Lexikon des Dialogs -  - E-Book

Lexikon des Dialogs E-Book

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Beschreibung

In Zeiten von Migration und Globalisierung wächst die Prägekraft der Religionen. Doch es wächst auch die Irritation, die sich aus dem Zusammentreffen der Religionen ergibt. Das Lexikon des Dialogs unternimmt erstmals das Wagnis, eine christliche und eine muslimische Sicht auf die eigene Religion nebeneinander zu stellen. Theologen aus Deutschland und der Türkei erklären die Grundbegriffe ihrer Religion, stellen sie nebeneinander und laden so ein, das Eigene und das Fremde besser zu verstehen. Eine unerlässliche Orientierung für das Zusammenleben von Christen und Muslimen in einer demokratischen Gesellschaft.

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Seitenzahl: 1494

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Lexikon des Dialogs

Grundbegriffe aus Christentum und Islam

Im Auftrag der Eugen-Biser-Stiftung

herausgegeben von Richard Heinzmann

in Zusammenarbeit mit Peter Antes, Martin Thurner, Mualla Selçuk und Halis Albayrak

Neben anderen christlich-islamischen Dialogprojekten der Eugen-Biser-Stiftung wird auch das »Lexikon des Dialogs– Grundbegriffe aus Christentum und Islam« aus Mitteln des Europäischen Integrationsfonds sowie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages durch das Bundesministerium des Innern kofinanziert.

Beratungsgremium der türkischen Herausgeber:

Prof. Dr.Ahmet Nedim Serinsu, Prof. Dr.Mahmut Ay, Yrd. Doç. Dr.Engin Erdem, Doç. Dr.İhsan Çapcıoğlu und Yrd. Doç. Dr.Esra Gözeler

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2013

Alle Rechte vorbehalten

www.herder.de

Satz: SatzWeise, Föhren

Herstellung E-Book: epublius GmbH, Berlin

ISBN (E-Book) 978-3-451-80147-1

ISBN (Buch) 978-3-451-30684-6

Inhalt

Geleitwort Paul Kirchhof

Geleitwort Erkan İbiş

Vorwort

Einführung

Benutzungshinweise

Abkürzungsverzeichnis (allgemein)

Abkürzungsverzeichnis biblischer Bücher

Lexikon des Dialogs

A

Abendmahl

Aberglaube (chr.)

Aberglaube (isl.)

Abkommen von Medina

Ablass

Abraham (chr.)

Abraham (isl.)

Abschiedspredigt, Muhammads

Absolution

Absolutheitsanspruch (chr.)

Absolutheitsanspruch (isl.)

Abtreibung (chr.)

Abtreibung (isl.)

Adam und Eva (chr.)

Adam und Eva (isl.)

Agnostizismus (chr.)

Agnostizismus (isl.)

Alevitentum

Alkohol

Allah

Allmacht

Allwissende, Der

Allwissenheit

Almosen (chr.)

Almosen (isl.)

Altar

Altes Testament (chr.)

Altes Testament (isl.)

Älteste

Ämter, kirchliche

Analogia entis (chr.)

Analogia entis (isl.)

Analogieschluss

Anbetung

Anbetung der Zeitlichkeit

Anglikanismus

Anstand

Anthropomorphismus (chr.)

Anthropomorphismus (isl.)

Antijudaismus/Antisemitismus

Antisemitismus

Apokalyptik

Apokalypse

Apokryphen

Apologetik

Apostasie (chr.)

Apostasie (isl.)

Apostel (chr.)

Apostel (isl.)

Apostelkonzil

Arbeit (chr.)

Arbeit (isl.)

Arianismus

Armensteuer

Aschariten

Aschura

Askese (chr.)

Askese (isl.)

Atheismus

Attribute Gottes (chr.)

Attribute Gottes (isl.)

Auferstehung

Auferstehung Jesu

Auferweckung der Toten

Aufklärung (chr.)

Aufklärung (isl.)

Auslegungsfreiheit

Autorität, religiöse (isl.)

Autorität, religiöse

Autorität, staatliche (chr.)

Autorität, staatliche (isl.)

Ayatollah

B

Barmherzigkeit (chr.)

Barmherzigkeit (isl.)

Batiniyya

Begräbnis

Beichte

Beigesellung

Beistand, göttlicher (chr.)

Beistand, göttlicher (isl.)

Bekleidungsvorschriften

Benehmen, Benimm-Regeln

Beratungs- und Entscheidungsgremium

Bergpredigt

Berufung

Beschneidung (chr.)

Beschneidung (isl.)

Bestattung

Bestattungsvorschriften

Besteuerung der Nichtchristen

Bibel (chr.)

Bibel (isl.)

Bild/Bilderverbot

Bild

Bilderverbot

Biografienkunde

Bischof

Bismillah-Formel

Bitte um Sündenvergebung

Blasphemie (chr.)

Blasphemie (isl.)

Blut

Blutrache

Bruderschaft

Buchreligion

Bund (chr.)

Bund (isl.)

Burka

Buße

Bußsakrament/Beichte als Sakrament

C

Calvinismus

Caritas

Charisma

Christen

Christentum (chr.)

Christentum (isl.)

Christologie

Consensus fidelium

Credo

D

Dämonen

Dar al-Islam – Dar al-Harb

Darwinismus

David

Dawa

Deismus (chr.)

Deismus (isl.)

Dekalog

Demokratie (chr.)

Demokratie (isl.)

Derwisch

Determinismus

Dhimma/Dhimmi

Diakon

Diakonie

Dialog

Dialog, interreligiöser

Din

Diskussionsethik

Dogmatik

Dogmen

Dreifaltigkeitssonntag

Dschafariten

Dschihad

Dschinnen

E

Ehe (chr.)

Ehe (isl.)

Ehe als Sakrament/Kirchliche Trauung

Ehebruch

Ehre (chr.)

Ehre (isl.)

Ehrenmord

Ehrwürdigste Geschöpf, Das

Eigenständige Beweisführung

Eigentum (chr.)

Eigentum (isl.)

Einheit des Seins

Einladung zum Islam

Einsheit

Einwohnung

Emanation (chr.)

Emanation (isl.)

Engel (chr.)

Engel (isl.)

Enthaltsamkeit

Erbsünde

Erlösung

Errettung

Erwählung (chr.)

Erwählung (isl.)

Erzählkultur

Erzengel

Erziehung, religiöse

Erziehung, traditionelle religiöse

Erziehungs- und Bildungseinrichtungen, religiöse

Eschatologie (chr.)

Eschatologie (isl.)

Ethik (chr.)

Ethik (isl.)

Eucharistie/Abendmahl/Herrenmahl

Evangelische Räte

Evangelium (chr.)

Evangelium (isl.)

Evolution (chr.)

Evolution (isl.)

Evolutionstheorie

Ewiges Leben

Ewigkeit

Ewigkeit Gottes

Exegese (chr.)

Exegese (isl.)

Exklusivismus

Exkommunikation

F

Familie (chr.)

Familie (isl.)

Fasten (chr.)

Fasten (isl.)

Fatalismus (chr.)

Fatalismus (isl.)

Fatwa

Fegefeuer

Feste (chr.)

Feste (isl.)

Fetwa

Fideismus (chr.)

Fideismus (isl.)

Filioque

Finanzwesen

Firmung

Formeln, rituelle

Frau (chr.)

Frau (isl.)

Freiheit (chr.)

Freiheit (isl.)

Freitag

Freitagspredigt

Freund Gottes

Friede, politisch (chr.)

Friede, politisch (isl.)

Friede, spirituell (chr.)

Friede, spirituell (isl.)

Fromme Tat

Frömmigkeit

Fronleichnam

Fügung, göttliche

Fundamentalismus (chr.)

Fundamentalismus (isl.)

Fundamentaltheologie

Fürbitte

Fürsprache

G

Gabe des Vertrauens

Gabrielshadith

Gebet

Gebet, frei formuliertes

Gebet, rituelles (chr.)

Gebet, rituelles (isl.)

Gebetsort

Gebetsrichtung (chr.)

Gebetsrichtung (isl.)

Gebetsruf

Gebiet des Islams – Gebiet des Krieges

Gebot

Gebote und Verbote

Gefährten Muhammads

Geheimnis

Gehorsam (chr.)

Gehorsam (isl.)

Geist

Geister

Geistwesen

Gelübde (chr.)

Gelübde (isl.)

Gemeinde (chr.)

Gemeinde (isl.)

Gemeinschaft der Erretteten

Gerechtigkeit (chr.)

Gerechtigkeit (isl.)

Gesalbte

Geschichtlichkeit des Korans

Geschichtstheologie (chr.)

Geschichtstheologie (isl.)

Geschlechtsverkehr, außerehelicher (chr.)

Geschlechtsverkehr, außerehelicher (isl.)

Gesellschaft (chr.)

Gesellschaft (isl.)

Gesetz

Gesetz und Evangelium

Gesinnung

Gewalt (chr.)

Gewalt (isl.)

Gewissen (chr.)

Gewissen (isl.)

Gewissensentscheidung

Gewissensfreiheit

Gewohnheitsrecht

Glaube (chr.)

Glaube (isl.)

Glaubens- und Sittenlehre

Glaubensabfall

Glaubensbekenntnis (chr.)

Glaubensbekenntnis (isl.)

Glaubenszeugnis

Gläubige, Der

Gleichheit von Mann und Frau

Gleichnis

Glück

Gnade (chr.)

Gnade (isl.)

Gnosis

Goldenes Kalb

Gott (chr.)

Gott (isl.)

Gott als Vater

Gottergebenheit

Gottesbeweis (chr.)

Gottesbeweis (isl.)

Gottesdienst

Gottesdienstliche Handlung

Gotteserkenntnis

Gotteserkenntnis, mystische

Gotteserkenntnis, philosophische

Gottesfurcht (chr.)

Gottesfurcht (isl.)

Gottesgedenken

Gotteshaus

Gotteskindschaft

Gottesleugnung

Göttlichkeit (chr.)

Göttlichkeit (isl.)

Gottsucher

Gottvertrauen (chr.)

Gottvertrauen (isl.)

Götze/Götzendienst

Götzenverehrung

Grabbesuch

Grundgesetz

Gruß (chr.)

Gruß (isl.)

Gunst Gottes

Gut und Böse (chr.)

Gut und Böse (isl.)

Güte

Gutes gebieten, Schlechtes verbieten

H

Hadd-Strafe

Hadith

Hadith Qudsi

Hadithkritik

Hadithe, erfundene

Hadsch

Hajj

Halal

Hanafiten

Hanbaliten

Handlungsabsicht

Handlungskategorien

Hanif

Haram

Harem

Häresie

Hassprediger

Haus des Islams

Heidentum

Heil

Heilig

Heilige Schriften (chr.)

Heilige Schriften (isl.)

Heilige Stätten (chr.)

Heilige Stätten (isl.)

Heiligenverehrung

Heiliger

Heiliger Geist

Heiliger Krieg

Heilsgemeinschaft

Heilsgeschichte

Helal

Henotheismus

Hermeneutik

Herrenmahl

Herrschaft Gottes

Herz (chr.)

Herz (isl.)

Heterosexualität

Heuchelei/Scheinheiligkeit

Heuchelei

Hidschab

Hidschra

Hierarchie

Hijab

Himmel

Himmelsreise (chr.)

Himmelsreise (isl.)

Historisch-kritische Methode (chr.)

Historisch-kritische Methode (isl.)

Hoffnung (chr.)

Hoffnung (isl.)

Hölle (chr.)

Hölle (isl.)

Holocaust

Homosexualität (chr.)

Homosexualität (isl.)

Huldigung

I

Ibaditen

Iblis

Identität, religiöse

Idschtihad

Ijtihad

Imam

Imamiten

Individuum

Initiation

Inkarnation

Inklusivismus

Inquisition

Inspiration (chr.)

Inspiration (isl.)

Integration (chr.)

Integration (isl.)

Intellekt

Intelligent Design

Intention

Interpretation

Isaak (chr.)

Isaak (isl.)

Islam (chr.)

Islam (isl.)

Islamismus

Islamophobie

Ismael (chr.)

Ismael (isl.)

Ismailiten

J

Jahwe

Jakob

Jemanden des Unglaubens bezichtigen

Jenseits (chr.)

Jenseits (isl.)

Jerusalem (chr.)

Jerusalem (isl.)

Jesus (chr.)

Jesus (isl.)

Jihad

Jona

Josef

Judaica

Judentum (chr.)

Judentum (isl.)

Jüdische Überlieferungen

Jungfräulichkeit

Jüngste Tag, Der

Jüngstes Gericht

Jurisdiktionsprimat

K

Kaaba

Kadi

Kalender

Kalifat

Kardinaltugenden

Karikaturenstreit

Katechismus (chr.)

Katechismus (isl.)

Katholizismus

Kausalität (chr.)

Kausalität (isl.)

Ketzerei

Keuschheit (chr.)

Keuschheit (isl.)

Kharidschiten

Khutba

Kindertaufe

Kirche – im römisch-katholischen Verständnis

Kirche und reformatorische Kirchen

Kirchenaustritt

Kirchenrecht

Kleiderordnung (chr.)

Kleiderordnung (isl.)

Klerus

Kommentar (chr.)

Kommentar (isl.)

Kompensation, religiöse

Konfession

Konfirmation

König/Herrscher

Konsens der Gläubigen/Consensus fidelium

Konsens

Kontingenz

Konversion (chr.)

Konversion (isl.)

Konzil/Synode

Kopfsteuer

Kopftuch

Koran (chr.)

Koran (isl.)

Koranschule

Koranvers

Körperstrafe

Krankensalbung/Letzte Ölung

Kreationismus (chr.)

Kreationismus (isl.)

Kreuz

Kreuzestheologie

Kreuzzüge

Krieg (chr.)

Krieg (isl.)

Kult

Kultur (chr.)

Kultur (isl.)

Kunst (chr.)

Kunst (isl.)

L

Laie

Laizismus (chr.)

Laizismus (isl.)

Leben (chr.)

Leben (isl.)

Leben, ewiges

Lebensfrist

Lebensunterhalt

Lehramt

Lehrentscheid

Leid

Leitung des Rechtsgelehrten

Leugnung

Leute des Hauses

Liebe (chr.)

Liebe (isl.)

Liebe, ekstatische

Liturgie

Lob und Dank (chr.)

Lob und Dank (isl.)

Logos

Luthertum

M

Madrassa

Mahdi

Malikiten

Maria (chr.)

Maria (isl.)

Märtyrer (chr.)

Märtyrer (isl.)

Materialismus

Maturiditen

Medina

Meditation

Medrese

Meinungsvielfalt

Mekka

Mensch (chr.)

Mensch (isl.)

Mensch als Diener Gottes

Menschenbild

Menschenrechte (chr.)

Menschenrechte (isl.)

Menschenwürde (chr.)

Menschenwürde (isl.)

Menschwerdung

Messias

Metaphysik (chr.)

Metaphysik (isl.)

Minarett

Minderheiten, religiöse (chr.)

Minderheiten, religiöse (isl.)

Mischehe

Mission

Modernismus

Mönch

Monogenismus/Polygenismus

Monolatrie

Monophysitismus

Monotheismus

Monstranz

Moral

Moschee

Moscheebedienstete

Mose (chr.)

Mose (isl.)

Mudschahidin

Muezzin

Mufti

Muhammad

Mulla, Mullah

Murdschiiten

Musik (chr.)

Musik (isl.)

Muslimbrüder

Muta (Zeitehe)

Mutaziliten

Mystik (chr.)

Mystik (isl.)

Mystizismus

Mythos

N

Nächstenliebe (chr.)

Nächstenliebe (isl.)

Nacktheit

Naqschbandiyya

Natur (chr.)

Natur (isl.)

Naturrecht (chr.)

Naturrecht (isl.)

Nestorianismus

Neuerung

Neues Testament (chr.)

Neues Testament (isl.)

Niqab

Noah (chr.)

Noah (isl.)

Nonne

Notwendig Seiendes (chr.)

Notwendig Seiendes (isl.)

O

Offenbarung (chr.)

Offenbarung (isl.)

Offenbarungsanlässe (chr.)

Offenbarungsanlässe (isl.)

Offenbarungsrecht

Ökonomie

Ökumene

Opfer (chr.)

Opfer (isl.)

Opferfest

Orden

Ordination

Ort zwischen Himmel und Hölle

Osterereignis, Ostern

P

Pantheismus

Papst

Papstwahl

Paradies (chr.)

Paradies (isl.)

Parteiungen

Pascha, Passa, Passah

Pastoral

Pastoraltheologie

Paulus

Pentateuch

Person

Personal, religiöses

Pessach

Pfad, mystischer

Pfingsten

Pflichten, religiöse

Pflichthandlung

Philosophie, christliche

Philosophie, islamische

Pilgerfahrt (chr.)

Pilgerfahrt (isl.)

Pluralismus (isl.)

Pluralismus (chr.)

Politik (chr.)

Politik (isl.)

Polygamie (chr.)

Polygamie (isl.)

Polygynie

Polytheismus

Prädestination (chr.)

Prädestination (isl.)

Praxis, religiöse

Predigt (chr.)

Predigt (isl.)

Priesterweihe/Ordination

Profan

Prophetenbiografie

Prophetentum (chr.)

Prophetentum (isl.)

Prostitution

Protestantismus

Psalter

R

Rafiditen

Ramadan

Rationalismus (chr.)

Rationalismus (isl.)

Recht, islamisches

Rechtfertigung

Rechtleitung

Rechtsfindung

Rechtsgutachten

Rechtsschule

Rechtswissenschaft

Reconquista

Reformation

Reformbewegungen (chr.)

Reformbewegungen (isl.)

Reich Gottes

Reinheit

Reinigung, rituelle

Reinkarnation

Religion

Religion/Din

Religion und Philosophie (chr.)

Religion und Philosophie (isl.)

Religionsfreiheit (chr.)

Religionsfreiheit (isl.)

Religionsgelehrte

Religionskritik

Religionspädagogik (chr.)

Religionspädagogik (isl.)

Religionsphilosophie (chr.)

Religionsphilosophie (isl.)

Religionssoziologie (chr.)

Religionssoziologie (isl.)

Religionsunterricht

Religionswechsel

Religiös Erlaubte, Das

Religiös Verbotene, Das

Religiöse Praxis

Religiosität, natürliche

Religiöse Veranlagung, natürliche

Reue

Richter

Richter, religiöser

Rituelles Gebet

Ritus

S

Sakral/Profan

Sakralarchitektur

Sakrament

Säkulares Recht

Säkularismus (chr.)

Säkularismus (isl.)

Salafisten

Salafiyya

Salomo

Satan

Satisfaktion

Säulen des Islams

Schächten

Schafiiten

Schahada

Scharia

Scheich

Scheidung (chr.)

Scheidung (isl.)

Scheinheiligkeit

Scheriatgerichtsbarkeit

Schicksal

Schiiten

Schisma

Schlachtopfer

Schleier

Scholastik

Schönen Namen Gottes, Die

Schöpfung (chr.)

Schöpfung (isl.)

Schöpfungszustand

Schriftauslegung

Schriftbesitzer

Schriftreligion

Schuld

Schulen des Islams

Schura

Schutz vor Sünde

Schwangerschaftsabbruch

Seele

Seele/Geist

Seelenwanderung (chr.)

Seelenwanderung (isl.)

Seelsorge

Segen/Weihe

Segensformeln

Sekte

Septuaginta

Sexualität (chr.)

Sexualität (isl.)

Shahada

Siebenerschiiten

Sintflut

Solidarität

Sonntag

Soziale Ordnung

Soziale Pflichtabgabe

Sozialethik

Speisegebote

Speisen und Getränke, Vorschriften für

Spiritualität

Staat (chr.)

Staat (isl.)

Staatskirchenrecht

Steinigung

Steinigung des Teufels während der Pilgerfahrt

Stiftung (chr.)

Stiftung (isl.)

Strafe

Strafe und Belohnung

Sufismus

Sühne

Sühnetod Jesu

Sukzession

Sünde (chr.)

Sünde (isl.)

Sündenbekenntnis

Sunna

Sunniten

Sure

Syllogismus/Analogieschluss

Symbol (chr.)

Symbol (isl.)

Synode

T

Tabu

Takfir

Talaq (Verstoßung)

Taqlid

Taufe

Tempel

Terrorismus

Teufel (chr.)

Teufel (isl.)

Theismus (chr.)

Theismus (isl.)

Theodizee (chr.)

Theodizee (isl.)

Theokratie (chr.)

Theokratie (isl.)

Theologie (chr.)

Theologie (isl.)

Theologie der Religionen

Theologische Fakultäten an türkischen Universitäten

Thora

Tier, Tierrechte, Tierwelt

Tod (chr.)

Tod (isl.)

Toleranz (chr.)

Toleranz (isl.)

Tora (chr.)

Tora (isl.)

Tradition (chr.)

Tradition (isl.)

Transzendenz

Transzendenz Gottes

Trinität (chr.)

Trinität (isl.)

Tritheismus

Tugenden

U

Überlieferung

Übersetzung der Heiligen Schriften

Übersetzung des Korans

Ulama

Umkehr

Umma

Unfehlbarkeit

Ungläubiger

Unheil

Universum

Unnachahmlichkeit des Korans

Unsterblichkeit (chr.)

Unsterblichkeit (isl.)

Unterweisung, religiöse

Unterwelt

Unvergleichlichkeit Gottes

Unzucht (chr.)

Unzucht (isl.)

V

Vaterunser

Vatikanisches Konzil, Zweites

Velayet-e Faqih (Leitung des Rechtsgelehrten)

Veli

Verantwortung (chr.)

Verantwortung (isl.)

Verbalinspiration

Verbot (chr.)

Verbot (isl.)

Verfassung/Grundgesetz

Verfassung

Vergebung

Vergehen

Verheißung/Verheißungen

Verheißung von Lohn und Androhung von Strafe

Verkündigung

Vernunft (chr.)

Vernunft (isl.)

Verstoßung

Vertreter hadithbasierter Lehrmeinungen

Vertreter vernunftbasierter Lehrmeinungen

Volk Gottes

Vollkommenheit

Vollmacht

Vorbeter

Vorschriften, religiöse

Vorsehung

W

Wahhabiten

Wahrheit (chr.)

Wahrheit (isl.)

Wali

Wallfahrt

Weihe

Weihnachten

Weisheit (chr.)

Weisheit (isl.)

Welt/Universum

Welt

Weltuntergangs, Vorzeichen des

Wesen Gottes

Wilaya al-Faqih (Leitung des Rechtsgelehrten)

Wille Gottes (chr.)

Wille Gottes (isl.)

Willensfreiheit (chr.)

Willensfreiheit (isl.)

Wirkmächtigkeit

Wirtschaft (chr.)

Wirtschaft (isl.)

Wissenschaft

Wissenschaft/Wissen

Wohlfahrt

Wohltat/Wohltätigkeit

Wohltat

Wort Gottes (chr.)

Wort Gottes (isl.)

Wucher

Wunder (chr.)

Wunder (isl.)

Z

Zehn Gebote (chr.)

Zehn Gebote (isl.)

Zeichen

Zeit (chr.)

Zeit (isl.)

Zeit der Unkenntnis

Zeitrechnung (chr.)

Zeitrechnung (isl.)

Zeitehe

Zins, Zinsverbot

Zinsen

Zorn Gottes (chr.)

Zorn Gottes (isl.)

Züchtigung

Zwang

Zwangsheirat, Zwangsverheiratung

Zwölferschiiten

Hıristiyanlik ve İslamiyet Kavramları İndeksi (Index Türkisch – Deutsch)

Index Arabisch – Deutsch (ausgewählte islamische Lemmata)

Hadithquellen nach Artikeln sortiert

Bibliografie der Hadithsammelwerke

Transkriptionstabelle

Literaturhinweise

Herausgeberbiografien

Autoren (christlich)

Autoren (muslimisch)

Übersetzer

Geleitwort Paul Kirchhof

Wenn zwei Kulturen sich begegnen, wir die in diesem Zusammentreffen angelegten Chancen und Aufgaben verstehen wollen, suchen wir zunächst das Gespräch unter den neuen Nachbarn. In unserem Dialog zwischen Christentum und Islam allerdings können wir die Verschiedenheit der Kulturen und der ihnen zugrundeliegenden Religionen nur schwer begreifen, weil uns die Begriffe fehlen. Deutsche und türkische Wissenschaftler haben im gemeinsamen Religionsdialog erlebt, dass nicht nur die jeweils andere Nationalsprache Barrieren setzt, sondern vor allem das Vorverständnis religiöser Grundgedanken das gegenseitige Verstehen schwierig macht. Wenn aus der Zusammenkunft verschiedener Religionen eine Übereinkunft des Friedens, der Arbeitsteilung, des Anregens und Ergänzens werden soll, müssen die Elementargedanken von Christentum und Islam sichtbar und bewusst gemacht werden. Dabei bewahrt jede Religion und jeder Autor Selbstverständnis und Eigenart im Dienst gegenseitigen Verstehens und Verständigens.

Diesen Auftrag sucht das Lexikon des Dialogs zu erfüllen. Es ist von dem Leitgedanken geprägt, Christen und Muslimen vertiefte Kenntnisse über die jeweils andere Religion zu vermitteln, ebenso allen an der Begegnung dieser Kulturen beteiligten Menschen Grundlagen für das Gespräch und damit für das friedliche Zusammenleben und das gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenwirken eine Voraussetzung zu bieten. Das Lexikon soll helfen, eine Atmosphäre stetig wachsenden Vertrauens zu schaffen, die Sachkunde und damit die Gelassenheit in Fragen der Migration und Integration zu mehren und so einvernehmliche Lösungen vorzubereiten. In diesem Anliegen danken wir den Herausgebern und Autoren für eine wissenschaftliche Leistung, die nunmehr den Werkbereich des fachlichen Gesprächs verlässt und in den Wirkbereich politischen Gestaltens eintritt. Das Lexikon ist im Wesentlichen durch die ehrenamtliche Mitarbeit der Herausgeber und Gremien der Eugen-Biser-Stiftung in Kooperation mit den türkischen Herausgebern und ihrem Beratungsgremium entstanden, finanziell durch Sponsoren unterstützt, durch Mittel aus öffentlicher Hand gefördert worden.

Die wissenschaftliche Gesamtverantwortung für das Werk liegt bei Prof. Dr.Richard Heinzmann, der den Dialog zwischen der Eugen-Biser-Stiftung und der islamisch-theologischen Fakultät der Universität Ankara angeregt, inspiriert und getragen, der die Erfahrungen aus diesen Gesprächen mit dem Lexikon ins Werk gesetzt, der alle Beiträge begutachtet, mit den Autoren diskutiert und aufeinander abgestimmt hat.

Die organisatorische und finanzielle Gesamtverantwortung für das Vorhaben liegt in den Händen von Herrn Dr.Heiner Köster. Er hat eine Atmosphäre fairer und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit allen Beteiligten geschaffen – mit Herausgebern, Autoren und Mitarbeitern in Deutschland wie in der Türkei. Er hat Hindernisse und Hürden immer wieder überwunden, das Projekt auch regelmäßig den Gremien der Stiftung vermittelt und dort verankert.

Ein besonderer Dank gilt unseren türkischen Partnern, insbesondere den Herausgebern Prof. Dr.Mualla Selçuk und Prof. Dr.Halis Albayrak. Sie tragen die wissenschaftliche Verantwortung für die islamischen Texte, für die sie jeweils kompetente Autoren gewonnen haben.

Wenn nun das Lexikon in deutscher Sprache im Verlag Herder sowie in türkischer Sprache im Verlag der Universität Ankara– Ankara Üniversitesi – erscheint, so begleiten wir diese Publikation mit einem herzlichen Dank an alle Beteiligten, aber auch mit der Hoffnung, dass diese wissenschaftliche Leistung bald politische Früchte tragen möge.

Paul Kirchhof, Dr. jur., Dr. h.c. mult., Seniorprofessor distinctus der Universität Heidelberg

Vorsitzender des Kuratoriums der Eugen-Biser-Stiftung

Geleitwort Erkan İbiş

Es gibt gute Gründe zu hoffen, dass das Lexikon des Dialogs – es ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit der Eugen-Biser-Stiftung und der Universität Ankara – einen bedeutenden Beitrag zur Kultur, zur Wissenschaft und zum allgemeinen Bewusstsein leisten wird. Es steht außer Frage, dass die Religion eines der wichtigsten Elemente der Kultur ist. Deshalb ist das geistige Bemühen der Menschen durch die Jahrhunderte für die damit verbundenen Probleme von außerordentlichem Wert. Durch die Arbeit ihrer Theologen wurde das Leben der Menschen einer jeden Religion bereichert. Das gilt für den Islam ebenso wie für das Christentum. Diese Begegnung von Religion und Mensch vollzieht sich jeweils im geistigen Horizont einer bestimmten Zeit. Auch heute kommt in dieser Hinsicht den Wissenschaftlern und Theologen eine wichtige Rolle dabei zu, die Werte der Religion in die Welt einzubringen. Aus dieser Verantwortung ist das vorliegende Werk erwachsen.

In dem Lexikon werden grundlegende Begriffe der beiden großen Religionen von wissenschaftlichen Experten beider Glaubensgemeinschaften von Neuem herausgearbeitet und vorgelegt. Noch größere Bedeutung kommt jedoch der Tatsache zu, dass die Beiträge des Christentums und des Islams in diesem Werk nebeneinander stehen. Im Grunde sollte diese Perspektive der Nähe im interreligiösen Bereich auch real praktiziert werden. Da jedoch die weltlichen Interessenunterschiede die Religionen instrumentalisiert, gespalten und zu sich gegenseitig ausgrenzenden Positionen motiviert haben, wird dieser Aspekt in der Regel ignoriert. Gott, der die Menschen gleich geschaffen hat, wird auch seine Botschaften zum Wohle und für das Glück aller Menschen herabgesandt haben. Unterschiede sind immer zeitbedingt. Sie sind Aspekte, die aus dem Zusammentreffen der Botschaft mit unterschiedlichen Kulturen entstehen. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Kulturen gegenseitig kennen- und verstehen lernen. Das vorliegende Werk ist dafür ein brillantes Beispiel.

In Deutschland leben fast drei Millionen Türken. Das Lexikon wird dazu beitragen, dass diese Menschen sowohl die Werte ihrer eigenen Religion als auch die des Christentums kennenlernen. Dasselbe gilt auch umgekehrt. Der Leserkreis des Lexikons wird sich natürlich nicht auf die von uns genannten Gruppen beschränken, sondern noch viel umfassender sein. Das Lexikon dient nicht nur dem gegenseitigen Kennenlernen, sondern wird auch dazu beitragen, Ängste zu überwinden und Vorurteile abzubauen. Es erfüllt mich mit Stolz, dass an diesem Projekt auch geschätzte Professoren und Dozenten der Universität Ankara mitgearbeitet haben. Ich hoffe, dass mit diesem Lexikon eine große Lücke geschlossen werden kann. Ich möchte vor allem den an der Entstehung des Lexikons beteiligten Gremienmitgliedern der Eugen-Biser-Stiftung, insbesondere Dr.Heiner Köster, und den wissenschaftlichen Herausgebern Prof. Dr.Richard Heinzmann, Prof. Dr.Dr. Peter Antes, Prof. Dr.Martin Thurner, Prof. Dr.Mualla Selçuk und Prof. Dr.Halis Albayrak sowie allen beteiligten deutschen und türkischen Wissenschaftlern meinen Dank aussprechen.

Erkan İbiş, Dr. med., Professor für Nuklearmedizin,

Rektor der Universität Ankara

Vorwort

Der »Dialog aus christlichem Ursprung« mit anderen Religionen und Weltanschauungen gehört neben den innertheologisch-christlichen Arbeitsfeldern zu den zentralen Aufgaben der vor zehn Jahren gegründeten Eugen-Biser-Stiftung. Innerhalb des interreligiösen und interkulturellen Dialogs befasst sich die Stiftung aufgrund der hohen gesellschaftlichen Bedeutung insbesondere mit der Verständigung zwischen Christen und Muslimen. In Deutschland leben ca. vier Millionen Muslime. Mehr als die Hälfte von ihnen ist türkischer Herkunft. Deshalb war es naheliegend, den Dialog mit dem Islam zu intensivieren.

Bei ihrer Suche nach geeigneten Gesprächspartnern für den wissenschaftlich-theologischen Dialog ergab sich für die Eugen-Biser-Stiftung im Jahre 2005 die Gelegenheit, gemeinsam mit der Islamisch-Theologischen Fakultät der Universität Ankara– Ankara Üniversitesi İlâhiyat Fakültesi – abwechselnd in Ankara und München Symposien zu Grundpositionen des heutigen christlichen bzw. islamischen Selbstverständnisses durchzuführen. Auf diesen Veranstaltungen, bei denen sich die muslimischen Wissenschaftler der türkischen, die christlichen der deutschen Sprache bedienten, sahen sich hochqualifizierte Übersetzer vor außerordentliche Probleme gestellt: Es fehlten auf beiden Seiten entsprechende Referenzwerke. Diese Lücke zu schließen, war das Gebot der Stunde. Die Eugen-Biser-Stiftung schätzt sich glücklich, in der Islamisch-Theologischen Fakultät der Universität Ankara einen prominenten und kompetenten Partner und in der damaligen Dekanin, Prof. Dr.Mualla Selçuk, und dem seinerzeitigen Vizedekan, Prof. Dr.Halis Albayrak, hoch motivierte Mitherausgeber für ein solches Lexikon gefunden zu haben. Es ist eine besondere Auszeichnung, dass der Präsident der Universität Ankara, Prof. Dr.Erkan İbiş, sich unterstützend mit dem Projekt befasst und die Veröffentlichung der türkischen Fassung des Lexikons durch die Universität Ankara nachhaltig gefördert hat.

Auf dieser Grundlage konnte die Eugen-Biser-Stiftung die Initiative und Verantwortung für das anspruchsvolle Projekt übernehmen – eine Pionierarbeit von höchstem Anspruch und großem Aufwand, wie sich im Laufe der Arbeit zunehmend herausstellte. Die Stiftung beauftragte gemeinsam mit den beiden vorgenannten muslimischen Herausgebern als christliche Herausgeber Prof. Dr.Dr. Peter Antes, Prof. Dr.Richard Heinzmann und Prof. Dr.Martin Thurner, wobei Prof. Dr.Richard Heinzmann die wissenschaftliche Gesamtverantwortung übernahm. Gemeinsam haben die Herausgeber mehrere Jahre lang mit außerordentlichem Engagement bei der Erstellung des Lexikons zusammengearbeitet und auch selbst Artikel verfasst.

Dem Projekt liegt folgende Konzeption zugrunde:

Das Lexikon sollte in einem überschaubaren Umfang bleiben. Daher beschränkte man sich für die Nomenklatur übereinstimmend auf je ca. 330Grundbegriffe aus Christentum und Islam, die nach Möglichkeit unter Einschluss grundlegender interkultureller sowie gesellschaftsbezogener Gesichtspunkte zu verfassen waren. Das Lexikon enthält keine religionswissenschaftlich kommentierenden Aspekte, vielmehr werden die beiden Religionen, Christentum und Islam, unabhängig voneinander dargestellt.

Die islamischen Artikel wurden ausschließlich von muslimischen und die christlichen Artikel ausschließlich von christlichen Wissenschaftlern auf Türkisch bzw. auf Deutsch verfasst. Sie in die jeweilige andere Sprache zu übersetzen stellte die Übersetzer vor höchste Anforderungen. Die Autoren erläutern die Stichworte nach ihren theologischen und kulturellen Überzeugungen mittels ihrer jeweiligen wissenschaftlichen Methode. Die jeweiligen Autoren tragen die wissenschaftliche Verantwortung für ihre Artikel.

Das gesamte Lexikon erscheint in einer deutschen und in einer türkischen Ausgabe in Deutschland und in der Türkei. Die gleichzeitige Vorlage beider Ausgaben ermöglicht es den in Deutschland lebenden Muslimen türkischer Abstammung, bei Bedarf die türkische Ausgabe des Lexikons zurate zu ziehen.

Das Lexikon soll auch in weitere Sprachen übersetzt werden.

Es ist für die Eugen-Biser-Stiftung eine große Freude, das zweibändige Werk nach jahrelanger, intensiver Arbeit aller Beteiligten der Öffentlichkeit zu präsentieren. Seine Realisation war nur möglich aufgrund des großen Engagements vieler Mitwirkender. Die Eugen-Biser-Stiftung ist allen Beteiligten zu hohem Dank verpflichtet: den fünf Herausgebern, den Autoren, den Übersetzern, den wissenschaftlichen Mitarbeitern auf deutscher Seite: Père Xavier Jacob, Dr.Melike Nihan Alpargın, Sami Alphan M.A., Dipl.-Theol. Hannes Bräutigam, Dr.Rainer Jehl, Dr.Michael Kiefer, Jan Litty M.A., Dr.Özgür Savaşçı, Dr.Denis Schmelter, Prof. Dr.Dr. Bertram Schmitz, Nesrin Semen M.A., Prof. Dr.Erdal Toprakyaran und auf türkischer Seite: Prof. Dr.Ahmet Nedim Serinsu, Prof. Dr.Mahmut Ay, Doç. Dr.İhsan Çapcıoğlu, Yrd. Doç. Dr.Engin Erdem und Yrd. Doç. Dr.Esra Gözeler. Besonders genannt sei Dr.Ayşe Başol, die mit hoher wissenschaftlicher und interreligiöser Kompetenz die Hauptlast der Redaktionskonferenzen mitgetragen hat. Die ehrenamtlichen Mitglieder des Vorstands der Eugen-Biser-Stiftung, Dr.Karl Hubertus Eckert, Marianne Köster und Jutta Lowag, haben sich auf je eigene Weise um das vorliegende Werk sehr verdient gemacht, einen besonders wichtigen Beitrag hat durch seine umsichtige, vorzügliche Kooperation mit den öffentlichen Geldgebern Dr.Armin Herbst geleistet.

Alle Anstrengungen um die Erstellung des Lexikons wären fruchtlos geblieben ohne die großzügige Unterstützung durch öffentliche und private Sponsoren. Unser ganz besonderer Dank gilt dem Europäischen Integrationsfonds, dem Bundesministerium des Innern, dem Deutschen Bundestag, der Robert Bosch Stiftung, der Koç-Stiftung, Istanbul, sowie privaten Sponsoren und Freunden der Eugen-Biser-Stiftung, insbesondere Barbara Lambrecht-Schadeberg und unserem Kuratoriumsmitglied Dr.Ulrich Wechsler.

Die Mittel des Europäischen Integrationsfonds und des Bundesministeriums des Innern werden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Nürnberg, verwaltet. Dessen Präsidenten, Dr.Albert Schmid, seinem Nachfolger im Amt, Dr.Manfred Schmidt, und den Mitarbeitern des BAMF möchte die Eugen-Biser-Stiftung für die gute Kooperation ihren herzlichen Dank aussprechen.

Besondere Erwähnung verdient schließlich die kompetente verlegerische Betreuung durch den Herder Verlag, Freiburg. Der im Jahre 2011 verstorbene Seniorchef, Dr.Herrmann Herder, war der Eugen-Biser-Stiftung als Kuratoriumsmitglied eng verbunden. Seiner wertvollen Beratung gemeinsam mit dem Cheflektor, Dr.Rudolf Walter, wie der sehr guten Zusammenarbeit mit dem für die Publikation zuständigen Lektor, Dr.German Neundorfer, gilt unser besonderer Dank.

München, im Sommer 2013

Dr.Heiner Köster

geschäftsführender Stiftungsrat

Einführung

Um das Spezifische dieses Buches vollständig zu erfassen, muss man seine Entstehungsgeschichte kennen. Am Anfang stand nämlich nicht der Gedanke, ein christlich-islamisches Lexikon für eine wissenschaftliche Fachwelt zu verfassen, sondern der Versuch, einen Beitrag zur konkreten gesellschaftlichen Situation in Deutschland mit ca. vier Millionen hier lebender Muslime zu leisten. Mehr als die Hälfte von ihnen ist türkischer Herkunft. Ohne ein Mindestmaß an gegenseitigem Verstehen und an Dialogbereitschaft hinsichtlich der je anderen Religion ist – wie die offenen und latenten Spannungen zeigen – ein friedliches Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft wie der unsrigen nicht möglich.

Die Eugen-Biser-Stiftung wollte und will daher – ihrem Selbstverständnis und ihrem Auftrag entsprechend – durch Symposien mit türkischen und deutschen Wissenschaftlern zur Verständigung zwischen Christen und Muslimen beitragen. Deshalb wurden Kollegen aus der Türkei, näherhin von der Universität Ankara, als Gesprächspartner zur Mitarbeit eingeladen, und sie nahmen die Einladung an.

Schon bei der ersten Veranstaltung zum Thema Menschenwürde, die – wie alle folgenden Veranstaltungen – ihren Niederschlag in einer Publikation fand (Interkulturelle und interreligiöse Symposien der Eugen-Biser-Stiftung, Bd.1: Menschenwürde. Grundlagen in Christentum und Islam, hrsg. von R.Heinzmann/M.Selçuk u.a., Stuttgart: Kohlhammer 2007), zeigte sich eine kaum überwindbare Hürde: Es fehlte für zentrale Sachverhalte die Terminologie, die eine adäquate Übersetzung ermöglicht hätte. Dies beruhte nicht nur auf der Tatsache, dass der betreffende Gegenstand in der jeweils anderen Religion möglicherweise überhaupt kein sachliches Äquivalent besaß, sodass ein Neologismus gefunden werden musste. Von noch größerem Gewicht war die Tatsache, dass sich das jeweilige, allem Begreifen vorausliegende Vorverständnis nicht beim ersten Zugriff erschloss. Sprachliche Äquivalente brachten Unterschiedliches zum Ausdruck oder hatten zumindest jeweils andere Konnotationen. Deshalb griff die Eugen-Biser-Stiftung den Gedanken auf, durch ein Sachlexikon die Begriffe zu klären und dadurch überhaupt erst die Voraussetzung für ein angemessenes gegenseitiges Verstehen und einen fruchtbaren Dialog zu schaffen. Dabei war allen Beteiligten von Anfang an klar, dass muslimische Stichworte von muslimischen Autoren und christliche Stichworte von christlichen Autoren erarbeitet werden müssen, damit das Genuine der jeweiligen Religion unverfälscht zur Sprache kommen kann – ein singulärer Fall unter den vergleichbaren christlich-islamischen Lexika.

Dieses Buch war somit die unausweichliche Konsequenz aus einer konkreten Aporie. Es handelt sich deshalb auch nicht um ein Fachbuch für einen kleinen Kreis von Wissenschaftlern, sondern um ein wissenschaftlich fundiertes Werk, das einer breiten Öffentlichkeit zu sachlich begründeter Information verhelfen will.

Man kann fragen, ob sich der Aufwand für ein solches Unternehmen heute noch lohnt, ob Religion im gesellschaftlichen Zusammenleben auch künftig noch eine bestimmende Rolle spielt. Angesichts einer fortschreitenden Säkularisierung scheinen doch die Probleme und Spannungen innerhalb pluraler Gesellschaften mehr in den kulturellen und ethnischen als in den religiösen Unterschieden zu liegen. Das trifft aber nur zum Teil zu. Die Identität des Menschen erwächst nämlich nach wie vor in hohem Maße – ob bewusst oder unbewusst – aus der je eigenen Religion, die in der jeweiligen Kultur ihren Niederschlag und ihre Ausprägung findet. Über die Kultur wirkt die Religion wieder zurück auf den Menschen. Das hat zur Folge, dass auch eine sich weitgehend säkular verstehende und gerierende Gesellschaft von einer traditionellen religiösen Gedankenwelt durchformt ist. Dabei trifft man heute auf das Phänomen, dass es nicht unbedingt die zentralen Inhalte einer Religion sind, die das allgemeine Bewusstsein bestimmen. Häufig sind es geschichtlich bedingte Überfremdungen und Verfälschungen einer Religion, die sich schließlich für die Sache selbst ausgeben. Da es bei einem religiösen Dialog in keinem Fall darum gehen darf, die eigene Identität aufzugeben, ist es von besonderem Gewicht, das Wesentliche von einer zufälligen Ausdrucksgestalt der Religion zu unterscheiden. Durch die Konzentration auf das Substanzielle werden wie von selbst Hindernisse abgebaut, die, solange man sich bei den Randphänomenen aufhält, nahezu unüberwindbar erscheinen. Um die Perspektive auf das Ganze der jeweils anderen Religion zu eröffnen, wurden in dieses Werk auch Stichworte aufgenommen, die in der je anderen Religion keine Entsprechung haben, aber für das je eigene Selbstverständnis unverzichtbar sind.

Aus dieser Interdependenz von Religion und Kultur erwachsen die unterschiedlichen Weltanschauungen, die uns helfen können, Brücken des Verstehens zu bauen, die aber auch zu Hindernissen in der Begegnung werden können. Ob sie Brücken oder Hindernisse im Zusammenleben und bei der Zusammenarbeit mit Menschen anderer Weltanschauungen sind, hängt meist nicht vom einzelnen Menschen ab. Vorurteile und pauschale Verdächtigungen können hierbei ebenso eine Rolle spielen wie spontane Sympathiebekundungen und Emotionen.

Gegenseitiges Verstehen und gemeinsames Handeln setzen eine gemeinsame Sprache voraus. Diese ist mehr als das Beherrschen von Wörtern und Grammatik, sie zielt auch auf das Ausloten der Verstehenshorizonte, die mit den Schlüsselbegriffen verbunden sind. Das hier vorgelegte Buch ist ein erster Meilenstein zu einem solchen Ausloten des Verstehens wichtiger Schlüsselbegriffe aus Christentum und Islam. Bei den zahlreichen Sitzungen zwischen den türkischen muslimischen Herausgebern aus der Islamisch-Theologischen Fakultät der Universität in Ankara und den deutschen christlichen Herausgebern von der Eugen-Biser-Stiftung in München ist deutlich geworden, dass trotz jahrhundertelanger Existenz christlicher Kirchen und Gemeinden in der Türkei das Türkische so stark islamisch geprägt ist, dass eine signifikante Sprachlosigkeit vorherrscht, wenn es darum geht, bestimmte Grundgedanken des Christentums türkisch wiederzugeben, wie umgekehrt das Deutsche so stark christlich geprägt ist, dass islamische Gedanken oft nur schwer adäquat ausgedrückt werden können. Somit steht beispielsweise der deutschsprachige islamische Religionsunterricht in Deutschland vor einer doppelten Sprachlosigkeit: vor sprachlichen Defiziten einer Schülerschaft mit Migrationshintergrund und vor dem Fehlen einer islamisch-theologischen Fachterminologie. Das hiermit der Öffentlichkeit übergebene Lexikon will diese Sprachlosigkeit überwinden und teilweise durch Neologismen darauf hinweisen, dass viele Konzepte und Begriffe im Verständnis von Muslimen und Christen nicht deckungsgleich sind, denn nur wer um die Unterschiede und Besonderheiten weiß, kann angemessen reagieren und ein gemeinsames Handeln zum Wohle aller initiieren.

Ziel des vorliegenden Lexikons ist es, Brücken zwischen den Religionen Christentum und Islam zu bauen. Es handelt sich folglich nicht um eine religionswissenschaftliche Darstellungsweise von Christentum und Islam oder um eine orientalistische Abhandlung der islamischen Schlüsselbegriffe. Christentum und Islam werden theologisch von innen heraus dargestellt, so wie es gläubige Vertreter der jeweiligen Religionen aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz jeweils sehen.

Die unterschiedlichen Sprachtraditionen betreffen dabei nicht nur das theologische Fachvokabular. Sie berühren auch die wissenschaftlichen Darstellungsstile und die Ergebnisse. Lynn Payer hat am Beispiel der Medizin im Ländervergleich zwischen den USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich gezeigt, wie unterschiedlich Diagnosen und Therapien bei gleichen Krankheitssymptomen ausfallen können (L.Payer, Medicine and Culture: Varieties of Treatment in the United States, England, West-Germany and France, New York: Holt 1988). Noch deutlicher treten solche Unterschiede in den Geisteswissenschaften und mithin in der Theologie zutage. Ein Beitrag, der auf Türkisch oder Deutsch geschrieben wurde, kann in seinem jeweiligen heimatsprachlichen Umfeld die Erwartungen seiner Leserschaft und der wissenschaftlichen Standards voll erfüllen, im anderssprachigen Umfeld dagegen viele Fragen aufwerfen, die sich im erstgenannten Kontext gar nicht stellen, geschweige denn nach einer Antwort verlangen. Hinzu kommen unterschiedliche Darstellungsformen wie die eher distanzierten Beschreibungen mit Betonung einer stark historisierenden Kontextgebundenheit der Aussagen im Rahmen der deutschen Theologie und die eher bekenntnisgebundene Beschäftigung mit der jeweiligen Thematik in den islamischen Studien. Ein höchst spannendes, bislang kaum beachtetes Feld komparativer Theologieforschung. Das hier vorgelegte Werk bietet dazu immer wieder wichtiges Anschauungsmaterial. Die Artikel dieses Lexikons, das jeweils in deutscher und türkischer Sprache erscheint, wurden nicht immer wortwörtlich, sondern sinngemäß unter Berücksichtigung der Bedürfnisse und kulturellen Unterschiede der Leser übersetzt.

Angesichts unser aller Verantwortung für ein friedliches Miteinander und unseres Bemühens um Frieden und Völkerverständigung in der Welt ist das Wissen um das, was und wie wir jeweils denken und was unser jeweiliges Handeln bestimmt, kein Spezialwissen für einige wenige Gelehrte. Es geht alle an, die sich um konstruktive Zusammenarbeit bemühen, nämlich neben Repräsentanten von Religionsgemeinschaften wie Imame, Geistliche und Religionslehrerinnen und Religionslehrer auch Lehrplangestalter und Bildungsplaner, Schülerinnen und Schüler der Oberstufen und Studierende aller Fächer, Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft, Repräsentanten von Kultur und Wissenschaft, Vertreter der Medien, Philosophen und Theologen sowie alle an der Thematik interessierten Personen.

Möge dieses Lexikon allen gute Dienste erweisen und mit dazu beitragen, dass bald im türkischsprachigen wie im deutschsprachigen Bereich ein Klima des gegenseitigen Verstehens zwischen Muslimen, Christen und allen anderen Menschen guten Willens in der Gesellschaft entsteht zum Wohle aller und für das friedliche Zusammenleben der Menschen.

Die Herausgeber:

Richard Heinzmann, Peter Antes, Martin Thurner– Deutschland

Mualla Selçuk, Halis Albayrak– Türkei

Benutzungshinweise

In den islamischen Artikeln ist zur Übertragung von Koranzitaten die deutsche Koranübersetzung von Hartmut und Katharina Bobzin (2010) zugrunde gelegt worden. In einigen Artikeln wurde von dieser Übersetzung abgewichen, um die Koraninterpretation des türkischen Autors deutlich hervorzuheben. Diese Artikel sind: Errettung; Ethik; Fasten; Gott; Göttlichkeit; Jerusalem; Liebe; Sunna und Theodizee.

In den christlichen Artikeln ist die im Jahr 2010 im Verlag Herder erschiene Bibelübersetzung Die Bibel. Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Bundes verwendet worden. Auf Wunsch des Autors wurde in dem Artikel Ehre eine andere Übersetzung zugrunde gelegt.

Sämtliche im Lexikon erwähnten Hadithe sind belegt. Der ursprüngliche Herausgeber einer Hadithsammlung wird innerhalb eines Artikels mittels einer Sigle in Klammern vermerkt. Im Anhang findet sich ein nach Artikeln geordnetes Verzeichnis der Hadithe mit weiteren Quellenangaben. Sämtliche für das Auffinden eines Hadiths notwendigen Details sind vermerkt. Mithilfe der Bibliografie der Hadithsammlungen lässt sich die jeweils verwendete moderne Edition einer Hadithsammlung identifizieren. – Bisher gibt es kaum Übersetzungen von Hadithen in deutscher Sprache. Die Übersetzung der Hadithe richtet sich deshalb nach der jeweiligen Interpretation der türkischen Autoren.

Für die Schreibung von biblischen Orts- und Personennamen sind die sogenannten »Loccumer Richtlinien« zugrunde gelegt worden. Davon abgewichen worden ist, der besseren Verständlichkeit halber, bei den Namen Hiob (statt Ijob) und Noah (statt Noach).

Grundlage für die Rechtschreibung ist der Duden (25.Auflage). Zahlreiche arabische, islamische, persische und türkische Termini werden entsprechend der im Duden aufgeführten Schreibweise verwendet. Eine Abweichung vom Duden findet sich bei der Schreibweise von Tora (statt Thora).

Bibelübersetzung

Die Bibel. Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Bundes, Vollständige deutschsprachige Ausgabe, Freiburg im Breisgau: Verlag Herder GmbH 2010.

Koranübersetzung

Bobzin, Hartmut: Der Koran, Aus dem Arabischen neu übertragen unter Mitarbeit von Katharina Bobzin. München: C.H.Beck 2010.

Loccumer Richtlinien

Ökumenisches Verzeichnis der biblischen Eigennamen nach den Loccumer Richtlinien. Hrsg. von d. kath. Bischöfen Deutschlands, d. Rat d. Evang. Kirche in Deutschland u. d. Deutschen Bibelges., Evang. Bibelwerk. 2.Aufl.; neu bearb. von Joachim Lange, Stuttgart: Dt. Bibelges. [u.a.] 1981.

Abkürzungsverzeichnis (allgemein)

arab.

arabisch

Art.

Artikel

Bd(e).

Band/Bände

bes.

besonders

bzgl.

bezüglich

bzw.

beziehungsweise

chr.

christlich

d.h.

das heißt

d. i.

das ist

EU

Europäische Union

frz.

französisch

ggf.

gegebenenfalls

griech.

griechisch

hebr.

hebräisch

isl.

islamisch

Jh./Jh.s

Jahrhundert/ (des) Jahrhunderts

Jt.

Jahrtausend

lat.

lateinisch

Mrd.

Milliarde/Milliarden

nC.

nach Christi Geburt

Nr.

Nummer

o.ä.

oder ähnlich

par.

Parallelstelle

Pl.

Plural

reg.

regierte

S.

Seite

s.

siehe

sc.

scilicet

Sg.

Singular

sog.

sogenannt

St.

Sankt

türk.

türkisch

u.a.

und andere, unter anderem

u.Ä.

und Ähnliche(s)

u. ö.

und öfter

USA

United States of America

v. a.

vor allem

vC.

vor Christi Geburt

vgl.

vergleiche

z.B.

zum Beispiel

z. T.

zum Teil

Abkürzungsverzeichnis biblischer Bücher

a) Altes Testament

Gen

Genesis (1Mose)

Ex

Exodus (2Mose)

Lev

Leviticus (3Mose)

Num

Numeri (4Mose)

Dtn

Deuteronomium (5Mose)

Jos

Das Buch Josua

Ri

Das Buch der Richter

Rut

Das Buch Rut

1Sam

Das 1.Buch Samuel

2Sam

Das 2.Buch Samuel

1Kön

Das 1.Buch der Könige

2Kön

Das 2.Buch der Könige

1Chr

Das 1.Buch der Chronik (Paralipomenon)

2Chr

Das 2.Buch der Chronik (Paralipomenon)

Esra

Das Buch Esra (1Esra)

Neh

Das Buch Nehemia (2Esra)

Tob

Das Buch Tobit (Tobias)

Jdt

Das Buch Judit

Est

Das Buch Ester (mit griech. Zusätzen)

1Makk

Das 1.Buch der Makkabäer

2Makk

Das 2.Buch der Makkabäer

Ijob

Das Buch Ijob (Hiob)

Ps

Die Psalmen

Spr

Das Buch der Sprichwörter (Die Sprüche Salomos)

Koh

Das Buch Kohelet (Der Prediger Salomo, Ecclesiastes)

Hld

Das Hohelied

Weish

Das Buch der Weisheit

Sir

Das Buch Jesus Sirach (Ecclesiasticus)

Jes

Das Buch Jesaja

Jer

Das Buch Jeremia

Klgl

Die Klagelieder des Jeremia

Bar

Das Buch Baruch (1Bar)

Ez

Das Buch Ezechiel (Hesekiel)

Dan

Das Buch Daniel (mit griechischen Zusätzen)

Hos

Das Buch Hosea (Osee)

Joel

Das Buch Joel

Am

Das Buch Amos

Obd

Das Buch Obadja (Abdias)

Jona

Das Buch Jona

Mi

Das Buch Micha (Michäas)

Nah

Das Buch Nahum

Hab

Das Buch Habakuk

Zef

Das Buch Zefanja (Sophonias)

Hag

Das Buch Haggai (Aggäus)

Sach

Das Buch Sacharja (Zacharias)

Mal

Das Buch Maleachi (Malachias)

b) Neues Testament

Mt

Das Evangelium nach Matthäus

Mk

Das Evangelium nach Markus

Lk

Das Evangelium nach Lukas

Joh

Das Evangelium nach Johannes

Apg

Die Apostelgeschichte

Röm

Der Brief an die Römer

1Kor

Der 1.Brief an die Korinther

2Kor

Der 2.Brief an die Korinther

Gal

Der Brief an die Galater

Eph

Der Brief an die Epheser

Phil

Der Brief an die Philipper

Kol

Der Brief an die Kolosser

1Thess

Der 1.Brief an die Thessalonicher

2Thess

Der 2.Brief an die Thessalonicher

1Tim

Der 1.Brief an Timotheus

2Tim

Der 2.Brief an Timotheus

Tit

Der Brief an Titus

Phlm

Der Brief an Philemon

Hebr

Der Brief an die Hebräer

Jak

Der Brief des Jakobus

1Petr

Der 1.Brief des Petrus

2Petr

Der 2.Brief des Petrus

1Joh

Der 1.Brief des Johannes

2Joh

Der 2.Brief des Johannes

3Joh

Der 3.Brief des Johannes

Jud

Der Brief des Judas

Offb

Die Offenbarung des Johannes

Lexikon des Dialogs

Abendmahl (chr.)

(türk. Son Akşam Yemeği)

Das Wort Abendmahl, welches neben der Taufe eines der beiden Hauptsakramente des Christentums bezeichnet, erinnert an das Mahl Jesu mit seinen Jüngern am Abend vor seinem Kreuzestod. Die neutestamentlichen Texte vom Letzten Abendmahl (vgl. Mk 14,22–25; Mt 26,26–29; Lk 22,15–20 sowie 1Kor 11,23–26; vgl. auch Joh 6) zeigen bereits Spuren späterer liturgischer und theologischer Bearbeitung. Ihr historischer Ursprungssinn wird verschieden gedeutet, je nachdem, ob man den traditionellen Bezugsrahmen im normalen jüdischen Festmahl, im Passah-Mahl oder in kultischen Gemeinschaftsmahlzeiten jüdischer Sondergruppen gegeben findet. In den urchristlichen Gemeinden wurde die Praxis der Mahlfeier von Anfang an und regelmäßig geübt (vgl. Apg 2,46). Dies geschah unter Bezug vor allem auf das Jüngermahl Jesu »in der Nacht, in der er verraten wurde« (1Kor 11,23), aber auch in Erinnerung an die häufigen Mahlfeiern, die er in zeichenhafter Absicht nicht nur mit seinen Jüngern, sondern auch mit gesellschaftlichen Außenseitern wie »Zöllnern und Sündern« (Mt 9,11) hielt. Durch die Überlieferung von Mahlerscheinungen des auferstandenen Gekreuzigten konnte sich die Urchristenheit in ihrer Praxis bestätigt finden. War das Abendmahl anfangs eingebettet in eine gemeinsame Sättigungsmahlzeit, so bahnte sich bereits bei Paulus (1Kor 11) eine Trennung beider Handlungen an, wobei das zum Abendmahl gehörende Sättigungsmahl als Agapemahl (= gemeinschaftliches Liebesmahl im Anschluss an den Gottesdienst) weiterlebte. Im christlichen Gottesdienst wird das Abendmahl in Erinnerung, Erwartung und in der Gewissheit lebendiger Gegenwart Jesu Christi gefeiert. Es ist seit urchristlichen Zeiten Gegenstand intensiven liturgischen Gestaltungswillens und anhaltender theoretischer Reflexion und theologischer Lehrkontroversen gewesen. Letztere betrafen vor allem die Frage der stiftungsgemäßen Grundform der Feier, die Art der Gegenwart Christi in seinem Leib und Blut, die Verbindung dieser Gegenwart mit dem dargereichten Brot und Wein sowie mit dem Essen dieses Brotes und dem Trinken dieses Weins, schließlich das Problem, ob und gegebenenfalls in welcher Weise das Abendmahl ein Opfer genannt werden könne. Das Verhältnis der Konfessionen zueinander wurde durch Abendmahlsstreitigkeiten vielfach tangiert. Heute ist vor allem die Streitfrage virulent, welche Stellung dem ordinationsgebundenen Amt in der Abendmahlsfeier zukommt und ob volle Kirchengemeinschaft die Voraussetzung von Abendmahlsgemeinschaft ist.

Gunther Wenz

→ Eucharistie/Abendmahl/Herrenmahl; Lob und Dank; Opfer; Sakrament

Aberglaube (chr.)

(türk. Hurafe)

Aberglaube ist die Sammelbezeichnung für religiöse Vorstellungen, Erwartungen und Praktiken, die aus der Perspektive einer bestimmten Religion oder auch einer rein säkularen Aufklärung für in einem primitiven Sinne falsch gehalten werden. Der Begriff bezieht sich daher weniger auf eine nicht für wahr gehaltene Religion oder theologische Auslegung als Ganze, sondern eher auf konkrete populärreligiöse Phänomene. Von daher hat der Begriff des Aberglaubens stets eine kritisch-abwertende Konnotation. In der Klassifikation als Aberglaube werden bestimmte fremde religiöse Verhaltensweisen und ihre impliziten Gottesmuster mit dem als vollkommen(er) betrachteten eigenen Gottesbild konfrontiert und als diesem unangemessen erwiesen. Dabei können philosophische wie (offenbarungs-)theologische Argumente als Kriterien dienen. Ersteres ist beispielsweise in der kritischen Abwehr des (Aber-)Glaubens an Dämonen und Geister gegeben, die angeblich mit dem guten Gott in Konflikt stehen sollen und eine ihm widerstreitende Macht entfalten können, die es zu beeinflussen gelte. Gegen diese auf das göttliche Prinzip bezogene Form des Aberglaubens bringt die Theologie das Argument vor, dass es philosophisch betrachtet nur ein einziges erstes absolutes Prinzip geben kann, das seinem Wesen nach gut sein muss. In abgemilderten, auch in der Geschichte und Realität des Christentums selbst anzutreffenden Formen von Aberglauben wird zwar an der Einzigkeit des guten Gottes festgehalten, aber der Versuch unternommen, ihn durch bestimmte rituelle Praktiken in seinen Entscheidungen und Handlungen zu beeinflussen (Magie) oder diese zumindest vorhersehen zu können (Prophezeihungen, Astrologie). Es können sich im christlichen Kontext zwar Formen von Aberglauben entwickeln, diese gehören aber nie zum Wesen des Christentums. Obwohl in den biblischen Schriften eine Reihe von Phänomenen begegnen, die aus der Perspektive einer aufgeklärten Theologie als abergläubisch eingestuft werden könnten, darf nicht übersehen werden, dass beginnend vor allem mit dem Bilderverbot aus den alttestamentlichen Zehn Geboten (Dtn 5,8) auch ein kritisches Korrektiv gegen jede Form von Aberglauben eingeführt ist. Positiv lässt sich die auch gegenwärtig bestehende Tendenz zu abergläubischen Vorstellungen (Esoterik) auf das natürliche Bedürfnis des Menschen zurückführen, die Religion in sinnlicher Vermittlungsform aufzunehmen. Diesem Bedürfnis trägt der christliche Gott darin Rechnung, dass er dem Menschen im bildsprachlichen Offenbarungswort und zuletzt im Mensch gewordenen Gotteswort Jesus Christus selbst sinnenfällig erscheint. Im Unterschied zum Aberglauben bleibt aber in Schriftwort und Inkarnation der darin sich sinnlich mitteilende Gott stets auch verborgen, transzendent und unverfügbar.

Martin Thurner

→ Geister

Aberglaube (isl.)

(arab. Khurafa, türk. Hurafe)

Unter Aberglaube werden in der islamischen Theologie populärreligiöse Vorstellungen sowie Praktiken zusammengefasst, die nicht von der Vernunft oder der Offenbarung abgeleitet werden können: Wahrsagerei, Herstellung von Amuletten, Deutung von Gegenständen und Ereignissen als Glück oder Unglück bringend. Der Koran und die Hadithe verwerfen und verbieten Aberglaube sowie diesbezügliche Praktiken, die mit dem Anspruch verbunden sind, das Schicksal des Menschen beeinflussen zu können, ohne den Verstand zu gebrauchen, Hilfe in vertrauenswürdigen Quellen des Wissens oder bei Gott zu suchen. Viele Verse des Korans enthalten Aussagen, die den Menschen anregen zu denken, den Verstand einzusetzen, zu urteilen und von Beispielen zu lernen (2/73, 219; 3/118, 191; 6/32, 151; 16/44; 24/44; 59/2). Muhammad verbot zu seinen Lebzeiten den Besuch von Wahrsagern (s. Muslim), bezeichnete die Zauberei und das Verwenden von Amuletten als glaubenswidrig (s. Tirmidhi) und erklärte, der Islam kenne kein Ausgeliefertsein an ein negatives Schicksal. Er hob auch hervor, dass negative Gefühle, die bei Vorhersagen über die Zukunft im Herzen entstehen können, die Menschen nicht davon zurückhalten sollten, ihre Absichten in die Tat umzusetzen (s. Bukhari).

In der Entstehungszeit des Islams gab es eine Vielzahl von obskuren Praktiken wie schwarze Magie, Geisterbeschwörung oder Wahrsagerei. Muhammad lehnte dies alles ab und empfahl, sich entschlossen, geduldig, fleißig, vernünftig zu verhalten und mit den Mitmenschen zu beraten. Er bezeichnete z.B. die Zauberei als eine der größten Sünden (s. Nasai) und verurteilte die Vorstellungen, die Sterne brächten Regen (s. Bukhari) oder eine Sternschnuppe kündige Geburt oder Tod eines bestimmten Menschen an (s. Bukhari). Er missbilligte auch die Vorstellung, dass Naturereignisse wie Mond- oder Sonnenfinsternis Glück oder Unglück bedeuteten. Als sein Sohn Ibrahim starb, warnte er die Menschen, dessen Tod mit einer gleichzeitigen Sonnenfinsternis in Verbindung zu bringen (s. Bukhari).

Überall dort, wo ein solides Wissen über die eigene Religion fehlt, gelten Vorstellungen des Aberglaubens als rechtgläubig. Dies hat zur Folge, dass der wahre Glauben entstellt wird, Fantastereien aufkommen, Rationalität, wissenschaftliches Denken und die Realität verloren gehen und eine emotionale wie finanzielle Ausbeutung der Menschen um sich greift.

İsmail Hakkı Ünal

→ Grabbesuch; Heilige Stätten; Vorsehung

Abkommen von Medina (isl.)

(türk. Medine Sözleşmesi)

Beim Abkommen von Medina handelt es sich um eine Vereinbarung, die unter Mitwirkung von Muhammad nach der Hidschra nach Medina (622) getroffen wurde, um die Beziehungen zwischen unterschiedlichen religiösen und sozialen Gruppen auf eine gemeinsame Rechtsgrundlage zu stellen und das gegenseitige Vertrauen zu stärken. Unterschiedliche Teile des Textes sind über Werke späterer Autoren überliefert worden, sodass die ursprüngliche Urkunde nicht im Original, sondern nur fragmentarisch und in Abschriften späterer Autoren vorliegt. Einige Gelehrte begannen Anfang des 20.Jh.s, die überlieferten Textfragmente miteinander zu vergleichen, um ein möglichst genaues Abbild von der ursprünglichen Abmachung zu erhalten.

Die in und um Medina (damals Yathrib) ansässigen Sippen und Stämme waren seit gut einem Jahrhundert vor der Ankunft von Muhammad untereinander verfeindet; die bekanntesten in Medina waren die arabischen Stämme Aus und Khazradsch sowie die jüdischen Stämme Quraiza, Qainuqa und Nadir. Einige führende Bewohner von Medina sahen, dass sich die Verhältnisse durch die vorherrschenden Stammesrechte und die Blutrache zwischen den Stämmen stetig verschlechterten. Um den Fehden ein Ende zu setzen, begaben sie sich auf die Suche nach einem Schlichter, den alle streitenden Parteien akzeptieren würden. Wenige Jahre vor der Hidschra trafen sich Angehörige der Stämme Aus und Khazradsch während der Pilgersaison bei Aqaba heimlich mit Muhammad. Sie kamen zu der Überzeugung, dass er mit seiner Botschaft und herausragenden Persönlichkeit eine Lösung für ihre innere Zerstrittenheit herbeiführen könnte, und traten zum Islam über. Sie luden Muhammad als Schlichter für ihre Konflikte nach Medina ein und versprachen ihm und den Muslimen im Falle der Übersiedlung Schutz. Daraufhin wanderten zunächst die Anhänger Muhammads nach Medina aus, und später folgte ihnen Muhammad selbst.

Das Abkommen von Medina war ein diplomatischer Erfolg besonderer Art. Es hatte nämlich auf der Arabischen Halbinsel ein neues Verständnis von Gesellschaft zur Folge: In der Vereinbarung wurden die gesellschaftlichen Gruppen nicht mehr über ihre Sippen- oder Stammeszugehörigkeit, sondern ihren Glauben definiert.

So wurden die quraischitischen Einwanderer (muhadschirun) aus Mekka und die Muslime aus den beiden medinensischen Stämmen Aus und Khazradsch, die nunmehr als Helfer (ansar) bezeichnet wurden, zu einer Gemeinschaft (umma) zusammengefasst. Bereits unmittelbar nach der Hidschra waren die Muslime aus Mekka und Medina durch Muhammad zu Brüdern erklärt worden, was nicht der üblichen Stammesauffassung entsprach. Auch die im Vertrag erwähnten jüdischen Stämme und die Polytheisten wurden als Teil der Gemeinschaft angesehen.

Das Abkommen von Medina erklärt erstmals in der Geschichte eine Stadt, Medina, zu einem geschützten Bezirk (haram). In einem juristischen Streitfall waren nicht mehr Verwandtschaftsbeziehungen oder Religionszugehörigkeit entscheidend, sondern maßgeblich war das geltende Recht. Dieses basierte auf allgemein anerkannten Prinzipien der Wohltätigkeit, Gerechtigkeit und Ethik. So orientierte man sich z.B. bei der Festlegung des Lösegeldes für Kriegsgefangene am gesellschaftlichen Konsens (maruf).

Nach außen trat die medinensische Gesellschaft nun als eine aus muslimischen, jüdischen und anderen Bevölkerungsgruppen bestehende Einheit auf. Daraus erwuchs ein gemeinsames Verantwortungsbewusstsein aller Bewohner der Stadt angesichts von außen kommender Bedrohung. Nicht nur die Muslime, sondern nun auch die Juden beteiligten sich alle an den Kosten der Verteidigung. Darüber hinaus begannen Muslime, intern eine Verwaltungs- und Finanzstruktur aufzubauen, und übernahmen gemeinsam Verantwortung für die Unterstützung von Glaubensbrüdern, die durch die Zahlung von Lösegeld in finanzielle Not geraten waren. Die Bestimmungen des Abkommens hatten nur ungefähr zwei Jahre Bestand, da einige Juden dagegen verstießen. Dennoch schuf es ein Gesellschaftsmodell für das Zusammenleben von religiös und kulturell unterschiedlichen Gruppen, das noch heute für viele Muslime als Vorbild gilt.

Mehmet Paçacı

→ Blutrache; Gesellschaft; Gewohnheitsrecht; Judentum; Minderheiten, religiöse; Verfassung

Ablass (chr.)

(türk. Günah Affı)

Ablass, im modernen Deutsch: Nachlass oder Erlass, bedeutet nach traditioneller katholischer Lehre den Erlass von göttlichen oder kirchlichen Strafen, die ein Sünder nach vorheriger Vergebung durch Gott noch zu übernehmen, abzubüßen hat. Die durch den Papst festgelegten Bedingungen, einen solchen Ablass zu erlangen, bestehen darin, einige Verpflichtungen zum Gebet zu erfüllen und/oder ein gutes Werk zu tun, zum Beispiel Geld für ein Werk der Barmherzigkeit zu spenden.

Der Ursprung des Ablasses war eine christliche Idee von großer Tragweite. Die Alte Kirche kannte eine sehr strenge Bußpraxis gegen schwere öffentliche Sünder (Mörder, Ehebrecher, Apostaten). Sie bedurften nicht nur der Vergebung Gottes, sondern auch der Versöhnung mit der Kirche, denn sie hatten deren Verkündigung durch ihre Übeltaten kompromittiert. Dies geschah durch harte Bußpflichten, und erst nach deren Erfüllung wurden sie wieder mit der Kirche versöhnt. Aber sogenannte Bekenner, Gemeindeglieder, die unter der Folter nicht schwach geworden waren, konnten für die bußfertigen Sünder eintreten, und auf ihre Intervention hin konnten ihnen die Bußzeit und die harten Bußpflichten abgekürzt werden. Der Ursprung des Ablasses ist also die Solidarität der Starken mit den schwach Gewordenen. Mit dem Ende der Verfolgungszeit (nach dem Edikt von Mailand des Kaisers Konstantin im Jahre 313) und der Einführung der (geheimen) Ohrenbeichte war eine neue Situation gegeben: Die harten Bußauflagen verlagerten sich auf die Zeit nach der Versöhnung durch die Lossprechung im Bußsakrament. Aber sie blieben hart, und weil der Grundsatz galt: »Keine Sünde ohne Strafe« (Augustinus, 354–430), und weil der Katalog der schweren Sünden über die genannten öffentlichen Sünden hinauswuchs, entstand für viele Gläubige die Furcht, so viel Strafe abzubüßen zu haben, wie es in diesem Leben gar nicht möglich war. Seelsorgliche Milde sorgte daher schon im frühen Mittelalter für vielfältige Formen des Erlasses, auch gegen Geldspenden. Von hier aus führt der Weg in die Perversionen des Spätmittelalters, die von der ursprünglichen großen Idee nichts mehr erkennen ließen. Dabei war der eigentliche Skandal noch nicht einmal die schlimme Geschäftemacherei, sondern das dahinter stehende abergläubische Bild von Gott: Dieser muss unnachgiebig gerecht sein und auf der Strafe bestehen. Die Menschen aber können nach vom Papst festzusetzenden Bedingungen Gott gewissermaßen in den Arm fallen und ihn zu einem Akt der Barmherzigkeit nötigen, den er vor seiner Gerechtigkeit eigentlich nicht verantworten kann. In besonderen Fällen kann auch der Papst schwere Sünden vergeben.

Durch jüngste Äußerungen des kirchlichen Lehramtes, insbesondere durch die Päpste Paul VI. (1963–1978) und Johannes Paul II. (1978–2005), sind sowohl die Kommerzialisierung als auch die abergläubischen Vorstellungen endgültig überwunden. Ablass heißt jetzt: einander solidarisch helfen bei der Überwindung der Folgen der Sünde. Es wird gerade nichts erlassen. Vielmehr werden die Christen aufgefordert, würdige Früchte der Buße zu bringen. Das trotzdem beibehaltene Wort Ablass wird dabei freilich zu einer leeren Worthülse. Die Ostkirche und ihre Theologie haben den Ablass und seine Perversionen niemals mitgemacht. Die protestantischen Kirchen verdanken ihren historischen Ursprung der Kritik Martin Luthers (1483–1546) in seinen berühmten 95Thesen gegen den Ablass vom 31.Oktober 1517.

Otto Hermann Pesch

→ Aberglaube; Buße; Finanzwesen; Strafe; Sünde

Abraham (chr.)

(türk. İbrahim)

Abraham ist neben Isaak und Jakob einer der Erzväter Israels. Nach der mehrschichtigen Überlieferung der Genesis (Gen 11,10–25,10) lebte Abraham in der ersten Hälfte des 2.Jt.s vC.In zeitgenössischen Quellen außerhalb der Bibel ist er nicht belegt, wohl aber ist der Name gebräuchlich, der in zwei Varianten auftaucht: Abram und Abraham (vgl. Gen 17), aber keinen Bedeutungsunterschied aufweist (= »Er ist erhaben mit Bezug auf den Vater«). Ob es sich bei Abraham um eine historische Person handelt, ist umstritten. Im Alten Testament ist er mit Sara verheiratet und der Vater Isaaks, hat aber mit der Nebenfrau Hagar einen weiteren Sohn, Ismael (Gen 16). Er soll aus Mesopotamien stammen. Auf Befehl Gottes, der die Abrahamgeschichten unter das Thema der Verheißung, d.h. einer großen Nachkommenschaft, den Besitz des Landes Palästina und der Segensmächtigkeit über die Völker stellt, wandert er mit Sara und seinem Neffen Lot nach Palästina aus (Gen 12,1–7). Dort trennt er sich von Lot und trifft auf den Jerusalemer Priesterkönig Melchisedek (Gen 13f.), bevor in einer Gotteserscheinung die Verheißung wiederholt (Gen 15) und ein Bund mit dem Bundeszeichen der Beschneidung geschlossen wird (Gen 17). Abraham lässt sich in Hebron nieder, wo er vor der Zerstörung von Sodom und Gomorra versucht, Gott von dem Strafgericht abzubringen (Gen 18). Die Geburt des Sohnes Isaak hat die Verstoßung Hagars und Ismaels zur Folge (Gen 21). Einen Höhepunkt bildet die Prüfung Abrahams durch Gott, der ihm die Opferung Isaaks befiehlt, die dann erst durch das Eingreifen eines Engels verhindert wird (Gen 22). Nach dem Tod Saras erwirbt Abraham einen Erbbegräbnisplatz bei Hebron (Gen 23). Er soll im Alter von 175Jahren gestorben und in Hebron begraben sein (Gen 25). Nach Ps 47,10 werden die Fürsten der Völker zur Verehrung des universalen Königs Jahwe als Volk des Gottes Abrahams versammelt. Im Neuen Testament wird Abraham nach Gen 15,1–6 vor allen Dingen als Urbild des glaubenden Menschen dargestellt (Röm 4; Gal 3; Hebr 6,13–17; 7,1–10; 11,8–19; Jak 2,21–24). Lk 16,19–31 belegt die Vorstellung, dass die Verstorbenen in Abrahams Schoß aufgenommen werden. Abraham bietet sich als Integrationsfigur für die drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam an, da er in allen drei Religionen eine Rolle spielt, aber den jeweils den individuellen Religionstyp prägenden Gestalten Mose, Jesus und Muhammad vorausliegt.

Martin Arneth

→ Beschneidung; Isaak; Jahwe

Abraham (isl.)

(arab. Ibrahim, türk. İbrahim)

Abraham ist der im Koran am häufigsten erwähnte Prophet. Er wird als »Gottesfreund« (4/125) und »Vater der Gläubigen« (22/78) bezeichnet. Abraham soll sehr sensibel und ruhig gewesen sein und sich Gott aufrichtig und standhaft hingegeben haben (11/75). Ausführlich wird über seinen Kampf um den Monotheismus und sein beispielhaft sittliches Verhalten berichtet.

Überlieferungen zufolge ist Abraham ca. 1900 oder 2000 vC. in der zwischen Kufa und Basra gelegenen Stadt Ur geboren. In den Versen über Abraham fällt auf, dass er zu der Überzeugung von der Existenz Gottes einerseits durch die Beobachtung der Natur, andererseits auf dem Weg der Vernunft gelangt ist. In dieser Hinsicht ist er ein sehr bedeutender Prophet, weil er sich entsprechend der natürlichen Veranlagung des Menschen, an Gott zu glauben, verhielt und auch anderen den Weg wies (6/76–79). Dem Koran zufolge versuchte er, durch eine symbolische Handlung die Unvernünftigkeit des Mehrgottglaubens aufzuzeigen und dadurch auf die Vernünftigkeit des Glaubens an die Existenz des Einen Gottes zu verweisen: Um die Machtlosigkeit der zu seiner Zeit verehrten Götzenbilder zu demonstrieren, zerstörte er sie und hängte dann das Beil an den Hals des größten Götzen. Er wurde daraufhin zum Feuertod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Doch das Feuer hat ihn aufgrund des Befehls Gottes »Feuer, sei kalt und taste Abraham nicht an!« (21/69; vgl. 21/51–70) nicht verzehrt.

Abrahams nicht endende Liebe und Verbundenheit mit Gott werden nachdrücklich betont. So hat Abraham sogar die Opferung seines Sohnes in Kauf genommen. Aufgrund von Abrahams Glaubens und seiner Treue sandte Gott ihm ein Opfertier und verhieß ihm einen weiteren Sohn.

Vielen Muslimen gilt Abraham auch als der Wegbereiter der Pilgerfahrt. Ebenso wird angenommen, dass sich an der Stelle, an der heute die Kaaba steht, das erste Gotteshaus der Menschheit befand. Dem Koran zufolge hat Gott Abraham den Ort angegeben, an dem die Kaaba entstehen sollte (22/26). Gemeinsam mit seinem Sohn Ismael hat Abraham dann die Kaaba errichtet (2/127). Danach gebot Gott ihm die Verbreitung des Wallfahrtskultes und die Reinhaltung des Gotteshauses (2/125; 22/26–28).

Der Name Abrahams wird von den Muslimen bei jedem rituellen Gebet zusammen mit dem Muhammads genannt.

Mehmet Katar

→ Gottsucher; Opfer; Religiöse Veranlagung, natürliche

Abschiedspredigt, Muhammads (isl.)

(arab. al-Khutba al-Wada, türk. Veda Hutbesi)

Bei der sogenannten Abschiedspredigt handelt es sich um jene Predigt, die der Prophet Muhammad ungefähr drei Monate vor seinem Tod (632) während der Pilgerreise in der Nähe von Arafat vor Tausenden von Muslimen hielt und mit der er sich von ihnen verabschiedete. Der Prophet fasste darin den Inhalt seiner 23-jährigen Verkündigung zusammen und hob noch einmal deren Schwerpunkte hervor. Er forderte die Muslime auf, an Gott zu glauben und Ihm zu gehorchen. Er betonte die Unantastbarkeit und Heiligkeit des Lebens, des Eigentums und der Menschenwürde, die er als Grundlage von Sicherheit und Recht in der Gesellschaft darstellte. Er verbot, sich an anvertrautem Gut zu vergreifen, oder auch Zinsen (faid) zu erheben, da diese Quelle unverdienten Gewinns seien. Außerdem schaffte er die Blutrache ab, da sie Leben und Menschenwürde bedrohe. Auch erinnerte er erneut an die gerechte Strafe für Mord. Er sprach über die gegenseitigen Rechte und Pflichten der Eheleute als stabile Basis für die Ehe als Institution und ermahnte die Männer ausdrücklich, die Frauen gut zu behandeln und ihre Rechte zu achten.

Alle Gläubigen wurden aufgefordert, nicht in vorislamische Sitten zurückzufallen und den Versuchungen des Satans zu widerstehen. Im weiteren Verlauf der Predigt hob der Prophet hervor, dass alle Gläubigen Geschwister seien und keinem etwas vom Gut seines Bruders zustehe, außer dem, was dieser ihm aus freien Stücken gebe. Die Gläubigen sollten sich an das Buch Gottes halten, um nicht vom rechten Weg abzukommen. Er sagte, alle Menschen stammten von ihrem gemeinsamen Vater Adam ab, und der wiederum sei aus Erde erschaffen worden. Deswegen sei niemand einem anderen überlegen, einzig die Treue zu Gott und zum Glauben könne eine Überlegenheit begründen. Die Predigt rief außerdem die Grundlagen legitimer Erbteilung in Erinnerung. Muhammad nannte sich selbst und seine Verwandten als Beispiele für die Umsetzung der Grundsätze seiner Predigt, um zu zeigen, dass niemand über dem Recht stehen dürfe, selbst er und seine Familie nicht.

Mehmet Paçacı

→ Gefährten Muhammads; Muhammad; Predigt

Absolution → Bußsakrament/Beichte als Sakrament (chr.)

Absolutheitsanspruch (chr.)

(türk. Mutlakiyet Hakkı)

Der Absolutheitsanspruch besteht in der Überzeugung, dass das Christentum der unüberbietbare Höhepunkt und die Vollendung der Religionsgeschichte ist. Alle anderen Religionen sind entweder überwundene Vorstufen oder Neubildungen durch Abfall vom Christentum. Das Christentum hat jedenfalls von den Religionen nichts zu lernen, hat sein Wesen losgelöst von ihnen und ist in diesem Sinne absolut.

Diese Theorie wurde ausgebildet in der sogenannten Liberalen (protestantischen) Theologie in der zweiten Hälfte des 19.Jh.s. Ihre Vertreter glaubten, diese Theorie auch und gerade historisch, also im religionsgeschichtlichen Vergleich, beweisen zu können. Die katholische Kirche und Theologie hat sich an dieser Diskussion nicht beteiligt. Sie war ohne Selbstzweifel aus dogmatischen Gründen überzeugt, dass nicht nur die christliche Religion überhaupt, sondern die römisch-katholische Kirche die allein wahre Kirche Jesu Christi und als solche der Höhepunkt und der Abschluss der Religionsgeschichte sei. Erst in der zweiten Hälfte des 20.Jh.s und dann besonders im Gefolge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) kommt das Thema des Absolutheitsanspruchs wieder auf die Tagesordnung, jetzt aber, im Zeichen des interreligiösen Dialogs, als abschreckendes Beispiel. Während die evangelische Theologie gelegentlich von der Versuchung befallen wird, alle Religionen prinzipiell als gleichberechtigte Wege zum Heil gelten zu lassen (pluralistische Religionstheologie), sucht die katholische Theologie im Anschluss an die Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen nach der Möglichkeit, Wahrheit Gottes in den Religionen anzuerkennen, in ihrem Licht den eigenen Glauben besser zu verstehen und die Möglichkeiten der Zusammenarbeit für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt wahrzunehmen.

Realistisch ist festzuhalten: Jeder Glaubende, der fest von seiner Religion überzeugt ist, tut dies mit einem subjektiven Absolutheitsanspruch, das heißt: Er/Sie hält die eigene Religion für die unüberbietbare Wahrheit und ist nicht bereit, diesen Anspruch in einem interreligiösen Dialog auch nur vorläufig aufzugeben. Beim Stichwort Absolutheitsanspruch kann es also nur um die Möglichkeit oder Unmöglichkeit eines objektiven Anspruchs gehen. Darüber kann trotz aller subjektiven Glaubensfestigkeit mit Argumenten gestritten werden – zum Beispiel, wer das plausiblere Bild von Gott oder die menschlich mehr einleuchtende Antwort auf Ursprung und Überwindung des Leidens hat. Da aber der Glaube immer eine unerzwingbare freie Tat des vertrauenden Herzens und des zustimmenden Verstandes ist, ist ein objektiver Absolutheitsanspruch, der auch jenseits der Glaubenszustimmung argumentativ bewiesen werden könnte, seiner Natur nach unmöglich. Möglich ist nach weithin übereinstimmender Auffassung heutiger Theologie in allen Kirchen immer nur das durchdachte, geprüfte, auch durch Anfechtung und Zweifel gehärtete Urteil: »Ich weiß, wem ich Glauben geschenkt habe« (2Tim 1,12).

Otto Hermann Pesch

→ Dialog; Theologie der Religionen

Absolutheitsanspruch (isl.)

(türk. Mutlak Hakikat İddiası)

Das Gebot »Es gibt keine Gottheit außer Gott« bildet den Kern des islamischen Glaubens und drückt den im Islam an vorderster Stelle stehenden Absolutheitsanspruch aus. Da es sich dabei um die grundlegendste Wahrheit handelt, darf dieses Gebot im Islam in keinerlei Weise revidiert werden, es besitzt einen absoluten epistemischen sowie normativen Status und bedingt daher notwendigerweise direkt oder indirekt alle anderen Wahrheiten und Wertansprüche. Das heißt mit anderen Worten, dass es sich dabei aus Sicht des Islams um ein grundlegendes Gebot handelt, das Maßstab ist für Richtig und Falsch und dafür, ob etwas islamisch oder nichtislamisch ist. Daher ist im Islam die Richtigkeit jeglicher Aussage davon abhängig, ob sie mit dem Gebot »Es gibt keine Gottheit außer Gott« in Einklang steht oder zumindest diesem nicht widerspricht. Die simple Erkenntnis, dass Wahrheit der Wahrheit bedarf oder keine einzelne Wahrheit im Widerspruch zur absoluten Wahrheit stehen darf, hat im Islam zur Folge, dass jede Wahrheit durch die absolute Wahrheit bedingt ist, und daher jede Wahrheit diese grundlegende Wahrheit in gewisser Weise bestätigt. Von ihrem Wesen her stellen die Offenbarung als Manifestation von Gottes absolutem Wissen sowie die Richtigkeit des mittels des von Gott gegebenen menschlichen Verstandes erlangbaren Wissens ein direktes oder indirektes Zeugnis dieser absoluten Wahrheit dar. Der Absolutheitsanspruch im Islam beinhaltet, wie gezeigt wurde, den Anspruch, dass außer Gott keinem anderen Wesen in dem Maße wie Gott selbst die Eigenschaft einer Gottheit zugeschrieben werden darf. Insoweit dieser Absolutheitsanspruch des Islams, der Einsheit und Transzendenz Gottes betont wird und soweit es gilt, dass es nichts und niemanden gibt, der Gott ebenbürtig oder mit ihm zu vergleichen wäre, kann gesagt werden, dass er auf ontologischer Ebene das Gesetz der Identität erfordert (alles ist mit sich selbst identisch), was wiederum die Voraussetzung für einige weitere grundlegende ontologische Axiome bildet. Beispielsweise besteht zwischen Gott und den anderen Wesen ein unüberwindbarer Unterschied: Gott ist Gott, und alles andere ist nicht Gott. Dies bedeutet, dass alles außer Gott, dem einzigen Schöpfer, aus dem Nichts geschaffen wurde, die Geschöpfe von seinem schöpferischen Akt abhängig sind und, solange sie existieren, seiner ständig bedürfen. Im Gegensatz dazu ist Gott, der auch in persona