Letzter Schmerz, letzte Gedanken - Andrea Keller - E-Book

Letzter Schmerz, letzte Gedanken E-Book

Andrea Keller

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Beschreibung

Ein letztes Mal noch den Knopf drücken, der die Flammen in den Krematoriumsöfen entfacht und die Särge einfahren lässt – dann wartet der Ruhestand auf Res. Doch die "Schreie" der kürzlich Verstorbenen werden ihn auch nach dem Ende seines Arbeitslebens nicht loslassen. So folgt er den Signalen, die er glaubt, über elektrische Hirnströme in den letzten Sekunden vor dem Verbrennen von den Leichen empfangen zu haben. Dabei gerät er selbst ins Visier der Staatsanwaltschaft und ins Netz von Familiengeheimnissen hochangesehener Schweizer Familien. Während er nach und nach versucht, seine Gabe zum eigenen Vorteil zu nutzen, ist der inzwischen trockene Alkoholiker mit den Scherben seiner eigenen Familiengeschichte konfrontiert.

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Seitenzahl: 250

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2025 novum publishing gmbh

Rathausgasse 73, A-7311 Neckenmarkt

[email protected]

ISBN Printausgabe: 978-3-99130-882-9

ISBN e-book: 978-3-99130-883-6

Lektorat: CB

Umschlagabbildungen: Yuliya Rudzko | Dreamstime.com; Andrea Keller

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

www.novumverlag.com

Kapitel 1

Langsam schlurfte Res an den vier Krematoriumsöfen und den aufgebockten Särgen entlang zu den Schaltern, mit deren Umlegen er die Feuer in den Öfen entzünden und die Särge einfahren lassen konnte. Es handelte sich bei allen toten Personen um Covid19-Opfer, die nach ihrem Ableben unmittelbar ins Krematorium gebracht wurden, um dort ihre letzte Reise zu beenden. Res hatte es schon lange aufgegeben, von „Leichen“ oder „sterblichen Überresten“ zu sprechen: Zu unpersönlich erschien ihm die Verwendung dieser Worte angesichts dessen, was seines Wissens gleich wieder passieren würde. In den vielen Jahren, während derer er im Krematorium arbeitete, hatte er erfahren, dass die Toten noch immer ihre Persönlichkeit hatten, und er begegnete ihnen deshalb mit Respekt. Kannte er den Namen der Toten, so sprach er nur unter ihrem Namen von ihnen oder sonst ganz allgemein von den „Verstorbenen“. Seine Erfahrungen mit dem Bedienen der Krematoriumsöfen hatten ihn zu dieser Haltung gebracht.

Er war froh, dass dies seine letzte Kremation war, denn ab morgen würde er pensioniert sein Leben als Rentner weiterführen. So legte er die Schalter einen nach dem anderen um; die Feuer entzündeten sich und die Särge fuhren in die Öfen ein. Ein letztes Mal empfand Res die Schreie: Effektiv lautlos zwar, doch er spürte für einen kurzen Moment den Schmerz ganz deutlich, den die Verstorbenen offenbar empfanden, und es schien ihm wie immer, als ob sie diesen Schmerz mit einem echten, letzten Schmerzensschrei zum Ausdruck bringen würden. Die toten Personen waren erst vor wenigen Stunden für „hirntot“ erklärt worden. Eine Aufbahrung und ein letztes Betrachten durch die trauernden Angehörigen als Abschied und als Totenwache waren wegen Covid nicht möglich. Die rasche Kremation war behördlich verordnet, um Ansteckungen zu vermeiden, und die Ärzte und Spitäler hielten sich strikt daran. Wären diese Körper, wie die meisten vor der Covid-Pandemie, aufgebahrt worden und deshalb für ein bis zwei Tage nach ihrem Tod in Ruhe in ihren Särgen gelegen, so würde er diese physisch fühlbaren, aber stummen Schreie nicht empfinden. Aber so gab es diesen kurzen Moment, bei dem das Feuer im Ofen bereits entzündet war, die Särge in die Hitze des Feuers einfuhren und, bevor die Klappen sich automatisch schlossen, von den toten Körpern dieser von Res heftig empfundene Schmerz ausging, der ihm wie ein stiller Schrei vorkam. Mit den vor vier Jahren neu eingebauten Öfen hatte er dies allerdings kaum mehr erlebt, da die meisten Angehörigen ihre Liebsten aufgebahrt nochmals sehen wollten oder auch weil er die vor weniger als zwölf Stunden Verstorbenen jeweils im letzten und von den Schaltern am weitesten entfernten Ofen kremierte und dank dem zügigen Schließen der Ofentüre den Schmerz nicht mehr spüren konnte. Nun aber, mit der Covid-Pandemie, gab es viele Todesfälle und die Kremationen mussten schnell nach der Feststellung des Todes erfolgen.

***

Res hatte seine Stelle im Friedhof und bei den Kremationsöfen nach seinem durch übermäßigen Alkoholgenuss erfolgten Absturz angetreten. Ein ehemaliger Vorgesetzter im Militärdienst hatte ihm die Stelle vermittelt, gleichsam als Rettungsanker und mit der Auflage, dass er sich weiterhin vom Alkohol fernhalten müsse. Er war damals gerade erst durch eine Entziehungskur gegangen und hatte sich einer Gruppe von Anonymen Alkoholikern angeschlossen, mit denen er sich wöchentlich einmal traf. In der Tat war es ihm geglückt, in den letzten Jahrzehnten „trocken“ zu bleiben und diese Stelle zu behalten. Schon bald nach Antritt der Stelle aber hatte er gemerkt, wo der Haken bei dieser Arbeit war. Es gab mehrere Vorgänger, die es jeweils kaum länger als sechs Monate ausgehalten hatten, den damaligen Krematoriumsofen zu bedienen. Auch er empfand die Situation beim Entzünden des Feuers im Ofen manchmal als belastend; nicht immer zwar, doch bei einzelnen Fällen ganz deutlich, und zwar immer kurz nach dem Umlegen des Schalters, mit dem das Feuer elektrisch entzündet wurde und sofort eine hohe Hitze entwickelte. Dieses Unbehagen hätte ihn beinahe wieder in den Alkohol getrieben. Anders als seine Vorgänger in dieser Stelle glaubte er aber, angesichts seiner Vorgeschichte kaum eine Alternative für eine andere Anstellung zu haben, hatte er sich doch vorher vergeblich für mehrere Stellen beworben. In seiner Runde der Anonymen Alkoholiker gab es einmal eine Frau, die ihn mit der Frage, wieso er sich denn manchmal so unwohl fühle, darauf gebracht hatte, auf die Umstände bei der Betätigung des Schalters zu achten. Er hatte schon bald das Gefühl, es müsse mit den toten Personen zusammenhängen, denen er dann seine Aufmerksamkeit schenkte. Dabei fiel ihm auf, dass er bei der Kremation der in der Totenhalle aufgebahrten und von den Angehörigen besuchten Verstorbenen nie dieses schreckliche Empfinden hatte. Dieses Gefühl traf ihn nur bei den Personen, die erst vor wenigen Stunden gestorben waren und aus irgendwelchen Gründen meist noch am selben Tag zur Kremation gebracht wurden. Im Zusammenhang mit der Diskussion um Organspenden hatte er erfahren, dass die Ärzte eine Entnahme von Organen von Verstorbenen immer unter Vollnarkose durchführten. Die Organspender gelten dabei nicht als leblose Leichname, sondern als hirntote Personen mit lebendigen Körpern. Beim Lesen dieser Ausführungen in der Zeitung fühlte sich Res in seinen bereits seit Langem so empfundenen und sich zurechtgelegten Ansichten bestätigt: Die von ihm verbrannten Körper waren immer Personen, zwar tot, aber nicht einfach vollständig leblose Dinge. Die erst vor wenigen Stunden Verstorbenen wurden zwar als hirntot erkannt, was nach seiner Ansicht bedeutete, dass eine längerfristige Wiederbelebung des Hirns und damit eine Fortsetzung des Lebens nicht mehr möglich war. Res legte sich aber als Erklärung für sein Empfinden zurecht, dass die beim Zünden des Krematoriumofens verwendete Elektrizität und die sofort entstehende hohe Hitze ein letztes Mal einen Stromstoß durch die Nervenbahnen schickten, der auch das Hirn erreichte. Dies schien bei den während zwei Tagen aufgebahrten Verstorbenen nicht mehr möglich zu sein, da deren Nerven und Hirn in der Verwesung bereits so weit waren, dass kein Effekt mehr eintrat.

Sofern aber die Nerven im Körper durch die Hitze angeregt wurden, schien auch das Hirn dadurch für einen kurzen Moment nochmals eine minimale Aktivität zu entfalten, Schmerz zu empfinden und dabei gleichzeitig einen letzten Gedanken zu aktivieren. Ob es sich dabei um einen letzten bewussten Gedanken handelte oder einfach der letzte beim Erlöschen der Hirnaktivität vorhandene Gedanke des Verstorbenen nochmals elektrisch zum Ausdruck kam, konnte er nicht deuten. Beim alten Kremationsofen, den er vor der Erneuerung viele Jahre lang bedient hatte, empfanden wohl nicht nur Res, sondern auch seine Vorgänger diese „Übertragung“ des Schmerzes deutlich. Der Schalter zum Zünden lag direkt neben diesem Ofen und bei dessen Abbau vor vier Jahren hatte sich gezeigt, dass die Schamottsteine gerade neben dem Schalter eine Öffnung ließen, über die ein vermutlich elektrischer „Kontakt“ entstehen konnte.

Im Laufe der Zeit entwickelte Res eine sich verstärkende Sensitivität für diesen letzten Augenblick der Verstorbenen. Nebst dem Schmerzensschrei fühlte er häufig eine Art Erstaunen und Aufbegehren, das sich eventuell gegen das Sterben an sich wendete oder aber auch ein bewusstes Erfassen der Tatsache darstellen könnte, im „Fegefeuer“ gelandet zu sein. Mit seiner zunehmenden Konzentration auf diese Schreie tauchte im Kopf von Res auch häufiger eine Art Bilder auf, die auf Geschehnisse im Leben der Verstorbenen hindeuteten und dort eine Rolle gespielt haben könnten.

Wenige Monate vor dem Abbau des alten Krematoriumofens formten sich bei Res in zwei Fällen sehr deutliche Bilder von zwei Verstorbenen. Eines der Bilder stammte von einem Mann, der ein lebloses Kind über eine Wiese in ein Tobel hineinwarf, und das zweite Bild von einer Frau mit einem Neugeborenen. Beide schrien lautlos ihren Schmerz hinaus, doch begleiteten den Schmerz je ein Bild und ein Empfinden, eine gerechte Strafe zu erleiden, sei es durch den etwas frühen Tod beim Sterben oder durch den durch die Hitze bedingten Schmerz. Diese beiden „Bilder“ gingen Res seither nie mehr aus dem Kopf. Nach den beiden Kremationen hatte er an beiden Abdankungen in der Kapelle und der Beisetzung der Urnen teilgenommen und konnte sich noch gut an viele der dabei geschilderten Lebensumstände der Verstorbenen erinnern.

Res entwickelte aus seiner Erfahrung heraus seine eigene Theorie über diese seltsame Beobachtung und seine Wahrnehmung beim Zünden der Kremationen und die Reaktion der Verstorbenen. Zur Feststellung des Hirntodes werden die elektrischen Hirnströme gemessen und bei deren Fehlen der Tod festgestellt. Res stellte sich vor, dass die elektrischen Ströme auch bei lebenden Menschen nicht im Gehirn allein verbleiben würden, sondern sich wie Radiosignale verbreiten könnten. Wenn dann das Hirn eines anderen Menschen gleichsam auf einer ähnlichen „Frequenz“ arbeiten würde, könnte eine Übertragung von Gedanken stattfinden, die zwar nicht in Sprache gefasst als Aussage empfangen, sondern einfach als „erkennendes Gefühl“ übermittelt würden. Er hatte den Eindruck, dass er durch die Konzentration auf die „Schreie“ oder die Schmerzen der vor wenigen Stunden Verstorbenen und im Kremationsofen verbrannten Personen sich selbst immer stärker zum empfindsamen Empfänger von solch elektrisch verbreiteten Signalen entwickelte. Dabei schien es ihm, dass sich dies nicht nur im Krematorium, sondern zunehmend auch im täglichen Leben bemerkbar machte. Es waren nie konkrete Gedanken, sondern eher eine Art „Wissen“ oder ein „Bild“, das einem Gefühl entsprang und sich dahingehend äußerte, dass er häufig eine Antwort auf eine Frage oder eine Bemerkung zu erkennen glaubte, bevor der angesprochene Gesprächspartner zu sprechen anfing. Für Res erschloss sich mit seiner Theorie auch, wieso gewisse Personen meinten, der Tod eines nahen Angehörigen sei ihnen „gekündet“ worden. Ähnlich auch seine Erklärung für die „Liebe auf den ersten Blick“: Bei beiden betroffenen Personen könnten sich Hirnströme austauschen oder bemerkbar machen, die gleichzeitig Begehren und Bereitschaft anzeigen und damit ein Gefühl gegenseitiger Anziehung vermitteln. Zwischen langjährigen Partnern oder Freunden reicht häufig ein schneller Blick, um einen nonverbalen Gedanken auszutauschen und Übereinstimmung zu vermitteln, wobei Res dies nicht bloß dem ausgetauschten Blick, sondern den damit verbundenen Hirnströmen zuschrieb.

Seine Vorstellung bezüglich dieser Vorgänge wurde durch Ereignisse beim Ableben seiner Mutter bestärkt. Sie wurde zwar recht alt, doch zunehmend kränklich und musste schließlich mit einem Schenkelhalsbruch ins Spital. Nicht lange nach der Einlieferung wurde er vom Spital an einem Freitagabend angerufen mit dem Hinweis, er solle doch nach Möglichkeit vorbeikommen, was er auch sofort unternahm. Beim Eintreffen erläuterte ihm eine junge Ärztin, dass ihr vorgesetzter Arzt bemerkt habe, seine Mutter sei am Sterben. Res hatte allerdings den Eindruck, sie liege friedlich im Bett und schlafe, doch erläuterte ihm die Ärztin, dass ihr erfahrener Vorgesetzter es „rieche“, wenn jemand im Sterben liege, und damit könne er immer eine frühe Voraussage des bevorstehenden Todes machen. Seine Voraussagen seien dabei überaus zutreffend.

Res verbrachte die Nacht neben seiner Mutter, sitzend und zeitweise dösend. Seine Mutter wachte nicht mehr auf und am Morgen hielt er ihre Hand, bis um etwa zehn Uhr der leitende Arzt kam, der angeblich den bevorstehenden Tod „riechen“ konnte. Er legte Res die Hand auf die Schulter und bemerkte, es tue ihm leid, doch seine Mutter habe keine Schmerzen. Er möge sich doch kurz für einen Moment von seiner Mutter verabschieden und in der Cafeteria einen Kaffee trinken, es falle dann seiner Mutter leichter, loszulassen. Er käme in einer Stunde nochmals vorbei, um nach seiner Mutter zu sehen, und hoffe, ihn dann zu sehen. Damit verließ er das Zimmer. Res fasste die Hand seiner Mutter und sagte ihr laut, er werde nun einen Kaffee trinken gehen und etwas essen, komme aber in einer Dreiviertelstunde zurück. Es schien ihm, als ob ihr bisher leicht verkniffener Mund sich etwas löste und sie irgendwie befreit lächelte, ohne dass er dies konkret hätte beschreiben können.

Als er nach einem leichten Frühstück zurück ins Zimmer kam, war die junge Ärztin anwesend und teilte ihm mit, dass seine Mutter vor einer Viertelstunde friedlich gestorben sei. Ihr Vorgesetzter kam kurz danach ebenfalls dazu, fasste die Hand seiner Mutter, fühlte nach dem Puls und legte ihre Hand sanft wieder auf das Bett und sprach Res sein Beileid aus.

Res schaute den Arzt fragend an: „Sie haben den bevorstehenden Tod meiner Mutter gerochen? Ich rieche nichts.“

„Ich weiß, das ist meistens so. Für mich ist es ein ‚Riechen‘, doch sonst empfindet dies niemand so und vielleicht ist es einfach ein Empfinden, das ich als ‚Riechen‘ bezeichne, weil es mir so von den Sterbenden nonverbal mitgeteilt wird, wenn sie in die Sterbephase eintreten.“

Für Res deckte sich diese Erklärung mit seiner Erfahrung im Krematorium, dass es eine Kommunikation zwischen Hirnströmen von Menschen geben konnte.

In jüngster Zeit schien er eine weitere Bestätigung für seine Überlegung zu erhalten, las er doch von Versuchen an amerikanischen Universitäten mit Elektrokortikografie, bei denen mithilfe von Elektroden elektrische Signale aus dem Hirn empfangen wurden, um damit eine Kommunikation mit Menschen zu ermöglichen, die nach einem Hirnschlag nicht mehr sprechen konnten.

***

Schon vor der Pensionierung hatte Res begonnen, im Zürcher Oberland zu wandern und dabei nach dem Ort zu suchen, der ihm als Bild von einem der Letzten im alten Kremationsofen kurz nach seinem Tod verbrannten Mann im Gedächtnis haften blieb: eine Straße mit einem kurzen Abstand zu einem bewaldeten Tobel, dessen oberer Rand von Büschen und Bäumen gesäumt war, zwischen denen der Mann das Kind ins Tobel hinunterwarf. Es war ein Bild, das ihm wie ein Blitz erschienen war und haften blieb. Dass dieser Ort sich vermutlich im Zürcher Oberland befinden musste, hatte er dem bei der Abdankung dieses Mannes verlesenen Lebenslauf entnommen, der im Zürcher Oberland geboren worden war, dort aufwuchs und nach dem Studium in Zürich nach Basel kam und sich als Manager sehr bewährt hatte. Er war dabei offenbar bedeutend genug, dass auch eine kurze Würdigung in der Zeitung publiziert wurde. Allerdings fiel die Anzahl der Besucher der Abdankung eher spärlich aus: eine kleine Familie mit zwei Mädchen, circa fünf Männer in etwa im Alter des Verstorbenen, die alle ein dreifarbiges Band über der Brust trugen und von denen einer ganz kurz erwähnte, der Verstorbene sei ein geschätzter Freund und Mitglied einer Studentenverbindung gewesen.

So suchte Res schon seit ein paar Jahren auf Wanderungen im Zürcher Oberland nach der Stelle, die ihm so eindrücklich übermittelt und im Gedächtnis haften geblieben war. Er hatte sich eine Karte des Gebietes verschafft und nach den ersten Wanderungen auf Klarsichtfolien alle seine Wanderungen über der Karte nachgezeichnet. Jede Folie war datiert, sodass er seine Wanderungen nachvollziehen konnte. Er hatte eine erhebliche Anzahl von Folien und kannte alle Wanderwege und Straßen des Gebietes. Dabei führte sein Weg immer wieder über eine Straße in Richtung Sternenberg, bei der er den Eindruck hatte, dass sie dem Ort entsprach, den er als Bild so deutlich im Kopf hatte. Er verspürte eine Verpflichtung dem von ihm kremierten Verstorbenen gegenüber, dass er diesem übermittelten Bild nachgehen und für Aufklärung sorgen müsste.

***

Vor dem Eingang zu dem für die Gegend im Zürcher Oberland zuständigen Polizeiposten zögerte Res noch kurz: Was sollte er sagen und wie die Polizisten dazu animieren, seinem ihm selber als kaum logisch erscheinenden Anliegen nachzugehen? Zu sagen, dass ihm ein Verstorbener im Krematorium durch Hirnströme eine Nachricht hinterlassen habe, dürfte wohl nur zur Reaktion führen, dass er als Verrückter behandelt und abgewimmelt würde. Er würde ein anderes Narrativ wählen müssen.

Am Schalter empfing ihn ein wohl etwa 50 Jahre alter Polizist, der einen freundlichen Eindruck machte, was Res ermutigte, seine Geschichte vorzutragen.

„Ich wandere seit einigen Jahren im Zürcher Oberland und habe dabei einmal etwas gesehen, was mir keine Ruhe lässt. Auf einem bloß selten befahrenen Sträßchen musste ich pinkeln, ging an den neben der Straße gelegenen Waldrand und stand neben zwei Büschen und erleichterte mich in das Tobel hinunter. Dabei sah ich etwas unten liegen, das wie eine Tasche oder eine Jacke aussah. Ich konnte nicht erkennen, was es war, doch hatte ich den Eindruck, es sei nicht bloß Abfall. Ich habe damals nicht groß nachgedacht und es deshalb nicht gemeldet, es schien mir zu unwesentlich, doch über die Zeit hinweg lässt es mich nicht mehr los und ich wollte nun doch einmal vorbeikommen und es melden. Man sieht leider nichts mehr, es scheint in den Abhang darunter gerutscht zu sein und man müsste sich wohl abseilen, um herauszufinden, was es ist.“

Der freundliche Polizist hatte aufmerksam zugehört und fragte dann: „Und was sollen wir Ihrer Meinung nach tun?“

Res wusste darauf im Grunde keine rechte Antwort und meinte etwas lahm: „Vielleicht kennen Sie jemanden, der sich dort abseilen und nachschauen könnte?“

In diesem Moment kam aus dem hinteren Raum ein jüngerer Polizist dazu, dem sich der Ältere zuwandte und mit einem Lächeln die Ausführungen von Res wiedergab.

„Du bist doch ein Hobby-Baumpfleger, kletterst in alle Bäume hinauf und hinunter, um sie zu schneiden, das wäre doch eine Aufgabe für dich, dort einmal nachzuschauen.“

„Wo ist es denn?“, kam die prompte Antwort.

Res nahm seine präparierte Folie und seine Wanderkarte und zeigte den Ort, von dem er annahm, der Tote habe ihm den Hinweis gegeben.

„Da verläuft wirklich ein tiefes Tobel neben der Straße, das praktisch nicht begehbar ist, auch von unten nicht. Dort wird auch kein Holz geschlagen. Es ist ein recht kurzes Tobel und wo der kleine Bach aus dem Tobel austritt, ist ein kleiner gestauter Weiher, der als Wasserreservoir für den Betrieb einer Sägemühle weiter unten gedient hat, gleichzeitig aber den Zugang zum Tobel zusätzlich versperrt. Die Sagi ist seit vielen Jahren nicht mehr in Betrieb und der Weiher wohl etwas versumpft. Ich fürchte, man wird im Tobel viel unerlaubt entsorgten Abfall finden.“

Res erwähnte darauf im weiteren Gespräch nochmals, er hatte nicht den Eindruck, dass es damals Abfall gewesen sei, da bei seinem damaligen Pinkeln in der Gegend noch keine Abfallgebühren erhoben worden seien und deshalb unerlaubtes Entsorgen weniger eine Rolle gespielt haben dürfte. Vielmehr hätte er sich in der Zwischenzeit begonnen einzubilden, es könnte sich um eine vermisste Person gehandelt haben, die dort eventuell gar ebenfalls beim Pinkeln abgestürzt sein könnte.

Res hatte einmal mehr den Eindruck, dass eine nonverbale Kommunikation dazu führte, dass ihm beide Polizisten nicht bloß zuhörten, sondern seine Geschichte und Vermutung plausibel fanden. Jedenfalls nahm der jüngere Polizist eine Karte zur Hand und markierte darin den Ort, den Res ihm als Fundstelle bezeichnet hatte.

***

Es war ein strahlend schöner Samstagmorgen, als sich die beiden Polizisten mit einem weiteren Bekannten an dem von Res bezeichneten Ort einfanden. Stefan, der jüngere Polizist, und Markus, sein Freund und häufiger Begleiter bei seiner Nebentätigkeit als Baumpfleger, sahen es als ein spezielles Unterfangen, sich einmal in dieses tiefe Tobel abzuseilen, das von keinem Menschen begangen werden konnte und somit ein kleines Stück Urwald in einer sonst dicht besiedelten und vielfältig genutzten Gegend darstellte. Die Erzählungen von Res gaben dazu den Anstoß, doch erwarteten die Polizisten, höchstens Abfall zu finden. Die Teilnahme von Arnold, dem Postenchef, gab dem Vorhaben einen gleichsam offiziellen Anstrich, wobei Arnold es als einen fröhlichen Ausflug mit Kollegen empfand, denen er einmal beim Abseilen zusehen wollte, ohne aber selbst ins Tobel absteigen zu wollen.

Stefan und Markus verankerten an einem starken Baum in der Nähe des von Res beschriebenen Ortes ihre Seile: ein Leitseil für den Ab- und wieder Aufstieg sowie ein Sicherungsseil. Gemäß der Karte bestimmten sie die Länge des Seiles, wollten sie doch beide den Grund des Tobels erreichen und sich umsehen. Arnold sollte zur Sicherheit oben bleiben, wobei sie aber ohnehin erwarteten, wie bei ihren Aufstiegen in die Bäume mit der dabei verwendeten Vorrichtung wieder aufsteigen zu können. Sie hatten aber auch wie üblich bei ihrer Arbeit ein Funksprechgerät dabei, für alle Fälle.

Stefan seilte sich als Erster ab und nach circa sieben Metern erreichte er eine Kante, von der aus es senkrecht nach unten ging und er deshalb von oben nicht mehr gesehen werden konnte.

Kurz nachdem er entschwunden war, knackte es im Funkgerät. Man hörte Stefan schwer atmen und dann gedrückt: „Hier liegt eine Leiche. Es scheint ein Kind gewesen zu sein, schon verwest, die Jacke aus Kunststoff, noch recht gut erhalten. Ich komme hoch.“

Arnold und Markus sahen sich sprachlos an und warteten gespannt auf Stefan, der in einem raschen Tempo aufstieg, schwer atmend zunächst kaum sprechen konnte, sich rasch aus den Seilen befreite und dann erst berichtete.

„Es geht nach der Kante circa vier Meter senkrecht abwärts, dann kommt ein Absatz mit zwei Bäumen und dort liegt eine Leiche, verwest, die Jacke aber noch gut erkennbar, dürfte aus einem wetterfesten Material sein. Wir brauchen Hilfe.“

Arnold fasste sich zuerst. „Dann ruf ich die Feuerwehr, die ist dafür ausgerüstet.“

Nach dem Anruf bei der Feuerwehr und deren Zusicherung, mit einem Team und der notwendigen Ausrüstung für eine Rettung zu kommen, standen die drei wartend vor dem Abhang, die Seile noch immer bereit für einen weiteren Abstieg, zu dem ihnen aber die Lust vergangen war. Sie rauchten und werweißten, wer diese Person sein könnte und was mit ihr wohl geschehen ist. Die Zeit verging dabei quälend langsam, bis endlich die Feuerwehr mit zwei Autos eintraf, und es schien dabei auch nach deren Eintreffen eine halbe Ewigkeit zu dauern, bis die notwendige Ausrüstung installiert und der Arm eines kleinen Krans in Position gebracht war, um die Bahre mit der Leiche nach der Bergung hochzuheben. Diese Bahre wurde dann in einen Krankenwagen verfrachtet und direkt in die Gerichtsmedizin gebracht. Der Einsatzleiter der Feuerwehr bat Stefan als Polizisten darum, in der Umgebung und vor allem am Fuße des Tobels noch nach weiteren möglichen Spuren oder Besitztümern der geborgenen Person zu suchen. Dabei sollte er natürlich alle gefundenen Gegenstände am Ort fotografieren und an die Staatsanwaltschaft übergeben. Stefan und Markus nahmen diese Aufgabe wahr, stiegen ab, fanden aber keine weiteren Gegenstände und wider Erwarten auch keinen widerrechtlich entsorgten Müll.

***

Der nach ein paar Tagen vorliegende Bericht der Gerichtsmedizin über die im Zürcher Oberland in einem steilen Tobel gefundene Leiche war in gewisser Beziehung eindeutig, ließ aber gleichzeitig viele Fragen offen. In der wetterfesten Jacke fand sich ein etwas verwaschenes Abonnement mit dem noch erkennbaren Namen. Es handelte sich um ein damals 12-jähriges Mädchen, das vor acht Jahren in Basel verschwunden war und seither auf der Vermisstenliste stand und zu dem keine Angaben gemacht werden konnten. Die Todesursache konnte nicht mehr festgestellt werden, da die Leiche zu stark in Verwesung übergegangen war. Es gab keinerlei Hinweise, wie der Körper in dieses Tobel gebracht worden war. Da die gefundene Leiche identifiziert werden konnte und es sich um ein Mädchen aus Basel handelte, das zuletzt an seinem Wohnort gesehen worden war, wurde der Fall der Basler Staatsanwaltschaft zur Bearbeitung übertragen. Holger Tottleben, der erfahrenste und erfolgreichste Staatsanwalt in Basel, wurde mit den weiteren Abklärungen betraut und er studierte den Bericht, der aber außer dem Namen der gefundenen Person keinerlei Hinweise gab. Als Erstes musste er nun die Angehörigen informieren, was er als die zunächst einzig konkrete und dabei nahezu schwerste Aufgabe empfand. Er hatte keinerlei Anhaltspunkte, welche Nachforschungen ihm die Aufklärung dieses Verbrechens ermöglichen könnten. Somit konnte er den Angehörigen auch nichts weiter als eine Leiche und damit die Gewissheit des Todes ihres Kindes vermitteln. Aus früheren Nachforschungen zu vermissten Personen wusste er allerdings, dass die Möglichkeit einer Beerdigung die Angehörigen zunächst zwar in eine starke Trauer versetzte, danach aber ein Abschluss möglich wurde, was von den Angehörigen häufig als besser empfunden wurde als die verbleibende Ungewissheit.

Nach der persönlichen Benachrichtigung der Angehörigen durch Holger Tottleben und der Freigabe der Leiche durch die Gerichtsmedizin kam es zu einer würdigen Totenfeier in einer der Kapellen im Friedhof Hörnli in Basel. Auf Empfehlung des Gerichtsmediziners angesichts der Verwesung verzichteten die Angehörigen darauf, ihr totes Kind nochmals zu sehen, sondern beschränkten sich darauf, den Sarg geschlossen ins Grab zu geben.

Nach der Feier bat der Vater des Mädchens mit tränenerstickter Stimme Holger Tottleben, alles zu unternehmen, um den Fall aufzuklären. Der Vater ging ebenso wie der Staatsanwalt davon aus, es müsse sich um ein Gewaltverbrechen, vermutlich verbunden mit sexueller Gewalt, gehandelt haben. Ein Versprechen, dass er den Täter fassen würde, konnte und wollte Holger Tottleben nicht abgeben. Dass er alles machen würde, was zur Aufklärung führen könnte, konnte er den trauernden Angehörigen jedoch versichern.

***

Holger Tottleben besuchte als Erstes den Polizeiposten, von dem die ganze Aktion ausgegangen war. Der Postenchef und sein Kollege gaben Auskunft und erzählten von dem unerwarteten Besuch eines mit Basler Akzent sprechenden, älteren Herrn und seiner Ausführung, er habe beim Pinkeln unterhalb am Hang etwas gesehen. Sie konnten beide kaum erklären, wieso sie dieser doch etwas merkwürdigen Geschichte geglaubt hätten, zumal nach deren Aussage beim ersten Blick vom Waldrand ins Tobel hinunter nichts zu sehen gewesen sei. Dennoch sei Stefan hinuntergestiegen und habe die Leiche dann gefunden. Die Geschichte sei zwar unglaubwürdig erschienen, doch habe der Mann ernsthaft und glaubhaft gewirkt. Er habe sich zwar vorgestellt, doch sei im weiteren Verlauf des Gespräches nur der Vorname „Res“ verwendet worden und so genau konnten sich die beiden an den Nachnamen nicht erinnern. Er habe aber erwähnt, er sei erst kürzlich pensioniert worden, und müsste somit etwas über 65 Jahre alt sein. Er habe auch erzählt, dass er – obwohl Basler – häufig im Zürcher Oberland wandern gehe, und das seit vielen Jahren an Wochenenden mit Aussicht auf schönes Wetter. Er dürfte somit in der Gegend auch häufig übernachtet haben und es müssten wohl bei den Hotels Angaben erfragt werden können. Von einem Verbrechen oder einem bloßen Unfall sei keine Rede gewesen und sie hätten der Sache auch nicht zu viel Gewicht beigemessen, jedenfalls nicht die Notwendigkeit gesehen, eine formelle Anzeige aufzunehmen und den Namen des Mannes festzuhalten.

Mit dem Auffinden der Leiche bekam die Geschichte eine ganz andere Wendung und Holger Tottleben bat die beiden Polizisten, bei den Hotels im Zürcher Oberland nachzufragen und nach dem Namen und der Adresse des Mannes zu fahnden.

Mit Stefan, dem jüngeren Polizisten, fuhr er danach zum Fundort und ließ sich vor Ort den Hergang des Auffindens schildern. Er trat zwischen die Büsche, rechts davon der starke Baum, an dem Stefan die Seile befestigt hatte, und blickte hinunter. Es ging etwa sieben Meter steil einen Abhang hinunter in die Tiefe, danach eine Kante, nach der es nicht einsehbar senkrecht abwärtsging zum Absatz, auf dem am Rande zwei Bäume standen, deren Spitzen man noch sah und die den Fall des Körpers aufgehalten hatten und an deren Fuß er dann die letzten Jahre gelegen war.

Es schien Holger Tottleben unmöglich, dass man etwas habe sehen können: Der Körper war unterhalb der Kante und damit unsichtbar. Oberhalb war es so steil, dass der Körper einfach abgerutscht sein dürfte und nichts ihn hätte aufhalten können. Wie konnte der Mann somit beim Pinkeln vor etwa fünf Jahren etwas gesehen haben?

Schon am folgenden Tag bekam Holger Tottleben den Anruf vom Polizeiposten. Ein älterer Herr habe sich an besagtem Tag der Meldung in einem Hotel in der Nähe mit dem Vornamen „Andreas, Nachname Scherr, aus Basel“ eingetragen. Er bat den Postenchef, den Mann anzurufen und abzuklären, ob es sich in der Tat um den gesuchten Informanten handelte, und ihm das Resultat dann umgehend zu melden.

***

Res sah ausgehängt am Kiosk die Schlagzeile des „Blick“: „Vermisstes Mädchen nach acht Jahren tot aufgefunden“. Er kaufte diese Zeitung und las den Bericht vom sensationellen Fund in einem Tobel im Zürcher Oberland. Der Bericht war reißerisch aufgemacht und es wurde vor allem betont, dass das Mädchen als Leiche mit starker Verwesung aufgefunden worden sei, wobei die Regenjacke teilweise die Verwesung etwas aufgehalten habe. Als einzige Bilder wurden die beiden von Res informierten Polizisten abgebildet, die die Leiche gefunden hätten. Es wurde von der Bergung durch die Feuerwehr und der Grablegung berichtet, beides ohne Bilder, und dann darüber spekuliert, was wohl geschehen sein könnte. Von der Polizei seien keine Angaben gemacht worden, ob und welche Spuren gesichert worden seien, die zur Überführung des Täters führen könnten. Die Angehörigen hätten es abgelehnt, mit Bild in der Zeitung abgebildet zu werden oder weitere Auskünfte zu geben, doch hofften sie, dass die Polizei das Verbrechen aufklären könne.

Beim Lesen überkam Res ein mulmiges Gefühl und er wusste instinktiv, dass er in diese Sache noch hineingezogen würde. In der Tat kam noch am gleichen Tag ein Anruf von dem freundlichen Postenchef mit der Frage, er habe doch den Hinweis für das Auffinden der Leiche im Zürcher Oberland gegeben, was Res bestätigte. Der Postenchef gab dann an, die Staatsanwaltschaft habe dazu noch einige Fragen und würde sich melden.

Kapitel 2

Res wurde von der Glocke der Haustür unsanft aus den letzten Träumen gerissen. Vor der Pensionierung war er täglich um 6:00 Uhr aufgestanden und hatte um 7:30 Uhr mit der Arbeit begonnen. Seit er nicht mehr zur Arbeit gehen musste, hatte er sein Programm um eine Stunde verschoben und lag beim Läuten der Glocke um 6:45 Uhr noch im Bett. Er ging dennoch sofort zur Gegensprechanlage und hörte, dass die Polizei Einlass begehrte. Er teilte mit, dass er sich zuerst anziehen werde, was er schnell erledigte und dann noch unrasiert die Tür öffnete. Zwei Polizisten eröffneten ihm, er sei verhaftet und solle sich sofort bereit machen, mitzukommen. Er werde vermutlich einige Tage in Untersuchungshaft verbringen und solle deshalb ein paar Ersatzkleider einpacken. Dabei legten sie ihm einen schriftlichen Haftbefehl vor, den er vor lauter Aufregung nicht durchlas.

„Wieso denn das?“, war alles, was er hervorbrachte.