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"Behandeln Sie auch Reptilien?" Natürlich! Egal ob Echse, Schlange oder Schildkröte - mit diesem Praxisbuch der kleintier.konkret-Reihe sind diese Patienten für Sie (bald) keine Exoten mehr. Der Reptilienspezialist Dr. Michael Pees und sein Expertenteam geben Ihnen das nötige praxisnahe Wissen an die Hand: Das diagnostische Vorgehen und die häufigsten Erkrankungen bei Echsen, Schlangen und Schildkröten werden praxisnah beschrieben. - Übersichtliche Fließdiagramme im Wenn-Dann-Prinzip führen Sie schnell von den häufigsten Leitsymptomen zur richtigen Diagnose. - Mit reptilienspezifischen Medikamentenlisten finden Sie zielsicher die jeweils passende Dosierung. - Beim Notfall eines schuppigen Patienten helfen Ihnen Sofortmaßnahmen zu jedem Leitsymptom. Reptilien? - Keine Exoten mehr für Sie!
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Seitenzahl: 514
Veröffentlichungsjahr: 2015
Leitsymptome bei Reptilien
Diagnostischer Leitfaden und Therapie
Michael Pees
Bastian Plenz, Rachel E. Marschang, Frank Mutschmann, Annkatrin Neul, Volker Schmidt, Andrea Steinmetz
514 Abbildungen
Auch wenn kaum gesicherte Zahlen vorliegen, haben Reptilien als Haustiere in den letzten 20 Jahren stetig an Bedeutung gewonnen, und stellen somit inzwischen auch in der tierärztlichen Praxis einen zunehmenden Anteil des Patientengutes dar. Gleichzeitig stellt die Klasse Reptilien in ihrer Heterogenität und den speziellen Lebensweisen der einzelnen Spezies besondere Anforderungen an die Diagnostik wie auch die Therapie. Daher starteten erste Planungen zu einem Buch über Leitsymptome bei Reptilien schon vor mehreren Jahren. Die Komplexität der Thematik – insbesondere auch der gemeinsamen Abhandlung der drei Tiergruppen Echsen, Schlangen und Schildkröten – führte zu einer langen Planungs- und Koordinationsphase, an deren Ende nun das vorliegende Buch steht.
Dieses Buch gliedert sich praxisorientiert nach den am häufigsten vorkommenden Leitsymptomen, unter Berücksichtigung der relevantesten nicht-giftigen Reptilienspezies in deutschsprachigen Haushalten. Die Leitsymptome werden als Problematik besprochen, und neben Sofortmaßnahmen wird die klinische Untersuchung zusammen mit der ggf. notwendigen weiteren Diagnostik erörtert. Dieses Vorgehen soll es ermöglichen, sich direkt mit den Erkrankungen, die eine bestimmte Symptomatik verursachen, vergleichend zu beschäftigen. Dies wird zudem anschaulich durch einen diagnostischen Leitfaden zu jedem Leitsymptom verdeutlicht. Da medizinische Probleme aber nicht immer einem festen Schema folgen, kann ein diagnostischer Leitfaden nur eine Hilfestellung und ein Denkanstoß sein. Aus diesem Grunde sind die eigentlichen Erkrankungen auch in sich geschlossen von der Ätiologie über die Pathogenese, Klinik und Diagnostik bis zur Therapie besprochen, um auch ein gezieltes Nachlesen zu ermöglichen.
Reptilien als ektotherme Lebewesen haben besondere Ansprüche an ihre Umwelt, und auch die Fütterung ist bei vielen Spezies aufgrund spezieller Anforderungen anspruchsvoll. Daher bedarf es eines ausreichenden Fachwissens auf Seiten der Halter, um die Grundlagen für eine artgerechte Unterbringung zu schaffen. Entsprechend notwendig ist es, die Halter auf die reichlich vorhandene Fachliteratur zur Haltung von Reptilien hinzuweisen, und zu verdeutlichen, wie wichtig eine optimale Haltung für die Gesundheit von Reptilien ist. Letztlich ist diese Mithilfe der Halter unerlässlich, um einen (dauerhaften) Therapieerfolg zu erzielen.
Wir möchten allen Kollegen herzlich danken, die bei den zahlreichen Diskussionen mitgewirkt haben, und die uns ebenso mit fachlichem Rat oder Bildmaterial unterstützt haben.
Besonders danken möchten wir dem Enke Verlag für die stets freundliche und hilfreiche Unterstützung bei der Planung wie auch der Umsetzung dieses Projektes, insbesondere Herrn Dr. Martin Schäfer, Frau Gesina Abraham und Frau Anna Johne.
Den Kolleginnen und Kollegen in der Praxis wünschen wir, dass das Buch sich in der täglichen Arbeit als praktische Hilfe bewähren möge.
Leipzig, Bad Kissingen und Berlin, im Sommer 2015
Die Autoren
AS
Augensalbe
AST
Aspartataminotransferase
AT
Augentropfen
CANV
Chrysosporium
anamorph von
Nannizziopsis vriesii
CK
Kreatinkinase
γ-GT
Gamma-Glutamyltransferase
GLDH
Glutamatdehydrogenase
IBD
Inclusion Body Disease
LDH
Lactatdehydrogenase
MBD
Metabolic Bone Disease
NW
Nebenwirkung(en)
POTZ
Preferred Optimal Temperature Zone
REPAS
Reptilien-assoziierte Salmonellose
SCUD
Septicemic Cutaneous Ulcerative Disease
TINC
Intranuclear Coccidiosis of Testudines
URTD
Upper Respiratory Tract Disease
Symbole
Echse EchsenSchlange SchlangenSchildkröte SchildkrötenZoonose Zoonose
Vorwort
Abkürzungen
Symbol-Erklärung
Teil I Allgemeinuntersuchung
1 Signalement und Anamnese
1.1 Allgemeines
1.2 Signalement
1.3 Allgemeine Anamnese
1.4 Spezielle Anamnese
2 Klinische Untersuchung und Bestandsscreening
2.1 Transport und Handling
2.2 Klinische Untersuchung
2.3 Bestandsuntersuchung und Eingangsquarantäne
Teil II Medikamentenapplikation, Narkose und begleitende Maßnahmen
3 Applikationstechniken
3.1 Orale Applikation
3.1.1 Eingabe in das Maul
3.1.2 Eingabe in den Magen
3.2 Parenterale Applikation
3.2.1 Subkutan
3.2.2 Intramuskulär
3.2.3 Intrazölomal
3.3 Lokale Applikation
4 Narkose und Schmerztherapie
4.1 Allgemeines
4.1.1 Indikation
4.1.2 Anatomische und physiologische Besonderheiten
4.2 Klinische Einschätzung und Vorbereitung
4.3 Prämedikation
4.4 Anästhetika
4.4.1 Inhalationsanästhesie
4.4.2 Injektionsanästhesie
4.4.3 Lokalanästhesie
4.5 Narkosemonitoring
4.6 Aufwachphase und postoperative Unterstützung
4.7 Analgesie
4.7.1 Nichtsteroidale Antiphlogistika
4.7.2 Opioide
5 Notfallmaßnahmen
5.1 Allgemeines
5.2 Notwendige Ausrüstung
5.3 Einschätzung und erste Hilfe
5.3.1 Sauerstoffversorgung
5.3.2 Flüssigkeitssubstitution
5.3.3 Häufige Notfallsituationen
6 Stationäre Unterbringung und Quarantäne
6.1 Räumlichkeiten und Unterbringungseinheiten
6.2 Klima
6.3 Quarantäneeinheit
6.4 Fütterung während der stationären Unterbringung
6.5 Bademöglichkeiten
7 Euthanasie
7.1 Indikationen
7.2 Durchführung
7.2.1 Medikamentös
7.2.2 Dekapitation
7.2.3 (Bolzen-)Schuss
7.2.4 Hypothermie
7.3 Feststellung des Todes
Teil III Leitsymptome
8 Dyspnoe
8.1 Allgemeines
8.2 Sofortmaßnahmen
8.3 Diagnostik
8.3.1 Besonderes Augenmerk bei der Anamnese
8.3.2 Besonderes Augenmerk bei der klinischen Untersuchung
8.3.3 Vorgehen bei Verdacht auf eine Pneumonie
8.3.4 Weiterführende Maßnahmen bei fehlender Symptomatik oder Diagnose
8.4 Wichtige Ursachen
8.4.1 Erkrankungen
9 Nasenausfluss
9.1 Allgemeines
9.2 Sofortmaßnahmen
9.3 Diagnostik
9.3.1 Besonderes Augenmerk bei der Anamnese
9.3.2 Besonderes Augenmerk bei der klinischen Untersuchung
9.4 Wichtige Ursachen
9.4.1 Erkrankungen
10 Veränderung von Maul bzw. Maulhöhle
10.1 Allgemeines
10.2 Sofortmaßnahmen
10.3 Diagnostik
10.3.1 Besonderes Augenmerk bei der Anamnese
10.3.2 Besonderes Augenmerk bei der klinischen Untersuchung
10.4 Wichtige Ursachen
10.4.1 Erkrankungen
11 Würgen oder Erbrechen
11.1 Allgemeines
11.2 Sofortmaßnahmen
11.3 Diagnostik
11.3.1 Besonderes Augenmerk bei der Anamnese
11.3.2 Besonderes Augenmerk bei der klinischen Untersuchung
11.3.3 Magenspülprobe
11.3.4 Kotuntersuchung
11.3.5 Erweiterte Untersuchungen bei Schlangen
11.3.6 Abklärung bei unklaren Befunden oder sich wiederholender Symptomatik
11.4 Wichtige Ursachen
11.4.1 Erkrankungen
12 Störung des Kotabsatzes bzw. Kotveränderung
12.1 Allgemeines
12.2 Sofortmaßnahmen
12.3 Diagnostik
12.3.1 Besonderes Augenmerk bei der Anamnese
12.3.2 Besonderes Augenmerk bei der klinischen Untersuchung
12.4 Wichtige Ursachen
12.4.1 Erkrankungen
13 Störung des Harnabsatzes bzw. Harnveränderung
13.1 Allgemeines
13.2 Sofortmaßnahmen
13.3 Diagnostik
13.3.1 Besonderes Augenmerk bei der Anamnese
13.3.2 Besonderes Augenmerk bei der klinischen Untersuchung
13.4 Wichtige Ursachen
13.4.1 Erkrankungen
14 Gewebevorfall aus der Kloake
14.1 Allgemeines
14.2 Sofortmaßnahmen
14.3 Diagnostik
14.3.1 Besonderes Augenmerk bei der Anamnese
14.3.2 Besonderes Augenmerk bei der klinischen Untersuchung
14.4 Wichtige Ursachen
14.4.1 Erkrankungen
15 Störung des Bewegungsapparats
15.1 Allgemeines
15.2 Sofortmaßnahmen
15.3 Diagnostik
15.3.1 Besonderes Augenmerk bei der Anamnese
15.3.2 Besonderes Augenmerk bei der klinischen Untersuchung
15.3.3 Weiteres Vorgehen bei fehlender Diagnose
15.3.4 Vorgehen bei Verdacht auf eine Metabolic Bone Disease (MBD)
15.4 Wichtige Ursachen
15.4.1 Erkrankungen
16 Neurologische Ausfallerscheinung
16.1 Allgemeines
16.2 Sofortmaßnahmen
16.3 Diagnostik
16.3.1 Besonderes Augenmerk bei der Anamnese
16.3.2 Besonderes Augenmerk bei der klinischen Untersuchung
16.4 Wichtige Ursachen
16.4.1 Erkrankungen
17 Hautveränderung (inkl. Panzerschuppen)
17.1 Allgemeines
17.2 Sofortmaßnahmen
17.3 Diagnostik
17.3.1 Besonderes Augenmerk bei der Anamnese
17.3.2 Besonderes Augenmerk bei der klinischen Untersuchung
17.4 Wichtige Ursachen
17.4.1 Erkrankungen
18 Störung der Legetätigkeit
18.1 Allgemeines
18.1.1 Physiologie der Legetätigkeit
18.2 Sofortmaßnahmen
18.3 Diagnostik
18.3.1 Besonderes Augenmerk bei der Anamnese
18.3.2 Besonderes Augenmerk bei der klinischen Untersuchung
18.3.3 Weiterführende Untersuchungen
18.4 Wichtige Ursachen
18.4.1 Erkrankungen
19 Augenveränderung
19.1 Allgemeines
19.1.1 Anatomie und Physiologie
19.1.2 Ophthalmologische Untersuchung
19.2 Sofortmaßnahmen
19.3 Diagnostik
19.3.1 Besonderes Augenmerk bei der Anamnese
19.3.2 Besonderes Augenmerk bei der klinischen Untersuchung
19.4 Wichtige Ursachen
19.4.1 Erkrankungen
20 Umfangsvermehrung
20.1 Allgemeines
20.2 Sofortmaßnahmen
20.3 Diagnostik
20.3.1 Besonderes Augenmerk bei der Anamnese
20.3.2 Besonderes Augenmerk bei der klinischen Untersuchung
20.4 Wichtige Ursachen
20.4.1 Erkrankungen
21 Anorexie, Apathie und Abmagerung
21.1 Allgemeines
21.2 Sofortmaßnahmen
21.3 Diagnostik
21.3.1 Besonderes Augenmerk bei der Anamnese
21.3.2 Besonderes Augenmerk bei der klinischen Untersuchung
21.4 Wichtige Ursachen
21.4.1 Erkrankungen
Teil IV Weiterführende Untersuchungen
22 Probenentnahme
22.1 Tupferprobe
22.2 Kotprobe
22.3 Spülprobe
22.4 Hautgeschabsel
22.5 Blutprobe
22.5.1 Blutentnahme bei Echsen
22.5.2 Blutentnahme bei Schlangen
22.5.3 Blutentnahme bei Schildkröten
23 Klinische Labordiagnostik und postmortale Untersuchung
23.1 Allgemeines
23.2 Probenbearbeitung und -versand
23.3 Zytologische Untersuchung
23.3.1 Färbemethoden
23.4 Infektionsdiagnostik
23.4.1 Mikrobiologische Untersuchung
23.4.2 Molekularbiologische Untersuchung
23.4.3 Parasitologische Untersuchung
23.5 Blutuntersuchung
23.5.1 Hämatologie
23.5.2 Blutchemische Parameter
23.6 Postmortale Untersuchung
24 Bildgebende Diagnostik
24.1 Allgemeines
24.2 Röntgenuntersuchung
24.2.1 Lagerung und Durchführung
24.2.2 Beurteilung
24.2.3 Kontrastmitteluntersuchung
24.3 Ultraschalluntersuchung
24.3.1 Technische Voraussetzungen
24.3.2 Lagerung und Durchführung
24.3.3 Beurteilung
24.4 Weitere bildgebende Verfahren
24.4.1 Endoskopie
24.4.2 Computertomografie
24.4.3 Magnetresonanztomografie
Teil V Anhang
25 Medikamentenverzeichnis
26 Merkblätter
27 Adressen (Labore/Equipment)
27.1 Hersteller von erwähnten Geräten
27.2 Auswahl relevanter Internetseiten
27.3 Auswahl von Laboren mit reptilienspezifischer Diagnostik
28 Weiterführende Literatur
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum
1 Signalement und Anamnese
2 Klinische Untersuchung und Bestandsscreening
Annkatrin Neul
Reptilien als nicht domestizierte Tiere versuchen, so lange wie möglich unauffällig und gesund zu wirken. Daher werden sie oft in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium dem Tierarzt vorgestellt. Die Leitsymptomatik ist außerdem oft nicht unmittelbar erkennbar. Deshalb und insbesondere, um Haltungs- oder Ernährungsdefizite als mögliche (Mit-)Ursache einschätzen zu können, ist ein detailliertes Anamnesegespräch wichtig.
ReptilienartDie Klasse der Reptilien umfasst viele, sehr unterschiedliche Spezies, welche sehr individuelle Anforderungen hinsichtlich der Fütterung, der Haltung und des Klimas stellen. Daher ist die Bestimmung der Reptilienart eine entscheidende Voraussetzung für die Einschätzung der Haltungs- und Ernährungsbedingungen, die dem Patienten angeboten werden.
Alter Eine Altersbestimmung bei Reptilien ist sehr schwierig. Die Kenntnis (oft nur die Dauer des Aufenthaltes beim Halter) ist aber durchaus für die Interpretation von Untersuchungsergebnissen und bestimmte Krankheitsprädispositionen relevant.
Geschlecht Die Bestimmung des Geschlechts ist wichtig, um geschlechtsspezifische Erkrankungen ein- bzw. ausschließen zu können (▶ Tab. 1.1).
Schildkröte Bei vielen Schildkrötenarten ist die Geschlechtsbestimmung aufgrund sekundärer Geschlechtsmerkmale schwierig, da die Tiere hierzu erst eine gewisse Größe erreicht haben müssen. Die Geschlechtsreife wird bei den meisten Sumpfschildkröten mit ca. 6 Jahren und bei den meisten Landschildkröten mit etwa 10 Jahren erreicht, wobei die Fütterung und Haltung hierbei eine besondere Rolle spielen. Die relative Schwanzlänge und Schwanzwurzelbreite in Bezug zur Kloakenöffnung sind wichtige Anhaltspunkte. Weiterhin gibt die Panzerform Hinweise, jedoch muss darauf geachtet werden, dass dieser physiologisch gewachsen ist.
Echse Bei vielen Echsen ist eine Geschlechtsdifferenzierung aufgrund sekundärer Geschlechtsmerkmale möglich. So findet man beispielsweise bei männlichen Agamen und Geckos Poren, die der Reviermarkierung dienen. Weiterhin zeigen männliche Chamäleons und Leguane deutlicher ausgebildete Körperanhänge (Helme, Hörner, Kämme), die hinweisend auf das Geschlecht sind. Hemipenistaschen sind teilweise an der ventralen Schwanzseite erkennbar.
Schlange Viele Schlangen werden mit ungefähr 3 Jahren geschlechtsreif. Meist ist keine einheitliche, eindeutige Geschlechtsdifferenzierung anhand sekundärer Geschlechtsmerkmale möglich. Männliche Riesenschlangen sind je nach Spezies an den deutlicher ausgebildeten Aftersporen erkennbar. Bei Nattern kann ein längerer Schwanz ein Hinweis auf ein männliches Tier sein. Als Mittel der Wahl dient bei Schlangen die Sondierung der Hemipenistaschen, bei der die Tiefe mithilfe der Schuppen der Schwanzunterseite (Subkaudalia) beurteilt wird (▶ Abb. 1.1).
Cave
Durch unsachgemäße Sondierungen können Verletzungen der Hemipenes verursacht werden.
Abb. 1.1 Sondierung der Hemipenistaschen bei einem adulten Tigerpython. a Die mit Paraffin gleitfähig gemachte Sonde wird hinter der Kloakenschuppe vorsichtig nach kaudal geführt. Dies kann entweder etwas rechts oder links der Medianen geschehen (Pfeile). b Lässt sich die Sonde nicht mehr leicht weiter einführen, wird der Finger auf das Ende des gerade noch sichtbaren Teils gelegt und dieser vorsichtig zurückgezogen. Zur Beurteilung dienen die Ventralschuppen am Schwanzansatz. Hier bedeuten 10 Schuppen, dass es sich um ein männliches Tier handelt.
(Klinik für Vögel und Reptilien, An den Tierkliniken 17, 04103 Leipzig)
Tab. 1.1
Geschlechtsbestimmung bei Reptilien.
Spezies
♀
♂
Schildkröte
kurzer Schwanz
Kloakenöffnung näher an Schwanzwurzel
keine konkave Eindellung am Plastron
kurze Krallen an Vordergliedmaßen (nur bei Wasserschildkröten)
langer Schwanz
Kloakenöffnung näher an Schwanzspitze
konkave Eindellung am Plastron
lange Krallen an Vordergliedmaßen (nur bei Wasserschildkröten)
Echse
kein Sulcus an Schwanzunterseite
weniger gut ausgeprägte Femoral- oder Präanalporen
weniger deutliche oder keine Körperanhänge
Sulcus an Schwanzunterseite zwischen den Hemipenes
deutlich ausgeprägte Femoral- oder Präanalporen
Körperanhänge in Form von Rückenkämmen, Hörnern, Kehllappen und/oder Helmen
Schlange
Sondierung: Eindringtiefe in Hemipenistaschen entspricht der Länge von ca. 2–6 Subkaudalia
Sondierung: Eindringtiefe in Hemipenistaschen entspricht der Länge von mindestens 6–10 Subkaudalia (▶ Abb. 1.1)
Die allgemeine Anamnese kann bereits Hinweise auf bestimmte Erkrankungen geben. Sie ist außerdem relevant, um therapiebegleitend haltungs- und ernährungsoptimierende Maßnahmen zu ergreifen.
Wichtige Punkte sind:
Haltung
Durchführung einer Winterruhe
Ernährung
Partnertiere
Herkunft
frühere Erkrankungen (im Bestand)
Haltung Hinsichtlich der Haltung sollten der den Tieren zur Verfügung stehende Platz, die Gruppenzusammensetzung, das Bodensubstrat und das Temperatur- sowie Luftfeuchteregime erfragt werden. Die Abbildung möglichst natürlicher Gegebenheiten ist bei der ▶ Unterbringung wichtig.
Cave
Im Zusammenhang mit Heizungen/Heizkabeln kommt es regelmäßig zu Verbrennungen.
Bei sonnenliebenden Arten (z.B. Europäischer Landschildkröte oder Jemenchamäleon) ist neben der Beleuchtungsdauer vor allem die UV-Beleuchtung entscheidend. Hierbei sollte nicht nur geklärt werden, ob eine UV-Lampe angeboten wird, sondern auch, um welche Lampe es sich handelt.
▶ Tab. 1.2 führt allgemein empfohlene Haltungsbedingungen einiger Reptilienarten auf.
Praxistipp
Für detaillierte Angaben zur Haltung bestimmter Spezies wird ausdrücklich auf entsprechende Terraristikliteratur verwiesen, da die individuellen Anforderungen sehr spezifisch sein können. Dem Halter sollte der Erwerb der entsprechenden Literatur ausdrücklich empfohlen werden.
Tab. 1.2
Allgemeine Haltungsempfehlungen häufig gehaltener Reptilien.
Reptilienarten
Terrarientyp
Gruppenzusammenstellung
Bodensubstrat
Beleuchtung
Temperatur
Luftfeuchtigkeit
Schildkröten
Europäische Landschildkröten (Testudo spp.)
Waldterrarium; Idealfall: Freilandhaltung
Einzel- oder Gruppenhaltung
Lehm-Erde-Gemisch
Tageslichtlampe (hohe Lichtintensität notwendig), UV-Beleuchtung (UV-A und UV-B)
Bodentemperatur 22–28°C, Lufttemperatur 30–40°C, lokaler Sonnenplatz bis 45°C, Nachtabsenkung auf 17–20°C
je nach Art 40–70%
Schmuckschildkröten (Pseudemys spp., Trachemys spp.)
Aquaterrarium
Paar- oder Gruppenhaltung
Steine, Landteil ca. ein Drittel der Gesamtfläche
Tageslichtlampe, UV-Beleuchtung (UV-A und UV-B)
Wassertemperatur 24–28°C, lokaler Sonnenplatz 35–45°C, nachts geringfügige Abkühlung
-
Echsen
Bartagame (Pogona vitticeps)
Wüstenterrarium
Kleingruppe (1 Männchen und 2–4 Weibchen)
lehmhaltiger Sand
Tageslichtlampe (hohe Lichtintensität notwendig), UV-Beleuchtung (UV-A und UV-B)
Bodentemperatur 26–28°C, lokaler Sonnenplatz bis 45°C, Nachtabsenkung auf 20–23°C
50–60%
Leopardgecko (Eublepharis macularius)
Wüstenterrarium
Paarhaltung oder Klein-gruppe (1 Männchen und mehrere Weibchen)
lehmhaltiger Sand
Tageslichtlampe, Wärmestrahler/Bodenheizung
Bodentemperatur 26–28°C, lokaler Sonnenplatz bis 35°C, Nachtabsenkung auf 20–23°C
50–60%
Grüner Leguan (Iguana iguana)
Tropenterrarium
Einzel- oder Paarhaltung
saugfähiges Substrat, z.B. Rindenmulch
Tageslichtlampe (hohe Lichtintensität notwendig), UV-Beleuchtung (UV-A und UV-B)
Lufttemperatur 25–28°C, lokaler Sonnenplatz bis 45°C, Nachtabsenkung auf 20–25°C
tagsüber 60–80%, nachts 80–95%
Jemen-/Pantherchamäleon (Chamaeleo calyptratus, Furcifer pardalis)
Tropenterrarium
Einzelhaltung
saugfähiges Substrat, z.B. Rindenmulch
Tageslichtlampe (hohe Lichtintensität notwendig), UV-Beleuchtung (UV-A und UV-B)
Lufttemperatur 25–28°C, lokaler Sonnenplatz bis 40°C, Nachtabsenkung auf 20°C
60–90%
Wasseragame (Physignathus cocincinus)
Tropenterrarium
Paarhaltung
saugfähiges Substrat, z.B. Rindenmulch
Tageslichtlampe (hohe Lichtintensität notwendig), UV-Beleuchtung (UV-A und UV-B)
Lufttemperatur 26–28°C, lokaler Sonnenplatz bis 35°C, Nachtabsenkung auf 20–23°C
tagsüber 70–80%, nachts über 95%
Taggecko (Phelsuma spp.)
Tropenterrarium
Paarhaltung
saugfähiges Substrat, z.B. Rindenmulch
Tageslichtlampe (hohe Lichtintensität notwendig),
UV-Beleuchtung (UV-A und UV-B)
Lufttemperatur 28–30°C, lokaler Sonnenplatz bis 45°C, Nachtabsenkung auf 20–23°C
50–70%
Schlangen
Kornnatter (Pantherophis guttatus)
Waldterrarium
Einzel- oder Gruppenhaltung
Erde-Lehm-Gemisch
Tageslichtlampe, Wärmestrahler/Bodenheizung
Lufttemperatur 20–25°C, lokaler Sonnenplatz bis 35°C, Nachtabsenkung auf unter 20°C
50–60%
Königspython (Python regius)
Tropenterrarium
Einzel- oder Gruppenhaltung
lockeres, saugfähiges Substrat, z.B. Rindenmulch
Tageslichtlampe, Wärmestrahler/Bodenheizung
Bodentemperatur 26–28°C, lokaler Sonnenplatz bis 33°C, Nachtabsenkung auf 20–23°C
60–80%, nachts auch über 90%
Winterruhe Bei vielen Spezies gehört die jährliche Durchführung einer ▶ Winterruhe zur artgerechten Haltung (z.B. Europäische Landschildkröten, Bartagamen, Kornnattern). Hierbei werden der Stoffwechsel und die Organfunktion deutlich reduziert, wodurch die Reptilien anfälliger gegenüber Infektionskrankheiten sind. Die korrekte Durchführung ist deshalb von großer Bedeutung und sollte erfragt werden.
Ernährung Bezüglich der Ernährung sollte nach der Futterzusammensetzung/-menge und der Fütterungshäufigkeit gefragt werden. Dies ist wichtig, da einige Erkrankungen durch Fütterungsdefizite ausgelöst werden. So haben die meisten Reptilien in Menschenobhut einen (latenten) Mineralstoffmangel. Entsprechend sollten zusätzliche Mineralstoffquellen zu Verfügung stehen. Als Mineralstoffquelle kann Sepiaschale (pulverisiert oder im Stück) oder günstiger ein Vitamin-Mineralstoff-Ergänzungsfuttermittel, z.B. Korvimin ZVT® ▶ Med. 63, angeboten werden. Bei Schlangen ist dies in der Regel nicht notwendig, da die Knochen der Futtertiere ausreichen. In ▶ Tab. 1.3 sind Empfehlungen zur Fütterung ausgewählter Reptilienarten zusammengestellt.
Tab. 1.3
Allgemeine Fütterungsempfehlungen für einige Reptilienspezies.
Reptilienarten
Häufigkeit der Fütterung
Zusammensetzung der Futterration
Schildkröten
Europäische Landschildkröten (Testudo spp.)
täglich
Wald- und Wiesenkräuter (z.B. Löwenzahn, Spitzwegerich, Breitwegerich), Heu, Blattsalat (z.B. Feldsalat), Gemüse (z.B. Karotten, Zucchini), Golliwoog®
Schmuckschildkröten (Pseudemys spp., Trachemys spp.)
täglich pflanzliches Futter, 2–3× wöchentlich tierisches Futter
pflanzliches Futter: Wald- und Wiesenkräuter (z.B. Löwenzahn, Spitzwegerich, Breitwegerich), Wasserpflanzen (z.B. Wasserlinse), Blattsalat (z.B. Feldsalat), Gemüse (z.B. Karotten, Zucchini), Golliwoog®
tierisches Futter: Fisch, Kleinkrebse, Garnelen, Würmer, Insekten
Echsen
Grüner Leguan (Iguana iguana)
täglich
Wald- und Wiesenkräuter (z.B. Löwenzahn, Spitzwegerich, Breitwegerich), Blattsalat (z.B. Feldsalat), Gemüse (z.B. Karotten, Zucchini), Golliwoog® , (Obst)
Bartagame (Pogona vitticeps)
täglich pflanzliches Futter (außer an den Tagen mit tierischer Kost), 2× wöchentlich tierisches Futter
pflanzliches Futter: Wald- und Wiesenkräuter (z.B. Löwenzahn, Spitzwegerich, Breitwegerich), Blattsalat (z.B. Feldsalat), Gemüse (z.B. Karotten, Zucchini), Golliwoog®
tierisches Futter: Grillen, Heimchen, Heuschrecken, (Zophobas)
Wasseragame (Physignathus cocincinus)
2–3× wöchentlich tierisches Futter, an Tagen ohne tierische Kost kann pflanzliches Futter angeboten werden
tierisches Futter: Grillen, Heimchen, Heuschrecken, (Zophobas)
pflanzliches Futter: Wald- und Wiesenkräuter (z.B. Löwenzahn, Spitzwegerich, Breitwegerich), Blattsalat (z.B. Feldsalat), Gemüse (z.B. Karotten, Zucchini), Golliwoog®
Taggecko (Phelsuma spp.)
alle 2 Tage tierisches Futter, 1× wöchentlich Obstbrei
tierisches Futter: Grillen, Heimchen, Frucht-, Goldfliegen
pflanzliches Futter: Obstbrei, z.B. Banane
Leopardgecko/Chamäleon
3× wöchentlich
Grillen, Heimchen, (Zophobas); Jemenchamäleon: zur Substitution auch pflanzliche Nahrung
Schlangen
1× wöchentlich bis 1× monatlich (je nach Größe von Reptil und Futtertier)
je nach Spezies (meist Kleinsäuger entsprechender Größe, Fische)
Partnertiere Bei Partnertieren sollten die Spezies, das Geschlecht und die Herkunft abgeklärt werden. Bei Neuzugängen sind der Zeitpunkt des Erwerbs, Eingangsuntersuchungen und Einhaltung einer Quarantänephase entscheidend.
Herkunft Durch die Abklärung der Herkunft des Reptils können die vorherigen Haltungsbedingungen mit in die Diagnosestellung einbezogen werden und einen Hinweis auf die Erkrankung liefern.
Frühere Erkrankungen Ebenso sind frühere Erkrankungen des vorgestellten Patienten und bisherige Bestandsprobleme (inklusive bisherige Behandlungen) zu erfragen.
aufgefallene Symptomatik
Dauer
Allgemeinbefinden/Aktivität
Futter-/Wasseraufnahme
Kot-/Harnabsatz
Legetätigkeit/Eiablage bei weiblichen Tieren
Vorbehandlungen
Zunächst sollte der Tierhalter selbstständig den Vorstellungsgrund schildern, vor allem wie sich das Problem darstellt, unter welchen Voraussetzungen es auftritt und seit wann es besteht. Anschließend sollten gezielte Fragen gestellt werden, um die bestehenden Krankheitssymptome besser einschätzen zu können. Weiterhin sollten genauere Informationen über Veränderungen bei der Futter- und Wasseraufnahme sowie beim Kot- und Harnabsatz in Erfahrung gebracht werden. Bei weiblichen Tieren sollte auf die bisherige Legetätigkeit bzw. Eiablage eingegangen werden. Entscheidend für die aktuelle Symptomatik und weiterführende Untersuchungen sind außerdem vorangegangene Behandlungen.
Bastian Plenz
TransportAuch ein völlig gesundes Reptil kann bei der klinischen Untersuchung nur ein artgemäßes Verhalten und eine physiologische Stoffwechselaktivität zeigen, wenn es eine Körpertemperatur innerhalb der ▶ Preferred Optimal Temperature Zone, POTZ aufweist. Entsprechend spielen die Transportbedingungen eine entscheidende Rolle. Thermostabile Styroporboxen in Kombination mit einer Wärmeflasche sind insbesondere in den kalten Monaten dazu geeignet, die notwendige Temperatur aufrechtzuerhalten. Gegebenenfalls kann ein feuchtes Handtuch in der Box die Luftfeuchtigkeit zusätzlich anheben. Das Tier selbst sollte zusätzlich in einer kleinen Plastikbox mit Zellstoff (Schlange: Stoffbeutel) sicher untergebracht werden. Auch Wasserschildkröten sollten nicht schwimmend transportiert werden, da sie das Wasser aspirieren oder gar ertrinken können.
Handling Das Handling bzw. die Fixierung von Reptilienpatienten zur Untersuchung oder Behandlung sollten die Unversehrtheit aller Beteiligten zum Ziel haben – sowohl die des Tieres, als auch die der untersuchenden Personen. Schutzhandschuhe und ein Handtuch können bei wehrhaften Tieren wie Grünen Leguanen oder großwüchsigen Riesenschlangen sinnvoll sein.
Schlange Schlangen werden hinter dem Kopf und gleichzeitig am Körper unterstützt. Ein Schlangenhaken oder für sehr aggressive Tiere auch eine geeignete Greifzange stellen sinnvolle Ergänzungen dar, um das Ergreifen der Schlange zu erleichtern. Als Faustregel gilt, dass pro Meter Schlange eine Person zum Fixieren bereitstehen sollte.
Schildkröte Landschildkröten werden mit beiden Händen seitlich über Carapax und Plastron gegriffen. Um bei Wasserschildkröten den Abstand zum Maul zu vergrößern, ist es sinnvoll, die Tiere in der Kniebucht zu fixieren. Auch kann man bissigen Exemplaren etwas Zellstoff vor das Maul halten und so einen Biss provozieren. Einmal zugepackt, kann der Kopf so zurückgeschoben werden und das Manipulieren an der Vordergliedmaße wird möglich.
Echse Echsen sollten an Schultern und Hüfte gefasst werden. Einige Echsenspezies (Geckos, Eidechsen oder auch Grüne Leguane) sind in der Lage, ihren Schwanz abzuwerfen, was als ▶ Autotomiebezeichnet wird, um in freier Wildbahn Feinden entkommen zu können. Bei unsachgemäßem Fixieren solcher Tiere am Schwanz kann dieser Reflex ausgelöst werden. Bei Taggeckos ist die Haut extrem empfindlich, weshalb das Handling dieser Tiere auf das absolute Minimum reduziert werden und bei sehr wehrhaften Individuen unter Umständen sogar gänzlich entfallen sollte.
Cave
Bei Gifttieren gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen, die in der Spezialliteratur abgehandelt werden.
Jeder Reptilienpatient sollte nach einem standardisierten Schema untersucht werden. Man kann sich hier unter Beachtung der anatomischen Besonderheiten am Vorgehen für die klinische Untersuchung eines Säugetiers orientieren. Allerdings kann die Messung der inneren Körpertemperatur keine Hinweise auf eine vorliegende Infektion liefern. Auch Herzaktion und Atemfrequenz sind abhängig von der Stoffwechselaktivität und somit von der Körpertemperatur. Durch das fehlende Zwerchfell ist kein Hustenreflex auslösbar. Lymphknoten sind nicht ausgebildet, und ein peripherer Puls ist durch die anatomische Lage der Gefäße nicht zugänglich.
Nachfolgend sind für die klinische Untersuchung relevante Besonderheiten zusammengestellt:
Allgemeinverhalten Wenn möglich, sollten Patienten zunächst unfixiert beobachtet werden. So werden Schildkröten, viele Schlangen oder diverse Echsen in der Regel auf den Behandlungstisch oder – bei größeren Exemplaren – auf den Boden des Behandlungsraums gesetzt, um ihr Verhalten zu beurteilen. Sehr flinke Patienten, wie die meisten kleineren Echsen, müssen mitunter in einer klarsichtigen Box beurteilt werden. Ein gesundes Tier sollte aufmerksam und neugierig die Umgebung beobachten und untersuchen. Dies drückt sich bei Schlangen in ausgiebigem Züngeln aus. Gerade Schildkröten können aber auch völlig regungslos in ihren Panzer zurückgezogen verharren.
Bewegungsablauf Zur Fortbewegung heben Schildkröten und Echsen ihren Körper in der Regel in Gänze und kraftvoll vom Boden an. Kurzbeinige Echsen wie Skinke oder Schleichen sowie Schlangen können sich mit kräftigen Bewegungen des ganzen Körpers fortbewegen. Letztere zeigen in Ruhe oftmals mittels ihrer Bauchschuppen eher raupenartige Lokomotion und tasten ebene Flächen mit dem Körper nach Möglichkeiten zum „Umgreifen“ ab.
Ernährungszustand Der Ernährungszustand kann anhand der Bemuskelung eingeschätzt werden (▶ Abb. 2.1).
Schildkröte Bei einer Schildkröte sollten gerade im Bereich der Unterarme nur eingeschränkt Knochen ertastbar sein.
Echse Bei Echsen ist die Beurteilung im Bereich der Hüfte und des Schwanzansatzes sinnvoll. Hier sollten die Hüfthöcker nicht hervortreten und durch die ansetzende Muskulatur abgedeckt sein. Eine atrophierte Kaumuskulatur lässt die Schädelfenster erkennbar werden.
Schlange Bei Schlangen sollte die Rückenmuskulatur beidseits der Wirbelsäule palpierbar sein und das Tier im gedanklichen Querschnitt torbogenförmig erscheinen lassen. Abgemagerte Exemplare erscheinen infolge der Muskelatrophie im Querschnitt eher dreieckig.
Fett wird bei Reptilien in erster Linie in den intrazölomalen Fettkörpern gespeichert, welche grundlegend in der kaudalen Hälfte des Rumpfes liegen und bei Echsen als parallele Stränge ventral, sich nach kranial ausbreitend ggf. auch ertastet werden können. Verfettungen (▶ Abb. 2.2) sind nicht immer eindeutig erkennbar, da eine resultierende Umfangsvermehrung auch häufig auf Raumforderungen zurückzuführen ist. Eine ▶ Ultraschalluntersuchung kann weitere Hinweise geben.
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Vergleichsweise einfach lässt sich der Ernährungszustand beispielsweise bei Leopardgeckos erkennen, da bei diesen Echsen der Schwanz als zusätzlicher Fettspeicher dient und bei gutem Ernährungszustand rübenförmig erscheint.
Abb. 2.1 Klinische Beurteilung des Ernährungs- und Hydratationszustands anhand der Muskelausprägung und Hautfalten. a Nackenstachler mit hochgradiger Abmagerung und Dehydratation. b Kornnatter mit hochgradiger Abmagerung (Rückenmuskulatur). c Wasseragame mit hochgradiger Abmagerung (Bein-, Becken- und Schwanzmuskulatur).
(Klinik für Vögel und Reptilien, An den Tierkliniken 17, 04103 Leipzig)
Abb. 2.2 Adipöser Grüner Leguan.
(Klinik für Vögel und Reptilien, An den Tierkliniken 17, 04103 Leipzig)
Haut Die drüsenarme Haut von Reptilien ist als evolutionäre Anpassung an aride Lebensräume durch die Ausbildung von Schuppen gekennzeichnet und wird periodisch durch Häutung (Ekdysis) regeneriert. Viele Echsen weisen diverse Anhänge auf, welche vor allem der innerartlichen Kommunikation dienen. Alte Hautreste sollten nur kurzzeitig auf den meisten Echsen oder Schildkröten, welche sich in Fetzen häuten, zu finden sein. Bei Schlangen und einigen Echsen erfolgt die Häutung am Stück und meist restlos. Anderenfalls ist von einer ▶ Dysekdysis zu sprechen. Gerade an Schwanzspitze und Zehen dürfen keine ringförmigen Häutungsreste vorliegen, welche die betroffenen Strukturen abschnüren können.
Auf Verletzungen, Infektionen oder Milbenbefall, besonders in dünnen Hautarealen (an Augenlidern/Brille, Ohren, Maulwinkeln, Achseln oder Kloakenfalten) von Echsen und Schlangen ist gründlich zu untersuchen. Die Femoralporen des Grünen Leguans z.B. können klinisch relevant entzündlich verdickt sein.
Hydratationszustand Die Beurteilung des Hydratationszustands (▶ Abb. 2.1) ist nicht anhand einer gezogenen Hautfalte abschätzbar, da diese durch ihre anatomische Struktur ohnehin schnell Falten bildet. Dehydrierte Patienten können aber ggf. eine stumpfe Hautfarbe zeigen. Die Augen werden nicht durch Fett, sondern durch Blutgefäße in der Orbita unterpolstert, weshalb eingesunkene Augen hinweisend auf einen Flüssigkeitsmangel sind. Genauere Einschätzungen des Hydratationszustands sind über Hämatokrit und Proteingehalt im Blutserum möglich.
Augen Die Augen selbst sollten klar sein und keinen erkennbaren Ausfluss aufweisen. Schlangen und die meisten Geckos haben verwachsene Augenlider, welche durchsichtig erscheinen sowie den Bulbus permanent überziehen und als sogenannte Brille schützen. Eine Trübung ist gerade bei Schlangen im Zuge der Häutung phasenweise erkennbar. Die Augenlider sollten, sofern vorhanden, nicht geschwollen sein. Beim Lidschluss kann kurzfristig die Nickhaut sichtbar sein.
Nase Die Nasenöffnungen sind prinzipiell trocken. Bei Grünen Leguanen befinden sich in der Nase Drüsen zur Salzausscheidung, weshalb von Zeit zu Zeit ein Niesen beobachtet werden kann. Leichter Fingerdruck sollte gerade bei Schildkröten, welche nicht selten an einer Rhinitis erkranken, kein Sekret aus den Nasenlöchern austreten lassen.
Das Vorlagern des Kopfes bei Schildkröten ist oft schwierig und erfordert Geduld. Durch behutsamen und konstanten Zug am Schnabel mittels Klemme kann dies evtl. unterstützt werden, bis der Hals fixiert werden kann. Vorsichtiger Druck auf den Kiefer kann Hinweise auf eine Mineralisationsstörung der Knochen geben.
Maul Die Untersuchung des Maules ist unbedingt in jede klinische Untersuchung einzubeziehen, da sich hier eine Vielzahl von Erkrankungen manifestiert. Die Maulspalte von Echsen und Schlangen bzw. der Schnabel von Schildkröten sollte die Maulhöhle vollständig verschließen. Ausnahme ist die kleine Öffnung an der Maulspitze von Schlangen, welche es den Tieren erlaubt, ohne Öffnen der Kiefer zu züngeln. Äußerlich ist auf Fehlstellungen, Kiefergelenkschwellungen oder Zubildungen zu achten. Der Oberschnabel bei Schildkröten beißt leicht über den Unterschnabel. Insbesondere Wasseragamen springen häufig gegen Terrarienscheiben, wenn sie erschrecken, es kommt zu einem ▶ Rostraltrauma.
Das Öffnen des Maules kann mit Hilfe von Spateln, Klemmen oder Spritzen erfolgen. Gerade Echsen neigen bei einer bestehenden ▶ Metabolic Bone Disease zu Kieferfrakturen, die auch durch Beißen auf solche starren Gegenstände hervorgerufen werden können. Um dies zu vermeiden, ist alternativ ein vorsichtiges Ziehen an der Haut des Unterkiefers möglich. Bei größeren Echsen, Krokodilen oder Alligatoren kann Zügelmaterial verwendet werden, um das Maul für die Untersuchung zu öffnen (▶ Abb. 2.3).
Abb. 2.3 Fixierung des Maules zur klinischen Untersuchung bei einem Alligator.
(Klinik für Vögel und Reptilien, An den Tierkliniken 17, 04103 Leipzig)
Die Zähne von Echsen sind oftmals gleichförmig und leistenartig angeordnet. Es wird je nach Befestigung der Zähne am Kiefer zwischen unterschiedlichen Typen differenziert. Klinisch ist hier relevant, dass pleurodonte Zähne von Echsen oder Schlangen regelmäßig erneuert werden und ein Verlust unproblematisch ist, wohingegen akrodonte Zähne (z.B. bei Bartagamen) nicht nachwachsen können.
In der Regel sind die Schleimhäute im Maul von Reptilien feuchtglänzend und von blassrosa Färbung. Ausnahmen treten jedoch speziesspezifisch auf. So können dunklere oder stark gelbliche Pigmentierungen auftreten. Letztere kann als Ikterus fehlgedeutet werden.
Die dünne Zunge beispielsweise von Schlangen oder Waranen liegt in einer Scheide zurückgezogen, wenn das Tier nicht gerade züngelt. Andere Echsen oder Schildkröten besitzen eine fleischige, dicke Zunge (▶ Abb. 2.4). Die Schleuderzunge von Chamäleons sollte nicht hervorgezogen werden, da sie leicht traumatisiert werden kann.
Abb. 2.4 Adspektion der Maulhöhle. Bei dieser Schmuckschildkröte ist die Zunge wulstig-dreieckig.
(Klinik für Vögel und Reptilien, An den Tierkliniken 17, 04103 Leipzig)
Die Glottis bildet den nur zum Atmen geöffneten Zugang zur Trachea, welcher bei Schlangen weit rostral befindlich und gut ansprechbar, bei Echsen und Schildkröten direkt hinter der dicken Zunge leicht verdeckt gelegen ist. Aus der Trachea sollte kein Sekret ausfließen.
Sämtliche Oberflächen der Maulhöhle sollten frei sein von Sekreten, Zubildungen, Auflagerungen oder Petechien.
Ohren Bei den Ohren bestehen große Unterschiede hinsichtlich der Anatomie der verschiedenen Reptiliengruppen.
Schlange Schlangen besitzen kein sichtbares Außenohr.
Echse Echsen verfügen in der Regel über einen äußeren Gehörgang und ein Trommelfell, welches der klinischen Untersuchung zugänglich ist. Die Ohren können einen vermehrten Milbenbefall aufweisen; seltener treten Risse des Trommelfells auf.
Schildkröte Bei Schildkröten ist ein Tympanum in Form einer vergrößerten Ohrschuppe erkennbar. Hier weisen uni- oder bilaterale Schwellungen oft auf eine Otitis media hin.
Gliedmaßen Bei Adspektion und Palpation der Gliedmaßen sollte auf Umfangsvermehrungen, Verhärtungen, Wunden, Deformation, Krepitation und Beweglichkeit der Gelenke, Knochen und Muskulatur geachtet werden.
Herz-Kreislauf-System Das Herz liegt bei Schildkröten und den meisten Echsen innerhalb des Schultergürtels. Ausnahme bilden hier z.B. Warane, bei denen es eher zentral in der Leibeshöhle gelegen ist. Bei Schlangen ist es nicht sonderlich fixiert und etwa am Übergang des ersten Körperlängenviertels zum zweiten zu finden. Bei Echsen kann der Herzschlag lateral in der Achselregion und bei Schlangen von ventral erkennbar sein. Hier kann, wie auch bei Schildkröten zwischen Hals und Vordergliedmaße, die Sonde für eine Doppler-Untersuchung aufgelegt werden.
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Aufgrund der anatomischen Bedingungen (Schuppen, Größe, Lage umgeben von knöchernen Strukturen) und der Abhängigkeit der Herzaktion von der Körpertemperatur sind Auskultation und Interpretation der Befunde unter klinischen Aspekten nicht praktikabel.
Atmung Physiologische Atembewegungen zeigen sich bei Echsen und Schlangen durch Abspreizen der Rippen. Schildkröten bewegen auch in Ruhe ihre Vordergliedmaßen atemsynchron, da eine entsprechende Muskulatur am Schultergürtel ansetzt. Für die Auskultation gilt Ähnliches wie für das Herz. Besonders feucht-rasselnde Atemgeräusche können bei Pneumonien deutlich hörbar sein, sofern Sekrete in die Trachea gelangen, dürfen aber gerade bei Schlangen nicht mit Zischlauten verwechselt werden. Auch Schildkröten weisen häufig pfeifende Atemgeräusche auf, deren Ursprung im Bereich der Nares liegt und die nicht mit einer Pneumonie assoziiert sein müssen.
Rumpf Bei Schildkröten ist die Untersuchung des Rumpfes naturgemäß eingeschränkt. Bei Druck auf das Plastron können metabolische Knochenstoffwechselstörungen aufgedeckt werden. Auch lokale Erweichungen infolge von Entzündungen des Panzers können palpiert werden. In der Kniebucht können bei Weibchen mitunter Eier ertastet werden.
Zubildungen, welche bei Schlangen häufig zu ▶ Umfangsvermehrungen des gesamten Leibes führen, oder auch Verhärtungen infolge von Abszessen, Störung der Legetätigkeit, Koprostase etc. sind bei Squamaten gut zu palpieren. Bereits adspektorisch ist eine aufgekrümmte Rückenlinie bei Echsen hinweisend auf schmerzhafte Prozesse in der Leibeshöhle.
Bei kleinen Patienten mit dünner und wenig dunkel pigmentierter Haut wie diversen Geckos bietet sich ein Durchleuchten mittels starker Lichtquelle an. Hier zeichnet sich vor allem die Leber deutlich ab, aber auch Raumforderungen können teilweise dargestellt werden.
Kloake, Schwanzbasis Die Kloake ist bei Echsen und Schlangen quergeschlitzt, bei Schildkröten rosettenförmig und bei Krokodilen längsgeschlitzt. Teilweise kann sie zur Untersuchung etwas gespreizt werden. Ein ▶ Vorfall ist in der Regel leicht zu erkennen, aber auch Schwellungen durch kloakal festsitzende Harnsteine oder Eier können auftreten.
Je nach Größe des Tieres ist die digitale Untersuchung der Kloake möglich. So können Nierenvergrößerungen bei Grünen Leguanen oder auch Eier im Ovidukt von Schildkröten palpiert werden.
Schwellungen der Schwanzbasis unmittelbar hinter der Kloake treten bei männlichen Echsen häufig aufgrund von Entzündungen der Hemipenes mit Ansammlungen von Sekreten und Häutungsresten auf.
Neben einer gezielten Beratung bezüglich einer oftmals erwünschten Gruppenhaltung von Reptilien und natürlich der Aufklärung über adäquate Haltungsbedingungen ist der wichtigste Aspekt in der Betreuung von Beständen die Infektionsprophylaxe. So sind geeignete ▶ Quarantänemaßnahmen vor Ort zu schaffen. Hier sind idealerweise eigene Räumlichkeiten in einem anderen Gebäude als der eigentlichen Haltungseinrichtung erstrebenswert. Die Infektionsprophylaxe besteht zum einen darin, alle Tiere, die in eine Kollektion aufgenommen werden, auf Infektionserreger zu untersuchen, zum anderen in Screening-Maßnahmen im vorhandenen Bestand, um Probleme möglichst frühzeitig zu erkennen. Jegliche Neuankömmlinge, welche in den Bestand integriert werden sollen, sind hier mindestens 8 Wochen unterzubringen. Quarantänezeiten von 6 Monaten können empfohlen werden.
Zunächst subklinisch erkrankte Tiere zeigen nicht selten Symptome infolge des durch den Transport und die neue Umgebung ausgelösten Stresses. Alle Reptilien sollten einer tierärztlichen Eingangsuntersuchung unterzogen werden und es sind mehrfach frische Kotproben auf Parasitenbefall zu analysieren. Leider werden Quarantäne und Routineuntersuchungen auch von engagierten Haltern häufig nicht ausreichend ernst genommen und nicht selten auch relativ simpel nachweisbare und zu bekämpfende Grunderkrankungen in den gesamten Bestand verschleppt. Es muss dahingehend eindringlich beraten werden.
Folgende Maßnahmen können beim Neuzukauf von Tieren den Bestand schützen (Auswahl):
Zukauf von Tieren nur aus vertrauenswürdigen Beständen mit bekannter Anamnese
Durchführung einer Quarantäne in einem separaten ▶ Raum , in dem die Tiere stets zuletzt versorgt werden und der einfache Möglichkeiten der Reinigung und Desinfektion bietet
Eingangskontrollen: Zu empfehlen ist neben der parasitologischen eine virologische Kontrolle beim Eintritt in die Quarantäne, die ggf. 1 Woche vor Ende der Quarantänezeit wiederholt werden kann. Eine begleitende serologische Untersuchung ist sinnvoll. Unverbindlich haben sich neben allgemeinen parasitologischen Screenings die folgenden molekularbiologischen Untersuchungen bewährt:
Boiden: ▶ Ferlavirus, ▶ Reovirus, ▶ Adenovirus, IBD-Diagnostik: ▶ Arenavirus
Nattern: ▶ Ferlavirus, ▶ Adenovirus, ▶ Reovirus
Landschildkröten: ▶ Herpesvirus, ▶ Mykoplasmen
Bartagamen: ▶ Adenovirus
Leopardgeckos: ▶ Kryptosporidien
3 Applikationstechniken
4 Narkose und Schmerztherapie
5 Notfallmaßnahmen
6 Stationäre Unterbringung und Quarantäne
7 Euthanasie
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Auch wenn die orale Applikation (auch für Halter) oft die am einfachsten durchzuführende Applikationsart ist, hat sie doch einige Nachteile, so dass sie für die meisten systemisch wirkenden Medikamente nicht die erste Wahl ist. Vor allem die Resorption aus dem Magen-Darm-Trakt ist von vielen Faktoren abhängig, wie der Temperatur, aber auch dem Aktivitätszustand des Tieres und natürlich dem Gesundheitszustand, so dass es schwierig ist, systemische Konzentrationen nach Applikation abzuschätzen. Dazu kommt, dass viele Tiere die Applikation in den Ösophagus oder den Magen nur bedingt tolerieren und auch kleinere Mengen wieder regurgitieren. Für die Applikation von Futterbrei ist es deshalb auch empfehlenswert, mit kleineren Mengen zu starten und die Reaktion des Tieres abzuwarten. Generell sind die Hauptindikationen Medikamente mit enteraler Wirkung und eine Zwangsernährung. Die maximale Menge beträgt 20ml/kg.
Limitierungen bei der Eingabe in das Maul sind zum einen durch die Größe des Tieres und Abwehrreaktionen gegeben, zum anderen dadurch, dass die Tiere das Medikament möglicherweise nicht abschlucken. Gerade bei Erkrankungen des oberen Magen-Darm-Trakts besteht der Vorteil aber auch in der direkten Wirkung und der Schonung der Schleimhaut im Vergleich zur Sondenapplikation.
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Beim Öffnen des Schnabels bzw. Maules sollte vorsichtig vorgegangen werden, denn es besteht insbesondere bei Schildkröten und kleineren Echsen die Gefahr, dass die Schleimhaut verletzt oder sogar der Kieferknochen gebrochen wird. Auf Zähne sollte besonders geachtet werden, da sie leicht ausbrechen können (pleurodonte Spezies wie der Grüne Leguan können Zähne regenerieren, akrodonte Spezies wie Bartagamen dagegen nicht).
Schildkröte Bei Schildkröten ist es hilfreich zu wissen, dass sie zwar eine enorme Kraft haben, den Kopf zurückzuziehen und das Maul zu verschließen, diese Kraft aber relativ schnell nachlässt, so dass mit Geduld und wenig Kraftaufwand meist bessere Ergebnisse erzielt werden. Als Hilfsmittel zum Öffnen des Schnabels können je nach Größe des Tieres Plastikspritzen oder anderes weiches, nicht kantiges Plastikmaterial genutzt werden, wobei man keine Hebelwirkung auf das Kiefergelenk ausüben sollte. Bei Schildkröten ist eine korrekte Fixierung des Kopfes hinter den Kiefergelenken wichtig, die Hornschneideplatten können rasch abbrechen.
Die Medikamenteneingabe erfolgt dann tropfenweise, viele Reptilien nehmen so auch kleinere Breimengen auf und schlucken sie freiwillig ab.
Für größere Mengen bzw. Medikamente, die nicht freiwillig abgeschluckt werden, empfiehlt sich die Eingabe in die untere Speiseröhre bzw. direkt in den Magen. Eine Fehlapplikation in die Luftröhre ist bei den meisten Spezies unwahrscheinlich, da diese deutlich separiert liegt und meist verschlossen ist.
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Wichtig ist, das Maul nur vorsichtig zu sperren und bei der Applikation auf eine mögliche Regurgitation zu achten.
Bei einer Regurgitation sollte die Applikation abgebrochen und das Tier zurückgesetzt werden – Komplikationen durch die Regurgitation sind dann ebenfalls sehr selten.
Schlange Bei Schlangen erfolgt die Applikation meist mittels einer flexiblen, angefeuchteten Sonde in den oberen Ösophagus; hier ist es oft hilfreich, Flüssigkeiten dann vorsichtig von außen weiter nach kaudal zu massieren, um eine Regurgitation zu vermeiden.
Schildkröte Bei Schildkröten erfolgt die Applikation über den rechten Kieferwinkel in den Magen. Als Anhaltspunkt für die Sondeneinführung kann der kaudale Kreuzungspunkt der Pektoralschilder herangezogen werden, auch wenn der Magen physiologischerweise links der Medianen liegt (▶ Abb. 3.1). Allerdings macht die Speiseröhre kurz vor dem Mageneingang eine Biegung, wodurch eine gewisse Perforationsgefahr besteht.
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Bei Schildkröten darf die Sonde vor dem Mageneingang auf keinen Fall gegen einen Widerstand weiter eingeführt werden.
Abb. 3.1 Einführen einer oralen Sonde bei einer Landschildkröte. Bei der Tiefe kann man sich am Kreuzungspunkt der Pektoralschilder orientieren (Pfeil). A: Magen.
(Klinik für Vögel und Reptilien, An den Tierkliniken 17, 04103 Leipzig)
Gerade bei Schildkröten, aber auch bei Echsen, die über einen längeren Zeitraum anorektisch sind oder bei denen Erkrankungen in der Maulhöhle ein normales Abschlucken der Nahrung verhindern, ist eine Magensonde eine einfache Alternative (▶ Abb. 3.2). Hierbei wird ein flexibler Schlauch unter Allgemeinanästhesie durch die Halswand in den Magen geschoben und außen am Tier fixiert. Über die Sonde können dann über einen längeren Zeitraum Nahrung, Flüssigkeit und Medikamente appliziert werden. Die Sonde sollte dabei nach jeder Applikation gespült werden. Sie kann mehrere Wochen belassen werden. Wird sie wieder entfernt, genügt meist ein einfaches Hautheft zum Wundverschluss.
Abb. 3.2 Legen einer Magensonde bei einer Schildkröte.
(Klinik für Vögel und Reptilien, An den Tierkliniken 17,04103 Leipzig)
Abb. 3.2a Eine flexible Sonde wird in der Länge so abgemessen, dass sie später im Magen zu liegen kommt, und dieses Maß auf der Sonde markiert (zur Orientierung siehe Röntgenaufnahme ▶ Abb. 3.2g).
Abb. 3.2b Der Hals wird gestreckt vorgelagert und die rechte (ggf. auch die linke möglich) Seite gereinigt und desinfiziert. Anschließend wird eine gebogene Klemme in das Maul und den Ösophagus eingeführt und so gedreht, dass die Spitze von außen sichtbar ist.
Abb. 3.2c Mit einem Skalpell werden mit einem kleinen Schnitt Haut und Ösophagus perforiert. Dieser Schnitt sollte möglichst weit kaudal am Hals liegen.
Abb. 3.2d Die Klemme wird ein Stück weit nach außen durchgeführt.
Abb. 3.2e Mithilfe der Klemme wird die flexible Sonde durch den Schnitt in den Ösophagus und dann aus der Maulhöhle herausgezogen.
Abb. 3.2f Die Sonde wird in etwa auf die Länge herausgezogen, die benötigt wird, um sie im Anschluss in den Magen vorzuschieben, und wird dann um 180 Grad gedreht. Sie wird dann mithilfe der Klemme vorsichtig normograd in den Ösophagus eingeführt, bis sich die Eintrittsstelle am Hals umschlägt und die Sonde nun nach kaudal in Richtung Magen liegt.
Abb. 3.2g Eine Kontrolle kann mittels Röntgenaufnahme leicht erfolgen, da im Magen physiologischerweise etwas Luft ist.
Abb. 3.2h Abschließend wird die Sonde an der Eintrittsstelle fixiert, beispielsweise mit einem kleinen Schmetterlingsverband, der mit zwei Heften an die Haut genäht wird.
Abb. 3.2i Den freien Teil der Sonde sollte man so auf dem Tier fixieren, dass ein Herausziehen beispielsweise durch die Vorderbeine verhindert wird.
Die parenterale Medikamentenapplikation stellt den sichersten und effektivsten Weg dar, Medikamente definiert und rasch verfügbar zu verabreichen. Aufgrund der besonderen Anatomie der Reptilien (kaum sichtbare Venen) spielt dabei die intravenöse Injektion eine untergeordnete Rolle. Sie wird ebenso wie die intraossäre Injektion im Kapitel zu den ▶ Notfallbehandlungen besprochen.
Die subkutane Applikation dient hauptsächlich der Substitution mit Flüssigkeit und Nährstoffen, wobei häufig weitere Medikamente wie Vitamine und auch Antibiotika zugesetzt werden. Der Vorteil liegt in der leichten Durchführbarkeit und sicheren Dosierung. Die Resorption kann abhängig von Temperatur und Zustand des Tieres aber auch deutlich verzögert sein. Außerdem reagieren Reptilien empfindlich auf reizende Medikamente (z.B. Enrofloxacin), die nicht verdünnt wurden, und es können Hautnekrosen entstehen. Grundsätzlich können bis zu 20ml/kg appliziert werden, je nach Tier sollten dafür mehrere Applikationsstellen gewählt werden.
Schildkröte Bei Schildkröten erfolgt die Applikation meist in die Kniefalte, da hier ein Depot gesetzt werden kann. Die Haut wird desinfiziert und anschließend die Kanüle möglichst flach, etwa in der Mitte der Kniebucht, eingestochen. Daraufhin wird vorsichtig appliziert (▶ Abb. 3.3). Fehlinjektionen sind möglich und führen dann meist zu einer intrazölomalen Injektion.
Abb. 3.3 Subkutane Injektion bei einer Schildkröte. Die Injektion wird in die Kniebucht vorgenommen.
(Klinik für Vögel und Reptilien, An den Tierkliniken 17, 04103 Leipzig)
EchseSchlange Bei Echsen und Schlangen erfolgt die Injektion nach Desinfektion seitlich der Wirbelsäule möglichst parallel zur Längsachse (▶ Abb. 3.4). Es sollte stets zwischen den Schuppen eigestochen und die Kanüle bei Applikation in mehrere Stellen gewechselt werden, da sie schnell abstumpft. Die Haut kann etwas angehoben werden, bevor die Nadel eingeführt wird.
Abb. 3.4 Subkutane Injektion bei einer Schlange. Es ist wichtig, zwischen den Schuppen einzustechen.
(Klinik für Vögel und Reptilien, An den Tierkliniken 17, 04103 Leipzig)
Die intramuskuläre Injektion erfolgt bei Reptilien vorzugsweise im vorderen Körperbereich, um einen möglichen Einfluss des Nieren-Pfortader-Kreislaufs auf die Pharmakokinetik des Medikaments zu vermeiden. Dieser Einfluss ist mittlerweile allerdings fraglich.
Bei Echsen und Schildkröten wird vor allem die Oberarmmuskulatur verwendet, die meist nur bedingt stark ausgeprägt ist. Bei Schlangen steht mit der Rückenmuskulatur beidseits der Wirbelsäue ausreichend Muskelgewebe zur Verfügung.
Cave
Die intramuskuläre Injektion reizender Substanzen kann Nekrosen bewirken. Reptilien reagieren empfindlich, zumal zumindest am Oberarm kaum Muskelmasse vorhanden ist. Wiederholte intramuskuläre Injektionen können Lähmungen zur Folge haben.
Die Applikation erfolgt mit einer möglichst dünnen Kanüle nach Desinfektion der Haut im 45-Grad-Winkel von distal nach proximal bzw. von kaudal nach kranial. Die Kanüle wird nur wenige Millimeter eingestochen, dann wird kurz aspiriert und eine Menge bis ca. 2ml/kg appliziert (▶ Abb. 3.5, ▶ Abb. 3.6).
Abb. 3.5 Intramuskuläre Injektion bei einem Grünen Leguan. Die Injektion wird in die Oberarmmuskulatur vorgenommen.
(Klinik für Vögel und Reptilien, An den Tierkliniken 17, 04103 Leipzig)
Abb. 3.6 Intramuskuläre Injektion bei einer Landschildkröte. Die Injektion wird in den Oberarm vorgenommen.
(Klinik für Vögel und Reptilien, An den Tierkliniken 17, 04103 Leipzig)
Die intrazölomale Injektion spielt insbesondere zur Flüssigkeitssubstitution bei Schildkröten eine Rolle, da sie hier relativ einfach durchzuführen ist und ein ausreichendes Reservevolumen der Leibeshöhle innerhalb des Panzers zur Verfügung steht. Es ist wichtig, vorher die Kniebuchten zu palpieren, ob irgendwelche raumfordernden Prozesse dieses Volumen so verkleinern, dass eine gefahrlose Applikation nicht möglich ist. Im Zweifelsfall kann eine Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung (Harnsack) hilfreich sein.
Die Schildkröte wird nach Desinfektion der Haut so gehalten, dass sich die Organe möglichst weg von der Injektionsstelle verlagern, also mit der gegenüberliegenden Vordergliedmaße nach unten (▶ Abb. 3.7). Der Einstich erfolgt dann in der Mitte der Kniebucht in Richtung der gegenüberliegenden Vordergliedmaße. Auch hier können bis zu 20ml/kg appliziert werden.
Abb. 3.7 Intrazölomale Injektion bei einer Schmuckschildkröte. Es ist wichtig, das Tier so kopfüber zu halten, dass die Organe von der Einstichstelle weg verlagert werden.
(Klinik für Vögel und Reptilien, An den Tierkliniken 17, 04103 Leipzig)
Lokale Applikationen erfolgen mit Salben, Lösungen, Bädern, Tropfen oder in Form von Inhalationen. Diese Verfahren können bei Reptilien sinnvoll eingesetzt werden. Zu beachten sind aber einige Besonderheiten:
Die Reptilienhaut ist im Gegensatz zur Säugerhaut kühler, Salben bleiben zähflüssig und ziehen nicht tief ein. Entsprechend sind Salbenreste zu entfernen, bevor eine neue Behandlung durchgeführt werden kann. Wässrige Lösungen sind eventuell sinnvoller.
Am Auge lösen sich Salben ebenfalls schlechter, und Tropfen verteilen sich besser. Manche Echsen, wie Chamäleons, haben nur eine sehr enge Lidspalte. Bei Schlangen ist die Konjunktiva durch die Brille überhaupt nicht zugänglich.
Sprühpräparate wie Frontline ▶ Med. 15 sollten nicht direkt auf die Haut gesprüht werden, da für Reptilien problematische Lösungsmittel enthalten sein können. Hier ist es sinnvoller, die Präparate zunächst auf einen Latexhandschuh zu sprühen und die Tiere dann einzureiben.
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Die Indikationen für eine Anästhesie entsprechen weitgehend denen beim Säuger, sind also alle schmerzhaften Eingriffe, die auch beim Menschen einer Anästhesie bedürfen. Hinzu kommen Eingriffe, die mit besonderem Stress für das Tier verbunden sind oder eine Ruhigstellung und deshalb zumindest eine Sedation erfordern.
Aufgrund der hohen Variabilität der Klasse Reptilien gibt es nicht die eine beste Variante, sondern die Auswahl eines geeigneten Medikaments muss unter Berücksichtigung der Spezies, der Indikation und des individuellen Zustands des Tieres erfolgen. Einige anatomische und physiologische Besonderheiten sollten dabei berücksichtigt werden, da sie erheblichen Einfluss auf die Verstoffwechslung und damit die Wirkung von Anästhetika haben.
Die metabolische Aktivität bei Reptilien ist nicht nur viel niedriger als beim Säuger, sie schwankt auch erheblich und kann unter Umständen um ein Vielfaches ansteigen. Sowohl die Sauerstoffaufnahme als auch die Medikamentenverstoffwechslung schwanken deshalb stark und sind oft nicht einfach vorhersagbar.
Ein sehr wichtiger Faktor ist die Umgebungstemperatur (und damit auch die des Körpers). Ein Abfall um 10°C bedeutet eine Reduktion der Stoffwechselaktivität auf 50%, was erheblichen Einfluss auf die Anflutung, aber auch den notwendigen Abbau der Medikamente hat. Reptilien sollten deshalb vor, während und nach einer Narkose im mittleren bis oberen Bereich der ▶ POTZ gehalten werden.
Die Fütterung hat – besonders bei Schlangen – ebenfalls einen erheblichen Einfluss: Die Herzmasse verdoppelt sich nach einer Fütterung. Gleichzeitig regelt das Herz den Blutfluss durch die Lunge neu (Rechts-Links-Shunt), und der Anteil des Blutes, der durch die Lunge fließt und somit Narkosegase aufnehmen kann, verdoppelt sich. Dieses Shunting findet aus verschiedenen Gründen statt und macht es schwierig, eine Inhalationsnarkose sicher zu steuern.
Die Lungenmorphologie ist ebenfalls von Bedeutung: Reptilien haben zwar ein großes Lungenvolumen, aber eine erheblich geringere respiratorische Austauschfläche. Tendenziell ist – mit erheblichen Abweichungen zwischen den Spezies – die Lunge sackähnlich mit unterschiedlichen Septen aufgebaut. CT-Bilder ▶ Abb. 24.12 vermitteln einen Eindruck vom Aufbau des respiratorischen Gewebes bei verschiedenen Reptilien.
Die meisten Spezies atmen episodisch, das heißt, es gibt Phasen längerer Apnoe, in welchen die Luft in Lunge bzw. Luftsäcken gespeichert und der Sauerstoff allmählich ausgetauscht wird. Auch dies hat zur Folge, dass sich eine Inhalationsnarkose ohne Beatmung schlecht steuern lässt. Besonders deutlich wird dies bei der Narkoseeinleitung mit hohen Isoflurankonzentrationen, bei denen die Reptilien zunächst eine (reflektorische) Apnoe zeigen, dann aber durch die Akkumulation der hohen Anästhetikumkonzentration in der Lunge in eine zu tiefe Narkose fallen.
Von Bedeutung ist weiterhin, dass die Trachea empfindlich ist und bei Schildkröten geschlossene Trachealringe vorliegen. Zusätzlich liegt die Trachealbifurkation bei Schildkröten sehr weit kranial, so dass bei tiefer Intubation nur ein Lungenflügel versorgt wird.
Die Ventilation selbst findet – da ein Zwerchfell fehlt – hauptsächlich durch die Rippenmuskulatur statt. Bei Schildkröten fehlt diese (Panzer), entsprechend wird die Lunge durch ventrale Kompression infolge einer Vergrößerung der Eingeweidehöhle bewirkt, wobei hier verschiedene Muskeln, inklusive der Schultergürtelmuskulatur, beteiligt sind.
Die Regulation der Atmung erfolgt zentral und peripher durch den Blut-pH, die CO2-Konzentration, aber auch die Sauerstoffkonzentration in der Atemluft. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass 100%iger Sauerstoff, wie er oft als Trägergas verwendet wird, zu einer Reduktion des Atemminutenvolumens führt. Dies stellt ein Problem für den Kreislauf dar, solange die Tiere spontan atmen sollen.
Cave
100%iger Sauerstoff führt zu einer Reduktion des Atemminutenvolumens.
Die Anamnese, die klinische Untersuchung sowie ggf. weitere Diagnostika (Blut-, Organstatus, Hämatokrit) und Bildgebung sollen helfen, den Patienten hinsichtlich seiner Gesundheit und Kreislaufstabilität einzuschätzen. Ist die Narkose nicht zwingend sofort erforderlich, empfiehlt sich oft zunächst eine ▶ Korrektur des Flüssigkeits- und Energiehaushalts. Hierdurch können Komplikationen während und nach der Narkose verhindert werden. Die Tiere sollten während der Vorbereitung zur Anästhesie stressfrei und bei optimaler Temperatur untergebracht werden.
Eine Prämedikation erfüllt mehrere Ziele: Sie kann eine Ruhigstellung bewirken, um beispielsweise eine Intubation zur Narkoseeinleitung vorzunehmen, und dazu dienen, die Narkose selbst mit geringeren Anästhetikakonzentrationen einzuleiten. Letzteres ist vorteilhaft, da noch viele Informationen zur Anwendung von Anästhetika fehlen oder nur für einzelne Spezies beschrieben sind, um Nebenwirkungen oder lange Nachschlafzeiten zu reduzieren.
Opioide wie Butorphanol ▶ Med. 30 und Buprenorphin ▶ Med. 31 haben eine relativ schlechte sedative Wirkung bei Reptilien und sind eher wegen der analgetischen Komponente von Interesse.
Als Prämedikation oft eingesetzt wird Ketamin ▶ Med. 34, entweder einzeln oder in Kombination mit Medetomidin ▶ Med. 36, Diazepam ▶ Med. 33 oder Midazolam ▶ Med. 38.
Als Injektionsnarkotika sind verschiedene Präparate beschrieben. Die Anwendung ist rechtlich allerdings nicht einfach zu begründen, da mit Isofluran ein wirksames Inhalationsnarkotikum für Reptilien zugelassen ist und eine Umwidmung aufgrund fehlender Praxisausstattung nicht statthaft ist. Häufig ist aber eine Isofluranapplikation am wachen Tier kaum möglich, so dass eine entsprechende Induktion der Narkose mittels Injektionsnarkotikum fachlich notwendig ist. Eine Auswahl typischer Medikamente und Dosierungsempfehlungen findet sich auch im ▶ Anhang.
Die Inhalationsnarkose über eine Maske ist eine meist einfach zu realisierende Technik. Es wird eine der Tiergröße entsprechende Maske benötigt, welche kommerziell erworben oder ggf. selbst hergestellt werden kann. Die Maske sollte dabei stets durchsichtig sein (▶ Abb. 4.1).
Praxistipp
Problematisch bei der Narkoseeinleitung über Maske ist ein Atemstopp der Reptilien infolge der Isofluranapplikation. Insbesondere bei Schildkröten sowie bei allen aquatilen Spezies kann diese Atemhemmung eine Einleitung der Narkose praktisch unmöglich machen. Hier ist eine entsprechende ▶ Prämedikation anzuraten.
Insgesamt ist bei einer Einleitung über Atemmaske mit einer Induktionszeit von 20 Minuten oder länger zu rechnen. Dabei kann dann relativ plötzlich ein tiefes Narkosestadium erreicht werden, das sich je nach Spezies und Anästhetikakonzentration in der Lunge nur schlecht steuern lässt. Bei Isofluran scheint dieses Problem deutlicher zu sein als bei Verwendung von Sevofluran. Besser ist auch hier eine entsprechende Prämedikation mit nachfolgender Steuerung der Atmung durch ▶ Intubation.
Isofluran ist in Deutschland für die Anästhesie von Reptilien zugelassen und bewährt. Eine gute Verträglichkeit kann bestätigt werden, allerdings zeigen Reptilien eine dosisabhängige kardiovaskuläre Depression. Gerade bei schwachen Tieren ist es deshalb empfehlenswert, mit niedrigeren Konzentrationen bei gleichzeitiger Anwendung von Analgetika zu arbeiten.
Abb. 4.1 Narkose bei Schildkröten. a Einleitung über eine Maske. b Intubation. c Lagerung für die Operation. Die Lagerung ist bei Schildkröten von großer Bedeutung und kann einen erheblichen atemdepressiven Effekt haben.
(Klinik für Vögel und Reptilien, An den Tierkliniken 17, 04103 Leipzig)
Praxistipp
Durch eine assistierte Ventilation lässt sich eine Inhalationsnarkose bei Reptilien erheblich besser steuern. Bei operativen Eingriffen, die länger als 15 Minuten dauern, ist deshalb eine Intubation in Kombination mit einem Atembeutel oder einer geeigneten intermittierenden Druckbeatmung sehr empfehlenswert.
Die Intubation hat neben der Steuerung der Narkosetiefe den Vorteil, dass die Tiere zuverlässig mit Sauerstoff versorgt werden und damit der Kreislauf entlastet werden kann. Eine Zwangsbeatmung sollte generell bei längeren Operationen in Rückenlage erfolgen. Insbesondere bei Schildkröten ist die Atemmechanik in dieser unphysiologischen Lage stark eingeschränkt und sollte unterstützt werden.
Vor der Intubation kann etwas Lidocain ▶ Med. 35 auf die Glottis aufgebracht werden. Außerdem sollte der Atemrhythmus beachtet werden, da sich die Glottis nur während der In- bzw. Exspiration öffnet. Als Tubus sollte ein flexibler Schlauch mit einem möglichst großen Durchmesser gewählt werden, so dass er noch leichtgängig eingeführt werden kann.
Cave
Der Tubus darf nicht geblockt werden, da einige Reptilien, hauptsächlich Schildkröten und Panzerechsen, geschlossene Trachealspangen haben und das Trachealepithel bei allen Reptilien sehr empfindlich ist.
Schlange Die Intubation bei Schlangen ist einfach durchzuführen, da die Öffnung der Trachea sehr weit kranial liegt und nicht durch die Zunge verdeckt wird.
Echse Viele Echsen (wie auch Schildkröten) besitzen eine fleischige Zunge, an deren kaudaler Ansatzstelle die Glottis liegt. Zunge und Glottis können durch ventralen Druck auf den Kehlgang vorgelagert werden, was das Intubieren deutlich erleichtert (▶ Abb. 4.2).
Schildkröte Bei Schildkröten ist außerdem zu beachten, dass sich die Trachea sehr früh aufteilt und so bei ▶ Intubation evtl. nur ein Lungenflügel ventiliert wird.
Abb. 4.2 Intubation bei einer Echse. a Zunge und Glottis können durch ventralen Druck auf den Kehlgang vorgelagert werden, was das Intubieren deutlich erleichtert. b Nach der Intubation ist eine sichere Fixierung des Tubus essenziell, auch ein Abknicken muss verhindert werden. Der Schaft von 1-ml-Spritzen kann als Führung genutzt werden, ebenso ein Holzspatel.
(Klinik für Vögel und Reptilien, An den Tierkliniken 17, 04103 Leipzig)
Praxistipp
Bei längeren Intubationen kann sich zähflüssiger Schleim in dem Tubus ansammeln und die spontane Atmung behindern. Hier ist eine assistierte Atmung mittels Atembeutel oder eine intermittierende Druckbeatmung hilfreich.
Der Einsatz einer automatisierten Beatmung während der Narkose ist bei Reptilien sehr sinnvoll. Hierdurch lassen sich die Atemdepression (und das Fehlen einer Spontanatmung) nach der Einleitung bzw. bei Verwendung von reinem Sauerstoff umgehen, und die Isoflurankonzentration in den Lungen kann kontrolliert werden. Die Kreislaufsituation kann – insbesondere, wenn sich die Tiere in Rückenlage befinden – deutlich verbessert werden.
Aufgrund der Variabilität der Körpermasse meist zwischen wenigen Gramm und einigen Kilogramm wird ein entsprechend sensibel einstellbares Gerät benötigt. Bewährt hat sich der ▶ Small Animal Ventilator. Das Gerät kann nach Intubation der Tiere einfach an den Tubus angekoppelt werden, der Totraum wird bei Luftbewegungen so minimiert (▶ Abb. 4.3).
Meist werden 2–6 Atemzyklen pro Minute eingestellt, mit einem Beatmungsvolumen von 15–30ml/kg. Aufgrund der Empfindlichkeit des Respirationstrakts (sehr dünnwandige Lungen und Luftsäcke) sollte der Beatmungsdruck weniger als 8mmHg (ca. 10cm Wassersäule) betragen.
Abb. 4.3 Intubation und Beatmung bei einer Spornschildkröte. Es wird ein „Small Animal Ventilator“ benutzt.
(Klinik für Vögel und Reptilien, An den Tierkliniken 17, 04103 Leipzig)
Als Applikationsformen für die Injektionsanästhesie steht neben der intravenösen bzw. intraossären Injektion die intramuskuläre Injektion im Vordergrund, wobei gezeigt wurde, dass subkutane Applikationen bei längerer Induktionszeit ebenfalls zu ausreichenden Narkosetiefen führen. Generell ist die Gewebeverträglichkeit bei der entsprechenden Applikationsform zu beachten. Die intravenöse Applikation gestaltet sich aufgrund der Problematik der Venendarstellung schwierig. Bei Medikamenten, welche nicht streng intravenös zu verabreichen sind, kann eine „blinde“ Applikation in die Schwanzvene, entsprechend der Technik der ▶ Blutprobenentnahme, versucht werden. Die intraossäre Applikation ist beispielsweise für Propofol als wirksam beschrieben. Die intrakardiale Injektion sollte eine Ultima Ratio in Notfällen sein.
Praxistipp
Aufgrund der Variabilität der einzelnen Spezies und des Fehlens von Erfahrungswerten zur Verträglichkeit ist es empfehlenswert, Kombinationen von Wirkstoffen in niedrigeren Konzentrationen anzuwenden und dadurch die möglichen Nebenwirkungen (wie eine lange Nachschlafzeit) zu reduzieren.
Auch bei Reptilien hat Ketamin ▶ Med. 34 eine sedative und analgetische Wirkung; gleichzeitig ist es kreislaufunterstützend. Dosisabhängig werden ein Anstieg des Blutdruckes sowie eine Tachykardie beobachtet, bei gleichzeitiger Depression der Atmung. Die Muskelrelaxation ist unzureichend und die Aufwachphase bei Einzelanwendung verlängert. Daher wird es höchstens als Sedativum in geringer Dosis (bis 5mg/kg) alleine eingesetzt. Sinnvoll sind dagegen Kombinationen mit Benzodiazepinen oder mit Medetomidin. Richtwerte für die Dosierung als Präanästhetikum/Sedativum bzw. zur Anästhesie sind ▶ Tab. 4.1 zu entnehmen.
Tab. 4.1
Richtwerte zur Kombination von Ketamin mit weiteren Wirkstoffen.
Kombination
Präanästhesie/Sedativum
Anästhesie
Ketamin + Diazepam
5mg/kg i.m./1mg/kg i.m.
10–20mg/kg i.m./1–2mg/kg i.m.
Ketamin + Midazolam
5mg/kg i.m./1mg/kg i.m.
10–20mg/kg i.m./2mg/kg i.m.
Ketamin + Medetomidin
5mg/kg i.m./0,1mg/kg i.m.
10–20mg/kg i.m./0,1–0,2mg/kg i.m.
Benzodiazepine wirken muskelrelaxierend, (anxiolytisch) und sedativ. Midazolam ▶ Med. 38 ist bei Reptilien bezüglich der Resorption und Verfügbarkeit als günstiger im Vergleich zu Diazepam ▶ Med. 33 anzusehen, aber in Deutschland derzeit nicht zugelassen. Die Kombination mit Ketamin ist notwendig, außer es wird nur als Sedativum genutzt.
Medetomidin ▶ Med. 36wirkt muskelrelaxierend, sedierend und teilweise analgetisch, zeigt aber eine dosisabhängige Kreislaufdepression. Deshalb wird es alleine nur zur Sedation angewandt, sonst in Kombination mit Ketamin. Eine Antagonisierung mit Atipamezol ▶ Med. 27 reduziert die Nachschlafzeit und ermöglicht eine bedingte Steuerung der Narkosetiefe.
Propofol ▶ Med. 39bewirkt eine schnelle und kurzzeitige Anästhesie mit ruhiger Einleitungs- und Aufwachphase. Es ist deshalb als Präanästhetikum vor Intubation oder für kleinere Eingriffe in Kombination mit einem Analgetikum geeignet. Die Applikation sollte streng intravenös oder intraossär erfolgen. Bei paravenöser Applikation im Bereich der Wirbelsäule sind ZNS-Probleme und Spinalnekrosen beschrieben. Zur Sedation werden Dosierungen bis 5mg/kg, zur Kurzzeitanästhesie bis 10mg/kg angewendet.
Alphaxalon ▶ Med. 26wirkt schnell, wenn auch nicht so rasch wie Propofol, und hat insgesamt eine kurze Anästhesiedauer. Es kann intravenös, aber auch intramuskulär verabreicht werden, was eine „blinde“ Applikation in eine Vene weniger problematisch macht. Außerdem erfolgt die Verstoffwechslung nicht über die Leber, was in Fällen vorliegender Organschäden nicht zu einer Akkumulation im Körper führt. Das Präparat ist ähnlich wie Propofol für Kurzzeitanästhesien bei nicht schmerzhaften Eingriffen sinnvoll und wird in Dosierungen bis 10mg/kg intravenös eingesetzt.
Die lokale Anästhesie mit Lidocain ▶ Med. 35 bzw. Bupivacain ▶ Med. 29 spielt bei Reptilien bislang eine untergeordnete Rolle, auch weil Schmerzreaktionen nicht so geäußert werden wie bei Säugetieren. Dennoch können Lokalanästhetika, gerade in Kombination mit anderen Analgetika und Sedativa, bei lokalen Eingriffen sinnvoll sein und die möglichen Nebenwirkungen einer systemischen Anästhesie vermeiden. Bei der Intubation kann z.B. die topische Anwendung im Bereich der Glottis durchaus hilfreich sein.
Nur wenige Studien liegen zum Einsatz und zur Verträglichkeit vor, unter anderem gibt es Berichte zu Zwischenfällen bei Boiden nach Anwendung von Lidocain auf Schleimhäuten, die aber vom Autor nicht bestätigt werden können. Bezüglich der Maximaldosierung sollte man sich an den für Säuger publizierten Obergrenzen orientieren und unter 4mg/kg Körpermasse bleiben. Lidocain wirkt bei Reptilien tendenziell rascher, Bupivacain dafür länger.
Verschiedene Geräte können bei der Überwachung der Narkosetiefe und des Patienten helfen, dennoch kommt der Adspektion immer noch eine entscheidende Bedeutung zu. Zur Beurteilung der Narkosetiefe eignen sich – mit artabhängigen Unterschieden – insbesondere folgende Parameter:
Muskeltonus: Er sollte weitgehend relaxiert sein. Als Reaktion auf chirurgische Schnitte auftretende Muskelzuckungen werden als physiologisch angesehen und deuten nicht auf eine unzureichende Narkosetiefe hin. Schlangen verlieren ihren Muskeltonus graduell von kranial nach kaudal, so dass die Prüfung des Schwanztonus für die Beurteilung der Narkosetiefe sinnvoll ist.
Reflexe:Der Umdrehreflex sollte bei Echsen und Schlangen erloschen sein, ebenso der Palpebralreflex. Der Kornealreflex ist dagegen oft noch eingeschränkt erhalten. Die beiden letzteren Reflexe können nur bei Spezies mit Lidspalte beurteilt werden, also nicht bei Schlangen (Brille) und einigen Echsen (Chamäleons, Geckos). Schwanz-, Zehen- und Kloakenreflex sollten erloschen sein.
Atmung: Sowohl die Atemtiefe als auch die Frequenz sind von Bedeutung. Bei vielen Spezies kommt es zu (physiologischen) Atempausen, die schwierig zu beurteilen sind.
Herzaktion: Bei vielen Schlangen lässt sich das Herz durch die ventrale Körperwand hindurch beobachten. Eine Auskultation ist ebenfalls möglich, bei Schildkröten ist sie nach Auflegen eines feuchten Lappens auf den Panzer erfolgversprechender.
Apparativ können die Atmung, die Herzfunktion, die Körperinnentemperatur sowie Atemgaskonzentration und Blutgassättigung überwacht werden. Bei intubierten Tieren ist ein Respirometer sinnvoll, sofern keine IPPV durchgeführt wird. Ein Kapnograf kann die Kohlendioxidkonzentration in der Ausatemluft messen. Allerdings ist aufgrund der anatomischen Besonderheiten (episodische Atmung, Rechts-Links-Shunt im Herzen) die Interpretation schwierig. Gleiches gilt für Messungen der Sauerstoffsättigung im Blut mittels Pulsoximeter über die Kloake oder den Ösophagus, da diese Geräte auf Säugerzellen eingestellt sind. Die Ableitung eines Elektrokardiogramms ist technisch möglich, aber aufwendig und je nach Spezies störanfällig.
Einfach und effektiv kann die Herzfunktion bzw. der Blutfluss mittels eines Doppler-Messgeräts akustisch dargestellt werden. Der Doppler kann an verschiedenen Körperstellen zur Darstellung des Blutflusses angewandt werden. Bei Echsen und Schlangen ist die ventrale Ankopplung auf Herzhöhe sinnvoll (▶ Abb. 4.4). Ebenso kann die A. carotidea bei Echsen und Schildkröten sowie die A. coccygealis bei Echsen und Schlangen genutzt werden. Nach Auftragen von etwas Ultraschallkontaktgel wird die Sonde platziert und ggf. mittels eines einfachen Verbands fixiert.
Die Überprüfung der Körperinnentemperatur ist mittels eines einfachen Digitalthermometers mit Sonde über die Kloake einfach möglich. Die Tiere sollten im oberen Bereich der ▶ POTZ gehalten werden.
Abb. 4.4 Darstellung des Blutflusses bei einer Bartagame. Ankopplung des Doppler-Kristalls im Bereich des Herzens.
(Klinik für Vögel und Reptilien, An den Tierkliniken 17, 04103 Leipzig)
Die Aufwachphase kann abhängig von der Spezies, der Erkrankung und den eingesetzten Medikamenten mehrere Tage dauern.
Innerhalb der Aufwachphase sollten die Tiere im Bereich ihrer Vorzugstemperatur untergebracht werden. Die Temperatur muss regelmäßig kontrolliert werden, da die Reptilien noch nicht in der Lage sind, sie selbst durch Aufsuchen entsprechender Plätze im Terrarium zu regeln. Aus diesem Grunde verbieten sich auch Heizmatten, die rasch zu einer Überhitzung führen können.
Herzfunktion und Atmung sollten regelmäßig überprüft werden, ebenso ist eine ▶ Flüssigkeitssubstitution aufrechtzuerhalten. Auf die ▶ stationäre Unterbringung wird gesondert eingegangen.
Praxistipp
Postoperativ ist eine weitere analgetische Versorgung meist sinnvoll, um den Wundschmerz zu reduzieren und die Futteraufnahme zu fördern.
Bezüglich einer wirksamen Analgesie ist zu bemerken, dass wenig über Schmerzen bei Reptilien bekannt ist. Entsprechende Wirkmechanismen und Rezeptoren wurden beschrieben, wobei Opioide teilweise anders als bei Säugetieren zu wirken scheinen. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist davon auszugehen, dass die Schmerzrezeption bei Reptilien vermutlich ähnlich wie bei Säugetieren stattfindet. Lediglich die Fähigkeit, Schmerz auszudrücken, scheint anders ausgeprägt und sich eher in Passivität zu zeigen. Außerdem ist die praktische Wirksamkeit einer geeigneten Analgesie deutlich. Sie äußert sich unter anderem in einer stärkeren Aktivität der Tiere, was die Bewegung und das arttypische Verhalten betrifft, sowie eine verbesserten oder überhaupt erst wieder vorhandenen Futteraufnahme.
Der Einsatz von Carprofen ▶ Med. 32 oder Meloxicam ▶ Med. 37 als Analgetikum hat sich bewährt und ist in entsprechender Dosierung über einen definierten Zeitraum ohne auffällige Nebenwirkungen beschrieben. Für den Einsatz von Carprofen sind als mögliche Nebenwirkungen Magenulzera bei herbivoren Leguanen und bei Landschildkröten beschrieben worden. Bei Anwendung von Meloxicam beispielsweise im Rahmen einer Metabolic Bone Disease, einer Gicht oder auch bei Neoplasien wurden grundsätzlich gute Erfahrungen gesammelt.
Studien zu Opioiden
