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Uwe Kolbe bleibt ein Suchender. Spielerisch und lustvoll erforscht er in Sonetten und freien Gedichten Gedanken und Erinnerungen. Vergleichend und assoziativ nähert er sich Fragen nach Heimat und Biographie, betrachtet Landschaften und Menschen, in den USA und Brandenburg. Auf dem Feld der Sprache wagt er sich vor, findet Leichtes und Schweres, zeigt immer wieder Überraschendes auf. Und beweist mit seinem neuen Gedichtband einmal mehr, dass er ein großer Kenner poetischer Traditionen und souveräner Sprachgestalter ist.
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Seitenzahl: 42
Veröffentlichungsjahr: 2012
Uwe Kolbe
Gedichte
© S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2012
Coverabbildung: Greg Ochocki/Corbis
Covergestaltung: hißmann, heilmann, hamburg/ Imke Schuppenhauer
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Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
ISBN 978-3-10-400766-3
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Lietzenlieder
I
Lust, Umgang, Sprache
7. Kapitel
14. Kapitel
21. Kapitel
28. Kapitel
35. Kapitel
42. Kapitel
49. Kapitel
II
Road Kill
Die Richtung
Das Werk
Westwood Cemetery
Toronto oder Das metrische System
Die Ankunft der Geigenlehrerin
Misery Bay
III
Über das Erzählen
Zurück
Das Handbuch
Für immer
Eine Selbstverständlichkeit
Ohne Plan
Kein Anruf
Auf einen achtzehnten September
Ostdeutsch
Ostdeutsch. Appendix
IV
Rilke-Entwurf
h.m.e. beim Wiederlesen
Ambiguity Tango
Kein Glaube an das Gedicht
Kleine Spätsommerabendrechnung
Baumkataster
Das Brot
Kein Haus
o.T.
Göttin des Tages, Göttin der Nacht
Hortus
V
Elemente I
Elemente II
Elemente III
Die Klarheit
Nach der Stille
Wenn wieder
Blut
Strings
Ob unsere Toten
Hybris
Rückwärts
VI
Brecht am Schiffbauerdamm
Für die Nachwelt
Tausend zu Eins
Kante 1
Kante 2
Nächte allein
Schlosspark, Oktober
Baches Töne
Wasserjungfer
VII
Lietzenlieder
Aus allen Wolken
Ein paar Freunde zu begrüßen oder Tischkärtchen für Kito
Die Mündung
Eisvogel
Mensch und Krähe
0,07275 Joule/m2
So warten
Der Schlamm
Märkische Bewässerung
Was der wohl weiß
Libuše
Sailor’s Goodbye
Berlin liegt am Wasser
Der Kuckuck
Lietzenlied
VIII
Die Widmung
Markttag
Deutsch
Tiergarten
Seit halb fünf
Moment
Angst, eine andere
Bingener Gebet
Einmal
Das Buch
Curriculum vitae für Marion Wartumjan
Bedrängnis vor Lust, sagte die dreizehnte Fee
und setzte sich auf meinen Kopf. Strahlender Azur!
tönte es von den Halden Pompejis,
auf die ich schaute, bedrängt,
aber sicher. Das Boot fuhr,
Tuch flappte an Eisen, Eisen schrie über Holz,
wer fragte, erhielt eine Antwort, ich nicht,
ich hörte die Stimmen des Leibes.
Wer fragte, dem sprachen sich Ufer zu.
Ich japste nach Luft, sog Säuren ein,
man brachte das Balg in das Hospital zurück.
Das Boot nun verkauft, unterm Hintern weg
gezogen, die Fersen durchstochen,
zum Pendel gemacht, hing ich, Fee unten,
wir furchten die Erde, rochen nach Pilzsaison.
Kind ging verloren, ich lernte zu lesen
die Schrift an den Wänden Pompejis,
nichts währte, da stand es, durchs Innere
der Fee, Brennglas, gesehen, das blieb so
und schwärte, das Graben der Seele
im spastisch-phantastischen Nexus.
Am Anfang die widerstandslose Wollust,
der Grundtext in meinem geliebten Deutsch.
Stillbeschäftigung auf Wache
für Eisenhans an dem Tümpel.
Das Land, wir sangen es warm wie die Tundra.
In Mutter ein Riss, der Vater ergriff die Partei
und zeugte revolutionäre Mädchen mit ihr.
Großvater führte mich in die Forsten,
im Nutzgarten hinter dem Schuppen
ließ er mich zur Ader mit Sichel und Säge.
Hopp, kleiner Galilei, kleiner Robert Koch,
Fernglas und Mikroskop, Watson und Crick
die Doppelhelix-Helden, ich abonnierte
auf Wissenschaft und auf Fortschritt
und Jungfernzeugung im Heuaufguss.
Hunkepuus ging mein Ross, mit dem
gewann ich die Schlachten, das Haar
ward weiß, Prinzesschen hielt es für golden.
In Mutter der Riss, ich startete durch,
Maschinenzivilisationen vor Augen,
unendliche Weiten, Orgasmen Sternenstaub.
Und ach, meine Insel, bleiern die Küste,
doch ewig das Wogen, ich traf den Mönch,
und ich rang eine Nacht lang mit ihm,
im Rücken die Rufe: der Gegner, der Gegner.
Ein Hufschuh von Gold und Wohnen auf Abriss
und nebenbei zeugend, obligatorisch
die Kinder, die Mütter verlassend, ein Schrei
des reuigen Sünders in gottloser Gegend,
bewusst war daran nichts.
Was Sprache, war vorverfasst, ich übte
den Teerausch, den Weinrausch, den Absturz
mit ihr, lebte in ihrem schwarzen Schaum.
