Leben im Koma -  - E-Book

Leben im Koma E-Book

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Beschreibung

Das Wachkoma ist eines der größten Rätsel der modernen Medizin. Entscheidungen, die Patienten im Wachkoma betreffen, erfordern eine umfassende Betrachtung, die die Perspektiven aller Akteure berücksichtigt. Was wissen Mediziner über das Wachkoma und wie ist der Stand der Hirnforschung? Wie erleben Angehörige, Pflegende und Therapeuten diesen Zustand? Wie werden Therapie-Entscheidungen für Patienten im Wachkoma getroffen und wie lassen sich diese ethisch und rechtlich begründen? Mit Beiträgen ausgewiesener Experten aus unterschiedlichen Disziplinen und Professionen beschreibt dieses Buch das Wachkoma als Krankheit, aber auch als beispielhaftes ethisches Problem im Spannungsfeld zwischen technisch machbarer und von Betroffenen gewünschter medizinischer Behandlung. Entscheidungen über Patienten im Wachkoma werden aus ethischer, rechtlicher, sozialer und medizinischer Sicht beleuchtet.

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Seitenzahl: 251

Veröffentlichungsjahr: 2011

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Das Wachkoma ist eines der größten Rätsel der modernen Medizin. Entscheidungen, die Patienten im Wachkoma betreffen, erfordern eine umfassende Betrachtung, die die Perspektiven aller Akteure berücksichtigt. Was wissen Mediziner über das Wachkoma und wie ist der Stand der Hirnforschung? Wie erleben Angehörige, Pflegende und Therapeuten diesen Zustand? Wie werden Therapie-Entscheidungen für Patienten im Wachkoma getroffen und wie lassen sich diese ethisch und rechtlich begründen? Mit Beiträgen ausgewiesener Experten aus unterschiedlichen Disziplinen und Professionen beschreibt dieses Buch das Wachkoma als Krankheit, aber auch als beispielhaftes ethisches Problem im Spannungsfeld zwischen technisch machbarer und von Betroffenen gewünschter medizinischer Behandlung. Entscheidungen über Patienten im Wachkoma werden aus ethischer, rechtlicher, sozialer und medizinischer Sicht beleuchtet.

Dr. med. Dr. phil. Ralf J. Jox leitet die Forschungsgruppe 'Neuroethik chronischer Bewusstseinsstörungen' am Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin der LMU München, der Frau Dipl.-Psych. Katja Kühlmeyer als wissenschaftliche Mitarbeiterin angehört. Prof. Dr. med. Gian Domenico Borasio ist Inhaber des Lehrstuhls für Palliativmedizin der Universität Lausanne.

Münchner Reihe Palliative Care Palliativmedizin – Palliativpflege – Hospizarbeit Band 6

Schriftleitung Prof. Dr. med. Gian Domenico Borasio (federführend) Prof. Dr. med. Monika Führer (federführend) Beate Augustyn, Palliativpflegekraft Dr. med. Antje Beyer PD Dipl.-Psych. Dr. rer. biol. hum. Martin Fegg Bernadette Fittkau-Tönnesmann MPH Dr. med. Dr. phil. Ralf Jox Prof. Dr. med. Stefan Lorenzl Dipl. Soz.-Päd. Dipl. Theol. Josef Raischl Prof. Dr. theol. Traugott Roser Prof. Dr. rer. biol. hum. Maria Wasner

Die Publikationen in der Münchner Reihe Palliative Care verfolgen das Ziel einer verbesserten Versorgung und Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen. Dem Palliative Care-Prinzip der Multiprofessionalität entsprechend widmen sich die Einzelbände unterschiedlichen Themenkomplexen und Handlungsfeldern aus den Bereichen Palliativmedizin, Palliativpflege und Hospizarbeit. Dazu dienen Beiträge aus medizinischer, pflegerischer, psychosozialer und seelsorglicher sowie aus rechts- und gesellschaftswissenschaftlicher Perspektive. Die Reihe richtet sich an alle an diesen Fragestellungen Interessierten, insbesondere im Gesundheitswesen oder in der ehrenamtlichen Arbeit Tätigen.

Ralf J. Jox, Katja Kühlmeyer Gian Domenico Borasio (Hrsg.)

Leben im Koma

Interdisziplinäre Perspektiven auf das Problem des Wachkomas

Wichtiger Hinweis:

Die Verfasser haben größte Mühe darauf verwandt, dass die Angaben von Medikamenten, ihren Dosierungen und Applikationen dem jeweiligen Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes entsprechen.

Da jedoch die Medizin als Wissenschaft ständig im Fluss ist, da menschliche Irrtümer und Druckfehler nie völlig auszuschließen sind, übernimmt der Verlag für derartige Angaben keine Gewähr.

Jeder Anwender ist daher dringend aufgefordert, alle Angaben auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Jede Dosierung oder Applikation erfolgt auf eigene Verantwortung des Benutzers.

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfi lmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

1. Auflage 2011 Alle Rechte vorbehalten © 2011 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher Gesamtherstellung: Druckerei W. Kohlhammer GmbH + Co. Stuttgart Printed in Germany

Print: 978-3-17-021755-3

E-Book-Formate

pdf:

978-3-17-026637-7

epub:

Inhaltsverzeichnis

Vorwort der Herausgeber

Das Wachkoma: thematische Einführung und Übersicht über das Buch

Teil A: Wachkoma – Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis

Wachkoma: medizinische Grundlagen und neurowissenschaftliche Revolution

Therapeutische und frührehabilitative Ansätze: Lebenssicherung, Kommunikation und soziale Perspektive (Teilhabe)

Die Perspektive der professionell Pflegenden auf das Leben im Wachkoma

Leben mit Wachkoma-Patienten: Was berichten Angehörige?

Remi-Pro Eine standardisierte und valide Methode zur Dokumentation des Remissionsverlaufs in der Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen im Wachkoma

Wachkoma und vergleichbare Zustände bei Kindern und Jugendlichen

Teil B: Wachkoma – Entscheidungen in gesellschaftlicher Verantwortung

Sterben im Wachkoma: Erkenntnisse aus der Palliativmedizin

Ethische Probleme des Wachkomas

Wann darf ein Wachkoma-Patient sterben?

Das Dilemma des Wachkomas: Eine theologische Sicht

Abkürzungen

Autorenverzeichnis

Sachwortverzeichnis

Vorwort der Herausgeber

Das sogenannte Wachkoma oder apallische Syndrom gehört nicht nur zu den größten Rätseln der Medizin und Neurowissenschaft, sondern ist auch aus ethischer und rechtlicher Sicht eine gesellschaftliche Herausforderung unserer Zeit.

Dieses Buch möchte sich dem Thema aus verschiedenen Perspektiven nähern und so zu einem Dialog über Fachgrenzen hinweg beitragen. Es ist hervorgegangen aus dem Symposium mit dem gleichnamigen Titel, das am 16. Juli 2010 an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München stattfand. Wissenschaftler und Praktiker verschiedener Berufsgruppen stellten dabei ihre Sichtweisen des Wachkomas und der damit verbundenen ethischen Probleme vor und diskutierten sie mit einem Publikum von 150 Fachleuten aus ganz Deutschland. Das Symposium wurde von der Forschungsgruppe „Neuroethik chronischer Bewusstseinsstörungen“ am Klinikum der Universität München in Zusammenarbeit mit dem Münchner Kompetenzzentrum Ethik veranstaltet. Die Referenten der Veranstaltung kamen aus unterschiedlichen Disziplinen der Medizin, den Neurowissenschaften, der Psychologie, dem Recht und der Philosophie und erklärten sich anschließend bereit, ihre Vorträge als Buchkapitel zusammenzufassen. Darüber hinaus konnten zusätzliche Autoren gewonnen werden, um die wichtigen Perspektiven der Kinderheilkunde, der Seelsorge und der Pflege darzustellen.

Das Forschungsprojekt „Neuroethik chronischer Bewusstseinsstörungen“ wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und läuft von 2008 bis 2012 (Förderkennzeichen 01GP0801). Es wurde am Interdisziplinären Zentrum für Palliativmedizin am Klinikum der Universität München initiiert und wird geleitet von Dr. Dr. Ralf Jox, der inzwischen am Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin an der LMU München arbeitet, sowie von Prof. Dr. Gian Domenico Borasio, der seit März 2011 den Lehrstuhl für Palliative Care an der Universität Lausanne inne hat. In enger interdisziplinärer Kooperation mit Arbeitsgruppen in Montréal (Kanada) und Turku (Finnland) wird das Ziel verfolgt, ethische, rechtliche und soziale Herausforderungen chronischer Bewusstseinsstörungen zu identifizieren, ihren Problemgehalt zu analysieren und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die Forschungsergebnisse sollen Betroffenen, Klinikern, Juristen, Politikern, Ethikern und der Öffentlichkeit zu Gute kommen.

Wir danken den Autoren dieses Buches für ihre bereichernden Beiträge und ihr großes Engagement. Unser Dank gilt insbesondere dem BMBF für die Förderung des Forschungsprojekts, des Symposiums und dieser Veröffentlichung. Wir bedanken uns beim Kohlhammer-Verlag, besonders bei Dr. Ruprecht Poensgen, Dagmar Kühnle und Tillmann Bub, für die Unterstützung bei der Fertigstellung dieses Bandes. Last but not least danken wir allen Mitarbeitern und Kollegen, die uns bei der redaktionellen Überarbeitung der Beiträge unterstützt haben, allen voran Tobias Budick und Hendrik Terwort.

München, im Juli 2011

Ralf J. Jox, Katja Kühlmeyer,

Das Wachkoma: thematische Einführung und Übersicht über das Buch

Ralf J. Jox

„His brain is the size of a grapefruit. Our instinct is to provide hope, and to say that because he is alive there is a chance he will wake up – but this is never going to happen.“Krankenhausmanager, Sheba Medical Center, Tel Hashomer, Israel, über den Patienten Ariel Sharon1

1 Ein prominentes Beispiel

Es ist der Abend des 4. Januar 2005. Der israelische Premierminister Ariel Sharon befindet sich auf seiner Ranch in der Negev-Wüste. Tags darauf soll er sich einem Eingriff am Herzen unterziehen: Ärzte haben festgestellt, dass er ein Loch in der Wand zwischen den Herzvorhöfen hat, ein sogenanntes persistierendes Foramen ovale mit Vorhofseptum-Aneurysma. Sehr wahrscheinlich war dieses Loch für den leichten Schlaganfall verantwortlich, den er wenige Wochen zuvor erlitten hatte. Noch an diesem Abend erleidet Sharon einen zweiten Schlaganfall, nun aber einen viel folgenreicheren, und zwar in Form einer massiven Hirnblutung. Wie sich später herausstellen soll, sind wohl nicht alleine die blutverdünnenden Medikamente, die er einnimmt, die Ursache, sondern es liegt zudem eine unerkannte, Blutungen begünstigende Gefäßerkrankung des Gehirns vor, eine so genannte Amyloidangiopathie. Der Premierminister muss innerhalb weniger Tage dreimal operiert werden, kurze Zeit später ist klar, dass Sharon in einem Wachkoma liegt (Anonym 2010a).

Seit etwa vier Jahren befindet er sich nun in einer Rehabilitationsabteilung des Sheba Medical Center nahe Tel Aviv. Mehrmals musste er in der Zwischenzeit auf einer Intensivstation behandelt werden, überstand eine Lungenentzündung, eine Niereninsuffizienz, eine Notoperation am Darm. Seine Söhne lehnen es ab, über den Verzicht auf lebenserhaltende Maßnahmen zu diskutieren. Im Gegensatz zu ärztlichen Verlautbarungen berichten sie, dass ihr Vater durch Händedruck reagieren könne. Ein Klinikmanager, der ungenannt bleiben möchte, wird vom Sydney Morning Herald am 6. Januar 2010 mit obigen Worten zitiert, die deutlich machen, wie ambivalent das Behandlungsteam sein eigenes Tun sieht (Anonym 2010b). Sie geben Hoffnung, ohne selbst Hoffnung zu haben, behandeln lebensverlängernd, ohne dass Aussicht auf eine Verbesserung der Lebensqualität bestünde. Welche Rolle mögen dabei Sharons öffentliche Person als hochrangiger Politiker, die moralischen Normen der jüdischen Religion, die Einstellung der Angehörigen spielen?

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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