Lebensworte -  - E-Book

Lebensworte E-Book

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Beschreibung

Wie ist das, wenn Gott mein Herz berührt? Passiert das auch heute noch, und wenn ja, wie? Hier erzählen 25 Frauen ihre ganz persönlichen Geschichten und Erfahrungen mit einem biblischen Lebenswort. Manche Worte sind auf einmal aufgetaucht, andere wurden zugesprochen. Alle haben einen Auslöser und eine individuelle Geschichte. Längst nicht alle waren auf Anhieb verständlich oder angenehm. Viele Fragen stecken darin, manche Nöte und persönlichen Kämpfe. Dennoch läuft nichts ins Leere. Alle Lebensworte machen deutlich: Gott ist nicht stumm geblieben – er spricht, bis heute! Zu den Autorinnen gehören unter anderen: Christina Brudereck, Else Diehl, Andrea Schneider, Silke Stattaus, Vreni Theobald und Doro Zachmann. Ein biografisches Bibellese-Buch – von Frauen, für Frauen.

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Seitenzahl: 157

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Christiane Rösel (Hrsg.)

Lebensworte

Wenn Gott mein Herz berührt

www.bibellesebund.net

Impressum

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.

3. Auflage 2015

© 2012 Bibellesebund Verlag, Gummersbach

© 2023 der E-Book-Ausgabe

Bibellesebund Verlag, Marienheide

https://www.bibellesebund.de/

Autor: Christiane Rösel (Hrsg.)

Titelfoto: shutterstock

Titelgestaltung: Georg Design, Münster

Layout des E-Books: Inge Neuhaus

Alle Bibelverse, wenn nicht anders vermerkt:

Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Ausgabe, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abkürzungen der Bibel-Übersetzungen:

NGÜ= Neue Genfer Übersetzung

LÜ= Lutherübersetzung

Printausgabe: ISBN 978-3-97982-969-9

E-Book: ISBN 978-3-95568-535-5

Hinweise des Verlags:

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des Textes und der Bilder kommen.

Noch mehr E-Books des Bibellesebundes finden Sie auf

https://ebooks.bibellesebund.de/

Inhalt

Titel

Impressum

Vorwort

1. Einladung zum Leben2. Mose 20,8-11 (Janet Morgan)

2. Eine Antwort direkt vom HimmelJosua 1,9 (Silke Stattaus)

3. Echt und wahrPsalm 33,4 (Elke Werner)

4. Fallen schon, aber nicht abstürzenPsalm 62,2-3 (Doro Zachmann)

5. Barfuß im HerzenPsalm 84,6 (Christina Brudereck)

6. Hilfe, was überrollt mich da?Psalm 91,1-2 (Beata Widmann)

7. Mein HerzensgebetPsalm 119,18 (Monika Kuschmierz)

8. Es ist alles gut zwischen uns!Psalm 139,14 (Edelgard Jenner)

9. Das passt!Sprüche 3,5-6 (Kerstin Wendel)

10. Kann ich noch glauben?Jesaja 7,9 (Nahamm Kim)

11. Du rufst mich mit NamenJesaja 43,1 (Christiane Rösel)

12. Wenn Gott jauchztZefanja 3,17 (Vreni Theobald)

13. Glücklich ist, wer nicht an mir zweifeltMatthäus 11,6 (Else Diehl)

14. WegrandgedankenMarkus 10,47 (Milena Sêlemba)

15. Wem gehört dein Herz?Lukas 8,14 (Anke Pagel)

16. Ein geflügeltes WortLukas 9,23 (Doris Schulte)

17. Die Nacht ist da, dass was geschiehtJohannes 3,8 (Anja Neu-Illg)

18. Wenig – aber genugJohannes 6,9+11 (Erzsébet Komlosi)

19. Zu wem sonst sollte ich gehen?Johannes 6,67-68 (Margitta Rosenbaum)

20. Nichts kann mich trennen …Römer 8,38-39 (Andrea Schneider)

21. Gnade macht gratis graziös1. Korinther 15,10a (Karin Ackermann-Stoletzky)

22. Wenn schon, denn schonPhilipper 4,6 (Marion Buchheister)

23. Welche Inschrift trägt mein Lebenshaus?Philipper 4,13 (Sabine von Krosigk)

24. Christus in mirKolosser 1,27b (Susanna Oppliger)

25. Mut – Initialzündung zur Veränderung2.Timotheus 1,7 (Nicole Witzemann)

Zum Schluss

Vorwort

Lebensworte – Wenn Gott mein Herz berührt!

Wie ist das, wenn Gott redet? Passiert das eigentlich heute noch und wenn ja, wie? In diesem Buch erzählen 25 Frauen ihre Geschichten. Aber wie trifft mich ein Wort der Bibel wirklich in der Tiefe meines Herzens? Planen kann ich es nicht, oft kommen diese Worte überraschend – aber immer wieder sind es Antworten auf Fragen, die einzelne Frauen Gott sehr konkret gestellt haben.

Ein Lebenswort, das mein Herz berührt, ist immer ein lebendiges Wort – ich bleibe nicht unbeteiligt. Je mehr ich mich damit beschäftige und mich auf dieses Wort einlasse, desto mehr spüre ich, wie viel es mit mir und meiner Geschichte zu tun hat. Oft ist es in einer besonderen Situation aufgetaucht und wurde dann zu einem guten Begleiter. Manchmal werden mir zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Dinge daran wichtig. Und so ein Lebenswort ist etwas sehr Persönliches und entzieht sich aller Bewertung. Hier wird ein Mensch angesprochen und hört, was Gott ihm zu sagen hat.

Die Bibel zeigt es uns immer wieder: Gott ist nicht stumm geblieben, er hat gesprochen. Und das nicht nur damals, sondern durch die Jahrhunderte bis heute. Manchmal ist mir dieser Gedanke so vertraut, dass er mich kaum noch richtig staunen lässt. Wie schade, denn welch ein großer Reichtum liegt darin. Wie viele gute und ermutigende Erfahrungen könnte ich machen, wenn ich mich darauf einlasse!

Während der Arbeit an diesem Buch teste ich es gerade wieder einmal selbst: Wie ist das, wenn ich hören möchte, was Gott mir sagt? Wie erfahre ich seine Hilfe für die nächsten Schritte? „Dein Wort leuchtet mir dort, wo ich gehe; es ist ein Licht auf meinem Weg“ (Psalm 119,105 NGÜ). Dieser bekannte Vers ist das Motto des internationalen Bibellesebundes (Scripture Union). Dass mich gerade dieses Wort aktuell tröstet und ermutigt, habe ich so nicht erwartet.

Besonders freue ich mich über die großartige Mischung von Autorinnen, die an diesem Buch mitgeschrieben haben. Es trägt die Handschrift von vielen unterschiedlichen Frauen. Darin spiegelt sich der Bibellesebund national und international wider; und es sind Frauen beteiligt, die als Autorinnen und Referentinnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs sind. Mich begeistern ihre ehrlichen und echten Geschichten. Viele Fragen stecken darin, manche Nöte und persönlichen Kämpfe werden deutlich. Dennoch läuft nichts ins Leere. Gott spricht tatsächlich heute noch – davon berichten die Autorinnen dieses Buches.

Ich wünsche Ihnen ein spannendes Lesevergnügen und manche überraschende Entdeckung!

Marburg, am 1. Juli 2012

Christiane Rösel

1.Einladung zum Leben

von Janet Morgan

Halte den Ruhetag in Ehren, den siebten Tag der Woche! Er ist ein heiliger Tag, der dem Herrn gehört. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Tätigkeiten verrichten; aber der siebte Tag ist der Ruhetag des Herrn, deines Gottes. An diesem Tag sollst du nicht arbeiten, auch nicht dein Sohn oder deine Tochter, dein Sklave oder deine Sklavin, dein Vieh oder der Fremde, der bei dir lebt.

Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer mit allem, was lebt, geschaffen. Am siebten Tag aber ruhte er. Deshalb hat er den siebten Tag der Woche gesegnet und zu einem heiligen Tag erklärt, der ihm gehört.

2. Mose 20,8-11

Meine Eltern kamen kurz nach meiner Geburt zum lebendigen Glauben. Während meiner Kindheit in den USA waren die wöchentlichen Gemeindebesuche, der Kindergottesdienst und die Teilnahme an Gebetsstunden sehr wichtig. Sonntage waren außerdem Ruhetage für uns als Familie. Nach dem sonntäglichen Mittagessen hatten meine Eltern die Angewohnheit, ein Nickerchen zu halten, während wir Kinder draußen mit anderen Kindern aus der Nachbarschaft spielten. Einer der ersten Bibelabschnitte, die wir auswendig lernten, waren die zehn Gebote. Für mich als Kind war es dieser Rhythmus des Gemeindebesuches und des sonntäglichen Ausruhens, der ein Ausdruck für das Einhalten des Sabbats war.

Im jungen Erwachsenenalter zog ich nach Großbritannien, wo das Sabbatgebot – also der arbeitsfreie Sonntag für uns Christen – eine noch wichtigere Grundlage sowohl im gemeindlichen als auch im gesellschaftlichen Leben war. Die Läden waren geschlossen und viele Gemeindemitglieder verrichteten keine Haushaltsarbeiten (wie zum Beispiel das Wäschewaschen), manche schauten nicht einmal Fernsehen. Dieser Tag war dem Herrn geweiht, und das musste eingehalten werden. Im Laufe der Jahre veränderte sich hier etwas, da Geschäfte nun auch sonntags geöffnet hatten. Christen steckten in einem Dilemma und viele hatten Schwierigkeiten mit dem Einhalten ihrer langjährigen sonntäglichen Tradition. Andererseits breitete sich innerhalb der Gemeinden eine gelassenere und weniger gesetzliche Grundhaltung aus.

Durch meine Arbeit in der Gemeinde und später bei Scripture Union (das ist die englische Bezeichnung für den Bibellesebund weltweit) empfand ich es persönlich zunehmend schwieriger, am Gottesdienst teilzunehmen und auch zur Ruhe zu kommen. Es gab Zeiten, in denen ich mich fragte, wie ich denn nur den Ruhetag in Ehren halten könnte. Manchmal fühlte ich mich ziemlich schuldig. Ich versuchte sicherzustellen, zumindest das Bibellesen und Beten beizubehalten, aber das war trotzdem nicht dasselbe. Meine Arbeit mit Scripture Union führte mich nach Australien, wo man eine noch legerere Einstellung zum Sonntag zu haben schien. Sonntage wurden auch als Familienzeiten betrachtet und waren oft angefüllt mit Aktivitäten für die ganze Familie.

In dieser Zeit wurden mir Jesu Lehre und sein Handeln in Bezug auf den Sabbat zu einer Herausforderung und stellten mein eigenes Verständnis in Frage. Mir war bewusst, dass dieser Tag einen besonderen Charakter haben und sich von anderen Tagen unterscheiden sollte. Aber was meinte Jesus, wenn er sagte: „Gott hat den Sabbat für den Menschen geschaffen, nicht den Menschen für den Sabbat. Also ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat; er hat zu bestimmen, was an diesem Tag getan werden darf“ (Markus 2,27-28).

In meiner Suche nach einem tieferen Verständnis des Sabbat-Konzeptes aus der Sicht sowohl des Alten als auch des Neuen Testamentes entschloss ich mich zur Teilnahme an einem besonderen Seminar zu diesem Thema. Es wurde von einer jungen jüdischen Rabbinerin geleitet. Hier begann ich, ein neues Verständnis vom wahren Geist des „Schabbat“ zu gewinnen. Die meisten ihrer Gedanken stammten von einem Autor namens Abraham Joshua Heschel.

Der „Schabbat“ ist dafür vorgesehen, uns wieder mit dem natürlichen Rhythmus der Schöpfung in Einklang zu bringen. Dazu gehören Tag und Nacht, die Gezeiten, die Jahreszeiten und sogar unser Herzschlag. Wenn diese Schöpfungsrhythmen ernsthaft unterbrochen werden, ist das lebensbedrohlich oder tödlich. Das Einhalten des Sabbats gibt Gott die Möglichkeit, den natürlichen Schöpfungsrhythmus in uns selbst und in unserem Lebensumfeld wiederherzustellen.

Wenn wir denken, dass wir in unserem Leben alles in der Hand haben, erkennen wir im „Schabbat“ immer wieder neu, dass Gott es ist, der alles in der Hand hat. Ich stoße an meine Grenzen und öffne mich für Gottes Handeln. Es gibt mir die Möglichkeit, den wahren Zustand der Dinge wahrzunehmen und nicht danach zu streben, diese zu verändern. Das Einhalten des Sabbats bedeutet, zu ruhen und mich selbst wieder einmal ganz in Gottes Hände zu geben.

Der „Schabbat“ enthält auch ein Element der Befreiung. In 5. Mose 5,15 finden wir einen zusätzlichen Grund für das Einhalten des Sabbats. Gott erinnert sein Volk daran, dass sie Sklaven in Ägypten waren, und an seine große Tat der Befreiung aus der Sklaverei. Das Einhalten des Sabbats bedeutet, uns an die Freiheit zu erinnern, die Gott uns schenkt. Wir leben als sein Volk – befreit aus aller Macht der Sklaverei.

Juden feiern ihren „Schabbat“ fröhlich und mit köstlichem Essen. Kein Druck, kein Zwang – ein fröhliches Fest.

In diesem kurzen zweitägigen Seminar begann ich, den Sabbat und die vertrauten Bibelabschnitte in 2. Mose und im Markusevangelium in einem völlig neuen Licht zu sehen. Jesus ist wahrhaftig „Herr über den Sabbat“ und der Sabbat „für den Menschen geschaffen“. Als Christen feiern wir unseren Sonntag als einen Tag der Auferstehung unseres Herrn.

Erst vor Kurzem bin ich zurück nach Großbritannien gezogen und habe eine sehr hektische Zeit des Umzugs und Einrichtens eines neuen Zuhauses durchlebt, inmitten all der Anforderungen meines Dienstes bei Scripture Union. Eine meiner Prioritäten ist es, eine Heimatgemeinde zu finden und einen Hauskreis, in dem ich mich zugehörig fühlen kann. So habe ich es auch in Australien gehalten. Dies ist ausschlaggebend dafür, dass ich den Sabbat innerhalb einer örtlichen Glaubensgemeinschaft heilige. Zusätzlich dazu muss ich sicherstellen, dass ich auch inmitten eines vollen Terminplanes regelmäßige Auszeiten der „Sabbat-Ruhe“ wahrnehme.

In alledem halte ich den wahren Geist des „Schabbat“ lebendig: Wenn ich erkenne, dass nicht ich, sondern Gott alles in der Hand hält, und danach strebe, in jenen Lebensrhythmus zurückzugelangen, für den Gott uns erschaffen hat. Aber auch, wenn ich mich von den mich so leicht umgarnenden Dingen befreien lasse und die Freiheit feiere, die durch die Auferstehung Jesu Wirklichkeit wird – durch den „Herrn über den Sabbat“.

Janet Morgan ist in den USA geboren, studierte Schauspielkunde, Mathematik und Erziehungswissenschaften, sie arbeitete bei Scripture Union (englische Bezeichnung für den Bibellesebund) in England und Australien, seit 2004 ist sie internationale Direktorin von Scripture Union

2.Eine Antwort direkt vom Himmel

von Silke Stattaus

Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst!

Josua 1,9

Etwas muss sich ändern, so geht es nicht weiter! Das ist meine Situation Anfang des Jahres 2000: Unsere vier Söhne sind im Teenageralter, gut beschäftigt mit Schule, Ausbildung, Sport und Jugendkreis. Nach wie vor brauchen sie mich noch. Mein Mann muss seit Kurzem in Schichten arbeiten. Manchmal fährt er sogar mehrere Wochen auf Montage. Ich arbeite halbtags in einer kleinen Physiotherapiepraxis und muss zu jeder Tageszeit für Hausbesuche bereitstehen. Auf unsere Kinder darf ich keine Rücksicht nehmen. Die Arbeit geht vor.

Gleichzeitig nehmen die Frühstückstreffen für Frauen in den neuen Bundesländern an Fahrt auf. Und auch der Leitungskreis unserer Landeskirchlichen Gemeinschaft, zu dem ich gehöre, überlegt, wie es im Gemeindebau vorwärtsgehen kann. Überall mische ich kräftig mit. Doch eines Tages wird mir bewusst: So geht es nicht weiter! Die Arbeit wächst mir über den Kopf. Ich gehe nur noch ungern in die Praxis, Patienten und Kollegen nerven mich. Alle Vorbereitungen für unser Frühstückstreffen und die Gemeindearbeit werden zum Pflichtprogramm. Meine Familie – die Menschen, die ich am meisten liebe – spürt meine Unzufriedenheit natürlich zuerst, und sie kriegt einiges davon ab.

Ich gehe zu meiner Freundin und heule ihr die Ohren voll: „Was soll ich nur machen? Ich halte den Druck nicht mehr aus!“ Sie gibt mir einen guten Rat: „Überlege dir alles, was du machst. Schreib zwei Spalten auf ein Blatt Papier. In die linke kommt, was besonders wichtig ist in deinem Leben. Und in die rechte das, was zweitrangig ist, was du eventuell auch lassen könntest.“ Gute Idee, denke ich und mache mich sofort an die Arbeit: Mein Mann, unsere Kinder, meine Gemeinde – die sind mir alle wichtig! Klar, da will ich nichts ändern. Ein persönliches und geistliches Zuhause brauche ich.

Und die Frühstückstreffen? Die fangen eben erst an zu wachsen. Da möchte ich dabei sein. Außerdem habe ich für einen Bereich gerade erst die Verantwortung übernommen. Den will ich nicht gleich wieder abgeben. So kommen Familie, Gemeinde und Frühstückstreffen in die linke Spalte. Und wie sieht es aus mit meinem Halbtagsjob als Physiotherapeutin? Doch, ich arbeite gerne in meinem Beruf. Wozu habe ich sonst noch eine Zusatzausbildung gemacht? Da kann ich vielen Menschen helfen. Und das Geld brauchen wir auch. Aber der ständige Druck! Immer bereitstehen, wenn irgendjemand ruft – egal, ob die Familie mich braucht oder nicht. Das macht mir sehr zu schaffen. Außerdem habe ich in letzter Zeit fast täglich Schmerzen in meinen Gelenken. Seit Jahren spüre ich die körperliche Belastung. Lange geht das sowieso nicht mehr gut. Also schreibe ich meine Arbeit in die rechte Spalte.

Was bedeutet das jetzt? Soll ich meine Arbeit aufgeben? Ich spreche mit meinem Mann darüber. Er nimmt mich in den Arm und sagt: „Egal, was du machst. Ich trage alles mit. Hauptsache, du wirst wieder glücklich!“ Das entlastet mich, aber die Antwort habe ich damit noch immer nicht. Meine Freundin ermutigt mich, Gott um ein klares Wort, z.B. in Form eines Bibelverses zu bitten. Ein Wort, das mir die Richtung zeigt und an das ich mich auch in schwierigen Zeiten halten kann. Sie hat damit gute Erfahrungen gemacht. Also fange ich an, für so ein persönliches Wort zu beten.

Keine zwei Wochen später gehe ich morgens an unseren Briefkasten und hole die Post. Ein großer Umschlag ist dabei. Noch auf dem Weg in die Küche öffne ich ihn. Plötzlich fällt ein kleines Kärtchen heraus. Darauf steht: „Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht. Der Herr, dein Gott ist mit dir in allem, was du tun wirst.“ Und darunter ein Zitat von Helder Camara: „Hoffen heißt, den Sprung ins Ungewisse tun und sich ganz Gott überlassen.“ Mein Herz beginnt heftig zu klopfen! Dieses Kärtchen ist für mich! Direkt vom Himmel geschickt! Ich zweifle keinen Moment daran! Erst am Küchentisch fällt mir ein, dass ich doch einmal nachsehen sollte, von wem der Brief überhaupt kommt! Wer hat ihn abgeschickt und wer weiß von meinem Anliegen? Ich schaue auf den Umschlag. Da wird mir ganz schlecht. Der Brief ist gar nicht für mich. Er ist für unseren ältesten Sohn Sebastian. Und ich habe ihn einfach aufgemacht! Wie komme ich nur dazu? Das mache ich doch sonst nicht! Und wer ist der Absender? Der Brief wurde in Kassel von der Geschäftsstelle des Jugendbundes „Entschieden für Christus“ (EC) mit Informationen für den Jugendkreis abgeschickt. In der Versandstelle arbeitet gerade unser zweiter Sohn Friedemann als „Zivi“. Warum hat er wohl dieses Spruchkärtchen in den Umschlag gesteckt? Das ist doch gar nicht seine Art. Fragen über Fragen. Und doch siegt die feste Überzeugung: Diese beiden Worte sind für mich!

Nachmittags bitte ich Sebastian erst einmal um Entschuldigung, weil ich seine Post geöffnet habe. Er lacht und nimmt es auf die leichte Schulter! „War ja kein persönlicher Brief“, meint er. „Wenn der wüsste“, denke ich schmunzelnd …!

Abends erzähle ich meinem Mann von meinem Erlebnis am Vormittag. Wir überlegen gemeinsam, was es heißt: den Sprung ins Ungewisse zu wagen. Für mich steht fest: Das bedeutet, meine Arbeit zu kündigen. Ungewissen Zeiten entgegenzugehen, mit offenen Augen und klarem Verstand. Und darauf hoffen, dass Gott mit uns ist und unsere Situation sieht.

Mein Mann zögert. Eine so weitreichende Entscheidung auf diese Weise treffen? Ist das nicht ein bisschen blauäugig? Klar steht er hinter mir, wie er es versprochen hat. Aber er sieht auch ganz nüchtern die wirtschaftlichen Aspekte. Wir brauchen noch ein paar Tage, um ganze Klarheit zu bekommen. Wir beten, reden miteinander und wägen die verschiedenen Aspekte ab. Doch dann liegt der neue Weg deutlich vor uns: Ich werde meine Arbeit kündigen, mich „hauptamtlich ehrenamtlich“ engagieren und unseren Familienalltag neu sortieren.

So schnell und einfach, wie ich es hier beschreibe, ging das nicht. Manchmal kommen mir bis heute Zweifel, ob meine Entscheidung richtig war. Doch immer wieder – und meist ganz schnell – siegt die Überzeugung, dass Gott deutlich zu mir gesprochen hat und uns und unseren Weg im Blick behält. Als ich kündige, wird mein Herz noch einmal schwer. Ich liebe die Physiotherapie und mag meine Patienten. Im Stillen hoffe ich, dass ich doch irgendwann mal wieder in meinem Beruf arbeiten kann. Aber das ist im Moment nicht dran. Gott hat meine Gebete um Wegweisung erhört. Darüber bin ich froh, und es macht mich zuversichtlich. Schon beim Planen der nächsten Schritte fühle ich, wie auch neue Kraft und Lebensfreude in mir wachsen.

Dieser Sprung ins Ungewisse ist zwölf Jahre her. Bisher habe ich es keinen Tag wirklich bereut. Manchmal gibt es wirtschaftlich angespannte Zeiten. Aber dann überrascht uns Gott auf seine Art. Immer wieder gibt es Menschen, die uns nach ihren Möglichkeiten unterstützen. In der Zwischenzeit sind neue Aufgabenbereiche dazugekommen, mit denen ich auch wieder etwas zum Haushaltsbudget beitragen kann. So spüren wir täglich, wie Gott uns ermutigt, getrost und zuversichtlich zu sein, weil er mit uns ist.

Und wie ist nun das besagte Kärtchen in den Umschlag gekommen? „Ich weiß es nicht!“, sagt unser Sohn Friedemann, als ich ihn danach frage. Er hat es nicht hineingesteckt. So bleibt es bis heute ein Geheimnis zwischen Himmel und Erde. Ich sehe es als eine Antwort von Gott – direkt aus dem Himmel. Und dabei spielt es für mich keine Rolle, durch welchen irdischen Versand mir diese Antwort zugestellt wurde.

Silke Stattaus