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Das Schreiben beherbergt oft noch viel mehr Ideen und Fähigkeiten, die wir vorher von uns selbst nicht kannten. Wenn man seine Ideen auf das Papier fließen lässt, öffnen sich manchmal ganz andere Welten. Lade jede Idee ein, sie genau anzuschauen und vielleicht Lösungen für Probleme zu finden, die vorher gar nicht möglich schienen. Schreiben ist der Türöffner zu unserer kreativen Welt. Tritt ein und finde heraus wer du bist und was du zu wagen im Stande bist. Trau dich! Dieses Buch soll dir ein Leitfaden sein, mit seinen Übungen diese Welt zu betreten, sie zu erkunden und die Ideen zu finden und zu gestalten. Von sehr kleinen einfachen Übungen, bis hin zu den großen Aufgaben, denen wir Schreiberlinge uns stellen können, findest du eine bunte Auswahl mit Erläuterungen, Beispielen und Tipps. Man schreibt immer auch ein Stück von sich in seine Zeilen. Deine Lebensgeschichten sind also inklusive. Und nun viel Spaß in deinen eigenen Geschichten! Justus Jupiter Sprengel Sofie Jürges
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Seitenzahl: 168
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Alle Übungsgestaltungen stammen aus dem Projekt Lebensgeschichten inklusiv(e), einem Literatur- und Kulturprojekt für Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen.
Ein Projekt von
„Webe deine Gedanken zu einem bunten Tuch, das dich erfreut und andere wärmt.“
Schreiben ist nur was für Schriftsteller? Denk das nicht. Schreiben ist für jeden da. Egal in welcher Form, egal mit wie vielen Kommas. Schreiben ist ein Gedankenexperiment, das du dir erlaubst. Schreiben ist auch ein wenig Meditation, in der du dir Ruhe und Klarheit verschaffen kannst. Und Schreiben kann das schönste Hobby der Welt sein, wenn man es sich gestattet, es ohne Zwang und Druck zu tun. „Ich schreibe jetzt den Roman, mit dem ich reich und berühmt werde.“ Das ist einer dieser Sätze und eine Motivation, die dafür sorgt, dass man über die ersten Sätze mit Sicherheit nicht hinauskommt. Die guten, die sinnvollen Dinge des Lebens sollten wir nicht dafür einsetzen, uns Ruhm oder Geld zu verschaffen. Wir sollten sie vor allem für uns nutzen, um uns besser zu fühlen. Und das Schreiben beherbergt oft noch viel mehr Ideen und Fähigkeiten, die wir vorher von uns selbst nicht kannten. Wenn man seine Ideen auf das Papier fließen lässt, öffnen sich manchmal noch ganz andere Welten. Lade jede Idee ein, sie genau anzuschauen und vielleicht Lösungen für Probleme zu finden, die vorher gar nicht möglich schienen. Schreiben ist der Türöffner zu unserer kreativen Welt. Tritt ein und finde heraus wer du bist und was du zu wagen im Stande bist. Trau dich!
Dieses Buch soll dir ein Leitfaden sein, mit seinen Übungen diese Welt zu betreten, sie zu erkunden und die Ideen zu finden und zu gestalten. Von sehr kleinen einfachen Übungen, bis hin zu den großen Aufgaben, denen wir Schreiberlinge uns stellen können, findest du eine bunte Auswahl mit Erläuterungen, Beispielen und Tipps. Man schreibt immer auch ein Stück von sich in seine Zeilen. Deine Lebensgeschichten sind also inklusiv(e) ;) Und nun viel Spaß in deinen eigenen Geschichten!
Justus „Jupiter“ Sprengel
Sofie Jürges
Projekt Lebensgeschichten inklusiv(e)
Wir bedanken uns bei allen unseren Co-Autor*innen!
Claudia Bergmann
Hannes Binder
Sabine Buchheister
Claudia Busse
Elke Buttgereit-Kliem
Chat GPT
Beate Crone
Kerstin Ebeling
Martin Endres
Almuth Engel-Marx
Meta Force
Jo Harms
Petra Meyer
Jörg Niemann
Nordysfeder
Pampelmusensaftsachverständiger
Marion Riemer
Christian Riebe
Melanie Robben
Gabi Schwanke
Peter Tenner
Dietmar Voigt
Eins vorweg…
Level Einsteiger
1 Das Elfchen
2 Der Apfel
3 Die Schreibuhr
4 Der Stichwortfaden
5 Die Sanduhr
6 Der Brief
7 Das Wort-Buffet
8 Aussteigen
9 Der Ton macht die Musik
10 Das Interview
11 Das Bild
Level Hobbyschreiber*in
12 Die Insel
13 Die Farbe
14 Der Wortsalat
15 Aller Anfang ist schwer
16 Die Erinnerung
17 Die Szene
18 Dialog
19 Deine Emojis
20 Die Frage
21 Die Heldenreise
Level Fortgeschritten
22 Die Stadt der Träume
23 Ein Geschenk
24 Zitate
25 Weihnachtsmarkt
26 Das Gedicht
26.1. Reime bilden
26.2. Rhythmus (Metrum)
27 Die guten Vorsätze
28 Die Post-/ Grußkarte
29 Die Wut
30 Mut tut gut
31 Der Schwarze Mantel
32 Das Jetzt
33 Deine Meinung
Level Könner
34 Das Leben
35 Das lyrische Ich
36 Die Figur
37 Ich werde…
38 Oxymoron
39 Die Alliteration
40 Der Erzählkreis
41 Das Clustering
42 Das Ding des Tages
43 Gegenstände
44 Die Nachricht
Bonuslevel Dein Werk
45 Die Kurzgeschichte
46 Der Roman
47 Deine Gedichte
48 Das Essay
49 Das Theaterstück
50 Der Artikel
51 Das Journal
Epilog
Themen zu denen man schreiben kann
In seinen Geschichten zu verweilen kann manchmal auch schmerzhafte Erinnerungen und Erfahrungen hervorbringen. Wenn du dich bereit fühlst, sie dir anzuschauen, bearbeite sie für dich, schreibe sie, wie du willst und lass sie damit los.
Merkst du aber, dass es zu schwierig wird, lass die Übungen sofort liegen und widme dich etwas Schönem. Nichts muss geschrieben werden, wofür die Zeit noch nicht gekommen ist.
Hier findest du viele kleine, meist kurze Übungen, mit denen man seine Finger warm machen kann und seinen Kopf auch. Gleichzeitig bekommst du erste Möglichkeiten Themen und Ideen zu finden, die man später weiter ausarbeiten kann. Und wenn mal etwas nicht auf Anhieb funktioniert, oder du nicht sofort eine Idee hast, lass es liegen und komm später darauf zurück.
Den Anfang macht das Elfchen. Es ist klein, fein, schnell geschrieben, und doch so unglaublich stark. 11 Wörter, mehr braucht es nicht. Es kann dir Helfen essenziell etwas rauszuarbeiten oder erste Ideen für einen größeren Text zu sammeln.
Nimm dir einen Begriff. Der ist das Thema und bildet schon das erste Wort. Die nächsten Zeilen orientieren sich an dem Begriff.
Erst schreibst du diesen Begriff
Dann zwei Wörter
Dann drei
Dann vier
Zum Schluss noch eins
Ein paar Beispiele:
Minuten
werden Stunden
eine Stunde Gedankenformen
Worte werden zu Geschichten
Schreibwerkstatt
Nordysfeder
Jahreszeiten
Ständig wechselnd
Verschiedene Phasen - schön
Frühling, Sommer, Herbst, Winter
Neubeginn
Sabine Buchheister
Meer
Schäumend
Schäumend, kraftvoll
Schäumend, kraftvoll, gigantisch,
Faszination der aufbäumenden Wellen
Sehnsucht
Gabi Schwanke
Sonne
Sonne scheint
Sonne scheint grell
Sonne scheint grell leuchtend
Wärme
Marion Riemer
Pommes
Knackig heiß
Fett und Salz
Ketchup oder Mayo dazu
Schwimmbad
Jupiter
Das Alltägliche lässt uns oft die schönsten Gedanken haben. Etwas das bei vielen Menschen viele Erinnerungen weckt ist ein Apfel. Simples Obst, aber meist auch mit vielen Erinnerungen verbunden. Wie ist dein Apfel, wie fühlt er sich an, wie schmeckt er?
Stell es dir vor und schreibe deine Gedanken nieder.
Beispiele:
Mein Apfel glänzt in schönem rot
Aufpoliert durch wachs
gehört zur Handelsklasse 1
das war für ihn ein Klacks
gereift ist er im Sonnenlicht
an einem alten Baum
sein Duft die halbe Welt besticht
er ist ein wahrer Traum
kein noch so kleiner Makel
ist an ihm zu sehen
deshalb bin ich ganz verzückt
ihn mir nur anzusehen
zum Essen ist er fast zu schade
drum schieb ich auf seinen Genuss
doch wartet man zu lange Zeit
wird aus ihm nur Apfelmus
Petra Meyer
Äpfel
Als ich Kind war, gehörten Äpfel von August bis in den Winter hinein zum täglichen Speiseplan. In allen Varianten, als Ganzes, als Mus, als Kompott, im Kuchen und in Pfannkuchen. Wir haben sie an Straßenbäumen aufgelesen und gepflückt und gerne auch geklaut in fremden Gärten. Das waren immer die Besten. Ich erinnere mich, dass wir auf einer großen Streuobstwiese jedes Jahr Äpfel und Pflaumen aufsammeln und pflücken durften. Auf jeden Fall war nie Mangel an Äpfeln. Am allerbesten an diesem Obst war, es hat nichts gekostet. Bei zehn Geschwistern der Pluspunkt überhaupt. Als ich erwachsen war, hieß es plötzlich, um die Äpfel von Straßenbäumen zu bekommen, muss man den Baum, bzw. seine Ernte kaufen. Kann ich bis heute nicht verstehen, weil selten jemand die Äpfel abpflückt oder aufliest, und so zentnerweise Obst vergammelt. Irgendwann mussten wir Äpfel im Supermarkt kaufen und dann hieß es, unbedingt abwaschen, weil sie gespritzt sind. Mit was gespritzt? Wir haben unsere ganze Kindheit und Jugend hindurch ungewaschene Äpfel gegessen. Was machen die Menschen, die Zeit und die Welt mit unseren Äpfeln? Jetzt, im fortgeschrittenen Alter, ist es für mich immer ein Aufreger wert, wenn ich Äpfel aus Neuseeland, Chile, usw. in den Regalen finde und sehe, wie die Leute sie tütenweise kaufen, billiger als deutsche Äpfel. Ich für meinen Teil esse nur deutsche Äpfel, aufgelesen oder geklaut. Ganz selten gekauft.
Beate Crone
Nimm dir ein leeres Blatt Papier und einen Stift und schreibe auf, was immer dir gerade in den Sinn kommt. Lege deinen momentanen Gedankenfluss auf das Papier.
Themen oder Rahmen sind dabei fast nicht vorgegeben. Die einzige Begrenzung bildet hier die Uhr.
Wir schreiben 15 Minuten. Am besten stellst du dir einen Wecker oder Timer. In diesen 15 Minuten denke und schreibe Text. Wichtig. Wenn der Wecker klingelt, höre auch wirklich auf. Wenn du merkst, dass 15 Minuten dich nicht auslasten, erhöhe irgendwann die Schreibdauer.
Zwei Beispiele:
Dezember. Ein kalter Monat ist es, und ein dunkler noch dazu. Zwischen dem Ärger und der schlechten Laune und dem gespannten Warten auf hoffentlich schöne Feiertage und eine kleine Pause zum Jahresende springt das Leben hin und her und lässt uns erstmal nicht zur Ruhe kommen. Trotzdem liegt immer etwas in der Luft. Wo das eine endet, muss zwangsweise etwas Neues beginnen. In diesem Fall der Januar. Und so werden die letzten Tage des Dezembers immer zu einer Art leerem Raum, in dem man verschwinden kann und alles undefiniert stehen bleibt. Wie internationale Gewässer, in denen kein konkretes Gesetz mehr vorschreibt, was man zu tun hat. Als Pirat zwischen den Jahren lässt sich die schlechte Laune dann auf jeden Fall besser aushalten.
Jupiter
„Ja, ja“, sagte er ganz versonnen und schaute dabei aus dem Fenster. „Die Frau N.“, wiederholte er dann zum bestimmt zehnten Male. „Die Frau N. ist eine sehr begabte Frau. Sie spielt Theater, singt sehr gut und schreibt. Ich weiß gar nicht, was das mit der Arbeit noch soll. Obendrein lebt sie noch in Gifhorn anstatt in Madrid oder in Venedig.“ Er schwieg und schaute weiter aus dem Fenster. „Neulich,“ begann er wieder, „neulich habe ich sie gesehen, da gab sie einem Hund einen Zettel ins Maul. Ich bin dem Hund gefolgt. Er lief durch die gesamte Stadt. Er war nicht schnell. Ich konnte ihm gut folgen. Er war so geschickt, selbst an den größten Kreuzungen mit dem schlimmsten Verkehr, er kam nicht zu schaden. Dann, weit draußen außerhalb der Stadt, hielt er inne. Er erbrach den Zettel und lief fort. Ich nahm den Zettel auf, es war nichts zu lesen, alles verwischt. Dann kam ein Rabe, las den Zettel auf und flog davon.
Jo Harms
„Guten Tag! Ich bin behindert. Ich kann ja auch nichts dafür, aber es ist ja nun mal so… Ich wünsche Ihnen eine schöne Zeit. Leben Sie lange und in Frieden… und entschuldigen Sie bitte meine feuchte Aussprache!“
Martin Endres
Jede gute Erzählung braucht einen Faden, an der sie entlangführt.
Um deinen eigenen Faden vorzubereiten, hilft es, Stichworte zu der Geschichte aufzuschreiben, die man zu Papier bringen möchte. Also sammle Wörter zu deiner Idee, zieh sie auf deinen Faden und leg los mit dem Schreiben. So lassen sich zum Beispiel auch eigene Ideen gut vorsortieren, um sie später dann als Text aufzuschreiben.
z. B.: Biene, Honigkuchen, Imker, Backofen, Sommer, Weihnachten
Sortiere sie noch um, wenn du möchtest. Dann schreib los.
Beispiele:
Stichworte: Sonne, Himmel, Vogelgezwitscher, Froschgequake, Teich, Bäume, Sträucher, Blättchen, Blüten, Tulpen, Narzissen, Traubenhyazinthen, Frühlingsduft, Bienen, Hummeln, Frühling
Die Sonne lacht vom blauen Himmel. Vogelgezwitscher erfüllt die Luft. Zaghaftes, noch heiseres Gequake der Frösche ertönt vom Teich. An Bäumen und Sträuchern sprießen erste lindgrüne Blättchen und zarte Blüten öffnen sich. Leuchtend bunte Tulpen, sonnengelbe Narzissen und königsblaue Traubenhyazinthen erfreuen mich und verströmen den typischen Frühlingsduft. Davon werden Bienen und Hummeln angezogen und tummeln sich in den Blüten. Ein laues Lüftchen umweht mich. Ich atme tief ein und aus. Endlich ist der Frühling da.
Almuth Engel-Marx
Stichworte:
Salzige Luft, kalte Brise, warme Sonne, warm freundlich gemütlich
Wohlig warm in Winterjacke mit der Sonne im Gesicht am Strand von St. Peter Ording stehen. Ausgerechnet Anfang April grüßt einen liebevoll die Sonne und nimmt dich warmherzig in Empfang. Es riecht noch nicht nach Meer. Erwartet man den deftigen salzigen Geschmack auf der Zunge, wird man enttäuscht. Wider Erwarten schmeckt die Luft nach gar nichts. Erst nach geraumer Zeit und einer sich einstellenden Entspannung realisiert man langsam einen leicht salzigen Duft, der sich sehr schüchtern ankündigt und nur zaghaft haften bleibt, aber noch nicht wahrzunehmen ist auf der Zunge. Die Sonne verschwindet nach und nach. Das unaufhörliche Meeresrauschen beruhigt ungemein. Der eigene Körper stellt sich auf die Monotonie des Meeres ein. Einatmen, warten, genießen, ausatmen und staunen. Wahnsinn, wie schnell die Zeit unbemerkt vergehen kann. Mit der Hand die Augen abgeschirmt vor der Sonne auf das Meer schauen. Ein Farbspektakel. Rot, grün, blau, weiß, lila… alle Farben glimmen auf und ziehen dich magisch an, um dann schnell wieder zu verschwinden. Die erwartete Kälte stellt sich nicht ein. Zu schön ist der Anblick von Freiheit und Natur. Freiheit: frische Luft zu atmen und Natur, die einem zeigt, was im Leben eigentlich alles so wichtig ist. Und am aller schönsten an dieser Szene ist; keine Gedanken plagen dich.
Melanie Robben
Hier kommen wir nun zum Elfchen 2.0
Die Form ist etwas schwieriger und hat mehr als elf Wörter. Aber dadurch hat man auch mehr Möglichkeiten der Gestaltung.
Beispiel:
Ich habe mich verbrannt
4
wie eine Flamme
3
so rot
2
Feuer
1
heiß brennt
2
bis es verzehrt
3
sich selbst zum Ende
4
Jupiter
Weitere Beispiele:
Den ganzen Tag drinnen nicht draußen wo Kinder spielen und Rentner Fahrrad fahren in der Sonne mit ersten Frühlingsgefühlen
Jo Harms
Gewitter lodert am Horizont alle flüchten Heim Stehen am Fenster sehen hinaus in den grauen nassen blitzenden Dienstag Abend
Jo Harms
Leise rieselt die Sanduhr durchs Gedichte Geflecht wundersam umsponnen Sanduhr goldener Hauch kristallen und glasig fließen weltferne Zeichen Zeit
Peter Tenner
Briefe schreiben, das macht heute keiner mehr, heißt es immer. Schade, wenn das wirklich so ist. Zum Glück können wir das ändern. Schreibe einen Brief an wen auch immer du möchtest. Vielleicht an ein vergangenes oder zukünftiges Ich. Vielleicht an einen Freund, ein Familienmitglied oder eine Person, die dir wichtig ist. Oder du schreibst einen Brief an ein Gebäude oder eine Firma, die dein Lieblingsprodukt nicht mehr herstellt. Oder einen Brief an den Weihnachtsmann, Osterhasen oder Zahnfee.
Briefe kann man in viele Richtungen schreiben. Welche ist deine?
Lieber/ Liebe/ Liebes …,
Beispiele:
An das kleine gebrauchte Auto
Du kamst genau zur richtigen Zeit in unser Leben. Fast wie ein Lotteriegewinn, genauso unerwartet, mit deinem Einzug bei uns, waren wir schlagartig eine große Sorge los.
Im Herbst passierten fast zeitgleich zwei Dinge. Wir mussten uns aus Vernunftgründen von deinem Vorgänger trennen. Und ein guter Freund von uns ist verstorben. Weil dieser Freund wollte, dass du in gute Hände kommst, haben wir dich geerbt.
Besagter Vorgänger war einfach zu groß und sowohl ökonomisch als auch ökologisch unvernünftig. Du hingegen passt gut. Klein, sparsam und mehr als ausreichend.
Gut, ich gebe zu, du bist nicht so komfortabel und auch nicht so leistungsfähig. Dir guckt auch niemand bewundernd hinterher, ganz im Gegenteil. Wir haben angesichts des vermeintlichen Rückschritts schon mitleidige Kommentare bekommen. Mich stört das nicht. Ich finde dich cool.
Anfang des Jahres hast du mich 1800km durch die neuen Bundesländer bewegt. In deinem CD-Spieler habe ich wunderbare Hörbücher gehört. Die Heizung lief zuverlässig und 110 km/h sind ein super Tempo! Jeden Tag tust du deinen Dienst. Als Dank dafür werden wir dich noch ein paar Jahre hegen und pflegen, putzen und wienern, und dir alles zukommen lassen, was du zum Funktionieren brauchst. Außerdem denken wir jeden Tag an unseren lieben Peter, dem du vorher gedient hast.
Beate Crone
Das Leben ist manchmal
wie ein Buffet. In diesem Sinne eine kleine
Auswahl. Such dir was aus und leg los.
Thema: Einkaufen
Wie kaufst du ein, was und wo? Wie sieht dein Kassenbon aus? Berichte von deinem Einkauf. Farben, Gerüche, Menschen. Was begegnet dir?
Thema: Die Schatzkiste und der Stift
Du bist nicht kreativ oder kannst keine Geschichten schreiben? Darum geht es nicht. Du bist eine Schatzkiste mit wertvoller Füllung. Was ist einer deiner Schätze? Höre dem Stift auf dem Papier zu und finde deinen Schatz.
Thema: Deine Füße
Wo waren deine Füße? Welchen Boden haben sie betreten? Und wie fühlte es sich an? Wie sind deine Füße dort hingekommen?
Thema: Müll
Müll auf der Straße, Müll im Kopf, Müll der die Seele belastet. Müll kann allgegenwärtig sein und scheint heutzutage Ausdruck des Überflusses. Oft ist Müll das Ergebnis. Wo siehst du Müll? Wie räumst du ihn auf?
Beispiele:
Thema Weißes Kleid:
Mit dem langen weißen Kleid ging sie barfuß über die Wiese. Weich schmiegte sich das Moos unter ihren Füßen an sie. Sanft fiel der Regen aus den schwangeren Wolken auf Samara. Sie reckte ihr schönes Gesicht zum Himmel, nur um den ganzen Segen entgegennehmen zu können. Dann drehte sie sich plötzlich. Das weiße Kleid umspielte ihre schlanken Beine. Sie liebte die Ballettschuhe, aber hier draußen die Freiheit ihrer Füße. Samara drehte sich schwungvoll, leicht und mit der Anmut einer Elfe. Ein Regenbogen und die Sonne ließen ihr rotes Haar glühen, wie ihre Wangen. Dann warf sie sich einfach hin und genoss alles.
Kerstin Ebeling
Der Alltag ist voller Alltag. Und das kann an manchen Tagen schwer, herausfordernd oder belastend sein. Manchmal lohnt es sich da auszubrechen. Leider ist es ja selten möglich wirklich einfach komplett zu verschwinden. Aber auf dem Papier kann man sich dennoch die Möglichkeit erlauben. In diesem Sinne nimm dir Papier und Stift als Ticket und steig aus. Wohin geht’s?
Ein Beispiel:
Aussteigen aus dem Bus?
Oder
Aussteigen aus dem Beruf?
Oder einfach mal
Aussteigen aus dem Alltag?
Für ein paar Momente verschwinden von
den Sorgen und Problemen des Alltags.
Ich bin der Meinung, mit Humor und Zuversicht lässt sich jede noch so belastende
Situation entschärfen und besser aushalten.
Also mehr lachen, mehr Freundlichkeit
mehr dem Anderen positiv zugewandt sein.
Es kommt ja immer auf den Blickwinkel an.
Bausparen ist gefährlicher als Fallschirmspringen.
Warum?
Nun, im letzten Jahr sind mehr Bausparer
gestorben als Fallschirmspringer.
Die Menschen glauben alles, es darf nur
nicht in der Bibel stehen.
Da ist etwas dran.
Dennoch, der Glaube versetzt Berge.
Bewegung, kombiniert mit einem
Waldspaziergang, befreit den Geist und
hilft beim täglichen 5 Minuten Ausstieg.
Und wenn ich mir dann dabei noch vorstelle wie das Salzwasser den Sandstrand
zärtlich küsst.
Oder wie ich meinen Jammerlappen auswringen
kann, dann sind das kleine
Glückspröbchen die mir gut tun.
Dennoch!
Mal ist man die Taube, mal das Denkmal.
Auch beim täglichen 5 Minuten Ausstieg.
Pampelmusensaftsachverständiger
Der Ton macht die Musik und Musik kann kreativ machen. Sie kann Gefühle bewegen und Bilder und Geschichten im Kopf. Vielleicht hast du ja schon ein bestimmtes Musikstück, dass immer wieder eine Idee in deinem Kopf entstehen lässt. Dann schreibe sie auf. Oder probiere es aus. Nimm ein Musikstück, das dir gefällt. Höre es dir ganz in Ruhe an, und schau dabei mal ganz bewusst im Kopf nach, ob sich eine Geschichte oder ein Gedicht darin versteckt.
Ein Beispiel:
Zu „I will follow him“ Sister Act
Ohne Dich geht es nicht. Ein Leben lang will ich dir folgen. Höhen und Tiefen haben wir miteinander gemeistert. Wohin geht die Reise? Jeder Tag ist anders, spannend? Was hast du noch vor? Was haben wir vor? Wohin geht es? Was wird? Wie wird die Erde sich ändern, sie dreht sich, steht nie still. Haben Leben, Tod. Jahreszeiten, Wetter, Aufblühen, vergehen, Sommer, Herbst, Winter, wieder Frühling. Was? Warum? Wer? Gezeiten.
Kerstin Ebeling
Die symphonische Dichtung der Moldau von Friedrich Smetana ist ein gutes Beispiel dafür, wie Musik und Instrumente ganze Bilder und Landschaften vor dem inneren Auge des Zuhörers entstehen lassen.
Das Stück beginnt mit leichten, quirligen Läufen der Flöten, um das Plätschern der Quelle nachzuahmen. Dann erklingt das majestätische Hauptthema des Flusses, hauptsächlich von den Streichern getragen. Der Klang der Jagdhörner tritt auf, es gibt eine Treibjagd im Wald. Die Szene wechselt wieder. Es erklingt Tanzmusik. Ich stelle mir Frauen und Männer in böhmischen Trachten vor, die am Ufer ein Menuett tanzen. Es wird Abend, es ertönt Harfenmusik, der Fluss fließt ruhig. Plötzlich wird die Musik lauter und schriller, es schlagen Pauken und Becken, es hört sich an, wie Donner und Blitz. Schließlich kehrt wieder Ruhe ein. Der Fluss kommt nach Prag. Das Hauptthema erklingt wieder, wird leiser, es entsteht eine Pause und das Ende der Fahrt wird durch 2 Schlussakkorde bekräftigt.
Claudia Busse
