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Eine junge Liebe ist zerbrechlich wie eine Seifenblase. Sie könnte bei der kleinsten Erschütterung platzen, besonders wenn sie schwierig begann und beschützerische Brüder und eifersüchtige Exfreundinnen immer wieder dazwischen funken. So ergeht es auch Sophie und Kyle, die vor neun Monaten eine leidenschaftliche Nacht in Paris verbrachten und sich unverhofft in Chicago wieder treffen. Werden sie es schaffen ihre Seifenblase zu erhalten?
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Seitenzahl: 505
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Eine junge Liebe ist zerbrechlich, wie eine Seifenblase. Sie könnte bei der kleinsten Erschütterung platzen, besonders wenn sie schwierig begann und beschützerische Brüder und eifersüchtige Exfreundinnen immer wieder dazwischen funken.
So ergeht es auch Sophie und Kyle, die vor neun Monaten eine leidenschaftliche Nacht in Paris verbrachten und sich unverhofft in Chicago wieder treffen.
Werden sie es schaffen, ihre Seifenblase zu erhalten?
Stefanie Schwellnus wurde 1985 geboren und lebt, zusammen mit ihrer Familie, in einem kleinen Dorf in Sachsen. Ihre ersten Arbeiten hat sie auf fanfiktion.de unter dem Pseudonym Skyla of the Moors veröffentlicht. Dies ist ihr zweiter Roman und der Erste der geplanten "Seifenblasen"-Trilogie.
Bereits erschienene Titel:
Holidays – ISBN 978-3-7322-9414-5
Für alle Menschen, die verliebt sind
Prolog
Kapitel 1 Partyvorbereitungen
Kapitel 2 Wie alles begann
Kapitel 3 One Night Stand
Kapitel 4 Erwachen
Kapitel 5 Die sprechende Hose
Kapitel 6 Bittere Erkenntnis
Kapitel 7 Ich will nicht mit dir reden…
Kapitel 8 … aber leider muss ich es doch
Kapitel 9 Aussprache
Kapitel 10 Gebrochenes Versprechen
Kapitel 11 Flucht
Kapitel 12 Die Zukunft in die eigene Hand nehmen
Kapitel 13 Das erste Date mit bösem Ende
Kapitel 14 Univorbereitungen
Kapitel 15 Was ist passiert?
Kapitel 16 Ein ganz besonderes Geschenk
Kapitel 17 Vertrauensbruch
Kapitel 18 Aus Zwei wird Eins
Epilog
Danksagung
Die Sonne ist schon lange untergegangen. Das gleißende Licht des Tages ist durch die Dunkelheit der Nacht abgelöst worden. Wobei es ja mitten in der Stadt nie richtig dunkel wird. Irgendwo leuchtet immer etwas, auch wenn es nur eine Reklametafel ist.
Heute war ein wirklich heißer Tag. Ich lebe schon mein ganzes Leben in Chicago. Aber so etwas hatte ich noch nie erlebt. Es wurde die 38°C Marke geknackt. Zum Glück war ich den ganzen Tag über mit dem Auto unterwegs. Meine neueste Errungenschaft hat eine Klimaautomatik und diese habe ich ausgiebig genutzt. Selbst jetzt wedelt mir noch die kühle Brise aus den Lüftungsschlitzen um die Nase. Dabei ist es inzwischen neun Uhr abends. Das wird wohl eine heiße Nacht werden. In doppelter Hinsicht sogar. Denn heute treffe ich mich mit der Freundin meines großen Bruders Richard. Wir wollen erst einen Happen essen und dann machen wir die Clubs der Stadt unsicher.
Dank der Laterne, unter der ich parke, kann ich schnell noch einmal mein Make up kontrollieren. Aus dem kleinen Spiegel der Sonnenblende schaut mir mein eigenes Gesicht entgegen. Tastend suche ich nach meiner Handtasche auf dem Beifahrersitz. Zum Glück gibt es gute Grundierungen. So sieht man die Augenringe nicht sofort. Schnell frische ich meinen Lippenstift wieder auf.
Als ich aussteige, bleiben einige Männer stehen. Ob sie nun mich mustern, oder mein Auto, kann ich nicht sagen. Aber verstehen kann ich sie schon. Der Mercedes SLS AMG ist schon eine Augenweide. Ich musste auch verdammt lange sparen, bis ich ihn mir endlich leisten konnte. Meine Eltern hätten ihn mir auch kaufen können, aber das wollte ich nicht. Gut, sie hätten es auch nicht gemacht. Sie haben mich und meine beiden großen Brüder so erzogen, dass wir den Wert des Geldes kennen und schätzen.
So sieht es nicht jede Familie der Oberschicht von Chicago. Die meisten Sprösse reicher Eltern können sich alles kaufen, oder besser gesagt, bekommen alles gekauft, was sie wollen.
Ich habe ein bestimmtes monatliches Kontingent auf meiner Kreditkarte. Das, was ich nicht ausschöpfe, wird mir immer von meinen Eltern auf ein separates Konto überwiesen. Dieses Geld habe ich die letzten drei Jahre nicht angefasst und so konnte ich mir vor vier Wochen mein Baby kaufen.
Mit einem leisen Klicken verschließen sich die Türen und ich lasse den Autoschlüssel in meine Handtasche gleiten.
Leider habe ich keinen Parkplatz direkt vorm Restaurant bekommen. Aber es wird mir nicht schaden, wenn ich ein paar Meter zu Fuß gehen muss. Zum Glück bin ich High Heel erprobt.
Das Restaurant, in welchem ich mich mit Lisa treffen möchte, ist ein kleiner Geheimtipp. Eigentlich verkehren hier fast nur Studenten. Was auch kein Wunder ist, schließlich ist die Universität nur einen Katzensprung von hier entfernt. Aber das Essen ist einfach phänomenal. Sie machen das beste Steak der Stadt, wenn nicht sogar das Beste von ganz Illinois.
Wie zu erwarten, herrschte ein reges Kommen und Gehen. Ich schlängle mich durch die schwatzenden und scherzenden Nachtschwärmer.
Schon als ich die Eingangstür öffne, weht mir der köstliche Geruch nach perfekt gegrilltem Fleisch entgegen. Sofort läuft mir das Wasser im Mund zusammen.
Das Restaurant ist fast schon wie eine Mensa eingerichtet. Überall, kreuz und quer, stehen die runden Holztische, um die die Holzstühle verteilt sind. An den Wänden hängen Poster von Bands. Teils gerahmt und teils direkt auf die Wand geklebt. Auch ungewöhnlich ist, dass es hier keinen Platzanweiser gibt. Man muss selber schauen, wo man einen Platz findet. Oft setzt man sich dann zu wildfremden Menschen, wenn kein Tisch mehr frei ist. So lernt man schnell die unterschiedlichsten Leute kennen, da man dann immer irgendwie mit ihnen ins Gespräch kommt. Einen Tisch reservieren kann man hier auch nicht.
Suchend blicke ich mich nach Richards Freundin um. Eigentlich nennen wir ihn alle Rich. Er mag es ganz und gar nicht, wenn man seinen vollen Vornamen benutzt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Mom und Dad ihn immer Richard gerufen haben, wenn er als Kind etwas angestellt hatte.
Ich erinnere mich noch heute, als wäre es gestern gewesen, als Dad mich in Paris anrief, um mir zu sagen, dass sich mein großer Bruder verliebt hat. Im Ersten Moment dachte ich, er wolle mich veräppeln. Aus einem Reflex heraus habe ich ihn gefragt, ob er betrunken sei. Das fand mein Vater dann nicht ganz so amüsant. Aber ich durfte wohl zu Recht verwundert sein. Immerhin ist Richard jetzt nicht der Typ Mann, der lange bei einer Frau bleibt. Eigentlich sind das meine beiden Brüder nicht. Seit dem Zeitpunkt, als sie das weibliche Geschlecht für sich entdeckten, turnten sie durch sämtliche Betten der weiblichen Chicagoer Bevölkerung.
Richard und David sind sich sowieso in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich. Beide sind groß, muskulös, haben die gleichen Charakterzüge und sind beide erfolgreiche Geschäftsmänner. Richard, der älteste von uns drei Kindern, ist Musikproduzent. Gleich nach seinem Uniabschluss hat er sein eigenes Label gegründet und zählt inzwischen zu den Großen in der Musikbranche.
David ist jünger als Rich aber älter als ich. Das Sandwichkind wenn man so will. Er ist Manager bei einem großen Kommunikationsunternehmen.
Jedenfalls hatte es mich wirklich aus allen Wolken gehauen, als Dad bei mir anrief. Ich hatte gerade einen meiner wenigen freien Tage und genoss ihn zusammen mit einem Buch in einem kleinen Café unweit der Avenue des Champs-Elysée.
Eigentlich dachte ich erst, dass es David wäre, der eine neue Flamme hat. Richard hat seine Bettgespielinnen gern unter Verschluss gehalten. David hat sie uns meistens schon nach der ersten Nacht vorgestellt. Ich kann gar nicht zählen, wie viele Frauen ich bei uns habe ein- und ausgehen sehen.
Aber Dad erzählte mir dann, dass es Rich wäre, der endlich eine feste Beziehung eingegangen ist. Ich bin ehrlich, ich habe meinem Bruder und Lisa keine große Chance gegeben. Ich dachte wirklich, es ist nur eine kurze Laune und er würde schnell wieder das Interesse an ihr verlieren. Zum Glück wurde ich eines Besseren belehrt. Lisa ist eine tolle Frau und sie liebt Rich von ganzem Herzen. Sie nimmt ihn mit all seinen Macken und Eigenheiten. Hat aber auch den Mut, sich ihm entgegenzustellen. Wir Boroughkinder können sehr schnell äußerst wütend werden. Die meisten Leute suchen schleunigst das Weite, wenn wir einmal loslegen. Lisa beeindruckt es nicht im Geringsten, wenn Rich mal wieder einen seiner Wutausbrüche hat. Wobei diese auch weniger geworden sind, seit er mit ihr zusammen ist. Sie tut ihm wirklich gut und da kann ich gar nicht anders, als sie zu mögen.
Inzwischen sind die beiden seit fast einem Jahr ein Paar. In drei Wochen wollen sie dann auch zusammenziehen.
David hat uns vor zwei Monaten auch überrascht. Molly ist auch eine tolle Frau. Aber sie ist erst seit 8 Wochen mit meinem Bruder zusammen und meistens ist bei ihm nach spätestens 3 Monaten Schluss. Von daher bin ich noch etwas vorsichtig, bevor ich die Zwei als richtiges Paar ansehe. Ich drücke ihnen auf alle Fälle die Daumen. Nicht nur David hat es verdient, endlich die richtige Frau für sich zu finden, auch Molly hat ihn verdient. Es ist so, als hätten sie sich gesucht und gefunden. Nur dass David nicht so dumm sein sollte, es zu versauen.
Aber heute Abend will ich mich damit nicht befassen. Ich habe es verdient, einfach nur Spaß zu haben und die Zeit zu genießen. Ich will mich heute nicht mit meinem Liebesleben, oder dem meiner Brüder auseinandersetzen. Obwohl das von David und Rich ja weitaus besser läuft als meines. Aber als einzige Tochter der Familie, mit zwei älteren, männlichen Geschwistern ist es eh nicht leicht, ein erfülltes Liebesleben zu führen. Da wird vieles schon im Keim zerstört.
Lisa kann ich leider immer noch nicht finden. Vielleicht ist sie noch gar nicht da. Obwohl ich ja schon spät dran bin.
Ich will nach meinem Smartphone suchen, da entdecke ich sie. Lise wurde durch einige Studenten verdeckt, die mit ihrem Aufbruch beschäftigt waren. Sie steht ganz hinten im Restaurant und unterhält sich mit einem Mann, der mit dem Rücken zu mir steht. Wer das wohl ist? Rich ist es nicht, das erkenne ich schon am Körperbau. Auch die Haarfarbe stimmt nicht. Rich hat die gleiche Haarfarbe wie seine Geschwister. Wir drei haben alle Moms braune Haare geerbt und ich glaube nicht, dass er plötzlich die Anwandlung hatte, sich die Haare zu blondieren.
Vielleicht ist Mr. Unbekannt ja auch Jemand, den Lisa von der Arbeit her kennt. Sie arbeitet als Designerin für Mom. Sie designt zwar auch noch, aber nicht mehr so viel. Dazu fehlt ihr oft einfach die Zeit. Als Besitzerin von Borough Designs hat sie noch jede Menge andere Aufgaben zu erledigen, so dass das Designen häufig andere übernehmen. Auf einer von Moms Modenschauen hat Rich auch Lisa kennengelernt.
Mein Magen beginnt unangenehm zu ziehen und mein Herz wird schwer. Immer wenn ich blonde Männer sehe, erinnern sie mich an einen ganz Bestimmten. Zumal scheint Mr. Unbekannt auch noch recht gut gebaut zu sein. Zumindest hat er einen tollen Hintern in diesen blauen Jeans.
Er muss einen Witz gemacht haben, denn Lisa lacht plötzlich auf. Aber lange lacht sie nicht, denn sie wird von hinten angerempelt und fällt direkt in die Arme von Mr. Knackarsch. Dabei dreht er sich etwas zu Seite, um sie vor einem schmerzhaften Aufprall auf dem Boden zu bewahren und dann bleibt mir das Herz stehen. Nein! Das kann und darf einfach nicht sein!
9 Monate zuvor
Der Schnee fällt in dicken, weichen Flocken vom Himmel. Sanft und leise decken sie das nächtliche Paris zu. Auf den abendlichen Straßen ist noch reger Betrieb. Dennoch ist alles wie gedämpft. Es herrscht diese wundervolle, friedliche Stimmung, wie sie vor Weihnachten sein sollte.
Arm in Arm gehe ich mit meinem beiden Kolleginnen und Freundinnen Marie und Veronique auf dem Bürgersteig entlang. Obwohl wir uns alle drei nach der Arbeit umgezogen haben, haften uns immer noch die Gerüche der Küche an.
„Monsieur Gilbert dreht schon wieder durch.“, seufzt Veronique und streicht sich durch ihre kurzen Haare. Wie immer hat sie keine Mütze dabei. Deshalb ist ihr Schopf vom Neuschnee auch schon völlig durchnässt.
„Wundert es dich? In zwei Wochen ist Weihnachten.“ Monsieur Gilbert ist schon ein Sklaventreiber. Aber er ist der Beste seines Faches. Nicht umsonst ist er sterneprämiert. Leider bildet er sich darauf auch sehr viel ein. Wir Lehrlinge stehen ganz unten in der Hackordnung. Wenn der Chef de cuisine seinen Souschef anschreit, schreit der den Chef de Partie an, der den Demi Chef de Partie, der dann Commis de cuisine und der dann uns Apprentis. Im Grunde bekommen wir den kompletten Unmut des Küchenpersonals ab. Manchmal kann das sehr anstrengend sein. Vor allem jetzt, kurz vor Weihnachten, will man am liebsten nur noch weg. In jeder freien Minute sitzt Monsieur Gilbert über dem Menüplan für die Feiertage. Da sich die großen Pariser Restaurants jedes Jahr mit ihren Weihnachtskreationen übertreffen wollen, muss dieses Menu natürlich außergewöhnlich sein. Um aber nicht erst am großen Tag herauszufinden, dass das Gekochte nicht schmeckt, muss jede neue Kreation im Vorfeld zur Probe gekocht und verkostet werden. Man muss da Monsieur Gilbert aber zu Gute halten, dass er dann das komplette Küchenpersonal verkosten lässt und jeder darf frei seine Meinung dazu äußern. Ob diese dann berücksichtigt wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Neben all dem Probekochen muss das Abendgeschäft aufrechterhalten werden.
Marie, Veronique und ich haben da schon ein wenig Glück. Wir befinden uns in unserem letzten Jahr und dürfen in einem gewissen Rahmen schon eigenständig arbeiten. Das erste Jahr hat es da schon schwerer. Sie sind für das Putzen und schnippeln der einzelnen Zutaten zuständig. Nur mit Grauen erinnere ich mich an meine erste Weihnachtszeit hier in Paris zurück. Wochenlang nur Zwiebeln schneiden. Dabei sind meine Augen in der Hinsicht leider überempfindlich. Egal wie viele Zwiebeln ich bisher schon geschnitten habe, meine Augen beginnen schon zu tränen, wenn ich sie nur schäle.
„Was machen wir heute Abend? Immerhin haben wir morgen einen Tag frei. Das wird bis Januar der letzte Abend sein, an dem wir ordentlich einen drauf machen können.“ Marie schiebt ihre rote Strickmütze etwas nach oben. Sie liebt dieses Strickgebilde abgöttisch, obwohl es schon total ausgeleiert ist. Wenn man sie darauf anspricht, dass sie sich doch mal eine Neue zulegen könnte, meint sie nur, dass sie die Mütze so lange tragen wird, bis ihr die einzelnen Fäden vom Kopf fallen. Immerhin habe ihre Uroma die gestrickt.
„Na dann ist es doch klar…“, beginne ich und sehe meine beiden Freundinnen an „… Party!“, rufen wir alle aus einem Mund.
„Wann und wo wollen wir uns treffen? Denn so können wir unmöglich heiße Männer aufreißen.“ Zur Bestätigung macht Marie ihre Jacke auf und zeigt uns ihren ausgeleierten dunkelblauen Pullover. Auch bei mir sieht es unter dem Wintermantel nicht besser aus. Wenn man den ganzen Tag in Essengerüchen steht, da zieht man selbst auf dem Heimweg lieber etwas ausgedientere Sachen an, da man sie daheim eh in die Waschmaschine stecken kann.
„Das dauert zu lange. Was haltet ihr davon, wenn wir zu mir gehen? Wir kochen eine leckere Pasta und dann ziehen wir los.“
„Und was ziehen wir zwei dann an?“ Zweifelnd deutet Veronique zwischen sich und Marie hin und her.
„Ach komm schon. Mein Kleiderschrank gibt ja nun mehr als genug her.“ Das tut er tatsächlich und das wissen die Beiden nur zu genau. Immerhin haben wir zusammen schon so manch äußert erfolgreiche Shoppingtour verbracht.
„Na dann, auf zu dir, Sophie!“ Lachend laufen wir ein wenig schneller. So ein Partyabend muss gut vorbereitet werden, selbst wenn er noch so spontan ist.
Auch wenn der Schneefall noch so schön ist, es ist verdammt kalt und wir drei sind froh, als wir endlich in meiner kleinen Dachgeschosswohnung angekommen sind.
Unsere Stiefel lassen wir erst einmal im Treppenhaus stehen. Ich habe wenig Lust, das Parkett im Flur mit Schneematsch zu ruinieren.
Wieder einmal danke ich dem Erfinder der automatischen Thermostate im Stillen. So ist es in meiner Wohnung jetzt kuschelig warm und wir müssen nicht zitternd darauf warten, dass die Heizung hochfährt.
„Ich fang schon mal an, die Pasta vorzubereiten. Eine von euch hilft mir und die andere geht schon mal duschen, damit wir uns nachher nicht in die Quere kommen.“ Direkt nach meiner Schicht war ich eigentlich total erledigt. Aber so langsam nimmt die Freude auf den bevorstehenden Abend die Überhand. So eine durchtanzte Nacht hatte ich seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr.
„Ich helfe dir.“ Marie hängt ihre Jacke neben meine in den Flur und lässt damit Veronique den Vortritt im Badezimmer.
„Die Handtücher liegen im Hochschrank.“
„Ich weiß, ich geh ja nicht das erste Mal bei dir duschen.“
„Ist halt so ein Reflex.“ Entschuldigend zucke ich mit den Schultern. Mit einem Kuss auf unsere Wangen verabschiedet sich Veronique in Richtung Badezimmer und Marie und ich gehen in die Küche.
Geschäftig machen wir uns an die Vorbereitungen für unser Abendessen. Auch wenn es bereits kurz vor 22 Uhr ist. Unsere Kollegen haben es da noch schlechter. Sie müssen noch bis Mitternacht durchhalten und dann auch noch die Küche putzen.
„Ha! Ich wusste doch, dass ich davon noch ein bisschen was auf Lager habe!“ Triumphierend ziehe ich einen Karton aus der kleinen Nische zwischen Kühlschrank und Wand. Das Klappern der Flaschen ist schon sehr verheißungsvoll. Ein schneller Blick hinein bestätigt meine Hoffnung – ich habe noch 4 Flaschen Champagner auf Lager. Ich glaube, die sind noch von meiner Geburtstagsparty im September übrig. Aber so schnell wird das ja nicht schlecht. Ich schiebe 3 Flaschen in den Kühlschrank und eine ins Eisfach. Wenn ich einen Balkon hätte, dann hätte ich sie auch nach draußen stellen können. Da wären sie auch innerhalb kürzester Zeit schön kühl geworden. Aber so wird es auch gehen.
In einvernehmlichen Schweigen bereiten wir das Essen zu, während die Geräusche aus dem Badezimmer uns leise im Hintergrund begleiten.
„Das sieht wieder verdammt lecker aus.“ Veronique hat sich eine meiner Jogginghosen und einen meiner Pullover ausgeliehen. Ihr feuchtes Haar steht in lauter kleinen Stacheln wild von ihrem Kopf ab. Wie gewöhnlich hat sie sich nach dem Duschen nicht die Haare gekämmt.
„Ich hoffe, dass es auch so schmeckt.“ Die Sauce zur Pasta habe ich schnell aus dem zusammengewürfelt, was ich noch im Kühlschrank hatte. Zugegeben, das war nicht sehr viel, aber manchmal reichen eine Handvoll Tomaten, ein bisschen Knoblauch, Basilikum und ein gutes Olivenöl, um eine leckere Sauce zu kochen.
Schweigend genießen wir dieses einfache Gericht. Aber einfach muss ja nicht unbedingt schlecht sein. Wir reden manchmal so viel bei der Arbeit, auch wenn es meistens ums Essen und Zutaten geht, dass wir es dann einfach mal genießen, wenn alles ruhig ist. Zumal in der Küche manchmal eine ungeheure Geräuschkulisse herrscht. Nachher, wenn wir uns umziehen und schminken, dann quatschen wir wieder, als würde es kein Morgen geben. Aber jetzt muss es einfach mal ruhig sein. Da sind wir Drei relativ gleich. So gern wir uns auch austauschen, es ist toll, dass wir uns in den meisten Fällen ohne Worte verstehen.
„So, Marie, du bist als Nächste dran. Ich mache hier inzwischen klar Schiff.“ Satt lege ich meine Gabel zur Seite. Gern würde ich jetzt noch ein wenig am Tisch sitzen, das Glas Champagner genießen und mit meinen Mädels reden. Leider haben wir heute nicht die Zeit dazu, wenn wir noch auf die Piste wollen.
Marie will mir schon widersprechen, wie jedes Mal, aber ich fahre ihr dazwischen.
„Vergiss es. Diskutiere jetzt nicht mit mir rum, sondern beeile dich lieber. Ich will dann auch noch duschen, wenn ich mit der Küche durch bin.“ Mit einer Geste, die keine Widerworte duldet, verweise ich sie meiner Küche. Veronique schicke ich schon einmal in mein Schlafzimmer. Sie soll sich schon einmal das Passende für den Abend heraus suchen.
Ich nehme noch einen Schluck aus meinem Glas und beginne dann damit den Tisch abzuräumen.
Durch das Küchenfenster sehe ich, dass der Schneefall inzwischen beträchtlich zugenommen hat. Während ich den Flocken so zusehe, trifft mich die Erkenntnis, dass wir da in einer guten Stunde wieder raus müssen und dass wir vorm Club warten müssen, wenn ich nicht schleunigst mein Smartphone zücke und uns auf die Gästeliste setzen lasse. Auch wenn ich die Trumpfkarte meines Namens und meiner Verwandtschaftsverhältnisse nur ungern ausspiele, ist sie in solchen Situationen echt von Nutzen. Sophie Borough wird den wenigstens am Anfang etwas sagen, aber wenn dann im Gespräch Richards Name fällt, geht den meisten ein Licht auf. Zumindest bei denen, die etwas von Musik verstehen, beziehungsweise damit ihr Geld verdienen. Was bei Clubbesitzern ja meistens der Fall ist. Ihren Gewinn machen sie zwar mit den Eintrittsgeldern und dem Verkauf von Getränken, aber den können sie auch nur machen, wenn die Leute zu ihnen kommen, um zu tanzen und dazu braucht man gute Musik. Die macht mein lieber Herr Bruder ja zur Genüge. Ich hätte ihn gern selber mal auf einer Bühne gesehen. Denn er hat eine wunderbare Stimme und spielt mehrere Instrumente. Aber sein Herz schlägt mehr für das Produzieren von Songs. Das Singen ist nicht so seine Passion. Den einen oder anderen Hit hat er auch schon selber geschrieben.
Schnell stelle ich den letzten Teller in den Geschirrspüler und hole dann mein Telefon hervor. Die Nummer unseres Lieblingsclubs habe ich im Telefonbuch gespeichert. So habe ich sie schnell gefunden. Die Gästelistenplätze sind auch schnell erledigt und nebenbei habe ich uns auch noch einen Tisch reserviert.
„Sophie, du bist dran!“, höre ich Marie rufen. Ich kontrolliere noch einmal, ob ich jetzt alles weg geräumt habe und schnappe mir mein Glas und die Champagnerflasche. Beides übergebe ich an Marie, die mir im Flur entgegen kommt. Ihr rutscht dabei zwar fast das Handtuch vom Körper, aber das ist mir egal. Wir sind hier eh unter Frauen, da macht es uns nichts aus, wenn wir uns nackt sehen. Und es wäre ja auch nichts Neues. Immerhin gehen wir im Herbst und Winter regelmäßig zusammen in die Sauna.
Im Badezimmer wabern dichte Dampfwolken. Kurz überlege ich, ob ich nicht das Fenster öffnen sollte, entscheide mich aber dann dagegen. Das kann ich immer noch machen, wenn ich fertig bin. Es würde hier drin nur unnötig kalt werden. Außerdem habe ich keine Lust, mir jetzt eine Erkältung zu holen. So wie ich mich kenne, würde ich dann gleich wieder 2 Wochen flach liegen. Das kann ich mir, in dieser heißen Phase, beim besten Willen nicht leisten. Immerhin haben wir im Frühsommer unsere Abschlussprüfungen.
Die Klamotten, die ich auf dem Heimweg an hatte, wandern direkt in meinen Wäschekorb.
Seufzend heiße ich das warme Wasser willkommen. Es ist so schön, nach einem anstrengenden Arbeitstag, eine angenehme Dusche zu genießen. Ein Bad wäre jetzt auch nicht schlecht. Aber leider habe ich keine Wanne. Das ist etwas, was ich wirklich vermisse. Zu Hause in Chicago, bei meinen Eltern, habe ich eine schöne große Wanne. Darauf freue ich mich schon riesig, wenn ich im Sommer zurück in die Staaten gehe. Ich freue mich natürlich auch auf meine Familie und meine Freunde dort, gleichzeitig werde ich aber auch Paris und meine beiden Mädels hier vermissen. Sie sind mir in den 2,5 Jahren richtig ans Herz gewachsen. Hoffentlich ziehen sie ihren Plan durch. Marie und Veronique haben sich vorgenommen, in die USA zu gehen und dort die Küche kennenzulernen und vielleicht zu bleiben. Aus diesem Grund spreche ich auch immer englisch mit ihnen, damit sie es verbessern können. Außer auf Arbeit, da reden wir in der Landessprache miteinander. Nur gut, dass ich Französisch auf der High School hatte.
Wir werden heute alle Drei nach dem gleichen Duschgel riechen. Eine Mischung aus Limette, Orange und Vanille. Das Haare waschen muss jetzt auch im Schnelldurchgang passieren. Denn wer weiß, wie lange ich brauchen werde, bis ich mein Outfit zusammen habe. Das kann bei mir schon mal etwas dauern.
Als ich aus der Dusche trete überzieht eine Gänsehaut meinen Körper. Schnell trockne ich mich ab und schlüpfe in meinen Bademantel. Ich liebe dieses Teil. Darin kann man auch mal einen gemütlichen, freien Tag auf der Couch verbringen.
Das Badetuch schlinge ich um meinen Kopf, um die überschüssige Nässe aus meinen Haaren zu bekommen. So geht das Föhnen nachher schneller.
Als ich in mein Schlafzimmer komme, trifft mich, wie fast immer, wenn wir abends weggehen und meinen Schrank plündern, der Schlag. Wie schaffen die Beiden das nur, in so kurzer Zeit, ein ordentlich aufgeräumtes Zimmer in das absolute Chaos zu stürzen. Da werde ich morgen früh einiges zu tun haben. Ich könnte ja auch versuchen, sie dazu zu bewegen gleich mit aufzuräumen. Aber das war bisher eher selten von Erfolg gekrönt. Das könnte auch an der Alkoholmenge liegen, die wir meistens an so einem Punkt intus haben.
Heute sind wir da noch recht nüchtern dabei. Wir haben gerade einmal die erste Flasche Champagner gekillt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
„Ich hab’s!“, ruft Marie und hält triumphierend eines meiner kurzen Schwarzen hoch und hält es sich vor den Körper. Von Veronique und mir bekommt sie zwei Daumen hoch. Nach kurzem Suchen drücke ich ihr auch noch die passenden High Heels mit Riemchen in die Hände und sie hat ihr Outfit gefunden.
Bei Veronique und mir gestaltet sich das schon ein wenig schwieriger. Eine gefühlte Ewigkeit ziehen wir uns an und wieder aus. Das Handtuch, welches meine Haare trocknen sollte, liegt schon seit geraumer Zeit in einer Ecke.
Ich will schon fast aufgeben, da trifft mich die Erkenntnis. Meine schwarze Hotpants und das knallrote Top mit dem Wahnsinns Wasserfallrückenausschnitt.
Triumphierend strecke ich die Fäuste in die Luft, als ich das okay von meinen beiden Freundinnen bekomme.
Jetzt muss sich nur noch Veronique darüber klar werden, was sie anziehen will. Während sie sich weiter durch meinen Kleiderschrank wühlt, verschwinde ich im Bad, um mein Make up aufzulegen. Ich bin jetzt nicht unbedingt jemand, der sich viel schminkt. Oft reicht mir Grundierung, Puder und Mascara. Vielleicht auch mal ein wenig Kajal, aber das war es meistens dann auch schon. Aber wenn ich auf die Piste gehe, darf es schon mal ein wenig mehr sein. Mit geübten Handgriffen trage ich alles auf und lächle mich zufrieden über den Spiegel an. Der blaue Lidschatten bringt meine braunen Augen schön zum Strahlen. Für die Lippen nehme ich nur ein wenig Gloss. Ich will es ja nicht übertreiben.
„Was zur Hölle…?“, frage ich meine Freundinnen, als ich wieder zurück ins Schlafzimmer gehe. Es ist alles aufgeräumt. Mit großen Augen sehen sie mich an.
„Überraschung!“, lachen sie.
„Wie Überraschung?“ Ich bin total perplex. Hatte ich mich doch innerlich schon darauf eingestellt, morgen hier wieder Ordnung rein bringen zu müssen.
„Naja, vielleicht schleppst du heute Abend einen heißen Kerl ab und da wäre ja schnell die Luft raus, wenn hier überall Klamotten herum liegen würden.“, erklärt mir Marie.
„Woher wollt ihr wissen, dass ich heute Abend einen abschleppe?“
„Du hast uns erst letzte Woche vorgejammert, dass du es mal wieder nötig hättest und heute Nacht wäre doch die beste Gelegenheit dazu.“ Marie zuckt mit den Schultern. Auch wenn ich mir absolut nicht sicher bin, ob ich heute mit einem Kerl im Bett landen werde, Recht haben sie auf alle Fälle. Ich habe jetzt eine Durststrecke von einem guten halben Jahr und die Zeit wäre mehr als reif.
„Wir werden sehen.“, antworte ich nur unbestimmt. Ich werde es nicht darauf anlegen. Aber wenn es passiert, dann passiert es und ich werde nicht traurig darüber sein.
Veronique hat inzwischen auch das Passende für sich gefunden. Sie hat sich, wie Marie, für ein Kleid entschieden. Sie beendet noch ihr Make up, während wir auf das Taxi warten, das Marie vorhin bestellt hat. Mit dem letzten Pinselstrich klingelt es an meiner Tür.
Wir ziehen uns noch unsere Mäntel über und dann kann es losgehen – unsere letzte Partynacht in diesem Jahr. Die muss ein Erfolg werden!
Warum müssen wir ausgerechnet heute den einzigen Taxifahrer von ganz Paris erwischen, der sich an die Verkehrsregeln hält? Es ist zwar jetzt nicht so, als würde uns irgendetwas drängen, aber wir wollen schon noch etwas von dem Abend beziehungsweise der Nacht haben. Es wäre sehr schade, wenn wir dann nur vier Stunden tanzen könnten. Aber wenn der gute Mann weiter so langsam fährt, werden es wohl noch weniger Stunden werden. Ich wohne sehr zentral, fast mit direktem Blick auf den Eifelturm und unser Lieblingsclub ist vielleicht 10 Kilometer entfernt, aber trotzdem erscheint mir die Fahrt heute ewig. Außerdem dudelt aus dem Radio irgendwelche Musik, bei der ich mich fühle, als würde man mir vom lebendigen Leibe die Haut abziehen.
Erleichtert atmen wir aus, als wir endlich angekommen sind und nach dem Bezahlen aus dem Taxi klettern.
„Himmel, ich hatte die ganze Fahrt über eine Gänsehaut des Grauens.“ Veronique schüttelt sich, als würde es ihr kalt den Rücken herunter laufen. Aber ich kann sie voll und ganz verstehen. Mir geht es ja nicht anders.
„Gleich haben wir bessere Musik auf den Ohren.“ Marie deutet auf den Club, vor den sich schon eine beachtliche Schlange gebildet hat. Zitternd und frierend stehen die Gäste in einer mehr oder weniger ordentlichen Schlange vorm Eingang und hoffen darauf, dass die Türsteher sie einlassen.
„Nur gut, dass ich uns noch auf die Gästeliste bekommen habe.“
„Ja, aber wenn Jean-Pierre an der Tür steht, würden wir auch so rein kommen.“ Veronique hatte uns vor gut 2 Jahren den riesigen Hünen ohne Haare vorgestellt. Wenn man Jean-Pierre das erste Mal sieht, kann man es wirklich mit der Angst zu tun bekommen. Aber wenn man ihn dann einmal kennengelernt hat, merkt man schnell, dass seine äußere Erscheinung im krassen Gegensatz zu seinem Charakter steht.
„Mag sein, aber ich will nicht, dass er irgendwie Ärger bekommt.“
„Wir ja auch nicht. Zumal er vor drei Wochen Vater geworden ist.“, erzählt uns Marie die Neuigkeit. Wir wussten, dass seine Frau Carol schwanger ist, aber nicht, dass der kleine Wonneproppen schon auf der Welt ist.
„Das ist ja toll. Aber ich stelle es mir nicht leicht vor, wenn man in der Nacht arbeiten muss. Und da ist dann noch das Baby, was man eigentlich sehr selten sieht, weil man am Tag schläft.“ Ich möchte irgendwann auch Kinder haben. Ich bin jetzt nicht gerade sehr konservativ, aber ich möchte erst Mutter werden, wenn ich verheiratet bin. Keine Ahnung, warum ich genau in diesem Punkt so anders denke, als es meinem sonstigen Lebensstil entsprechen würde. Vielleicht liegt das auch an meiner Familie. Meine Eltern haben es ja auch so gemacht. Sie haben erst geheiratet und idealerweise wurde Mom in der Hochzeitsnacht schwanger und genau 9 Monate nach ihrer Heirat wurde Rich geboren. Anderthalb Jahre später kam dann David. Ich bin nicht nur die einzige Tochter und das jüngste Kind, ich bin auch ein totaler Nachzügler. Meine Brüder sind zehn beziehungsweise achteinhalb Jahre älter als ich. Da gestaltet sich die Männersuche schon schwierig. Vor allem kennt ganz Chicago meine Familie. Meine Brüder sind jetzt leider auch nicht so, dass sie mir bei der Männerwahl freie Hand lassen. Vielen jungen Frauen reicht es ja schon, dass ihre Väter immer ihre schützenden Hände über sie haben. Was soll ich da bitte machen? Bei mir sind es gleich drei Männer, die aufpassen wie die Luchse.
Ich merke, wie ich den Halt verliere und ein wenig mit meinen High Heels wegknicke. Vor meinem inneren Auge sehe ich schon, wie ich auf den harten und eiskalten Boden aufschlage. Das würde mir auch recht geschehen. Warum muss ich auch träumen, während ich laufe?
„Sophie!“, rufen Marie und Veronique aus einem Mund. Sie schlängeln sich hinter mir an den Wartenden nach vorn und sehen meinen beginnenden Sturz. Wahrscheinlich werden sie nicht rechtzeitig bei mir sein, um meine Bruchlandung zu verhindern.
Kurz bevor ich auf der Nase lande, packen mich zwei Hände an den Schultern und verhindern somit Schlimmeres. Ich habe schon die Umstehenden lachen gehört. Sicherlich haben sie sich schon darauf gefreut, dass sich die hochnäsige Ziege, die an ihnen vorbei stöckelt, auf die Nase legt.
Behutsam werde ich wieder auf die Beine gestellt. Das Adrenalin wird von meinem wild schlagenden Herzen durch meine Adern gepumpt. Ich sehe mich nach meinem Retter um und wäre fast wieder gestrauchelt. Schnell huscht mein Blick über den Mann. Er ist einen halben Kopf größer als ich, was wohl an meinen hohen Schuhen liegt. Sonst wäre der Größenunterschied noch größer. Unter seinem dicken Mantel scheint er gut gebaut zu sein. Aber das kann ich nur schlecht einschätzen. Sein Gesicht ist markant geschnitten und es zeichnet sich ein gepflegter 3-Tage-Bart ab. Seine Haare scheinen blond zu sein. Am Interessantesten finde ich aber seine Augen. Ihre Farbe bleibt mir verborgen, aber er hat einen sehr intensiven Blick und der mir direkt durch Mark und Bein geht.
„Merci.“, bedanke ich mich. Das Französisch kommt bei mir automatisch.
„De rien.“ Täusche ich mich, oder hat er einen amerikanischen Akzent? Auf alle Fälle ist er kein geborener Franzose.
„Sophie, ist alles in Ordnung?“ Marie und Veronique sind bei mir angekommen und verlangen sofort nach meiner Aufmerksamkeit. Dabei hätte ich mich gern noch etwas mehr mit meinem Retter beschäftigt. Zumal er sehr attraktiv ist.
„Ja danke. Ich wurde ja vor Schlimmerem bewahrt.“ Ich will ihnen meinen Retter zeigen, aber er ist nirgends mehr zu sehen. Hab ich ihn mir nur eingebildet? Aber das kann nicht sein, denn sonst würde ich ja jetzt auf dem Asphalt kleben, wie ein alter Kaugummi. Suchend drehe ich mich um die eigene Achse, kann ihn aber nicht mehr entdecken. Schade. Enttäuscht lasse ich die Schultern hängen.
„Du hattest echt noch mal Glück gehabt. Wollen wir weiter?“ Noch im Sprechen schiebt uns Veronique weiter in Richtung Eingang.
„Bon jour, ich habe euch ja lange nicht mehr hier gesehen.“ Tatsächlich steht heute Jean-Pierre an der Tür. Überschwänglich springe ich ihm in die Arme und drücke ihn an mich.
„Herzlichen Glückwunsch, Papa!“
„Danke, danke.“ Er wird doch tatsächlich ein bisschen rot.
„Erzähl, wie ist es so?“ Ich bin heute ja gar nicht neugierig.
„Naja, es ist schon nicht einfach. Aber wir bekommen das hin.“ Jean-Pierre kratzt sich den massigen Nacken.
„Das denke ich doch auch. Du und Carol seid ein Team.“
„Genau. Zumal heute mein letzter Tag an der Tür ist.“
„Wirklich? Oh Mann, da haben wir ja Glück, dass wir dich noch einmal sehen. Was machst du denn dann?“
„Ich bin jetzt fertig mit dem Studium und ab Januar dann in einer Kanzlei angestellt.“ Stimmt, das hatte ich ja ganz vergessen. Er hat sich mit dem Türsteherjob das Studium finanziert.
„Da bist jetzt also ein richtiger Anwalt? Na an die Anzüge musst du dich ja nicht mehr gewöhnen.“
„Nein, das muss ich nicht mehr.“ Dröhnend lacht er. Dass durch unser kleines Gespräch gerade Einlassstopp ist, interessiert uns nicht im Geringsten.
„Ich wünsche dir auf alle Fälle alles gut!“ Wieder drücke ich ihn an mich. Ein kleines bisschen erinnere ich mich auch an meine beiden Brüder.
„Danke, aber ich sollte heute noch ein bisschen arbeiten.“ Jean-Pierre deutet auf die murrende Menge. „Steht ihr auf der Liste?“
„Ja, ich hatte vor ungefähr zwei Stunden angerufen und uns drei Hübschen drauf setzen lassen.“
„Na dann schauen wir mal.“ Er angelt nach einem Klemmbrett, welches auf einem schlichten weißen Bistrotisch etwas abseits liegt.
„Sophie Borough…“, murmelt er vor sich hin, während er mit den Augen die Gästeliste absucht. „Ah ja, da seid ihr ja. Dann viel Spaß.“ Jede von uns bekommt noch ein Wangenküsschen von ihm und dann öffnet er uns das Absperrband, durch welches gern auch die andern Wartenden gelangen würden. Wahrscheinlich werden sie aber an Jean-Pierre und seinen Kollegen scheitern.
Das schummrig orangene Licht des Clubs umfängt uns. Nur die Garderobe bildet mit ihrer hellen Beleuchtung einen Gegenpunkt. Wir geben unsere Mäntel ab und machen uns auf den Weg in Richtung Dancefloor.
Die hohen Säulen, welche dem Raum einen historischen Touch geben, sind dunkelrot beleuchtet. Die Wände an sich sind schwarz.
Die Tanzfläche ist schon sehr gut gefüllt und die Menschen bewegen sich im Takt der dröhnenden Bässe, während das Licht über ihre Körper zuckt und sie teilweise etwas grotesk aussehen lässt.
Auch an der Bar, welche fast die komplette linke Wand einnimmt, drängen sich die Menschen dicht an dicht.
Wir schlängeln uns durch die Massen und halten auf den VIP-Bereich zu. Dort begrüßt uns einer von Jean-Pieres Kollegen. Ich muss ihm schon ins Ohr brüllen, damit er meinen Namen versteht und auch er muss schreien, damit ich verstehe, welcher der wenigen Tische unserer ist.
Erfreut stellen wir fest, dass wir den Tisch ganz hinten haben. Da müssen wir uns zwar auch ein wenig durchkämpfen, wenn wir zur Tanzfläche wollen, aber wir sind unter uns. Wir können den ganzen Club übersehen und können uns auch halbwegs gut unterhalten.
Kaum haben wir uns gesetzt, da ist auch schon die erste Kellnerin da. Sie schaut etwas missmutig drein. Wahrscheinlich weil wir nur eine kleine Frauengruppe sind. Mit Männern kann die Gute einfach mehr Geld machen.
„Hallo, kann ich euch etwas bringen?“, versucht sie ihren Job so freundlich wie möglich zu machen.
„Eine Magnumflasche Champagner.“, bestelle ich gleich. Marie und Veronique machen große Augen. Die Kellnerin schaut mich abschätzend an. Vielleicht will sie ergründen, ob ich mir den Schampus auch wirklich leisten kann.
„Wer soll das denn bitte trinken?“, fragt Marie, kaum dass die Kellnerin weg ist.
„Na wir!“ Ich lege meine Arme um die Schultern meiner Freundinnen und ziehe sie in eine Umarmung.
„Die willst wohl, dass wir morgen einen Kater haben?“
„Und? Wir haben doch frei und du hast selber gesagt, das wird unser letzter gemeinsamer Abend bis Januar, wenn nicht sogar noch später, sein und dass wir den genießen sollten.“
„Du denkst aber dran, dass unser Budget etwas eng gesteckt ist?“ Veronique schielt mir gerunzelter Stirn auf ihre Tasche.
„Klar weiß ich das. Aber mach dir da mal keine Gedanken. Ich lade euch heute Abend ein. Da müsst ihr keine komischen Typen aufreißen, damit sie euch eure Drinks bezahlen.“, ziehe ich die Beiden auf und ernte sofort Knüffe in meine Seiten.
Der Korken fliegt mit einem lauten Knall von der Flasche und ein kleiner Schwall Champagner ergießt sich auf den Tisch. Augenblicklich ziehen wir die Blicke der anderen VIP Gäste auf uns. Die sollen mal nicht so gucken. Viele von denen benehmen sich hier weitaus schlimmer.
Lachend stoßen wir auf unseren Abend an.
„Und? Schon was Heißes entdeckt?“ Marie beugt sich nach vorn, um nach unten auf die Tanzfläche zu schauen.
„Ja, vorhin.“ Der Alkohol lockert meine Zunge.
„Erzähl!“ Meine Freundinnen sehen mich gespannt an. Kurz beobachte ich fasziniert ihre Gesichter, welche von den bunten zuckenden Lichtern immer wieder angeleuchtet werden.
„Vorm Club, als ich gestolpert bin. Habt ihr ihn gesehen?“
„Ich hab bemerkt, dass dich jemand gehalten hat, aber wie er aussah, kann ich jetzt nicht beurteilen.“ Marie zuckt entschuldigend mit den Schultern.
„Ich hab ihn auch nicht richtig gesehen.“
„Mädels, ich sag euch. Er ist eine echte Sahneschnitte. Auf einer Skala von eins bis zehn ist er eine zwanzig.“, schwärme ich.
„Warum sitzt du dann noch hier rum? Schnapp ihn dir!“ Veronique gibt mir einen Schubs, damit ich aufstehe.
„Da gibt es aber das Problem, dass er dann auf einmal weg war.“
„Dann such ihn. Es war ja vorm Club und da liegt es doch nahe, dass er heute Abend auch hier ist.“ In gewisser Weise muss ich Marie Recht geben. Es könnte gut sein, dass er hier irgendwo ist.
„Ok, ich dreh mal eine Runde und schau, ob ich ihn entdecken kann.“ Ich trinke den letzten Schluck aus meinem Glas.
Unten hat sich die Anzahl der Gäste inzwischen gefühlt verdoppelt. Oh Mann, wie soll ich ihn denn so finden? Wenn er überhaupt hier ist. Vielleicht ist er nur durch Zufall vorhin vorbei gegangen.
Die Tanzfläche ist auch von hohen angeleuchteten Säulen eingefasst. Diese werden gern von Pärchen genutzt, um sich beim Fummeln anzulehnen.
Ich schlängle mich durch die Tanzenden und halte nach meinem sexy Retter Ausschau. Leider kann ich ihn nirgends entdecken. Es sind einfach zu viele Menschen hier.
Immer wieder drehe ich mich suchend im Kreis, bin dabei aber so dumm, weiter zu laufen und da sehe ich auch schon wieder etwas auf mich zukommen. Nur ist es dieses Mal nicht kalter Asphaltboden, sondern eine der Tanzflächensäulen.
Ich versuche zu stoppen, aber meine High Heels finden das nicht so toll und gehorchen mir nicht. Mir bleibt nur noch übrig die Hände zu heben, um so meinen Zusammenstoß mit dem harten Marmor abzufedern.
Ich schließe reflexartig die Augen und mache mich auf den kommenden Schmerz gefasst. Aber nichts geschieht. Stattdessen spüre ich wieder Hände auf meinem Körper. Dieses Mal an meiner Taille. Als ich die Augen öffne, sehe ich, wie sich die Säule von mir entfern beziehungsweise, wie ich mich von ihr entferne.
„Entweder machst du das extra, damit ich dich wieder vor Schmerzen bewahre, oder du bist total ungeschickt.“, raunt mir eine tiefe Männerstimme ins Ohr. Gleichzeitig lande ich mit dem Rücken an einer breiten Brust und so wie es sich anfühlt, ist die wirklich gut trainiert.
„Ähm…“ Was soll ich sagen, wenn ich mich nicht daran erinnern kann, was eben zu mir gesagt wurde? Aber da fällt es mir wieder ein und ein kleines Wörtchen leuchtet dabei förmlich auf – wieder.
So schnell wie es die Umstehenden und meine Füße zulassen, drehe ich mich um und sehe genau in das Gesicht meines sexy Retters. Wieder haben seine Augen diesen intensiven Blick.
„Also? Machst du es extra, oder bist du so tollpatschig?“ Mit erhobenen Augenbrauen sieht er mich an. Schlagfertige Antwort! Ich brauche eine schlagfertige Antwort und zwar sofort! Leider ist mein Kopf wie leer. Was ist mit mir los? Es ist ja schon schlimm genug, dass meine Knie immer noch zittern und mein Magen sich auch komisch anfühlt, da muss mein Kopf ja nicht auch noch gegen mich spielen.
„Wenn du nicht auf solch hohen Schuhen laufen kannst, dann solltest…“ Moment mal! Spricht er gerade englisch mit mir?
„Du bist Amerikaner?“, fahre ich ihm erstaunt dazwischen. Dass er mich gerade mehr oder weniger beleidigt hat, lasse ich ihm mal durchgehen. Immerhin hat er mich zweimal gerettet.
„Ähm… Ja.“ Damit scheine ich ihn etwas aus dem Konzept gebracht zu haben.
„Hi, ich bin Sophie.“ Meine alte Selbstsicherheit kommt zurück. Leider ist mir auf seine Frage noch nichts Passendes eingefallen. Also lenke ich ihn lieber davon ab.
„Hallo Sophie, ich bin Kyle.“ Er reicht mir seine Hand und lächelt auf eine sehr verführerische Art und Weise. Als sich unsere Fingerspitzen berühren ist es wie ein Stromschlag. Fast hätte ich vor Schreck meine Hand weg gezogen. Nur nebenbei registriere ich, dass sich seine andere immer noch auf meiner Taille befindet.
„Tanzen?“ Kyle deutet mit seinem Kopf in Richtung Tanzfläche, die wirklich sehr gut besucht ist. Das verspricht, dass wir uns körperlich sehr nah kommen werden. Was ja nicht unbedingt etwas schlechtes sein muss, denn meine Mitte pocht eh schon vor Verlangen. Und wie hatte Marie gesagt? Der Abend muss genutzt und genossen werden und genau das werde ich jetzt tun! Ich lächle ihn an und ziehe ihn hinter mir her zur Tanzfläche.
Auf dem Weg zur Tanzfläche gucke ich nach oben zu unserem Tisch. Wie erwartet lehnen Marie und Veronique über der Brüstung und beobachten mich. Ich mache mit dem Kopf eine kurze Bewegung in Richtung Kyle. Sofort bekomme ich vier hoch erhobene Daumen. Damit habe ich auch von meinen Freundinnen die Bestätigung, dass Kyle mindestens eine zwanzig ist.
Ich werfe einen schnellen Blick über die Schulter. Einmal, um zu sehen, ob er den kurzen Austausch mit meinen Mädels bemerkt hat und einmal, um nachzusehen, ob er noch hinter mir ist. Der kalte Lufthauch der Klimaanlage erfasst mich. Er lässt mich plötzlich frösteln, weht mir aber auch einen Duft entgegen, der sofort meinen Magen zum Flattern und meine Mitte zum Pochen bringt. Es ist eine Mischung aus frisch gewaschener Wäsche und gutem Aftershave. Es kommt mir seltsamerweise bekannt vor. Aber von woher? Wenige Augenblicke später habe ich die Antwort auf diese Frage.
Kyle und ich sind auf der Tanzfläche angekommen. Er legt seine Hände auf meine Hüften und zieht mich zu sich heran. Meine Nase kommt seinem Hemd sehr nahe und ich kann es jetzt nur zu deutlich riechen. Oh Mann, das ist eine echt verführerische Mischung. So simpel und doch so wirksam. Das Pochen in meiner Mitte ist nun nicht mehr nur dumpf, sondern sehr fordernd. Etwas unruhig trete ich von einem Fuß auf den Anderen.
Tief einatmend beginne ich, meine Hüften im Takt der Musik zu kreisen. Mit geschlossenen Augen schmiege ich mich an Kyle. Er kommt meinen Bewegungen entgegen und folgt ihnen. Er scheint ein guter Tänzer zu sein.
Unsere Unterleiber berühren sich immer wieder und ich spüre, wie es sich in seiner Hose zu regen beginnt. Ihn lässt unser Tanz also auch nicht kalt.
Meine Hände streichen über seinen Oberkörper. Durch den dünnen weißen Stoff fühle ich gut definierte Muskeln. Dafür muss er einem regelmäßigen Training nachgehen, denn so ein Körper kommt nicht von ungefähr.
„Woher kommst du eigentlich? Das du keine Französin bist, habe ich ja schon gemerkt.“ Er kommt mir beim Sprechen so nah, dass seine Lippen die empfindliche Haut an meinem Hals streifen. Eine Gänsehaut, welche nicht von schlechten Eltern ist, breitet sich auf meinem Körper aus. Ich merke, wie sich meine Brustwarzen aufrichten und gegen den Stoff meines BHs drücken und sich daran reiben. Vor meinem inneren Auge entsteht ein Bild, wie wir uns nackt durch die Laken rollen. Meine Haut beginnt zu prickeln. Wie wird es sein, wenn seine warmen Hände mich erkunden, nur um dann das Gleiche noch einmal mit den Lippen zu machen? Himmel, ich sollte das lieber nicht weiter denken. Mein Atem kommt jetzt schon schnell und abgehackt und dabei sind das nur Gedanken. Nicht, dass ich ihm nach ein paar Minuten schon die Klamotten vom Leib reiße. Ich kenne ihn jetzt seit gefühlten fünf Sekunden und bin schon total angeturnt. Er ist doch ein völlig Fremder!
Dennoch ich will ihn und das am besten jetzt sofort. Aber zu diesem Spiel gehören immer noch zwei und ich habe keine Ahnung, ob er interessiert ist. Ich habe zwar nur zu deutlich die Beule in seiner Hose gespürt, aber das heißt ja noch lange nicht, dass er auch mit mir ins Bett will.
Während ich so darüber nachgrüble, bekomme ich einen schmerzhaften Stoß in den Rücken und werde fest gegen Kyle gedrückt. Sein Unterleib verdeutlicht mir wieder, dass bei ihm einiges in Aufruhr ist. Als ich meinen Kopf hebe, begegnen sich unsere Blicke und bleiben ineinander verfangen. Keiner von uns scheint in der Lage zu sein, den Blick als Erster zu lösen. Aber vielleicht wollen wir das auch nicht. Ich zumindest habe gerade keinerlei Ambitionen dazu.
Kyles Hände beginnen damit, über meine Seiten nach oben zu streichen. Dabei streifen seine Daumen wie rein zufällig die Unterseiten meiner Brüste. Ich muss tief Luft holen, um ein erregtes Zittern zu unterdrücken.
„Du scheinst nicht gern auf Fragen zu antworten, richtig?“ Verdammt! Ich war so in meinen Gedanken gefangen, dass ich ihm nicht geantwortet habe.
„Ich komme aus Chicago.“
„Chicago? Wirklich?“ Er blickt mich so ungläubig an, dass ich es nicht richtig einordnen kann.
„Ja… Chicago.“ Aufmerksam sehe ich ihn an. Aber der Ausdruck ist verschwunden und einem strahlendem Lächeln gewichen.
„Da reist man das erste Mal nach Paris und trifft in der ersten Nacht eine wunderschöne Frau, die auch noch aus Chicago kommt.“
„Das bedeutet jetzt was?“
„Dass ich ein Glückspilz bin.“, raunt Kyle mir ins Ohr und wieder streifen seine Lippen meine Haut. Die Stelle beginnt sofort zu prickeln. Ich will mehr davon.
Der Griff meiner Hände um seine beachtlichen Oberarme hat sich verstärkt. Schnell lockere ich ihn wieder. Dafür schicke ich sie auf eine kleine Erkundungstour. Ich spüre die Wärme, die von seinem Körper ausgeht und die Muskelstränge unter seiner Haut. Das kurze Haar in seinem Nacken kitzelt meine Fingerspitzen. Aus einem inneren Impuls heraus ziehe ich seinen Kopf zu mir herunter und küsse ihn.
Als sich unsere Lippen berühren ist es, als würden tausend kleine Sterne explodieren. In meinem Bauch starten unzählige Schmetterlinge ihren Frühlingsflug.
Kyles Lippen sind weich, aber auch irgendwo hart und fordernd. Ich öffne meine und unsere Zungenspitzen treffen das erste Mal aufeinander. Oh Gott, er schmeckt so gut. Ich will mehr davon!
Sie erkunden einander, tanzen miteinander und treiben ein mehr als erotisches Spiel.
Erneut steigen in mir die Bilder auf, wie es sein könnte, wenn wir uns durch ein Bett rollen. Dass seine Hände wieder über meinen Körper streichen, macht es nicht besser. Es fühlt sich an, als würde er meine Haut in Brand setzen. Unser Kuss wird immer intensiver und fordernder. Unsere Unterleiber reiben sich aneinander. Wir sollten wirklich von hier verschwinden und uns ein etwas privateres Plätzchen suchen. Denn wenn wir so weiter machen, treiben wir es noch hier auf der Tanzfläche. Ich stehe lichterloh in Flammen und sämtliche Muskeln in meinem Unterleib ziehen sich vor Verlangen zusammen.
Kyle löst seinen Mund von meinem und haucht lauter kleine Küsschen auf mein Kinn, meine Wange und meinen Hals. Ich kann ein Stöhnen kaum noch unterdrücken. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass es jemand bei der lauten Musik hören könnte, aber riskieren will ich es nicht unbedingt.
Sanft nimmt er mein Ohrläppchen zwischen seine Zähne und knabbert daran. Ich kann nicht anders, ich muss einfach aufstöhnen, um dem Druck in meinem Inneren wenigstens ein kleines Ventil zu geben. Plötzlich lässt er von meinem Ohr ab.
„Willst du was trinken?“ Was???
Ich bin scharf auf ihn und wenn ich die Beule in seiner Hose richtig deute, dann er auch auf mich und er fragt, ob ich etwas trinken will? Das ist das Letzte, woran ich momentan denke! Verwirrt über diesen plötzlichen Stimmungsumschwung nicke ich. In gewisser Weise hat es auf mich auch wie eine kalte Dusche gewirkt.
Kyle schiebt seine Finger zwischen meine und wir gehen gemeinsam zu Bar. Wobei ich mich immer noch frage, was das soll.
„Was willst du trinken?“, fragt mich Kyle und wieder steigt mir sein betörender Duft in die Nase. Meine Knie beginnen zu wackeln. Es ist ein bisschen, als hätte ich Pudding in den Beinen.
Am liebsten würde ich ihm ins Gesicht schreien, dass ich verdammt noch mal nichts zu trinken möchte, sondern ihn direkt in mein Bett zerren will. Aber ich habe eine gute Erziehung genossen und ganz dunkel kann ich mich an selbige erinnern. Darum antworte ich ihm auch artig auf seine Frage.
„Ich nehme eine Cola.“ Alkohol wäre jetzt keine gute Idee. Fragend hebt Kyle eine Augenbraue, als wolle er mich fragen, ob das mein Ernst sei. Entschuldigend zucke ich mit den Achseln und nicke kurz. Ich muss ihm ja nicht gleich auf die Nase binden, dass ich heute schon einiges intus habe. Das spüre ich jetzt, wo meine Erregung etwas abgekühlt ist, nur zu deutlich. Ich habe das Gefühl, als würde sich der ganze Club um mich drehen.
Kyle reicht mir ein großes Glas voll kühler Cola. Ich unterdrücke den Drang, es mir gegen Stirn und Wangen zu drücken. Mit einem Bier in der Hand dreht er sich erneut zu mir um und lächelnd stoßen wir miteinander an. Die Cola rinnt erfrischend meinen Rachen hinunter, aber der Effekt ist nur von kurzer Dauer.
Wieder schauen wir uns in die Augen und rasch beugt er sich zu mir herunter und drückt seine Lippe auf meine. Ich kann das Bier schmecken. Seufzend öffne ich meinen Mund und Kyle nutzt die Gelegenheit, um mir sanft in die Unterlippe zu beißen. Sofort schießt das Verlangen wieder durch meinen Körper und lässt meine Mitte pochen.
Meine Zunge geht auf Wanderschaft und fordert seine zu einem kleinen Kampf heraus, bei dem es keinen Sieger und auch keinen Verlierer geben kann. Sie umspielen und streicheln sich. Die kleinen Sterne explodieren erneut. Ich berausche mich an seinem Geschmack und ziehe seinen Duft tief in meine Lungen. Mein Körper giert danach, als wäre es eine Droge.
Der grobe Stoff seiner Jeans kratzt an meinen Beinen. Ich lege meine Hand in seinen Nacken, um ihn in Position zu halten.
Wieder spüre ich, wie sich seine Zähne in meine Unterlippe graben. Ich kann das Stöhnen einfach nicht unterdrücken. Ich brenne einfach zu sehr vor Lust.
Kyles Mund streift über meinen Kiefer zum Hals. Er knabbert mal hier und mal dort leicht an mir und jedes Mal durchläuft mich ein Schauer. Das Zittern meiner Knie wird immer stärker. Meine Hand in seinem Nacken dient jetzt eher dazu, mich aufrecht zu halten. Er ändert seine Strategie und küsst meinen Hals hinauf und hinab. Oh Mann, ich wusste gar nicht, dass es so erregend sein kann, wenn ein Mann mich da küsst. Vielleicht ist es auch nur bei ihm so. Denn so langsam aber sicher muss ich mir eingestehen, dass Kyle eine überaus anziehende Wirkung auf mich hat. So etwas hatte ich bisher noch nicht erlebt.
Verloren stöhne ich immer wieder auf. Meine freie Hand streicht über seinen Rücken. Aber der Stoff stört. Ich will seine Haut auf meiner spüren und das lieber jetzt als später. Meine Finger gleiten weiter nach unten und erreichen schließlich seinen Hintern. Er fühlt sich fest und wohlgeformt unter meinen Fingerspitzen an. Sein warmer Atem weht schnell und unregelmäßig gegen meine Haut. Kurz kneife ich ihn, genau wie er es vor wenigen Augenblicken bei mir getan hat. Kyle hält stockend die Luft an, um ihn wenige Sekunden später wieder auszustoßen. Oh ja, ihm geht es nicht sehr viel anders als mir.
Ich beschließe etwas kühner zu werden und auszutesten, ob mein Eindruck stimmt, oder nicht. Mit einer einzigen fließenden Bewegung lasse ich meine Finger unter sein Hemd gleiten. Wie erhofft trägt er darunter nichts weiter. Endlich kann ich seine Haut spüren. Zwar ist es nur ein kleines Stückchen, aber immer noch besser als gar nichts. Mit den Fingerspitzen fahre ich die Kontur seiner Bauchmuskulatur nach.
Abrupt und ohne jegliche Vorahnung lässt Kyle von meinem Hals ab und tritt einen Schritt zurück. NEIN!!! Die ganze Zeit über sind wir zwischen irgendwelchen Leuten eingequetscht und jetzt stehen wir nahezu allein hier rum. Das kann doch nicht wahr sein! Nicht schon wieder!
Kyle kommt einen kleinen Schritt zurück auf mich zu. Dabei umspielt ein unwiderstehliches Lächeln seine Lippen. Sein Blick gleitet über meinen Körper. Was er kann, kann ich schon lange. Genauso schamlos wie er, beginne ich ihn zu mustern. Als ich zurück bei seinen Augen bin, versuche ich ihm mit meinem Blick zu verstehen zu geben, dass ich ihn will.
„Lass uns von hier verschwinden.“ Er spricht gerade so laut, dass ich ihn verstehen kann. Das ist gar nicht so leicht, wenn die Bässe der Musik die Luft zum Vibrieren bringt.
Trotz meiner High Heels muss ich mich auf die Zehenspitzen stellen, um seinen Hals bequem zu erreichen. Ganz sacht lasse ich meine Lippen über seine Haut gleiten. Hm... er schmeckt so gut. Ich spüre sein Stöhnen mehr, als das ich es höre. Ich beginne sacht an ihm zu knabbern.
Kyle legt seine Hand in meinen Rücken und drückt mich fest gegen sich. Fast schon wollüstig reibt er sich an mir und deutet ab und zu einen Stoß an. Kleine Lustschauer durchlaufen mich und ich sehne mich danach, dass das Feuer meiner Leidenschaft gestillt wird.
„Ich muss nur noch meinen Freundinnen Bescheid geben, dann können wir los.“ Wozu lange reden, wenn wir beide doch wissen, wie der Abend für uns enden wird.
„Gut, wir treffen uns draußen.“ Nach einem letzten leidenschaftlichen Kuss dreht er sich um und verschwindet in der Menge.
Ich schlängle mich wieder durch die Tanzenden in den VIP Bereich. Aber als ich an unserem Tisch ankomme, ist er verwaist. Marie und Veronique sind nicht zu entdecken. Wahrscheinlich vergnügen sie sich gerade irgendwo. Nur gut, dass es Handys gibt.
Hey ihr Süßen, ich werde jetzt meinen heißen Retter abschleppen. Denkt dran, der Abend geht heute auf mich, also lasst es ordentlich krachen. Wir sprechen uns dann morgen. Bye Sophie
So schnell, wie es mir möglich ist, quetsche ich mich in Richtung Ausgang. An der Kasse lege ich meine Kreditarte vor, mit dem Hinweis, dass die Getränke unseres Tisches auch über diese Karte abzurechnen sind.
Fast hätte ich, vor lauter Vorfreude auf das Kommende, meine Jacke vergessen. Nur der kalte Lufthauch, der mir vom Ausgang her entgegen weht, erinnert mich daran, dass wir Winter haben.
„Ist die Party für dich schon zu Ende?“ Jean-Pierre sieht mich erstaunt an, als ich an ihm vorbei stöckel und dabei versuche nicht auf dem glatten Boden auszurutschen.
„Lass es mich so sagen, sie fängt gerade erst an.“ Ich wackle vielsagend mit den Augen. Während ich nach Kyle Ausschau halte, winke ich Jean-Pierre zum Abschied zu. Ich muss mir unbedingt von Marie seine Handynummer geben lassen.
„Bereit?“ Kyle taucht so plötzlich vor mir auf, dass ich vor Schreck zusammenzucke. Ich presse mir meine Hand auf das wild schlagende Herz.
„Würde ich sonst hier in der Kälte stehen?“
„Wahrscheinlich nicht. Komm, wir müssen noch ein bisschen fahren, bis wir in meinem Hotel sind.“
„Wir können auch zu mir.“ Das war gerade mal wieder ein klassischer Fall von ‘Der Mund ist schneller als das Gehirn‘. Aber es macht mir nicht aus. Zumindest jetzt noch nicht. Morgen könnte ich mich eventuell für meine Schamlosigkeit schämen. Aber das ist morgen und im Moment zählt für mich nur das Jetzt. Hätte mich Rich heute Abend erlebt, er würde mit Dad einen Pakt schließen und mich bis in alle Ewigkeiten wegsperren. Wie heißt es so schön? Was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß. Ich werde es ihm kaum auf die Nase binden.
„Ok, wenn es näher ist.“
Ich winke nach einem Taxi und während wir warten, ziehe ich ihn mir zu einem schnellen Kuss herunter. Ich kann davon nicht genug bekommen.
Der Taxifahrer schaut uns nicht gerade begeistert an, als wir einsteigen. Er wird sich sicherlich denken können, was gleich hier drin abgehen wird.
Hastig nenne ich ihm meine Adresse, um mich dann wieder Kyle und seinem göttlichen Mund zu widmen. Während wir unser Zungen tanzen lassen, erforsche ich schon einmal seinen Oberkörper weiter. Die Bauchmuskeln durfte ich ja vorhin ertasten. Jetzt will ich wissen, was er noch zu bieten hat.
Kyle stöhnt leise unter meinen Berührungen auf. Holla, die Brustmuskeln sind echt nicht von schlechten Eltern. Leider stoppt sein Hemd meine Erkundungstour und ich wende mich anderen Gefilden zu.
Mutig lasse ich meine Finger über die Ausbuchtung seiner Jeans gleiten. Sein Griff in meinem Rücken wird fester. Er hat seine Hände unter mein Oberteil geschoben und mich sacht gestreichelt. Aber das wird jetzt auch fordernder. Im Schutz der Dunkelheit und meiner Kleidung streichen seine Daumen an den Seiten meiner Brüste entlang.
Zitternd hole ich Luft. Das Ausatmen verwandelt sich in ein Stöhnen, als er über meine Brustwarzen streichelt. Wie er es unter meinen BH geschafft hat, ist mir ein Rätsel. Das muss ich jetzt aber nicht lösen. Meine Brüste prickeln unter seinen Handflächen.
So gut seine Jeans es zulässt, umfasse ich seine Erektion und bewege meine Hand leicht auf und ab.
„Lass es lieber sein, oder wir werden hier im Taxi Sex haben. Ich weiß ja nicht, wie du das siehst, aber ich stehe nicht wirklich darauf, wenn mir jemand dabei zusieht, wie ich eine Frau dazu bringe, dass sie vor Wonne schreit.“ Seine Stimme ist so wunderbar tief und es schwingt das Versprechen auf guten Sex darin mit. Männer reden in dieser Hinsicht zwar oft ziemlichen Stuss, aber Kyle glaube ich sofort, dass er im Bett einiges zu bieten hat.
Da Sex in der Öffentlichkeit auch nicht zu meinen Vorlieben gehört, nehme ich meine Hand aus seinem Schritt und schiebe sie wieder unter sein Hemd.
Als das Taxi hält und der Fahrer uns verärgert mitteilt, dass wir am Ziel sind, müssen wir uns wohl oder übel voneinander lösen. Kyle bezahlt unsere Fahrt und hastig klettern wir aus dem Auto. Der Fahrer ist sicherlich erleichtert, dass wir es nicht auf seiner Rückbank getrieben haben. Ich wühle in meiner Handtasche und versuche den Schlüssel zu finden. Das ist nur nicht so leicht, wie gedacht, denn Kyle knabbert wieder an meinem Hals und schickt damit Stromstöße der Lust durch meinen Körper.
Als ich endlich den Schlüssel gefunden habe, zittern meine Hände so sehr, dass ich Schwierigkeiten habe, ihn ins Schloss zu befördern. Ob das an der Kälte, oder meiner Erregung liegt, kann ich nicht beurteilen.
Irgendwie gelingt es mir dann doch und wir stolpern in den Flur. Wild knutschend arbeiten wir uns durch das Treppenhaus nach oben. Da ich in einem renovierten Altbau wohne gibt es keinen Aufzug. Da nutzen wir die Stufen halt als kleines Vorspielt. Wobei wir beide keines mehr nötig hätten.
Kyle presst mich mit seinem ganzen Körper gegen meine Wohnungstür. Seine Hände und sein Mund sind nicht mehr sanft, sondern fast schon grob fordernd. Aber es gefällt mir und ich gehe ja auch nicht gerade zimperlich mit ihm um.
