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Dass man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schaut, ist für Magdas Mutter eine Richtschnur im Leben. Doch dem Urlaub, den ihr Lebensgefährte gebucht hat, kann Magda nicht zustimmen. Das lässt ihr Beruf nicht zu. Damit zerbricht ihr bisheriges Leben - wieder einmal, sagt Mutter und bietet ihrer Tochter einen Platz im ehemaligen Kinderzimmer. Doch ist dies Magdas Zuhause? Wo ist überhaupt Zuhause? Und was soll Mutters Geschichte vom geschenkten Teddybären, den Magda zerrissen hat? Dieser Roman erzählt die verzweifelte Suche einer erwachsenen Frau nach ihrem Ich und einem Zuhause, das mehr ist als nur vier Wände.
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Seitenzahl: 529
Veröffentlichungsjahr: 2025
Ellen Theis
Lebenssuche
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Inhaltsverzeichnis
Titel
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
Impressum neobooks
Ellen Theis
Lebenssuche
Roman
Impressum
Texte: © 2025 Copyright by Ellen Theis
Umschlag: © 2025 Copyright by Ellen Theis
Verantwortlich
für den Inhalt: Ellen Theis
Heideweg 1a
33790 Halle/Westf.
Mit dem Kuchenteller in der Hand betrat Magda ihr Wohnzimmer. Ihre Geburtstagsgäste saßen steif um den Couchtisch herum. Mutter redete über das Wetter. Sie war überzeugt, dass es wieder Regen geben würde, denn die Schmerzen in ihren Gelenken könne sie sehr zuverlässig deuten. Mit einem Lächeln versicherte sie, dass ihre Arthrose doch auch gute Seiten habe.
„So, da bin ich”, unterbrach Magda die alte Frau. „Ich hoffe, Sie haben Appetit mitgebracht?” Sie lächelte ihren Gästen zu und stellte die Kuchenplatte auf den Tisch, griff nach der Kaffeekanne und hielt sie ihrer Nachbarin entgegen. „Einen Kaffee?”
Erst als sie alle versorgt hatte, fühlte sie sich erleichtert. Jetzt wurde doch noch etwas aus diesem Kaffeetrinken. Ihre Gäste redeten über den kühlen Sommer und dass es besser sei, den Jahresurlaub in warmen Gegenden zu verbringen. An Urlaub mochte Magda nicht denken. Sie betrachtete den Strauß Sommerblumen, den sie von Frau Ziegler bekommen hatte. Sie wollte einfach glauben, dass alles gut ausging.
„Was ist mit Horst? Hat er sich schon gemeldet?”
Mutters Worte rissen sie aus ihren Gedanken. „Horst?”, fragte sie. „Oh, er hat Post geschickt.”
„Dein Geschenk?” Mutter wollte immer alles ganz genau wissen.
Magda seufzte. „Ja”, sagte sie. „Eine Reise.”
Die Nachbarinnen verstummten.
„Eine Reise?”, fragte Frau Ziegler.
„Wohin?”, wollte die nächste wissen.
Magda atmete durch. Es musste einfach gut gehen. „Gran Canaria”, sagte sie schnell.
„Herrlich! Da können Sie sicher sein, dass es warm ist”, ertönte es von rechts.
„Eine wunderbare Insel. Jede Reise dorthin lohnt sich”, sagte Frau Ziegler. „Wir waren schon oft dort, mein Mann und ich.”
Inständig hoffte Magda, dass Frau Ziegler nun auch den Rest dieses Gespräches bestreiten würde. Das Letzte, was sie wollte, war über ihre Reise zu reden, denn die würde sie nicht antreten können.
„Es wird euch gut tun, nach Gran Canaria zu reisen, glaube mir das, Kind,“ unterbrach Mutter die Nachbarin. „Hast du die Torte dieses Mal selbst gebacken? Sie schmeckt nicht so gut wie sonst. Trotzdem kann ich wohl noch ein Stück essen. Würdest du mir bitte eins geben?“ Sie hielt Magda ihren Teller entgegen.
Die Gäste sahen sich an, keine erwiderte etwas. Magda bot noch einmal Kaffee an und reichte den Kuchenteller herum.
„Was ist denn nun deinem Urlaub, Kind?”, fragte Mutter, als Magda sie am frühen Abend heimfuhr. „Du hast gar nichts mehr gesagt und diese Frau Ziegler ist ja eine unverschämte Person. Sie hat dir den ganzen Nachmittag mit ihren Reiseerzählungen verdorben. Das tut man einfach nicht.”
„Horst hat einfach gebucht, ohne mich zu fragen. Ich werde sicher keinen Urlaub kriegen.” Die Worte platzten aus Magda heraus.
Mutter schüttelte den Kopf. „Du wirst ihn doch nicht allein fahren lassen? Das kannst du nicht tun.“
„Was soll ich sonst machen? Die Reise ist mitten im September und Doktor Schnieder wird mir keinen Urlaub geben. Meine Kollegin Anja geht genau in dieser Zeit in den Mutterschutzurlaub und ihre Vertretung kann erst vier Wochen später anfangen.“
Wie Mutter vorausgesagt hatte, begann es zu regnen und Magda schaltete den Scheibenwischer ein. Prompt verschmierten die Regentropfen den Staub auf der Scheibe. Magda nahm dem Fuß vom Gas. Mutter hatte das Thema gewechselt. Sie sprach über Magdas Geschwister, die nicht zu ihrem Geburtstag gekommen waren. Auch Nichte und Neffe hatten den Tag verstreichen lassen, ohne sich zu melden.
„Es wäre doch besser gewesen, am Wochenende zum Kaffee einzuladen und nicht an einem Dienstag“, sagte Mutter. „Auch wenn es dein Geburtstag ist. Aber wer hat schon mitten in der Woche für einen Kaffeebesuch Zeit? Wenn man mal von den Frauen aus eurer Nachbarschaft absieht.“
Magda konzentrierte sich aufs Autofahren. Der Schmierfilm auf der Windschutzscheibe war weggewaschen, doch nun spiegelten sich die Scheinwerfer des Gegenverkehrs in der regennassen Fahrbahn. Magda kniff die Augen immer wieder zusammen, als könne sie dann besser sehen. In Gedanken war sie bei ihren Geschwistern, die abgesagt hatten, weil sie nicht nur keine Zeit, sondern auch keine Lust gehabt hatten, sich mit Mutter an einen Tisch zu setzen. ‘Um Gottes willen, sie fängt doch nur an, an meinem Leben herumzukritteln,’ hatte Thorsten gemeint. Gisela fühlte sich nach der Trennung von Wolfgang nicht in der Lage, sich Mutters Ratschläge anzuhören. Gisela hatte sie inständig gebeten, keine von Mutters Fragen zu beantworten, die sie betrafen.
„Wann kommt Horst denn von seiner Geschäftsreise zurück?“
„Was?“ Magda schreckte auf.
„Das heißt nicht 'was', das heißt 'wie bitte'”, maßregelte Mutter sie. „Wann Horst zurückkommt, habe ich dich gefragt. Ich hoffe doch, du wirst eine Gelegenheit finden, ihn zu begleiten. Ihr solltet einen gemeinsamen Urlaub machen. Zumal nach den Schwierigkeiten, die ihr in der letzten Zeit hattet.“
Ein Stich durchzuckte Magda. Vor Mutter ließ sich nichts verbergen, auch die Meinungsverschiedenheiten mit Horst hatte die alte Frau sofort bemerkt. „Er kommt am Wochenende zurück”, sagte sie, „deshalb war mir ja das Wochenende nicht so lieb als Termin für die Feier, weißt du. Das ist dann ja auch eine Menge Stress.“ Magda beugte sich ein wenig nach vorne, um dem Blick ihrer Mutter auszuweichen. „Die Straße kann man ganz schlecht sehen”, behauptete sie. Der Scheibenwischer fegte den Regen schwungvoll zur Seite. Wie gern würde sie die Schwierigkeiten mit Horst auch wegwischen. Er hatte ihr nahegelegt, ihre Teilzeitstelle aufzugeben. Seit sie bei ihm lebte, hätte sie es nicht mehr nötig, arbeiten zu gehen, hatte er gesagt.
„Habt ihr denn jetzt die Probleme geklärt?“
„Hm.“ Magda starrte auf die Straße.
„Könntest du mir bitte in deutlichen Worten antworten?“ Die Stimme ihrer Mutter wurde schneidend.
„Ja, es ist wieder alles in Ordnung“, log sie. „Entschuldige, ich muss auf die Straße achten. Das Licht blendet sehr.“
Um Horst davon zu überzeugen, dass sie ihren Beruf nicht nur zum Geldverdienen brauchte, hatten sie mehr als eine Diskussion geführt. Erst als Magda ihm gesagt hatte, dass es doch nicht sinnvoll sein könne, wenn sie die ganze Woche nur auf ihn wartete, hatte er klein beigegeben. Zuerst hatte sie sich gefreut, dass sie sich durchgesetzt hatte. Dann waren die Zweifel gekommen, ob es richtig gewesen war, auf ihrem Standpunkt zu beharren. Aber Horst schnitt dieses Thema seitdem nicht mehr an. Vermutlich hatte er sie doch verstanden und respektierte ihre Entscheidung. Vielleicht war dieses Geschenk auch eine Art Wiedergutmachung.
Mutter schwieg, bis sie an ihrem Haus angekommen waren. „Kommst du noch kurz mit herein?“, fragte sie.
„Nein, sei mir bitte nicht böse, Mutter. Ich muss noch aufräumen, es war ein langer Tag heute.“ Noch mehr graute Magda vor der Heimfahrt, denn aus dem heftigen Regen war ein feines Nieseln geworden, bei dem sie weder den Scheibenwischer ganz abschalten konnte noch sein wiederkehrendes Schaben lange aushielt.
„Wie du meinst. Dann wünsche ich dir eine gute Nacht. Komm gut nach Hause.“ Mutter tätschelte Magdas Schulter und mühte sich aus dem Wagen.
Als Magda kurze Zeit später in die Einfahrt des großzügigen Einfamilienhauses einbog, war sie froh. Auch ohne Mutter an ihrer Seite war die Fahrt anstrengend. Das Licht des Gegenverkehrs blendete sie ständig, so dass sie am liebsten eine Sonnenbrille aufsetzen würde. Doch mit der würde sie gar nichts mehr erkennen. Kaum hatte sie ihre Jacke an der Garderobe aufgehängt, schrillte das Telefon.
„Hast du Mutter irgendetwas erzählt?“, die Stimme ihrer Schwester Gisela klang ganz aufgebracht.
„Nein, sie hat auch nicht gefragt.“ Magda klemmte den Hörer zwischen Schulter und Ohr, um nebenbei das Kaffeegeschirr die Spülmaschine einzuräumen.
„Sie hat eben gerade angerufen und nach Wolfgang gefragt. Ich musste mir irgendwas ausdenken, warum er nicht da ist und warum wir nicht gekommen sind. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Schwesterherz.“
Magda bedankte sich und sortierte Teller und Tassen in die Körbe, während sie antwortete: „Natürlich hat sie sich Gedanken gemacht, warum ihr nicht gekommen seid. Du glaubst doch nicht, dass sie euer Nichterscheinen so einfach hinnimmt.“
Giselas Geschichten rund um die Trennung kannte sie inzwischen zur Genüge. Sie ließ ihre kleine Schwester reden. Wenigstens führten Giselas Kinder schon ein eigenes Leben und waren unabhängig. Katrin studierte in Hamburg und Jan war vor einem halben Jahr zu seiner Freundin gezogen. Als Gisela bei den Beschimpfungen auf den Vater ihrer Kinder angekommen war, unterbrach Magda sie. „Irgendwann wirst du es Mutter sagen müssen“, warf sie ein.
„Dass ausgerechnet du mir das sagst, hätte ich nicht erwartet. Du erinnerst dich wohl nicht mehr an den Tanz, den sie aufgeführt hat, als du dich von Gerald getrennt hast?“
„Eben darum, Gisela. Ihr nichts zu sagen, macht es nur noch schlimmer.“ Magda schloss die Klappe für das Spülmittel. „Immerhin ist Wolfgang jetzt ausgezogen.“
„Genau. Das ist ja auch gut so. Allerdings werde ich nicht zu ihr ziehen, das darfst du mir glauben.“
„Dann wirst du ihr das so sagen müssen. Wie du es drehst und wendest, anders wird es nicht gehen.“, Magda setzte Teewasser auf und lauschte Giselas Worten. In aller Ruhe löffelte sie Teeblätter in das Sieb und wartete auf das Klicken des Wasserkochers. Mit der gefüllten Kanne und einer Tasse ging sie ins Wohnzimmer hinüber und ließ sich die Rundecke der Polstergarnitur sinken. Wie glücklich hatte sie sich gefühlt, als Horst ihr vor über einem Jahr angeboten hatte, zu ihm in sein Haus zu ziehen. Es war ihr schwer gefallen, bei Mutter auszuziehen, und der passte das gar nicht. Doch ein neuer Lebensgefährte war in Mutters Augen der einzige Grund, der einen Auszug rechtfertigen konnte.
„Wie steht es denn bei euch?“ Giselas plötzliche Frage riss Magda aus ihren Erinnerungen.
„Er hat Urlaub auf Gran Canaria gebucht, ohne das mit mir abzustimmen. Und ich kann keinen Urlaub nehmen,“ sagte sie tonlos.
„Weiß er das schon?“
„Nein, die Reiseunterlagen hat er mir heute als Geburtstagsgeschenk geschickt.“
„Oh.“ Gisela klang betroffen. „Was tust du jetzt?“
Magda dachte nach. Es wäre besser, erst mit dem Chef zu sprechen. Das würde Horst auf jeden Fall sagen, wenn sie ihm heute Abend erklärte, dass sie keinen Urlaub bekommen würde. Wenn sie sagte, dass sie erst mit Doktor Schnieder sprechen müsste, blieb ihr eine Auseinandersetzung erspart. „Was würdest du an meiner Stelle tun?”, fragte sie Gisela.
„Stornieren, ich würde das sofort stornieren“, kam die prompte Antwort. „Er kann doch nicht über deinen Kopf bestimmen. Das musst du dir nicht gefallen lassen.“
„Ich weiß nicht. Er hat es doch lieb gemeint.“ Davon war Magda überzeugt. Bestimmt war dieser Urlaub eine Wiedergutmachung. Und Gisela war im Moment nicht objektiv, wenn es um Männer ging. „Ich werde es mir überlegen“, sagte sie diplomatisch.
Horst rief an diesem Abend nicht mehr an. Sicherlich war ihm etwas dazwischen gekommen. Ihren Geburtstag würde er nie vergessen. Nach dem dritten Becher Tee ging sie zu Bett.
Am nächsten Tag bat Magda ihren Chef um zwei Wochen Urlaub. Spontan nickte Doktor Schnieder und erkundigte sich dann nach dem Datum.
„In der zweiten September-Hälfte”, antwortete Magda und hielt die Luft an.
Doktor Schnieder sah verwundert auf. „Frau Brenna, Ihnen ist doch klar, dass Ihre Kollegin in den Mutterschutz geht und Sie die Abrechnungen auch noch machen müssen, oder etwa nicht?” Seine Stimme klang, als habe Magda den Verstand verloren.
„Ja, Doktor Schnieder, natürlich weiß ich das. Ich hätte Sie nicht fragen sollen, aber ...”. Magda brach ab und holte tief Luft. „Der Urlaub kann warten”, setzte sie hinzu und griff nach den Karteikarten, die ihr Arzt gern auf seinem Schreibtisch stapelte. Sie setzte ein Lächeln auf und verließ das Sprechzimmer, ohne ein weiteres Wort hinzuzufügen. Was Doktor Schnieder nun von ihr halten würde? Aber sie hatte es ja gewusst, sie hätte gar nicht fragen sollen. Aber so konnte sie Mutter gegenüber wenigstens sagen, dass sie gefragt hatte. Horst würde sie es heute Abend am Telefon sagen müssen: Aus diesem Urlaub würde nichts werden.
„Magda, könntest du die Blutabnahme übernehmen?“ Die schwangere Kollegin Anja reichte ihr eine Karte über den Tresen. „Sie wartet im Labor.“
Magda blickte auf die Karte. „Ist gut.“ Sie legte die Karte auf den Stapel, den sie aus dem Sprechzimmer mitgebracht hatte. Wie sollte sie Horst das beibringen? Es würde einen fürchterlichen Streit geben. Und wenn sie es ihm nicht am Telefon sagte, sondern bis Freitag Abend wartete? Ein gutes Essen, Kerzenschein und Rotwein machten es bestimmt leichter. Das würde eine versöhnliche Stimmung schaffen. Und Horst wäre vielleicht gar nicht ärgerlich. Er hatte doch auch das mit dem Beruf verstanden. Also musste sie ihm auch diese Schwierigkeiten schildern können. Vielleicht war ein Telefonat besser geeignet als ein Essen bei Kerzenschein, am Telefon musste sie ihm nicht in die Augen schauen.
„Du solltest dir aber nicht so lange Zeit lassen. Die Patientin wartet schon zehn Minuten.“
Die Worte ihrer Kollegin störten Magdas Gedanken. Aber sie passten gut – sie durfte sich nicht so viel Zeit lassen. Heute Abend würde sie es ihm sagen. „Ja“, sagte sie automatisch. Dann erst merkte sie auf. „Was war noch mal? Blutabnahme?” Sie platzierte den Stapel Karten auf dem Tresen und schaute auf die oberste. Blutabnahme. Wie immer. Sie ging ins Labor. Beim Thema Beruf hatte sie sich durchgesetzt, dann würde sie auch dies schaffen. Gut, dass erst Mittwoch war. Bestimmt war seine Wut bis zum Wochenende vergangen, wenn sie es ihm heute Abend sagte.
Als Magda am frühen Nachmittag heimkam, zeigte der Anrufbeantworter eine Nachricht an. Sie drückte den Wiedergabeknopf. Mutter bat um Rückruf. Magda hörte ihre entschlossene Stimme und ging in die Küche. Sie ließ Wasser in die Kaffeemaschine einlaufen, füllte Pulver in den Filter. Im Kühlschrank stand noch Torte vom Vortag. Die ersten Tropfen Kaffee fielen gerade in die Kanne, als das Telefon klingelte. Magda stelle die Torte auf die Arbeitsplatte und lief zur Feststation des Telefons. Sobald sie das Handgerät aufgenommen hatte und ans Ohr gedrückt hielt, redete ihre Mutter auf sie ein.
„Warum rufst du mich nicht zurück? Wenn du schon so ein Antwortgerät hast, solltest du dich auch melden. Hast du mit Horst gesprochen?“
Magda antwortete sofort. „Nein, er hat gestern nicht mehr angerufen.“
„Aber den Urlaub hast du beantragt?“
„Ich werde keinen Urlaub bekommen, wie ich es gestern schon gesagt habe.“ Sie ging mit dem Handgerät in die Küche zurück.
„Du hast dem Herrn Doktor also nicht gesagt, wie wichtig das für dich ist. Da muss er dir Urlaub geben. Kind, du solltest wirklich mit Horst diese Reise machen, zumal er sie dir zum Geburtstag geschenkt hat. Man lehnt solche Geschenke nicht ab.“ Mutter schwieg. Sie wartete auf eine Antwort.
Magda dachte nach. „Vielleicht können wir die Reise ja verschieben.“ Sie war selber überrascht. Auf diese Idee hätte sie gestern schon kommen können. Sie nahm sich Teller und Tasse aus dem Küchenschrank und bediente sich an der Kuchenplatte. Ihr Kaffee war fast durchgelaufen.
„Verschieben. Kind, du kannst nicht erwarten, dass Horst sich danach richtet, wie es für dich am besten ist. Und nur, weil du Doktor Schnieder nicht erklären willst, warum dieser Urlaub für dich wichtig ist. Horst kann sich auch nicht jederzeit Urlaub erlauben. Du musst da schon ein bisschen zurückstecken. Schließlich hat er dich ja auch in sein Haus aufgenommen.“
„Ach Mutter, so einfach ist das aber nicht. Meine Kollegin geht in Mutterschutz und ich bin die einzige, die sie vertreten kann. Die Neue kommt erst später, das heißt, dass ich in dieser Zeit eine volle Stelle machen muss.“ Magda goss sich einen Kaffee ein.
„Und wer ist für dich da? Ich sage es dir, Kind. Das ist Horst. Du lebst ja auch von seinem Geld oder etwa nicht?“
Jetzt musste Magda schlucken. Mutter hatte Recht. Sie sah sich in der Küche um. Hier hatte sie noch nie etwas vermisst. Helles Holz, Metallgriffe, beste Ausstattung. Wie überall in diesem Haus. Horst hatte an nichts gespart. Als Magda bei ihm einzog, hatte sie außer ihren persönlichen Dingen nichts mehr besessen. Alle Möbel, Geschirr und die Haushaltsgeräte hatte sie nach der Trennung von Gerald im Haus gelassen. Und sie hatte bei Horst nichts davon vermisst.
„Magda, ich spreche mit dir.“ Die Stimme ihrer Mutter klang ungehalten.
„Ja Mutter.“ Magda riss sich zusammen. Sie konzentrierte sich auf Mutter. Mutter wollte eine Antwort. Sie musste sich eine zufriedenstellende Antwort einfallen lassen.
„Was wirst du jetzt tun?“
„Ich denke, dass Horst heute anruft. Dann reden wir darüber. Wir werden eine Lösung finden.“, antwortete Magda mit ruhiger Stimme.
„Da kann ich mir vorstellen, wie das aussieht. Das hast du auch gesagt, als du herausgefunden hast, dass dein Mann dich betrügt. Und wie ist es gekommen? So wie ich es dir gesagt habe. Er hat dich verlassen und du hast mit deiner Habe allein in dieser Wohnung gesessen. Wenn ich damals nicht gewesen wäre, hätte dir niemand geholfen. Und so wird es wieder kommen. Horst wird zu Recht enttäuscht sein und diesen Urlaub ohne dich machen. Dann darfst du dich auch nicht wundern, wenn er eine andere Frau kennenlernt. Es gibt Hunderte von Frauen, die so einen Mann mit Kusshand nehmen. Und was tut meine Tochter? Sie weist seine Geschenke zurück. Habe ich dich etwa so erzogen?“
Magda hörte den Wortschwall und konnte sich vorstellen, wie Mutter jetzt im Sessel neben dem Telefontischchen saß. Ihre Wangen waren gerötet und die blauen Augen blitzten. Mit der flachen Hand klopfte sie auf die Armlehne des steifen Sessels. Mutter klopfte immer mit der flachen Hand, wenn sie wusste, dass sie im Recht war und andere ihr nicht glauben wollten. Das war typisch Mutter. Durch die Leitung hörte Magda das dumpfe Pochen.
„Reg dich nicht auf Mutter. Es wird sich eine Lösung finden. Horst hat sicherlich Verständnis.“ Magda glaubte fest, was sie sagte. Mutter konnte nicht immer Recht behalten.
„Wenn das alles ist, was du dazu zu sagen hast. Nun gut. Du weißt ja, du kannst mich jederzeit anrufen. Ich muss jetzt das Gespräch beenden, Kind. Ich werde gleich abgeholt. Hast du übrigens etwas von Gisela gehört?“
„Nein, sie hat noch gratuliert, aber mehr weiß ich auch nicht.“ Mit dem Themenwechsel hatte Mutter aufgegeben, auch diese Gewohnheit kannte Magda. Dieses Mal war sie erleichtert, Mutter interessierte sich jetzt nicht mehr für sie.
„Wenn du sie sprichst, sag ihr, sie soll mich anrufen. Wolfgang kann so gut renovieren. Die Zimmer im ersten Stock müssten gemacht werden. Also du meldest dich bei mir ja? Auf Wiederhören.“ Es knackte im Hörer, Mutter hatte aufgelegt. Erleichtert nahm Magda den Hörer herunter. Ihr war ganz warm geworden. Sie nahm die Kaffeekanne von der Heizplatte und schenkte sich eine Tasse Kaffee ein. Zusammen mit dem Stück Torte trug sie sie ins Wohnzimmer. Die nächste halbe Stunde gehörte ihr allein. Zuvor wäre es sicher nicht verkehrt, bei Gisela anzurufen und ihr zu sagen, was Mutter wollte. Dann würde sie bei Mutters Bitte nicht aus allen Wolken fallen. Magda sah auf die Uhr. Noch war Gisela nicht von der Arbeit zurück.
Am Abend kuschelte Magda sich auf das Sofa. Bevor sie bei Horst anrief, würde sie sich noch den Krimi ansehen. Als die Leiche im Park entdeckt wurde, klingelte es an der Tür. Magda schreckte hoch und war im ersten Moment vollkommen ratlos. Unangemeldeten Besuch bekamen Horst und sie nie. Horst legte Wert darauf, zu wissen, wer sie besuchen wollte und vor allem wann. Nur dann konnten Gäste erwarten, dass er auch Zeit für sie hatte. Am Anfang ihres Zusammenlebens hatte er Magdas Familie an der Haustür stehen lassen, wenn sie überraschend vorbeikamen. Selbst Gisela und Thorsten riefen jetzt vorher an, wenn sie sie besuchen wollten. Mutter tat das sowieso. Magda ging zur Flurtür und drückte auf die Sprechanlage. Vorsichtig fragte sie nach, wer da sei.
„Wir sind’s“, rauschte eine Männerstimme an ihr Ohr.
Thorsten. Magda war begeistert. Ihren kleinen Bruder sah sie so selten. Sie drückte auf den Summer für das Gartentor und öffnete die Tür. Thorsten und ein anderer Mann kamen den Weg hinauf.
„Das, Schwesterherz, ist Günther.“ Thorsten stellte ihr seinen Begleiter vor.
Günther überreichte Magda einen üppigen Strauß Lilien. „Herzlichen Glückwunsch. Von uns beiden“, sagte er.
Magda bedankte sich und bat die beiden ins Wohnzimmer. Gut, dass Horst nicht da war. Er mochte Thorsten nicht, nannte ihn einen homophilen Taugenichts. Magda liebte ihren Bruder, denn Thorsten hatte ein weiches Herz und immer Verständnis. Allerdings war das für Horst gar kein Argument. Er war von seiner schlechten Meinung auch nicht abgewichen, als Magda ihn darauf hingewiesen hatte, dass Thorsten eine ausgezeichnete Position in einer Kreativagentur hatte. ‘Was designen sie denn da? Herrenwäsche! Das ist ja auch das einzige, von dem er etwas versteht’, pflegte Horst zu antworten. Irgendwann hatte Magda es aufzugeben, Horst zu sagen, wie wichtig ihr Bruder für sie war.
Thorsten und Günther plauderten miteinander, während Magda in der Küche den Wein öffnete und in die Karaffe goss. Leicht schwenkte sie die bauchige Glasflasche mit dem schmalen Hals. Horst hatte immer Wert darauf gelegt, dass ein Wein Luft bekam. Ein Schälchen Nüsse in der einen, die Karaffe in der anderen Hand kehrte sie ins Wohnzimmer zurück und warf einen bewundernden Blick auf die beiden Männer, die einander zugewandt auf dem großen Sofa saßen und sich in die Augen blickten.
„Schwesterherz, wie geht es dir denn?“ Thorsten wandte sich zu ihr, als Magda sich zu ihnen setzte.
„Wie es so geht. Aber erzähl mir von dir, wir haben uns doch jetzt so lange nicht gesehen!“ Magda liebte die Geschichten, die Thorsten erzählen konnte. Sie waren bunt, schillernd und überraschten sie jedes Mal.
„Also, wie ich schon sagte, das ist Günther“, begann Thorsten. Er lächelte. „Wir haben uns auf der Messe kennengelernt. Tausende von Menschen und ich treffe ihn.“ Thorsten strich Günther zärtlich über den Arm.
Günther räusperte sich. „Ich bin bei der Konkurrenz beschäftigt. Na ja, nicht direkt Konkurrenz, aber immerhin.“
„Ja, unsere Chefs sollten nicht unbedingt wissen, dass wir einander sehr nah sind“, fügte Thorsten hinzu, während seine Hand langsam Günthers Arm hinaufwanderte und sich von der Schulter in den Nacken schlängelte. Magda beobachtete Thorstens Hand. Wann hatte Horst sie zum letzten Mal so berührt? Eigentlich hatte er das nie getan.
„Wo ist denn dein Horst?“ fragte Thorsten. „Auf Geschäftsreise?“
Magda nickte. „Süddeutschland.“
„Ihr, wie sagt Mutter immer, ‘Lebensgefährte’ ist Vertriebsmensch“, erklärte Thorsten Günther. „Und Magda arbeitet als Arzthelferin. Was macht Gisela? Ist sie ihren Wolfgang mittlerweile los?“
„Thorsten“, sagte Magda strafend, „so solltest du das aber nicht sagen.“
„Es ist doch nicht verkehrt.“ Thorsten goß Rotwein in die Gläser und reichte Günther einen der beiden Kelche. Nebenbei weihte er seinen Freund in die Gegebenheiten ein. „Wolfgang ist fremdgegangen, das hat meine Schwester Gisela herausbekommen und dann war lange Zeit nur Zoff. Es wäre gut für Gisela, wenn er weg wäre. Ich hoffe mal, das ist so. Ist dir eigentlich schon mal aufgefallen”, wandte er sich an Magda, „dass alle Kinder unserer Mutter betrogen worden sind?“
Magda schüttelte den Kopf. „Nein, so habe ich das noch nie gesehen.“
„Ist aber so!“ Thorsten ereiferte sich. „Dein Gerald hat dich hintergangen, Wolfgang die Gisela und von Werner wollen wir gar nicht reden.“
„Werner?“ fragte Günther. „Gehörte der zu dir? Oder war das auch ein Mann deiner Schwestern?“
Thorsten seufzte. „Ja, Werner gehörte zu mir. Eine traurige Geschichte. Aber irgendwann erzähle ich sie dir.“ Er trank einen großen Schluck. „Also, ist Gisela Wolfgang los? Weiß Mutter es schon?“ Er sah Magda gespannt an.
Innerlich musste Magda lachen. Das war Thorsten. Er wollte immer alles wissen.
„Ja, Wolfgang ist ausgezogen. Und Mutter weiß nichts“, antwortete sie erwartungsgemäß.
„Oh, oh. Dann steht uns diese Katastrophe noch bevor?“ Thorsten grinste. „Du musst wissen, dass unsere Mutter in vielen Dingen ihre ganz eigenen Ansichten hat“, sagte er zu Günther. „Vor allem was die Ehen ihrer Töchter betrifft.“
„Und was ist mit dir?“, wollte Günther wissen.
„Darüber spricht sie nicht“, sprang Magda ihrem Bruder bei. Sie wollte nicht, dass er seine Auseinandersetzungen mit Mutter schilderte.
„Ich bin das schwarze Schaf der Familie“, resümierte Thorsten. „Fehlentwicklung auf der ganzen Linie. Keine Freundin, keine Ehefrau und Kinder schon mal gar nicht. Stammhalterfunktion nicht erfüllt.“
„Zum Glück leidest du nicht darunter“, stellte Günther fest.
„Es hat den Vorteil, dass sie mir nicht dauernd erklären will, wie ich zu leben habe. Was aber nicht heißt, dass sie mich mit ihrer Weisheit verschont.“
„So kannst du das aber auch nicht sagen.“ Magda hatte das Gefühl, Mutter verteidigen zu müssen. „Schließlich ist sie immer da, wenn man einen guten Rat brauchte und sie fragt.”
„Das stimmt, große Schwester. Es gab einige Sitzungen bei ihr, die hatten es in sich.“ Thorsten lachte. „Besonders die, als ich ihr gestanden habe, dass ich schwul bin. Da solche Gespräche aber immer unter vier Augen stattfinden, kennt der Rest der Familie nur die Wahrheit, die Mutter erzählt. Du hast mir übrigens nie gesagt, was sie euch damals über mein Coming out gesagt hat.“
Magda schauderte. Das war lange her. Damals war sie noch mit Gerald verheiratet gewesen. „Ich weiß nicht mehr genau“, gab sie vor, obwohl sie sich an Mutters Worte noch genau erinnerte. „Ich glaube, sie hat gesagt, dass du in schlechte Gesellschaft geraten bist und wir uns von deiner Umgebung fernhalten sollen.“ In Wahrheit hatte Mutter von missratenem Kind, nichtswürdigem Sohn, verkommenem Subjekt und unnützem Erbe gesprochen, der das Andenken seines Vaters in keinem Punkt verdient habe und den sie fortan aus ihrem Leben streichen wolle.
„Das war alles?“ Thorsten tat entsetzt.
„Das ist alles, woran ich mich erinnere. Was ich noch weiß ist, dass sie anschließend bei einer Familienfeier immer zuerst gefragt hat, ob du auch eingeladen bist, bevor sie zugesagt hat.“
„Richtig. Nach ungefähr drei Jahren hat sie mich mal wieder zu ihrem Geburtstag gebeten, aber ehrlich gesagt wäre ich auch ohne sie weiterhin gut ausgekommen.“ Thorsten sah vergnügt aus und legte Günther eine Hand auf den Oberschenkel. „Ich hoffe, du bekommst jetzt keine Panik wegen meiner Familie? Ich verspreche dir, dass du Mutter nie kennenlernen musst, wenn du nicht willst.“ Er blickte seinen Freund mit einem treuherzigen Augenaufschlag an.
Das Telefon klingelte.
„Ist sie das?“ fragte Thorsten sofort.
„Nein, ich denke es wird Horst sein“, antwortete Magda und starrte auf das Telefon, das auf dem Tisch lag.
„Willst du denn nicht rangehen?“ Thorsten reichte ihr den Apparat.
„Ihr müsst mich einen Augenblick entschuldigen.“ Magda sah die beiden Männer an und nahm das Handgerät.
„Kein Problem“, versicherte Thorsten, griff nach der Karaffe und schenkte sich und seinem Freund noch etwas Wein nach.
Schnell verließ Magda das Wohnzimmer. Das Telefon läutete immer noch.
Erst im Schlafzimmer drückte sie die Gesprächstaste.
„Hallo Herzallerliebste, habe ich dich aus der Dusche geholt? Meine herzlichsten Glückwünsche zum Geburtstag. Ist mein Geschenk angekommen?“ Horsts Stimme klang fröhlich.
Magda räusperte sich. „Ja, es ist angekommen. Vielen Dank, Horst. Eine tolle Überraschung.“
„Na, dann kannst du ja schon mal eine Liste machen, was wir alles mitnehmen müssen. Tut mir übrigens Leid, dass ich es gestern nicht mehr geschafft habe, dich anzurufen. Ich hatte noch ein Geschäftsessen und es wurde sehr spät. Hattest du einen netten Tag?“
„Ja, Mutter und die Nachbarinnen waren zum Kaffee da.“ Magda wusste, dass Horst sich darüber freute, wenn sie zufrieden klang. Sie setzte sich auf das Bett, versuchte, eine gemütliche Position zu finden, um entspannt telefonieren zu können.
„Wunderbar. Ich hoffe, ich habe dir nicht zu sehr gefehlt?“
„Nein, nein“, sage sie schnell. Natürlich hatte sein Anruf ihr gefehlt. Eigentlich sollte ein Mann seiner Frau immer zum Geburtstag gratulieren. Aber Horst hatte schließlich eine berufliche Verantwortung, die sich mit privaten Anlässen nicht immer vereinbaren ließ. Am Anfang ihrer Beziehung hatte er dies immer betont, wenn Magda auf ihn warten musste oder er sich nicht meldete.
„Das ist aber nicht sehr schmeichelhaft, Magda.“
Sie stutzte und hielt inne. Was hatte sie jetzt gesagt? „Natürlich hast du mir gefehlt, Horst. Entschuldige, ich war gerade mit meinen Gedanken woanders.“ Magda straffte den Rücken und heftete ihren Blick auf die Tür des Schlafzimmerschrankes. Sie musste sich konzentrieren, dieses Gespräch war wichtig.
„Wohl schon unterwegs, was?“ Horst lachte.
„Horst?“
„Ja, Magda-Schatz?“
Sie hörte die erwartungsvolle Stille. Wie sollte sie anfangen? Aber sie musste es jetzt tun. „Horst, ich muss dir was sagen.“ Erleichtert, die ersten Worte gefunden zu haben, atmete sie tief ein.
„Was denn?“
„Mit dem Urlaub, Horst, es ist ein wunderschönes Geschenk.“
„Ja, ich habe mir gedacht, dass es dir gefällt.“
„Horst, aber ich bekomme zu dieser Zeit keinen Urlaub.“ Magda sprach so schnell sie konnte.
„Ich habe nicht verstanden. Was hast du gesagt?“ Horsts Stimme klang augenblicklich etwas kühler.
„Doktor Schnieder gibt mir keinen Urlaub.“ Magda bemühte sich, so normal wie möglich zu sprechen. Mit der freien Hand griff sie in das Oberbett und knautschte die Federn zusammen.
„Wie bitte?“
„Du hast richtig verstanden, ich bekomme keinen Urlaub. Meine Kollegin Anja, ich habe dir ja gesagt, dass sie schwanger ist. Sie geht in den Mutterschutz und ich muss sie vertreten, bis die neue Kollegin anfängt. Ich meine, ich weiß so schon nicht, wie ich das mit der Auszubildenden allein schaffen soll, aber Urlaub ...“ Magda brach ab. Am anderen Ende der Leitung herrschte Schweigen. „Horst, bist du noch da?“
„Wenn ich dich recht verstanden habe, willst du nicht mit mir in den Urlaub fahren.“
„Aber natürlich will ich mit dir in den Urlaub fahren!” Magda fühlte, wie es in ihrem Bauch zu ziehen begann. „Können wir die Reise nicht verschieben? Wenigstens so lange bis die Vertretung für Anja da ist? Ich möchte so gern mit dir nach Gran Canaria fliegen.“ Sie fühlte die Tränen aufsteigen. Was hatte sie jetzt falsch gemacht? Er durfte nicht hören, dass sie weinte.
„Ich entnehme deinen Worten, dass du dir die Unterlagen nicht genau angesehen hast.“ Horst betonte jeden einzelnen Buchstaben. „Es ist eine außergewöhnliche Reise mit einer besonderen Suite in einem exquisiten Hotel. Das verschiebt man nicht so einfach. Das verschiebt man überhaupt nicht. Das muss man annehmen oder es lassen. Und du hast dich offensichtlich für Letzteres entschieden.“
„Aber das kannst du doch nicht sagen, Horst. Es ist nur so, dass ich keinen Urlaub nehmen kann in dieser Zeit.“ Magda suchte verzweifelt nach Worten. Warum hatte sie jetzt nicht wieder so eine Idee wie gestern? „Vielleicht gibt es doch eine Möglichkeit, man kann doch eventuell auch ein anderes Hotel, später ...“
„Magda, mach dich nicht lächerlich. Sieh in die Unterlagen und du weißt, dass das absurd ist. Gut.“ Horst räusperte sich. „Ich denke, du wirst noch einmal mit deinem Chef sprechen, wenn du dir genau angesehen hast, was dich erwartet. Wir reden dann am Wochenende noch einmal darüber. Und nun werde ich in die Bar gehen und einen Schlummertrunk nehmen. Schlaf gut, Magda. Ich komme dann am Freitag Abend, wie immer. Gute Nacht.“ Es knackte in der Leitung.
„Gute Nacht Horst.“ Magda sprach in den Hörer, dann hörte sie das Tuten und drückte die Beenden-Taste. Sie sackte auf dem Bett zusammen, spürte plötzlich, wie ihr Rücken und Arme weh taten. Das Schlimmste war - Horst hatte wie immer recht. Sie hatte gar nicht genau gelesen, was in dem Prospekt stand. Sie hatte nur das Datum gesehen und gewusst, dass es nicht ging. Vielleicht, wenn sie noch einmal mit Doktor Schnieder sprechen würde, ihm das Problem erklärte? Was, wenn sie in dieser Zeit krank werden würde, dann müssten sie doch auch ohne ihre Arbeitskraft auskommen. Es war wenigstens ein Argument, das sie Doktor Schnieder entgegenhalten konnte. Vielleicht konnte die Vertretung ja doch früher anfangen. Ihr Chef konnte sie ja danach fragen. Bis jetzt hatte er das nicht tun müssen, denn noch war seine Helferin Magda Brenna ja für ihn verfügbar. Magda starrte auf das Telefon in ihrer Hand. Sie musste irgendwie eine Lösung finden. Plötzlich hörte sie ihren Namen. Ihren Geburtstagsbesuch hätte sie fast vergessen.
Magda blickte auf das Blatt, das vor ihr lag. Befund worüber? Sie begriff nicht, worum es ging. Sie sah auf die Tischuhr. In einer Stunde fing die Sprechstunde an. Wenn Doktor Schnieder heute etwas früher von seinen Besuchen zurückkam, würde sie ihn noch einmal darauf ansprechen. Und wenn es am Vormittag nicht klappte, konnte sie an ihrem langen Donnerstag warten, bis er am Abend die Praxis verließ. Vorsorglich hatte sie die Reiseunterlagen eingesteckt. Horst hatte recht, es war ein außergewöhnliches Angebot. Es war die Hochzeitssuite in einem Fünf-Sterne-Hotel. Magda ging nicht davon aus, dass er ihr mit dieser Buchung etwas sagen wollte. Übers Heiraten hatten sie nur einmal kurz gesprochen. Horst hatte gesagt, dass er prinzipiell nicht heiraten würde, weder sie noch eine andere. Magda war damals erleichtert gewesen, denn sie hatte bereits eine Ehe hinter sich. Auch wenn sie bei der Hochzeit mit Gerald noch geglaubt hatte, dass es ewig halten würde, war sie heute nicht mehr davon überzeugt, dass es so etwas überhaupt gab. Und die Scheidung hatte sie furchtbar gefunden. Zwar waren sie sich einig gewesen, die Ehe aufzulösen, aber die Formalitäten mussten eingehalten werden. Und gerade das hatte Magda so verletzt, dass sie sich geschworen hatte, keine Ehe mehr eingehen zu wollen. Als sie sich in Horst verliebt hatte, hatte sie an dieser Überzeugung kein einziges Mal gezweifelt. Mutter allerdings wartete noch immer darauf, dass Magda sie mit einer Einladung zur Hochzeit überraschen würde. Sie hatte gelegentlich nachgefragt, bis es Magda eines Tages zuviel geworden war und sie diese Möglichkeit rigoros abgelehnt hatte. ‘Es geht um deine Alterssicherung, Kind’, hatte Mutter betont. 'Was Magda denn glauben würde, wovon alte Frauen lebten, wenn nicht von der Witwenrente ihres verstorbenen Ehemannes?' Magda war aufgesprungen und aus dem Haus gelaufen. Das wollte sie sich auf keinen Fall anhören. Mutter wusste nicht, dass sie auf die Ansprüche aus Geralds Pension verzichtet hatte. Sie hatte deswegen sogar einen Vertrag unterschrieben. Dafür hatte Gerald ihr eine Abfindung gezahlt und Magda hatte dieses Geld in einem Sparvertrag angelegt. Sie fand, dass dies eine gute Grundlage für ihre Alterssicherung war. Jedes Jahr, wenn das Geldinstitut ihr eine Mitteilung über die Zinsen schickte, freute sie sich. Dass dieses Geld natürlich niemals reichen würde, eine ausreichende Altersrente zu bekommen, war ihr klar. Trotzdem vermittelten ihr diese kleinen Geldbeträge ein Gefühl von Sicherheit. Der Streit mit Mutter hatte Magda so sehr beschäftigt, dass sie das Thema Heirat Horst gegenüber noch einmal angeschnitten hatte. Aber er hatte sie nur angesehen und gefragt, ob sie vergessen hätte, wie er zur Ehe stand. Es beruhigte Magda, dass Horst sie nicht heiraten wollte. Mit der Ablehnung einer Hochzeit stand sie Mutter wenigstens nicht allein gegenüber.
„Magda?!“
Sie schaute auf. Anja hielt ihr den Telefonhörer entgegen. „Telefon für dich, ein Patient.“
Mechanisch beantwortete Magda die Fragen des Mannes. Kaum hatte sie den Hörer aufgelegt, dachte sie wieder an den Urlaub, die Hochzeitssuite und Doktor Schnieder.
„Magda, was ist eigentlich mit dir los?“ Anja rüttelte an ihrer Schulter. „Seit einer geschlagenen Viertelstunde starrst du auf das Papier, du hörst das Telefon nicht und die Post hast du dir noch nicht einmal angesehen. Stimmt etwas nicht?“
Magda sah in die hellblauen Augen ihrer Kollegin. Sollte sie nun auch noch andere Leute mit ihren Sorgen belasten?
„Ach, familiäre Probleme.“ Sie griff nach der Post und sah die Briefe durch.
„Willst du darüber reden?“ Anja ließ sich auf den Schreibtischstuhl sinken und streckte die Beine aus. „Manchmal reicht es ja schon, wenn man drüber geredet hat.” Sie strich sich über den kugelrunden Bauch.
Magda betrachtete ihre Kollegin. Sie kannten sich schon seit Jahren und Anja hatte sie stets an ihrem Leben teilhaben lassen. Magda wusste, wie Anja ihren Mann kennengelernt hatte, wann er ihr einen Heiratsantrag gemacht hatte, wie sie den Umzug in die gemeinsame Wohnung geschafft hatten. Die Nachricht der Schwangerschaft hatte sie Magda sofort erzählt, aber Magda war sich nicht sicher, ob aus Freude über ein Kind oder aus Freude über die bevorstehende Elternzeit. Jedenfalls hatte Anja ihr jedes Ultraschallbild des Ungeborenen gezeigt, immer berichtet, was ihre Eltern und die Eltern ihres Mannes dachten und über die Anschaffung von Umstandskleidung Auskunft gegeben. Auch wenn Magda von all diesen Themen keine Ahnung hatte und es sie auch nicht interessierte, war sie stets freundlich geblieben. Was sie an Anja beeindruckte, war ihr grenzenloser Einsatz bei der Arbeit. So lange es ihr möglich war, hatte Anja dem Doktor assistiert, Laboruntersuchungen gemacht und war für die Abrechnungen gern auch mal länger geblieben. Anja hatte sie an den Donnerstagnachmittagen, an denen Magda arbeitete, oft mit den Worten nach Hause geschickt: „Ich mach das schon.” Und am Freitag Morgen war es erledigt gewesen. Doch in den letzten Wochen hatte Anja mehr als einmal auf der Liege im Aufenthaltsraum gelegen und sich ausgeruht. Untersuchungen, die sie nicht mehr machen durfte, hatte Magda übernommen. Dafür hatte Magda ihr die Arbeit in der Anmeldung übertragen.
Von sich hatte Magda wenig erzählt. Anja wusste, dass es Horst in ihrem Leben gab. Gelegentlich rief er an, wenn er Magda dringend sprechen musste. Als sie geschieden war, hatte Magda es ihr mitgeteilt. Über Geralds Seitensprung, den Auszug aus dem Haus, ihrem Leben bei Mutter hatte sie nicht geredet. In ihren Augen war Anja zu jung für eine vertrauensvolle Freundschaft. Doch eigentlich hatte ihr jetziges Problem auch etwas mit Anja und ihrer Arbeit zu tun. Vielleicht würde Anja ihr helfen können. Bestimmt hatte sie eine Idee, die Magda nicht einfallen würde. Es war eine Chance.
„Nun, mein Lebensgefährte hat mir eine Reise geschenkt und ich werde keinen Urlaub bekommen. Sie beginnt nämlich schon in vier Wochen“, sagte Magda. Ihre Stimme krächzte, als wäre sie das Sprechen nicht gewohnt.
„Die Reise? In vier Wochen?” Anja konnte es kaum glauben. „Dann bin ich im Mutterschutz und die Neue fängt erst später an!“ Sie brachte das Problem auf den Punkt.
Magda nickte. „So ist es.“
„O je, was sagt er dazu?“
„Er ist verständlicherweise enttäuscht.“
„Verschiebt die Reise doch.“
„Das geht nicht.“ Magda holte die Unterlagen aus ihrer Handtasche und reichte sie Anja. Die junge Kollegin sah sich die Prospekte aufmerksam an. „Donnerwetter, tolles Angebot.“
„Du kannst nicht vielleicht länger...“ Magda brach ab. Sie wusste, dass es eine unverschämte Frage war, aber es war die naheliegenste Lösung.
Anja sah sie mit großen Augen an. „Das meinst du jetzt aber nicht ernst, oder?“ Sie hielt sich den Bauch. „Ich bin froh, wenn ich hier rauskomme. Das ist jeden Tag ein bisschen mehr Quälerei. Und ich mache das auch nur, weil ich euch nicht früher als unbedingt nötig allein lassen will. Wenn es nach meinem Arzt ginge, würde ich jetzt schon liegen, wegen dem Wasser in den Beinen. Er lässt mich nur noch arbeiten gehen, weil ich ja ständig einen Arzt um mich habe. Hast du dir mal meine Füße angesehen, wenn ich nachmittags hier rauskomme? Ach nee, dann bist du ja meistens schon weg. Auf jeden Fall bin ich froh, wenn ich endlich zu Hause bleiben kann. Wir haben auch noch viel vorzubereiten.“
Magda nickte. Sie hatte es gewusst. „Du hast nicht zufällig eine andere Idee?” Sie brachte die Worte nur zögernd hervor. Eigentlich ging ihr Problem Anja nichts an.
Anja drehte sich mit dem Stuhl hin und her, streckte dabei die Beine aus und zog sie wieder an. „Wenn man es recht überlegt … Es ist ein Dilemma, Magda. Zumal dir erst mal nur die Auszubildende bleibt, bis die Neue anfängt und die muss sich auch erst mal einarbeiten. Aber weißt du ...“ Anja ließ die Beine auf den Boden sinken, stand auf und reckte die Arme in die Höhe.
Magda wartete gespannt, bis Anja ihre Übungen beendet hatte und sich wieder setzte. „Also, im Grunde genommen, hat er dich ja überfahren mit dieser Reise. Da kann er doch gar nicht erwarten, dass du alles stehen und liegen lässt. Ich meine, du musst doch wenigstens Zeit haben, um mit ihm in Urlaub zu fahren.“
Magda schaute sie verblüfft an. Das klang unlogisch. „Aber er hat es doch nett gemeint. Er wollte mich doch überraschen!“, widersprach sie.
„Und das war schlecht vorbereitet.“
„Wie bitte?“ Nun regte sich in Magda ein Funke der Entrüstung. Das war zu viel.
„Na, er hätte doch wenigstens vorher gucken müssen, dass du Urlaub hast oder nicht? Im Grunde genommen ist er selber schuld.“ Anja sah sie triumphierend an.
Magda war sprachlos. Horst war selber schuld? So konnte man das doch nicht sehen! Er gab sich Mühe, er machte sich Gedanken, er wollte ihr eine Freude bereiten. Welcher Mann tat das schon für eine Frau, mit der er wie in einer Ehe zusammenlebte und auf die er sich immer verlassen konnte? Nur wenige Ehemänner brachten noch so viel Phantasie auf und gaben sich Mühe. ‘Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul’ hatte Mutter immer gesagt, wenn die Kinder früher ein Geschenk bekamen, das ihnen nicht gefiel. Sie hatte ihnen strikt verboten, sich darüber zu beklagen, denn für Mutter galt, dass jeder Mensch, der ein Geschenk macht, es gut gemeint hat. Und Horst hatte es nicht nur gut gemeint, er war auch so großzügig. Mit diesem Geschenk besonders. Magda würde ihm nie sagen können, dass er vorher hätte fragen sollen, wann sie Urlaub bekommen könne.
„Na, und?”, Anja wartete noch immer auf eine Antwort. „Habe ich jetzt recht oder nicht?”
Magda zuckte mit den Achseln. „Das versteht er nicht”, sagte sie leise.
Anja lachte kurz auf. „Das ist klar. Das verstehen Männer nicht. Aber es ändert nichts an den Tatsachen. Eine Überraschung ist auch eine feindliche Übernahme, sieh es mal so.” Sie griff nach den Unterlagen und sah auf die Uhr über der Eingangstür. „So langsam kann er mal kommen, unser Doktor. Sonst geht mein Zeitplan überhaupt nicht auf.” Sie schlug das Terminbuch auf und kontrollierte die Anmeldungen. Es klingelte. „Der erste kann schon mal warten”, sagte Anja und betätigte den Türöffner. Magda nahm sich eine Karte und verschwand im Laborzimmer. Damit war die Chance, mit ihrem Chef zu sprechen, vorüber. Dann gab es nur noch einen, mit dem sie sprechen musste: Horst.
Jeden Freitag erledigte Magda die Einkäufe für das Wochenende. Mit Taschen beladen kehrte sie am frühen Nachmittag zurück. Heute Abend würde sie ein besonderes Essen zubereiten. Den guten Rotwein goss sie in die Karaffe, damit er atmen konnte, bevor sie ihn zum Essen trinken würden. Horst schmeckte es heraus, wenn der Wein nicht lange genug geatmet hatte. Mehr als einmal hatte er sich in guten Restaurants mit dem Weinkellner darüber unterhalten, wie lange welcher Rotwein atmen sollte, damit das Bukett richtig unterstrichen wurde. Magda sagte nie etwas dazu. Erstens hatte sie keine Ahnung von Weinen und wie sie am besten schmeckten und zweitens mochte sie Rotwein nicht so gern. Ihr reichte Mineralwasser zum Essen.
Magda verstaute das Gemüse im Kühlschrank und bereitete die Marinade für das Fleisch vor. Als sie das Stück Lamm mit der Kräuter-Öl-Mischung bestrich, ging sie in Gedanken den Abend durch. Je besser es Horst schmecken würde, desto gemütlicher würde der Abend werden. Horst liebte es, nach einem guten Essen entspannt dazusitzen und sich zu unterhalten. Je nachdem, wie sich das Gespräch entwickelte, kam der entscheidende Moment für ein Gespräch früher oder später. Magda deckte ein Tuch über die Schüssel mit dem Lamm und setzte einen Kaffee auf. In der einen Stunde, in das Fleisch durchzog, würde sie sich vor dem Fernseher entspannen. Sie schaltete durch die Programme und blieb bei einer Nachmittagstalkshow hängen. Es ging um die Geschichte einer Frau, der eine Wahrsagerin prophezeit hatte, dass sie die Geschicke ihrer Mitmenschen beeinflussen konnte. Magda fand es so absonderlich, dass sie immer wieder mit dem Kopf schüttelten musste. Die Frau behauptete sogar, ihren Nachbarn vor einem Autounfall gerettet zu haben. Magda ging in die Küche, um Kaffee zu holen und verpasste deshalb die Aussage des Nachbarn. Das Publikum applaudierte und die Moderatorin wechselte zum nächsten Gast, der in der Reihe saß. Bei ihm ging es um das Heilen von Krankheiten durch Handauflegen. Magda kannte die Patienten, die an solche Kräfte glaubten. Sie kamen nach enttäuschenden Ergebnissen in die Arztpraxis, klagten Doktor Schnieder ihr Leid, ließen sich Medikamente verschreiben, nahmen sie aber nicht ein. Sie gingen weder zur angeordneten Massage noch zur Krankengymnastik, so dass sich an ihrem Krankheitsbild nichts änderte. Bis sie auf den nächsten Heiler hereinfielen, der ihnen auch nicht half. Magda schaltete um, bevor sie sich noch mehr ärgerte. Auf dem nächsten Sender bahnte sich ein Familiendrama an, dessen weibliche Hauptfigur Magda sympathisch erschien. Irgendwie konnte sie mitfühlen, wie es der Ehefrau ging. Sie vertiefte sich in das Schicksal der Frau, bis das Schrillen der Eieruhr sie an das Lamm erinnerte.
Ein appetitlicher Duft zog durch die Wohnung. Im Schloss klapperte ein Schlüssel und Magda hörte, wie Horst seine Tasche im Flur abstellte. Sie kannte die Geräusche und deren Reihenfolge: Das Klacken des Bügels, wenn Horst ihn von der Garderobe nahm, das leise Rauschen des Mantels und erneut ein Klacken. Nun folgten einige Schritte über die Fliesen, der Korbstuhl knarrte und es war einen Moment still. Wenn der Stuhl erneut knarrte, hatte Horst seine Straßenschuhe mit den Hausschuhen vertauscht. Dann dauerte es noch eine Weile und er trat ins Wohnzimmer. Magda wusste, dass er dieses Ritual liebte und hatte ihr eigenes hinzugefügt. Wenn der Korbsessel zum ersten Mal knarrte, holte sie die Kognakflasche aus dem Schrank und goss zwei Gläser ein. Wenn der Stuhl zum zweiten Mal knarrte, stellte sie sie auf ein kleines Tablett und ging ihm entgegen. Sie trafen sich in der Tür zum Wohnzimmer.
„Hallo, schön, dass du wieder da bist“, begrüßte sie ihn.
„Ja, es ist gut wieder hier zu sein. Danke.“ Horst küsste Magda auf die Wange, nahm sich einen Kognakschwenker und ging zu seinem Sessel. Magda nahm das andere Glas vom Tablett, setzte sich auf die Couch und prostete ihm zu. Beide tranken.
„Was gibt es Gutes?“ fragte Horst. „Es riecht so wunderbar im Haus.“
„Lammrücken mit Ratatouille“, antwortete Magda
„Und hast du ihn auch eingelegt?“
Sie nickte.
„Dann werde ich vorher mal meine Tasche auspacken.“ Er trank den letzten Schluck aus seinem Glas und stellte es auf das Tablett zurück. Als er an Magda vorbeiging, strich er ihr über die Schulter.
Der Tisch war gedeckt und in den beiden Kristall-Leuchtern brannten Kerzen. Die Tür zur Terrasse hatte Magda einen Spalt geöffnet, damit der milde Duft des Sommers ins Zimmer wehte. Sie goss den Wein in die Gläser und stellte den Bratenteller auf den Tisch.
„Kommst du? Wir können essen!“, rief sie Horst zu. Sie hörte seine Schritte auf der Treppe, blieb so lange am Tisch stehen, bis er hereinkam. Sie setzten sich.
„Wie war deine Woche?“, fragte Horst, als sie ihm das Gemüse reichte.
„Oh, es war nett. Thorsten hat mich besucht.“ Magda vermied es, Horst anzusehen. Sie wollte keinesfalls jetzt über den Urlaub sprechen.
„Ah, ja. Thorsten. Hast du ausreichend Thymian in die Marinade gegeben?“, Horst nahm sich eine Scheibe vom Lamm.
„Ja, ich hoffe, dass es genug war“, beeilte Magda sich mit der Antwort.
Horst kostete ein Stück. „Hervorragend“, lobte er sie.
Magda war erleichtert. Es schmeckte ihm, er würde sich entspannen und sie würde ohne Schwierigkeiten mit ihm sprechen können. Sie nahm ihr Weinglas und prostete ihm zu.
Nach dem Essen räumte Magda die Spülmaschine ein und stellte die Essensreste in den Kühlschrank. Als sie die ersten Töne der Brandenburgischen Konzerte hörte, konnte sie den Verlauf des Abends vorhersagen. Diese Musik bedeutete, dass Horst in versöhnlicher Stimmung war. Meistens sprach er dann von seiner Arbeit, was er erreicht hatte und wie sehr es ihm gefiel, dass sie so gut für ihn sorgte. Anschließend wollte er mit ihr schlafen. Wenn es heute dazu kam, hatte sie gewonnen. Dann war er nicht böse und hatte verstanden, dass sie sich nicht einfach seinen Wünschen fügen konnte. Magda ließ die Tür der Spülmaschine zuklappen und löschte das Licht in der Küche.
„Komm zu mir, mein Schätzchen.“ Horst rief Magda auf die Terrasse. Es war ein angenehmer Abend, die Temperaturen kletterten in den Abendstunden selten über die zwanzig-Grad-Marke, aber wenigstens war es in den letzten Tagen trocken geblieben.
Magda setzte sich zu ihrem Lebensgefährten auf die Bank und ließ ihren Kopf an seine Schulter sinken. Sie schwieg. Jedes Wort war in dieser Situation eines zu viel. Magda genoss die Atmosphäre. Ein Sommerabend, Horsts Nähe, seine Wärme. So konnte es endlos weitergehen.
Horst wippte mit dem Fuß im Takt der Musik. „Wie geht es deiner Mutter?“, fragte er.
„Gut.“ Magda flüsterte, um ihr Wohlbehagen auszukosten.
„Ist ihre Arthrose schlimmer geworden?“
„Nein, sie hat nichts gesagt. Frau Möller kümmert sich auch prima um sie. Mutter ist sehr zufrieden mit ihr.“
„Da haben wir ja die richtige Wahl getroffen.“
Magda erinnerte sich an die Gespräche, die Horst mit den Bewerberinnen geführt hatte. Sie hatten per Kleinanzeige eine Gesellschafterin für Mutter gesucht. Frau Möller war die einzige, die Horst überzeugt hatte. Sie hatte keine Familie, pflegte keine männlichen Bekanntschaften und kannte sich ausgezeichnet in der deutschen Literatur aus. Außerdem konnte sie kochen und hatte früher als Altenpflegerin gearbeitet. Magda hatte sich damals gefragt, ob sie bei Horsts Befragungen eine Chance gehabt hätte. Wahrscheinlich nicht. Sie wäre schon beim Familienstand ‘geschieden’ aussortiert worden. Sie seufzte.
„Was hast du?“ Horst strich ihr über den Arm.
„Es ist schön so“, antwortete sie.
Horst begann von seiner Arbeit zu erzählen. Die Namen seiner Kollegen kannte Magda und wusste über die Verwicklungen in der Zentrale Bescheid. Also nickte sie ab und zu, um Horst ihr Verständnis zu signalisieren, auch wenn sie die Geschichten gar nicht interessierten. Stattdessen achtete sie darauf, dass sein Glas nicht zu lange leer blieb und holte zwischendurch ein Schälchen Erdnüsse aus der Küche. Dann wechselte Horst die Musik. Romantische Melodien ertönten. Er begann, Magdas Arm zu streicheln, während er sprach. Als die CD abgelaufen war, lächelte er sie an, nahm die Gläser und ging hinein. Magda wusste, was nun kam. Sie blies die Kerze aus und zog die Terrassentür hinter sich ins Schloss.
Im Nacken begann es zu kribbeln, als Horst sich neben sie gelegt hatte und mit seinen Lippen ihren Hals berührte. Er schob ihr Nachthemd an der Knopfleiste auseinander. Magda hob die Hüften an, damit der Stoff sich lockerte. Gleich würde Horst ihr sagen, sie solle das Nachthemd ausziehen. Im Bauch zwickte es, als Horsts Hand an ihrem Körper hinunterglitt. Magda ignorierte das Kneifen und erwiderte seine Küsse. Sie wand sich aus dem Nachthemd und umschlang Horsts Nacken, als er sich über sie schob. Magda warf einen Blick zum Wecker, der in roten Ziffern Mitternacht anzeigte. In einigen Minuten war es vorbei. Sie schloss die Augen.
Horst lag neben ihr, er atmete heftig. „Du bist eine fabelhafte Frau, Magda“, sagte er.
Magda drehte sich auf die Seite, um Horst ansehen zu können. Jetzt oder gar nicht.
„Horst?“ Sie räusperte sich. „Wegen dem Urlaub...“
„Des Urlaubs“, verbesserte er und griff nach seinem Rotweinglas, das auf dem Nachtschränkchen stand. „Ein wundervoller Urlaub mit einer wundervollen Frau. Ich hoffe, du hast deinen Chef überzeugen können.“
Magda nahm all ihren Mut zusammen. „Horst, es geht nicht. Beim besten Willen nicht. Ich bekomme keinen Urlaub.“
Horst setzte das Glas behutsam ab und richtete sich auf. Er sah sie verständnislos an.
„Ich habe es ja schon gesagt, meine Kollegin hat Mutterschutz, das kann sie nicht aufschieben, das Gesetz, du weißt, und bis die Vertretung kommt, ist nur die Auszubildende da, die kann man ja nicht allein lassen. Es ist unmöglich. Und es wäre ja auch unverantwortlich, wenn ich mich einfach krankmelden würde.“
„Magda! Ich nehme an, du hast dir genau angesehen, um welches Angebot es sich handelt.“ Die Lautstärke seiner Stimme steigerte sich mit jedem Wort.
„Ja, aber das verändert doch die Situation nicht!“ Magda bekam Angst. Ihr Magen krampfte sich zusammen, sie fühlte wie ihre Kehle immer enger wurde. Man lehnte ein Geschenk nicht so einfach ab. Außerdem wollte sie ihn nicht verletzen, indem sie seinen guten Willen ignorierte. „Es ist mehr als großzügig von dir, Horst, und so gut gemeint. Es ist nicht so, dass ich das nicht wüsste Horst, aber ich ...“ Magda brach ab, weil ihr die Worte fehlten. Sie hatte doch alles gesagt, bereits am Telefon und jetzt auch. Bittend blickte sie zu Horst auf.
„Magda, willst du damit sagen, dass du dieses Geschenk nicht annehmen willst?“ Horst saß jetzt aufrecht im Bett.
Magda fühlte sich plötzlich leer. Als würde sich eine Glaswand zwischen sie und Horst schieben, sah sie ihn und hatte das Gefühl, sie würde ihn nicht kennen. Sie spürte, wie die Angst ihre Kehle hinaufwanderte und sich in ihrem Körper ausbreitete. Nun begann ihr Kinn zu zittern. Die Tränen stiegen auf, brannten in den Augen und kullerten die Wangen hinunter. Magda sog nur ein wenig Luft durch die Nase ein, was kaum ausreichte. Würde sie den Mund öffnen, um Atem zu holen, würde sie laut aufschluchzen müssen. Was sie nicht wollte. Horst konnte es hören. Am liebsten würde sie davonlaufen, aber ihr Körper war wie eingefroren. Horst saß noch immer neben ihr und starrte sie böse an. Magda fühlte sich hilflos und allein.
„Magda, ich rede mit dir!” Horsts Stimme klang drohend.
Die ausgedachte Glaswand zerplatzte bei seinen Worten. Magda spürte, wie die Tränen versiegten, Luft in ihre Lunge strömte. Sie setzte sich ein wenig auf, wischte mit der Hand die Tränen von den Wangen. Sie musste mit ihm reden, vielleicht musste sie es ihm einfach nur noch einmal erklären. Sie holte tief Luft, um genug Atem zu haben. „Ich würde so gern mit dir nach Gran Canaria reisen, Horst, dieses tolle Hotel und die Suite, das wäre wundervoll, aber ...“
„Aber?“ Horst schob die Bettdecke von sich und stand auf. Mit wenigen Handgriffen hatte er sich angezogen. Er blickte auf Magda hinunter.
Mit einem Fuß angelte sie nach der Bettdecke, griff nach einem Zipfel und zog sich die Decke über den nackten Körper. Gleich würde ihr warm werden. Sie vergrub die Hände in den Daunen und lehnte sich an das Kopfteil des Bettes. Als sei sie nun in Sicherheit, glitten ihr auch die Worte über die Lippen, die ihr seit dem Gespräch mit Anja nicht mehr aus dem Kopf gegangen waren: „Wenn du mich doch vorher gefragt hättest. Du musst doch wissen, dass ich in der nächsten Zeit keinen Urlaub beantragen kann.“ Magda verstummte. Jetzt hatte sie es ausgesprochen. Es war ein Vorwurf, eine Anklage. Horst hatte sich das selbst zuzuschreiben.
„Soll das heißen, ich bin daran schuld, dass du nicht in der Lage bist, mit mir diese Reise zu machen?“
Wieder waren es Anjas Worte, die Magda nicht zurückhalten konnte: „Die Überraschung war schlecht vorbereitet ...“
Horsts Hand klatschte auf ihre Wange. Ihr Kopf schlug gegen das Kopfteil des Bettes, sie kippte zur Seite, blieb liegen. Es dauerte einige Sekunden, bis sie begriff, was geschehen war. Es dröhnte in ihrem Kopf, ihre Wange brannte. Ängstlich richtete sie sich auf, blickte sich um. Aber Horst war nicht mehr da. Sie befühlte ihr Gesicht. Es pochte im Kiefer. Schwindelig war ihr auch.
Die Tränen liefen Magda über das Gesicht, als sie vor dem Haus ihrer Mutter stand. ‘Jede Entschuldigung ist zwecklos. Es ist besser, du gehst’, hatte Horst gesagt, als sie ihm nachgelaufen war und versucht hatte, mit ihm zu sprechen. Er hatte sich in seinem Arbeitszimmer eingeschlossen und Magda vor der Tür stehen lassen. Sie hatte gewartet und sich nicht getraut, an die Tür zu klopfen. Bis ihr kalt wurde und sie ins Schlafzimmer schlich, um sich etwas anzuziehen.
Jetzt drückte sie die Klingel an Mutters Haus zum zweiten Mal. Sie wischte sich mit einem Taschentuch über die Augen und atmete tief ein. Das Dröhnen in ihrem Kopf hatte nachgelassen, aber ihre Wange war angeschwollen. Im Kiefer pochte es bei jeder Bewegung, ihr Magen rebellierte. Es dauerte eine Weile, bis ein Brummen in der Gegensprechanlage ertönte. Mutters Stimme klang verschlafen.
„Ich bin es, Magda. Öffnest du bitte?“ Es gelang ihr, ein Schluchzen zu unterdrücken. Der Summer ertönte.
„Kind, was tust du hier mitten in der Nacht?“ In ihrem langen Hausmantel stand Mutter am Ende der Treppe, die ins obere Stockwerk führte. Ihr Blick fiel auf die Tasche, die Magda in der Hand trug. „Was ist passiert?“
„Ich würde gern heute Nacht hier schlafen.“ Nun schniefte sie doch.
„Putz dir die Nase, das ist ja ekelhaft.“ Mutter kam auf ihre Tochter zu und nahm ihr die Tasche aus der Hand. Sie schob Magda ins Wohnzimmer, drückte sie in einen Sessel und ging in die Küche. Magda hörte einen Topf klappern und wusste, was Mutter tat. Wie früher kochte sie ihr jetzt eine heiße Milch. Magda ließ ihren Tränen wieder freien Lauf. Hier wurde sie wenigstens geliebt.
„Trink das.“ Mutter reichte Magda die Tasse und setzte sich in den Sessel ihr gegenüber. „Was ist passiert?“, fragte sie.
Magda rührte in ihrer Tasse Milch. Es dampfte. Am Boden des Bechers löste sich der Honig auf und zog einen hellbraunen Streifen über die weiße Oberfläche.
„Wie siehst du überhaupt aus?“ Mutter beugte sich zu ihr und drehte Magdas Gesicht zum Licht. Auf der Wange war der Abdruck von Horsts Fingern deutlich zu sehen. „Ich möchte jetzt auf der Stelle wissen, was geschehen ist.“ Zorn mischte sich in Mutters Stimme.
Magda entzog sich ihrem Griff und schnäuzte sich erneut. „Es gab eine Meinungsverschiedenheit“, sagte sie.
„Meinungsverschiedenheit, so.“ Mutter verschränkte die Arme. „Hat es etwas mit eurem Urlaub zu tun?“
Magda nickte.
„Du hast den Urlaub also abgelehnt.“ Aus dem Mund von Mutter klang es wie eine Anklage.
Magda starrte in die Tasse. Der Honig hatte die Milch ein wenig dunkler werden lassen.
„Er hat dich hinausgeworfen“, stellte Mutter fest und sah sie prüfend an.
Magda antwortete nicht. Beide schwiegen eine Weile.
„Ich habe es dir gesagt, man lehnt solch ein Geschenk nicht ab und schon gar nicht von einem Mann wie Horst. Nun, wenn es so ist.“ Mutter seufzte. „Trink deine Milch aus. Wir sprechen morgen darüber. Ich muss jetzt wieder zu Bett. In deinem Zimmer findest du alles, was du brauchst.“ Mutter erhob sich mühevoll aus ihrem Sessel und verließ das Wohnzimmer. Magda blieb allein zurück.
Am nächsten Morgen saß Mutter am Frühstückstisch. Kerzengerade trohnte sie auf einem der Stühle mit der hohen Lehne, wischte sich mit einer Serviette über die Lippen, als Magda eintrat. Sie musterte das Gesicht ihrer Tochter. Außer den blauroten Striemen auf der Wange waren die Augen rot und geschwollen. Magda wusste, dass sie verheult und unglücklich aussah und senkte den Blick. Wie eine brave Tochter setzte sie sich auf einen Stuhl, schenkte sich Kaffee ein und nahm ein Brötchen aus dem Korb. Sie tat, als sei nichts gewesen, versuchte den Schmerz in der Wange und im Kopf zu ignorieren. Gleich nach dem Aufstehen hatte sie eine von den Schmerztabletten genommen, die Doktor Schnieder ihnen gelegentlich aus seinem Probenvorrat überließ. Bis sie wirkte, würde es noch ein wenig dauern.
„Wie stellst du dir deine Zukunft vor?“ Die Stimme der alten Frau war klar und bestimmt wie immer. „Ich habe eben mit Horst gesprochen. Er ist sehr erbost.“
Magda legte das Messer zurück neben den Teller. Sie hatte doch keinen Hunger.
„Ich denke, du solltest ihn anrufen und dich entschuldigen. Schieb es nicht so lange auf, ein Mann wie Horst wartet nicht. Er hat mir versprochen, dass er deine Entschuldigung annehmen wird. Wenn ihr in diesen Urlaub fahrt.“ Mutter presste die Serviette noch einmal gegen ihre schmalen Lippen. Sie blickte zur Kaminuhr. „Frau Möller wird gleich kommen. Ich bin heute bei meiner Masseurin angemeldet.“ Sie schob ihren Stuhl zurück und stand auf. Sie ächzte leise, als sie auftrat. „Wenn du schon hier bist, könntest du versuchen, Wolfgang zu erreichen wegen der Renovierung. Gisela meldet sich nicht zurück, obwohl ich schon mehrere Male auf ihr Anrufgerät gesprochen habe. Ich werde mich jetzt fertig machen.“ Gestützt auf ihren Handstock verließ sie das Esszimmer.
