Leipziger Kompetenz-Screening für die Schule (LKS) - Blanka Hartmann - E-Book

Leipziger Kompetenz-Screening für die Schule (LKS) E-Book

Blanka Hartmann

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Beschreibung

Mit dem Leipziger Kompetenz-Screening (LKS) erfassen LehrerInnen aller Schulformen die Kompetenzen ihrer SchülerInnen im emotional-sozialen Verhalten sowie im Lern- und Arbeitsverhalten. Eine Lehrerversion ermöglicht die Einschätzung von SchülerInnen von 6-18 Jahren, mit der Schülerversion können sich SchülerInnen der 3. / 4. Klasse selbst beurteilen. Die Autoren führen ein in die Kompetenzdiagnostik und zeigen, wie die Ergebnisse des LKS für die Unterrichtsgestaltung in heterogenen Lerngruppen und die individuelle Förderplanung genutzt werden können. Das LKS kann schnell und unkompliziert angewendet werden, die Einsatzbereiche werden umfassend erläutert. Durch differenzierte Items (LKS-L: 124 Items, LKS-S: 38 Items) ist das LKS besonders geeignet, Veränderungen von Kompetenzen über die Zeit zu erfassen. Das normierte Screening ist gerade auch in inklusiven Schulsettings einsetzbar.

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dr. phil. habil. Blanka Hartmann, Dipl.-Päd., hat die Professur für Pädagogik und Didaktik der Emotionalen und Sozialen Entwicklung unter Berücksichtigung inklusiver Bildungsprozesse an der Universität Oldenburg inne.

Dr. phil. Andreas Methner, Förderpäd., syst. Kinder- und Jugendlichentherapeut, Berater und Supervisor (wAB), ist schulfachlicher Referent für Grund- und Förderschulen am Landesschulamt Sachsen-Anhalt.

Zu diesem Band ist im Ernst Reinhardt Verlag lieferbar:

Hartmann, B., Methner, A.: Leipziger Kompetenz-Screening für die Schule – Lehrerversion (LKS-L). Lehrer-Einschätzbogen (25er-Pack, ISBN: 978-3-497-03036-1)

Hartmann, B., Methner, A.: Leipziger Kompetenz-Screening für die Schule – Schülerversion (LKS-S). Schüler-Einschätzbogen 3./4. Klasse (25er-Pack, ISBN: 978-3-497-02516-9)

Außerdem im Ernst Reinhardt Verlag lieferbar:

Popp, K., Melzer, C., Methner, A.: Förderpläne entwickeln und umsetzen

(3. Aufl. 2017, ISBN 978-3-497-02698-2)

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

ISBN 978-3-497-03119-1 (Print) ISBN 978-3-497-61580-3 (PDF-E-Book) ISBN 978-3-497-61581-0 (EPUB)

3. Auflage

© 2022 by Ernst Reinhardt, GmbH & Co KG, Verlag, München

Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne schriftliche Zustimmung der Ernst Reinhardt GmbH & Co KG, München, unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen in andere Sprachen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Der Verlag Ernst Reinhardt GmbH & Co KG behält sich eine Nutzung seiner Inhalte für Text- und Data-Mining i.S.v. § 44b UrhG ausdrücklich vor.

Printed in EU

Cover unter Verwendung eines Fotos von © pressmaster – fotolia.com

Abb. 6 – 8 im Innenteil unter Verwendung von Illustrationen von Susanne Büssow

Satz: Rist Satz & Druck GmbH, 85304 Ilmmünster

Ernst Reinhardt Verlag, Kemnatenstr. 46, D-80639 München

Net: www.reinhardt-verlag.de E-Mail: [email protected]

Inhalt

Ein paar einführende Worte

1  Kompetenzdiagnostik

1.1  Begriffsbestimmung

1.1.1  Kompetenzen

1.1.2  Diagnostik

1.2  Diagnostik und Inklusion

1.3  Der Response-to-intervention-Ansatz

1.4  Grundlegendes zur Förderdiagnostik

1.5  Diagnostik von Kompetenzen im sozialen und emotionalen Verhalten sowie im Lern- und Arbeitsverhalten

1.6  Fazit

2  Die Leipziger Kompetenz-Screenings für die Schule (LKS)

2.1  Entwicklung der Leipziger Kompetenz-Screenings

2.2  Leipziger Kompetenz-Screening – Lehrerversion (LKS-L)

2.2.1  Beschreibung des LKS-L

2.2.2  Durchführung

2.3  Leipziger Kompetenz-Screening – Schülerversion (LKS-S)

2.3.1  Beschreibung des LKS-S

2.3.2  Durchführung

2.4  Auswertung der Screenings

2.5  Anwendungsmöglichkeiten

2.6  Anwendungshinweise

3  Screenings im schulischen Alltag

3.1  Screenings im diagnostischen Prozess

3.2  Erfolgsmessung

3.2.1  Förderung im Klassenverband

3.2.2  Individuelle Förderung

3.3  Differenzierte und reflektierte Wahrnehmung von Schülerkompetenzen

3.3.1  Implizites Diagnostizieren

3.3.2  Neubewertung von Schülerkompetenzen

3.4  Planen der Förderung

3.4.1  Stellenwert im schulischen Kontext

3.4.2  Förderplanung

3.4.3  Veränderungsprozesse erfolgreich anstoßen

3.5  Unterrichtsvorbereitung

3.5.1  Stationenarbeit/Lerntheke

3.5.2  Gruppenarbeit

3.5.3  Gemeinsamer Unterricht

Fazit

Anhang

Normen der Lehrerversion des Leipziger Kompetenz-Screenings

Normen der Schülerversion des Leipziger Kompetenz-Screenings

Literatur

Sachregister

Ein paar einführende Worte

Jede Lehrkraft kennt sicherlich das Gefühl, eine tolle Unterrichtsstunde erlebt zu haben, bei der die Schüler (und der Lehrer selbst) mit Freude lernten und fachliche Erfolge davontrugen. In diesen Stunden scheint alles zu passen. Die Schüler folgen aufmerksam dem Unterricht, das Material und die Methode über- oder unterfordert nicht und die Rahmenbedingungen stützen den Lernprozess zusätzlich. Solche Stunden stellen das Highlight eines jeden Tages dar, manchmal sogar der ganzen Schulwoche. Doch oft genug laufen die Unterrichtsstunden anders ab, das Material überfordert, die Schüler bewältigen die gewählte Methode nicht und das Interaktionsverhalten der Schüler blockiert die effektive Wissensvermittlung.

Der wesentliche Unterschied zwischen erfolgreichen und nicht erfolgreichen Unterrichtserfahrungen besteht in der Frage der Passung: Passen Lernstoff, Lernmethode und Lernzeit auf der einen Seite zu der konkreten Lernausgangslage und den Lernbedürfnissen der Schüler auf der anderen Seite? Gelingt dieser Passungsversuch nicht, so äußert er sich häufig in Lern- und Verhaltensproblematiken. Die Frage der Passung ist für den schulischen Kontext entscheidend. Auch der Bereich der Förderung, wenn sie effektiv sein will, muss an der konkreten Lernausgangslage des Schülers angepasst werden. Doch wie soll diese Passung vollzogen werden? Die Passung setzt Informationen voraus, welche die Grundlage für pädagogische Entscheidungen bilden.

Um den Überblick im komplexen Geschehen des Unterrichts und den Blick für Details der Förderung nicht zu verlieren, sind Informationen zu systematisieren und zu objektivieren. Im Rahmen der vorliegenden Veröffentlichung wird eine solche Hilfe vorgestellt, indem eine Fokussierung auf Kompetenzen vorgenommen wird, die für erfolgreiche Unterrichtssituationen von zentraler Bedeutung sind. Die Leipziger Kompetenz-Screenings setzen den Fokus auf das emotionale und soziale Verhalten sowie auf Kompetenzen im Lern- und Arbeitsverhalten. Der Grund hierfür ist einfach benannt: Das Instrument des Screenings soll praxistauglich bleiben und eine Reduktion auf wesentliche Aspekte ist daher angezeigt. Die gewählten Kompetenzbereiche stehen in einem direkten Bezug zum schulischen Erfolg. Sozial kompetente Schüler mit Kompetenzen im Lern- und Arbeitsverhalten sind in der Schule erfolgreicher. So reichen die Kognitionen oder das Vorwissen als Erfolgsgaranten nicht aus, sondern erst die ausgewählten Kompetenzen machen die Bewältigung des schulischen Anforderungsprofils wahrscheinlich (Kap. 1).

Mit den Leipziger Kompetenz-Screenings in der Lehrerversion (Fremdeinschätzung) und in der Schülerversion (Selbsteinschätzung) werden zwei praktisch erprobte, wissenschaftlich evaluierte und statistisch geprüfte Verfahren für Lehrkräfte aufbereitet. Damit lassen sich folgende Fragen beantworten:

■  Wie oft und wie stark zeigen sich Kompetenzen eines Schülers, z. B. in der Kommunikation mit anderen?

■  Welche Stärken liegen im Sozialverhalten vor, z. B. im Umgang mit Gefühlen?

■  Welche Stärken liegen im Lern- und Arbeitsverhalten vor, z. B. im Regelverhalten?

Mit den gewonnenen Informationen aus den Screenings lassen sich viele Fragen der Passung im Bereich der Diagnostik, Förderung und des Unterrichts beantworten. Der Einsatz von Screenings gehört damit in unseren Augen zu einer grundlegenden Kompetenz von Lehrkräften aller Schulformen. Das Kapitel 1 dieses Buchs geht daher fundiert auf die Kompetenzdiagnostik ein und stellt dabei auch die Bedeutung im sich wandelnden, zunehmend inklusiven Schulsystem heraus.

Beide Screenings sind normiert, damit sie auch zur Erfolgsmessung in Bezug zu den erreichten Kompetenzen genutzt werden können und/oder damit ein Vergleich mit der Normalverteilung möglich wird. Kapitel 2 benennt die Entwicklung, Beschreibung und Einsatzmöglichkeiten. Die Screenings selbst sind eigene Verlagsprodukte, Auszüge finden sich in Kapitel 2.2 und 2.3.

Kapitel 3 bildet den Schwerpunkt des Buchs und greift verschiedene Einsatzfelder heraus und erläutert diese. Es zeigt den Nutzen der Screenings für die Diagnostik, Beurteilung von Schülern, das Coaching, die Förderplanung und Unterrichtsvorbereitung auf und gibt praktische Hinweise für die Umsetzung.

Die Entwicklung und Normierung der Screenings wurde von Wolfgang Mutzeck im Jahr 2002 angestoßen, die Veröffentlichung ist der tatkräftigen Unterstützung zahlreicher weiterer Personen zu verdanken. Prof. Dr. Michael Fingerle (Universität Frankfurt) entwickelte die Lehrerversion mit. Kerstin Gärtig steuerte praktisches Wissen und ihre langjährige Berufserfahrung zur Entwicklung der Schülerversion bei. Unzählige Lehrkräfte testeten die beiden Instrumente auf ihre Praxistauglichkeit und gaben uns kontinuierlich Rückmeldung. Nur durch ihre Hilfe konnte die Normierung der Screenings erfolgen. Susanne Büssow glich unsere künstlerischen Defizite aus und gestaltete die Schülerversion. Herzlichen Dank!

Wir freuen uns, dass dieses Buch großen Zuspruch erhalten hat und nun in zweiter Auflage erscheint. Wir hoffen, dass Sie, liebe LeserInnen, weiterhin gewinnbringend die Leipziger Kompetenz-Screenings im schulischen Alltag einsetzen können. Für die Realisierung der zweiten Auflage möchten wir stellvertretend für alle Beteiligten des Ernst Reinhardt Verlags Frau Sina Wellge sowie der Studentischen Hilfskraft Wiete Fehner danken.

Mit dem arabischen Sprichwort „Nichts ist im Verstand, was nicht zuvor in der Wahrnehmung wäre“ wünschen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, eine gewinnbringende Lektüre.

Bremen/Leipzig, im Februar 2019

Blanka Hartmann und Andreas Methner

1   Kompetenzdiagnostik

Kompetenzen der Schüler zu erkennen, ist wesentlich, um Unterricht erfolgreich planen und durchführen zu können und damit eine Kernaufgabe im (schul-)pädagogischen Alltag. Einen zentralen Stellenwert in der Diagnostik hat die Auseinandersetzung mit Kompetenzen sowie Ressourcen insbesondere im inklusionspädagogischen Kontext, aber bereits die Forderung nach einer umfassenden Förderdiagnostik in den 1970er Jahren machte den Perspektivenwechsel in der Diagnostik deutlich – weg von der Status- hin zur Prozessorientierung. Aus diesen Perspektiven erörtert dieses Kapitel die Diagnostik im Allgemeinen und die Diagnostik von Kompetenzen und nimmt jeweils Bezug zu den Screeningverfahren.

1.1  Begriffsbestimmung

Das nachfolgende Kapitel skizziert die Diskussion um die Begriffe Kompetenzen und Diagnostik im schulischen Kontext.

1.1.1   Kompetenzen

Die meisten Kerncurricula basieren derzeit auf einem Kompetenzbegriff. Der Psychologe Franz E. Weinert hat sich intensiv mit dem Kompetenzbegriff auseinandergesetzt und zahlreiche wissenschaftliche Publikationen folgen seinen Gedanken. Auch den Leipziger Kompetenz-Screenings liegt seine Definition von Kompetenz zugrunde. Weinert (2014b, 27f.) definiert Kompetenzen als

„die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen [die willentliche Steuerung von Handlungen und Handlungsabsichten, A. d. V.] und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können“.

Im direkten Anschluss unterscheidet er zwischen folgenden Kompetenzen (Weinert 2014b, 28):

■  „fachliche Kompetenzen (z. B. physikalischer, fremdsprachlicher, musikalischer Art),

■  fachübergreifende Kompetenzen (z. B. Problemlösen, Teamfähigkeit),

■  Handlungskompetenzen, die neben kognitiven auch soziale, motivationale, volitionale und oft moralische Kompetenzen enthalten und es erlauben, erworbene Kenntnisse und Fertigkeiten in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen erfolgreich, aber auch verantwortungsbewusst zu nutzen.“

Schule verliert durch diese Orientierung an Kompetenzen nicht ihren fachlichen Qualifizierungsauftrag. Fachbezogene Kompetenzen stellen stattdessen einerseits die Grundlage zur Vermittlung fächerübergreifender Kompetenzen dar. Andererseits sind fächerübergreifende Kompetenzen erforderlich, um fachliches Know-how zu erwerben. Wie dadurch ersichtlich wird, liegt ein besonderer Stellenwert auf den überfachlichen Kompetenzen. Um überfachliche Kompetenzen im Sinne einer umfassenden Persönlichkeitsentwicklung beschreiben und erfassen zu können, werden in den einzelnen Ländern der Bundesrepublik Deutschland, in Österreich und der Schweiz vergleichbare Kompetenzkomponenten benannt. Beispielsweise benennt das Kerncurriculum für Hessen folgende Komponenten in allen Unterrichtsfächern (Hessisches Kultusministerium 2011, 9f.):

■  Personale Kompetenz: Selbstwahrnehmung, Selbstkonzept, Selbstregulierung, Werthaltungen, kulturelle Identität

■  Sozialkompetenz: soziale Wahrnehmungsfähigkeit, Rücksichtnahme/Solidarität, Kooperations-und Teamfähigkeit, Konfliktbewältigung, gesellschaftliche Verantwortung, interkulturelle Verständigung

■  Sprach- und Textkompetenz: Lese-und Schreibkompetenz, kommunikative Kompetenz

■  Lern- und Arbeitskompetenz: Problemlösekompetenz, Lernkompetenz, Medienkompetenz

Eine Operationalisierung der einzelnen Kompetenzkomponenten erscheint angebracht, da andernfalls Begriffe wie Selbstwahrnehmung, Lernkompetenz oder soziale Wahrnehmungsfähigkeit Worthülsen bleiben. Derartige Worthülsen können unterschiedlich ausgelegt werden und offenbaren keine pädagogischen Handlungsoptionen. Mittels Kompetenz-Screenings kann diese Operationalisierung erfolgen. Gleichzeitig macht die Aufnahme von überfachlichen Kompetenzen in die Lehrpläne ersichtlich, dass die Förderung integrativer Bestandteil eines jeden Unterrichts ist, und zwar unabhängig vom Fach oder von der Schulform. Der nachfolgende Abschnitt geht auf die beiden Teilbereiche der emotionalen und sozialen Kompetenzen ein.

Emotionale und soziale Kompetenzen

Emotionale und soziale Kompetenzen haben schon seit Längerem im allgemeinen Verständnis sowie in der Fachliteratur den Status von Schlüsselqualifikationen erreicht. Sie sind nämlich nicht nur für das Lernen in der Schulklasse, sondern auch für die spätere berufliche Verwirklichung von entscheidender Bedeutung.

Auch wenn die emotionale und soziale Kompetenz häufig in Kombination zueinander benannt wird, sind beide Kompetenzbereiche nicht identisch. Vielmehr stehen beide Bereiche in einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis. So werden emotionale Kompetenzen benötigt, um sozial angemessen handeln zu können. Gleichzeitig entwickeln sich emotionale Kompetenzen „auf der Grundlage von sozialen Erfahrungen innerhalb verschiedener Kontexte, sodass emotionale und soziale Kompetenzen untrennbar miteinander verwoben sind“ (Schreyer-Mehlhop et al. 2011, 202). Durch die enge Beziehung zwischen emotionalen und sozialen Kompetenzen werden auch in der Literatur beide Bereiche aufgegriffen und verbindend betrachtet. Emotionen beeinflussen unser Handeln (Mutzeck 2008 a), indem sie uns unter anderem helfen, eine Position in einer bestimmten Situation einzunehmen (Schilling 2000). Auch in den Leipziger Kompetenz-Screenings werden soziale und emotionale Kompetenzen nicht getrennt, sondern zusammen im ersten Screening-Teil erfasst.

Der Begriff emotionale Kompetenz ist ein Konstrukt aus der Emotionspsychologie und umfasst das Erlernen verschiedener Fertigkeiten, um mit den eigenen Gefühlen und den Gefühlen anderer umgehen zu können. Emotion beinhaltet die drei Komponenten Gefühlsausdruck, Gefühlswahrnehmung und Gefühlsregulation (Petermann/Wiedebusch 2016). Saarni (2002) benennt acht Schlüsselfertigkeiten emotionaler Kompetenz:

■  die eigenen Gefühle erkennen;

■  die Gefühle anderer erkennen und verstehen;

■  altersangemessenes Emotionsvokabular verstehen und einsetzen können;

■  sich in andere einfühlen können;

■  Wissen, dass Gefühlserleben und Gefühlsausdruck unterschiedlich sein können;

■  mit belastenden Emotionen und Problemsituationen angemessen umgehen können;

■  Wissen, dass soziale Beziehungen durch emotionale Kommunikation mitgeprägt werden;

■  sich emotional als selbstwirksam erleben.

Der Begriff der sozialen Kompetenz ist nicht einheitlich definiert (Beck et al. 2006; Petermann/Petermann 2009). Definitionen in einschlägiger Literatur weisen dabei ähnliche Bestimmungsmerkmale auf:

„Soziale Kompetenz ist eine Menge an kognitiven, emotionalen und motorischen Fertigkeiten, die einem Individuum zur Verfügung stehen und in spezifischen Situationen auch umgesetzt werden können, um soziale Aufgabenstellungen alters- und entwicklungsentsprechend angemessen und effektiv zu bewältigen“ (Beck et al. 2006, 13).

Die Autoren stellen die Handlungssicherheit mit dem Begriff der „Fertigkeit“ heraus, jedoch bedeutet diese Sicherheit noch keine Sicherheit in der Anwendung von Verhaltensweisen. Für angewandtes Handeln muss das Individuum (subjektiv) Sinn in seinem Handeln sehen (Mutzeck 2000, 65). Diesen Aspekt betonen Hinsch und Pfingsten (2015) mit dem Begriff der „Konsequenz“ des Handelns. Sie schlagen folgende Definition vor: Soziale Kompetenz ist die

„Verfügbarkeit und Anwendung von kognitiven, emotionalen und motorischen Verhaltensweisen, die in bestimmten sozialen Situationen für den Handelnden zu einem langfristigen günstigen Verhältnis von positiven und negativen Konsequenzen führen“ (Hinsch/Pfingsten 2015, 18).

Die ausdifferenzierte Definition von Wittmann (2005, 67f.), welche den Kompetenz-Screenings zugrunde liegt, hebt einen weiteren wesentlichen Aspekt hervor:

„Soziale Kompetenzen sind im Prozess der Sozialisation situationsspezifisch erworbene, angewandte und veränderbare flexible Fähigkeiten zur langfristig erfolgreichen Ausführung und Kontrolle von Interaktions- und Kommunikationshandlungen – und insofern Ressourcen erfolgreicher Lebensbewältigung. Diese Fähigkeiten sind als Potential und/oder Performanz perzeptiv-kognitiver, emotional-motivationaler und behavioraler Art. Je nach Anforderungsspezifika der sozialen Umwelt sind soziale Kompetenzen insgesamt mehr oder weniger passend bzw. angemessen, wobei die jeweiligen Bewertungsmaßstäbe verschieden angesetzt werden können.“

Soziale Kompetenzen sind nicht statisch, sondern ergeben sich aus einem Lernprozess. Die wichtigste Konsequenz ist, dass soziale Kompetenzen zu jedem Zeitpunkt in der Entwicklung erworben und weiterentwickelt werden können. Wenn die Schule ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag gerecht werden möchte, muss sie entsprechende Lern- und Erfahrungsräume vorhalten. Soziale Kompetenz ist die Grundlage für ein zufriedenstellendes Zusammenleben und ermöglicht damit erst eine gute Unterrichtsarbeit.

Lern- und Arbeitsverhalten

Table of Contents

Cover

Impressum

Inhalt

Ein paar einführende Worte

1 Kompetenzdiagnostik

1.1 Begriffsbestimmung

1.1.1 Kompetenzen

1.1.2 Diagnostik

1.2 Diagnostik und Inklusion

1.3 Der Response-to-intervention-Ansatz

1.4 Grundlegendes zur Förderdiagnostik

1.5 Diagnostik von Kompetenzen im sozialen und emotionalen Verhalten sowie im Lern- und Arbeitsverhalten

1.6 Fazit

2 Die Leipziger Kompetenz-Screenings für die Schule (LKS)

2.1 Entwicklung der Leipziger Kompetenz-Screenings

2.2 Leipziger Kompetenz-Screening – Lehrerversion (LKS-L)

2.2.1 Beschreibung des LKS-L

2.2.2 Durchführung

2.3 Leipziger Kompetenz-Screening – Schülerversion (LKS-S)

2.3.1 Beschreibung des LKS-S

2.3.2 Durchführung

2.4 Auswertung der Screenings

2.5 Anwendungsmöglichkeiten

2.6 Anwendungshinweise

3 Screenings im schulischen Alltag

3.1 Screenings im diagnostischen Prozess

3.2 Erfolgsmessung

3.2.1 Förderung im Klassenverband

3.2.2 Individuelle Förderung

3.3 Differenzierte und reflektierte Wahrnehmung von Schülerkompetenzen

3.3.1 Implizites Diagnostizieren

3.3.2 Neubewertung von Schülerkompetenzen

3.4 Planen der Förderung

3.4.1 Stellenwert im schulischen Kontext

3.4.2 Förderplanung

3.4.3 Veränderungsprozesse erfolgreich anstoßen

3.5 Unterrichtsvorbereitung

3.5.1 Stationenarbeit/Lerntheke

3.5.2 Gruppenarbeit

3.5.3 Gemeinsamer Unterricht

Fazit

Anhang

Normen der Lehrerversion des Leipziger Kompetenz-Screenings

Normen der Schülerversion des Leipziger Kompetenz-Screenings

Literatur

Sachregister

Anzeigen

Rückseite

Orientierungsmarken

Cover

Impressum

Inhalt

Ein paar einführende Worte

1 Kompetenzdiagnostik

1.1 Begriffsbestimmung

1.1.1 Kompetenzen

1.1.2 Diagnostik

1.2 Diagnostik und Inklusion

1.3 Der Response-to-intervention-Ansatz

1.4 Grundlegendes zur Förderdiagnostik

1.5 Diagnostik von Kompetenzen im sozialen und emotionalen Verhalten sowie im Lern- und Arbeitsverhalten

1.6 Fazit

2 Die Leipziger Kompetenz-Screenings für die Schule (LKS)

2.1 Entwicklung der Leipziger Kompetenz-Screenings

2.2 Leipziger Kompetenz-Screening – Lehrerversion (LKS-L)

2.2.1 Beschreibung des LKS-L

2.2.2 Durchführung

2.3 Leipziger Kompetenz-Screening – Schülerversion (LKS-S)

2.3.1 Beschreibung des LKS-S

2.3.2 Durchführung

2.4 Auswertung der Screenings

2.5 Anwendungsmöglichkeiten

2.6 Anwendungshinweise

3 Screenings im schulischen Alltag

3.1 Screenings im diagnostischen Prozess

3.2 Erfolgsmessung

3.2.1 Förderung im Klassenverband

3.2.2 Individuelle Förderung

3.3 Differenzierte und reflektierte Wahrnehmung von Schülerkompetenzen

3.3.1 Implizites Diagnostizieren

3.3.2 Neubewertung von Schülerkompetenzen

3.4 Planen der Förderung

3.4.1 Stellenwert im schulischen Kontext

3.4.2 Förderplanung

3.4.3 Veränderungsprozesse erfolgreich anstoßen

3.5 Unterrichtsvorbereitung

3.5.1 Stationenarbeit/Lerntheke

3.5.2 Gruppenarbeit

3.5.3 Gemeinsamer Unterricht

Fazit

Anhang

Normen der Lehrerversion des Leipziger Kompetenz-Screenings

Normen der Schülerversion des Leipziger Kompetenz-Screenings

Literatur

Sachregister

Anzeigen

Rückseite