Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Eleonore Bergmann zieht es nach Cornwall, diesen geheimnisvollen Ort, der von Sagen und Legenden durchzogen ist. Sie war von ihrem Freund Bobby betrogen worden, dem Mann, von dem sie dachte, sie würden ihr ganzes Leben miteinander verbringen. Ihre Eltern wurden damals bei einem Raubüberfall getötet, da war sie gerade zwei Jahre alt. Alles, was sie bisher von ihren Eltern wusste, war, dass ihre Mutter aus Cornwall stammte. Eleonore lernt dort auch schnell neue Leute kennen, unter anderem den charismatischen Professor John Hughes, sowie Professor Eve Drees. Beide schienen ihre Mutter gut gekannt zu haben, geben aber widersprüchliche Aussagen über sie ab. Auch dem zurückgezogenen Studenten Danny kommt sie näher, der allerdings auch ein dunkles Geheimnis hat, wie sich später noch herausstellt. Nach und nach wird sie immer tiefer in einen Strudel aus Lügen und Intrigen gezogen. Sie muss erkennen, dass es zwischen Himmel und Erde mehr gibt, als ihr bewusst war, und dass ihr gesamtes Leben, wohl nur eine einzige große Lüge war.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 392
Veröffentlichungsjahr: 2025
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
I
Die Abreise
Die Wahrsagerin
Ein neues Leben
Blick in die Vergangenheit
Zukunftsängste
Rückkehr nach Deutschland
Briefe aus dem Jenseits
Abschied
Alles fügt sich zusammen
Die Kampfansage
Alte Sünden
Gute Zeiten, schlechte Zeiten
Ein Ausflug mit Folgen
Die Wahrheit kommt immer irgendwann raus
Gewagte Pläne
Plötzlich Familie
Vergangenheit und Gegenwart an einem einzigen Tag
Annäherung
Die Nähe zum Tod
Der Jahrmarkt
Alte Liebe
Gefährlicher Plan
Liebe und Tod stehen dicht zusammen
Liebe über den Tod hinaus
Eleonore packte ihre Koffer, sie war wütend, sie war enttäuscht. Drei Jahre lebte sie jetzt mit ihrem Freund Bobby zusammen, gemeinsam wollten sie sich eine Zukunft aufbauen. Sie hatte Bobby mit achtzehn Jahren kennengelernt, beide fühlten sich von Anfang an zueinander hingezogen.
Eleonore war in einem Heim aufgewachsen, ihre Eltern waren bei einem Raubüberfall auf offener Straße ermordet worden. Da war sie gerade zwei Jahre alt, sie hatte weitestgehend keine Erinnerungen an ihre Eltern oder an ihr Leben vor dem Heim. Im Polizeibericht stand, dass es wohl Drogenabhängige gewesen waren, und da es in Frankfurt eine große Drogenszene gab, wurden die Bemühungen nach einiger Zeit auch als aussichtslos eingestellt. Man hatte den oder die Täter nie gefasst. Eleonore war ehrgeizig und wissbegierig, zudem war sie auch schon immer eine gute Schülerin.
Gemeinsam mit Bobby hatte sie sich an verschiedenen Universitäten in England beworben, aber nur sie bekam einige Zusagen, hatte demnach den Luxus, eine freie Auswahl zu treffen. Sie hatte sich extra für ihr Studium etwas Geld angespart, was sie sich durch Kellnern neben der Schule dazuverdient hatte. Über drei Jahre hatte sie das durchgezogen. Aber da Bobby leider nur Absagen bekommen hatte, waren sie sich dann einig, zusammen in Deutschland zu bleiben, um hier auch gemeinsam zu studieren. Das war bis vor zwei Wochen auch noch aktuell, bis an jenem Abend, als sie ihn mit einer anderen Frau im Bett erwischte. Die kleine Kneipe, in der sie nebenbei arbeitete, hatte einen Wasserschaden, sodass die Angestellten alle wieder nach Hause geschickt wurden. Bobbys Erklärungsversuche liefen allesamt ins Leere, während die fremde Frau ihre Sachen zusammenraffte und sich schleunigst aus dem Staub gemacht hatte. Für Eleonore brach eine Welt zusammen, sie war sich sicher, mit Bobby alt zu werden, sie war sich sicher, mit dem richtigen und einzigen zusammen zu sein. Auf einen Schlag lag ihr ganzes Leben in Scherben vor ihr, und es hatte einige Tage gebraucht, bis sie sich wieder einigermaßen gefangen hatte, um dann die Initiative zu ergreifen. Sie wollte ein vollkommen neues Leben anfangen, sie wollte nach England reisen, genauer gesagt nach Cornwall.
Cornwall, dieser sagenumwobene Ort, an dem es reichlich Legenden und Mysterien gab. Von da stammte unter anderem die tragische Geschichte von Tristan und Isolde, oder die Liebesgeschichte der Meerjungfrau von Zennor, wo eine Meerjungfrau das Herz eines Mannes raubt, der ihr dann in das Meer folgt, um da mit ihr zu leben. Oder die allseits bekannten Legenden von King Arthur, oder auch Jack the Gigant Killer. Das war der Ort, an dem Eleonore Abstand von ihrem alten Leben bekommen wollte. Sie freute sich auf das Studium und das damit verbundene Leben in England.
Die Stoneheart Universität sollte das Ziel sein, und jetzt war es endlich so weit. Eleonore war bereits auf der Insel angekommen, stand mit ihrem Hab und Gut am Flughafen von Newquay, von wo sie abgeholt werden sollte. Etwas verloren stand sie da, mit ihren zwei Koffern sowie einer kleinen Reisetasche. Unruhig trampelte sie leicht von einem Fuß auf den anderen, wobei sie sich dabei unbewusst auf ihre Unterlippe biss. Jetzt, wo sie hier so mutterseelenallein stand, kamen doch einige leichte Zweifel bei ihr auf, ob diese Entscheidung die Richtige war. Eine Weile schaute sie sich die gehenden und ankommenden Leute an, wurde dabei aber auch selbst von einigen jungen Männern. verstohlen betrachtet. Schließlich war sie eine hübsche junge Frau, die schnell die Blicke auf sich zog, mit ihren langen schwarzen Haaren und ihrer schlanken sportlichen Figur. Die grünen Augen sowie ihre vollen Lippen taten ein Übriges dazu bei.
„Du musst Eleonore sein“, hörte sie plötzlich eine Stimme hinter sich, woraufhin sie sich umdrehte und einen jungen Mann mit rotem Haar, sowie unzähligen Sommersprossen erblickte, der ein Foto von ihr in der Hand hielt.
„Ich bin Ben, ich wurde damit beauftragt, dich nach Stoneheart zu bringen.“
Er schaute sie mit einem breiten Grinsen an, um sich dann auch sofort ihre Koffer zu schnappen. Eleonore lächelte freundlich zurück, „Ich freue mich, dich kennenzulernen, Ben.“
Auf der Fahrt zur Universität bemühte sich Ben, mit ihr ins Gespräch zu kommen, aber seine etwas plumpen Komplimente waren dazu nicht wirklich geeignet. Eleonore war freundlich, aber doch bestimmt, sodass der gute Ben seine Bemühungen schnell einstellte. Der jungen Frau war das nur Recht, so konnte sie wenigstens die Gegend mit ihrer reinen Natur genießen, die sich ihr bot. Sie kannte Cornwall ja nur von Bildern oder aus Filmen, sie war mit ihren zwanzig Jahren bis jetzt noch nie aus Deutschland heraus gekommen. Aber es war natürlich kein Vergleich, wenn man das jetzt alles live sehen und erleben konnte. Eleonore war allerdings dann auch froh, dass sie nach einiger Zeit auch endlich ihr Ziel erreicht hatten.
Sie war natürlich müde, da sie schon sehr früh auf den Beinen gewesen war. Sie bedankte sich noch höflich bei Ben, der sie an einem imposanten Herrenhaus abgesetzt hatte. Als Erstes fiel dieser dicke knorrige Baum auf, der direkt auf dem Rasen vor dem Herrenhaus stand. Er war nicht sehr hoch, vielleicht zehn Meter, hatte dafür aber einen gewaltigen Umfang. Nach oben ragten einige Äste, die aber so gut wie keine Blätter trugen. Nur vereinzelt sah man hier und da ein einzelnes Blatt an dem Baum. Aber das Auffälligste war wohl dieser dicke Stamm, der besonders aus einiger Entfernung auffiel. Denn es sah aus, als wenn die Köpfe von einem Mann und einer Frau zusammengewachsen waren. Man konnte durchaus zwei verschiedene Gesichter ausmachen, wobei beide in entgegengesetzte Richtung schauten, und die Hinterköpfe dabei ineinander verwachsen waren. Unwillkürlich fragte man sich, ob dieser Baum wirklich echt war, oder ob da jemand nachgeholfen hatte. Eleonore stand staunend vor diesem Wunderwerk, das einer Laune der Natur entsprungen zu sein schien. Erstaunt sah sie Ben mit großen Augen an.
„Was ist das bitte für ein traumhafter Baum? So etwas habe ich noch nie in meinem Leben gesehen.“
Ben lachte laut, „Alle, die diesen Giganten zum ersten Mal sehen, bekommen den Mund vor Staunen nicht mehr zu. Das ist ein Methusalem Baum, er ist uralt und hat hier schon gestanden, wo noch kein Mensch hier irgendetwas gebaut hatte. Die Leute im Ort sagen ihm magische Kräfte zu, was allerdings natürlich nur Aberglaube ist.“
Ben musste immer noch grinsen, als er Eleonore dabei zusah, wie sie langsam, fast ehrfürchtig um den knorrigen und vermoosten Stamm schritt.
„Du wirst noch viel Gelegenheit bekommen, ihn dir in Ruhe anzusehen, schließlich siehst du ihn jetzt jeden Tag, solange du hier bist. Komm, ich bringe dir noch die Koffer nach oben und zeige dir, wo du wohnst“, lachte er sie an, um sich dann erneut wieder ihre Koffer zu packen. Das Haus lag auf dem Universitätsgelände, wo es von den Studenten als Wohnheim genutzt wurde. Die Besitzer des Herrenhauses waren wohl alle tot, wie sie allerdings dann später erst erfuhr. Ben war einigermaßen außer Puste, als er mit hochrotem Kopf die schweren Koffer nach oben geschafft hatte.
„Ich frage mich immer wieder, was Frauen da so alles in ihre Koffer packen“, murmelte er vor sich hin. Dann zeigte er auf eine dicke Holztür, „So, das ist jetzt dein Bereich, ich wünsche dir noch viel Spaß hier.“
Damit war er mit einem letzten breiten Grinsen auch schon wieder verschwunden, woraufhin Eleonore sich erst mal in Ruhe umsehen konnte. Denn von dem Erdgeschoss und der ersten Etage hatte sie so gut wie nichts gesehen, weil sie sofort hinter Ben her geeilt war. Ein langer Flur, an dessen Wänden im oberen Bereich altmodische Tapeten hingen, während im unteren Bereich dunkle Holzvertäfelung angebracht war. Es standen einige Kommoden an den Wänden, auf denen die Blumenvasen irgendwie deplatziert wirkten. Die Beleuchtung der elektrischen Kerzenleuchter an den Wänden, die jeweils zwischen den Zimmertüren angebracht waren, brachten gerade so viel Licht, dass man nicht Gefahr lief, hier irgendwo vorzulaufen. Kein Geräusch war hierauf der oberen Etage zu hören, eigentlich ungewöhnlich für ein Studentenwohnheim, dachte Eleonore so bei sich. Aber jetzt wollte sie erst mal nur in ihr Zimmer, um sich auszuruhen. Morgen würde sie sicherlich wieder einen anstrengenden Tag vor sich haben, da war sie sich sicher.
Eleonore öffnete die schwere Tür, vor der Ben ihre Koffer abgestellt hatte, wobei sie sehr bemüht war, ihr Gepäck einigermaßen unfallfrei hindurch zu bugsieren, was sich als gar nicht so leicht herausstellte. Irgendwas blieb immer im Türrahmen hängen, mal war es ein großer schwerer Koffer, ein andermal war es die Reisetasche, deren Tragegurt sie sich um ihre Schulter gelegt hatte. Den einen Koffer hatte sie dabei in den Händen, den anderen Koffer versuchte sie mit dem Fuß in das Zimmer zu schieben, was ihr aber mehr schlecht als recht gelang. Etwas missmutig schaute sie ins Zimmer hinein, um dann direkt in das Gesicht eines jungen Mannes zu blicken.
Der schaute sie jetzt auch mindestens genauso entgeistert an, wie sie ihn. Er war etwa in ihrem Alter schlank und wirkte etwas schlaksig. Seine blonden Haare trug er etwas länger, wobei sie den Eindruck hatte, dass der Blick seiner blauen Augen etwas traurig ausfiel. Am meisten fiel allerdings seine Blässe auf, er sah aus, als wenn er noch nie die Sonne gesehen hätte. Wobei er aber da in England ganz sicher auch nicht der Einzige war, viele hatten hier diese blasse Haut, die in der Sonne dann auch nur ins Rote überging.
„Es wäre wirklich sehr freundlich, wenn du eben mit anpacken könntest“, lachte Eleonore ihn an.
Aber irgendwie reagierte er überhaupt nicht. Er schaute sich nur etwas unsicher um, um sich dann aber nach einem leisen Räuspern doch noch zu äußern.
„Du meinst mich?“
„Ja, natürlich meine ich dich, oder siehst du außer uns beiden noch jemanden hier?“
Er kam erst jetzt einige Schritte nach vorn, um ihr bei ihrem Gepäck zur Hand zu gehen.
„Entschuldige bitte, aber ich wusste nicht, dass heute jemand hier oben einzieht. Natürlich helfe ich dir gerne.“
Schnell hatte er sich jetzt die beiden schweren Koffer geschnappt, um sie dann im Zimmer abzustellen.
„So geht es besser, vielen Dank. Ich bin Eleonore, so wie man mir es eben gesagt hat, wohne ab heute hier.“
Der junge Mann sah sie immer noch ein wenig skeptisch, fast schon ängstlich an, als sie ihm ihre Hand entgegenstreckte. Etwas zögerlich streckte auch er seine Hand aus, um dann kurz die Hand der jungen Frau zu schütteln.
„Ich bin Danny, ich freue mich, dich kennenzulernen.“
Eleonore sah sich jetzt erst einmal neugierig hier um, sie stand in einer Art Arbeitsraum, der mit Schreibtisch, einem Stuhl, einer kleinen Sitzecke, sowie einem großen Kamin ausgestattet war.
„Ich bin gerade etwas überrascht, ich dachte, dass ich hier alleine wohne“, führte Danny weiter aus, „Da drüben, die Tür, führt in dein Reich.“
Mit einem zaghaften Lächeln zeigte er mit der Hand zu seiner rechten Seite.
„Ich hoffe, es stört dich nicht, dass ich auf der anderen Seite wohne. Aber jeder hat sein eigenes Bad, und wir können uns ja aus dem Weg gehen, wenn du es wünschst.“
„Nein, das ist schon in Ordnung, Danny, ich denke, wir werden miteinander auskommen, außerdem warst du ja auch als Erster hier“, lächelte Eleonore ihn an, wunderte sich allerdings dennoch, dass sie sie hier in dem Bereich mit dem jungen Mann untergebracht war. Aber es war für sie in Ordnung, jeder hatte sein eigenes Reich, zudem mussten die Zimmer hier natürlich auch für viele Studenten reichen, da musste man wohl auch mal Kompromisse schließen.
Danny half ihr noch mit den Koffern, die er in ihr Zimmer brachte, um sich dann höflich von ihr zu verabschieden. Er war dann auch schnell wieder in seinem Zimmer verschwunden, sodass Eleonore jetzt endlich zur Ruhe kam. Während sie sich auf das breite Bett fallen ließ, sah sie sich auch gleichzeitig kurz in dem Raum um. Außer dem Bett waren noch ein Kleiderschrank sowie eine Kommode vorhanden. An den Wänden hingen ein paar Landschaftsbilder.
Alles in allem war es altmodisch eingerichtet, aber es war sauber und gemütlich. Von den beiden großen Fenstern aus, die sich an der gegenüberliegenden Wand befanden, konnte sie die Universität sehen, die sich nicht weit von dem Herrenhaus befand. Sie hatte es also nicht weit, wenn der Unterricht dann losging. Zudem war da auch noch der gemeinsame Vorraum, wo sich nicht nur die gemütliche Sitzecke oder der Schreibtisch befand, sie war auch der Meinung, dass sie eine Tür zu einem Balkon gesehen hatte. Man hatte von hier oben bestimmt einen tollen Ausblick auf die Umgebung, sie war entschlossen, da sofort morgen nachzusehen. Über die Planung für den morgigen Tag schlief sie dann tief und fest ein. Als sie wieder wach wurde, war es stockdunkel im Zimmer. Einen Moment musste sie sich erst sammeln, um zu realisieren, wo sie sich überhaupt befand. Genau, sie hatte ihr Zimmer bezogen und war eingeschlafen. Sie kramte kurz in ihrer Tasche, um dann ihr Handy herauszuziehen. Vier Uhr dreißig, sie hatte tatsächlich über acht Stunden durchgeschlafen, ohne ein einziges Mal wach zu werden. Was aber auch nicht wirklich verwunderlich war, sie hatte die letzten zwei Wochen kaum geschlafen, zu sehr war sie in ihren Gedanken und Gefühlen gefangen. Erstmals war es ihr hier wieder einmal vergönnt gewesen, in dieser fremden Umgebung zur Ruhe zu kommen. Erstmals, seit sie aus Deutschland weg war, fühlte sie sich gut.
Ihre Augen benötigten eine ganze Weile, bis sie sich einigermaßen orientieren konnte. Neben dem Bett ertastete sie einen Schalter, den sie betätigte, sodass der Raum sofort von einer kleinen Lampe in ein schummriges Licht getaucht wurde. Vom Bett aus ging es jetzt in das zugehörige Badezimmer. Die Fliesen waren auch schon in die Jahre gekommen, sie waren alt und wirkten etwas vergilbt, aber ansonsten war das Bad zweckmäßig eingerichtet. Eine Toilette, ein Waschbecken, eine große Dusche. Ein Wäscheschrank war ebenfalls vorhanden, mit Bettwäsche, Handtüchern sowie einigen Putzutensilien. Aber auch wenn hier alles sehr altmodisch erschien, man konnte sehen, dass hier früher ganz sicher keine armen Leute gewohnt hatten. Zu der Zeit, wo es gebaut und eingerichtet wurde, waren hier alle Einrichtungsgegenstände absolut erste Wahl gewesen.
Nach einer ausgiebigen Dusche fühlte sich Eleonore wie neu geboren, um sich jetzt daranzumachen, ihre Sachen auszupacken. Ihre Wäsche brachte sie in dem Kleiderschrank und der großen Kommode unter, so viel hatte sie auch nicht mitgenommen, es war nur ihre Kleidung, ansonsten hatte sie nichts dabei. Alles andere hatte sie in Deutschland zurückgelassen. Es war jetzt inzwischen sechs Uhr dreißig, also beschloss sie erst mal die nähere Umgebung zu erkunden. Als Erstes ging sie auf den Balkon und war auch sofort von dem, was sie da sah, angetan. Von hier hatte man einen wunderbaren Blick auf die Steilküste sowie das dahinter liegende Meer. Man hatte fast den Eindruck, als wenn die Sonne sich gerade direkt aus dem Meer nach oben schob, es war ein überwältigender Anblick, der sich ihr da gerade bot. Cornwall war ihre absolut erste Wahl gewesen, mit seinen romantischen Küstenlinien, den kleinen Fischerdörfern oder den markanten Hügellandschaften. Und obwohl Cornwall zu England gehört, wirkt es so, als wenn es ein eigenständiges Land wäre.
Natürlich hatte sie sich schon seit Längerem mit England und Cornwall beschäftigt, besonders mit der Gegend rund um Stoneheart. Sie freute sich schon auf ausgedehnte Wanderungen, bei denen man immer mal wieder verzauberte Steinkreise entdecken konnte oder mit alten Hügelgräbern und Burgruinen belohnt wurde, die sich hier reichlich befanden. Dazu gab es in Cornwall diese imposanten Klippen, die man an einigen Steilküsten fand, und zudem auch noch viele Strände, die zum Verweilen oder Schwimmen einluden. Hier konnte sie dem Trubel der Großstadt entfliehen, sie würde ihre Zeit hier ganz sicher sinnvoll nutzen. Große Städte suchte man hier aber vergebens, die Namen der kleinen Ortschaften schienen dabei aus einer anderen Welt zu stammen, je tiefer man in den westlichen Teil vordrang. Es war eine kleine Welt für sich, die von dem Rest der Welt anscheinend völlig entkoppelt war. So manches Mal fühlte man sich in eine andere Zeit versetzt, was aber kein Nachteil war, wenn man die Natur und Ruhe suchte. Cornwall war natürlich auch ein beliebtes Touristenziel, aber hier in diesen ländlichen Gegenden verirrten sich wohl kaum Besucher.
Eleonore schloss ihre Augen, um den Augenblick ganz und gar zu genießen, hier zu sein. Dabei dachte sie an ein Erlebnis aus Deutschland zurück, das sie mit Bobby und ein paar Freunden hatte. Sie alle hatten zusammen einen alten Jahrmarkt besucht, sie alle waren in diesem Fall, Eleonore und Bobby, Birte und Sven, dazu noch Bastian, der einzige Single unter ihnen. Alles Leute, die sich schon länger kannten, die auch oft zusammen unterwegs waren. Birte entdeckte schließlich ein kleines Zelt, das abseits vom Trubel des Jahrmarkts stand. Wahrsagungen stand vorne vor, beim Näherkommen sah man dann auch das kleine verwitterte Schild am Eingang.
Madame Bellemont
Lassen sie sich ihre Zukunft vorhersagen
Bei Nichtgefallen bekommen sie ihr Geld zurück
Eleonore hatte sofort glänzende Augen, „Bobby, komm, da müssen wir unbedingt rein.“
„Das ist nicht dein Ernst, schau dir nur das alte kaputte Zelt von außen an, dann weißt du auch sofort, wie es da drinnen aussehen wird. Da bekommt mich keiner rein.“
Eleonore zog ihren Freund am Arm auf das Zelt zu.
„Bobby, bitte, mach schon … mir zuliebe.“
Sie hatte schon immer ein Faible für mystische und geheimnisvolle Dinge, während Bobby doch eher der Realist von ihnen war, und solchen Sachen überhaupt nichts abgewinnen konnte. Aber zum Glück kamen ihr die anderen zu Hilfe, die mit den richtigen Sprüchen auch ihre Wirkung erzielten.
„Bobby hat anscheinend Angst vor der Zukunft“, oder Ähnliches musste er sich anhören. Also ließ er sich dann letztlich doch breit schlagen, mit in das Zelt zu gehen, wenn auch mit einem missmutigen Gesichtsausdruck.
Ein paar alte Tücher hingen vor dem Eingang, die man wegschieben musste, um in das Innere zu gelangen. Es war schummerig hier drin, man konnte erst einmal gar nichts sehen, wenn man eingetreten war. Die Geräusche vom Jahrmarkt waren jetzt nur noch gedämpft zu hören, was verwunderte, denn es war ja dann doch nur ein wenig Stoff, der dazwischen war. Aber nachdem sich ihre Augen an die Umgebung gewöhnt hatten, konnten sie eine alte Frau an einem kleinen Tisch sitzen sehen, mit dieser obligatorischen Glaskugel sowie einem Kartenspiel vor sich. Sonst gab es hier nichts, außer einer kleinen Lampe, die ein dämmeriges Licht verbreitete.
„Kommt näher, ihr beiden“, hörte man eine krächzende Stimme, wobei die alte Frau mit einer Hand auf einen klapprigen Stuhl wies, der sich vor dem Tisch befand.
Eleonore freute sich wie ein kleines Kind, „Ich zuerst“, woraufhin sie auch schon bei der alten Frau saß.
Die Wahrsagerin hatte bestimmt die achtzig Jahre schon erreicht oder sogar überschritten. Unter einem bunten Tuch, welches sie um ihren Kopf gelegt hatte, konnte man ihre runzelige Stirn, sowie lange schlohweiße Haare sehen. Ihre blasse Haut war so voller Falten, wie sie beide noch nie bei einem Menschen gesehen hatten. Nur ihre dunklen Augen schienen voller Leben und Energie zu sein. Mit einem schiefen Gesichtsausdruck, den Eleonore als Lächeln deutete, flüsterte sie dann mit ihrer heiseren Stimme, „Kugel, Karten oder Handlesen?“
Dabei wurde sie aber sofort von Bobby unterbrochen.
„Was soll der Spaß denn kosten, gute Frau, das hätten wir vorher schon gerne gewusst.“
Die alte Frau sah ihn mit ihren fast schwarzen Augen durchdringend an, nur um dann kurz auf eine kleine zerbeulte Blechdose zu zeigen, die man vorher in dem Dämmerlicht überhaupt nicht gesehen hatte.
„Nur das, was ihr bereit seid, zu geben“, flüsterte sie dabei.
„Handlesen bitte“, platzte es aus Eleonore hervor, während sie gleichzeitig ihre Hand ungeduldig über den Tisch nach vorn streckte. Sie war gerade von Bobby und seinen ständigen Nörgeleien genervt. Die alte Frau kümmerte sich aber weder an Bobbys Nörgeleien noch an seinen angewiderten Blicken. Mit einer Hand griff sie unter Eleonores Hand, um dann mit ihrer anderen Hand die Finger glattzustreichen. Angestrengt schaute sie jetzt in die Innenfläche der Hand.
„Na, Handlesen kommt für mich schon mal nicht infrage“, dachte Bobby sofort bei sich, als er die Klauen der Alten sah. Lange weiße und dünne Finger, von Gicht geplagt, wie es den Anschein machte. Dazu noch diese dicken langen Fingernägel, die Bobby erschaudern ließen. Eleonore hatte allerdings überhaupt keine Berührungsängste, sie schaute mit neugierigem Blick auf Madame Bellemont.
„Ich sehe … ich sehe“, fing sie an, um dann auch wieder sofort abzubrechen, so als wenn sich Eleonores Zukunft ständig ändern würde.
„Ich sehe, dass du die Liebe deines Lebens finden wirst. Ich sehe aber auch sehr viele Schwierigkeiten, die dein Leben begleiten werden, die du jedoch alle meistern wirst. Ich sehe zwei Kinder und ein langes, glückliches Leben. Du und dein Mann werden in einem gemeinsamen Haus zusammen alt werden.“
Eleonore strahlte, die Zukunft, die sie ihr vorhersagte, war doch in Ordnung, es war das, was sie immer wollte. Einen Mann, Kinder, ein eigenes Heim. Viele würden das wohl altmodisches Denken nennen, aber Eleonore mochte diese Gedanken. Sie lächelte Bobby an,.
„Jetzt du.“
Der verdrehte die Augen, setzte sich aber anschließend auch auf den Stuhl, auf dem seine Freundin zuvor gesessen hatte. Er wollte jetzt nicht noch mehr Ärger provozieren, er wusste nur zu gut, wie sehr seine Freundin auf solche Dinge stand. Außerdem war er sich auch durchaus bewusst, dass Eleonore sehr wütend werden konnte, wenn er den Bogen überspannte.
„Glaskugel“, rief er laut, noch bevor er gefragt wurde, wobei die Alte grinsend nickte.
„Die Glaskugel soll es also sein, eine ausgezeichnete Wahl, junger Mann. Aber es ist egal, ob es die Karten, die Glaskugel oder das Handlesen ist, die Zukunft eines Menschen bleibt immer dieselbe. Genauso wie unsere Vergangenheit, die man auch nicht mehr ändern kann.“
Ihre schwarzen Augen hatten jetzt einen stechenden Blick, sodass Bobby einen Moment das Gefühl hatte, die Alte würde direkt in seine Seele blicken. Aber dann riss er sich wieder zusammen, um dem Hokuspokus endlich ein Ende zu setzen, wenn er auch ein sehr unbehagliches Gefühl dabei hatte. Dem Blick der Alten wich er dabei allerdings doch weiter aus, die sich jetzt ihrer Glaskugel widmete und angestrengt hineinsah. „Ich sehe ein Auf und Ab in deinem Leben, du wirst heiraten und zwei Kinder haben.“
Sie legte eine kleine Pause ein, in der sie Bobby wieder durchdringend ansah. Der nutzte diese kleine Pause auch sofort, um aufzustehen und ein nicht ganz ehrlich gemeintes „Danke, das hätte ich ja gar nicht gedacht“, hervor presste. Er kramte in seinem Portemonnaie herum, um dann einen zwanzig Euroschein in die alte Büchse zu legen. Als sie gerade zum Ausgang gehen wollten, wandte sich die Alte aber noch einmal an die junge Frau.„Komm doch bitte noch einmal her, Eleonore.“
Die schaute erstaunt auf die Alte, woher kannte sie denn ihren Namen? Langsam ging sie wieder auf die Wahrsagerin zu, konnte dabei erkennen, wie Madame Bellemont an ihrer Kleidung nestelte. Sie zog anschließend einen kleinen schwarzen Stein an einem Lederband hervor, den sie vor Eleonore hin und her baumeln ließ, während sie dabei vor sich hin grinste. Die sah die Alte jetzt etwas unsicher und auch fragend an, sie wusste nicht, was sie von ihr wollte.
„Das ist ein Glücksbringer, er soll dich in den nächsten Jahren begleiten, behalte ihn bitte für immer.“
Eleonore sah jetzt neugierig auf diesen kleinen glänzenden Stein, er war flach, in runder Form, schien an einer Seite aber abgebrochen worden zu sein. „Oh danke, ich werde ihn in Ehren halten, ganz bestimmt“, freute sich Eleonore, während sie stolz die Kette vor Bobby hin und her pendeln ließ.
„Echt toll, Eleonore“, knurrte der, wobei er auch schon wieder die Augen verdrehte. Er konnte es nicht glauben, dass seine Freundin auf so einen Blödsinn hereinfiel. Eleonore machte sich aber nichts daraus und winkte der alten Frau noch mal freundlich zu, um dann wieder durch die Tücher nach draußen zu gelangen. Man kam sich sofort wie in einer anderen Welt vor, wenn man aus dem Zelt rein oder auch herauskam. Eigentlich wollte sie Bobby jetzt noch eine Ansage machen, weil er sich so unmöglich benommen hatte. Aber er war nicht da, was Eleonore sehr wunderte, denn noch vor wenigen Augenblicken konnte er nicht schnell genug von da weg kommen. Der hatte sich nämlich beim Rausgehen noch einmal der Alten zugewandt, „Große Liebe, zwei Kinder und ein Auf und Ab. Das sagen sie doch jedem, und es passt ja auch bei jedem.“
Die Alte lachte jetzt hämisch, „Ja, ihr werdet beide dieselbe Zukunft haben, verheiratet und Kinder.“Dann sah sie ihn listig an, „Allerdings werdet ihr keine gemeinsame Zukunft haben, das steht fest.“ Bobby schaute jetzt fassungslos rein, stürmte dann allerdings auch aus dem Zelt, als die Alte plötzlich nach seiner Hand griff.
„Wo warst du denn noch so lange?“
„Ich habe mich nur noch verabschiedet“, plapperte er etwas außer Atem vor sich hin, irgendwie hatte die Alte ihm auf einmal Angst gemacht, als er da mit ihr alleine war. Auf keinen Fall würde er Eleonore erzählen, was sie ihm noch gesagt hatte, bevor er das Zelt fluchtartig verlassen hatte. Es würde nur unnötige Fragen aufwerfen, und er hatte keinesfalls vor, mit seiner Freundin darüber zu reden. Außerdem würde er nie vor den anderen zugeben, dass er vor der Alten regelrecht weggelaufen ist.
Eleonore schaute triumphierend in die Runde, „Na, unsere Zukunft ist gesichert, Heirat und Kinder. Wer ist der Nächste von euch, der etwas über seine Zukunft wissen möchte?“
Bobby war jetzt schon wieder genervt, „Eleonore, das, was sie da sagt, erzählt sie doch allen, einfach, weil es auf die meisten Menschen nun einmal zutrifft.“
„Ist mir egal, ich fand es spannend. Außerdem, woher wusste sie meinen Namen?“
„Sie wird ihn hier draußen aufgeschnappt haben, oder ich habe dich da drinnen so angesprochen, das ist doch alles kein Hexenwerk, diese Leute leben von solchen Dingen.“
Eleonore lachte jetzt, „Sei doch nicht immer so verdammt pedantisch, hab doch einfach mal ein wenig Spaß.“ Sie nahm ihn an die Hand, „Komm, zukünftiger Vater meiner Kinder, wir gehen weiter.“
Alle in der Gruppe, außer Bobby, mussten jetzt lachen, um dann wieder weiter über den Jahrmarkt zu schlendern. Bobby war der Einzige, der das alles überhaupt nicht witzig fand. Er wusste, dass es alles nur ausgedachte Geschichten waren, die nur geheimnisvoll genug herübergebracht werden mussten, um die Leute einzuwickeln. Aber irgendwie hatte er auch auf einmal ein ganz komisches Gefühl bei dieser ganzen Angelegenheit. Er nahm sich vor, morgen noch einmal alleine zu diesem Jahrmarkt zu gehen, das, was die Alte ihm gesagt hatte, ließ ihm keine Ruhe. Auf jeden Fall würde er sie zur Rede stellen, warum sie so einen Blödsinn erzählte. Die anderen mussten davon ja nichts wissen, sie hätten ihn ganz sicher einfach nur ausgelacht. Er, der an solchen Unsinn absolut nicht glaubte, immer alles plausibel erklären konnte, hatte auf einmal eine panische Angst vor dem, was da vorgefallen war. Es war früher Abend, als Bobby sich auf den Weg zum Jahrmarkt machte, er wollte das unbedingt klären, es ließ ihm einfach keine Ruhe. Er fühlte sich seit dem Besuch einfach unwohl, das wollte er jetzt ändern. Er war jetzt richtiggehend wütend, eigentlich auf sich selbst, weil er so heftig darauf reagierte. Aber er schob es lieber auf die Wahrsagerin, sich selbst zu täuschen war für ihn das bessere Gefühl. Auf dem Jahrmarkt herrschte Totenstille, Dunstschwaden zogen langsam über den Boden. Keine Menschenseele war hier zu sehen, aber warum war niemand hier? Langsam ging er weiter Richtung Zelt von Madame Bellemont, da hinten konnte er es auch sehen. An einem Fahrgeschäft daneben hielten sich zwei Männer auf, die ihn argwöhnisch beobachteten. Mit einem mulmigen Gefühl kam er näher, das wurde auch nicht besser, als einer der Männer mit dem Kopf Richtung Zelt zeigte, „Sie wartet bereits auf dich.“
Sie wartete auf ihn? Woher wusste sie, dass er zu ihr wollte? Das mulmige Gefühl verstärkte sich, er spürte, wie sein Magen sich langsam aber sicher zusammenzog. Sollte er lieber wieder gehen? Eine Stimme in seinem Inneren schrie laut, „Dreh um und geh wieder, noch ist Zeit.“
Bobby war drauf und dran, dieser Stimme nachzugeben, aber die beiden Männer sahen ihn jetzt so verächtlich an, als wenn sie seine Angst spüren konnten. Aber den Triumph wollte er den beiden Typen auf keinen Fall gönnen. Also gab er sich einen Ruck, er war jetzt schon mal hier, er wollte es jetzt auch zu Ende bringen. Er würde ihr seine Meinung sagen, um dann schnellstens wieder zu verschwinden. Langsam ging er durch die Tücher ins Innere, da saß sie genauso an dem kleinen Tisch, als wäre sie seit gestern überhaupt nicht aufgestanden. Langsam hob sie ihren Kopf nach oben, es sah dabei aus, als wenn ihr das große Mühe machen würde.
„Na, Junge, nicht zufrieden mit der Zukunft?“
Da war auch wieder dieser stechende Blick, der ihn schon einen Tag vorher so in Schrecken versetzt hatte. Bobby wusste nicht, wie er anfangen sollte; er stotterte eine Weile herum, bevor er einen ganzen Satz hervorbrachte. „Das, was sie gestern gesagt haben, das war nicht in Ordnung, das wollte ich mit ihnen klären.“
Im selben Moment wusste er allerdings, wie lächerlich das klang, was er gerade da vorbrachte.
„Was gefällt dir denn nicht? Ich kann dir doch nur die Zukunft vorhersagen, wie sie nun einmal ist. Ich habe dir doch gestern schon gesagt, die Zukunft bleibt, wie sie ist, ich kann sie nicht verändern, nur vorhersagen. Ändern kannst du sie nur selber, durch dein Handeln in der Gegenwart. Oder möchtest du lieber was aus deiner Vergangenheit hören, zum Beispiel, dass du ein Betrüger bist?“
Bobby sagte nichts dazu, aber er fühlte sich zunehmend unbehaglicher bei der Alten. Was redete sie denn da? Sie konnte kaum was aus seiner Vergangenheit wissen, und noch weniger etwas über seine Zukunft sagen. Schließlich fasste er seinen ganzen Mut noch einmal zusammen und versuchte seiner Stimme einen festen Klang zu geben.
„Sie haben uns Angst gemacht, wir haben schließlich für eine gute Wahrsagung bezahlt.“
Die Alte lachte jetzt laut auf, während sie sich ächzend von ihrem Stuhl erhob, um dann mit langsamen und schlurfenden Schritten auf Bobby zuzugehen.
„Bezahlt hast du für die Wahrheit, Junge, auch wenn sie dir nicht gefällt, sie bleibt, wie sie ist. Und Eleonore schien durchaus zufrieden mit ihrer Zukunft zu sein.“
Die Alte wurde immer lauter, sodass die beiden Männer, die draußen gestanden hatten, jetzt auch ins Zelt kamen. Beide schauten Bobby dabei grimmig an.
„Er ist ein Betrüger, er hat Eleonore betrogen“, schrie Madame Bellemont jetzt wie von Sinnen.
Das veranlasste die beiden Männer dazu, ihn jetzt links und rechts, mit eisernem Griff, an den Armen zu packen. Bobby war sportlich und kräftig, aber gegen die beiden hatte er keine Chance, sie zogen ihn vor das Zelt, wo auf einmal zahlreiche Besucher und Budenbesitzer waren.
„Betrüger“, riefen alle im Chor, wobei sie ihn böse ansahen.
„Ich habe nichts getan, ich bin unschuldig“, schrie Bobby gegen die Menge an, aber er wurde von den vielen Menschen einfach übertönt. Er sah, dass auch seine Freunde mitten in der Menge dabeistanden, ja sogar Eleonore war dabei, sie alle riefen lauthals immer wieder, „Betrüger, Betrüger.“
„Eleonore, du musst mir helfen, bitte“, rief er panisch.
Die Menge kam jetzt inzwischen sehr bedrohlich auf ihn zu, er bekam eine Heidenangst. Mehrere Hände griffen jetzt nach ihm, um an ihm herumzuzerren. Bobby schrie laut auf, während er sich jetzt kerzengerade im Bett aufrichtete. Er hatte zum Glück nur geträumt, aber er war schweißgebadet und brauchte deswegen eine ganze Weile, um sich wieder zu beruhigen. Zum Glück war Eleonore nicht zugegen, er war alleine zu Hause. Dieser verdammte Traum hatte sich so echt angefühlt, er musste sich erst mal eine Zeit lang sammeln, um dann anschließend duschen zu gehen. Diesen Abend ging er dann auch tatsächlich auf den Jahrmarkt, er hatte lange überlegt, ob er das wirklich machen sollte, aber um seine Ängste zu besiegen, musste es sein.
Er musste seine eigenen Zweifel beseitigen, sonst hätte es ihn sein Leben lang begleitet. Also machte er sich jetzt mit sehr gemischten Gefühlen auf den Weg. Der Jahrmarkt war wie immer gut besucht, sodass Bobby sich seinen Weg durch die Menge bahnen musste. Da hinten musste es sein, da musste das Zelt stehen. Aber er hatte sich geirrt, es war kein Zelt da. Er suchte noch eine Weile weiter, wusste dann aber nicht mehr, was er machen sollte, er fand das Zelt einfach nicht mehr. Es hatte hier gestanden, direkt hinter diesem Fahrgeschäft, zwar schlecht zu sehen, wenn man nicht wusste, dass es da war, aber sie waren ja schließlich drin gewesen. Vor dem Fahrgeschäft standen auch einige Leute, die augenscheinlich zum Jahrmarkt gehörten, die wollte er jetzt fragen, bevor er so ziellos weitersuchte.
„Ich suche Madame Bellemont, können sie mir sagen, wo sie ihr Zelt aufgebaut hat?“ Die Männer sahen sich an, „Madame Bellemont?“
Alle zuckten mit den Schultern, keiner kannte sie. Aber aus dem kleinen Fahrgeschäft im Hintergrund meldete sich eine Stimme, „Madame Bellemont? Ich kenne diesen Namen, die alte Dame ist früher immer mit uns mitgereist, sie ist aber meines Wissens schon viele Jahre tot. Du kannst sie eigentlich überhaupt nicht kennen, Junge.“
Bobby überlegte kurz, um dann aber resigniert mit den Schultern zu zucken. „Oh, danke, dann habe ich mich wohl geirrt.“ Was sollte er tun? Hatten die Männer ihn angelogen? Aber warum sollten sie das tun, zumal er selbst das Zelt ja auch nicht mehr gefunden hatte! Gedankenverloren ging er zurück, er zweifelte inzwischen selbst an dem, was geschehen war.
Von dem Traum, sowie dem erneuten Besuch von Bobby auf diesem Jahrmarkt, wusste Eleonore allerdings nichts. Er hatte ihr nie etwas darüber gesagt. Ihre Gedanken gingen nur bis zu dem gemeinsamen Besuch bei Madame Bellemont zurück. Die Sonne war jetzt als orangefarbener großer Ball am Horizont zu sehen, sie hatte sich inzwischen komplett aus dem Meer erhoben. Ein leichter kühler Wind wirbelte gerade ihre langen schwarzen Haare durcheinander, als sie eine leise Stimme hinter sich vernahm.
„Sei bitte vorsichtig, Eleonore, das Geländer ist schon sehr in die Jahre gekommen, es ist nicht ganz ungefährlich, sich dagegen zu lehnen.“
Eleonore drehte sich um, sah Danny in der Tür stehen. „Guten Morgen, Danny, ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich mich hier so frei bewege. Und natürlich erst einmal danke für den guten Rat mit dem Geländer.“
Schüchtern hatte Danny seinen Blick gesenkt, es schien gerade so, als traute er sich nicht, Eleonore anzuschauen.
„Natürlich ist es in Ordnung, fühl dich bitte einfach wie zu Hause. Ich bin dann jetzt auch wieder in meinem Zimmer, ich muss noch lernen.“
Dann war er auch schon in seinem Zimmer verschwunden. Nicht gerade gesprächig dachte Eleonore noch so bei sich, aber es war genauso, wie sie es sich wünschte. Sie wollte sich hier selbst auch nur auf das Lernen konzentrieren. Eleonore trat jetzt raus in den Flur, wo allerdings niemand zu sehen war. Hier oben schien sich wirklich niemand aufzuhalten, sie stand ganz alleine in dem langen Flur. Aber von dem Stockwerk darunter hörte sie Stimmen. Eine Etage tiefer sah sie auch schon einige Leute geschäftig hin und her zu laufen, die sich für den Tag bereit machten. Nach einem leisen „Guten Morgen“ von ihr, waren sofort alle Blicke auf sie gerichtet. Einige grüßten auch freundlich zurück, während ein paar andere sich nicht weiter um sie kümmerten und einfach weitergingen.
„Du bist also die Neue“, erklang da eine männliche Stimme, „Ben hat bereits von dir erzählt. Er sagte sinngemäß etwas von einer jungen Schönheit, und ich sehe, er hat nicht übertrieben. Komm, ich zeige dir hier alles.“
Ein junger Mann mit braunen Haaren und sportlicher Figur stand da, grinste sie an. Aber noch bevor Eleonore antworten konnte, ertönte auch schon eine weibliche Stimme hinter ihr.
„Das kannst du mal ganz schnell vergessen, Tom. Das mit dem Zeigen übernehme ich schon selber.“
Sie sah in das Gesicht einer jungen blonden Frau, „Lass dich nicht auf diesen Schürzenjäger ein, Tom bricht hier ständig die Herzen der Frauen. Da wärst du nicht die Erste und wohl auch nicht die Letzte.“
Tom lachte Eleonore dabei freundlich an, während er ihr dabei zuzwinkerte. „Lass dir nichts erzählen, das sagt sie nur, weil wir mal eine Zeit zusammen waren.“
Er ging mit einem strahlenden Lächeln an beiden Frauen vorbei, wobei er dann von seinen Freunden in Empfang genommen wurde. Die Gruppe der jungen Männer entfernte sich lachend, während die blonde Frau sich vorstellte.
„Ich bin Mira, ich werde dir hier nicht nur alles zeigen, ich werde dir auch einige Leute vorstellen.“
Mira trug ihre langen blonden Haare offen und anscheinend spielte sie auch gerne mit ihren Reizen. Mit ihrem tiefen Ausschnitt und ihrer knallengen Jeans zog sie so manche Blicke auf sich, die ihr aber augenscheinlich nicht unangenehm waren, sondern eher genauso gewollt waren. Sie lächelte, nahm Eleonore an die Hand, um sie, ohne eine Antwort abzuwarten, hinter sich herzuziehen. Als Erstes gingen sie nach unten in den großen Speisesaal, wo sie ein reichhaltiges Frühstück zu sich nahmen. Einige andere Studenten setzen sich mit an ihren Tisch, nachdem sie sich freundlich vorgestellt hatten. Es prasselten jetzt so viele Fragen auf sie ein, dass sie überhaupt nicht wusste, was sie zuerst beantworten sollte.
„Nun macht mal halblang“, beruhigte Mira die Situation, „Lasst sie doch erst einmal hier richtig ankommen.“
Endlich konnte sie selbst einige Fragen stellen, wobei Mira ihr auch bei allem weiterhelfen konnte und geduldig alles beantwortete, was ihr auf dem Herzen lag. Nach dem Frühstück zeigte sie ihr noch den Gemeinschaftsraum, der direkt neben dem Speisesaal lag. Ansonsten waren hier im Gebäude nur noch die Küche und die Zimmer der Bewohner. Dann ging es endlich rüber in die Universität. Dort lernte sie einige der Lehrkräfte kennen, die ihr dann auch gleich einen Plan mit Uhrzeiten und Räumlichkeiten für ihre belegten Fächer aushändigten. Zum Schluss ging es noch zum Direktor, Mira klopfte zaghaft an, wobei sie Eleonore angrinste.
„Unseren Dekan wirst du mögen, er kommt hier wirklich bei allen hervorragend an.“
Nach einem herein, betraten beide den Raum, wo sie dann einen Mann in einem eleganten Anzug am Fenster stehen sahen. Seine dunklen Haare hatte er nach hinten gekämmt, nur die Schläfen waren bereits ergraut. Man hatte für einen kurzen Augenblick den Eindruck, dass er Eleonore mit seinen stahlblauen Augen etwas verwundert anstarrte, aber schon eine Sekunde später lächelte er sie freundlich an.
„Sie müssen Eleonore Bergmann sein, ich freue mich sehr, dass wir sie für unsere Universität begeistern konnten. Ich denke, sie werden sich hier wohlfühlen.“
Er reichte ihr die Hand, wobei Eleonore dann das Gefühl hatte, dass er ihr tiefer in die Augen schaute, als es eigentlich notwendig war. Er war vielleicht kurz vor der fünfzig, wirkte aber jünger, sah so ein wenig wie James Bond Verschnitt aus. Und er schien auch durchaus diese Wirkung bei vielen Frauen zu haben. Auch Eleonore war sofort angetan von ihrem Gegenüber, er schien durchaus jemand zu sein, dem man sich anvertrauen konnte, wenn es sein musste.
„Wie spreche ich sie an, einfach nur, Herr Professor?“
Der Dekan lächelte sie entwaffnend an, und sein Blick pendelte jetzt zwischen Mira und Eleonore.
„Sie müssen entschuldigen, Eleonore, da habe ich völlig vergessen, mich bei ihnen vorzustellen, aber das kann schon mal passieren, wenn zwei so hübsche junge Damen vor einem stehen. Ich bin Professor Hughes, es reicht aber Professor oder Dekan, ganz so wie es ihnen gerade beliebt.“
Da war es wieder, dieses entwaffnende Lächeln; Eleonore konnte in diesem Augenblick deutlich spüren, dass sie etwas rot wurde. „Wir werden einige Zeit miteinander verbringen, sie haben auch einige Fächer bei mir belegt, wie ich gesehen habe. Aber ich will sie hier jetzt auch nicht unnötig lange aufhalten, ich denke, sie haben noch einiges zu tun. Bei Mira weiß ich sie in guten Händen. Wir sehen uns dann morgen.“
Ein letztes Lächeln, dann wandte er sich wieder seiner Arbeit am Schreibtisch zu, wo sich einige Unterlagen stapelten. Mira deutete einen etwas unbeholfenen Knicks an, dann verließen die beiden Frauen wieder den Raum. Mira verdrehte die Augen, „Ist er nicht toll?“
„Ein wenig alt, oder?“, fragte Eleonore vorsichtig nach.
„Ach was, er hat einfach nur die nötige Reife, die den jungen Männern nun mal fehlt.“
Da hatte Mira vielleicht nicht ganz Unrecht, aber dieses Thema war für Eleonore eben kein Thema. Von Beziehungen und Männern hatte sie vorerst genug. Sie lernte an diesem Tag noch einige Leute kennen, wodurch es ihr allerdings auch unmöglich war, sich alle Namen zu merken, dafür würde sie sicher noch einige Tage brauchen.
„Mira, sag mal, ich bin echt neugierig, was hat es mit diesem alten Baum auf sich? Ben tat so geheimnisvoll, sagte was von magischen Kräften, also er ist schon sehr imposant, das muss ich ja zugeben. Aber magische Kräfte?“
Mira grinste Eleonore an, „Der Liebesbaum ist toll, oder?“
Eleonore sah jetzt etwas amüsiert aus, „Liebesbaum?“
„Ja, wir nennen ihn so, weil alle schon irgendwann einmal ihre Hände an seinen Stamm gelegt haben.“ Mira lachte jetzt verschmitzt, „Auch wenn es viele nicht zugeben würden. Man sagt ihm nach, dass er Liebeswünsche erfüllen kann. Er kann Leute zusammen bringen, nicht nur Mann und Frau, sondern alle, die einem wichtig sind. Das können also auch Freunde sein oder Familie. Du musst nur an sie denken, wenn du ihn berührst.“
Eleonore konnte nur ein freundliches „Aha“, herauspressen,
obwohl gerade sieeigentlich immer von solchen Geschichten völlig fasziniert war.
„Denkst du denn an jemanden Bestimmtes, Eleonore? Wen möchtest du gerne treffen oder finden?“
Eleonore wollte weder jemanden finden, noch wollte sie jemanden suchen. Das Problem ließ sich aber geschickt lösen, indem sie von dem Thema ablenkte und sich nach den Klippen erkundigte.
„Mira, ich möchte auch unbedingt noch zu den Klippen, es muss toll sein, von da aus auf das Meer zu schauen. Da freue ich mich schon seit meiner Ankunft drauf.“
Mira erklärte ihr, wie sie am besten zu den Klippen kam, und dass sie dann vor allem genau hinschauen sollte, denn der Weg nach unten konnte schnell übersehen werden. Weil ein kleiner Pfad in den Klippen direkt nach unten zum Strand führte, der aber kaum zu sehen war, wusste man nicht, wo er war. Zudem sollte sie auch vorsichtig sein, denn bei der feuchten Witterung zurzeit konnte man schnell ausrutschen, wenn man nicht gut achtgab. Das war der nächste Weg, den Eleonore einschlug, darauf hatte sie sich schon gestern gefreut. Nachdem sie sich bei Mira bedankt hatte, ging sie jetzt den vorgeschlagenen Weg entlang, sodass sie auch schnell an den Klippen stand. Es war schon etwas furchterregend, da in die Tiefe zu sehen, aber ohne dem, hätte sie den beschriebenen Pfad sicher nicht gefunden, weil der auch wirklich kaum zu erkennen war. Zwischen zwei großen Felsen führte ein schmaler Weg nach unten, den sie aber jetzt ganz sicher nicht benutzen wollte, denn es war immer noch sehr windig. Zumal jetzt auch noch leichter Regen einsetzte. Also ging sie erst mal wieder zurück auf ihr Zimmer, wobei sie sich abermals aufs Neue wunderte, dass es hier oben so ruhig war. Sie und Danny, von dem weit und breit nichts zu sehen war, schienen wohl die Einzigen zu sein, die hier oben wohnten. Also ab in die Sitzecke, um erst mal den Plan zu studieren, den sie bekommenhatte, unter anderem war sie morgen schon in einer Vorlesung mit Professor Hughes.
An diesem Tag passierte dann auch nicht mehr allzu viel. Eleonore war mit Mira, sowie einigen anderen noch zusammen beim Essen, um danach die große Bibliothek zu besuchen. In der würde sie sicher noch sehr viel Zeit verbringen, da war sie sich sicher. Lesen war eines ihrer liebsten Hobbys, und die Bibliothek schien eine wahre Fundgrube an guter Literatur zu sein. Der Tag verging wie im Fluge, ärgerlich war nur, dass sie nicht weiter die Gegend erkunden konnte, aber der ständige Regen lud nicht wirklich dazu ein. Aber sie würde die nächsten Jahre, die sie hier jetzt verbringen würde, noch viel Gelegenheit dazu bekommen, das stand für sie fest. Dadurch, dass sie früh schlafen ging, fühlte sie sich dann morgens auch dementsprechend gut.
Der Unterricht machte Spaß, vor allem bei Professor Hughes fühlte sie sich sehr wohl, da machte auch Eleonore keine Ausnahme. Da war diese gewisse Präsens, wenn er einen Raum betrat, er konnte auf jeden Fall ausgezeichnet mit den jungen Leuten hier umgehen, das konnte man bei allen Anwesenden sehen und spüren. Vor allem bei den Damen war er mehr als beliebt, so mancher schmachtender Blick blieb dann auch zwischendurch an dem Professor hängen. Die glänzenden Augen der jungen Frauen sprachen Bände, wobei sich einige von ihnen auch nicht wirklich bemühten, ihre Avancen dem Dekan gegenüber zu verbergen. Aber auch bei den jungen Männern kam er hervorragend an, er hatte ihren vollen Respekt, das konnte man mehr als deutlich erkennen.
Auch Eleonore konnte sich dem Charme des Dekans nicht wirklich entziehen, zumal sie sich auch ein wenig geschmeichelt fühlte, dass er öfter zu ihr rüber sah und Wert darauf legte, sie in die Gespräche einzubeziehen.Die nächsten Wochen vergingen dann auch wie im Flug, und Eleonore hatte sich wunderbar eingelebt. Ihre besonderen Bedürfnisse nach unberührter Natur und ihr Drang, sich viel Wissen durch Bücher zu verschaffen, wurden hier bestens erfüllt. Das Lernen wurde niemals langweilig, zudem sie hier auch schnell Anschluss gefunden hatte. Es war die absolut richtige Entscheidung, hier herzukommen, da war sie sich jetzt, trotz einiger Zweifel, die sie noch vor ihrer Abreise hatte, sicher.
Die meisten der Leute waren ziemlich locker, jedenfalls die, die sie bereits kennengelernt hatte. Auch die Lehrkräfte schienen sehr kompetent zu sein, was aber auch kein Wunder war, diese Universität war nicht nur sehr bekannt, sie war auch sehr begehrt. Es war nicht selbstverständlich, hier studieren zu dürfen. Eleonore wusste schon nach kurzer Zeit, dass sie alles richtig gemacht hatte, die Abreise aus Deutschland und natürlich die Wahl der Universität. Zum einen war da natürlich Mira, mit der sie sich blendend verstand, zum anderen waren da auch noch Carol, eine kleine quirlige rothaarige Studentin, die anscheinend immer gute Laune hatte. Dazu kamen noch Tom, den sie an ihrem ersten Tag bereits kennengelernt hatte und der wohl mit Mira mal liiert war. Außerdem waren da noch Dan, ein großer blonder Hühne, der beste Freund von Tom, wie sie erfuhr, und Seymour, ein kleiner rundlicher Junge, der immer einen Witz auf Lager hatte. Sie alle kannten sich schon länger und waren ein eingespieltes Team. Sie verstand sich mit allen gut, genauso hatte sie sich ihren Neustart vorgestellt.
Mira zog Eleonore jetzt ein wenig zur Seite, tat dabei ein wenig geheimnisvoll, als sie mit gedämpfter Stimme zu ihr sprach. „Sag mal, Eleonore, wie gefällt es dir hier eigentlich?“
Eleonore lächelte, „Gut, ich fühle mich echt wohl hier in Cornwall und natürlich auch bei euch. Warum fragst du?“
Mira ging nicht auf die Frage ein, „Und wie findest du Professor Hughes?“
„Er ist ein toller Mann, aber auf was möchtest du hinaus?“
