Leihmütter: Der gekaufte Bauch (GEO eBook Single) -  - E-Book

Leihmütter: Der gekaufte Bauch (GEO eBook Single) E-Book

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Beschreibung

Für immer mehr kinderlose Paare im Westen sind "Leihmütter" in der Dritten Welt die letzte Hoffnung auf Elternglück. Aber darf man mit der Fruchtbarkeit Geschäfte machen? GEO hat eine deutsche Familie begleitet, die in Durban Zwillinge gebären ließ. Die großen Themen der Zeit sind manchmal kompliziert. Aber oft genügt schon eine ausführliche und gut recherchierte GEO-Reportage, um sich wieder auf die Höhe der Diskussion zu bringen. Für die Reihe der GEO eBook-Singles hat die Redaktion solche Einzeltexte als pure Lesestücke ausgewählt. Sie waren vormals Titelgeschichten oder große Reportagen in GEO.

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Seitenzahl: 35

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Herausgeber:

GEO

Die Welt mit anderen Augen sehenGruner + Jahr AG & Co KG, Druck- und Verlagshaus,Am Baumwall 11, 20459 Hamburgwww.geo.de

Inhalt

„Eine Andere Frau trägt unser Kind aus“

von Florian Hanig

Ist Leihmutterschaft Sünde?

von Dr. Rainer Erlinger

Wieso adoptiert ihr nicht?

Leihmutterschaft

»Eine andere Frau trägt unser Kind aus«

Für immer mehr kinderlose Paare im Westen sind »Leihmütter« in der Dritten Welt die letzte Hoffnung auf Elternglück. Aber darf man mit der Fruchtbarkeit Geschäfte machen? GEO hat eine deutsche Familie begleitet, die in Durban Zwillinge gebären ließ

von Florian Hanig

Am 23. März verabschiedet sich Ilze Groenewald (Name von der Redaktion geändert), eine 26-jährige Sekretärin, am Flughafen von Durban von ihrem Freund. Dann checkt sie für den Morgenflug nach Johannesburg ein, um dort Zwillinge mit einer Frau und einem Mann zu zeugen, dessen Stimme sie nur vom Telefon kennt.

Ilze trägt Röhrenjeans und ein enges T-Shirt mit tiefem Ausschnitt. Goldfarbene Ohrringe baumeln aus ihren blonden Haaren. Anstelle der Schneidezähne ragt eine schlecht gefertigte Zahnprothese über ihren Gaumen. Es fällt einem schwer, der jungen Frau ins Gesicht zu sehen, wenn sie lächelt.

Auf der Taxifahrt vom Flughafen Johannesburg zur Fruchtbarkeitsklinik umklammert Ilze ihr Handy, schreibt SMS-Botschaften an ihre Tochter, die sie bei einer Bekannten untergebracht hat, und an ihren Freund. Vorsichtig erklimmt sie die Stufen zur Klinik auf hochhackigen Sandalettchen, bis sie in ein Atrium gelangt, in dessen Mitte ein weiblicher Bronzetorso im Licht eines Punktstrahlers aufragt. Ein Symbol der Fruchtbarkeit.

Fruchtbar zu werden: Deshalb sitzen die britischen, australischen, kanadischen und auch deutschen Paare in den Wartezimmern, zumeist Händchen haltend und schweigend. Sie sind nicht nach Südafrika geflogen, um auf Safari zu gehen, die Garden Route zu erkunden oder um Golf zu spielen, sie haben die lange Reise auf sich genommen, um hier Kinder zu zeugen.

Denn flüchteten Frauen bis in die frühen 1980er Jahre aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz ins Ausland, um dort ihre Föten abtreiben zu lassen, so hat sich der Strom inzwischen umgekehrt: Paare, die unbedingt ein Kind haben wollen, buchen Flüge nach Prag, Barcelona, Johannesburg oder Bombay, weil in den Kliniken dort jene Hilfestellungen erlaubt sind, die das deutsche Embryonenschutzgesetz verbietet.

Ärzte dürfen befruchtete Eizellen auf Erbkrankheiten kontrollieren; sie können auf die Eizellen anonymer Spenderinnen zurückgreifen, wenn die Patientinnen keine fruchtbaren mehr produzieren; und sie können in einem letzten Schritt sogar die befruchtete Eizelle eines Paares in die Gebärmutter einer anderen Frau einpflanzen.

Die Medfem Fertility Clinic, ein zweistöckiger moderner Betonbau im grünen und kleinwagenfreien Johannesburger Vorort Bryanston, hat sich deshalb auf das spezialisiert, was als natürlichste Sache der Welt gilt und bei vielen nur noch mit medizinischer Hilfe klappt. Einem der Chefärzte von Medfem war die erste In-vitro-Befruchtung in Südafrika geglückt, und vor 24 Jahren pflanzten sie hier zum ersten Mal einer surrogate den Keimling eines anderen Paares ein. Eine Mutter hatte sich dazu bereit erklärt, um ihrer eigenen, nicht gebärfähigen Tochter den Nachwuchs zu ermöglichen – die Frau wurde bei der Geburt zugleich Mutter und Großmutter. Von Drillingen.

Und so ist Medfem die letzte Hoffnung für Jutta und Günther Dressler. Nach dem Kaiserschnitt, mit dem ihre Tochter Tine vor fünf Jahren zur Welt gebracht wurde, hatte sich die Gebärmutter der damals 29-jährigen Frau aus einer Kreisstadt nahe Fürth nicht wieder zusammengezogen. Drei Liter Blut ergossen sich über den OP-Tisch, Jutta Dressler überlebte nur, weil die Ärzte in einer Notoperation den Uterus entfernten. Von da an fühlte sie sich, erzählt sie, nicht mehr als vollwertige Frau. Fragen aus dem Bekanntenkreis, wann die Tochter ein „Geschwisterle“ bekomme, wich sie fortan aus, bis es eines Tages aus ihr herausbrach: „Nie. Da geht nix mehr.“