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Durch aktuelle Trends, wie die Digitalisierung sowie gestiegene Mobilitäts- und Flexibilitätsanforderungen, verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben immer weiter. Der Druck, vieles gleichzeitig schaffen zu müssen, allen Seiten gerecht zu werden und ständig erreichbar zu sein, nimmt zu. In der Folge fühlen sich viele Menschen gestresst und überfordert, das Leben gerät aus dem Takt, zuweilen reagiert auch der Körper und entwickelt Symptome. Ziel des Ratgebers ist es, in Form eines Selbst-Coachings Wege zu mehr Zufriedenheit im Beruf und im Privatleben aufzuzeigen, um langfristig gesund zu bleiben. Das Buch zeigt anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse auf, welche Faktoren Einfluss auf die Lebenszufriedenheit nehmen. Es gibt Anregungen dazu, die Anforderungen im Alltag und die vorhandenen Ressourcen zu betrachten und sich mit den verschiedenen Puzzleteilen der Lebensbalance auseinanderzusetzen. Dazu werden die Bereiche Werte und Ziele, berufliche Zufriedenheit und Belastungen, soziale Beziehungen, körperliche Gesundheit und Umgang mit Stress, Emotionen sowie Persönlichkeitseigenschaften genauer unter die Lupe genommen. Übungen unterstützen den Leser dabei, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren, um so Ansatzpunkte für mögliche Veränderungen zu finden.
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Veröffentlichungsjahr: 2019
Annelen Collatz
Karin Gudat
Lebensbalance finden
Wege zu mehr Zufriedenheit in Beruf und Privatleben – ein Ratgeber
Dr. Annelen Collatz, geb. 1970. Ausbildung zur staatlich geprüften Gymnastiklehrerin. 1994–2000 Studium der Psychologie und Arbeitswissenschaften in Bochum. 1999–2001 Mitarbeiterin im Bereich Human Resources bei SodaStream Deutschland GmbH. 2001–2012 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität Bochum. 2006 Promotion. Seit 2000 freiberuflich als Coach, Eignungsdiagnostikerin und Trainerin tätig, seit 2012 selbstständige Tätigkeit als Management-Coach und Trainerin.
Dr. Karin Gudat, geb. 1978. 1997–2002 Studium der Psychologie, des Qualitätsmanagements und der Arbeitswissenschaften in Bochum. 2002 Mitarbeiterin am Institut für Arbeitswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum, 2003–2015 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität Bochum. Seit 2005 freiberuflich als Trainerin und Beraterin im Bereich Personalauswahl und Personalentwicklung tätig. 2008 Promotion. 2014 Approbation zur Psychologischen Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie). Seit 2016 in eigener Praxis sowie begleitend als Coach und Dozentin tätig.
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Umschlagabbildung: © iStock.com by Getty Images / Goami
Satz: publish4you, Engelskirchen
Format: EPUB
1. Auflage 2019
© 2019 Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Göttingen
(E-Book-ISBN [PDF] 978-3-8409-2847-5; E-Book-ISBN [EPUB] 978-3-8444-2847-6)
ISBN 978-3-8017-2847-2
http://doi.org/10.1026/02847-000
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Einleitung
1 Work-Life-Balance als Weg der Anpassung und Bewältigung von Entwicklungsaufgaben
1.1 Entwicklungsaufgaben in unterschiedlichen Lebensphasen
1.1.1 Berufseinsteiger (18 bis 26 Jahre)
1.1.2 Mittleres Erwachsenenalter (27 bis 43 Jahre)
1.1.3 Fortgeschrittenes Erwachsenenalter (44 bis 60 Jahre)
1.1.4 Hohes Erwachsenenalter (über 60 Jahre)
1.2 Phasenübergreifende, allgemeine Themen
2 Wertebereich
2.1 Wie entstehen Werte?
2.2 Werte im historischen Verlauf: Wertewandel
2.3 Typische Werte einer Kultur: Wertemodell
2.4 Motive, Bedürfnisse und Ziele
2.5 Spiritualität und Glaube
2.6 Reflexionsübungen zum Wertebereich
3 Beruflicher Bereich
3.1 Faktoren beruflicher Zufriedenheit
3.1.1 Zufriedenheit mit der Arbeitssituation
3.1.2 Zufriedenheit mit der Führungskraft
3.1.3 Zufriedenheit mit dem Team
3.1.4 Passung von Personen- und Berufsmerkmalen: Person-Job-Fit
3.1.5 Entgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit: Ständige Erreichbarkeit
3.2 Folgen von Belastungen im Beruf
3.2.1 Burnout
3.2.2 Boreout
3.3 Reflexionsübungen zum beruflichen Bereich
4 Sozialer Bereich
4.1 Work-Life-Balance-Konflikte
4.2 Soziale Beziehungen
4.2.1 Partnerschaft
4.2.2 Singles
4.2.3 Familie
4.3 Freizeitverhalten
4.4 Reflexionsübungen zum sozialen Bereich
5 Physischer Bereich
5.1 Stress
5.1.1 Entstehung und Prävention von Stress: Stressmodell und Stressmanagement
5.1.2 Strategien zur Veränderung von Gedanken und Glaubenssätzen
5.2 Sport/Bewegung
5.3 Entspannung
5.4 Ernährung
5.5 Umgang mit Genussmitteln
5.6 Reflexionsübungen zum physischen Bereich
6 Emotionaler Bereich
6.1 Evolutionärer Nutzen von Emotionen
6.2 Emotionen erkennen, benennen und verstehen: Grundlegende Emotionen
6.3 Unangenehme Emotionen verändern: Emotionsregulation
6.4 Reflexionsübungen zum emotionalen Bereich
7 Persönliche Ressourcen
7.1 Grundlegende Persönlichkeitseigenschaften: Die Big Five
7.2 Eigenschaften, die dabei helfen, mit Herausforderungen umzugehen: Ressourcen
7.2.1 Optimismus/Zuversicht
7.2.2 Selbstwirksamkeit
7.2.3 Resilienz
7.3 Stabilität von Persönlichkeitseigenschaften: Persönlichkeitsentwicklung
7.4 Reflexionsübungen zu persönlichen Ressourcen
Literatur
Warum ist der Begriff Work-Life-Balance in den letzten Jahren immer stärker ins Bewusstsein gerückt? Zum einen mag dies sicherlich an den verschwimmenden Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben liegen, die es immer schwerer machen, klare Grenzen im Sinne einer Trennung von Arbeit und Freizeit zu ziehen. Dies ist aber nur ein Teil des Problems. Wäre es nur eine Frage des optimalen Zeitmanagements, wäre den Betroffenen sicherlich schnell mithilfe der entsprechenden Fachlektüre zum Themenkomplex Zeitmanagement oder Arbeitsorganisation geholfen.
Unsere Erfahrung ist, dass es in den meisten Fällen keine Frage der Zeitgestaltung, sondern vielmehr der Prioritätensetzung ist. Komplex, wenn nicht gar kompliziert, wird es zudem dadurch, dass es (zumindest bei den in Beziehung lebenden Personen) nicht nur um die eigenen Prioritäten geht, die gesetzt und eingehalten werden wollen, sondern direkt oder indirekt auch um die Prioritäten des Partners/der Partnerin. Sonst sind Konflikte vorprogrammiert.
Dabei gibt es eine Sache, die die meisten Menschen gemeinsam haben: das Streben nach Zufriedenheit, wenn nicht gar Glück. Schon Aristoteles beschrieb Glückseligkeit als „das höchste Gut“, das das Ziel unseres Handelns sein sollte. Von der Suche nach allgemeinen, rezeptartigen Formeln zum Erreichen dieses Ziels sollte jedoch abgesehen werden – schließlich geht es nicht darum, was die meisten zufrieden macht, sondern es geht höchst individuell um den Einzelnen. Das erweitert die Lösungsoptionen, es bedeutet aber auch, dass es keine Patentlösung gibt.
Somit werden all jene, die pauschale Allgemeinlösungen im Sinne von „tun Sie dies und lassen Sie jenes“ erwarten, von diesem Buch wahrscheinlich enttäuscht werden. Aus unserer Sicht ist jeder selbst angehalten und auch gezwungen, seinen eigenen Weg hin zu einer passenden Work-Life-Balance bzw. Lebensbalance zu suchen und zu gehen. Dieses Buch soll bei der Suche und der eigenen Findung unterstützen.
Wir wissen, dass es schon eine Vielzahl an Ratgebern zu der Thematik gibt. Im Rahmen dieses Buches wollen wir die vorhandene Literatur um ein Buch ergänzen, das wissenschaftliche Erkenntnisse aufgreift und zu|8|gleich praxisnah ist. So erhalten Sie wissenschaftlich fundierte Informationen und Erkenntnisse zu verschiedenen Bereichen der Work-Life-Balance und unterschiedlichen Phasen des Lebens. Dabei ist jede Erkenntnis wie der Baustein eines Puzzles, der Kontaktpunkte zu anderen Puzzlesteinen hat, wodurch sich am Ende ein Gesamtbild formt – das bei jedem anders aussehen wird.
Wir verwenden dabei den Begriff „Work-Life-Balance“, obwohl dieser eigentlich antiquiert ist. Aktuellere Ansätze sprechen stattdessen lieber von Life-Domain-Balance oder Lebensbalance. Dieser Begriff soll der Tatsache Rechnung tragen, dass das Leben aus vielen unterschiedlichen Bereichen besteht, die miteinander interagieren und in Konflikt geraten können.
Dem Streben nach Balance liegt der Wunsch zugrunde, mehr Energie zu haben, sich wohler zu fühlen und zufriedener zu sein. In vielen Bereichen können wissenschaftliche Erkenntnisse dabei helfen, den richtigen Weg für sich selbst zu finden. Es ist bekannt, dass Ernährung und Sport einen Einfluss haben und es gibt Studienergebnisse darüber, wann Alkohol schädlich wirkt. Ebenso wissen wir, dass Erholung und Schlaf relevante Aspekte sind. Auch die Seele bzw. Psyche beeinflusst unsere Zufriedenheit, wobei die Stärke des Einflusses vermutlich variiert. Auch definieren wir uns über die Bedeutung und Sinnhaftigkeit dessen, was wir beruflich tun.
Vielleicht machen wir Sie neugierig, sich genauer mit IHREN verschiedenen Puzzleteilen auseinanderzusetzen und vielleicht finden Sie darüber Wege, mehr Lebenszufriedenheit zu erlangen. Wir wünschen es Ihnen!
Im Zuge der Beschäftigung mit der eigenen Lebensbalance kann es hilfreich sein, sich auch Gesprächspartner zur Reflexion zu suchen, denn wenn man Gedanken ausspricht, kann man diese noch einmal anders reflektieren. Vielleicht eröffnen sich Ihnen dadurch neue Lösungen und Sie profitieren von den Erfahrungen und Ansatzpunkten des anderen.
Wir betrachten in diesem Buch sechs verschiedene Bereiche der Lebensbalance:
|9|Kapitel 2 reflektiert den Bereich persönlicher Werte (Wertebereich) und bietet Anregungen zur Reflexion der folgenden Frage: „Was zählt wirklich in meinem Leben?“
Kapitel 3 gibt einen Überblick über den beruflichen Bereich und bietet Anregungen zur Reflexion der Zufriedenheit im Beruf.
Kapitel 4 fokussiert den sozialen Bereich und widmet sich einer speziellen Ressource, den sozialen Kontakten im Rahmen von Freundschaften, der Familie oder der Partnerschaft.
Kapitel 5 betrachtet den physischen Bereich und bietet Anregungen zur Reflexion der folgenden Frage: „Wie schaffe ich es, meinen Körper gesund und fit zu halten?“
Kapitel 6 beschäftigt sich mit der Bandbreite emotionaler Reaktionen (emotionaler Bereich) und hilft zu verstehen, welche Bedeutungen bestimmte Gefühle haben.
Kapitel 7 widmet sich der Frage, anhand welcher grundlegenden Eigenschaften Menschen charakterisiert werden können und betrachtet den Bereich der persönlichen Ressourcen.
Abbildung 10 auf Seite 147 gibt einen Überblick über die in diesem Buch behandelten Bereiche der Lebensbalance.
Wir haben am Ende der Kapitel 2 bis 7 Übungen für Sie zusammengestellt, die Ihnen bei der Reflexion helfen. Sie werden im unterschiedlichen Maße von den Übungen profitieren, da vermutlich nicht alle Bereiche gleichermaßen für Sie relevant sind. Wenn Sie in einem Jahr dieses Buch wieder zur Hand nehmen, könnten andere Aspekte für Sie bedeutsam sein. Im folgenden Kapitel 1 finden Sie einen Überblick über verschiedene Lebensphasen, der Ihnen dabei helfen kann, die für Sie relevanten Themen zu erkennen und vielleicht auch besser einordnen und annehmen zu können.
Betrachtet man das Leben als Entwicklungsprozess, der sich von der Geburt bis in das hohe Alter erstreckt, gibt es in den verschiedenen Phasen unterschiedliche Aufgaben, denen man sich stellen muss, um sich weiterzuentwickeln. Die für die Work-Life-Balance relevanten Aspekte beginnen in der Regel mit dem frühen Erwachsenenalter. Themen, die in den einzelnen Phasen besonders relevant sind, bestimmen die individuelle Entwicklung und umgekehrt. Die Phasen sind nicht klar voneinander abgrenzbar und es kann individuelle Verschiebungen in den angegebenen Altersbereichen geben. Daher dient die Unterteilung in Alterskategorien eher als Heuristik, die Ihnen helfen soll, Ihre relevanten Themen zu erkennen bzw. Gedankenanstöße zu bekommen. Die Altersangaben, die im Folgenden zum Umreißen der Altersgruppen angegeben werden, dienen als Orientierung.
Wir betrachten im Weiteren vier bedeutsame Altersbereiche:
Berufseinsteiger – 18 bis 26 Jahre
Mittleres Erwachsenenalter – 27 bis 43 Jahre
Fortgeschrittenes Erwachsenenalter – 44 bis 60 Jahre
Hohes Erwachsenenalter – 60 Jahre und mehr
Nach dem Abschluss der schulischen Ausbildung schließt sich der Berufseinstieg an. Die Ausbildungsphase wird hinter sich gelassen, man wird erwachsen und übernimmt Verantwortung. Diejenigen, die eine Berufsausbildung machen, erfahren direkt, wie anders das Berufsleben (vgl. Kapitel 3) im Vergleich zur Schulzeit ist. Der Umstellungsprozess – egal, |11|ob Ausbildung oder Studium – stellt neue Anforderungen an die Person, wodurch man sich selbst noch einmal anders einzuschätzen lernt und sich auch neue Freiräume ergeben.
Die Ausbildungsphase kann im frühen oder mittleren Erwachsenenalter (27 bis 43 Jahre) liegen oder auch in beiden Phasen. Mittlerweile absolvieren viele Abiturienten erst eine Ausbildung und schließen dann ein Studium an. Das verlängert natürlich die Ausbildungsphase, birgt aber den Vorteil, dass man schon einen Beruf erlernt hat, falls das Studium sich doch nicht als die richtige Variante herausstellt. Etwa die Hälfte der 15-bis 24-Jährigen starten zunächst mit einem befristeten Arbeitsverhältnis, wobei die Wahrscheinlichkeit, einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu erhalten, mit zunehmendem Lebensalter steigt. So sind in der Gruppe der 25- bis 54-Jährigen nur noch 10 Prozent der Beschäftigten in befristeten Arbeitsverhältnissen tätig1.
Für diejenigen, die nach der Schule ein Studium absolviert haben, steht nach Abschluss des Studiums der Jobeinstieg an. Viele sind überrascht über die nochmalige Veränderung der Anforderungen und die dadurch resultierende Belastung.
Der erste Job geht auch mit einer gewissen Verantwortungsübernahme einher. Man muss sich bewähren und die Konsequenz der Qualität der Arbeit ist in der Regel weitreichender als in der Ausbildungs- und Studiumsphase. Gleichzeitig ergeben sich neue Freiheiten, wenn man eigenes Geld verdient.
Mit dem Jobeinstieg ändert sich häufig auch das soziale Umfeld (vgl. Kapitel 4). Manche ziehen weg und lernen durch das veränderte berufliche Umfeld neue Menschen kennen. Damit verändern sich Freundschaften, das Verhältnis zu den Eltern und Partnerschaften. Viele Paare lernen sich in dieser Phase kennen.
Im Durchschnitt wechseln Arbeitnehmer zwischen sechs- und achtmal den Job. Vermutlich erklärt sich dies zum Teil durch die vielfach befristeten Arbeitsverhältnisse. Häufige Umzüge sind eine logische Folge. Doch auch diejenigen, die nicht beruflich umziehen, sehen sich mit erhöhten |12|Mobilitätsanforderungen konfrontiert. So steigt die Anzahl der Tages- und Wochenendpendler – betroffen sind insbesondere jüngere Berufstätige und Hochschulabsolventen. Hier zeigt sich auch schon eine Schnittstelle zum privaten Lebensbereich. Parallel zum Anstieg der Pendler steigt nämlich auch der Prozentsatz der Fernbeziehungen, was wiederum Auswirkungen auf die Familiengründung hat.
In dieser Phase sind die Menschen im Vergleich sehr belastbar und physisch fit (vgl. Kapitel 5). Die neuen Herausforderungen werden physisch in der Regel gut kompensiert.
Bezüglich der Persönlichkeit (vgl. Kapitel 7) besteht in dieser Phase noch eine gewisse Flexibilität oder Formbarkeit. Man reflektiert sich durch das Aufsuchen verschiedener Situationen und versucht, sich selbst zu finden.
Im mittleren Erwachsenenalter gilt es, auf dem Vorhandenen aufzubauen. Dies betrifft im beruflichen Bereich (vgl. Kapitel 3) vor allem die Karriere. Für diejenigen, die beabsichtigen, beruflich aufzusteigen, haben die ersten 10 Jahre im Beruf eine besondere Bedeutung. Grob gesagt, sollte bis zu einem Alter von 35 Jahren der Grundstein in Richtung Karriere gelegt sein. Die Weichen hinsichtlich einer Führungslaufbahn, Projektlaufbahn oder Expertenlaufbahn stellen sich in dieser Zeit. Wer es in dieser Phase nicht schafft, sich zu positionieren, für den wird es schwerer. In Bezug auf den Karriereschritt der Übernahme einer Führungsaufgabe zeigt sich eine ungleiche Geschlechterverteilung. Während etwa 71 Prozent der Führungspositionen mit Männern besetzt sind, sind Frauen nur zu einem knappen Drittel vertreten. Dies hat sowohl mit den vorhandenen Rollenbildern als auch mit dem höheren Anteil teilzeittätiger Frauen zu tun. Die Frage nach einer Vollzeit- oder Teilzeittätigkeit ist dabei häufig an das Vorhandensein von Kindern (vgl. Kapitel 4) gekoppelt.
Inzwischen ist in Deutschland die durchschnittliche Erstgebärende knapp 30 Jahre alt. Gründe hierfür liegen zum einen in den längeren Ausbildungszeiten (so steigt der Anteil der höheren Bildungsabgänge kontinuierlich an), aber auch daran, dass mit der Familiengründung häufig erst |13|dann begonnen wird, wenn eine gewisse Stabilität erreicht wurde. Dies betrifft sowohl die ökonomische Stabilität, z. B. Vorhandensein eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses, als auch die berufliche Sesshaftigkeit (geringere Mobilitätserfordernisse).
32 Prozent der Mütter mit Kindern unter drei Jahren sind berufstätig. Dieser Anteil steigt jedoch mit zunehmendem Alter der Kinder und der damit verbundenen Abnahme der Betreuungserfordernisse. So sind bspw. bereits 62 Prozent der Mütter mit Kindern im Kindergartenalter berufstätig und 73 Prozent der Mütter mit Kindern im Teenageralter. Väter arbeiten – unabhängig vom Alter der Kinder – zu ca. 82 Prozent in Vollzeit. Für Frauen erweisen sich somit Kinder oftmals als Karrierehindernis, da viele Frauen nach der Geburt der Kinder ihre Arbeit entweder aufgeben oder reduzieren. Studien zeigen jedoch, dass berufstätige Mütter häufig zufriedener sind als Mütter, die ihren Beruf aufgeben. Etwa 22 Prozent der Frauen zwischen 40 und 44 Jahren bleiben kinderlos.
Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Altersphase von 35 bis 44 Jahren sowohl karrieretechnisch bedeutsam als auch die familienintensivste Phase in Deutschland ist. Die Familiengründung hat dabei auch Auswirkungen auf die berufliche Mobilität. Statistiken zeigen, dass die Mobilität mit der Anzahl der vorhandenen Familienmitglieder sinkt. Während etwa 50 Prozent der Berufstätigen in Ein-Personen-Haushalten mobilitätsbereit sind, sinkt die Mobilitätsbereitschaft auf ca. 29 Prozent bei Vier-Personen-Haushalten.
Vorgelagert bis parallel zur Familiengründung besteht eine Entwicklungsaufgabe des mittleren Erwachsenenalters darin, eine feste Bindung einzugehen und den Fokus weg von der alleinigen Betrachtung von sich selbst, hin zur Einbeziehung der Interessen anderer zu legen. Insofern überrascht es nicht, dass viele in dieser Lebensphase heiraten. Das durchschnittliche Heiratsalter liegt bei Frauen bei 30 Jahren und bei Männern bei 33 Jahren. Es soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass etwa ein Drittel (ca. 35 Prozent) der Ehepartner sich bereits im ersten Ehejahr wieder trennen. Ist dieses überstanden, folgt die nächste kritische Phase im sechsten Ehejahr.
Hat man die Kinderfrage, die sich besonders bei Frauen in der Phase stellt, positiv beantwortet und gründet eine Familie, verändert sich das Leben grundsätzlich. Die Partnerschaft bekommt eine zusätzliche Kom|14|ponente und das Familiengefüge muss sich neu finden und definieren. Das Verhältnis zu den eigenen Eltern verändert sich durch Kinder ebenfalls häufig noch einmal, es kann intensiver werden, da die Großeltern Betreuungsaufgaben mit übernehmen oder auch schwieriger, wenn die erwartete Unterstützung ausbleibt. Gleichzeitig reflektiert man durch eigene Kinder seine eigene Erziehung, Wertmaßstäbe und Normen (vgl. Kapitel 2).
Durch Kinder verändert sich das soziale Umfeld (vgl. Kapitel 4). Tendenziell sucht man im Privatleben vermehrt den Kontakt zu Gleichgesinnten, um sich über relevante Fragen auszutauschen und gemeinsam die Freizeit zu gestalten. Diese Freundschaften können sich langfristig auch als „Zweckfreundschaften“ herausstellen, wenn es z. B. darum geht, den Alltag zu organisieren wie bspw. Fahrdienste.
Die Gründung einer Familie ist für viele Paare eine besondere Belastungsprobe, die nicht jedes Paar meistert. Die hohe Scheidungsrate in diesem Altersabschnitt unterstreicht das. Dies hat natürlich Auswirkungen auf die Lebenszufriedenheit. Alleinerziehend zu sein, geht mit einer hohen Verantwortung einher und bedeutet oftmals auch die Koordination, wer wann die Kinder betreut. Mit Kindern eine neue Partnerschaft einzugehen, birgt besondere Herausforderungen, da in der Phase des Kennenlernens mindestens eine weitere Person – das Kind – involviert ist und häufig auch der Kontakt zum früheren Partner weiter besteht.
In der Phase des mittleren Erwachsenenalters geht es auf übergeordneter Ebene darum, sich bewusst selbst zu verwurzeln – man wird sesshaft und trägt sich womöglich auch mit dem Gedanken an eine eigene Immobilie.
Charakteristisch für diese Phase ist auch, dass sich erste stressbezogene Symptome (vgl. Kapitel 5) zeigen. Nicht jeder nimmt sich ausreichend Zeit für die Erhaltung der eigenen Fitness, da verschiedene Anforderungen an einem zerren und man diese unter einen Hut bringen muss.
Auch beginnt man in dieser Altersphase zunehmend, die Umwelt entsprechend der eigenen Persönlichkeit (vgl. Kapitel 7) zu selektieren und sich von Freunden oder Bekannten, mit denen wenig Ähnlichkeiten bestehen, zu trennen.
Das fortgeschrittene Erwachsenenalter zeichnet sich in der Regel dadurch aus, dass der bisher eingeschlagene Weg weitergegangen wird. Wer sich für berufliche Karriere entschieden hat, nutzt in dieser Zeit die womöglich letzten Chancen zur beruflichen Weiterentwicklung (vgl. Kapitel 3), also zu weiteren Karriereschritten. Dazu kann man mittlerweile angesammeltes berufliches Wissen und Erfahrungen nutzen.
Wer noch einmal eine berufliche Neuorientierung anstrebt, tut dies zu Beginn dieser Phase, da es mit fortschreitendem Alter schwieriger wird, beruflich voranzukommen. Mitunter stehen auch Überlegungen an, ob der bisher eingeschlagene Weg der Richtige ist.
In dieser Zeit können noch einmal Gehaltssprünge stattfinden. Auch tritt die Frage in den Vordergrund, ob die eigene Rente ausreichend abgesichert ist oder ob man hier noch etwas unternehmen muss, um in späteren Lebensphasen finanziell abgesichert zu sein.
Das Ende der Phase ist geprägt durch berufliche Stagnation. Es zeigt sich, dass ab ca. 55 Jahren kaum noch Gehaltsanstiege zu verzeichnen sind. Dies deutet an, dass beruflicher Aufstieg in dieser Altersphase nur noch schwer möglich ist. Im Allgemeinen sinkt in dieser Lebensphase auch die Mobilität. Da viele Erwerbstätige dieser Altersgruppe privat sesshaft geworden sind, ergibt sich jedoch häufig weiterhin die Notwendigkeit, berufsbedingt zur Arbeit zu pendeln.
