensbereich interessiert Sie besonders? Und wo schauen Sie nicht so gern hin? Sehen Sie sich auch diese Bereiche genauer an. Was können Sie alles wahrnehmen? Und zu welchen Erkenntnissen kommen Sie aus der Sicht des Adlers? Erleben Sie, wie die Dinge sich vor den wissenden Augen des Adlers entfalten. Und nun betrachten Sie einmal eine Lebenssituation, in der die Dinge nicht so glücklich gelaufen sind. Schauen Sie sich selbst annehmend und voller Mitgefühl an. Erkennen Sie, was Sie aus dieser Situation lernen können. Gewinnen Sie Abstand zu dieser Erfahrung und erkennen Sie, dass auch sie zum Leben dazugehört. Akzeptieren Sie, was Sie erlebt haben, und lassen Sie es los. Und dann richten Sie Ihr Augenmerk auf eine neue Chance, die Sie von oben sehen können. Erkennen Sie, wie Sie sie gewinnbringend nutzen können. Genießen Sie es noch ein wenig, sich von der Luft tragen zu lassen, bis Sie sich voller Kraft fühlen. Es ist schön, vom Leben getragen zu werden. Lassen Sie sich Zeit. Genießen Sie die Winde und die Sonne. Und dann, wann immer Sie bereit sind, kommen Sie wieder zurück an Ihren Platz. Nehmen Sie drei tiefe Atemzüge und mit dem dritten Ausatmen öffnen Sie Ihre Augen und kehren wieder zurück ins Hier und Jetzt. Wenn Sie mögen, notieren Sie Ihre Erfahrungen, Erkenntnisse und Schlussfolgerungen.3

 

Dieses Buch soll Sie darin unterstützen, vom Papagei zum Adler zu werden, indem es Ihnen hilft, Neuland zu entdecken und die alten Küsten hinter sich zu lassen.

Was sollten Sie konkret loslassen?

Abhängigkeit

Hier müssen wir unterscheiden, zwischen interdependency (engl.; „aufeinander angewiesen sein“) und codependency (engl.: „in einem ganz bestimmten gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis stehend“).

Wir alle sind irgendwo abhängig von dem Umfeld, in dem wir leben, beispielsweise von gesunder Luft und Nahrung, davon, dass wir unsere Natur erhalten usw. Diese Art von Abhängigkeit nennen wir interdependency – sie ist natürlich und gesund. Thich Nhat Hanh hat die interdependency sehr schön mit folgendem Beispiel erklärt: „Wenn Sie die Seite dieses Blattes anschauen, dann erkennen Sie darin auch die Wolke. Denn ohne die Wolke kein Regen und ohne Regen kein Baum und ohne Baum kein Papier. Aber das Blatt Papier enthält auch den Sonnenschein, denn ohne Sonnenschein würde nichts wachsen, auch der Baum nicht, der das Papier hervorgebracht hat. In dem Papier ist jedoch auch der Holzfäller enthalten und auch der Weizen, der den Holzfäller ernährt, denn hätte der Holzfäller nichts zu essen, könnte er auch nicht arbeiten. So ist in dieser Seite, die Sie vorliegen haben, alles enthalten, auch Sie, denn Sie lesen diese Seite und verbinden damit Ihr Bewusstsein mit dem Geschriebenen.“4 Natürlich sind wir alle aufeinander angewiesen, da wir Menschen sind, die atmen, essen, trinken, Wärme und Behausung brauchen. Wir benötigen, um in menschlicher Form zu existieren, die Sonne, die Natur, menschliche Wärme usw. Der Mensch ist keine Insel. Da wir alle miteinander verwoben sind, brauchen wir alle einander. Und selbst der Eremit, der keinem Menschen begegnet, braucht zumindest die Luft, die Temperatur usw. Wir sind Bestandteil einer gewaltigen Ökologie. Alles bedingt einander. Das ist völlig normal und führt auch nicht zu einem Abhängigkeitsgefühl, insbesondere wenn wir die Eine Kraft, die Existenz, die Natur als den Geber der Gaben betrachten.

Sobald wir uns aber die Erfüllung unserer Bedürfnisse von einer ganz bestimmten Person und in einer ganz bestimmten Form erhoffen, begeben wir uns in Einzelabhängigkeit (codependency). Sie ist ein Zeichen von Unreife, von Infantilismus. Als wir noch klein waren, war sie natürlich. Jeder von uns war früher einmal abhängig von einer ganz bestimmten Person, seiner Mutter. Damals war die Mutter, und nur sie, der Garant für das eigene Überleben. Ohne Mutterbrust kein Überleben. Aus der damaligen Zeit heraus hat sich bei vielen Menschen die Überzeugung gebildet: „Ich kann ohne einen ganz bestimmten Menschen nicht überleben“. Wenn wir dann später immer noch erwarten, dass ein ganz bestimmter Mensch oder ein ganz bestimmter Stoff unser Überleben auf eine ganz bestimmte Weise sicherstellt, entstehen daraus Fixierungen – mit unguten Folgen. Nicht umsonst spricht der Drogensüchtige von „fixen“, wenn er sich Suchtstoff einspritzt. Wenn wir „fixen“, egal wo unsere Abhängigkeit liegt, begeben wir uns in einen Käfig.

Indem wir in dem Menschen oder dem Stoff, von dem wir uns als abhängig erleben, wieder nur eine von vielen Ausdrucksformen der Einen Kraft sehen, erkennen und erleben wir, dass diese Kraft uns auf vielerlei Weise speisen kann. Dies macht uns unabhängig, selbst wenn wir in einem Gefängnis oder mit einem besitzergreifenden Chef oder Partner leben. Um wirklich loslassen und uns der Einen Kraft hingeben zu können, benötigen wir Unschuld, Urvertrauen, Kontakt zur Quelle, Selbstliebe, die Bereitschaft, für uns selbst einzustehen, und die Erkenntnis dessen, wer wir wirklich sind.

 

Übung: Von wem oder was sind Sie noch abhängig? Davon, dass Sie jemand lobt? Davon, dass Sie niemand ausschimpft? Von Zuwendung, Güte, Harmonie? Finden Sie heraus, was Sie brauchen. Und beginnen Sie damit, genau das sich selbst zu geben, es selbst in Ihrem Leben auszudrücken und zu erkennen, dass diese Qualitäten nicht von etwas ganz Bestimmtem abhängen. Lassen Sie Ihre Abhängigkeiten los.

Ändernwollen anderer

Warum sollte der andere sich ändern? Natürlich hängt dieser Wunsch mit eigenen Bequemlichkeiten zusammen! Eine Eiche käme nie auf die Idee, der Tanne zu sagen, sie sollte Eichenlaub produzieren. Doch wir Menschen tun das. Wir wollen den anderen zurechtbiegen, damit er uns besser in den Kram passt, damit wir weniger Schwierigkeiten mit dem anderen haben. Dabei stülpen wir dem anderen unsere eigenen Neurosen über. Oft bringen die scheinbaren Unarten unseres Nächsten nur unsere eigenen Verdrängungen zum Ausdruck.

Wenn wir beispielsweise unsere Schüchternheit verdrängen, indem wir uns gekonnt in Szene setzen, schämen wir uns, dass unser Partner, den wir stolz präsentieren wollen, unauffällig angezogen abseits herumsteht. Statt dass wir uns selbst prüfen, was uns unser Partner durch sein Verhalten spiegelt, kritisieren wir an ihm herum. Das ist genauso unsinnig, als würden wir morgens am Badezimmerspiegel herummalen, nur weil uns unser eigenes Spiegelbild nicht gefällt. Ob wir es wahr haben wollen oder nicht: Unser Partner, eigentlich die ganze Welt, ist unser Spiegel. (Wir werden anlässlich des Spiegelgesetzes noch näher darauf eingehen – siehe hier).

Wir schämen uns dafür, dass der Partner uns unseren Schatten präsentiert. Doch hätte dieser Schatten nichts mit uns zu tun, würden wir uns gar nicht für das Verhalten des anderen schämen. Und wir lieben unseren Partner dafür, dass er uns gute Seiten zeigt, die wir in uns selbst (noch) nicht finden können. Doch wären diese guten Seiten nicht auch in uns vorhanden, würden wir sie beim Partner nicht sehen können.

Wär nicht das Auge sonnenhaft,

Wie könnten wir das Licht erblicken?

Lebt nicht in uns des Gottes eigne Kraft,

Wie könnt uns Göttliches entzücken?

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE, FARBENLEHRE

Empfehlenswerter als den Partner zu ändern ist es, ihn zu bewundern. Selbst wenn Ihr Partner muffelig ist, können Sie ihn bewundern – eben dafür, wie gekonnt er muffelig ist. Haben Sie jedoch ganz und gar das Empfinden, dass Ihr Partner von sich selbst weit weg ist und sein eigenes Potenzial vergessen hat, dann können Sie versuchen, ihn an sich selbst zu erinnern – falls er dazu bereit ist, sich erinnern zu lassen. Ihre Chance liegt dann darin, ihn daran zu erinnern, was für ein toller Mensch er ist.

Gleichnis: Eine kluge Frau, deren Mann zu wenig Zeit für sie hatte und dessen Augen blind schienen für ihre Schönheit, wusste sich zu helfen. Eines Abends begab sie sich zu ihrem Mann, der über seinen Büchern brütete. Sie begann: „Sind meine Haare nicht wie Gold?“ Der Mann schaute nicht einmal von seinen Büchern auf und sagte: „Ja, du hast recht.“ Die Frau fuhr fort: „Sind meine Zähne nicht wie die Perlen einer Kette?“ „O ja“, war die Antwort. „Sind meine Hände nicht zart wie der Duft des Morgens?“ „Doch, doch.“ „Sind meine Füße nicht zierlich wie eine Schnitzerei aus Elfenbein?“ „Gewiss, gewiss!“ „Ist mein Leib nicht weiß wie Marmor?“ „O ja! Du sagst die Wahrheit“, antwortete der Mann, der sich nicht mehr so recht auf seine Arbeit konzentrieren konnte und immer öfter zu seiner Frau hinschaute. Diese fuhr fort: „Bin ich nicht gewachsen wie eine Zeder?“ „Doch in der Tat, du bist es.“ Die Frau drehte sich leicht und sagte: „Gleichen nicht die Formen meines Pos denen einer chinesischen Vase?“ „O ja.“ „Ist nicht mein Busen so fest, so groß, so frisch und zart wie herrliche Pfirsiche?“ „Er ist es“, sagte der Ehemann. Seine Frau fiel ihm um den Hals: „Was bist du für ein wunderbarer Mann! Welch wunderschöne Worte sagst du zu mir!“5 Wenn Sie jemanden an sich selbst erinnern, dann erheben Sie ihn. Um ihn erinnern zu können, müssen Sie jedoch den Gedanken loslassen, er sollte anders sein, als er gerade ist, es aufgeben, ihn ändern oder gar verbiegen zu wollen. Es bedeutet auch, darauf zu verzichten, dass der andere es Ihnen bequem macht. Im Erinnern liegt keinerlei selbstsüchtiges Eigeninteresse. Ihr einziges Interesse liegt darin, dem anderen den Raum zu geben, so zu sein, wie er in Wahrheit ist. Dies tun Sie, indem Sie Ihr Ego zurücknehmen und Ihr urteilsfreies Selbst durch sich wirken lassen. Dann sprechen Sie im anderen automatisch sein Selbst – und nicht seine Macken und Abwehrmechanismen – an.

Diese Form von Akzeptanz und Erinnerung wirkt dann auf den anderen wie eine sanfte Einladung. Sie halten die Erinnerung dem anderen hin wie einen Mantel, in den er hineinschlüpfen kann, statt ihm Ihre Meinungen und Verurteilungen wie einen nassen Lappen um die Ohren zu schlagen.

Einladen dürfen Sie, auch Vorschläge machen, aber ohne Ego-Druck. Vielleicht sagen Sie zu Ihrem Partner: „Schau mal, Schatz, ich hätte da so eine Idee wegen deiner Kleidung – magst du sie hören?“ – Falls er ablehnt, ist das in Ordnung. Falls er interessiert ist, fahren Sie fort: „Bist du auch mit mir der Meinung, dass dir diese Kleidung hier besser steht als die, die du gerade trägst – oder siehst du das anders?“ Selbst wenn der andere die Sache anders sieht als Sie, verdient er doch Ihre volle Liebe. Letztendlich hat jeder Mensch das Recht zu sein, wie er ist, und dann aufzuwachen, wann er dazu bereit ist – und niemand hat das Recht, dem vorzugreifen.

Ein praktisches Beispiel soll dies erläutern. Stellen Sie sich einmal eine Raupe vor, die sich einspinnt. Mit wissendem Auge sehen Sie natürlich, dass dieses Tier gefangen ist, haben Mitleid mit der armen Raupe und schneiden den Kokon auf. Doch Sie werden in dem Fall erleben, dass Sie der Raupe nicht geholfen haben, sondern die Puppe stirbt, weil sie durch Ihr vorschnelles Eingreifen nicht die Chance hatte, sich in ihrer Zeit zu entwickeln, also auszuwickeln, was in ihr steckt. Deshalb rate ich zu strenger Vorsicht, was jede Form von „Zwangsbeglückung“ anderer anbetrifft.

Stellen Sie sich beispielsweise einmal vor, Ihr Partner würde an Ihnen herummeckern – wäre da nicht die Gefahr groß, dass Sie zumachen und ihm Ihr Innerstes von nun an verweigern, und zwar selbst dann, wenn er recht hätte? Liebe ist eine einsame Berghütte: Man findet nur vor, was man selbst mitgebracht hat! Und mitbringen sollten Sie Liebe, Akzeptanz und Losgelöstheit. Lassen Sie die Idee los, den anderen ändern zu wollen.

Armut und Angst vor Armut

Es ist schon einige Zeit her, dass mich ein Klient eines Tages mit den Worten anrief: „Herr Tepperwein, heute bin ich wieder mal arm!“ Ich verstand erst nicht, was dieser Mann meinte, denn er hatte weder sein Geld noch seinen Job verloren. Im Laufe des nachfolgenden Gesprächs aber kamen wir darauf, dass dieser Mann sich gerade wie ein armer Hund fühlte. Andere würden diesen Zustand vielleicht als Moralischen, Midlife-Crisis oder schlicht und einfach als handfeste Depression bezeichnen.

Wie kommt es, dass man sich „arm fühlt“? Wenn Sie es dem Klienten nachmachen wollen, gibt es eine einfache Technik dafür: Denken Sie einfach einmal einige Minuten lang an all das, was Ihrer Meinung nach anders sein sollte, was in Ihrem Leben Ihrer Meinung nach nicht stimmt, in welchen Bereichen Sie den falschen Partner, Beruf, Lebensumstand usw. haben – und schon werden Sie erleben, wie Sie sich binnen weniger Minuten elend fühlen. Auf der anderen Seite, wenn Sie sich reich fühlen wollen, machen Sie es doch einmal genau umgekehrt: Denken Sie an das, was in Ihrem Leben in Ordnung ist, und seien Sie dafür dankbar.

Mir gefällt dieses Beispiel deshalb so gut, weil Reichtum ein subjektives Empfinden ist. Ein Hilfsarbeiter, der sich am Wochenende hundert Euro durch Überstunden verdient hat, mag sich reich fühlen und der Millionär, der bei einer Börsenspekulation zwanzig Prozent seines Vermögens verloren hat, fühlt sich möglicherweise arm. Sie erkennen an diesem Beispiel, dass Armut oder Reichtum keine Sache von absoluten Zahlenwerten ist. Solange Sie in der Gewissheit leben, dass Sie innerhalb der nächsten 24 Stunden satt zu essen haben, warme Kleidung und ein Dach über dem Kopf, können Sie sich durchaus reich fühlen – es kostet Sie nicht mehr, als wenn Sie sich in gleicher Situation arm fühlen.

Natürlich gibt es Grundbedürfnisse: Essen, Schlafen, Gesundheit, Behaglichkeit usw. Wenn sie gefährdet sind, ist es höchste Zeit, etwas zur Befriedigung Ihrer Bedürfnisse zu tun. Aber auch das bewerkstelligen Sie am besten, indem Sie auf Armutsbewusstsein verzichten. Vielleicht haben Sie gerade wenig Geld – dann sind Sie möglicherweise reich an Erfahrung. Sie haben keine Arbeit – dann sind Sie reich an Freizeit. Ihnen fehlt ein Partner an Ihrer Seite – dann liegt Ihr Reichtum darin, tun und lassen zu können, wonach Ihnen gerade ist, ohne dass Ihnen am Ende des Tages Vorhaltungen gemacht werden. Sogar ein „Reichtum an Mangel“ kann ein Geschenk sein, lernen Sie dabei doch möglicherweise viel Disziplin, Sparsamkeit, Wertschätzung dessen, was Sie haben.

Übrigens sind weder Reichtum noch Armut eine Garantie für Erwachen, Erleuchtung oder spirituelle Bewusstheit. Diese Dinge haben nichts miteinander zu tun. Die Geschichte kennt sowohl reiche als auch arme Heilige, denken wir beispielsweise an den weisen, wohlhabenden König Salomo oder auch an den genügsamen Diogenes. Das „Armutsgelübde“, wie es in vielen Traditionen gefordert wird, hat kulturelle Hintergründe und soll lediglich dafür sorgen, dass der Betreffende sein Herz nicht an seine materiellen Güter hängt.

Das Festhalten an der Idee „ich bin arm“ steht der Losgelöstheit, die wir suchen, im Wege. Wer an seinem Mangel festhält wie an einer Tugend, ist nicht befreit vom Anhaften am Reichtum, er haftet nur am Gegenteil fest, der Armut.

Beispiel: Eine meiner Klientinnen bekam jedes Mal lange Ohren und empfand aufrichtiges Mitgefühl, wenn einer ihrer Freunde ihr sein Leid klagte. Doch wenn jemand anrief, um ihr zu sagen, wie gut es ihm ginge, brach sie das Gespräch bald ab. Als sie mir dies erzählte, fragte ich sie, wie es um ihre Lebensfreude bestellt sei. Die Klientin erzählte mir, dass sie einen Weg des Dienens an der Menschheit ginge und ihr Leben folglich nichts mit „Jux und Dollerei“ zu tun habe. Ich entgegnete ihr, dass es wohl kaum ein größeres Geschenk gäbe, als mit anderen Menschen die Lebensfreude zu teilen und das Leben zu feiern, und dass dies alles andere als „Jux und Dollerei“ sei, schließlich hätte sogar Jesus permanent Festgelage gegeben.

Einige Wochen später rief mich die Klientin an. Bereits ihre fröhliche Stimme ließ vermuten, dass sich in ihrem Leben etwas verändert hatte. Tatsächlich teilte sie mir mit, dass sie jahrelang einem Armutsbewusstsein aufgesessen sei. Als Kind hatte sie gelernt, Sympathie zu gewinnen, wenn sie sich die Sorgen anderer Menschen anhörte, doch wenn es allen gut ging, wollte damals niemand etwas von ihr wissen. So hatte sie schon frühzeitig gelernt, Sympathie für Leidende zu gewinnen, sicherlich ein feiner Zug. Erst in diesen Tagen wurde ihr bewusst, wie wichtig Lebensfreude als zweiter Flügel für ihren inneren Zugvogel war. Frei sein von Reichtum und von Armut bezieht sich also nicht nur auf die materiellen Besitztümer, sondern auch auf unsere Anteilnahme an den Schicksalen unserer Mitmenschen.

Manche fürchten die Armut, weil sie dann ihre Bequemlichkeit aufgeben müssten. Andere fürchten den Reichtum, weil sie mit ihm gesellschaftliche Verpflichtungen verbinden. Wenn es uns jedoch gelingt, uns losgelöst von Reichtum und Armut der Fülle des Lebens und seiner Schönheit bewusst zu sein, dann sind wir innerlich reich, unabhängig davon, ob wir Lumpen oder Juwelen tragen, Kuchen oder Hirse essen.

Fatal wäre es, im Falle der Armut sich selbst oder andere zu beschuldigen, zu bestrafen oder zu misshandeln (bei sich selbst wäre das Selbstzerstörung). Sie sollten finanzielle Armut wie finanziellen Reichtum mit Würde tragen und sich ohne Geld nicht weniger reich fühlen als mit. Im Idealfall sehen Sie sich als weisen Verwalter, nicht als Eigentümer Ihrer Besitztümer. Gehen Sie mit dem, was Sie haben, so weise und liebevoll um wie möglich. Wir können uns mit unserem Besitz so reich oder arm fühlen, wie wir wollen. Entscheidend ist nicht, wie viel wir haben, sondern wie sehr wir es wertschätzen und wie bewusst wir damit umgehen.

Wer angesichts finanzieller Knappheit Selbstverrat betreibt und sich ablehnt, fühlt sich arm und festgefahren. Doch sobald Sie den Zustand, in dem Sie sich befinden – egal Sie ob arm oder ob reich sind –, innerlich angenommen haben, leben Sie losgelöst. Es öffnet sich das Tor für den nächsten Schritt. Dann erkennen Sie, dass innerer Reichtum und Reichtumsempfinden vom Kontakt zu Ihrem wahren Selbst abhängen.

Unabhängig von Ihrem äußeren Reichtum oder Mangel gibt es vor allem einen seelischen Reichtum, den Ihnen niemand nehmen kann. Halten Sie den Kontakt zu diesem Selbst – egal in welcher Situation – und kein Reichtum wird Sie überheblich machen und keine Armut wird Sie erschrecken. Lassen Sie deshalb sowohl die Armut(sgedanken) wie auch die Angst vor (äußerer) Armut los.

 

Übung: Beobachten Sie einmal, wo Sie mit Gedanken, Worten, Taten überschwänglich und überheblich sind und wo Sie sich kleiner machen und am Mangel festhängen. Finden Sie zu Ihren momentanen Verhältnissen eine losgelöste und angemessene Einstellung, die es Ihnen ermöglicht, sich in jeder Lebenslage reich im Sinne von „reich an Kontakt mit sich selbst“ zu fühlen.

Begrenzungen

Obwohl alles eins ist, sind wir doch zugleich auch getrennt. Obwohl wir über ein Bewusstsein der Einheit verfügen, erleben wir uns doch in unserem Körper und mit unseren Eigenarten als anders als der Rest der