Leinen los - Dietmar Voigt - E-Book

Leinen los E-Book

Dietmar Voigt

0,0

Beschreibung

Nachdem ich meinen ersten Band Alltagsträume mit viel Spaß und Leidenschaft geschrieben habe, waren meine kreativen Geister geweckt. Meine Geschichten kommen oft in meinen Träumen zu mir und so ist der zweite Band Leinen los entstanden. Die Kurzgeschichten, die Sie im Folgenden lesen werden, sollen zum Nachdenken, Schmunzeln und dergleichen anregen. Ob sozialkritisch, biografisch oder humoristisch, es ist für jeden was dabei. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 79

Veröffentlichungsjahr: 2024

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Leinen los

Eike, die Fledermaus

Flug in Gefahr

Das Auto, mein Feind?

Das Gemälde

Am Rande des Wahnsinns

Die Falle

Abennteuer bei Erwin Tonner

Der Baum des Lebens

November Blues

Das alte Haus

Gestern ist heute

Die Zeitrfresser kommen

Die seltsame Begegnung des Hern X

Das wundersame Feld

Die Frau mit der Geige

Vorwort

Nachdem ich meinen ersten Band „Alltagsträume“ mit viel Spaß und Leidenschaft geschrieben habe, waren meine kreativen Geister geweckt.

Meine Geschichten kommen oft in meinen Träumen zu mir und so ist der zweite Band „Leinen los“ entstanden.

Die Kurzgeschichten, die Sie im Folgenden lesen werden, sollen zum Nachdenken, Schmunzeln und dergleichen anregen. Ob sozialkritisch, biografisch oder humoristisch, es ist für jeden was dabei.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

Leinen los

Es war so um das Jahr 1901. Die große Zeit der Segelschiffe war vorbei, was mich sehr traurig und wehmütig machte…

Ich heiße Manuel und bin 19 Jahre alt. Mein Traum war es, einmal zur See zu fahren und diese weite Freiheit zu spüren. Nicht wie in dieser Stadt, Bristol, wo an manchen Tagen alles und vor allem der Kohleruß, einem den Atem raubte. Die Sonne schien milchig durch den Ruß, als wollte sie sich verkriechen. Im Winter war der Schnee ganz grau. Die Leute irren in dunklen Mänteln durch die Straßen, in trottigem Gang. Manche blickten drein, als hätten sie keine Hoffnung für das Morgen.

Nun aber begab sich eine Gelegenheit auf einem Segelschiff anzuheuern. Meine Freundin Grace war von meiner Begeisterung nicht angetan.

„So lange auf dich warten Manuel, das ist mir ein Graus.“

„Ja das weiß ich.“

Ich gab ihr einen Kuss auf die Stirn.

„Deine Tante Clara nimmt dich so lange in ihre Obhut. Und Briefe bekommst du auch von mir so oft es geht.“

Dann nahte der Tag der Abfahrt. Ich packte meine sieben Sachen ein und fuhr zusammen mit Grace in einer Kutsche zum Hafen.

Da lag sie im Morgenlicht, als hätte sie gewusst, was auf sie zukommen würde. Die Skipper Clemens war ein betagter Dreimaster, gerade neu überholt, wie eine alte Dame, die es nochmal wissen wollte.

An Bord herrschte schon ein Gewusel von Matrosen. Ich nahm Grace noch einmal herzergreifend in die Arme. Aus ihren Augen traten Tränen hervor. Ich ging dann voller Wehmut die Gangway hinauf. Da begrüßte mich auch schon der zweite Offizier, ein groß gewachsener Mann, wettergegerbt und bestimmt.

„Kommen Sie an Bord Herr Manuel Cooper.“

Ich trat vor den Offizier.

„Wissen Sie auch, was auf Sie zukommt?“

„Nein.“, antwortete ich.

„Es wird eine Zeit der Entbehrung, harter Arbeit, und nicht immer die beste Verpflegung. Dafür wohl aber gute Männerfreundschaften.“, sagte der Offizier. „Jeder hat seine Aufgabe, die er folgsam ausführen sollte. Du hast die Koje Nr.4.“, schickte er mich dann mit einer Handbewegung fort.

„Danke Sir, ich werde mich redlich bemühen.“

Längsseits kam schon ein mit Kohle betriebener Schlepper, um die Skipper Clemens aus dem Hafen zu ziehen, damit wir Wind bekommen konnten. Es roch nach Salz, Teer und vergammeltem Fisch. Langsam setzt sich das Schiff in Bewegung. Die Leinen wurden los gemacht und ein Zittern lief durch den Rumpf des Schiffs. Möwen umflogen uns, in der Hoffnung etwas Nahrung zu ergattern. Einige Schiffssirenen heulten auf, als würden sie uns eine gute Fahrt wünschen. Viele Frauen standen zum Abschied winkend am Pier, unter ihnen auch Grace. Nach und nach verschwanden ihre Konturen.

Dann ging es an die Arbeit auf dem Schiff. Ich war ja noch ein Leichtmatrose, der noch einiges lernen musste. Zum Beispiel Knoten an die Brassen binden oder an den Klüver. Auch das Aufgeien, also das Herabziehen des Segels, all das hatte ich noch nie gemacht. Ich lernte sogar, wie das Backbrassen funktioniert, dabei stellt man die Rahsegel so, dass der Wind in die Segel drückt. Natürlich entging mir das ewige Deck schrubben mit den endlosen Schwielen an den Händen nicht. Das war eine der stumpfsinnigsten Arbeiten an Deck. Aber was einen diese Arbeiten immer wieder überstehen ließ, war die See, wie sie atmet und einem die Lungen mit Sauerstoff füllt. Wenn die Sonne auf die Wellen trifft, silbern das Wasser zerfließt, wie in einem Schmelztiegel. Das Rauschen der Wellen, eine unglaubliche Sinfonie des Meeres. Mit gutem Fahrtwind segelten wir Richtung Afrika. Mein Bettnachbar, ein kerniger Mitvierziger mit Namen Slim, meinte lakonisch zu mir:

„Bei dieser Hitze an Bord ist Körperpflege sehr wichtig, um keinen Matrosen am Mast zu bekommen. Nimm dabei etwas Rum auf einen Stocklappen und reinige deinen Intimbereich damit.“

„Ja, Danke für den Tipp, mit dem Wasser müssen wir ja auch wirklich sparen.“, gab ich etwas verdutzt zurück.

Dann kam die berühmte Äquatortaufe für Neuankömmlinge. Lasst euch sagen, das war nicht sehr angenehm. Mir ging der Arsch auf Grundeis. Ein Kamerad band mir ein Seil um den Bauch, dabei grinste er unverschämt.

Sogar den Kapitän Laasen sah man dabei auch mal an Deck.

„So Junge, wir werfen dich jetzt von Bord, und du musst unter dem Schiff durchtauchen. Wir ziehen dich auf der anderen Seite wieder hoch.“

Oh, jetzt heißt es Luft anhalten, dachte ich mir.

Mit starken Armbewegungen ging es unter dem Schiffsrumpf hindurch und bevor mir wirklich die Luft ausging, hievten die anderen mich wieder an Bord. Alle jubelten mir zu, glücklich und zufrieden feierten wir die ganze Nacht mit Rum und deftigen Liedern.

Ich versuchte mein Versprechen zu halten und endlich Grace einen ersten Brief zu schreiben.

Liebes,

es gibt hier so viel zu berichten. Es ist ein raues Leben hier. Ich vermisse dich sehr Geliebte. Es dauert noch so lange, bis wir uns wieder sehen. Gruß und Kuss dein Manuel

Einmal pöbelte mich ein Matrose an, ich würde meine Arbeit unzureichend ausführen. Er stand vor mir mit seinen Fäusten erhoben, da ich 1,90 m groß war, kein leichtes Unterfangen für ihn. Sein erster Hieb traf nur meine linke Hand. Aber er hob von meinem Schlag regelrecht ab und landete am Klüver, woraufhin ihm zwei Zähne fehlten. Er sprach nie wieder mit mir. Wenn schönes Wetter war und ich ein wenig Zeit überhatte, stand ich an der Reling. Dort tauchten und sprangen Delfine aus den Wellen auf. Oft spielten sie miteinander wie Kinder und winkten uns zu, als würden sie uns eine gute Fahrt wünschen. Einmal tauchte sogar ein großer Pottwal auf mit seiner riesigen Fontäne, ein alter Bulle, so an die 20 Meter lang. Ein echter Gigant der sogar Schiffen gefährlich werden konnte. Sein Körper war gezeichnet von schweren Kämpfen mit Kraken und sein großer Kopf war voller Runzeln. Weiter hinten steckte noch eine alte Harpune in seinem Körper. Nach einer Weile verschwand auch er wieder in den Fluten. Was für eine erhabene Schöpfung des allmächtigen Gotts. In Gedanken immer bei dir Manuel

Nun begann eine gefährliche Zeit am Kapp Horn, vor allem durch die gefürchteten Winterstürme. Am 13. Februar braute sich etwas am Himmel zusammen. Der Kapitän befahl alles zu vertäuen und die Luken zu schließen. Da rauschten sie schon an, Meter hohe Wellen, die immer wieder auch schon übers Deck schwappten. Heftige Blitze zuckten wie Schlangen um uns herum. Das Schiff begann heftig zu schlingern, um sich wieder frei zu kämpfen.

„Los Leute schnell, das hintere Segel muss noch runter!“

Zu spät... krachend ging der Mast zu Boden und schlug zwei Matrosen wie eine Zeitung zusammen. Die Körper waren nur noch eine rote Masse. Ein schrecklicher Anblick, der mir in die Knochen fuhr. Nun fingen auch wirklich gestandene Seeleute an zu beten. Da tauchte an Backbord eine riesige Welle auf. Wie eine Wand schlug sie auf den Rumpf des Schiffes ein und drückte es heftig zur Seite. Wie ein verwundetes Tier kämpfte es sich aber wieder nach oben.

„Noch so ein Ding und wir sind erledigt!“, kam es von nebenan.

Da erschien plötzlich aus einer Wolke eine Art Lichtstrahl, wie ein Zeichen. Der Kapitän befahl ihm zu folgen, und tatsächlich kamen wir in ruhige Gewässer. Nach zwei Tagen war der Sturm endlich vorbei. Unser Schiff war zerschunden, wie ein Ritter nach einem harten Kampf. Uns ging es auch nicht viel besser. So ging es langsam Richtung Madagaskar. Zum Glück ohne Pest oder andere Krankheiten an Bord. Im Hafen angekommen war das eine echte Erholung, wieder gutes Wasser zu trinken und frisches Obst zu naschen. Viele meiner Kumpels suchten sich Ablenkung bei leichten Mädchen. Nicht mit mir, treue war mir sehr wichtig. Nach zwei Wochen war das Schiff endlich überholt. Dann konnte ich endlich meinen letzten Brief schreiben.

Liebe Grace,

endlich geht es Richtung Heimat. Die Tage bis zu meiner Ankunft ritze ich in einen Mast. In Liebe Manuel.

Es wurde langsam Zeit wieder die grünen Hügel von England zu sehen. Dann endlich war es so weit. Kurz vor Weihnachten lief die Skipper Clemens wieder in den Hafen von Bristol ein. Oh, war das eine Aufregung, schnell noch etwas schick machen und dann zur Gangway. Da stand sie auch schon, meine Grace...

Aber was ist das? Sie hat ja ein Kind im Arm! Grace rief mir lauthals zu:

„Das ist dein Sohn!“

Glücklich und dankbar nahmen wir uns in die Arme. Das Seefahrtsleben hat sich an diesem Tage erledigt, aber es war mit die schönste Zeit meines Lebens.

Eike, die Fledermaus