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Ein konsistentes Konzept der Gesundheitsförderung im Betrieb in der dritten Auflage! Dieses Lehrbuch richtet sich an alle, die sich beruflich, in Studium und Ausbildung oder in der Praxis mit Betrieblicher Gesundheitsförderung beschäftigen. Es führt die einschlägigen interdisziplinären Wissensgrundlagen für ein fachlich fundiertes und zeitgemäßes Gesundheitshandeln im Setting Betrieb zusammen.Neben Ausführungen zu den wichtigsten Begriffen, relevanten Entwicklungslinien und gesetzlichen Grundlagen setzt sich der Band mit Theoriekonzepten zu Arbeit und Gesundheit, strategischen und praktischen Umsetzungsmodalitäten und deren Qualitätsmerkmalen auseinander. Schnittstellen zu anderen betrieblichen Themen werden ebenso diskutiert wie spezifische Anforderungen an die Gesundheitsförderung in besonderen Betriebsarten und für ausgewählte Zielgruppen. Neu in der dritte Auflage:>/b> Beiträge zur Interessierten Selbstgefährdung, Betrieblichen Gesundheitskommunikation, Konfliktmoderation als Führungsaufgabe, Zusammenarbeit in überbetrieblichen Netzwerken und zu gelungenen BGF-Kooperationen in den deutschsprachigen Ländern Ergänzung der gesetzlichen Grundlagen, insbesondere zu den Bestimmungen des Präventionsgesetzes in Deutschland Intergration neuer empirischer Erkenntnisse und anwendungsbezogener Fragestellungen Das gestalterische und didaktische Konzept wurde noch stärker an die Bedürfnisse und Wünsche der Leser angepasst: Einführende Übersichten und Zwischenzusammenfassungen ergänzen die Textboxen, sowie zahlreiche farbige Abbildungen und weiterführende Literaturempfehlungen.
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Seitenzahl: 1032
Veröffentlichungsjahr: 2016
Lehrbuch Betriebliche Gesundheitsförderung
Lehrbuch Betriebliche Gesundheitsförderung
Gudrun Faller (Hrsg.)
Wissenschaftlicher Beirat Programmbereich Gesundheit
Ansgar Gerhardus, Bremen; Klaus Hurrelmann, Berlin; Petra Kolip, Bielefeld; Milo Puhan, Zürich; Doris Schaeffer, Bielefeld
Gudrun Faller
(Hrsg.)
Lehrbuch Betriebliche Gesundheitsförderung
3., vollständig überarbeite und erweiterte Auflage
unter Mitarbeit von
Bettina Abel
Bernhard Badura
Georg F. Bauer
David Beck
Anke Blaschka
Wolfgang Bödeker
Jörg Bungart
Christiane Dienel
Cosima Dorsemagen
Thomas Elkeles
Michael Ertel
Ulrich Faber
Franz Friczewski
Manfred Fuchs
Heinrich Geißler
Gunter Haake
Oliver Hämmig
Christoph Heigl
Martina Helmcke
Alfons Hollederer
Juhani Ilmarinen
Gregor J. Jenny
Hartmut Karsten
Michael Kirschner
Andreas Krause
Peter Krauss-Hoffmann
Detlef Kuhn
Joseph Kuhn
Karl Kuhn
Uwe Lenhardt
Oskar Meggeneder
Manfred F. Moldaschl
Richard Peter
Klaus Pickshaus
Nadine Pieck
Ulrich Pröll
Joe Püringer
Martin Resch
Gabriele Richter
Rolf Rosenbrock
Brigitte Schigutt
Martin Schütte
Helga Seel
Kai Seiler
Achim Sieker
Reinhold Sochert
Dieter Sommer
Bettina Splittgerber
Clemens Stieger
Ulrike Stilijanow
Friederike Störkel
Jürgen Tempel
Martin J. Thul
Hans-Jürgen Urban
Peter-Ulrich Wendt
Elisabeth Wienemann
Georg Zepke
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Lektorat Gesundheit
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Lektorat: Susanne Ristea
Bearbeitung: Dr. Susanne Meinrenken, Bremen
Herstellung: Daniel Berger
Umschlag: Claude Borer, Riehen
Satz: punktgenau GmbH, Bühl
Druck und buchbinderische Verarbeitung: Hubert & Co., Göttingen
Printed in Germany
3. Auflage 2017
© 2017 Hogrefe Verlag, Bern
E-Book-ISBN_PDF 978-3-456-95569-8
E-Book-ISBN_EPUB 978-3-456-75569-4
ISBN 978-3-456-85569-1
http://doi.org/10.1024/85569-000
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Sofern der Printausgabe eine CD-ROM beigefügt ist, sind die Materialien/Arbeitsblätter, die sich darauf befinden, bereits Bestandteil dieses E-Books.
Dieses Dokument ist nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt und darf in keiner Form vervielfältigt und an Dritte weitergegeben werden. Aus Gudrun Faller – Lehrbuch Betriebliche Gesundheitsförderung (ISBN 9783456755694) © 2017 Hogrefe Verlag, Bern
Vorwort
Wozu brauchen wir Betriebliche Gesundheitsförderung? Verständnis, Argumente und Entwicklungen
1. Was ist eigentlich Betriebliche Gesundheitsförderung?
Gudrun Faller
1.1 Betriebliche Gesundheitsförderung
1.1.1 Was Betriebliche Gesundheitsförderung nicht ist
1.1.2 Das Ziel Betrieblicher Gesundheitsförderung
1.1.3 Was bedeutet Betriebliche Gesundheitsförderung genau?
1.1.4 Betriebliche Gesundheitsförderung nach dem Verständnis der Luxemburger Deklaration
1.1.5 Betriebliche Gesundheitsförderung nach dem Verständnis der Ottawa-Charta
1.1.6 Betriebliches Gesundheitsmanagement: Potenziale und Grenzen
1.2 Betriebliche Prävention
1.2.1 Gesundheitsförderung und Prävention im Betrieb
1.2.2 Prävention im Rahmen des Betrieblichen Arbeitsschutzes
1.3 Verhaltens- und Verhältnisprävention im Betrieb
1.4 Weitergehende Konzepte
1.4.1 Arbeitsweltbezogene Gesundheitsförderung
1.4.2 Beiträge der Organisationsentwicklung zur Betrieblichen Gesundheitsförderung
2. Der Betrieb als gesundheitsförderndes Setting: Historische Entwicklung der Betrieblichen Gesundheitsförderung
Karl Kuhn
2.1 Zur Entstehungsgeschichte der betrieblichen Gesundheitsförderung
2.1.1 Die Ottawa-Charta
2.1.2 Der konzeptionelle Rahmen der Gesundheitsförderung
2.1.3 Der Setting-Ansatz
2.1.4 Einflüsse der italienischen Arbeitermedizin
2.1.5 Die Europäische Rahmenrichtlinie
2.1.6 Die Gemeinschaftsstrategien für Sicherheit und Gesundheit
2.2 Wegbereiter der betrieblichen Gesundheitsförderung in Deutschland
2.2.1 Das Gesundheitsreformgesetz von 1988 und seine Folgen
2.2.2 Das Präventionsgesetz
2.3 Die Entwicklung des Arbeitsschutzsystems in Deutschland
2.3.1 KOPAG
2.3.2 IPAG
2.3.3 iga
2.3.4 INQA
2.3.5 Netzwerke der betrieblichen Gesundheitsförderung
2.3.6 Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie
2.4 Entwicklung und Stand der betrieblichen Gesundheitsförderung in Österreich
2.4.1 Entwicklung und Akteurskonstellationen in Österreich
2.4.2 Gesundheitsreformgesetz 2013
2.4.3 Der Fonds Gesundes Österreich
2.4.4 Das Österreichische Netzwerk betrieblicher Gesundheitsförderung
2.4.5 Gesundheit Österreich GmbH
2.4.6 Österreichische Plattform Gesundheitskompetenz
2.5 Entwicklung und Stand der betrieblichen Gesundheitsförderung in der Schweiz
2.6 Überblick
2.6.1 Entwicklung der Betrieblichen Gesundheitsförderung in der Schweiz
2.6.2 Aktivitäten
2.7 Fazit
3. Hat BGF eine rechtliche Grundlage? – Gesetzliche Anknüpfungspunkte für die Betriebliche Gesundheitsförderung in Deutschland
Ulrich Faber, Gudrun Faller
3.1 Einführung
3.2 Das Arbeitsschutzgesetz
3.3 Arbeitsschutzverordnungen – insbesondere die Bildschirmarbeitsverordnung und die arbeitsmedizinische Vorsorge-Verordnung
3.4 Arbeitssicherheitsgesetz – Betriebsarzt; Fachkraft für Arbeitssicherheit, Arbeitsschutzausschuss
3.5 Siebtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VII): Unfallversicherungsrecht
3.6 Neuntes Buch Sozialgesetzbuch (SGB IX): Behindertenrecht
3.7 Fünftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB V): Krankenversicherungsrecht
3.8 Individuelle und kollektive Beteiligung der Beschäftigten und Schnittstellen mit der BGF
3.8.1 Individuelle Partizipation
3.8.2 Kollektive Partizipation
3.9 Fazit
4. Evaluierung psychischer Belastungen: Ein neuer Weg der Betrieblichen Gesundheitsförderung? Aktuelle Entwicklungen in Österreich
Brigitte Schigutt, Joe Püringer
4.1 Einleitung
4.2 Prävention und Gesundheitsförderung
4.3 Psychische Belastung bei der Arbeit
4.3.1 Definitionen nach Europäischer Norm 10075
4.4 EPB – die bessere BGF?
4.5 „Wie soll denn das funktionieren?“
4.6 Durchführungskriterien
4.7 Die Rolle der Arbeitspsychologie
4.8 Überraschende (?) Befragungsergebnisse
4.9 Information als gesundheitsförderliche Maßnahme
4.10 Resümee
5. Zwischen Politik und Eigeninitiative: Rahmenbedingungen für Betriebliche Gesundheitsförderung in der Schweiz
Bettina Abel, Michael Kirschner
5.1 Einleitung
5.1.1 Gesetzliche Rahmenbedingungen
5.2 Zuständigkeiten
5.2.1 Institutionelle Rahmenbedingungen
5.2.2 Wirtschaft
5.2.3 Forschung
5.2.4 Datenlage
5.3 Stärken und Schwächen
5.4 Möglichkeiten und Chancen für BGF in der Schweiz
5.5 Fazit
6. Anspruch und Wirklichkeit: Zum aktuellen Stand der Betrieblichen Gesundheitsförderung
Georg F. Bauer, Gregor J. Jenny
6.1 Anspruch aus unterschiedlichen Perspektiven
6.1.1 Einleitung
6.1.2 Gesellschaftliche Ansprüche
6.1.3 Betriebliche Ansprüche
6.1.4 Ansprüche der Arbeitnehmenden
6.1.5 Verbindung der Ansprüche durch die Wirtschaftsethik
6.2 Wirklichkeit in den Betrieben
6.2.1 Operationalisierung des „BGF-Stands“
6.2.2 RE-AIM-Raster zur Beurteilung des Public-Health-Impacts
6.2.3 One Size fits All? – Besonderheiten von BGF in Kleinunternehmen
6.2.4 Studienergebnisse zum BGF-Stand in den deutsch sprachigen Ländern
6.3 Fazit: Vom BGF-Stand zum BGF-Entwicklungspotenzial
Was ist gesunde Arbeit? Theoretische Grundlagen zum Zusammenhang von Arbeit und Gesundheit
7. Von Handlungs- und Entscheidungsspielräumen, Belohnungen und betrieblicher Gerechtigkeit: Die Modelle Demand-Control und berufliche Gratifikationskrisen
Richard Peter
7.1 Das moderne Berufsleben
7.2 Stresstheoretische Hintergründe
7.3 Theoretische Modelle psychosozialer beruflicher Belastung
7.3.1 Das Demand (Anforderungs)Control-(Kontroll-) Modell
7.3.2 Das Modell beruflicher Gratifikationskrisen
7.3.3 Vergleichende Diskussion der Modelle
7.4 Psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz: was tun?
8. Belastung ist neutral! Das Belastungs-BeanspruchungsModell
Gabriele Richter, Martin Schütte
8.1 Entstehung/Entwicklung
8.2 Aussagekraft des Modells
8.3 Erfassung von psychischer Belastung und Beanspruchung
8.4 Eingang in die Normung
8.5 Kritische Würdigung
8.6 Implikationen für die Praxis
9. Anforderungen und Belastungen im Job: Die Handlungsregulationstheorie
Martin Resch
9.1 Grundannahmen
9.1.1 Das Menschenbild
9.1.2 Partialisierung des Arbeitshandelns
9.2 Die zentralen Dimensionen der Arbeit
9.2.1 Anforderungen
9.2.2 Belastungen
9.3 Zum Zusammenhang von Arbeit und Gesundheit
9.4 Instrumente zum Einsatz in der Betrieblichen Gesundheits-förderung
9.5 Weiterentwicklungen und Grenzen des Ansatzes
10. Das Konzept der Widersprüchlichen Arbeitsanforderungen (WAA). Ein nichtlinearer Ansatz zur Analyse von Belastung und Bewältigung in der Arbeit
Manfred F. Moldaschl
10.1 Einleitung
10.2 Der Ansatz der Widersprüchlichen Arbeitsanforderungen
10.2.1 Belastung unabhängig von der Person definieren
10.2.2 Anforderung von Belastung unterscheiden
10.2.3 Belastung in selbstbestimmter Arbeit – das Verhältnis von Ressourcen und Kontrolle
10.2.4 Belastung im Kontext – Belastung durch Missachtung geforderter Subjektivität
10.2.5 Gesamtbelastung und Belastungssyndrome
10.2.6 Wie sich für Betriebe dysfunktionale psychische Belastungen dennoch erhalten
10.3 Fazit
11. Neue Herausforderungen für die Betriebliche Gesundheitsförderung durch indirekte Steuerung und interessierte Selbstgefährdung
Andreas Krause, Cosima Dorsemagen
11.1 Einleitung
11.2 Interessierte Selbstgefährdung
11.3 Merkmale indirekter Steuerung
11.4 Qualität der Umsetzung indirekter Steuerung
11.5 Rahmenmodell zum Einfluss indirekter Steuerung auf Bewältigungsstrategien und auf Gesundheit
11.6 Neue Herausforderungen für Betriebliche Gesundheitsförderung und Lösungsansätze
12. Sozialkapital: nicht nur produktiv, sondern auch gesund!
Manfred Fuchs
12.1 Einführung
12.2 Sozialkapitaldefinitionen
12.3 Sozialkapitaltheorien
12.3.1 Die Theorie von Pierre Bourdieu
12.3.2 Die Theorie von James Samuel Coleman
12.3.3 Die Theorie von Robert Putnam
12.3.4 Der Bielefelder Sozialkapitalansatz
12.4 Welche Wirkung hat Sozialkapital?
12.5 Warum wirkt Sozialkapital in Unternehmen produktivitäts- und gesundheitsfördernd?
Wie gehen wir vor? Strukturen und Prozesse Betrieblicher Gesundheitsförderung
13. Betriebliche Gesundheitsförderung umsetzen – ein Überblick
Nadine Pieck
13.1 Der Kern der Sache: Gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen
13.2 Sensibilisierungs- und Konzeptionsphase
13.3 Steuerung Betrieblicher Gesundheitsförderung
13.4 Kernprozess der betrieblichen Gesundheitsförderung
13.5 Information und Kommunikation
13.6 Vernetzung und Koordination
14. Mehr als Marketing: Kommunikation und Gesundheit im Betrieb
Gudrun Faller
14.1 Kommunikation und Gesundheit im betrieblichen Alltag
14.2 Inhaltliche Bestimmung: Formen der gesundheitsbezogenen und gesundheitsrelevanten betrieblichen Kommunikation
14.3 Kommunikation in der betrieblichen Prävention
14.4 Kommunikation im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung
14.5 Gesundheitsrelevante Kommunikation im Betrieb als Kulturphänomen
15. Akteure der Betrieblichen Gesundheitsförderung: Interessenlagen – Handlungsbedingungen – Sichtweisen
Uwe Lenhardt
15.1 Die Krankenkassen
15.2 Die Arbeitgeber und das Management
15.3 Die Belegschaftsvertretungen
15.4 Die Beschäftigten
15.5 Die professionellen Arbeitsschutzexperten
15.6 Ausblick
16. Daten und ihre Vermittlung: Anforderungen an die Betriebliche Gesundheitsberichterstattung
Joseph Kuhn
16.1 Epidemiologie im Betrieb?
16.2 Datenquellen der betrieblichen Gesundheitsberichterstattung
16.2.1 Arbeitsunfähigkeitsdaten
16.2.2 Mitarbeiterbefragungen
16.2.3 Daten aus Gefährdungsbeurteilungen und aus der arbeits-medizinischen Tätigkeit
16.3 Noch einmal: Daten erheben, auswerten, berichten
16.4 … und in Kleinbetrieben?
16.5 Der Blick über den betrieblichen Tellerrand: Arbeitsweltbezogene Gesundheitsberichterstattung auf der überbetrieblichen Ebene
17. Kein Ersatz für Kommunikation: Die Mitarbeiterbefragung als Element im Diagnoseportfolio der BGF
Georg Zepke, Clemens Stieger
17.1 Einleitung
17.2 MAB in der BGF
17.3 Konkretes Vorgehen
17.3.1 Planung der Befragung
17.3.2 Abstimmung mit anderen diagnostischen Maßnahmen
17.3.3 Standardisierte oder maßgeschneiderte Instrumente?
17.3.4 Interne oder externe Durchführung
17.3.5 Detaillierungsgrad der Auswertung hinsichtlich der organisatorischen Subeinheiten
17.3.6 Informations- und Marketingstrategie
17.3.7 Durchführung der Befragung
17.3.8 Auswertung der Ergebnisse
17.3.9 Rückkopplung der Ergebnisse
17.3.10 Ableitung von Konsequenzen und Entwicklung von Aktionsplänen
17.3.11 Evaluierung
17.4 Ausblick
18. Gesunde Führung
Ulrike Stilijanow, Gabriele Richter
18.1 Gesunde Führung aus wissenschaftlicher Sicht
18.1.1 Was genau ist gesundheitsförderliches Führen?
18.1.2 Welche Antworten gibt die Forschung?
18.1.3 Wie sieht die Umsetzung in den Betrieben aus?
18.1.4 Chancen und Herausforderungen für eine neue Führungskultur
18.2 Gesunde Führung in KMU und Handwerk
18.3 Was sind Wege aus dem Dilemma?
18.4 Beispiele „Guter Praxis“
18.5 Ausblick
19. Partizipation im Betrieb: Gesundheitszirkel & Co
Franz Friczewski
19.1 Bedeutung des Erfahrungswissens der Beschäftigten
19.2 Gesundheitszirkel gedanklich im Betrieb verorten
19.3 Menschen ansprechen
19.4 Die geeignete Vorgehensweise wählen
19.5 Einen problemadäquaten Blickwinkel wählen
19.6 Das Puzzle neu zusammensetzen
19.7 Können Gesundheitszirkel die „Stressbewältigungskompetenz“ einer Organisation stärken?
20. Evaluation von Betrieblicher Gesundheitsförderung – mehr als ein „Datenvergleich“
Thomas Elkeles, David Beck
20.1 Evaluation
20.1.1 Begriff
20.1.2 Programmevaluation
20.1.3 Formative Evaluation in der Programmentwicklung
20.2 Programmevaluation betrieblicher Gesundheitsförderung
20.3 Formative Evaluation bei der Entwicklung von Gesundheitsförderungsprogrammen im Betrieb
20.4 Bewertung des Stands der Evaluationspraxis und Ausblick
21. Lohnt sich Betriebliche Gesundheitsförderung? Ökonomische Indikatoren und Effizienzanalysen
Wolfgang Bödeker
21.1 Warum fragt man nach dem ökonomischen Nutzen von Betrieblicher Gesundheitsförderung?
21.2 Für wen lohnt sich BGF und warum?
21.3 Indikatoren zur Abbildung des ökonomischen Nutzens
21.3.1 Lohnt sich BGF für Unternehmen und Krankenkassen? – Evidenz aus Interventionsstudien
21.4 Lohnt sich BGF für die Gesellschaft? – Kosten arbeitsbedingter Erkrankungen
21.5 Ausblick: Instrumente zur prospektiven Abschätzung des Kosten-NutzenVerhältnisses von BGF
Welche Zugänge können wir nutzen? Einstiegs- und Schnittstellenthemen für Betriebliche Gesundheitsförderung
22. Stärken fördern, Schwächen anerkennen: Der Beitrag der Betrieblichen Gesundheitsförderung für die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit von älteren und älter werdenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
Jürgen Tempel, Heinrich Geißler, Juhani Ilmarinen
22.1 Ständiger Wandel von Rahmenbedingungen
22.2 Konzept: Willkommen im Haus der Arbeitsfähigkeit!
22.3 Erhebungsinstrumente: Der Balance einen Wert geben
22.4 Standards und Regeln bei der praktischen Anwendung
22.5 Führung: Die dritte Säule der Betrieblichen Gesundheitsförderung
22.5.1 Der anerkennende Erfahrungsaustausch
22.6 Ausblick
23. Fernab von Fehlzeitengesprächen: Betriebliches Eingliederungsmanagement als Chance und Herausforderung
Helga Seel
23.1 Betriebliches Eingliederungsmanagement – der etwas andere Umgang mit Arbeitsunfähigkeit
23.2 Das betriebliche Eingliederungsmanagement als Vorschrift
23.3 Fehlzeitengespräch und BEM sind „zwei Welten“
23.4 Das betriebliche Eingliederungsmanagement im Einzelfall
23.4.1 Aufgaben des Arbeitgebers
23.4.2 Der betroffene Mitarbeiter
23.4.3 Das betriebliche Integrationsteam
23.4.4 Externe Partner
23.4.5 Unterstützung durch die Rehabilitationsträger und die Integrationsämter
23.5 Das betriebliche Eingliederungsmanagement als System
23.6 Das betriebliche Eingliederungsmanagement: Chance und Herausforderung
24. Qualitäts- und Betriebliches Gesundheitsmanagement: Integration, Ergänzung oder Gegensatz?
Martin J. Thul
24.1 Einleitung
24.2 Der Managementbegriff
24.3 Wesentliche Entwicklungen im Qualitätswesen
24.4 Konsequenzen für ein Betriebliches Gesundheitsmanagement
24.5 Qualitäts- und Betriebliches Gesundheitsmanagement – Potenziale einer Integration
24.5.1 Gegenstand der Managementsysteme
24.5.2 Prozessuale und strukturelle Verankerung
24.5.3 Einführung und Weiterentwicklung
24.6 Fazit
25. Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben – ein wichtiges Thema der Betrieblichen Gesundheitsförderung
Oliver Hämmig, Georg F. Bauer
25.1 Zur Aktualität und Popularität des Themas
25.1.1 Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben im gesellschaftlichen Kontext
25.1.2 Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben als Politikum und Wirtschaftsfaktor
25.2 Gesundheitliche Ressource und betrieblicher Erfolgsfaktor
25.2.1 Die Ursprünge der Forschung
25.2.2 Zum aktuellen Forschungsstand
25.2.3 Work-Family Konflikt: Arbeitsbezogene Ursachen und gesundheitliche Auswirkungen
25.3 Ansatzpunkte zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben
25.3.1 Betriebliche Maßnahmen und Interventionsansätze
25.3.2 Individuelle Optimierungsstrategien
25.3.3 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen und gesetzgeberische Maßnahmen
25.4 Umsetzung und Effekte von Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben
25.4.1 Verbreitung von vereinbarkeitsunterstützenden Angeboten in Betrieben
25.4.2 Umsetzung im Rahmen der BGF
25.4.3 Wirksamkeit von betrieblichen Unterstützungmaßnahmen
25.5 Fazit
26. Konfliktmoderation als Aufgabe von Führungspersonen
Peter-Ulrich Wendt
26.1 Die Bedeutung betrieblicher Konflikte und ihrer Bewältigung
26.2 Anforderungen an die Rolle der Vorgesetzten
26.3 Praktische Gestaltung der Konfliktmoderation
27. Von zunehmender Bedeutung: Unterstützungen bei psychischen Erkrankungen im Betrieb
Jörg Bungart
27.1 Einleitung
27.2 Aktuelle Entwicklungen
27.3 Gute Arbeit und Gesundheit
27.4 Belastungsfaktoren
27.5 Hintergründe steigender Arbeitsunfähigkeit aufgrund psychischer Erkrankung
27.6 Vielfalt und Komplexität der Rehabilitationsleistungen
27.7 Psychische Erkrankung und Betriebliche Gesundheitsförderung
27.8 Wiedereingliederung in das Arbeitsleben
28. Betriebliche Suchtprävention: Gesundheitsförderung und lösungsorientierte Interventionen
Elisabeth Wienemann
28.1 Einführung
28.2 Elemente der betrieblichen Suchtprävention
28.2.1 Abbau suchtfördernder Arbeitsbedingungen
28.2.2 Verantwortung setzt die Grenze
28.2.3 Punktnüchternheit
28.2.4 Information und Aufklärungsaktionen
28.2.5 Persönliche Ressourcen stärken – Gesundheitskompetenz entwickeln
28.2.6 Veränderung riskanter Konsummuster
28.2.7 Einschränkungen und Verbote des Suchtmittelkonsums im Betrieb
28.3 Interventionen
28.3.1 Frühintervention durch Vorgesetzte
28.3.2 Fürsorgegespräch und Klärungsgespräch
28.3.3 Intervention bei Gefährdung der Arbeitssicherheit
28.3.4 Gestufte Intervention bei sucht(mittel)bedingten Auffälligkeiten
28.3.5 Stufengespräche
28.4 Qualifizierung der Personalverantwortlichen
28.5 Beratung und Hilfe bei Auffälligkeiten und Suchtproblemen
28.6 Organisatorischer Rahmen betrieblicher Suchtprävention und -hilfe
Was ist hier anders? Betriebliche Gesundheitsförderung in spezifischen Interventionsfeldern
29. „… zu teuer und zu aufwendig?“ – Herausforderungen für die Betriebliche Gesundheitsförderung in Kleinen und Mittleren Unternehmen
Oskar Meggeneder
29.1 Einleitung
29.2 Besonderheiten von KMU im Rahmen von BGF
29.2.1 Die Ebene der Unternehmensorganisation
29.3 Führungsverhalten und Managementstil
29.3.1 Pragmatische Produktionsgemeinschaft: „Jeder gibt sein Bestes. Der Chef geht mit gutem Beispiel voran.“
29.3.2 Wilde Ehe: „Sie küssten und sie schlugen sich.“
29.3.3 Integrative Bürgergesellschaften: „Der Chef ist distanziert, aber nicht ichbezogen. Er liebt die Sachlichkeit und vor allem hat er Manieren.“
29.3.4 Waisenhäuser oder das verlorene Paradies: „Wir kriegen oben kein Gehör mehr, alles wurde untergraben.“
29.4 Instrumente und Methoden
29.4.1 Diagnoseinstrumente
29.4.2 Umsetzungsinstrumente
29.4.3 Evaluationsinstrumente
29.5 Überbetriebliche Unterstützung
29.5.1 Deutschland
29.5.2 Österreich
29.5.3 Schweiz
29.6 Resümee
30. Wer hilft den Helfern? Gesundheitsförderung im Krankenhaus
Gudrun Faller; Friederike Störkel
30.1 Einleitung
30.2 Spezifika und Herausforderungen
30.3 Veränderte Arbeitsbedingungen
30.4 Anforderungen und Aufgaben der Gesundheitsförderung im Krankenhaus
30.5 Praxis der Gesundheitsförderung im Krankenhaus
30.6 Probleme lösen durch Gesundheitsförderung
30.7 Fazit
31. Gesundheitsförderung in Bildungseinrichtungen: Schwerpunkt Schulen und Kitas
Dieter Sommer, Detlef Kuhn, Anke Blaschka
31.1 Einleitung
31.2 Die Sinnfrage
31.3 Die Praxis
31.4 Das Besondere
31.5 Braucht gesundes Lehren und Lernen eine andere Pädagogik?
32. Gesund lernen, lehren und forschen: Gesundheitsförderung an Hochschulen
Gudrun Faller
32.1 Anspruch und Zielsetzung der Gesundheitsförderung an Hochschulen
32.2 Strukturmerkmale und Spezifika von Hochschulen
32.3 Aktuelle Veränderungen an Hochschulen
32.4 Zur gesundheitlichen Situation von Hochschulangehörigen
32.4.1 Gesundheitsrelevante Bedingungen im Studium
32.4.2 Gesundheitsrelevante Arbeitsbedingungen in Verwaltung und Technik
32.4.3 Gesundheit und Wissenschaft
32.5 Gesundheitsförderung an Hochschulen
33. Für alles ständig selbst verantwortlich? Belastungen, Gesundheitsressourcen und Prävention bei selbstständiger Erwerbsarbeit
Ulrich Pröll, Michael Ertel, Gunter Haake
33.1 Einführung: Gute Gründe für Prävention und Gesundheitsförderung bei Selbstständigen
33.2 Struktur und Dynamik selbstständiger Erwerbstätigkeit in Deutschland
33.3 Anforderungen und Belastungen
33.4 Ressourcen und Bewältigungshandeln
33.5 Prekarisierungsrisiken selbstständiger Erwerbsarbeit
33.6 Ansätze für zielgruppenspezifische Prävention und Gesundheitsförderung
33.7 Schlussbetrachtung
34. Ein strukturelles Problem? Herausforderungen der Gesundheitsförderung für prekär Beschäftigte
Kai Seiler, Bettina Splittgerber
34.1 Prekäre Beschäftigung – Arbeit am Rande des Markts?
34.2 Fakten zu prekären Arbeitsverhältnissen
34.3 Soziale und gesundheitliche Konsequenzen von prekären Arbeitsverhältnissen
34.4 Herausforderungen für Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung am Beispiel der Leiharbeit
34.4.1 Betriebliche Ebene
34.4.2 Institutionelle und überbetriebliche Ebene
34.4.3 Sozio-demografische Besonderheiten der Beschäftigtengruppe
34.5 Handlungsoptionen und Lösungsansätze
34.5.1 Betriebliche Ansatzpunkte im Verleihbetrieb
34.5.2 Betriebliche Ansatzpunkte im Entleihbetrieb
34.5.3 Institutionelle und überbetriebliche Ansatzpunkte
34.5.4 Personenbezogene Förderansätze
34.6 Fazit und Ausblick
35. und die, die draußen sind? Gesundheitsförderung für Arbeitslose
Alfons Hollederer
35.1 Massenarbeitslosigkeit als „Problem der Volksgesundheit“ nach 1929
35.2 Arbeitslosigkeit und Gesundheit
35.3 Empirische Befunde zur Gesundheit von Arbeitslosen
35.4 Disparitäten auf regionalen Arbeitsmärkten und in der Erwerbsbevölkerung sowie neue Entwicklungen
35.5 Arbeitsmarktintegrative Gesundheitsförderung
Wozu dient Vernetzung? Überbetriebliche Zusammenarbeit in der Gesundheitsförderung
36. Vom Austausch – zum Produktionsnetzwerk betrieblicher Gesundheitsförderung
Martina Helmcke
36.1 Einführung in die Funktionsweise von Netzwerken und Kooperationen
36.1.1 Netzwerke aus unterschiedlicher theoretischer Perspektive
36.1.2 Welche Ziele sind mit Vernetzung und mit Kooperation erreichbar?
36.2 Erfolgsfaktoren funktionierender Multiakteursnetzwerke
36.2.1 Wie kann Kooperation gefördert werden?
36.2.2 Gemeinsame strategische Zielsetzung
36.2.3 Ausgeglichene Nutzenarchitektur
36.2.4 Steuerung mittels Zielvereinbarung
36.2.5 Professionelles Netzwerkmanagement
36.2.6 Die richtigen Personen
36.3 Konzeptioneller Rahmen für ein Netzwerk Betriebliche Gesundheitsförderung unter Beteiligung von KMU in einer Region
36.3.1 Ausgangslage
36.3.2 Konzeptioneller Rahmen für ein akteursübergreifendes regionales Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung
36.3.3 Strategische Zielsetzung
36.3.4 Operative Zielsetzung
36.3.5 Arbeitsweise
36.3.6 Innovationsgehalt
36.3.7 Finanzierung
37. Verbreitung guter Praxis betrieblicher Gesundheitsförderung durch Vernetzung: Das Beispiel psyGA und das Deutsche Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung
Peter Krauss-Hoffmann, Reinhold Sochert
37.1 Hintergrund
37.2 Das Projekt psyGA und sein Qualitätsmodell
37.3 Das Deutsche Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung (DNBGF)
37.3.1 Forum Großunternehmen
37.3.2 Forum KMU
37.3.3 Forum Öffentlicher Dienst
37.3.4 Forum Gesundheitswesen und Wohlfahrtspflege
37.3.5 Forum Arbeitsmarktintegration und Gesundheitsförderung
37.3.6 Forum Bildung und Erziehung
37.4 Projektevaluation psyGA
37.5 Fazit und Ausblick
38. Die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) – neue Ansätze für eine gesunde, mitarbeiterorientierte Unternehmensführung
Gabriele Richter, Achim Sieker
38.1 Einführung
38.2 Die INQA-Checks: Ein systematischer Einstieg in die INQA-Themenwelt
38.2.1 Alleinstellungsmerkmale der INQA-Checks
38.3 Der INQA-Unternehmenscheck „Guter Mittelstand“ – Einstieg in die systematische, mitarbeiterorientierte Unternehmensführung
38.4 Die Offensive Mittelstand
38.5 Psychische Gesundheit bei der Arbeit – psyGA
38.6 Weiterführende Angebote der Initiative Neue Qualität der Arbeit
38.6.1 Beratungsförderprogramm unternehmensWert:Mensch
38.6.2 Das INQA-Audit „zukunftsfähige Unternehmenskultur“
38.6.3 Monitore
39. Das Österreichische Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung (ÖNBGF)
Christoph Heigl
39.1 Anfänge und Entwicklung der Betrieblichen Gesundheitsförderung in Österreich
39.2 Das Österreichische Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung (ÖNBGF)
39.2.1 Entwicklung des ÖNBGF
39.2.2 Mitglieder und Zusammensetzung des ÖNBGF
39.2.3 Aufgaben des ÖNBGF
39.3 Das Qualitätssicherungssystem des ÖNBGF
39.3.1 Notwendigkeit und Anfänge des Qualitätssicherungssystem
39.3.2 Konzeptualisierung und Entwicklung des Qualitätssicherungssystems
39.4 Ständige Herausforderungen und Ausblick
Wie geht es weiter? Visionen, Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten Betrieblicher Gesundheitsförderung
40. Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit als Politikfeld in Deutschland
Hartmut Karsten, Christiane Dienel
40.1 Neue Herausforderungen für Arbeitsschutz und betriebliche Gesundheitsförderung
40.2 Arbeitsschutz als staatliche Aufgabe heute
40.3 Zukunft des Arbeitsschutzes in Deutschland
41. Perspektiven der Betrieblichen Gesundheitsförderung: Aufgaben und Chancen im Gegenwartskapitalismus
Klaus Pickshaus, Hans-Jürgen Urban
41.1 Einleitung
41.2 Aktueller Stand einer betrieblichen Gesundheitspolitik: Ansätze und Defizite
41.2.1 Ganzheitlicher Präventionsauftrag des Arbeitsschutzgesetzes
41.2.2 Personenbezogene Intervention des Betrieblichen Eingliederungsmanagements
41.2.3 Gesundheitsförderung
41.3 Gesundheitsförderliche Arbeitspolitik unter Bedingungen des Gegenwartskapitalismus
41.3.1 Ansätze einer Initiative Guter Arbeit aus gewerkschaftlicher Sicht
41.3.2 Unternehmenspolitik und gesundheitsförderliche Arbeitspolitik
41.3.3 Perspektiven einer gesundheitsförderlichen Arbeitspolitik
41.4 Gesundheitsförderung in der digitalen Arbeitswelt
42. Die zentrale Bedeutung der psychischen Gesundheit: Für eine Kultur der Achtsamkeit und des Sozialvermögens
Bernhard Badura
42.1 Einleitung
42.2 Wie steht es mit Achtsamkeit für das Thema Gesundheit in Ihrem Unternehmen?
43. Hindernisse erkennen, benennen und überwinden: Perspektiven der betrieblichen Gesundheitspolitik
Rolf Rosenbrock
Quellenverzeichnis
Autorenverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
Sachwortverzeichnis
Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) – fast jeder hat eine Idee davon, was sich mit dem Begriff verbindet. Auch wenn sich diese Vorstellung nicht immer mit dem deckt, was die Gesundheitsförderung seit fast 30 Jahren fordert. Vermutlich ist diese Wissensgewissheit ein Grund dafür, dass heute zwar mehr als ein Drittel der Betriebe angibt, BGF zu realisieren. Allerdings ist häufig unklar, was die Antwortenden damit verbinden. Spezifischere Nachfragen, ob es sich dabei um Maßnahmen jenseits des klassischen Arbeitsschutzes handelt, stellen ebenfalls kaum belastbare Indikatoren dar: Ein Arbeitsschutz, der heute explizit die Förderung der psychischen Gesundheit zum Ziel hat, kann gar nicht anders, als Konzepte und Methoden der BGF zu integrieren. Worin besteht also das Spezifische der Betrieblichen Gesundheitsförderung? Sicherlich nicht primär darin, Beschäftigte zu einem gesünderen Lebensstil zu bewegen. Wie zahlreiche Studien seit vielen Jahren belegen, sind es weniger die unzureichenden Gelegenheiten am Arbeitsplatz Ausgleichsübungen durchzuführen oder das fehlende Fitnessstudio im Betrieb, die Beschäftigte krank machen. Wiederholt validierte und langfristig angelegte Studien zeigen vielmehr, dass ganz andere Einflüsse am Arbeitsplatz eine zentrale Rolle für die Entstehung arbeitsbedingter Herz-Kreislauf-, Muskel-Skelett- und psychischer Erkrankungen spielen: mangelnde Wertschätzung und Gratifikation, geringe Handlungs- und Entscheidungsspielräume, ein Missverhältnis von qualitativen und quantitativen Anforderungen und den Möglichkeiten ihrer Bewältigung, wenig soziale Unterstützung und eine mit diesen Faktoren in Verbindung stehende, defizitäre betriebliche Führungskultur.
Vor diesem Hintergrund vermittelt das Lehrbuch einen adäquaten, theoretisch und empirisch fundierten und konzeptionell schlüssigen Zuschnitt einer zeitgemäßen Betrieblichen Gesundheitsförderung. Im Gegensatz zu vielen anderen, einschlägigen Publikationen, die BGF meist aus einer spezifischen disziplinären Sicht darstellen (etwa der Arbeits- und Organisationspsychologie oder der Betriebswirtschaft), verfolgt das vorliegende Lehrbuch ein integratives Konzept, das unterschiedlichste disziplinäre Zugangswege, Perspektiven und Interessen in einem gemeinsamen und konsistenten Ansatz von Betrieblicher Gesundheitsförderung zusammenführt. Die Tatsache, dass das Lehrbuch innerhalb weniger Jahre bereits in der dritten Auflage erscheint, bestätigt, dass wir mit diesem Zuschnitt auf einen entsprechenden Bedarf bei den Leserinnen und Lesern treffen. Den besonderen begrifflichen und konzeptionellen Herausforderungen, die sich mit einem solchen interdisziplinären Zugang verbinden, haben sich alle Autoren konstruktiv und erfolgreich gestellt.
Alle Mitwirkenden haben daran gearbeitet, die aktuelle Auflage weiter zu verbessern, diese und noch mehr an die Bedürfnisse der Adressaten anzupassen und um aktuelle Erkenntnisse und Methoden zu bereichern. So haben wir nicht nur die Bezugnahme auf empirische Datenlagen aktualisiert, sondern darüber hinaus besonders darauf geachtet, die Texte und Darstellungen noch studierendenfreundlicher und zugänglicher zu gestalten. Ergänzend zu den Abbildungen, Tabellen, Textboxen, Selbstkontrollfragen und vertiefenden Literaturhinweisen tragen in der neuen Auflage kurze Übersichten über die Inhalte jedes Beitrags zur Zugänglichkeit und selbstständigen Erschließbarkeit der Texte bei.
Nachdem bereits die erste Auflage des Bandes in allen deutschsprachigen Ländern eine hohe Verbreitung gefunden hatte, griff die zweite Auflage verstärkt die Spezifika der BGF in Österreich und der Schweiz auf. In der nun vorliegenden dritten Auflage wird diese Entwicklung durch Christoph Heigls Auseinandersetzung mit dem Österreichischen Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung fortgesetzt. Generell erhält die Diskussion des Netzwerkgedankens in der aktuellen Auflage ein verstärktes Gewicht: Neben den theoretisch fundierten, strategischen Überlegungen von Martina Helmcke werden die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) von Gabriele Richter und Achim Sieker sowie das Deutsche Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung und das Projekt psyGA Transfer durch Peter-Krauss-Hoffmann und Reinhold Sochert präsentiert und deren Beitrag zur Sicherstellung gesundheitsfördernder Arbeit in Deutschland reflektiert. Auf die eingangs gestellte Frage, was Betriebliche Gesundheitsförderung ist und will, enthält mein einleitender Beitrag eine differenzierte Antwort, die dazu anregt, die im Kontext der BGF verwendeten Begriffe zu spezifizieren und auf ihre impliziten Botschaften hin zu untersuchen. In Ergänzung dazu beschreiben die Ausführungen von Karl Kuhn die Wurzeln und bisherigen Entwicklungsverläufe der BGF. Wie sich das Ergebnis dieser Entwicklung zu heutigen Konzepten des Arbeitsschutzes im deutschsprachigen Raum verhält und wie der aktuelle Verbreitungsgrad von BGF einzuschätzen ist, darauf gehen die Beiträge von Gudrun Faller und Ulrich Faber, Brigitte Schigutt und Joe Püringer, von Bettina Schulte-Abel und Michael Kirschner ebenso wie von Georg Bauer und Gregor Jenny ein.
Der zweite Teil des Lehrbuches fasst den theoretischen Wissensstand zum Thema Arbeit und Gesundheit zusammen. Mit den Beiträgen zum Anforderungs-Kontroll-Modell und dem Konzept beruflicher Gratifikationskrisen (Richard Peter), dem Belastungs-Beanspruchungs-Paradigma (Gabriele Richter und Martin Schütte), der Handlungsregulationstheorie (Martin Resch), dem Modell widersprüchlicher Arbeitsanforderungen (Manfred Moldaschl) und dem Sozialkapitalansatz (Manfred Fuchs) werden verbreitete Konzeptualisierungen dessen zusammengefasst, worum es in der BGF geht: Arbeit zu einer Quelle der Gesundheit und nicht der Krankheit werden zu lassen. Nachdem in den letzten Jahren neue Formen der Arbeitsorganisation sowie mit diesen verbundene Belastungen in den Fokus der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit gerückt sind, setzt sich ein neuer Beitrag von Andreas Krause und Cosima Dorsemagen mit dem Thema Selbstgefährdung und indirekte Steuerung auseinander. Der dritte Teil des Lehrbuchs stellt das „Wie“ von Betrieblicher Gesundheitsförderung in den Mittelpunkt. Nach ersten Übersichten über die methodisch-strategischen (Nadine Pieck) und kommunikativen (Gudrun Faller) Konzepte folgen spezifischere Überlegungen zu einzelnen Elementen, die bei der Umsetzung von BGF zentral wichtig sind und für die Gewährleistung einer angemessenen Qualität Aufmerksamkeit fordern. Zu diesen zählt die Auseinandersetzung mit individuellen und funktionsspezifischen Interessenlagen der beteiligten Akteure (Uwe Lenhardt) – insbesondere der Führungskräfte (Ulrike Stilijanow und Gabriele Richter).
Das „Wie“ der Betrieblichen Gesundheitsförderung umfasst weiter Fragen der Gesundheitsberichterstattung (Joseph Kuhn) und der Mitarbeiterbefragung (Georg Zepke und Clemens Stieger), Instrumente der Mitarbeiterbeteiligung (Franz Friczewski), der Evaluation (Thomas Elkeles und David Beck) und der ökonomischen Erfolgsbewertung (Wolfgang Bödeker).
Neben dem „klassischen“ Ansatz der BGF im engeren Sinne existieren zahlreiche thematische Schnittstellen, die konzeptionell und strategisch sinnvoll mit der Betrieblichen Gesundheitsförderung verknüpft werden sollten, und die in der betrieblichen Praxis oftmals den Impuls für weitergehende Aktivitäten zur Gesundheitsförderung im Betrieb geben. Beispielsweise enthalten zeitgemäße Ansätze der Suchtprävention (Elisabeth Wienemann), des betrieblichen Eingliederungsmanagements (Helga Seel) und des Qualitätsmanagements (Martin Thul) eine Reihe von Anknüpfungspunkten, die einen Einstieg in eine umfassendere BGF erleichtern und ermöglichen können. Gleiches gilt für die zwischenzeitlich für die meisten Betriebe virulent gewordene Frage des Erhalts der Beschäftigungsfähigkeit älter werdender Belegschaften (Jürgen Tempel, Heinrich Geißler und Juhani Ilmarinen), der (Re-)Integration von chronisch erkrankten und behinderten Mitarbeitern (Jörg Bungart) und die akuten Herausforderungen für die ausgewogene Gestaltung von Arbeit und Erholung (Oliver Hämmig und Georg Bauer). Neu ist in diesem Abschnitt das Thema „Konfliktmoderation“, die aus der Sicht von Peter-Ulrich Wendt als Aufgabe von Führungspersonen verstanden werden muss. Die Themen dieses Buchteils machen deutlich, wie sehr eine zeitgemäße Gestaltung von Arbeit und beruflichen Anforderungsprofilen einen sensiblen und nachhaltigen Umgang mit den psychischen und körperlichen Belastbarkeitsgrenzen von Beschäftigten notwendig macht, wenn es darum geht, in einer turbulenten und wettbewerbsorientierten Arbeitswelt als Betrieb zu überleben.
Wie jahrzehntelange Erfahrungen zeigen, lässt sich BGF selten nach dem klassischen, idealtypischen Muster umsetzen. Neben innerbetrieblichen Dynamiken, Befindlichkeiten und Hürden gibt es betriebsarten- und branchenspezifische Merkmale, die bei der Konzeption von Interventionen des Vorgehens Berücksichtigung finden müssen. Allen voran sind hier die Besonderheiten von klein- und mittelständischen Betrieben zu nennen, die neue und kreative Methoden verlangen (Oskar Meggeneder). Geeignete Erweiterungen und einen adäquaten Umgang mit den jeweils dort vorherrschenden Kulturen, Strukturen und Problemen erfordert BGF darüber hinaus in Einrichtungen des Gesundheitssektors (Gudrun Faller und Friederike Störkel), des Bildungswesens (Dieter Sommer, Detlef Kuhn und Anke Blaschka sowie von Gudrun Faller). Darüber hinaus gibt es Bereiche, die im Kontext Betrieblicher Gesundheitsförderung immer noch viel zu selten Berücksichtigung finden. Die gesundheitlichen Bedarfslagen von Selbstständigen (Ulrich Pröll, Michael Ertel und Gunter Haake), prekär Beschäftigten (Kai Seiler und Bettina Splittgerber) und Arbeitslosen (Alfons Hollederer) stellen entscheidende und für eine arbeitsweltbezogene Gesundheitsförderung herausfordernde Fragen – gerade wenn wirtschaftspolitische und Standortthemen die öffentliche Diskussion dominieren.
Dass es neben der Auseinandersetzung mit innerbetrieblichen Problemlagen und deren Bearbeitung Anforderungen gibt, die sich auf der betrieblichen Ebene alleine nicht bewältigen lassen und überbetriebliche Kooperationen in Form von Netzwerken erfordern, wurde bereits erwähnt. Entsprechende Verbünde ermöglichen nicht nur den Erfahrungsaustausch, sondern dienen auch dazu, gemeinsame Bedarfslagen zu explizieren, Standards zu formulieren und Impulse für überbetriebliche Entscheidungsträger – etwa in Politik und Sozialversicherung – zu geben.
Der abschließende Teil des Lehrbuchs greift die bereits an mehreren Punkten der vorausgehenden Beiträge tangierten Überlegungen zu künftigen Herausforderungen der Betrieblichen Gesundheitsförderung auf und führt diese weiter. Während Hartmut Karsten und Christiane Dienel die derzeitigen Entwicklungen der betrieblichen und arbeitsweltbezogenen Gesundheitsförderung vor dem Hintergrund der Tradition des Arbeits- und Gesundheitsschutzes skizzieren und dabei neue Potenziale fokussieren, ziehen Klaus Pickshaus und Hans-Jürgen Urban ein kritisches Resümee der gesundheitsförderlichen Arbeitspolitik in und nach der „großen Krise“ und benennen dringende gesellschaftliche Handlungsnotwendigkeiten. Eine dieser Handlungsnotwendigkeiten besteht nach Bernhard Badura darin, die zentrale Bedeutung der psychischen Gesundheit im Betrieb zu erkennen und eine Kultur der Achtsamkeit und des Sozialvermögens zu schaffen. In seinem abschließenden Fazit, das zentrale Argumentationslinien des Bandes aus Sicht der Gesundheitspolitik aufgreift, kommt Rolf Rosenbrock zu dem Fazit, dass Betriebliche Gesundheitsförderung in mehrfacher Hinsicht ihren Einsatz lohnt: für die Prävention von Krankheit, die betriebliche Ordnung, die Wirtschaftlichkeit, die künftige soziale Sicherheit und ein zivilisiertes Zusammenleben.
Allen Autorinnen und Autoren sowie allen Mitwirkenden sei für die konstruktive Zusammenarbeit und die zahlreichen Anregungen gedankt. Mein Dank gilt auch den Rezensenten der ersten beiden Auflagen, ebenso wie den Studierenden der Betrieblichen Gesundheitsförderung für ihre Kommentare und Fragen.
Bochum im September 2016
Gudrun Faller
Gudrun Faller
Zusammenfassung
Ausgehend von einigen gängigen Missverständnissen über Ziele und Inhalte Betrieblicher Gesundheitsförderung vermittelt dieser Beitrag einen Überblick über verschiedene, Ansätze betrieblichen Gesundheitshandelns. Dazu zählen erstens das Verständnis Betrieblicher Gesundheitsförderung gemäß der Luxemburger Deklaration, zweitens die Übertragung der Gesundheitsförderungsidee nach der Ottawa-Charta auf das Setting Betrieb, drittens eine kritische Würdigung von betrieblichen Gesundheitsmanagement-Ansätzen, viertens die Darstellung des Präventionsparadigmas im Betrieb, das besonders im Arbeitsschutz seinen Niederschlag findet, fünftens die arbeitsweltbezogenen Gesundheitsförderung als betriebsübergreifendes Vorgehen und sechstens die gesundheitsfördernden Organisationsentwicklung als ein transformativer Ansatz. Die Diskussion der hier genannten verschiedenen Ausrichtungen dessen, was gemeinhin unter Betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) oder Betrieblichem Gesundheitsmanagement (BGM) subsumiert wird, ermöglicht es der Leserin und dem Leser, sich in der zunehmenden Vielfalt der in Theorie und Praxis vorzufindenden Flut an Konzepten, Kritiken, Wahrheiten und Rezepten zurechtzufinden und diese sinnvoll einzuordnen.
Die meisten Menschen denken, wenn Sie „Gesundheitsförderung“ hören, an individuelle Verhaltensprävention und deren klassischen Schwerpunkte: Ernährung, Bewegung, Stressbewältigung und kontrollierten Suchtmittelkonsum. Auch die Betriebliche Gesundheitsförderung ist häufig Gegenstand dieser Fehlannahme, und nicht nur Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sondern selbst viele Experten unterliegen ihr. In der Praxis spiegelt sich eine solche Auffassung darin wider, dass ein Großteil der Aktivitäten mit mehr oder weniger ausgefeilten Marketinginstrumenten und vermeintlich bedarfsorientierten Angeboten darauf zielt, die Beschäftigten zu dem zu bewegen, was gemeinhin als gesundheitsförderndes Verhalten gilt. Zwar hat individuelle Verhaltensprävention durchaus ihre Berechtigung und soll hier keinesfalls abgewertet werden; sie steht aber nicht im Mittelpunkt dessen, was Betriebliche Gesundheitsförderung will und worin ihre Potenziale bestehen. Denn einerseits ist die Wirksamkeit individueller Ansätze im Vergleich zu umfassenderen Angeboten begrenzt (Bamberg/Busch 1996; Kaluza 1997; Kirschner et al. 1995; Lenhardt et al. 1997; Pieper/Schröer 2015) und andererseits ist zu berücksichtigen, dass Interventionen in die individuelle Lebensgestaltung im Betrieb rechtlichen Beschränkungen unterliegen (Neufeld 2011).
Ein weiteres Missverständnis liegt in der Annahme, Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) diene vor allem dazu, Beschäftigte hinsichtlich ihrer Anwesenheit im Betrieb zu disziplinieren oder Abwesenheit zu sanktionieren. Das ist ebenfalls nicht die Aufgabe von Betrieblicher Gesundheitsförderung, selbst wenn eine angemessene Senkung des Krankenstandes ein sinnvolles und richtiges Ziel von BGF darstellt.
Und schließlich ist Gesundheitsförderung mehr als mit technischen, organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen arbeitsbedingte Körperschäden zu verhüten. Selbst der Arbeitsschutz vertritt seit Einführung des Arbeitsschutzgesetzes eine Position, die das Anliegen einer partizipativen und auf psychosoziale Belange ausgerichteten Gesundheitsförderung konsequent unterstützt.
Merke
Betriebliche Gesundheitsförderung beinhaltet nicht die Korrektur des Gesundheitsverhaltens Einzelner oder gar die Sanktionierung ihrer Fehlzeiten. Vielmehr zielt sie auf eine gesundheitsfördernde Gestaltung der Arbeit ab, und zwar auf der Grundlage u.a. technischer, organisatorischer, aber auch psychozozialer und partizipativer Maßnahmen und Konzepte.
Im Zentrum der Betrieblichen Gesundheitsförderung steht eine gesunde und gesundheitsfördernde Gestaltung der Arbeit und weniger die Korrektur des individuellen Verhaltens. Die Ottawa Charta formuliert dazu: „Die sich verändernden Lebens-, Arbeits- und Freizeitbedingungen haben entscheidenden Einfluß auf die Gesundheit. Die Art und Weise, wie eine Gesellschaft die Arbeit, die Arbeitsbedingungen und die Freizeit organisiert, sollte eine Quelle der Gesundheit und nicht der Krankheit sein. Gesundheitsförderung schafft sichere, anregende, befriedigende und angenehme Arbeits- und Lebensbedingungen“ (WHO 1986). Bereits dieses Zitat macht die Dialektik deutlich (siehe Textbox 1.1): Arbeit kann die Gesundheit von Menschen fördern, indem sie beispielsweise Selbstbestätigung, soziale Kontakte, Sinn und eine Tagesstruktur vermittelt, sie vermag die Gesundheit aber auch zu schädigen – nicht nur durch die klassischen Gefährdungsfaktoren, die der traditionelle Arbeitsschutz kennt, wie z.B. Umgebungseinwirkungen, unpassende Arbeitszeiten oder Unfallgefahren. Zahlreiche psychosoziale Belastungen – etwa ein negatives Sozialklima, unzureichende Handlungsspielräume, fehlende Anerkennung u.a.m. sind inzwischen sehr valide als gesundheitsrelevante Einflussfaktoren nachgewiesen.
Diese Bedingungen sind eng verwoben mit offenen und verdeckten, betrieblichen Strukturen, Hierarchie- und Machtverhältnissen, Gewohnheiten und etablierten Mustern. Die nötige innerbetriebliche Akzeptanz für Gesundheitsförderung zu erreichen, erfordert deshalb einerseits ein hohes Maß an Beratungskompetenz. Andererseits gilt: Betriebe, die offen und veränderungsbereit sind, erfahren immer wieder, dass sich die Mühe lohnt, und zwar nicht nur in Form gesunkener Krankenstände und gesteigerter Produktivität, sondern ebenso, indem alle Beteiligten mehr Freude an ihrer Arbeit haben, sich das Betriebsklima optimiert, das Verständnis füreinander steigt, die Beschäftigten sich besser aufeinander verlassen können und mehr gegenseitige Wertschätzung erleben.
Die biologische Forschung konnte in jüngster Zeit eindrucksvoll nachweisen, dass entsprechende soziale Faktoren zu den entscheidenden Gesundheitspromotoren zählen (z.B. Hüther/Fischer 2010). Dank der hohen Kommunikationsdichte, enger Kooperationsbeziehungen und einer steigenden Bedeutung intersektoraler Vernetzung bietet das Setting Betrieb optimale Chancen, diese sozialen Gesundheitspotenziale zu erschließen und durch Betriebliche Gesundheitsförderung positiv zu gestalten.
Information: Textbox 1.1
Bereits Kurt Lewin (1920, 11f), einer der bedeutendsten Sozialpsychologen des vergangenen Jahrhunderts, hat auf die Dialektik der Arbeit hingewiesen:
Arbeit als Last und Mühe: Arbeit ist einmal Mühe, Last, Kraftaufwand. Wer nicht durch Renten oder Herrschaft oder Liebe versorgt ist, muss notgedrungen arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. (…). Aller Fortschritt in Arbeitsbedingungen gehe auf Erleichterung der Arbeitsmühe und Erhöhung ihrer Leistungsquote, sein Ziel sei möglichste Befreiung vom Zwang zur Arbeit durch Herabdrücken ihrer zeitlichen Ausdehnung und ihres Gewichts den anderen Lebensbedingungen gegenüber auf ein Minimum (…)Arbeit als Erfüllung: Weil die Arbeit selbst Leben ist, darum will man auch alle Kräfte des Lebens an sie heranbringen und in ihr auswirken können. Darum will man die Arbeit reich und weit, vielgestaltig und nicht krüppelhaft beengt. Darum sei die Liebe zum Werk in ihr, Schaffensfreude, Schwung, Schönheit. Sie hemme die persönliche Entwicklungsmöglichkeit nicht, sondern bringe sie zur vollen Entfaltung.Der Begriff der Betrieblichen Gesundheitsförderung wird oft sehr unterschiedlich interpretiert. Meist wird erst deutlich, was gemeint ist, wenn man sich näher mit den tatsächlich realisierten Interventionen und deren Wirkungen auseinandersetzt. Erschwerend kommt hinzu, dass es inzwischen eine Reihe von Termini gibt, die teils synonym, teils zu Abgrenzungs- und gelegentlich zu Marketingzwecken eingesetzt werden – ohne dass sie jeweils etwas Ähnliches meinen und intendieren. Die dadurch erzeugte Intransparenz erschwert es Theoretikern wie Praktikern den dringend erforderlichen Zugang zu einem bedarfsorientierten betrieblichen Gesundheitshandeln zu finden. Die folgenden Abschnitte verfolgen das Ziel, die häufigsten, im Bereich der BGF gebräuchlichen Termini zusammen zu stellen und einige ihrer zentralen Verwendungszusammenhänge und Intentionen, ebenso wie ihre Nachteile und Beschränkungen herauszuarbeiten. Tabelle 1.1 enthält eine Zusammenstellung der hier diskutierten Begriffe.
Tabelle 1.1: Zusammenstellung der diskutierten Begriffe. (Fortsetzung n. Seite)
„Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) umfasst alle gemeinsamen Maßnahmen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Gesellschaft zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz. […]. BGF ist eine moderne Unternehmensstrategie und zielt darauf ab, Krankheiten am Arbeitsplatz vorzubeugen (einschließlich arbeitsbedingter Erkrankungen, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und Stress), Gesundheitspotentiale zu stärken und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu verbessern“. Diesen Passagen aus der Luxemburger Deklaration (Unternehmensnetzwerk zur betrieblichen Gesundheitsförderung in der Europäischen Union e.V. 2007) zufolge ist Betriebliche Gesundheitsförderung ein umfassendes Konzept, welches das Handeln von innerbetrieblichen, ebenso wie außerbetrieblichen Akteuren für Gesundheit bei der Arbeit umfasst. Die einleitenden Passagen lassen erkennen, dass BGF als Reaktion auf die Herausforderungen Europas im 21. Jahrhundert und als Weiterentwicklung des klassischen Arbeitsschutzes interpretiert wird.
In ihren darauffolgenden Ausführungen hebt die Erklärung das betriebswirtschaftliche Interesse von Arbeitgebern an der BGF hervor, die infolge „gesündere[r] Belegschaften mit höherer Motivation, besserer Arbeitsmoral und besserem Arbeitsklima“ ihre Gewinne steigern können. BGF versteht sich als ein Gesamtkonzept, das gesundheitsfördernde Unternehmensgrundsätze, Unternehmenskulturen und Führungsleitlinien enthält, Wert auf die Beteiligung und Förderung der Beschäftigten legt und dabei den Arbeitsschutz integriert (siehe Textbox 1.2). Als Erfolgsvoraussetzungen für BGF werden die Merkmale Projektmanagement, Ganzheitlichkeit, Partizipation und Integration benannt.
Information: Textbox 1.2
Bestandteile von BGF gemäß der Luxemburger Deklaration:
„Unternehmensgrundsätze und -leitlinien, die in den Beschäftigten einen wichtigen Erfolgsfaktor sehen und nicht nur einen Kostenfaktoreine Unternehmenskultur und entsprechende Führungsgrundsätze, in denen Mitarbeiterbeteiligung verankert ist, um so die Beschäftigten zur Übernahme von Verantwortung zu ermutigeneine Arbeitsorganisation, die den Beschäftigten ein ausgewogenes Verhältnis bietet zwischen Arbeitsanforderungen und eigenen Fähigkeiten, Einflussmöglichkeiten auf die eigene Arbeit und sozialer Unterstützungeine Personalpolitik, die aktiv Gesundheitsförderungsziele verfolgtein[en] integrierte[n] Arbeits- und Gesundheitsschutz.“Erfolgsvoraussetzungen für BGF gemäß der Luxemburger Deklaration:
Alle Maßnahmen und Programme müssen systematisch durchgeführt werden: Bedarfsanalyse, Prioritätensetzung, Planung, Ausführung, kontinuierliche Kontrolle und Bewertung der Ergebnisse (Projektmanagement).BGF beinhaltet sowohl verhaltens- als auch verhältnisorientierte Maßnahmen. Sie verbindet den Ansatz der Risikoreduktion mit dem des Ausbaus von Schutzfaktoren und Gesundheitspotentialen (Ganzheitlichkeit).Die gesamte Belegschaft muss einbezogen werden (Partizipation).BGF muss bei allen wichtigen Entscheidungen und in allen Unternehmensbereichen berücksichtigt werden (Integration).Insgesamt vertritt die Luxemburger Deklaration ein sehr breit angelegtes Programm, das nahezu alle der nachfolgend genannten, unterschiedlichen Schwerpunkte subsumiert.
Es integriert
das inner- und das außerbetriebliche Handeln für Gesundheit in der Arbeitswelt (vgl. den Abschnitt zur arbeitsweltbezogenen Gesundheitsförderung)Ansätze zum individuellen Gesundheitsverhalten und diejenigen zur gesundheitsfördernden Gestaltung der Arbeitsbedingungen (vgl. die Passage zur Verhaltens- und Verhältnisprävention)Ansätze des Arbeitsschutzes und diejenigen der Betrieblichen Gesundheitsförderung (vgl. den Abschnitt zum Betrieblichen Präventionshandeln)die Betonung eines zielgerichteten und systematischen Vorgehens im Sinne des Projektmanagements (vgl. die Ausführungen über Betriebliches Gesundheitsmanagement)die Fokussierung von Einflussmöglichkeiten der Beschäftigten und der Förderung von deren Ressourcen und Potenziale (vgl. den Abschnitt zur Gesundheitsförderung nach der Ottawa-Charta).Die Luxemburger Deklaration weist damit ein hohes Integrationspotenzial auf, das einen Konsens und ein konstruktives Zusammenwirken aller an der Gestaltung der Arbeitsbedingungen beteiligten Akteure anstrebt. Mit ihrer Verabschiedung sind wichtige Grundlagen dafür geschaffen worden, dass das in der Erklärung genannte Ziel ernsthaft verfolgt werden kann: zum zukünftigen Erfolg der Europäischen Union durch die Förderung eines gesunden und leistungsfähigen Arbeitskräftepotenzials beizutragen. Allerdings stellen konsensuale Beschlüsse immer auch das Resultat von Verhandlungen dar, in die die Interessenlagen der Beteiligten ebenso einfließen wie deren Kompromissbereitschaft. Die Luxemburger Deklaration bringt unmissverständlich zum Ausdruck, dass hinter dem Bemühen um gesunde Beschäftigte v.a. wirtschaftspolitische Interessen stehen. Dies bedeutet gleichzeitig, dass Betriebliche Gesundheitsförderung bestimmten Beschränkungen unterworfen ist – ein Aspekt, der in den folgenden Abschnitten weiter vertieft werden soll.
Merke
In den Formulierungen der Luxemburger Deklaration wird deutlich, dass die Basis der Anstrengungen für gesunde, leistungsfähige Arbeitnehmer v.a. wirtschaftspolitische Interessen sind. Dennoch weist die Luxemburger Deklaration ein hohes Integrationspotenzial auf, das einen Konsens aller an der Gestaltung der Arbeitsbedingungen beteiligten Akteure ausweist
Eine für die Gesundheitsförderung zentrale Prämisse ist diejenige der Beschäftigtenpartizipation. Sie entstammt der Philosophie der Gesundheitsförderung, deren wesentliche Grundgedanken in der Ottawa-Charta fixiert worden sind. Die Charta enthält an keiner Stelle den Begriff der Betrieblichen Gesundheitsförderung, sie benennt aber die „Gestaltung von Lebenswelten (Settings)“ als eine zentrale Handlungsebene, und es besteht kein Zweifel, dass Betriebe und Organisationen als solche Settings anzusehen sind.
Die Verfasser der Ottawa-Charta vertreten ein Ethos, in dem folgende Grundüberzeugungen zum Ausdruck kommen (vgl. Trojan/Legewie 2001; Kickbusch 2006):
Eine Befähigung zur Gesundheit, die sich an subjektiven Bedürfnissen – nicht an expertokratischen Vorgaben orientiertDer Gedanke der aktiven Beteiligung von Betroffenen an Zielsetzungs- und Entscheidungsprozessen bei der Gestaltung ihrer LebensbedingungenDie Befähigung benachteiligter und von den Entscheidungen anderer abhängiger Personengruppen zur Artikulation von Bedürfnissen und Wünschen sowie zu aktiver EinflussnahmeEin an den vorhandenen Kompetenzen, Ressourcen und Stärken ansetzendes VorgehenDie Orientierung an einem interaktiven und kommunikativen Aushandlungsmodell, das unterschiedliche Interessenlagen und Zugänge nicht ausblendet, sondern als Grundlage für settingbezogene Entwicklungsprozesse nutzt.Werden diese Prämissen konsequent auf das betriebliche Setting übertragen, bedeutet dies, dass sich Gesundheitsförderung v.a. darauf richten muss, die Sichtweisen und Bedarfslagen von abhängig Beschäftigten zu identifizieren und sie in die Lösungsentwicklung einzubeziehen. Dies gilt besonders für diejenigen Personengruppen, die innerhalb der betrieblichen Macht-, Qualifikations-, Entscheidungs-, Status- und Gratifikationshierarchie weniger vorteilhafte Positionen besetzen.
Während die Luxemburger Deklaration ausdrücklich vor dem Hintergrund eines wirtschaftspolitischen Interesses argumentiert und Gesundheitsförderung in erster Linie die Leistungsfähigkeit von Betrieben sicherstellen soll, sind die Grundgedanken der Ottawa-Charta stärker auf Gesundheit als eigenem Wert ausgerichtet. Vokabeln wie „Selbstbestimmung“, „Partizipation“ und „Empowerment“ haben hier einen deutlich profilierteren Status. Im Gegensatz dazu argumentiert die alltägliche betriebliche Logik eher mit Begriffen wie ökonomischer Bestandssicherung, Effizienz und Funktionalität von Abläufen oder Leistungs- und Ergebniskennzahlen. Während Gesundheitsförderung im Sinne der Ottawa-Charta ein politisches Konzept darstellt, das die Umverteilung von Macht anstrebt, sind die betrieblichen Strukturen meistens auf eine klare Regelung der Hierarchie hin ausgerichtet. Programme der Betrieblichen Gesundheitsförderung, die individuelle Partizipation intendieren, sind daher grundsätzlich nur in einem Umfang denkbar, der sich an der innerbetrieblichen Bereitschaft bemisst, nachgeordnete Beschäftigte teilhaben zu lassen.
Merke
In der Ottawa-Charta ist Gesundheit nicht dem Ziel wirtschaftlichen Erfolgs untergeordnet, sondern stellt vielmehr einen eigenen Wert dar. Hier wird Gesundheitsförderung als politisches Konzept mit dem Ziel der Umverteilung von Macht formuliert.
In Theorie und Praxis der Betrieblichen Gesundheitsförderung wurden diese Fragen bislang wenig diskutiert. Zur Abschätzung der Veränderungspotenziale in und mit Betrieblicher Gesundheitsförderung – ebenso wie ihrer Grenzen – ist es aber wichtig, sich diesen Überlegungen zu stellen.
In einer kritischen Bestandsaufnahme des oben beschriebenen Problems einer überwiegenden Verhaltensprävention in Betrieben plädieren Badura et al. (1999: 17) für die Verwendung des Begriffs des Betrieblichen Gesundheitsmanagements: „Betriebliche Gesundheitsförderung erschöpft sich bisher […] zumeist in einzelnen Maßnahmen zur Verhaltensmodifikation (z.B. Ernährung, Bewegung, Genussmittelkonsum, Stressbewältigung) oder in zeitlich befristeten Interventionen in das Betriebsgeschehen (z.B. zeitlich begrenzte Durchführung von Gesundheitszirkeln). Im Unterschied dazu verstehen wir unter betrieblichem Gesundheitsmanagement (Hervorh. i.Orig.) die Entwicklung integrierter betrieblicher Strukturen und Prozesse, die die gesundheitsförderliche Gestaltung von Arbeit, Organisation und dem Verhalten am Arbeitsplatz zum Ziel haben und den Beschäftigten wie dem Unternehmen gleichermaßen zugute kommen“1. Seitdem unterstreichen zahlreiche Praktiker und Experten die Qualität ihres Vorgehens durch die Verwendung des Begriffs „Gesundheitsmanagement“ – wobei unbestritten sein dürfte, dass der bloße Ersatz einer Bezeichnung weder eine konzeptionelle Neuorientierung noch eine Optimierung der Vorgehensqualität darstellt.
Gleichwohl hat die Einführung des Managementbegriffs in das Betriebliche Gesundheitshandeln zur Auseinandersetzung mit einschlägigen Qualitätsanforderungen angeregt. So betonen BGM-Konzepte, denen eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Anforderungen an Betriebliches Gesundheitshandeln zugrunde liegt, beispielsweise (vgl. Faller 2008):
Die Notwendigkeit der Verankerung des Gesundheitsgedankens als Leitvorstellung bei den obersten Entscheidungsträger/inne/n wie auch auf allen nachgeordneten Führungsebenen (z.B. Westermayer/Stein 2006: 123 „salutogenetic management“)Die Ausrichtung des eigenen Führungshandelns an den Prämissen eines gesundheitsgerechten Vorbild- und Personalleitungsideals (z.B. Nieder 2000)3. Die Bedarfs- und Zielorientierung von Interventionskonzepten, die Systematik des Vorgehens und die Erfolgsmessung gemäß der Logik des Managementzyklus (Schrader 2002; Walter et al. 2002)Die Integration von Gesundheitszielen in die allgemeinen Betriebsabläufe und -entscheidungen (z.B. Badura/Hehlmann 2003)Die Anschlussfähigkeit des Gesundheitsanliegens an thematisch benachbarte betriebliche Aufgabenbereiche wie z.B. die Personalverwaltung und -entwicklung, das Qualitätsmanagement oder den Arbeitsschutz (z.B. Wienemann 2012).Wie diese Zusammenstellung zeigt, macht der Managementbegriff v.a. deutlich, dass eine Verwirklichung salutogener Arbeitsbedingungen keinesfalls ohne strukturelle und institutionelle Verankerung und ohne ein schlüssiges und gezieltes Interventionsdesign im Unternehmen möglich ist. Betriebliches Gesundheitsmanagement, im Sinne der hier beschriebenen Zugänge, stellt ein zentrales Element gelingenden Gesundheitshandelns einer Organisation dar, und es setzt auf Seiten der Entscheidungsträger ein Mindestmaß an Unterstützung und Überzeugung voraus. Trotz der Potenziale, die ein managementorientiertes Verständnis von Betrieblicher Gesundheitsförderung birgt, lassen sich bei der Übertragung des Managementbegriffs auf das Thema „Gesundheit im Betrieb“ aus Sicht eines systemischen und ressourcenorientierten Gesundheitsverständnisses folgende zwei Problembereiche identifizieren:
Sind gesundheitsfördernde Entwicklungsprozesse steuerbar?Sind Unternehmens- und Beschäftigteninteressen grundsätzlich in Übereinstimmung zu bringen?„Mit Management bezeichnet man die zielorientierte Gestaltung, Steuerung und Entwicklung des Unternehmens und seiner Teilbereiche“ (Birker 2005: 262). Gemäß der in der Managementlehre bekannten Differenzierung nach normativer, strategischer und operativer Ebene lassen sich Entscheidungen in einer Organisation dadurch umsetzen, dass das normative Management zunächst globale und eng an die grundsätzliche Unternehmensphilosophie anknüpfende Ziele formuliert. Diese werden im strategischen Management präzisiert und auf die erforderlichen Aktivitäten ausgerichtet, während das operative Management die vorab definierten Vorgehensweisen in konkretes betriebliches Handeln umsetzt (Birker 2005: 262; Horvath et al. 2009). Dieses Modell basiert auf der Annahme, dass Veränderungen in einem Unternehmen grundsätzlich von der Unternehmensspitze geplant und top down durch professionelle Steuerung umgesetzt werden können. Obwohl insbesondere die Vertreter des Organisationsentwicklungsparadigmas die Realisierbarkeit entsprechend mechanistischer Vorstellungen in Frage stellen (z.B. Becker/Langosch 2002; Grossmann/Scala 2006), vermitteln manche „Handlungshilfen für BGM“ gelegentlich den Eindruck, dass es lediglich um das Anwenden der richtigen Planungs-, Steuerungs- und Methodentools im Rahmen eines top-down-initiierten Vorgehens ginge. Die Gefahr besteht darin, dass Hoffnungen auf eine einfache Erreichbarkeit optimierter Mitarbeitergesundheit und -motivation geweckt, und damit Machtvorstellungen und Selbstideale mancher Entscheidungsträger bedient werden. Vernachlässigt werden dabei aber Hinweise auf die Komplexität, den Zeitbedarf und die charakteristischen Schwierigkeiten einer tiefer gehenden Transformation von Organisationen (vgl. Wimmer 1999). Zu den Grundvoraussetzungen gelingender Veränderung gehört, dass Motive und Veränderungswünsche betriebsöffentlich kommuniziert werden und Entscheidungsträger/innen sich nicht nur als Impulsgeber verstehen, sondern selbst zur Veränderung in den Führungsverhältnissen bereit sind. Beteiligungsprozesse nehmen Zeit in Anspruch und sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass bisher latente Konflikte zutage treten. „Ohne solche Prozesse, die in einem definierten Rahmen reale Mitgestaltungsmöglichkeiten eröffnen, ist das persönliche Engagement und die Übernahme von Eigenverantwortung der betroffenen Mitarbeiter allerdings nicht zu haben“ (ebd.: 17). Insofern erscheint der Managementbegriff im Zusammenhang mit Zielen wie „Empowerment“ und „Teilhabe“ widersprüchlich, weil er Hoffnungen in Richtung einer top-down-gesteuerten Machbarkeit freisetzt, die mit dem Anspruch gesundheitsfördernder betrieblicher Veränderungsmöglichkeiten schlecht zu vereinbaren sind. Dies bedeutet keineswegs, dass auf die fachlich fundierte Konzeption von Veränderungsdesigns oder auf die zielgerichtete Steuerung von Veränderungsprozessen verzichtet werden kann oder sollte, aber es ist nicht vertretbar, wenn der Eindruck vermittelt wird, Betriebliche Gesundheitsförderung sei ohne die Veränderungsbereitschaft auf sämtlichen betrieblichen Ebenen einschließlich aller Managementebenen möglich.
Ein zweiter, mit dem vorherigen in Zusammenhang stehender Kritikpunkt bezieht sich auf die Frage nach der prinzipiellen Vereinbarkeit unternehmerischer Interessenslagen mit der Mitarbeitergesundheit. Diese Problematik wurde bereits in Zusammenhang mit den Konzepten Betrieblicher Gesundheitsförderung angeschnitten, in Zusammenhang mit dem Begriff des Gesundheitsmanagements erhält sie aber eine besondere Prägnanz. Denn mit dem Gesundheitsmanagement, das mit betriebsökonomischen Überlegungen argumentiert, verbindet sich ein Veränderungsrahmen, der zwar Beteiligungs- und Entwicklungsprozesse ermöglicht – diese jedoch nur insoweit zulässt, als sie durch eine optimierte Verfolgung von Betriebszielen legitimiert sind. Mit anderen Worten werden Partizipation, Handlungs- und Entscheidungsspielräume im Unternehmen nur insofern geduldet, als sie zur Erhöhung der Effizienz und Produktivität beitragen. Aus Sicht einer umfassenden Gesundheitsförderung nach der Philosophie der Ottawa Charta ist an diesem Vorgehen zu kritisieren, dass es dazu beitragen kann, soziale Ungleichheit nicht abzubauen, sondern zu verfestigen. Stellt man beispielsweise die kritische Frage, welche Betriebe und Beschäftigtengruppen bei Anwendung einer betriebswirtschaftlichen Logik in den Genuss der Beteiligung und Befähigung kommen, so zeigt sich, dass Gesundheitsmanagement keineswegs immer dort realisiert wird, wo der Bedarf an Empowerment am größten ist – etwa den unteren Hierarchie-, Einkommens-, Bildungs- und Statusgruppen oder bei Beschäftigten mit hohen körperlichen Belastungen, geringen Entwicklungschancen und ausgeprägten Zukunftsunsicherheiten – sondern vielmehr dort, wo Investitionen in die Beschäftigtenmotivation, -befindlichkeit und Unternehmenstreue sich am meisten für den Betrieb auszahlen.
Heute besteht weitgehende Übereinstimmung darüber, dass Prävention von dem Ziel geprägt ist, Krankheiten zu verhüten, während Gesundheitsförderung die Unterstützung der Gesundheitsressourcen von Menschen anstrebt (z.B. Faltermaier 2005: 297ff; Hurrelmann 2000: 99; Kaba-Schönstein 2011; Trojan 2002: 201; Trojan/Legewie 2001: 35ff; Blättner/Waller 2011). Obwohl beide Strategien Gesundheit intendieren, macht es für die Art der Zieldefinition und die Auswahl der Strategien einen Unterschied, ob der Fokus auf die Unterstützung von Potenzialen oder auf die Vermeidung von Schäden gerichtet ist. Die zentrale Fragestellung des präventiven Vorgehens zielt darauf, Faktoren zu identifizieren, die Krankheiten hervorrufen, um diese zu beseitigen oder in ihren Auswirkungen zu verringern. Um diese Einflussgrößen identifizieren, valide messen und vorhersagen zu können, ist evidenzbasiertes Wissen über die Bedeutung von Risiken, deren Wirkungsmechanismen und Verhütungsmöglichkeiten erforderlich. Die meisten Maßnahmen des klassischen Arbeitsschutzes lassen sich dieser präventiven Denkweise zuordnen2. Im Gegensatz dazu argumentiert die Gesundheitsförderung mit dem Expertenwissen von Betroffenen, ihren Erfahrungen und den ihre subjektive Gesundheit beeinflussenden Rahmenbedingungen.
Merke
Gesundheitsförderung heißt Unterstützung der Gesundheitsressourcen, Prävention hingegen Verhinderung von Schäden. Auch wenn beide Begriffe das Ziel Gesundheit verfolgen, müssen sie unterschieden werden, weil sie jeweils geeignete Inhalte und Strategien beinhalten.
Die Luxemburger Deklaration plädiert für eine Integration des Arbeitsschutzes unter das Dach der Betrieblichen Gesundheitsförderung. Es ist deshalb sinnvoll, sich mit dem einschlägigen Grundkonzept zu befassen: Der klassische Arbeitsschutz vertritt eine typisch präventive Handlungsorientierung. Sein Ziel ist es, Unfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen durch geeignete Maßnahmen zu verhindern. Er ist von einem naturwissenschaftlich-technischen Selbstverständnis geprägt und besonders in Bereichen erfolgreich, in denen es darum geht, Einwirkungen auszuschließen, die eine nachweisbare kausale Bedeutung für Gesundheitsschäden haben (z.B. Wirkungsintensität oder Expositionsdauer von Einwirkungen, defekte Schutzeinrichtungen an Maschinen etc.). Der klassische Arbeitsschutz kommt aber an seine Grenzen, wenn sich keine eindeutigen Kausalzusammenhänge identifizieren lassen, die individuelle Wahrnehmung und Sensibilität eine größere Rolle spielt oder wenn mehrere, als Einzelfaktoren nicht schädliche Einflüsse und/oder psychosoziale Belastungen so zusammenwirken, dass eine Gesundheitsbeeinträchtigung auftritt, ohne dass eine eindeutige Wirkungsbeziehung hergestellt werden kann. Die überwiegende Zahl der stressbedingten und aus einer Wechselwirkung mit psychosozialen Belastungen resultierenden Erkrankungen sind diesem Bereich zuzuordnen. Meistens lassen sich solche Belastungen nicht mit ingenieurwissenschaftlichem und medizinischem Sachverstand allein reduzieren, vielmehr erfordern sie die aktive Einbindung von Betroffen, die die Belastungen in deren Komplexität und in dem wechselseitigen Zusammenwirken erleben und beschreiben können. Deshalb macht es Sinn, neben gezielten präventiven Maßnahmen im Betrieb zusätzlich Gesundheitsförderung zu realisieren.
In der Public-Health-Terminologie hat sich zur Beschreibung unterschiedlicher präventiver Ansatzpunkte die Differenzierung nach Verhaltens- und Verhältnisprävention etabliert (Franzkowiak 2011; Blättner/Waller 2011). Eine solche Unterscheidung erscheint auf den ersten Blick überzeugend und wird für den betrieblichen Kontext ebenfalls häufig in Anspruch genommen. Nach dieser Auffassung sollen Präventionsmaßnahmen sowohl am individuellen Gesundheitsverhalten von Betroffenen als auch an den Bedingungen ansetzen, die ihre Befindlichkeit tangieren. So macht es beispielsweise Sinn, bei der Anschaffung höhenverstellbarer Schreibtischstühle (Verhältnisprävention) gleichzeitig die Beschäftigten darüber zu informieren, wie sie die Stühle einstellen müssen, um eine ergonomische Sitzposition zu erreichen (Verhaltensprävention). Dennoch gibt es zu dieser Dichotomisierung kritische Positionen: Bereits 1999 kritisieren Badura et al. die Trennung von Verhalten und Verhältnissen als überholt und wiesen auf die Wechselwirkung von Person, Umwelt und Verhalten hin (a.a.O.: 36). In der Tat lässt sich nach heutigem Stand der Theoriebildung eine klare Grenze zwischen menschlichem Verhalten und äußeren Strukturen nicht ziehen, weil einerseits Menschen ihr Verhalten an den – oftmals unausgesprochenen und implizit wirksamen – Regeln ihrer sozialen Umgebung ausrichten und die dort gültigen Werte und Einstellungen übernehmen, und weil andererseits kollektives Verhalten auch Prozesse und Strukturen verändern kann (Giddens 1988). Wie Westermayer und Stein (2006: 122) kritisieren, wird „in der Entscheidung für verhaltenspräventive oder verhältnispräventive Maßnahmen […] das eigentliche in Frage stehende Problem, der Zusammenhang von Arbeitsbedingungen, Beanspruchungen und Krankheitsursachen nicht untersucht, sondern bereits als gelöst betrachtet“. Denn mit der Anschaffung von ergonomischen Stühlen und der Schulung der Beschäftigten ist noch keineswegs die Frage geklärt, ob das Sitzmobiliar von Seiten der Betroffenen wirklich als das relevanteste Problem angesehen wird, bzw. welche anderen Belastungen ggf. eine viel größere Rolle spielen. Wie dieses Beispiel zeigt, kann ein Insistieren auf das vermeintliche Qualitätskriterium des „ganzheitlichen“ Vorgehens dazu beitragen, dass vordergründige Lösungen generiert werden, die an den Zielen der Betrieblichen Gesundheitsförderung vorbeigehen, nämlich die Betroffenen in die Definition von Belastungen und die Entwicklung von Lösungen einzubeziehen.
Die Begriffe der Verhaltens- und Verhältnisprävention sollten daher nur in Zusammenhängen verwendet werden, in denen eine am Präventionsparadigma orientierte Kausalzuordnung von Krankheitseinflüssen möglich ist. Für die Gesundheitsförderung erscheint die Verwendung dieses Begriffspaars semantisch widersinnig und inhaltlich obsolet.
In den bisherigen Ausführungen wurde an mehreren Stellen darauf hingewiesen, dass sich gesundheitsfördernde Ansprüche, oftmals nicht in vollem Umfang und gemäß den Idealvorstellungen der Beschäftigtenpartizipation verwirklichen lassen. Je nach betriebsspezifischen Strukturen, Machtkonstellationen, Überzeugungen und Normen ist dies mehr oder weniger gut möglich (vgl. dazu auch Lenhardt in diesem Band). Im Vordergrund der betrieblichen Überlegungen stehen oftmals Fragen wie Finanzierbarkeit oder Funktionalität (auch wenn es sich dabei oftmals eher um sozial akzeptierte Argumentationsstrategien als um evidenzbasierte Konstrukte handelt). Dennoch gilt, dass Verweisen auf die betriebliche Produktivität und Effizienz eine hohe Legitimationskraft für die Möglichkeiten ebenso wie für die Grenzen der Betrieblichen Gesundheitsförderung zukommt (s.o.). Angesichts dieser Beschränkungen stellen die folgenden Passagen Überlegungen an, welche Konzepte und Strategien dazu geeignet sein könnten, diese Begrenzungen zu erweitern und welche Entwicklungsmöglichkeiten für die Betriebliche Gesundheitsförderung künftig bestehen.
Nach dem Verständnis der Luxemburger Deklaration umfasst Betriebliche Gesundheitsförderung neben unternehmensbezogenen Aktivitäten auch das Engagement der Gesellschaft. Diese Interpretation verweist auf einen erweiterten Handlungsrahmen, der sich nicht auf betriebliche (betriebsökonomische) Interessen beschränkt, sondern Gesundheit im Setting Betrieb als Teil einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung interpretiert. Um diesen Ansatz von einem betriebsinternen Vorgehen abzugrenzen, wird hier der Begriff der arbeitsweltbezogenen Gesundheitsförderung verwendet.
Vor dem Hintergrund eines gesundheitswissenschaftlichen Interesses ist ein über den Betrieb hinausgehender Ansatz vor allem dort sinnvoll, wo die Konzentration auf betriebliche Interessenlagen zu negativen externen Effekten für die Gesellschaft führt. Das gilt beispielsweise dann, wenn den Sozialsystemen Behandlungs- und Kompensationsaufwendungen für Erkrankungen überantwortet werden, die dadurch entstehen oder verstärkt werden, dass betriebliche Praktiken infolge von Gewinninteressen systematisch an gesundheitsrelevanten Bedürfnissen vorbeigehen. In diesen Fällen sind ergänzende und korrektive Aktivitäten überbetrieblicher Akteure gefordert, deren Aufgabe es ist, ein einseitig auf Betriebsinteressen ausgerichtetes Vorgehen einzuschränken, und durch betriebsökonomische Interessen verursachte Separations-, Selektions-, Abhängigkeits- und Benachteiligungstendenzen entgegen zu wirken. Gesundheitsmanagement muss deshalb ergänzt werden um eine arbeitsweltbezogene Gesundheitsförderung, die Anreize bietet, aber auch Grenzen setzt.
Für die Ebene der physischen Gefährdungen und Unfallgefahren sind überbetriebliche Eingriffe im Rahmen der dualen Arbeitsschutzaufsicht geregelt. Für den Bereich der psychischen und sozialen Gesundheitsbelastungen und -gefährdungen besteht dagegen Handlungs- und Forschungsbedarf. Dabei gilt es, von Seiten der überbetrieblichen Akteure insbesondere diejenigen Beschäftigten- und Bevölkerungsgruppen in den Fokus zu nehmen, zu deren Lasten sich die verstärkenden sozialen und gesundheitlichen Risiken und Ungleichheiten auswirken. Ihre Aufgabe ist es, diese Risiken im Sinne einer arbeitsweltbezogenen Gesundheitsberichterstattung zu identifizieren und geeignete gegentendenzielle Impulse zu setzen. Für die Realisierung einer Betrieblichen Gesundheitsförderung im Sinne der Luxemburger Deklaration sind alle gesellschaftlichen Kräfte aufgerufen, ihrer Verantwortung nachzukommen, insbesondere die Gewerkschaften und Sozialpartner, die Berufsgenossenschaften und Sozialversicherungsträger, der Staat und nicht zuletzt eine unabhängige, kritische Forschung. Künftige Herausforderungen einer arbeitsweltbezogenen Gesundheitsförderung bestehen darin, diese und weitere Formen der überbetrieblichen Zusammenarbeit im Sinne eines verbindlichen und koordinierten Vorgehens weiterzuentwickeln (vgl. Bertelsmann Stiftung/Hans-Böckler-Stiftung 2004).
Selbst wenn es keine einheitliche Definition dessen gibt, was unter Organisationsentwicklung zu verstehen ist, lassen sich einige zentrale Aspekte identifizieren, die als typisch gelten können. Dazu gehören (z.B. Becker/Langosch 2002: 22; Iding 2000: 38f) folgende Punkte:
Der ganzheitliche Ansatz, der Individuum, Organisation und Umwelt in ihren Wechselwirkungen begreift und mögliche Auswirkungen auf andere Systemkomponenten antizipiertDie doppelte Zielsetzung, die gleichzeitig Effizienz im Hinblick auf die Betriebsführung und Humanität im Hinblick auf die Arbeitsgestaltung realisieren willDie Beteiligung der Betroffenen an Fragen, die ihre Arbeit betreffen, und so Verständnis, Identifikation und Zugehörigkeit fördertEin prozessorientiertes Vorgehen, welches Wandel als gemeinsamen Entwicklungsverlauf begreift und ihren Fokus auf das „Wie“ der Veränderung richtetDie Diagnose, die als Ausgangspunkt der Veränderung zu begreifen ist und dazu beiträgt, ein gemeinsames Problembewusstsein zu schaffen und Veränderungsziele zu konkretisierenMit den hier genannten Merkmalen weisen die traditionellen Konzepte der Organisationsentwicklung eine hohe Affinität zur Grundphilosophie der Gesundheitsförderung nach Ottawa auf (vgl. Grossmann/Scala 2006). An diesen wurde insbesondere in den 1990er Jahren kritisiert, dass sie ökonomische Faktoren zu wenig berücksichtigten und dass sie eine gewisse Naivität im Hinblick auf ihren Harmonieanspruch zwischen Wirtschaftlichkeit und Menschlichkeit aufwiesen (Thom 1992: Sp. 1486). Vielmehr würden Humanisierungsargumente zu einer Verstärkung verdeckter Autoritäts- und Ausbeutungsstrukturen eingesetzt (z.B. Perrow 1986: 94f; Neuberger 1991: 269). Diese Kritik lässt sich, wie in den obigen Ausführungen gezeigt, ebenfalls auf Konzepte des Betrieblichen Gesundheitsmanagements anwenden. Es stellt sich daher die Frage, inwieweit die Organisationsentwicklung darüber hinausgehende, konstruktive Anregungen für die Weiterentwicklung der Gesundheitsförderung im Betrieblichen Kontext bieten kann. Entsprechende Ideen stammen aus neueren Konzepten der Organisationsentwicklung und -beratung, insbesondere aus der Systemtheorie (Wimmer 1992), der Organisationskulturforschung (Schein 2005), dem organisationalen Lernen (Argyris/Schön 1999; Senge 2011) und aus mikropolitischen Ansätzen (u.a. Neuberger 1995).
Abschließend seien einige wesentliche Impulse aufgeführt, die in den genannten Konzepten enthalten sind und die zu einer organisationsentwicklungsbasierten Neuformulierung von BGF-Konzepten beitragen können.
Ansätze des organisationalen Lernens eröffnen die Chance, Betriebliche Gesundheitsförderung nicht nur auf der Ebene strategischer Überlegungen im Sinne eines how-to-do-Projektmanagements zu verorten. In Einklang mit der normativen Ausrichtung der Gesundheitsförderung eröffnen sie vielmehr die Option, unausgesprochene Grundüberzeugungen zu explizieren, um daraus erweiterte Handlungsspielräume zu gewinnen. Für Betriebe werden entsprechende Aspekte v.a. dann virulent, wenn sie existenzielle Fragen tangieren (vgl. Faller 2012a; 2012b).Organisationskulturtheorien machen die Chancen ebenso wie die Grenzen der strategischen Veränderbarkeit von Regeln bewusst und verweisen auf die Bedeutung kollektiver Muster im Kontext interner und externer Anforderungen (Schein 2005).Systemtheoretische Ansätze verweisen auf die Limitierungen der beraterischen Perspektive (z.B. Königswieser/Hillebrand 2005: 19ff) und schränken damit gelegentlich gepflegte Machbarkeitsideale von Betrieblichem Gesundheitsmanagement ein. Darüber hinaus rücken sie organisationale Selbsterhaltungsmechanismen in den Fokus und machen damit spezifische organisationale Ressourcen, aber auch Veränderbarkeitsbarrieren bewusst (Kühl 2011: 134).Mikropolitische Ansätze analysieren Aktivitäten der Betrieblichen Gesundheitsförderung unter einer machttheoretischen Perspektive. Sie tragen zur Explikation verdeckter Strategien und Gegenstrategien der Machterhaltung bei und verweisen auf die akteurspolitisch motivierten Grenzen managementorientierter BGF-Konzepte (Neuberger 1995).Diese fragmentarischen Einblicke in weitergehende Ansätze der Organisationsforschung, die keineswegs ohne interne Widersprüchlichkeiten sind, machen deutlich, dass die Entwicklung der Betrieblichen Gesundheitsförderung bei Weitem noch nicht abgeschlossen ist. Die Tatsache, dass nur ein Bruchteil der Betriebe eine Gesundheitsförderung praktiziert, die den in der Luxemburger Deklaration kodifizierten Ansprüchen genügt, verweist auf ein Defizit, dem auch die derzeit verfügbare Masse an Broschüren und Ratgebern zum BGM bislang nicht abhelfen konnte. Der letzte Abschnitt in diesem Beitrag verfolgte daher vor allem das Anliegen, konstruktive Impulse für die Theorie- und Konzeptentwicklung einer zeitgemäßen gesundheitsfördernden Organisationsentwicklung aufzuzeigen und dazu beizutragen, die Fachdiskussion in diesem Feld neu zu motivieren.
Fragen zur Selbstkontrolle
Mit welchen Widersprüchen ist eine an der Ottawa-Charta orientierte Gesundheitsförderung im Setting Betrieb konfrontiert?Bitte nennen Sie Stärken und Schwächen des Terminus Betriebliches Gesundheitsmanagement.Welche Akteure sollte eine betriebsübergreifende arbeitsweltbezogene Gesundheitsförderung einbeziehen?Bitte formulieren Sie die wesentlichen Kritikpunkte an traditionellen Konzepten der Organisationsentwicklung und nennen Sie mögliche neue Impulse.Argyris C., Schön D. (1999). Die lernende Organisation. Grundlagen, Methoden, Praxis. Stuttgart: Klett-Cotta.
Bertelsmann Stiftung, Hans-Böckler-Stiftung (Hrsg.) (2004). Zukunftsfähige betriebliche Gesundheitspolitik. Vorschläge der Expertenkommission. Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung.
Grossmann R., Scala K. (2006). Gesundheit durch Projekte fördern. Ein Konzept zur Gesundheitsförderung durch Organisationsentwicklung und Projektmanagement. 4. Aufl., Weinheim: Juventa.
Moldaschl M. (2005). Institutionelle Reflexivität. Zur Analyse von „Change“ im Bermunda-Dreieck von Modernisierungs-, Organisations- und Interventionstheorie. In: Faust M, Funder M, Moldaschl M. (Hrsg.). Die „Organisation“ der Arbeit. München/Mehring: Rainer Hampp, 355–382.
1 Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass der Terminus der Gesundheitsförderung nach dem Verständnis der Ottawa Charta keineswegs – wie im Zitat unterstellt – mit singulären Verhaltensmodifikationen oder mit zeitlich befristeten Interventionen gleichzusetzen ist, er steht vielmehr für ein komplexes Geschehen unter aktiver Beteiligung und Befähigung benachteiligter Gruppen.
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