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Christian Johann

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The Project Gutenberg EBook of Leonorenlieder, by Johann Christian GüntherThis eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and withalmost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away orre-use it under the terms of the Project Gutenberg License includedwith this eBook or online at www.gutenberg.orgTitle: LeonorenliederAuthor: Johann Christian GüntherEditor: Conrad HöferRelease Date: April 15, 2014 [EBook #45404]Language: German*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LEONORENLIEDER ***Produced by Norbert H. Langkau, Norbert Müller and theOnline Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net

Leonorenlieder

von

Johann Christian Günther

Herausgegeben von Conrad Höfer

Im Insel-Verlag zu Leipzig

Goethe über Johann Christian Günther

Betrachtet man genau, was der deutschen Poesie fehlte, so war es ein Gehalt und zwar ein rationeller; an talenten war niemals Mangel. Hier gedenken wir nur Günthers, der ein Poet im vollen Sinne des Worts genannt werden darf. Ein entschiedenes Talent, begabt mit Sinnlichkeit, einbildungskraft, Gedächtnis, Gabe des Fassens und vergegenwärtigens, fruchtbar im höchsten Grade, rhythmisch bequem, geistreich, witzig und dabei vielfach unterrichtet; genug, er besaß alles, was dazu gehört, im Leben ein zweites leben durch Poesie hervorzubringen, und zwar in dem gemeinen, wirklichen Leben. Wir bewundern seine große Tüchtigkeit, in gelegenheitsgedichten alle Zustände durchs Gefühl zu erhöhen und mit passenden Gesinnungen, Bildern, historischen und fabelhaften Überlieferungen zu schmücken. Das rohe und Wilde daran gehört seiner Zeit, seiner Lebensweise und besonders seinem Charakter oder, wenn man will, seiner charakterlosigkeit. Er wußte sich nicht zu zähmen, und so zerrann ihm sein Leben wie sein Dichten.

Euch, Musen, dankt mein treu Gemüte,Wofern ich etwas gelt' und bin:Der Lorbeer eurer reichen GüteGrünt jetzt schon auf die Nachwelt hin.Ihr habt mich von Geburt umfangen,Gesäugt, geführt, geschützt, ernährtUnd, wenn mir Freund und Trost entgangen,Dem Herzen allen Gram verwehrt.
Nun mögen andre meinesgleichenAus Ehrgeiz mit nach Ungarn gehnUnd bei des Adlers SiegeszeichenGeschlecht und Stand und Glück erhöhn;Ich schmeichle keiner großen Zofe,Ich bete keinen Götzen an,Der irgend Leute von dem HofeNach Willkür ziehn und werfen kann.
Ein Lager an den grünen FlüssenErgötzt mich in gelehrter Ruh',Hier kann ich alle Not versüßen,Hier richtet niemand, was ich tu'.Hier spiel ich zwischen Luft und Bäumen,Sooft die Sonne kommt und weicht,Und ehre die in meinen Reimen,Der nichts an Treu und Schönheit gleicht.
Sprecht mehr, ihr hochmutsvollen Spötter,Ich hielte nichts von Lob und Ruhm:Mein Name dringt durch Sturm und WetterDer Ewigkeit ins Heiligtum.Ihr mögt mich rühmen oder tadeln,Es gilt mir beides einerlei:Wen wahre Lieb' und Weisheit adeln,Der ist allein vom Sterben frei.

Als er endlich sich wagte, ihr seine Liebe zu entdecken

Flammen in der Brust empfindenUnd dabei nicht Feuer schrein,Heißt die Ruten größer bindenUnd sein eigner Henker sein.Die Verhehlung der GedankenLabet keinen dürren Mund,Und die Scham verliebter KrankenMacht das Herze spät gesund.
Drum wohlan, mein Geist, entdeckeDies, was deine Sehnsucht quält,Frisch gewagt, kommt bald zum Zwecke,Den die Furchtsamkeit verfehlt.Nein, mein Herz, ach schweig und glaube,Dein Entdecken hilft dich nicht,Weil bereits die schöne TaubeEinem andern sich verspricht.
Schweig, mein Herz, und halt die PlagenDeiner Leidenschaft geheim,Lerne dein Verhängnis tragen,Koch' aus Wermut Honigseim!Hat die Schickung deinem FieberDiesen schönen Arzt versagt,Ei, so stirb doch zehnmal lieber,Eh' dein Mund die Kühnheit wagt.
Doch getrost, mein Herz, und wageNoch den allerletzten Streich!Doch getrost! Versuch' und schlageFelsen durch die Tränen weich.Kluge Schönheit! meine FunkenÜberreicht dir dieses Blatt,Das mehr nasses Salz getrunken,Als dein Mund jetzt Zucker hat.
Zürne nicht mit meiner Liebe,Die die Redlichkeit gebar,Stärke bald die reinen Triebe,Der Verzug bringt hier Gefahr.Dein Befehl soll stets mein WilleUnd dein Wink mein Leitstern sein,Schenke mir nur in der StilleDeiner Liebe Vorschmack ein.
Mein Geblüte fühlt den Zunder,Der von deiner Tugend fängt,Also nimmt es mich nicht wunder,Wenn mein Geist an deinem hängt.Merke nur des Himmels Schlüsse,Sonst erfährst du von der Reu,Daß das Honig fremder KüsseUm das Ende bitter sei.
Ach, erwäge mein Begehren!Dein Verstand ist scharf genug,Laß mich nicht die Glut verzehren,Sonst wird dich der TotenkrugMeiner Asche noch verklagenUnd mein kalter LeichensteinDir so viel zur Nachricht sagen:Lerne doch bedachtsam sein!

Sonett

Das Glücke muß fürwahr mich als sein Schoßkind liebenUnd das Verhängnis mich zu quälen müde sein,Weil du, getreues Kind, mir nach so mancher PeinDein unverfälschtes Herz zum Eigentum verschrieben.
Mein Schiff, das Wind und Meer an manchen Fels getrieben,Lauft den Vergnügungsport mit vollen Segeln ein,Und meine Hoffnung kann sich schon im Geiste freu'n,Nachdem dein freies Ja den Zweifel aufgerieben.
Versiegle nun den Bund durch einen feuchten Kuß,Bis dich des Priesters Hand mir völlig überreiche,Und glaube, daß mich selbst der Himmel strafen muß,
Wofern mein Wankelmut dein Bild in mir verstreiche.Drum liebe nur getrost; denn die BeständigkeitWirkt mir den Hochzeitrock und auch das Leichenkleid.

An seine Schöne

So wenig eine junge RebeDes Ulmbaums Hilfe missen kann,So wenig ficht der Neid mich an,Daß meine Brust dir Abschied gebe:Mein treues Herz ist ein Magnet,Der nur nach einem Pole steht,Dein Nordstern leitet meine Liebe,Ich leb' und sterbe dir getreu,Wenn gleich der Schickung TyranneiMich heute noch ins Elend triebe.
Eröffne mir das Feld der Brüste,Entschleuß die wollustschwangre Schoß,Gib mir die schönen Lenden bloß,Bis sich des Monden Neid entrüste.Die Nacht ist unsrer Lust bequem,Die Sterne schimmern angenehmUnd buhlen uns nur zum Exempel;Drum gib mir der Verliebten Kost,Ich schenke dir der Wollust MostZum Opfer in der Keuschheit Tempel.
Die Zeit kommt nimmermehr zurücke,Wenn sie schon einmal sich verkreucht,Und die Gelegenheit entweichtIn einem kurzen Augenblicke.Wer weiß, wer dich in einer FristVon vierundzwanzig Wochen küßt?Wie bald kann mich ein Stahl entleiben,Dann wird dein angenehmer Mund,Der meiner Sehnsucht offen stund,Mit andern sich die Zeit vertreiben.
Jedoch soll mich der Tod entreißen,Du aber meine Leiche sehn,So soll mir doch der Wunsch geschehn,Dir in der Gruft getreu zu heißen;Mein Blut soll dir beständig sein,Und meines Körpers LeichensteinWird diese Grabschrift nie verlieren:Hier schläft, mein Kind, dein ander Ich,Dem wenig, glaub' es sicherlich,Den Preis der Redlichkeit entführen.

An MagdalisAls er sie auf einige Zeit entbehren sollte.

Zwei Tage soll ich dich und deinen Umgang meiden,Du treue Magdalis, das geht mir bitter ein;Bringt mir die kurze Zeit so ungemeines Leiden,Wie groß, bedenk es doch, wird nicht mein Schmerzen sein,Wenn ich das Vaterland mit einer fremden ErdeAuf soviel Jahre bald einmal vertauschen werde?Doch willt du deine Gunst mir zur Gefährtin schenken,Und würdigt deine Huld mich der Beständigkeit,So glaube, daß der Trost von deinem AngedenkenDen schärfsten Wermut mir mit Zucker überstreut.Und gönne meiner Brust, daß sie dein Herz behalte,Bis mein entseelter Leib einst in der Gruft erkalte.

Als er sich seiner Abwesenden erinnerte

Küßt, ihr Seufzer, mein Vergnügen!Denn bei euch muß es beruhn,Bis es wird das Schicksal fügen,Daß es meine Lippen tunUnd zwei Seelen durch ihr DrückenRegungsvoll zusammen schicken.
Stelle dein verhaßtes Klagen,Das du so gar kühn getan,(Wirst du, andre Seele, sagen)Bei mir künftig klüger an,Wo ich dir nicht soll beizeitenDeinen Abschied zubereiten.
O, es sind des Himmels Triebe!Und von oben ist's geschehn,Daß ich dich, du Bild der Liebe,Mir zum Abgott ausersehn,Weil ich so gar seltnes WesenKann aus deinen Augen lesen.
Deine engelholden Blicke,Die bis in die Seele gehn,Sind so feste Zauberstricke,Daß du selber mußt gestehn:Wenn ich diesen könnt' entreißen,Müßt' ich billig Simson heißen.
Aber so die reinen Flammen,Welche meine Brust empfind'tUnd aus deinen Augen stammen,Dir von mir beschwerlich sind,O, so werd ich stets mit WissenDir beschwerlich fallen müssen.

An Leonoren

Du zwingst mich, wertes Kind, dir vieles vorzusagen,Du suchst in Wort und Schwur das Zeugnis meiner TreuUnd forschest, ob ich auch, wie du, beständig sei:Mein Engel, liebst du rein, so brauchst du nicht zu fragen.

Vor dem Abschied

Mein Buch, das eure Feder kennt,Mein Zimmer, das nun wüste stehet;Der Herd, der jetzund einsam brennt,Die Straße, so nach Striegau gehet;Der Abend, so den Freund erstach,Daß mir das Herze zehnmal brach:
Dies alles, sag' ich, sind fürwahrDie Friedensstörer meiner Sinnen.Ach, könnt' ich, sprech' ich, noch ein JahrVon der verfloßnen Zeit gewinnen,So höre meines Lebens Lauf,Wenn es verflossen, willig auf!
Ach, Kinder, ach! ich kann nicht mehrDie Finger vor Betrübnis rühren.Gebt meiner Bitte noch Gehör,Laßt mich die alte Regung spüren,Verändert nicht die reine Treu,Und steht mir bei dem Höchsten bei!
Johannchen denke, dieses WortGeht aus der Tiefe meines Herzens;Ach, setze deine Freundschaft fort,Entbinde mich des harten Schmerzens,Der mich um derentwillen plagt,Die mir ihr Herze zugesagt.
Ach, sorge für mein liebstes Kind;Ich weiß, sie wird es dir noch danken.So wahr mir jetzt das Auge rinnt,So wahr werd' ich und sie nicht wanken.Gedenke, sag' ich noch einmal,Der alten Lust, der neuen Qual.
Ich gründe mich auf deine GunstUnd traue deiner reinen Güte.Es ist gewiß kein falscher Dunst:Ich seh' dein redliches Gemüte,Laß mich — ach, möcht' es bald geschehn! —Von dir doch einen Trostbrief sehn.
Du, meines Herzens halber Teil,Mein Kind, mein Schatz, mein Heil, mein Leben,Wirst gleichfalls mir in aller Eil'Ein Pflaster vor die Wunde geben,Bleib fromm und redlich, halt getreu:Ein böser Tag geht auch vorbei.
Ich weiß, der Gott, dem mein GebetUm Mitternacht das Opfer bringet,Erhört, was meine Demut fleht,Die oft mit der Verzweiflung ringet.Ich weiß, daß er, hab' ich gefehlt,Die Tränen nicht vergebens zählt.

Als er sie seiner beständigen Treue versicherte

Weine nicht, mein Kind, ich bleibeDir bis in den Tod getreu.Glaube, was ich denk' und schreibe,Ist und heißt stets einerlei,Weil die Redlichkeit zum LiebenMir Gesetze vorgeschrieben.
Gott und Himmel können zeugen,Daß ich dir beständig bin;Eher wird die Wahrheit schweigen,Als mein falsch- und leichter SinnDas geknüpfte Band zerreißenUnd des Meineids schuldig heißen.
Laß die Wetter unterdessenÜber unsrer Unschuld stehn!Mußt du bittre Mandeln essenUnd vor jetzt auf Dornen gehn,So bedenke, das VergnügenWird uns einst zusammenfügen.
Warte mit Geduld der FreudeUnd der ungemeinen Lust,Welche du mit diesem LeideDir zuvor verdienen mußt;Endlich werden deine TränenUns den Weg zur Wollust bähnen.
Jetzo geb' ich deinem KusseEine kurze gute NachtUnd gehorche diesem Schlusse,Welchen das Verhängnis macht;Doch will ich in wenig TagenDir die Ankunft wieder sagen.
Lebe wohl! die Zunge stammelt,Und der Augen nasses Heer,Das die Wehmut schon versammelt,Macht so Hand als Feder schwerUnd verbietet meinem Willen,Diesen Bogen anzufüllen.

An die Freundin der Geliebten

Die Liebe weckt an diesem MorgenDen Kummer der verliebten SorgenMit mir gar zeitig wieder auf,Die Seufzer wachen in dem Munde,Die Tränen suchen aus dem GrundeDes Herzens ihren alten Lauf.
Die Schmiedin meiner süßen KetteZieht meine Faulheit aus dem Bette,In welchem sie der Schlaf noch wiegt.Ihr Auge schläft, ich aber weine,Die Einsamkeit sitzt auf dem Steine,Der mir an meinem Herzen liegt.
Ach, denk' ich, bringt dies nahe ScheidenVon ihrer Brust ein solches Leiden,Da nur ein Zimmer uns zertrennt:Wer wird doch meine Wunden heilen,Wenn Land und Luft uns einmal teilenUnd Schweidnitz mir kein Brot mehr gönnt?
Die Zähren mühn sich, meine KlagenMit stummer Sprache nachzusagen,Allein die Angst vertrocknet sie:Ach! wem vertrau' ich diesen Jammer?Der freien Luft? der tauben Kammer?Ach, beides ist vergebne Müh!
Die Redlichkeit von deinem Herzen,Getreues Kind, weicht meinen Schmerzen,Die Heimlichkeit der schweren Not: