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Untersuchen - Ausführliche Darstellung der Gerätetechnik und Gerätefunktion - Erlernen der Technik, Bewegungsmechanik, Luftinsufflation, Spülung... - Checkliste zur Untersuchungsvorbereitung, Patientenaufklärung, Begleitmedikation Befunden - Über 1200 brillante vierfarbige Abbildungen - Sicherheit durch charakteristische Referenzbilder - Alle normalen und pathologischen Veränderungen Behandeln - Alle interventionellen therapeutischen Möglichkeiten - Wertvolle Tipps zur praktischen Durchführung - Berücksichtigung der aktuellen DGVS-Leitlinien Neu in der 2. Auflage - Online abrufbar: instruktive Abbildungen und Filme - Eigene Kapitel zur Proktologie, Pathologie und Kapselkoloskopie - Kommentare des Pathologen - Tipps und Tricks für eine optimale Koloskopie
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Seitenzahl: 612
Veröffentlichungsjahr: 2014
Lehratlas der Koloskopie
Das Referenzwerk zur Untersuchungstechnik und Befundinterpretation
Helmut Messmann
Matthias Anthuber, Hans Arnholdt, Georg Aumann, Maximilian Bittinger, Alanna Ebigbo, Stefan Karl Gölder, Christian Golling, Gertrud Jechart, Bruno Märkl, Alexander Meier, Andreas Probst, Reinhard Scheubel
2., aktualisierte Auflage
1250 Abbildungen
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
als wir genau vor 10 Jahren die erste Auflage unseres Koloskopiebuches herausgaben, war uns nicht bewusst, dass dieses Buch auf so große und positive Resonanz bei der Fachwelt stoßen würde.
Mittlerweile ist unser „Lehratlas der Koloskopie“ in 4 verschiedenen Sprachen übersetzt und gehört damit zu den weltweit am meisten gekauften Koloskopiebüchern.
Wir haben an unserem Konzept festgehalten, dass das Buch von Autoren, die allesamt am Endoskopiezentrum des Klinikums endoskopieren, geschrieben wurde. Unterstützt wurden wir diesmal zusätzlich von unseren Kollegen der Viszeralchirurgie und Pathologie.
Das Augsburger Endoskopie-Team, das mehr als 13 000 Endoskopien im Jahr mit einer Vielzahl von interventionellen Eingriffen durchführt, verfügt über einen sehr großen Erfahrungsschatz, der uns stimuliert hat, die 1. Auflage unseres Buches komplett zu überarbeiten.
Mit unserer 2. Auflage war es uns wichtig, alle Neuigkeiten und Innovationen der letzten 10 Jahre auf dem Gebiet der diagnostischen und therapeutischen Koloskopie mit aufzunehmen. Neben der klassischen Chromoendoskopie spielt auch die virtuelle Chromoendoskopie eine immer größere Rolle in der Detektion und Differenzierung von kolorektalen Neoplasien. Da die Vorsorgekoloskopie seit 2002 in Deutschland einen wesentlichen Beitrag zur Darmkrebsprävention trägt, werden auch wichtige Tipps und Tricks für eine optimale Koloskopie gegeben. Neu integriert haben wir ein separates Kapitel zur Kapselkoloskopie sowie zur Proktologie.
Auch im Bereich der therapeutischen Koloskopie gab es sehr viele interessante neue Entwicklungen, die in den letzten Jahren zunehmend aus Japan kamen. Gerade neue Techniken der Mukosaresektion wie die endoskopische Submukosadissektion (ESD) erfahren derzeit viel Interesse in der Fachwelt.
Neu ist auch die Rubrik mit histopathologischen Befunden und wichtigen pathologischen Statements.
Wie schon in der ersten Auflage war es unser Ziel, den Leser mit qualitativ hochwertigen Bildern, die mit der neusten Gerätegeneration aufgenommen wurden, zu faszinieren.
Das Buch wendet sich zum einen an Kollegen, die die Koloskopie erlernen möchten, spricht aber auch erfahrene Gastroenterologen an, die bereits koloskopisch tätig sind, und versucht hier, Tipps und Tricks – von erfahrenen Mitarbeitern didaktisch aufbereitet – zu vermitteln.
Ich hoffe, wir können unseren Lesern einen Atlas mit zahlreichen interessanten Befunden und Bildern zum Erlernen und zur Weiterbildung in der Koloskopie mit auf den Weg geben.
Danken möchte ich schon jetzt allen Lesern der 1. Auflage, die uns zahlreiche wichtige Tipps und Hinweise gaben, damit die 2. Auflage qualitativ noch besser wird. Mein Dank gilt insbesondere aber meinen Mitarbeitern, die mit Begeisterung und Enthusiasmus dieses Werk vorantrieben, sowie Prof. Anthuber und Prof. Arnholdt und ihren Teams.
Zu guter Letzt möchte ich aber auch dem Thieme Verlag und seinen Mitarbeitern meinen Dank aussprechen, die uns in bewährter Weise professional unterstützten und uns immer geduldig mit Rat und Tat zur Seite standen.
Ich wünsche Ihnen viel Spass bei der Lektüre des Buches und freue mich schon jetzt über Ihr Feedback.
Herzliche Grüße, Ihr Helmut Messmann
Augsburg, Herbst 2014
Vorwort
Teil I Allgemeines
1 Allgemeines zur Untersuchung
1.1 Endoskopie des Kolons
1.2 Indikationen und Kontraindikationen
1.3 Untersuchungsvorbereitung
1.4 Komplikationen und Risiken
1.5 Allgemeine Prinzipien
1.6 Anatomie des Kolons
1.7 Literatur
2 Untersuchungstechnik und Koloskopiearbeitsplatz
2.1 Erlernen der Untersuchungstechnik
2.1.1 Gerätekunde
2.1.2 Bedienung des Endoskops
2.1.3 Lernschritte am Patienten
2.2 Koloskopiearbeitsplatz
2.2.1 Raumgestaltung
2.2.2 Aufbereitung der Endoskope, Hygienestandards
2.2.3 Röntgenverordnung
2.3 Literatur
3 Moderne endoskopische Techniken
3.1 Digitale Strukturverstärkung
3.2 Vergrößerungs- oder Zoomendoskopie
3.3 Chromoendoskopie
3.3.1 Farbstoffe
3.3.2 Narrow Band Imaging (NBI)
3.3.3 FICE (Fuji Intelligent Color Enhancement) und I-Scan
3.4 Fluoreszenzendoskopie
3.5 Koloskope mit erweitertem Blickwinkel
3.6 Endomikroskopie und Endozytoskopie
3.6.1 Konfokale Laserendomikroskopie
3.6.2 Probe-based konfokale Laserendomikroskopie
3.6.3 Endoskopische konfokale Laserendomikroskopie
3.6.4 Endozytoskopie
3.7 Kapselkoloskopie
3.7.1 Darmkrebsvorsorge
3.7.2 Einsatz nach unvollständiger Koloskopie
3.7.3 Colitis ulcerosa
3.8 Literatur
4 Pathologie
4.1 Gewebe-Handling durch den Gastroenterologen
4.2 Zusätzliche Untersuchungen
4.3 Nomenklatur von Kolonbiopsien
Teil II Normaler Untersuchungsgang und Normalbefund
5 Vor Beginn der Untersuchung
5.1 Aufklärung des Patienten
5.2 Sedierung und Medikamente
5.2.1 Analgosedierung
5.2.2 Andere Medikamente/Endokarditisprophylaxe
5.3 Patienten mit oraler Antikoagulation, Thrombozytenaggregationshemmung oder Blutgerinnungsstörung
5.4 Patienten mit Herzschrittmacher/Defibrillator oder Metallimplantat
5.5 Lagerung des Patienten
5.6 Ambulante Koloskopie
5.7 Tipps und Tricks für eine optimale Koloskopie
5.7.1 Schmerzfreiheit
5.7.2 Erhöhung der Polypendetektionsrate
5.8 Literatur
6 Einführen des Endoskops und Vorspiegeln im Kolon
6.1 Inspektion und Palpation
6.1.1 Inspektion
6.1.2 Palpation
6.2 Passage des Analsphinkters
6.3 Einführen des Geräts bei postoperativen Zuständen (Anus praeter)
6.3.1 Untersuchungsmöglichkeiten
6.3.2 Inspektion und Palpation
6.3.3 Einführen und Vorspiegeln
6.4 Vorspiegeln im Sigma (Sigmoidoskopie)
6.4.1 Normales Vorgehen
6.4.2 „Blindes Vorschieben“ und Umlagerung
6.4.3 Bogen- und Schleifenbildung
6.5 Weiteres Vorspiegeln bis zur rechten Kolonflexur
6.5.1 Sigma-Deszendens-Übergang
6.5.2 Linke Kolonflexur
6.5.3 Colon transversum
6.5.4 Rechte Kolonflexur
6.6 Proximales Kolon
6.6.1 Zökumboden
6.7 Intubation der Ileozökalklappe und terminales Ileum
6.7.1 Technik der Klappenintubation
6.8 Schleifenbildung und Technik des Schienens
6.8.1 Einfacher Sigmadruck in Linksseitenlage
6.8.2 Einfacher und kombinierter Sigmadruck in Rückenlage
6.8.3 Transversumdruck
6.8.4 Druck an der rechten Flanke
6.8.5 Druck auf das Zökum
6.9 Positionsbestimmung des Geräts
6.9.1 Röntgendurchleuchtung
6.9.2 Magnetische Impulse
6.10 Rückzug des Endoskops und „blinde Stellen“
6.10.1 „Blinde Stellen“
6.11 Inversion im Rektum
6.12 Video
6.13 Literatur
7 Normalbefunde der einzelnen Darmabschnitte
7.1 Normales Rektum
7.2 Normales Sigma
7.3 Normales Colon descendens
7.4 Normales Colon transversum
7.5 Normales Colon ascendens
7.6 Normales Zökum und Ileozökalklappe
7.7 Das normale terminale Ileum
7.8 Literatur
8 Normaler postoperativer Befund
8.1 Kontinuitätswiederherstellung
8.2 Stoma
8.3 Literatur
Teil III Pathologische Befunde
9 Divertikulose und Divertikulitis
9.1 Divertikulose
9.1.1 Krankheitsbild
9.1.2 Diagnostik
9.1.3 Komplikationen der Divertikulose
9.1.4 Differenzialdiagnose
9.1.5 Therapie
9.2 Divertikulitis
9.2.1 Krankheitsbild
9.2.2 Diagnostik
9.2.3 Komplikationen
9.2.4 Differenzialdiagnose
9.2.5 Therapie
9.3 Literatur
10 Polypen und Polyposis
10.1 Polypen
10.1.1 Einteilungen
10.1.2 Histopathologische Einteilung
10.1.3 Krankheitsbild und klinische Bedeutung
10.1.4 Diagnostik
10.2 Polyposis-Syndrome
10.2.1 Adenomatöse Polyposis-Syndrome
10.2.2 Hamartomatöse Polyposis-Syndrome
10.3 Kontrolluntersuchungen
10.4 Literatur
11 Malignom
11.1 Klassifikation
11.1.1 Histopathologische Einteilung
11.2 Krankheitsbild und klinische Bedeutung
11.3 Diagnostik
11.4 Therapiestrategie
11.5 Endoskopie
11.5.1 11.3.1 Kolon-/Rektumkarzinom (Adenokarzinom)
11.5.2 Analkarzinom (Plattenepithelkarzinom)
11.5.3 11.3.3 Seltene Malignome im Kolon und im terminalen Ileum
11.6 Kontrolluntersuchungen
11.7 Literatur
12 Submuköse Tumoren
12.1 Einteilung
12.1.1 Histopathologische Einteilung
12.2 Krankheitsbild und klinische Bedeutung
12.3 Diagnostik und Therapie
12.4 Literatur
13 Kolitiden – chronisch entzündliche Darmerkrankungen und andere Darmentzündungen
13.1 Einteilung
13.1.1 Histopathologische Einteilung
13.2 Klinische Bedeutung der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED)
13.3 Rolle der Koloskopie
13.3.1 Indikationen zur Ileokoloskopie
13.4 Colitis ulcerosa
13.4.1 Pouchitis
13.4.2 Toxisches Megakolon
13.4.3 Kolitiskarzinom
13.5 Morbus Crohn
13.6 Abgrenzung der CED von den anderen Formen der Darmentzündung
13.7 Nicht klassifizierbare Form der chronisch entzündlichen Darmerkrankung
13.8 Infektiöse Kolitis
13.9 Strahlenkolitis
13.10 Ischämische Kolitis
13.11 NSAR-Kolitis
13.12 Diversionskolitis
13.13 Pseudomembranöse Kolitis
13.14 Seltene Kolitiden
13.14.1 Kolitis bei Morbus Behçet
13.14.2 Graft-versus-Host-Reaktion
13.14.3 Medikamenteninduzierte Kolitiden
13.15 Nicht einzuordnende Kolitis
13.16 Mikroskopische und Kollagenkolitis
13.17 Literatur
14 Untere gastrointestinale Blutung
14.1 Epidemiologie
14.2 Prognose und Verlauf
14.3 Diagnostik
14.4 Endoskopische Diagnostik
14.4.1 Akute untere gastrointestinale Blutung
14.4.2 Chronische untere gastrointestinale Blutung
14.5 Differenzialdiagnosen
14.5.1 Divertikel
14.5.2 Vaskuläre Ursachen
14.5.3 Kolitiden
14.5.4 Neoplasien
14.5.5 Anorektale Erkrankungen
14.6 Literatur
15 Gefäßmissbildungen und sonstige vaskuläre Läsionen
15.1 Angiodysplasie
15.1.1 Epidemiologie, Histologie und Pathogenese
15.1.2 Verlauf und Prognose
15.1.3 Diagnostik
15.1.4 Syndrome und Mitbeteiligung bei anderen Erkrankungen
15.2 Hämangiome
15.2.1 Epidemiologie
15.2.2 Histologie
15.2.3 Verlauf und Prognose
15.2.4 Diagnostik
15.2.5 Syndrome/Mitbeteiligung bei anderen Erkrankungen
15.3 Literatur
16 Melanosis coli
16.1 Krankheitsbild
16.2 Diagnostik
16.3 Therapie
16.4 Literatur
17 Seltene Diagnosen
17.1 Kaposi-Sarkom
17.1.1 Definition und Einteilung
17.1.2 Diagnostik
17.1.3 Therapie
17.2 Lymphom bei HIV-Infektion
17.3 Ileitis
17.4 Endometriose
17.5 Amyloidose
17.6 Non-Hodgkin-Lymphome
17.7 Pneumatosis cystoides intestinalis
17.7.1 Krankheitsbild
17.7.2 Diagnostik
17.7.3 Therapie
17.7.4 Kontrolluntersuchungen
17.8 Literatur
Teil IV Interventionelle Endoskopie
18 Polypektomie und Mukosektomie
18.1 Indikation und Kontraindikation
18.2 Vorbereitung zur Polypektomie und Mukosektomie
18.3 Instrumentarium
18.4 Durchführung der Polypektomie
18.4.1 Kleine Polypen
18.4.2 Gestielte Polypen
18.4.3 Sessile Polypen
18.5 Durchführung der Mukosektomie
18.6 Durchführung der endoskopischen Submukosadissektion (ESD)
18.7 Vorgehen beim maligne entarteten Polypen (Frühkarzinom)
18.8 Bergung abgetragener Polypen
18.9 Komplikationen nach Polypektomie oder Mukosektomie
18.10 Kontrolluntersuchungen nach Polypektomie
18.11 Videos
18.12 Literatur
19 Interventionelle Tumortherapie
19.1 Pathologie der malignen Kolontumoren
19.2 Indikationen der endoskopischen Tumortherapie
19.3 Methoden der endoskopischen interventionellen Tumortherapie
19.3.1 Thermische Therapie
19.3.2 Dekompressionssonden
19.3.3 Metallgitterstents
19.4 Video
19.5 Literatur
20 Blutstillung
20.1 Injektion
20.2 Topische Substanzen
20.3 Mechanische Methoden
20.3.1 Clips
20.3.2 Ligaturen
20.4 Thermische Verfahren zur Blutstillung
20.4.1 Argon-Plasma-Koagulation (APC)
20.5 Video
20.6 Literatur
21 Therapie benigner Stenosen
21.1 Definition und Ursachen
21.2 Literatur
22 Fisteln und postoperative Nahtinsuffizienzen
22.1 Fisteln
22.2 Anastomoseninsuffizienz/postoperative Nahtinsuffizienz
22.3 Diagnostik
22.4 Endoskopisch-therapeutische Interventionen
22.4.1 Fistelverschluss und Insuffizienzbehandlung mit Fibrin
22.4.2 Clips
22.4.3 Endoskopische Spülung
22.4.4 Endoskopische Vakuumtherapie (EndoVAC/Endoschwamm/Endo-Sponge)
22.4.5 Stents
22.5 Literatur
23 Fremdkörperentfernung
23.1 Verschluckte Fremdkörper
23.2 Iatrogen eingebrachte Fremdkörper
23.3 Ins Rektum eingeführte Fremdkörper
23.4 Endoskopische Fremdkörperentfernung aus dem Kolon und Rektum
23.5 Literatur
24 Dekompressionssonden bei Lumenerweiterung
24.1 Akute Pseudoobstruktion des Kolons
24.1.1 Ätiologie und Pathophysiologie
24.1.2 Klinik, Komplikationen, Prognose
24.1.3 Diagnostik
24.1.4 Therapie
24.2 Mechanische Obstruktion: Volvulus
24.2.1 Pathogenese
24.2.2 Klinik
24.2.3 Diagnostik
24.2.4 Endoskopische Therapie
24.3 Literatur
Teil V Proktologie
25 Anorektale Erkrankungen
25.1 Proktologische Untersuchung
25.2 Perianalvenenthrombose
25.3 Analfissur
25.4 Hämorrhoiden und Analprolaps
25.5 Innerer Rektumprolaps und Rektozele
25.5.1 Äußerer Rektumprolaps
25.6 Analabszess und Analfistel
25.6.1 Rektovaginale, anovaginale Fisteln
25.7 Erkrankungen der Haut
25.7.1 Analekzem
25.7.2 Acne inversa
25.7.3 Pilonidalsinus
25.8 Tumoren
25.8.1 Anale und perianale intraepitheliale Neoplasie: AIN/PAIN
25.8.2 Analkarzinom
25.8.3 Adenokarzinom des Analkanals
25.8.4 Anorektales Melanom
25.9 Literatur
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum
1 Allgemeines zur Untersuchung
2 Untersuchungstechnik und Koloskopiearbeitsplatz
3 Moderne endoskopische Techniken
4 Pathologie
G. Jechart
Die Faszination der Darmspiegelung resultiert aus der einzigartigen Möglichkeit, die Schleimhautoberfläche im unteren Gastrointestinaltrakt direkt zu betrachten und vor Ort Eingriffe unter visueller Kontrolle durchzuführen. Seit den Anfängen der Koloskopie 1971 haben inzwischen mehrere Generationen gastroenterologisch tätiger Ärzte diese Vorteile zu schätzen gelernt und arbeiten mit den Industriefirmen gemeinsam an einer stetigen Optimierung der technischen Möglichkeiten. Die Endoskopie bleibt jedoch auch heute eine Untersuchungsmethode, die manuelle Geschicklichkeit und Konzentration erfordert. Die korrekte Befundinterpretation setzt eine gute Ausbildung und Erfahrung voraus. Es gelingt dem erfahrenen Untersucher, in über 90% das Zökum zu erreichen und in den meisten Fällen auch das terminale Ileum zu intubieren. Schwierigkeiten bereiten insbesondere ein mobiles und elongiertes Sigma und Colon transversum sowie postoperative Darmfixationen u. a. Verwachsungen. In der Regel ist mit einem Zeitaufwand von 30 Minuten für die gesamte Untersuchung zu rechnen, wobei ein zügiges Vorspiegeln bis zum Zökum erstrebenswert ist, aber eine sorgfältige Inspektion aller Kolonabschnitte beim Geräterückzug die Qualität der Untersuchung bedingt und minimal 6 Minuten betragen sollte. Die Anzahl der entdeckten Adenome im Durchschnitt aller Koloskopien stellt ebenfalls ein Qualitätsmerkmal für den Untersucher dar und wird derzeit bei Frauen in 15% und Männern über 50 Jahre in 25% erwartet ▶ [1], ▶ [2].
Indikationen Die Früherkennung neoplastischer Läsionen nimmt einen hohen Stellenwert im Bereich der ambulanten Koloskopie ein. Nach den Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen ▶ [3] und den Empfehlungen der S3-Leitlinie zum kolorektalen Karzinom ▶ [4] sollte die Koloskopie als Krebsvorsorge in der Allgemeinbevölkerung ab dem Alter von 55 Jahren alle 10 Jahre durchgeführt werden. Liegt ein familiäres Risiko oder eine zum Karzinom prädisponierende Erkrankung vor, gelten spezielle Vorgaben zur Erstkoloskopie und Folgeuntersuchungen (▶ Tab. 1.1). In Kenntnis der Adenom-Karzinom-Sequenz nach Vogelstein und nach großen Kohortenstudien in den USA und Europa bleiben keine Zweifel an der Effektivität der endoskopischen Polypenabtragung zur Karzinomprävention ▶ [5]. Da sich die proximalen Karzinome dem Blickfeld der Sigmoideoskopie entziehen, sollte für diese Indikation stets die Empfehlung zur hohen Koloskopie gegeben werden ▶ [6].
Weitere Indikationen umfassen die klinische Verdachtsdiagnose einer Colitis, die hinsichtlich ihres endoskopischen Erscheinungsbildes und einer histologischen Charakterisierung differenzialdiagnostisch zugeordnet werden soll. Liegen in bildgebenden Verfahren wie Sonografie (▶ Abb. 1.1) oder CT/MRT wandverdickte Darmabschnitte vor, bietet sich die Koloskopie zur Abgrenzung entzündlicher, ischämischer oder neoplastischer Veränderungen an. Veränderungen der Stuhlgewohnheiten und eine zunehmende Obstipationsneigung sollten Anlass sein, nach einer Einengung des Darmlumens zu suchen, z. B. durch eine Neoplasie, eine divertikelassoziierte Myochose (Verdickung der Ringmuskelschicht) oder durch eine postentzündliche Striktur. Peranaler Blutabgang im Notfallmanagement und Eisenmangelanämie im diagnostischen Algorithmus zur Suche nach einer Blutungsquelle im unteren Gastrointestinaltrakt stellen ebenso wie der ungewollte Gewichtsverlust eine häufige Indikation zur Koloskopie dar.
Merke
Indikationen zur Koloskopie
Früherkennung kolorektaler Neoplasien
Postpolypektomie-Surveillance
Primärtumorsuche bei unklaren Metastasen
Diarrhö
Obstipation
abdominelle Schmerzen
ungewollter Gewichtsverlust
pathologische Wandverdickung des Kolons in Sono/CT/MRT
peranaler Blutabgang, Eisenmangelanämie
Dysplasie-Screening bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
Abb. 1.1 Indikation zur Koloskopie: verdickte Darmwand im Colon ascendens bei der Ultraschalluntersuchung.
Kontraindikationen Trotz verbesserter Endoskopietechnik und Senkung des Sedierungsrisikos in den letzten Jahren muss vor jeder Koloskopie der diagnostische oder therapeutische Nutzen mit den Risiken der Darmspiegelung abgeglichen werden. Als Kontraindikationen gelten der Verdacht auf eine Darmperforation oder die drohende Perforationsgefahr bei akuter Divertikulitis, tiefen ulzerösen Läsionen oder vaskulären Nekrosen.
Merke
Kontraindikationen zur Koloskopie
Darmperforation
drohende Perforation bei schwerer ulzerierender Kolitis oder Divertikulitis mit Peritonitis
fehlende Einverständniserklärung des Patienten oder Betreuers
schwere kardiopulmonale Dekompensation, akuter Myokardinfarkt
Der Allgemeinzustand des Patienten sollte stets dahingehend überprüft werden, ob die Belastung der Koloskopievorbereitung und der Endoskopie einschließlich Analgosedierung tolerierbar ist; die ersten 2 Wochen nach einem akuten Myokardinfarkt gelten beispielsweise ebenso wie eine schwere Herzinsuffizienz als relative Kontraindikation zur Koloskopie.
Cave
Die körperliche Anstrengung der Koloskopievorbereitung, der Untersuchung selbst und der Analgosedierung stellt einen limitierenden Faktor für die Koloskopie schwer kranker Patienten dar.
Perorale Darmspülung Um das Kolon während der Endoskopie ausreichend gut beurteilen zu können, ist es erforderlich, eine gründliche Reinigung vorzuschalten. Eine wesentliche Verbesserung im Vergleich zu den früheren Abführmaßnahmen mit Glaubersalz stellte 1990 die Entwicklung einer nicht resorbierbaren Elektrolytlösung (Polyethylenglykol, PEG) durch Fordtran dar. Modifizierte Anwendungsformen sind auch heute noch im Einsatz. Wegen der großen Flüssigkeitsmenge und des salzigen Geschmacks stoßen sie bei manchen Patienten an die Toleranzgrenze. Die gute Wirksamkeit wurde jedoch in mehreren Studien überprüft; deshalb wird die Darmspülung mit 4 l PEG-Lösung in 2 Abschnitten (z. B. am Vorabend 2 l und am Morgen des Untersuchungstages 2 l) von der Europäischen Endoskopiegesellschaft (ESGE) empfohlen ▶ [7]. Als Alternative kommt die Einnahme von 2 l PEG-Lösung gemischt mit Ascorbinsäure in Frage. Vorsicht hinsichtlich einer Niereninsuffizienz ist wegen des hohen Phosphatanteils bei Anwendung der Spüllösung Natriumpicosulphat mit Magnesiumzitrat geboten.
Praxistipp
Wird die Trinklösung zur Koloskopievorbereitung auf 2 l am Vorabend und 2 l am Untersuchungstag aufgeteilt, ist die Akzeptanz durch die Patienten größer bei gleicher Effektivität.
Einläufe und Klysmen Bei Patienten, die wegen Obstruktionen nicht von peroral vorbereitet werden können, empfiehlt sich weiterhin die Anwendung von Hebe-Senk-Einläufen zur Untersuchungsvorbereitung. Kommt der Patient in einer Notfallsituation zur Endoskopie, stellt die Schnellreinigung mit Klysmen ein praktikables Vorgehen dar, das auch bei der Beschränkung der Untersuchung auf das Rektum und Sigma ausreichend sein kann.
Perforation, Blutung Die Endoskopie des Kolons birgt das Risiko der Organperforation, der Gefäßverletzung mit Blutung und der Infektion in sich (▶ Abb. 1.2 und ▶ Abb. 1.3). Beachtet der Untersucher Vorsichtsmaßnahmen, wie z. B. das Vorschieben des Geräts nur bei freier Sicht, kann die Rate an schwerwiegenden Komplikationen sehr niedrig gehalten werden. Bei der therapeutischen Koloskopie ist die Gefahr einer Perforation oder Blutung entsprechend dem Eingriff höher; die Statistiken zur Komplikationsrate der Koloskopie schließen bislang endoskopische Submukosadissektionen, wie sie an spezialisierten Zentren bei größeren Adenomen oder malignen Frühneoplasien im Rektum durchgeführt werden, noch nicht mit ein. Signifikante Blutungen treten bei diagnostischen Koloskopien bei 0,01 pro 1000 Patienten auf, während sie bei Polypektomien in 0,92 pro 1000 Patienten beobachtet werden ▶ [8]. Zur Perforation kommt es bei 0,12 von 1000 Patienten mit diagnostischer Koloskopie und 0,46 von 1000 Fällen mit Polypektomie (▶ Tab. 1.2). Etwas häufiger stellt sich durch thermische Auswirkungen der Polypektomie auf die sensiblen Serosabereiche im Außenbezirk des Darmes ein „Koagulationssyndrom“ mit Schmerzen ohne Perforation ein. Die Häufigkeit wird mit 2,9% angegeben ▶ [9].
Abb. 1.2 Perforation während einer Schlingenpolypektomie im Koagulationsbereich.
Abb. 1.3 Blutung im Bereich der Abtragungsfläche nach Polypektomie.
Tab. 1.2
Komplikationsraten der Koloskopie (nach
▶ [8]
).
Komplikation
gesamt
(per 1000)
diagnostische Koloskopie
(per 1000)
Koloskopie mit Polypektomie
(per 1000)
leichtere Blutungen
1,22
0,09
3,81
schwere Blutungen
0,29
0,01
0,92
Perforationen
0,22
0,12
0,46
Mortalität
0,001
0,0005
0,0005
Sedierungsprobleme Die Entwicklung einer Sedierungsleitlinie im Jahr 2008 und ihre Aktualisierung 2014 verfolgt das Ziel, neben dem Patientenkomfort v. a. die Sicherheit bei der Verabreichung bewusstseinsmindernder Medikamente zu erhöhen. Trotz größtmöglicher Sorgfalt in der Auswahl der Medikamente und deren kompetenter Überwachung stellt die Analgosedierung des Patienten während der Koloskopie (Kap. ▶ 5) ein Risiko für zentralnervöse und kardiopulmonale Komplikationen dar. Insbesondere der ältere und komorbide Patient ist durch Hypotonien, Tachykardien und Ateminsuffizienzen gefährdet. Eine Analyse des Sedierungsverlaufs bei 388404 Endoskopien zeigte, dass die Gesamtzahl der relevanten Sedierungszwischenfälle mit 0,01% gering war, dass aber fast alle schwerwiegenden Komplikationen bei ASA-III- (49%) und ASA-IV- (38%) -Patienten auftraten und sich zu 50% bei Notfallendoskopien ereigneten▶ [10], ▶ [11]. Nach der Leitlinie ist eine dritte Person zur Sedierung während der Koloskopie erforderlich, insbesondere bei der Anwendung von Propofol. Eine entsprechende Ausbildung des Assistenzpersonals ist hierfür Voraussetzung ▶ [12].
Cave
Todesfälle im Zusammenhang mit Koloskopien sind am häufigsten durch kardiopulmonale Komplikationen bedingt.
Therapie der Komplikationen Nicht jede Komplikation bedarf eines operativen Eingriffs. Blutungen können in 92% der Fälle endoskopisch gestillt werden, Infektionen können mit Antibiotika beherrscht werden. Bei kleineren Perforationen können klaffende Wundränder mit endoskopisch implantierbaren Clips gerafft werden und unter Nahrungskarenz und Antibiotika zur Ausheilung gebracht werden; der Verschluss einer Perforation mit einem größeren Klammerclip (OTSC) erscheint für die Zukunft eine praktikable Möglichkeit ▶ [13].
Das Gelingen einer Koloskopie wird bestimmt durch das Zusammenwirken von Arzt, Pflegekraft und Patient, die sich den unterschiedlichen Gegebenheiten von Anatomie und Schmerzempfindlichkeit des Patienten, Geräteposition und -funktion sowie Training und Erfahrung des Untersuchers und der Assistenz stets neu anpassen müssen.
Aufweitung des Darmlumens Um ein 1,2 m langes, stuhlgefülltes Hohlorgan inspizieren zu können, muss dieses in der Vorbereitung gesäubert und während der Untersuchung aufgeweitet werden. Die Distension des Darmlumens ist für das Vorschieben des Koloskops unter Sicht entscheidend, bedingt aber auf der anderen Seite über Mechano- und Schmerzrezeptoren einen Großteil der Schmerzen, die der Patient während der Untersuchung verspürt.
Technik
Routinemäßig wird zur Aufweitung des Darmlumens Raumluft verwendet, die über eine Druckluftpumpe in den Darm dosiert eingeblasen wird. Der Einsatz einer CO2-Gasflasche führt zu einer etwas langsameren Aufdehnung, hat aber den Vorteil einer rascheren Resorption des Gasvolumens. Trotzdem gilt für jede Koloskopie: so wenig Luft wie möglich, soviel Luft wie nötig (▶ Abb. 1.4, ▶ Abb. 1.5). Mit angewärmtem Wasser erzielen manche Untersucher ebenfalls eine patientenschonende Darmaufweitung ▶ [14].
Abb. 1.4 Darmlumen bei geringer Luftaufweitung mit schlechter Beurteilbarkeit
Abb. 1.5 Darmlumen bei stärkerer Luftaufweitung mit guter Beurteilbarkeit.
Schleifenbildung Schmerzen entstehen für den Patienten auch durch mechanischen Zug am Mesenterium; dieser tritt auf, wenn das Vorschieben des Koloskops z. B. durch Schleifenbildung im Sigma behindert wird. Der geübte Untersucher kann die Geräteposition an der Beweglichkeit des Endoskops im Darm einschätzen und wird versuchen, Schleifen zu vermeiden oder frühzeitig auszudrehen (Kap. ▶ 6), bevor beim Patienten eine Schmerzreaktion zu erkennen ist.
Rückzug des Geräts Nach Erreichen des Zökums und terminalen Ileums beginnt die Phase des Geräterückzugs, die in der Regel mit deutlich weniger Missempfindungen für den Patienten behaftet ist. Eine Reduktion der Analgosedierung kann ab diesem Zeitpunkt meist erfolgen. Dies hat zur Konsequenz, dass viele Patienten langsam aufwachen und den Untersuchungsablauf zu verfolgen beginnen. Eine einfühlsame Betreuung ist hier für die Gesamtbeurteilung der Koloskopie aus dem Blickwinkel des Patienten entscheidend, der den Endoskopiker als sensiblen, routinierten und kompetenten Arzt erleben möchte.
Praxistipp
Fünf allgemeine Regeln der Koloskopie
kein Vorschieben des Endoskops ohne freie Lumensicht
kein Vorschieben des Endoskops bei Widerstand
im Zweifelsfall immer zurückziehen
so wenig Luft wie möglich, so viel Luft wie nötig
Kontrolle der Schmerzreaktion des Patienten
Der Endoskopiker betrachtet das Kolon aus einer Perspektive, die sich von allen anderen bildgebenden Verfahren unterscheidet: Er sieht auf das Innenrelief des „Darmskeletts“, das sich aus den 3 strangartigen Verdickungen der Längsmuskelschicht (Tänien) und den zahlreichen halbmondförmigen Querfalten (Pliquae semilunares) zusammensetzt, die zwischen sich als Ausbuchtung die Haustren entstehen lassen (▶ Abb. 1.6).
Abb. 1.6 Schematischer Aufbau der Kolonwand: Tänien (1), Pliquae semilunares (2), Haustren (3).
Abb. 1.7 Anatomie des Kolons und dessen Mesenterialfixierung.
Abb. 1.8 Mikroskopischer Aufbau der Darmwand (mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. H. Arnhold, Institut für Pathologie, Klinikum Augsburg):
(1) Mukosa: tiefe, eng gestellte Krypten mit zahlreichen Becherzellen und Enterozyten, hoher Bürstensaum;
(2) Submukosa: lockere Bindegewebsschicht, Kollagenfasern in Scherengitteranordnung, Blut- und Lymphgefäße, vegetativer Plexus submucosus;
(3) Muscularis propria: kräftige innere Ringmuskelschicht, äußere Längsschicht, in den Tänien verstärkt, Plexus myentericus;
(4) Serosa: Peritonealüberzug.
Wandaufbau Mikroskopisch lässt sich die Darmwand in 4 Schichten unterteilen, deren Aufbau sich in den 6 makroskopischen Abschnitten des Kolons (Rektum, Colon sigmoideum, Colon descendens, Colon transversum, Colon ascendens und Zökum) nicht wesentlich unterscheidet (▶ Abb. 1.7, ▶ Abb. 1.8). Bei der endoskopischen Zangenbiopsie werden in der Regel Schleimhautpartikel erfasst, die sich auf die Mukosa beschränken, selten ist ein Teil der Submukosa miterfasst. Bei Verdacht auf submuköse Erkrankungen müssen meist Schlingenbiopsien oder Knopflochbiopsien durchgeführt werden, die tiefere Wandabschnitte einbeziehen.
Abschnitte des Kolons Die Gliederung des gesamten Kolons in mehrere Abschnitte erfolgt überwiegend nach anatomischen Gesichtspunkten, weniger nach funktionellen Kompartimenten. Lediglich das Rektum und Zökum unterscheiden sich wegen ihrer Reservoirbildung von den übrigen Darmabschnitten.
Zökum Der Übergang vom Ileum zum Zökum wird durch die Bauhin-Klappe begrenzt, die im physiologischen Zustand den Rückfluss von Darminhalt aus dem Kolon in den Dünndarm verhindert. Sie besteht aus zwei Lippen mit verstärkter Ringmuskelschicht, die einen schmalen Spalt freigeben, das Ostium valvulae ileocoecalis, und nach vorne und hinten in 2 Schleimhautfalten übergehen (▶ Abb. 1.9).
Das Zökum liegt in der Regel intraperitoneal in der Fossa iliaca des rechten Unterbauchs. In den letzten Schwangerschaftsmonaten wächst der Anfangsteil des Dickdarms an der rechten Bauchseite hinab; bleibt das Zökum in Höhe der Leber stehen, resultiert ein „hochgeschlagenes“ Zökum.
Die 3 Tänien des Zökums konvergieren sternförmig zur Abgangsstelle des Wurmfortsatzes, der bei der Koloskopie nicht intubiert wird.
Abb. 1.9 Detailansicht von Zökum und Bauhin-Klappe.
Abb. 1.10 Rektum und Analkanal.
Tab. 1.3
Mesenterialer Aufhängeapparat des Kolons.
Darmabschnitt
Mesenterium
Bedeutung für die Endoskopie
Colon sigmoideumColon transversum
persistierendes, mobiles Mesenterium
erschwerte Endoskop-Passage durch Beweglichkeit im Bauchraum
Colon descendensColon ascendensZökum
retroperitoneale Fixierung des Mesenteriums
leichtere Gerätepassage
Rektum
primär retroperitoneale Lage
gute Manövrierbarkeit des Endoskops
Mesenterium Das Mesenterium als bindegewebige Peritonealverdoppelung verwächst während der Embryogenese am Colon ascendens und Colon descendens mit der hinteren Bauchwand, wodurch eine retroperitoneale Fixierung entsteht; es persistiert als freie Aufhängung für das Colon transversum und Colon sigmoideum, so dass diese beiden Abschnitte mobil bleiben (▶ Tab. 1.3). Bei der Passage des Endoskops können deshalb Verschiebungen im Bauchraum und sogar Schleifenbildungen entstehen (Kap. ▶ 6).
Rektum und Analkanal Das insgesamt 15–20 cm lange Rektum ist nach außen abgeschlossen durch die Zona haemorrhoidalis, die aus den Columnae anales mit arteriellen und venösen Gefäßknäueln entsteht und zusammen mit den verstärkten Muskelschichten des M. sphincter ani externus und internus der Stuhlkontinenz dient. Die Epidermis greift 2–3 cm in den Analkanal hinein. Nach kranial begrenzt durch eine transversale Falte (Kohlrausch Falte), bildet die Ampulla recti einen stark erweiterungsfähigen Bereich mit Reservoirfunktion (▶ Abb. 1.10).
Merke
Die Kenntnis der Anatomie ist für die technische Durchführung der Koloskopie, für die korrekte Beschreibung pathologischer Befunde und das Verständnis von Krankheitsbildern unerlässlich.
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G. Jechart
Motivation, manuelle Geschicklichkeit, Konzentration und Geduld muss der Lernende für die Koloskopie mitbringen. Bereits geübt in der Technik der Endoskopie des oberen Verdauungstrakts, sollte der Anfänger Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Bedienung eines Gastroskops und Koloskops kennen lernen.
Jedes Endoskop lässt sich in 3 Abschnitte unterteilen: den Einführungsschlauch, der in den Patienten vorgeschoben wird, den Bedienungsteil, an dem der Arzt die Endoskopspitze bewegen kann und Zugriff auf Wasser-, Luftventil und Instrumentierkanal hat, sowie den Versorgungsschlauch und -stecker, der die Verbindung zur Versorgungseinheit herstellt (▶ Abb. 2.1).
Einführungsschlauch Der Einführungsteil des Videokoloskops besteht aus einem ca. 130 cm langen Schlauch, der Lichtleiter, Digitalkabel, Luft- und Wasserdüse, Instrumentierkanal und zur Bewegungsfähigkeit die Bowden-Züge enthält.
In der Spitze des Endoskops sitzen das Objektiv und ein Videochip, der für die Bildentstehung verantwortlich ist (▶ Abb. 2.2).
Die letzten 15 cm des Einführungsschlauchs sind besonders flexibel gestaltet, um die Manövrierfähigkeit im Gastrointestinaltrakt durch Abwinkelung in alle 4 Richtungen zu ermöglichen. Die Flexionswinkel des Koloskops betragen nach oben und unten je 180°, nach rechts und links je 160°. Das Gastroskop ist im Vergleich zum Koloskop nach oben stärker (210°), in alle anderen Richtungen jedoch schwächer abzuwinkeln (▶ Tab. 2.1). Der Blickwinkel beträgt beim Koloskop 170°, beim Gastroskop nur 140°. Einen Panoramablick von 330° durch 2 seitlich angebrachte Linsen zusätzlich zur Geradeausblick-Optik ermöglicht eine Geräteneuentwicklung unter dem Namen FUSE, die in ersten Anwendungsstudien am Patienten getestet wird ▶ [22].
Zusatzinfo
Unterschiedliche Modelle der Koloskope bieten Variationen in der Gerätelänge (1,30 m versus 1,60 m), im Außendurchmesser (9,7–13,2 mm) und in der Breite des Instrumentierkanals (3,2–3,7 mm). Manche Geräte verfügen über eine Einstellmöglichkeit der Flexibilität des Distalendes (30 cm) am Einführungsschlauch.
Abb. 2.1Abschnitte des Koloskops. 1 Versorgungsstecker und -schlauch, 2 Einführungsschlauch, 3 Bedienungsteil.
Abb. 2.2Distalende des Koloskops.
Tab. 2.1
Vergleich der Koloskope (CF HQ 190 und GIF HQ 190 als Beispiel der Firma Olympus).
Standardvideoendoskope
Koloskop
Gastroskop
Maximale Abwinkelung
oben 180°unten 180°rechts/links 160°
oben 210°unten 90°rechts/links 100°
Außendurchmesser distal
12,8 mm
9,9 mm
Länge des Einführungsteils
133 cm
103 cm
Blickwinkel
170° Standardmodus
160° Nahfokus
140°
Bedienungsteil Im Bedienungsteil des Endoskops zentrieren sich die Funktionssysteme, die zum Manövrieren der Endoskopspitze, zum Absaugen, Spülen und Luftinsufflieren erforderlich sind (▶ Abb. 2.3).
Der Zugang zum Instrumentierkanal erfolgt etwas unterhalb des Luft- und Wasserzylinders, bevor dieser in die gemeinsame Endstrecke mit dem Absaugkanal mündet. Hier können alle Zubehörteile für therapeutische Interventionen eingeführt werden ▶ Abb. 2.4 und ▶ Abb. 2.5), wobei sich die Ausstattung von Endoskopen mit 2 Arbeitskanälen nur für spezielle Eingriffe zum gleichzeitigen Einsatz z. B. von Zange und Schlinge lohnt. Videoendoskope verfügen zusätzlich über Fernbedienungstasten, die je nach Produktionstyp mit verschiedenen Funktionen belegt werden können. In der Regel sind Freeze-Bilder, Videoaufzeichnungen, Bildausdruck, die Ausleuchtungsintensität, der Kantenanhebungsmodus und z. B. die NBI-Funktion über diese Tasten modulierbar. Neuere Gerätegenerationen sind zusätzlich mit einem Schalter zur Bedienung des dualen Fokus ausgestattet (Kap. ▶ 4), der die Nahbetrachtung von Oberflächenstrukturen ermöglicht ▶ [27].
Abb. 2.3Bedienungsteil des Videokoloskops. 1 Instrumentierkanal, 2 Arretierungshebel kleines Rad, 3 Abwinkelungsrad links/rechts, 4 Abwinkelungsrad oben/unten, 5 Luft-/Wasserzylinder, 6 Absaugzylinder, 7 Freeze-Knopf, 8 Funktionstasten (z. B. Nahfokus, Zoom), 9 Arretierungshebel großes Rad.
Abb. 2.4Einführung der Biopsiezange in den Instrumentierkanal.
Abb. 2.5Zubehör (von links nach rechts): Biopsiezange, Clip-Applikator, Injektionsnadel, Polypektomieschlinge.
Versorgungsstecker Über den Versorgungsstecker erfolgt die Ankoppelung des Endoskops an die Xenon-Lichtquelle, die Druckluftpumpe, Spülflasche, Absaugpumpe und den Videoprozessor. Von diesem wird das Bild auf den Monitor des Videoturms übertragen (▶ Abb. 2.6, ▶ Abb. 2.7, ▶ Abb. 2.8, ▶ Abb. 2.9).
Technik
Moderne Videoprozessoren verfügen über eine Speicherfunktion, die beim Freeze-Vorgang automatisch das letzte scharfe Bild anzeigt.
Abb. 2.6Versorgungsstecker des Endoskops.
Abb. 2.7Verbindung des Endoskops mit dem Prozessor und der Videoeinheit.
Abb. 2.8Absaugpumpe
Abb. 2.9Prozessor und Monitoreinheit in einer beweglichen Hängeampel.
In einem durchsichtigen Gefäß mit Wasser müssen vor jeder Patientenuntersuchung die Funktion des Luft-/Wasserkanals und die Absaugung geprüft werden (▶ Abb. 2.10). Ein Weißabgleich ist nur noch bei älteren Gerätegenerationen erforderlich.
Die linke Hand des Arztes hält den Bedienungsteil des Endoskops und kann mit dem Daumen das große innere Abwinkelungsrad drehen, die rechte Hand bewegt den Einführungsteil oder benutzt zur Feinregulierung das äußere Abwinkelungsrad am Bedienungsteil (▶ Abb. 2.11).
Abb. 2.10Prüfung der Ventilfunktion vor Untersuchungsbeginn.
Abb. 2.11 Bedienung des Endoskops.
Abb. 2.11a Feinjustierung der Endoskopspitze durch Bewegung des kleinen Abwinkelungsrads.
Abb. 2.11b Führung des Schlauchteils durch die rechte Hand des Untersuchers.
Abb. 2.12Betätigung des Saugventils.
Abb. 2.13 Bewegung des großen Abwinkelungsrads nach unten.
Abb. 2.14 Bewegung des großen Abwinkelungsrads nach oben.
Abb. 2.15 Koloskopie, Endoskop, Bedienung, Abwinkelungsrad, groß.
Abb. 2.16 Schieben des Endoskops durch den Arzt, Schienung durch die Pflegekraft.
Tab. 2.2
Bewegung der Endoskopspitze durch die Abwinkelungsräder.
Drehbewegung des Abwinkelungsrads
Bewegung der Endoskopspitze
großes Rad: zum Untersucher
Anheben der Spitze
großes Rad: vom Untersucher weg
Abwärtsbewegung der Spitze
kleines Rad: zum Untersucher
Linksdrehung der Spitze
kleines Rad: vom Untersucher weg
Rechtsdrehung der Spitze
Saugen und Spülen Mit dem Zeigefinger der linken Hand wird das Absaugventil gedrückt, mit dem Mittelfinger kann bei leichtem Druck auf das Luft-/Wasserventil Luft eingeblasen werden, bei stärkerem Druck die Wasserspülung betätigt werden (▶ Abb. 2.12).
Abwinkelung Zwei Räder ermöglichen die Abwinkelung des Endoskopendes in verschiedene Richtungen. Durch Rollbewegungen mit dem Daumen der rechten und linken Hand am großen Rad bewegt sich die Spitze auf- oder abwärts, während das kleine Rad die Rotation nach rechts und links steuert (▶ Abb. 2.13, ▶ Abb. 2.14, ▶ Tab. 2.2). Mit jeweils einem Arretierungshebel kann die Position des Abwinkelungsrads fixiert werden, um z. B. die rechte Hand zur Bedienung des Instrumentierkanals frei zu haben.
Schieben Zur Fortbewegung des Endoskops im Kolon kann bei gut eingespieltem Team die Pflegekraft den Einführungsteil schieben, während der Arzt mit beiden Händen am Bedienungsteil die Endoskopspitze steuert (▶ Abb. 2.15). Manche Untersucher bevorzugen jedoch, den Schaft selbst zu schieben, um die Geräteposition besser zu spüren. In diesem Fall wechselt die rechte Hand nur zur Feinregulierung der Abwinkelungsräder an den Bedienungsteil des Endoskops ▶ [23]. Die Pflegekraft hat in dieser Position beide Hände zum Schienen des Darmes am Patienten frei (▶ Abb. 2.16).
Training am Modell Die Funktionen eines Endoskops muss der Anfänger zunächst in Ruhe studieren. Bevor die erste Untersuchung am Patienten unter Anleitung durchgeführt wird, ist es wichtig, die Gerätehandhabung einzuüben. Hierzu können einfache Plastikmodelle verwendet werden. Obwohl derzeit auch therapeutische Eingriffe mit dem Computer animiert werden können, sind sich die Experten einig, dass die Situation in der Praxis durch unterschiedliche Gewebeeigenschaften und physiologische Gegebenheiten wesentlich komplexer ist und ein Training am Computer die Fähigkeiten des angehenden Endoskopikers nur sehr eingeschränkt verbessert. Mit großem Aufwand werden daher an einzelnen Zentren Tiermodelle für Fortbildungskurse erstellt, an denen in kleinen Gruppen einzelne Techniken (z. B. Blutstillungsmaßnahmen) wirklichkeitsgetreuer geübt werden können. Ein Beispiel hierfür ist das Erlanger EASIE-Modell ▶ [25], bei dem Tierorgane aus dem Schlachthaus in ein Modell eingefügt werden können und durch Perfusionssysteme eine In-vivo-Situation für endoskopische Eingriffe geschaffen wird.
Hospitation Die Beobachtung erfahrener Endoskopiker bei der Koloskopie bildet trotz moderner Lernprogramme am Computer nach wie vor einen entscheidenden Baustein in der eigenen Ausbildung. Hierbei ist wichtig, dass der Untersucher den Vorgang entsprechend der Ausbildungsstufe kommentiert und auf die Handhabung des Geräts in technisch schwierigen Situationen hinweist. Die fachgerechte Beschreibung von pathologischen Befunden erleichtert dem Lernenden das Wiedererkennen von Krankheitsbildern, die er sich aus Lehrbüchern angeeignet hat.
Rückzug und Vorspiegeln Als erste praktische Übung am Patienten wird das Gerät zunächst nur für den Rückzug vom Zökum ins Rektum übernommen, wobei der Untersucher darauf achtet, dass alle Abschnitte ausreichend gut eingesehen werden. Das nächste Lernziel umfasst das Vorspiegeln zum Zökum, wobei der Ausbilder das Gerät am Schaft schiebt und der Lernende den Bedienungsteil des Endoskops steuert. Erst wenn genügend Sicherheit im selbstständigen Vorspiegeln bis zum Zökum erreicht wurde, sollte die Intubation der Bauhin-Klappe trainiert werden (▶ Tab. 2.3).
Tab. 2.3
Lernschritte der Koloskopie am Patienten.
Stufe
Lernziel der Grundausbildung Koloskopie
1
Beobachtung des Untersuchungsablaufs
2
Rückzug vom Zökum zum Rektum
3
Vorspiegeln unter Führung eines erfahrenen Endoskopikers zum Zökum
4
selbstständiges Vorspiegeln zum Zökum unter Kontrolle
5
Intubation der Bauhin-Klappe
6
Interventionen: Zangenbiopsie, Abtragung kleiner Polypen, einfache Blutstillung
Management von Problemsituationen Schwierigkeiten bereiten in der Ausbildungssituation Darmpassagen, die mangels Gerätevorschub oder mangels Sicht ein weiteres Vorschieben des Geräts behindern. Unter Anleitung eines erfahrenen Endoskopikers lernt der Kollege die Technik der „Begradigung“, der Schleifenentfernung und der Darmschienung (Kap. ▶ 6.8). Die Sensibilität für perforationsgefährliche Situationen, z. B. durch Verwachsungen, muss erworben werden und der Anfänger sollte sich einprägen, nie gegen Widerstand zu schieben (▶ Abb. 2.17, ▶ Abb. 2.18, ▶ Abb. 2.19).
Wird die Sicht durch Stuhlverschmutzung eingeschränkt, empfiehlt es sich, den Wasserjet zu benutzen, um die Schleimhaut darstellen zu können (▶ Abb. 2.20 und ▶ Abb. 2.21) ▶ [19].
Praxistipp
Schaumbildung
Bei starker Schaumbildung (▶ Abb. 2.22) kann über den Instrumentierkanal eine verdünnte Simeticon-Lösung zur Sichtverbesserung eingesetzt werden.
Abb. 2.17 Perforationsgefahr bei Verwachsungen an der rechten Flexur.
Abb. 2.18 Perforationsgefahr bei Divertikeln.
Abb. 2.19 Perforationsgefahr bei starker Knickbildung.
Abb. 2.20 Eingeschränkte Sichtverhältnisse bei Stuhlverschmutzung.
Abb. 2.21 Spülung des Kolonlumens mit Wasserjet.
Abb. 2.22 Eingeschränkte Sichtverhältnisse bei Schaumbildung.
Einfache und schwierige Interventionen Einfache Interventionen wie die Zangenbiopsie, Abtragung von kleinen Polypen und die Blutstillung durch Injektionsbehandlung sollten erlernt werden, bevor eigenständig Koloskopien durchgeführt werden, damit dem Patienten nicht unnötig eine weitere Untersuchung zugemutet werden muss.
Aufwändigere Manöver wie die Abtragung größerer oder breitbasiger Polypen, Clip-Applikationen, Färbetechniken, Mukosektomien, Ballondilatationen oder Bougierungen werden erst nach entsprechender Erfahrung in den Basistechniken vermittelt, z. B. im Rahmen der Gastroenterologenausbildung.
Jede Endoskopieeinheit, in der Koloskopien nach zukunftsorientierten Qualitätskontrollen durchgeführt werden sollen, wird sich räumlich und gerätetechnisch an normativen Vorgaben ausrichten und regelmäßige Hygienekontrollen durchführen.
Die räumlichen Voraussetzungen für Endoskopiearbeitsräume sind in der „Verordnung über den Bau und Betrieb von Krankenhäusern“ niedergelegt, die auch für die Räume mit entsprechender Zweckbestimmung außerhalb von Krankenhäusern gelten kann. Die Endoskopie gehört hier dem Funktionsbereich „Untersuchung und Behandlung“ an.
Die Gestaltung des Koloskopiearbeitsplatzes sollte demnach neben den Bedürfnissen eines ergonomischen Untersuchungsablaufs (▶ Abb. 2.23) und einer patientenfreundlichen Atmosphäre auch die Vorschriften zur Raumlufttechnik und Installation von elektrischen Versorgungsanlagen berücksichtigen. Eine Verminderung des Gehalts an Geruchsstoffen, Staub und Mikroorganismen ist für das Personal ebenso wichtig wie für den Patienten ▶ [20].
Jeder Untersuchungsraum muss über einen hygienischen Händewaschplatz verfügen. Wünschenswert ist zusätzlich ein direkter Zugang zur Patiententoilette, in der der Patient unmittelbar vor der Untersuchung die letzte Spüllösung aus dem Darm entfernen kann und die Untersuchungshose aus Papier mit Schlitz zum Einführen des Koloskops anziehen kann (▶ Abb. 2.24).
Der Aufbereitungsraum für die Endoskope sollte in unmittelbarer Nachbarschaft zum Untersuchungsraum liegen und muss in eine „unreine Zone“, in der die Reinigungsbecken angebracht sind (▶ Abb. 2.25) und „reine Zone“, in der die frisch aus dem RDG-E-Automat entnommenen Geräte weiter bearbeitet werden, eingeteilt werden können.
Ein Aufwachraum für sedierte Patienten mit Monitorüberwachung der Vitalfunktionen gehört heute zum Standard einer Endoskopieabteilung (▶ Abb. 2.26).
Abb. 2.23 Koloskopiearbeitsplatz.
1 Ampel mit Untersuchungsmonitor
2 Patientenmonitoring
3 Sauerstoffanschluss
4 Dokumentationsarbeitsplatz
5 Ampel mit Videoeinheit und Netzanschluss
6 Absauger
7 Prozessor und Lichtquelle
8 Patientenliege
Abb. 2.24 Patientenhose für Koloskopie mit Schlitz.
Abb. 2.25 Aufbereitungsraum für gebrauchte Endoskope.
Abb. 2.26 Aufwachraum der Endoskopieeinheit. .
(Prof. Messmann)
Personalschutz Im Untersuchungsraum sollte das Endoskopiepersonal Bereichskleidung tragen, die täglich und bei Kontamination kurzfristig gewechselt wird. Für die Durchführung der Endoskopie werden zusätzlich eine Einmalplastikschürze umgebunden, die das Eindringen von Flüssigkeiten in die Kleidung verhindert, und Einmalhandschuhe getragen, die einer Verschmutzung der Hände vorbeugen.
Cave
Infektiöse Erkrankungen
Bei infektiösen Erkrankungen des Patienten wie Clostridien wird ein Einmalkittel mit langen Ärmeln verwendet, bei MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) und ESBL-Keimen (Extended-Spectrum-beta-Lactamase-Bildner) werden zusätzlich Mund-Nasen-Schutz-Masken und Hauben getragen. Vor offener Tuberkulose schützt sich das Personal durch eine FFP2-Maske (Filtering Face Piece).
In den Aufbereitungsräumen sollte die Belastung des Personals mit Aldehyden so gering wie möglich gehalten werden. Hierzu wird neben einer Vermeidung von Hautkontakt die Inhalation von Aldehyddämpfen durch Abdeckung der Reinigungsbecken reduziert ▶ [21].
Mechanische Reinigung Das gebrauchte Endoskop wird noch im Untersuchungsraum abgewischt und in einem Gefäß mit Reinigungslösung auf Tensidbasis (z. B. S&M labor) durchgesaugt. Es sollten hierfür keine Aldehyde verwendet werden wegen des Risikos einer Eiweißfixierung im Kanal. Anschließend wird das Endoskop von der Versorgungseinheit abgekoppelt und an den Aufbereitungsplatz gebracht. Für den Transport eignet sich eine Plastikschale, die zur Markierung eines kontaminierten Endoskops, z. B. mit einer durchsichtigen roten Plastikhülle, abgedeckt werden kann, was die Unterscheidung zu einem frisch aufbereiteten Gerät in grüner Hülle ermöglicht (▶ Abb. 2.27). Im zentralen Arbeitsraum wird es im Becken erneut in Reinigungslösung eingetaucht und auf seine Dichtigkeit geprüft. Durch eine sorgfältige Bürstenreinigung der Endoskopkanäle kann die Keimzahl reduziert werden (▶ Abb. 2.28). Nach Untersuchung eines infektiösen Patienten, z. B. mit Clostridien, werden der Vorgang der Bürstenreinigung und das Durchsaugen der Tensidlösung 2-fach durchgeführt. Die entfernten Ventile werden mit dem übrigen Zubehör in einem Ultraschallbad enzymatisch und mechanisch gesäubert ▶ [16].
Abb. 2.27 Transportschalen für Endoskope: grüne Folie (reines Gerät), rote Folie (unreines Gerät).
Abb. 2.28 Bürstenreinigung des gebrauchten Endoskops.
Reinigungs- und Desinfektionsprogramm Zur weiteren Reinigung des Endoskops können prinzipiell sowohl manuelle als auch maschinelle Verfahren angewandt werden. Der Schutz des Personals vor möglichen Gesundheitsrisiken und die Standardisierung und Validierbarkeit sprechen für ein Aufbereitungsverfahren im Reinigungs-/Desinfektionsautomaten (RDG-E).
Das Gerät wird hierzu in den Aufnahmekorb eingelegt und an das entsprechende System der Waschmaschine angeschlossen (▶ Abb. 2.29). Die Zubehörteile werden in einem separaten Körbchen mitgewaschen. Zur Desinfektion werden entweder 2,4%ige Glutaraldehyd-Lösungen oder Peressigsäure-Lösungen verwendet. Die Abtötung von Bakteriensporen (v. a. von Clostridium difficile) stellt weiterhin die größte Herausforderung für die Desinfektionsverfahren dar und scheint mit diesen beiden Methoden ausreichend gut zu funktionieren, wenn die Einwirkdauer entsprechend den Herstellervorgaben eingehalten wird ▶ [24]. Die Schlussspülung wird in Deutschland mit keimfreiem Wasser durchgeführt.
Nach Beendigung des chemisch-thermischen Reinigungs- und Desinfektionsprogramms (Dauer ca. 40 min) kann das Endoskop aus der Maschine genommen werden. Zur vollständigen Trocknung sollen die Kanäle mit Druckluft durchgeblasen werden.
Die Lagerung erfolgt hängend ohne Ventile, um Feuchtigkeitsrückstände, die die Gefahr einer Rekontamination insbesondere mit Pseudomonas spezies mit sich bringen, zu vermeiden (▶ Abb. 2.30) ▶ [26].
Eine Übersicht über die Aufbereitungsschritte des benützten Endoskops bietet die Tabelle (▶ Tab. 2.4).
Abb. 2.29 Reinigungs- und Desinfektionsautomat.
Abb. 2.30 Lagerung der Endoskope im Schrank.
Tab. 2.4
Aufbereitungsschritte des Endoskops.
Arbeitsschritt
Ziel
1. Vorreinigung
Entfernen von Sekreten am Außenmantel des Endoskops und Spülung der Kanäle mit Detergenzienlösung
2. Bürstenreinigung der Kanäle
mechanische Reinigung der Kanäle
3. Reinigungsspülung im Becken und Dichtigkeitsprüfung
Ausschwemmen der abgelösten Verschmutzung; Ausschluss von Leckagen
4. Reinigung und Desinfektion in der RDG-E Maschine
Reduktion der Keimzahl auf < 1 KBE/ml
5. Schlussspülung mit sterilem Wasser
Entfernung von chemischen Substanzen vom Außenmantel und den Kanälen
6. Trocknung
Verhinderung einer Kontamination mit Feuchtkeimen
Hygienestandards und -tests Nur qualifiziertes und regelmäßig geschultes Personal sollte mit der Endoskopaufbereitung betraut werden. Die Deutsche Gesellschaft für Endoskopie-Assistenzpersonal (DEGEA) hat ein Curriculum entwickelt, das zum Sachkundenachweis „Endoskopaufbereitung“ die Lerninhalte für das Pflegepersonal zusammenstellt. Detaillierte Angaben zur Anforderung an die Hygiene bei der Aufbereitung flexibler Endoskope und endoskopischen Zusatzinstrumentariums sind in den aktualisierten RKI-Empfehlungen vom Juli 2013 enthalten ▶ [26].
Regelmäßige Qualitätskontrollen der Geräteaufbereitung durch Hygienetests werden nach den Empfehlungen der Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert-Koch-Institut und Bundesinstitut für Medizinprodukte in vierteljährlichen Abständen empfohlen ▶ [21]. Hierbei ist neben einer Überprüfung der Reinigungs- und Desinfektionsgeräte (Prozessqualität) auch eine mikrobiologische Kontrolle der Endoskopkanäle und der Optikspülsysteme sinnvoll ▶ [17]. Insbesondere bei Materialmängeln wie Leckagen oder bei Biofilmbildungen besteht die Gefahr von Bakterienüberwuchs. Als Indikatoren für eine mangelhafte Aufbereitung gelten der Nachweis von Escherichia coli oder anderen Enterobacteriaceae, von Enterokokken und Staphylokokken.
Merke
Gerätekontamination
Die Quantifizierung von nachgewiesenen Keimen legt als signifikante Kontaminationsschwelle einen Wert von > 1 KBE/ml (koloniebildende Einheiten) fest.
Bei der Überprüfung der Reinigungs- und Desinfektionsgeräte RDG-E werden Testkeime (z. B. E. faecium) in die Schlauchteile eingebracht und deren Elimination durch den Aufbereitungsprozess kontrolliert.
Das Medizinproduktegesetz (MPG) schreibt nach § 93 vor, dass die Reinigung, Desinfektion und Sterilisation der Endoskope mit Gerätesystemen und geeigneten validierten Verfahren ▶ [15] so durchzuführen und zu organisieren ist, dass der Erfolg dieser Verfahren nachvollziehbar gewährleistet ist und die Sicherheit und Gesundheit von Patienten, Anwendern oder Dritten nicht gefährdet wird.
Zur Bestimmung der Geräteposition im Patienten sind gelegentlich Röntgendurchleuchtungen erforderlich. Hierzu wird meist ein fahrbares Röntgengerät (C-Bogen) verwendet, das nur kurzfristig über den Bauchraum des Patienten geschwenkt wird (▶ Abb. 2.31). Hinsichtlich der Anwendung von Röntgenstrahlung in der Endoskopie ist insbesondere der Absatz 1 des § 15 der Röntgenverordnung (RV) über die Bereitstellung der Strahlenschutzmaßnahmen heranzuziehen. Die baulichen Voraussetzungen für eine Durchleuchtungseinheit werden nach DIN 6812 festgelegt. So ist z. B. für die Größe des Untersuchungsraums zu beachten, dass die Achse des Strahlengangs mindestens 1,5 m von der nächsten Wand entfernt sein muss, um eine schädliche Rückstrahlung zu vermeiden.
Abb. 2.31 Röntgendurchleuchtung während der Koloskopie.
Die Kenntnis der Bedienung des Röntgengeräts (Fachkundenachweis) gilt als Voraussetzung ebenso wie das Tragen entsprechender Schutzkleidung. Gemäß der Richtlinie 6 zu § 35 RV ist ein Ganzkörperdosimeter erforderlich, das an repräsentativer Stelle am Oberkörper unter der Schutzschürze getragen wird ▶ [18].
[15] Beilenhoff U, Neumann CS, Biering H et al. ESGE/ESGENA guideline for process validation and routine testing for reprocessing endoscopes in washer-disinfectors, according to the European Standard pr EN ISO 15883 parts 1,4 and 5. Endoscopy 2007; 39: 85–94
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[21] Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention ( KRINKO ) beim Robert-Koch-Institut ( RKI ) und des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten. Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Gesundheitsschutz 2012; 55: 1244–310
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[26] Mitteilungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) sowie des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Kommentar zur Anlage 8 „Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung flexibler Endoskope und endoskopischen Zusatzinstrumentariums“ der Empfehlung „Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten“. Epidemiologisches Bulletin 2013; 28: 253–5
[27] Singh R, Jayanna M, Navadgi S et al. Narrow band imaging with dual focus magnification in differentiating colorectal neoplasia. Dig Endoscopy 2013; 25 (Suppl 2): 16–20
M. Bittinger, A. Meier, S. K. Gölder
Der Einsatz der hochauflösenden Videoendoskopie, die zwischenzeitlich das HDTV-Niveau erreicht, hat die optische Qualität der Endoskope weiter verbessert, so dass auch feine Details auf der Schleimhautoberfläche erkannt werden können. Hierdurch wird die Entdeckung von kleinen und flachen Läsionen, insbesondere von flachen Polypen, weiter verbessert. Die Erhöhung der Auflösung des Videochips ist aber nur eine Maßnahme, mit der man die diagnostische Ausbeute der Endoskopie erhöhen kann. Weitere methodische Verbesserungen, die näher besprochen werden sollen, sind:
digitale Strukturverstärkung
Vergrößerungs- oder Zoom-Endoskopie
Chromoendoskopie und digitale Chromoendoskopie
Fluoreszenzendoskopie
Koloskope mit erweitertem Blickwinkel
Endomikroskopie und Endozytoskopie
Kapselkoloskopie
M. Bittinger
Definition
Digitale Strukturverstärkung
Die höhere Auflösung der modernen Videochips wird unterstützt durch eine verbesserte Verarbeitung des Videosignals im nachgeschalteten Videoprozessor, an den das Endoskop angeschlossen ist. Bei der Umsetzung des Signals in das auf dem Monitor angezeigte Bild können durch spezielle Rechenoperationen (digitale Strukturverstärkung) die Details der Oberflächenstruktur besser hervorgehoben werden (▶ Abb. 3.1). Insbesondere in Verbindung mit den weiter unten besprochenen Techniken der Vergrößerungsendoskopie und der Chromoendoskopie wird eine sehr hohe Detailauflösung erreicht.
Abb. 3.1 Digitale Strukturverstärkung.
Abb. 3.1a Hochauflösende Darstellung der Zottenstruktur im terminalen Ileum. Die einzelnen Zotten sind gut erkennbar.
Abb. 3.1b Durch zusätzliche digitale Strukturverstärkung lassen sich die Oberflächendetails noch besser differenzieren, so dass die einzelnen Zotten noch besser voneinander abgegrenzt werden können.
M. Bittinger
Definition
Vergrößerungs- oder Zoom-Endoskopie
Vergrößerungs- oder Zoom-Endoskope ermöglichen die vergrößerte Betrachtung eines Bildausschnitts, die einer intravitalen mikroskopischen Untersuchung der Mukosa nahekommt. Die Vergrößerung wird durch elektronische Vergrößerungssysteme mit digitaler rechnergestützter Vergrößerung eines Bildausschnitts erzeugt.
Das elektronische Vergrößerungsverfahren benötigt keine beweglichen Teile, der methodenbedingte Nachteil, dass der Detailgrad der nur elektronisch erzeugten Vergrößerung (also keine echte optische Vergrößerung) von der Auflösungsfähigkeit des verwendeten CCD-Chips abhängt und somit der erreichbare Vergrößerungsfaktor begrenzt ist, spielt bei den heutzutage verwendeten hochauflösenden Chips keine relevante Rolle mehr. Mechanische Vergrößerungsverfahren mit beweglichen Linsensystemen werden daher heutzutage nicht mehr verwendet. Moderne Endoskope besitzen zusätzlich zur Zoomfunktion eine digitale zuschaltbare Makrofunktion (bei der Firma Olympus z. B. „Near Focus“ genannt), die eine hochauflösende detaillierte Nahsicht auf die Schleimhaut ähnlich einer Lupenfunktion ermöglicht. Diese starke Vergrößerung ermöglicht eine sehr genaue Detailbeurteilung des betreffenden Bildausschnitts, allerdings muss für eine scharfe Abbildung der betrachtete Schleimhautbezirk in einem relativ eng begrenzten Abstand (Fokus) von der Endoskopspitze gehalten werden. Bei Bewegungsartefakten durch benachbart liegende größere Gefäße oder tiefe Atemexkursionen des Patienten kann es im Einzelfall schwierig sein, diese Makrofunktion zu nutzen. Digitaler Zoom und Makrofunktion können auch kombiniert zum Einsatz kommen.
Durch die Vergrößerung werden die Oberflächenfeinstruktur und kleinste Gefäßstrukturen sichtbar (▶ Abb. 3.2 und ▶ Abb. 3.3), insbesondere in Kombination mit einer Anfärbung der Oberfläche oder speziellen digitalen Bildverarbeitungen (Kap. ▶ 3.3).
Abb. 3.2 Oberflächenfeinstruktur eines hyperplastischen Kolonpolypen.
Abb. 3.2a Weißlichtmodus
Abb. 3.2b NBI Modus.
Abb. 3.2c NBI und near focus Modus.
Abb. 3.3 Submukös invasives Karzinom in verschiedenen Darstellungsmodi.
Abb. 3.3a Weißlichtmodus.
Abb. 3.3b NBI-Modus mit Near Focus: destruiertes Pit-Pattern Vn und pathologische Gefäße.
Abb. 3.3c NBI und Near Focus sowie 1,5-facher Zoom: neben dem destruiertem Pit-Pattern deutlich dilatierte und geschlängelte Gefäße.
M. Bittinger
Definition
Chromoendoskopie
Die Chromoendoskopie ist eine einfache Zusatzmethode, mit der die diagnostische und auch therapeutische Ausbeute der Endoskopie weiter verbessert werden kann, insbesondere auf dem Gebiet der Dysplasiediagnostik und der Erkennung und Behandlung von flachen Neoplasien im Kolon. Durch Aufsprühen von speziellen Farbstoffen wird die Feinstruktur der Schleimhautoberfläche hervorgehoben. Dies ermöglicht einerseits eine bessere Erkennung und Einordnung flacher polypoider Läsionen, die sonst leicht übersehen werden können, andererseits werden die Grenzen zwischen Polyp und normaler angrenzender Mukosa besser erkennbar. Bei den Farbstoffen unterscheidet man Kontrastfarbstoffe und absorptive Farbstoffe.
Kontrastfarbstoffe werden von der Schleimhaut nicht aufgenommen, sondern lagern sich in feinen Vertiefungen in der Schleimhautoberfläche ab und lassen so die Oberflächenstruktur besser hervortreten. Absorptive Farbstoffe werden hingegen aktiv von der Schleimhaut aufgenommen, daher spricht man bei dieser Technik auch von Intravitalfärbung. Dysplastisches oder malignes Gewebe nimmt den Farbstoff anders auf als gesundes Gewebe, hierdurch ergeben sich Unterschiede im Färbeverhalten, die eine bessere Unterscheidung zwischen gesundem und krankem Gewebe ermöglichen. Im Kolon werden vorwiegend Kontrastfarbstoffe verwendet, in erster Linie das Indigokarmin. Absorptive Farbstoffe (Methylenblau, Cresylviolett) werden häufiger im oberen Gastrointestinaltrakt (insbesondere im Ösophagus) eingesetzt, können aber auch im Kolon verwendet werden. Nachdem bei der Chromoendoskopie mit Methylenblau DNA-Schäden nachgewiesen wurden, wird dieser Farbstoff allerdings kaum noch eingesetzt; auch Cresylviolett ist in Deutschland kaum im Einsatz, sondern wird vorwiegend in Asien verwendet. Kontrastfarbstoffe sind deutlich einfacher zu handhaben als absorptive Farbstoffe, da sie mit einer Sprühsonde ohne spezielle Vorbehandlung der Oberfläche einfach aufgesprüht werden und keine Wartezeit bis zur Aufnahme des Farbstoffs in die Mukosa abgewartet werden muss. Der zusätzliche Zeitaufwand für die Anfärbung ist zumindest beim Indigokarmin sehr gering, der optische Informationsgewinn aber immer wieder eindrucksvoll.
Eine Übersicht über die 3 am häufigsten verwendeten Farbstoffe und die jeweilige Anwendungstechnik zeigt die Tabelle (▶ Tab. 3.1).
Tab. 3.1
Übersicht über die 3 am häufigsten verwendeten Farbstoffe für die Chromoendoskopie im Kolon mit Bildbeispielen (Abbildungen zu Cresylviolett mit freundlicher Genehmigung von Prof. N. Yahagi, Keio University, School of Medicine, Tokio).
Farbstoff
Klasse
Konzentration
Neben-wirkung
Anwendungstechnik
Bildbeispiel
Indigokarmin
Kontrastfarbstoff
0,4%(0,1–1%)
keine
keine spezielle Vorbehandlung notwendig, ggf. Verunreinigungen mit Wasser abspülen
Aufsprühen mit Sprühkatheter, Beurteilung sofort möglich
Cresylviolett
Absorptivfarbstoff
0,2%
keine
keine spezielle Vorbehandlung notwendig, ggf. Verunreinigungen mit Wasser abspülen
Aufsprühen mit Sprüh-katheter, Beurteilung nach Wartezeit von ca. 1 min
Durch Kombination von Zoomendoskopie und Anfärbung der Oberfläche wird eine der Mikroskopietechnik vergleichbare Beurteilbarkeit der Mukosaoberfläche möglich. Dies bildet die Grundlage für die 1996 von Kudo eingeführte Pit-Pattern-Klassifikation der Oberflächenstruktur von polypoiden Läsionen im Kolon, die als Entscheidungshilfe zur Unterscheidung von nichtneoplastischen (hyperplastischen oder entzündlichen) zu neoplastischen (Adenome oder Malignome) Läsionen dient.
Tab. 3.2
Pit-Pattern-Klassifikation nach Kudo und Tsuruta [5], [8] mit Bildbeispielen. Der Bereich, in dem das betreffende Pit-Pattern zu sehen ist, ist jeweils zur Verdeutlichung herausvergrößert.
Pit-Pattern-Klasse
Merkmale
Bildbeispiel
I
runde Grübchen
(round Pits)
II
sternförmige Grübchen
(stellar or papillary Pits)
III S
kleine tubuläre oder rundliche Grübchen
(small tubular or roundish Pits)
III L
Große tubuläre oder rundliche Grübchen
(large tubular or roundish Pits)
IV
gyrierte oder verzweigte Grübchen
(gyrus-like or branch-like Pits)
Vi
unstrukturierte Grübchen in irregulärer Form, Größe und Anordnung
(irregular Pits)
Vn
unstrukturierte oder fehlende Grübchen mit amorpher Oberfläche
(unstructural Pits)
Befunde der Klassen I und II entsprechen normaler Schleimhaut oder nichtneoplastischen Läsionen, Befunde der Klassen III–V entsprechen praktisch immer neoplastischen Läsionen, wobei Befunde der Klasse V stets hochverdächtig sind auf ein Malignom. Die Unterscheidung der Gruppen Vi und Vn erleichtert die Einschätzung der Tiefeninfiltration: Nahezu alle zur Gruppe Vn gehörigen Tumoren sind tief in die Submukosa oder in noch tiefere Wandschichten infiltriert, während dies in Gruppe Vi nur selten der Fall ist ▶ [51].
Merke
Pit-Pattern-Klassifikation für die klinische Routine
Systematische Untersuchungen zeigen, dass mit Pit-Pattern-Klassifikation eine Unterscheidung zwischen nicht neoplastischen und neoplastischen Läsionen mit hoher Treffsicherheit möglich ist. Sie ist somit wertvoll auch in der klinischen Routine.
Digitale Chromoendoskopie Obwohl die Anwendung von Farbstoffen nur einen geringen Zusatzaufwand darstellt, wurde nach Modifikationsmöglichkeiten der Bildaufnahme- und Verarbeitungstechnik gesucht, mit denen die gleichen Zusatzinformation ohne Verwendung von Farbstoffen zu erreichen sind (sog. „digitales Färben“). Diese Modifikationen lassen sich durch Knopfdruck einfach zu- und wieder wegschalten, so dass man ohne Zeitverlust quasi zwischen Färbung und ungefärbter Ansicht hin- und herwechseln kann. Die verschiedenen Gerätehersteller haben dazu unterschiedliche Ansätze verfolgt:
Narrow Band Imaging (NBI)
Fuji Intelligent Color Enhancement (FICE)
I-Scan
Definition
Narrow Band Imaging
NBI wurde von der Firma Olympus entwickelt. Beim NBI-System wird vom Spektrum des sichtbaren Lichtes durch Filtertechniken nur der kurzwellige Teil (blaue und grüne Anteile) verwendet, das langwellige rote Licht wird herausgefiltert (▶ Abb. 3.4).
Abb. 3.4 Lichtspektren des normalen Weißlichtmodus und des NBI-Modus. Weißlichtmodus: Es wird das gesamte Spektrum des sichtbaren Lichtes verwendet. NBI-Modus: Durch Filtertechniken wird nur der Blauanteil (Peak 415 nm) und der Grünanteil (Peak 540 nm) des Lichtes verwendet, zusätzlich wird der Blauanteil verstärkt. Langwelliges rotes Licht wird vollständig herausgefiltert. Da Hämoglobin diese beiden Frequenzen besonders gut absorbiert, werden Gefäße besonders deutlich in nahezu schwarzer Farbe dargestellt. Dabei erscheinen Gefäße in der Mukosa braun und Gefäße in der Submukosa blau (mit freundlicher Genehmigung der Firma Olympus).
Abb. 3.5 Flaches Adenom (NICE Typ 2) im Aszendens im Weißlicht- und NBI-Modus.
Abb. 3.5a Weißlichtmodus. Das Adenom ist nur durch eine minimal dunklere Färbung und durch die Verdeckung der Gefäße zu sehen und daher leicht zu übersehen.
Abb. 3.5b NBI-Modus. Die Gefäße sind gut an ihrer dunklen Färbung zu erkennen (beachte auch die feinen Mikrogefäße an der Oberfläche des Adenoms). Das Adenom ist durch seine bräunliche Farbe deutlich besser vom Hintergrund abzugrenzen.
Abb. 3.5c NBI und Near Focus Modus des tubulären Adenoms.
Abb. 3.5d NBI und Near Focus Modus mit 1,5 fachen Zoom.
Dies hat 2 Folgen: Zum einen dringt kurzwelliges Licht nur in die obersten Gewebeschichten ein, zum anderen werden die verwendeten Lichtfrequenzen sehr gut vom Hämoglobin in kleinen und kleinsten Gefäßen in den obersten Gewebeschichten absorbiert. Dies führt zu einer besonders detaillierten und kontrastreichen Darstellung der Schleimhautoberfläche und der fast schwarz dargestellten Gefäße, also der Architektur der Mikrovaskularisation. Damit wird ganz ähnlich wie bei der Chromoendoskopie das Auffinden und die Unterscheidung von nichtneoplastischen (hyperplastischen oder entzündlichen) von neoplastischen (Adenome oder Malignome) Läsionen erleichtert. (▶ Abb. 3.5).
Tab. 3.3
NICE-Klassifikation. Modifiziert nach Iwatate [4].
NICE Typ 1
NICE Typ 2
NICE Typ 3
Farbe
gleich oder heller als der Hintergrund
bräunlicher als der Hintergrund
braun bis dunkel-braun im Vergleich zum Hintergrund; manchmal fleckige weißliche Areale
Gefäße
keine oder feine isolierte, über die Läsion verlaufende Gefäße
bräunliche Gefäße, die weißliche Strukturen umgeben
Areale mit fehlenden oder unterbrochenen Gefäßen
Oberflächenstruktur
dunkle oder weiße Spots gleicher Größe oder homogenes Fehlen von Strukturen
Ovale, tubuläre oder verzweigte weißliche Strukturen, umgeben von bräunlichen Gefäßen
amorphe oder fehlende Oberflächenstrukturen
Vermutliche Pathologie
hyperplastisch
Adenom
tief submukosal invasives Karzinom
Behandlung
Follow-up
(Cave: serratierte Adenome)
Polypektomie/EMR/ESD
Operation
Beispielbild
Abb. 3.6 Prinzip der Bildmodifikation bei der FICE und I-Scan Technik. Nach konventioneller Bildaufnahme mittels einer Weißlichtquelle und eines konventionellen CCD-Endoskopchips wird das Bild durch Software modifiziert (bei FICE nach Zerlegung in Einzelspektren, bei I-Scan durch Modifikation von Struktur, Kontrast und Spektralanteilen) und dann in modifizierter Form auf dem Bildschirm ausgegeben (hier z. B. durch Auswahl der Blau- und Grünanteile).
Definition
FICE und I-Scan
Diese Technikenverwenden kein begrenztes Lichtspektrum im eingestrahlten Licht, sondern bearbeiten rechnerisch das bereits vom Endoskopchip aufgezeichnete Weißlichtbild im Bildprozessor nach. Es handelt sich also um eine sogenannte postprozessurale Bildmodifikation (▶ Abb. 3.6).
FICE ist eine von der Firma Fujinon entwickelte Softwareapplikation, die im Endoskopprozessor integriert ist und sich zuschalten lässt. Das Verfahren begrenzt rechnerisch die Wellenlängenbereiche des Lichtes, das im Prozessor in verschiedene wählbare Frequenzspektren zerlegt wird. Es ist möglich, aus einer theoretisch beliebigen Zahl an Wellenlängenkombinationen auszuwählen, die der Untersucher je nach Lokalisation, Fragestellung und Eigenerfahrung vorgeben kann ▶ [33]. Wählt man z. B. die Grün- und Blauanteile des aufgezeichneten Bildes aus, entstehen Bilder, die ähnlich dem NBI-Verfahren die Oberflächenstruktur und die Gefäßarchitektur hervorheben (▶ Abb. 3.7).
Auch die I-Scan-Technologie (entwickelt von der Firma Pentax) ist eine Modifikation des mittels Weißlicht aufgezeichneten Bildes im Endoskopprozessor. Neben einer Struktur- und Kontrastkorrektur verfügt dieses Verfahren auch über eine Modifikationsmöglichkeit der Rot-, Blau- und Grünanteile des akquirierten Bildes, so dass einzelne Farbspektren hervorgehoben oder auch unterdrückt werden können ▶ [33]. Auch bei diesem Verfahren ist es z. B. möglich, die Rotanteile zu unterdrücken und somit zusammen mit der integrierten Struktur- und Kontrastmodifikation eine dem NBI-Verfahren ähnliche Bilddarstellung zu erreichen (▶ Abb. 3.8).
Abb. 3.7 Eingestülpter Appendixstumpf nach Appendektomie im Weißlichtmodus und im FICE-Modus.
Abb. 3.7a Appendixstumpf im Weißlichtmodus. Polypoide Erhabenheit im Zökum mit glatter Oberfläche, nicht adenomtypisch.
Abb. 3.7b Gleiche Struktur im FICE-Modus, hier mit Unterdrückung der Rotanteile. Man sieht die fast schwarz dargestellten Gefäße. Auf dem Appendixstumpf keine pathologischen Gefäßstrukturen, glatte Oberfläche ohne Hinweis für Tumor.
Abb. 3.8 Transversumpolyp im Weißlichtmodus und im I-Scan-Modus (mit freundlicher Genehmigung von Dr. A. Beyer, Praxis für Gastroenterologie und gastrointestinale Onkologie, Altötting).
Abb. 3.8a
