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Mit fünfundsiebzig Jahren sollte ich doch eher über Hühneraugen und Rheuma jammern als mir über die Liebe Gedanken zu machen, werdet ihr sagen. Aber – Überraschung – es ist nicht die Jugend, die die Liebe erfunden hat. Wir haben sie vor euch entdeckt. Niemand kennt Valentine, ein kleines Städtchen in Vermont nahe der kanadischen Grenze. Doch wenn es nach dem Bürgermeister Sinclair Walsh geht, soll sich das ändern. Ein Mekka der Liebe soll aus dem Städtchen werden, ein Ort, an dem sich Menschen verlieben, verloben, verheiraten. Das Problem ist nur: Wohin das Auge blickt, sind lauter Singles zu sehen. Elaine March, die Valentine seit 75 Jahren die Treue hält, will daran was ändern. Zusammen mit dem Rentner Reginald Cho will sie der Liebe auf die Sprünge helfen und den Anfang macht sie bei Sinclair Walshs Kindern, die allesamt noch Singles sind. Bei einer Thanksgiving-Feier stellt sie eine Frage, die ein paar Dinge ins Rollen bringt. "Liebesglück mit Truthahnstück" ist die Vorgeschichte zur Sweet-Valentine-Reihe. Dieses Buch wurde ursprünglich von Heidi Troi veröffentlicht. Für Liebesromane nutzt die Autorin nun das Pseudonym Mira Frey.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
SWEET VALENTINE
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Nachwort
Leseprobe „Weihnachtsglück gesucht - vorzugsweise für immer“
Komm mit nach Sweet Valentine
Personenverzeichnis
Über die Autorin
Weitere Liebesromane von Heidi Troi
Noch mehr Südtirol? Bücher von Mira Frey
Kelseys Pumpkin Pie
Copyright © by Mira Frey (Heidi Troi)
c/o Theaterpädagogisches Zentrum Brixen
Köstlaner Straße 28
39042 Brixen (BZ) – Italien
Lektorat: Birgit van Troyen
Covergestaltung © Traumstoff Buchdesign traumstoff.at
Covermotive © dutko_vika und Ilonka K-Art shutterstock.com
Bildnachweis: Yana98., Graphix Images
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne die Zustimmung der Autorin unzulässig. Das gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Dies ist eine Kurzgeschichte. Orte, Events, Markennamen und Organisationen werden in fiktivem Zusammenhang verwendet. Alle Handlungen und Personen sind frei erfunden. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.
Mit fünfundsiebzig Jahren sollte ich doch eher über Hühneraugen und Rheuma jammern als mir über die Liebe Gedanken zu machen, werdet ihr sagen. Aber – Überraschung – es ist nicht die Jugend, die die Liebe erfunden hat. Wir haben sie vor euch entdeckt.
Niemand kennt Valentine, ein kleines Städtchen in Vermont nahe der kanadischen Grenze. Doch wenn es nach dem Bürgermeister Sinclair Walsh geht, soll sich das ändern.
Ein Mekka der Liebe soll aus dem Städtchen werden, ein Ort, an dem sich Menschen verlieben, verloben, verheiraten. Das Problem ist nur: Wohin das Auge blickt, sind lauter Singles zu sehen.
Elaine March, die Valentine seit 75 Jahren die Treue hält, will daran was ändern. Zusammen mit dem Rentner Reginald Cho will sie der Liebe auf die Sprünge helfen und den Anfang macht sie bei Sinclair Walshs Kindern, die allesamt noch Singles sind. Bei einer Thanksgiving-Feier stellt sie eine Frage, die ein paar Dinge ins Rollen bringt.
Für meine Oma,
die gar nicht so anders war als Ms March.
Der Herbst zieht ins Land. Mal wieder. Genau fünfundsiebzig Mal habe ich die Blätter der Ahornbäume vor meinem Fenster zu Boden fallen sehen, habe beobachtet, wie der Wald sich in den schönsten Farben schmückt. Meinen ersten Kuss habe ich unter fallenden Herbstblättern erlebt, meinen Mann Andrew in dieser Jahreszeit zu Grabe getragen. Und auf die Gefahr hin, dass es makaber klingt, wenn ich das in dem Zusammenhang sage: Ich mag diese Zeit und jedes Mal, wenn die Blätter wieder leise zu Boden schweben, frage ich mich, wie oft ich dieses farbenprächtige Schauspiel wohl noch sehen darf.
Denkt ihr jetzt, dass das hier die Memoiren einer von Schwermut geplagten Greisin sind? Tja, reingefallen. In dieser Geschichte geht es um die Liebe. Ja, ich bin fünfundsiebzig. Darf ich deshalb das Wort Liebe nicht mehr in den Mund nehmen? Fünfundsiebzig, das ist das knackigste Alter, wenn ihr mich fragt. Mal knackt es hier, mal knackt es dort. Hihi.
Ich bin Elaine March, eine alte Schachtel und über alles informiert, was in unserem schönen Valentine, einem kleinen Städtchen in Vermont, so passiert. Ich weiß, wann der Haussegen bei den Walshs schief hängt, ich weiß, wann Daisy von der Bäckerei eine neue Brotkreation ausprobiert und vor allem weiß ich, wer in wen verliebt ist – manchmal noch bevor die Betreffenden selbst es wissen.
So manch einer wird jetzt sagen, ich stecke meine Nase in Angelegenheiten, die mich nichts angehen. Na ja, ich behaupte, das ist das Vorrecht der Alten, nicht wahr? Unser Leben ist doch so ereignislos, dass wir es durch die Erlebnisse der anderen bereichern müssen. Das ist es doch, was ihr denkt. Und mit fünfundsiebzig Jahren sollte ich doch eher über Hühneraugen und Rheuma jammern als mir über die Liebe Gedanken zu machen. Aber – Überraschung – es ist nicht die Jugend, die die Liebe erfunden hat. Wir haben sie vor euch entdeckt.
»Elaine? Bist du zu Hause?«
Das ist Iris. Iris Walsh, meine Nachbarin, Ehefrau des Bürgermeisters und Mutter dreier bezaubernder Kinder – Kyle, Savannah und Kelsey. Sie ist eine gute Seele, meint, sich um mich kümmern zu müssen. Muss sie zwar nicht, aber ich freue mich trotzdem darüber.
»Iris?«
Ihre Schritte tappen durch den Flur und sie betritt mein Wohnzimmer, dessen Fensterfront auf den Ahornwald führt.
»Du sitzt im Dunklen, Elaine!« Vorwurfsvoll klingt ihre Stimme zu mir herüber, die Deckenlampe flammt auf, ich blinzle gegen das plötzliche Licht an.
»Es ist noch immer hell draußen.«
»Aber nicht hier drin.« Iris stellt sich neben mich ans Fenster. »Du wirst noch schwermütig in diesem dunklen Loch. Komm zu uns. Kelsey hat einen Kuchen gebacken.«
»Ihr seid genügend Leute, um ihn zu verputzen.«
»Trotzdem freuen wir uns, wenn du dabei bist. Los, komm. Hier wird nicht Trübsal geblasen.« Sie streckt die Hand nach mir aus.
Ich schnaube. Dass sich irgendwer freut, wenn ich dort drüben aufschlage, bezweifle ich. Im Geheimen nennen sie mich die Nachbarshexe. Trotzdem stemme ich mich aus dem Ohrensessel. Iris wird mir keine Ruhe lassen, das weiß ich. Es kostet mich weniger Energie, ihr nachzugeben, als ihr zu widersprechen.
»Was ist es denn für ein Kuchen?«
»Pumpkin Pie. Sie übt für Thanksgiving.«
Ich verziehe verächtlich das Gesicht. Sie übt … Was ist an einem gewöhnlichen Kürbiskuchen schon zu üben? Zutaten abwiegen, verrühren … Da braucht es keine große Meisterschaft, damit er gelingt.
Iris lacht. »Elaine, ich sehe, was du denkst.«
»Ach ja?«, frage ich brummig zurück. »Was denke ich denn?«
»Dass man einen Pumpkin Pie eigentlich aus dem FF beherrschen müsste. Aber Kelsey hat sich bisher wenig um solche Dinge geschert, daher musst du ein wenig Nachsicht üben.«
»Und jetzt schert sie sich um solche Dinge?«
Iris zwinkert mir zu. »Sie ist verliebt.«
Ich brumme etwas. Dass Kelsey verliebt ist, weiß ich auch. In diesen schrecklichen Phil. Feuerwehrmann und ein selbstverliebter Trottel. Ich habe mal gesehen, wie er im Sommer seinen eigenen Bizeps geküsst hat, bevor er ins Wasser des Blueberry Lake gesprungen ist. Kelsey ist viel zu schade für ihn. Aber natürlich werde ich mich hüten, etwas in diese Richtung zu sagen. Jeder muss seine eigenen Fehler machen.
»Dann wollen wir hoffen, dass der Kuchen schmeckt. Liebe geht durch den Magen«, sage ich.
»Das ist mal gewiss. Bei meinem Sinclair trifft das auf jeden Fall zu. Damals habe ich ihm meinen Sauerbraten mit Rotkohl gekocht. Als er den Teller leer gegessen hatte, ist er auf die Knie gegangen und hat mich gefragt, ob ich ihn heiraten will.«
Iris sieht mit verklärtem Blick in die Ferne. Selbst ich kann mich noch genau an den Tag erinnern. Andrew lebte noch, Iris, die ursprünglich aus Deutschland stammte, war für einen Sprachaufenthalt bei uns und half gegen Kost und Logis im Haushalt mit. Eines Tages überraschte sie uns mit der Bitte, ein Mittagessen aus ihrer Heimat kochen zu dürfen. Und nicht genug damit. Sie wollte auch noch die Nachbarsfamilie einladen. Henry, Debra – beide sind sie mir schon auf den Friedhof vorausgegangen – und ihre drei Kinder Sinclair, Andrew und Maggie. Ich dachte mir schon, dass da etwas im Busch war, und erlaubte es natürlich. Ihr hättet die verliebten Blicke sehen sollen, die Iris und Sinclair sich zuwarfen. Und dann sein Kniefall. Es war nur ein Spaß, aber es war wohl auch ein Quäntchen Wahrheit dahinter. Ein halbes Jahr später waren sie verheiratet.
Ich lächle bei der Erinnerung daran.
»Bist du bereit, Elaine?«, fragte Iris.
Ich werfe mir noch schnell mein Plaid um, dann nicke ich. »Auf zu Kelseys Pumkin Pie.«
* * *
»Oh, Mrs. March«, begrüßt diese mich ein paar Minuten später mit einem pflichtschuldigen Lächeln. Ihre Begeisterung hält sich in Grenzen, das würde echt jeder erkennen. Ich bin ihr nicht böse. Als ich so jung war wie sie, konnte ich mit alten Menschen auch nichts anfangen.
»Danke für die Einladung zum Tee«, sage ich.
»Ich … gern. Willkommen.« Sie schießt ihrer Mutter einen vorwurfsvollen Blick zu.
Ich lächle in mich hinein.
»Du willst an Thanksgiving deinen Phil damit beeindrucken, habe ich gehört? Nun, dann lass uns kosten. Ich werde dir eine unverblümte Rückmeldung geben, damit du dich bis dahin noch verbessern kannst.«
»D-danke.«
Sie flüchtet in die Küche, Iris geleitet mich ins Esszimmer der Walshs, wo bereits Sinclair und sein Sohn Kyle sitzen. Letzterer mit einem achtjährigen Mädchen auf dem Schoß, in dessen Augen Tränen schwimmen. Paige heißt sie, glaube ich, oder Payton. Ich kann die Zwillinge nie auseinanderhalten.
»Sinclair«, sage ich und neige grüßend den Kopf.
»Oh, Ms Walsh!« Er springt auf, läuft auf mich zu, ergreift meine Hand. »Kommen Sie. Ich bringe Sie zu Ihrem Platz.«
»Kyle«, grüße ich auch seinen Sohn, während ich die Gebrechliche spiele und mich von Sinclair zum Stuhl am Kopfende des großen Tischs führen lasse. »Was macht Heather?«
Kyles Miene verfinstert sich. Ich weiß natürlich, warum. Heather ist seine Verflossene. Sie waren verheiratet, bis Heather ihn und die Kinder eines Tages vor ziemlich genau zwei Jahren einfach im Stich gelassen hat. Er war damals wie vor den Kopf gestoßen. Offenbar hatte er nie gemerkt, dass in ihrer Beziehung etwas im Argen liegt. Doch er hatte keine Zeit, sich um seine Gefühle zu kümmern. Die beiden Mädchen waren damals sechs Jahre alt und forderten seine ganze Energie.
»Das müssen Sie Heather selbst fragen«, bringt er mit einem Knurren heraus.
»Was ich meine: Hat sie sich gemeldet?«
»Nein. Und sie braucht sich auch nicht mehr zu melden.«
»Die Kinder brauchen eine Mutter, Kyle.« Ich weiß, ich weiß. Ich bin übergriffig und stecke meine Nase in Angelegenheiten, die mich nichts angehen. Aber, was soll ich sagen, das ist das Privileg des Alters. Viele andere Privilegien haben wir Alten ja nicht mehr.
»Ich bin den Mädchen Vater und Mutter in einer Person.«
»Ja, ja«, sage ich und wackle ein bisschen tatterig mit dem Kopf. »Du machst das sicher gut. Aber eine richtige Mutter wäre besser. Ich meine, es sind Mädchen. Denkst du, sie wollen irgendwann mit Frauenproblemen zu dir kommen?«
»Wenn sie irgendwann Frauenprobleme haben, können sie gern zu mir kommen«, meldet sich Kelsey zu Wort, die gerade mit einem Kuchen auf den Händen das Esszimmer betritt.
Ich liebe es, wie diese Kinder füreinander einspringen.
»Was sind Frauenprobleme?«, fragt das Mädchen, das nicht auf Kyles Schoß sitzt.
Er schießt mir einen wütenden Blick zu.
»Das sind Probleme, die nur Frauen haben. Meistens mit Männern«, erkläre ich ihr. »Männer sind nämlich …«
»Danke, Elaine«, unterbricht mich Iris. »Wir wollen den Mädchen doch nicht alte Rollenbilder überstülpen. Egal, welchem Problem ihr begegnet, Mädchen, ihr seid stark genug, um es zu meistern. Und wir alle hier am Tisch stehen euch dabei gern zur Seite.«
Dass sie mich dabei mit einschließt, rührt mich beinahe.
»Was macht Savannah?«, frage ich, um zum nächsten brisanten Thema zu wechseln.
»Sie ist in New York«, beginnt Sinclair hin- und hergerissen zwischen Stolz und Wehmut. Savannah ist sein Augapfel. Sie hat es zu etwas gebracht in New York, arbeitet in einer großen Werbeagentur und hat einen Freund. Aber sie ist eben in New York. Weit weg. Sinclair und Iris sehen sie allerhöchstens zu den hohen Feiertagen.
»Hört man bei ihr bald Hochzeitsglocken läuten?«, frage ich listig. Ich weiß, wie sehr sich Sinclair und Iris weitere Enkelkinder wünschen. Savannah ist gerade ihre große Hoffnung. Nur mich würde es nicht wundern, wenn sich ihr »Freund« als imaginärer Freund herausstellen würde. Gesehen habe ich ihn jedenfalls noch nie.
»Noch nicht. Aber lang kann es nicht dauern«, sagt Sinclair unbehaglich, was Iris mit einem tadelnden Blick bestraft.
»Savannah wird es uns schon sagen, wenn es so weit ist«, erklärt sie. »Und jetzt wollen wir diesen Pumpkin Pie kosten, der so wunderbar riecht, nicht wahr, Elaine?«
