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"Links, Woke, Antisemitisch" untersucht die wiederkehrende, oft übersehene Bedrohung des Antisemitismus im linken, postkolonialen und woken Milieu. Von Marx bis Marcuse, über Antizionismus als Feigenblatt, die Nutzung Palästinas als Projektionsfläche, bis hin zu Allianzen mit Islamisten, intersektionalen Verzerrungen und Medienversagen: Das Buch analysiert die ideologischen, kulturellen und politischen Mechanismen, die Juden und Israel ins Visier nehmen. Es beleuchtet die Rolle von Kultur, Universitäten, Social Media und Parteien, zeigt jüdische Perspektiven und intellektuelle Gegenbewegungen auf und skizziert Wege aus der Sackgasse. Ein eindringlicher Aufruf: Der Umgang mit Antisemitismus ist der Lackmustest westlicher Demokratien.
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Seitenzahl: 88
Veröffentlichungsjahr: 2025
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„Die größte Ironie unserer Zeit: Manche, die laut nach Gerechtigkeit schreien, übersehen die Vorurteile, die sie selbst transportieren.“
Was wirklich gesagt werden muss
TEIL I – BEGRIFFE, GESCHICHTEN, IDEEN
Der blinde Fleck der Linken
Von Marx bis Marcuse – Antisemitismus in der Linken
Antizionismus als Feigenblatt
TEIL II – ALLIANZEN UND PARADOXIEN
Palästina als Projektionsfläche
Die unheilige Symbiose: Islamismus und Linke
Intersectionality und ihre Schattenseiten
TEIL III – DISKURSE UND DARSTELLUNGEN
Die Medien: Beschweigen, Relativieren, Verdrehen
Kunst, Universitäten und Kulturkampf
Straße und Social Media
TEIL IV – POLITIK OHNE RÜCKGRAT
Parteien zwischen Opportunismus und Feigheit
Der Staat im Zwiespalt
Europa und die USA im Spiegel
TEIL V – KRITIK, DEBATTEN UND LÖSUNGSANSÄTZE
Die jüdische Perspektive
Intellektuelle Gegenbewegungen
Wege aus der Sackgasse
TEIL VI – AUSBLICK
Antisemitismus im Jahr 2030?
Der Lackmustest der Aufklärung
Aktuelles Nachwort
Eine Replik auf Günther Grass
Es ist ein seltsames Paradox der westlichen Kultur: Kaum jemand ist in der Lage, die eigene moralische Autorität so selbstbewusst und zugleich selbstzerstörerisch zu inszenieren wie Günther Grass. In seiner späten Stellungnahme zum Israel-Palästina-Konflikt, die er unter dem Schutzmantel literarischer Gravitas formulierte, zeigt sich exemplarisch das Phänomen, das dieses Buch durchzieht: die feinsinnige Maskierung antisemitischer Narrative in scheinbar humanistischen, linken Diskursen. Grass, der große moralische Zeigefinger der Nachkriegsgeneration, war und bleibt ein Symbol dafür, wie ein intellektuelles Establishment in einen rhetorischen Taumel geraten kann, in dem Kritik, Schuld und historische Verantwortung so miteinander verknüpft werden, dass die Realität des modernen Antisemitismus beinahe unsichtbar wird.
Denn was Grass in seiner berühmten, später oft zitierten Gedicht „Was gesagt werden muss“ ansprach, war nicht der Antisemitismus der Straße, der noch halbwegs greifbare Gestalt besitzt, sondern eine narrative Art des moralischen Verschleierns. Er legte den Finger auf die vermeintlich verborgenen Schuldstränge der westlichen Politik, konzentrierte sich auf die historische Verantwortung Deutschlands (und Österreichs) und verschränkte diese geschickt mit einer Kritik an der israelischen Politik. Dabei übersah er, oder wollte es übersehen, dass die moderne antisemitische Allianz von Linken, Wokeness und islamistischen Strömungen längst in den Alltag westlicher Gesellschaften eingedrungen ist – und dass sie nicht in der Vergangenheit wurzelt, sondern in der Gegenwart, im Hier und Jetzt, wirksam und gefährlich. Grass’ Warnung vor dem, was gesagt werden müsse, bleibt eine paradoxe Pointe: Sie illustriert genau die Schwierigkeit, die wir heute haben, wenn wir den modernen Antisemitismus benennen wollen, ohne selbst in moralische Fallgruben zu treten.
Dieses Buch erhebt nicht den Anspruch, die literarische Größe eines Grass zu erreichen. Es erhebt vielmehr den Anspruch, jene Fragen zu stellen, die Grass implizit verschob: Warum sind es gerade linke und „woke“ Milieus, die in der postkolonialen Moral die Resonanzräume für antisemitische Narrative eröffnen? Warum dürfen islamistische Propaganda, moralische Selbstüberhöhung und historische Schuld miteinander verschmelzen, ohne dass kritische Öffentlichkeit eingreift? Grass’ feinsinnige, literarische Form, die damals als moralische Bravour gefeiert wurde, wirkt heute fast wie ein Lehrstück dafür, wie Sprache und Stil den Blick auf die Wirklichkeit verschleiern können.
Wenn wir uns also auf die literarische Verantwortung besinnen, die Grass für sich reklamierte, müssen wir fragen: Was würde es wirklich heißen, das zu sagen, was gesagt werden muss? Es würde heißen, die Mechanismen offenzulegen, die modernen Antisemitismus nicht nur zulassen, sondern kultivieren. Es würde heißen, die feinen Netzwerke zwischen linken Aktivisten, akademischen Institutionen, NGOs und islamistischen Gruppierungen sichtbar zu machen, die sich gegenseitig in ihrer moralischen Selbstgewissheit bestätigen, während sie gleichzeitig antisemitische Narrative reproduzieren. Es würde heißen, die Rolle einer unkritischen Presse zu hinterfragen, die Reflexe der politischen Korrektheit über journalistische Gründlichkeit stellt, und eine Politik zu analysieren, die lieber Lavieren als klare Positionierung übt.
Dabei geht es nicht um polemische Häme, sondern um eine nüchterne Diagnose: Wer den modernen Antisemitismus nur als Randerscheinung betrachtet oder als notwendiges Korrektiv von Israelkritik verklärt, der verkennt, dass er in unserer Gesellschaft in alltagspraktischer, ideologischer und institutioneller Form existiert. Die literarische Brillanz Grass’, seine stilistische Finesse, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass moralische Rhetorik eine gefährliche Waffe sein kann, wenn sie von der Realität entkoppelt wird. Einem solchen Diskurs darf man nicht mit Ehrfurcht begegnen, sondern er muss kritisiert, seziert und in den Kontext der gesellschaftlichen Wirklichkeit eingeordnet werden.
Dieses Buch versteht sich daher als direkte Fortsetzung dieser Replik. Es nimmt den Faden auf, den Grass nur anreißt, und entwirrt ihn in der komplexen Gegenwart: der Gegenwart eines Antisemitismus, der von linken Idealen, postkolonialer Theorie, woken Diskursen und islamistischen Netzwerken gleichzeitig genährt wird. Es untersucht, wie eine unkritische Presse, akademische Institutionen und politische Entscheidungsträger diesen Antisemitismus unbeabsichtigt stabilisieren. Es zeigt, dass die Grenzen zwischen moralischem Engagement, Solidarität mit Palästina und antisemitischer Vereinnahmung fließend sind, und dass der Preis für das Wegsehen hoch ist: eine schleichende Unterminierung der Aufklärung selbst.
Am Ende muss die Antwort auf die Frage „Was wirklich gesagt werden muss?“ lauten: Wir müssen den modernen Antisemitismus klar benennen, ohne uns hinter moralischen Gesten, historischen Reflexen oder stilistischer Eleganz zu verstecken. Wir müssen die Verantwortung dort ansprechen, wo sie heute wirksam ist, und die Strukturen sichtbar machen, die ihn tragen. Und wir müssen die Courage aufbringen, den diskursiven Schleier zu lüften, der ihn in linke, woke oder postkoloniale Narrative einhüllt. Nur wer diesen Mut aufbringt, erfüllt die literarische, moralische und gesellschaftliche Verpflichtung, die Grass einst postulierte – und doch, wie wir sehen, unvollständig ausübte.
In diesem Sinne versteht sich dieses Buch nicht nur als Analyse, sondern als Mahnung: Es ist eine Einladung, die Sprache nicht länger als Schleier zu benutzen, sondern als Werkzeug, um Wahrheit, Verantwortung und die Prinzipien der Aufklärung zu verteidigen. Wer dies ernst nimmt, erkennt: Der moderne Antisemitismus ist kein Randphänomen, sondern ein Lackmustest der westlichen Demokratie, und jede literarische oder politische Weigerung, dies zu benennen, ist nicht nur intellektuell unredlich, sondern gesellschaftlich gefährlich.
Warum ausgerechnet jene, die für Menschenrechte kämpfen wollen, beim Thema Judenhass versagen
Der moralische Selbstanspruch – und das große Schweigen
Die Linke liebt die Menschenrechte. Sie trägt sie wie ein Ordensband am Revers, poliert sie bei jeder Gelegenheit und belehrt die Welt, dass Fortschritt, Emanzipation und Solidarität nur durch sie selbst möglich seien. Wer sich links verortet, sieht sich gern als Bannerträger der Humanität, als Anwalt der Entrechteten, als Stimme der Stimmlosen. Nur leider – und das ist die bittere Pointe – wird die Stimme plötzlich heiser, wenn es um Jüdinnen und Juden geht. Noch genauer: Sie verstummt nicht selten, wenn Israel auf der Agenda steht.
Hier liegt er, der blinde Fleck der Linken, und er ist kein kleiner Kratzer auf der moralischen Brille, sondern eine handfeste Trübung, die alles verzerrt. Judenhass gilt auf der Rechten als verachtenswert, als toxisches Erbe des Faschismus. Auf der Linken dagegen hat er sich ein neues Kostüm geschneidert: Er nennt sich Antizionismus, „Israelkritik“ oder postkoloniale Solidarität. Er versteckt sich hinter großen Worten – Befreiung, Gerechtigkeit, Dekolonisierung – und marschiert doch im Takt der ältesten Ressentiments Europas.
Vom Klassenkampf zum Opferwettbewerb
Historisch betrachtet, war die Linke immer stolz darauf, den Nationalismus und damit auch den klassischen Antisemitismus zu überwinden. Der Kapitalismus galt als Hauptfeind, nicht „die Juden“. Doch schon Karl Marx selbst konnte sich antijüdischer Klischees nicht enthalten – man denke nur an seine berüchtigten Schriften über das „Judentum“ als Metapher für Geldgier. Später übernahm die Arbeiterbewegung diesen Widerspruch: offiziell internationalistisch, aber in der Praxis oft voller Vorurteile.
Im 21. Jahrhundert hat sich die Szenerie gewandelt. Der alte Klassenkampf wurde von einer neuen Moralökonomie ersetzt: Wer am meisten leiden kann, wer den größten Opferstatus beansprucht, der gewinnt das Spiel der Aufmerksamkeit. Und da erscheinen die Palästinenser – ein Volk ohne Staat, mit tragischer Geschichte, Opfer kolonialer Willkür – als perfekte Projektionsfläche. Dass viele ihrer politischen Vertreter auf islamistische Ideologien setzen, dass in ihren Schulbüchern antisemitische Stereotype wuchern und dass Hamas und Hisbollah den Judenmord ganz offen propagieren – all das stört im Westen erstaunlich wenig. Denn im moralischen Schachspiel des „woken“ Diskurses zählt die reine Opferpose mehr als die Realität.
Israel als Fetisch und Feindbild
Israel hat das zweifelhafte Privileg, in diesem Weltbild zur Chiffre für alles Böse zu werden: Kolonialismus, Imperialismus, Militarismus – der kleine Staat wird zur Projektionsfläche für jedes Ressentiment. Dass Israel zugleich die einzige Demokratie im Nahen Osten ist, dass dort Juden, Muslime, Christen und Atheisten nebeneinander leben, dass arabische Abgeordnete im Parlament sitzen – all das wird ignoriert. Es passt nicht ins gewünschte Narrativ.
Für die Linke ist Israel längst nicht nur ein Land, sondern ein Fetisch. Die radikale Rechte hasst Juden direkt, die radikale Linke hasst Israel – und behauptet, das sei etwas ganz anderes. Doch sobald man die Rhetorik entkleidet, entdeckt man die alten Muster: Dämonisierung, Doppelmoral, Delegitimierung. Drei „D“s, die in jeder ernsthaften Antisemitismusdefinition auftauchen, und die doch in linken Diskursen salonfähig bleiben.
Medien und Universitäten als Echokammern
Die unkritische Presse spielt dabei eine tragende Rolle. Wer etwa die deutsche oder britische Berichterstattung seit 2015 verfolgt, stellt fest: Gewalt gegen Juden in Europa wird regelmäßig kleingeredet, antisemitische Ausfälle auf Demonstrationen als „Israelkritik“ verharmlost. Journalisten, die sich gegen diesen Trend stellen, werden als „pro-israelisch“ oder „rechts“ abgestempelt – ein absurdes Urteil, das die Grenzen zwischen Fakten und Ideologie verwischt.
An den Universitäten ist die Lage kaum besser. Postkoloniale Theorien dominieren den Diskurs, Edward Said ist Pflichtlektüre, während jüdische Perspektiven marginalisiert werden. BDS-Kampagnen verbreiten sich wie akademische Modewellen. Und das alles im Namen der „kritischen Theorie“, die paradoxerweise ihre eigene Blindheit gegenüber antisemitischen Mustern nicht mehr reflektiert.
Politik ohne Rückgrat
Die Politik schließlich laviert. Offiziell bekennt man sich zur „Staatsräson“ Israels, wie etwa Angela Merkel es formulierte. In der Praxis aber werden islamistische Organisationen gefördert, BDS-nahe Gruppen mit öffentlichen Geldern bedacht und antisemitische Ausfälle auf Demonstrationen toleriert. Seit 2015, mit der sogenannten „Flüchtlingskrise“, hat sich das Problem verschärft: Der Import von Konflikten aus dem Nahen Osten führte zu einem offenen Anstieg judenfeindlicher Gewalt in Europa. Doch wer diese Tatsache benennt, läuft Gefahr, als „rechts“ gebrandmarkt zu werden – ein politisches Klima, in dem klare Benennungen tabuisiert werden.
Die Folge: ein Vakuum, in dem Antisemitismus wachsen kann, während die Politik sich in symbolischer Rhetorik erschöpft. Ein paar Mahnmale hier, eine Gedenkrede da – und gleichzeitig Fördergelder für Gruppen, die den Judenstaat dämonisieren. Der Zynismus könnte größer nicht sein.
Warum dieses Buch nötig ist
Diese Einleitung will keine akademische Fingerübung sein, sondern eine Diagnose. Es geht um nichts weniger als den Testfall der Aufklärung. Wenn die Linke, die sich für Menschenrechte stark macht, beim ältesten Hass der Menschheitsgeschichte versagt, dann steht mehr auf dem Spiel als ein paar Debatten an Universitäten. Es geht um die Glaubwürdigkeit des Humanismus selbst.
