Leonie: Diebe im Ferienlager - Christian Mörken - E-Book

Leonie: Diebe im Ferienlager E-Book

Christian Mörken

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Beschreibung

Sommercamp auf der Green Valley Farm: Lagerfeuer, Wasserschlachten im Pool, Barbecue ... Leonie und ihre Freundinnen können es kaum erwarten. Doch das Camp beginnt mit einem Schrecken. Als die Kinder dort ankommen, wurde bereits ein Geldbeutel gestohlen. Und dann verschwinden noch mehr Sachen. Alle verdächtigen Jane. Denn die sieht schon so komisch aus. Aber Leonie glaubt nicht, dass Jane die Diebin ist. Irgendetwas stimmt hier nicht ...

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Über den Autor

Christian Mörken, geboren in Hamburg, arbeitete viele Jahre in der Musikindustrie und dann im Verlagswesen. Heute leitet er ein Unternehmen der Medienwirtschaft und schreibt nebenbei Bücher und Hörspiele. Mit seiner Frau Gabriela und seinem Sohn Noah lebt er im Allgäu direkt in den Bergen.

Kapitel EINS

„Brrr!“ Leonie zog die Zügel an und lehnte sich ein wenig nach hinten. Am Rand eines Hügels blieb Silver Cloud stehen. Ein leichter Sommerwind spielte mit seiner Mähne und ließ die weißgrauen Haare hin und her tanzen. Der Appaloosa-Hengst schnaubte und warf den Kopf leicht zur Seite. „Ruhig, Silver Cloud“, sagte Leonie und strich dem Pferd über den Hals. Leonie genoss diesen Morgen. Nur sie und ihr Pferd. Schon um fünf Uhr war sie aufgestanden. Sie wollte unbedingt mit Silver Cloud im Morgengrauen reiten. Es ging über die Weiden der Green Valley Farm und durch das kleine Wäldchen.

An einem Bach machten sie Halt. Leonie holte ein paar Sandwiches heraus, setzte sich und schaute der Sonne zu, wie sie über die Berge kletterte. Die Strahlen tauchten das ganze Land in ein orange-goldenes Licht. Langsam erwachte die Welt. Vögel zwitscherten, Bienen summten über die blühenden Weiden und Kühe muhten, weil sie gemolken werden wollten.

Leonie vergaß die Zeit. Sie träumte vor sich hin und erinnerte sich daran, wie ihre Familie aus Deutschland hierher nach Kalifornien gezogen war. Was hatte sie für ein Glück! Damals in Deutschland hatte sie die Reithalle und manchmal einen Ausritt im Wald, aber nie diese unendlichen Weiten Kaliforniens. Seit drei Jahren lebte ihre Familie nun hier. Ihr Vater war als Tierarzt auf Dr. Hamiltons Farm gekommen. Der Doktor hatte sich als Pferdezüchter auf die Zucht von Appaloosa-Pferden spezialisiert und brauchte einen Tierarzt. Zunächst war Leonie gar nicht begeistert gewesen. Schließlich hatte sie in Deutschland viele Freunde und ihr Pflegepferd.

Aber bald gefiel ihr die Pferdefarm. Und sie fand auch zwei richtig gute Freundinnen: Grace und Tiffy. Grace war ruhig, ernsthaft und sehr mitfühlend. Tiffy hingegen machte sich nichts aus den Dingen, die sie und Grace interessant fanden. Mode? Pferde? Damit konnte man Tiffy nicht locken. Sie verbrachte ihre Zeit lieber in ihrem Wohnwagen im Garten und surfte im Internet. Da ihr Vater eine Tankstelle besaß, kannte sie sich bestens mit Autos und technischen Dingen aus.

„Sag mal, schläfst du?“, hörte Leonie plötzlich eine vertraute Stimme und wurde aus ihren Gedanken gerissen. Sie drehte sich zur Seite. Grace grinste sie breit an. „Das ist also dein Verständnis von Sport?“, scherzte ihre Freundin. „Du reitest über ein paar Hügel und legst dich dann gemütlich schlafen?“

„Ich weiß auch nicht“, stotterte Leonie. „Ich muss wohl eingeschlafen sein.“

„Ach, was du nicht sagst“, stichelte Grace weiter. Sie saß auf einem weißen Appaloosa mit braunen Sprenkeln.

„Bist du schon auf dem Weg zu Dr. Hamilton?“, fragte Leonie.

„Ja, wir sollen doch gleich da sein, wenn die Reisegruppe ankommt.“

Leonie drehte sich herum und sah zu Dr. Hamiltons Farm. Auf der Koppel vor dem großen Stall grasten einige Pferde. Ein Mann mit einem weißen Lederschlapphut und Cowboystiefeln kam aus dem Pferdestall. Er hatte einen langen grauen Bart und trug eine Sonnenbrille. Es war Dr. Hamilton.

„Also dann, sollen wir losreiten?“, fragte Grace und ergriff die Zügel. „Oder willst du noch ein bisschen weiterschlafen?“

„Hahaha!“, machte Leonie und zwinkerte ihrer Freundin zu. Dann setzte sie sich auf Silver Clouds Rücken. Im leichten Trab ging es den Hügel hinunter bis zum Zaun der Koppel. Leonie und Grace sprangen ab und banden die Pferde am Gatter fest. Dann schwangen sie sich gekonnt über den Zaun. Von Weitem sahen sie ein Auto und eine riesige Staubwolke auf die Farm zurollen. Das musste der Reisebus mit den Jugendlichen sein!

Erst vor zwei Tagen hatte Dr. Hamilton Leonie, Grace und Tiffy gefragt, ob sie ihm bei einer wichtigen Sache helfen könnten. „Klar!“, sagten sie. Schließlich hatten die Sommerferien gerade angefangen. Da erzählte ihnen Dr. Hamilton, dass eine Gruppe von Teenagern aus einem Vorort von Los Angeles kommen würde. Sie sollten hier auf der Green Valley Farm ihre Ferien verbringen. Die meisten von ihnen stammten aus armen Familien und konnten sich keinen Urlaub leisten. Ihr Pfarrer, Mr. Richards, war ein guter Freund und hatte sich an Dr. Hamilton gewandt: „Könnten die Jugendlichen nicht für ein paar Wochen im Gästehaus auf der Farm Urlaub machen?“ Tagsüber würde er Ausflüge planen – und vielleicht könnte jemand den Jugendlichen Reiten beibringen. Dr. Hamilton war sofort dafür und bat Leonie, Grace und Tiffy, ihm dabei zu helfen. Die drei Freundinnen stimmten begeistert zu: ein richtiges Ferienlager auf der Farm!

Heute war es nun so weit. Die Jugendlichen kamen an. Mit einem lauten Schnaufen hielt der Bus vor dem großen Haupttor, das sich langsam öffnete. Leonie und Grace lehnten am Zaun und beobachteten, wie der Bus auf den Vorplatz der Farm fuhr. Plötzlich hörten sie eine Fahrradklingel. „Oh, bin ich zu spät?“, rief Tiffy atemlos, während sie ihr Rad an den Zaun lehnte und ihren Fahrradhelm absetzte.

„Du kommst genau richtig!“, sagte Leonie und deutete auf den Bus. Langsam öffneten sich die Türen mit den dunkel verspiegelten Scheiben. Aus dem Augenwinkel sah Leonie Dr. Hamilton aus seinem Haus kommen und direkt auf den Bus zugehen. Dann stieg ein Mann aus. Er schien noch recht jung für einen Pfarrer und wirkte sehr locker in seiner lässigen Jeans, dem Hemd und einer modernen Brille. Dr. Hamilton und der Mann begrüßten sich herzlich. Leonie schaute zu, wie die Kinder aus dem Bus stiegen.

„Und, sollen wir nicht hingehen?“, fragte Tiffy und gab ihren Freundinnen einen leichten Stoß in die Seite.

„Wenn ihr meint“, sagte Leonie, die lieber noch ein bisschen gewartet und beobachtet hätte. Mittlerweile waren schon einige der Jugendlichen ausgestiegen. Die Freundinnen begrüßten einen Jungen mit roten, strubbeligen Haaren und zwei Mädchen in kurzen Kleidern. Weiter hinten stand ein Junge, der nicht in die Gruppe zu passen schien. Er war sehr gut gekleidet. Zu gut, wie Leonie fand! Hatte Dr. Hamilton nicht von armen Familien gesprochen? Er trug ein teures Poloshirt, eine beigefarbene Stoffhose und dunkelblaue Lederschuhe. Sein dunkelblondes Haar war mit viel Gel zurückgekämmt und auf seiner Nase prangte eine silbern verspiegelte Sonnenbrille. Nach ihm stieg ein Mädchen aus dem Bus, das ganz in Schwarz gekleidet war. Sie trug ein schwarzes T-Shirt, schwarze Jeans, schwarze Lederstiefel und hatte sich sogar die Haare schwarz gefärbt. Über ihrer Stirn hing nur eine weiße Haarsträhne. Sie trug eine Tasche über der Schulter und sah die ganze Zeit zu Boden.

Hinter ihr stiegen noch weitere Jungen und Mädchen aus dem Bus. Erst jetzt fiel Leonie auf, dass Dr. Hamilton sehr besorgt guckte. Pfarrer Richards stand fast auf den Zehenspitzen und flüsterte ihm etwas ins Ohr.

„Was ist denn da los?“, fragte Tiffy und deutet auf den Pfarrer und Dr. Hamilton. „Sieht aus, als gibt es ein Problem!“

„Der Pfarrer sieht sehr besorgt aus“, sagte Grace und wischte sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Vielleicht hat er gerade erfahren, dass alle eine Pferdeallergie haben?“, witzelte Tiffy.

„Etwa so wie du?“, lachte Leonie.

„Nee, Leute, das sieht wirklich ernst aus“, sagte Grace, während sie den Pfarrer und Dr. Hamilton genau beobachtete.

„Das liegt doch auf der Hand“, hörten sie plötzlich den Jungen mit den roten, strubbeligen Haaren sagen. „Sie ist als Einzige wieder in den Bus gestiegen und dann war das Geld weg.“

„Jetzt beruhige dich erst mal“, bat der Pfarrer den Jungen und blickte besorgt zu dem Mädchen hinüber, das ganz in Schwarz gekleidet war. Sie sah seltsam unbeteiligt in Richtung des Stalls. So als ginge sie das Ganze nichts an.

„Ich soll mich beruhigen?!“, rief der Junge aufgeregt. „Mir wurden 20 Dollar gestohlen. Das ist mein ganzes Taschengeld für die Woche. Ich habe nichts mehr! Und da steht die Diebin!“

„Aber das ist doch kein Beweis, dass Jane das Geld genommen hat, Jeremy“, sagte der Pfarrer beruhigend und blickte erneut zu dem Mädchen. Das Mädchen zog zwei Kopfhörerstöpsel aus ihrer Tasche. Dabei bemerkte Leonie die schwarz lackierten Fingernägel des Mädchens.

„Jane, kannst du mal bitte herkommen?!“, rief der Pfarrer das Mädchen und winkte sie zu sich. Scheinbar gelangweilt schlenderte sie auf den Pfarrer zu.

„Das sollten wir uns ansehen“, sagt Leonie. Gemeinsam gingen sie zu Dr. Hamilton, der ebenfalls besorgt in Richtung des Mädchens blickte.

„Was ist los, Dr. Hamilton?“, fragte Leonie.

„Es hat einen Diebstahl gegeben“, sagte Dr. Hamilton und schob sich den Hut in den Nacken. „Einer der Jungen sagt, dass man ihm Geld gestohlen hat.“

„Und er beschuldigt das Mädchen dort?“, fragte Leonie und sah in die Richtung des Mädchens.

„Ja, sieht so aus“, antwortete Dr. Hamilton nachdenklich.

„Ich glaube auch, dass Jane es geklaut hat!“, sagte plötzlich eines der Mädchen. „Sie war als Einzige noch einmal im Bus, als wir die letzte Rast gemacht haben.“

„Richtig, das habe ich auch gesehen“, stimmte ihr der Junge in dem Poloshirt zu. In diesem Moment kam es Leonie so vor, als würde Jane kurz zusammenzucken. Doch dann war sie wieder ganz kontrolliert.

„Jane“, sagte der Pfarrer und sah besorgt zu ihr. „Dass Jeremy sein Geld gestohlen wurde, ist schlimm. Wir müssen also unbedingt klären, wer das getan hat. Würdest du bitte mit Dr. Hamilton und mir ins Haus kommen? Wir müssen darüber sprechen.“