Liebe heilt alle Wunden - Viola Maybach - E-Book

Liebe heilt alle Wunden E-Book

Viola Maybach

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Beschreibung

Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie "Der kleine Fürst" in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Alles beginnt mit einem Schicksalsschlag: Das Fürstenpaar Leopold und Elisabeth von Sternberg kommt bei einem Hubschrauberunglück ums Leben. Ihr einziger Sohn, der 15jährige Christian von Sternberg, den jeder seit frühesten Kinderzeiten "Der kleine Fürst" nennt, wird mit Erreichen der Volljährigkeit die fürstlichen Geschicke übernehmen müssen. "Der kleine Fürst" ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken. »Wer war denn dran?«, erkundigte sich Baron Friedrich von Kant, als seine Frau, Baronin Sofia, an den Frühstückstisch zurückkehrte. »Du hast ja mindestens eine halbe Stunde telefoniert.« Die Baronin griff seufzend nach einem Toast. »Es war Barbara von Thurau«, antwortete sie. »Und das war so schlimm, dass du seufzen musst?«, wunderte sich der Baron. »Ich seufze nicht wegen Barbara, sondern wegen ihres Bruders.« An dieser Stelle wurden die drei Teenager, die ebenfalls am Tisch saßen, aufmerksam. Bis dahin hatten sie sich leise über andere Dinge unterhalten. »Benjamin?«, fragte die dreizehnjährige Anna, Sofias und Friedrichs Tochter. »Ja. Barbara will eine Aussprache mit ihm herbeiführen, und als Ort dafür hat sie sich Sternberg ausgesucht. Ich konnte ihr ihre Bitte nicht abschlagen – ich verstehe ihre Beweggründe. Hier hat sie Ruhe, und er kann ihr nicht ohne Weiteres ausweichen. Außerdem, das hat sie auch zugegeben, hofft sie, dass wir sie unterstützen, falls es Schwierigkeiten gibt. Aber die Vorstellung, Benjamin von Thurau als Gast hier zu haben …« Sofia beendete den Satz nicht.

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Seitenzahl: 115

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Der kleine Fürst – 374 –Liebe heilt alle Wunden

Viola Maybach

»Wer war denn dran?«, erkundigte sich Baron Friedrich von Kant, als seine Frau, Baronin Sofia, an den Frühstückstisch zurückkehrte. »Du hast ja mindestens eine halbe Stunde telefoniert.«

Die Baronin griff seufzend nach einem Toast. »Es war Barbara von Thurau«, antwortete sie.

»Und das war so schlimm, dass du seufzen musst?«, wunderte sich der Baron.

»Ich seufze nicht wegen Barbara, sondern wegen ihres Bruders.«

An dieser Stelle wurden die drei Teenager, die ebenfalls am Tisch saßen, aufmerksam. Bis dahin hatten sie sich leise über andere Dinge unterhalten. »Benjamin?«, fragte die dreizehnjährige Anna, Sofias und Friedrichs Tochter.

»Ja. Barbara will eine Aussprache mit ihm herbeiführen, und als Ort dafür hat sie sich Sternberg ausgesucht. Ich konnte ihr ihre Bitte nicht abschlagen – ich verstehe ihre Beweggründe. Hier hat sie Ruhe, und er kann ihr nicht ohne Weiteres ausweichen. Außerdem, das hat sie auch zugegeben, hofft sie, dass wir sie unterstützen, falls es Schwierigkeiten gibt. Aber die Vorstellung, Benjamin von Thurau als Gast hier zu haben …« Sofia beendete den Satz nicht.

»Mit ihm soll es doch immer Schwierigkeiten geben«, stellte der fünfzehnjährige Christian von Sternberg, Sofias Neffe, fest.

»Eben, deshalb seufze ich bei dem Gedanken, ihn hier zu Gast zu haben, Chris.«

»So schlimm wird es schon nicht sein«, meldete sich nun Konrad zu Wort, Annas Bruder. Er bildete sich ziemlich viel darauf ein, drei Jahre älter als sie zu sein. »Und was kann er hier schon groß machen?«

Aber sein Vater war anderer Ansicht. »Wie Chris schon gesagt hat: Ben sorgt eigentlich immer für Ärger, Konny«, entgegnete Friedrich, »von daher sind die Sorgen deiner Mutter nur zu berechtigt.«

»Er hat Schulden«, zählte Anna auf, wie immer gut informiert, »er trinkt zu viel, vielleicht nimmt er sogar Drogen …«

»Und das weißt du alles so genau, weil du dabei warst, oder?«, fragte Konrad spöttisch. Er konnte es nicht lassen, seine Schwester aufzuziehen, wenn auch zum Glück viel seltener als früher. Da hatten sich die Geschwister oft so heftig gestritten, dass die Eltern eingreifen mussten. Das übernahm in letzter Zeit meistens Christian, der zu Anna ein sehr viel engeres Verhältnis hatte, als zu Konrad. Fast immer verteidigte er seine Cousine.

»Nein, ich habe es gelesen«, erklärte Anna jetzt, ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen. »Er hat sogar schon mal vor Gericht gestanden, glaube ich, aber er ist irgendwie wieder herausgekommen.«

»Ist er denn überhaupt bereit, mit ihr hierherzufahren?«, fragte Christian. »Ich meine, wenn er weiß, was Barbara vorhat …«

»Das weiß er, aber er ist trotzdem bereit, weil ihm nämlich nichts anderes übrig bleibt, Chris«, erwiderte die Baronin. »Er braucht Geld von Barbara, weil er ziemlich böse in der Klemme sitzt, und sie hat gesagt, sie gibt es ihm nur, wenn er mit ihr hierherfährt und bereit ist, mit ihr auch einige schriftliche Vereinbarungen für die Zukunft zu treffen.«

»Daran hält er sich doch bestimmt nicht!«, rief Anna und schüttelte den Kopf, dass die blonden Locken flogen. »Jedes Mal, wenn es Ärger gab, hat er versprochen, sich zu bessern, aber getan hat er es nie …«

»Das hast du auch gelesen?«, stichelte Konrad weiter. »Oder hat er es dir vielleicht sogar selbst erzählt?«

»Sei nicht albern Konny!«, warf Christian ein, was ihm einen dankbaren Blick von Anna und einen bösen von Konrad einbrachte. Immerhin blieb Konrad danach stumm.

»Barbara jedenfalls hofft, dass sie ihn dazu bringen kann, endlich mit diesem Leben aufzuhören. Er ist ihr Bruder, sie hat ihn gern, und sie verzweifelt an seiner selbstzerstörerischen Art. Ihre Eltern haben den Kontakt zu Ben, wie wir wissen, ja längst abgebrochen.« Die Baronin wandte sich ihrem Mann zu. »Hätte ich ihr die Bitte abschlagen sollen, Fritz?«

Er griff nach ihrer Hand und drückte sie. »Natürlich nicht. Wir alle kennen Ben nicht besonders gut, aber er hat ja durchaus charmante Seiten, wenn ich mich recht erinnere, und wir werden schon mit ihm fertig werden, wenn wir uns gemeinsam auf die Situation einstellen. Wann wollen sie denn kommen?«

»An einem der nächsten Wochenenden, sie wollte zuerst wissen, wann es uns am besten passt und ob wir überhaupt einverstanden sind. Ich habe mir gedacht: Je eher, desto besser, dann haben wir es hinter uns.«

Anna stand auf, denn sie, ihr Bruder und Christian mussten zur Schule. »Also, ich finde es interessant, wenn er kommt«, verkündete sie. »Das wird bestimmt kein langweiliger Besuch.«

Sofia seufzte erneut, erwiderte jedoch nichts.

Als sie allein waren, sagte der Baron:

»Mach dir nicht allzu viele Sorgen. So Unrecht hatte Konrad mit seiner Frage gar nicht: Was kann er denn schon machen? Er wird uns sicher nicht ausrauben.«

»Bist du sicher? Es heißt ja, dass er sich wegen seiner hohen Schulden mit dubiosen Leuten eingelassen hat. Mit seinen Eltern hat er sich damals überworfen, weil sie nicht bereit waren, ihm einen Teil seines Erbes vorab auszuzahlen, und jetzt sind sie diejenigen, die den Kontakt endgültig abgebrochen haben. Die Einzige aus der Familie, mit der er noch in Verbindung steht, ist Barbara. Sie will ihn nicht fallenlassen, und ich kann sie gut verstehen. Aber ein Vorbild für Anna, Konny und Chris ist so ein Mann ganz sicher nicht. Und um Konny zumindest mache ich mir immer noch Sorgen, er hatte ja auch schon mal die falschen Freunde, Fritz.«

»Das ist schon ziemlich lange her, und Konny ist im Kern stabil«, erwiderte der Baron nachdenklich. »Um unsere drei ist mir nicht bange. Und so ein Wochenende geht doch schnell herum, Sofia. Wir werden hier sein und die Situation im Auge behalten. Wenn man weiß, dass etwas brenzlig werden könnte, kann man sich ja darauf einrichten.«

Sie schenkte ihm ein liebevolles Lächeln. »Danke für deinen Optimismus, Fritz.«

»Er ist nicht gespielt, Liebste. Warte es ab. Wahrscheinlich erlebst du die Überraschung deines Lebens und es wird ein unerwartet schönes und harmonisches Wochenende.«

Daran freilich vermochte die Baronin nicht zu glauben. Aber immerhin hatte der Zuspruch ihres Mannes bewirkt, dass ihre sonstige Gelassenheit wieder zum Vorschein kam. Sie gab ihm einen Kuss, bevor sie sich eine weitere Tasse Tee einschenkte. Bisher hatten sie noch jede Schwierigkeit gemeistert – und davon hatte es wahrhaftig einige gegeben! Sie würden es auch dieses Mal schaffen.

*

»Du kriegst dein Geld spätes­tens nächste Woche, Marco«, sagte Graf Benjamin von Thurau zu dem untersetzten Dunkelhaarigen, mit dem er in der kleinen Bar schräg gegenüber vom Spielcasino stand. Unterschiedlicher konnten zwei Männer nicht aussehen, als diese beiden. Benjamin war ein großer Blonder mit strahlend blauen Augen, der so viel jungenhaften Charme versprühte, dass er sich um Zuneigung nie hatte bemühen müssen: Sie flog ihm einfach zu. Marco dagegen, dessen Nachnamen Benjamin nicht wusste und auch nie erfahren würde, war dunkelhaarig und untersetzt, er hatte einen Bizeps wie ein Ringer und fast schwarze Augen. Seine Unterarme waren voller Tätowierungen, auf denen Waffen und wilde Tiere zu sehen waren. Noch nie hatte ihn jemand lächeln sehen, fast immer blieb seine Miene unbewegt.

Auch jetzt bohrten sich seine dunklen Augen in Benjamins Blick, ohne dass er das Gesicht verzog.

»Deine letzte Chance, Ben«, sagte er mit seiner leisen, seltsam ausdruckslosen Stimme.

»Weiß ich doch, aber es klappt ganz bestimmt. Ich muss nur mit Babs dieses blöde Wochenende verbringen und ihr versprechen, dass ich mich ändere, dann gibt sie mir das Geld. Ich kenne sie. Sie glaubt an das Gute im Menschen.«

»Dann nimm ihr mehr ab, als du uns schuldest«, schlug Marco vor. »Sonst sitzt du bald wieder in der Patsche.«

»Mal sehen«, murmelte Benjamin. Diese Bemerkung Marcos, berührte ihn unangenehm. Er hatte schon sehr viel Geld von seiner Schwester bekommen – viel mehr, als Marco ahnte. Denn leider war es so, dass er nicht nur Marco und seinen Leuten – er wusste nicht genau, wer das war, und er wollte es auch nicht wissen – Geld schuldete, sondern auch noch etlichen seiner Freunde. Das Geld von Barbara betrachtete er als Geschenke, und er nahm an, sie tat das auch. Jedenfalls hatte sie ihn noch nie gebeten, ihr etwas zurückzuzahlen.

Marco legte einen Schein auf die Theke und ließ sich vom Barhocker rutschen. »Nächste Woche«, sagte er und ging. Er hatte noch nie viele Worte gemacht.

Benjamin sah ihm mit gemischten Gefühlen nach. Manchmal hielt er Marco für seinen Freund – immerhin hatte er ihm geholfen, wann immer er Hilfe gebraucht hatte. Doch in den seltener werdenden Augenblicken, da er sich klar machte, dass Marco vermutlich ein Krimineller war, mit einer ebensolchen Gruppe im Hintergrund, bekam er es mit der Angst zu tun. Dann nahm er sich vor, mit dem Spielen aufzuhören, mit dem Trinken, mit den Drogen – bis er dann doch wieder mit dickem Kopf aufwachte und sich zu erinnern versuchte, was am vergangenen Abend passiert war.

Er gewann nur noch selten. Eigentlich hatte er nur am Anfang gewonnen, und das war ein rauschhaftes Gefühl gewesen, mit nichts zu vergleichen. Doch das war lange her. Seitdem verlor er eigentlich nur noch – und um sich das nicht ständig eingestehen zu müssen, brauchte er Alkohol und Drogen.

Im Rausch vergaß er seine ganze miese Existenz und war das, was er gern sein wollte: Ein erfolgreicher Mann, zu dem alle anderen aufblickten und den sie bewunderten.

»Na, Ben, trübe Stimmung?« Eine hübsche Rothaarige stellte sich neben ihn. Sie arbeitete in der Bar, aber jetzt hatte sie offenbar frei. Ihr Name war Billie. Er hatte sich schon öfter mit ihr unterhalten. Sie war nett, hatte eine kleine Tochter, die sie allein versorgte, mit Hilfe ihrer Mutter. Hätte er nicht so viele Sorgen gehabt, hätte er vielleicht etwas mit ihr angefangen. Sie war sehr attraktiv, und er vertraute ihr. Dieser Gedanke überraschte ihn, er war ihm gerade eben zum ersten Mal gekommen, aber er stellte fest, dass es so war: Er hielt Billie für einen vertrauenswürdigen Menschen.

»Geht so«, murmelte er.

»Ich habe dich mit Marco reden sehen. Du solltest dich nicht mit ihm abgeben.«

Er wusste, dass sie es gut meinte, und so kratzte er seinen Charme zusammen und lächelte sie an. »Weiß ich doch, Baby«, sagte er. »Besser wäre es, wenn ich mich mit dir abgäbe, was?«

Sie erwiderte sein Lächeln, aber ihre Stimme war traurig, als sie sagte: »Du könntest so ein netter Kerl sein, Ben, wenn du nur endlich Verantwortung für dein Leben übernehmen würdest. Werde erwachsen!«

Bevor er etwas erwidern konnte, setzte sie hinzu: »Ich muss nach Hause zu Lilli. Mach’s gut«, und wandte sich zum Gehen.

Er hatte das Gefühl, ihr etwas schuldig zu sein und rief ihr nach: »Wenn ich heute Nacht gewinne, führe ich dich ganz groß zum Essen aus, Billie. Einverstanden?«

Sie drehte sich noch einmal zu ihm um. Auch ihr Lächeln war jetzt traurig. Eine Antwort gab sie ihm nicht.

Ich sollte ihr nachlaufen, dachte er. Vielleicht könnte sie mir helfen, mein Leben zu ändern. Aber er blieb stehen, und kurz darauf bestellte er sich den nächsten Whisky.

*

»Was versprichst du dir davon, Barbara?«, fragte Graf Rudolf von Thurau seine Tochter. Sie hatte ihren Eltern soeben von dem Plan erzählt, ein Wochenende mit ihrem jüngeren Bruder Benjamin auf Schloss Sternberg zu verbringen.

»Ich glaube, dass er auf mich hört, Papa«, erwiderte Barbara. Sie hatte die dunklen Haare und dunklen Augen ihrer Mutter Fernanda, einer gebürtigen Spanierin, geerbt, sowie deren olivfarbene Haut, die grazile Figur und die eleganten Bewegungen. Ihr Bruder Benjamin dagegen war ein jüngeres Abbild des blonden, blauäugigen Vaters.

»Er hört auf niemanden, Barbara!« Rudolf von Thuraus Stimme klang resigniert. »Schon seit langem tut er das nicht mehr.«

»Aber wir können ihn doch nicht einfach fallenlassen, nur weil er Fehler gemacht hat, Papa!«

»Fehler?« Gräfin Fernanda mischte sich erst jetzt in die Debatte ein. »Vielleicht sollten wir dir endlich die Augen öffnen.

Fehler ist, glaube ich, nicht das richtige Wort für das, was Ben gemacht hat. Verfehlungen träfe es besser.«

Fernanda sprach längst besser Deutsch als mancher Einheimische, sie hatte sich mit großer Begeisterung in die Sprache ihres Ehemanns eingearbeitet.

Graf Rudolf seufzte. »Deine Mutter hat Recht«, sagte er. »Ben hat uns um viel Geld betrogen, Barbara – seine eigenen Eltern hat er hintergangen: sich Zugriff zu einem Konto verschafft und es leergeräumt. Er wusste, wir würden nichts unternehmen, weil die Geschichte dann öffentlich geworden wäre. Erst danach haben wir bei der Bank entsprechende Vorkehrungen getroffen, dass so etwas in Zukunft nicht wieder vorkommen kann.«

»Das wusste ich nicht«, stammelte Barbara. Sie hatte längst den Überblick über die Summen verloren, die sie Ben »geliehen« hatte. »Um wie viel Geld handelt es sich denn?«

Ihr Vater nannte ihr die Summe, woraufhin sie erblasste.

»Ich nehme an, du hast ihm auch Geld geliehen?«, fragte Rudolf.

»Ja, er war sehr verzweifelt, und ich …«

Graf Rudolf hob die Hand. »Er ist immer verzweifelt, Barbara«, erklärte er unnachgiebig. »Wir haben ihm jahrelang geglaubt, ihm immer wieder geholfen, jedes Mal hat er Besserung gelobt. Aber er wird sich nicht ändern – oder nur, wenn er so tief fällt, dass der Schock groß genug ist. Doch wir haben die Hoffnung verloren. Soll ich dir sagen, warum er mit dir nach Sternberg fährt? Er wird dir alles versprechen, was du willst, nur damit du ihm wieder Geld gibst. Dafür wird er dich anlügen und dir nach dem Mund reden.«

»Ihr habt ihn also endgültig aufgegeben?«, fragte Barbara mit leiser Stimme.

Ihre Mutter wandte sich mit Tränen in den Augen ab.

»Wir haben uns beraten lassen, Barbara. Man darf seine Art zu leben, nicht weiterhin unterstützen, sonst hat er überhaupt keinen Grund, damit aufzuhören. Das haben uns Fachleute gesagt. Und du solltest ihm auch kein Geld mehr geben, hörst du? Er ist krank, suchtkrank, und er wird dir jede Lüge erzählen, nur damit er sein Ziel erreicht.« Nach kurzer Pause setzte sie hinzu: »Wir werden ihn immer lieben, weil er unser Sohn ist, aber unser Vertrauen hat er verloren.«