Lebensläufe im Wandel -  - E-Book

Lebensläufe im Wandel E-Book

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Beschreibung

Lebensläufe sind in Veränderung begriffen, und diese Veränderungen besitzen erhebliche Auswirkungen auf Planung, Verlauf und Interpretation von lebenslangem Entwicklungsgeschehen. So wird beispielsweise die heute sehr lange Altersphase als "späte" Entwicklungsgelegenheit begriffen. Aber auch neue Gestaltungspotenziale in der frühen Kindheit verändern die lebenslange Entwicklung insgesamt. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Fragen lebenslanger Entwicklung ist jedoch weiterhin zersplittert. In diesem Studienbuch nehmen prominente Vertreter eines breiten Spektrums an Disziplinen, z. B. der Psychologie, Bildungswissenschaft, Gerontologie, Pflegewissenschaft, Philosophie, Soziologie, Ethnologie sowie Theologie, Stellung zu den heutigen Herausforderungen einer lebensumspannenden Entwicklungsperspektive.

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Seitenzahl: 801

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Hans-Werner Wahl Andreas Kruse (Hrsg.)

Lebensläufe im Wandel

Sichtweisen verschiedener Disziplinen

Verlag W. Kohlhammer

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen und sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.

 

 

 

1. Auflage 2014

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-022171-0

E-Book-Formate:

pdf:       ISBN 978-3-17-023909-8

epub:    ISBN 978-3-17-025376-6

mobi:    ISBN 978-3-17-025377-3

Für den Inhalt abgedruckter oder verlinkter Websites ist ausschließlich der jeweilige Betreiber verantwortlich. Die W. Kohlhammer GmbH hat keinen Einfluss auf die verknüpften Seiten und übernimmt hierfür keinerlei Haftung.

Inhalt

Vorwort

I

    

Einführung und ausgewählte Zugänge

     Vorspann der Herausgeber

1   Lebenslaufforschung – ein altes und neues interdisziplinäres Forschungsthema

  Andreas Kruse und Hans-Werner Wahl

2   Grundlagen der soziologischen Lebenslaufforschung

  Gertrud M. Backes

3   Grundlagen der psychologischen Lebenslaufforschung

  Hans-Werner Wahl und Andreas Kruse

4   Grundlagen der ethnologischen Lebenslaufforschung

  Anita von Poser und Alexis Th. von Poser

II

    

Partialblicke auf neue Lebensläufe – Auswirkungen auf den gesamten Lebenslauf

     Vorspann der Herausgeber

5   Was ist ein Baby/Kleinkind? Wie unsere Sicht auf die frühe Kindheit das Leben in dieser Phase prägt

  Sabina Pauen

6   Schule in neuen Gewändern – Veränderungen der Institution Schule und ihre Auswirkungen auf den Lebenslauf

  Birgit Spinath

7   Jugendalter – alte und neue Herausforderungen beim Übergang ins Erwachsenenalter

  Andreas Kruse und Eric Schmitt

8   Die Entwicklung von sozialen Beziehungs- und Familienformen im mittleren Erwachsenenalter

  Jan Eckhard und Thomas Klein

9   Herausforderungen und neue Gestaltungsmöglichkeiten des mittleren Lebensalters

  Pasqualina Perrig-Chiello und François Höpflinger

10   Berufliche Entwicklung in Veränderung

  Andreas Kruse und Michael Hüther

11   Neue Übergänge von der späten Berufsphase in den Ruhestand

  Andreas Kruse

12   Die neue Lebensphase Alter

  Franz Kolland und Anna Wanka

13 Herausforderungen am Ende der Lebensspanne – Facetten von Hochaltrigkeit zwischen bedeutsamer Anpassung und hoher Verletzlichkeit

  Oliver Schilling und Hans-Werner Wahl

14 Gestaltung des Lebensendes – End of Life Care

  Hartmut Remmers und Andreas Kruse

III

    

Variationen von Gesamtsichtweisen des Lebenslaufs

IIIa

   

Sozialkulturelle Kontexte veränderter Lebensläufe

     Vorspann der Herausgeber

15 Neue Lebenslaufkonzeptionen im Hinblick auf körperliche Gesundheit und Prävention

  Hartmut Remmers

16 Neue Bildung über den Lebenslauf

  Rudolf Tippelt und Johanna Gebrande

17 Neue Medien – neue Lebensläufe? Vergleichende Betrachtungen der Rolle neuer Medien für Kindheit/Jugend und für das höhere Lebensalter

  Sabina Misoch, Michael Doh und Hans-Werner Wahl

18 Die Bedeutung von Altersbildern im Lebenslauf

  Catherine E. Bowen, Anna E. Kornadt und Eva-Marie Kessler

IIIb

 

Ethische und spirituelle Fragen im Lichte der drei monotheistischen Religionen

     Vorspann der Herausgeber

19 Neue ethische Fragen neuer Lebenslaufmuster und -anforderungen

  Thomas Rentsch

20 Jüdische Lebensläufe – Kritische Lebensereignisse und ihre Rituale

  Micha Brumlik

21 Neue Entwicklungsanforderungen über die Lebensspanne aus Sicht des Christentums

  Uwe Sperling

22 Ein Blick auf islamische Traditionen: Die Stellung älterer Menschen im islamisch geprägten Ägypten

  Michael Bolk

IV

  

Neue Lebensläufe als Herausforderung einer interdisziplinären Lebenslaufforschung: (De-)Standardisierung des Lebenslaufs, Genderaspekte und Resümee

     Vorspann der Herausgeber

23 Neue Lebenslaufmuster im Wechselspiel von Standardisierung und De-Standardisierung

  Simone Scherger

24 Neue Lebensläufe der Geschlechter aus entwicklungspsychologischer Sicht

  Insa Fooken

25 Selbstbestimmte vs. fremdbestimmte Entwicklung im Lebenslauf – Ein Resümee vor dem Hintergrund der Beiträge des Buches

  Andreas Kruse und Hans-Werner Wahl

Verzeichnis der Herausgeber und Autoren

Stichwortverzeichnis

Inhalt des elektronischen Zusatzmaterials

 

 

Zu zahlreichen Kapiteln des Buchs erhalten Sie zusätzliche Materialien im Webshop des Kohlhammer Verlags unter www.kohlhammer.de. (Bitte suchen Sie hier den Buchtitel)

•  Fragen zum Beitrag

•  Weiterführende Literatur

•  »Hot topics« im Bereich der Forschung, in denen in Bezug auf die Thematik des Beitrags besondere Zukunftsherausforderungen bestehen

•  Bedeutsame gesellschaftliche Herausforderungen in Bezug auf die Thematik des Beitrags

•  Kommentierte Linkliste

Vorwort

 

 

Lebensläufe sind, wie es bisweilen heißt, in Veränderung begriffen, und diese Veränderungen zeigen Auswirkungen auf die »Lebenswelt« der Person. So gilt es zum Beispiel, die sich immer weiter ausdehnende Altersphase zu gestalten, ja, zuerst einmal zu lernen, die Gestaltungsmöglichkeiten auch tatsächlich umzusetzen bzw. als neue, späte Freiheit zu begreifen. Aber auch in frühen Lebensphasen ist die Veränderungsdynamik deutlich zu spüren, etwa wenn systematisch neue Bildungsimpulse bereits im Kindergarten gegeben werden, wenn Schule den Beginn einer lebenslangen Bildungssozialisation darstellt. Auch die mittlere Lebensphase, traditionell in der Entwicklungspsychologie eher als »Ruhephase« mit primär stabilen Elementen angesehen, unterliegt deutlichen Veränderungen. Eine Herausforderung besteht zum Beispiel darin, sich in der mittleren Lebensphase beruflich noch einmal neu zu orientieren und insgesamt eine längere »produktive« Arbeitsphase als Teil des eigenen Älterwerdens zu gestalten.

Vor diesem Hintergrund sei gefragt: Wer beschäftigt sich eigentlich wissenschaftlich mit diesen Fragen? Unsere Lebenslaufgestalt ist ein Gesamtganzes, sollte auch wissenschaftlich letztlich so verstanden werden, jedoch ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Lebenslauf weiterhin in selten miteinander korrespondierende disziplinäre Sichtweisen gegliedert, etwa jene der Entwicklungspsychologie, der Soziologie, der Bildungswissenschaft, der Ethnologie und der Gerontologie.

In dem vorliegenden, unterschiedliche Disziplinen vereinigenden Buch unternehmen die Autoren den Versuch, diese unbefriedigende Ausgangslage zu verbessern. So kommen in diesem Buch Vertreter der Disziplinen Bildungswissenschaft, Gerontologie, Medien- und Technikforschung, Gesundheitsforschung, Philosophie, Psychologie, Soziologie, Ethnologie, Ethik, Philosophie und Theologie zu Wort.

Das Buch ist wie folgt aufgebaut: In Teil I wird anhand von ausgewählten Zugängen eine Einführung in die Lebenslaufforschung gegeben. In den Teilen II und III werden dann Partialblicke auf »neue Lebensläufe« (ohne den Lebenslauf in seiner Gesamtheit zu vernachlässigen) und Gesamtsichtweisen auf neue Lebenslaufdynamiken (ohne einzelne Phasen zu ignorieren) einander gegenübergestellt. Teil III teilt sich noch einmal auf in einen Teil IIIa (»Sozialkulturelle Kontexte veränderter Lebensläufe«) und Teil IIIb (»Ethische und spirituelle Fragen im Lichte der drei monotheistischen Religionen«). In Teil IV werden schließlich noch zwei uns zentral erscheinende, übergreifende Sichtweisen (De-/Standardisierung des Lebenslaufs, Genderaspekte) thematisiert. Teil IV schließt mit dem Versuch eines Gesamtresümees. Zu Beginn jeden Teils des Buches findet sich ein Vorspann, der das Lesen und Wesen der jeweiligen Kapitel vorbereiten soll. Zu vielen Kapiteln des Buchs liegen zudem weitere Online-Materialien vor (siehe S. 9).

Wir wünschen uns unterschiedliche Leserinnen und Lesergruppen. An erster Stelle richtet sich das Buch an Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen. Es möchte dazu beitragen, anhand von theoretischem und empirischem Wissen lebenslange Entwicklung und Lebensläufe im Wandel besser zu verstehen – und dies eben aus Sicht unterschiedlicher Disziplinen. Wir möchten aber auch Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Disziplinen ansprechen, die an Fragen der Entwicklungsforschung interessiert sind. Schließlich würde uns freuen, wenn das Buch in der Praxis (z. B. Pflege, kommunale Planung, Rehabilitation) Interesse fände.

Wir möchten uns sehr herzlich beim Kohlhammer Verlag, Stuttgart, speziell bei Herrn Dr. Ruprecht Poensgen, Frau Celestina Filbrandt und Frau Anita Brutler, dafür bedanken, dass dieses Projekt eine sehr gute Publikationsplattform gefunden hat. Vielfältig vermittelter sehr guter Rat hat unsere Überlegungen im Hinblick auf Inhalt und Gestaltung des Buches immer wieder bereichert. Unser Dank gilt allen Autorinnen und Autoren für Engagement und enge Kooperation. Und schließlich sei Frau Ursula König für die sehr kompetente und wertvolle Unterstützung bei der Vorbereitung des Manuskripts herzlich gedankt.

 

Heidelberg, im Frühjahr 2014

Hans-Werner Wahl & Andreas Kruse

I         Einführung und ausgewählte Zugänge

Teil I – Vorspann der Herausgeber

 

 

Hier und im Folgenden zu Beginn aller Teilbereiche des Buches möchten wir Sie als Herausgeber auf die Beiträge einstimmen.

Im ersten Teil des Buches sollen Grundlagen gelegt werden, auf die Sie immer wieder bei der Lektüre der weiteren Teile zurückgreifen können. Schon im ersten Teil wird deutlich werden, dass die Beschäftigung mit dem Phänomen Lebenslauf stets selektiv erfolgen muss. Zahlreiche wissenschaftliche Disziplinen haben zu den Fragen nach der Natur des Ablaufs unseres Lebens viel zu sagen. Einige allerdings haben sich hier traditionell besonders hervorgetan; andere entdecken erst in den zurückliegenden Jahren die intellektuelle und praktische Bedeutung, die in Fragen (und Antworten) nach dem Verlauf unseres Lebens liegt.

Wir beginnen mit einem »Aufschlag« (Kap. 1, Kruse und Wahl) zu Grundfragen der Lebenslaufforschung und ihrer Geschichte. Vor allem soll, zentral für das gesamte Buch, aufgezeigt werden, dass eine umfassende Lebenslaufforschung nur interdisziplinär betrieben werden kann. Unseres Wissens wird in diesem Kapitel zum ersten Mal der Versuch unternommen, ein solches Zusammenwirken unterschiedlicher Disziplinen in Gestalt von insgesamt 18 Zugängen zur Lebenslaufforschung darzulegen.

Für die Soziologie (Kap. 2, Backes) stehen Fragen nach der Ablaufgestalt des Lebens im Zentrum des Interesses: Sind solche Ablauflogiken gesellschaftlich, historisch, politisch weitgehend festgelegt? Leben wir letztlich »nur« das, was uns an Normen und institutionellen Regelungen vorgegeben ist? Wie verändern gesellschaftliche Entwicklungen letztlich auch unsere ganz persönlichen Werdegänge? Wo bleibt dabei so etwas wie »Entwicklungsfreiheit«?

Die Psychologie (Kap. 3, Wahl und Kruse) hat demgegenüber mit dem Begriff der »Entwicklung« stets sehr stark, viel stärker als die Soziologie, auf den Beitrag des Einzelnen im Hinblick auf Gestaltungsmöglichkeiten abgehoben. Ist nicht, so wird gefragt, das lebenslang hochindividualisierte Entwicklungsgeschehen (Biografie!) konstitutiv für eine Anthropologie? Wer überzieht hier den Bogen: die individuelle Sichtweise der Psychologie oder die gesellschaftlich ausgerichtete der Soziologie? Sie werden sich Ihre Meinung bilden.

Und schließen Sie dabei die kulturelle Relativität von angeblich objektiven Größen wie dem menschlichen Alter in Ihre Überlegungen ein (Kap. 4, Poser und Poser). Hier wird es, wie wir finden, noch einmal richtig spannend – und verunsichernd zugleich. Was hat es zu bedeuten, wenn wir zu dem Ergebnis kämen, dass unterschiedliche Kulturen das menschliche Altern, die Gesetze des Lebensablaufs, ja, auch das Ende des Lebens völlig unterschiedlich interpretieren?

1          Lebenslaufforschung – ein altes und neues interdisziplinäres Forschungsthema

Andreas Kruse und Hans-Werner Wahl

Zusammenfassung

In diesem Einführungskapitel, das in einem gewissen Sinne als Fundament für das gesamte Buch dient, gehen wir zunächst auf bedeutsame historische Entwicklungslinien der Lebenslaufforschung ein. Dabei zeigt sich, dass die Lebenslaufforschung auf einer reichhaltigen Ideengeschichte zu Vorstellungen menschlicher Entwicklung bzw. zu den Möglichkeiten und Grenzen von Leben und Altern aufbaut. Anschließend untersuchen wir grundlegende Annahmen der Lebenslaufforschung und setzen uns mit drei zentralen Fragen der Lebenslaufforschung auseinander: (1) Wie lässt sich das Wesen menschlicher Entwicklung angemessen beschreiben? (2) Woher rührt Entwicklung? (3) Erfolgt Entwicklung bzw. operieren die Einflüsse auf Entwicklung über den Lebenslauf hinweg in ähnlicher oder in völlig unterschiedlicher Weise? Im Weiteren gehen wir auf die Lebenslaufforschungstraditionen in unterschiedlichen Disziplinen bzw. entsprechenden Unterströmungen ein und kommen dabei zu insgesamt 18 Spielarten wie folgt (vgl. Tab. 1.1): Primär Psychologie: (1) Psychodynamische Sichtweisen und die Idee des Primats des frühen Lebens für alles nachfolgende Leben; (2) Stufen- und Phasenmodelle des Lebens; (3) Biografischer Zugang zum Lebenslauf; (4) Lebensspannenpsychologie; (5) Psychologische Theorien zu lebenslanger Entwicklung und Adaptation. Primär Soziologie: (6) Untersuchung von Minoritäten, sozialen Problemlagen und Devianz; (7) Veränderungen in Disengagement und Aktivität bzw. Kontinuität als Lebenslaufmodelle; (8) Standardisierung und Institutionalisierung des Lebenslaufs; (9) Lebenslange Entwicklung als Zusammenwirken von sozialen, kulturellen und historischen Einflüssen; (10) Primär quantitative Lebensverlaufs- und Lebensübergangsforschung. Primär Biologie, Medizin und Epidemiologie: (11) Lebenslange Entwicklung als fortschreitender Wandel der lebenden Substanz; (12) Lebenslaufbezogene Akkumulation von Schutz- und Risikofaktoren. Primär Bildungswissenschaft: (13) Lebenslauf als lebenslange Bildungssozialisation; (14) Idee des lebenslangen Lernens und von lebenslanger Bildung. Primär Demografie: (15) Lebenslauf als markiert von Geburts- und Mortalitätsdynamiken. Primär Philosophie und Theologie: (16) Lebenslange Entwicklung und Altern als Gnade oder Fluch; (17) Lebenslange Glaubensgeschichte als Ressource. Primär Ethnologie/Anthropologie: (18) Kulturen und Ethnien vergleichende Lebenslauf- und Alternsforschung.

1.1       Einführung

Das Bestreben, menschliches Leben als sinnhafte Ablaufcharakteristik verstehen zu wollen, gehört wahrscheinlich zu den ältesten Anliegen der Menschheit überhaupt. Und bis heute hat die Lebenslaufperspektive in den unterschiedlichsten Disziplinen nichts an Bedeutung und Forschungsimpetus verloren. Gleichzeitig geht die Lebenslaufforschung mit Ambitionen einher, die –theoretisch, methodisch und empirisch – hohe Anforderungen stellen. Dieses Kapitel und dieses Buch möchten sich diesen Fragen und Problemen, den Potenzialen und Grenzen des Lebenslaufansatzes mit dezidierter Beachtung der Sichtweisen unterschiedlicher Disziplinen stellen. In diesem Einführungskapitel wird dazu zunächst die Bedeutung der Lebenslaufforschung, historisch und systematisch, herausgearbeitet, und es werden die wichtigsten Strömungen der Lebenslaufforschung identifiziert und einander gegenübergestellt.

1.2       Zur historischen Entwicklung und Bedeutung der Lebenslaufperspektive in den Verhaltens-, Sozial-, Geistes- und Lebenswissenschaften: Historische und systematische Anmerkungen

Zur historischen Entwicklung der Lebenslaufforschung1

Das Verstehen des Rätsels vom Werden und Vergehen in der unbelebten und belebten Natur, in dem hier vor allem interessierenden Humanbereich, hat Menschen, als Teil ihrer »naiven« Alltagskultur, als Thema wissenschaftlicher und künstlerischer Auseinandersetzung und als wichtiger Aspekt unterschiedlichster Beratungsformen (z. B. Philosophie, Theologie, Medizin) von jeher fasziniert. Wie finden wir »richtig« ins Leben? Was sind die dabei auftretenden Risiken? Wie können wir die früh im Leben angesammelten Lernerfahrungen im mittleren Lebensabschnitt optimal nutzen? Wie kann Leben insgesamt, von der Wiege bis zur Bahre, etwas »Gutes« besitzen? Vor allem Groffmann (1970) und Nühlen-Graab (1990) haben in ihren Analysen die vielfältigen Spielarten des intellektuellen und künstlerischen Umgangs mit derartigen Fragen in Bezug auf den Lebenslauf aufgezeigt. Bedeutsam in der neueren Philosophie war dann vor allem Tetens (1736–1807) im Jahre 1777 erschienene »Philosophische Versuche über die menschliche Natur und ihre Entwicklung«, in denen ganz ausdrücklich argumentiert wurde, dass menschliche Entwicklung über den gesamten Lebenslauf hinweg stattfindet. Der belgische Mathematiker und an demografischen Verteilungen interessierte Quetelet (1796–1874) schließlich inaugurierte die Suche nach den »Gesetzen« des Lebenslaufs im Sinne eines regelrechten Forschungsprogramms, bereits mit Bezügen auf körperliche, kognitive und emotionale Entwicklung bis hin zur Suche nach lebensphasenbezogenen Unterschieden in Delinquenz- und Selbstmordraten.

Sowohl in der Psychologie als auch in der Soziologie hat die Lebenslaufforschung eine lange Tradition. Dabei steht die psychologische Lebenslaufforschung primär unter der Zielsetzung, menschliches Erleben und Verhalten – nicht zuletzt auch in seiner Individualität – zu erklären, während die soziologische Lebenslaufforschung primär auf eine Analyse der für »soziale Wirklichkeit« konstitutiven Strukturen und Lebenswelten zielt.

In den Frühphasen der »Entwicklung der Entwicklungspsychologie « wurde Entwicklung im Allgemeinen nicht mit dem gesamten Lebenslauf, sondern nur mit der Kindheits- und Jugendphase des menschlichen Lebens in Verbindung gebracht. Diese Konzentration erklärt sich vor dem Hintergrund eines in deutlichem Gegensatz zu »modernen« Entwicklungsbegriffen stehenden, traditionellen Verständnisses, demzufolge Veränderungen nur dann als Entwicklung zu beschreiben sind (bzw. Gegenstand entwicklungspsychologischen Interesses werden sollten), wenn sie irreversibel, im Sinne einer »Entwicklungslogik « zwangsläufig, universell, invariant und durch einen qualitativ höherwertigen Endzustand begrenzt sind.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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