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In den ethischen Diskursen über das gelingende Alter(n) rücken Fragen nach dem guten Leben und einer entsprechenden Lebensqualität ins Zentrum des Interesses. Die interdisziplinäre gerontologische Forschung untersucht, wie in gesellschaftlichen Kommunikationsprozessen sowohl breit akzeptierte als auch kontrovers diskutierte Leitbilder und Bewertungen des Lebens im Alter entstehen. Diese Vorstellungen von Lebensqualität im Alter haben jedoch auch Einfluss auf die Bearbeitung ethischer Konflikte in Medizin und Pflege. Deshalb bezieht dieser Band die gerontologischen und medizinethischen Fragestellungen aufeinander und vertieft diese Verschränkung exemplarisch am Beispiel des Umgangs mit Demenz.
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Seitenzahl: 359
Veröffentlichungsjahr: 2013
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In den ethischen Diskursen über das gelingende Alter(n) rücken Fragen nach dem guten Leben und einer entsprechenden Lebensqualität ins Zentrum des Interesses. Die interdisziplinäre gerontologische Forschung untersucht, wie in gesellschaftlichen Kommunikationsprozessen sowohl breit akzeptierte als auch kontrovers diskutierte Leitbilder und Bewertungen des Lebens im Alter entstehen. Diese Vorstellungen von Lebensqualität im Alter haben jedoch auch Einfluss auf die Bearbeitung ethischer Konflikte in Medizin und Pflege. Deshalb bezieht dieser Band die gerontologischen und medizinethischen Fragestellungen aufeinander und vertieft diese Verschränkung exemplarisch am Beispiel des Umgangs mit Demenz.
Pastor Dr. Michael Coors ist Theologischer Referent am Zentrum für Gesundheitsethik (ZfG), Hannover. Prof. Dr. Martina Kumlehn lehrt Religionspädagogik an der Universität Rostock und ist dort Vorstandsmitglied im Department 'Altern des Individuums und der Gesellschaft'.
Michael Coors Martina Kumlehn (Hrsg.)
Lebensqualität im Alter
Gerontologische und ethische Perspektiven auf Alter und Demenz
Verlag W. Kohlhammer
Alle Rechte vorbehalten © 2014 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher Gesamtherstellung: W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart Printed in Germany
Print: 978-3-17-022953-2
E-Book-Formate
pdf:
epub:
978-3-17-027160-9
mobi:
978-3-17-027161-6
Vorwort
Michael CoorsAlter und Lebensqualität: Einleitende Beobachtungen zu Spannungsfeldern der ethischen Bewertung
I. Lebensqualität im Alter
Thomas RentschAltern und Lebenssinn
Klaus HockGrenzenlos altern? Transkulturelle Altersbilder zwischen religiöser Rückbindung und säkularem Imperativ
Petra Ewald/Stephanie SielerNamen von Alten- und Pflegeheimen
Klaus Hager/Katharina Klindtworth/Nils SchneiderDie Lebensqualität alter Menschen aus ärztlicher Sicht
Arne ManzeschkeLebensqualität und Technik. Ethische Perspektiven auf einen biopolitischen Diskurs
II. Lebensqualität bei Demenz
Henriette KrugLebensqualität und Selbstbestimmung bei neurodegenerativen Erkrankungen. Diskussion anhand ausgewählter Krankheitsbilder
Hermann Brandenburg/Helen GütherLebensqualität und Demenz – theoretische, methodische und praktische Aspekte
Karl Heinz RamersAlzheimer und Demenz im politischen Diskurs
Martina KumlehnLebensqualität imaginieren. Deutungen der Demenz in Literatur und Religion als Anregung von Perspektivenwechseln in der Begleitung und Pflege
Andreas KubikSelbstbestimmung im Hinblick auf eine Diakonik der Demenz
Wolfgang SucharowskiDemenz und das Scheitern der Kommunikation im Alltag
Anhang
Autorinnen und Autoren
Der vorliegende Band dokumentiert die Beiträge einer Tagung, die vom 25.– 26. Oktober 2012 unter demselben Titel in Hannover im Hanns-Lilje-Haus stattfand. Sie wurde gemeinsam vom Zentrum für Gesundheitsethik (ZfG) der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und dem Department „Altern des Individuums und der Gesellschaft“ der Interdisziplinären Fakultät an der Universität Rostock veranstaltet.
Unser Dank gilt den Referenten und Referentinnen der Tagung, die mit ihren Beiträgen eine intensive Diskussion der komplexen Thematik aus unterschiedlichen Perspektiven ermöglicht haben. Zu danken haben wir auch den zahlreichen Tagungsteilnehmern und -teilnehmerinnen, die die interdisziplinäre Diskussion, die in diesem Fall auch den akademischen Rahmen zur Praxis von Medizin und Pflege hin überschreiten konnte, mit getragen und angeregt haben.
Das Projekt wurde von Anfang an durch die Direktorin des ZfG, Frau Dr. Andrea Dörries, unterstützt. Dafür gilt ihr unser herzlicher Dank. Die Durchführung der Tagung wäre ohne die organisatorische Unterstützung durch die Mitarbeiterinnen des ZfG nicht möglich gewesen.
Unser besonderer Dank gilt der Hanns-Lilje-Stiftung für die großzügige finanzielle Förderung von Tagung und Tagungsband sowie der Interdisziplinären Fakultät an der Universität Rostock für die Übernahme der Reisekosten der Rostocker Referenten und Referentinnen. Herrn Georg Steiner danken wir für die sorgfältige Erstellung und Formatierung des Manuskriptes und Herrn Jürgen Schneider, dem Lektor des Kohlhammer Verlages, für die Aufnahme des Bandes in das Verlagsprogramm.
Ziel der Tagung war es, die Diskussionen zur Lebensqualität im Alter, speziell bei Demenz, in Medizin- und Pflegeethik mit den geisteswissenschaftlichen und gerontologischen Diskussionen zur Thematik zu verbinden. Auf der Tagung wurde die Überschreitung der Grenzen zwischen den unterschiedlichen Diskursen auch durch die Diskussionen zwischen Teilnehmenden und Referenten erreicht. Der Band kann dies naturgemäß nur begrenzt widerspiegeln, leistet aber doch einen ersten Beitrag dazu, die unterschiedlichen Diskussionslinien zusammenzuführen und aufeinander zu beziehen. Auf dem Weg der Kommunikation zwischen gerontologischer und medizin- und pflegeethischer Diskussion werden aber weitere Schritte folgen müssen. Unsere Hoffnung ist, mit diesem Band dazu einen Anstoß zu geben.
Hannover und Rostock, im Juli 2013
Michael Coors
Martina Kumlehn
Michael Coors
Wenn wir uns dem Thema der Lebensqualität im Alter widmen, so liegt es nahe zu fragen, ob und inwieweit wir das Leben im Alter selbst als eine Lebensqualität begreifen können. Immerhin verdanken wir es unserer menschlichen Fähigkeit, die natürlichen Grundlagen unserer Existenz kulturell zu gestalten, dass wir heute in unserem Kulturkreis so alt werden, wie wir es nun einmal werden: Grob vereinfacht hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung seit 1840 in den europäischen Industrienationen nahezu verdoppelt.1 Die meisten Autoren2 dieses Bandes wären also Mitte des 19. Jahrhunderts zumindest schon sehr alt gewesen. Über 150 Jahre Entwicklung in der Medizin, in der Hygiene, in der Ernährung, usw. haben aber dazu beigetragen, dass wir heute sehr viel länger leben. Dass wir im statistischen Mittel sehr viel älter werden, ist also auch eine Errungenschaft unserer Kultur im umfassenden Sinne,3 und darin liegt sehr offensichtlich Lebensqualität, wenn man bedenkt, wie viele Jahre unseres Lebens wir heute mehr gestalten können – und das nicht nur mit Arbeit, sondern auch mit anderen sinnstiftenden Tätigkeiten. Dieses Phänomen des dritten Lebensalters, der sogenannten „best agers“ oder der jungen Alten ist hinlänglich bekannt.
Aber auch diese Entwicklung hat ihre Schattenseite, denn auf die guten Jahre im Alter folgen häufiger und immer mehr die schweren Jahre, die gerne aus der öffentlichen Diskussion verdrängt werden:4 Es sind Jahre, in denen die körperlichen Gebrechen zunehmen, die vielfach von Pflegebedürftigkeit geprägt sind und häufig mit einer dementiellen Erkrankung einhergehen. In der öffentlichen Wahrnehmung werden diese letzten Jahre des Lebens bei Vielen als Jahre des Schwindens der Lebensqualität angesehen: Ist das noch Leben mit Lebensqualität, wenn man abhängig ist von der Hilfe anderer Menschen? Ist das noch Leben mit Lebensqualität, wenn das Bewusstsein und die Erinnerung schwinden, wie im Fall der Demenz?
Dass in dieser Ausgrenzung des hohen und der Idealisierung des dritten Lebensalters auch eine theologische Problematik impliziert ist, macht ein Zitat des israelischen Sozialanthropologen Haim Hazan deutlich: „In einer säkularen Gesellschaft, die kulturell nicht mehr den Trost eines Lebens nach dem Tod bietet, wird das Ende des Lebens zu einer Sackgasse mit den Alten als Repräsentanten, die dadurch zum Gegenstand von Ausgrenzung, Zurückweisung und moralischer Panik werden.“5 Das „dritte Alter“ stellt sich dann als Lebensphase dar, die „es ablehnt, die Totenmaske des hohen Alters zu tragen“.6 Wie auch immer man zu diesen Thesen von Hazan steht, sie verweisen auf eine theologisch relevante Frage: Was geschieht eigentlich mit unseren Vorstellungen des guten Lebens, wenn der gerade in der Diskussion um eine Ethik des Alter(n)s viel beschworenen Endlichkeit des Lebens7 das Gegenüber der Unendlichkeit ewigen Lebens fehlt? Welchen Unterschied für das Leben im Alter also macht der Glaube an Gottes Ewigkeit aus? Hängt die allgemeine Tendenz, das Leben im Alter und darüber hinaus auch das Sterben planen und organisieren zu wollen oder gar zu sollen8 (z.B. in Form von Patientenverfügungen) auch damit zusammen, dass der Verlust des Gegenübers der Ewigkeit Gottes die letzte Lebensphase mit der Aufgabe belastet, sein Leben abrunden und gut abschließen zu müssen?9 Indem diese Frage gestellt wird, soll nicht darüber hinweggetäuscht werden, dass auch Figuren der klassischen christlichen Eschatologie, insbesondere die Erwartung eines Jüngsten Gerichts, Menschen unter normative Zwänge in der Planung ihres Lebens gestellt haben und mitunter noch heute stellen.10 Doch die mit dieser eschatologischen Vorstellung verbundenen, normativen Zwänge verschwinden eben offensichtlich nicht einfach, wenn die religiösen Vorstellungen des ewigen Lebens und des jüngsten Gerichts ad acta gelegt werden. Vielmehr scheinen sie nun ins Leben hinein verlegt zu werden – ins hohe Alter und ans Ende des Lebens.
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