Leonard und Anika in der Wo-Anderswelt - Joachim Schmidt - E-Book

Leonard und Anika in der Wo-Anderswelt E-Book

Joachim Schmidt

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Beschreibung

Wie schon in Buch eins, befinden sich Anika und Leonard im Reich der Zwerge, die auf ihre Hilfe angewiesen sind. Zwei ihrer Führer wurden in eine energetisch andere Welt versetzt. Eine Reise mit vielen Hindernissen beginnt. Wieder einmal haben sich die zwei Erdenkinder an völlig unbekannte Umgebungen und Gesetzmäßigkeiten anzupassen und dabei geht es nicht nur durch eine neue Welt.

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Seitenzahl: 186

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Ähnliche


Der Autor

Joachim Schmidt

Schreibt Geschichten zwischen Diesseits und Jenseits

-Hinter den Tapeten,

-Das Geheimnis des Ringinger Erdstalls,

-Der Kelch,

-Leonard in der Wo-Anderswelt,

-Peter Patricia und das Ulmer Münster,

-Die Gezeitenfrau.

Der Autor lebt heute mit Ehefrau und zwei Töchtern auf einem Dorf bei Ulm.

Vorwort

In meiner Kindheit durfte ich viele Märchen, Geschichten und Erzählungen kennen lernen, die ich zu jener Zeit gerne hörte. Sie waren meistens spannend, denn oft verbanden mich die Inhalte mit einer angenehmen, magischen Welt, die ich gefühlsmäßig spüren konnte. Einer geheimnisvollen Welt, die mich davon abhielt, unsere sogenannte reale Welt nur mit meinen physischen Augen zu betrachten. Ich schaute zwar durch sie hindurch, hegte aber immer gleichzeitig die Hoffnung, eine versteckte unsichtbare Mystik hinter ihnen zu finden.

Tiere und Pflanzen waren nicht nur einfach Wesen, die sich bewegten, sondern ich empfand sie auch als vernunftbegabte, denkende und wissende Lebewesen. Alles was wuchs, veränderte sich und alles, was sich veränderte, lebte. Einsame Gegenden mit Bächen, Felsen und Höhlen, öffneten in mir eine andere Gefühlswelt, eine Welt der unsichtbaren Geheimnisse.

Widmung

Dieses Buch wurde für Jugendliche und Erwachsene geschrieben, die genug haben von blutigen, pervertierten Gemetzeln. Die sich aber schon bewusst sind, dass sie sich in einer Welt der Gegensätze befinden. Überall, wo es ein Dafür gibt, gibt es auch ein Dagegen. Man ist dieser dualistischen Welt aber deshalb noch lange nicht ausgeliefert, sondern man kann Entscheidungen fällen, die weniger aggressiv sind oder andere Lösungsmöglichkeiten eröffnen.

Wenn alles was existiert energetischer Herkunft ist, dann unterliegt jeder Mensch einer großen Illusion, wenn er glaubt, über das Töten könnten Probleme gelöst werden. Leider halten auch manche Zwerge im Zwischenreich teilweise noch an dieser Illusion fest.

www.tredition.de

Umschlaggestaltung, Illustration: Joachim Schmidt

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN: 978-3-8495-8065-0

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Leonard und Anika in der Wo-Anderswelt

Buch 2

In den Zwischenwelten

Fortsetzung von

Leonard in der Wo-Anderswelt

Die Vorbereitung

Es war etwas kompliziert. Als Leonard und Anika die Zwischenwelt der Zwerge verlassen hatten und sich wieder mit ihrer normalen Körpergröße in der Welt der Menschen zurechtfinden mussten, wussten sie zunächst nicht, wie sie es zu Hause ihren Eltern mitteilen konnten, was sie erlebt hatten. Bei Leonard waren bereits mehrere Tage vergangen, während Anika schon viele Wochen von zu Hause weg war. Die Polizei und ihre Eltern hatten sich mit dem Verschwinden ihrer Tochter schon beinahe abgefunden und glaubten kaum noch daran sie jemals wieder zu sehen.

„Wir müssen ihnen die ganze Wahrheit sagen, damit der Schock aber nicht zu groß wird, sollten wir eine Notlüge erfinden, denn bis sie unsere Erlebnisse ernst nehmen können, dauert es bestimmt einige Zeit und die Zeit drängt. Wie du weißt, vergeht die Zeit im Zwischenreich viel schneller und deshalb muss ich so bald wie möglich wieder zurück, ich will ihnen unbedingt helfen“, unterbreitete Leonard Anika.

„Und ich? Glaubst du etwa, mich interessiert es jetzt nicht mehr, was dort passiert? Ich habe das Gefühl, dass ich viel lieber im Zwischenreich wäre, als hier auf der Erde, wo jeden Tag so viel Schreckliches in der Zeitung steht.“

„Da hast du vollkommen recht aber wir wissen nicht, ob sich nicht auch das Zwischenreich jetzt wieder in Richtung Gewalt verändert. Ich muss unbedingt zurück, vielleicht kann ich den Zwergen helfen, dass es nicht soweit kommt.“

„Wenn du zurückgehst, will ich auch mit. Wir haben beide so viel miteinander erlebt und außerdem…, ich würde dich sehr vermissen.“ Leonard wurde bis unter die Haarspitzen rot.

„Ich mochte dich auch vom ersten Augenblick an aber bedenke, es ist gefährlich, wir wissen nicht wirklich, wie das Ganze ausgeht und ob unsere Eltern bereit sind, uns dieser Gefahr auszusetzen. Ich wage das zu bezweifeln.“

„Nun, ich glaube, uns bleibt nichts anderes übrig als ein bisschen zu schwindeln.“ Leonard nickte.

„Damit sie uns überhaupt wieder weglassen, müssen sie sicher sein, dass es für uns nicht mehr gefährlich ist.“

Leonard war es noch nicht klar, wie er es einfädeln sollte, schließlich hatte er sich im Zwergenreich des Öfteren in Gefahr befunden, besonders als er von den Zwissler-Zwergen gefangen genommen worden war.

Zwar hatten die Nordzwissler nicht direkt sein Leben bedroht, aber sie hätten ihn und Anika ohne weiteres so lange festhalten können, bis ihnen die Lichtzwerge endlich einen Teil ihrer Lichtsteine abgegeben hätten und das hätte ewig dauern können. Nein, davon durften ihre Eltern überhaupt nichts wissen. Sie konnten ihnen nur von einer wunderschönen Welt berichten, in der es keine Gefahren gab und alles in friedlicher Koexistenz miteinander ablaufen würde. Sie mussten ihnen klar machen, dass das verspätete nach-Hause-kommen, nur ihrem Unwissen über die unterschiedlichen zeitlichen Abläufe in der Welt der Zwerge zu verdanken gewesen war.

Zunächst hatten sie es beide geschafft, die Vorstellungen ihrer Eltern in Balance zu bekommen und sie wieder in Sicherheit zu wiegen. Anikas Eltern hatten sich wieder gefasst, als sie von einer schulischen Stresssituation gesprochen hatte, aus der sie gefühlsmäßig geflüchtet war. Leos Mutter hingegen glaubte an die Geschichte eines Kurzurlaubes bei seinem Vater. Sie wunderte sich nur, dass Leo viel häufiger sein Handy gebrauchte, als er es zuvor getan hatte.

Leo hielt mit Anika, die ein paar Dörfer weiter weg wohnte regen Kontakt und es kam auch zu einem Treffen in einer Eisdiele, wo sie planten, wie es weitgehen sollte. Die Schulferien hatten kurz nach ihrem Wiederauftauchen begonnen und deshalb wollten sie auch so bald als irgendwie möglich ins Zwergenreich zurück und diese Zeit zu nutzen.

„Die Zeit vergeht und unsere Freunde haben wahrscheinlich die Hoffnung auf unsere Rückkehr schon aufgegeben“, teilte Leo Anika am Telefon mit.

„Vermutlich hat das Querulieren zwischen den Völkern schon begonnen“, antwortete sie.

Kurze Zeit darauf gestand Leonard seiner Mutter die Freundschaft zu Anika und lud sie und ihre Eltern zum Kaffeetrinken zu sich nach Hause ein. Dieses Treffen hatte es in sich. Beide erzählten nach und nach die wahren Geschehnisse ihres Wegbleibens und ihre Eltern, die sich äußerst schwer damit taten diese Geschichte zu glauben, verboten daraufhin jeglichen Kontakt mit diesen Zwergen. Erst nach einem langen Hin und Her und nachdem die Eltern begriffen hatten, dass die Aussicht bestand, dass ihre Kinder tatsächlich einem ganzen Zwergenvolk helfen konnten, willigten sie ein, sich alle am kommenden Samstagmorgen um 8 Uhr am ausgehöhlten Baumstumpf zu treffen. Die Eltern sollten den Vorgang des Einstiegs sowie die körperliche Verkleinerung ihrer Kinder miterleben.

Die Verabschiedung

Leo zog das Fläschchen mit der grünen Flüssigkeit aus einer kleinen Felsspalte und gab zunächst Anika einen Tropfen in den Mund. Danach ließ er selbst einen auf seiner Zunge zergehen. Es vergingen nur wenige Sekunden, bis sie lachend in Gestalt von Zwergen vor ihren Eltern standen. Diese verfolgten ängstlich und sprachlos, wie und wo Leonard das Fläschchen wieder versteckte. Nur mühsam vermochten sie noch den beiden halb apathisch Glückwünsche zuzuflüstern und mit besorgtem Gesichtsausdruck hinterher zu winken, bevor sie in den hohlen Baumstumpf kletterten.

Ehe Anika verschwand, drehte sie sich noch einmal kurz um und rief mit ihrer nun piepsigen Stimme: „Macht euch keine Sorgen, für uns ist es der schönste Urlaub, den ihr euch vorstellen könnt.“ Und schon waren beide verschwunden.

Voller Euphorie eilten Leonard und Anika zur großen Türe, um sie mit dem dort bereit liegenden Stein zu öffnen. Aber…, da war kein Stein, nirgendwo lag ein Stein.

Leo versuchte kurzerhand mit dem Fuß sein Glück und sprach: „Man musste doch nur mit diesem Stein gegen die Türe pochen, so war es doch gewesen, oder?“ Anika nickte und schaute ihn enttäuscht an. Sein Fußkicken hatte keinen Mechanismus sondern nur einen leichten Schmerz in seinen Zehen ausgelöst .

„Wir müssen versuchen den Stein zu finden, geh du hier entlang, ich versuch es im Tunnel“, meinte Anika.

„Vielleicht hat ihn jemand eingegraben, und wollte nicht, dass diese Türe benutzt wird, schau dort unter der lockeren Erde, ich glaube da könnte er stecken.“ Mit diesen Worten zog er tatsächlich einen Stein aus dem welligen Boden. Im gleichen Augenblick wusste er, dass er seinen ersten Fehler begangen hatte. Jetzt musste schnell gehandelt werden. „Anika, komm beeil dich, wir dürfen keine Zeit verlieren, jetzt wissen sie bereits, dass wir hier sind.“ Er rannte zur Tür. Polterte mit dem Stein dagegen und während diese sich gerade geräuschlos zu öffnen begann, schlüpften beide auch schon hindurch. Nur ein leises Klicken verriet ihnen, dass sich die Türe wieder hinter ihnen geschlossen hatte.

Sehen konnten sie noch nichts. Die Helligkeit war so unerträglich, dass sie ihre Hände vor die Augen hielten und immer wieder nur zwischen den Fingern hindurch blinzelten um sich an das Licht zu gewöhnen. Es dauerte einige Minuten bis Leo hervorstieß: „Jetzt sehe ich wieder etwas, wir müssen sofort weg, bevor sie da sind.“

„Wer?“ wollte Anika wissen.

„Na die, die den Stein versteckt haben, vermutlich war er durch ein Lichtkabel mit ihrem Versteck verbunden, deshalb nichts wie weg.“ Und da kamen sie auch schon. Nicht weit entfernt tauchten sie hinter kleineren Felsbrocken auf. Sie saßen auf den Rücken von Laufvögeln, die sie in ihre Richtung dirigierten. Leo wollte schon aufgeben, als er eine Stimme in sich vernahm: „Klettert die Felsen rechts neben der Türe hoch, ich warte auf euch.“ Ohne groß zu überlegen, woher die Stimme gekommen war, eilten Anika und Leo gleichzeitig zum Fels und stiegen daran empor. Offenbar hatte Anika die gleiche Botschaft empfangen.

Das Klettern ging relativ einfach, denn das Gestein war wie ein Quarz aus lauter rauen, unterschiedlich großen Flächen aufgebaut. Immer wieder drehte sich Leo nach Anika um und half ihr über steilere Stücke hinweg. Er besaß einfach die größere Erfahrung um bergiges Gestein zu überwinden. Schon fast oben angekommen, sahen sie, wie die Langohrzwerge von ihren Laufvögeln abstiegen und ihnen hastig nacheilten.

„Kommt hier rüber, hinter den breiten Fels“, rief es ihnen zu und als sie um die Felskante bogen, stand ein Mausvogel vor ihnen.

Flug zu den Lichtzwergen

Anika schrie auf, aber Leonard beruhigte sie sofort, denn er hatte schon die Bekanntschaft mit diesen Maus-Vögeln gemacht.

„Wir dürfen aufsteigen, hab keine Angst. Halte dich an seiner Halskrause fest.“ Ohne darauf zu warten, bis Anika sich von ihrem Schrecken erholt hatte, hob er sie mit beiden Händen an ihrer Taille hoch und schob sie ganz nach vorne an den Hals des Tieres. Er selbst nahm hinter ihr Platz. Keine Sekunde zu früh lief der Vogel zum Abhang und schwang sich weit hinaus. Ein Glücksgefühl der Freiheit und der Schwerelosigkeit erfüllte beide Erdenkinder und als Leo sah, wie die Langohren ihre Fäuste hoben, lachte er nur und winkte ihnen zu.

Fürs Erste waren sie gerettet aber wo brachte der Vogel sie hin und wieso hatte er sie überhaupt abgeholt? Wie konnte er wissen…?

„Fragt nicht so viel, ihr werdet bald schlauer sein. Seid einfach froh, ich bringe euch jetzt zu euren Freunden.“ Mit diesen gedanklichen Worten zog der Vogel in spiralförmigen Kreisen nach oben hinein in den kristallklaren Himmel. Die Sonne stand blutrot vor den entfernten Bergrändern, gewillt jeden Augenblick hinter ihnen zu verschwinden. Leonard umfasste Anika und drückte sich an ihren Rücken. Ein Strahlen überflutete ihr Gesicht und wie als Antwort, umwehten ihr langes, blondes Haar Leonards entspannte Gesichtszüge.

Schatten überzogen das glitzernde Land, die Nacht hielt Einzug. Seltsame Vögel stiegen auf. Vögel mit weiten, dunklen Schwingen. Leonard kannte sie, wollte aber Anika nicht ihrer Freude berauben. Er hoffte, dass sie sich hier auf dem Rücken des Mausvogels in Sicherheit fühlte. Als er nach unten schaute erkannte er verschiedene Feuer. Was war das? Lagerfeuer von Kriegern? Zerstörte Häuser? Es war einfach zu dunkel, um Genaueres erkennen zu können.

„Gedulde dich, bald weißt du mehr.“ Diese Antwort genügte, um ihn in einen zunächst oberflächlichen Schlaf fallen zu lassen. Das Auf und Ab der Flügelschläge empfand er wie ein Schaukeln auf den Wellen im Meer. Anikas Kopf lag ebenfalls schlafend nach hinten gebeugt auf seiner Schulter. Sie schliefen einen kurzen aber erholsamen Schlaf, zu viel hatte sich in kürzester Zeit ereignet und ihre ganze Aufmerksamkeit in Anspruch genommen.

Irgendwann, der Morgen kündigte sich durch helle, bläuliche Farben am Horizont an, wurden beide Erdenkinder durch eine abrupte Bewegung geweckt. Der Vogel war auf einer Felsspitze gelandet und befahl: „Steigt ab, hier müssen irgendwo eure Freunde sein.“ Die Beiden spürten gerade den Boden unter ihren Fußen, als der Vogel sich auch schon wieder in die Luft erhob und abdrehte. Sie waren also mit ihren Mitteilungen immer noch so kurz angebunden. Wahrscheinlich hatten sie großes Glück gehabt, dass er sie überhaupt soweit mitgenommen hatte.

„Enric, Prello, Trauroth, Nurmuth, wo seid ihr“, rief Leo. Sie lauschten aber nichts war zu hören.

„Das ist wieder typisch für diese Vogelart. Sie helfen, aber nur so lange, wie es ihnen gerade passt.“ Anika und Leo schauten nach unten in eine wild zerklüftete Landschaft, aus der sich so ganz allmählich die Schwärze der Nacht zurückzog und nur noch leichte Schattierungen zwischen dem felsigen Gestein hinterließen.

„Wie sollen wir sie hier finden? Und warum hier auf diesen Bergen? Wieso hat der Vogel uns nicht in der Burg abgesetzt?“ Jetzt erinnerte sich Leo wieder an die Feuer, die er während des Fluges von oben beobachtet hatte. „Ich glaube wir sind zu spät gekommen, die Langohren, die kleinen Riesen und die Nordzwissler werden die Lichtzwerge vertrieben haben. Die Zeit in dieser Zwischenwelt ist wieder wesentlich schneller vorgerückt als wir dachten, wahrscheinlich ist schon ein halbes Jahr vergangen, während wir auf der Erde nur etwa 14 Tage durchlebt haben.“

„Du hast recht“, meinte auch Anika, „wir sollten jetzt genau überlegen, wohin wir gehen.“

„Wohin ist gut, wir sitzen auf einer Bergkante und ich habe keine Ahnung wie wir hier ohne Seil und Befestigungshaken herunter kommen sollen“, antwortete Leo. „Ich kann es nicht glauben, dass dieser Mausvogel so blöd war und uns ohne Absicht einfach hier absetzte, vielleicht haben sich die Lichtzwerge ja versteckt und wir müssen nur ihre Höhleneingänge finden, die eventuell sogar ganz in unserer Nähe sind.“

„Leo hat bestimmt nicht Unrecht, so wird es sein“, dachte Anika. „Wir sollten die Landschaft genauer unter die Lupe nehmen“, erklärte sie. Beide setzten sich so hin, dass sie in alle Richtungen blicken konnten.

Die Suche nach den Lichtzwergen

„Wo würdest du dich verstecken, wenn du Oman wärst und für dein Volk die Verantwortung übernehmen müsstest?“

„Ich würde dort in dieser zerklüfteten Landschaft in Höhlen und Gesteinsauswaschungen am Bach mein Glück versuchen. Wasser ist auch für die Zwerge das wichtigste Lebenselixier.“

„Ja das glaube ich auch, aber wie sollen wir hier herunter kommen? Es muss doch möglich sein….“ „Schau mal! Was ist denn dort, wo es so steil abfällt, ist da nicht eine Stufe eingehauen?“ rief Anika.

„Stimmt, das sieht so aus, lass uns nachschauen. Wir haben unserem Vogel Unrecht getan, hier kann man, wenn man vorsichtig ist und diesen Riss zum Festhalten benützt tatsächlich absteigen.“

Leonard kletterte voraus und zeigte Anika die besten Griffe und Fußtritte, die groß genug waren, um sich daran festzuhalten. Die Klettertour führte genau in eine schmale Aushöhlung, durch die sie ins Bergesinnere schlüpfen konnten. Von hier ab fanden sie richtigen Halt. Irgendwer hatte an der Wand Halterungen aus einem für Leo nicht bestimmbaren Material befestigt, an dem es sich bequem nach unten absteigen ließ.

Der Steig endete in einer leeren Höhle, die fensterartige Ausbuchtungen besaß, durch welches Licht von außen einfiel. Sie fühlten sich wie in einer kleinen Höhlenwohnung. Leider war niemand da. Wieder riefen sie aber ohne Erfolg. Auf jeden Fall konnten sie sich ausruhen und waren vor Wind und Wetter geschützt. Zum Glück hatten sie zu Hause noch richtig viel gegessen, sodass der Hunger noch ausblieb aber Durst verspürten sie schon ziemlich stark.

„Wir müssen noch weiter nach unten, zu dieser zerklüfteten Landschaft mit diesem Bach“, meinte Leo.

„Ja“, antwortete Anika, „aber ich sehe keine Abstiegsmöglichkeit mehr.“

„Lass uns alles genau unter die Lupe nehmen, vielleicht gibt es hier einen neuen Trick.“ Sie untersuchten lange den Boden, bis Anika eine leichte Rille auffiel, deren Ursprung nicht natürlich sein konnte. Mit dem Zeigefinger fuhr sie der Vertiefung nach bis zu einem kleinen Loch, in das ihr Finger passte. „Soll ich hier rein fassen? Leo was meinst du?“

„Klar, wir haben nicht viele Möglichkeiten.“ Vorsichtig bohrte sie den Finger hinein und stieß nach kurzer Zeit auf einen Widerstand. Sie erhöhte den Druck und siehe da, in der Wand vor ihnen schob sich, verbunden mit einem leisen Kratzgeräusch, ein Gesteinsbrocken nach hinten und gab eine Öffnung frei. Sie war gerade so groß, um durch zu schlüpfen.

Leo schob seinen Kopf hindurch und schaute direkt in die Augen eines Quenkos. Seine großen, runden Augen, umrahmt von einem Federnflausch, starrten ängstlich auf Leo. Beide derart überrascht, zuckten zurück, wobei der Quenko sofort in einen Gang flüchtete, den wenig später Anika und Leo benutzten, um weiter abzusteigen.

„Sie tun niemand etwas und gehen allen anderen Lebewesen aus dem Weg. Sie leben hauptsächlich in Höhlen in welchen sie mit ihren riesigen Augen, trotz totaler Finsternis alles sehen können“, erklärte Leo.

Endlich drang etwas Licht in den Gang, den sie nur langsam, die Wände mit den Händen abtastend entlang gehen konnten. Der Ausgang war zwar durch einen Felsbrocken verblockt, aber sie konnten sich durch einen Spalt ins Freie zwängen. Das zerklüftete Gelände, das sie von oben betrachtet hatten, lag nun vor ihnen.

„Herrlich hier“, meinte Anika, „dort fließt auch ein Bach, an dem wir uns erfrischen können.“ Beide liefen ohne auf irgendetwas zu achten zum Wasser und tranken das köstliche Nass. „Ich glaube ich wäre demnächst verdurstet.“

„Ja, ja, Wasser ist nach Luft das zweitwichtigste Element für unseren Körper. Ohne Nahrungsmittel können wir wesentlich länger auskommen.“

„Es schmeckt köstlich, wahrscheinlich enthält es viele Mineralien, die auch wir benötigen.“ „Da, schau mal überall rote Beeren, meinst du wir können sie probieren? Leonard, wenig vertraut mit dem Auspendeln von was gut und schlecht für den Körper ist, sagte:

„Lass uns mit dem Probieren noch warten, irgendwann müssen ja unsere Freunde auftauchen.“ Aber anstatt der so sehnlichst herbeigesehnten Zwerge, entdeckten sie das Kind eines kleinen Riesen, das am Bachlauf spielte. „Schnell weg, Omans und Enrics Feinde scheinen sich auch hier herumzutreiben. Verstecken wir uns dort unter dem Felsen.“ Keine Sekunde zu spät, schon hörten sie die Stimme des Vaters:

“Wo treibst du dich herum? Du weißt doch, dass dich die Lichtzwerge verschleppen, wenn sie dich sehen.“

„Hier gibt es keine Lichtzwerge, Vater, hab keine Angst!“ rief der Kleine zurück.

„Die sind überall und können plötzlich auftauchen, komm jetzt, wir haben genug Beeren gesammelt, wir gehen wieder auf die Burg, sonst schließen sie die Tore und wir müssen außerhalb übernachten.“

Sofort sprang der junge Riese auf und verließ fluchtartig den Bach. Von den Lichtzwergen wollte er nicht gefangen werden, denn er glaubte, dass diese unter allen Umständen wieder auf ihre Burg zurück wollten und da wäre ihnen natürlich jedes Mittel recht besonders die kleinen Riesenkinder. Mit ihnen könnten sie auf die Zwissler Druck ausüben.

Anika und Leonard ahnten sofort, dass sich einiges verändert hatte. Die Lichtzwerge waren während ihrer Abwesenheit von den Nordzwisslern, den kleinen Riesen und den Langohrzwergen von ihrer Burg vertrieben worden und vermutlich hierher in die Berge geflüchtet. Wie aber konnten sie mit ihnen Verbindung aufnehmen?

„Macht euch keine Sorgen“, hörten sie in ihren Köpfen und als sie nach oben schauten, erblickten sie ihren Vogelfreund. „Ich habe sie schon benachrichtigt, sie kommen bald.“

„Danke, danke, ich hoffe, wir können dir auch einmal helfen.“ Aber so etwas wollte der Vogel gar nicht hören, ihm helfen, das war ja lächerlich, er brauchte keine Hilfe, niemand brauchte Hilfe, man tat nur, was getan werden musste.

Sie verweilten noch zwei weitere Stunden in ihrem Versteck, als sie plötzlich, wie durch Zauberhand verursacht, Prello ihren alten Freund mitten zwischen den Felsen auftauchen sahen. Das war ein Jubel und ein Helau. Sie stürmten auf ihn zu, umarmten ihn und überschütteten ihn mit so viel Fragen, dass er zunächst überhaupt nicht antworten konnte.

„Ja, ja“, sagte er nur, „es ist schön, dass ihr wieder hier seid, aber leider kommt ihr zu spät. Kurz nachdem ihr in eure Welt zurückgekehrt seid, überfielen uns alle, die uns schon seit langem die Lichtsteine nicht gegönnt hatten. Wir konnten sie nicht aufhalten. Unsere Burg bot vor den kleinen Riesen keinen Schutz. Sie waren zu stark und zerrissen das Burgtor. Wer sich ihnen in den Weg stellte, wurde mit den Zauberstäben der Nordzwissler weggewünscht, auch Omano und Enric, die friedlich protestieren wollten hat es erwischt.“ Leo und Anika schrien entsetzt auf:

„Nein, das darf nicht wahr sein, konntest du sie finden?“

„Bis jetzt noch nicht, aber ich habe einen Verdacht, auf welcher Welt sie sich befinden könnten, davon aber später, jetzt kommt ihr zuerst einmal mit. Wir müssen dort durch diese Wand, ich gehe voran.“ Anika und Leo liefen völlig verdattert hinter Prello her, direkt auf eine Felswand zu, die keinerlei Öffnung zeigte.

Das Treffen mit den Lichtzwergen

Dann bückte sich Prello und verschwand durch die Mauer.

„Ah“, erahnte Leo, „eine illusionistische Wand, einfach hinterher“ und beide tauchten durch die Wand in einen Gang, in dem sie Prello bereits erwartete.

„Folgt mir, es ist nicht mehr weit“, meinte er, „die anderen ….“ Er verschwand wieder in einer Wand und als sie diese ebenfalls durchstoßen hatten, umringte sie eine Schaar jubelnder Zwerge. Sie schoben und stießen die beiden einfach mit sich, bis sie einen Platz erreichten, wo sie Ahnon, den zweitältesten des Rates der Weisen und vorläufigen Nachfolger Omans, herzlichst begrüßte.

„Ich schlage vor, dass ihr euch zunächst ausruht. Danach nehmt ihr etwas zu euch und dann treffen wir uns, um alle Fragen, die ihr bestimmt haben werdet, zu klären.“ Damit drehte er sich, kurz angebunden, wie Oman zu seiner Zeit, um und verließ sie. Während er weglief hörten sie seine Stimme noch: „Prello, bring sie dann in den Saal.“

„Gut, dann zeige ich euch jetzt die Unterkünfte. Leider sind sie nicht mehr so komfortabel, wir mussten Twinn mit seinen Freunden zurücklassen und uns selbst irgendwie behelfen.“

„Wird schon gehen, wir sind nicht verwöhnt“, antwortete Leo. Twinn und seine Freunde waren befreundete Spinnen gewesen, sie hatten in der Burg die Aufgabe ganz besondere Gewebe herzustellen, die für unterschiedlichste Zwecke benötigt wurden. Kleider, Schlafsäcke und Umhänge, die die Tragenden sogar unsichtbar werden lassen konnten, gehörten zu ihrem Repertoire.